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1518 Person(en) gefunden.
Abadie, Paul
(1812-84). Franz. Architket. Baute das Schloss von Angouleme zum Rathaus um.
Abbate, Niccolo dell`
1509/12 in Modena geb., + 1571 in Fontainebleau?. Italienischer Maler, dessen besondere Bedeutung in seiner Beteiligung an der Ausmalung des Schlosses von Fontainebleau begründet liegt, das der französische König Franz I. 1528 erbauen und in der Folgezeit vorwiegend von französischen Künstlern ausstatten liess (Schule von Fontainebleau). Abbate studierte zunächst bei dem Bildhauer Antonio Begarelli, unterlag aber sehr bald dem Einfluss der Malerei Dosso Dossis und Parmigianinos, bis zu einem gewissen Grad vielleicht auch der Correggios. Alle diese Vorbilder führten bei ihm rasch zur Ausbildung des typisch manieristischen Stils der Spätrenaissance mit einer Übersteigerung des Plastischen in der Bildgestaltung, bei ihm allerdings gemässigt durch eine zarte Kontur, besonders in der Ausführung der eleganten, oft in sehr gespreizten Posen dargestellten Figuren. Die ersten grösseren Aufträge des Malers bestanden in der Ausführung von Fresken im Scandiano-Palazzo (in der heutigen Biblioteca Estense) in Modena (Szenen aus der Aeneis) sowie von Fresken im dortigen Comunale-Palazzo Modena (1546). Für S. Pietro in Modena malte er um 1547 ein Tafelbild (Marter Petri und Pauly, heute Dresden, Gemäldegalerie). Von den in der Folgezeit in Bologna entstandenen Fresken (Poggi-Palazzo, Leoni-Palazzo) ist wenig erhalten geblieben. Insgesamt bleibt in diesen Jahren in den Fresken mit ritterlichen Szenen und den Portraits noch der Einfluss Parmigianinos erkennbar, der aber völlig zurücktrat, als Abbate von Primaticcio, Francesco 1552 nach Fontainebleau geholt wurde. Primaticcio, Francesco, der die Oberleitung über die Innenausstattung des Schlosses innehatte, übertrug Abbate vor allem die Ausmalung der Galerie d`Ulysse und der sog. Galerie Heinrichs II. Ein Teil der Frescen Abbates geht auf Entwürfe von Primaticcio, Francesco zurück. Neben den Fresken entstanden Tafelbilder, u.a. Portraits des französischen Königspaares, Gemälde mit mythologischen u.a. Themen wie „Der Raub der Proserpina“, „Die Enthaltsamkeit Scipios“ (alle Paris, Musee National du Louvre), ausserdem Entwürfe für die königliche Teppichmanufaktur, Goldschmiedearbeiten, Emails und Entwürfe für Festarchitekturen. Insgesamt war Abbate entscheidend an der Verbreitung des italienischen Manierismus in Frankreich beteiligt, obschon er in seiner letzten Phase unter dem Einfluss der niederländischen Malerei zu einer realistischeren Form vor allem der Landschaftsschilderung (Ansicht eines Kornfeldes, Fontainebleau) fand.
Abel
Stadtbaurat in Lauban (Polen).
Abesser, Hans
Architekt aus Berlin.
Abildgaard, Nicolai Abraham
(getauft 11.9.1743 in Kopenhagen, + 4.6.1809 in Frederiksdal bei Kopenhagen). Dänischer Maler, Architekt, entwarf auch Bühnenbilder, Medaillen und Denkmäler. Nach seiner Ausbildung an der Königlichen Kunstakademie in Kopenhagen verbrachte er 1772 bis 1777 fünf Studienjahre in Italien. Nach seiner Rückkehr wurde er zum Professor an der Akademie und zum Königlichen Historienmaler ernannt. Von 1789 an war er mit einer zweijährigen Unterbrechung Direktor der Kunstakademie. Er war u.a. Lehrer Christoffer Wilhelm Eckersbergs, Philipp Otto Runges und Bertel Thorvldsens. Abildgaard bevorzugte Themen aus der griechisch-römischen Mythologie, z. B. "Der verwundete Philoktet" (1774-75), aus der antiken Literatur, z.b. in dem 1801-04 entstandenen Bilderzyklus zu dem "Mädchen von Andros" von Terenz und dem "Goldenen Esel" von Apuleius von 1808-09. Abildgaards Werk ist zwar in die Strömungen des Neoklassizismus einzuordnen, habt sich jedoch durch seine verhaltene, gedämpft-melancholische Farbgebung ab, so in dem 1787 gemalten Bild Ossian. Weniger dramatisch, heller und von feierlich-klassischer Stimmung getragen sind seine Historienbilder, z.B. das Wandgemälde "Christian I. erhebt Holstein zum Herzogtum" (1778, Kogenhagen, Schloss Christiansborg). Abildgaard übte einen grossen Einfluss auf die dänische Malerei des ausgehenden 18. Jh. aus und gilt als einer der bedeutendsten dänischer Maler seiner Zeit. Ein Grossteil seiner Werke (darunter die o. gen.) befindet sich im Statens Museum for Kunst in Kopenhagen.
Ableitner, Balthasar
(*1613 in Miesbach, + 13.5.1705 in München). Deutscher Bildhauer. Für Herzog Albrecht seit 1652 als Hofbildhauer tätig, hatte Ableitner Anteil an der Durchsetzung des Hochbarocks in München. Sein Werk umfasst Porträtbüsten der kurfürstlichen Familie, Elfenbeinarbeiten, Dekorationen der päpstlichen Zimmer in der Residenz München I und als sein bedeutendstes Sakralwerk den Entwurf von St. Peter in München.
Abu`l Hasan
*1588/89, + um 1630 vermutlich in Agra. Indischer Miniaturmaler, Sohn des persischen Minitaturmalers Aga Riza. Er gehörte zu den bevorzugten Hofmalern, vor allem des Mogulkaisers Jahangir (1605-27), der ihm den Ehrentitel Nadir az-Zaman (Wunder des Zeitalters) verlieh. Er arbeitete in der bereits unter Kaiser Akbar aufkommenden Tradition, Hofszenen und Portraits auf einzelnen Kartons darzustellen, die dann zu Alben zusammengefügt wurden. Zu seinen Hauptwerken gehören allegorische Porträts von Jahangir (oft vor einem fiktiven szenarischen Hintergrund, der auf Träumen des Kaisers basierte), so "Jahangir schiesst auf den enthaupteten Kopf des Malik Ambar (Dublin, Chester Beatty Library) und "Jahangir mit einem Bild des Akbar in den Händen" (Paris, Musee Guimet). In Abu`l Hasans Werk mischen sich persische und indische mit abendländischen Einflüssen (beispielsweise in der realistischen Personendarstellung).
Achill
(griech. Achilleus, röm. Achilles). Nach Homer der Sohn der Meeresgöttin Thetis und des Königs Peleus von Phthia in Thessalien. Held der Griechischen Sage; Hauptgestalt der Ilias. Achill wurde vor allem im Pontos verehrt (nördliche Küstenlandschaft des antiken Kleinasien), wo sich der Überlieferung nach sein Grab befand. Achill, der Held schlechthin, wird gewöhnlich als bewaffneter Krieger in voller Rüstung dargestellt. Aber auch die Episode, in der Odysseus den Helden unter den Töchtern des Königs Lykomedes auffindet, ist ein beliebtes Motiv in der Malerei.
Acier, Michel Victor
(* 20.1.1736 in Versailles, +16,2,1799 in Dresden). Bildhauer.
Adam, Albrecht
*16.4.1786 in Nördlingen, +28.8.1862 in München. Deutscher Pferde- und Schlachtenmaler. Seine erste Ausbildung erhielt er bei Christoph Zwinger in Nürnberg. Anschliessend studierte er an der Münchener Akademie. Doch die entscheidenden Eindrücke gewann er 1809 im Feldzug gegen Österreich. Als Hofmaler eugene Beauharnais`, des Vizekönigs von Italien, nahm er 1812 an Napoleons Russlandfeldzug teil und hielt die Schlachten in 83 Ölskizzen fest. 1815 liess er sich in München nieder und kam, gefördert von König Max I., durch seine Reiterbildnisse rasch zu grossem Ansehen, so dass ihm auch andere Fürsten Aufträge erteilten. Für Ludwig I. schuf er 1838 die "Schlacht von Borodino" (München I, Residenz), 1848 malte er "Marschall Radetzky zu Pferde" (Neue Pinaokothek, München), den er auf dem Feldzug gegen Sardinien begleitet hatte. 1855-57 arbeitete er in Wien beim Grafen Grünne und auch am Kaiserhof, häufig unterstützt von seinem Sohn Franz Adam, der später als Maler des Kriegsgeschehens von 1870-71 bekannt wurde. Noch kurz vor seinem Tod vollendete der 76jährige Maler nach dreijähriger Arbeit die monumentale "Schlacht von Zorndorf" für das Maximilianeum in München. In seinen Erinnerungen "Aus dem Leben eines Schlachtenmalers" hinterliess er ein anschauliches Bild vom Schlachtengeschehen seiner Epoche. Eine Reihe seiner Werke befindet sich in der Neuen Pinakothek, München.
Adam, Francois Gaspard Balthasar
*23.5.1710 in Nancy, +1761 in Paris. Französischer Bildhauer, Sohn von Adam, Jacob Sigisbert. Er ging 1730 nach Rom und traf dort mit seinen Brüdern zusammen. Sein Aufenthalt in Rom war vor allem dem Studium und der Restaurierung antiker Skulpturen gewidmet. Drei Jahre später reiste er nach Paris. Er erhielt mehrere Preise und ein Romstipendium, so dass er 1742-46 wieder in Rom arbeitete, beovr er nach einem kurzen Zwischenaufenthalt in Paris für 13 Jahre nach Preussen ging, wo er "erster Bildhauer" F
Adam, Jacob Sigisbert
*28.10.1670 in Nancy, +7.5.1747 in Nancy. Französischer Bildhauer, Vater von Adam, Francois Gaspard Balthasar, Adam, Lambert Sigisbert und Adam, Nicolas Sebastien. Er arbeitete 12 Jahre in Metz und kehrte dann nach Nancy zurück, wo er für Herzog Leopold von Lothringen tätig war. Seine Terrakottaskulpturen und Holzskulpturen lassen keine überragende Begabung erkennen.
Adam, John
*1721 in Kircaldy, +25.6.1792 in Edinburgh. Schottischer Architekt. Er übernahm 1748 die Familienfirma von seinem Vater Adam, William und setzte sie in Partnerschaft mit seinem Bruder Adam, Robert fort. Seine Bauten stehen in der Tradition des Palladianismus.
Adam, Lambert Sigisbert
(auch Adam L´Aine). *10.10.1700 in Nancy, +13.5.1759 in Paris. Französischer Bildhauer, Sohn von Adam, Jacob Sigisbert. Er arbeitete bis 1718 in der Werkstatt seines Vaters, 1718 ging er nach Paris, wo er 1723 den grossen Preis für Skulptur erhielt, mit dem der begehrte Romaufenthalt verbunden war. Dort restaurierte er antike Skulpturen für Kardinal Melchior de Polignac, arbeitete an Figuren mit mythologisch-allegorischen und Reliefs mit religiösen Themen. Er gewann mit einem Modellentwurf den von Papst Clemens ausgeschriebenen Wettbewerb für die Fontana di Trevi. Er wurde jedoch nicht ausgeführt, da Adam nach Frankreich zurückkehrte. Seit 1733 wieder in Paris, löste er sich langsam aus der starken Bindung an die italienische Barockskulptur, besonders an das Werk Giovanni Lorenzo Berninis. Er schuf Einzelstatuen und Gruppen für Parkanlagen und Brunnenanlagen sowie Reliefs für Innendekorationen (u.a. für Versailles). Die Marmorskulptur "Prometheus", 1737 entstanden und ein Geschenk des Künstlers an die Parieser Akademie, zeigt neben Erfindungsreichtum und hohem technischen Können noch die Abhängigkeit von Bernini, während die mit seinem Bruder Adam, Nicolas Sebastien ausgeführte Gruppen "Triumph Neptuns und Amphitrites" (Bleiguss, 1740) für den Park von Versailles ebenso wie auch die Gruppe "Vereinigung von Seine und Marne" im Park von St-Clud Ausdruck eines klassizistisch gefärbten Rokokostils ist.
Adam, Nicolas Sebastien
(auch Jeune, Adam Le). *22.3.1705 in Nancy, +27.3.1778 in Paris. Französischer Bildhauer, Sohn von Adam, Jacob Sigisbert. Er arbeitete zunächst in der Werkstatt seines Vaters, kam dan 1726 über Montpellier nach Rom; von da an Zusammenarbeit mit seinem Bruder Adam, Lambert Sigisbert, in dessen Schatten er immer stand. Ab 1734 wieder in Paris, war u.a. an der Innendekoration für die Versailler Schlosskapelle beteiligt. Nach Aufträgen für den polnischen Exkönig Stanislaw Leszczynski in Nancy kehrte er 1752 wieder nach Paris zurück. 1762 entstand die Marmorgruppe "Der gefesselte Prometheus" (Paris, Musee National du Lourve).
Adam, Robert
(*3.7.1728 in Kircaldy, +3.3.1792 in Edinburgh). Der grösste britische Architekt des späten 18. Jhs; als Innenarchitekt und Möbelentwerfer, Designer etc. vielleicht noch bedeutender, denn hier ist sein Name noch heute ein fester Stilbegriff. In seiner klaren, unsinnlichen Eleganz ist er seinem franz. Zeitgenossen Soufflot, Jacques-Germain vergleichbar, doch liegt ihm die kalte Feierlichkeit von Soufflot, Jacques-Germain fern. So war er der Begründer des Klassizismus und Bahnbrecher des englischen Kunstgeschmacks auf dem Kontinent.
Adam war ein echter Schotte, nüchtern, besonnen und unbändig ehrgeizig, aber nicht ohne zarte romantischere Charakterzüge. Beide Seiten seines Wesens spiegeln sich in seinem Werk, das zwischen einem malerischen Klassizismus und einer klassisch verhaltenen Neugotik schwankt. Seine Arbeiten haben die Haltung ungezwungenen Anstands, unpedantischer Gelehrtheit und unauffälligen Wohlstands, eben der kultivierten Welt seiner Auftraggeber. Da er empfand, dass es weder gesittet noch klug sei, bestehende Traditionen zu brechen, schuf er einen klassizistischen Stil, den Adam Style, der graziöser und auf heitere Weise eleganter war, als jener der Anhänger des Palladianismus, die ihm vorausgingen, oder der Anhänger des Greek Revival, die auf ihn folgten. Er vermied so überraschende Neuerungen wie die Anwendung der dorischen Ordnung (Säulenordnungen) an klassischen Bauten oder der malerischen Asymmetrie an gotischen. Adams erfüllte das damals herrschende Verlangen nach einem neuen Klassizismus, indem er den dekorativen Formenschatz erweiterte und phantasievoll kontrastreiche Raumanordnungen, die unverkennbar auf die Thermen der römischen Kaiserzeit zurückgehen, verwandte. Durch die geschickte Variation von Raumformen, durch seine Vorliebe für Nischen und verschleidernde Säulenstellungen, die dem Raum etwas Geheimnisvolles geben, ferner durch seine neugotischen Burgen mit romantisch-wuchtigem Aussenbau und behaglich klassizistischen Innenräumen entsprach er dem Zeitgeschmack für das Malerische. Er wurde der Architekt par excellence des Zeitalters der Empfindsamkeit. Sein Einfluss verbreitete sich rasch über England hinaus und reichte sogar bis nach Russland und Amerika. Seine Arbeitsleistung war gewaltig, aber seine unglücklich ausgegangene Immobilien-Spekulation mit dem Londoner Adelphi-Projekt brachte ihn um die Früchte seines Fleisses. Sein Vater Adam, William (1689-1748) war in seiner Zeit der führende Architekt in Schottland. Er entwickelte einen kraftvollen, persönlichen, auf Vanbrugh, Sir John, Gibbs, James und die Vertreter des englischen Palladianismus zurückgegenden Stil und schuf z.B. Hopetown House (1721ff.) in der Nähe Edinburghs und Duff House (1730-1739) in Banff, Schottland. Roberts Brüder John Adam (1721-92) und James Adam (1732-94) waren ebenfalls Architekten, beide im Architekturbüro ihres Vaters in Edinburgh ausgebildet; Robert und James besuchten ausserdem die Universität Edinburgh. Robert Adams Frühwerke, z.B. Dumfries House (1750-54 entworfen) zeigen nur eine geschulte Hand. Nach einem abgebrochenen Studium in Edinburgh führte er seit dem Tode des Vaters zusammen mit seinem Bruder Adam, John die Familienfirma. 1754-58 unternahm er eine Studienreise nach Italien, wo er in Begleitung Charles-Louis Clerrisseaus die Antike studierte (u.a. die Architektur der Kaiserzeit) und Giovanni Battista Piranesi traf. Mit Clerisseau vermass Robert Adam auch 1757 den Diokletianspalast in Split; die Ergebnisse wurden 1764 von ihm unter dem Titel "Ruins of Spalato" veröffentlicht. 1758 liess Robert Adam sich in London nieder, wo sich ihm sein Bruder James anschloss, nachdem er 1760-63 ebenfalls eine Bildungsreise durch Europa zu Clerisseau gemacht hatte. Seine Haupttätigkeit in den sechziger Jahren bestand im Umbau von Landsitzen und in der Neugestaltung ihrer Inneneinrichtung. Der Säulengang der Admiralität London (1759-60) zeigte sogleich sein Können und seine Originalität, aber die meisten Aufträge seiner Frühzeit galten der Umgestaltung alter Häuser oder der Fertigstellung von anderen Architekten begonnener Gebäude. Dennoch gelangte Robert Adam schell zu einem persönlichen Stil; Harewood House (1758-61), Kedleston Hall (1759ff.), Syon House (1760-69), Osterley Park House (1761-80), Luton Hoo (1766-70), Newby Hall (1767-85) und Kenwood House (1767-69) zeigen seine Meisterschaft in der Innenarchitektur. Seine gewissenhafte Gestaltung der Details (grosser Erfindungsreichtum an Raumwirkungen mit einem Formenapparat, der von monumentalen Säulen bis zu zartestem Stuckdekor und feiner Ornamentmalerei reicht) zeigt die preziöse Perfektion der gemalten Dekorationen und der nur flach aufliegenden Stukkaturen wie auch die Sorgfalt, die er auf jeden Teil eines Raumes - von den Teppichen bis zu den Schlüssellochbeschlägen - verwendete. Kein Architekt vor ihm hatte so umfassende Pläne für die Innenraumgestaltung ausgearbeitet. Noch die kleinsten Dekorationsmotive wurden mit solchem Geschick mit dem Ganzen verwoben, dass eine Wirkung von äusserster Anmut entsteht, und obschon sich doch in jedem Raum dieselbe künstlerische Persönlichkeit ausdrückt, entsteht bei seinen Zimmerfluchten niemals der Eindruck der Monotonie. Von sorgfältig komponierter, an der Antike, der Renaissance und dem Villenstil auf dem Kontinent orientierter Vielfalt ist auch die Abfolge der Räume. Sie weisen verschiedene Grundrisse und Raumtypen auf, verbunden mit einer eklektischen Gestaltung aller dekorativen Details, die griechische, hellenistische, etruskische und römische Anregungen mit Vorbildern der italienischen Frührenaissance und Hochrenaissance sowie palladianischen Formen in einem synthetischen Ganzen vereinigt. Sie veranschaulichen vollkommen die Eigenschaften, die Robert und James in der Einleitung ihrer "Works of Architekture" (1773; 2. Band 1779; 3. Band 1822) bewundernd aufzeigen, nämlich die Bewegung oder "das Fallen und Steigen, das Vor- und Zurückspringen und andere Variationen der Form", ferner "eine Vielfalt von zart abgestuften Profilen". Beispiele für den klassizistischen Stil Robert Adams sind Syon House, das durch verschiedene geometrische Formen bestimmt wird (basilikale Halle, Rotunde, zentrale Halbkuppel usw.), und die Südfront von Kedleston Hall in der Form eines römischen Triumphbogens. Robert Adams Originalität, sein Einfallsreichtum sprechen aus den genialen Entwürfen für Londoner Stadthäuser, die er in den 70er Jahren schuf, so z.B. St. James`s Square Nr. 20 und Portman Square Nr. 20. In diesen Bauten wurden allerdings die Dekorationen zunehmend flach und linear und neigten zu der glatten Zierlichkeit, die man ihm gegen Ende seines Lebens vorwarf. Sie blieben traditionell auf drei bis fünf Fensterachsen beschränkt, reichten aber über drei Stockwerke und wiesen eine beträchtliche Tiefe auf. Die verschiedengestaltigsten Räume und ihre Abseiten werden oft durch Säulenstellungen verbunden und räumliche Übergänge verschleiert. Zwischen 1768 und 1772 begannen Robert und James ihr ehrgeizigstes Unternehmen, nämlich den Bau des Adelphi Terrace (1928 abgebrochen), einer Gruppe von Luxuxmiethäusern am Themseufer. Unglücklicherweise schlug diese Spekulation fehl, und die beiden Brüder wurden nur durch eine Lotterie und durch Darlehen von ihrem älteren Bruder John in Edinburgh vor dem Bankrott bewahrt. Ein
Nicht zuletzt durch diesen Fehlschlag und dem unglücklichen Agieren beim Projekt am Portland Place, in denen Mietwohnungen durch palastartige Fassaden zusammengefasst wurden, sank nach 1775 die Qualität der Arbeiten Robert Adams, doch gaben ihm grosse Aufträge in Edinburgh (Register House 1772-92) während seines letzten Lebensjahrzehnts noch einmal die alte Kraft zurück. Hier schuf er die Universität (begon. 1789, von Playfair, William Henry nach abgeänderten Entwürfen 1815-34 vollendet, die Kuppel 1887 von R.R. Anderson, 1834-1921 vollendet) und den Charlotte Square (1791 entworfen). Die Hauptfassade der Universität ist Roberts Adams monumentalster und vielleicht auch sien architektonisch vollendetster Bau.
Dieser späten Schaffensperiode gehören auch die meisten seiner Schlossbauten an, z.B. Culzean Castle (1777-90) und Seton Castle (1789-91), die ihrer Zeit weit voraus waren. Seine frühesten neugotischen Bauten (z. B. die Einrichtung von Alnwick Castle, ca. 1770, heute zerstört) zeigten eine raffinierte Eleganz wie seine klassizistischen Bauten. Nun aber entwickelte er einen kühneren Stil. Bei Culzean Castle nützte er die hochromantische Lage in der Ayrshire-Küste zur Anlage dräuender Türme und Zinnen, die aber Räume von zartester Eleganz umschlossen, ein Paradebeispiel der Zeit der Empfindsamkeit.
Adam, William
*3.10.1689 in Kircaldy, +24.6.1748 in Edinburgh). Schottischer Architekt. Vater von Adam, James, Adam, John und Adam, Robert. Er war Bauunternehmer und einer der bedeutendsten schottischen Architekten des 18. Jh.s William Adam arbeitete für William Bruce, dessen Auftrag für Hopetoun House er 1723 übernahm und 1748 als seinen grossartigsten Landsitz fertigstellte. Seine Bauten, darunter zahlreiche Aufträge, alle in Schottland, tendieren eher zu einem englischen und kontinentalen Barock mit bewegtem Umriss als zur palladianischen Tradition.
Adelcrantz, Carl Fredric
*30.1.1716 in Stockholm, +1.3.1793 in Stockholm. Schwedischer Architekt. In seiner Stellung als Hofarchitekt, Bauintendant, Leiter der Hofkapelle und des Hoftheaters unter König Gustav III. hatte Adelcrantz starken Einfluss auf die Entwicklung des Klassizismus in Schweden. Von ihm stammen das Lustschloss (1764-66) und das Schlosstheater in Drottningholm (1762-66) sowie in Stockholm die Oper (1774-1782), die Münze (1783-85) und die Adolf-Fredrik-Kirche.
Adler, Friedrich
(*15.10.1827 in Berlin, +15,9,1908 in Berlin). Baumeister.
Adolphin, A.
Bildhauer aus Glatz (Schlesien).
Adonis
Nach Ovid Sohn des zyprischen Königs Knyras und seiner Tochter Myrrha. Mit der Adonis-Sage verbindet sich die Darstellung des Zyklus der Jahreszeiten. Der im Orient entstandene Adoniskult verbreitete sich in hellenistischer Zeit weit über Griechenland; bei den Adonia, die bis zu acht Tage dauerten, wurden die Vereinigung und schliesslich die Trennung von Adonis und Aphrodite (Venus) gefeiert. Als Jüngling von ausserordentlicher Schönheit ist Adonis oft gemeinsam mit Aphrodite (Venus), als Jäger oder in der Szene dargestellt, in der ihn der wilde Eber tötet.
Aetion
Tätig um 352 v. Chr. Griechischer Maler, vermutlich der kleinasiatischen Schule. Cicero zählt ihn zusammen mit Nikomachos, Protogenes und Apelles zu den "vollendeten Malern" im Gegensatz zur älteren Schule. Nach Plinius war seine Blütezeit um 352 v. Chr. Er muss aber noch nach 328 v. Chr. die Hochzeit Alexanders d. Gr. mit Roxane gemalt haben. Die Alexanderhochzeit ist das einzige Gemälde, von dem mehr als der Titel bekannt ist. Lukian, der es in Rom gesehen hat, gibt eine ausführliche Beschreibung: Roxane
Affinger, Bernhard → Afinger, Bernhard
Afinger, Bernhard
(auch Affinger, Bernhard, *6,5,1813 in Nürnberg, +25.12.1882 in Berlin). Bildhauer.
Aga Riza
Tätig etwa 1585 - 1625. Persischer Minitaturmaler, Vater von Abu`l Hasan, Hofmaler des indischen Mogulkaisers Jahangir (1605-27). Seine hauptsächliche Leistung besteht darin, dass er am Mogulhof den persischen Miniaturstil einführte, der sich dann allgemein durchsetzen sollte. Er arbeitete u.a. an dem sog. Jahngir-Album mit, einer Sammlung von Kartons mit Miniaturen, für die er die Einfassungen schuf. Es handelt sich um damals neuartige, oval gestaltete Arabesken und Spiralen. Seine Personendarstellungen (Kartons u.a. in London, British Museum) zeichnen sich durch eine innerhalb der persischen Tradition der Miniaturmalerei grössere Indivitualisierung aus.
Agatharchos
Tätig nach 450 v. Chr., Sohn des Eudemos, gebürtig von der Insel Samos; der älteste griechische Bühnenmaler, dessen Name bekannt ist. Seine für das Athener Theater geschaffenen Kulissenbilder liessen die gemalten Fassaden von Stadtmauern oder Palästen durch perspektivische Zeichnung und Schattierung als wirklich erscheinen. Nach Vitruv beschäftigte sich Agatharchos auch theoretisch in einer Schrift mit der Skenografie (Bühnenmalerei) und gab Demokrit und Anaxagoras den Anstoss zu ihren Untersuchungen über die Gesetze der Optik. Alkibiades soll den Maler in seinem Haus gefangengehalten haben, damit er es ihm mit seinen illusionistischen Malereien ausschmückte.
Agesandros
(auch Hagesandros). Tätig 2. Jh. v. Chr.; griechischer Bildhauer auf Rhodos, Sohn des Paionios. Er gilt neben Athenodoros und Polydoros als einer der drei Meister der Laokoongruppen. Er arbeitete auch an drei überlebensgrossen Marmorfiguren, die die Abenteuer des Odysseus darstellten in sich in einer Villa des Tiberius (?) in Sperlonga I gefanden.
Aglio, Domenico Dell`
(Geboren um 1515 in Scaria, und gestorben 1563 in Graz oder in Kroatien). Domenico soll im Sommer 1563 bei einer Inspektion der kroatischen Festungsanlagen ermordet worden sein. Bei dieser Familie Aglio/Allio soll es sich um ein sehr altes und adeliges Geschlecht aus Bissone gehandelt haben. 1544 ist Domenico über Klagenfurt und Graz nach Wien gekommen. Nach seiner Lehrzeit in Oberitalien war Domenico ab 1530 in den Habsburgischen Ländern tätig, besonders in der Steiermark und in der Umgebung von Agram (Zagreb). Zuerst lebte er in Klagenfurt. In einer Wiener Urkunde nannte er sich „einen Paumeister aus Kernten“. Dort besaß er ein Haus, das er 1556 verkauft hatte. Er verlegte nun seinen Hauptwohnsitz nach Graz, wo er sich ein Haus kaufte. Von ihm ist auch bekannt, dass er 1547 versuchte, durch eine Petition an den Kaiser Ferdinand I. Gerechtigkeit für die Intelveser zu erlangen, da diese durch den Grafen Franchino Rusca (er war der Feudalherr des Valle Intelvi) unterdrückt wurden. Die Gerechtigkeit für seine Landsleute wurde ihm dann auch mittels eines kaiserlichen Reskriptes vom 28.4.1547 gewährt. König Ferdinand I. ernannte ihn 1544 zum Oberbaumeister für Innerösterreich und die slawonisch-kroatische Grenze und zwar erhielt er hierfür den Titel eines lebenslangen Superintendenten der Grenze. Seit 1553 wurde er zum königlichen Baumeister und 1555 zum Oberbaumeister der kroatischen und windischen Ortsflecken ernannt. Am 22.06.1558 verlieh Kaiser Ferdinand I. Domenico und seinen Nachkommen ein Adelspatent. Er wurde von Christoph Khevenhüller, dem die Burg Hochosterwitz 1541 verpfändet wurde, mit der Errichtung der Festungsbauten und der Bastionen betraut. Nach seinen Plänen wurde auch die Stadt Klagenfurt befestigt.
Aglio, Donato Felice
(geb. Scaria am 24.10.1677, † 6.5.1761 in Wien, begraben in der Kapuzinergruft). Donato Felice Allio abslovierte von 1790-93 eine Maurerlehre, die er als Geselle abschloss. Gegen 1698 kam er nach Wien. Hier arbeitete er als Geselle bei Franceso Martinelli, dem Vater von Anton Erhard Martinelli. Sein Polierjahr absolvierte Allio bei Andrea Simone Carove (der bei Francesco Martinelli 1690 Polier war) im Zuge des Baus der Piaristenkirche in der Josefstadt (Maria Treu) im Jahr 1701. Neben seiner Tätigkeit als bürgerlicher Maurermeister (er nimmt mehrere Gesellen auf, darunter 1714 seinen Sohn Francesco Andrea Sebatiano) war er ab 1711 beim Militärbauamt beschäftigt (wahrscheinlich durch Protektion des Grafen Wirich von Daun, der das Palais Daun-Kinsky erbauen ließ). Zunächst war Donato Felice Allio Fortifikations-Maurermeister, 1723 wurde er zum Unteringenieur befördert (wiederum Einfluß des Grafen von Daun, der ebenso das Gesuch den Sohn Donato Felices, Francesco Andrea Sebastiano, als dessen Adjudanten anzustellen befürwortete). Er trug den Titel des Ingenieur-Hauptmanns. Donato Felice Allio übte bis zu seiner Pensionierung 1747 diese Tätigkeit kontinuierlich aus - es handelt sich um die Abgabe von Berichten und Fachgutachten, und Abänderungen von Plänen. So wurde 1715 in einem Augenscheinbericht (mit Signatur Donato Felice Allios) der projektierte Standort für die Karlskirche als zulässig befunden. 1715 -20 war er für den Bau des Zeugs-Schlosserhofes auf der Seilerstätte verantwortlich. 1727 wurde er nach Buda berufen um die Pläne von Johann Matthei aus 1725 für das Arsenal zu überprüfen (um 1900 abgerissen). 1729 hat er zusammen mit seinem Sohn ein Gutachten zur Bibliothekseinwölbung im Stift Melk erstellt. Außerhalb von Wien war Donato Felice Allio als Fortifikations-Ingenieur weiter in Brod/Slawonien (1726/7) und in Belgrad (1728) tätig. Donato Felice Allio war für diverse Adelige als Baumeister und Architekt beschäftigt. Johann Christoph Ferdinand Graf von Mallenthein (1719 in den Grafenstand erhoben und daraufhin Kammerherr bei Kaiserin-Witwe Wilhelmina Amalia, die Allio 1717 den Auftrag zum Bau des Salesianerinne-Klosters in Wien erteilte), beauftragte Allio 1720 eine neue Pfarrkirche in Groß-Siegharts/NÖ zu errichten. 1727 war der Rohbau fertig, 1727 mit den Deckenfresken Carlo Carlones vollendet. 1722/23 erbaute Donato Felice Allio in Laxenburg/NÖ ein Schloss für seinen großen Förderer, den Grafen von Daun. Nach Allios Entwurf wurde zwar 1724 mit dem Bau des Schlosses von Gräfin Maria Teresia Rottal in Mostek/Ostböhmen begonnen, allerdings bald darauf wieder eingestellt. Der Entwurf für den Justizpalast in Zalaeregerszeg/Ungarn stammt vermutlich von Donato Felice Allio und wurde von seinem Sohn umgesetzt. 1753 nahm er am Schloss in Laxenburg/NÖ. Umbauten vor. Nach der Grundsteinlegung von Klosterneuburg im Jahr 1730 besichtigte Kaiser Karl VI am Tag des hl. Leopold Festes Klosterneuburg und beschliesst, sich dort eine Sommerresidenz errichten zu lassen. Aus diesem Grund werden die Pläne für das Kloster geändert, eine vier-höfige Klosterresidenz, ähnlich dem Escorial in Madrid, soll entstehen. Das kaiserliche Hofbauamt unter der Leitung Joseph Emanuel Fischer von Erlachs unternimmt mehrere Eingriffe und Änderungen. Nach dem Tod des Kaisers (1740) wird der Bau vorläufig eingestellt. Der südöstliche Trakt kann 1735 fertiggestellt werden, 1735-39 wird das Kaiserzimmer ausgestattet. 1745-1750 wird der Bau fortgesetzt, allerdings handelt es sich um die Ausstattung der bereits vorhanden Trakte. Schließlich vollendet Architekt Joseph Kornhäusel 1834-1842 einen der vier geplanten Höfe.
Donato Felice Allio entwarf auch die Innendekoration der Räume, als Bildhauer war u.a. Lorenzo Mattielli tätig, als Stukkateure u.a. Santino und Cajetano Bussi und Giovanni Battista Allio, dem Sohn des Stukkateurs Paolo d'Allio, dem Schwager Donato Felices (1.Ehe). drei Söhne Donato Felices waren ebenso an der "fabrica imperiale" (laut Allio) beteiligt: als Maler Claudio, als Baumeister Franceso Andrea Sebastiano (†1736) und Giuseppe Gabriele. In Wien wurde vermutlich nach Aglios Plänen das Palais Kayserstein (Bräunerstrasse) von Francesco Andrea Sebastiano Allio 1728 ausgeführt (signierte Einreichpläne). Auch Pläne für den Klosterneuburger Hof wurden von ihm geschaffen. Diese wurden allerdings nicht angenommen. Aglio baute auch das Schloss in Gerasdorf/Steinfeld in Niederösterreich. Donato Felice führte 1722-23 die Umbauten im Schloss von Ladendorf (BH. Mistelbach) für den Grafen Daun durch. Der Umbau betraf den Saal, der durch zwei Geschosse reicht und dem Mittelteil der 11achsigen Hauptfront entspricht. In Laxenburg in NÖ baute Donato Felice 1753 das Schloss „Blauer Hof“ um.
Aglio, Martino → Allio, Martino
Agnolo, Baccio d`
(eigentlich Bartholomeo Antonio Baglioni, auch Bartholomeo d`Agnolo Baglioni). *1462 in Florenz, +1543 in Florenz. Italienischer Architekt und Holzschnitzer der florentinischen Hochrenaissance. Er schuf 1491 bis 1496 das Chorgestühl der Kirche S. Maria Novella und die nicht mehr erhaltene Innendekoration des Ratssaals im Vecchio-Palazzo Florenz. Ab 1506 wurde er wiederholt Dombauleiter in Florenz. 1513-16 entwarf er zusammen mit Sangallo, Antonio da die äussere Galerie an der Domkuppel, deren endgültige Ausführung aber durch Michelangelos Einspruch verhindert wurde. Von Raffael inspiriert, verband er am Bau des Pandolfini-Palazzo in Florenz den Stil der römischen Hochrenaissance und dessen reiche Fassadengliederung mit dem strengen florentinischen Palasttypus. Weitere wichtige Bauten in Florenz: Borgherini-Palazzo, Pecori-Giraldi-Palazzo, Lanfredini-Palazzo, Castellani-Villa, Glockentürme von S. Spirito und S. Miniato al Monte.
Agnolo, Baccio d` → Baccio d`Agnolo
Aigner, Peter
*30.6.1756 in Wlostowice, +8.2.1841 in Florenz. Polnischer Architekt. Nach Studien in Rom war Aigner 1782 bis 1827 Militärbaumeister und Professor für Architektur an der Universität Warschau und lebte dann in Italien. Er vertrat einen palladianisch gefärbten Klassizismus und hatte mit seinen ausgeführten und publizierten Fassadentypen Anteil an der Entwicklung des polnischen Kirchenbaus. Den zweiten Schwerpunkt bildeten Palaisbauten, Schlösser und Parkstaffagen, zum Teil in verschiedenen historischen Stilen.
Akanos, Hieronymus → Archonati, Hieronymus
Akhernaten, Hieronymus → Archonati, Hieronymus
Aktaion
(röm. Actaeon). Sohn des Aristaios und der Autonoe. Äusserst geschickter Jäger, der das Jägerhandwerk vom Kentauren Chiron erlernte. Aktaion wird dargestellt in der Szene, in der er Artemis (Diana) beim Bad erblickt, bei seiner Verwandlung in einen Hirsch oder während er von seinen Hunden zerissen wird.
Albert, Carl
(*1.4.1878 in Essen, 24.2.1941 in Hirschberg). Architekt. Bruder von Albert, Otto.
Albert, Otto
(+1939 in Hirschberg). Architekt. Bruder von Albert, Carl.
Alberthal, Hans
Architekt im fürstlich-öttingischem Dienst. Sohn von Alberthal, Peter. Wichtigste Bauten: Schloss Hirschbrunn I (1600-1607) in Dillingen; Schloss Oettingen I, Marstallbau oder Galeriebau und Torbau (1590); Schloss Dillingen Krs. Dillingen, Treppenhaus (1596-97); Schloss Sigmaringen, Portaltrakt (1627).
Alberthal, Peter
Architekt im fürstlich-öttingischem Dienst. Wichtigste Bauten: Schloss Hirschbrunn I (1600-1607) in Dillingen; Schloss Oettingen I, Marstallbau oder Galeriebau und Torbau (1590); Schloss Dillingen Krs. Dillingen, Treppenhaus (1596-97); Schloss Sigmaringen, Portaltrakt (1627).
Alberti, Antonio
Architekt u.a. in Schlesien.
Alberti, Giovanni
Stukkateur in Schlesien.
Alberti, Leon Battista
(*18.2.1404 in Genua oder Venedig, +25.4.1472 in Rom). Sowohl Dramatiker, Musiker, Maler, Mathematiker, Naturwissenschaftler, Sportler wie auch Architekt und Architekturtheoretiker, kam er dem Renaissanceideal vom vollkommenen Menschen äusserst nah. Alberti hatte ein aristokratisches Wesen; er war der erste grosse Amateur-Architekt. Er beschränkte sich auf das Entwerfen und kümmerte sich kaum um die praktische Ausführung seiner Bauten: es sind nur wenige, aber lauter Meisterwerke. Seine Schrift "De re aed
Alberti, Matteo
Graf. Architekt aus Venedig. Oberbaudirektor des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz (Jan Wellem) von 1690-1716. Wichtigste Bauten: Schloss Bensberg II (1700-1716), Schloss Mannheim I (Plan), Schloss Düsseldorf I (Plan), Residenz Heidelberg I (Plan).
Albuzzi, Antonio
Stukkateur in Schlesien.
Aldrich, Henri
(1648-1710). Dekan der Christchurch zu Oxford und Architekt. Lange Reisen in Italien, dort Bekanntschaften mit hervorragenden Männern, mit Architekten und Musikern. Sein architektonisches Werk ist nicht eindeutig nachweisbar. Nur zwei Gebäude sind im Entwurf mit Sicherheit vollständig oder zumindest grösstenteils ihm zuzuschreiben: All Saints, Oxford (1701-10) - der Spitzturm ist von Hawksmoor, Nicholas (1717-20) - und drei Gebäuderesten von Peckwater Court, ein sehr frühes Beispiel des englischen Palladianismus. Die Christchurch selber wurde von Townshend (1707-14) gebaut. Weiterhin erstellte Aldrich die Pläne für das Gebäude der Christchurch Bibliothek (1717-38), die jedoch nach seinem Tod von George Clark (1661-1736) vollständig erneuert wurde. Das Fellows` Building im Corpus Christi College (1706-12) wird Aldrich ebenfalls zugeschrieben, weiterhin, jedoch mit geringerer Wahrscheinlichkeit, die Trinitiy College Kapelle (1691-94). Auch als Architekturtheoretiker tat sich Alderich hervor: 1789 wurde posthum eine Abhandlung zu den Architekten Vitruv und Palladio, Andrea veröffentlicht: "Elementa architecture civilis, ad Vitruvii veterumque disciplinam", Oxon 1789.
Aleotti, Giovanni Battista
*1546 in Argenta, +9.12.1636 in Ferrara. Italienischer Architekt und Ingenieur. Er stand 1575-97 im Dienst des Herzogs Alfonso II. d`Este in Ferrara und wurde 1598 dort Stadtbaumeister. Seine Aufgaben umfassten Zivilbauten und Militärbauten, er war als Wasseringenieur tätig, entwarf Festarchitekturen und Bühnenbilder und schrieb mehrere technische und theoretische Abhandlungen. In Ferrara baute er Kirchen, Paläste, Theater und Festungsanlagen, teilweise als Erweiterungen und Umbauten. Ihn zahlreichen oberitalienischen Städten war er als Festungsingenieur und Zivilingenieur beratend tätig. Für Herzog Ranuccio I. Farnese errichtet er 1618 bis 1628 sein Hauptwerk, das Teatro Farnese in Parma. Anstelle des Waffensaals im Palazzo della Pilotta entstand die neuartige Hufeisenform des Zuschauerraums, von der tiefen Bühne mit erstem Einsatz von Kulissen durch einen monumentalen Proszeniumsbogen getrennt. Nach dem Teatro Olimpico in Vicenza von Palladio, Andrea (1580) und dem Theater von Scamozzi, Vincenzo in Sabbioneta von 1588 entsand hier der Prototyp des modernen Theaters.
Alessi, Galeazzo
(geb. 1512 Perugia - 30.12.1572 Perugia). Italienischer Architekt, dessen Werk von der römischen Hochrenaissance ausgeht, reiche Architektur (Arkaden, Loggien, Treppen, Vestibüle, Hofanlagen) mit der Landschaft verbindet und den Weg der italienischen Barockarchitektur ebnete. Schüler des Architekten und Malers Caporali. Von 1536 bis 1542 studierte Alessi in Rom und wurde dort stark von Michelangelo beeinflusst.. Mit Sangalo, Antonio da d. J. baute er zwischen 1542 und 1544 in Perugia an der Festung Paolina-Rocca, danach an der Via Nuova und der Kirche S. Maria del Popolo. Seit 1548 war Alessi in Genua ansässig. Dort entstanden seine Hauptwerke: der Neubau des Hafens mit Wachgebäude (ab 1550); Projekt der Strada Nuova (heute Via Garibaldi) mit monumentalen Palästen. Daneben schuf er Vorstadtvillen mit grossartigen Treppenanlagen. Es gelang Alessi meisterhaft, abschüssiges Gelände vorteilhaft zu nutzen und er liebte das Spiel mit monumentalen Treppenanlagen, Kolonnaden und auf verschiedenen Ebenen liegenden Höfen. Mit seinen Palästen und Villen, die von Peter Paul Rubens aufgenommen und 1622 in dem Stichwerk »Palazzi di Genova« publiziert wurden, prägte Alessi entscheidend die genuesische Stadtarchitektur, machte sie zum Vorbild der genuesischen Wohnarchitektur und mit seinen Kirchenbauten (Hauptwerk S. Maria Assunta dei Carignano, 1552 begonnen) auch die Sakralarchitektur. Sie bilden sein Hauptwerk und begründeten seinen Ruf als führender Architekt Oberitaliens in der Spätrenaissance. Die urbanistische Leistung der von ihm 1551 entworfenen Strada Nuova in Genua (heute Via Garibaldi) besteht in dem vielfältigen Bezug der Paläste zueinander; durch gleiche Höhe und axiale Ausrichtung der Portale wird die Strasse zu einem städtischen Raum. Die Zuschreibung der Paläste an Alessi schwankt, sie sind aber sicher nach seinen Anweisungen entstanden. Weitere Genueser Bauten sind die Villa Grimaldi 1561-68 (zerstört) und die 1552 begonnene Basilika S. Maria Assunta die Carignano. Sie wurde erste 1603 fertiggestellt und nimmt in der zentralen Kuppel über dem griechischen Kreuz Entwürfe von Bramante bis Michelangelo für St. Peter in Rom auf. Es folgte 1557–68 eine ausgedehnte Reise-, Bau- und Beratungstätigkeit Alessis in Oberitalien, vor allem in Mailand. Neben Genua war Mailand eine weitere grosse Wirkungsstätte. Von dort erstellte er den Marino-Palazzo (heute Palazzo Municipale) mit Säulenhof (1553/58) und dem eindrucksvollen Grossen Saal (salone maggiore), der 1943 zwar beschädigt, jedoch wieder restauriert wurde. An dem Palazzo und der Fassade von S. Maria presso S. Celso 1564-70 verdrängt die reiche Ornamentik und dichte Verzahnung der Fassadenelemente die klare, strenge Monumentalität seiner an der Hochrenaissance geschulten früheren Bauten. Zu ihr fand Alessi in seinen letzten Werken zurück, die ab 1568 im Umkreis von Perugia entstanden.
Alfieri, Benedetto Innocente
(*1699 in Rom, +9.12.1767 in Turin). Italienischer Architekt und piemontesischer Adliger. Onkel des Dichters Vittorio A. War Jurist, wandte sich dann der Architektur zu und wurde Juvarras Nachfolger als königlicher Architekt am Hofe von König Carlo Emmanuels III. in Turin (1736). Er war weitgehend damit beschäftigt, Juvarras Arbeiten - im Reale-Palazzo Turin und an den Schlössern Stupinigi und Venaria Reale - zu vollenden. Seine öffentlichen Bauten, wie das Teatro Reale 1738-40, bestimmten den Ausbau des Turiner Zentrums zu einer modernen Residenzstadt. Sein wichtigstes eigenes Werk ist die weiträumige Kirche in Carignano (1757-64), mit einer strengen Fassade und reicher Innenarchitektur; der eigenwillige Grundriss ist nierenförmig. 1752 entwarf er die Fassade der Kathedrale St-Pierre in Genf. In seinen Werken mischen sich Einflüsse Juvarras mit römischem Hochbarock und bisweilen fast klassizistischen Formen in einer nüchternen und rationalen Auffassung.
Alfieri, Girolamo
(möglicherweise identisch mit dem sogen. Meister Hieronymus. Alfieri orientierte sich zunächst an der hochbarocken Formensprache von G. B. Barbarini, die von stark plastischem und vegetabilem Ornament und locker geschwungenen Kartuschen bestimmt ist (Kremsmünster). Im Palais Questenberg dagegen verwendete Alfieri zartes Rankenwerk, so wie S. Bussi es um 1690 in Wien eingeführt hatte. Deutschordenskirche, Gotisierender Stuckdekor, 1702-22 Palais Questenberg, Innenstuckierung und Fassadenstuck, 1703-05, 1724-26 Rappoltenkirchen / NÖ, ehemaliges Schloss Questenberg, Stuckdekorationen der Grotta, 1712-14 , nicht erhalten. 1720 als Hofstukkateur erwähnt.
Algardi, Alessandro
(*31.7.1595 in Bologna, +10.6.1654 in Rom). War vor allem Bildhauer, aber auch als Architekt tätig. In Bologna bei Carracci, Ludovico ausgebildet, arbeiteteAlgardi ab 1622 am Mantuaer Hof, seit 1627 in Rom. Er schuf vorwiegend Kleinplastiken sowie Elfenbeinschnitzereien und betätigte sich als Antikenrestaurator. Erste Grossaufträge erhielt Algardi ab 1640, unter dem Ponitficat Innozenz` X. (1644-55) erreichte er den Höhepunkt seiner künstlerischen Tätigkeit. Seine Hauptwerke sind die Bronzsstatue Innozenz` X. um 1645 im Konservatorenpalast, das Grabmal Leos XI. 1640-44 in St. Peter und das Altarrelief aus Marmor mit der "Vertreibung Attilas durch Papst Leo I." in St. Peter von 1646-53, ferner der Damasus-Brunnen im Cortile S. Damaso des Vatikans 1643-49 und der Altar von S. Nicola da Tolentino 1650-54. Zahlreiche Bildnisbüsten zeugen von seinem Können als Porträtist. Im Gegensatz zu seinem Zeitgenossen und Konkurrenten Bernini, Giovanni Lorenzo vertrat er einen weniger leidenschaftlichen Stil mit einer zurückhaltenderen Gesamtgestalt und genau beobachteten, mitunter etwas trockenen Details. Die Bedeutung Algardis als Architekt bleibt bescheiden; sein Ruf gründet sich vor allem auf den Bau der Doria-Pamphili-Villa in Rom, der er als Intendant vorstand (1644-52); der Entwurf für die Villa stammt wahrscheinlich von Grimaldi, G.F. (1606-80). Algardi versuchte in der Ausstattung und in den Gartenanlagen den Typus der klassischen antiken Villa zu evozieren.
Aliprandi, Johann Baptist → Alliprandi, Giovanni Battista
Alkamenes
Tätig 2. Hälfte 5. Jh. v. Chr. Griechischer Bildhauer und Bronzegiesser. Er gilt als Schüler und Rivale von Phidias und wird nach seinem Lehrer als wichtigster Bildhauer seiner Zeit angesehen. Er schuf nach schriftlicher Überlieferung von Pausanias und Plinius zahlreiche Götterbilder wie das Kultbild des Hephaistostempels in Athen (444 v.Chr.). Sein Name findet sich auf zwei römischen Kopien des Hermes Propylaios aus Pergamon sowie aus Ephesos; das Original hatte am Eingang der Athener Akropolis gestanden. Weitere, auf attischen Münzen überlieferte Werke waren das Kolossalstandbild des Dionysos (420-415 v.Chr.) für das Heiligtum am Theater in Athen; ein Relief der Athena und eine Heraklesstatue für das Heraion in Theben werden von Pausanis erwähnt. Die berühmteste Figur war die nach ihrem Aufstellungsort benannte, nicht erhaltene "Aphrodite in den Gärten", die angeblich aus einem Wettstreit mit Agorakritos hervorging (ob es sich bei der sog. Venus Genetrix im Musee National du Louvre in Paris um eine Kopie dieser Statue handelt, ist umstritten). Nicht eindeutig gesichert ist die Zuschreibung der Marmorgruppe "Prokne und Itys" (vermutliches Original in Athen, Akropolis-Museum).
Alker, Anton
Zimmerpolier in Schlesien.
Allescher
Architekt in Schlesien.
Alligo, Martino → Allio, Martino
Allinger, Gustav
(auch Karl Gustav, *3.11.1891 in Lauffen/Neckar, +9.8.1974 in Bonn). Gartenarchitekt, u.a. in Schlesien tätig.
Allio, Donato Felice d`
*1676 in Mailand, +6.3.1761 in Wien. Österreichischer Architekt, Schüler von Fischer von Erlach, Johann Bernhard, Mitglied des Hofkriegsrats 1711-47 und kaiserlicher Ingenieur. Sein Wiener Hauptwerk sind Kirche und Kloster der Salesianerinnen 1717-30, deren Fassade italienische Vorbilder aufgreift und deren Innenraum die Karlskirche modifiziert. Die für Karl VI. als "österreichischer Escorial" geplante Residenz Klosterneuburg I wurde durch das kaiserliche Hofbauamt unter Leitung von Fischer von Erlach
Allio, Martino
(auch Aglio, Alligo, *1654 in Scaria/Val Intelvi, +1701 in Prag). Baumeister, u.a. in Schlesien tätig.
Alliprandi, Giovanni Battista
(auch Johann Baptist Aliprandi). *1665 in Laino in Valle Intelvi, +9.3.1720 in Leitomischl. Italienisch-böhmischer Architekt. Seit 1696 Hofarchitekt des Grafen Czernin, leitete Alliprandi 1703-09 den Bau von dessen Schloss Kosmonos in Böhmen, entwarf 1713 die Votivsäule der Hl. Dreifaltigkeit auf dem Kleinseitener Platz in Prag und 1714-20 die Kirche des Piaristenkollegiums in Leitomischl. als sein Hauptwerk gilt das Schloss von Liblice (Liblitz) ab 1699, eine Variation des Lustgartengebäudes im "
Allori, Alessandro
*3.5.1535 in Florenz, +22.9.1607 in Florenz. Vater von Allori, Cristofano, schuf unter dem Eindruck Michelangelos Altarbilder, Fresken, Portraits. Er wurde von seinem Onkel, dem Maler Agnolo Allori, gen. Il Bronzino, adoptiert und in dessen Werkstatt ausgebildet. Allori übernahm später dessen Beinamen Il Bronzino. Seine erste grosse Arbeit war die vom Geist der Gegenreformation getragene Ausmalung der Monaguti-Kapelle in SS. Annunziata in Florenz, die 1560 entstand. Nach 1570 wirkte Allori bei der Ausmalung des "studiolo" im Vecchio-Palazzo Florenz mit, wo er technisch ausserordentlich gekonnte Fresken von ausgesuchter Erotik schuf. Von seinen vielen Bildnissen sind nur wenige erhalten. Besonders in den Aktdarstellungen zeigte er sich als typische Manierist. 1585 wurde er mit der Fortführung der Dekoration der Medici-Villa Poggio A Caiano betraut.
Allori, Cristofano
*17.10.1577 in Florenz, +2.4.1621 in Florenz. Italienischer Maler und Landschaftszeichner, Sohn von Allori, Alessandro, stand in seinem Spätwerk unter dem Einfluss Caravaggios, schuf vor allem biblische Szenen und Porträts. Die ersten Lehrjahre verbrachte er in der Werkstatt seines Vaters, um dann seine Lehre bei Gregorio Pagani fortzusetzen, wo er mit der Schule von Bologna in Berührung kam und vom Manierismus seines Vaters Abstand gewinnen konnte. Ständige Schulung an Vorbildern wie Cigoli, Santi di Tito und vor allem Correggio verband er mit einem gründlichen Modell- und Naturstudium. Seine dramatische Inszenierung biblischer Motive findet gerade in neuester Zeit wiederum grosse Beachtung, z.B. "Judith mit dem Haupt des Holofernes" und "Johannes der Täufer in der Wüste" (beide Florenz, Galleria Palatina, Pitti-Palazzo). Als Porträtmaler stand er ebenfalls in hohem Ansehen, wie das Bildnis "Isabella von Aragon kniet vor Karl VIII." (Paris, Musee National du Louvre) beweist. Weitere Hauptwerke in der Galeria Palatina, Pitti-Palazzo in Florenz.
