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1518 Person(en) gefunden.

Abadie, Paul
(1812-84). Franz. Architket. Baute das Schloss von Angouleme zum Rathaus um.

Abbate, Niccolo dell`
1509/12 in Modena geb., + 1571 in Fontainebleau?. Italienischer Maler, dessen besondere Bedeutung in seiner Beteiligung an der Ausmalung des Schlosses von Fontainebleau begründet liegt, das der französische König Franz I. 1528 erbauen und in der Folgezeit vorwiegend von französischen Künstlern ausstatten liess (Schule von Fontainebleau). Abbate studierte zunächst bei dem Bildhauer Antonio Begarelli, unterlag aber sehr bald dem Einfluss der Malerei Dosso Dossis und Parmigianinos, bis zu einem gewissen Grad vielleicht auch der Correggios. Alle diese Vorbilder führten bei ihm rasch zur Ausbildung des typisch manieristischen Stils der Spätrenaissance mit einer Übersteigerung des Plastischen in der Bildgestaltung, bei ihm allerdings gemässigt durch eine zarte Kontur, besonders in der Ausführung der eleganten, oft in sehr gespreizten Posen dargestellten Figuren. Die ersten grösseren Aufträge des Malers bestanden in der Ausführung von Fresken im Scandiano-Palazzo (in der heutigen Biblioteca Estense) in Modena (Szenen aus der Aeneis) sowie von Fresken im dortigen Comunale-Palazzo Modena (1546). Für S. Pietro in Modena malte er um 1547 ein Tafelbild (Marter Petri und Pauly, heute Dresden, Gemäldegalerie). Von den in der Folgezeit in Bologna entstandenen Fresken (Poggi-Palazzo, Leoni-Palazzo) ist wenig erhalten geblieben. Insgesamt bleibt in diesen Jahren in den Fresken mit ritterlichen Szenen und den Portraits noch der Einfluss Parmigianinos erkennbar, der aber völlig zurücktrat, als Abbate von Primaticcio, Francesco 1552 nach Fontainebleau geholt wurde. Primaticcio, Francesco, der die Oberleitung über die Innenausstattung des Schlosses innehatte, übertrug Abbate vor allem die Ausmalung der Galerie d`Ulysse und der sog. Galerie Heinrichs II. Ein Teil der Frescen Abbates geht auf Entwürfe von Primaticcio, Francesco zurück. Neben den Fresken entstanden Tafelbilder, u.a. Portraits des französischen Königspaares, Gemälde mit mythologischen u.a. Themen wie „Der Raub der Proserpina“, „Die Enthaltsamkeit Scipios“ (alle Paris, Musee National du Louvre), ausserdem Entwürfe für die königliche Teppichmanufaktur, Goldschmiedearbeiten, Emails und Entwürfe für Festarchitekturen. Insgesamt war Abbate entscheidend an der Verbreitung des italienischen Manierismus in Frankreich beteiligt, obschon er in seiner letzten Phase unter dem Einfluss der niederländischen Malerei zu einer realistischeren Form vor allem der Landschaftsschilderung (Ansicht eines Kornfeldes, Fontainebleau) fand.

Abel
Stadtbaurat in Lauban (Polen).

Abesser, Hans
Architekt aus Berlin.

Abildgaard, Nicolai Abraham
(getauft 11.9.1743 in Kopenhagen, + 4.6.1809 in Frederiksdal bei Kopenhagen). Dänischer Maler, Architekt, entwarf auch Bühnenbilder, Medaillen und Denkmäler. Nach seiner Ausbildung an der Königlichen Kunstakademie in Kopenhagen verbrachte er 1772 bis 1777 fünf Studienjahre in Italien. Nach seiner Rückkehr wurde er zum Professor an der Akademie und zum Königlichen Historienmaler ernannt. Von 1789 an war er mit einer zweijährigen Unterbrechung Direktor der Kunstakademie. Er war u.a. Lehrer Christoffer Wilhelm Eckersbergs, Philipp Otto Runges und Bertel Thorvldsens. Abildgaard bevorzugte Themen aus der griechisch-römischen Mythologie, z. B. "Der verwundete Philoktet" (1774-75), aus der antiken Literatur, z.b. in dem 1801-04 entstandenen Bilderzyklus zu dem "Mädchen von Andros" von Terenz und dem "Goldenen Esel" von Apuleius von 1808-09. Abildgaards Werk ist zwar in die Strömungen des Neoklassizismus einzuordnen, habt sich jedoch durch seine verhaltene, gedämpft-melancholische Farbgebung ab, so in dem 1787 gemalten Bild Ossian. Weniger dramatisch, heller und von feierlich-klassischer Stimmung getragen sind seine Historienbilder, z.B. das Wandgemälde "Christian I. erhebt Holstein zum Herzogtum" (1778, Kogenhagen, Schloss Christiansborg). Abildgaard übte einen grossen Einfluss auf die dänische Malerei des ausgehenden 18. Jh. aus und gilt als einer der bedeutendsten dänischer Maler seiner Zeit. Ein Grossteil seiner Werke (darunter die o. gen.) befindet sich im Statens Museum for Kunst in Kopenhagen.

Ableitner, Balthasar
(*1613 in Miesbach, + 13.5.1705 in München). Deutscher Bildhauer. Für Herzog Albrecht seit 1652 als Hofbildhauer tätig, hatte Ableitner Anteil an der Durchsetzung des Hochbarocks in München. Sein Werk umfasst Porträtbüsten der kurfürstlichen Familie, Elfenbeinarbeiten, Dekorationen der päpstlichen Zimmer in der Residenz München I und als sein bedeutendstes Sakralwerk den Entwurf von St. Peter in München.

Abu`l Hasan
*1588/89, + um 1630 vermutlich in Agra. Indischer Miniaturmaler, Sohn des persischen Minitaturmalers Aga Riza. Er gehörte zu den bevorzugten Hofmalern, vor allem des Mogulkaisers Jahangir (1605-27), der ihm den Ehrentitel Nadir az-Zaman (Wunder des Zeitalters) verlieh. Er arbeitete in der bereits unter Kaiser Akbar aufkommenden Tradition, Hofszenen und Portraits auf einzelnen Kartons darzustellen, die dann zu Alben zusammengefügt wurden. Zu seinen Hauptwerken gehören allegorische Porträts von Jahangir (oft vor einem fiktiven szenarischen Hintergrund, der auf Träumen des Kaisers basierte), so "Jahangir schiesst auf den enthaupteten Kopf des Malik Ambar (Dublin, Chester Beatty Library) und "Jahangir mit einem Bild des Akbar in den Händen" (Paris, Musee Guimet). In Abu`l Hasans Werk mischen sich persische und indische mit abendländischen Einflüssen (beispielsweise in der realistischen Personendarstellung).

Achill
(griech. Achilleus, röm. Achilles). Nach Homer der Sohn der Meeresgöttin Thetis und des Königs Peleus von Phthia in Thessalien. Held der Griechischen Sage; Hauptgestalt der Ilias. Achill wurde vor allem im Pontos verehrt (nördliche Küstenlandschaft des antiken Kleinasien), wo sich der Überlieferung nach sein Grab befand. Achill, der Held schlechthin, wird gewöhnlich als bewaffneter Krieger in voller Rüstung dargestellt. Aber auch die Episode, in der Odysseus den Helden unter den Töchtern des Königs Lykomedes auffindet, ist ein beliebtes Motiv in der Malerei.

AchillesAchill

AchilleusAchill

Acier, Michel Victor
(* 20.1.1736 in Versailles, +16,2,1799 in Dresden). Bildhauer.

ActaeonAktaion

Adam, Albrecht
*16.4.1786 in Nördlingen, +28.8.1862 in München. Deutscher Pferde- und Schlachtenmaler. Seine erste Ausbildung erhielt er bei Christoph Zwinger in Nürnberg. Anschliessend studierte er an der Münchener Akademie. Doch die entscheidenden Eindrücke gewann er 1809 im Feldzug gegen Österreich. Als Hofmaler eugene Beauharnais`, des Vizekönigs von Italien, nahm er 1812 an Napoleons Russlandfeldzug teil und hielt die Schlachten in 83 Ölskizzen fest. 1815 liess er sich in München nieder und kam, gefördert von König Max I., durch seine Reiterbildnisse rasch zu grossem Ansehen, so dass ihm auch andere Fürsten Aufträge erteilten. Für Ludwig I. schuf er 1838 die "Schlacht von Borodino" (München I, Residenz), 1848 malte er "Marschall Radetzky zu Pferde" (Neue Pinaokothek, München), den er auf dem Feldzug gegen Sardinien begleitet hatte. 1855-57 arbeitete er in Wien beim Grafen Grünne und auch am Kaiserhof, häufig unterstützt von seinem Sohn Franz Adam, der später als Maler des Kriegsgeschehens von 1870-71 bekannt wurde. Noch kurz vor seinem Tod vollendete der 76jährige Maler nach dreijähriger Arbeit die monumentale "Schlacht von Zorndorf" für das Maximilianeum in München. In seinen Erinnerungen "Aus dem Leben eines Schlachtenmalers" hinterliess er ein anschauliches Bild vom Schlachtengeschehen seiner Epoche. Eine Reihe seiner Werke befindet sich in der Neuen Pinakothek, München.