Altdorfer, Albrecht
*um 1480 in Regensburg, +12.2.1538 in Regensburg. Deutscher Maler, Zeichner, Grafiker, Architekt, als bedeutendster Vertreter der sogen. Donauschule einer der Wegbereiter der Landschaftsmalerei. Er war vermutlich der Sohn des von 1478 bis 1491 in Regensburg ansässigen Briefmalers Ulrich Altdorfer. 1505 erwarb er das Bürgerrecht, wobei er als „Maler von Amberg“ bezeichnet wird, drei Jahre später wurde er siegelmässiger Bürger. Er gelangte bald zu beträchtlichem Wohlstand, wurde 1519 Mitglied des Äusseren, 1526 Mitglied des Inneren Rates und Stadtbaumeister. Zwei Jahre später lehnte er die Wahl zum Bürgermeister ab, um ein „grosses Werk“ für Herzog Wilhelm von Bayern, die „Alexanderschlacht“ ausführen zu können. Sichere Anhaltspunkte für Altdorfers künstlerische Herkunft gibt es kaum. Die kleinteilige miniaturhafte Malweise seiner frühen Bilder legt die Vermutung nahe, dass er zumindest vorübergehend Schüler in einer Miniaturwerkstatt war, wobei man an die des Berthold Furtmeyr in Regensburg denken könnte. Altdorfers früheste Arbeiten, die „Mondseer Holzschnitte“, sind mit sicherheit vor 1505 entstanden. Es lässt sich ausserdem feststellen, dass Altdorfer eine genaue Kenntnis des Altars von St. Wolfgang von Michael Pacher hatte. Doch die These, er habe schon früh zu der Werkstatt Jörg Kölderers in Innsbruck in Beziehung gestanden und dort seinen zeichnerischen Stil gefunden, lässt sich nicht aufrechterhalten. Zwar lässt sich der Einfluss des in Wien entstandenen Frühwerks Lucas Cranach d.Ä. ebenso wie der Max Reichlichs nachweisen, und ausserdem, dass Altdorfer Albrecht Dürers bedeutendste Blätter kannte und zum Vorbild nahm, doch geben weder seine frühen Zeichnungen noch seine Druckgrafik oder die frühen Tafelbilder Aufschluss über seine künstlerische Herkunft. Aus seiner Frühzeit sind acht kleinformatige Bilder bekannt: Das vor 1506 entstandene „Martyrium der hl. Katherina“ (Wien, Kunsthistorisches Museum) zeigt Anklänge an Marx Reichlich, während die kleine Geburt Christi (Bremen, Kunsthalle) von 1507 deutlich von der Begegnung Michael Pachers geprägt ist. Andere frühe Werke sind die „Stigmatisation des hl. Franziskus und die Busse des Hl. Hieronymus“ (Berlin, Staatliche Museen, Gemäldegalerie) von 1507 mit ihrer an Cranach erinnernden Einbettung der Figur in die Landschaft sowie die „Landschaft mit Satyrfamilie“ (1507, Berlin, Staatliche Museen, Gemäldegalerie). Der miniaturgleich auf Pergament gemalte märchenhafte „Laubwald mit dem Hl. Georg“ (München, Alte Pinakothek), die Ruhe auf der Flucht (Berlin, Staatliche Museen, Gemäldegalerie), beide 1510, gelten als Beginn des selbständigen Landschaftsbildes, dessen Initiator Altdorfer ist. Auch in seinen frühen Helldunkelzeichnungen wie etwa die „Maria mit dem Kind im Walde“ (Braunschweig, Herzog-Anton-Ulrich-Museum) von 1506 oder die „Stillung des Sturms durch den hl. Nikolaus“ (Oxford, Ashmolean Museum) von 1508 tritt eine völlig neue Auffassung überkommener religiöser Themen zutage und in Blättern wie dem „Hexensabbat“ (Paris, Musee de National du Louvre) von 1506 oder dem „Wilden Mann“ (London, British Museum) von 1508 eine neue naturhafte phantastische Welt. Der offenbar erst 1518 aufgestellte Passionsaltar (St. Florian, Augustiner-Chorherrenstift, und Wien, Kunsthistorisches Museum) ist ein frühes Meisterwerk Altdorfers. In jeder Tafel dieses Altars, der in geschlossenem Zustand vier Szenen aus der Sebalduslegende zeigt, im geöffneten acht Szenen aus der Leidensgeschichte Christi, wird eine ungeheure Dramatik, Spannung und leuchtende Farbigkeit sichtbar. Hier erweisen sich in vollem Umfang Altdorfers stilistische Eigenständigkeit und das Neue seiner Malweise. Für die Architektur auf diesen Tafelbildern verwendete Altdorfer mit Vorliebe italienische Renaissancevorbilder – Stichvorlagen nach Bramente und Andrea Mantegna hatte er mit Sicherheit in Händen – oder eine Mischung spätgotischer und klassischer Bauformen, doch ist die Herkunft seiner Innenräume von den Raumfluchten Michael Pachers nicht zu übersehen. Nach dem Passionsaltar von St. Florian entstand eine Reihe grossformatiger Bildtafen, deren Figuren eine monumentalere Gestaltung aufweisen: der „Abschied Christi“ (Luton Hoo, Wernher Collection), die „Kreuzigung Christi“ (um 1510, Kassel, staatliche Kunstsammlungen), eine der ausdrucksvollsten religiösen Bildschöpfungen Altdorfers, und die an Matthias Grünewald erinnernden, von einer üppigen Naturszenerie umgebenen „Johannes d.E. und Johannes d.T.“ (um 1510, München, Alte Pinakothek). Auch in bedeutenden Holzschnitten tritt dieser Wandel in der Gestaltung der Figuren und des Raums zutage, so etwa in den beiden Fassungen des Motivs „Enthauptung Johannes` d. T.“, 1512, dem „Christopherus“ von 1513 oder der nach dem Vorbild von Albrecht Dürers „Kleiner Passion“ um 1513 geschaffenen Bildfolge „Sündenfall und Erlösung des Menschengeschlechts“. In dieser Periode entstanden Altdorfers erste Landschaftszeichnungen, wie die 1511 datierte Zeichnung „Die Donau bei Sarmingstein (Budapest, Magyar Szépmüvészeti Múzeum). Auch für Kaiser Maximilian I. arbeitete Altdorfer verschiedentlich. Etwa 1513-15 entstanden die Miniaturen zum Triumphzug des Kaisers (Wien, Albertina), um 1515 zehn Holzschnitte zur Ehrenpforte gleichzeitig mit den etwa 24 Randzeichnungen zum Gebetbuch Maximilans (Besancon, Bibliotheque Municipale). Gegenüber der kraftvollen Bewegtheit des Passionsaltars von St. Florian zeigt der 1525-30 entstandene Altar mit der Florianslegende (Florenz, Galleria degli Uffizi, Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, und Prag, Národni Galerie) eine grössere Ruhe in den Formen. In dem kühlen Bildaufbau des „Martyrium des Hl. Florian (Florenz, Galleria degli Uffizi), einer der grossartigsten Raumgestaltungen Altdorfers, wird die Auseinandersetzung mit Wolf Huber sichtbar. Die „Bergung des toten hl. Florian“ (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum) gehört zu den reichsten und stimmungsvollsten Naturschilderungen der Donauschule. Etwa zur gleichen Zeit wie die Florianslegende entstanden der „Apostelabschied“ (Berlin, Staatliche Museen, Gemäldegalerie), die „Schöne Maria“ (Regensburg, St. Johann) von 1518/19 und ein Beispiel der Raumphantasie des Künstlers, die „Geburt Mariä“ (um 1520, München, Alte Pinakothek). Das für Herzog Wilhelm IV. von Bayern 1526 geschaffene Bild „Susanna im Bade“ (München, Alte Pinakothek) wird von einem ausserordentlich prachtvollen und geräumigen Renaissancepalast beherrst, der an lombardo-venezische Paläste der Epoche erinnert. Die 1529 datierte „Alexanderschlacht“ (München, Alte Pinakothek) gehört zu einer Folge von Historienbildern, die der bayerische Herzog bei verschiedenen Künstlern in Auftrag gegeben hatte. Sie ist der Höhepunkt in Altdorfers Schaffen. In einem gewaltigen Raumbild, dessen landschaftliche Formationen sich als eine „visionäre Vedute“ des östlichen Mittelmeerraumes deuten lassen, findet der welthistorische Sieg Alexanders über den Perserkönig in dem Augenblick statt, da die Sonne hinter dem Horizont versinkt und so die Natur des Geschick des Darius symbolisiert. Ausser den Resten der Wandbilder aus dem ehemaligen Kaiserbad des Bischofshof Regensburg (Regensburg, Städtisches Museum) ist aus Altdorfers letztem Lebensabschnitt wenig erhalten. Das Sprichwörterbild „Der Bettel sitzt der Hoffart auf der Schleppe“ (1531, Berlin, Staatliche Museen, Gemäldegalerie) ist niederländisch beeinflusst und weist schon auf die Genremalerei voraus. In der prunkvollen „Anbetung der Könige“ (um 1528, Frankfurt, Städelsches Kunstmuseum) und in „Lot und seine Töchter“ (Wien, Kunsthistorisches Museum) von 1537 nimmt Altdorfers Malerei manieristische Züge vorweg. Aus Altdorfers Schaffen als Stadtbaumeister von Regensburg resultieren lediglich einige Zweckbauten (Schlachthaus). Er war ausserdem am Ausbau der Befestigungsanlagen (Regensburg III) beteiligt.
Altdorfer, Erhard
*um 1480 in Regensburg, + um 1562 in Schwerin. Deutscher Maler, Zeichner und Holzschneider, Bruder von Altdorfer, Albrecht, wurde 1510 Hofmaler des Herzogs von Mecklenburg in Schwerin I. Sein malerisches Werk ist nicht gesichert, die Zuschreibungen schwanken stark, seine Tätigkeit als Zeichner und Holzschneider am Schweriner Hof ist dagegen besser belegt. Sein Hauptwerk bilden die 82 Holzschnitte der Lübecker Bibel von 1533/34, in denen der Einfluss der Cranach-Werkstatt das Vorbild des Bruders verdrängt.
Altdorfer, Erhardt
Hofmaler und Baumeister am Hof Heinrichs d. Friedfertigen v. Mecklenburg. Wichtigstes Werk: Fürstenhof Wismar?, 1553-54.
Althoff, Hugo
(*1884). Architekt, u.a. in Schlesien tätig.
Altomonte, Bartholomäus
*24.2.1702 in Warschau, +11.11.1783 in St. Florian bei Linz; österreichischer Maler, Sohn von Altomonte, Martino und dessen Schüler. Er führte anfänglich die Entwürfe seines Vaters in Freskotechnik aus, z.B. in den Prälatenzimmern des Stifts St. Florian 1722-32. Später löste er sich von dessen Vorbild und malte seine Fresken und Altarblätter in lockerer Komposition der Figuren und lichter Farbe, ohne das spätbarocke Kompositionsschema grundsätzlich aufzugeben. Nach 1768 reduzierte er seinen Stil unter der aufkommenden klassizistischen Strömung auf den schweren geschlossenen Figurenstil seiner frühen Jahre. Hauptwerke: Fresken in der Stiftskirche von Spital am Pyhrn (1737-39) sowie den Stiftskirchen von Wilhering (1739-41), Herzogenburg (1753-55), Engelszell (1759-62) und im Saal des Stifts Herzogenburg (1772).
Altomonte, Martino
*8.5.1657 in Neapel, +14.9.1745 in Wien). Österreichischer Kirchenmaler des Spätbarock, Vater von Altomonte, Bartholomäus. Er war der Sohn eines Tiroler Bäckers namens Michael Hohenberg. Mit 15 Jahren kam er als Lehrling nach Rom, zuerst zu Giovanni Battista Gaulli, danach in die werkstatt von Carlo Maratta. von 1684-1700 war er Hofmaler des polnischen Königs Johann III. Sobieski in Warschau. Nach 1702 übersiedelte er nach Wien, 1720 nach Linz. Neben Johann Michael Rottmayr gilt er als Hauptmeister des Wiener Spätbarock, wobei er wesentlich der römischen Malerei verhaftet blieb. Neben seinen Lehrern beeinflussten noch Luca Giordano und Le Brun, Charles seine Kunst. Neben den Entwürfen in lockerer Pinselführung und zahlreichen Altarbildern schuf er eine Reihe von Gemälden, so die "Allegorie der Türkenkriege" (St. Florian bei Linz) und "Susanna im Bade" (1709, Wien, Österreichische Galerie). Sein Hauptwerk sind die Fresken im "Unteres Belvedere" in Wien.
Alvares, Baltasar
Tätig 1570/75 bis 1624. Portugiesischer Architekt. Er war Neffe des königlichen Architekten Alfonso Alvares und Schüler Filipo Terzis. Seine Bauten schwanken zwischen Manierismus und Frühbarock. In seinen Hauptwerken, der ehemaligen Jesuitenkirche und jetzigen Kathedrale Sé Nova in Coimbra (begonnen 1598) und der Jesuitenkirche Grilos in Porto (ab 1614), wird nach dem Vorbild von Il Gesu in Rom der Standardtyp der gegenformatorischen Kongregationskirche abgewandelt mit meist emporenlosem, tonnengewölbten Langhaus und einer kassettierten Vierungskuppel ohne Tamour. Die Fassaden nehmen Anregungen architektonischer Retabelrahmungen auf.
Alvarez De Pereira Y Cubero, Jose
*23.4.1768 in Priego de Cordoba, +26.11.1827 in Madrid. Spanischer Bildhauer. Er führte bereits 1782 einige Figuren für die Innenausstattung der Kirche des Klosters El Paular bei Madrid aus. Seine weitere Ausbildung erfolgte in Cordoba und Granada und wurde auf der Real Academia de S. Vernanado in Madrid abgeschlossen. 1799 reiste er mit einem königlichen Stipendium nach Paris und Rom. 1804 gewann er mit einer Ganymedfigur in Paris einen Preis und siedelte nach Rom über, wo er sich dem Kreis um Antonio Canova anschloss.1809 wurde er einige Monate in der Engelsburg Roma inhaftiert, weil er sich geweigert hatte, eine Büste Napoleon Bonapartes anzufertigen. Später war Alvarez mit der Auschmückung des Quirinale-Palazzo beschäftigt, für den er vier Basreliefs schuf. Unter Ferdinand VII. kehrte er nach Spanien zurück und wurde 1816 zum Hofmaler ernannt; 1826 Akademiedirektor in Madrid. Sorgfältiges Studium der Natur und der antiken Kunst waren die Voraussetzungen für die Ausführung von Marmorskulpturen wie "Memnon und Antilochus als homerische Gestalten" (Madrid, Museo Nacionale de Arte Moderno). Diese Gruppe wurden von Ferdinand VIII. in Auftrag gegeben und gilt als Alvarez` bedeutendstes Werk. Neben zahlreichen Büsten von Karl IV., Ferdinand VII., Gioacchino Rossini u.a. fertigte er Statuen der Königin Maria Luisa und der Königin Dona Isabella de Braganza. Mythologische Themen wie "Herkules, mit dem Löwen kämpfend" wurden wegen ihrer grossen Ähnlichkeit mit antiken Plastiken geschätzt. Alvarez nimmt unter den Bildhauern des 19. H. eine hervorragende Stelle ein und ist mit den Künstlern Antonio Canova, John Flaxman und Bertel Thorvaldsen vergleichbar.
Alvarez Y Bougel, Anibal
*1810 in Rom, +5.4.1870 in Madrid. Spanischer Architekt, Sohn des Bildhauers Alvarez De Pereira Y Cubero, Jose, Bruder von Alvarez Y Bougel, Jose, studierte Architektur beim Baumeister des Königlichen Hofs in Madrid. 1832 erhielt er den Architekturpreis der Real Academia de s. Fernando in Madrid. Nach mehrjähriger Wandertätigkeit an europäischen Höfen kehrte er 1839 nach Madrid zurück und wurde 1844 zum Professor der Akademie und später zum Hofbaumeister des Köngishauses ernannt. Seine wichtigsten Werke sind das Grabmal des Marqués de Espejo auf dem Friedhof S. Luis in Madrid und die Schlösser des Herzogs von Sevillano (Sevillano-Schloss) und des Marqués de Gadivia (Gadivia-Schloss) bei Madrid.
Alvarez Y Bougel, Jose
*2.2.1805 in Paris, +22.8.1830 in Burgos. Spanischer Bildhauer, Sohn des Bildhauers Alvarez De Pereira Y Cubero, Jose, Bruder von Alvarez Y Bougel, Anibal, erhielt seine Ausbildung bei seinem Vater und bei Jean Auguste Dominique Ingres. Nach seiner Rückkehr nach Spanien schuf er vielbeachtete Figuren wie "Amor" und "Samson, mit dem Löwen" kämpfend, die sich im Museo Nacional de Arte Moderno in Madrid befinden. 1829 wurde er zum Mitglied der Real Academia de S. Fernando in Madrid gewählt. Kurz vor seinem
Alvarez Y Catala, Luis
*22.1.1836 in Monasterio del Helmo, +4.10.1901 in Madrid. Spanischer Maler, spezialisierte sich auf Historienmalerei und Genremalerei und war ab 1898 Direktor des Museo del Prado in Madrid. er wurde von Mariano Fortuny Y Carbó beeinflusst und bevorzugte wie dieser starkfarbige Lichteffekte. Sein Werk "Der Thron Philipps II." im Escorial erhielt auf der Pariser Weltausstellung 1889 eine Goldmedaille.
Alvarez, Don Manuel
*1727 in Salamanca, +1794 in Madrid. Spanischer Bildhauer, studierte in Salamanca und Madrid bei Alexandro de Castra, der ihn an der Ausschmückung des königlichen Palastes (Real-Palacio) beteiligte. 1762 wurde er Vizedirektor der Akademie in Madrid. Er orientierte sich an der antiken Plastik und galt als Wegbereiter des Klassizismus. Von seinen zahlreichen Arbeiten sind besonders die Statuen der Könige Witerich und Wallia am Königlichen Palast sowie die Statue der Unbefleckten Empfängnis und der Christusaltar in der Königlichen Kapelle in Madrid hervorzuheben. Die Ausführung einer Reiterstatue Philipps V. und Karls III. wurde wegen politischer Unruhen verhindert. Die bedeutendsten Arbeiten sind die Statuen am Apollobrunnen im Prado-Park in Madrid. 1784 wurde er zum Direktor der Akademie ernannt, später zum Hofbildhauer.
Amadeo, Giovanni Antonio
(auch Omodeo, degli Amadei). *1447 in Pavia, +27.8.1522 in Mailand. Italienischer Bildhauer und Architekt, Vertreter der lombardischen Renaissance. Amadeo verband die campionesische Kunsttradition (Campionesen) mit den durch Michelozzo di Bartolomeo in die Lombardei gebrachten toskanischen Renaissancebestrebungen. 1470 bis 1475 baute er das früheste Beispiel toskanischer Renaissance in der Lombardei, die Capella Colleoni mit den Grabmälern der Medea Colleoni und ihres Vaters Bartholommeo in Bergamo. Ab 1480 orientierte er seinen Stil am Vorbild der Brüder Mantegazza, die von der nordischen, spätgotischen Plastik beeinflusst waren. 1490-97 beteiligte er sich an der Kuppelkonstruktion des doms in Mailand. Sein Meisterwerk auf dem Gebiet der dekorativen Plastik war die Ausschmückung der Fassade der Certosa von Pavia, in deren Ausführung er sich ab 1491 mit den Brüdern Mantegazza teilte. 1492-94 schuf er den Hof des P
Amadis von Frankreich
Er ist der Held des spanischen Romans, der den Umschwung der Ritterepopöe zum Ritterroman bezeichnet. Ursprünglich wahrscheinlich in portugiesischer Sprach durch den Ritter Vasco de Lobeira von Oporto, gest. 1403, verfasst, wurde er durch Garcia Ordonnez de Motalvo um 1460 ins Spanische überarbeitet und um 1500 im Drucke herausgegeben. Der Held des Buches ist Amadis, Sohn des Königs Perion von Frankreich und der Elisena, einer Tochter des Königs Gavinter von Bretagne, Hauptgegenstand die Liebesgeschichte zwischen Amadis und Oriana, einer Tochter des Königs Lisuart von Frankreich. Schon von dem genannten spanischen Bearbeiter fortgesetzt, erweiterten französische Übersetzer das Buch auf die Romanreihe von 24 Büchern. Auch in der deutschen Überarbeitung, welche von 1569 bis 1594 in 24 Bänden erschien, wurde der galante Ritterroman mit seiner unglaublichen Weitschweifigkeit das Lieblingsbuch des deutschen Adels.
Amerling, Friedrich von
*14.4.1803 in Wien, +15.1.1887. Österreichischer Maler, profilierter Vertreter des Wiener Biedermeier, bedeutend vor allem aufgrund seiner Portraits, in denen sich künstlerischer Ausdruck und Realitätsnähe verbinden. Amerling besuchte von 1816-24 die Kunstakademie seiner Heimatstadt. 1827 lernte er in London Thomas Lawrence kennen, bei dem er sich in der Porträtkunst vervollkommnete. Knapp ein Jahr darauf ging er nach Paris zu Horace Vernet, der mit Lawrence zu den angesehensten Porträitisten der Zeit gehörte. Nach Wien zurückgekehrt, begann er eine glänzende Karriere als Bildnismaler. Sie wurde vor allem durch sein ausserordentlich sprechendes Porträt von 1832, "Kaiser Franz I. im Krönungsornat" (Schloss Laxenburg bei Wien), begründet, das ihm der Kaiser aus Begeisterung über ein geglücktes Porträt des Erzherzogs Rudolf in Auftrag gegeben hatte. Amerlings Modelle waren von nun an vor allem Mitglieder der Wiener Aristokratie. Seine Porträts sind im klassizistisch-biedermeierlichen Stil gehalten, die Betonung des Hangs zur Repräsentation geht zum Teil, besonders in seinen späteren Bildnissen, auf Kosten der Charakterisierungskunst. So kann man etwa bei seinen vielen Kaiserporträts eine gewisse Stereotyie des Gesichtsausdrucks nicht übersehen. Seine wohl schönsten Bilder malte Amerling während und nach seinem Aufenthalt in Florenz (1841). Hier entstanden neben Bildnisseneinfacher Leute aus dem Volk, auch in Gruppen, schöne Genrebilder.
Amigoni, Jacopo
*1682 in Neapel (?), +1752 in Madrid. Italienischer Freskomaler, Altarmaler und Porträtmaler, erhielt seine Ausbildung in Venedig und entwickelte sich während seiner Tätigkeit an verschiedenen europäischen Höfen zu einem der wichtigsten Verbreiter des venezianischen Rokoko, wobei er durchaus auch für andere Einflüsse, etwa die der römischen Barockmalerei, offen war. Auch seine Herkunft aus Neapel blieb nicht ohne Wirkung auf sein Werk. So dürfen die Vorbilder für Amigoni Vertreter des neapolitanischen Barock wie Luca Girodano und Francesco Solimena ebenso gelten wie der römische Barockmaler Cortona, Pietro da und der Wegbereiter des venezianischen Rokokostils, Sebastiano Ricci. Amigoni wurde 1717 an den Münchener Hof berufen , wo er um 1718 ein Deckenbild in der Badenburg des Schlossparks von Nymphenburg schuf. 1720 bis 1725 entstanden in Schloss Schleissheim Fresken mit Darstellungen aus der Ilias und Aeneis, 1725-28 Fresken für schwäbische Benediktinerabtei Ottobeuren. Hier gelangte sein Stil zu grosser Vollendung. Die hellen, atmospärisch wirkenden Deckenbilder haben eine im Sinne des venezianischen Rokoko raffiniert abgestimmte Farbigkeit, die sich mit einer plastischen, barock empfundenen figürlichen Darstellung verbindet. Amigoni war sehr produktiv. Er arbeitete als Freskant, vor allem in London während seines Englandaufenthalts 1730-37; es sind jedoch nur die Jupiter-und-Io-Szenen des Hauses im Moor Park erhalten geblieben. Er malte Leinwandbilder, u.a. Portäts, z.B. das "Bildnis des Sängers Farinelli", geschaffen während eines Parisaufenthalts 1736, biblisch-historische Szenen, z.B. "Heimkehr des verlorenen Sohnes" (1734, Cambridge, Emmanuel College), und vorzugsweise mythologisch-galante Themen, z.B. "Herkules und Omphale (Pordenone, Privatbesitz) und "Venus und Adonis" (Venedig, Galerie dell`Accademia, sowie München, Alte Pinakothek). 1739-47 war er in Venedig tätig, wo Tiepolo, Giambattista künstlerisch tonangebend war. 1747 wurde er von König Ferdinand VI. nach Madrid berufen. Seine in Spanien geschaffenen Werke zeigen einen qualitativen Niedergang.
Ammanati, Bartolomeo
(eigtl. Battiferri da Settignano, auch Ammannati). *18.6.1511 in Settignano bei Florenz, +22.4.1592 in Florenz. Italienischer Bildhauer des Manierismus, Architekt und Ingenieur. Nach einer Lehre im Atelier Baccio Bandinellis war Ammanati als Bildhauer ab 1544 in Padua, Urbino, Neapel, Florenz und Venedig tätig, dort zuletzt als Mitarbeiter von Sansovino, Jacopo an der Libreria. Seit 1550 in Rom, arbeitete Ammanati, nun auch als Architekt, vor allem für Papst Julius III. Für dessen Papa-Giulia-Villa baute er die Loggia und das Nymphäum (1551-55). Nach seiner Rückkehr 1555 nach Florenz entstanden seine eigentlichen Hauptwerke, hier fand der vielseitige und schnelle Arbeiter als manieristischer Hofkünstler der Medici (zunächst für Grossherzog Cosimo I.) die ihm gemässen Aufgabenbereiche. 1558-70 entstanden die Gartenflügel des Pitti-Palazzo, bei denen die aus der Tradition der Frührenaissance übernommene Rustika die Platzfassade in manieristischer Weise umgestaltet und die dreifache Säulenordnung des Hofs durchdrungen und zerstört wurde. Die Gartenfront wurde dabei in fast grotesker Weise mit Bossenwerk überzogen. Der Ponte S. Trinitá über den Arno entstand 1567-70 und ist mit den drei ellipsoiden Bögen einer der elegantesten Brückenentwürfe. Als Bildhauer wurde Ammanati stark von Sansovino, Jacopo beeinflusst. Zu seinen Hauptwerken zählten Brunnenanlagen wie 1554-55 in der Papa-Giulia-Villa, der Herkulesbrunnen für die Villa Reale in Castello 1559-60, der Brunnen vor der Porta del Popolo in Rom und der Neptunsbrunnen auf der Piazza della Signoria, der ab 1565 aus Anlass der Hochzeit Francesco de Medicis mit Johanna von Österreich entstand. Grabmäler, wie das für Kardinal del Monte in Rom oder für Kardinal Benavides in Padua schuf er. Zusammen mit Vignola, Giacomo Barozzi da und Vasari, Giorgio hatte er einigen Anteil am Entwurf der Villa Giulia (Papa-Giulia-Villa) (für die das Nymphäum im Hof charkteristisch ist). In Lucca entwarf er einen Teil des Provinciale-Palazzo Lucca (1578) mit einer hübschen Loggia. Seine Bedeutung für die frühbarocke Architektur wird besonders an der Fassade des Collegio Romano in Rom (1581-85) evident. Ammanati verfasste auch einen um 1550 in Florenz erschienenen "Trattato di Architettura". In seinen letzten Lebensjahren entwarf Ammanati mehrer Kirchenbauten als Variationen des Typs von Il Gesú in Rom.
Ammannati → Ammanati, Bartolomeo
Andersen, Peder
(gen. Nordmand, Peder = Norweger). *1694 in Kopenhagen. Dänischer Maler norwegischer Herkunft. Er hielt sich mit Lambert van Haven in Italien auf. 1683 wurde er zum Hofmaler im dänischen Königshaus ernannt. Er war hauptsächlich im Schloss Frederiksborg Kopenhagen beschäftigt. In der Schlosskirche in Frederiksborg befindet sich das Gemälde "Der Zinsgroschen". Ausserdem lieferte er Kartons für die gewebten Tapeten der Gebrüder Eiche im Rittersaal des Schlosses Rosenborg in Kopenhagen. Andersens bede
Andieres, Abel-Francois Poison de → Marigny, Marquis de
Andrae, Walter
Am 18.2.1875 wurde Andrae in Anger bei Leipzig geboren. Nach dem Architekturstudium ging er als Mitarbeiter von Koldewey, Robert Johann nach Babylon und grub von 1903 bis 1914 zusammen mit J. Jordan und anderen Assur, die erste Hauptstadt des assyrischen Reiches, aus. 1921 wurde Andrae Kustos der Vorderasiatischen Abteilung der Staatlichen Museen in Berlin. Seit 1923 lehrte er Baugeschichte an der Technischen Hochschule Berlin. 1928 wurde er zum Direktor der Vorderasiatischen Abteilung berufen. Andrae starb am 28.7.1956 in Berlin.
Andrea Dall`Aquila
Tätig Mitte 15. Jh.. Italienischer Bildhauer und Maler aus Aquila in den Abruzzen. Andrea lernte in der Werkstatt Donatellos und soll mehrere Jahre im Hause Cosimos de` Medici gelebt haben. 1455 bis 1456 arbeitete er unter Pietro da Milano mit Isaja de Pisa am Skulpturenschmuck des Triumphbogens des Alfonso von Aragón am Nuovo Castel Neapel. Ihm werden die in einem realistischen Stil ausgeführten ersten beiden Leibungsreliefs an den Eingangspilastern des Triumphportals zugeschrieben. Nicht gesichert ist die Zuschreibung des Grabmals der Maria Pereira in s. Bernardino und das Puttenfries und Nymphenfries unter der Giebelbekrönung der Haupttür des Festsaals im Nuovo Castel Neapel.
Andrea Del Castagno
(auch Andreino oder Andrea Di Bartolommeo). *um 1421/23 in Castagno bei Florenz, +19.8.1457 in Florenz. Italienischer Maler, der sich in der Nachfolge Masaccios und unter dem Einfluss von Donatello vor allem als Freskant um eine Darstellung der Figur bemühte, in der plastische Körperlichkeit mit klarer Linearität und Kontur eine überzeugende Verbindung eingehen sollte. Es gelang ihm im Verlaufe seines Werkes, zur Lösung dieses Problems beizutragen, und seine grosse Leistung besteht darin, dass er seinen Figuren eine fast "skulpturale" Körperlichkeit gab, sie dennoch in die Linearität und Perspektivität der Kompostitionen einband und sie in einem ungewöhnlich hohem Masse mit individuellen Zügen ausstattete. Die Dynamik und Plastizität seiner Bilder lassen sein Werk innerhalb der florentinischen Frührenaissance als richtungsweisend erscheinen, und er übte auch über Florenz hinaus deutlichen Einfluss aus. Bereits 1440 erhielt Andrea von Cosimo de` Medici den Auftrag, im Bargello-Palazzo Firenze ein Fresco zu malen, auf dem die nach der Schlacht von Anghiari verurteilten, an einem Fuss aufgehängten Rebellen dargestellt waren. Das heute verlorene Werk trug ihm den Spottnamen Andreino degli Impiccati (kleiner Andrea der Gehängten) ein. 1442 war er in Venedig, wo er gemeinsam mit Francesco de Faenza in der Apsis von S. Zaccaria das Fresco "Gottvater mit Heiligen" malte. Danach liess er sich endgültig in Florenz nieder. Dort schuf er 1444 den gewaltigen Entwurd einer Kreuzabnahme für ein Fenster in der Domkuppel und 1444-50 sein Hauptwerk, die monumentalen Fresken an der Stirnwand des Refektoriums im Kloster S. Apollonia mit dem "Abendmahl". Mit den bäuerlich-derben, in plastischer Eindringlichkeit gemalten Gestalten fügt sich die Darstellung perspektivisch raumerweiternd in die Architektur ein; darüber eine "Kreuzigung", eine "Kreuzabnahme" und eine "Auferstehung Christi". Die Passionsszenen gehören in ihrer verhaltenen Dramatik, in der Geschlossenheit der Komposition und in der Feinheit der Farbgebung zu den bedeutendsten Leistungen der Florentiner Malerei des 15. Jh. Um 1450 erhielt er den Auftrag in der Carducci-Villa in Legnaia berühmte historische Persönlichkeiten, darunter den Krieger Pipo Spano, die Cumäische Sibylle und die Dichter Dante, Petrarca sowie Boccacio, in überlebensgrossen Idealbildnissen darzustellen; diese im vorigen Jh. abgenommenen Fresken befinden sich ebenfalls in S. Apollonia (heute Museo Castagno) in Florenz. 1454-55 schmückte er drei Kapellen der Florentiner Kirche SS. Annunziata mit Fresken, die durch den Realismus der Darstellung, besonders aber durch die Kühnheit in der Perspektive alle zeitgenössischen Florentiner Maler in Erstaunen versetzten; doch sind nur die Arbeiten aus zwei Kapellen zu den Themen "Christus und der hl. Julian" und "Dreifaltigkeit mit den Heiligen Hieronymus, Maria Cleophas und Maria Magdalena" erhalten. Zu seinen letzten Arbeiten um 1456 gehören in S. Maria degli Angeli eine ausdrucksstarke "Kreuzigung" sowie im Florentiner Dom das mächtige, perspektivisch fortschrittlich gemalte Reiterporträt des 1435 verstorbenen Feldherrn "Niccoló da Tolentino", das Gegenstück zu dem 1436 von Paolo Uccello gemalten Reiterstandbild des "Condottiere Giovanni Acuto".
Andrea Di Bartolommeo → Andrea Del Castagno
Andreas aus Pissarzowitz
Baumeister, u.a. in Schlesien tätig.
Andreino → Andrea Del Castagno
Angelini, Jakob → Engel, Jakob
Angermair, Christof
*in Weilheim (?), +1632/33 in München. Deutscher Elfenbeinschnitzer. Nach der Ausbildung in Weilheim wurde er 1613 am bayerischen Hof beschäftigt. Zu seinen wichtigsten Arbeiten gehören vier kostbare Elfenbeinschreine, die in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern für Elisabeth von Lothringen geschaffen wurden. Der Münzschrein im Nationalmuseum in München ist Angermairs bekannstestes Werk. Die in Flachrelief und gelegentlich vollrundem Hochrelief ausgeführten Schnitzereien zeichnen sich durch äusserst detaillierte Darstellungen aus. Trotz Betonung jeder Einzelheit wirken die Reliefflächen nicht überladen. In dem Schatz der Reichen Kapelle in der Residenz München I befindet sich ein grosses Relief mit der Kreuzigung Christi (1631), das in seiner sorgfältigen Ausführung charakteristisch für den frühbarocken Stil Angermairs ist. Wahrscheinlich war er der Lehrer von Georg Petel.
Anguier, Francois
*1604 in Eu, +9.8.1669 in Paris. Französischer Bildhauer. Ausbildung bei Martin Cavon in Abbeville und Simon Guillain in Paris, der ihm mit der plastischen Ausschmückung des Altars im Kloster der Unbeschuhten Karmeliten in Luxemburg beschäftigte. Nach zweijährigem Aufenthalt in Rom arbeitete er ab 1643 im Louvre-Palais. 1651-58 führte er gemeinsam mit seinem Bruder Anguier, Michel das Grabmal Heinrichs II. von Montmorency in der Chapelle du Lysée in Moulins aus. Sein interessantestes Werk ist das Grabmal von Jacques-Auguste de Thou in St-André-des-Arcs, dessen Marmorfiguren und ein Bronzerelief im Louvre in Paris erhalten sind. Anguieur arbeitete an zahlreichen Grabmälern und Gartenfiguren, die ursprünglich an der Porte St-Antoine aufgestellt waren und sich heute im Musée Carnavalet in Paris befinden.
Anguier, Michel
*28.9.1612 in Eu, 11.7.1686 in Paris. Französischer Bildhauer. Nach Ausbildung bei Simon Guillain in Paris 10jähriger Aufenthalt in Rom. Gemeinsam mit seinem Bruder Anguier, Francois arbeitete er am Grabmal des Herzogs von Montmorency. 1654-55 war er an der plastischen Ausschmückung der Zimmer der Anna von Österreich im Louvre-Palais beteiligt. 1659 schuf er für den Garten der Tuilerien (Tuilieres) zwei Götterstatuen. Er entwickelte eine rege Tätigkeit als Bronzebildner; die meisten seiner Arbeiten, wie eine Bronzestatue von Ludwig XIII. für die Stadt Narbonne, sind nicht erhalten. Ab 1675 begann er mit der Gestaltung des plastischen Dekors an der Porte St-Denis in Paris nach Vorzeichnungen von Le Brun, Charles, dessen Vollendung sein wichtigstes Werk bedeutete. Neben zahlreichen Portraitbüsten (Jean-Baptiste Colbert, Paris, Musée National Du Louvre) zeichnete sich Anguier durch seine dekorative Plastik aus. Sein Schaffen ist als bedeutender als das seines Bruders einzuschätzen.
Ansaldo, Giovanni Andrea
*1584 in Voltri, +1638 in Genua. Italienischer Barockmaler. Ansaldo kam in jungen Jahren nach Genua in die Lehre zu Orazio Cambiaso, der die Werkstatt seines 1585 in Spanien verstorbenen berühmten Vaters Luca Cambiaso weiterführte. Um1603 lernte er auch Peter Paul Rubens kennen, als der Maler im Auftrag des Herzogs von Mantua Genua besuchte. Nicht weniger bedeutungsvoll für sein Schaffen war 1621 eine Begegnung mit Anthonius van Dyck. Doch verarbeitete Ansaldo die von beiden erhaltenen Eindrücke zu einem durchaus persönlichen Stil. Mit Gemälden von kostbarer Farbgebung und dramatisch wirkungsvoller Kompositionen, wie "Grablegung Christi" (Genua, Accademia Ligustica), kam er zu Ansehen und Ruhm. Zahlreiche Kirchen erwarben seine Bilder. Zu seinen Hauptwerken gehören die durch ihr dekoratives Pathos und ihre perspektivische Sicherheit eindrucksvollen Kuppelfresken in SS. Annunziata in Genua, die er im Auftrag der Familie Lomelli ausführte. Weitere bedeutende Fresken schuf er im Brignola-Palazzo in Genua und im Spinola-Palazzo im nahegelegenen Sampierdarena. Er war ein ungewöhnlich produktiver Meister, wenn auch nicht alle Werke gleichermassen bedeutend waren.
Ansi, Melchior Franziskus
Maler in Falkenberg in Oberschlesien.
Ansorge, Paul
Baumeister aus Bad Warmbrunn in Schlesien.
Anthonisz, Cornelius
*um 1499 in Amsterdam, +1556 in Amsterdam. Holländischer Maler, Holzschneider, Radierer und Kartograf. Bekannt wurde er durch das Schützenstück "Bankett der Schützengilde" von 1533 (Amsterdam, Rijksmuseum), das zu den ersten holländischen Gruppenporträts aus bürgerlichen Gesellschaftsschichten gehört. Bedeutend sind ausserdem seine Städteansichten aus der Vogelverspektive, z.B. Amsterdam, 1536, oder ein Plan von Amsterdam in 12 Blättern, 1544. Als Kartograf stand er im Dienst Karls V. und ging mit dessen He
Antiochos
Tätig 2. Hälfte 3 Jh. v. Chr. Griechischer Bildhauer aus Athen (?). Eine Kopie der "Athena Parthenos" von Phidias, die am Gewandsaum durch die Inschrift -iochos gekennzeichnet ist, wie Antiochos zugeschrieben. Die Marmorskulptur war ursprünglich im Garten der Ludovisi in Rom (Ludovisi-Villa) aufgestellt und befindet sich heute im Thermenmuseum in Rom. Die Figur ist an den Armen, am Helmbusch und an der Nase stark restauriert.
Antiope
Nach Homer Tochter des Flussgottes Asopos; nach anderen Quellen die Tochter des Königs Nykteus von Theben. Als Tochter des Asopos wäre Antiope eine Nymphe, sonst eine Sterbliche. Antiope wird üblicherweise schlafend im Wald dargestellt.
Antoine, Jacques-Denis
*6.8.1733 in Paris, +24.8.1801 in Paris. Französischer Architekt. Er begann als Bauunternehmer, erlangte jedoch bald als Architekt Bedeutung. 1768-75 entstand sein erstes grosses Werk, die Münze in Paris Monnaies-Hotel. Ebenfalls in Paris baute er die monumentale Treppe des Justice-Palais Paris, das Maillebois-Hotel (Rue du Bac) und lieferte Pläne für das Jaucourt-Hotel (Rue de Varennes), das Hospiz (Barriére de`Enfer) und das Haus der Feuillants (Rue St-Honoré). Zu seinen grösseren Werken ausserhalb von Paris zählen die Kirche Filles Ste-Marie in Nancy, das Palais des Herzogs von Berwick in Madrid (Berwick-Palais), die Münze von Bern und das Schloss des Fürsten von Salm-Kyburg in Deutschland. Antoine zählte zu den bedeutenden französischen Architekten des Rokoko, der sich jedoch der gegen Ende des 18. Jh.s eintretenden Hinwendung zur Antike anschloss.
Antolinez, José
*in Sevilla (?), getauft 7.11.1635 in Madrid, +30.5.1675 in Madrid. Spanischer Maler und Mitarbeiter von Rizi, Francisco, dem Hofmaler Philipps IV. von Spanien. Später gehörte er zu den grossen Malern, die nach dem Tod von Diego Velázquez am Könighof wirkten. Antolinez war besonders von Peter Paul Rubens und Anthonius van Dyck beeinflusst, deren Werke er aus Privatsammlungen in Madrid kannte. Seine Hauptwerke sind Porträts und religiöse Bilder im Stil des Spätbarock mit minuziös ausgeführten Landschaften. Seine Farbgebung beeinflusste Mateo Cerezo. Antolinez fand bei einem Duell den Tod.
Antropov, Aleksej Petrovic
*14.3.1716 in Petersburg, +12.6.1795 in Petersburg. Russischer Maler. Er ist vor allem durch seinen wesentlichen Anteil an der Ausgestaltung der Zarenschlösser Zarskoje Selo, Peterhof (Petrodworez) und des Winterpalaist St. Petersburg bekannt geworden. Neben diesen Aufträgen des Zaren leitete er ausserdem von 1732-55 die Ausgestaltung der St.-Andreas-Kirche in Kiew mit Fresken. Antropov wurden zudem durch seine Porträts bekannt, die er vor allem in der zweiten Hälfte sienes Lebens schuf. Er entwickelte einen realistischen Stil und verdeutlichte die Charakterzüge seiner Modelle durch eine minuziöse Wiedergabe der Details. von seinen zahlreichen Werken sind die Bildnisse der "Fürstin T. Trubeckoj" (1761, Moskau, Tretjakov-Galerie) und der "Komtesse Rumjanceva" (Leningrad, Russisches Museum) besonders hervorzuheben.
Apaturios
Tätig vermutlich 1. Jh. v. Chr. Griechischer Maler aus Alabanda in Karien, schuf eine Wanddekoration im Ekklesiasterion von Tralles. Virtuv berichtet, dass er dabei Figuren statt Säulen malte, Kentauren, die das Gebälk trugen, ausserdem Kuppeln, Dächer, Löwenköpfe als Wasserspeier; über diesem fantastischen Unterbau malte er noch eine ganzes weiteres Geschoss mit allerlei Bauten. Diese illusionistischen Architekturphantasien machten Schule. Vitruv tadelte sie als absurd und verglich sie mit ähnlichem in seiner Umgebung; gemeint sind die architektonischen Rahmenwerke des zweiten Stils in der römischen Wandmalerei.
Apelles
Tätig 2. Hälfte 4. Jh. v. Chr. Griechischer Maler, Sohn des Pytheas aus Kolophon in Lydien oder aus Kos. Er war der gefeiertste Maler Griechenlands und wurde im Altertum noch über Polygnot und Zeuxis gestellt. In Ephesos, das ihm später das Bürgerrecht verlieh, begann er seine Ausbildung, die er in Griechenland an der sikyonischen Malerschule unter Pamphilos abschloss. Noch zu Philipps Zeiten ging er an den makedonischen Königshof, wo der die Gunst Alexander d. Gr. gewann. Er war dort während dessen gesamter Regierungszeit, aber auch noch unter Ptolemaios I. tätig. Sein künstlerischer Höhepunkt lag nach Plinius um 332. v. Chr. Apelles war bereits zu Lebzeiten so berühmt, dass wir über ihn mehr Anekdoten besitzen als anschauliche Beschreibungen seiner Gemälde oder brauchbare Aussagen über seinen Stil. Im Mittelpunkt seines Schaffens standen die Porträts seines Gönners Alexander. Das berühmteste davon befand sich im Tempel der Artemis in Ephesos; es zeigt den vergöttlichten König dem Blitz in der Faust: bewundert daran wurde vor allem, "dass die Finger hervorzutreten schienen und dass der Blitz sich ausserhalb der Tafel zu befinden schien" (Plinius). Weitere allgemein gepriesene Werke waren die "Aphrodite Anadyomene" in Kos, ein Herakles mit abgewendetem Gesicht, "so dass, was äusserst schwierig ist, dennoch das Bild sein Gesicht mehr wirklich zeigen als erraten zu lassen schien" (Plinius). Ein rein allegorisches Bild war die "Verleumdung", gemalt am Hof des Ptolemaios. Apelles schuf vermutlich ausschliesslich Tafelgemälde, Wandmalerein werden nicht erwähnt. Er soll mit lasierenden Farben gemalt haben, und zwar vornehmlich mit den Farben Rot, Gelb, Schwarz und Weiss. Die atmosphärischen Blautöne und Grüntöne entfielen bei deiser Vierfarbenmalerei. Zum Schluss überzog er seine Gemälde mit dem geheimnisvollen "atramentum", einer Endlasur, in welche verbranntes, fein pulverisiertes Elfenbein gemischt war; dadurch wurde die Farbigkeit des Bildes gedämpft und vereinheitlicht. Immer wieder wird die Charis, die Anmut der werke des Apelles geschildert und die Fähigkeit des Meisters gelobt, die Hand rechtzeitig von der Arbeit zurückziehen zu können ("manum de tabula tollere"). Witz, Fleiss, Bescheidenheit und Hilfsbereitschaft dürften sein Leben bestimmt haben.
Aphrodite
(röm. = Venus). Nach Homer Tochter von Zeus (Jupiter) und Dione; häufiger die "Schaumgeborene" in Anlehnung an Hesiod. Sie ist die Göttin der Schönheit und der Liebe. In Griechenland fanden die berühmtesten Fest zu Ehren der Göttin auf Zypern und Kythera statt; in Rom wurde der Venus-Kult von Julius Caesar gefördert, der seine Abstammung auf Aeneas zurückführte. Die geläufigsten Attribute der meist halb nackten Aphrodite sind Rose, Myrte und Apfel. Die Göttin kann im Gefolge ihrer Tiere dargestellt sein
Apollodorus von Damaskus
*65 (?) in Damaskus, +118 in Rom. Römischer Architekt. Er war als Staatsarchitekt unter Trajan (98-117) tätig und gilt als bedeutendster und einflussreichster Baumeister der römischen Kaiserzeit. Ein marmornes Portraitbildnis von Apollodorus mit antiker Namensinschrift befindet sich in der Glyptothek in München. Der Architekt war von Trajan mit kriegstechnischen Aufgaben beauftragt und begleitete ihn auf sämtlichen Feldzügen. 104-105 erbaute der die Donaubrücke am Eisernen Tor bei Dobretae in Dakien. Die Brücke stand auf 20 mächtigen verankerten Steinpfeilern und mass über 1 km Länge. Der Bau ist einzig als Relief auf der Trajanssäule in Rom erhalten. Nach Pausanias sind weiterhin schriftliche belegt ein Odeion und ein Stadion in Rom. Ausserdem wird Apollodorus der Bauplan des Circus Hadriani zugeschrieben. Dio Cassius überliefert ihn als Architekten eines Gymnasions in Rom, das wahrscheinlich mit den Trajansthermen am Esquilin identisch ist und als erster römischer Bau grosse Apsidialabschlüsse aufweist. Apollodorus` wichtigstes Werk war die Errichtung des Trajansforums, das zu den grössten antiken Platzanlagen zählt. Die Verbindung von orientalischen und römischen Bauformen war für spätere Stadtanlagen vorbildlich. ein 6säuliger Triumphbogen bildete den Eingang eines rechteckigen Säulenhofs, in dessen Mitte sich ein bronzenes Reiterstandbild Trajans befand. Eine quergestellte 5schiffige Basilika und die 113 errichtete Trajanssäule schlossen sich an das Forum an. Der Trajanstempel bildete den Abschluss der Anlage. Wahrscheinlich erbaute Apollodorus auch die Hafenanalgen von Ostia und den Trajansbogen in Ancona. Wegen seiner Kritik an den Bauplänen Hadrians, Trajans Nachfolger, wurde er verbannt und später hingerichtet.
Apollon
(röm. = Apollo, Musagetes, Phoibos, verschmilzt mit dem Sonnengott Helios). Sohn des Zeus (Jupiter) und der Leto (Latona); Zwillingsbruder der Artemis (Diana). Griechischer Gott des Lichtes (der Sonne), der Schönheit, der prophetischen Weissagung, der Künste, besonders der Musik und der Dichtung, Herr der Musen, aber auch Beschützer von Ackerbau und Viehzucht, Gott der Heilkunst (er ist der Vater des Askepios). Auch ist Apollon der Hüter von Recht und Ordnung. In der hellenistischen Welt war der Apollonkult weit verbreitet. Die wichtigsten Tempel standen auf Kreta, in Korinth und Delphi. In der römischen Welt befand sich der berühmteste Tempel auf dem Palatin. Die Ludi Apollinares fanden vom 6. bis 13. Juli statt. Dargestellt wird Apoll gern als schöner Jüngling mit lichtumfluteten Haupt, der den Sonnenwagen lenkt, der täglich von vier Pferden über den Himmel gezogen wird. Bogen, Pfeil, Köcher, Lyra und Lorbeerkranz sind die Hauptattribute des Gottes.
Apollonius von Tyrus
So heisst ein in Mittelalter weit verbreiteter Sagenstoff, der die Erlebnisse einer nach allen Richtungen auseinandergerissenen Fürstenfamilie behandelt, welcher doch schliesslich Wiedervereinigung und dauerhaftes Glück beschert wird. Ursprünglich ein griechischer Roman, wurde der Stoff in verschiedenen Sprachen in Prosa und Versen bearbeitet, deutsch um 1300 von dem Wiener Arzt Heinrich von Neuenstadt, unter dem Titel: Apollonius von Tyrland. Aus der lateinischen Bearbeitung des Gottfried von Viterbo ging das Volksbuch „Die Historie des Königs Apollonii“, Augsburg 1471, hervor.
Appelt, Julius
Architekt in Schlesien.
Appiani, Andrea
*23.5.1754 in Mailand, +8.11.1817 in Mailand. Italienischer Freskenmaler und Portätist, der vor allem mythologische und allegorische Themen gestaltete. Er war ein Schüler von Carlo Maria Giudici, zeigte sich jedoch mehr von Raffael und Correggio, dessen Werke er in Parma studieren konnte, beeindruckt. Appiani wurde vor allem durch sein Dekorationen für Erzherzog Ferdinand von Österreich in dessen Schloss in Monza (Reale-Villa Monza), "Geschichten von Amor und Psyche", 1789, bekannt. Napoleon I. erna
Appiani, Joseph Ignaz
*16.10.1706 in München, +zwischen 1785 und 1789 in Mainz. Deutscher Maler und Freskant. Joseph Ignaz Appani war der Sohn des Stukkateurs Peter Franz Appiani. Der spätere kurmainzische Hofmaler lernte möglicherweise bei Cosmas Damian Asam. Er wurde auch von Carlone, Carlo Innocente beeinflusst. Appiani hatte einen individuellen, manchmal ans Bizarre grenzenden Stil: expressive Gestik, muskulöse Figuren in perspektivisch verkürzten Untersichten und Aufwärtsbewegungen. Seine Hauptwerke finden sich im Refektorium von Obermarchtal 1751, in der Domkirche von Arlesheim (1759-61, im Neuen Schloss in Meersburg II, bekannt ist das Gemälde "Der leidende Hiob" (Nürnberg, Germanisches Museum). Sein ehrenvollster Auftrag war die Ausmalung der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen, 1764-69, die von Neumann, Johann Balthasar erbaut worden war.
Arachne
Lydisches Mädchen; Tochter des Idmon von Kolophon, eine berühmten Purpurfärbers. Die berühmte Weberin wird oft an ihrem Webstuhl gezeigt, während Athene (Minerva) in voller Rüstung ihr zuschaut. Mitunter präsentiert sie auch stolz ihr Werk oder sie erscheint mit einem Spinnennetz zwischen den Händen.
Archer, Thomas
(1668-1743). Archer ist der einzige englische Architekt des Barock, der diesen Stil auf dem Kontinent selbst studiert hat. Seine Bauwerke bilden für England einen Ausnahmefall, da sie eine intime Kenntnis der Werke Berninis (Bernini, Gianlorenzo) und Borrominis (Borromini, Franceso) spiegeln. Archer stammte aus angesehener Familie und unternahm nach Abschluss seiner Studien in Oxford eine vier Jahre währende Kavalierstour. 1693 kehrte er nach England zurück. Als Anhänger der herrschenden Whig-Partei war er bei Hof erfolgreich und erlangte 1703 ein lukratives Amt. Seine Bauwerke entstanden zwischen 1703 und 1715; dann gab er die Architektur für ein noch enträglicheres Amt als Zollkontrolleur in Newcastle auf. Unter seinen erhaltenen Profanbauten ragen die Nordfront des Landsitzes Chatsworth House (1704-05) in Derbyshire und der Gartenpavillion in Wrest Park in Bedfordshire (1711-12) hervor.
Archilochos
Tätig Anfang 5. Jh. v. Chr.. Griechischer Architekt. Er stammte aus Agryle in Attika. 408 bis 407 v. Chr. wird er als Nachfolger des Chefarchitekten Philokles am Bau des Erechtheions auf der Athener Akropolis tätig.
Archonati, Hieronymus
(auch Akhernaten, Arckanatt, Akanos, auch Jeronimo, *August 1575 in Radkersburg/Steiermark). Maurer, Steinmetz und Festungsbaumeister aus Mailand. U.a. tätig in Schlesien.
Arcimboldo, Giuseppe
(auch Arcimboldi). *um 1527 in Mailand, +7.11.1593 in Mailand. Italienischer Maler, der vor allem durch phantastisch-allegorische Bildkompositionen aus der zeitgenössischen Malerei heraussticht und der in einer gewissen Verwandtschaft zum modernen Surrealismus gesehen wird. Der manieristische Künstler, der nach eigenen Angaben von sächsischen Vorfahren abstammte, aber in Mailand heranwuchs, gründete seine Kunst vor allem auf sein Geschick, menschliche Köpfe und Gestalten oder auch Landschaften und allegorische Themen aus verschiedenen, in virtuoser Technik realistisch dargestellten Blumen, Früchten, Tieren, Waffen und Gegenständen des täglichen Gebrauchs zusammenzusetzen. Die Grundlagen der Malerei erlernte er in der Werkstatt seines Vaters Biagio, mit der er 1549-59 an Glasmalereien im Mailänder Dom arbeitete. Schon damals muss er sich einen guten Namen gemacht haben, denn bereits 1562 erhielt er einen Ruf als Hofmaler an den Hof Kaiser Ferdinands I. (Hradschin Prag), wo er, mit gelegentlichen Zwischenaufenthalten in Wien, 27 Jahre in hohem Ansehen lebte. Er war ein sehr vielseitiges Talent und neben seiner Malerei auch als Ingenieur, Musiker und Arrangeur höfischer Feste Tätig. Auch Kaiser Maximilian II. und Rudolf II. schätzten seine Kunst. Bis 1587 war er Hofmaler, später wurde er in den erblichen Adelsstand erhoben und noch 1591, fünf Jahre nach seiner endgültigen Rückkehr nach Mailand, von Rudolf II. zum Pfalzgrafen ernannt. Seine in der Geschichte der Malerei einzigartige Stellung verdankte er also vor allem seinem skurillen Einfall, mit technischer Bravour gemalte Gegenstände durch raffinierte Gruppierung zu einer bestimmten Aussage, gewöhnlich zu einem Porträt, zu verfremden. So stellte er in seinen Bildern aus Büchern, Schreibgerät und Papieren ein Porträt "Der Bibliothekar", aus Waffen aller Art das Bildniss eine Kriegsmanns und aus verschiedenen Küchenutensilien einen Koch zusammen. Dabei gelang es ihm, wie seine Zeitgenossen rühmten, über eine verblüffende Porträtähnlichkeit hinaus sogar zu einer psychologischen Aussage über sein Modell vorzustossen. In ähnlicher Weise schuf er in grossformatigen Bildern auch Allegorien, etwa die "Vier Jahreszeiten", von denen sich ein Folge in der Pinacoteca Civica Tosio Martinengo in Brescia, eine weitere Folge im Kunsthistorischen Museum in Wien befindet. Eine besondere Abwandlung waren seine sog. Umkehrbilder, wie etwa "Scherz mit Gemüse" (Cremona, Museo Ala Ponzone): ein Gemälde mit einer Schale voll verschiedenartiger Gemüse, das, umgekehrt ausgehängt, den Kopf eines Gärtners sichtbar werden lässt. Sein "Phantastisches Porträt des Königs Herodes" (Venedig, Sammlung C. Cardazzo) besteht aus einer Anhäufung von Kinderleichen. Arcimboldo, der in seiner erstaunlich modern aufgefassten Bildwelt schon sehr wesentliche Elemente des Surrealismus vorausgenommen hat, wurde über Jahrhunderte bis in unsere Gegenwart immer wieder nachgeahmt.
Arckanatt, Hieronymus → Archonati, Hieronymus
Ardemans, Theodoro
Spanischer Künstler deutscher Abstammung. Erbaute Schloss Granja De San Ildefonso">Schloss Granja De San Ildefonso.
Arenius, Olof
*16.12.1700 in Bro, Uppland, +5.5.1766 in Stockholm. Schwedischer Maler, zunächst Theologiestudium, dann Maler und Dekorateur. Er nahm an der Ausstattung des Königspalastes (Stockholm I) und der Schwedischen Akademie teil und betätigte sich als Porträtist. 1730-36 war er Mitglied der Haager Malergilde.
Ares
(röm. Mars). Sohn des Zeus (Jupiter) und der Hera (Juno); eine der zwölf Hauptgottheiten des Olymp. Er ist der Gott des Krieges. In Rom galt Mars als Vater von Romulus und Remus, dem zu Ehren im März und Oktober Feste veranstaltet wurden. Der Kriegsgott wird meist als viriler Jüngling oder Mann abgebildet. Seine Attribute sind Helm und Schild, gelegentlich auch ein Brustpanzer. Die Ikonographie kennzeichnet ihn durch Lanze, Schwert oder Hellebarde.
Argunow, Fjodor Semjonowitsch
*1733, +1775. Russischer Architekt, Vetter von Iwan Petrowitsch Agrunow, Leibeigener des Grafen Scheremetjew. Er studierte bei Sawwa I. Tschewakinski, mit dem er 1750-55 die Petersburger Residenz "Haus an der Fotanka" (Fotankahaus) als Landsitz errichtete. Sein Hauptwerk ist der Landsitz des Grafen Scheremetjew in Kuskowo bei Moskau. Die Anlage besitzt als Besonderheit eine von Argunow angelegte Grotte unter dem Pavillon, die ab 1756 errichtet wurde.
Argunow, Iwan Petrowitsch
*1727, +1802. Russischer Maler. Er war Mitglied der Künstlerfamilie Argunow, die 1743 als Leibeigene des Fürsten Tscherkasski in den Besitz von Graf Schweremetjew überging. Neben Antropow gilt er als wichtigster russischer Porträtmaler der 2. Hälfte des 18. Jh. Er malte überwiegend die Mitglieder der Familie Scheremetjew. 1753 schuf er das Porträt "Graf Scheremetjew mit Hund". Seine Bildnisse sind in warmen Farbtönen gehalten und stehen in der Tradition des barocken Galaporträts. Ab 1789 schuf er zahlreic
Argus
(griech. Argos). Über den Vater des Argus ist sich die Überlieferung nicht einig: mal ist es Agenor, mal Asterion oder Inachos. er wird auch Argos Panoptes (Allesesser) genannt. Argos erscheint meist schlafend in Hirtenkleidung, auf der sich zahlreiche Augen befinden und lehnt dabei an einem Fels oder liegt unter einem Baum.
Ariadne
Tochter des Königs Minos von Kreta und seiner Gemahlin Pasiphae. Ariadne half Theseus, den Minotaurus zu besiegen. Sie wurde vor allem auf Kreta und in Argos, aber auch auf Delos, Zypern und in Lokris verehrt, wo sie "Aphrodite Ariadne" genannt wurde. Ariadne wird gezeigt, wie sie Theseus den Faden übergibt oder allein auf der Insel Naxos zurückbleibt, manchmal auch mit Dionysos (Bacchus) in einem Wagen, umgeben von dessen Gefolge.
Arion
Arion stammt aus Methymna auf der Insel Lesbos. Er war ein berühmter griechischer Lyriker und hervorragender Kitharöde. Im Allgemeinen wird Arion die Kithara fest umklammernd auf dem Rücken eines Delphins dargestellt, machmal mit einem Lorbeerkranz geschmückt.
Ariss, John
(18. Jh.). Der erste Berufsarchitekt in Nordamerika, wanderte 1751 oder kurz vorher aus England ein; er inserierte in der Maryland Gazette, dass er "kürzlich aus Grossbritannien" gekommen und bereit sei, "Bauwerke aller Art und Grösse...sowohl in der antiken wie in der modernen Ordnung von Gibbs, James auszuführen". Unglücklicherweise wird von seinem Werk nichts berichtet, doch wurden einige geglückte Landsitze in Virginia, z. B. Mount Airey in Richmond County (1755-58), wahrscheinlich von ihm entwo
Aristeas
Tätig 2. Jh. n. Chr. Griechischer Bildhauer aus Aphrodisias in Karien. Aristeas signierte mit Papias die Statuen des alten und jungen Kentauren (Rom, Kapitolisches Museum), die 1736 in der Hadriansvilla (Adriana-Villa) bei Tivoli gefunden wurden. Dargestellt ist das Verhalten des Alters und der Jugend in der Liebe, symbolisiert mit den nicht mehr erhaltenen Erosknaben. Die mehrfach wiederholten Statuen sind Kopien von älteren Bronzeoriginalen der 2. Hälfte des 1. Jh.s, die auf Rhodos gefertigt waren und eine grosse Ähnlichkeit mit der Laokoongruppe aufwiesen. Aristeas und Papias versuchten, die Eigentümlichkeiten der Bronze in den harten, schwarzen Marmor zu übertragen. Dem Charakter der Inschriften nach gehören die Statuen in die Zeit Hadrians und sind wohl auf dessen Bestellung gearbeitet worden.
Arlet, Jacob
(*vor 16.10.1661, +27.12.1702 in Grüssau). Zisterziensermönch, Maler und Kupferstecher in Grüssau (Schlesien).
Arnold
Kreisbaumeister in Neumarkt (Schlesien).
Arnold von Westfalen
Geboren um 1425/30-1481 Meissen. Deutscher Steinmetz und Architekt (wichtiger Vertreter der späten Gotik); 1459 Werkmeister des erzbischöflichen Schlosses Calbe I, 1460/66 bei den Elbbrückenbauten in Dresden und Meissen tätig. Mit der Ausbildung des staatlichen Bauwesens in Sachsen - nach den beiden Torgauer Steinmetztagen von 1462 und 1463 und ihrem zwiespältigen Ergebnis hatte Kurfürst Friedrich II. 1464 mit einem Schutzbrief das gesamte Bauwesen seines Landes unter die Aufsicht seiner Amtleute und Vögte gestellt - wurde Arnold 1471 durch Kurfürst Friedrich III. zum Landesbaumeister (Oberlandbaumeister) berufen und stand dem Ausbau der Residenzen in Torgau (Hartenfels Torgau, 1470), Dresden II (1472) und Meissen vor. Seine bedeutendste Leistung ist die Albrechtsburg Meissen (1471/85). Es gelang ihm ein bahnbrechendes Werk, das in seiner Planung um 1470 einzigartig ist und den Beginn des Übergangs vom Burgbau zum Schlossbau in der deutschen Baukunst darstellt. Der Bau zeigt durchgehende Geschossteilung, eine in grossen Vorhangbogenfenstern geöffnete Hoffront, eine deutliche Tendenz zur Appartementbildung. Von einzigartiger Bedeutung ist der Wendelstein, ein im Burghof aussen angebrachter Treppenturm. Als Innenraum ist der sogenannte Kirchensaal im 1. Obergeschoss (zweischiffig mit vier Jochen) mit seinem großen Zellengewölbe bedeutend. Vorhangbögen und Zellengewölbe wurden durch Arnold erstmals am repräsentativen Profanbau eingeführt. Die Zellenwölbung verbreitete sich um 1500 in Obersachsen. Ausserdem war Arnold auch bei Schloss Hinterglauchau (1460-70), Burg Kriebstein (von 1471 an), Schloss Tharandt I (1476) und Schloss Leipzig I (1478-80) tätig.
Arnold, Jonas Friedrich
Architekt, preussischer Baudirektor und königlicher Bauinspektor.
Arnolf Di Cambio
*um 1245 in Colle di Val d`Elsa, +8.3.1302 oder 1310 in Florenz. Italienischer Bildhauer und Baumeister. 1265-68 ist eine Mitarbeit Arnolfos an der Sieneser Domkanzel Niccoló Pisanos dokumentiert, doch konnte sein Anteil bisher nicht befriedigend geklärt werden. Seit Anfang der 70er Jahre dürfte er in Rom gearbeitet haben, jedenfalls ist er dort 1277 im Dienst Karls I. von Anjou bezeugt. Die Sitzfigur, die "Karl als Senator der Stadt Rom" zeigt (Rom, Konservatorenpalast, ist wohl erst 1281-84 entstanden
Arras, Matthias von
(Mathias). * in Arras, + 1352 in Prag. Französischer Architekt der Gotik, wurde 1344 von dem späteren Kaiser Karl IV. offenbar aus päpstlichen Diensten in Avignon zum Bau der Kathedrale des neuen Prager Erzbistums berufen. Der Grundriss des Veitsdoms auf dem Hradschin Prag folgt dem konservativen Kathedraltypus des 13. Jh. mit Umgangschor und Polygonalkapellen. Für den Ostbau hielt er sich an die westlichen Vorbilder der Kathedralchöre von Narbonne, Rodez und Toulouse. Der fünfseitige Binnenchorschluss, seine sehr schlanken und kantig in die hohe Stirnwand einschneidenden Arkaden und die flachen Rahmenprofile der Kapellenfenster sind südfranzösischen Ursprungs. Als er 1332 starb und Peter Parler sein Nachfolger wurden, standen grosse Teile des Chorhaupts mit Umgang und dem fünfseitigen (5/8) Kapellenkranz sowie den Arkadenpfeilern des Binnenchors, ferner der Ostteil des Langchors mit den ersten Kapellen. Möglicherweise war er an weiteren Bauten und Stadtplanungen (Neustadt in Prag) beteiligt, doch fehlen sichere Belege für folgende Zuschreibungen: Burg Karlstein i. Böhmen (1348-57) und Kreuzgang des Emausklosters (1348 vollendet) in Prag, Stephanskirche in der Prager Neustadt und St. Ägid in Nimburg (1345).
Arroyo, Diego De
*1498 in Toledo, +1551 in Madrid. Spanischer Miniaturmaler und Illustrator. Seit 1520 arbeitete Arroyo mit Francisco de Villadiego an den Miniaturen verschiedener Chorbücher für die Kathedrale in Toledo. Karl V. ernannte ihn zum "Pintor de Camera" und sass ihm öfter Modell. Später wurde Arroyo Silberkämmerer von Philipp II., den er 1547 auf einer Europareise begleitete. Er fertigte Wappenmalereien und Entwürfe für Prunksättel und Prunkrüstungen für Philipp II. (Madrid, Armeria Real) und lebensgrosse Pferd
Arruda, Diego De
Tätig frühes 16. Jh., + Mai 1531 in Evora. Portugiesischer Architekt, Bruder von Arruda, Francisco De. Er wird erstmals 1510 brieflich von König Emanuel I. erwähnt, der ihm die Arbeiten im Chor und in der Sakristei eines ungenannten Klosters überträgt. 1525 führt er nach dem Tod von Martin Laurenco den Bau des königlichen Palastes in Evora I weiter. 1531 wird er als Architekt im Kloster Tomar tätig. Er schuf dort den reich dekorierten Kapitelsaal, der ein bedeutendes Frühwerk des Emanuelstils ist. Der plastische Schmuck überträgt die Themen Meer und Seefahrt in bizarre Kompositionen (mit Korallen und Tang besetzte Pfeiler, die Rundfenster rahmendes Takelwerk usw.).
Arruda, Francisco De
(tätig ab 1510, +30.11.1547 in Evora). Der Bruder von Arruda, Diego De, vertreter des Emanuelstils. Er wurde urkundlich erstmals als Festungsbaumeister erwähnt. 1531 wurde er nach dem Tod seines Bruders Nachfolger als Leiter der königlichen Palastbauten in Evora I. Er restaurierte den Aquädukt von Evora und errichtete exotisch anmutenden Turm in Belem (Belem-Torre, 1515-20) in einem fast indisch zu nennenden Stil. Damit wollte er wohl auch auf Vasco Da Gama anspielen, zu deren Ehren der Turm errichtet wurde.
Artemis
(röm. Diana). Eine der zwölf Hauptgottheiten des Olymp; Tochter des Zeus (Jupiter) und der Leto (Latona); Zwillingsschwester Apolls. Sie ist die Göttin der Jagd und wurde später mit der Mondgöttin Selene (Luna) identifiziert. Kultische Verehrung vor allem auf den Inseln Delox und Ortygia, die beide als ihre Geburtsstätten gelten. Artemis erscheint meist als junge Jägerin, bekleidet mit einer Tunika und mit hochgesteckter Frisur. Zu ihren Attributen zählen die Mondsichel über ihrem Haupt, Pfeil und Bogen, auch ein Speer. Ein oder mehrere Hunde, auch ein Hirsch sind ihre Begleiter.
Asam, Cosmas Damian
*(getauft) 28.9.1686 in Benediktbeuren, +10.5.1739 in München. Deutscher Maler und Architekt, Begründer der Rokokophase in der süddeutschen Deckenmalerei. Nach einer Ausbildung bei ihrem Vater, dem Maler Hans Georg Asam, gingen Cosmas Damian und sein jüngerer Bruder Asam, Egid Quirin 1712/14 studienhalber nach Rom. Cosmas Damian machte eine Lehre bei Pierleone Ghezzi und errang 1713 einen Preis der Accademia di S. Luca. Er schulte sich den monumentalen Dekorationsmalereien Roms, an den Werken von Cortona, Pietro da, Giovanni Battista Gaulli, Andrea Pozzo u.a. Nach der Rückkehr aus Rom, 1713, entwickelte Cosmas Damian eine fruchtbare Tätigkeit als Freskomaler und Altarbildmaler sowie als Architekt in Bayern, der Schweiz, Schwaben, Baden, Tirol, Böhmen und Schlesien. Seine frühen Werke sind durch den italienischen Einfluss geprägt. Cosmas Damian setzte sich mit der "Quadratura" auseinander, mit der illusionistischen Perspektive der Deckenmalerei, die durch Pozzos Lehrbuch "Prospettiva di pittori et architetti" von 1702 systematisiert worden war. In einem Fresko von 1719 in Weingarten überwand er diesen Illusionismus, indem er die unmittelbare Verknüpfung der realen - gebauten - Architektur mit der als Fortsetzung vorgetäuschten - gemalten - Architektur löste. In Aldersbach gab er 1720 die auf den Betrachter bezogene zentrale Perspektivkonstruktion zugunsten einer ikonologischen, auf eine Bildfigur bezogenen Perspektive auf. Geschildert ist hier der Vorgang der "Vision des hl. Bernhard". Dabei schwebt der Konvergenzpunkt, von dem aus das Fresko als stehend erscheint, zwischen dem Gewölbe und dem Boden. In der "geschauten" Szene tauchen Aussenarchitektur und erzählerische Momente auf. Cosmas Damian erhielt bedeutende Aufträge, z.B. in Einsiedeln, 1727 in Brevnov bei Prag, 1729 in Schloss Mannheim I (zerstört) und 1730 in Schloss Alteglofsheim. In dem Hauptfresko von Osterhofen aus dem Jahre 1731 schuf er das diagonale Kompositionsschema, bei dem jede Seite einen eigenen Blickpunkt erfordert. Es erlangte grundlegenden Bedeutung für die auf ihm folgenden Freskanten. Die Brüder Asam schufen gemeinsam Architektur und Dekoration (Malerei und Stuck) der Benediktinerkirche von Weltenburg an der Donau 1716-21, und die Johann-Nepomuk-Kirche (Asamkirche) neben ihrem Wohnhaus in München, 1733-46, beides typische Gesamtkunstwerke des Barock. Seine volkstümliche Art der Darstellung komplizierter Themen wurde für die folgende Generation vorbildhaft.
Asam, Egid Quirin
(1692 in Tegernsee - 1739 München). Sohn des bayrischen Ölmalers und Freskomalers Hans Georg Asam. Der Bildhauer und Stukkateur ging zusammen mit seinem Bruder Cosmas Damian Asam (Ölmaler und Freskomaler) über sein eigentliches Fach hinaus, indem er nicht nur in beispielhafter Weise bei der häufigen Zusammenarbeit mit seinem Bruder kirchliche Innenräume im Sinne des barocken Gesamtkunstwerks mit seiner inhaltlichen und formalen Einheit von Raum und Ausstattung durch Malerei, Stuck und Plastik schuf, sondern selbst mehrfach (wieder mit dem Bruder zusammen) als Architekt tätig war. Nach ihrem Studium in Rom 1711-14 entwickelten die Brüder unter dem Eindruck des römischen Hochbarock und vor allem der pathetischen Kunst Berninis einen eigenen wuchtigen Dekorationsstil und Ausstattungsstil, dem sie auch gegenüber den in den dreissiger Jahren in Süddeutschland aufkommenden Tendenzen des Rokoko treu blieben. Unter den grossen Architektenpersönlichkeiten des 18. Jh. in Süddeutschland, speziell in Bayern, verkörpern sie - neben den aus dem Bauhandwerk hervorgegangenen Archtekten Johann Michael Fischer und Dominikus Zimmermann - den im 18. Jh. häufiger anzutreffenden Typus des Maler-Architekten, der - manchmal auf Kosten der architektonischen Klarheit und Ordnung - die malerische Gesamtwirkung zum obersten Prinzip macht. Damit stehen sie, entwicklungsgeschichtlich gesehen, freilich wieder in vorderster Linie, denn so erfüllen sie - obwohl sie das formale Kriterium des Rokoko, die Rocaille, nicht übernehmen - die Forderungen dieser Stilrichtungen nach Bildhaftigkeit des Innenraums. Mit ihrer illusionistischen Kunst, die die reale und transzentrale Welt, Sein und Schein zu einem geschlossenen "Raumbild" verschmelzen lässt, schufen sie im Sinne eines "Theatrum Sacrum" prunkvolle und sinnenberauschende Kirchenräume, die die religiöse Ekstase und himmlische Vision des Gläubigen evozieren wollen und als dramatische Schauplätze für die kultischen Handlungen dienen. Die Mittel dazu sind vor allem Bühenaltäre mit plastischen Figurengruppen und monumentale Pfeilergliederungen und Säulengliederungen mit Oratorien, Logen und Brüstungen, die den Gemeinderaum in ein barockes Theaterproszenium verwandeln, virtuos abgestimmter, farbiger Stuckmarmor in Kombination mit Gold und Silber und den farbsatten Fresken, deren Darstellungen die Grenzen leugnen und irreale Räume vorspiegeln, dazu eine raffinierte, oft indirekte Lichtführung, die die Trennung Innen und Aussen vergessen lässt. Sie alle zusammen erzeugen eine höchst effektvolle, ins Mystische spielende Raumstimmung, die trotz der rein theatralischen Elemente den hoheitsvollen und ernsten Charakter dieser Sakralräume erstehen lässt. Mit den Brüdern Asam, die die bis dahin unbestrittene Herrschaft der italienischen Wanderkünstler in Süddeutschland brechen halfen, begann die barocke Kunst Bayerns ihren eigentlichen Aufstieg zu einem epochalen Rang, den sie dann in der Spätphase, dem Rokoko, unbestritten behaupten konnte. Egid Quirin Asam schuf über die kirchlichen Arbeiten hinaus auch noch Dekorationen in den Schlössern Schleissheim II, Bruchsal II, Mannheim I, Ettlingen (Baden), Lichtenberg Epfenhausen? und Hohenwart (Schwaben).
Asam, Hans Georg
*12.10.1649 in Rott am Inn, +7.3.1711 in Sulzbach. Deutscher Maler, Vater von Asam, Cosmas Damian und Asam, Egid Quirin. Er gilt als der Begründer der barocken Deckenmalerei in Bayern. Seit 1681 war er als Freskomaler und Stukkateur tätig. 1681-88 malte er die Fresken mit der Darstellung des Jüngsten Gerichts in der Klosterkirche Benediktbeuern, die sich neben den Fresken der Klosterkirche Tegernsee von 1689-94 als einzige Werke erhalten haben. Die Fresken in Schloss Helfenberg Lengenfeld II in der Oberpfalz (1700-07) mit biblischen und mythologischen Themen sind ebenso wie zahlreiche Tafelbilder für Kirchen in Egern und Gmund nur schriftlich überliefert. Die vielfigurige Komposition, die in Untersicht stark verkürzten Gestalten und das lebhafte Kolorit in Asams Arbeit waren von der römischen Barockmalerei von Pozzo, Adrea Del beeinflusst.
Asper, Hans
*1499 in Zürich, +12.3.1571 in Zürich. Schweizer Maler und Zeichner der nachholbeinischen Zeit, bekannt durch die Bildnisse von Schweizer Reformatoren, tonangebend in den 40er/50er Jahren des 16. Jh.s für die Züricher Malschule. 1545 wurde Asper von der Meisenzunft in den Grossen Rat gewählt. Ab 1569 erhielten er und seine Familie aufgrund seiner ärmlichen Verhältnisse Unterhalt vom Staat. Neben Bildnissen und Zeichnungen für Holzschnitte fertigte er Stadtansichten, Schlachtenbilder, Illustrationen zu zahlreichen Druckwerken und Miniaturen.1549 entstand sein berühmtes Portrait, ein Brustbild von Ulrich Zwingli (Winterthur, Kunstmuseum), nach Vorlage einer Medaille von Jakob Stapfer.Von 1556 stammen die einzig erhaltenen Fassadenmalereien am Schlosstor von Kyburg Kant. Zürich; die Löwen mit dem Schild und Panier von Zürich darstellen. 1567 entstanden als letzte grössere Werke zwei Blumen- und Fruchtstücke mit Vögeln und ein von Löwen gehaltenes Stadtwappen (Züricher Rathaus). Aspers Werke sind an den Arbeiten von Hans Leu, Schüler von Hans Baldung, orientiert.
Asper, Hans Konrad
*um 1588 in Zürich, +1666 (?) in Konstanz. Schweizerischer Architekt und Bildhauer. Er verliess früh Zürich und erhielt seine künstlerische Ausbildung in Konstanz und Wien. 1605-10 war er als Bildhauer für Karl von Liechtenstein in Waldtspurg tätig. 1615 schuf er das Grabmal des Dompropstes A. Lodron auf dem St.-Peters-Friedhof in Salzburg, das im frühbarocken Stil gestaltet war. Ca. 1625 war er wieder hauptsächlich in Konstanz tätig, wo er das Amt eines Stadt- und Fortifikationsunterbaumeisters einnahm (Konstanz III). 1628 wurde er nach Maria Einsiedeln berufen, wo er an der Auschmückung der Gnadenkapelle beteiligt war. 1630 wurde er Zeugmeister von Maria Einsiedeln. 1644 leitete er die Instandsetzung der durch schwedische Truppen beschädigten Fortifikation der Stadt Überlingen (Überlingen III). Seit 1645 wirkte er unter Kurfürst Maximilian in München als Festungsbaumeister München III. Er begutachtete verschiedene Wehranlagen (Braunau II, Schleissheim I, Wasserburg a. Inn II, Landsberg a. Lech I) und leitete teilweise auch deren Ausbesserungsarbeiten. Ausserdem errichtete er die Kirche und Kloster der Karmeliten 1654-60. 1653 arbeitete er den Ölberg bei St. Peter. Seine Bildwerke sind von Jörg Zürn beeinflusst. Seine Kenntnisse in der Architektur und Festungsbaukunst können wohl auf die enge Zusammenarbeit mit dem Salzburger Dombaumeister Santino Solari (1576-1646) zurückgeführt werden.
Aspetti, Tiziano
*1565 in Padua (?), +1607 in Pisa. Italienischer Bildhauer. Vermutlich erhielt er seine künstlerische Ausbildung bei der Sansovino-Schule in Venedig. 1582-90 schuf er in Venedig überlebensgrosse Figuren für die Zecca und zwei Gewölbeträger, Herkules und Atlas, für den Eingang der Scala d`Oro im Dogenpalast Venedig. Die Figuren sind im manieristischen Stil in übertriebener Körperlichkeit ausgeführt. Als Portätbildner war er von Alessandro Vittoria beeinflusst.
Asprucci, Antonio
(1723-1808). Römischer Architekt des Frühklassizismus. Sein Hauptwerk ist die Innenausstattung der Borghese-Villa in Rom (1777-84); ausserdem errichtete er im Garten der Villa die eleganten Tempel, Scheinruinen und andere Spielereien.
Assmann, Paul
(+1904 in Troppau). Maler, in Schlesien tätig.
Atalante
Tochter des Schoineus (nach anderer Überlieferung des Iasos) und der Klymene. Gewöhnlich wird die unbesiegbare Läuferin und geschickte Jägerin beim Bücken nach den goldenen Äpfeln des Hippomenes wiedergegeben.
Athene
(Pallas Athene, röm. Minerva). Die Tochter von Zeus (Jupiter) und Metis wurde in voller Rüstung aus dem Haupt des Vaters geboren, der Metis zuvor verschlungen hatte; eine der zwölf Hauptgottheiten des Olymp. Sie ist die Göttin der Weisheit und des Intellekts. Die Schutzgöttin der Stadt Athen wird in ganz Griechenland verehrt; in Rom wurde Minerva zusammen mit Jupiter und Juno auf dem Kapitol verehrt. Die Göttin der Weisheit erscheint in Gestalt einer Kriegerin mit Helm, Schild und Brustpanzer. Die Eule, Symbol der Klugheit, ist ihr heiliges Tier.
Atlas
Sohn des Titanen Iapetos und der Okeanide Klymene; Bruder des Epimetheus und des Prometheus. Atlas wird als bärtiger Mann gezeigt, auf dessen Schultern der Himmel ruht. Zuweilen erscheint auch Herakles (Herkules), der sich die schwere Last aufbürdet und den Titanen vertritt. Auch Bezeichnung für glattes, rauschendes Seidenzeug. Durch die beim Weben bevorzugte Atlasbindung (die Bindungspunkte berühren sich weder in der Kettrichtung noch in der Schussrichtung, noch in der Diagonalen) entsteht eine einheitliche Lichtbrechung. So wird auf der Stoffoberfläche ein besonders hoher Glanz erreicht. Seit dem 15. Jh. ist Atlas als orientalischer Exportartikel in Europa eingeführt. Der aus dem Arabischen stammende Name bedeutet "glänzend".
Aubert, Jean
(+ 1741). Französischer Architekt. Errichtete die Grandes Ecuries von Schloss Chantilly (Pferdeställe) ab 1719.
Audran, Charles
*1594 in Paris, +1674 in Paris. Französischer Kupferstecher, Bruder von Audran, Claude I, dem Stammvater der bis weit ins 18. Jh. hinein tätigen französischen Malerfamilie und Kupferstecherfamilie Audran. Charles audran hielt sich lange Zeit in Rom auf und arbeitete vor allem nach italienischen Vorlagen.
Audran, Claude II
Getauft 27.03.1639 in Lyon, +5.1.1684 in Paris. Französischer Maler, Sohn von Audran, Claude I. Le Brun, Charles schätzte ihn sehr und beteiligte ihn an vielen seiner Arbeiten im Louvre-Palais, in St. Germain sowie der Kapelle von Sceaux und in Versailles, wo sich viele seiner allegorischen Darstellungen und Historienbilder befinden, z.B. "Mars auf dem von Wölfen gezogenen Wagen".
Audran, Claude III
*25.6.1658 in Lyon, +27.5.1734 in Paris. Französischer Maler, ein Grossneffe von Audran, Claude III, spielte eine grosse Rolle in der Dekorationsmalerei am Beginn des 18. Jh.s. Nach Jean Bérain verwendete er als einer der erster systematisch Groteskenmotive und Arabeskenmotive in der Innenraumdekoration von zahlreichen Schlössern, wie Meudon, La Muette, Marly-le-Roi und Versailles. Seine bedeutensten Werke sind Entwürfe für Gobelins. Im Bereich der Gobelinherstellung arbeiteten auch noch andere Mitglieder der Familie Audran bis zur Französischen Revolution. Claude III war der Lehrer von Antoine Watteau. 1704 wurde er Konservator des Luxembourg-Palais in Paris.
Audran, Gérard I
*2.8.1640 in Lyon, +26.7.1703 in Paris. Französicher Kupferstecher, Bruder von Audran, Claude II, war das berühmteste Miglied seiner Familie. Er arbeitete in Rom, wo er Schüler Carlo Marattas war, und in Paris, wohin er von Jean-Baptiste Colbert auf Wunsch von Le Brun, Charles gerufen worden war. Le Bruns bedeutendste Werke stach er in Kupfer, darunter vier berühmte Bilder mit dem "Schlachten Alexanders d.Gr.". Er arbeitete aber auch nach Werken von Jacques Le Sueur, Nicolas Poussin und Pierre I Mignard
Augustini, A.
Baumeister aus Lauban (Schlesien).
Auliczek, Dominikus
*1.8.1734 in Policka, +15.4.1804 in München. Deutsch-böhmischer Bildhauer und Porzellanmodelleur. Nach einem theologischen Studium wandte er sich der Bildhauerei zu. 1753-62 reiste er zu Studienzwecken nach Paris, London und Rom, wo er sechs Jahre an der päpstlichen Akademie der bildenden Künste und bei dem Architekten Gaetano Chiaveri verbrachte. Danach wurde er Nachfolger von Franz Anton Bustelli Modellmeister der Nymphenburger Porzellanmanufaktur (1763) in München. Er war zuerst mit der Fertigung von Gartenplastiken für den Nymphenburger Hofgarten beschäftigt und schuf zwei allegorische Kindergruppen. 1772 wurde er von Max Joseph III. zum Hofbildhauer ernannt. 1773 wurde er Leiter der Porzellanmanufaktur. Er fertigte zierliche Einzelfiguren und Gruppen, die wesentlich durch den römischen Spätbarock beeinflusst sind. 1773-83 entstand der grösste Teil seiner Arbeiten, die besonders Tierdarstellungen und mythologische Themen umfassen. Er schuf 25 Jagddarstellungen im pyramidalen Aufbau, einen Tafelaufsatz mit den Erdteilen, Kruzifixe und 16 zeitgenössische Porträts. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Bustelli war Auliczek trotz grosser Virtuosität akademisch orientiert.
Axer, Johann Theodor
Bildhauer, geb. vor 20.12.1700 in Paderborn, gest. 29.12.1764 in Büren. Über die Ausbildung von Johann Theodor Axer ist nichts bekannt. Möglicherweise absolvierte er eine Lehre in Süddeutschland. In den Jahren 1725-37 ist er in Paderborn, danach geht Axer wahrscheinlich mit seiner Familie auf Wanderschaft. Erst 1750 wird er bei Warburg wieder erwähnt. Wichtige Werke: bischöfliches Residenzschloss Neuhaus Paderborn.
Axter, Ignaz
(auch Igantius, nachweisbar 1735-46). Maler, u.a. in Schlesien.
Bacchus
Gott des Weins, Mysteriengottheit (Dionysos).
Bacciarelli, Marcello
*16.2.1731 in Rom, + 5.1.1818 in Warschau. Polnischer Maler italienischer Herkunft, dessen Stil vielfach europäische Einflüsse erkennen lässt. Der vor allem als Porträtist berühmte Bacciarelli studierte in Rom bei Marco Benefiali, wurde aber bereits 1750-53 von Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen (als August III. gleichzeitig König von Polen) an den Hof in Dresden verpflichtet. 1756 begleitete er August III. nach Warschau und liess sich dort endgültig nieder. Nur vorübergehend arbeitete er 1761-62 und 1764-66 mit grossem Erfolg für Kaiserin Maria Theresia am Wiener Hof. 1764 schlug er einen Ruf als Professor n die Dresdener Akademie aus und blieb in Warschau, wo er unter König Stanislaus August Poniatowski eine glänzende Karriere machte. Bereits 1768 wurde er geadelt und zum ersten Hofmaler ernannt. 1786 wurde er Generaldirektor der Königlichen Manufakturen und damit für die Ausstattung der Schlösser und den Aufbau einer Gemäldegalerie verantwortlich. In so gegensätzlichen Bildnissen wie "König Stanislaus Augustus im Krönungsorant" um 1768 (Warschau, Muzeum Narodowe), und "König Stanislaus Augustus mit Sanduhr", 1793 (ebenfalls Warschau, Muzeum Narodowe), bewies er seine Meisterschaft, auch repräsentative Staatsbilder entsprechend dem privaten intimen Portät darzustellen. Neben seinen Bildnissen malte er Allegorien und Bilder aus der polnischen Geschichte. Von den Wandgemälden, auf denen er 1768-85 im Königlichen Schloss Warschau I und 1788-93 im Lazienki-Palast in mythologischen Szenen die Mitglieder der Hofgesellschaft porträtierte, wurden die Gewölbefresken im letzten Krieg zerstört; die erhaltenen Arbeiten befinden sich, auf Leinwand übertragen, in Warschau im Muzeum Narodowe.
Bach, Carl Daniel
(*1756 in Potsdam, +8.4.1829 in Breslau). Maler und Graphiker, u.a. in Schlesien tätig.
Bacher, Gideon
Baumeister und Mathematiker aus Ulm. Er wirkte an Schloss Hochberg (1590), Schloss Ansbach I (Kanzlei, Neue-Bau Gästehaus, markgräfliches Lusthaus, 1591), schuf den Plan für die Adlerbastei in Ulm II (Einsturz 1603) und war beteiligt an der Veste Coburg I.
Bachiacca
(auch Bacciacca, eigtl. Francesco Ubertini). *1.3.1494 in Florenz, + 5.10.1557 in Florenz. Italienischer Maler, der anfangs Motive bedeutender Renaissancemaler umgestaltete und auf Kleinformate übertrug, der aber in seinem Spätwerk unter dem Einfluss des Manierismus noch zu eigenständigen Gestaltungen gelangte. Er war der Sohn des Florentiner Goldschmieds Ubertino di Bartolomeo. Seine Lehre verbrachte er bei Pietro Vannucci Perugino. Den vorwiegenden Einfluss auf ihn übten jedoch Piero di Cosimo und Andrea del Sarto aus. Bachiacca lebte einige Zeit in Rom, 1540 trat er, wieder in Florenz, in den Dienst von Cosimo de` Medici, für dessen Naturalienkabinett er botanische und zoologische Zeichnungen anfertigte. Ausserdem führte er Kartons für Wandteppiche mit Monatsdarstellungen und Groteskdarstellungen aus, die 1553 von Jan Rost gewebt wurden, und dekorierte eine Loggie im Veccio-Palazzo Florenz. Bachiacca ist vorwiegend als Eklektiker zu charakterisieren, der seine Anregungen nahezu ausschliesslich aus der vorangegangenen Kunst empfing, Motive aus Werken deutscher, flämischer und norditalienischer Grafik übernahm, aber auch viele Werke, z.B. von Fra Bartolommeo, Andrea del Sarto, Albrecht Dürer, Lucas van Leyden, Leonardo, Raffael und Michelangelo, in Kleinform auf Mobiliar und Einrichtungsgegenstände von Bürgerhäusern übertrug. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die 1515-18 gemalten "Szenen aus dem leben des ägyptischen Josef" (Rom, Galleria Borghese, und London, National Gallery), die zusammen mti Werken von Andrea del Sarto, Francesco Granacci und Jacopo Pontormo für die Hochzeitskammer des Pier Francesco Borgherini in Auftrag gegeben worden waren.
Bachmann, Curt
Architekt, Baurat in Hirschberg/Schlesien.
Bäcker, Adalbert
Maler und Restaurator, u.a. in Schlesien.
Bäcker, Adolph
Restaurator, u.a. in Schlesien.
Backer, Johann Franz de
(auch Frans, *um 1680 in Antwerpen, +um 1750 in Breslau). Maler, u.a. in Schlesien tätig.
Bąckowski, Wojciech
Maler aus Kęty/Schlesien.
Baco, Ferrer De → Bassa, Ferrer
Baen, Jan de
*20.2.1633 in Haarlem, + 8.3.1702 in Den Haag (?). Holländischer Maler, wurde 1654 Schüler von Jacob Adriaensz Backer in Amsterdam. Um 1660 zog er nach Den Haag. Er war ein zu seiner Zeit gesuchter Porträtmaler, der im Stil Anthonis van Dycks malte und viele Bilder von Mitgliedern des Hauses Oranien schuf. Kurze Zeit arbeitete er am Hof Karls II. von England; dort entstanden Bildnisse des Königs und der Königin. Friedrich Wilhelm I. von Preussen, der Grosse Kurfürst, ernannte ihn 1676 zum Hofmaler.
Baggallay, Frank Thomas
(*1855 in Wandworth/London, +1929). Englischer Architekt und Zeichner.
Baglione, Giovanni
*1571 in Rom, +1644 in Rom; italienischer Maler und Kunstschriftsteller, Schüler von Florentinus F. Morelli, weitergebildet unter Cavaliere d`Arpino, schuf unter dem Einfluss Michelangelos barocke Fresken und Altarbilder in römischen Kirchen und Palästen. Zu seinen Hauptwerken zählten die Altarbilder !Auferstehung Christi (1603, Il Gesú) und die "Auferweckung der Tabitha" (Kopie aus dem 18. Jh., S. Maria degli Angeli) für das ihm Clemens VIII. das Kreuz des Christusordens verlieh. Bedeutender ist Baglione
Bagnato, Johann Caspar
(+1757 Mainau i. Bodensee). Architekt aus Como. Deutschordensbaumeister zu Altshausen II, Architekt von Schloss Mainau II 1739ff., Umbau von Schloss Dillingen Krs. Dillingen 1737-40.
Bahr, Franz
Steinmetz aus Haynau/Schlesien.
Bähr, George
(auch Beer, Behr sowie auch Johann Georg, *15.3.1666 in Fürstenwalde b. Lauenstein, +16.3.1738 in Dresden). Baumeister, u.a. in Schlesien tätig.
Baildon, John
(*11.12.1772 in Carron/Schottland, +1846 in Oberschlesien). Bauingenieur, u.a. in Gleiwitz.
Baily, Edward Hodges
*10.3.1788 in Bristol, +22.5.1867 in Holloway; englischer Bildhauer, arbeitete ab 1807 über Jahre im Atelier von John Flaxman in London. Gleichzeitig besuchte er ab 1809 in Royal Academy in London, an der er 1811 die goldene Medaille für die Gruppe "Hercules rescuing Alcestis" erhielt. Bekannt wurde Baily durch seine Statur "Eve at the Fountain", die er 1818 in Bristol ausführte (London, Victoria und Albert Museum). 1821 wurde er Mitglied an der Royal Academy. Er fertigte Skulpturen für den {Buckingham Pa
Baldassare da Reggio → Estense, Baldassare
Baldassarino → Croce, Baldassare
Baldovinetti, Alessio
Auch Alesso. *vermutlich 14.10.1425 in Florenz, +28.8.1499 in Florenz. Italienischer Maler. Er war Schuler von Domenico Veneziano und einer der wichtigen Vertreter der florentinischen Frührenaissence. Eine gute Informationsquelle zu Leben und Werk Baldovinettis stellen - neben der Lebensbeschreibung von Vasari, Giorgio - die "Ricordi" dar, eigene Aufzeichnungen des Malers, die er 1449 begann und die in einer Abschrift erhalten sind. Sie erlauben einen verhältnismässig sicheren Überblick über seine Arbeite
Baldwein, Eberhard
Beteiligt an Schloss Marburg (südlicher Anbau 1572).
Ballenstedt, Adam
(*1880 in Posen, +1942 in Krakau).
Bandt
Maurermeister in Schmiedeberg (Schlesien).
Barelli, Agostino
(1627-70). Barockarchitekt. Wurde vom bayrischen Kurfürsten Ferdinand Maria nach München berufen. Er errichtete in seiner Vaterstadt Bologna (ab 1676 Ratsbaumeister) die Theatinerkirche S. Bartolomeo (1653) sowie die Vorhalle von S. Madonna del Baracano. Sein grösstes Verdienst besteht darin, den italienischen Barock nach Bayern gebracht zu haben: Von der kunstsinnigen Kurfürstin Henriette Adelaide von Savoyen, Gemahlin Kurfürst Ferdinand Marias von Bayern, die die einheimischen Kräfte als "piu id
Barocci, Federico
(auch Baroccio Fiori da Urbino). *1528 und 1535 in Urbino, + 30.9.1612 in Urbino. Italienischer Maler, Zeichner und Radierer, der mit seinen religiösen Tafelbildern zwischen Manierismus und Barock steht. Der Künstler lernte zunächst in der Werkstatt seines Vaters, des aus Mailand stammenden Bildhauers Ambrogio di Ferdico Barocci, sowie bei Battista Franco. Anschliessend arbeitete er in Pesaro bei seinem Onkel, dem Architekten Bartolomeo Genga, der ihn in die Probleme der Perspektive einwies und ihm auch die Werke Tizians nahebrachte. Als etwa Zwanzigjähriger kam Barocci nach Rom, wo er, gefördert von dem Kardinal Giulio della Rovere, die Werke Raffaels studierte, besonders aber von Correggrio beeinflusst wurde. 1557 schuf er für den Dom von Urbino eine "Hl. Cäcilia" und das "Marythum des hl. Sebastian", das noch ganz von Correggio abhängig ist. 1560 malte er gemeinsam mit Ferderico Zuccari für Papst Pius IV. im Vatikan Fresken im Casino und im Belvedere Vatikan. Nach einer vierjährigen, durch eine rätselhafte Erkrankung erzwungenen Schaffenspause ließ er sich endgültig in Urbino nieder und erfreute sich, nicht zuletzt dank der Gunst des Herzogs Guidobaldo, eines hohen Ansehens. So malte er 1584-88 für König Philipp II. von Spanien eine "Berufung des hl. Andreas", die sich heute im Real Monasterio des Escorial befindet. 1569 schuf er für den Dom in Perugia dei "Kreuzabnahme Christi", die ihn bereits auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft zeigt und ihm Sfumato einer lichten, kultivierten Farbigkeit vom toskanischen Manierismus bereits zum Barock hinüberleitet. Neben sehr ausdrucksvollen und treffenden Bildnissen, wie "Giuliano della Rovere" (um 1595, Wien, Kunsthistorisches Museum), schuf Barocci fast nur religiöse Bilder, wobei ihn, gegen den Geschmack der Epoche, das Dramatische weniger anzog als die Idylle, wie in "Ruhe auf der Flucht" (um 1573, Vatikan, Musei Vaticani, Pinacoteca) oder in der um 1597 gemalten "Geburt Christi" (Madrid, Museo del Prado). Eines seiner wenigen Bilder mit nichtbiblischen Themen malte er 1598 mit "Flucht des Äneas und Anchises" (Rom, Galleria Borghese), einem Motiv, das er bereits Jahre vorher im Auftrag Kaiser Rudolfs II. gemalt hatte, doch ist diese erste Fassung verlorengegangen. Zahlreiche seiner Motive wurden oft nachgeahmt, da er, stets auf seinen Ruhm bedacht, sie auch als Radierungen in Umlauf brachte oder von anderen Stechern verbreiten ließ. Trotz ehrenvoller Angebote, mit denen ihn der Herzog von Toskana, König Philipp II. von Spanien und Kaiser Rudolf II. an ihre Höfe riefen, blieb er seiner Heimat Urbino treu. Zu seinen Spätwerken gehören zwei Darstellungen des Abendmahls, die er 1592-99 im Dom von Urbino und 1604-07 in S. Maria sopra Minerva in Rom malte.
Baroffio, Giuseppe
(* 1692 Varese † 1778 Varese), Quadraturmaler. Bis auf kurze Aufenthalte in Ludwigsburg, Pavia und Bellinzona (Schweiz), arbeitete Baroffio fast nur in seiner Heimatstadt Varese, wo er auch starb. Ab 1731 hielt er sich für wenige Jahre in Ludwigsburg Krs. Ludwigsburg auf. Hier richtete er im Schloss eine Theaterbühne im Saal des Festinbaus ein und führte zusammen mit Scotti, Giovanni Pietro das Deckenfresko im Ordenssaal aus.
Barry, Sir Charles
*23.5.1795 in London, + 12.5.1860 in London. Frühviktorianischer Architekt. Er absolvierte erste Architekturstudien bei Middleton & Bailey in London. Von 1817-20 bereiste Barry zur weiteren künstlerischen Ausbildungs Frankreich, Italien (Rom, Florenz), Griechenland, die Türkei, Ägypten, Palästina und Syrien. Nach seiner Rückkehr nach England beteiligte er sich erfolgreich an mehreren Wettbewerben. Seine ersten Bauten waren Kirchen im neugotischen Stil, von denen St. Peter in Brighton (1823-28) die bedeutendste ist. 1824 entwarf er die Royal Institution of Fine Arts in Manchester in einem der griechischen Klassik angenäherten Stil. Mit seinem berühmten Entwurd für den Travellers` Club, Pall Mall, London (1829-32), leitete Barry die Neorenaissance in England ein. Die Fassadengliederung des Gebäudes erinnert an Raffaels Pandolfini-Palazzo in Florenz (Baubeginn 1520). 1837 baute Barry in unmittelbarer Nachbarschaft zum Travellers` Club den Reform Club, ein Gebäude mit Anklängen an den Farnese-Palazzo Roma (Baubeginn 1517). Barrys Hauptwerk bilden die Parlamentsgebäude in London (1840-70), die ihn bis zu seinem Lebensende beschäftigen sollten. Barry gewann den ersten Preis in einem 1835 dafür ausgeschriebenen Wettbewerb. Das Bauwerk im Perpendicular Style war bei seinem Tod noch unvollendet und wurde von seinem Sohn - Edward Middleton Barry - fertiggestellt. In den 30er Jahren widmete sich Barry vor allem der Renovierung bestehender Gebäude. "Richness of detail" und "grandeur of outline" waren - seinem Sohn zufolge - Leitbegriffe für den Umbau zahlreicher Landsitze englischer Aristokraten. Barry bezog auch die dazugehörigen Gartenanlagen in seine Planung ein und schuf einen viktorianischen Lebensstil, der in seiner geometrischen Anlage an französische Barockgärten erinnert. Weniger Erfolg hatte Barry mit seinem einzigen urbanistischen Projekt, der Umgestaltung des Trafalgar Square in London (1840 bis 1843). Die letzten 20 Jahre seines Lebens baute Barry relativ wenig. Nennenswert ist das Bridgewater House in London (1845-50) im Stil der italienischen Hochrenaissance. Sein letztes Bauwerk war das Rathaus von Hailfax, Yorkshire, das von seinem Sohn fertiggestellt wurde (1859-62). Während die Details im Renaissance-Stil gehalten sind, erinnern Proportionen und Betonung des Vertikalen an spätgotischen Rathäusern in Flandern. Barry gilt als der vielseitigste der frühviktorianischen Architekten. Er beherrschte die verschiedensten Stilarten, angefangen von der griechischen Klassik über den Perpendicular Style bis hin zur italienischen Neurenaissance. Sein persönlicher Beitrag zum Repertoire viktorianischer Architektur liegt in der Einführung eines italienisierenden "Palazzo-Stils" in die englische Profanarchitektur; mit seinem Entwurf für die Parlamentsgebäude erhielt die Neugotik einen wichtigen Stellenwert in der Öffentlichkeit.
Bartsch, Frantz
Maler aus Wölfelsberg (Schlesien). Tätig 2. Hälfte 18. Jh.
Bartsch, Joseph
(identisch m. Bartsch, Frantz?). Maler aus Wölfelsberg.
Bartsch, Philipp Anton
(*12.12.1742 in Breslau, *1788 in Breslau). Maler, u.a. in Schlesien tätig.
Barvitius, Antonin
*14.7.1823 in Prag, + 20.7.1901 in Prag. Tschechischer Architekt. Studierte nach anfänglichen juristischen und poetischen Studien Architektur bei Eduard v.d. Nüll in Wien und bildete sich während eines Italienaufenthaltes weiter. 1854 wurde ihm in Rom die Leitung der Restaurierung des Venezia-Palazzo übertragen, die er 1866 aufgrund politischer Ereignisse unterbrach, um nach Prag zurückzukehren. Dort entwarf er den Hauptbahnhof (1867), mehrere Villen und sein Hauptwerk, die Pfarrkirche Smichov. In seinen Bauten verarbeitete er die Kenntnisse der römischen und der Renaissancearchitektur.
Baschenow, Wassilij Iwanowitsch
*1.3.1737 in Dolskoje, Kaluga, + 2.8.1799 in St. Petersburg. Russischer Architekt. Mitbegründer des russischen Klassizismus, architektonischer Mitgestalter Moskaus, besuchte 1751-55 die Bauschule des Fürsten Dimitri Uchtomski, 1755-58 die Moskauer Universität, 1758-60 die Petersburger Kunstakademie. 1760 arbeitete Baschenow als Gehilfe des Hofarchitekten Rastrelli, Graf Bartolomeo Francesco und bildete sich 1761 bei Wailly, Charles de in Paris weiter. Nach einer Italienreise kehrte Baschenow 1765 nach Petersburg zurück, um im Dienst des Zaren an verschiedenen Projekten zu arbeiten. Im Auftrag der Kaiserin Katharina II. widmete er sich seinem Hauptwerk, einer Neugestaltung des Kremls
Baschenow, Wassily Iwanowitsch
(1738-99). Wahrscheinlich der visionärste russische Architekt, klassiszistisch. Sein Werk umfasst ein halbes Dutzend Gebäude und mehrere Entwürfe. Baschenow war zunächst Schüler von Uchtomsky in Moskau und Schewakinsky in St. Petersburg, studierte später in Paris und in Italien (Anfang 1760). 1767 beauftragte ihn Katharina II. mit dem Bau eines grossen Palastes, der die schon vorhandenen Baudenkmäler des Moskauer Kreml (Kreml Moskau) einschliessen sollte. Der Bau wurde nur bis zur Errichtung der Grundmauer ausgeführt, aber die Pläne und das massstabsgerechte Modell zeigen seine monumentalen Absichten: Über einem strengen Bossenwerk verbinden grossartige ionische Kolonnaden die oberen Stockwerke. Auch sein nächster Auftrag, der Umbau von Katharinas Palast und Park in Zarizyn bei Moskau (Zarizyn-Palast) im pseudo-gotischen Stil unter Verwendung klassischer und altrussischer Elemente, wurde nicht ausgeführt. Der Palast wurde kurz vor seiner Vollendung abgerissen und der Auftrag Kasakow übergeben. Unter seinen anderen Versuchen im gotischen Stil ist die Kirche von Tscherkizowo-Starki wegen ihrer Originalität und frühen Datums (1759 gegründet) besonders erwähnenswert. Nicht mehr in der Gunst des Hofes, wandte sich Baschenow privaten Moskauer Auftraggebern zu und baute das Pashkow-Haus (1784), den runden Glockenturm der Skorbyaschenskaja-Kirche und das Juschkow-Haus, das er mit abgerundeten und mit Kolonnaden versehenen Ecken ausstattete. Unter dem Zar Paul führte Baschenow seine wohl spektakulärsten Auftrag aus: die St. Michaels-Festung in St. Petersburg, eine neoklassische Festung mit Burggraben, ein wenig einnehmendes, jedoch faszinierendes Gebäude, dessen strenge Form durch zusätzliches Dekor von Vincenzo Brenna (1745-1820) aufgelockert wurde. Ihre grossen freistehenden Pavillions sind Baschenows letztes Meisterwerk.
Basevi, George
(1794-1845). Englischer Architekt. Basevi lernte bei Soane, Sir John. 1816-19 Aufenthalte in Italien und Griechenland. Seine ersten Bauten errichtete er im Stil der griechischen Antike (Greek Revival). Sein bekanntestes Werk, das Fitzwilliam Museum in Cambridge (beg. 1836) zeigt eine Neigung zur Auflösung der klassischen Harmonie: Die Bündel kolossaler Säulen und das schwere Attikageschoss wirken dramatisch, ja geradezu barock. Dies ist die gleiche Tendenz, die den Stil der Ecole des Beaux-Arts in Frankreich vom Empirestil unterscheidet. Zu Beginn seiner Laufbahn, um 1825, entwarf Basevi den Belgrave Square in London (ohne die Eckhäuser) und eine Reihe von Landsitzen in verschiedenen Stilimitationen.
Bassa, Ferrer
(auch Baco, Ferrer De). *um 1285 in Tortosa, +1348 in Barcelona (?). Spanischer Maler, der von der florentinischen und sienesischen Malweise vor allem Giottos und Simone Martinis beeinflusst war. Unter den katalanischen Meistern, die bis dahin ganz vom romanischen Stil bestimmte spanische Malerei mit toskanischen und sienesischen Elementen anreicherten und damit zu Wegbereitern der grossen katalanischen Malerschule wurden, gehörte Ferrer Bassa zu den originalsten Schöpferpersönlichkeiten. Vermutlich wurde er in Italien ausgebildet, vielleicht von Simone Martini, dessen Einfluss in seinem Schaffen deutlich erkennbar ist. Es ist auch anzunehmen, dass er Giotto und sogar noch Duccio di Buoninsegna persönlich gekannt hat. 1316 trat er in den Dienst des aragonischen Königshauses und erhielt den Auftrag, für die Kapelle im Palast von Lérida (Gardeny) zwei Altäre zu malen. 1333-39 schuf er die Miniaturen für den Codex "Usatges de Barcelona y Costums de Catalunya" (Gebräuche in Barcelona und Trachten in Katalonien, verschollen), nach deren Vollendung er von König Pedro IV. mit einem Marienaltar und einem Martinsaltar für den arabischen Palast der La Ajlaferia, der aragonischen Residenz in Zaragoza, verpflichtet wurde. 1343 schloss er mit der Äbtissin Francisca Portela einen Vertrag, im Kloster S. Maria de Pedralbes die Martinskapelle mit Wandgemälden zu schmücken. Diese heute noch vortrefflich erhaltenen Fresken hat er 1345-46 ausgeführt. Dagegen wurde seine Arbeit an einem Franziskusaltar für das Minoritenkloster in Valencia 1348 durch seinen Tod beendet.
Bassdorf
Bildhauer aus Frankenstein (Schlesien).
Battagio, Giovanni di Domenico da Lodi
Tätig 15. Jh. Italienischer Bildhauer und Architekt, gilt als beeinflusst von Amadeo, Giovanni Antonio. 1465-66 baute Battagio das Hospital in Lodi, ab 1484 schuf er zusammen mit Agostino dei Fonduti das Renaissanceportal des Landi-Palazzo (jetzt Tribunali-Palazzo) in Piacenza. Ab 1487 beschäftigte er sich mit dem Bau der Kirche S. Maria Incoronata in Lodi, die von Donato Bramantes Bauten beeinflusst und 1513 von Amadeo fertiggestellt wurde. Als Stellvertreter Bramantes soll Battagio den Bau von S. Satiro in Mailand fortgesetzt haben. 1490 entwarf er nach dem Vorbild des Baptisteriums von S. Satiro die Kirche S. Maria della Croce bei Crema, die 1493 von Giovanni A. Montanaro ausgeführt wurde.
Battista, Giovanni
Baumeister, u.a. in Schlesien tätig.
Bauer, Leopold
(*1.9.1872 in Jägerndorf/Krnov, +7.1.1938 in Wien). Architekt, Kunstgewerbler, Innendekorateur, u.a. in Schlesien tätig.
Bayeou y Bubias, Francisco
*9.3.1734 in Zaragoza, + 4.8.1795 in Madrid. Spanischer Maler. Nachdem Bayeu bei José Luxán studiert hatte, trat er in die Werkstatt von Antonio Gonzáles Velázquez ein. 1763 wurde er als Mitarbeiter von Anton Raphael Mengs zur Ausschmückung des königlichen Palastes nach Madrid berufen (Real Palacio). 1788 wurde zum Hofmaler und Leiter der Real Academia de S. Fernando ernannt. Sein Werk ist dem damals vorherrschenden Klassizismus verpflichtet, nicht ohne zuweilen bombastische Züge anzunehmen, wie es die Deckenmalereien in der Kathedrale Del Pilar und zwei weiteren Kirchen in Zaragoza sowie eine Reihe von Fresken im Kloster S. Ildefonso und in der Kathedrale von Toledo erweisen. Ausserdem malte er Porträts, die sich zum grossen Teil im Museo del Prado befinden, und lieferte Entwürfe für die königliche Teppichmanufatkur. Zu seinen Schülern gehörte auch Francisco de Goya, der später sein Schwager wurde.