Adam, Francois Gaspard Balthasar
*23.5.1710 in Nancy, +1761 in Paris. Französischer Bildhauer, Sohn von Adam, Jacob Sigisbert. Er ging 1730 nach Rom und traf dort mit seinen Brüdern zusammen. Sein Aufenthalt in Rom war vor allem dem Studium und der Restaurierung antiker Skulpturen gewidmet. Drei Jahre später reiste er nach Paris. Er erhielt mehrere Preise und ein Romstipendium, so dass er 1742-46 wieder in Rom arbeitete, beovr er nach einem kurzen Zwischenaufenthalt in Paris für 13 Jahre nach Preussen ging, wo er "erster Bildhauer" F

Adam, Jacob Sigisbert
*28.10.1670 in Nancy, +7.5.1747 in Nancy. Französischer Bildhauer, Vater von Adam, Francois Gaspard Balthasar, Adam, Lambert Sigisbert und Adam, Nicolas Sebastien. Er arbeitete 12 Jahre in Metz und kehrte dann nach Nancy zurück, wo er für Herzog Leopold von Lothringen tätig war. Seine Terrakottaskulpturen und Holzskulpturen lassen keine überragende Begabung erkennen.

Adam, JamesAdam, Robert

Adam, John
*1721 in Kircaldy, +25.6.1792 in Edinburgh. Schottischer Architekt. Er übernahm 1748 die Familienfirma von seinem Vater Adam, William und setzte sie in Partnerschaft mit seinem Bruder Adam, Robert fort. Seine Bauten stehen in der Tradition des Palladianismus.

Adam, Lambert Sigisbert
(auch Adam L´Aine). *10.10.1700 in Nancy, +13.5.1759 in Paris. Französischer Bildhauer, Sohn von Adam, Jacob Sigisbert. Er arbeitete bis 1718 in der Werkstatt seines Vaters, 1718 ging er nach Paris, wo er 1723 den grossen Preis für Skulptur erhielt, mit dem der begehrte Romaufenthalt verbunden war. Dort restaurierte er antike Skulpturen für Kardinal Melchior de Polignac, arbeitete an Figuren mit mythologisch-allegorischen und Reliefs mit religiösen Themen. Er gewann mit einem Modellentwurf den von Papst Clemens ausgeschriebenen Wettbewerb für die Fontana di Trevi. Er wurde jedoch nicht ausgeführt, da Adam nach Frankreich zurückkehrte. Seit 1733 wieder in Paris, löste er sich langsam aus der starken Bindung an die italienische Barockskulptur, besonders an das Werk Giovanni Lorenzo Berninis. Er schuf Einzelstatuen und Gruppen für Parkanlagen und Brunnenanlagen sowie Reliefs für Innendekorationen (u.a. für Versailles). Die Marmorskulptur "Prometheus", 1737 entstanden und ein Geschenk des Künstlers an die Parieser Akademie, zeigt neben Erfindungsreichtum und hohem technischen Können noch die Abhängigkeit von Bernini, während die mit seinem Bruder Adam, Nicolas Sebastien ausgeführte Gruppen "Triumph Neptuns und Amphitrites" (Bleiguss, 1740) für den Park von Versailles ebenso wie auch die Gruppe "Vereinigung von Seine und Marne" im Park von St-Clud Ausdruck eines klassizistisch gefärbten Rokokostils ist.

Adam, Nicolas Sebastien
(auch Jeune, Adam Le). *22.3.1705 in Nancy, +27.3.1778 in Paris. Französischer Bildhauer, Sohn von Adam, Jacob Sigisbert. Er arbeitete zunächst in der Werkstatt seines Vaters, kam dan 1726 über Montpellier nach Rom; von da an Zusammenarbeit mit seinem Bruder Adam, Lambert Sigisbert, in dessen Schatten er immer stand. Ab 1734 wieder in Paris, war u.a. an der Innendekoration für die Versailler Schlosskapelle beteiligt. Nach Aufträgen für den polnischen Exkönig Stanislaw Leszczynski in Nancy kehrte er 1752 wieder nach Paris zurück. 1762 entstand die Marmorgruppe "Der gefesselte Prometheus" (Paris, Musee National du Lourve).

Adam, Robert
(*3.7.1728 in Kircaldy, +3.3.1792 in Edinburgh). Der grösste britische Architekt des späten 18. Jhs; als Innenarchitekt und Möbelentwerfer, Designer etc. vielleicht noch bedeutender, denn hier ist sein Name noch heute ein fester Stilbegriff. In seiner klaren, unsinnlichen Eleganz ist er seinem franz. Zeitgenossen Soufflot, Jacques-Germain vergleichbar, doch liegt ihm die kalte Feierlichkeit von Soufflot, Jacques-Germain fern. So war er der Begründer des Klassizismus und Bahnbrecher des englischen Kunstgeschmacks auf dem Kontinent. Adam war ein echter Schotte, nüchtern, besonnen und unbändig ehrgeizig, aber nicht ohne zarte romantischere Charakterzüge. Beide Seiten seines Wesens spiegeln sich in seinem Werk, das zwischen einem malerischen Klassizismus und einer klassisch verhaltenen Neugotik schwankt. Seine Arbeiten haben die Haltung ungezwungenen Anstands, unpedantischer Gelehrtheit und unauffälligen Wohlstands, eben der kultivierten Welt seiner Auftraggeber. Da er empfand, dass es weder gesittet noch klug sei, bestehende Traditionen zu brechen, schuf er einen klassizistischen Stil, den Adam Style, der graziöser und auf heitere Weise eleganter war, als jener der Anhänger des Palladianismus, die ihm vorausgingen, oder der Anhänger des Greek Revival, die auf ihn folgten. Er vermied so überraschende Neuerungen wie die Anwendung der dorischen Ordnung (Säulenordnungen) an klassischen Bauten oder der malerischen Asymmetrie an gotischen. Adams erfüllte das damals herrschende Verlangen nach einem neuen Klassizismus, indem er den dekorativen Formenschatz erweiterte und phantasievoll kontrastreiche Raumanordnungen, die unverkennbar auf die Thermen der römischen Kaiserzeit zurückgehen, verwandte. Durch die geschickte Variation von Raumformen, durch seine Vorliebe für Nischen und verschleidernde Säulenstellungen, die dem Raum etwas Geheimnisvolles geben, ferner durch seine neugotischen Burgen mit romantisch-wuchtigem Aussenbau und behaglich klassizistischen Innenräumen entsprach er dem Zeitgeschmack für das Malerische. Er wurde der Architekt par excellence des Zeitalters der Empfindsamkeit. Sein Einfluss verbreitete sich rasch über England hinaus und reichte sogar bis nach Russland und Amerika. Seine Arbeitsleistung war gewaltig, aber seine unglücklich ausgegangene Immobilien-Spekulation mit dem Londoner Adelphi-Projekt brachte ihn um die Früchte seines Fleisses. Sein Vater Adam, William (1689-1748) war in seiner Zeit der führende Architekt in Schottland. Er entwickelte einen kraftvollen, persönlichen, auf Vanbrugh, Sir John, Gibbs, James und die Vertreter des englischen Palladianismus zurückgegenden Stil und schuf z.B. Hopetown House (1721ff.) in der Nähe Edinburghs und Duff House (1730-1739) in Banff, Schottland. Roberts Brüder John Adam (1721-92) und James Adam (1732-94) waren ebenfalls Architekten, beide im Architekturbüro ihres Vaters in Edinburgh ausgebildet; Robert und James besuchten ausserdem die Universität Edinburgh. Robert Adams Frühwerke, z.B. Dumfries House (1750-54 entworfen) zeigen nur eine geschulte Hand. Nach einem abgebrochenen Studium in Edinburgh führte er seit dem Tode des Vaters zusammen mit seinem Bruder Adam, John die Familienfirma. 1754-58 unternahm er eine Studienreise nach Italien, wo er in Begleitung Charles-Louis Clerrisseaus die Antike studierte (u.a. die Architektur der Kaiserzeit) und Giovanni Battista Piranesi traf. Mit Clerisseau vermass Robert Adam auch 1757 den Diokletianspalast in Split; die Ergebnisse wurden 1764 von ihm unter dem Titel "Ruins of Spalato" veröffentlicht. 1758 liess Robert Adam sich in London nieder, wo sich ihm sein Bruder James anschloss, nachdem er 1760-63 ebenfalls eine Bildungsreise durch Europa zu Clerisseau gemacht hatte. Seine Haupttätigkeit in den sechziger Jahren bestand im Umbau von Landsitzen und in der Neugestaltung ihrer Inneneinrichtung. Der Säulengang der Admiralität London (1759-60) zeigte sogleich sein Können und seine Originalität, aber die meisten Aufträge seiner Frühzeit galten der Umgestaltung alter Häuser oder der Fertigstellung von anderen Architekten begonnener Gebäude. Dennoch gelangte Robert Adam schell zu einem persönlichen Stil; Harewood House (1758-61), Kedleston Hall (1759ff.), Syon House (1760-69), Osterley Park House (1761-80), Luton Hoo (1766-70), Newby Hall (1767-85) und Kenwood House (1767-69) zeigen seine Meisterschaft in der Innenarchitektur. Seine gewissenhafte Gestaltung der Details (grosser Erfindungsreichtum an Raumwirkungen mit einem Formenapparat, der von monumentalen Säulen bis zu zartestem Stuckdekor und feiner Ornamentmalerei reicht) zeigt die preziöse Perfektion der gemalten Dekorationen und der nur flach aufliegenden Stukkaturen wie auch die Sorgfalt, die er auf jeden Teil eines Raumes - von den Teppichen bis zu den Schlüssellochbeschlägen - verwendete. Kein Architekt vor ihm hatte so umfassende Pläne für die Innenraumgestaltung ausgearbeitet. Noch die kleinsten Dekorationsmotive wurden mit solchem Geschick mit dem Ganzen verwoben, dass eine Wirkung von äusserster Anmut entsteht, und obschon sich doch in jedem Raum dieselbe künstlerische Persönlichkeit ausdrückt, entsteht bei seinen Zimmerfluchten niemals der Eindruck der Monotonie. Von sorgfältig komponierter, an der Antike, der Renaissance und dem Villenstil auf dem Kontinent orientierter Vielfalt ist auch die Abfolge der Räume. Sie weisen verschiedene Grundrisse und Raumtypen auf, verbunden mit einer eklektischen Gestaltung aller dekorativen Details, die griechische, hellenistische, etruskische und römische Anregungen mit Vorbildern der italienischen Frührenaissance und Hochrenaissance sowie palladianischen Formen in einem synthetischen Ganzen vereinigt. Sie veranschaulichen vollkommen die Eigenschaften, die Robert und James in der Einleitung ihrer "Works of Architekture" (1773; 2. Band 1779; 3. Band 1822) bewundernd aufzeigen, nämlich die Bewegung oder "das Fallen und Steigen, das Vor- und Zurückspringen und andere Variationen der Form", ferner "eine Vielfalt von zart abgestuften Profilen". Beispiele für den klassizistischen Stil Robert Adams sind Syon House, das durch verschiedene geometrische Formen bestimmt wird (basilikale Halle, Rotunde, zentrale Halbkuppel usw.), und die Südfront von Kedleston Hall in der Form eines römischen Triumphbogens. Robert Adams Originalität, sein Einfallsreichtum sprechen aus den genialen Entwürfen für Londoner Stadthäuser, die er in den 70er Jahren schuf, so z.B. St. James`s Square Nr. 20 und Portman Square Nr. 20. In diesen Bauten wurden allerdings die Dekorationen zunehmend flach und linear und neigten zu der glatten Zierlichkeit, die man ihm gegen Ende seines Lebens vorwarf. Sie blieben traditionell auf drei bis fünf Fensterachsen beschränkt, reichten aber über drei Stockwerke und wiesen eine beträchtliche Tiefe auf. Die verschiedengestaltigsten Räume und ihre Abseiten werden oft durch Säulenstellungen verbunden und räumliche Übergänge verschleiert. Zwischen 1768 und 1772 begannen Robert und James ihr ehrgeizigstes Unternehmen, nämlich den Bau des Adelphi Terrace (1928 abgebrochen), einer Gruppe von Luxuxmiethäusern am Themseufer. Unglücklicherweise schlug diese Spekulation fehl, und die beiden Brüder wurden nur durch eine Lotterie und durch Darlehen von ihrem älteren Bruder John in Edinburgh vor dem Bankrott bewahrt. Ein Nicht zuletzt durch diesen Fehlschlag und dem unglücklichen Agieren beim Projekt am Portland Place, in denen Mietwohnungen durch palastartige Fassaden zusammengefasst wurden, sank nach 1775 die Qualität der Arbeiten Robert Adams, doch gaben ihm grosse Aufträge in Edinburgh (Register House 1772-92) während seines letzten Lebensjahrzehnts noch einmal die alte Kraft zurück. Hier schuf er die Universität (begon. 1789, von Playfair, William Henry nach abgeänderten Entwürfen 1815-34 vollendet, die Kuppel 1887 von R.R. Anderson, 1834-1921 vollendet) und den Charlotte Square (1791 entworfen). Die Hauptfassade der Universität ist Roberts Adams monumentalster und vielleicht auch sien architektonisch vollendetster Bau. Dieser späten Schaffensperiode gehören auch die meisten seiner Schlossbauten an, z.B. Culzean Castle (1777-90) und Seton Castle (1789-91), die ihrer Zeit weit voraus waren. Seine frühesten neugotischen Bauten (z. B. die Einrichtung von Alnwick Castle, ca. 1770, heute zerstört) zeigten eine raffinierte Eleganz wie seine klassizistischen Bauten. Nun aber entwickelte er einen kühneren Stil. Bei Culzean Castle nützte er die hochromantische Lage in der Ayrshire-Küste zur Anlage dräuender Türme und Zinnen, die aber Räume von zartester Eleganz umschlossen, ein Paradebeispiel der Zeit der Empfindsamkeit.