Beaugrant, Guyot de
*? in Mecheln, * 1551 in Bilbao; spanischer Bildhauer, schuf 1525-30 sein Hauptwerk, den Skulpturenschmuck des berühmten Prachkamins im Ratssaal des jetzigen Justizpalast Brügge, der, von Lancelot Blondel in einem Mischstil aus spanisch-flämischer spätgotik und Frührenaissance entworfen, von Beaugrant hauptsächlich ausgeführt wurde. 1526 schuf Beaugrant das nicht mehr erhaltene Grabmal für den Erzherzog Franz von Österreich. Seit 1533 in Spanien, fertigte er ein figurenreiches Retabel für den Hochaltar der Kirche in Santiago in Bilbao. von 1548 bis zu seinem Tod arbeitete er an dem Altar von s. Maria in Elvillar de Alava.
Beauvais, Ossip Iwanowitsch
*24.10.(4.11.)1794 in St. Petersburg, + 21.7.(2.8.)1834 in Moskau. Russischer Architekt des Klassizismus, stammte aus einer italienischen Künstlerfamilie, arbeitete unter M.F. Kasakow und K.T. Rossi in Moskau und Twer. Nach dem Brand Moskaus 1812 war er Leiter der Abteilung "Fassadengestaltung" in der Aufbaukommission und bestimmte massgeblich die Wiederherstellung des Kreml Moskau und der umliegenden Stadtteile: Umgestaltung des Roten Platzes mit dem Gebäude der Handelsreihen (später abgetragen), des Ale
Beccafumi, Domenico
*1486 in der Nähe von Montaperti, +18.5.1551 in Siena. Italienischer Maler, Modelleur, Formschneider und Stecher. Er gilt als letzter Vertreter der sienesischen Malerei und als Hauptmeister des Sieneser Manierismus (Schule von Siena). Der Sohn eines Bauern nahm den Namen seines Dienstherrn Lorenzo Beccafumi an, der früh seine Begabung erkannt und ihn zu dem Maler Battista Tozzo in die Lehre gegeben hatte. Um 1510 hielt er sich in Rom auf, wahrscheinlich, um die Werke Raffaels und Michelangelos zu studieren. Seine frühesten Arbeiten waren Wandgemälde und Fassadengemälde, 1513 der Freskenzyklus "Begegnung Joachims mit Anna" (Siena, Spedale di S. Maria della Scala) und 1518 ein Freskenzyklus im Oratorio di S. Bernardino in Siena, den er zusammen mit Sodoma ausführte. Von 1523 stammt sein grosses Altarblatt "Geburt Christi" (Siena, S. Martino), eines seiner ersten Tafelbilder, das zeigt, wie der Maler von der Sieneser Maltradition zu einem persönlichen Stil mit weichen und hellen Lichteffekten und Farbeffekten gefunden hatte. Nicht nur seine Wandgemälde, auch die Tafelbilder zeichnen sich aus durch fliessende Übergänge zwischen den raffiniert einander zugeordneten Farben und berühren sich darin mit dem Malstil von Rosso, Fiorentino. 1529-35 malte Beccafumi an Fresken im Pubblico-Palazzo Siena, 1538 bis 1539 arbeitete er für den Dom in Pisa, und 1541 folgte er einem Ruf Andrea Dorias nach Genua um unter der Leitung von Perino del Vagas an der Dekoration des Doria-Palazzo Genova mitzuarbeiten. Diese Fresken sind verloren. Zu seinen späten und bekanntesten Bildern gehören: "Christus in der Vorhölle" (Siena, Pinacoteca Nazionale) und das Fresko "Himmelfahrt Christi" (Siena, Dom) aus der Mitte der vierziger Jahre. Die grosse Tafel "Der hl. Michael vertreibt die gestürzten Engel" (Siena, Pinacoteca Nazionale) ist um die Mitte der dreissiger Jahre entstanden. Seine letzten Lebensjahre widmete Beccafumi vorwiegend plastischen Arbeiten: Er modelliert u.a. 1548-50 acht Leuchterengel für den Sieneser Dom. Berühmt ist auch der reich figurierte Marmorfussboden dieses Doms nach seinen Entwürfen. Seine Holzschnitte weisen grosse technische Fertigkeit und gute Erfindungsgabe auf. Er entwarf u.a. auch eine Festdekoration (Reiterstandbild aus vergänglichem Material) für den Einzug Karls V. in Siena (1536).
Becerra, Gaspar
*um 1520 in Baeza (Andalusien), +1570 in Madrid. Spanischer Maler, Bildhauer und Architekt, war als Mitarbeiter von Vasari, Giorgio in Rom an den Fresken des Cancelleria-Palazzo beteiligt; ausserdem schuf er ein Fresko "Geburt Mariä" in der Kirche S. Trinità dei Monti. Nach Spanien zurückgekehrt, malte er u.a. Deckenbilder im Schloss Prado, El bei Madrid, für das er ebenso wie beim Bau des Alcazar Madrid auch als Architekt tätig war. Aus seinem bildhauerischen Werk ragen vor allem das Kruzifix für
Beck, Leonhard
*um 1480 in Augsburg, + 1542 in Augsburg. Deutscher Maler und Zeichner für den Holzschnitt. Er erhielt den ersten Unterricht von seinem Vater, dem Holzschnittmeister Johann Georg Beck, und lernte anschliessend in der Werkstatt Hans Holbein d.Ä., als dessen Gehilfe er 1501 am Hochaltar der Dominikanerkirche in Frankfurt a. Main mitarbeitete. Kurz darauf gründete er in Augsburg eine eigene Werkstatt und erwarb sich als Illustrator bald einen guten Namen. Wiederholt zog in Kaiser Maximilian I. zur Ausgestaltung seiner prunkvollen Chroniken heran ("Theuerdank", "Weißkunig"). Weniger umfangreich, aber in der künstlerischen Aussage bedeutender als das zeichnerische, ist Becks malerisches Schaffen, obwohl er sich als Maler nie ganz aus der Abhängigkeit von Hans Burkmair d.Ä. zu eigenen Stilformen durchdringen konnte. Zu seinen Hauptwerken gehört das durch die minuziöse Kleinmalerei bestechende Gemälde "Der hl. Georg kämpft mit dem Drachen" (Wien, Kunsthistorisches Museum). Kühner in der Technik sind die vier "Szenen aus dem Leben der hl. Margareta" (St. Florian bei Linz, Augustiner-Chorherrenstift). Auch eine um 1525 gemalte "Anbetung der Könige" (Augsburg, Städitsche Kunstsammlungen) wird Beck zugeschrieben.
Bedogni, Lorenzo
(geb. in Reggio, + 1670 in Celle). Architekt, wurde 1652 von Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg nach Hannover berufen. Erbaute Schloss Herrenhausen, Schloss Calenberg Schulenburg II, Jagdschloss Linsburg und Schloss Celle Krs. Celle (1665-70).
Beer, Georg
(auch Behr, Georg). * in Bönnigheim, gest. 15.(17.?)7.1600 in Stuttgart). Deutscher Architekt und Baumeister des Herzogs Ludwig von Württemberg seit 1575. Sein Hauptwerk, ein bedeutender Renaissance-Palastbau, ist das Neue Lustschloss (Neues Lusthaus) in Stuttgart (1581-93), ein reich ausgeschmückter Saalbau mit Laubenumgang, der nach zahlreichen baulichen Veränderungen ab 1750 schliesslich 1845-46 bis auf die Umfassungsmauern abgerissen wurde. Die veränderten Teile brannten 1902 ab, doch existiert eine sorgfältige Dokumentation (erhaltene Teile im Stuttgarter Schlosspark). Weitere bekannte Werke von Beer sind ein Wohnhaus in Stuttgart (Calwer Str. 10, 1586 Grundsteinlegung), ein Entwurf für den Kirchturm in Thieringen (1592), das Lustschloss und Jagdschloss in Hirsau (1592-95, heute Ruine) und das sog. „Collegium illustre“ in Tübingen (1588-92, heute katholisches Konvikt Wilhelmstift). Mit seinem Gehilfen Schickardt, Heinrich wurde Beer 1590 zum Wiederauf bau des abgebrannten Städtchens Schiltach in den Schwarzwald gesandt.
Beer, Michael
*um 1605 in Au-Argenau, +30.5.1666. Österreichischer Barockarchitekt, Begründer der Vorarlberger Bauschule. Aus seinem Werk lassen sich Kentnisse bestimmter Vorbilder eschliessen, vor allem des Salzburger Doms, der Innsbrucker Jesuitenkirche und der Bauten Christoph gumpps, ebenso von Weilheimer und Münchener Architektur des frühen 17. Jh., hauptsächlich auch von schwäbischen Schlössern der Renaissance und der Dillinger Jesuitenkirche. Ungeklärt ist, wie Beer zu der wichtigsten damaligen Architekturaufgabe Süddeutschlands gelangte, dem Neubau der Stiftsanlage und Kirche von St. Lorenz in Kempten (errichtete 1653 dabei auch den Nordwestflügel der Residenz in Kempten II). In der Viellschichtigkeit der verarbeiteten Anregungen - auch aus Mailand und Venedig und dem niederländischen evangelischen Kirchenbau - sowie in der Dynamik der Formgebung sind Beers Bauten vorbildhaft für den deutschen Barock. Zugleich waren sie für ihn offensichtlich der Grund, im Rahmen solch weitgespannter Aufgaben 1657 die später so bekannte Auer Zunft zu gründen. Als erfolgreicher Architekt und Bauunternehmer erschloss Beer auch seinen Vorarlberger Landsleuten das reiche Oberschwaben als architektonisches Betätigungsfeld, ebenso weite Bereiche des Kurfürstentums Bayern. Die Familientradition führte sein Sohn Franz Beer von Bleichten fort. Neben dem Kemptener Benediktiner-Fürststift zählen zu Beers Hauptwerken die Augustinerchorherren-Stifskirche in Kreuzlingen, 1650-53: der "Lange Bau" des Zisterzienserinnenstifts Heiligkreuztal, ab 1652 (zugeschrieben); der Konventbau in Schussenried, ab 1656; der Konventbau in Inzigkofen, 1659-62; die Kirche in Rottenmünster, 1662-64; der Umbau des hohenzollernschen Schlosses in Haigerloch III, 1662; das Jesuitenkolleg in Rottenburg am Neckar, 1662-65; die Frauenkapelle in Fischen, ab 1664; die Stiftsanlage in Kreuzlingen, 1665-68; die Stiftsgebäude in Rottenmünster, 1665-69; das Jesuitenkolleg in Landshut, 1665-70; das Jesuitenkolleg in Ebersberg, 1666-68. 1666 war Beer wahrscheinlich an der Planung der Jesuitenkirche in Luzern beteiligt.
Begas, Karl
(auch Carl, *30.9.1794 in Heinsberg, +23.11.1854 in Berlin). Maler, u.a. tätig in Schlesien.
Behaim, Hans d.Ä.
(auch Beheim). *um 1465, + vor dem 26.8.1538 in Nürnberg. Deutscher (Schwäbischer?) Steinmetz und Baumeister. Bereits vor 1500 war er der erste Stadtbaumeister Nürnbergs (48 Jahre) und prägend für die Stadtgestaltung. Seine Nutzbauten zeichneten sich durch Zweckhaftigkeit und Sachlichkeit aus. Trotz ihrer gewaltigen Aussmasse fügten sie sich harmonisch in das vorhandene Stadtbild ein. Seine Bauten gelten als Höhepunkt und Endpunkt der gotischen Baukunst in Nürnberg. Die meisten wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Wiederaufgebaut ist u.a. ein Kornspeicher, die sog. „Kaiserstallung“ auf der Burg Nürnberg I (1494/95). Seit 1504 an Schloss Ansbach I tätig (Erweiterungen 1510 und 1532). Als Baumeister arbeitete er auch an Schloss Lichtenau Krs. Ansbach I und Schloss Neuburg a.d. Donau I (als Berater). 1532, 1538, 1539 und 1556 war er auch am Ausbau der Plassenburg Kulmbach beteiligt.
Beheim, Paulus
Baumeister des 16. Jh. Eines seiner Hauptwerke war das Tucher´sches Gartenanwesen in Nürnberg.
Belanger, Francois-Joseph
*1744 in Paris, +1.5.1818 in Paris; einer der bedeutendsten und elegantesten französischen Architekten, die in den letzten Jahren des Ancien régime im Stil Louis-seize bauten, führender Landschaftsgärtner, schuf vor allem elegante Privathäuser, englische Gärten, aber auch Nutzbauten und billige Wohnhäuser, leitete öffentliche Feste. Bélanger studierte an der Académie Royale d`Architecture bei David Leroy und Constant d`Ivry. Reiste 1766 nach England. Sein erster Erfolg war die Errichtung des Pavillon de Lauraguais im Hotel de Brancas (1769), das erste streng neoklassizistische Werk in Architektur und Dekoration. Unter dem Einfluss Charles-Louis Clérisseaus verwendete Bélanger eine neue, auf den antiken Tempelordnungen basierende Wandartikulation, indem er erstmals Elemente der Aussenarchitektur in die Gestaltung des Innenraums einbezog: Statt durch pittoreske Ornamente wurde die Innenwand durch Figurennischen, Reliefs und Säulen gegliedert. Bei den Arbeiten an den Ställen Comte d`Artois (jetzt Hospital Cochin), des Bruders König Ludwigs XVI, verwendete Belanger 1780 die toskanische Säule, die durch den Einfluss von Piranesi, Giovanni Battista in Frankreich in Mode gekommen war. 1783 entwarf der für die Opernsängerin Sophie Arnould ein Wohnhaus im palladianischen Stil. Neben seinen Arbeiten für den Comte d`Artois beschäftigten Bélanger die Veränderungen am Chateau Maisons (1777-84), bei denen er die architektonischen Tendenzen der Wandgliederung des Pavillon de Lauraguais verfolgte, Pläne für die Wiedererrichtung des Chateau Saint-Germain, das Chateau Méréville und sein Hauptwerk, das bekannte Bagatelle Paris (1777), ein Lustschloss des Comte d`Artois im Bois de Bologne, mit seinem berühmten Jardin anglais, das er in 64 Tagen erbaute (womit er eine Wette mit Königin Marie-Antoinette gewann. Der Garten, angelegt 1778-80, war der berühmteste "jardin anglais" (Gartenbaukunst) der Epoche.Der einfache, wohlproportionierte Pavillon beruht auf einem fast quadratischen Grundriss mit einer Ausbuchtung des runden Gartensaals. Von einem Eingangsvestibül ausgebend, sind alle Haupträume zu erreichen. In der Gestaltung des Innenraums führte Bélanger, beeinflusst von Clérisseau, die späteste Form der klassizistischen Dekoration ein; sie bestand aus von Nicolas F.D. Lhuillier ausgeführten, farbigen Grotesken, die klassische Figuren und mythologische Szenen aus Stuck umrahmten, inspiriert vom vierten pompejanischen Stil. Das schönste Beispiel ist die Ausschmückung des Gartensaals. Im Gegensatz zum Pavillon de Lauraguais wird die Wand statt durch architektonische Elemente mittels farblicher Akzente gegliedert. 1784 entwarf Bélanger einen Jardin anglo-chinois für seine Pavillon Folie Saint-James in Neuilly, 1786 seinen letzten Landschaftspark, Méréville, südwestlich Etampes. entwarf auch den schönen Pavillon im Garten des Hotel de Brancas, Paris (1771) und Inneneinrichtungen von hoher Eleganz, wie im Hotel de Mlle. Desvieux, Paris (1778). Während der Revolution war Bélanger anscheinend wenig beschäftigt, danach widmete er sich öffentlichen Bauten und nahm erfolglos an zahlreichen Wettbewerben teil. 1803 gestaltete er die bedeutende Glas-Eisen-Kuppel für die Halle aux Bles in Paris, die die Glas-Holz-Kuppel von Legrand und Molinos (1782) ersetzte.
Belin de Fontenay, Jean-Baptiste
*(getauft) 9.11.1653 in Caen, + 12.2.1715 in Paris. Französicher Stillebenmaler, Schüler und 1687 auch Schwiegersohn des Blumenmalers Jean-Baptiste Monoyer. Unter Ludwig XIV. wirkte er an der malerischen Ausstattung der Schlösser von Fontainebleau, Versailles und Marly-Le-Roi mit. Ausserdem schuf er, im Anschluss an Monnoyer, Stilleben mit Blumen, Früchten und Insekten mit grösster Subtilität in der Ausführung; seine Erfindungsgabe hingegen war nicht allzu gross. Seine Aufnahmearbeit für die Académie Royale war das Gemälde "Vase mit Blumen und Bronzebüste Ludwigs XIV. (Paris, Musée National du Louvre). Belin de Fontenay zeichnete mehrere Kartons für die königliche Gobelinmanufaktur und beschäftigte sich auch mit Radierungen.
Bellange, Jacques de
*vermutlich um 1575 in Nancy, + um 1617 in Nancy. Französischer Maler, Zeichner, Radierer, der, beeinflusst von der Schule von Fontainebleau sowie von fjämischen Vorbildern, in spätmanieristischen Stil arbeitete und die lothringische Malerei und Grafik des 17. Jh. beeinflusste. Bellange ist in Nancy als Hofmalers Herzog Karls III. von Lothringen zwischen 1602 und 1616 nachweisbar. 1602 erhielt Bellange vom Herzog den Auftrag, die Malereien in der "Galerie des Cerfs" seines Palais zu erneuern, die heu
Bellano, Bartolomeo
*um 1434 in Padua, + 1497 in Padua. Italienischer Bildhauer, Schüler Donatellos, unter dessen Leitung er an den Kanzeln von S. Lorenzo in Florenz mitarbeitete. Das früheste bekannte Werk Bellanos ist ein marmornes Flachrelief, ein "Madonna mit Kind und Engeln" (1461, Paris, Sammlung André). 1466 wurde er vom Papst als Architekt für die Bauarbeiten am Vatikanpalast berufen. 1469 führte er die Marmorreliefs zu den Reliquienschränken in der Sakristei von S. Antonio in Padua aus. 1488 fertigte er 10 Reliefs
Bellechose, Henri
*um 1380 in Brabant, + zwischen 1440 und 1444; französisch-flämischer maler, lebte am Hof der Herzöge von Burgund und wurde 1415 in Dijon Nachfolger Jean Malouels als Hofmaler und Kammerdiener von Johann Ohnefurcht. Er arbeitete für die herzoglichen Residenzen und die Kartause von Champmol bei Dijon. Ein Bild aus diesem Kloster wird ihm zugeschrieben: "Kreuzigung Christi mit dem Martyrium des h. Dionysius" (1416, Paris, Musée National du Louvre). Das Werk wurde wahrscheinlich von Malouel begonnen und gilt
Bellerophon
Bellerophontes bei Homer. Nach Homer Sohn des Königs Glaukos Korinth (Glaukos und Skylla) und der Eurymede; Enkel des Sisyphos. Bellerophon wird als junger, mit einer Lanze oder Pfeil und Bogen bewaffneter Heros dargestellt, meist in der Szene, in der er auf Pagasus reitend die Chimäre tötet.
Bellini, Gentile
*um 1429 in Venedig, + 20.2.1507 in Venedig. Italienischer Maler, ältester Sohn Jacopo Bellinis, mit dem er häufig zusammenarbeitete, Bruder von Giovanni Bellini. Er war zum Teil noch von gotischen Gestaltungsprinzipen (z.B. in der Anwendung der Perspektive) beeinflusst, bewies jedoch ein hohes psychologisches Einfühlungsvermögen in der Personengestaltung und überzeugte durch die authentischen Ansichten seiner Heimatstadt. Nachdem er das väterliche Atelier übernommen hatte, entwickelte er sich so zu einem wichtigen Vertreter der venezianischen Malerei der Frührenaissance. 1469 war er bereits so berühmt, dass er von Kaiser Friedrich III. zum Ritter geschlagen und in den Rang eines Pfalzgrafen erhoben wurde. Fünf Jahre später erhielt er den bedeutendsten Auftrag, den die Republik Venedig zu vergeben hatte, nämlich den grossen Ratssaal des Dogenpalast Venedig zu restaurieren und neu auszumalen. Nach fünf Jahren intensiver Arbeit musste er sein Werk unterbrechen. Der Sultan von Konstantinopel wollte sich vom besten Porträtisten Venedigs malen lassen, und Gentile Bellini schuf das berühmte Bildnis "Mohammed II." (1480, London, National Gallery). Während seines nahezu zweijährigen Aufenthalts am Hof von Konstantinopel (1479-80) malte er zahlreiche Bildnisse bevorzugter Personen aus der Umgebung des Sultans. Nachdem er nach Venedig zurückgekehrt war, veränderte sich, wohl unter dem Eindruck der Transparenz und Lichteinwirkung in den Gemälden seines Bruders Giovanni, sein Stil grundlegend. Im Gegensatz zu Giovanni, der vornehmlich religiöse Themen für seine Bilder wählte, widmete sich Gentile in der Hauptsache dem erzählenden Genre. Seine Gemälde sind kostbare Zeugnisse des venezianischen Lebens dieser Epoche. Sein Bemühen um Präzision tritt deutlich zutage in der "Prozession auf der Piazza S. Marco" (1496) und der "Errettung des wahren Kreuzes aus dem Wasser" (beide Venedig, Gallerie dell`Accademia). Das Testament Gentiles zeigt seine ausserordentliche Gewissenhaftigkeit: Er hinterliess seinem Bruder Giovanni die beiden Skizzenbücher seines Vaters mit der Auflage, das Gemälde "Predigt des hl. Markus in Alexandrien" (Mailand, Piancoteca di Brera) zu vollenden, das er mit vielen Details aus der Erinnerung an seinen Aufenthalt im Orient bereichert hatte. Giovanni nahm das Legat an und vollendete das Bild. Die meisten Werke Gentile Bellinis sind verschollen oder zerstört. Neben den genannten gelten folgende als geischert: S. Lorenzo Giustiniani (Venedig, Gallerie dell`Accademia); die vier Flügel einer Orgel: "Hl. Hieronymus, Hl. Markus, Hl. Theodor, H. Franziskus" (Venedig, Museo di S. Marco); "Thronende Maria mit Kind" (London, National Gallery); "Heilung durch das wahre Kreuz" (Venedig, Gallerie dell`Accademia); "Porträt des Giovanni Marino" (Mailand, Gallerie di Principe Borromeo); "Der Doge Agostino Barbarino" (Nuneham Park, Sammlung Viscount Harcourt).
Bellini, Giovanni
(auch Giambellino). *1427 oder 1430 in Venedig, +29.11.1516 in Venedig. Italienischer Maler, Bruder von Bellini, Gentile. Mit seinem malerische weichen Stil steht Giambellino am Übergang der venezianischen Frührenaissance zur Hochrenaissance, als deren eigentlicher Begrüner er nicht zuletzt aufgrund seiner bedeutenden Schüler gelten kann. Obwohl er an künstlerischer Kraft sowohl den Vater als auch den Bruder übertraf, gibt es nur wenige Dokumente über seine Tätigkeit. Auch die Chrolologie seines Werks ist nicht völlig gesichert. 1459 wurde er erstmals genannt, 1460 signierte er die "Pala Gattamelata", und 1470 erhielt er den Auftrag, für die Scuola Grande di S. Marco in seiner Heimatstadt eine "Sintflut" zu malen. 1479 verpflichtete er sich, anstelle seines Bruders Gentile, der nach Konstantinopel reiste, die Malereien im Saal des grossen Rates im Dogenpalast Venedig zu erneuern. Am 26.2.1483 wurde er zum offiziellen Maler der Signoria bestellt, und im gleichen Jahr erhielt er ein Honorar für die "Auferstehung Christi" im Dom von Vicenza. 1484 wurde er in Venedig Mitglied der Scuola Grande di S. Marco, ausserdem arbeitete er gemeinsam mit dem inzwischen zurückgekehrten Gentile im Saal des Grossen Rates. Zwischen 1486 und 1505 verhandelte er mit Isabella Gonzaga wegen eines Gemäldes für deren Studiolo in Mantua. Isabella wünschte ein Gemälde mit mythologischem Motive, doch lieferte Bellini eine "Madonna mit Kind und den hl. Hieronymus und Johannes". In einem Brief vom 7.2.1506 an Willibald Pirckheimer bezeichnete Albrecht Dürer auf seiner zweiten Italienreise Bellini als "zwar sehr alt, aber immer noch den Besten im Malen". 1507 arbeitete Bellini gemeinsam mit Vittore Belliniano und Vittore Carpaccio im Grossen Rat und verpflichtete sich, die "Predigt des hl. Markus in Alexandrien" (Mailand, Pinacoteca di Brera) zu vollenden, die sein Bruder nicht mehr fertiggestellt hatte. Giambellino war neben Giorgione der bedeutendste venezianische Maler seiner Epoche. Er gehörte zu den grossen Meistern der Renaissance, die in Werken mit religiöser Thematik nach Lösungen für die Probleme der Tafelmalerei, wie Licht, Modellierung der Körper und Beziehung von Raumillusion und Flächenkomposition, suchten und zu Ergebnissen kamen, die für die Zeitgenossen vorbildlich wurden. Nur widerwillig befasste er sich, wie aus seinem Briefwechsel mit Isabella Gonzaga hervorgeht, mit Themen aus der Mythologie. Innerhalb der christlichen Ikonographie gestaltete er die Sacra Conversazione in einer für Generationen vorbildlichen Komposition. Seine verhaltenen, oft etwas melancholischen Madonnen fanden zahlreiche Nachahmer, und seine imaginären Hintergrundlandschaften gehören zum Besten in der damaligen Landschaftsdarstellung. Giambellino übernahm Elemente unterschiedlichster Stilrichtungen, wusste sie aber sehr eigenständig zu Bildern von absoluter Originalität zu verarbeiten. Er blieb bis an sein Lebensende für fremde Einflüsse aufgeschlossen und scheute sich keineswegs, auch Anregungen von seinen Schülern aufzunehmen. Daher blieb er bis in sein hohes Alter produktiv, doch lässt sich in seinen verschiedenen Schaffensperioden nicht immer klar unterscheiden, wieweit er im Austausch mit den zeitgenössischen Malern der gegende oder der nehmende Teil war. Die frühesten Eindrücke dürfte er vom Werk seines Vaters Jacopo und von Antonio Vivaini empfangen haben. Daneben wurde er von einer Reihe berühmter toskanischer Maler, wie Paolo Uccello und Andrea del Castagno, beeinflusst, die damals in Venedig arbeiteten. Besonders ihre Bemühungen um die Darstellung des Raums und um die Modellierung der Körper, die für die noch ganz in gotischer Tradition verhaftete venezianische Malerei etwas Neuartiges waren, wurden für seine Entwicklung wichtig. Zu seinen frühesten Werken gehören die etwa um 1450 entstandene "Madonna" (Pavia, Pinacoteca Malaspina), weiter ein "Hl. Hieronymus" (Birmingham, University, Barber Institute of Fine Arts) und "Die hl. Ursula und ihre Gefährtinnen (Venedig, Gallerie dell`Accademia). Noch entscheidender beeinflusst wurde er jedoch von Andrea Mantegna und von der Malerschule in Padua,an der Francesco Squarcione, Niccolo Pizzolo, Filippo Lippi und auch der Bildhauer Donatello arbeiteten. Beispielhaft für den Einfluss dieses Kreises sind u.a. die "Madonna Davis" (1450-55, New York, Metropolitan Museum of Art) und eine "Pieta" (1460, Venedig, Museo Correr). In den beiden Tafeln "Verklärung Christi" (1455, Venedig, Museo Correr) und "Christus in Gethsemane (1459, London, National Gallery) ist die Anlehnung an Mantegna, mit dem er seit 1453 verschwägert war, so stark spürbar, dass man dieses Werk lange Mantegna zugeschrieben hat. Doch tritt im Hintergrund, vor allem in der Lichtbehandlung und in der Konzeption der Landschaft, schon die spezifische Handschrift Bellinis zutage, die sich dann in den folgenden Perioden immer stärker herausbildete. Gegen 1460 malte er wiederum eine "Pieta" (Mailand, Pinacoteca di Brera), die als Höhepunkt und Abschluss seiner ersten Schaffensperiode angesehen werden muss. Der tote Christus ist hier in magisch-mystischer Weise verlebendigt und mit Maria und Johannes in einen Zusammenhang gebracht, der an die Sacra Conversazione erinnert. Das Antlitz der Maria und auch die Farbgebung gehen unverkennbar auf altniederländische Vorbilder zurück, die Disposition jedoch lässt auf den Einfluss von Piero della Francescas schliessen. Das Thema des toten Christus kehrte in diesen Jahren in den verschiedenen Fassungen des "Pieta" (1455, Bergamo, Galleria dell`Accademia Carrara, und 1460 in einer dortigen Privatsammlung sowie 1460, Mailand, Museo Poldi Pezzoli) wieder und erreichte in dem Gemälde "Das Blut des Erlösers" (1460, London, National Gallery) eine besondere Ausprägung durch die wohl typologisch zu deutenden Basreliefs mit mythologischen Szenen, die an der Schranke vor der Landschaft angebracht sind. In den Jahren ab 1460 trat bei Bellini die Darstellung der Madonna mit Kind in den Vordergrund. Es entstanden die "Madonna mit der Girlande" (1460, New York, Sammlung R. Lehmann) und die "Madonna Frizzoni" (1460-64, Venedig, Museo Correr). Einen Anhaltspunkt für die Datierung der "Darstellung Christi im Tempel" (Venedig, Pinacoteca Querini-Stampalia) gibt das 1464 datierte Vorbild von Mantegna (Berlin, Staatliche Museen, Gemäldegalerie). Zwischen 1460 und 1464 entstand das "Sebastians-Triptychon" (Venedig, Gallerie dell`Accademia) sowie 1464-68 das "Vincnezo-Ferrer-Polyptychon" (Venedig, SS. Giovanni e Paolo). Der Altar mit der "Drusiana-Legende" (Leutstetten, Privatbesitz) aus der Zeit zwischen 1468-71 zeigt, dass der Maler inzwischen die Malweise Piero della Francescas studiert und auch bestimmte ferraresische Einflüsse aufgenommen hatte. Wohl um 1470 unternahm Bellini eine Reise nach Pesaro, der Geburtsstadt seiner Frau Anna. Dort entstand 1475 eines seiner Hauptwerke, die "Krönung Mariä" (Pesaro, Musei Civici), in dem nun der Typus der Sacra Conversazione bereits rein ausgeprägt ist, da die Figuren nicht mehr nebeneinanderstehen wie in den früheren Madonnenbildern mit Heiligen, sondern szenisch gruppiert sind, was für die Hoheit und Monumentalität dieser Gemälde von grundsätzlicher Bedeutung ist. Es ist fraglich, ob die "Pesaro-Madonna" früher oder später gemalt wurde als das Altarbild für S. Zanipolo, das 1869 einem Feuer zum Opfer fiel. Jedenfalls ist hier die grossartige "Sacra Conversazione" aus S. Giobbe (Venedig, Gallerie dell´Accademia) vorweggenommen, die um 1487-88 entstand. Als ein hervorragender Porträtist erwies sich Bellini in dem 1474 gemalten Bildnis "Jürg Fugger" (Florenz, Sammlung Contini-Bonacossi) und in dem "Poträt eines Jünglings" (1475-80, Birgmingham, University, Barber Institut of Fine Arts). Zwischen 1475 und 1480 werden die "Auferstehung Christi" (Berlin, Staatliche Mussen, Gemäldegalerie), die "Pieta" (London, National-Gallery) und "Der tote Christus wird von Engeln gestützt" (Rimini, Pinacoteca Communale) datiert. Damals hielt sich Antonello da Messina in Venedig auf, der als Vermittler sowohl der neuen Techniken der Ölmalerei wie auch eines von den alten Niederländern abhängigen, aber selbständig weiterentwickelten Stils für Bellini von Bedeutung wurde. Sein Einfluss ist unverkennbar in der nach 1476 gemalten "Hl. Justina" (Mailand, Sammlung Bagatti-Valsecchi) und auch in den Madonnendarstellungen, die sich in Rovigo (1475, Accademia dei Condordi), in Verona (1475, Museo di Castelvecchio) und in Bergamo (1480-90, Galleria dell`Accademia Carrara) befinden. Um 1487 malte Bellini die "Verklärung Christi" (Neapel, Museo e Gallerie Nazionali di Capodimonte) und erreichte in der Wiedergabe der Gestalten sowie in der bildnerischen Druchdringung des Raums einen absoluten Höhepunkt und zugleich jene "Venezianità", die sein Schaffen von allen anderen Malereien Italiens abhebt. Schon die zwischen 1480 und 1485 gemalte "Verzückung des hl. Franziskus" (New York, Sammlung Frick) nahm in der meisterlich erfassten und lyrisch charakterisierten Landschaft vieles voraus, was erst nach 1490 in der sog. "Heiligen Allegorie" (Florenz, Galleria degli Uffizi) zur vollen Entfaltung kam. Hier handelte es sich nicht allein um die "Entdeckung" der Landschaft, sondern auch um ihre Übertragung in eine Sphäre des Arkadischen und Mythologischen. vor allem Giorgione wurde von dieser Art, die Landschaft zu erfassen, nachhaltig beeinflusst. Die späten achtziger Jahre bedeuteten für Bellini eine Periode reifster Meisterschaft, 1487 malte er u.a. die "Madonna degli Alberelli" (Venedig, Gallerie dell`Accademia), 1488 das "Marientriptychon! (Venedig, S. Maria Gloriosa dei Frari), den Altar mit der "Madonna des Dogen Barbarigo" (Murano, S. Pietro Martire) sowie die bereits erwähnte grandiose "Sacra Conversazione" aus S. Giobbe. Schon über 70 Jahre alt, gestaltete er um 1500 wieder eine "Pietá (Venedig, Gallerie dell`Accademia), zwischen 1501-1505 das meisterliche Bildnis "Der Dorge Leonardo Loredan" (London, National Gallery) und im gleichen Zeitraum auch das Bildnis "Pietro Bembo" (Hampton Court Palace) sowie 1507 nochmals eine "Sacra Conversazine" (Venedig, S. Francesco della Vigna). Noch in den letzten Jahren seines Lebens war Bellini, unterstützt von Gehilfen und Schülern, rastlos tätig. 1513 malte er das Rentabel "Drei Heilige" (Venedig S. Giovanni Crisostomo), 1515 den Hl. Dominikus (London, National Gallery), und 1516, im Jahr seines Todes, begann er das "Martyrium des hl. Markus (Venedig, Ospedale Civile), das von Belliniano vollendet und signiert wurde. In den letzten Jahren wandte er sich einem ihm eigentlich fremden Themenkreis zu. So schuf er u.a. 1514 für Alfons I. von Ferrara "Das Festmal der Götter (Washington, National Gallery of Art).
Bellori, Giovanni Pietro
*1613 in Rom, + 1696 in Rom. Archäologe, bedeutender Kunstforscher und Kunsttheoretiker. Sein Hauptwerk sind die "Vite de` Pitorri, Scultori ed Architetti moderni" (Rom, 1672), eine Schrift, in die auch die 1664 in der Accademia di S. Luca zu Rom gehaltene Rede "L`Idea del Pittore, dello scultore e dell`architetto" aufgenommen wurde. In den Viten beschrieb er vor allem Flamen und Franzosen - z.B. Nicolas Poussin -, deren Kunst im idealistischem Sinn die Verbindung von Wahrheit und Schönheit zuerkannte. Grös
Bellotto, Bernardo
(gen. Canaletto d.J.). *30.1.1720 in Venedig, + 17.10.1780 in Warschau; italienischer Maler und Radierer, Neffe Giovanni Antonio Canals (gen. Canaletto), nach dem er sich ebenso nannte. Er vereinte in seinen Veduten genaue Beobachtung und meisterhaften Gebrauch der Perspektive mit einer sehr malerischen Grundauffassung, die seine Stadtansichten zu den bedeutendsten Zeugnissen dieser Gattung im 18. Jh. werden liess. Belotto kam um das Jahr 1735 in die Werkstatt seines Onkels und erhielt dort seine Ausbildung. 1742 begab er sich nach Rom und wahrscheinlich auch nach Florenz und Lucca. Ab 1743 war er allem Anschein nach nur noch vorübergehend in Venedig; 1744 im Dienst des Grafen Antonio Simonetta in der Lombardei, 1745 in Turin am Hof Carlo Emmanueles tätig (Reale-Palazzo Turin), kam er 1746 nach London. 1747 übersiedelte Bellotto nach Dresden, wo er beim Kurfürsten Friedrich August II. Hofmaler und von dessen erstem Minister Brühl gefördert wurde. Die kriegerischen Ereignisse waren der Anlass für Bellottos Aufenthalt in Wien, wo er für Kaiserin Maria Theresia und die Fürsten Kaunitz und Liechtenstein arbeitete (1758-61). Nach kurzer Tätigkeit in München kehrte er 1762 nach Dresden zurück. Er verlor seine Stellung als Hofmaler und wurde Lehrer für Perspektivmalerei an der 1764 neugegründeten Dresdener Akademie. 1767 übersiedelte er an den Warschauer Hof Stanislaus II. Poniatowskis, wo er 1768 Hofmaler wurde und die letzten Jahre seines Lebens verbrachte. Bellottos Frühwerke sind durch engen Anschluss an den Spätstil seines Onkels Giovanni Antonio Canal gekennzeichnet. Da er an der Vorbereitung und Ausführung von dessen Bildern mitarbeitete, ist bei einer Reihe von Gemälden venezianischer oder römische Sujets die Zuschreibung zwischen beiden strittig. Charakteristika seiner um 1740 einsetzenden unabhängigen malerischen Produktion sind der grössere Realismus, der Hang zu besonderer topografischer Genauigkeit, bis in das Detail gehende Exaktheit der Architekturperspektive und ein von Canal durch die Bevorzugungn kühlerer Töne und grösserer Helligkeit unterschiedenes Kolorit. Werke wie "Die Vedute von SS. Giovanni e Paolo" und der "Scuola di S. Marco" (Springfield, Massachusetts, Museum of Fine Arts) oder das "Capriccio mit römischem Bogen" (Asolo, Museo Civico) lassen das Vorbild Canalettos erkennen, von dem er sich aber, wie die Vedute "Der Tiber mit Castel S. Angelo" (Detroit, Institue of Fine Arts) zeigt, zur Zeit der Romreise von 1742 zu lösen begann. Seinen unverwechselbaren realistischen Stil gewann Bellotto in den Veduten von Florenz (Cambridge, Fitzwilliam Museum), von Vaprio d`Adda (New York, Metropolitan Museum) und Turin (Turin, Galleria Sabauda), die zwischen 1742 und 1745 entstanden. Hauptwerk der Dresdener Periode war die 1747-54 für Friedrich August II. geschaffene grosse Serie der vierzehn Veduten von Dresden (u.a. Leningrad, Eremitage), die aus vier Panorama Ansichten und zehn Platzveduten besteht, in denen eine gewisse Rückkehr zu Kompositionsschemata Canals sichtbar wird. Elf zwischen 1752 und 1755 geschaffene Veduten von Pirna (Dresden, Gallerie), wie die Dresdener Serie in zahlreichen Repliken und Radierungen verbreitet, dokumentiert Bellottos Näherung an die Landschaftsmalerei. An den in Wien und München enstandenen Veduten, wie etwa der "Ansicht der Dominikanerkirche in Wien" (Wien, Kunsthistorisches Museum), zeigt sich seine Entwicklung in Richtung auf eine detailliertere Schilderung des städtischen Lebens. Unter dem Einfluss des Dresdener Klassizismus kehrte Bellotto in den sechziger Jahren zum Thema der Idealvedute zurück. Hauptwerk seiner Spätzeit ist die "Ansicht von Warschau" (Warschau, Museum Narodowe). In Warschau wuchs Bellettos Interesse für historische und Genreszenen, an deren Gestaltung, wohl auch an der Staffage, sich sein Sohn Lorenzo beteiligte. Das bedeutendste Beispiel dieser Gattung ist wohl "Der Einzug Georg Ossolinskis in Rom im Jahre 1633" (Breslau, heute Wroclaw, Muzeum). Neben Antonio Canal und Francesco Guardi ist Bellotto der bedeutendste venezianische Vedutenmaler und ein Vorläufer der Landschaftsmalerei des 19. Jh.
Bembo, Bonifazio
(auch Fazio da Valdarno). Tätig 2. Hälfte 15. Jh. Italienischer Maler. Er stammte aus Brescia, arbeitete in Cremona und muss schon 1447 dort ansässig gewesen sein. 1478 wird er als noch lebend erwähnt. Er war einer der Hauptrepräsentanten der Cremoneser Schule und stand im Dienst des Mailänder Herzogshauses. Von seinen Fresken im Dom von Cremona, im Kastell von Mailand (Reale-Palazzo Mailand) usw. ist kaum mehr etwas erhalten, und besonders die Zuschreibungen scheinen noch nicht gesichert.
Bencovich, Federico
(auch Benkovic, Federico, gen. Il Ferigheto dalmatino). *um 1677 in Dalmatien, * 8.7.1753 in Görz. Dalmatischer Maler, dessen Herkunft weitgehend im Dunkeln liegt. Bencovich ging bei Carlo Cigagni in Bologna in die Lehre und stand stark unter dem Einfluss Giuseppe Maria Crespis. Um 1710 war er in Venedig im Dienst des Kurfürsten Lothar Franz von Schönborn tätig. 1716 kam er im Gefolge des kaiserlichen Vizekanzlers Friedrich K. Schönborn nach Wien und erhielt 1733 die Stelle eines Hofmalers in Würzburg. Gegen Ende seines Lebens stand er im Dienst der Familie Atterns. Bencovich liebte starke Farbkontraste und Lichtkontraste, seine überlängten, in effektvollen Posen wiedergegebenen Gestalten knüpfen an spätmanieristische Traditionen an und schaffenb bereits deren Verbindung mit der Barockmalerei, wobei sich schon die Kunst eines Giambattista Tiepolo ankündigt. Ein typisches Werk ist sein Altarbild in S. Sebastiano in Venedig, der "Hl. Petrus von Pisa" (zwischen 1724 und 1728), in dem die religiöse Ekstase des Heiligen eindrücklich dargestellt ist. Manche Bilder Bencovichs erinnern an Giovanni Battista Piazetta, während die in Österreich entstandenen Werke auf Franz Anton Maulpertsch und Paul Troger vorausweisen.
Benedetto da Maiano
(eigentl. Benedetto di Leonardo).*1442 in Maiano bei Florenz, + 27.5.1497 in Florenz. Italienischer Bildhauer und Architekt. Bruder von Giuliano da Maiano, Hauptvertreter der florentinischen Frührenaissance, der, ausgehend von der eleganten Linienführung und den ausgeprägten Volumina Antonio Rossellinos, Kirchen mit Kanzeln, Altären und Ciborien ausstattete sowie Grabmäler und Büsten schuf, wobei er in der Zusammenführung architektonischer, bildhauerischer und ornamentaler Elemente zu einer auf Michelangelo vorausweisende Harmonie und Ausdrucksdichte gelangte. Als Architekt lieferte er die Pläne für den bedeutenden Bau des Strozzi-Palazzo in Florenz. Benedetto da Maiano arbeitete zunächst als Schüler und Gehilfe in der florentinischen Werkstatt seines Bruders Giuliano, beeindruckt von Lorenzo Ghiberti und Desidero da Settignano. Zu seinen ersten grossen Werken gehörte das Grabmal des hl. Savinus im Dom zu Faenza (1471-72). 1475 fertigte er den Marmoraltar und das Ciborium für die Kapelle der hl. Fina in der Stiftskirchen von San Gimignano (heute in der Sakristei). Zur gleichen Zeit entstand ebenfalls ein Ciborium für den Hochaltar in S. Domenico in Siena. Berühmt wurde Benedettos reliefierte Marmorkanzel in S. Croce in Florenz mit "Szenen aus dem Leben des hl. Franzikus" (1470-75). 1476-81 arbeitete Benedetto zusammen mit seinem Bruder Giuliano am Vecchio-Palazzo Florenz; hier schuf er die marmornen Türrahmungen mit der Statue "Johannes` d. Täufers" und spielenden Kindergruppen (jetzt Florenz, Museo Nazionale). In den 80er Jahren errichtete er für die Sakristei des Doms in Loreto einen marmornen Wandbrunnen mit zwei Engeln und zwei Lünetten mit den Halbfiguren der Evangelisten. Im Auftrag König Ferdinands von Neapel fertigte er um 1489 einen marmornen Verkündigungsaltar in der Cappella Mastrogiudici in S. Anna dei Lombardi (Montoliveto) in Neapel und vollendete dort ds von Rosselino begonnene Grabmal der Herzogin Maria von Aragón. Sein letztes Werk für den König war ein unvollendetes Marmorrelief mit der "Krönung Ferdinands" (Florenz, Museo Nazionale). Wieder in San Gimignano, errichtete Benedetto in S. Agostino die Kapelle des hl. Bartolo (1484/85). 1490 schuf er für den Dom in Florenz ein von Lorenzo di Credi bemaltes Holzkreuz und die Bildnisreliefs von Giotto und dem Musiker Squarcialupo. Vermutlich Ende der achtziger Jahre fertigte er die zu den besten Werken seiner Zeit gehörende Tonbüste des "Filippo Strozzi" (Paris, Musée National du Louvre) sowie dessen Grabmal in S. Maria Novella von Florenz. 1489 begann Benedetto mit dem Bau des Strozzi-Palazzo in Florenz, der nach seinem Tod von Cronaca, Simone vollendet wurde. Ausserdem fertigte Benedetto realistische Porträtbüsten, wie die Marmorbüste von P. Mellini (1471, Florenz, Museo Nazionale). Er vollendete in seinen Werken den Frührenaissancestil von Settignano und Rossellino, Bernardo. Mit seinem Spätwerk war er ein Wegbereiter Michelangelos, der vermutlich kurze Zeit in Benedettos Werkstatt arbeitete.
Bening, Alexander
Nachweisbar ab 1469, + 1519. Flämischer Maler, Vater von Bening, Simon, wurde im Jahr 1469 in die Genter und 1486 in die Brügger Lukasgilde aufgenommen, so dass er in beiden Städten abwechselnd arbeiten konnte. Er gilt als einer der Begründer der Gent-Brügger Miniaturistenschule, deren Einfluss sich von Flandern aus auf England und Spanien erstreckte. Mit Sicherheit sind Alexander Bening die Miniaturen im "Stundenbuch der Marie de Bourgogne" (um 1480, Berlin, Kupferstichkabinett) zuzuschreiben, die eine s
Bening, Lievine
+ nach 1570. Flämische Malerin, Tochter von Bening, Simon, führte die Kunst ihres Vaters zu solcher Vollendung, dass sie von Heinrich VIII. nach London berufen wurde, wo sie sich 1545 endgültig niederliess. Auch nach seiner Regierungszeit blieb sie in grosser Gunst bei Hof und malte 1558 ein Bildnis von Elisabeth I. Sie gilt als die Begründerin der englischen Miniaturmalerei in Medaillonform.
Bening, Simon
*1484 in Gent, + 1561 in Brügge. Flämischer Maler, Sohn von Bening, Alexander. Seit 1501 lebte er in Brügge. Zu seinen frühen Werken gehören die Kalenderbilder im "Breviarium Grimani" (Venedig, Biblioteca Marciana), die vermutlich im 1. Jahrzehnt des 16. Jh. entstanden. Er stand noch in der mittelalterlichen Tradition der Buchmalerei, die mittlerweile zu einem Zweig luxuriösen Mäzenatentums und Sammlertums geworden war. Einflussreiche Persönlichenkeiten zählten zu seinen Auftraggebern. Kaiser Karl V. lies
Benkert, Johann Peter
*11.9.1709 in Neustadt a.d. Saale, + 1769 in Potsdam. Deutscher Bildhauer, Schüler Kaspar Eygens in Eichstätt, bildete sich in München selbständig weiter. Von Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn nach Bamberg berufen, schuf er dort u.a. die hölzernen Kolossalfiguren "Kaiser Heinrich II." und "Kaiserin Kunigunde", den Choraltar und die vor dem Portal stehenden steinernen Schutzengel der Kirche des jetzigen Bürgerspitals. Nach Potsdam berufen, arbeitete er unter Johann August Nahl als Stukkateur an d
Benkovic, Federico → Bencovich, Federico
Benois, Leonitius Nikolaewitsch
* 11.(23.)8.1865 in St. Petersburg, + 8.2.1928 in Leningrad. Russischer Architekt, studierte in St. Petersburg an der Kunstakademie, war dort Professor und Rektor, Redakteur der Zeitschrift "zodcy" (Baumeister). 1910-13 arbeitete er mit anderen am Projekt zur Umgestaltung St. Petersburgs. Zu seinen Hauptwerken zählen dort die Kapelle "M.I. Glinka (1885-89), das Russische Museum (1914-16), das Gynäkologische Institut und das Mausoleum in Peter-Pauls-Festung. Bekannt wurden ferner seine orthodoxen Kirch
Benua, Leonitius Nikolaewitsch → Benois, Leonitius Nikolaewitsch
Benvenuti, Pietro
*18.1.1769 in Arezzo, + 3.2.1844 in Florenz. Italienischer Maler, Vertreter des Klassizismus in Italien, nach dem Vorbild Jaques Louis Davids. Ein Freund Antonio Canovas, war er ab 1803 Professor an der Akademie in Florenz, wozu ihm die Protektion der damaligen Regentin der Toskana, Elisa Baciocchi-Bonaparte, verhalf. Die Noblesse seiner Malerei wirkt häufig künstlich und erstarrt, wenn sie zuweilen auch durch eine warme Farbgebung belebt wird. Er schuf zahlreiche Porträts und Fresken, wie jene der sog. Sala dell`Ercole (Herkulessaal) des Pitti-Palazzo in Florenz, oder die Ausmalung der Kuppel der Cappella de` Principi in S. Lorenzo, Florenz (1827-36), sowie Bilder mit religiöser und mythologischer Thematik, wie "Hektor ermahnt Paris" (Florenz, Galleria dell`Accademia).