Adam, William
*3.10.1689 in Kircaldy, +24.6.1748 in Edinburgh). Schottischer Architekt. Vater von Adam, James, Adam, John und Adam, Robert. Er war Bauunternehmer und einer der bedeutendsten schottischen Architekten des 18. Jh.s William Adam arbeitete für William Bruce, dessen Auftrag für Hopetoun House er 1723 übernahm und 1748 als seinen grossartigsten Landsitz fertigstellte. Seine Bauten, darunter zahlreiche Aufträge, alle in Schottland, tendieren eher zu einem englischen und kontinentalen Barock mit bewegtem Umriss als zur palladianischen Tradition.

Adelcrantz, Carl Fredric
*30.1.1716 in Stockholm, +1.3.1793 in Stockholm. Schwedischer Architekt. In seiner Stellung als Hofarchitekt, Bauintendant, Leiter der Hofkapelle und des Hoftheaters unter König Gustav III. hatte Adelcrantz starken Einfluss auf die Entwicklung des Klassizismus in Schweden. Von ihm stammen das Lustschloss (1764-66) und das Schlosstheater in Drottningholm (1762-66) sowie in Stockholm die Oper (1774-1782), die Münze (1783-85) und die Adolf-Fredrik-Kirche.

Adler, Friedrich
(*15.10.1827 in Berlin, +15,9,1908 in Berlin). Baumeister.

Adolphin, A.
Bildhauer aus Glatz (Schlesien).

Adonis
Nach Ovid Sohn des zyprischen Königs Knyras und seiner Tochter Myrrha. Mit der Adonis-Sage verbindet sich die Darstellung des Zyklus der Jahreszeiten. Der im Orient entstandene Adoniskult verbreitete sich in hellenistischer Zeit weit über Griechenland; bei den Adonia, die bis zu acht Tage dauerten, wurden die Vereinigung und schliesslich die Trennung von Adonis und Aphrodite (Venus) gefeiert. Als Jüngling von ausserordentlicher Schönheit ist Adonis oft gemeinsam mit Aphrodite (Venus), als Jäger oder in der Szene dargestellt, in der ihn der wilde Eber tötet.

Aetion
Tätig um 352 v. Chr. Griechischer Maler, vermutlich der kleinasiatischen Schule. Cicero zählt ihn zusammen mit Nikomachos, Protogenes und Apelles zu den "vollendeten Malern" im Gegensatz zur älteren Schule. Nach Plinius war seine Blütezeit um 352 v. Chr. Er muss aber noch nach 328 v. Chr. die Hochzeit Alexanders d. Gr. mit Roxane gemalt haben. Die Alexanderhochzeit ist das einzige Gemälde, von dem mehr als der Titel bekannt ist. Lukian, der es in Rom gesehen hat, gibt eine ausführliche Beschreibung: Roxane

Affinger, BernhardAfinger, Bernhard

Afinger, Bernhard
(auch Affinger, Bernhard, *6,5,1813 in Nürnberg, +25.12.1882 in Berlin). Bildhauer.

Aga Riza
Tätig etwa 1585 - 1625. Persischer Minitaturmaler, Vater von Abu`l Hasan, Hofmaler des indischen Mogulkaisers Jahangir (1605-27). Seine hauptsächliche Leistung besteht darin, dass er am Mogulhof den persischen Miniaturstil einführte, der sich dann allgemein durchsetzen sollte. Er arbeitete u.a. an dem sog. Jahngir-Album mit, einer Sammlung von Kartons mit Miniaturen, für die er die Einfassungen schuf. Es handelt sich um damals neuartige, oval gestaltete Arabesken und Spiralen. Seine Personendarstellungen (Kartons u.a. in London, British Museum) zeichnen sich durch eine innerhalb der persischen Tradition der Miniaturmalerei grössere Indivitualisierung aus.

Agatharchos
Tätig nach 450 v. Chr., Sohn des Eudemos, gebürtig von der Insel Samos; der älteste griechische Bühnenmaler, dessen Name bekannt ist. Seine für das Athener Theater geschaffenen Kulissenbilder liessen die gemalten Fassaden von Stadtmauern oder Palästen durch perspektivische Zeichnung und Schattierung als wirklich erscheinen. Nach Vitruv beschäftigte sich Agatharchos auch theoretisch in einer Schrift mit der Skenografie (Bühnenmalerei) und gab Demokrit und Anaxagoras den Anstoss zu ihren Untersuchungen über die Gesetze der Optik. Alkibiades soll den Maler in seinem Haus gefangengehalten haben, damit er es ihm mit seinen illusionistischen Malereien ausschmückte.

Agesandros
(auch Hagesandros). Tätig 2. Jh. v. Chr.; griechischer Bildhauer auf Rhodos, Sohn des Paionios. Er gilt neben Athenodoros und Polydoros als einer der drei Meister der Laokoongruppen. Er arbeitete auch an drei überlebensgrossen Marmorfiguren, die die Abenteuer des Odysseus darstellten in sich in einer Villa des Tiberius (?) in Sperlonga I gefanden.