Beowulf
Ein angelsächsisches Heldengedicht aus dem Ende des 7. oder dem Anfang des. 8. Jh.s. Der Inhalt des Gedichtes ist folgender: Über die Dänen herrscht Skylo aus dem Geschlecht der Skefinge. Von den Meereswogen ist er als Kind hergeworfen worden an Dänemarks Küsten, als König sollte er sterben und mit Kleinodien überhäuft wird er nach seinem Tode in reichgeschmücktem Schiffe wieder dem Element überlassen, das ihn hergebracht. Dessen vierter Nachfolger ist Hrodgar. Er lässt eine geräumige Halle errichten, Heorot genannt, deren Wände täglich von dem Jubel der zechenden Ritter und von den süssen Tönen der Harfe widerhallen. Doch nur zu bald soll das fröhliche Leben der Vasallen des Königs verstummen. Von Neid gepeinigt, dass des Herrschers Mannen in solcher Freude leben können, während er selbst einesam in düsterem Moorgrund seine Tage hinbringen muss, macht sich ein Unhold, Gendel mit Namen, auf, dringt des nachts, wenn nach dem Metgelage in tiefem Schlaf die Kämpen ruhen, in die Halle ein und schleppt 30 Schläfer mit sich in seine Behausung. Entsetzen fasst am anderen Morgen die Dänen und als in der folgenden Nacht wieder eine Anzahl ihrer Freunde der Wut des Raubtiers zum Opfer fallen, fliehen sie schreckensbleich die unheimliche Stätte. Wohl berät sich der greise Herrscher gramschwer oft mit seinen Vertrauten, doch nichts wird zur Abwehr des Übels gefunden, bis endlich von Norden her ein Retter dem bedrängten Volk erscheint. Beowulf ist sein Name, das Geatenland, welches Hygelak beherrscht, seine Heimat. Ihm ist die Not der Nachbarn zu Ohren gekommen. Mit 14 Genossen besteigt er das Meerschiff, um den Dänen zu helfen und bald landen sie an der dänischen Küste, wo sie mit edlem Anstand empfangen und vor den König geführt werden. Beowulf enthüllt dem König, das er vertrauend auf seine Stärke gekommen sei, Heorot von der Anwesenheit des blutdürstigen Scheusals zu befreien. Mit Freuden nimmt der König die Dienste des Geatenritters an und die Halle Heorot wird den Fremdlingen eingerichtet. Die Schatten der Nacht senken sich über die Erde, Hrodgar mit seinen Mannen zieht sich in seine Gemächer zurück und allein warten in der Halle die Geaten mit ihrem Führer der Dinge, die da kommen sollen. Kaum hat der süsse Schlaf der Müden Augen geschlossen, als vom Sumpfe der grausame Grendel hergeschlichen kommt, lechzend nach Menschenfleisch. Er packt sofort den nächstliegenden Recken, reisst ihn in Stücke und verschlingt ihn. Jetzt gerät der Mordgesinnte an Beowulf, aber mit Riesenkraft greift der Geate des Unholds Arm und nach langem Ringen renkt er ihm den Arm samt der Achsel aus, sodass Grendel todwund fliehen muss und in seiner Sumpfwohnung durch den Tod von den Qualen der Wunde befreit wird. Jubel erfüllt am anderen Morgen die Gegend. Auf Beowulfs Tat anspielend trägt der Sänger den glücklichen Kampf des Wälsungen Sigmund mit dem Drachen vor und den innigsten Dank bringen dem jungen Sieger der grambefreite König und seine holde Gemahlin dar. Mit reichen Geschenken belohnt die Königin den tapferen Beowulf und vertraut ihm ihre beiden Knaben an. Wieder sinken die Helden in friedlichen Schlaf. Wie schrecklich sollte das Erwachen sein! Den Tod ihres Sohnes zu rächen, macht sich Grendels Mutter unter dem Schutze der Nacht auf, dringt in den Schlafsaal der Dänen ein und um das Leben eines der Helden ist es geschehen. Die einzige Zuflucht des von neuem in Entsetzen geratenen Königs ist Beowulf. Der Greis bitten diesen, die Untat zu rächen. Der Geatenheld ist dazu bereit. Der greise König selbst besteigt sein Schlachtross und reitet an der Spitze seiner Mannen in Begleitung Beowulfs, die Wohnung der Unholdin zu suchen. Bald ist sie gefunden auf dem Meeresgrund, bewacht von Nixen, Drachen und anderem blutgierigen Gewürm. Beowulf nimmt von Hrodgar Abschied, empfiehlt ihm, falls er nicht mehr zurückkommen sollte, die Obhut über seine Leute und springt dann wohlgepanzert und gut bewaffnet mit seinem wuchtigen Schwert Hrunting in die brausende Flut. Bald steht er im prächtigen Meersaal vor Grendels Mutter. Sogleich beginnt der furchtbare Kampf. Hrunting prallt ab von dem Körper der Meerwölfin. Ein Riesenschwert, das Beowulf im Saale findet, sollte ihm erst Rettung verschaffen, indem es dem grausamen Weib die Todeswunde schlägt, dann aber auch vor dem heissen Blute bis zum Heft wie Eis zerschmilzt. Der Erschlagenen Blut rötet die Brandung. Bald enttaucht der brausenden Brandung des Siegers Leib. Jubelnd wird er von seinen Getreuen empfangen und dem König Hrodgar zugeführt. Als Siegespfand legt der Tapfere Grendels Haupt den staunenden Höflingen und entsetzten Frauen vor die Füsse. Dann zieht Beowulf wieder nach der Heimat. Später besteigt Beowulf selbst den Herrscherstuhl der Geaten und regiert 50 Jahre lang zum Wohle und Segen seines Volkes. Im Kampf gegen einen Drachen, gegen einen Schädiger seiner Untertanen sollte er fallen. Schon drei Jahrhunderte lang hatte das Untier in finsterer Bergeshöhle reiche Schätze bewacht, welche einst ein einsamer, freundloser Mann in dem Schoss der Erde versteckte, der niemanden mehr hatte, dem er den Gebrauch der Kostbarkeiten gönnte. Zufällig kommt ein Flüchtling in die Behausung des Drachen und entwendet dem Horthüter eines der Kleinode. Wütend fliegt des Nachts der Drache aus, den frechen Dieb zu suchen. Burgen und Hütten äschert der feurige Atem seines Rachens ein. Da dringt das Gerücht vom Unglück seines Landes an Beowulfs Ohr, der sofert wohlgerüstet mit 14 anderen Helden den Bau des Drachen aufsucht. Wohl mag der Greis den nahen Tod ahnen, denn er nimmt Abschied von seinen Getreuen. Allein, wie es dem König geziemt, will er den Kampf gegen seinen Widersacher aufnehmen. Mutig schreitet er an den Eingang der Höhle und fordert den Drachen zum Zweikampf auf. Nicht lange lässt der Wurm auf sich warten. Eine Flut sengenden Feuers entströmt seinem Rachen dem Tapferen entgegen, welchen kaum der eherne Schild gegen den Gluthauch schützt. Machtlos prallt das wuchtige Schwert von dem Hornpanzer des Wurmes ab. Was ist zu tun? Waffenlos steht der edle König da, ferne in des Waldes Dickicht sind die feigen Gefolgsleute vor der grausen Gestalt des Drachen geflohen. Wiglaf unterstütz mit seiner jungen Kraft den alten Fürsten und nach langem Ringen sinkt der grimmige Feind tot zu Boden. Doch teuer ist der Sieg erkauft. Auch Beowulf ist verwundet von des Wurmes giftigem Zahn. Schnell schickt der Röchelnde den Wiglaf noch in die Höhle, damit sein letzter Blick auf die reichen Schätze falle, die er mit seinem Leben seinen Leuten zurückerobert. Wiglaf gehorcht, kehrt schwerbeladen zurück und breitet die Kostbarkeiten vor dem brechenden Auge des Königs aus. Dieser bestimmt sie dazu, die Not der Armen zu heben und stirbt. Tiefes Trauern ergreift das Herz des Volkes über den Untergang ihres geliebten Königs. Sie ziehen hinaus zu der Walstatt, erblicken mit tränendem Auge Beowulf und mit Entsetzen seinen grimmigen Feind. Dann schreiten sie zur Bestattung der irdischen Überreste des Edlen. Auf hohem Scheiterhaufen wird die Leiche niedergelegt und gierig verzehren die Flammen den Körper des Beowulf. Das Gedicht von Beowulf liegt uns in einem Pergamentcodex vor, der sich in der Cottonischen Bibliothek des British Museums zu London befindet. Die Handschrift fällt wahrscheinlich in das 10. Jh., doch ist die Entstehung des Gedichtes in eine viel frühere Zeit zu setzen. Seine Anfänge sind in der Mitte des 6. Jh.s zu suchen und als Ganzes tritt es uns auf der Grenze des 7. und 8. Jh.s entgegen. In seiner beinahe zweihundertjährigen Entwicklung hat es wesentliche Umänderungen erfahren. Der Kern des Epos ist jedenfalls der Kampf Beowulfs mit Grendel und dem Drachen. Als blosse Variation des ersteren ist derjenige zwischen Beowulf und Grendels Mutter anzusehen. Daran schlossen sich dann Episoden aus dem Leben der auftretenden Helden und ihrer Vorfahren und Interpolationen eines christlichen Schreibers, die einen theologisierenden Ton anschlagen und mit dem germanisch heidnischen Charakter des Gedichtes schlecht zusammenpassen. Es ist halbfertig, gleichsam mitten in der Entwicklung erstarrt. Das Gedicht ist nicht von einem einheitlichen Autor verfasst, sondern aus verschiedenen Liedern nach und nach zusammengefügt. Die Heimat des Gedichtes ist England, eine historische Begebenheit gab Anlass zu seiner Entstehung. In ten Brinks Geschichte der englischen Literatur heisst es cs pag. 30: „In den Jahren 512-20 unternahm der Geatenkönig Hygelak (aus dem jetzigen schwedischen Gotland) einen Raubzug nach dem Niederrhein. Da rückte des fränkische Königs Theuderich Sohn Theudebert ihm mit einem Heere von Franken und Friesen entgegen. Ein heisser Kampf fand statt, der auf beiden Seiten zahlreiche Opfer verschlang; den Franken aber blieb der Sieg. Hygelak fiel, sein Heer wurde zu Lande wie zu Wasser aufgerieben, die schon auf den Schiffen befindliche Beute von dem Feinde zurückgewonnen. In diesem Kampf zeichnete sich ein Gefolgsmann und Verwandter Hygelaks vor allen aus, besonders durch seine Kühnheit, mit der er schliesslich seinen Rückzug bewerkstelligte. Er scheint ein Mann von riesiger Körperkraft und ein vorzüglicher Schwimmer gewesen zu sein. Die Kunde von diesem Kampfe, der Ruhm dieses Degens erscholl weit und breit zu beiden Ufern des Meeres, das die kimbrische Halbinsel von dem schwedischen Festlande trennt bei Geaten, Inseldänen und Angeln. Die Taten des Neffen Hygelaks, des Sohnes Ekgthcows, wurden in Liedern gefeiert; er trat in das Erbe göttlicher Heroen ein. Beowulf, der Sohn des Ekgthcow, trat an die Stelle Beowas, des Siegers über Grendel.“ Dieser Beowa oder also später Beowulf, ist nach Müllenhof identisch mit Freyr, dem milden Gott des Friedens und der Fruchtbarkeit, der Regen und Sonnenschein und Gedeihen der Früchte gibt, den Schiffern aber und den Fischern das Meer im Frühling öffnet und es von Stürmen befreit; der es stillt und ihnen einen guten Fang und reichlichen Gewinn verschafft, aber auch liegende Gründe und fahrende Habe denen verleiht, die zu ihm beten. Dieselbe Wirksamkeit steckt nun auch in den Taten des Helden unseres Gedichtes. Seine erste Tat ist, dass er wegschwimmt mit Breka und zwar wahrscheinlich dem von Norden herabkommenden eisigen Polarstrom entgegen, um mit den Waffen die Rauheit und Wildheit des winterlichen Meeres bis an seine äussersten Grenzen zu brechen und es fahrbar zu machen. Auch der Kampf Beowulfs mit Grendel lässt sich als ein Ringen mit den verwüstenden Wogen des Ozeans auffassen. Grendels Wohnung ist eine von düsterem Walde umgebene Meeresbuch voll trüben , sumpfigen Gewässers. Aus dieser heraus bricht er mit wilder Wut und verschlingt die sorglos schlafenden Menschen, bis auch jetzt wieder ein Gott und zwar Beowulf an Stelle des alten Freyr, als Beschützer des Ackerbaues den grausen Zerstörer menschlichen Wohlstandes und Glückes zurücktreibt und ihn in feste Grenzen bannt. Eine blosse Wiederholung des Kampfes mit Grendel ist der mit dessen Mutter, die auch eine Personifikation des Meeres ist. Bis in Einzelheiten stimmt der Kampf Beowulfs gegen diese beiden Unholde überein mit Freyrs Ringen mit dem Riesen Beli, den er auch, ohne sein gutes Schwert zu gebrauchen, erlegt. Dass Beowulf endlich, schon im Herbst seines Lebens, noch mit dem schätzebergenden Drachen einen Zweikampf eingeht, ist ebenfalls begründet durch die Identität mit Freyr. Der Drache ist einesteils wieder wie Grendel und dessen Mutter das Symbol des sein Bett übersteigenden, alles mit sich fortreissenden Wasserschwalles, dann aber auch eine konkrete Darstellung des Winters, der im Herbst eben alles Leben in der Natur erstickt und wie der Drache auf seinen Kleinodien mit seinem Schneemantel, seiner Eisdecke auf den Schätzen , welche die Natur zur Sommerszeit dem Menschen baut, sitzt und ihre Wohltaten niemanden zu gute kommen lässt. Gegen diesen zieht nochmals der greise Gott. Er besiegt zwar den Feind, muss aber doch im Herbste seines Lebens tot dahinsinken vor dem giftschwangeren Blute des Drachen, wie auch die Herrlichkeit des Sommers schwindet, wenn mit seinem Sturmgebraus der kalte Winter die Schneeflocken und Eiskörner über die Lande peitscht.
Berain, Jean d.Ä.
*1637 in St-Mihiel (Lothringen), + 1711 in Paris. Französischer Architekt, Zeichner und Ornamentstecher, Generalausstatter am Hof Ludwigs XIV., seit 1674 Kammerzeichner und Kabinettzeichner. Berain fertigte Entwürfe für alle im Dienst der staatlichen Repräsentation stehenden Gelegenheiten; seit 1690, nach Charles Le Bruns Tod, war er erster Entwerfer und Zeichner für alle königlichen Manufakturen und verantwortlich für Entwurf und Ausführung von Festlichkeiten, Theaterausstattungen, Kostümen, Dekorationen und für die Ausstattung der königlichen Flotte. Wände und Teppiche, Gitter und architektonische Ordnungen, Möbel und Geräte wurden in seinen Ornamententwürfen von einem Grundgerüst aus abstrakten Rändern gebildet, in das dann Gegenständliches in Form von architektonischen Versatzstücken, Tieren und Theaterstaffagen u.ä. eingefügt wurde. Stilgeschichtlich betrachtet, repräsentiert Berain zunächst das Louis-quatorze, leitet ann aber zur leichteren Regence über. Anstelle des satten und schweren Akanthus werden Motive im Sinne des formal wie inhaltlich "Gelockerten" gewählt, wobei die Grundlage die Groteske der italienischen Spätrenaissance ist. Berains nach vielen Hunderten zählende Ornamentstiche prägten die Architektur der Zeit um 1800 und hatten in der Form des "Bandelwerks" europäische Bedeutung. So ist es verständlich, wenn man früher auch vom "Berain-Stil" sprach.
Berain, Jean d.J.
* um 1674 in Paris, + 3.7.1726 in Paris. Französischer Stecher, Zeichner, Ausstatter, Sohn von Berain, Jean d.Ä.. Wahrscheinlich nahm ihn sein Vater um 1690 zu sich in die Werkstatt. Er entwarf Festdekorationen und Innendekorationen, Masken, Ballettkostüme, die er in seinen Stichen festhielt. Dabei benutzte er die gleiche Technik wie sein Vater, auch sein Formcharakter schliesst sich dicht dem des Vaters an, weshalb seine Arbeiten oft mit dessen Werken verwechselt wurden.
Berecci, Bartolomeo
* in Val de Sieve (Lombroso), ermordet 1537 in Krakau (Krakow). Italienischer Architekt und Bildhauer aus Pontassieve bei Florenz. Berecci kam um 1516 über Ungarn nach Krakau, wo er eine vielbeschäftigte Werkstatt betrieb; künstlerisch fassbar ist er erst in Polen. Seit 1516 Schlossbaumeister des polnischen Königs Sigismund I., errichtete er 1519-30 eines der bedeutendsten Renaissancebauwerke nördlich der Alpen, die Sigismundkapelle (Krakau, Dom). Dieses, sein Hauptwerk, ein prächtiger Zentralbau im Stil des späten italienischen Quattrocento, ist die Grabkapelle für König Sigismund I. am Dom zu Krakau (1519/33). 1524/33 entstand die Kapelle und das Grabmal für Bischof Tomicki am Chorumgang des Doms. 1530/37 leitete Berecci den Bau des Residenzschlosses auf dem Wawel. Plastiken waren meist Werkstattarbeiten, eigenhändig u.a. wohl die Gestalt Sigismunds I. (1526/31, ebd.), mit der der Typus des Grabdenkmals mit dem auf einem Prunkbett liegend dargestellten Verstorbenen in die polnische Plastik eingeführt wurde. Aus der Werkstatt Bereccis stammen auch das Oratorium (1520) der Marienkirche zu Krakau und der Baldachin des Grabmals für König Wladyslaw Jagiello (1519/24; Krakau, Wawel). Vermutlich schuf er auch das Denkmal der B. Tarnowska in Tarnow (1521). Als Schlossbaumeister führte er die von Francesco della Lore begonnenen Arbeiten am königlichen Palast auf dem Wawel weiter, seit 1522 zusammen mit Nikolaus Castiglione. Berecci war der bedeutendste Vertreter der florentinisch-römischen Richtung in der polnischen Renaissancekunst.
Berenike
Tochter des Königs Magas von Kyrene (um 273-221 v. Chr.); Gemahlin von Ptolemaios III. Euergetes. Ägyptische Königin als Berenike II. Nach der Ermordung durch ihren Sohn Ptolemaios IV. wurde Berenike auf seine Veranlassung hin als Gottheit verehrt und er ernannte ihr zu Ehren eine Priesterin. Üblicherweise ist die ägyptische Königin in den Augenblick wiedergegeben, in dem sie eine Locke ihres prächtigen Haars - gelegentlich vor einem Spiegel - abschneidet.
Berg, Johann Jakob
* 1727 in Nürnberg, + 1787 in Nürnberg. 1760-1785 als "Hofbildhauer und Hofstukkator" in Eichstätt. Stuckarbeiten im Treppenhaus und im Spiegelsaal von Eichstätt II (1767/68), Schöpfer der Figuren der vier Elemente im Treppenhaus (signiert; datiert 1769). Die Putten am Brunnenbecken der Mariensäule stammen ebenfalls von J.J. Berg, der später geadelt wurde.
Berger, Ewald
Architekt der Familie v. Magnis aus Eckersdorf, u.a. in Schlesien tätig..
Bergl, Johann Baptist Wenzel
*23.9.1718 in Königshof an der Elbe, + 15.1.1789 in Wien. Österreichischer Freskant und einer der bedeutendsten Rokokomaler in der Nachfolge Paul Trogers. Dreissigjährig kam er in die Klasse Trogers an der Wiener Akademie. Er setzte die Freskomalerei im Sinne des Trogerschen inhaltlich bestimmten Lich-Farb-Illusionismus fort. In kirchlichem Auftrag malte Bergl verschiedentlich religiöse Themen. Seine bedeutendsten Werke liegen jedoch im profanen Bereich. die illusionistisch gemalte Landschaftsszenerie als Raumschmuck ist sein beseonderer künstlerischer Beitrag: um 1762 Sommerschlösschen der Kaiserin Maria Theresia zu Ober-St. Veit, 1763 Gartenpavillon des Benediktinerstifts Melk, 1775 Goeß-Appartement im Schloss Schönbrunn Wien. Die Melker Deckenfresken und Wandfresken sind sein Hauptwerk; das typisch barocke, allegorische Thema "Triumph des Lichtes der Welt auf seinem Gang durch die Jahreszeiten und über den ganzen Erdball hin" malte er in hellen, heiteren, wirkungsvoll disponierten Farben. Die vier Erdteile gestaltete er zu einem prächtig ausstaffierten Welttheater, in dem das Exotische und das Orientalische die besonderen Akzente setzen.
Bergmiller, Johann Georg → Bergmüller, Johann Georg
Bergmüller, Johann Georg
* 15.4.1688 in Türkheim, + 30.3.1762 in Augsburg. Deutscher Maler, Freskant und Grafiker, kam 1702 in die Lehre zu dem Münchener Hofmaler Andreas Wolff. 1713 ging Bergmüller nach Augsburg an die Reichsstädtische Kunstakademie, 1730 wurde er deren Direktor und lehrte dort bis zu seinem Tode 1762. Unter Bergmüller wurde Augsburg neben dem Münchener Hof zu einem Zentrum der Barockmalerei und der Rokokomalerei und zu einer massgeblichen Ausbildungsstätte neben Wien. Die Stadt wurde zum Anziehungspunkt für bedeutende Maler wie Matthias Günther aus Bayern, Johann Evangelist Holzer aus Tirol oder Gottfried Bernhard Göz aus Mähren. Bergmüller entfaltete eine umfangreiche Tätigkeit als Freskant. Das bedeutendste erhaltene Werk der frühen Periode sind die 1727-29 gemalten Gewölbefresken in der ehemaligen Benediktinerabteikirche in Ochsenhausen. Sie zeigen zwar einen ausgereiften Figuralstil, in der kompositionellen und raumillusionistischen Bildanlage und in der Farbgebung wirken die Bilder jedoch noch rückständig. Unter dem Einfluss von Günther und Holzer entwickelte Bergmüller seinen Stil zur vollen Reife im Einklang mit dem zeitgenössischen Kunstschaffen. Sein erstes Hauptwerk stellen die 1736 vollendeten, grossformatigen Fresken in der ehemaligen Augustinerchorherrenstiftskirche von Diessen am Ammersee dar. Es folgen 1741-42 die bedeutenden Fresken der ehemaligen Prämonstratenserabteikirche Steingaden und 1749-50 die in Kapelle und Saal des Schlosses Haimhausen bei München. Die rational disponierte Bildanlage und Komposition, die massvolle Anwendung illusionistischer Untersichten bei den Figuren, die perspektivische Differenzierung kunstvoll -verschränkter Bildsphären sowie die zeichnerische Präzision, verbunden mit einer exquisiten, in den Tonwerten zurückhaltenden, kühl wirkenden, hellen Farbigkeit verleihen seinem Stil einen akademisch-klassischen Charakter. Architekturen mit scharfkantig gezeichneten Profilen und hart vorspringenden Ecken bilden seine szenischen Schauplätze. Bergmüllers "Anthropometria" mit zwölf Kupferstichen von 1723 und sein 30 Jahre später erschienenes Werk über "Die geometrischen Verhältnisse der Säulen-Ordnung aus dem Quadrat der Dorischen Ordnung..." mit 22 Kupferstichen zeugen von seinem theoretisch-lehrhaften Schaffen.
Bernini, Gianlorenzo
(1598-1680). Die dominierende Gestalt des römischen Barock. Wie Michelangelo in erster Linie Bildhauer, bewies er eine ähnlich geniale Vielseitigkeit als Maler, Dichter und Architekt. Geboren in Neapel als Sohn eines Florentiner Bildhauers, Pietro Bernini, eines der weniger bedeutenden Manieristen, und einer Neapolitanerin. Um 1605 zog die Familie nach Rom. Dort blieb Bernini während seiner ganzen Schaffenszeit, und kaum eine andere Stadt trägt so stark den Stempel der künstlerischen Persönlichkeit eines Mannes, wie Bernini ihn Rom aufprägte. Seine Bauten und Skulpturen bringen die ganze Grossartigkeit, Bewegtheit und Gefühlsbetontheit der Gegenreformation zum Ausdruck. Bernini war bereits mit 20 Jahren als Bildhauer berühmt, seine lange, stets erfolgreiche Laufbahn als Architekt begann erst 1624 mit der Wahl Urban VIII. Barberini zum Papst. Fünf Jahre später wurde ihm die Bauleitung von St. Peter übertragen. Die meisten seiner grossen Bauten schuf er aber in seiner reiferen Zeit, während des Pontifikats Alexander VII. Chigi (1655-67). Inzwischen war sein Ruhm so gross, das Ludwig XIV. ihn bat, zur Erweiterung des Louvre-Palais nach Paris zu kommen. Anders als sein überempfindlicher Rivale Borromini, Francesco war Bernini von ausgeglichener, extrovertierter Wesensart und sicher und gewandt im Auftreten. Dabei war er tief religiös, ein glühender Anhänger der Jesuiten und unterzog sich regelmässig den Exerzitien des Hl. Ignatius. Bernini verband auf vielleicht einmalige Weise revolutionäres künstlerisches Genie mit der Führungskunst eines Mannes von Welt. Seine ersten Aufträge waren die Renovierung von S. Bibiena (1624) und der Baldachin in der Peterskirche. S. Bibiena ist eigentlich nur ein interessanter Versuch; hier fehlt die für Bernini charakteristische Sicherheit des Entwurfs. Dagegen zeigt der Baldachin (1624-33) in der Vierung der Peterskirche unter Michelangelos Kuppel kühne Phantasie. Mit seinen kolossalen gewundenen Bronzesäulen, den heiter-lebendigen Voluten, den dynamischen Skulpturen ist dieses prunkvolle Meisterwerk ein echtes Symbol der Epoche: ihrer Grossartigkeit, Prachtentfaltung und Überschwänglichkeit. Mit dem Motiv der gewundenen Säule, wie sie schon in der Konstantinsbasilika und nach der Überlieferung auch im Tempel von Jerusalem verwendet worden waren, feierte Bernini die stete Dauer der Kirche und ihren Triumpf über die Reformation. Zahlreiche andere Aufträge folgten: Fassade und Treppe des Barberini-Palazzo, Neugestaltung der Porta del Popolo, die Cornaco-Kapelle in S. Maria della Vittoria. Hier sind polychromer Marmor, übertriebene Perspektive und alle Kunstmittel der Bühnenillusion und der Beleuchtung eingesetzt, um die dramatiche Wirkung der Marmorgruppe "Die Ekstase der hl. Theresia", die wie hinter einem Proszenium auf dem Altar agiert, zu steigern. Aber erst im Alter von 60 Jahren bot sich ihm die Gelegenheit, seine Fähigkeiten im Kirchenbau zu beweisen: zunächst in Castelgandolfo (1658-61), dann in Aricca (1662-64) und schliesslich am grossartigsten in S. Andrea al Quirinale in Rom (1658-70). Hier verwirklichte er vollkommen seine Vorstellung von der Kirche als architektonischer Ort für das Geheimnis der Messe, das durch den skulpturalen Schmuck angedeutet wird. Von seinen beiden grossen Profanbauten in Rom ist der Chigi-Odeschalchi-Palazzo (1664ff.) sicher bedeutender als der Montecitorio-Palazzo (1650ff.); er bezeichnet einen entschiedenen Bruch Berninis mit der römischen Tradition. Der dreigeschossige Mitteltrakt des Bauwerks wurde in den beiden oberen Geschossen von durchgehenden, von Kompositkapitellen (Kapitell) gekrönten Pilastern gegliedert und in sieben hohe, schmale Felder geteilt, während die beiden zurückweichenden Seitenflügel je drei solcher Felder aufweisen. Die rhythmische Gliederung der beiden Obergeschosse mit Hilfe durchgehender Pilaster erzeugte einen Eindruck von Geschlossenheit und Würde, während das Zurückweichen der Seitenflügel den Hauptteil hervorhob. Dieser Palast übte grossen Einfluss aus; er wurde in ganz Europa zum Vorbild für Adelspaläste. Unglücklicherweise wurde er durch spätere Änderungen und Erweiterungen verdorben. - Berninis Begabung für das Monumentale und Kolossale findet ihren höchsten Ausdruck im Petersplatz (1656 beg.). Seine Konzeption ist höchst einfach und höchst originell: ein riesiges Oval wird von Kolonnaden freistehender Säulen, die ein gerades Gebälk tragen, umgeben. Er hebt nicht nur die Felder der Fassade von Maderno, Carlo auf, indem er diese höher erscheinen lässt, sondern bringt mit überwältigender Autorität die Würde, Grösse und erhabene Ruhe der Mutter Kirche zum Ausdruck. Bernini verglich seine Kolonnaden mit dem mütterlichen Armen der Kirche, "welche die Katholiken umfangen, um sie im Glauben zu stärken". Der Petersplatz sollte von einem dritten Arm, der nie gebaut wurde, umschlossen werden. Die Anlage der breiten Via della Conciliazione hat 1937 unsinnigerweise die von Bernini vorgesehene Wirkung der Überraschung und freudigen Erregung beim Durchschreiten der Kolonnaden zerstört. Die freistehenden Kolonnaden wurden oft nachgeahmt, von Greenwich bis Leningrad. Bernini`s letztes grosses Werk, die Scala Regia im Vatikan (1663-66) fasst alle Merkmale seiner Kunst noch einmal zusammem: seinen Sinn für Mass und Bewegung, sein Geschick, eine ungünstige Lage in einen Vorzug zu verkehren, seine meisterliche Handhabung szenischer Effekte (optische Täuschungen, übertriebene Perspektive, verborgenen Lichteinfall) und seine Fähigkeit, Skulpturen zur Dramatisierung der Höhepunkte seiner Komposition sicher einzusetzen. Mit dem Bau der Scala Regia gelang Bernini die vollkommene Verschmelzung der einzelnen Künste im Sinne des Barock.
Bernini, Pietro
* 5.5.1562 in Sesto Fiorentino, + 29.8.1629 in Rom. Italienischer Maler und Bildhauer, Vater von Bernini, Gianlorenzo. Nach seiner Ausbildung in Florenz bei Ridolfo Sirigatti ging Bernini als junger Mann nach Rom und lernte dort bei dem Maler Giuseppe d`Arpino. Um 1580 arbeitete er mit Antonio Tempesta an Fresken für die Farnese-Villa Caprarola, vielleicht war er auch im Vatikan für Gregor XIII. tätig, daneben restaurierte er antike Marmorstatuen und übte sich in der Bildhauerei. 1584 ging er nach Neapel. Dort werden ihm die Statuen in den Kirchen von Terranova, Sappo Minulio und S. Giovanni a Carbonar zugeschrieben. Erste gesicherte Auftragsarbeiten schuf er 1591 für den Altar von S. Maria di Colloreto in Morano Calabro. 1594 kehrte er nach Florenz zurück, 1596 arbeitete er wieder in Neapel. 1602 entstanden ein "Hl. Laurentius" und ein "Hl. Stephanus" für die Krypta des Domes von Amalfi. 1605/06 übersiedelte Bernini mit seiner Familie nach Rom. Dort schuf er in S. Maria Maggiore eine "Verkündigung (1607-10) und war am Grab Clemens` VIII. beteiligt. Im Auftrag von Kardinal Maffeo Barberini (später Papst Urban VIII.) schuf er für die Familienkapelle in S. Andrea della Valle einen "Johannes d. Täufer" (1612-16). In der folgenden Zeit war Bernini mit dekorativen Plastiken für die Borghese Villa Rom und für den Park der Caprarola-Villa beschäftigt. Eine "Verkündigung" in St-Bruno in Bordeaux datiert auf etwa 1622. In der Jesuitenkirche Il Gesú in Rom stammten zwei - zerstörte - Figuren am Grabmal des Kardinals Bellarmino von Bernini (1622/23). Zur selben Zeit fertigte er für das Grabmal Dolfin in S. Michele in Isola, dem venezianischen Friedhof, zwei Statuen. Unter seiner Beteiligung an zahlreichen Brunnen Roms ist die Barke auf der Piazza di Spagna hervorzuheben (1627-29), wahrscheinlich unter massgeblicher Beteiligung seines Sohnes Giovanni Lorenzo entstanden. Stilistisch ist Bernini weder dem ausgehenden Manierismus noch eindeutig dem Barock zuzurechnen. Seine späteren Arbeiten entstanden fast alle in Zusammenarbeit mit seinem Sohn, un die Arbeitsanteile lassen sich nicht mehr eindeutig unterscheiden und zuordnen.
Berruguete, Alonso
*um 1488 in Paredes de Nava (Valladolid), + September 1561 in Toledo. Spanischer Bildhauer, Maler und Architekt des Manierismus, Sohn des Malers Berruguete, Pedro, von dem wohl auch ausgebildet wurde. Zwischen 1504 und 1517 bereiste er Italien, doch bleibt sein Aufenthalt dort in den einzelnen Stationen ziemlich unklar. Aus Biografie Michelangelos von Vasari, Giorgio lässt sich entnehmen, dass er sich diesem angeschlossen hat, von ihm auch beeinflusst wurde und dass er den Auftrag erhielt, ein von Filippino Lippi unvollendet hinterlassenes Gemälde der Kirche S. Giorgio in Florenz zu vollenden. Um1520 kehrte er nach Spanien zurück und liess sich zunächst in Saragossa nieder, wurde jedoch kurz darauf von Karl V. zum Hofmaler und Hofbildhauer ernannt. Zwischen 1526 und 1532 schuf er den Hochaltar für die Klosterkirche S. Benito in Valladolid (Reste heute im Museo Nacional de Escultura in Valldolid). 1535 erhielt er zusammen mit Philippe de Vigarny den Auftrag für das Chorgestühl der Kathedrale von Toledo. In den Reliefs dieses Werkes aus Marmor, Alabaster und Holz, das als sein Hauptwerk gilt, ist der Einfluss Michelangelos deutlich spürbar. Sie stellen Szenen aus dem Alten und Neuen Testament dar. Weitere wichtige Werrke Berruguetes sind der Dreikönigsaltar der Santiago-Kirche in Valladolid (1537) und das Grabmal des Kardinals Tavara im Hospital S. Juan de Afuera in Toledo (1554-61), sein letztes, vom Typus her ebenfalls von der italienischen Hochrenaissance beeinflusstes Werk. Es besteht aus einem reich verzierten Marmorsarkophag, auf dessen Deckel die Figur des Kardinals liegt, umgeben von den vier Kardinaltugenden. Von den erhaltenen Gemälden Berruguetes ist das zwischen 1527 und 1532 entstandene Retabel des Colegio Mayor de Santiago in Salamanca erwähnenswert. Es befindet sich heute noch an Ort und Stelle und besteht aus acht grossen Gemälden mit "Szenen aus dem Leben Christi". Die Altarrahmung aus farbig gefassten Architekturen und Skulpturen ist ebenfalls von Berruguete. Berruguete galt bei seinen Zeitgenossen als der grösste Künstler Spaniens. Heute erscheint sein malerisches Schaffen nicht so bedeutend wie sein bildhauerisches Werk und sein Beitrag zur Weiterentwicklung des ornamentalen Dekors von Retabeln und Portalen. Von seinem von Palomino bezeugten architektonischen Werk ist nichts mehr erhalten. Während Berruguete als Bildhauer von Michelangelo und Donatello beeinflusst war, lehnte er sich in seinem malerischen Werk vor allem an Raffael und Andrea del Sarto an, verlieh jedoch seinen Figuren ein spanisches Pathos, das zu übertriebenen Haltungen und Gesten neigt. Palomino rühmt an Berruguete, dass er Ideen und Prinzipien der italienischen Renaissance, wie die Linearperspektive und die Proportionslehren, mit nach Spanien gebracht habe und damit endgültig die "maneria barbara" überwunden habe. Indem er seine Kust zugleich auch durch volkstümlichen Ausdruck steigerte, hat er der Entwicklung zum spanischen Barock Wege gewiesen.
Berruguete, Pedro
* um 1450 in Paredes de Nava (Valladolid), + vor dem 6.1.1504 in Avila(?). Spanischer Maler, Vater von Berruguete, Alonso, stand am Anfang der Renaissancemalerei Spaniens. Er war Hofmaler Königs Ferdinands und Königin Isabellas, unter denen das Kunstgeschehen weitgehend vom niederländischen Einfluss bestimmt war. Bei einem Hauptvertreter dieser niederländisch orientierten Malschule, bei Fernando Gallego, hat Berruguete vermutlich seine Ausbildung erhalten. Im allgemeinen idenitfiziert man den ab 1476 am Hof des Herzogs Federigo di Montefeltro im Urbino tätigen "Pietro Spagnolo" mit Berruguete, der hier wohl unter der anfänglichen Leitung des Justus van Gent und zusammen mit Melozzo da Forli an den Dekorantionen des neuen Palastes (Ducale-Palazzo Urbino) mitbeteiligt war. Das "Studiolo" des Palastes enthielt 28 halbfigurige Bildnisse berühmter Männer (davon Teile in Paris, Musée National du Louvre, in Rom, Galleria Nazionale, Palazzo Barberini, und in Urbino, Palazzo Ducale), das Doppelporträt "Federigo di Montefeltro und sein Sohn Guidobaldo" (Urbino, Palazzo Ducale) sowie die Darstellungen der freien Künste (London, National Gallery; Urbino, Palazzo Ducale). Besteht über den jeweiligen Anteil der Meister auch keine Gewissheit, so darf man doch die "Artes libenales" weitgehend für Berruguete in Anspruch nehmen. Aus dieser Zeit (um 1482) stammt auch die "Engels-Pieta" (Mailand, Pinacoteca di Brera), die nicht nur Berruguetes Kenntnis der italienischen Malerei bei gänzlich flämischer Technik, sondern auch noch venezianische Einflüsse aufzeigt. Andererseits aber hat auch Berruguete in der umbrischen und ferraresischen Malerei seine Spuren hinterlassen, wie das besonders bei Giovanni Santi zu sehen ist. Vermutlich steht die Rückkehr Berruguetes nach Spanien mit dem Tod des Herzogs von Urbino im Zusammenhang, wo er mit seinen Wandmalereien in der alten Sakristei der Kathedrale von Toledo (1485-88, zusammen mit Antonio de Rincon und 1495, Bemalung der äusseren Sakristei) bewies, dass er mit einem härteren Stil und emaileartig verfestigten Farben die spanische Tradition fortzuführen gedachte. Für dieselbe Kathedrale begann Berruguete 1499 die Gemälde des Hochaltarrentabels, die unvollendet blieben. Aus dieser späten Zeit bewahrte das Museo del Prado in Madrid noch eine Tafel aus dem Altar des Klosters S. Tomás zu Àvila von ihm, das "Inquisitionsgericht unter Vorsitz des hl. Dominikus". Berruguete hat der spanischen Malerei niederländische Detailfreudigkeit und italienisches Formengut der Frührenaissance vermittelt.
Bertoldo di Giovanni
* um 1440 in Florenz, + 28.12.1491 in Poggio a Caiano. Italienischer Bildhauer und Medailleur, bedeutendster Schüler Donatellos. 1455 in dessen Werkstatt eingetreten, war er mit ihm an den Kanzeln von S. Lorenzo beschäftigt (um 1460-70) und vollendete sie nach dessen Tod. Wahrscheinlich von den siebziger Jahren an hette er engeren Kontakt zu Lorenzo de` Medici, dessen künstlerischer Berater er wurde. Ausgehend von einem frühen bronzenen Relief einer "Reiterschlacht" (beide Florenz, Bargello) nach antikem
Bertotti-Scamozzi, Ottavio
* 9.4.1719 in Vicenza, + 25.10.1790 in Vicenza. Italienischer Architekt in der Nachfolge von Palladio, Andrea (Neo-Palladianismus). Er erlernte den Beruf eines Barbiers, konnte sich aber dank der Protektion des Herzogs Mario Capra später dem Studium der Architektur widmen. Den Beinamen Scamozzi erhielt er aufgrund der testamentarischen Verfügung von Scamozzi, Vincenzo, der zufolge der jeweils beste von einem Gremium ausgewählte Vicentiner Architekt das nachgelassene Vermögen von Scamozzi, Vincenzo und seinen Namen erbte. Bertotti-Scamozzi baute in Vicenza und Umgebung Paläste und Villen im palladianischen Stil, erwähnenswert vor allem der Pagello-Beltrame-Palazzo (1780) und der Franceschini-Palazzo (1770, heute die Questura), deutlich klassizistische Varianten von Palladios Stil. Berühmt und für die Palladio-Forschung bis heute unverzichtbar ist sein 1776-83 in Vicenza herausgegebenes, 209 Kupfertafeln umfassendes Werk über Bauten und Zeichnungen von Palladio, Andrea "Le fabbriche e i disegni di Andrea Palladio raccolti e illustrati" (1776-83) sowie "La terme dei Romani, disegnate da A. Palladio" (1797). . Ferner veröffentlichte er 1761 einen Kunstführer für Vicenza an Dialogform.
Berwart, Blasius d.Ä.
(+ 1590). Baumeister, Schüler des Alberlin Tretsch. Er war tätig am Alten Schloss Stuttgart I. Er hatte auch die Bauleitung am Erweiterungsbau von Schloss Ansbach I. Beteiligt war er (zusammen mit Tresch, Alberlin) an der Plassenburg Kulmbach 1565-69 sowie am Schloss Bad Mergentheim. 1580-90 errichtet Berwart den westlichen Flügel von Schloss Königsberg Ostpreussen. Ausserdem baute der die Amtshäuser in Soldau, Labiau, Fischhausen Ostpreussen, Insterburg, Ortelsburg II und Friedrichsburg Ostpreussen . In Ansbach I war er am Neubau des Schlosses nach 1586 beteiligt. Seit 1588 war er auch als Baumeister an der Wülzburg.
Berwart, Blasius d.J.
(+ 1610). Hofbaumeister im Dienste von Markgraf Friedrich von Brandenburg von 1595-1610. Arbeitete am Schlossgebäude der Wülzburg 1597. Für den General Fuchs von Bimbach erbauten er das Schloss Unterschwaningen II.
Beyer, Christian Friedrich Wilhelm
*27.12.1725 in Gotha, + 23.3.1806 in Schönbrunn. Deutscher Gartenarchitekt, Bildhauer und Maler. Nach der Übersiedlung nach Stuttgart in herzoglichen Diensten stehend, wurde Beyer 1747 vom dortigen Hof nach Paris gesandt, um die Gartenbaukunst zu erlernen. Ab 1751 widmete er sich in Rom der Malerei. Dort verband ihn ab 1755 eine Freundschaft mit Winckelmann, Johann Joachim. Ab 1756 studierte er bei Philippo della Valle Bildhauerei. Wieder in Stuttgart, wirkte er ab 1759 an der Ausgestaltung des Neuen Schlosses in Stuttgart II mit. Davon ist nichts mehr erhalten. Zur gleichen Zeit übernahm Beyer die Aufsicht über die Porzellanmanufaktur in Ludwigsburg. Einige seiner Entwürfe sind in den beiden Kupferstichen "Österreichs Merkwürdigkeiten" (Wien 1779) und "Die neue Muse" (Wien 1784) enthalten. 1767 oder 1768 siedelte Beyer nach Wien über, wo er 1770 Hofmaler und Statuarius wurde. Seine Hauptwerke hier waren die mehr als 40 Gartenfiguren im Schlosspark von Schönbrunn Wien (1773 - 1780), darunter auch die eigenhändig geschaffene Hauptgruppe mit "Neptun und Thetis", oft verglichen mit der Fontana di Trevi in Rom und dem Neptunbrunnen in Versailles. Beyer war der bedeutendste Vertreter des sog. Louis-Seize-Stil in Österreich.
Beyer, Christoph
(*15.7.1653 in Dresen, +6.1.1741 in Steinigtwolmsdorf/Sachsen). Architekt u.a. in Schlesien tätig (Schloss Joachimstein).
Bianchi, Bartolommeo → Bianco, Bartolomeo
Bianchi, Pietro
*26.3.1787 in Lugano, + 27.12.1849 in Neapel. Schweizer Archäologe und Architekt des neoklassischen italienischen Stils, studierte an der Mailänder Kunstakademie und bis 1806 an der Universität in Pavia, bildete sich in Rom weiter. 1815 bis 1824 errichtete er sein bekanntestes Bauwerk, die Kirche S. Francesco di Paolo in Neapel, inspiriert vom römischen Pantheon. Er arbeitete als Architekt für das Königshaus der Bourbonen und leitete die Ausgrabungen von Pompeji und Herculaneum. Er war Mitglied der Akademien von Rom, Wien und Brüssel.
Bianco, Baccio
*4.10.1604 in Florenz, + 1656 in Madrid. Italienischer Architekt und Maler, nahm bereits 1612 Unterricht bei Giovanni Biliverti, später bei dem Hofarchitekten Giulio Parigi. Ab 1620 arbeitete er als Gehilfe Giovanni Pieronis im Dienst Kaiser Ferdinands II. u.a. in Altenburg, Pressburg (Bratislava IV) und Prag III (1621) beim Bau der Befestigungsanlagen mit. Im Dienste Wallensteins war Bianco kurze Zeit mit der Ausmalung des Wallenstein-Palastes in Prag beschäftigt und eröffnete nach einigen Irrfahrten eine Werkstatt in Florenz. Dort entwarf er u.a. Gefässe, Teppichmuster für den Hof, fertigte ein Modell für die Domfassade und schmückte die Corsinia a Mezzomonte-Villa.
Bianco, Bartolomeo
(auch Bianchi, Bartolommeo).* um 1590 in Como, + 1657 in Genua. Einer der führenden italienischen Architekten des Barocks und Festungsbaumeister, der das Stadtbild Genuas deutlich prägte. Dort baute er u.a. im manieristischen Zeitgeschmack den Balbi-Senarega-Palazzo (um 1622, vollendet im 18. Jh.), Durazzo-Pallvicini-Palazzo (1619 begonnen), den Cattaneo-Palazzo (1623), die Kirche S. Carlo (1629) und das beste seiner Bauwerke, das berühmte Jesuitenkollegium (1630-38, seit 1782 Universität), das er auf steil abfallendem Gelände auf vier mit bühnenmässigen Treppenanlagen verbundenen Terrassen anlegte. Er legte auch die von Säulengängen umgebenen Höfe an. Ihm wird ausserdem die Paradiso-Villa bei Genua und die Vollendung des von Scamozzi, Vincenzo begonnenen Ravaschieri-Negroni-Palazzo in Bergamo zugeschrieben. 620-25 errichtete er die neuen Mauern und Hafenanlagen in Genua III.
Biard, Pierre d.Ä.
*1559 in Paris, + 17.9.1609 in Paris. Französischer Bildhauer, Architekt, Maler und Kupferstecher. Nach einer Romreise wurde er 1590 in Paris zum Oberintendanten der königlichen Bauten ernannt. Neben mehreren Grabmälern schuf er um 1600 den Lettneraufbau der Kirche St-Etienne-du-Mont in Paris sowie ein 1792 zerstörtes Relief am Portaltympanano des Hotel-de-Ville in Paris mit einem Reiterbildnis Heinrich IV.
Biard, Pierre d.J.
* Ende 1592 in Paris, + 28.5.1661 in Paris. Französischer Bildhauer, Stecher, Sohn Biard, Pierre d.Ä.. Er lernte in Paris bei Pierre Franqueville und erhielt seine weitere Ausbildung in Italien. Zugeschrieben werden Biard die Statuen des Mars und der Minerva am Toulouse-Hotel sowie die ruhenden Giebelfiguren an der Kirche St-Paul in Paris. Für die Kirche Notre-Dame-de-la-Merci in Paris fertigte Biard die zwei Figuren der Ordensheiligen und die mittlere Statue der "Maria mit Kind" an der Fassade. Die
Binder, Ludwig
Baumeister war um 1530 am Schloss in Dessau I tätig (Johannbau).
Bissen, Hermann Vilhelm
*13.10.1798 in Schleswig, + 10.3.1868 in Kopenhagen. Dänischer Bildhauer, schuf Büsten, Statuen und Denkmäler im klassizistischen Stil. Bissen studierte an der Kunstakademie in Kopenhagen, später bis 1834 bei Bertel Thorvaldsen in Rom. 1835 wurde er Mitglied, 1840 Professor an der Kunstakademie in Kopenhagen. Bis 1850 zeigten seine Arbeiten den Einfluss Thorvaldsens, so u.a. "Blumenmädchen" (1829, Kopenhagen, Ny Carlsberg Glyptotek). 1833 bis 1834 fertigte er nach einer Skizze Thorvaldsens das Denkmal
Bissolo, Pier Francesco
* um 1470 vermutlich in Treviso, + 20.4.1554 in Venedig. Italienischer Maler, Vertreter der venezianischen Renaissance unter dem Einfluss Giovanni Bellinis. Eine erste Ausbildung erhielt er wahrscheinlich bei Gerolamo da Treviso, seit 1492 wurde er jedoch als Gehilfe Bellinis an den Arbeiten im Saal des Grossen Rates im Dogenpalast Venedigs genannt. Er schloss sich auch in seinen selbständig gemalten Bildern sehr eng an Bellini an, übernahm auch einzelne Figuren und Kompositionen und konnte doch bei aller Treue zu Bellinis Gestaltungsprinzipien oft nur zu glatten und unsicheren Werken gelangen. Sein frühestes eindeutig datierbares Bild ist die "Transfiguration" von S. Maria mater Domini in vendeig von 1512. Alle seine Gemälde zeigen religiöse Motive, darunter oft Darstellungen der Sacra Conversazione (z.B. in Venedig, Gallerie dell`Accademia; in London, National Gallery; in Leipzig, Museum der bildenden Künste). Zu den bekannteren Bildern gehören die "Thronende Maria mit vier Heiligen" von 1528 (Treviso, S. Floriano in Campagna) und die "Darbringung Christi" (Venedig, Gallerie dell`Accademia). Bissolo hat sich deutlich auf ein Stilvorbild beschränkt, zu dessen vollkommener Gestaltung er kaum gelangen konnte; er blieb damit, trotz gekonnter Landschaftsgestaltung, ein Maler nachgeordneten Ranges.
Bissuolo, Pier Francesco → Bissolo, Pier Francesco
Bittel, Kurt
Am 5.7.1907 in Heidenheim a.d. Brenz als Sohn eines Bankiers geboren. Er studierte in Heidelberg, Berlin, Wien und Marburg und promovierte 1929/30 mit dem Thema "La Tene in Württemberg". Bittel wurde wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Deutschen Archäologischen Institut (DAI) in Frankfurt und in Kairo. Als Stipendiat des DAI bereiste er 1931 zum ersten Mal die Türkei, in der fortan sein Schaffens- und Lebensschwerpunkt liegen sollte. Bittel übernahm von 1931bis 1977 die Grabungsleitung von Bogaszköy ({H
Blacha, Johann Martin
(+1810). Steinmetz in Breslau.
Blegen, Carl Wilhelm
Am 27.1.1887 in Minneapolis, Minnesota, geboren. 1913-27 grub er mit der American School of Classical Studies, Athen, im Nordosten der Peloponnes mehrere prähistorische Stätten aus. 1916-18 entwickelte er mit A.J.B. Wace anhand von Tongefässen eine neuartige Methode zur Datierung der vormykenischen Kultur. 1927 wurde B. Professor der klassischen Archäologie an der Universität von Cincinnati, Ohio. 1932-38 leitete er die Ausgrabungen dieser Universität in Troja (Troja I). Er unterteilte die neune Hauptschichten Trojas, die Dörpfeld, Wilhelm festgestellt hatte, in 46 Besiedlungsphfasen und datierte die Stadt des Königs Priamos, Schauplatz von Homers "Ilias", (Hauptschicht VIIa) ungefähr auf das Jahr 1250 v. Chr. 1939 ging Blegen nach Griechenland und fand bei Pylos die erste Tontafel mit der Linearschrift B, die man bislang nur von Kreta her kannte. 1952 setzte er die Grabungen fort und entdeckte ein ganzes Archiv mit mehr als tausend solcher Schrifttafeln. Das Archiv gehörte zum Palast des mykenischen Königs Nestor. Blegen forschte noch bis 1964 in Pylos und konnte zahlreiche Gräber mit reichen Beigaben aufdecken. Er starb am 24.8.1971 in Athen.
Block, Wilhelm von dem
* in Mecheln, + 21.1.1628 in Danzig. Flämischer Bildhauer und Architekt. Seit 1576 am herzoglichen Hof in Königsberg beschäftigt, schuf er 1581-82 das Grabmal der Markgräfin Elisabeth im dortigen Dom. 1583/84 stellte er ein Epitaph für den Fürsten von Siebenbürgen, Stephan Bathory, her. 1586-88 entwarf und errichtete er für den Rat von Danzig die Fassade der Hohen Tors. Die mit den Wappen der Stadt Danzig, der Länder Westpreussen und Polen geschmückte Front schuf Block in Anlehnung an die nicht mehr erhaltene Porte St. George in Antwerpen von Sanmicheli, Michele. Nach 1600 entstand das Grabmal für Ture Bielke (1600) im Dom von Linköping.
Block, Willem van den → Blick, Wilhelm von dem
Bloeschuh, Bartusch
Baumeister in Liegnitz. U.a. an Burg Gröditzberg I beteiligt.
Blondel, Jacques-Francois
(1705-74). Nicht verwandt mit Blondel, Nicolas-Francois, als ausführender Architekt von geringer Bedeutung, aber sehr einflussreich als Autor und Theoretiker. 1743 gründete er eine eigene Architekturschule in Paris, ehe er 1762 Prof. an der Academie Royale de l`Architecture wurde. Blondel`s Geschmack war konservativ; er pries die Tradition, wie sie von Mansart, Francois und Perrault, Claude vertreten wurde, und bereitete den Weg zum Klassizismus vor. Er veröffentlichte u.a. "De la Distribution des M
Blondel, Nicolas-Francois
(1517-86). Franz. Naturwissenschaftler und Mathematiker, war vor allem Architekturtheoretiker. Er legte in seiner Schrift "Cours d`architecture" (1675, erweiterte Ausgabe 1698) die streng klassizistischen und rationalen Lehren der Akademie aus. Es galt als massgebliches Lehrbuch für Architekten und folgte den Auffassungen Perrault, Charles. Seit 1669 Leiter der öffentlichen Bauten in Paris, 1672 Direktor der Academie d`architecture. Von noch erhaltenen Bauwerken ist die Porte St-Denis (1671-73) in Par
Blum, Hans
Baumeister und Holzschneider aus Lohr am Main, um 1550 in Zürich tätig. Hauptsächlich bekannt als Herausgeber einer Abhandlung über die Säulenordnungen: "Quinque Columnarum exacta descirptio atque delineatio, cum symmetrica eorum distributione" (Zürich 1550), die erste Grammatik der klassischen architektonischen Formsprache für deutsche Baumeister. Sie bassierte auf Serlio, Sebastiano und erlebte viele Neuauflagen. Spätere Schriften "Ein kunstrych Buch von allerley Antiquiteten..." (Zürich ca. 1560)
Boccacci, Vincenzo
(auch Bocaccio). Italienischer Architekt. Von ihm stammt der Entwurf für Schloss Sagan I.
Böcklen, Joesph Maximilian → Pöckhel, Joseph Maximilian
Böckler, Georg Andreas
* um 1644 in Strassburg (?), + um 1698 in Nürnberg (?). Deutscher Architekt und Schriftsteller, arbeitete als einzig überliefertes Bauwerk 1684/85 den 1750/51 abgerissenen Herrieder Torturm (Ansbach II) und vermutlich um 1679 das Ansbacher Theater. Bekannter sind seine fachwissenschaftlichen Werke über Architektur: "Compendium Architecturae civilis" und "Compendium Architecturae militaris" (erschienen 1648 in Frankfurt a. Main und Strassburg), "Theatrum machinarum novum" (1661, Nürnberg), "Architectura cu
Böckmann, Wilhelm
Bildete zusammen mit Ende, Hermann das Architekturbüro Ende & Böckmann. Gemeinsam bauten sie die Villa Eichenschloss.
Bodt, Jean de
(1670 in Paris, + 3.1.1745 in Dresden). Offizier und Hugenotte, verliess 1685 nach der Aufhebung des Ediktes von Nantes Frankreich. In Holland zum Architekten ausgebildet, arbeitete er eine Zeitlang in England und liess sich schliesslich 1698 in Berlin nieder. Dort wurde er bald zum bedeutendsten Architekten Preussens nach Schlüter, Andreas. Er hatte bei König Friedrich I. die Aufsicht über alle Schlossgebäude und Militärgebäude. 1701 baute er das Fortuna-Portal des Potsdamer Stadtschlosses (Potsdam III) (das Knobelsdorff, Georg Wenzeslaus von 1744 in den Neubau einbezog). In Berlin vollendete er das Zeughaus Berlin von Nering, Johann Arnold (etwa 1706) und die Patriochalkirche, wobei er die Pläne leicht abänderte. Um 1710 liess der Graf von Strafford (1706 -1711, engl. Gesandter am preussischen Hof) die Ostfront seines Schlosses Wentworth Castle in Yorkshire nach Plänen Bodts bauen. 1728 trat Bodt als Generalintendant in sächsische Dienste und zog nach Dresden, wo er die Aufsicht über die Bauarbeiten am Japanischem Palais (Japanisches Palais) von Pöppelmann, Matthäus (Matthes) Daniel erhielt. Keines seiner eigenen anspruchsvollen Bauprojekte, die er für Dresden und andere Orte in Sachsen plante, wurde je ausgeführt. 1718 arbeitete an Schloss (Finckenstein Kamieniec) in Ostpreussen. Von 1718-21 schuf der das Berliner Tor in der Festung Wesel.
Boehringer, Erich
Am 10.8.1897 in Hamburg als Sohn eines Chemikers geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Basel, bis er sich mit 17 Jahren freiwillig zum Kriegsdienst meldete. 1919 holte er das Abitur mach und studierte Archäologie, Griechisch und Alte Gechichte. 1925 promovierte er bei H. Bulle in Würzburg mit einer Arbeit über die Münzprägung in Syrakus auf Sizilien. Es folgten ein Reisestipendium des Deutschen Archäologischen Instituts, auf dem er an Ausgrabungen auf Samos und in Pergamon teil und vertrat ihn dort in dessen Abwesenheit. Mit der Publikation der hellenistischen Arsenale auf dem Burgberg habilitierte sich Boehringer 1932 an der Universität in Greifswald. Als Vertreter des Ordinarius und Privatdozent war er dort bis 1939 tätig. 1940 ging er für drei Jahre als Kulturreferent der Deutschen Botschaft nach Athen. Es folgten die Stelle eines Ordinarius an der Universität Greifswald, wo seine organisatorischen Fähigkeiten bei der Evakuierung von Universitätsbeständen von grossem Nutzen waren. Von 1946 bis 1954 lehrte er nebenbei an der Universität antike Ikonographie und Numismatik. 1954 wurde Boehringer erster Nachkriegs-Präsident der Deutschen Archäologischen Gesellschaft (DAI). Sein organisatorischen Talent bewirkte Enormes bei der Wiederbelebung und Neugründung von zahlreichen Auslandsinstituten, -stationen und Grabungen der DAI. 1960 legte er sein Präsidentenamt nieder und widmete sich nur noch der Forschung sowie der Intensivierung seiner Grabungstätigkeiten in Pergamon, die er bis 1968 forführte. an den Folgen einer schweren Krankheit starb Boehringer nur wenige Jahre später, am 3.4. 1871 in Hamburg.
Boffrand, Gabriel Germain
(1667-1754). Der grösste franzöische Architekt des Rokoko begann als Bildhauer, studierte unter Girardon in Paris (1681), wandte sich jedoch bald der Architektur zu, wurde Schüler, später Mitarbeiter von Hardouin-Mansart, Jules. 1711 avancierte er zum premier architecte des Herzogs von Lothringen, für den er das Schloss von Luneville (1702-06) erbaute. Boffrand war sehr aktiv und erwarb sein grosses Vermögen vor allem durch den spekulativen Bau von Pariser Hotels (z.B. der Hotels Montmorceny-Hotel 1712, Petit Luxembourg 1709-11, Seignelay-Hotel 1713, Torcy-Hotel 1714, Soubise-Hotel 1736-39), verlor aber den grössten Teil davon wieder in John Laws geplatztem Mississippi-Unternehmen von 1720. Boffrand übte ähnlich wie sein Zeitgenosse Cotte, Robert de ausserhalb Frankreichs grossen Einfluss aus, besonders in Deutschland (z. B. auf die Würzburger Residenz Würzburg I und den Architekten Neumann, Johann Balthasar). Seine Virtuosität zeigt sich besonders im Amelot-de-Gournay-Hotel in Paris (1712), wo er um den ovalen Hof Räume verschiedener Grösse und Gestalt gruppierte, darunter auch ein Fünfeck. Die Aufrisse sind, wie immer bei Boffrand, von besonderer Einfachheit und Zurückhaltung, die Innenräume dagegen äusserst luxuriös. Seine vielleicht schönsten Interieurs finden sich in dem Pavillon, den er dem Soubise-Hotel (heute Archives Nationales) in Paris angliederte (1736-39). Seine Vorstellung vom Rokoko, geprägt von zwangloser Eleganz und raffinierter Einfachheit, verwirklichte er im Saint-Queen-Chateau, einer glänzenden, sehr originellen Schöpfung: in einem geräumigen Hof, der von Gästeappartements, Wirtschaftsgebäuden und Stallungen umgeben ist, setzte er einen winzigen, dem Trianon nachempfundenen Pavillon mit drei Räumen. Boffrand veröffentlichte 1745 sein "Livre d`architecture contenant les principes generaus de cet art".
Böhm, Gottfried
*23.1.1920 in Offenbach. Deutscher Architekt, Sohn von Dominikus Böhm, 1942-47 Studium der Architektur und Bildhauerei in München, ab 1952 im Büro des Vaters, das er nach dessen Tod übernahm. Böhm war 1963-85 Professor an der Technischen Hochschule Aachen. Neben anderen Auszeichnungen erhielt er 1985 die Ehrendoktorwürde der Technischen Universität München und 1986 den amerikanischen Pritzgerpreis. Der Einfluss des Vaters ist in den Innenräumen von Böhms frühen Stahlbetonkirchen noch deutlich spürbar (Pfarrkirche Saarlouis, 1965-66; Pfarrzentrum Krefelder Str. in Köln, 1960-61). Sein berühmtester Sakralbau ist ohne Zweifel die Wallfahrtskirche in Neviges (1962-64), wo unter einer vielfach gebrochenen Sichtbetonhülle ein Kirchenraum von expressiver Eindringlichkeit entstanden ist. Böhm hat mehrfach auf spektakuläre Weise an vorhandene historische Bebauung mit modernen Mitteln angeknüpft (Ausbau der Burgruine Bad Godesberg (Godesburg II, 1956-58; Rathaus in Bensberg I, 1962-64; Diözesanmuseum in Paderborn, 1969-71). Neben Versammlungsbauten (Bürgerhaus in Bergisch-Gladbach, 1977-80; Stadthaus in Rheinberg, 1977-80) und Wohnbauten (sozialer Wohnungsbau in Köln-Chorweiler, 1965-67; Sanierung von Porz-Zürndorf, 1973-80) zählen zu seinem Werk auch grosse Verwaltungsgebäude wie das Hochhaus des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik in Düsseldorf (1969-76) und das Züblin-Haus in Stuttgart (1981-84), wo zwei Bürotrakte aus farbigen Betonfertigteilen mit einer Glashalle von bisher in Deutschland unbekannten Ausmassen verbunden sind. Aus dem Bestreben, jede Bauaufgabe in dem ihr angemessenen Stil und Material zu erfüllen, erklärt sich die Vielfalt im Werk Gottfried Böhms. Gemeinsam ist seinen Bauten neben der sorgfältigen Ausarbeitung der Details eine starke Plastizität und Kleinteiligkeit der Oberfläche.