Aglio, Domenico Dell`
(Geboren um 1515 in Scaria, und gestorben 1563 in Graz oder in Kroatien). Domenico soll im Sommer 1563 bei einer Inspektion der kroatischen Festungsanlagen ermordet worden sein. Bei dieser Familie Aglio/Allio soll es sich um ein sehr altes und adeliges Geschlecht aus Bissone gehandelt haben. 1544 ist Domenico über Klagenfurt und Graz nach Wien gekommen. Nach seiner Lehrzeit in Oberitalien war Domenico ab 1530 in den Habsburgischen Ländern tätig, besonders in der Steiermark und in der Umgebung von Agram (Zagreb). Zuerst lebte er in Klagenfurt. In einer Wiener Urkunde nannte er sich „einen Paumeister aus Kernten“. Dort besaß er ein Haus, das er 1556 verkauft hatte. Er verlegte nun seinen Hauptwohnsitz nach Graz, wo er sich ein Haus kaufte. Von ihm ist auch bekannt, dass er 1547 versuchte, durch eine Petition an den Kaiser Ferdinand I. Gerechtigkeit für die Intelveser zu erlangen, da diese durch den Grafen Franchino Rusca (er war der Feudalherr des Valle Intelvi) unterdrückt wurden. Die Gerechtigkeit für seine Landsleute wurde ihm dann auch mittels eines kaiserlichen Reskriptes vom 28.4.1547 gewährt. König Ferdinand I. ernannte ihn 1544 zum Oberbaumeister für Innerösterreich und die slawonisch-kroatische Grenze und zwar erhielt er hierfür den Titel eines lebenslangen Superintendenten der Grenze. Seit 1553 wurde er zum königlichen Baumeister und 1555 zum Oberbaumeister der kroatischen und windischen Ortsflecken ernannt. Am 22.06.1558 verlieh Kaiser Ferdinand I. Domenico und seinen Nachkommen ein Adelspatent. Er wurde von Christoph Khevenhüller, dem die Burg Hochosterwitz 1541 verpfändet wurde, mit der Errichtung der Festungsbauten und der Bastionen betraut. Nach seinen Plänen wurde auch die Stadt Klagenfurt befestigt.

Aglio, Donato Felice
(geb. Scaria am 24.10.1677, † 6.5.1761 in Wien, begraben in der Kapuzinergruft). Donato Felice Allio abslovierte von 1790-93 eine Maurerlehre, die er als Geselle abschloss. Gegen 1698 kam er nach Wien. Hier arbeitete er als Geselle bei Franceso Martinelli, dem Vater von Anton Erhard Martinelli. Sein Polierjahr absolvierte Allio bei Andrea Simone Carove (der bei Francesco Martinelli 1690 Polier war) im Zuge des Baus der Piaristenkirche in der Josefstadt (Maria Treu) im Jahr 1701. Neben seiner Tätigkeit als bürgerlicher Maurermeister (er nimmt mehrere Gesellen auf, darunter 1714 seinen Sohn Francesco Andrea Sebatiano) war er ab 1711 beim Militärbauamt beschäftigt (wahrscheinlich durch Protektion des Grafen Wirich von Daun, der das Palais Daun-Kinsky erbauen ließ). Zunächst war Donato Felice Allio Fortifikations-Maurermeister, 1723 wurde er zum Unteringenieur befördert (wiederum Einfluß des Grafen von Daun, der ebenso das Gesuch den Sohn Donato Felices, Francesco Andrea Sebastiano, als dessen Adjudanten anzustellen befürwortete). Er trug den Titel des Ingenieur-Hauptmanns. Donato Felice Allio übte bis zu seiner Pensionierung 1747 diese Tätigkeit kontinuierlich aus - es handelt sich um die Abgabe von Berichten und Fachgutachten, und Abänderungen von Plänen. So wurde 1715 in einem Augenscheinbericht (mit Signatur Donato Felice Allios) der projektierte Standort für die Karlskirche als zulässig befunden. 1715 -20 war er für den Bau des Zeugs-Schlosserhofes auf der Seilerstätte verantwortlich. 1727 wurde er nach Buda berufen um die Pläne von Johann Matthei aus 1725 für das Arsenal zu überprüfen (um 1900 abgerissen). 1729 hat er zusammen mit seinem Sohn ein Gutachten zur Bibliothekseinwölbung im Stift Melk erstellt. Außerhalb von Wien war Donato Felice Allio als Fortifikations-Ingenieur weiter in Brod/Slawonien (1726/7) und in Belgrad (1728) tätig. Donato Felice Allio war für diverse Adelige als Baumeister und Architekt beschäftigt. Johann Christoph Ferdinand Graf von Mallenthein (1719 in den Grafenstand erhoben und daraufhin Kammerherr bei Kaiserin-Witwe Wilhelmina Amalia, die Allio 1717 den Auftrag zum Bau des Salesianerinne-Klosters in Wien erteilte), beauftragte Allio 1720 eine neue Pfarrkirche in Groß-Siegharts/NÖ zu errichten. 1727 war der Rohbau fertig, 1727 mit den Deckenfresken Carlo Carlones vollendet. 1722/23 erbaute Donato Felice Allio in Laxenburg/NÖ ein Schloss für seinen großen Förderer, den Grafen von Daun. Nach Allios Entwurf wurde zwar 1724 mit dem Bau des Schlosses von Gräfin Maria Teresia Rottal in Mostek/Ostböhmen begonnen, allerdings bald darauf wieder eingestellt. Der Entwurf für den Justizpalast in Zalaeregerszeg/Ungarn stammt vermutlich von Donato Felice Allio und wurde von seinem Sohn umgesetzt. 1753 nahm er am Schloss in Laxenburg/NÖ. Umbauten vor. Nach der Grundsteinlegung von Klosterneuburg im Jahr 1730 besichtigte Kaiser Karl VI am Tag des hl. Leopold Festes Klosterneuburg und beschliesst, sich dort eine Sommerresidenz errichten zu lassen. Aus diesem Grund werden die Pläne für das Kloster geändert, eine vier-höfige Klosterresidenz, ähnlich dem Escorial in Madrid, soll entstehen. Das kaiserliche Hofbauamt unter der Leitung Joseph Emanuel Fischer von Erlachs unternimmt mehrere Eingriffe und Änderungen. Nach dem Tod des Kaisers (1740) wird der Bau vorläufig eingestellt. Der südöstliche Trakt kann 1735 fertiggestellt werden, 1735-39 wird das Kaiserzimmer ausgestattet. 1745-1750 wird der Bau fortgesetzt, allerdings handelt es sich um die Ausstattung der bereits vorhanden Trakte. Schließlich vollendet Architekt Joseph Kornhäusel 1834-1842 einen der vier geplanten Höfe. Donato Felice Allio entwarf auch die Innendekoration der Räume, als Bildhauer war u.a. Lorenzo Mattielli tätig, als Stukkateure u.a. Santino und Cajetano Bussi und Giovanni Battista Allio, dem Sohn des Stukkateurs Paolo d'Allio, dem Schwager Donato Felices (1.Ehe). drei Söhne Donato Felices waren ebenso an der "fabrica imperiale" (laut Allio) beteiligt: als Maler Claudio, als Baumeister Franceso Andrea Sebastiano (†1736) und Giuseppe Gabriele. In Wien wurde vermutlich nach Aglios Plänen das Palais Kayserstein (Bräunerstrasse) von Francesco Andrea Sebastiano Allio 1728 ausgeführt (signierte Einreichpläne). Auch Pläne für den Klosterneuburger Hof wurden von ihm geschaffen. Diese wurden allerdings nicht angenommen. Aglio baute auch das Schloss in Gerasdorf/Steinfeld in Niederösterreich. Donato Felice führte 1722-23 die Umbauten im Schloss von Ladendorf (BH. Mistelbach) für den Grafen Daun durch. Der Umbau betraf den Saal, der durch zwei Geschosse reicht und dem Mittelteil der 11achsigen Hauptfront entspricht. In Laxenburg in NÖ baute Donato Felice 1753 das Schloss „Blauer Hof“ um.

Aglio, MartinoAllio, Martino

Agnolo, Baccio d`
(eigentlich Bartholomeo Antonio Baglioni, auch Bartholomeo d`Agnolo Baglioni). *1462 in Florenz, +1543 in Florenz. Italienischer Architekt und Holzschnitzer der florentinischen Hochrenaissance. Er schuf 1491 bis 1496 das Chorgestühl der Kirche S. Maria Novella und die nicht mehr erhaltene Innendekoration des Ratssaals im Vecchio-Palazzo Florenz. Ab 1506 wurde er wiederholt Dombauleiter in Florenz. 1513-16 entwarf er zusammen mit Sangallo, Antonio da die äussere Galerie an der Domkuppel, deren endgültige Ausführung aber durch Michelangelos Einspruch verhindert wurde. Von Raffael inspiriert, verband er am Bau des Pandolfini-Palazzo in Florenz den Stil der römischen Hochrenaissance und dessen reiche Fassadengliederung mit dem strengen florentinischen Palasttypus. Weitere wichtige Bauten in Florenz: Borgherini-Palazzo, Pecori-Giraldi-Palazzo, Lanfredini-Palazzo, Castellani-Villa, Glockentürme von S. Spirito und S. Miniato al Monte.

Agnolo, Baccio d`Baccio d`Agnolo

Aigner, Peter
*30.6.1756 in Wlostowice, +8.2.1841 in Florenz. Polnischer Architekt. Nach Studien in Rom war Aigner 1782 bis 1827 Militärbaumeister und Professor für Architektur an der Universität Warschau und lebte dann in Italien. Er vertrat einen palladianisch gefärbten Klassizismus und hatte mit seinen ausgeführten und publizierten Fassadentypen Anteil an der Entwicklung des polnischen Kirchenbaus. Den zweiten Schwerpunkt bildeten Palaisbauten, Schlösser und Parkstaffagen, zum Teil in verschiedenen historischen Stilen.

Akanos, HieronymusArchonati, Hieronymus

Akhernaten, HieronymusArchonati, Hieronymus

Aktaion
(röm. Actaeon). Sohn des Aristaios und der Autonoe. Äusserst geschickter Jäger, der das Jägerhandwerk vom Kentauren Chiron erlernte. Aktaion wird dargestellt in der Szene, in der er Artemis (Diana) beim Bad erblickt, bei seiner Verwandlung in einen Hirsch oder während er von seinen Hunden zerissen wird.

Albert, Carl
(*1.4.1878 in Essen, 24.2.1941 in Hirschberg). Architekt. Bruder von Albert, Otto.

Albert, Otto
(+1939 in Hirschberg). Architekt. Bruder von Albert, Carl.

Alberthal, Hans
Architekt im fürstlich-öttingischem Dienst. Sohn von Alberthal, Peter. Wichtigste Bauten: Schloss Hirschbrunn I (1600-1607) in Dillingen; Schloss Oettingen I, Marstallbau oder Galeriebau und Torbau (1590); Schloss Dillingen Krs. Dillingen, Treppenhaus (1596-97); Schloss Sigmaringen, Portaltrakt (1627).

Alberthal, Peter
Architekt im fürstlich-öttingischem Dienst. Wichtigste Bauten: Schloss Hirschbrunn I (1600-1607) in Dillingen; Schloss Oettingen I, Marstallbau oder Galeriebau und Torbau (1590); Schloss Dillingen Krs. Dillingen, Treppenhaus (1596-97); Schloss Sigmaringen, Portaltrakt (1627).

Alberti, Antonio
Architekt u.a. in Schlesien.

Alberti, Giovanni
Stukkateur in Schlesien.

Alberti, Leon Battista
(*18.2.1404 in Genua oder Venedig, +25.4.1472 in Rom). Sowohl Dramatiker, Musiker, Maler, Mathematiker, Naturwissenschaftler, Sportler wie auch Architekt und Architekturtheoretiker, kam er dem Renaissanceideal vom vollkommenen Menschen äusserst nah. Alberti hatte ein aristokratisches Wesen; er war der erste grosse Amateur-Architekt. Er beschränkte sich auf das Entwerfen und kümmerte sich kaum um die praktische Ausführung seiner Bauten: es sind nur wenige, aber lauter Meisterwerke. Seine Schrift "De re aed

Alberti, Matteo
Graf. Architekt aus Venedig. Oberbaudirektor des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz (Jan Wellem) von 1690-1716. Wichtigste Bauten: Schloss Bensberg II (1700-1716), Schloss Mannheim I (Plan), Schloss Düsseldorf I (Plan), Residenz Heidelberg I (Plan).

Albuzzi, Antonio
Stukkateur in Schlesien.

Aldrich, Henri
(1648-1710). Dekan der Christchurch zu Oxford und Architekt. Lange Reisen in Italien, dort Bekanntschaften mit hervorragenden Männern, mit Architekten und Musikern. Sein architektonisches Werk ist nicht eindeutig nachweisbar. Nur zwei Gebäude sind im Entwurf mit Sicherheit vollständig oder zumindest grösstenteils ihm zuzuschreiben: All Saints, Oxford (1701-10) - der Spitzturm ist von Hawksmoor, Nicholas (1717-20) - und drei Gebäuderesten von Peckwater Court, ein sehr frühes Beispiel des englischen Palladianismus. Die Christchurch selber wurde von Townshend (1707-14) gebaut. Weiterhin erstellte Aldrich die Pläne für das Gebäude der Christchurch Bibliothek (1717-38), die jedoch nach seinem Tod von George Clark (1661-1736) vollständig erneuert wurde. Das Fellows` Building im Corpus Christi College (1706-12) wird Aldrich ebenfalls zugeschrieben, weiterhin, jedoch mit geringerer Wahrscheinlichkeit, die Trinitiy College Kapelle (1691-94). Auch als Architekturtheoretiker tat sich Alderich hervor: 1789 wurde posthum eine Abhandlung zu den Architekten Vitruv und Palladio, Andrea veröffentlicht: "Elementa architecture civilis, ad Vitruvii veterumque disciplinam", Oxon 1789.

Aleotti, Giovanni Battista
*1546 in Argenta, +9.12.1636 in Ferrara. Italienischer Architekt und Ingenieur. Er stand 1575-97 im Dienst des Herzogs Alfonso II. d`Este in Ferrara und wurde 1598 dort Stadtbaumeister. Seine Aufgaben umfassten Zivilbauten und Militärbauten, er war als Wasseringenieur tätig, entwarf Festarchitekturen und Bühnenbilder und schrieb mehrere technische und theoretische Abhandlungen. In Ferrara baute er Kirchen, Paläste, Theater und Festungsanlagen, teilweise als Erweiterungen und Umbauten. Ihn zahlreichen oberitalienischen Städten war er als Festungsingenieur und Zivilingenieur beratend tätig. Für Herzog Ranuccio I. Farnese errichtet er 1618 bis 1628 sein Hauptwerk, das Teatro Farnese in Parma. Anstelle des Waffensaals im Palazzo della Pilotta entstand die neuartige Hufeisenform des Zuschauerraums, von der tiefen Bühne mit erstem Einsatz von Kulissen durch einen monumentalen Proszeniumsbogen getrennt. Nach dem Teatro Olimpico in Vicenza von Palladio, Andrea (1580) und dem Theater von Scamozzi, Vincenzo in Sabbioneta von 1588 entsand hier der Prototyp des modernen Theaters.

Alessi, Galeazzo
(geb. 1512 Perugia - 30.12.1572 Perugia). Italienischer Architekt, dessen Werk von der römischen Hochrenaissance ausgeht, reiche Architektur (Arkaden, Loggien, Treppen, Vestibüle, Hofanlagen) mit der Landschaft verbindet und den Weg der italienischen Barockarchitektur ebnete. Schüler des Architekten und Malers Caporali. Von 1536 bis 1542 studierte Alessi in Rom und wurde dort stark von Michelangelo beeinflusst.. Mit Sangalo, Antonio da d. J. baute er zwischen 1542 und 1544 in Perugia an der Festung Paolina-Rocca, danach an der Via Nuova und der Kirche S. Maria del Popolo. Seit 1548 war Alessi in Genua ansässig. Dort entstanden seine Hauptwerke: der Neubau des Hafens mit Wachgebäude (ab 1550); Projekt der Strada Nuova (heute Via Garibaldi) mit monumentalen Palästen. Daneben schuf er Vorstadtvillen mit grossartigen Treppenanlagen. Es gelang Alessi meisterhaft, abschüssiges Gelände vorteilhaft zu nutzen und er liebte das Spiel mit monumentalen Treppenanlagen, Kolonnaden und auf verschiedenen Ebenen liegenden Höfen. Mit seinen Palästen und Villen, die von Peter Paul Rubens aufgenommen und 1622 in dem Stichwerk »Palazzi di Genova« publiziert wurden, prägte Alessi entscheidend die genuesische Stadtarchitektur, machte sie zum Vorbild der genuesischen Wohnarchitektur und mit seinen Kirchenbauten (Hauptwerk S. Maria Assunta dei Carignano, 1552 begonnen) auch die Sakralarchitektur. Sie bilden sein Hauptwerk und begründeten seinen Ruf als führender Architekt Oberitaliens in der Spätrenaissance. Die urbanistische Leistung der von ihm 1551 entworfenen Strada Nuova in Genua (heute Via Garibaldi) besteht in dem vielfältigen Bezug der Paläste zueinander; durch gleiche Höhe und axiale Ausrichtung der Portale wird die Strasse zu einem städtischen Raum. Die Zuschreibung der Paläste an Alessi schwankt, sie sind aber sicher nach seinen Anweisungen entstanden. Weitere Genueser Bauten sind die Villa Grimaldi 1561-68 (zerstört) und die 1552 begonnene Basilika S. Maria Assunta die Carignano. Sie wurde erste 1603 fertiggestellt und nimmt in der zentralen Kuppel über dem griechischen Kreuz Entwürfe von Bramante bis Michelangelo für St. Peter in Rom auf. Es folgte 1557–68 eine ausgedehnte Reise-, Bau- und Beratungstätigkeit Alessis in Oberitalien, vor allem in Mailand. Neben Genua war Mailand eine weitere grosse Wirkungsstätte. Von dort erstellte er den Marino-Palazzo (heute Palazzo Municipale) mit Säulenhof (1553/58) und dem eindrucksvollen Grossen Saal (salone maggiore), der 1943 zwar beschädigt, jedoch wieder restauriert wurde. An dem Palazzo und der Fassade von S. Maria presso S. Celso 1564-70 verdrängt die reiche Ornamentik und dichte Verzahnung der Fassadenelemente die klare, strenge Monumentalität seiner an der Hochrenaissance geschulten früheren Bauten. Zu ihr fand Alessi in seinen letzten Werken zurück, die ab 1568 im Umkreis von Perugia entstanden.

Alfieri, Benedetto Innocente
(*1699 in Rom, +9.12.1767 in Turin). Italienischer Architekt und piemontesischer Adliger. Onkel des Dichters Vittorio A. War Jurist, wandte sich dann der Architektur zu und wurde Juvarras Nachfolger als königlicher Architekt am Hofe von König Carlo Emmanuels III. in Turin (1736). Er war weitgehend damit beschäftigt, Juvarras Arbeiten - im Reale-Palazzo Turin und an den Schlössern Stupinigi und Venaria Reale - zu vollenden. Seine öffentlichen Bauten, wie das Teatro Reale 1738-40, bestimmten den Ausbau des Turiner Zentrums zu einer modernen Residenzstadt. Sein wichtigstes eigenes Werk ist die weiträumige Kirche in Carignano (1757-64), mit einer strengen Fassade und reicher Innenarchitektur; der eigenwillige Grundriss ist nierenförmig. 1752 entwarf er die Fassade der Kathedrale St-Pierre in Genf. In seinen Werken mischen sich Einflüsse Juvarras mit römischem Hochbarock und bisweilen fast klassizistischen Formen in einer nüchternen und rationalen Auffassung.