Böhme, Martin Heinrich
(+ 1725). Schüler und Gehilfe von Schlüter, Andreas. Er erbaute den Creutz-Palais in Berlin (1715), vollendete das Berliner Schloss (Berlin I 1716, errichtete die Schlösser Friedrichsfelde Berlin und Schwedt (1791) sowie den Grützkow-Palais in Berlin (1724).
Bologna, Giovanni da
(auch Giambologna; Bologne, Jean de). *1529 in Douai, + 13.08.1608 in Florenz). Flämisch-italienischer Bildhauer. Hauptvertreter der Plastik des Manierismus. Bereits als Kind wurde er nach Antwerpen von Jacques Dubroeucq in die Lehre gegeben , wo er mit einem italianisierden Stil vertraut wurde. Um 1550 er nach Rom, um sich dem Studium der Antike (vor allem dem der technisch-virtuosen hellenistischen Skulptur, u.a. am Beispiel des sog. Farnesischen Stiers) zu widmen. Auf der Rückreise machte er halt in Florenz, wo er sich mit der Plastik der Frührenaissance und der Skulptur Michelangelos auseinandersetzte. Der Kunstmäzen Bernardo Vecchietti überredete ihn zum Bleiben. 1561 trat er in die Dienste der Medici. Mit seiner Grossplastik in Marmor und Bronze, vor allem aber auch mit seinen ungezählten Kleinbronzen - vielfach posthum nach seinen Zeichnungen von Schülern gefertigt - wurde er zum bedeutendsten Bildhauer der Zeit in Italien und beeindruckte nachhaltig die europäische Skulptur des späten 16. und frühen 17. Jh. Für ihn kennzeichnend ist das bis ins Extrem gesteigerte Prinzip der Fibura serpentinata: schlanke, muskulöse, proportional überlängte akte voll sinnlichem Reiz, in komplizierten spiraligen Körperdrehungen sich hochschraubend, bei Gruppenplastiken kunstvolle Verschränkungen, dabei mit elegant geführten Konturen und einer technisch ingeniösen Bewältigung der oft labilen Statik. Seinen Namen machte er sich mit dem Wettbewerbsmodell eines Neptun (verloren) für einen Monumentalbrunnen der Piazza della Signoria in Florenz. Später, 1563-67, verwirklichte er seine Vorstellungen mit dem Neptunbrunnen in Bologna. Etwa 1560-62 schuf er im Auftrag Francesco de Medici`s die erste seiner grossen Marmorgruppen, "Samson und der Philister" (London, Victoria und Albert Museum). Wahrscheinlich noch in Bologna hatte er auch die früheste Version des bronzenen "Merkur" gefertigt, seine berühmteste Komposition überhaupt (das bekannteste Exemplar in Florenz, Museo Nazionale del Bargello, 1580). Als zweite monumentale Marmorgruppe entstand die politische Allegorie "Florenz triumphiert über Pisa" (Florenz, Museo Nazionale del Bargello), gedacht als Gegenstück zu Michelangelos "Sieger", als dritte der "Raub der Sabinerinnen" für die Loggia dei Lanzi in Florenz (ab 1580). Diese Gruppe ist einer der Höhepunkte seines Schaffens: Drei Figuren verbinden sich zu einer komplizierten Drehkomposition, die von allen Ansichtsseiten neue formale und bedeutungsmässige Aspekte eröffnet - ein Probelm, das auch Michelangelo ständig beschäftigt hatte. Zu den Meisterwerken zählt auch das monumentale bronzene Reiterdenkmal "Cosimo I." auf der Piazza della Signoia in Florenz (mit dem Sockel vollendet 1599), das zum Vorbild vieler fürstlicher Reiterdenkmäler Europas werden sollte. Zum Repertoire seiner Kleinbronzen gehören neben mythologisch-allegorischen Figuren, "Apennin", Kampfszenen mit Löwen u.ä. auch Tierplastiken, vor allem Pferde und Stiere, Vögel als Grottendekoration u.a. Für seine religiösen Sujets, herausragend dabei die Kruzifixe, entwickelte Bologna einen Stil, der bei aller Raffinesse und Eleganz doch die manieriersten Übersteigerungen vermied. Seine Werkstatt lieferte Mitte der neunziger Jahre ein bronzenes Kruzifix für den bayerischen Herzog und ein Ciborium für die Certosa di Galluzzo bei Florenz, einen marmornen "Hl. Matthäus" für den Dom von Orvieto (zwischen 1597 und 1600), etwa gleichzeitig die Bronzefigur des "Hl. Lukas" für Or S. Michele in Florenz, 1601 zwei Bronzeengel und ein Kruzifix für den Dom von Pisa usw. Dieser Werkstatt gehörten Bildhauer wie Pietro Francavilla, Antonio Susini und vor allem Pietro Tacca an. Sie und Schuler wie Adriaen de Vries, Hubert Gerhard, Hans Reichle u.a. verbreiteten Bolognas Stil noch zu seinen Lebzeiten und nach seinem Tod über ganz Europa, zudem schätzte sich fast jeder fürstliche Sammler glücklich, Werke aus Bolognas Hand, speziell Kleinbronzen, oder nach seinen Vorbildern gearbeitete kopien für die Residenzen und Kunstkabinette erwerben zu können.
Bon → Buon, Giovanni di Bertuccio
Bonfigli, Benedetto
* um 1420 in Perugia, + 18.7.1496 in Perugia. Italienischer Freskant und Tafelmaler, der sich an der florentinischen Frührenaissance orietierte. Er war vielleicht Schüler Givanni Boccatis, wurde erstmals 1445 bezüglich eines Votivbildes für S. Pietro in Perugia genannt und arbeitete um 1450 für Papst Nikolaus V. in Rom, wovon sich ebenso wie von den Werken, die Vasari, Giorgio in den "Viten" erwähnt, nichts erhalten hat. 1453 wieder in Perugia, erhielt bonfigli den grossen Auftrag, die Cappella dei Priori
Bonito, Giuseppe
(auch Castellammare, Peppariello). *1.11.1707 in Castellammare, + 19.5.1789 in Neapel. Italienischer Barockmaler. Zunächst als Genremaler und Porträtmaler von seinem Lehrer Francesco Solimena beeinflusste, fand er in seinen religiösen Werken zu eigenem Stil und Erfolg: 1751 wurde er zum Hofmaler König Karls IV. ernannt, 1752 zum Mitglied der Accademia di Belle Arti in Neapel. Zu den früheren Werken des zu seiner Zeit vor allem als Porträtmaler und Genremaler hochgeschätzten Künstlers gehören die Bilder "S
Bono → Buon, Giovanni di Bertuccio
Bono, Bartolomeo di Giovanni
*um 1400 in Venedig, + 1464 (?) in Venedig. Italienischer Bildhauer und Architekt der Übergangszeit von der Spätgotik zur Frührenaissance, Sohn Giovanni Bonos, mit dem er am Umbau der Kirche Madonna dell`Orto, 1422-31 an der Ca` d`Oro, am Barbaro-Palazzo an S. Stefano, 1424 an der Erneuerung der Fassade der Scuola Vecchia della Misericordia, am Altar der Cappella dei Mascoli in S. Marco und im Hospitz der Familie Basegio bei S. Marziale arbeitete. Seit 1426 war Bono mit seinem Vater am Umbau des Dogenpalast Venedig beschäftigt, an dem er die Porta della Carta (ab 1438), eine Statue "Erzengel Michael" und mehrere Säulenkapitelle schuf. ^430 fertigte er das Relief über dem Dürchgang am Campo S. Zaccaria, 1437 das Tympanonrelief für das Portal der Scuola Grande di S. Marco. 1443-49 arbeitete er an der Scuola Grande della Carita, 1445-46 schuf er das Grab des Bartolomeo Morosini in S. Gregorio.
Bonomino, Palolo Vincenzo → Borromino, Paolo Vincenzo
Bonsignori, Francesco
* um 1455/60 in Verona, + 2.7.1519 in Caldiero bei Verona. Italienischer Renaissancemaler in Oberitalien. Nach erster Ausbildung bei seinem in der Malerei dilettierenden Vater kam er in die Werkstatt F. Benaglios; um 148 hielt er sich für kurze Zeit in Venedig auf, seit 1490 war er in Mantua ansässig, wo er für die Gonzagas tätig wurde. Die "Trionfi" für das Jagdschloss Marmirolo sind heute verloren. Bonsignori war zunächst von Alvise Vivarini und von Giovanni Bellini, später von Antonello da Messina und
Bontemps, Pierre
* um 1506, + um 1570. Französischen Bildhauer der Renaissance, arbeitete 1536-40 als Assistent von Primaticcio, Francesco an den Stukkaturen des Schlosses Fontainebleau, 1548-49 unter Philibert Delorme am Grabmal für Franz I. in St-Denis, an dem ihm die marmornen Reliefdarstellungen der Schlacht von Cerisoles und die aller Sockel zugeschrieben wurden, ebenso die Plastiken "Franz I." und "Claude de France", die Statuen "Dauphin Francois" und "Charles d`Orleans". Beeinflusst vom zeitgenössis
Boos, Roman Anton
*28.2.1733 (?) in Bischofswang bei Füssen, + 19.12.1810 in München. Deutscher Bildhauer, dessen Werk vom Spätbarock über den sog. Zopfstil (Rokoko) zum frühen Klassizismus führte, Mitgründer und Professer der Kunstakademie München. Boos lernte zuerst bei Anton Sturm in Füssen, später bei Johann Baptist Straub in München und studierte schliesslich 1763-64 an der Kunstakademie in Wien. 1766 fertigte er die überlebensgrossen Holzstatuen "Ludwig der Strenge" und "Ludwig der Bayer" am Chorbogen der ehemalige
Bor, Paulus
(auch Orlando). *um 1600 in Amersfoort, + 10.8.1669 in Amersfoort. Niederländerischer Maler, schuf Stilleben, Bildnisse, mythologische und religiöse Szenen, ging nach Rom und wurde dort Mitglied der Malervereinigung. Wieder zu Hause in Amersfoort, malte er 1628 die Familie van Vanevelt für das Spital St. Pietersgasthuis und Blocklandgasthuis. 1638 arbeitete er an der jetzt zerstörten Dekorationim Schloss Honselaersijk des Prinzen Frederik hendrik. Zu seinen Werken zählen ausserdem "Het Spaens Heydinne
Boreas
(röm. Aquilo). Sohn des Astraios (Vater der Winde) und der Eos (Morgenröte, Aurora). In Thrakien beheimateter Gott des Nordwindes. In Athen wurden zu seinen Ehren Feste veranstaltet (die Athener schrieben ihm den Sieg über die persische Flotte im Jahr 480 v. Chr. zu). Vielfach erscheint Boreas als alter weisshaariger Mann mit Flügeln, der die junge Oreithyia fest in den Armen hält und sich mit ihr in die Lüfte erhebt.
Borromini, Francesco
(eigentlich Castelli, Francesco, 1599-1667). Genialer, eigenwilliger römischer Architekt des Hochbarock und eifersüchtiger Rivale des um ein Jahr älteren Bernini, Gianlorenzo. Borromini war ein spätreifer Künstler, einsam, gehemmt und überempfindlich; er endete möglicherweise durch Selbstmord. Der Sohn eines Maurers aus Bissone am Luganer See begann seine Laufbahn bescheiden als Steinmetz und ging als Zwanzigjähriger nach Rom, wo er sein weiteres Leben verbrachte. Maderno, Carlo, ein entfernter Verwandter, verschaffte ihm eine Anstellung als Steinmetz beim Bau der Peterskirche, wo er hauptsächlich dekorative Putten, Festons u.ä. arbeitete. Nach dem Tode von Maderno, Carlo behielt er seine Stellung auch unter Bernini, Gianlorenzo bei, dessen wichtigster Mitarbeiter er später wurde und dem er gelegentlich bei den Entwürfen für St. Peter und den Barberini-Palazzo half. Das Verhältnis zwischen den beiden Künstlern war allerdings meist gespannt; den ausgezeichneten Handwerker Borromini ärgerte Berninis (Bernini, Gianlorenzo) praktisches Ungeschick und dessen Erfolge schmerzten ihn. Sie trennten sich für immer, als Borromini 1634 mit dem Auftrag für S. Carlo alle Quattro Fontane seine grosse Chance erhielt. S. Carlo (1638-41) ist trotz seines geringen Ausmasses eine der genialsten Raumkompositionen, die je geschaffen wurden, und offenbart Borrominis künstlerische Meisterschaft und revolutionäre Verachtung der Tradition. Der durch die wabenförmige Kuppel noch betonte ovale Grundriss beruht auf geometrischen Einheiten (gleichseitigen Dreiecken), aber Rhythmus und plastische Wirkung der aus- und einschwingenden Wände und der ruhelosen verschlungenen Schmuckelemente erzeugen einen fast erregenden Sinnenreiz. Die konkav-konvex-konkav gestaltete Fassade wurde 1665 hinzugefügt. Auf S. Carlo folgte rasch S. Ivo della Sapienza (1642-60). Borrominis System, den Grundrissen Dreiecke zugrunde zu legen, ergab hier ein sternförmiges Sechseck, dem er im Aufriss dynamische Wirkung verlieh. Die Kuppel gipfelt in einer ausgefallenen, an die Zikkurat erinnernden Spiralform. Borrominis Stil fand in S. Ivo seinen Höhepunkt. Spätere Bauwerke sind entweder unvollendet oder durch die Tatsache, das Borromini öfter ältere Pläne übernehmen musste, beeinträchtigt. Unvollendet blieb z.B. S. Maria dei Sette Dolori (1642-47), die Neugestaltung des Innenraumes von S. Giovanni in Laterano (1646-49), dessen geplante Einwölbung noch Immer aussteht, und S. Andrea delle Fratte (1653-65), deren Kuppel immer noch die Laterne fehlt, obwohl der Tambour und der dreistöckige Glockenturm auch S. Ivo noch an Phantasie übertreffen. Den von C. Rainaldi begonnene Bau der Kirche S. Agnese auf der Piazza Navona führte Borromini ab 1653 weiter. Er verwandelte dabei den Innenraum durch scheinbar geringfügige Änderungen und entwarf eine neue, konkav geschwungene Fassade. Die dramatische Gruppierung von Kuppel über hohem Tambour und eleganten Türmen daneben ist geglückt und sehr charakteristisch für ihn, jedoch wurde ihme der Auftrag vor Vollendung der Kirche wieder entzogen. Das Oratorio dei Filippini (1637-50) erhielt eine Fassade, die einen Doppelzweck erfüllt: sie fasst Kapellen und Klostergebäude zu einer räumlichen Einheit zusammen. Hier wurde die Entfaltung seiner Kunst durch die ungünstige Lage des Klosters behindert. Im Profanbau boten sich ihm nur Teilaufgaben, die er aber grossartig zu lösen wusste: die Trompe-l´oeil-Kolonnade im Spada-Palazzo, die dem Tiber zugewandte Front und Liggia des Falconieri-Palazzo, der grossartige "salone" im Pamphili-Palazzo, die Bibliothek der Sapienza, die Vorbild vieler grosser Bibliotheken des 18. Jh.s. wurde. Borromini lösste sich immer mehr von den Konventionen: sein letzter Bau, das Collegio di Propaganda Fide (1646-66), zeigt einen erstaunlichen Stilwandel, eine Tendenz zu Monumentalität und schmuckloser Strenge: z.B. sind die Kapitelle auf wenige Linien reduziert. Die schwere, alptraumartige Fassade in der Via di Propaganda ähnelt keinem seiner früheren Werke. - Borromini wurde zu seinen Lebzeiten der Vorwurf gemacht, die Grundlagen der Baukunst angegriffen zu haben, und er übte, abgesehen von einer rein oberflächlichen Nachahmung seiner Ornamentik, in Italien wenig unmittelbaren Einfluss aus (Seine revolutionären Raumvorstellungen wurden erst später in Mitteleuropa voll erkannt.) Sein Stil war zu persönlich und zu exzentrisch, vor allem in der Verbindung gotischer und manieristischer bzw. barocker Elemente. Seine Neigung für die Gotik stellten bereits Kritiker seiner Zeit, wie Baldinucci, fest. Sie ging in der Tat über die blosse Vorliebe für Details mittelalterlichen Ursprungs hinaus; sein geometrisches Grundrisssystem und seine Betonung des dynamischen Konstruktionsgerüsts brachten ihn in der Nähe gotischer Bauprinzipien. Dennoch entspringt seine Fähigkeit, Architektur und Skulptur miteinander zu verbinden und Raum und Massen gleichsam zu modellieren, durchaus der italienischen Tradition, deren Mass stets der Mensch war.
Borromini, Paolo Vincenzo → Borromino, Paolo Vincenzo
Borromino, Paolo Vincenzo
(auch Borromini, eigentl. Bonomino). * 1756 in Bergamo, + 17.4.1839 in Bergamo. Oberitalienischer Maler, der besonders durch seine "Capricci mabcabri" bekannt wurde. Er wurde von seinem Vater Paolo Bonomino ausgebildet, der wiederum Schüler von Giuseppe Ghhislandis war. Im Werk Borrominos treffen sich in merkwürderiger Weise Einflüsse von Tiepolo, Giovanni Domenico, Appiani, Andrea und Goya, Francisco de. Zwar bevorzugte der Maler traditionelle Genrethemen, bildete die Figuren jedoch als Skelette, die er
Bossert, Helmuth Theodor
Am 11.9.1889 in Landau/Pfalz geboren. Er studierte Kunstgeschichte, Archäologie, Germanistik und mittelalterliche Geschichte und wurde Privatdozent. Er nahm am Ersten Weltkrieg teil, zuletzt als Offizier, und begann nach Kriegsende eine Lehre im renommierten Kunstverlag Ernst Wasmuth in Tübingen. Hier verfasste er Werke zur Geschichte der Fotografie, zur Kunst des Mittelalters und zur Volkskunst. Nebenbei beschäftigte er sich mit Keilschriften und Hieroglyphen und vervollkommnete sein Wissen im Berliner Gelehrtenkreis um die Assyriologen E.F. Weidner und B. Meissner. 1934 erhielt Bossert den Lehrstuhl für Sprachen und Kultur des Nahen Ostens an der Universität Istanbul und wurde gleichzeitig Direktor des Instituts für die Erforschung dieses Bereiches. Er nahm die türkische Staatsangehörigkeit an, leitete zahlreiche Ausgrabungen in Anatolien und konzentrierte seine Forschungen auf die bis dahin noch unentzifferten hethitischen Hieroglyphen. 1946 wies ihn ein türkischer Lehrer auf Inschriftensteine auf dem Karatepe I, einem Bergrücken in der südöstlichen Türkei, hin. 1947 begann er, gemeinsam mit den türkischen Archäologen B. Alkim und H. Cambel, dort die Ruinen einer späthethitischen Stadt auszugraben und fand dabei eine phönikisch-hethitische Bilingue, die ihm die weitgehende Entzifferung der hethitischen Hieroglyphen und die Erforschung der hethitischen Sprache ermöglichte. Bossert starb am 5.2.1961 in Istanbul
Bossi, Ludovico
(* 1.9.1731 Porto Ceresio † nach 1772), Stuckateur. Bossi wurde 1762 zum „Principal Stukkateur“ und 1768 zum Mitglied der Residenzbaudeputation in Stuttgart ernannt. Er arbeitete unter Brilli am Ludwigsburger (Ludwigsburg Krs. Ludwigsburg) und am Neuen Stuttgarter Schloss (Stuttgart II), übernahm 1763 Arbeiten am späteren Schloss Monrepos Ludwigsburg und stuckierte 1764 Vestibül und Treppenhaus im Würzburger Schloss (Würzburg I). 1766 kehrte Bossi in württembergische Dienste zurück, die er 1771 wieder verliess. Zwischen 1770 und 1772 war er in St. Blasien und am Sickingen-Palais in Freiburg im Breisgau tätig.
Botta, Paul-Emile
Am 6.12.1802 als Sohn des italienischen Politikers und Historikers C. Botta in Turin geboren. Nach dem Medizinstudium unternahm er 1826-29 eine Weltreise und stand danach einige Zeit als Arzt in den Diensten des ägyptischen Königs Mehmed Ali. 1842 ging Botta als Konsul nach Mosul (Irak), um die untergegangenen assyrischen Städte zu suchen, die man bis dahin nur aus Keilschrifttexten und aus Hinweisen der Bibel kannte. Noch im selben Jahr begann er mit ersten Ausgrabungen auf dem Kujundschik am Ostufer des Tigris gegenüber Mosul. Botta suchte altorientalische Kunstwerke, fand aber "nur" Tonziegel mit Keilinschriften und einige Reliefbruchstücke, mit denen er nichts anzufangen wusste. Er ahnte nicht, dass er im Gebiet des alten Ninive gegraben hatte. Ein Hinweis Einheimischer führte ihn bald darauf in das Dorf Khorsabad, wo er im März 1843 zu graben begann. Trotz grösster Widerstände von Seiten der türkischen Verwaltung konnte Botta in kurzer Zeit den Palast des assyrischen Königs Sargon II. (Sargon-II.-Palast Maganouba) freilegen und grossartige Wandreliefs, mächtige Flügelskulpturen und eine grosse Anzahl Keilschrifttafeln nach Paris schaffen. Der Louvre war das erste Museum, das assyrische Altertümer der Öffentlichkeit vorstellte. Botta irrte aber, als er annahm, in den Ruinen von Khorsabad das alte Ninive enteckt zu haben. Khorsaba war in Wirklichkeit die von Sargon II. Ende des 8. Jh. v. Chr. gegründete Hauptstadt Dur Scharrukin des neuassyrischen Reiches. Doch gerade sein Irrtum veranlasste die französische Regieung, ihm weitere Ausgrabungen zu finanzieren. Der Kunstmaler E.N. Flandin zeichnete die ausgegrabenen Relikte an Ort und Stelle. So wurden zahlreiche Kunstwerke überliefert, die inzwischen zerstört bzw. auf dem Abtransport verlorengegangen sind. 1845 erhielt Botta das Kreuz der Ehrenlegion. 1847 wurde er Generalkonsul in Jerusalem und widmete seine Arbeit fortan den assyrischen Keilschrifttexten. 1857-1870 wirkte Botta als Generalkonsul in Tripolis. Er starb am 29.3.1870 in Acheres bei Poissy (Frankreich).
Botticelli, Sandro
* 1.3.1445 in Florenz, + 17.5.1510 in Florenz. Italienischer Maler, der mit seinen allegorisch-mythologischen Bildern zu den herausragenden Künstlern der italienischen Renaissance zu rechnen ist. Der als kränklich bezeichnete Sohn eines Gerbers lebte zunächst im Haus seines älteren Bruders, eines Maklers, der wegen seiner Leibesfülle "botticelli", das Tönnchen, genannt wurde (daher der Beiname des Malers). Er war sodann möglicherweise bei einem anderen Bruder, der Goldschmied war, in der Lehre, ehe er geg
Bouchardon, Edmé
* 29.5.1698 in Chaumont-en-Bassigny (Haute-Marne), + 27.7.1762 in Paris. Französischer Bildhauer, war ab 1722 Schüler von Guillaume Coustous d.J. in Paris und ging, nachdem er den ersten Preis für Skulptur an der Akademie gewonnen hatte, 1723-32 nach Rom. In dieser Zeit entstanden neben einer Kopie des sog. Barberinischen Fauns (1726-30, Paris, Musée National du Louvre) vor allem marmorne Porträtbüsten, u.a. von "Papst Clemens XII. in Anlehnung an Vorbilder Giovanni Lorenzo Berninis (1731, {Corsini-Palazz
Boucher, Francois
* 29.9.1703 in Paris, + 30.5.1770 in Paris. Französischer Maler und Stecher, einer der erfolgreichsten Künstler des französischen Rokoko, der durch die besondere Protektion der Marquise de Pompadour am Hof Ludwigs XV. reüssierte. Boucher wurde von seinem Vater Nicolaus Boucher, einem Entwurfszeichner für Stickmuster und Ornamente, etwa 1720 geschickt. Nach eigener Aussage blieb er jedoch nur drei Monate bei Lemoyne. Es folgte eine Tätigkeit in der Werkstatt des Kupferstechers Jean Francois Cars, dessen Sohn Laurent viele Gemälde Bouchers nachgestochen hat. Bereits 1723 erhielt er den Grand Prix de Rome von der Akademie für ein Gemälde biblischen Inhalts. Er ging jedoch erst 1727 nach Italien und kam 1728 nach Rom. 1731, nach seiner Rückkehr nach Paris, begann seine Karriere an der Akademie: Er wurde als Historienmaler aufgenommen. Im Jahr 1734 wurde er aufgrund seines Gemäldes "Rinaldo und Armida" (Paris, Musée National du Louvre) Mitglied, 1737 Professor, 1761 Rektor und 1765 Direktor der Akademie. Von der königlichen Manufaktur in Beauvais erhielt er unter der Direktion Jean-Baptiste Oudrys zahlreiche Aufträge für Bildteppichentwürfe. Nach dem Tod Oudrys wurde er 1755 Direktor der Königlichen Gobelin-Manufaktur Paris. 1765 wurde er als Nachfolger von Carle van Loo zum Premier Peintre du Roi ernannt. Von Anfang an erhielt Boucher Aufträge vom Königlichen Hof. Bereits 1734 malte er vier Sopraporten für das Zimmer der Königin in Versailles; 1753 freskierte er den Salle du Conseil im Schloss Fontainebleau - eines der wenigen erhaltenen Beispiele für Bouchers Freskomalerei. Er malte für die Repräsentanten der Aristokratie und Plutokratie, z.B. mythologische und pastorale Szenen (Sopraporten) für das Soubise-Hotel. Unter seinen Bewunderern ragt Madame de Pompadour hervor. Sie und ihr Bruder, der Marquis de Marigny, protegierten Boucher. Er porträtierte sie mehrfach, schuf Dekorationen für sie (Schloss Bellevue Meudon, Arsenal-Hotel in Paris und gab der künstlerisch talentierten Mätresse des Königs Zeichenunterricht. Bouchers Schaffen ist ausserordenlich umfangreich und vielseitig. Er malte Ölbilder, Tafelbilder, Kaminstücke sowie Fresken in den königlichen Schlössern und Adelspalais. Er zeichnete Kartons für Bildteppiche, schuf Entwürfe für Theaterdekorationen, für Porzellanfiguren (Sèvres) und andere kunstgewerbliche Produkte. Dazu übte er die verschiedenen Stichtechniken aus, und zwar sowohl als Reproduktionsstecher - besonders in der Frühzeit - wie auch als Malerstecher (Peintre-graveur). Er war an der technischen Entwicklung der Aquitania und der Crayonmanier zur getreuen Nachbildung von Zeichnungen beteiligt. Ausserdem hat Boucher Tausende von erstrangigen Handzeichnungen hinterlassen, in Rötel, Pastellkreide und Tusche. Seine Zeichnungen stehen - häufig weiß gehöht - auf farbigen Papieren. Für die Entwicklung seines Stils war das Studium der römischen Malerei grundlegend, besonders beeinflusst wurde er von den Carracci, von Francesco Albani, Guercino, Giovanni Lanfranco, Pietro da Cortona und Carlo Maratta. Grossen Einfluss übte das Werk Correggios, des Hauptmeisters der Schule von Parma, und vor allem das des Venezianers Giovanni Battista Tiepolo auf ihn aus. Sein Lehrer Lemoyne wirkte vor allem bestimmend auf die Gestaltung der mythologischen Historienbilder ein, der damals höchstgeschätzten Bildgattung. Mit der subtilen Kunst Antoine Watteaus setzte sich Boucher 1725 auseinander. Anlass war ein Auftrag M. de Juliennes, Zeichungen Watteaus für die "Figures de differents caracteres" nachzustechen. Aus Watteaus Dekorationsentwürfen, den "Arabesken", und aus den "Fetes gallantes"-Bildern schöpfte Boucher Thematik und Motive zu seinen zahlreichen Gemälden pastoralen Inhalts. Auch die Stiche nach Abraham Bloemaert im "Livre d`etude" beeinflussten ihn; von dem Niederländer stammen viele seiner Landschaftsmotive. Voraussetzung für die Darstellung des nackten weiblichen Körpers war seine Beschäftigung mit dem Werk Peter Paul Rubens´. Das in den zwanziger und dreissiger jahren des 18. Jh. entstandene Werk Bouchers ist vor allem durch Hermann Voss analysiert worden; er charakterisiert den frühen , sich an Vorbildern schulenden Stil im Vergleich zum reifen Stil der vierziger bis sechziger Jahre als kraftvoll und bemerkt bei den idealisierten Landschaften und figürlichen Staffagen noch echte Wirklichkeitsbezüge und eine gewisse Naturtreue. Beispiele hierfür sind eine "Landschaft mit Ruinen", signiert und datiert 1734 (Privatsammlung) und eine "Pastorale Landschaft" (London, Sammlung F. Koetser). 1734 schuf Boucher auch 33 Zeichnungen zu Molieres Komödien; die von Cars gestochenen Illustrationen zeigten den Einfluss Watteuas. 1735 gab er seine erste Folge "Types de la rue et des cris de Paris" aktuelle Genredarstellungen, heraus. Die 1737 von Ludwig XV. für Fontainebleau bestellten Bilder "Freuden des Landlebens" und "Das Nest" (beide Paris, Musée National du Louvre) stehen am Beginn der mittleren, reifen Schaffensperiode. Grundthema der beiden Bilder und einer weiteren, grossen Anzahl pastoraler Darstellungen ist das galant-erotische Schäferspiel. Jugendliche Schäfer machen mädchenhaften Schäferinnen anmutig tändelnd den Hof. Sie reichen Blumen - oft auch Früchte - bzw. ein Nest - vielfach mit Brieftauben - spielerisch dar. Schafe gesellen sich als "moutons chéris" am Seidenband hinzu. Ein abgeschiedener, kulissenartig aus überwachsenen antiken Architekturfragmenten gebildeter Winkel in einer verwilderten, parkähnlichen Landschaft ist der Bildschauplatz. Schäferkostüm und Schäferrequisiten sind dem zeitgenössischen Theater und den höfischen Maskeraden entlehnt. Bezeichnende Motive, wie der bewachte Schlaf, der Musikunterricht (lecon agréable) oder der heimliche Beobachter, variieren das pastorale Thema, das öfters mit der allegorischen Darstellung der vier Jahreszeiten verbunden ist. Die jugendliche Anmut der Figuren, die preziöse Grazie der Posen, die Delikatesse der kunstvoll arrangierten Dinge und das Raffinement der Farbenwahl bestimmen den Bildcharakter. Die mythologische Thematik stellt sich bei Boucher ganz im Sinne des Rokoko dar: Venus und Diana mit ihren Nymphen, Amor und die Armoretten; nicht die heroischen Taten, sondern die galanten Liebesabenteuer der Götter sind Bildgegenstand. Die "Götterliebschaften" nach Ovids Metamorphosen und die "Geschichte der Psyche" nach Apuleius sind Themen zweier Teppichserien, die nach Kartons von Boucher in Beauvais hergestellt wurden. Bouchers dekorative Gestaltungsweise kommt in diesem Medium angemessen zur Geltung. Der "Triumph der Venus" von 1740 (Stockholm, Nationalmuseum) ist ein Hauptwerk des französischen Rokoko. Hans Sedlmayer schreibt: "Die Zentralgestalt des "style rocaille" aber ist Venus, Venus angenähert dem Nymphenideal der Najaden. Boucher malt ihren Triumph - ihre Attribute: Fels und Muschel, Koralle und Schilf, Wasser, Schaum und Welle, bilden das Arsenal der Rocaille-Ornamentik - ihr Element, das Wasser, bestimmt das Flüssige der Bildungen - seine Bewegungsform, die Welle, das Gesetz der umschlagenden Bewegung - seine Farbe, das tiefe, kühle Meerblau und Schaumweiss, stiften zusammen mit dem Rosigen des Muschelinneren und dem Changieren des Perlmutter einen typischen Farbakkord des Rokoko...". Weitere Meisterwerke sind der "Raub der Europa" (Paris, Musée National du Louvre) und "Leda und der Schwan" (1741, Stockholm, Nationalmuseum). Unter den vielen Diana-Bildern ragen "Diana im Bad" (1742, Paris, Musée National du Louvre) und "Diana nach der Jagd" (1745, Paris, Musée Cognacq-Jay) hervor. In dem Gemälde "Toilette der Venus" (1751, New York, Metropolitan Museum of Art) ist die Göttin in einem boudoirähnlichen Ambiente dargestellt. Die Darstellung ist dem Bild "Ruhendes Mädchen" (1752, München, Alte Pinakothek) vergleichbar. Es finden sich die gleichen erlesenen, die Sinne anregenden Dinge: Schleier, Rose, Räuchergefäss. Der erotische Charakter des Münchener Bildes und seiner verschiedenen Varianten bildet einen deutlichen Unterschied zu der Darstellung der Göttin. Für die weiblichen Figuren standen Bouchers Frau, Marie-jeanne Buseau, selbst eine talentierte Malerin, und Louise O`Murphy, die junge Favoritin des Königs, Modell. Er gestaltete Boudoirszenen mit genreähnlichem Charakter, wie die "Modehändlerin" von 1746 (Stockholm, Nationalmuseum). Das Bild zeigt eine vornehme Dame am Friseurtisch, die eine Modehändlerin empfängt; allegorisch ist dies die Darstellung einer Tageszeit, des Morgens. Bezeichnend ist, welch geringe Rolle die szenische Handlung bei Boucher spielt. Wichtig sind die einzelnen Dinge, die Spitzen und Bänder, Draperien und Toilettenartikel, und die Figuren in anmutiger Pose. Ein früheres Bild ähnlicher Art, "Das Frühstück" (1739, Paris, Musée National du Louvre), der Handlungen oder Gebärden in verschiedene - widersprüchliche - Richtungen. Das hochgeschätzte Genre des höfischen Porträts hat Boucher wenig gepflegt, nur die Porträts der Marquise de Pompadur sind bedeutungsvoll, wie das Londoner Bildnis der Wallace Collection von 1759. Ausserdem hat er Landschaftsbilder gemalt. Die Reisen zwischen Paris und Beauvais mögen dazu Anregungen gegeben haben, doch zeigen die Bilder keine realistischen Züge, sie haben vielmehr Verwandtschaft mit Bouchers Bühnenbildern. Die kulissenhaft-kunstvolle Komposition, die effektvolle, aber kaum natürliche Beleuchtung und die malerische, die verschiedene Stofflichkeit nicht charakterisierende Wiedergabe von Pflanzen, von Erde oder Stein stimmen mit ihnen überein, dies zeigt ein Vergleich der "Landschaft mit der Mühle" (1753, Orleans, Musée des Beaux-Arts) mit der Bühnenskizze für die Oper "Issé", 1742 im Salon ausgestellt (Amiens, Musée de Picardie). Die im Rokoko so beliebten Chinoserien waren ebenfalls ein Sujet Bouchers. Die letzten Schaffensjahre Bouchers waren nicht mehr erfolgreich. Seine Gemälde liessen qualitativ nach. Denis Diderot führte eine erbitterte Kampagne gegen Boucher; der herrschende Geschmack wandelte sich in diesen Jahren vollkommen. In den moralisierenden Kritiken Diderots und Friedirch Melchior Grimms kommt deutlich die Abkehr vom Rokoko, das als gekünstelt und verdorben empfunden wurde, zum Ausdruck.
Boullée, Etienne-Louis
* 12.2.1728 in Paris, + 6.2.1799 in Paris. Französischer Architekt, Lehrer und Theoretiker der Revolutionsarchitektur, einer der bedeutendsten Architekten des 18. Jh.. Nach einer Ausbildung als Maler studierte er Architektur u.a. bei Francois Blondel. Nach einer Periode konventioneller Entwürfe im Zeitgeschmack des Manierismus brachte sein Brunoy-Hotel an den Champs-Elysees 1779 stilistisch eine Wende. 1762 wurde Boullée Mitglied der Académie Royale d`Architecture und widmete sich verstärkt der Theorie und Lehre. Eine nachhaltige Wirkung und bleibende Bedeutung erlangte er jedoch in seinen letzten Lebensjahren mit monumentalen architektonischen Kompositionen aus reinen stereometrischen Körpern und abweisend ungegliederten Wandflächen, kontrastiert nur von endlosen Kolonnaden oder Zypressenreihen. Boullée beeinflusste mit diesen Entwürfen und deren malerisch perfekt eingefangenen atmosphärischen Stimmungen (im Geiste der Frühromantik) nicht nur seine Schüler, sondern weithin auch die Entwicklung des Klassizismus über Frankreichs Grenzen hinaus. Dabei fällt ihm das Primat zu, in der Architektur als erster mit dem Newton-Konotaph 1784 die Kugelidee formuliert zu haben. Boullée hat in diesen Entwürfen, die als Illustration zu seinem Essay über Architektur gedacht waren, das aufgeklärte und revolutionäre Gedankengut seiner Zeit architektonisch zum Ausdruck gebracht. Dabei muss sein Grössenanspruch (oft als Megalomanie missdeutet) als architektonischer Versuch gewertet werden, mit der neuen Erkenntnis der Unermesslichkeitdes Weltalls fertigzuwerden - die Massstablosikkeit ist somit nicht politisch, sonder kosmologisch begründet.
Boullongne, Bon d.Ä.
* 22.2.1649 in Paris, + 17.5.1717 in Paris. Französischer Maler. Sohn von Boullongne, Louis d.Ä. Schon in jungen Jahren hielt er sich in Rom und der Lombardei auf, wo er Einflüsse der Carraci, Correggios und der Bologneser Maler aufnahm. Nach Paris zurückgekehrt, wurde er 1677 mit dem Bild "Herkules im Kampf gegen die Kentauren" (Pairs, Musée National du Louvre) in die Akademie aufgenommen und war ab 1692 Professor. Sein Hauptwerk sind die unter der Leitung von Charles Le Brun 1702 entstandenen Ausgestaltun
Boullongne, Louis d.Ä.
* 1609 in Paris, + 13.6.1674 in Paris. Französischer Maler. Vater von Boullongne, Bon d.Ä.. Schüler von Jacques Blanchard und Freund von Sebastien Bourdons. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der 1648 eingerichteten Académie und war ab 1656 Professor. Malerisch gehörte er zu den Klassizisten, die versuchten, die Errungenschaften von Simon Vouet und von Nicolas Poussin der Tradition zu integrieren; dies veranschaulicht auch das 1646 für Notre-Dame gemalte Bild "Die Kinder des Oberpriesters Sceva" (Pari
Boullongne, Louis d.J.
* 19.11.1654 in Paris, + 21.11.1733 in Paris. Französischer Maler zwischen Barock und Klassizismus, ein Sohn von Boullongne, Louis d.Ä.. Schon 1671 erhielt er mit dem Bild "Der König gibt Europa den Frieden" den zweiten Preis des Salons und stieg zum Direktor der Akademie (1722) und zum Ersten Hofmaler (1725) auf. Im Auftrag der Königlichen Gobelinmanufaktur kopierte er Gemälde von Raffael in Rom, Venedig und in der Lombardei. Die ihm so ermöglichten Studien und unmittelbaren Eindrücke führten ihn zu
Boumann, Johann
* 1706 in Amsterdam, + 6.9.1776 in Berlin. Deutsch-niederländischer Architekt des friderizianischen Spätbarock. Er wurde 1732 nach Potsdam gerufen, nachdem König Friedrich Wilhelm I. eine Garnison hierher verlegte und, dadurch bedingt, eine Stadterweiterung erforderlich war. Für die Planung diese Holländischen Viertels wurde der Niederländer 1732-40 herangezogen. In seiner Stellung als königlich-preussischer Baubeamter oblag ihm die Aufsicht über die bedeutendsten königlichen Bauten. So war er vor allem an der Ausführung des Schlosses von Sanssouci von 1745-47 beteiligt. Dann baute er das Stadtschloss von Potsdam III nach 1751 sowie den Prinz-Heinrich-Palais in Berlin von 1748-66. Der Palast König Friedrichs II. in Breslau II, erbaut zwischen 1750 und 1751, ist charakteristisch für seinen Stil. Im Aussenbau äusserst karg an Architekturelementen, setzt sich im Inneren eine wenn auch sehr sparsame Rokokodekoration durch. In ihrer grossen Schlichtheit und sparsamen Verwendung von Dekor verweisen Boumanns Bauten auf den kommenden Klassizismus. Kurz vor seinem Tod wurde er zum Oberbaudirektor ernannt.
Bourdichon, Jean
* um 1457 in Tours oder im Bourbonnais, + 29.7.1521 in Tours. Französischer Maler zwischen Spätgotik und Renaissance. Architekt, vor allem als Buchmaler fassbar. Bourdichon wurde wahrscheinlich in Tours, möglicherweise in der Werkstatt Jean Fouquets, ausgebildet. Hofmaler Ludwigs XI., Karls XIII. und Ludwigs XII., arbeitete er auch als entwerfender Architekt und fertigte Entwürfe für Münzen und Dekorationen. Noch unter Franz I. war er als Porträtist tätig und besorgte die Ausstattung eines Feldlagers. Unter den illuminierten Prachthandschriften ist "Das grosse Stundenbuch der Anne de Bretagne" (Paris, Bibiotheque Nationale) am bekanntesten. Die Handschrift, die um 1505-07 entstand, kennzeichnet den Maler als eine Persönlichkeit, die im Zeichen der Renaissance noch weitgehend dem Denken und der Form des Mittelalters verpflichtet ist, und stellt zugleich einen wichtigen Hinweis auf die Macht des Gattungsstils dar: In der Buchmalerei, die in dieser Zeit keine Zukunft mehr hatte, scheint die Tradition der älteren Form bereits Bestandteil des Auftrags zu sein. von bewunderswerter Präzison sind Randleisten mit Blumen und Insekten, in denen sich die neue Anschauung der äusseren Natur Ausdruck verschafft und die einen Platz in der Geschichte der naturwissenschaftlichen Illustration beanspruchen. Dem Illuminator Bourdichon ist eine ganze Reihe von Stundenbüchern zugeschrieben worden: Innsbruck, Universitätsbibliothek; London, Sammlung J. Rothschild; New York, Pierpont Morgan Library; Modena, Biblioteca Estense. In der Bibliotheque Nationale in Paris werden aufbewahrt: Stundenbuch Friedrichs von Aragon; Stundenbuch Karls VIII.; Stundenbuch mit Porträt; das Missale von Tours. Als Maler von Tafeln ist Bourdichon nur stilkritisch greifbar; man neigt dazu, ihm manches aus dem Werk des Meisters von Moulins zuzuweisen. Als gesichert gilt die Zuschreibung eines Triptychos in der Galleria Nazionale in Neapel (Galleria Nazionale Di Capodimonte); auf der zentralen Innentafel ist "Maria mit dem Kinde", auf den Flügeln links "Johannes d.T.", rechts "Johannes d.E.", im rundbogigen Aufsatz eine Kreuzigung darstellt. Möglicherweise von seiner Hand sind die Porträts des "Dauphin Charles-Orland" (Paris, Musée National du Louvre) und das Mittelbild des Triptychons der Kathedrale in Moulins.
Bourdon, Sebastien
* 2.2.1616 in Montpellier, + 8.5.1671 in Paris. Französischer Maler, der sich während seines Aufenthalts in Rom zwischen 1635 und 1637 (den er möglicherweise abbrach, weil er sich als Hugenotte verfolgt fühlte) als routinierter Nachahmer aller gängigen Stilarten erwies. Er malte ebenso Landschaften in der Art Claude Lorrains wie auch Bambocciaden, Historienbilder und religiöse Gemälde. Nach Frankreich zurückgekehrt, schuf er im Auftrag der Zunft der Goldschmiede 1643 eine "Kreuzigung des Hl. Petrus" für
Boutaca, Diego → Boytac, Diego
Bover, Ossip Iwanowitsch → Beauvais, Ossip Iwanowitsch
Boy, Adolf
* 1612 in Danzig (heute Gdansk), + 1680 in Danzig. Polnischer Maler und Dekorateur, war ab 1626 bei Bartholomäus Miltwitz in der Lehre und wurde 1636 Meister. Er war Historiograf und Sekretär des Königs Wladislaw IV. von Polen, wobei es seine Aufgabe war, die Bildnisse des Königshauses zu malen, und Stadtmaler und Stadtdekorateur von Danzig, wo er neben Porträts der Ratsherren und der Ausschmückung der Stadtchronik auf einen "Prospekt der Stadt Danzig" ausführte (1680, Gdansk, Glownego Miasta w Gadnsk
Boytac, Diogo
(auch Boitac, Boutaca). * vor 1490, + 1525 (?) in Batalha. Französisch-portugiesischer Architekt aus dem Languedoc. Einer der bedeutendsten Baumeister des Emanuelstils. Boytacs Architektursprache greift auf gotische Formen zurück und verbindet sie zukunftsweisend mit denen der Renaissance. 1492 errichtete er die Grundmauern der Jesús-Kirche in Setúbal, der ersten Kirche im Emanuelstil. Boytac war an den hervorragendsten Bauaufgaben des Hofes beteiligt. 1507 arbeitete er am Kloster S. Cruz in Coimbra, zwischen 1509 und 1519 war er mehrmals am spätgotischen Kloster Batalha beschäftigt. Seine dortigen Arbeiten am sog. Königlichen Kreuzgang sind als gesichert anzusehen. Das Hieronymitenkloster Belém bei Lissabon, wo er ab 1514 arbeitete, gilt als Meisterwerk des emanuelischen Stils und verbindet bautechnisches Können mit einem geradezu wuchernden Bauschmuck im Renaissancestil. Zwischenzeitlich hatte er wohl die Bauaufsicht über königliche Kirchen und Festungen in Afrika. 1516 kehrte er nach Batalha zurück und liess sich dort endgültig nieder.
Bramante, Donato
(eigentlich Donato di Pascuccio d`Antonio, 1444-1514). Der erste grosse Architekt der Hochrenaissance; stand anfangs im Schatten von Alberti (Alberti, Leon Battista) und Michelozzo und wurde von Leonardo da Vinci, dessen Vorliebe für den Zentralbau er übernahm, stark beeinflusst. In Rom entwickelte Bramante einen klassischen Stil von grossartiger Monumentalität, der eine tiefe und nachhaltige Wirkung auf die weitere Entwicklung der italienischen Architektur ausüben sollte. Palladio, Andrea erklärte: "Er war der erste, der gute Architektur ans Licht brachte". Bramante wurde in der Nähe von Urbino geboren, wo er möglicherweise mit den Künstlern am Hofe von Federgio da Montefeltro, mit Piero della Francesca und Franceso di Giorgio Martini, dem er wahrscheinlich sein Interesse an Problemen der Perspektive verdankte, zusammentraf. Erste Erwähnung 1477 mit perspektivischer Fassadenmalerei am Podesta-Palazzo Bergamo; aus dem Jahre 1481 stammt eine Zeichnung, die als perspektivische Malvorlage in Kupfer gestochen wurde. Um 1479 trat er in die Dienste des Herzogs Ludovico Sforza, für den er in Vigevano sowohl als Dekorationsmaler als auch als Architekt arbeitete. Sein erstes bedeutendes Werk ist S. Maria presso S. Satiro in Mailand (beg. 1479). Für die kleine Capella della Pieta (aus dem 9. Jh.) schuf Bramante die von Nischen und schlanken Pilastern gegliederte, mit einem etwas klotzigen Oktogon gekrönte Ummantelung. Für die Kirche selbst plante er einen Grundriss in Form eines lat. Kreuzes und eine Vierungskuppel. Albertis (Alberti, Leon Battista) Einfluss zeigt sich in dem Entwurf für die unvollendet gebliebene Fassade, in der Verwendung flacher Pilaster an den Seitenwänden und in dem Tonnengewölbe des Schiffes. Da für einen Chor kein Raum war, täuschte Bramante ihn mit Hilfe von Scheinmalerei und Reliefs vor (vom richtigen Standpunkt aus betrachtet, ist die Illusion vollkommen). Über dem Altar errichtete er die erste nachrömische Kuppel (Kassettierung). Auch die okotgonale Sakristei ist ein Werk Bramantes, sie enthält äusserst reichen plastischen Schmuck. 1488 wurde Bramante als Berater für den Bau des Domes in Pavia berufen, doch wurde nur die Krypta nach seinen Vorschlägen ausgeführt. Für die gotische Kirche S. Maria della Grazie in Mailand (begon. 1492) entwarf er einen zentral angelegten Ostabschluss, der innen weitläufig und licht ist, während die Aussenwände der Apsiden (Apsis) und des sechzehneckigen Tambours, der die Kuppel trägt, verschwenderisch mit eleganter, aber ziemlich kleinteiliger Bauplastik geschmückt sind (doch scheint es, dass viele der Ornamente in Bramantes Entwürfen nicht vorgesehen waren). Für die Basilika von S. Ambrogio in Mailand entwarf er den Kreuzgang des Chorherrenstifts (1492, nur ein Flügel erhalten) und später eine weitere Anlage von vier Kreuzgängen (1497, zwei wurden 1576 nach seinen Plänen fertiggestellt). Im Kreuzgang des Chorherrenstifts verwendet er schlanke korinthische Säulen (Säulenordnungen) mit kühn vorkragenden Kämpferblöcken, und vier Säulen sind als Baumstämme, an denen Stümpfe abgesägter Zweige plastisch hervortreten, gestaltet. Der französische Einfall in die Lombardei und der Sturz der Sforza zwangen Bramante 1499 nach Rom, dem damaligen künstlerischen Zentrum Italiens, zu fliehen. Sein erstes Werk dort war, von einigen Fresken abgesehen, der Kreuzgang von S. Maria della Pace (1504), der sich vor all seinen früheren Entwürfen stark unterscheidet. Das Erdgeschoss des Kreuzganges weist von starken Pfeilern - denen ionische Pilaster vorgeblendet sind - getragene - Arkaden auf und im Obergeschoss eine offene Galerie mit abwechselnd Säulen und Pfeilern, die keine Bogen, sondern einen Architrav tragen. Es ist ein typisch römischer Bau, der eine ruhige Würde austrahlt. Noch strenger und römischer ist sein nächstes Werk, der Templetto von S. Pietro in Monotorio (1502) in Rom, das erste bedeutende Bauwerk der Hochrenaissance, dessen majestätische Feierlichkeit seine kleinen Aussmasse vergessen lässt. Im Erdgeschoss wird er von einem Säulengang toskanisch-dorischer Ordnung mit streng klassischem Gebälk umgeben. Ausser den Metopen und den Muschelkronen der Nischen zeigt der ganze Aussenbau keinerlei Schmuck. Ursprünglich war der Tempietto als Mittelpunkt eines kreisförmigen Peristyls gedacht, der diesem körperhaften Bau die angemessene räumliche Fassung gegeben hätte, denn wie ein griechischer Tempel ist er eher als Plastik denn als Hülle eines Innenraumes empfunden. Hier kam die Renaissance dem Geist der Antike näher als irgendeinem anderen Bauwerk. Die Wahl des Papstes Julius II. im Jahre 1503 gab Bramante einen neuen, ihm ganz kongenialen Bauherrn, der ihn mit der Entwicklung eines Gesamtplanes für den Vatikan und St. Peter betraute. Ein später in den Cortile di s. Damaso aufgegangener Gebäudekomplex mit drei Reihen übereinandergesetzter Arkaden wurde sofort in Angriff genommen. Diese Anlage war relativ bescheiden im Vergleich zu dem Plan für den Cortile del Belvedere, einen riesigen, etwa 310 m langen und 70 m breiten Hof mit drei Terrassen verschiedenen Niveaus, von Arkadenbauten flankiert, mit einem Theater am tiefer liegenden Hofende und einem Antiquarium, das mit einer grossen Exedra den oberen Hofraum abschliesst. Die Arbeiten wurden zuerst am oberen Hofende, wo das Antiquarium steht, aufgenommen, er wurde jedoch nur das erste Geschoss nach Bramantes Entwürfen fertiggestellt (in späterer Zeit stark verändert). Die schöne Wendeltreppe in einem Turm des Belvedere (ca. 1505) ist das einzige unversehrt gebliebene Werk Bramantes im Vatikan. Sein Entwurf für St. Peter sah eine Kirche vor, die eine idealer Zentralbau gewesen wäre. Der Grundriss hatte die Gestalt eines griechischen Kreuzes mit halbrund geschlossenen Kreuzarmen, zwischen denen vier kleinere überkuppelte griechische Kreuze das Ganze zu einem Quadrat ergänzen sollten. Die riesige Zentralkuppel sollte in ihrer Spannweite der Pantheon-Kuppel entsprechen. an den Endpunkten der Diagonalachsen waren Ecktürme vorgesehen. Das ganze Bauwerk sollte isoliert auf einem ungeheuer weiten Platz stehen. Im Jahre 1506 wurde der Grundstein gelegt, die Bauarbeiten schritten aber nur zögernd voran, bis mit dem Tode Julius II. 1513 alles zum Stillstand kam. Ein anderes Werk Bramantes, die Kirche S. Maria del Popolo in Rom (1505-09), ist klein in Ausmassen, aber grossartig in der Auffassung. Das Gewölbe ist stark kassettiert, die Apsis hat einen Muchselabschluss. Bramante fertigte auch den Entwurf für den Caprini-Palazzo und begann mit den Bauarbeiten (1514, im 17. Jh. abgerissen). Das Erdgeschoss hatte ein schweres Bossenwerk, das Obergeschoss fünf Giebelfenster zwischen paarweise angeordneten Halbsäulen, eine oft nachgeahmte Anordnung. Das Haus wurde 1517 von Raffael erworben, der Berninis (Bernini, Gianlorenzo) Erbe als führender Architekt in Rom antrat.
Bramer, Leonard
* 24.12.1596 in Delft, + 10.2.1674 in Delft. Holländischer Maler und Zeichner. Nach einer Italienreise ab 1614, auf der er Adam Elsheimer traf, liess sich Bramer 1629 endgültig in Delft nieder. Seine Bilder haben meist biblische oder historische Themen. An öffentlichen Aufträgen führte er u.a. die Decke im grossen Saal des Prinsenhof Delft aus (um 1668, Himmelfahrt Christi). Bedeutender war er als Zeichner. Eine Reihe von Illustrationen ist von seiner Hand erhalten, z.B. eine zu den "Wunderlichen Träume
Brandin, Philipp
(+ 1594). Niederländischer Bildhauer und Architekt im Dienst des Herzogs Johann Albrecht I. von Mecklenburg in Schwerin und Wismar. Erbaute den nördlichen Schlossflügel von Schloss Güstrow I (1583).
Brandl, Peter Johannes
* (getauft) 24.10.1668 in Prag, + 24.9.1735 in Kuttenburg (Kutná Hora). Böhmischer Maler, der bedeutendste Vertreter des böhmischen Hochbarock. Er lernte bei dem Inspektor der Burggalerie, Christian Schröder, und fand sein Vorbilder in Michael Wenzel Halbax, Johann Rudolf Byss und Karel Skreta. Von entscheidender Bedeutung für die Stilbildung Brandls, der seine Heimat nie verlassen hat, war die Kenntnis der Werke venezianischer und bolognesischer Malerei, die ihm in der Prager Burggalerie zugänglich waren. von ihm stammen eine Reihe im Hinblick auf Kolorit und Konzeption bedeutender religiöser Kompositionen, darunter die "Taufe Christi" (Prag, St.-Veits-Dom) und die "Heilung des Tobias" (Prag, Národni-Galerie), sowie zahlreiche psycholigisch eindringliche Porträts (Simeon mit dem Jesuskind, um 1725, Prag, Národni-Galerie). Zeitweise arbeitete Brandl zusammen mit seinem Sohn Maximilian.
Brandstein, Philipp → Brandin, Philipp
Braun von Braun, Matthias Bernard → Braun, Matthias Bernard
Braun, Christoph
(* 4.2.1767 Stuttgart † 12.11.1835 Stuttgart), Vergolder. Braun wurde 1802 zum Hofvergolder ernannt und betätigte sich außerdem als Spiegelhändler. Er führte Vergolderarbeiten im Neuen Schloss in Stuttgart (Stuttgart II) und in Schloss Ludwigsburg Krs. Ludwigsburg aus.
Braun, Hans
(tätig 1586-1590, + 1611). Seit 1601 fürstlicher Werkmeister in Württemberg. War zusammen mit Schickardt, Heinrich am Prinzenbau in Stuttgart beteiligt.