Alfieri, Girolamo
(möglicherweise identisch mit dem sogen. Meister Hieronymus. Alfieri orientierte sich zunächst an der hochbarocken Formensprache von G. B. Barbarini, die von stark plastischem und vegetabilem Ornament und locker geschwungenen Kartuschen bestimmt ist (Kremsmünster). Im Palais Questenberg dagegen verwendete Alfieri zartes Rankenwerk, so wie S. Bussi es um 1690 in Wien eingeführt hatte. Deutschordenskirche, Gotisierender Stuckdekor, 1702-22 Palais Questenberg, Innenstuckierung und Fassadenstuck, 1703-05, 1724-26 Rappoltenkirchen / NÖ, ehemaliges Schloss Questenberg, Stuckdekorationen der Grotta, 1712-14 , nicht erhalten. 1720 als Hofstukkateur erwähnt.

Algardi, Alessandro
(*31.7.1595 in Bologna, +10.6.1654 in Rom). War vor allem Bildhauer, aber auch als Architekt tätig. In Bologna bei Carracci, Ludovico ausgebildet, arbeiteteAlgardi ab 1622 am Mantuaer Hof, seit 1627 in Rom. Er schuf vorwiegend Kleinplastiken sowie Elfenbeinschnitzereien und betätigte sich als Antikenrestaurator. Erste Grossaufträge erhielt Algardi ab 1640, unter dem Ponitficat Innozenz` X. (1644-55) erreichte er den Höhepunkt seiner künstlerischen Tätigkeit. Seine Hauptwerke sind die Bronzsstatue Innozenz` X. um 1645 im Konservatorenpalast, das Grabmal Leos XI. 1640-44 in St. Peter und das Altarrelief aus Marmor mit der "Vertreibung Attilas durch Papst Leo I." in St. Peter von 1646-53, ferner der Damasus-Brunnen im Cortile S. Damaso des Vatikans 1643-49 und der Altar von S. Nicola da Tolentino 1650-54. Zahlreiche Bildnisbüsten zeugen von seinem Können als Porträtist. Im Gegensatz zu seinem Zeitgenossen und Konkurrenten Bernini, Giovanni Lorenzo vertrat er einen weniger leidenschaftlichen Stil mit einer zurückhaltenderen Gesamtgestalt und genau beobachteten, mitunter etwas trockenen Details. Die Bedeutung Algardis als Architekt bleibt bescheiden; sein Ruf gründet sich vor allem auf den Bau der Doria-Pamphili-Villa in Rom, der er als Intendant vorstand (1644-52); der Entwurf für die Villa stammt wahrscheinlich von Grimaldi, G.F. (1606-80). Algardi versuchte in der Ausstattung und in den Gartenanlagen den Typus der klassischen antiken Villa zu evozieren.

Algarotti, FrancescoLodoli

Aliprandi, Johann BaptistAlliprandi, Giovanni Battista

Alkamenes
Tätig 2. Hälfte 5. Jh. v. Chr. Griechischer Bildhauer und Bronzegiesser. Er gilt als Schüler und Rivale von Phidias und wird nach seinem Lehrer als wichtigster Bildhauer seiner Zeit angesehen. Er schuf nach schriftlicher Überlieferung von Pausanias und Plinius zahlreiche Götterbilder wie das Kultbild des Hephaistostempels in Athen (444 v.Chr.). Sein Name findet sich auf zwei römischen Kopien des Hermes Propylaios aus Pergamon sowie aus Ephesos; das Original hatte am Eingang der Athener Akropolis gestanden. Weitere, auf attischen Münzen überlieferte Werke waren das Kolossalstandbild des Dionysos (420-415 v.Chr.) für das Heiligtum am Theater in Athen; ein Relief der Athena und eine Heraklesstatue für das Heraion in Theben werden von Pausanis erwähnt. Die berühmteste Figur war die nach ihrem Aufstellungsort benannte, nicht erhaltene "Aphrodite in den Gärten", die angeblich aus einem Wettstreit mit Agorakritos hervorging (ob es sich bei der sog. Venus Genetrix im Musee National du Louvre in Paris um eine Kopie dieser Statue handelt, ist umstritten). Nicht eindeutig gesichert ist die Zuschreibung der Marmorgruppe "Prokne und Itys" (vermutliches Original in Athen, Akropolis-Museum).

Alker, Anton
Zimmerpolier in Schlesien.

Allescher
Architekt in Schlesien.

Alligo, MartinoAllio, Martino

Allinger, Gustav
(auch Karl Gustav, *3.11.1891 in Lauffen/Neckar, +9.8.1974 in Bonn). Gartenarchitekt, u.a. in Schlesien tätig.

Allio, Donato Felice d`
*1676 in Mailand, +6.3.1761 in Wien. Österreichischer Architekt, Schüler von Fischer von Erlach, Johann Bernhard, Mitglied des Hofkriegsrats 1711-47 und kaiserlicher Ingenieur. Sein Wiener Hauptwerk sind Kirche und Kloster der Salesianerinnen 1717-30, deren Fassade italienische Vorbilder aufgreift und deren Innenraum die Karlskirche modifiziert. Die für Karl VI. als "österreichischer Escorial" geplante Residenz Klosterneuburg I wurde durch das kaiserliche Hofbauamt unter Leitung von Fischer von Erlach

Allio, Martino
(auch Aglio, Alligo, *1654 in Scaria/Val Intelvi, +1701 in Prag). Baumeister, u.a. in Schlesien tätig.

Alliprandi, Giovanni Battista
(auch Johann Baptist Aliprandi). *1665 in Laino in Valle Intelvi, +9.3.1720 in Leitomischl. Italienisch-böhmischer Architekt. Seit 1696 Hofarchitekt des Grafen Czernin, leitete Alliprandi 1703-09 den Bau von dessen Schloss Kosmonos in Böhmen, entwarf 1713 die Votivsäule der Hl. Dreifaltigkeit auf dem Kleinseitener Platz in Prag und 1714-20 die Kirche des Piaristenkollegiums in Leitomischl. als sein Hauptwerk gilt das Schloss von Liblice (Liblitz) ab 1699, eine Variation des Lustgartengebäudes im "

Allori, Alessandro
*3.5.1535 in Florenz, +22.9.1607 in Florenz. Vater von Allori, Cristofano, schuf unter dem Eindruck Michelangelos Altarbilder, Fresken, Portraits. Er wurde von seinem Onkel, dem Maler Agnolo Allori, gen. Il Bronzino, adoptiert und in dessen Werkstatt ausgebildet. Allori übernahm später dessen Beinamen Il Bronzino. Seine erste grosse Arbeit war die vom Geist der Gegenreformation getragene Ausmalung der Monaguti-Kapelle in SS. Annunziata in Florenz, die 1560 entstand. Nach 1570 wirkte Allori bei der Ausmalung des "studiolo" im Vecchio-Palazzo Florenz mit, wo er technisch ausserordentlich gekonnte Fresken von ausgesuchter Erotik schuf. Von seinen vielen Bildnissen sind nur wenige erhalten. Besonders in den Aktdarstellungen zeigte er sich als typische Manierist. 1585 wurde er mit der Fortführung der Dekoration der Medici-Villa Poggio A Caiano betraut.

Allori, Cristofano
*17.10.1577 in Florenz, +2.4.1621 in Florenz. Italienischer Maler und Landschaftszeichner, Sohn von Allori, Alessandro, stand in seinem Spätwerk unter dem Einfluss Caravaggios, schuf vor allem biblische Szenen und Porträts. Die ersten Lehrjahre verbrachte er in der Werkstatt seines Vaters, um dann seine Lehre bei Gregorio Pagani fortzusetzen, wo er mit der Schule von Bologna in Berührung kam und vom Manierismus seines Vaters Abstand gewinnen konnte. Ständige Schulung an Vorbildern wie Cigoli, Santi di Tito und vor allem Correggio verband er mit einem gründlichen Modell- und Naturstudium. Seine dramatische Inszenierung biblischer Motive findet gerade in neuester Zeit wiederum grosse Beachtung, z.B. "Judith mit dem Haupt des Holofernes" und "Johannes der Täufer in der Wüste" (beide Florenz, Galleria Palatina, Pitti-Palazzo). Als Porträtmaler stand er ebenfalls in hohem Ansehen, wie das Bildnis "Isabella von Aragon kniet vor Karl VIII." (Paris, Musee National du Louvre) beweist. Weitere Hauptwerke in der Galeria Palatina, Pitti-Palazzo in Florenz.

Altdorfer, Albrecht
*um 1480 in Regensburg, +12.2.1538 in Regensburg. Deutscher Maler, Zeichner, Grafiker, Architekt, als bedeutendster Vertreter der sogen. Donauschule einer der Wegbereiter der Landschaftsmalerei. Er war vermutlich der Sohn des von 1478 bis 1491 in Regensburg ansässigen Briefmalers Ulrich Altdorfer. 1505 erwarb er das Bürgerrecht, wobei er als „Maler von Amberg“ bezeichnet wird, drei Jahre später wurde er siegelmässiger Bürger. Er gelangte bald zu beträchtlichem Wohlstand, wurde 1519 Mitglied des Äusseren, 1526 Mitglied des Inneren Rates und Stadtbaumeister. Zwei Jahre später lehnte er die Wahl zum Bürgermeister ab, um ein „grosses Werk“ für Herzog Wilhelm von Bayern, die „Alexanderschlacht“ ausführen zu können. Sichere Anhaltspunkte für Altdorfers künstlerische Herkunft gibt es kaum. Die kleinteilige miniaturhafte Malweise seiner frühen Bilder legt die Vermutung nahe, dass er zumindest vorübergehend Schüler in einer Miniaturwerkstatt war, wobei man an die des Berthold Furtmeyr in Regensburg denken könnte. Altdorfers früheste Arbeiten, die „Mondseer Holzschnitte“, sind mit sicherheit vor 1505 entstanden. Es lässt sich ausserdem feststellen, dass Altdorfer eine genaue Kenntnis des Altars von St. Wolfgang von Michael Pacher hatte. Doch die These, er habe schon früh zu der Werkstatt Jörg Kölderers in Innsbruck in Beziehung gestanden und dort seinen zeichnerischen Stil gefunden, lässt sich nicht aufrechterhalten. Zwar lässt sich der Einfluss des in Wien entstandenen Frühwerks Lucas Cranach d.Ä. ebenso wie der Max Reichlichs nachweisen, und ausserdem, dass Altdorfer Albrecht Dürers bedeutendste Blätter kannte und zum Vorbild nahm, doch geben weder seine frühen Zeichnungen noch seine Druckgrafik oder die frühen Tafelbilder Aufschluss über seine künstlerische Herkunft. Aus seiner Frühzeit sind acht kleinformatige Bilder bekannt: Das vor 1506 entstandene „Martyrium der hl. Katherina“ (Wien, Kunsthistorisches Museum) zeigt Anklänge an Marx Reichlich, während die kleine Geburt Christi (Bremen, Kunsthalle) von 1507 deutlich von der Begegnung Michael Pachers geprägt ist. Andere frühe Werke sind die „Stigmatisation des hl. Franziskus und die Busse des Hl. Hieronymus“ (Berlin, Staatliche Museen, Gemäldegalerie) von 1507 mit ihrer an Cranach erinnernden Einbettung der Figur in die Landschaft sowie die „Landschaft mit Satyrfamilie“ (1507, Berlin, Staatliche Museen, Gemäldegalerie). Der miniaturgleich auf Pergament gemalte märchenhafte „Laubwald mit dem Hl. Georg“ (München, Alte Pinakothek), die Ruhe auf der Flucht (Berlin, Staatliche Museen, Gemäldegalerie), beide 1510, gelten als Beginn des selbständigen Landschaftsbildes, dessen Initiator Altdorfer ist. Auch in seinen frühen Helldunkelzeichnungen wie etwa die „Maria mit dem Kind im Walde“ (Braunschweig, Herzog-Anton-Ulrich-Museum) von 1506 oder die „Stillung des Sturms durch den hl. Nikolaus“ (Oxford, Ashmolean Museum) von 1508 tritt eine völlig neue Auffassung überkommener religiöser Themen zutage und in Blättern wie dem „Hexensabbat“ (Paris, Musee de National du Louvre) von 1506 oder dem „Wilden Mann“ (London, British Museum) von 1508 eine neue naturhafte phantastische Welt. Der offenbar erst 1518 aufgestellte Passionsaltar (St. Florian, Augustiner-Chorherrenstift, und Wien, Kunsthistorisches Museum) ist ein frühes Meisterwerk Altdorfers. In jeder Tafel dieses Altars, der in geschlossenem Zustand vier Szenen aus der Sebalduslegende zeigt, im geöffneten acht Szenen aus der Leidensgeschichte Christi, wird eine ungeheure Dramatik, Spannung und leuchtende Farbigkeit sichtbar. Hier erweisen sich in vollem Umfang Altdorfers stilistische Eigenständigkeit und das Neue seiner Malweise. Für die Architektur auf diesen Tafelbildern verwendete Altdorfer mit Vorliebe italienische Renaissancevorbilder – Stichvorlagen nach Bramente und Andrea Mantegna hatte er mit Sicherheit in Händen – oder eine Mischung spätgotischer und klassischer Bauformen, doch ist die Herkunft seiner Innenräume von den Raumfluchten Michael Pachers nicht zu übersehen. Nach dem Passionsaltar von St. Florian entstand eine Reihe grossformatiger Bildtafen, deren Figuren eine monumentalere Gestaltung aufweisen: der „Abschied Christi“ (Luton Hoo, Wernher Collection), die „Kreuzigung Christi“ (um 1510, Kassel, staatliche Kunstsammlungen), eine der ausdrucksvollsten religiösen Bildschöpfungen Altdorfers, und die an Matthias Grünewald erinnernden, von einer üppigen Naturszenerie umgebenen „Johannes d.E. und Johannes d.T.“ (um 1510, München, Alte Pinakothek). Auch in bedeutenden Holzschnitten tritt dieser Wandel in der Gestaltung der Figuren und des Raums zutage, so etwa in den beiden Fassungen des Motivs „Enthauptung Johannes` d. T.“, 1512, dem „Christopherus“ von 1513 oder der nach dem Vorbild von Albrecht Dürers „Kleiner Passion“ um 1513 geschaffenen Bildfolge „Sündenfall und Erlösung des Menschengeschlechts“. In dieser Periode entstanden Altdorfers erste Landschaftszeichnungen, wie die 1511 datierte Zeichnung „Die Donau bei Sarmingstein (Budapest, Magyar Szépmüvészeti Múzeum). Auch für Kaiser Maximilian I. arbeitete Altdorfer verschiedentlich. Etwa 1513-15 entstanden die Miniaturen zum Triumphzug des Kaisers (Wien, Albertina), um 1515 zehn Holzschnitte zur Ehrenpforte gleichzeitig mit den etwa 24 Randzeichnungen zum Gebetbuch Maximilans (Besancon, Bibliotheque Municipale). Gegenüber der kraftvollen Bewegtheit des Passionsaltars von St. Florian zeigt der 1525-30 entstandene Altar mit der Florianslegende (Florenz, Galleria degli Uffizi, Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, und Prag, Národni Galerie) eine grössere Ruhe in den Formen. In dem kühlen Bildaufbau des „Martyrium des Hl. Florian (Florenz, Galleria degli Uffizi), einer der grossartigsten Raumgestaltungen Altdorfers, wird die Auseinandersetzung mit Wolf Huber sichtbar. Die „Bergung des toten hl. Florian“ (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum) gehört zu den reichsten und stimmungsvollsten Naturschilderungen der Donauschule. Etwa zur gleichen Zeit wie die Florianslegende entstanden der „Apostelabschied“ (Berlin, Staatliche Museen, Gemäldegalerie), die „Schöne Maria“ (Regensburg, St. Johann) von 1518/19 und ein Beispiel der Raumphantasie des Künstlers, die „Geburt Mariä“ (um 1520, München, Alte Pinakothek). Das für Herzog Wilhelm IV. von Bayern 1526 geschaffene Bild „Susanna im Bade“ (München, Alte Pinakothek) wird von einem ausserordentlich prachtvollen und geräumigen Renaissancepalast beherrst, der an lombardo-venezische Paläste der Epoche erinnert. Die 1529 datierte „Alexanderschlacht“ (München, Alte Pinakothek) gehört zu einer Folge von Historienbildern, die der bayerische Herzog bei verschiedenen Künstlern in Auftrag gegeben hatte. Sie ist der Höhepunkt in Altdorfers Schaffen. In einem gewaltigen Raumbild, dessen landschaftliche Formationen sich als eine „visionäre Vedute“ des östlichen Mittelmeerraumes deuten lassen, findet der welthistorische Sieg Alexanders über den Perserkönig in dem Augenblick statt, da die Sonne hinter dem Horizont versinkt und so die Natur des Geschick des Darius symbolisiert. Ausser den Resten der Wandbilder aus dem ehemaligen Kaiserbad des Bischofshof Regensburg (Regensburg, Städtisches Museum) ist aus Altdorfers letztem Lebensabschnitt wenig erhalten. Das Sprichwörterbild „Der Bettel sitzt der Hoffart auf der Schleppe“ (1531, Berlin, Staatliche Museen, Gemäldegalerie) ist niederländisch beeinflusst und weist schon auf die Genremalerei voraus. In der prunkvollen „Anbetung der Könige“ (um 1528, Frankfurt, Städelsches Kunstmuseum) und in „Lot und seine Töchter“ (Wien, Kunsthistorisches Museum) von 1537 nimmt Altdorfers Malerei manieristische Züge vorweg. Aus Altdorfers Schaffen als Stadtbaumeister von Regensburg resultieren lediglich einige Zweckbauten (Schlachthaus). Er war ausserdem am Ausbau der Befestigungsanlagen (Regensburg III) beteiligt.

Altdorfer, Erhard
*um 1480 in Regensburg, + um 1562 in Schwerin. Deutscher Maler, Zeichner und Holzschneider, Bruder von Altdorfer, Albrecht, wurde 1510 Hofmaler des Herzogs von Mecklenburg in Schwerin I. Sein malerisches Werk ist nicht gesichert, die Zuschreibungen schwanken stark, seine Tätigkeit als Zeichner und Holzschneider am Schweriner Hof ist dagegen besser belegt. Sein Hauptwerk bilden die 82 Holzschnitte der Lübecker Bibel von 1533/34, in denen der Einfluss der Cranach-Werkstatt das Vorbild des Bruders verdrängt.

Altdorfer, Erhardt
Hofmaler und Baumeister am Hof Heinrichs d. Friedfertigen v. Mecklenburg. Wichtigstes Werk: Fürstenhof Wismar?, 1553-54.

Althoff, Hugo
(*1884). Architekt, u.a. in Schlesien tätig.