Braun, Matthias Bernard
(auch Braun von Braun). *25.2.1684 in Sautenz (Tirol), + 15.2.1738 in Prag. Böhmischer Bildhauer. Neben Ferdinand Maximilian Brokoff Hauptmeister der böhmischen Richtung der Barockskulptur, die auf heftig bewegte, ekstatische Figuren von leidenschaftlichem Pathos und einer unruhigen, bis zur Formauflösung durchwühlten Oberflächenbehandlung abzielt. Nach Lehrjahren in Italien kam Braun auf Einladung des Grafen Sporck um 1704 zu dessen böhmischen Gütern und liess sich seit ca. 1709 in Prag nieder, wo er es zu hohem Wohlstand brachte. Hauptwerke: "Die hl. Luitgard vor dem Gekreuzigten" (1710) nach einem Entwurf des Maler Brandl, Peter Johannes sowie Hl. Ivo, beide auf der Prager Karlsbrücke; Figuren für Portale, Treppenhäuser und Gärten der Prager Palais Clam-Gallas-Palais Prag, Czernin-Palast, Thun-Hohenstein-Palais; Wrtba-Palais, des Grosspriorats Prag u.a., Statuen und Beichstühle von St. Clemens in Prag (1716-21), Hauptaltar und überlebensgrosse Heiligenfiguren in der Piaristenkirche Litomysl (Leitomischl, auf 1717), Holzschnitzereien in der Marienkirche von Stará Boleslav (Altbunzlau, seit 1717) und in Horká (um 1728), Dreifaltigkeitssäule in Teplice (Teplitz-Schönau, 1718), Pyramidengrab für den 1723 gestorbenen böhmischen Kanzler Graf Schlick im Prager Veitsdom, Jagddenkmal für "Kaiser Karl VI." in Hlawenitz (nach 1724), Marmorbildnis Karls VI. (Brauns letztes Werk, verschollen). Die berühmtesten Werke sind die beiden im Auftrag des Grafen Storck entstandenen Zyklen für Schloss und Park Kuks (Kukus) in Nordböhmen: "Die Tugenden und Laster" auf der Terasse des Schlosses und vor allem die Landschaftsskulpturen in Bethlehem (1726-30), einem Wald bei Kuks, wo Braun "Geburt und Erscheinung Christi", den "Hl. Hubertus" und asketische, wild behaarte "Anachoreten" aus dem Fels schlug, in der Weise, als seien sie natürlich gewachsene Gestalten in Waldes- und Höhleneinsamkeit, die überraschend wie lebendige Menschen plötzlich auftauchen. In jüngster Zeit wird ein kleines Braun-Museum in den Konventsgebäuden des Kloster Kladruby (Kladrau) in Südböhmen eingerichtet.
Bregno, Antonio
Tätig zwischen 1425 und 1457 in Venedig. Der italienische Bildhauer der Frührenaissance stammte aus der Provinz Como. In Venedig war er Mitglied der Werkstatt von Giovanni Bono und Bartolomeo Bono. Als deren Mitarbeiter war er 1438-42 an der Porta della Carta und an anderen Stellen des Dogenpalast Venedig beschäftigt. Sein Hauptwerk ist das Grabmal des Dogen Francesco Foscari (+ 1457) in S. Maria Gloriosa dei Frari, das er zusammen mit seinem Bruder Paolo und mit Antonio Rizzo fertigte.
Breitenauer, Ignaz Alexander
* (getauft) 3.5.1757 in Eichstätt, +4.5.1838 in Eichstätt. Deutscher Bildhauer. Zuerst Schüler seines Vaters, des Bildhauers Joseph Anton Breitenauer, ging er 1774 nach Freising, dann nach Augsburg in die Lehre und begann schliesslich 1777 ein Studium an der Akademie der bildenden Künste in München bei Roman Anton Boos, nach dessen Entwürfen er im Nymphenburger Park die Figuren des "Apoll" und "Bacchus" sowie der "Diana" und "Ceres" ausführte. 1785 liess er sich in Eichstätt nieder und wurde dort Zeichenl
Bril, Paul
* 1554 in Antwerpen, + 7.10.1626 in Rom. Flämischer Maler und Kupferstecher, Bruder von Bril, Mattheus d.J., erhielt seine Ausbildung bei seinem Vater Bril, Mattheus d.Ä., verliess aber im Alter von 20 Jahren die Heimat und wanderte über Lyon nach Italien, wo er sich in Rom niederliess. Für die verschiedenen Päpste, die während seines Lebens regierten, schuf Bril Fresken in der Scala Santa, der Galleria Clementina und der Biblioteca Vaticana sowie im Rospigliosi-Palazzo und in der Caprarola. Nach dem Vorbild der Brüder Carracci in Bologna gründete er in Rom eine Werkstatt, aus der als sein Schüler Agostino Tassi hervorging, der später Lehrer Claude Lorrains wurde. Brils malerisches Werk, an dem wahrscheinlich auch Gehilfen und Schüler mitarbeiteten, ist umfangreich. Er pflegte die klassische "ideale Landschaft", wie in dem 1591 geschaffenen Bild "Waldlandschaft" (Florenz, Galleria degli Uffizi) oder der "Hirschjagd" (Paris, Musée National du Louvre). Es war Brils künstlerisches Verdienst, die traditionell robusten Formen der flämischen Malerei durch die weiche Fülle des italienischen Kolorits bereichert zu haben. Nach der Begegnung mit Adam Elsheimer, die wohl das Schaffen beider Maler befruchtete, wurden Brils durch intensive Verwendung des Helldunkels gekennzeichnete Bilder poesievoller. Für seine grossen Tafelbilder bevorzugte er, wi in "Venus und Adonis" (Toulouse, Musée des Augustins) und "Diana und Nymphen" (Paris, Musée National du Louvre), mythologische Themen oder auch, wie in "Versuchung des hl. Hieronymus" (Rotterdam, Museum Boymans-van Beuningen) und "Bekehrung des Paulus" (Mailand, Biblioteca Ambrosiana), religiöse Motive. Daneben schuf er hervorragende Miniaturen und Radierungen, u.a. von italienischen Landschaften. Einige seiner Stiche sind mit einer Brille - niederländisch bril - signiert.
Briseux, Charles Etienne
(1660-1754). Französischer Architekt und Theoretiker. Briseux baute in Paris (Quartier Montmarte) das Palais des Generalsteuerbevollmächtigten d`Augny (Augny-Palais). Seine Bedeutung verdankt Briseux seinen Architekturtraktaten: "L`Archtekture moderne...", 2 Bände, Paris 1728 (1754 2. Auflage); "L`Art de batir des maisons de campagne...", 2 Bände, Paris 1743; "Traite du beau essentiel dans les arts...", Paris 1752.
Brokoff, Ferdinand Maximilian
* 12.9.1688 in Rothenhaus (heute Červený Hrádek) bei Komotau (Chomutov), + 8.3.1731 in Prag. Bedeutender Barockbildhauer, Sohn von Brokoff, Johann, arbeitete zunächst in der Werkstatt seines Vaters, der auch sein Bruder Johann Josef Michael angehörte. Die entscheidenden Eindrücke erhielt er aber weder hier noch bei dem gelegentlich als Lehrer genannten Andreas Quittainer, sondern im Umkreis des Peter von Strudel in Wien. Die ersten ihm sicher zuzuweisenden Werke sind die Steinfiguren der Prager Karlsbrücke: "Franz von Borgia" (1710) und "Kajetan" (1709), "Ignatius von Loyola" und "Franz Xaver" (1710-11), "Vinzenz Ferrer" und "Prokop" (1712) folgten "Johann von Matha", "Felix von Valois" und "Iwan". 1714 schuf Brokoff auch die Plastiken des Morzin-Palais, die Statuen des Grabmals Vratislavs von Mitrovic in St. Jakob und die Statuengruppe "Johannes d. T." auf dem Malteserplatz, alle in Prag. Durch Johann Bernhard Fischer von Erlach und dessen Sohn, die ihn schon für das Vratislav-Grabmal herangezogen hatten, erhielt er Aufträge bis nach Wien und Breslau. In Breslau schuf er für die Kurfürstenkapelle die Marmorstatuen "Moses und Aaron" und Supraportenengel (1722), für die Elisabethkirche das Grabmal des Johann Georg von Wolff, für Wien den Entwurf der "Glorie des hl. Karl" (1728) in der Karlskirche. Die wichtigsten Spätwerke entstanden jedoch in Prag, und zwar ein Kalvarienberg und "Die vier Evangelisten" in der Galluskirche (um 1720) sowie die Mariensäule auf dem Burgplatz (um 1725). Titanische Figuren und ein zeitweilig derber Realismus kennzeichnen seinen Spätstil.
Brokoff, Johann
*1652 in St. Georgenberg, + 28.12.1718 in Prag. Slowakischer Bildhauer des Barock, Vater von Brokoff, Ferdinand Maximilian. Seine Lehrzeit absolvierte er vielleicht bei Matthias Rauchmüller oder bei Elias Räntz in Wien. Sein künstlerischer Aufstieg begann ab 1682 hauptsächlich mit Bauplastik und Gartenskulpturen für westböhmische Adelssitze. Wichtig wurde seine Arbeit am Gussmodel des "Hl. Johann von Nepomuk" für die Prager Karlsbrücke (ab 1682, heute in St. Johann am Felsen, Prag). Rauchmüller hatte 1681
Brongniart, Alexandre-Theodore
(1739-1813). Berühmter französischer Architekt des Klassizismus. Geboren in Paris. Schüler von Blondel, Jacques-Francois. Er machte sich 1765 selbständig, war bald erfolgreich, baute das Theater in Caen (zerstört) und das Hotel des Montesson Montesson-Hotel in Paris. Für seine Wohnbauten wählte er einen anmutigen, unpedantischen klassizistischen Stil, der in der Architektur das Gegenstück zu den Plastiken Clodions, der von Brongniart oft für Dekorationen herangezogen wurde, dargestellt (z.B. das ehemalige Conde-Hotel, Paris, 1781). Das Kapuzinerkloster an der Chaussee d`Antin (1789, heute Lycee Condordet, Umbau der Fassade 1864), zeigt eine strengere Auffassung; der Kreuzgang ist eine Kolonnade mit dorischen Säulen nach dem Vorbild Paestums. Sein letztes bedeutendes Werk war die Pariser Börse, ein angemessen grossartiger Bau im korinthischen Stil des kaiserlichen Rom (beg. 1807, 1895 verändert u. erweitert). 1804 wurde Brongniart mit der Anlage des Pariser Friedhofs Pere-Lachaise betraut; die Ausführung im Stil eines Englischen Gartens (Gartenbaukunst) gewann grossen Einfluss.
Bronzino, Angelo
(auch Angelo Tori). * 1502 in Monticelli bei Florenz, + 1563 in Monticelli). Italienischer Maler, bedeutender Vertreter des Florentiner Manierismus. Er arbeitete bereits sehr früh im Atelier Raffaellino del Garbos, seine eigentliche Lehre aber absolvierte er bei Jacopo Pontormo, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. 1522-25 malte er zusammen mit Pontormo in der Kartause in Galluzzo eine "Pieta mit zwei Engeln" und 1524-26 in der Cappella Capponi in S. Felicita in Florenz das "Tondo mit einem Ev
Brosse, Salomon de
(1571-1626). Geboren in Verneuil, wo Jacques Androuet Du Cerceau, sein Grossvater mütterlicherseits, das Schloss erbaut hatte. Auch sein Vater war Architekt. Um 1598 liess sich Brosse in Paris nieder; er wurde 1608 zum Baumeister der Krone ernannt. Anders als seine Verwandten Du Cerceau und sein Vorläufer Bullant fasste er die Baukunst als Gestaltung von plastischen Körpern auf, nicht nur als Oberflächendekoration. Dieser Sinn für Körperlichkeit kommt klar in dem von ihm erbauten Luxembourg-Palais (1613/14, im 19. Jh. erweitert u. verändert) und in den Schlössern von Coulommiers (1613) und Blerancourt, seinem wohl schönsten Bauwerk (1619) zum Ausdruck. Blerancourt erregte zu seiner Zeit grosses Aufsehen als freistehender, ringsum sichtbarer symbolischer Block. 1618 begann Brosse mit dem Bau des Palais du Parlament in Rennes (heute Justizpalast Rennes), dem er durch sein Gefühl für klar bestimmte Massen und für die Feinheiten klassischer Details grosse Vornehmheit verlieh. Die Fassade von St-Gervais-St-Protais in Paris (1616-21) stellt den Inbegriff des franz. barocken Klassizismus (Barock) dar; in ihm verbindet sich das Schema von Vignola, Giacomo Barozzi da von Il Gesu mit dem Stil des Mittelrisalits (Risalit) von Schloss Anet von Delorme, Philibert. Brosse war der bedeutendste Vorläufer von Mansart, Francois, dessen Stil er teilweise vorgweggenommen hat.
Brost, Heinrich
(*1894). Architekt. War am Bau von Breslau VII (Websky-Schlösschen) beteiligt.
Brown, Capability → Brown, Lancelot
Brown, Lancelot
(auch Capability Brown). * 1715 in Kirkhall, + 6.2.1783 in London. Bedeutendster englischer Landschaftsarchitekt der Frühromantik. Beeinflusst durch die Landschaftsauffassung William Kents und die Kriterien der Schönheitslehre Edmund Burkes, vertrat Brown eine vorromanische, sensualistisch geprägte Ästhetik. In Ihrem Wesen sollte die Landschaft nicht auf Inhalte und Ideen verweisen, eine Orientierung an der klassischen, idealistischen Landschaftsmalerei vermied Brown. Im Gegensatz zu William Chambers entwarf er ein System natürlicher Elemente und unmittelbar sinnlich wirksame Gartenbilder. Die Beschaffenheit der Grundstücke bliebt weitgehend unverändert. Von diesen Möglichkeiten auszugehen, brachte ihm den Beinamen "Capability" (Möglichkeit) ein. Charakteristisch für seine Parkanlagen sind weite Wiesengründe mit leicht gewelltem Terrain, Baumgruppen und rahmende Waldgürtel mit Umgangsweg und wenigen Fernblicken. Er verzichtete auf Blumenbeete und Gartenarchitekturen, setzte aber Wasser als Hauptgestaltungsmittel ein. Bei fast allen grösseren Projekten legte er serpentinenförmige Seen mit kahlen Uferlinien in wellenförmigen Linien an. Nach seiner Überzeugung waren Gegebenheiten der Natur von ihren Fehlern zu befreien, die Natur in ihrer Naturhaftigkeit zu verbessern. Bei den Schlössern Blenheim Palace, Burghley House Stamford und Lougleat Palace zerstörte Brown wertvolle historische gärten des formalen Stils sowie viele Terrassenanlagen. In Mittelengland und Südengland gestaltete er für Hochadel und Kaufleute über 200 Landschaftsgärten. In London war er an der Gestaltung der Kensington Gardens (Kensington Palace) und des Hampton Court-Parks (Hampton Court Palace) massgeblich beteiligt. Sein Werk fand grosse Nachfolge, aber seine Rigorosität und gefühlsbetonte Ästhetik riefen im 19. Jh. scharfe Kritik und Ablehnung hervor.
Bruant, Liberal
(ca. 1635-97). Erbaute das Invalides-Hotel in Paris (1670-77), das wegen der römischen Würde seiner Arkadenhöfe hervorragt, ferner die höchst originelle Chapelle de la Salpetriere in Paris (um 1670-79) sowie die Kirche St-Louis des Invalides (1670-79). Kuppel und Nordportal wurden von J.H. Mansart vollendet. 1662 lieferte Bruant einen Entwurf für Schloss Richmond Castle in England. Auch der von Mansart völlig veränderte Entwurf zur Place Vendome stammte von Bruant. Er war ein hochbegabter Architekt, der niemals den verdienten Erfolg erlangte.
Bruce, Sir William
(1630-1710). Brachte den barocken Klassizismus (Barock) nach Schottland. Er erlangte nach der Restauration der Stuarts in England, für die er sich kräftig betätigt hatte, Ansehen, erhielt als Entschädigung für politsche Dienste 1660 ein einträgliches Hofamt und wurde 1671 zum königlichen Bauinspektor und Hofbaumeister für Schottland ernannt. Seine in Holyroodhouse (Holyrood Palace) in Edinburgh ausgeführten Erweiterungen (1671ff.) zeigen franz. Einflüsse, aber noch fehlte die geschulte Hand. Kinross House (1685) und Hopetoun House (1698-1702) in der Art von Pratt, Sir Roger sind besser gelungen.
Brüder von Limburg
(auch Malouel, Maelwarl, Maelweel), Paul (Pol), Herman (Hermant), Jan (Jehannequin, Johan of Hennequin). * um 1375/85 in Nimwegen, + 1416 in Bourges. Niederländisch-französische Miniaturmaler, schufen herausragende Werke der Buchmalerei zru Zeit des Weichen Stils, die als Vorstufen der Kunst der Brüder van Eyck gelten. Sie waren Söhne des Bildschnitzers Arnold von Limburg (* in Aachen) und dessen Frau Mechteld, einer Tochter des Malers Jean Malouel. Hermann und Jan kamen zu einem Goldschmied in die Lehre, wo sie bis 1399 blieben. In Gefangenschaft geraten und durch Philipp den Kühnen, Herzog von Burgund, 1400 freigekauft, traten sie anschliessend in seine Dienste. 1402 erhielten Paul und Jan den Auftrag, eine "très belle et notable Bible" zu illuminieren. Vermutlich arbeiteten die drei Maler nach dem Tod Phlipps (1404) für den Herzog Jean de Berry in Bourges und Paris. Paul von Limburg gilt als das Haupt der Künstlergemeinschaft, die in der Nachfolge des Hofmalers Jacquemart de Hesdin tätig war. Alle drei starben 1416 an einer Epidemie (Pest?) in Bourges. Als frühestes Werk gelten die Miniaturen einer Bible moralisée (Paris, Bibliothèque Nationale, Ms. fr. 166), vermutlich der Auftrag von 1402, worin Paul und Jan 384 Szenen zu Genesis und Exodus ausführten. Hauptwerke, an denen alle drei Brüder beteiligt waren, sind zwei kostbar ausgestattete Stundenbücher für Jean de Berry: "Les belles heures du Duc de Berry" (1405-08; früher Heures d´Ailly genannt; New York, Metropolitan Museum of Art, The Cloisters, Nr. 54.1.1) und "Les très riches heures du Duc de 65). Die zahlreichen Darstellungen sind nicht - wie üblich - durch Textspalten unterteilt, sondern fast ganzseitig. Höfischer Figurenstil, Komposition und das Verhältnis von Figur und Landschaft sind burgundischen Vorbildern - Melchior Broederlam oder Jaquemart de Hesdin -, aber auch der italienischen Trecentomalerei verwandt. Neu sind die gesteigerte Hinwendung zu naturalistischen Details und grössere Intimität (z.B. die Porträts des Herzogs auf folio 91 und 223v.). In schattenlosem lichtfarbigem Kolorit geht die Helligkeitsmodellierung von einem mittleren Buntwert aus und reicht selten bis ins Dunkle. In den "Très riches heures", wahrscheinlich 1413-16 entstanden, sind diese Ausdrucksmittel weiterentwickelt. Die Naturbeobachtung ist gesteigert, die leuchtenden, emailartigen Farben sind besonders kostbar. Das berühmte Kalendarium enthält u.a. auch als Vorstufe des Genrebildes Schilderungen des ländlichen Lebens. Das Stundenbuch wurde um 1485 durch Jean Colombe ergänzt. Der Einfluss der Brüder von Limburg auf die Entwicklung der niederländischen Tafelmalerei sowie auf die folgende Buchmalerei ist bedeutend (Turin-Mailänder Gebetbuch Jan van Eycks).
Brüllow, Alexander Pawlowitsch
* 21.11.(10.12.) 1798 in St. Petersburg, + 9.1.1877 in St. Petersburg. Russischer Architekt und Maler, studierte in den Werkstätten des Vaters, dann an der Kunstakademie. Er lebte 1822-26 in Italien, fertigte in Pompeji Kupferstiche von Rekonstruktionen der Thermen an. 1827 bis 1830 Aufenthalt in Paris und Rückkehr nach St. Petersburg. In seinen Bauten vereinigte Brüllow traditionell klassisch-russische mit pompeganischen und griechischen Elementen. 1834-39 erbaute er das Observatorium in Pulkowo bei St. Petersburg, 1837-43 das Stabsgebäude des Garderegiments auf dem St. Petersburger Schlossplatz und vollendete damit das von Rossi, Karl Iwanowitsch geschaffene Ensemble, 1833-38 schuf er die Lutheranische Kirche in St. Petersburg. Er leitete den Ausbau des Winterpalais St. Petersburg und des Neues Exerziershaus, den Umbau des Marmorpalais St. Petersburg und des Alexanderhospitals sowie die Beendigung des von Rossi, Karl Iwanowitsch begonnenen ehemaligen Michailow-Theaters. Bekannt wurden auch Brüllows Aquarelle, Ansichten der St. Petersburger Umgebung, seine Porträts von Zar Nikolaus I., Walter Scott, der neapolitanischen Königsfamilie u.a.
Brunelleschi, Filippo
Geboren 1377 Florenz - 15.4.1446 Florenz. Italienischer Architekt und Bildhauer; Sohn einer angesehenen florentinischen Notarfamilie. Einer der Begründer der italienischen Renaissancearchitektur. Im Gegensatz zu seinen Nachfolgern Alberti (Alberti, Leon Battista) und Michelozzo, ging es ihm weniger um eine Erneuerung der Antike als um Fragen der Baupraxis und der Raumbewältigung. Er hat mehr als irgendein anderer für die Formulierung der Gesetze der Linearperspektive (Perspektive) geleistet, und die Bemühung um die lineare Bewältigung des Raums hat auch sein Bauen geprägt. In Florenz geboren, begann Brunelleschi dort seine Laufbahn als Goldschmied und Bildhauer, wurde 1398 Mitglied der Arte della Seta, arbeitete dann für einen Goldschmied in Pistoia (Silberaltar im Dom von Pistoia, c. 1399) und beteiligte sich 1401-02 am Wettbewerb für die zweite Bronzepforte des Baptisteriums in Florenz, aus dem aber Ghiberti, wenn auch nur mit knappem Vorsprung, siegreich hervorging. Kurz nach 1402 besuchte Brunelleschi mit Donatello erstmals Rom, um antike Skulpturen zu studieren, arbeitete auch noch eine Zeitlang als Bildhauer weiter, richtete aber allmählich seine Aufmerksamkeit ausschliesslich auf die Baukunst. 1404 wurde er in die Goldschmiedezunft als Meister aufgenommen; im selben Jahr wurde er um ein Urteil über einen Strebepfeiler im Dom von Florenz gebeten. 1415 setzte er den Ponte al Mare in Pisa wieder instand; 1417 gab er ein Gutachten über die geplante Kuppel des Doms von Florenz ab. 1418 beginnt die Kette seiner grössten Werke in Florenz: eine Kapelle mit Kuppen in S. Jacopo supr`Arno (zerstört), die Barbadori-Kapelle in S. Felicita (teilweise zerstört), der Palazzo die Parte Guelfa (stark verändert, das Urbild des Frührenaissance-Palastes) und S. Lorenzo. Während diese Bauten voranschritten, nahm er 1420 den Bau seines Meisterwerkes, der Domkuppel, in Angriff und 1421 den Bau des Findelhauses. In S. Lorenzo begann Brunelleschi zuerst mit der Alten Sakristei (1428 vollendet), einem Raumkubus, der von einer eleganten Kuppel mit schmalen, von der Laterna ausstrahlenden Rippen überwölbt wird. Er nannte dieses Schirmgewölbe "a creste e vele", eine treffende Charakterisierung, da die Decke den Eindruck aufgespannter Segel erweckt (Gewölbe). Der Innenraum ist weiss gehalten, die wichtigsten Bauteile sind durch klare Bänder grauer "pietra serena" nachgezeichnet, ein sehr eindrucksvolles, hier erstmals angewendetes Dekorationsprinzip. Die Kirche selbst entwarf Brunelleschi als Basilika mit kurzen Querschiffen und sich zu den Seitenschiffen hin öffnenden Kapellen. Seine Vorbilder suchte er weniger im Rom der Kaiserzeit als in der toskanischen Romanik des 11.-12. Jhs., der sogen. Protorenaissance. Den Bau der Domkuppel sollte er ursprünglich wohl gemeinsam mit Ghiberti durchführen, der sich jedoch nach und nach zurückzog. Die Kuppel mit den elegant geschwungenen hellen Rippen, die steil dem Mittelpunkt in der Höhe zustreben, zeigt noch gotische Züge, aber bautechnisch gehört sie mit dem römischen Fischgrätenverband der Renaissance an. Der Rohbau wurde 1436 festiggestellt und ein weiterer Wettbewerb für die Laterne ausgeschrieben, den diesmal Brunelleschi allein gewann. Sein Vorschlag war das herrliche Marmorokotogon (Oktogon), wohl im doppelten Sinne die Krönung der ganzen Komposition. 1438 fertigte er dann noch die Entwürfe für die halbkreisförmigen Anbauten innerhalb des Tambours mit korinthischen Doppelsäulen und Nichen mit muschenförmigem Abschluss. Das Findelhaus in Florenz (1419 entworfen, 1421-44 erbaut) wird häufig als das erste im Renaissancestil errichtete Bauwerk bezeichnet. Die Fassade zeigt im Erdgeschoss einen offenen Arkadengang mit sehr schlanken korinthischen Säulen und blau-weiss glasierte Terrakotta-Medaillons in den Bogenzwickeln (Zwickel); im Obergeschoss Giebelfenster jeweils über dem Scheitelpunkt einer Arkade. Die weiten Säulenabstände weisen auf toskanische Bauwerke des 11.-12. Jhs. hin, die Einzelheiten jedoch sind eher römisch. Der Eindruck eines von der Antike inspirierten Gebäudes wäre wohl noch stärker, wenn nach Brunelleschis Wünschen ähnliche Gebäude auch an den anderen beiden Seiten des Platzes errichtet worden wären, so dass sich vor SS. Annunziata ein Froum gebildet hätte. 1429 begann Brunelleschi mit dem Bau der Pazzi-Kapelle im Klosterhof von S. Croce in Florenz. Der Grundriss ist komplexer als der der Alten Sakristei von S. Lorenzo; eine Vorhalle im Verhältnis 1:3, der Hauptraum im Verhältnis 2:3, ein quadratischer Chor. Die Innendekoration ist hier entschiedener als in San Lorenzo, mit kräftigen Halbkreisbögen in "pietra serena", korinthischen Pilastern und glasierten Terrakottareliefs in den Gewölbezwickeln. Die merkwürdige Fassade erinnert mehr an die Tribuna einer römischen Basilika als an den Portikus eines römischen Tempels: schlanke korinthische Säulen tragen ein niederes Obergeschoss, das durch kreuzartig gegliederte Felder zwischen Doppelpilastern belegt wird. Anscheinend sollte diese von der Seite her betrachtet zu leicht wirkende Konstuktion ursprg. ringsum geführt werden. 1433 ging Brunelleschi erneut zum Studium der Antike nach Rom. Die unmittelbare Auswirkung zeigt S. Maria degli Angeli in Florenz, die von all seinen Bauten der Antike am stärksten verpflichtet ist, wenn auch unglücklicherweise die Arbeiten nach dreijähriger Bauzeit eingestellt wurden und nur die Mauern des Erdgeschosses erhalten sind. S. Maria degli Angeli ist die erste Kirche der Renaissance mit völlig zentraler Komposition, mit einem von acht Kapellen umschlossenen oktogonalen Zentralraum und einer sechzehnseitigen Aussenwand, an der Flächen mit Nischen alternierend. Für S. Spirito (beg. 1436) in Florenz kehrte Brunelleschi zum basilikalen Grundriss in Form eines lateinischen Kreuzes zurück, betonte aber durch die umgangartige Führung der Seitenschiffe um drei Seiten (der westliche Teil wurde nicht fertiggestellt) die Raummitte. Auch hier herrschen klare Proportionen, eine Anordnung von Würfeln und Doppelwürfeln, die das Gefühl ruhiger Ausgewogenheit erzeugt, das den Renaissancearchitekten so sehr am Herzen lag. Die klassische Ornamentierung ist korrekt und kraftvoll, wenn auch manchmal in unorthodoxer Weise durchgeführt. Von den Brunelleschi zugeschriebenen Bauten sei besonders der Mittelteil des Palazzo Pitti in Florenz erwähnt, den er kurz vor seinem Tod entworfen haben könnte. Obwohl säulenlos, ist er deutlich ein Frührenaissancebau mit seiner schweren Rustizierung (Rustika) nach römischem Vorbild und den auf einfachen Zahlenverhältnissen beruhenden Proportionen. Brunelleschi wurde fast zufällig der erste Renaissancearchitekt. Sein Interesse an der römischen Baukunst entsprang mehr technischen als ästhetischen Erwägungen. Er war ein Praktiker, der instinktiv Ideen aufgriff, die dann von seinen Nachfolgern weiterentwickelt wurden. Vielleicht ist es sein grösstes Verdienst, das er die Baukunst der Frührenaissance davor bewahrt hat, sich in gelehrter Pedanterie und Nachahmung zu erschöpfen.
Brunsberg, Hinrich
* um 1350 vermutlich im Deutschordensland, + nach 1428 vieileicht in Stettin. Deutscher Architekt der Spätgotik. 1372 erwarb er in Danzig das Bürgerrecht. Zwischen 1400 und 1428 ist er in Stettin nachzuweisen. Nach einer Bauinschrift von 1401 an der Marienkapelle der Brandenburger Katharinenkirche ist er deren Architekt. Stilistisch zugeschrieben werden ihm die Pfarrkirche von Strasburg (um 1370), der Chor der Marienkirche in Stargard (um 1400) und der Hallenchor von St. Marien in Königsberg (Neumark) (1389-1407). Ein typisches Merkmal seines Stils sind von spitzen Wimpergen bekrönte Paare von Figurennischen - oft dreifach übereinander angeordnet - an den eingezogenen Strebepfeilern, deren Vorbilder die Wandpfeiler im Kreuzgang der Marienburg i. Westpreussen (2. Viertel 15. Jh.) darstellen. Der kleinteilige Strebepfeilerdekor ist aufschlussreich für die Zierfreude seines Stils und einzigartig innerhalb der Backsteingotik seines Umfelds. In Diensten des märkischen und mecklenburgischen Stadtbürgertums erreichst seine Architektur im Bereich des Dekorativen, der Chorgestaltung und Wölbkunst einen Hans Stethaimer d.Ä. in Süddeutschland vergleichbaren Rang. Das belegt sein Hauptwerk, die Brandenburger Katharinenkirche (1387-1411), wo im Chorpolygon eine Art zweiter Umgang gebildet wird, die wohl eindrucksvollste Lösung unter den nordischen Umgangschören der Zeit.
Bryaxis
Griechischer Bildhauer, tätig seit dem 2. Viertel des 4. Jh. bis zu dessen Ende. Sein plastischer Stil trägt Züge des Übergangs von der Spätklassik zum Frühhellenismus, der sich durch ein neues, ausgreifendes Verhältnis der Figur zu ihrem Umraum ausdrückt. Sein Name und der Standort vieler seiner nur in antiken Schriftquellen überlieferten Werke lassen auf karische Herkunft (südwestliches Kleinasien) schliessen. Er war einer der vier Künstler, die die plastische Ausgestaltung des zu den sieben Weltwundern zählenden Mausoleums von Halikarnassos übernommen hatten. Möglicherweise ist die Statue des Herrschers Maussollos, heute im British Museum in London, sein Werk. Mehrere Platten des Nordfrieses an diesem Bauwerk, die den Kampf Zwischen Griechen und Amazonen darstellen, wurden ihm zugeschrieben. Eine Dreifussbasis aus Athen trägt seine Signatur. Von einigen seiner berühmten, nur schriftlich erwähnten Götterstatuen ist ihm zumindest das Bildnis des Sarapis auf Grund mehrerer römischer Kopien zuzuschreiben. Des weiteren gehört ein Porträt des Seleukos Nikator zu seinem Werk.
Bulfinch, Charles
(1763-1844). Amerikanischer Architekt aus wohlabender, kultivierter Bostener Familie, promovierte in Havard und machte auf Empfehlung Jeffersons (Jefferson, Thomas) 1785 eine Studienreise nach Europa. Seine Hauptwerke sind das Beacon Monument in Boston (1789) in Form einer 18 m hohen dorischen Säule; das State House in Hereford, Connecticut (1792), das State House (1793-1800) und Court House (1810) in Boston. Es waren wohl die würdigsten öffentlichen Gebäude jener Zeit in Amerika. In Boston wurden ausserdem unter Bulfinchs Leitung eine ausgedehntes Strassennetz geplant und nach Londoner Muster Häuserreihen mit einheilticher Fassade gebaut. Seine Bostoner Sakralbauten (Holy Cross, 1805; New South Church, 1814) wurden durch Wren, Sir Christopher, seine Profanbauten durch Chambers und Adam (Adam, Robert) beeinflusst. 1817-30 war er mit Arbeiten für das Kapitol in Washington betraut.
Bullant, Jean
(Geb. um 1510/15 Amiens (?) - 13.10.1578 Ecouen. Vermutlich war sein Vater Jean Bullant d. Ä. Werkmeister der Stadt Amiens). Französicher Architekt und Theoretiker, arbeitete anfangs in einem klassischen Stil in Anlehnung an Delorme, Philibert und die Antike (er hatte Rom ca. 1535-37 besucht), eignete sich dann aber schnell die komplexere Formensprache des Manierismus an und zeigte in seinem Spätwerk für Katharina von Medici eine Phantasie, die sich mit der seines Rivalen Du Cerceau vergleichen lässt. Nach dem Italienaufenthalt trat er in den Dienst des Connétable Anne de Montmorency ein, in dessen Auftrag er die Schlösser Fère-en-Tardenois, Ecouen und Chantilly vollendete. Eine seiner frühen Arbeiten, neben dem Schloss Fere-en-Tardenois (ca. 1537-40) der Ausbau des Schlosses in Ecouen, zeigt die ihm eigene Sorgfalt in den klassischen Details und sein ebenso typisches Missverstehen ihres Sinnes, wie z.B. die im höchsten Masse unklassische Anwendung kolossaler Säulenordnungen (Kolossalordnung) Manier. Züge von überzeugender Wirkung finden sich in seiner Galerie, die auf einem Viadukt errichtet ist (in Fere-en-Tardenois, 1552-62) und im Petit Chateau von Chantilly (um 1560). Nach dem Tode des Connétable (1567) arbeitete Bullant für Katharina von Medici: 1571 schuf er den südliche Pavillon der Tuilerien, 1573 das Hôtel de Soissons. Von seinen für Katharina de`Medici ausgeführten Arbeiten haben nur die Anbauten von Chenonceaux überlebt (1560) - der Westflügel des Vorhofs und die Grande Galerie auf der Brücke (um 1576). Heinrich II. betraute Bullant 1571-74 mit den Bauten von Fontainebleau und Chambord, 1574-78 mit der Kapelle Vincennes, 1572-78 mit der Weiterführung des Baus der Grabkapelle der Valois in St. Denis, gen. Notre-Dame-la-Ponele (heute abgerissen). Er verwendete als erster die Kolossalordnung in Frankreich und passte die antiken Säulenordnungen der zeitgenössischen Baukunst an. Von seinen theoretischen Schriften haben besondere Bedeutung die "Règle générale d'Architecture" (1564/68; Allgemeine Richtlinien für die Baukunst) und "Peti Traicte de Geometrie" (1564)..
Bullet, Pierre
(1639-1716). Schüler von Blondel, Nicolas-Francois, arbeitete anfangs in der klassisch-akademischen Tradition und entfaltete erst gegen Ende seiner Laufbahn in den Hotels des Crozat und d`Evreux (heute Hotel Riz) an der Place Vendome in Paris (1699-1707) einen persönlichen Stil. Die auf unregelmässigen Eckplätzen errichteten Bauten lassen in Form und Anordnung der Räume bereits die Zwanglosigkeit und Phantasie des beginnenden Rokoko ahnen. Von seinen zahlreichen Adelspalästen seien noch das Hotel Jabach (1669), Hotel Pelletier de Saint Fargeau (1686), beide in Paris, sowie das Schloss Issy (1698, 1870 zerstört) genannt. Als Theoretiker verfasste Bullet die Schriften: "Traite sur l`usage du pantometre" (1675) und "L`architecture practique (1691), beide in Paris erschienen.
Bunel, Jacques
* 1558 in Blois, + 1614. Französischer Maler. Er war ein typischer Vertreter der "zweiten" Schule von Fontainebleau, in der der flämische Einfluss gegenüber dem italienischen Manierismus Bedeutung gewann.Er wurde von Heinrich IV. sehr geschätzt, doch ist sein Werk im wesentlichen unbekannt. Er malte für die Kapuzinerkirche zu Blois und für St-Severin in Paris und arbeitete gemeinsam mit Toussaint Dubreuil an der Ausmalung der dann 1661 ausgebrannten Petite Galerie, der heutigen Apollon-Galerie des {Louvre-P
Buon, Bartolomeo di Giovanni → Buon, Giovanni di Bertuccio
Buon, Giovanni di Bertuccio
(Bon, Bono, Buono). Giovannie di Bertuccio (ca. 1382-1442) und Bartholomeo di Giovanni (gest. 1464). Vater und Sohn, die führenden Bildhauer und Baumeister des frühen 15. Jh. in Venedig. Von ihnen ist bekannt, dass sie u.a. an der Kirche Madonna dell`Orto (1392), an der Ca`d`Oro 1427-34), am Palazzo Barbero a S. Stefano und an der Kirche und Scuola Grande von S. Maria di Misericordai gearbeitet haben. Ab ca. 1426 wurden sie zu grossen Umbaumassnahmen am Dogenpalast herangezogen, so an der Porta della Carta (1438 bis 42). Bartolomeo war vermutlich allein mit Pantaleone am Bau des Arco Foscari beteiligt; wahrscheinlich haben sie sowohl die Pläne als auch die Bildhauerarbeiten ausgeführt.
Buon, Giovanni di Bertuccio
(auch Bon oder Bono). + 1442 in Venedig. Italienischer Bildhauer und Architekt, Vater des Buon, Bartolomeo d.Ä. di Giovanni, 1382 zum ersten Mal als "Joannis bon lapicide" bezeugt. 1422 übernahm er zusammen mit seinem Sohn Steinarbeiten an der Ca` D`Oro. Ab 1426 wurden Giovanni und Bartolomeo zu den Umbauarbeiten am Dogenpalast Venedig herangezogen. 1437 schloss er mit der Scuola Grande di S. Marco einen Vertrag zum Bau eines Portals ab. 1438 begann er, wiederum mit seinem Sohn, den Neubau der Porta del
Buonarrotti, Michelangelo → Michelangelo
Buonfigli, Benedetto → Bonfigli, Benedetto
Buono → Buon, Giovanni di Bertuccio
Buontalenti, Bernardo
(ca. 1536-1608). Florentinischer Architekt, Maler und Bildhauer des Manierismus, hatte auch die künstlerische Leitung über Maskenspiele, Feuerwerke (daher sein Spitznahme "della Girandole") und andere Lustbarkeiten am grossherzoglich-toskanischen Hof. Sein Stil ist verfeinerter und eleganter als der seines Zeitgenossen Ammanati, Bartholomeo, es sei z.B. auf die phantastischen "trompe-l`oeil"-Stufen zum Chor in S. Stefano (1574-76), die höchst originell gestaltete "Porta delle Suppliche" in den Uff
Burckhardt, Jacob
* 25.5.1818 in Basel, + 8.8.1897 in Basel. Schweizer Kunsthistoriker und Kulturhistoriker. Entscheidende Anregungen empfing er während seines Studiums in Berlin und Bonn (1839-42) durch die Historiker Leopold von Ranke und Johann Gustav Droysen sowie den Kunsthistoriker Franz Kugler. 1844 erhielt er in Basel eine Privatdozentur, 1845 wurde er ausserordentlicher Professor. 1846 ging er nach Berlin, um Kuglers Handbücher der Kunstgeschichte zu überarbeiten, und lehrte seit 1848 wieder in Basel. Sein erstes grösseres Werk, "Die Zeit Konstantins des Grossen" (1852) setzte sich mit der Übergangsepoche von der Antike zum Frühchristentum auseinander. Als Burckhardt 1853 seine Stellung in Basel verlor, schrieb er einen Reiseführer neuer Art über Italien, den "Cicerone" (in 3 Bänden 1855 erschienen). Sein bedeutendstes Werk war "Die Kultur der Renaissance in Italien" (1860), 1867 folgte "Die Geschichte der Renaissance in Italien", die sich in grossen Zügen der Architektur widmet, 1898 "Erinnerungen an Rubens", in denen Burckhardt seine starke Ablehnung des Barock als Verfallskunst zum Teil revidierte. Charakteristisch für seine Denkweise war es, Kunstwerke als geschichtliche Dokumente zu sehen, die er mit politischen, kulturellen und religiösen Faktoren verbunden glaubte, zugleich aber auf einer normativen Klassik als Wertmassstab zu bestehen. Kunst und Kultur der Hochrenaissance galten ihm ebenso wie die griechische Klassik als Goldenes Zeitalter (so auch in den posthum erschienenen "Weltgeschichtlichen Betrachtungen"). Burckhardt hatte grossen Einfluss auf die folgende Kunstgeschichtsschreibung.
Burges, William
(1827-81). Englischer Architekt, arbeitete nach Abschluss seiner Ingenieurausbildung in den Büros von Blore und M.D. Wyatt, reiste in Frankreich, Deutschland und Italien. Er studierte und verwandte in gleicher Weise franz. wie engl. Formen der Gotik. 1856 gewann er mit Henry Cluton (1819-93) den Wettbewerb für die Kathedrale von Lille, doch wurde der Auftrag nicht an sie vergeben. 1859 baute er den Ostabschluss von Waltham Abbey, wo sich zum erstenmal die ungewöhnliche Massivität und Schwerfälligkeit seiner Details zeigte. Er liebte überreiche Bauplastik und zeigte weniger Interesse an Sakralbauten als die anderen führenden Architekten des Gothic Revival. Seine Hauptwerke sind die Kathedrale von Cork (1862-76), in reiner Nachahmung frz. Hochgotik; der grosse Erweiterungsbau für Cardiff Castle (1865); die Neugestaltung von Castle Coch bei Cardiff (ca. 1875); die Aula 5 von Harrow School (1872) und sein eigenen Haus in der Melbury Road in Kensington, London (1875-80). Auch das Hertford College, Connecticut, wurde nach seinen Plänen erbaut (1873-80).
Burgkmair, Hans
1473 Augsburg - 1531 Augsburg. Deutscher Maler, Zeichner für den Holzschnitt. Sohn des Malers Thoman Burgkmair, lernte 1488/90 bei M. Schongauer und war seit 1491 in Augsburg tätig. Nach einer Italienreise verband er erstmals Italienisches (Renaissancearchitekturen und -ornamente, venezianische Farbigkeit) mit traditioneller deutscher Malweise. Er vervollkommnete den Farbholzschnitt (Bildnis "Hans Paumgartner", 1512) und war an den künstlerischen Unternehmungen Maximilians I. beteiligt: "Genealogie" (15
Burlington, Richard Boyle
Dritter Earl of (1694-1753). Förderer und Hauptverfechter des englischen Palladianismus, dabei selbst begabter Architekt. 1714-15 war er zum erstenmal in Italien, doch wandte er sich erst nach seiner Rückkehr in London Palladio, Andrea zu und zwar gleichzeitig mit der Veröffentlichung von Campbells (Campbell, Colen) "Vitruvius Britannicus" und die Edition von Leoni, Giacomo "Four Books of Architekture" von Palladio, Andrea. Lord Burlington ersetzte den bisherigen Architekten für Burlington House
Burnacini, Locovico
(auch Ludovico). * 1636 in Mantua, + 12.12.1707 in Wien. Italienischer Bühnenbildner und Architekt in der bedeutendsten Epoche des Barocktheaters. Seit 1651 als Gehilfe seines Vaters, des Theateringenieurs Giovanni Burnacini, am Wiener Hof, entwickelte er nach dessen Tod den in florentinisch-venezianischer Tradition von Giulio Parigi und Giacomo Torelli stehenden Stil in 115 Inszenierungen weiter. Eine der bedeutendsten ist die Huldigungsoper "Il Pomo d`Oro" aus Anlass der Hochzeit Leopolds I. mit Margher
Burton, Decimus
(1800-81). Englischer Architekt, Sohn von James Burton (1761-1846), einem erfolgreichen Londoner Bauunternehmer. Schon 1823 entwarf Burton, Decimus das Kolosseum im Regent`s Park, mit einem dorischen Portikus und einer Kuppel welche die der St. Paul`s Kathedrale in London an Grösse übertraf. Es beherbergte ein Panorama von London. 1825 begann er mit den Verschönerungsbauten für den Hyde Park, unter ihnen Hyde Park Corner Screen. Er baute auch verschiedene Wohnsiedlungen, die Stadt Fleetwood, die grossen Palmenhäuser in den Parks von Chatsworth (zusammen mit Paxton, Sir Joseph) und Temperate House in Kew (1845-48, zusammen mit R. Turner), viele Villen (mehrere in Regent`s Park), den Athenaeum Club in London (1829-30) und eine Anzahl von Landhäusern.
Busch, Johann Joachim
* 18.9.1720 in Schwerin, + 27.12.1802 in Plau (Mecklenburg). Deutscher Architekt. Bedeutende Bauten in der 1764 unter Herzog Friedrich von Mecklenburg-Schwerin neu gegründeten Residenzstadt Ludwigslust. Ab 1758 war Busch mit der Stadtanlage beschäftigt. 1765-70 entstand nach seinen Plänen die Hofkirche, 1772-76 der Neubau des herzoglichen Schlosses Ludwigslust II. Die hervorragende Massengliederung des Schlosses in Mittelrisalite und Eckrisalite an der stadtseitigen Front sowie die raumgreifende Auflösung des Baukörpers auf der Gartenseite in zwei Seitenflügel und einen weit vorgeschobenen Mittelteil machen zusammen mit den eher nüchtern-trockenen Einzelformen diesen Bau zu einem repräsentativen Beispiel für den Übergang spätbarocker Stilprinzipien zum Klassizismus.
Butinone, Bernardino
* vermutlich vor 1436 in Treviglio an der Adda, + nach 1507. Oberitalienischer Renaissancemaler, Schüler Vincenzo Foppas. Seine Hauptwerke entstanden in enger Zusammenarbeit mit dem 1436 ebenfalls in Treviglio geborenen Bernardo Zenale: 1485-88 das "Marien-Polyptychon" von S. Martino in Treviglio und 1492-93 die Fresken der Kapelle Grifi in S. Pietro in Gessate bei Mailand. Aus seinem Schreiben vom 9.12.1490 geht hervor, dass er mit vielen anderen Künstlern zur Ausschmückung des Sforzesco-Castello nach Ma
Bys, Johann Rudolf → Byss, Johann Rudolf
Byss, Johann Rudolf
(auch Bys). *(getauft) 11.5.1662 in Chur, + 11.12.1738 in Würzburg. Schweizer Tafelmaler und Freskant, Sohn des Solothurner Malers Franz Josef Byss, der ihm wahrscheinlich den ersten Unterricht erteilte. Johann Rudolf Byss war ein vielseitiger Künstler, der Tafelbilder - vor allem Stilleben -, Wandbilder und Deckenbilder sowie verschiedenartige kunstgewerbliche Entwürfe schuf. Ornamentale Gestaltungsweise und genaue Detaildarstellung kennzeichnen seine Werke. Ein in Würzburg erhaltenes Skizzenbuch diente ihm als Vorlagensammlung. Zwischen 1680 und 1688 war er in Deutschland, England und Holland, vielleicht auch in Italien auf Wanderschaft. 1689 in Prag, wurde Byss Hofmaler des Grafen Czernin, heiratete und erwarb 1692 das Bürgerrecht. Er lebte dort bis 1713. Seine in Prag geschaffenen Blumenstilleben und Jagdstilleben zeigen deutlich holländischen Einfluss. Im Stracka-Palais malte er um 1700 mythologisch-allegorische Wandbilder und Deckenbilder in Temperatechnik. 1704 ging er nach Wien und erhielt bedeutende Aufträge, so die Ausmalung des Audienzsaales der Hofburg Wien (zerstört). 1707 ist er auf einer Italienreise in Rom bezeugt. 1713 berief Kurfürst Franz Lothar von Schönborn Byss an seinen Hof. Für ihn malte Byss sein bedeutendstes Werk, das allegorische Deckenbild von 1717 im Treppenhaus von Schloss Weissenstein Pommersfelden. Von 1729 an beteiligte Friedrich Karl von Schönborn Byss an der dekorativen Ausstattung seiner Residenz Würzburg I (Spiegelsaal 1737) und übertrug ihm u.a. die Ausmalung der Schönbornkapelle am Dom und der Hofkirche (zwischen 1732 und 1735), die er in römisch-bolognesischer Quadraturmalerei.
Ca` Zenobio, Luca da → Carlevaris, Luca
Cabral, Pedro Alvares
Geb. 1467 in Belmonte - um 1520). Portugiesischer Seefahrer. Nach der Rückkehr V. da Gamas von seiner ersten Indienfahrt verließ Cabral 1500 als Admiral Lissabon. Er trieb weit nach Westen bis zur brasilianischen Küste ab und gelangte dadurch in die südlichen Ostwinde, die ihn schnell um das Kap der Guten Hoffnung führten; er verlor aber im Sturm mehrere Schiffe, auch das von B. Diaz kommandierte. Aus Furcht vor der Flotte liessen die einheimischen Fürsten die Gründung von Handelsniederlassungen zu, nur der Herrscher von Kalikut weigerte sich. Darauf schoss Cabral die Hauptstadt in Flammen.
Cade, John
Genannt Jack, auch John Mortimer. Gefallen 12.7.1450 bei Heathfield (Sussex). Englischer kleinadliger Bauernführer. Cade führte 1450 den Bauernaufstand in Kent. Der sich herausbildende neue Adel unterstützte die Forderungen der Bauern, um gegen die von der Krone und den grossen Adelsfamilien zu verantwortende feudale Misswirtschaft zu protestieren. Das Haus York mit seinen Prätentionen auf den englischen Thron versuchte, Cade für seine eigenen Ziele zu benutzen. Die Lenkung entglitt ihm jedoch und die Bauern und Plebejer erhoben konsequente soziale und politische Forderungen. Das Bauernheer konnte London einnehmen und kurze Zeit besetzen. Es löste sich jedoch selbst auf, weil die Bauern leichtgläubig auf Versprechungen hereinfielen und auseinanderliefen. Der Aufstand wurde mit grausamem Terror ("Kopfernte") niedergeschlagen. Cade fiel im Kampf gegen ein Kommando, das ihn hinrichten sollte.
Caffieri, Jacques
* 25.8.1678 in Paris, + 23.11.1755 in Paris. Französischer Bildhauer und Bronzegiesser. Vater von Caffieri, Philippe und Caffiere, Jean-Jacques. Im Auftrag von Ludwig XIV. schuf er für die Schlösser Versailles, Fontainebleau, Choisy u.a. zahlreiche Ausstattungsstücke, wie Leuchter, Spiegelrahmen, Kaminverzierungen, Möbelbeschläge und Uhrgehäuse.
Cagnola, Marchese Luigi
(1762-1833). Führender italienischer Architekt des Klassizismus, spielte zur Zeit Napoleons eine bedeutende Rolle bei der Umgestaltung Mailands. Er entwarf die streng ionische Porta Ticinese (1801-14) und den reicher gestalteten Arco della Pace (1806-38), ferner eine dem Pantheon nachempfundene Pfarrkirche in Gihsalba (um 1830), einen etwas bizarren Campanile, der von einer durch Kanephoren gestützten Kuppel gekrönt ist (Urgnano, 1820), und seine eigene, stilistisch der griechischen Antike nachempfundene, säulenreiche Villa Ivergio (begon. 1813).
Calvi, Lazzaro
* 1592 in Genua, + 1607 (?) in Genua. Italienischer Maler, Schüler seines Vaters Agostino Calvi und Perino del Vagas. Er malte Altartafeln, Wanddekorationen und Freskenzyklen gemeinsam mit seinem Bruder Pantaleone Calvi (* vor 1502, + 1595), der ihm lediglich Gehilfendienste leistete. Calvi dekorierte in Genua folgende Paläste: Prefettura-Palazzo (Doria-Spinola-Palazzo), Doria-Palazzo Genova, Grimaldi-De Maria-Palazzo, Lercari-Palazzo, Agostino-Pallavicino-Palazzo, Parodi-Palazzo, Meridiana-Palazzo.
Cambiaso, Luca
* 18.10.1527 in Moneglia bei Genua, + 6.9.1585 im Escorial bei Madrid. Italienischer Maler, Zeichner und Bildhauer, der sich vor allem einen Namen mit Fresken und Tafelbildern machte. Sein erster Lehrer war sein Vater Giovanni Bartolomeo Cambiaso. Bereits mit 15 Jahren arbeitete er mit ihm zusammen an Wandmalereien und Fassadengestaltungen. Gemeinsam mit Lazzaro Calvi stattet er 1544 den Doria-Palazzo Genova, die heutige Präfektur, mit mythologischen Fresken aus. Hier lernte er auch die Fresken von Perino del Vaga kennen. Um 1546 dürfte er eine Reise nach Rom und Florenz unternommen haben, denn Michelangelos Einfluss auf sein Werk ist von da an unverkennbar. Nach 1550 ist er wieder in Genua nachweisbar, wo er mit dem Architekten Galeazzo Alessi und dem Maler und Architekten Giovanni Battista Castello Freundschaft schloss. Die Zusammenarbeit mit Castelli brachte Cambiaso eine grössere perspektivische Genauigkeit. Er erhielt zahllose Aufträge für Genueser Kirchen und Paläste. 1567 ging Castelli an den spanischen Königshof. Cambiaso blieb in Genua und arbeitete dort mit Andrea Semino zusammen, vor allem bei den Fresken der Durazzo-Pallavicini-Villa. 1575 hielt er sich in Rom auf, 1583 ging er zusammen mit seinem Schüler Lazzaro Tavarone nach Spanien, wo er Hofmaler von Philipp II. wurde und Fresken für die Kirche im Escorial ("Das Paradies") malte. Die Malweise Cambiasos ist plastischer und bewegter als die seines Vaters, und er verwendete mehr Lichtkontraste und Schattenkontraste. Beeinflusst wurde er ausser von Michelangelo vor allem von Corregio und Paolo Veronese. In der Farbgebung und Bewegtheit der Figuren zeigen sich schon barocke Tendenzen. Seine Nachtstücke, wie "Christus von Kaiphas" (Genua, Galleria die Palazzo Bianco), wurden zukunftsweisend. Neben Fresken und Tafelbildern sind viele Zeichnungen Cambiasos überliefert, darunter jene mit Figuren, die Parallelen zur Figuration des Kubismus aufweisen. Für den Bildhauer Cambiaso sind nur wenige Werke gesichert; so schuf er für die Lercari-Kapelle von S. Lorenzo in Genua die Statue der "Prudentia". Ausserdem soll er die Modelle für die Reliefs des Corpus-Domini-Schreins im Domschatz von Genua sowie eine liegende weibliche Grabfigur für die Satuario del Monte, ebenfalls in Genua, geschaffen haben.
Camden, William
(1551-1623). Englischer Historiker, dessen ursprünglich lateinisch abgefasstes, später auch auf englisch veröffentliches Hauptwerk Britannia (1586, englisch 1610) sich durch persönliche Kenntnis der geschilderten Denkmäler seitens des weitgereisten Autors sowie durch dessen weitgespannten Gesichtskreis und seine Orientierung an belegbaren Fakten (damit auch an archäologischen Zeugnisse) auszeichnet. Es hatte seinerzeit bedeutenden Erolg und erlebte mehrere, vom Autor aufgrund neuer Reisen, neuer Studien und neuer Erkenntnisse überarbeitete und erweiterte Auflagen.
Cameron, Charles
(ca. 1746-1812). Geboren in Schottland, besuchte um 1768 Rom und veröffentlichte 1772 "The Baths of the Romans". Über die folgenden Jahre ist nichts bekannt, bis er 1779 von Katharina der Grossen nach Russland gerufen wurde, wo er dann bis zum Ende seines Lebens blieb. Für die Zarin richtete er einige Räume in dem von Rastrelli, Graf Bartolomeo Francesco entworfenen Palast in Zarskoje Selo (jetzt Puschkin) bei Leningrad ein (1780-85). Dort errichtete er auch den Achat-Pavillion und die Cameron-Galerie. Fü
Campbell, Colin
(1676-1729). Englischer Architekt. Von Campbells (Campbell, Colin) Anfängen ist nur wenig bekannt. 1715 veröffentlichte er den ersten Band seines "Vitruvius Britannicus" und errichtete das Wanstead House (heute zerstört), das vorbildlich für die Landhäuser des Palladianismus wurde. Wahrscheinlich war er es, der Lord Burlington, Richard Boyle für den Palladianismus begeisterste. Jedenfalls erhielt er an der Stelle von Gibbs, James den Auftrag, das Burlington House in London (1718/19) umzugestalten.
Campen, Jacob van
(1595-1657). Ein wohlhabender und gebildeter Maler-Architekt, führender Vertreter des holländischen Palladianismus, einer schlichten, gemässigten und sparsamen Variante des barocken Klassizismus (Barock), die durch die Verwendung von Backsteinen in Verbindung mit Natursteinen und einfache, fast graphisch wirkende Pilaster charakterisiert wird. Campen studierte in Italien, wo er wahrscheinlich Scamozzi, Vincenzo kennenlernte, dessen Stil auf ihn sicherlich grossen Einfluss ausübte, auf jeden Fall einen grösseren als der von Palladio, Andrea. Campens Bauweise kommt in seinem Hauptwerk, dem Mauritshuis in Den Haag (1633-35), voll zur Entfaltung. Es ist in der Anlage ganz palladianisch mit ionischen Pilastern in Kolossalordnung über niedrigem Erdgeschoss und mit Giebel, aber das Dach ist ein typisch holländisches Walmdach, das von der Dachtraufe in leicht konkav geschwungener Linie aufsteigt. Das von ihm ganz aus Sandstein erbaute Rathaus in Amsterdam (heute Königlicher Palast, 1648-55) ist schwerfälliger, jedoch einer der grossartigsten Rathausbauten. Die Nieuwe Kerk in Haarlem (1645) hat als Grundriss ein in ein Quadrat eingeschriebenes griechisches Kreuz. Campen entwarf auch das Coymans Huis an der Keizersgracht in Amsterdam (1625), das Noordeinde Palais, Den Haag (1640), das Accijnhuis und das Theater in Amsterdam (1637). Zusammen mit Christian Huygens entwickelte er das Dekorationsprogramm für Huis ten Bosch Den Haar von Post, Pieter, das Jordaens und andere ausführten. Der Stil von Campens Profanbauten übte durch seine Nachfolger Post, Pieter, s`Gravesande und Vingboons grossen Einfluss aus.
Campi, Antonio
* 1535 in Cremona, + 1587 in Cremona. Italienischer Maler, Bildhauer und Architekt des Manierismus, zweiter Sohn von Galeazzo Campi und der weniger begabte Mitarbeiter seines Bruders Giulio an den freskierten "Szenen aus dem Leben des hl. Paulus" von 1560 für S. Paolo in Mailand. Neben Deckenfresken, wie "Elias fährt zum Himmel" in S. Pietro in Cremona, und Altartafeln, wie "Taufe Christi" von 1577 für S. Sigismondo, schuf er für diese Kirchen auch Bildhauerarbeiten und Stuckarbeiten, die er motivisch in di
Campi, Felice
* 13.11.1746 in Mantua, + 4.5.1817 in Mantua. Italienischer Maler. Schüler Giuseppe Bazzanis und Giuseppe Bottanis, war vor allem in Mantua tätig. Er schuf dort z.B. Fresken für S. Andrea, die "Vier Kirchenväter" und eine "Allegorie des Glaubens" für den Dom und 1780 die Dekoration der "Sala degli Arazzi" im Ducale-Palazzo Mantova nach Raffael-Zeichnungen. Ebenso betätigte er sich bei der Festdekoration für den Einzug Napoleons in Mantua im Jahr 1805 und als Kopist und Restaurator alter Gemälde und Freske
Campionesen
Bezeichnung für eine Reihe von Architekten, Steinmetzen und Bildhauern, die aus Campione am Luganer See stammen. Im 13. und 14. Jh. waren sie in Oberitalien tätig und dehnten ihr Wirkungsfeld bis nach Mittelitalien aus. Sie bewahrten und verbesserten die aus der Antike tradierten Kenntnisse der Fundamentkonstruktion, Wandkonstruktion und Dachkonstruktion und trugen erheblich zur Entwicklung der romanischen und gotischen Architektur sowie der Plastik in Norditalien bei. Sie verbanden französische Anregungen und Motive mit heimischer, lombardischer Tradition, wie der Dom in Trient zeigt. Die "maestri Campionesi" wurden vorwiegend mit der Umgestaltung älterer Kirchen beauftragt: Steingewölbe, Rundfenster an den Fassaden, Marmorinkrustationen, Vierungstürme und Kuppeln. Die wenigsten Künstler sind namentlich bekannt. Anselmo da Campione fügte am Dom von Modena die Porta Regia und eine Fensterrose hinzu. In S. Zeno in Verona war Bioloto da Campione tätig, Gabmione da Campione im Dom von Ferrara und dem von Parma. In Mailand, Parma und Piacenza setzten sie mit Campanile-Bauten neue Akzente auf den Stadtplätzen. Seit Mitte des 12. Jh. wurden von den Campionesen Portalvorbauten verbreitet und Stufenportale nach französischem Vorbild gestaltet. Neue dekorative Elemente wie säulentragende Löwen fanden durch die Campionesen schnelle Verbreitung. Kennzeichen ihrer gemeinschaftlichen Arbeitsorganisation war die enge Verbindung von Architektur und Skulptur. Bonino da Campione, der in der 2. Hälfte des 14. Jh. Grabmäler für die Scaliger in Verona und die Visconti in Mailand gestaltete, gilt als der bedeutendste und meistbeschäftigte Bildhauer unter den Campionesen.
Canal, Giovanni Antonio → Canaletto d.Ä.
Canaletto d.Ä.
(eigentl. Giovanni Antonio Canal). * 18.10.1697 in Venedig, + 20.4.1768 in Venedig. Bedeutender italienischer Architekturmaler und Landschaftsmaler. Canaletto entwickelte die venezianische Vedutenmalerei zu höchster Blüte. In seinen Stadtansichten versuchte er topografische Treue mit lebendiger Wiedergabe von Licht und Athmosphäre zu verbinden. Er entstammte einer adeligen venezianischen Familie. Sein Vater Bernardo war Theaterdekorationsmaler und sein erster Lehrer. 1719 ging Canaletto nach Rom. Hier lernte er auch Giovanni Paolo Pannini, Gaspare Vanvitelli, den englischen Kupferstecher Henry Flechter und Giovanni Battista Piranesi kennen. 1720 kehrte er nach Venedig zurück. Dort wurde er in die Zunft der Maler aufgenommen und Schüler von Luca Carlevaris, Marco Riccis und des Schweden Hans Richter. Um 1725 war er bereits als Spezialist für Veduten bekannt. Seine Förderer waren der Ire Owen Mac Swiny und der englische Handelsvertreter John Smith, der 1744 zum englischen Konsul in Venedig ernannt wurde. Mac Swiny und Smith trieben regen Handel mit Canalettos Bildern, der durch die Vorliebe der Engländer für venezianische Kunst begünstigt wurde. Zu Canalettos Auftraggebern zählten Stefano Conti, ein Kaufmann aus Lucca, für den er um 1726 die drei Bilder "Canal Grande", "Chiesa della Carita" und "Rialto" (alle Montreal, Sammlung Elwood B. Hosmer) malte, der Herzog von Richmund, der 1727 vier Bilder erhielt, und der Herzog von Bedford. 36 Veduten, von Antonio Visentini später in Kupfer gestochen, 31 Radierungen mit Motiven aus dem Terraferma genannten Hinterhalt Venedigs (1744) und 13 Supraporten mit Ideallandschaften (heure Windsor Castle) entstanden für Konsul Smith. 1742 ging Canaletto, begleitet von seinem Neffen und Schüler Bellotto, Bernardo, zum zweitenmal nach Rom. Durch den Österreichischen Erbfolgekrieg von 1740 lagen England und Venedig auf gegnerischen Seiten. Der Absatz der Bilder Canalettos ging daher merklich zurück. So begann er in dieser Zeit zur Überbrückung von Zeichnungen, die zum Besten seines Werkes gehören. 1746 reiste Canaletto zum erstenmal nach England, wo er bis 1750 blieb. 1751 bis 1753 fuhr er zum zweitenmal und 1754 ein drittes Mal nach England, wo er London und die Landhäuser seiner Verehrer malte. Ab 1755 hielt er sich wieder in Venedig auf. Canalettos bedeutendste Schüler waren Francesco Guardi, Bernardo Belotto und Jacopo Marieschi. Zu den zahlreichen Nachahmern seiner Werke gehörten Francesco Tironi, Giuseppe Moretti, Giovanni Migliara, Michele Marieschi, Giovanni Battista Cimaroli da Salo und in England Samuel Scott. 20 Jahre nach Canalettos Tod beauftragte die Akademie Francesco Guardi, das Werk Canalettos so weit wie möglich abzugrenzen, da unzählige Nachahmungen in seinem Stil entstanden waren. Das Jugendwerk Canalettos ist noch durch sich jäh verkürzende Perspektiven und starke Hellkontraste und Dunkelkontraste gekennzeichnet, später weitet sich der Raum, und die Farben werden heller. Seine Veduten sind bei aller peniblen Genauigkeit der architektonischen Details und trotz Benutzung der Camera obscura mehr als topografische Aufzeichnungen. Verglichen mit Francesco Guardi, suchte Canaletto nicht das Bizarre, die Fragwürdigkeit seiner Heimatstadt, sondern das Eigentliche, Unveränderliche Venedigs darzustellen. Durch die ganz andere Wahl der Bildgegenstände und die grössere Wärme und Leuchtkraft der Farben unterscheidet er sich von Belotto. Canalettos Ruhm ist heute, trotz unzähliger Reproduktionen und allgemeiner Bekanntheit seiner Bilder Venedigs, vor allem zugunsten Francesco Guardis etwas verblasst. Der grösste Teil seiner Werke befindet sich seit dem 18. Jh. in englischen Sammlungen.
Canaletto d.J. → Bellotto, Bernardo
Candid, Peter
(auch Pieter de Wit oder de Witte, 1548-1628). In Brügge geboren, Maler und Architekt des Manierismus, Sohn des flämischen Bildhauers Elias de Witte, mit dem er um 1573 nach Florenz ging. Ers studierte in Italien Malerei, möglicherweise unter Vasari, Giorgio, und war als Maler in Florenz und Rom tätig. 1586 liess er sich in München nieder und arbeitete hier für Herzog Wilhelm V. und Herzog Maximilian I., die schon Sustris, Friedrich und den manieriestischen Bildhauer Hubert Gerhard berufen hatten. Vielleicht war Candid als Architekt am Bau der Münchener Residenz beteiligt; Sicheres ist darüber nicht bekannt.
Canina, Luigi
* 23.10.1795 in Casale Monferrato, + 17.10.1856 in Florenz. Italienischer Architekt und Erforscher der antiken Denkmäler Roms, lernte seit 1810 bei dem Architekten Ferdinando Bonsignore in Turin. Canina leitete seit 1825 die Neuanlage der Borghese-Villa Rom. Dort errichtete er u.a. 1825 ein Portal bei der Porta del Popolo und 1827/28 einen ionischen Propyläenbau an der Villa Borghese. In ägyptischem Stil baute er 1849 das Casino Vagnuzzi vor der Porta del Popolo. Bedeutender als die Bautätigkeit Caninas sind seine zahlreichen Schriften über antike Architektur, u.a. L`Architettura antica descritta e dimostrata coi monumenti" (1834-44) und "Gli Edifici di Roma antica e sua campagna" (1846-56).
Canonica, Luigi
* 1762 in Tesserete (Lugano), + 7.2.1844 in Mailand. Italienischer Architekt und Theaterbaumeister, schuf vor allem klassizistische Bauten in Mailand, lernte zuerst bei Guiseppe Piermarini in Mailand und besuchte die dortige königliche Bauakademie. Canonica lehrte als Professor der Baukunst am Collegio Imperiale dei Nobili. Als Architekt Napoleons entwarf er die Grundrisse zum Foro Bonaparte in Mailand und zu den Gärten des Schlosses Reale-Villa Monza. Ausserdem erbaute er u.a. das Amphitheater (1806), das Königliche Schloss (Reale-Palazzo Mailand), die Bonaparte-Villa und die Traversi-Villa (alle in Mailand), weiterhin die Taverna-Villa am Comer See. Als Theaterbaumeister schuf er u.a. in Mailand das Teatro Re (1813), weiterhin die Theater in Brescia (1811), Cremona (1808), Mantua (1818-22), Sondrio (1820-24) und Genua.
Canuti, Domenico Maria
* 1620 in Bologna, + 6.4.1684 in Rom. Italienischer Maler und Kupferstecher des Bologneser Barock, Schüler von Guido Renis. In Bologna freskierte er die Gewölbe zahlreicher Kirchen und schuf Wandbilder u.a. im Curti-Palazzo, Pepoli-Palazzo Bologna und Fibbia-Palazzo (alle in Bologna). Canutis Werk zeigt noch nicht die illusionistischen Effekte in der Deckenmalerei, die in Rom bereits üblich waren. 1677-80 arbeitete er an der Ausmalung der Bibliothek des Klosters S. Michele in Bosco, und 1682 bis 1684 freskierte er die Kuppel des Chores. Weitere Fresken in Padua (S. Benedetto Novello) und Rom (S. Francesca Romana, SS. Domenico e Sisto di Monte Magnanapoli).
Caporali, Giovan Battista
(1476-1560). Maler und Architekt, von Vasari, Giorgio fälschlicherweise Benedetto genannt. Nach Vasari, Giorgio etwa ab 1509 Schüler von Perugino in Rom. Weitere Architekturstudien möglicherweise bei Bramante, Donato, Peruzzi, Baldassare oder auch Sangallo, Giuliano da. Die Villa Passerini bei Cortona ist vermutlich das einzig gesicherte Bauwerk Caporalis. Bedeutender für die Architekturgeschichte ist Caporali durch seine 1536 herausgegebene und übersetzte Ausgabe der Architekturbücher Vitruvs, die auf der 1521 entstandenen Version von Cesare Cesarino basierte. Als Maler stand Caporali vornehmlich unter dem Einfluss von Michelangelo und Romano, Giulio. Sein bekanntester Architekturschüler war Alessi, Galeazzo.
Caratti, Francesco
(gest. 1677/79). Geboren in Bissone bei Como, ging 1652 nach Prag und wurde dort einer der führenden Architekten. Sein Hauptwerk ist das Czernin-Palais in Prag (1669-92), dessen gewaltige Fassade durch eine Reihe von 29 der Wand vorgeblendeten Kolossalsäulen bestimmt wird. Sie ruhen auf den Vorsprüngen des diamentierten Rustika-Sockels (Rustika). Das durch die stark plastische Gliederung verursachte Spiel von Licht und Schatten macht die Fassade zu einer der spannungsreichsten ihrer Zeit. Caratti erbaute auch die Maria-Magdalenen-Kirche in Prag (beg. 1656) und den Ostflügel des Schlosses in Raudnitz (Roudnice n. L., 1652-65.).
Caratti, Francesco
* in Bissone (Tessin), + 1677 in Prag. Italienischer Barockarchitekt. Er war nach seiner Ausbildung in Norditalien seit dem 3. Viertel des 17. Jh. in Böhmen tätig. In den fünfziger Jahren schuf er die Pläne für die Gartenfassade des Michna-Palais (Amerika-Villa Prag); auch die Kuppel (1648) und der Portikus (um 1655) der St.-Salvator-Kirche in Prag gehen auf ihn zurück. Er entwarf im Dienst des Reichsfürsten Wenzel Eusebius von Lobkowitz 1653 das Schloss Raudnitz (Roudnice) und war am Bau der St.-Maria-Magdalena-Kirche in Prag beteiligt. 1668-77 entstand sein Hauptwerk, der Entwurf des Czernin-Palastes in Prag (1669-92 ausgeführt von den Maurermeistern De Capaoli und Abraham Leuthner); der Bauherr selbst, Graf Czernin, der in Rom im Umkreis Giovanni Lorenzo Berninis Architektur studiert hatte, hat hier wahrscheinlich eigene Ideen in die Planung mit eingebracht. Eine neunundzwanzigachsige Riesenfront von dreieinhalb Stockwerken Höhe erhebt sich über einem diamantierten Sockegeschoss. Dominierend wirkt die Vertikalgliederung der Kolossalordnung aus Halbsäulen, die sich mit hohen Postamenten ins Sockelgeschoss fortsetzt. Für diese zur Stadt gerichtete Fassade von grossartig monothonem Pathos waren die Vicentiner Paläste von Palladio, Andrea aus dem 16. Jh. vorbildlich, für die Gartenfront die Medici-Villa. In seiner Gigantomanie ist das Bauwerk imposant, im einzelnen jedoch eklektizistisch und wenig ansprechend.
Carducci, Bartolomeo → Carduche, Bartolomé
Carducho, Bartolomé
(eigentl. Carducci, Bartolomeo). * 1560 in Florenz, + 1608 oder 1610 in Madrid. Italienischer Maler, Freskant und Stukkateur des Manierismus, Bruder Vicente Carduchos, Schüler des Bildhauers und Architekten Bartolomeo Ammanati und später des Malers Federico Zuccari. In der Verwendung seiner Farben jedoch lässt sich sein Werk auf Andrea del Sarto zurückführen. Unter der Leitung von Zuccari stukkierte er 1581 in der Cappella Paolina des Vatikans und half bei der Fertigstellung der von Vasari, Giorgio begonnenen Fresken in der Florentiner Domkuppel. Durch Vermittling des Herzogs von Olivares folgte er Zuccari 1585 nach Spanien, wohin König Philipp II. den Meister zur Ausmalung des Escorial berufen hatte. Carducho heiratete in Spanien und blieb dort, als Zuccari drei Jahre später nach Italien zurückkehrte. Mit Tibaldi (eigentl. Pellegrino de` Pellegrini) und dessen Schülern freskierte Carducho den Kreuzgang und die Bibliothek des Escorial; von seiner Hand stammen "Die sieben freien Künste" und "Der hl. Ambroisus bekehrt Augustinus", eine klare Frieskomposition (Entwurf in London, British Museum). Die Ölgemälde der "St.-Laurentius-Legende" befinden sich in Madrid, ebenso ein "Abendmahl" und eine "Kreuzabnahme" (Madrid, Museo del Prado), einige Gemälde der Legendendarstellung besitzt das Museo Nacional de Arte Antiga in Lissabon.
Carlevarijs, Luca → Carlevaris, Luca
Carlevaris, Luca
(auch Carlevarijs, Luca oder Ca` Zenobio, Luca da). * 20.1.1663 in Udine, + 12.2.1730 in Venedig. Italienischer Maler und Radierer. Sein Hauptinteresse galt der Vedutenmalerei und Marinemalerei. Er war der Lehrer von Canaletto d.Ä., Giovanni Antonio, den er angeblich im Gebrauch der Camera obscura unterwiesen hat. Er betätigte sich in Venedig auch als Maler dekorativer Prospekte, vor allem im Zenobia-Palazzo (daher sein Beiname). Die Zahl der Gemälde, die ihm mit Sicherheit zugeschrieben werden können, ist sehr klein; dazu gehören zwei Landschaften mit Figurenstaffagen (Venedig S. Pantalon), die "Regatta auf dem Canal Grande zu Ehren Friedrichs IV. von Dänemark" (1709, Kopenhagen, Schloss Frederiksborg), "Landschaft mit Ruinen" (1713, Vicenza, Museo Civico), "Empfang des Gesandten Coloredo an der Riva degli Schiavoni in Venedig" (1726, Dresden, Gemäldegalerie). 1703 erschien seine Sammlung von 103 radierten Blättern mit venezianischen Bauwerken und Veduten: "Le fabbriche e vedute di Venezia disegnate, poste in prospettiva ed intagliate".
Carlone, Carlo Antonio
(auch Carlantonio). * um 1630/40 in Scaria (heute Lanzo d`Intelvi-Scaria, Como), + 1708 in Passau. Italienischer Architekt des Spätbarock, Sohn von Carlone, Pietro Francesco. Den frühesten Nachweis seines Wirkens stellt die Fassade der ehemaligen Jesuitenkirche zu den neun Chören der Engel in Wien (1662 errichtet) dar. Erst 1679 trat Carlone wieder, in der Nachfolge seine Vaters, in Kloster Garsten auf, wo er die 1677 begonnene Planung und Ausführung der Kirche übernahm und in Arbeitsgemeinschaft mit anderen italienischen Bauhandwerkern und Künstlern vollendete (Comasken). Es folgten Arbeiten in Schlierbach (Beteiligung an der Klosterkirche, 1680-83), Kremsmünster (Fassade der Kirche, der sog. Fischbehälter, ab 1680) und schliesslich St. Florian, wo er ab 1680 Stiftsbaumeister war. Carlone hat als Klosterbaumeister in Österreich die Grundlagen der Klosterbaukunst mit geschaffen, welche die späteren Prachtanlagen der Reichsstifte Melk, Göttweig aber auch Ottobeuren ermöglichten. den Höhepunkt seines Schaffens bildet die Stiftskirche St. Florian: eine mächtige Pfeilerbasilika vom Typus Il Gesu in Rom mit eingezogenen Emporen und unter der Verwendung des Palladiomotivs. Die hochplastische Dekoration überlässt hier bereits sämtliche Wölbflächen der Malerei. Carlone hat neben Architekten wie Enrico Zuccalli, Viscardi, Giovanni Antonio, Antonio Perini u.a. die Formensprache der italienischen Architektur des Hochbarock oberitalienischer Ausprägung nach Österreich und Süddeutschland vermittelt und dort nachhaltig auf die einheimischen Künstler der ersten Generation des 18. Jh. nachgewirkt, so auf Jakob Prandtauer, der nach Carlones Tod die Bauleitung an den Stiften Garsten, Kremsmünster und St. Florian sowie an der Wallfahrtskirche in Christkindl bei Steyr - einem Zentralbau - übernommen hat.
Carlone, Carlo Innocente
(* 11.1686 Scaria † 17.5.1775 Scaria), Maler. Nach seiner Lehrzeit bei Giulio Quaglio in Venedig und ersten selbständigen Arbeiten in Laibach (Ljubljana) lebte Carlone nach 1706 in Rom und kam dann über Innsbruck und Passau 1715 nach Wien, wo er in die Dienste des Prinzen Eugen von Savoyen trat. Von hier gelangte er 1720 nach Ludwigsburg, wo er jahrelang mit seinem älteren Bruder dem Bildhauer Diego Francesco Carlone zusammenarbeitete. Zwischenzeitlich kehrte Carlone mehrfach nach Wien zurück und erfüllte ab 1723 auch Aufträge in Prag und Breslau. Während ihres Ludwigsburger Engagements arbeiteten die Brüder Carlone zwischenzeitlich auch in Weingarten und anschließend in Ansbach I. Von Stuttgart aus zog Carlo Carlone 1737 zurück in seine Heimat, die er um 1750 noch einmal verliess, um im Schloss Augustusburg Brühl die Fresken im Treppenhaus und den Festsälen zu malen.
Carlone, Diego Francesco
(* um 1674 Scaria † 25.6.1750 Scaria), Bildhauer und Stuckateur. Seine Lehrzeit verbrachte Carlone möglicherweise in Passau. Von etwa 1700 an war er hier, in Salzburg, der Oberpfalz und in Oberösterreich tätig und kam 1715 oder 1716 nach Ludwigsburg Krs. Ludwigsburg). Hier arbeitete er jahrelang mit seinem jüngeren Bruder Carlone, Carlo Innocente zusammen, wie auch 1723 bis 1725 in der Abtei Weingarten und 1734 und 1735 in der Residenz Ansbach. Gegen Ende seines Lebens beteiligte sich Carlone von 1730 bis 1745 noch an der Neuausstattung der Wallfahrtskirche Einsiedeln sowie der Kirche S. Maria in Carignano in Genua.
Carlone, Giovanni Battista
* 1592 in Genua, + 1577 in Turin. Italienischer Maler, Sohn und Schüler des Malers und Bildhauers Carlone, Taddeo. Mitglied der Familie Carlone aus Rovio, die seit der 2. Hälfte des 15 Jh. zahlreiche Maler, Bildhauer, Stukkateure und Baumeister stellte. Giovanni Battista Carlone lernte zudem in Florenz und Rom. Die Mehrzahl seiner Fresken schuf er in genuesischen Palästen (Ducale-Palazzo Genua, 1655) und Kirchen, so im Langhaus und in der Clemenskapelle von SS. Annunziata al Gustato. Ab 1644 gestaltete er (mit Puget, Pierre?) die Gewölbe von S. Siro, sein Hauptwerk. Altargemälde besitzen der Santuario del Monte, das Oratorio delle Cinque Piaghe und die Galleria des Bianco-Palazzo in Genua. Seine stark symmetrischen Bilderfindungen wirken erzählerisch breit und sind in leuchtenden Farben gehalten.
Carmontelle, Louis
(eigentl. Carrogis, Louis). * 15.8.1717 in Paris, + 26.12.1806 in Paris; französischer Zeichner, Maler und Dekorateur. Seine vielseitige Begabung ermöglichte ihm eine rasche Karriere am Hof des Herzogs von Orleans, dem er als Techniker (für Festungspläne), als Architekt (Planung der Gartenanlagen des Parc Monceau in Paris), als Schriftsteller (u.a. begründeten seine Komödien die Gattung der "Proverbes dramatiques"), als Theatermann, Dekorateur und nicht zuletzt als Zeichner diente. Er malte in Aquarell und
Caron, Antoine
* um 1521 in Beauvais, + 1599 in Paris. Französischer Maler, bedeutender Vertreter der Schule von Fontainebleau. Er war der Hofmaler Katharina de` Medicis und Heinrichs II. in Paris. Zwischen 1540 und 1550 arbeitete er in Fontainebleau unter der Leitung von Abbate, Niccolo dell` und Francesco Primaticcio, wo er sich wahrscheinlich die charakteristischen Formeln manieristischer Bildgestaltung angeeignet hat. 1561 ernannte ihn Katharina de` Medici zum Hofmaler. In dieser Stellung organisierte er 1569 die Vorbereitungen für den prunkvollen Einzug Karls IX. in Paris und 1572 die Festlichkeiten zur Hochzeit Heinrichs IV. mit Margarete von Valois. Hierfür entwarf er 28 Kartons für Bildteppiche mit Szenen zur "Geschichte der Artemis" (Paris, Musée Mobilier National). Die Gemälde, die ihm zugeschrieben werden können, spielen trotz ihrer allegorischen Inhalte auch auf zeitgenössische Ereignisse an: die beiden Versionen des "Massakers unter den Triumvirn" (1562, Dijon, Musée des Beaux-Arts, und 1566, Paris, Musée National du Louvre) spielen auf die Religionskriege in Frankreich an. Caron selbst soll der "Heiligen Liga" gegen die Hugenotten angehört haben. Das Bild "Astronomen beobachten eine Sonnenfinsternis" (1575, London, Sammlung A. Blunt) versetzt dagegen das 1574 beobachtete Naturereignis in eine antikisierende Umwelt. "Augustus und die Sibylle von Tibur" (um 1580, Paris, Musée National du Louvre) spielt zweifellos auf den Triumph des wahren Glaubens und auf die Verkündigung Christi an. "Abraham und Melchisedek" (um 1590, Paris, Privatsammlung) schliesslich verweist auf die Lösung Heinrichs IV. vom Bann durch Papst Gregor VII. nach dem Gang nach Canossa sowie auf die Spannungen zwischen dem französischen König und dem Papst. Ein direkt zeitgenössisches Ereignis stellt das "Martyrium von Sir Thomas More" dar (um 1591, Blois, Musée d`Art Ancien). Zahlreiche andere Bilder Illustrieren in verschlüsselter, typisch manieristischer Art astrologishe, alchimistische und literarische Themen, wie "Triumph des Sommers" (um 1570, New York, Sammlung Wildensteub), "Triumph des Winters" (um 1570, Paris, Sammlung Jean Ehrmann) oder "Reiterspiel mit Elefanten" (um 1590, Paris, Musée National du Louvre). Charakteristisch für Carons dekorativ ausgearbeitete Kompositionen ist die weiträumig angelegte Szenerie figurenreicher Gruppen, die auffallende Überlängung der Körper, die in gezierten Bewegungen und Attitüden agieren, sowie die helle und durch starke Lichtreflexe akzentuierte Farbigkeit.
Carove, Jacopo
(auch Carowe, Jakob). Baumeister. War an der Errichtung von Schloss Mittelwalde I (Altes Schloss) und Schloss Wölfersdorf beteiligt.
Carowe, Jakob → Carove, Jacobo
Carpaccio, Vittore
* zwischen dem 28.10.1525 und dem 26.6.1526 in Venedig. Italienischer Maler, bedeutender Vertreter der venezianischen Renaissance. Über Carpaccios Leben ist sehr wenig bekannt. Er entstammte vermutlich einer in Mazzoarbo bei Torcello ausässigen Familie, die sich ursprünglich wohl "Scarpatia" oder "Scarpazza" schrieb. Am 21.9.1472 wird er als Erbe seines Onkels Fra Hilario Zuane erstmals urkundlich erwähnt. Seine erste Signatur ist auf dem Bild "Ankunft der Hl. Ursula vor Köln" aus dem Jahre 1490 überliefe
Carpeaux, Jean Baptiste
(*11.5.1827 in Valenciennes, *11.10.1875 in Schloss Bécon in Courbevoire/Seine). Bildhauer, Maler und Zeichner. Arbeitete am Schloss Neudeck Krs. Tarnowitz mit.
Carpi, Girolamo da
(eigentl. Girolamo da` Sellari, auch de` Livizzani). * 1501 in Ferrara, + 1556 in Ferrara. Oberitalienischer Maler und Architekt, wurde vor allem durch den damaligen Hauptvertreter der Schule von Ferrara, Dosso Dossi, geprägt. Noch vor 1530 zog er nach Bologna und kam hier mit den aktuellen künstlerischen Bestrebungen in Kontakt. Er orientierte sich an Raffaels "H. Cäcilia", Romano, Giulio, Parmigianino und den Werken Correggios. Die Verbindung dieser Einflüsse mit ferraresischen Elementen bestimmte Car
Carr, John
(1723-1807). Ein später, provinzieller Vertreter des Palladianismus in England, arbeitete hauptsächlich in Yorkshire. Er begann als Steinmetz im Steinbruch seines Vaters bei Wakefield. Noch nicht dreissig Jahre alt, baute er nach dem Entwurf von Burlington, Richard Boyle und Morris, Roger Kirby Hall, später zusammen mit Robert Adam Harewood House (begon. 1758). Seitdem entwarf und baute er viele grosse Landsitze. Sein Stil hat nichts Originelles, aber viele seiner Werke, wie Denton Park (um 1778) und Farnley Hall (um 1786), sind auf eine stille Art anmutig und würdevoll. Sein grösstes und vielleicht sein bestes Bauwerk ist das Crescent in Buxton (1779-84). Er verband hier überaus erfolgreich die von Wood, John d.J. entwickelte Idee des monumentalen halbkreisförmigen Wohnblocks mit einem durch Arkaden gegliederten Erdgeschoss und einem Obergeschoss mit Pilastern in Kolossalordnung nach dem Vorbild von Jones, Inigo` Convent Garden in London.
Carracci, Agostino
* 15.8.1557 in Bologna, + 23.2.1962 in Parma. Italienischer Maler und Kupferstecher, Bruder von Carracci, Annibale und Vetter von Carracci, Ludovico. Er war vor allem als Theorethiker der Accademia degli Incamminati bedeutend, die er zusammen mit Annibale und Ludovico 1580 gegründet hatte. Herausragend sind auch seine Kupferstiche nach venezianischen Vorlagen, mit denen er der bewunderten venezianischen Malerei zu einer weiteren Verbreitung verhalf. Nach der Lehrzeit bei Prospero Fontana, Barolomeo Passarotti, Domenico Tibaldi und seinem Vetter Ludovico betätigte er sich vor allem in der gemeinsamen Werkstatt der Carracci unter der Leitung Ludovicos, wo er sich zum eine exakte Zeichnung nach Vorlage bemühte. 1582 und 1588/89 reiste er nach Venedig, 1584/85 mit Annibale nach Parma. Diese Reisen brachten in der Malweise der Carracci eine nachhaltige Veränderung. Das Werk Correggios und die prachtvolle Palette der Venezianer beeindruckten sie tief: schon die 1584 entstandenen Fresken für den Fava-Palazzo in Bologna mit Szenen aus der Argonautensage zeichneten sich durch eine starke Betonung der Farbe aus, obwohl der akademische Stil der Carracci noch sehr deutlich zum Vorschein kommt, ähnlich wie in der Dekoration des Magnani-Salem-Palazzo in Bologna, den sie von 1588-91 mit Fresken zur Romolus-und-Remus-Sage ausstatteten. Während es bei den Fresken des Fava-Palazzo und des Magnani-Salem-Palazzo schwer ist, die Wekre der Carracci zu unterscheiden, dominiert der an den Venezianern orientierte Stil Agostinos schon deutlicher bei der Ausgestaltung des Sampieri-Talon-Palazzo mit Motiven aus der Heraklessage (1593/94. Um 1597 folgte er seinem Bruder Annibale nach Rom, wo er in der Galleria Farnese vor allem die Fresken "Galatea" und "Aurora und Kephalos" schuf. 1600 wurde Agostino von Herzog Ranuccio Farnese nach Parma berufen, um dort anlässlich der Hochzeit des Herzogs mit Margherita Aldobrandini im Giardino-Palazzo ein Camerino mit mythologischen Szenen zum Thema "Omnia vincit amro" auszumalen. Diese Fresken sind von viel intimeren Charakter als jene in der Galeria Farnese zum gleichen Thema. Neben seinen Wanddekorationen und Deckenmalereien schuf Agostino zahlreiche Gemälde; die bedeutendsten sind "Maria mit Kind und Heiligen" (1586, Parma, Galleria Nazionale), eine "Himmelfahrt Mariä" (um 1592, Bologna, Pinacoteca Nazionale), das Porträt "Giovanna Guiccianrdini" (1598, Berlin-West, Staatliche Museen, Gemäldegalerie), die allegorische Darstellung "Arriog der Haarige, Pietro der Narr und Amon der Zwerg" (um 1596, Neapel, Museo e Gallerie Nazionali die Capodimonte) und die erotischen Szenen "Gli Amori dei Carracci" (Wien, Kunsthistorisches Museum). Auch in diesen Gemälden zeigt sich, dass Agostino von den drei Carracci die venezianische Tradition am vollkommensen assimiliert hat, so dass man nicht ganz zu Unrecht den Vorwurf des Eklektizismus gegen ihn erhob. Grosse Bedeutung erlangten seine Kupferstiche, die er vor allem nach Werken Tintorettos und Paolo Veroneses anfertigte. Durch hohe Auflagen sorgte er für die Verbreitung der venezianischen Malerei in Oberitalien. Nebenbei schuf Agostino mythologische und allegorische Stiche nach eigenen Entwürfen, und er illustrierte um 1590 "Das befreite Jerusalem" von Torquato Tasso.
Carracci, Annibale
* (getauft) 3.11.1560 in Bologna, + 15.7.1609 in Rom. Italienischer Maler, Mitbegründer der römischen Barockmalerei, Bruder von Carracci, Agostino und Vetter von Carracci, Ludovico, mit denen zusammen er die Accademia degli Incamminati in Bologna gründete, u.a. mit Guido Reni, Francesco Albano und Domenico Zampieri als Schülern. Zur Zeit seiner Ausbildung bei Ludovico, als er vor allem unter dem Einfluss der späten Bologneser Manieristen wie Bartolomeo Passarotti, aber auch der gegenreformatorischen Schriften Gabriele Paleottis stand, schuf er eine "Kreuzigung" für S. Niccolo (1583, heute Bologna, S. Maria della Carita). 1583 unternahm Annibale vermutlich eine Reise in die Toskana, hielt sich 1584-85 zu Studienzwecken einige Zeit in Parma auf und reiste 1587 nach Venedig. In Parma und Venedig wurde er entscheidend von Correggio und, in der Farbgebung, von den Venezianern beeinflusst, so dass seine Technik allmählich weicher und malerischer wurde (Taufe Christi, 1585, Bologna, S. Gregorio). Um 1584 arbeitete er zusammen mit seinem Bruder und seinem Vetter an der Ausgestaltung des Fava-Palazzo in Bologna. Seine Fresken (Camerino d`Europa, Darstellungen aus der Argonautensage) waren allerdings bei den Bologneser Manieristen umstritten, die ihm blosse Nachahmung vorwarfen. Die Kritik war zum Teil berechtigt, da alle drei Carracci vor allem sehr intensive Studien am lebenden Modell betrieben und selbst die flüchtigste Haltung bzw. Bewegung festzuhalten versuchten. Die Zeichnungen, die aus solchen zielgerichteten Forschungen resultierten, nehmen andererseits in ihrem äusserst realistischen Stil spätere Entwicklungen vorweg, so der "Metzgerladen" (Oxford, Christ Church Library Collections). Auch bei der von allen drei Carracci besorgten Ausgestaltung des Magnani-Salem-Palazzo in Bologna kam die ihnen gemeinsame starke Betonung der Zeichnung zum Tragen, so dass die Urheberschaft der einzelnen Fresken zur Romulus-und-Remus-Sage nicht immer entschieden werden kann. 1595 gestaltete er in Rom für Kardinal Odoardo Farnese das Camerino in dessen Farnese-Palazzo Roma mit Fresken aus, die den Kampf zwischen Tugend und Laster zum Thema hatten. Das zentrale Gemälde, "Herkules am Scheideweg", befindet sich heute in Neapel (Museo e Gallerie Nazionali di Capodimonte). Annibales Hauptwerk war jedoch die Dekoration der Decke der Galleria Farnese in Rom, die vielen anderen barockdecken zum Vorbild diente. Die einzelnen Fresken stellen mythologische Szenen zum Thema "Macht der Liebe" dar. Alle Bilder wurden durch vorgetäuschte Rahmen voneinander getrennt. Michelangelos Deckenfresken in der Sixtinischen Kapelle in Rom und Raffaels Fresken in der Farnesina-Villa in Rom dienten Annibale dabei vermutlich als Vorlage. Die Decke war 1500 fertiggestelle, die Ausgestaltung der Wände aber, zu denen Annibale Entwürfe für die Stuckdekoration lieferte, zog sich noch bis 1608 hin. Neben seiner Arbeit am Farnese-Palazzo Roma malte Annibale zahlreiche Gemälde, vor allem Altarbilder und mythologische Darstellungen, darunter "Christus und die Samariterin am Brunnen" (Wien, Kunsthistorisches Museum), "Schlafende Venus" (um 1602, Chantilly, Musée Condé), "Venus und Adonis" (Wien, Kunsthistorisches Museum) und, in Konkurrenz mit dem von ihm hochgeschätzten Caravaggio, "Mariä Himmelfahrt" für die Cappella Cerasi in S. Maria del Popolo in Rom. In diesen Gemälden ist nichts mehr von Annibales früherem zeichnerischen Stil spürbar: Zwar zeigt sich auch in ihnen sein Realismus, aber durch die Farbenwahl und die Einbeziehung der Landschaft, die nicht blosser Hintergrund bleibt, sowie durch die Darstellung der Handlung erreichte er eine Ausdruckskraft, die oft bis zum Pathetischen geht. Nicolais Poussin und Claude Lorrain übernahmen von ihm diese Verschmelzung des Stoffs mit der Landschaft. Zu Annibales letzten Werken gehören die Aldobrandini-Lünetten, die er für die Privatkapelle im Aldobrandini-al-Corso-Palazzo schuf (heute Rom, Galleria Doria Pamphili). In ihnen sind biblische Szenen in weiträumigen, dominierenden Landschaften dargestellt. Gleichzeitig setzte Annibale die ausgestaltung des Farnese-Palazzo Roma fort. Annibales Carraccis Ruhm erreichte in der Mitte des 17. Jh. durch den Schriftsteller Giovanni Pietro Bellori seinen Höhepunkt. Bellori, der auch eine Biografie Annibales und Agostinos verfasste, sah AnnibalesWerk durch dessen Vereinigung von römischem "disgno" und venezianischer Farbigkeit als Inbegriff vollendeter Malerei. Erst später wurde Annibale Eklektizismus vorgeworfen und der Wert seines Werks etwas geringer eingeschätzt.
Carracci, Ludovico
* (getauft) 21.4.1555 in Bologna, + 13.11.1619 in Bologna. Italienischer Maler, älterer Vetter und Lehrmeister von Carracci, Annibale und Carracci, Ludovico. Ludovico war Schüler des Bolgoneser Manieristen Prospero Fontana und Domenico Passignanos in Florenz. Mit 23 Jahren wurde er Mitglied der Malergilde seiner Vaterstadt. Aus seiner Werkstatt ging die Accademia degli Incamminati hervor, die sich entschieden gegen den Manierismus wandte und zu einem wichtigen Zentrum der Barockmalerei wurde. Die Akademie beherrschte über 20 Jahre land das Bologneser Kunstleben. Ludovicos Schaffen ist durch Einflüsse von Parmigianion, Correggio, Romano, Giulio, Francesco Primaticcio, Camillo Procaccini, Tizian und Tintoretto geprägt. Im Anschluss an Reisen nach Parma, Mantua und Venedig beteiligte sich Ludovico mit seinen Vettern an der Dekoration des Fava-Palazzo in Bologna ("Der Zug der Argonauten", 1580-85). Etwa gleichzeitig entstanden die "Taufe Christi" (München, Alte Pinakothek, das Nachtstück "Vision des hl. Antonius" (Amsterdam, Rijksmuseum) und eine "Verkündigung Mariä" (Bologna, Pinacoteca Nationale). 1591 malte Ludovico eine "Madonna mit Heiligen" (Cento, Museo Civico), deren Aufbau die erste entschieden barocke Komposition ist. Wenige, voluminöse Figuren und ein leuchtendes Blau und Rot in einer braunen Grundstimmung setzen sich von den komplizierten Figurenverschachtelungen und gebrochenen Farben manieristischer Bilder ab. Es folgte die Ausgestaltung des Sampieri-Talon-Palazzo mit "Heraklestaten" zusammen mit seinen Vettern, 1592 das Magnani-Salem-Palazzo mit "Szenen aus der Romulus-und-Remus-Sage". 1602 hielt sich Ludovico in Rom auf. 1604-05 führte er für S. Michele in Bosco bei Bologna Fresken mit "Szenen aus dem Leben des hl. Benedikt und der hl. Cäcilie" und zahlreiche gemalte Karyatiden aus. 1606 bis 1609 schmückte er den Chor der Kathedrale zu Piacenza mit einem Freskenzyklus, der sich heute teilweise im bischöflichen Palast befindet; in den gleichen Jahren entstanden die Gemälde "Grablegung Mariä" und "Himmelfahrt Mariä" (beide Parma, Galleria Nazionale). Nach dem Tod von Carracci, Annibale blieb Ludovico in Bologna. Die etwas eklezistischen Hauptwerke seiner letzten Jahre sind das "Martyrium der hl. Margareta" (1616, Mantua, S. Maurizio) und die "Anbetung der Könige" (Mailand, Pinacoteca di Brera). Ludovico war neben dem etwa 20 Jhre älteren Federico Barocci einer der Hauptwegbereiter der Seicentomalerei. Von seinem höher eingeschätzten Vetter Annibale unterscheidet ihn vor allem eine nahezu ausschliessliche Vorliebe für inbrünstig empfundene Malerei religiösen Inhalts.
Carreno de Miranda, Juan
* 25.3.1614 in Avilés (Asturien), + 3.9. oder 3.10. 1685 in Madrid. Spanischer Maler. Er kam 1623 nach Madrid, und lernte bei Pedro de las Cuevas und Bartolomé Román, bildete seinen Stil jedoch vor allem unter dem Einfluss von Peter Paul Rubens, dem er in seinen frühen religiösen bildern verpflichtet war, wie im Bild "Petrus predigt den Fischen" von 1646 (Villanueva y Geltrú bei Barcelona, Museo Balaguer), und dem von Anthonis van Dyck aus, dem er mehr in seinen Porträts der zweiten Lebenshälfte nahestand
Cassels, Richard → Castle, Richard
Castellammare, Peppariello → Bonito, Giuseppe
Castellamonte, Amadeo
(1610-83). Sohn von Carlo Castellamonte.
Castellamonte, Carlo
(ca. 1560-1641). Ausgebildet in Rom, wurde er 1615 Architekt des Herzogs von Savoyen und spielte in der Stadtplanung von Turin eine grosse Rolle. Er entwarf hier die Piazza S. Carlo (1637) und verschiedene Kirchen. 1633 begann er mit dem Bau des Castello del Valentino in Turin, das von seinem ihm als Hofarchitekt nachfolgenden Sohn Castellamonte, Amadeo (1610-83) in französischem Stil mit einem hohen Walmdach vollendet wurde.
Castelli gen. Bergamasco, Giovanni Battista → Castelli, Giovanni Battista
Castelli, Bernardo
(auch Castello). 1557 in Albaro bei Genua, + 4.10.1629 in Genua. Italienischer Maler.Schuf auch Illustrationen zu Torquato Tassos "Das befreite Jerusalem". Er lernte bei Andrea Semini und Luca Cambiaso, dessen an Michelangelo, Correggio und Veronese geschulte Malweise er nachzuahmen verstand. 1604 kam er nach Rom und malte u.a. im Altems-Palazzo (Palast des Herzogs von Altems). Ausserdem schuf er Werke in Kirchen von Turin, Piacenza und Genua.
Castelli, Francesco → Borromini, Francesco
Castelli, Giovanni Battista
(auch Castelli, gen. Bergamasco). * um 1509 in Gandino bei Bergamo, + 1569 in Madrid. Italienischer Maler und Architekt. Zunächst Schüler Aurelio Bussis in Genua, anschliessend Studien in Rom nach Raffael. Als Monumentalmaler und Groteskendekorateur arbeitete er vorwiegend in Genua und Bergamo, zum Teil zusammen mit Luca Cambiaso, dem gegenüber sich sein Werk aber durch eine grössere Lebhaftigkeit auszeichnete. Arbeiten von Castelli befinden sich im Bianco-Palazzo in Genua ("Madonna mit Kind", "Auferste
Castello, Bernardo → Castelli, Bernardo
Castiglione, Giuseppe
* 16.7.1688 in Mailand, + 17.7.1760 in Peking. Italienischer Maler und Jesuit, der den grössten Teil seines Lebens in China verbrachte. Als Hofmaler am chinesischen Kaiserhof schuf er einen einzigartigen Stil, indem er europäische und chinesische Bildelemente verband bzw. exakte naturalistische Wiedergabe mit chinesischen Formen und Techniken kombinierte. Bei Andrea Pozzo geschult, malte er für S. Ignazio de Loyola in Genua eine Altartafel und für das Noviziat in Coimbra (Portugal) eine Kapellenausstattung. Seit 1715 am chinesischen Hof, schuf er unter dem Namen Lang Shih-ning europäische Interieurs mit chinesischer Hofgesellschaft, so dei "Hofdamen beim Brettspiel" (Hamburg, Museum für Völkerkunde und Vorgeschichte), in weicher Zeichnung in Aquarell und Tusche auf Papier und Seide Portäts wie den "Kaiser Ch`ien Lung (1736, Cleveland, Museum of Art) oder nach europäischem Vorbild die "Prinzessin" (Taipeh, National Palace Museum). Ein Beispiel für seine adaptierte chinesische Darstellungsweise von Tieren, Blumen und vielfigurigen Szenen ist der Nachstich seines Gemäldes "Kazak Kirghiz bietet dem Kaiser Ch`ien Lung Pferde zum Tribut" von 1756 (Paris, Musée Guimet). Castiglione soll auch europäisch inspirierte kleinere Palastbauten für den Kaiser errichtet haben.
Castilho, Joao de
* 1490 in Santander, + vor Januar 1553 (?). Portugiesischer Architekt spanischer Herkunft, dessen Bauten den Höhepunkt des Emanuelstils bezeichnen. Er soll nach einer möglichen Reise durch das Königreich Neapel erste Motive der Frührenaissance nach Portugal gebracht haben. Hier war er an den grössten königlichen Bauaufgaben der 1. Hälfte des 16. Jh. massgebend beteiligt. Setzte seine künstlerische Tätigkeit vor 1517 an der Chorempore der Kathedrale von Vizeú ein, so zeugt die Tätigkeit als Bauleiter am Hieronymitenkloster Belém bei Lissabon ab 1517 von seinem schnellen und erfolgreichen Aufstieg. In königlichem Auftrag vollendete er ab 1519 das Kloster des Christusritterordens in Tomar sowie Sakristei und Bibliothek des Klosters Alcobaca. Als Krönung seiner Baukunst gilt die Loggia im ersten Geschoss der Capelas Imperfeitas im Kloster Btalha von 1533. Castilho griff mit dem reich ornamentierten Gebälk und den zahlreichen Kandelabern auf reine Renaissanceformen zurück, während er bei den übrigen Bauten spätgotische Formen und Strukturen verhaftet blieb. Castihlos grossartige Kirche S. Maria in Belem ist ein dreischiffiger Hallenbau, dessen weitgespanntes Netzgewölbe auf acht oktogonalen Pfeilern ruht. Im Hauptportal kommt die Eigenart des Emanuelstils voll zur Wirkung: Ist auch die Struktur mit Gewändefiguren, Fialen und Eselsrücken noch gotisch geprägt, so nimmt die wuchernde Dekoration schon viele Renaissanceelemente auf. Castilhos Meisterschaft liegt letztlich in der Behandlung der Schmuckformen. Am Sakristeiportal in der Zisterzienserkirche Alcobaca überrascht die derbe Rankendekoration. Das Portal umrahmen baumartige Rundstäbe in Form eines Eselsrückens, deren Astwerke in dichtes Krautwerk auswuchern. Castilho verwandte zahlreiche naturalistische Elemente, wie Baumäste, Muscheln, Schnüre, Pflanzen, und setzte sie mit Phantasie und in einer solchen Fülle ein, dass die gotische Struktur wie von einer Maske überzogen wird. Die aufstrebende Kolonialmacht Portugal setzte mit diesen Bauten Zeichen, die ihren Reichtum bezeugen sollten. Oft lassen sich phantasievolle Abbildungen der exotischen Pflanzenwelt aus überseeischen Kolonien erkennen. Über Castilhos Paläste in Lissabon, die das Erdbeben von 1755, und seine Festungsbauten in Afrika lässt sich nicht mehr urteilen.
Castle, Richard
(auch Cassels, ca. 1690-1751). Ein Deutscher, der sich um 1720 in Irland niederliess und der führende Architekt Dublins wurde. Der Stil seiner heute noch erhaltenen Bauten stimmt mit dem englischen Palladianismus vollkommen überein: Tyrone House (1740-45) und Leinster House (1745) in Dublin und seine beiden Landhäuser, Carton (1739) und russborough (1741).
Caus, Isaac de
(auch Caux, Isaac de) Tätig um 1650 (siehe Jones, Inigo).
Caux, Isaac de → Caus, Isaac de
Cazes, Pierre Jacques
* 1676 in Paris, * 25.6.1754 in Paris. Französischer Maler, Schüler von René Antoine Houasses und Bon Boullongne. Er wurde der erste Lehrer von Jean-Baptiste Siméon Chardin. 1698 gewann er den zweiten, ein Jahr darauf den ersten Rompreis. Seine erste Aussellung im Salon fand 1704 statt, 1708 wurde er Akademiemitglied. Seine Auftäge erhielt er zum grössten Teil vom französischen Hof. Cazes malte für Schloss Sanssouci in Potsdam u.a. in ekletizistisch-akademischem Stil die "Geburt der Venus", "Entführ
Cellini, Benvenuto
* 5.11.1500 in Florenz, + 13.2.1571 in Florenz. Italienischer Goldschmied, Medailleur und Bildhauer, einer der wichtigsten Vertreter des Manierismus. Berühmt ist seine 1558-66 verfasste Autobiografie, gleichzeitig die ersten bekannten Lebenerinnerungen eines Künstlers (im 18. Jh. und 1803 in der Übersetzung Goethes erschienen), in denen sich das Leben eines Bohemiens spiegelt, von dem Papst Paul III. gesagt hat: "Menschen von so einzigartigen Fähigkeiten in ihrem Fach können nicht an das Gesetz gebunden wer
Ceres
Römische Göttin der Fruchtbarkeit der Felder, vor allem des Getreides; Mysteriengottheit.
Chalgrin, Jean Francois Therese
* 1739 in Paris, + 20.1.1811 in Paris. Französischer Hofarchitekt. Er war Schüler von Etienne-Louis Boullées und Giovanni Niccolo Servandonis und gewann 1758 den grossen Rompreis. 1762 von dort zurückgekehrt, wurde er Inspektor für die Bauarbeiten in Paris und 1770 Mitglied der Académie d`Architecture. Chalgrins stilistische Entwicklung geht vom späten Rokoko bis zu einem kalten Klassizismus zur Zeit Napoleons. Von seinen frühen Bauten sind das Fitz-James-Hotel, das Vrilliere-Hotel (1765-67) sowie Kapelle und Seminar St-Esprit (1768) in Paris hervorzuhben. 1769 begann er den Bau von St-Philippe du Roule, einer 1784 vollendeten, vom Grundriss frühchristlicher Basiliken inspirierten Kirche. Der Kirche St-Sulpice fügte Chalgrin 1777 eine Taufkapelle hinzu und baute den Nordturm wieder auf. Drei Jahre später erneuerte er die Gebäude des College de France, das nun reichdekorierte räume - darunter den Urkundensaal und einen amphiteaterförmigen Experimentiersaal -erhielt (im 19. Jh. wiederum erweitert). Wichtig sind auch Chalgrins Arbeiten am 1615-20 von Brosse, Solomon de erbauten Luxembourg-Palais, in dem nach seinen Plänen eine neue Ehrentreppe im rechten Flügel, ein Sitzungssaal und ein Museum entstanden (ab 1795). Sein 1806 begonnener Arc de Triomphe de l`Etoile für Napoleon I., bei dem er eigenständig antike Vorbilder verarbeitet und auf die sonst üblichen Säulenstellungen verzichtet hat, konnte erst 1837 von Guillaume Abel Blouet vollendet werden, der sich entgegen den Plänen seines Vorgängers Jean Nicolas Huyot eng an Chalgrins Entwürfe hielt (die Wandskulpturen ebenfalls erst aus den dreissiger Jahren). Der Chor der Kirche des Militärhospitals und das Odeon-Theater (1799) sind weitere Werke Chalgrins.
Chambers, Sir William
* 23.2.1723 in Gothenburg (Schweden), + 8.3. 1796 in London. Englischer Architekt und Gartenkünstler, einer der Hauptvertreter des englischen Klassizismus. Der Sohn eines schottischen Kaufmanns ging in Yorkshire zur Schule und trat 1740 der schwedischen Ostindien-Gesellschaft bei, auf deren Schiffen er nach Bengalen und china gelangte, wo er Landschaftsstudien und Architekturstudien zeichnete. Seit 1749 wandte er sich hauptberuflich der Architektur zu, studierte zuerst in Paris, wahrscheinlich bei Nicolas Francois Blondel, und dann 1750-55 in Italien, wo ihn vor allem die Werke von Palladio, Andrea zutiefst beeindruckten. 1757 veröffentlichte er "Designs of Chinese Buildings", in den folgenden Jahren entstanden Zierbauten in Kew. 1759 publizierte Chambers "A Treatiuse von Civil Architecture", eine Abhandlung, in der seine umfassende Kenntnis italienischer und antiker Architektur zum Ausdruck kommt, verbunden mit einem französisch anmutenden Gefühl für Klarheit und Ordnung. 1774 reiste er erneut nach Paris, um dort Regierungsgebäude zu studieren, nachdem er zuvor u.a. schon das Roehampton Villa in Surrey (1758), Castle Hill Grafsch. Dorset und Melbourne House in London gebaut hatte. Aufschlussreich kennzeichnet die Roehampton Villa Chambers` umgehen mit den palladianischen Vorbildern, hier mit der Rotunda-Villa und der Foscari-Vill in Malcontenta. Während beide Palladio-Villen im Verhältnis von Portikus und Wandfläche einen Thythmus von 1:2:1 zeichnen, erstarrt das Verhältnis bei Chambers zu 1:1:1. Der klassische Deko