Altomonte, Bartholomäus
*24.2.1702 in Warschau, +11.11.1783 in St. Florian bei Linz; österreichischer Maler, Sohn von Altomonte, Martino und dessen Schüler. Er führte anfänglich die Entwürfe seines Vaters in Freskotechnik aus, z.B. in den Prälatenzimmern des Stifts St. Florian 1722-32. Später löste er sich von dessen Vorbild und malte seine Fresken und Altarblätter in lockerer Komposition der Figuren und lichter Farbe, ohne das spätbarocke Kompositionsschema grundsätzlich aufzugeben. Nach 1768 reduzierte er seinen Stil unter der aufkommenden klassizistischen Strömung auf den schweren geschlossenen Figurenstil seiner frühen Jahre. Hauptwerke: Fresken in der Stiftskirche von Spital am Pyhrn (1737-39) sowie den Stiftskirchen von Wilhering (1739-41), Herzogenburg (1753-55), Engelszell (1759-62) und im Saal des Stifts Herzogenburg (1772).

Altomonte, Martino
*8.5.1657 in Neapel, +14.9.1745 in Wien). Österreichischer Kirchenmaler des Spätbarock, Vater von Altomonte, Bartholomäus. Er war der Sohn eines Tiroler Bäckers namens Michael Hohenberg. Mit 15 Jahren kam er als Lehrling nach Rom, zuerst zu Giovanni Battista Gaulli, danach in die werkstatt von Carlo Maratta. von 1684-1700 war er Hofmaler des polnischen Königs Johann III. Sobieski in Warschau. Nach 1702 übersiedelte er nach Wien, 1720 nach Linz. Neben Johann Michael Rottmayr gilt er als Hauptmeister des Wiener Spätbarock, wobei er wesentlich der römischen Malerei verhaftet blieb. Neben seinen Lehrern beeinflussten noch Luca Giordano und Le Brun, Charles seine Kunst. Neben den Entwürfen in lockerer Pinselführung und zahlreichen Altarbildern schuf er eine Reihe von Gemälden, so die "Allegorie der Türkenkriege" (St. Florian bei Linz) und "Susanna im Bade" (1709, Wien, Österreichische Galerie). Sein Hauptwerk sind die Fresken im "Unteres Belvedere" in Wien.

Alvares, Baltasar
Tätig 1570/75 bis 1624. Portugiesischer Architekt. Er war Neffe des königlichen Architekten Alfonso Alvares und Schüler Filipo Terzis. Seine Bauten schwanken zwischen Manierismus und Frühbarock. In seinen Hauptwerken, der ehemaligen Jesuitenkirche und jetzigen Kathedrale Sé Nova in Coimbra (begonnen 1598) und der Jesuitenkirche Grilos in Porto (ab 1614), wird nach dem Vorbild von Il Gesu in Rom der Standardtyp der gegenformatorischen Kongregationskirche abgewandelt mit meist emporenlosem, tonnengewölbten Langhaus und einer kassettierten Vierungskuppel ohne Tamour. Die Fassaden nehmen Anregungen architektonischer Retabelrahmungen auf.

Alvarez De Pereira Y Cubero, Jose
*23.4.1768 in Priego de Cordoba, +26.11.1827 in Madrid. Spanischer Bildhauer. Er führte bereits 1782 einige Figuren für die Innenausstattung der Kirche des Klosters El Paular bei Madrid aus. Seine weitere Ausbildung erfolgte in Cordoba und Granada und wurde auf der Real Academia de S. Vernanado in Madrid abgeschlossen. 1799 reiste er mit einem königlichen Stipendium nach Paris und Rom. 1804 gewann er mit einer Ganymedfigur in Paris einen Preis und siedelte nach Rom über, wo er sich dem Kreis um Antonio Canova anschloss.1809 wurde er einige Monate in der Engelsburg Roma inhaftiert, weil er sich geweigert hatte, eine Büste Napoleon Bonapartes anzufertigen. Später war Alvarez mit der Auschmückung des Quirinale-Palazzo beschäftigt, für den er vier Basreliefs schuf. Unter Ferdinand VII. kehrte er nach Spanien zurück und wurde 1816 zum Hofmaler ernannt; 1826 Akademiedirektor in Madrid. Sorgfältiges Studium der Natur und der antiken Kunst waren die Voraussetzungen für die Ausführung von Marmorskulpturen wie "Memnon und Antilochus als homerische Gestalten" (Madrid, Museo Nacionale de Arte Moderno). Diese Gruppe wurden von Ferdinand VIII. in Auftrag gegeben und gilt als Alvarez` bedeutendstes Werk. Neben zahlreichen Büsten von Karl IV., Ferdinand VII., Gioacchino Rossini u.a. fertigte er Statuen der Königin Maria Luisa und der Königin Dona Isabella de Braganza. Mythologische Themen wie "Herkules, mit dem Löwen kämpfend" wurden wegen ihrer grossen Ähnlichkeit mit antiken Plastiken geschätzt. Alvarez nimmt unter den Bildhauern des 19. H. eine hervorragende Stelle ein und ist mit den Künstlern Antonio Canova, John Flaxman und Bertel Thorvaldsen vergleichbar.

Alvarez Y Bougel, Anibal
*1810 in Rom, +5.4.1870 in Madrid. Spanischer Architekt, Sohn des Bildhauers Alvarez De Pereira Y Cubero, Jose, Bruder von Alvarez Y Bougel, Jose, studierte Architektur beim Baumeister des Königlichen Hofs in Madrid. 1832 erhielt er den Architekturpreis der Real Academia de s. Fernando in Madrid. Nach mehrjähriger Wandertätigkeit an europäischen Höfen kehrte er 1839 nach Madrid zurück und wurde 1844 zum Professor der Akademie und später zum Hofbaumeister des Köngishauses ernannt. Seine wichtigsten Werke sind das Grabmal des Marqués de Espejo auf dem Friedhof S. Luis in Madrid und die Schlösser des Herzogs von Sevillano (Sevillano-Schloss) und des Marqués de Gadivia (Gadivia-Schloss) bei Madrid.

Alvarez Y Bougel, Jose
*2.2.1805 in Paris, +22.8.1830 in Burgos. Spanischer Bildhauer, Sohn des Bildhauers Alvarez De Pereira Y Cubero, Jose, Bruder von Alvarez Y Bougel, Anibal, erhielt seine Ausbildung bei seinem Vater und bei Jean Auguste Dominique Ingres. Nach seiner Rückkehr nach Spanien schuf er vielbeachtete Figuren wie "Amor" und "Samson, mit dem Löwen" kämpfend, die sich im Museo Nacional de Arte Moderno in Madrid befinden. 1829 wurde er zum Mitglied der Real Academia de S. Fernando in Madrid gewählt. Kurz vor seinem

Alvarez Y Catala, Luis
*22.1.1836 in Monasterio del Helmo, +4.10.1901 in Madrid. Spanischer Maler, spezialisierte sich auf Historienmalerei und Genremalerei und war ab 1898 Direktor des Museo del Prado in Madrid. er wurde von Mariano Fortuny Y Carbó beeinflusst und bevorzugte wie dieser starkfarbige Lichteffekte. Sein Werk "Der Thron Philipps II." im Escorial erhielt auf der Pariser Weltausstellung 1889 eine Goldmedaille.

Alvarez, Don Manuel
*1727 in Salamanca, +1794 in Madrid. Spanischer Bildhauer, studierte in Salamanca und Madrid bei Alexandro de Castra, der ihn an der Ausschmückung des königlichen Palastes (Real-Palacio) beteiligte. 1762 wurde er Vizedirektor der Akademie in Madrid. Er orientierte sich an der antiken Plastik und galt als Wegbereiter des Klassizismus. Von seinen zahlreichen Arbeiten sind besonders die Statuen der Könige Witerich und Wallia am Königlichen Palast sowie die Statue der Unbefleckten Empfängnis und der Christusaltar in der Königlichen Kapelle in Madrid hervorzuheben. Die Ausführung einer Reiterstatue Philipps V. und Karls III. wurde wegen politischer Unruhen verhindert. Die bedeutendsten Arbeiten sind die Statuen am Apollobrunnen im Prado-Park in Madrid. 1784 wurde er zum Direktor der Akademie ernannt, später zum Hofbildhauer.

Amadeo, Giovanni Antonio
(auch Omodeo, degli Amadei). *1447 in Pavia, +27.8.1522 in Mailand. Italienischer Bildhauer und Architekt, Vertreter der lombardischen Renaissance. Amadeo verband die campionesische Kunsttradition (Campionesen) mit den durch Michelozzo di Bartolomeo in die Lombardei gebrachten toskanischen Renaissancebestrebungen. 1470 bis 1475 baute er das früheste Beispiel toskanischer Renaissance in der Lombardei, die Capella Colleoni mit den Grabmälern der Medea Colleoni und ihres Vaters Bartholommeo in Bergamo. Ab 1480 orientierte er seinen Stil am Vorbild der Brüder Mantegazza, die von der nordischen, spätgotischen Plastik beeinflusst waren. 1490-97 beteiligte er sich an der Kuppelkonstruktion des doms in Mailand. Sein Meisterwerk auf dem Gebiet der dekorativen Plastik war die Ausschmückung der Fassade der Certosa von Pavia, in deren Ausführung er sich ab 1491 mit den Brüdern Mantegazza teilte. 1492-94 schuf er den Hof des P

Amadis von Frankreich
Er ist der Held des spanischen Romans, der den Umschwung der Ritterepopöe zum Ritterroman bezeichnet. Ursprünglich wahrscheinlich in portugiesischer Sprach durch den Ritter Vasco de Lobeira von Oporto, gest. 1403, verfasst, wurde er durch Garcia Ordonnez de Motalvo um 1460 ins Spanische überarbeitet und um 1500 im Drucke herausgegeben. Der Held des Buches ist Amadis, Sohn des Königs Perion von Frankreich und der Elisena, einer Tochter des Königs Gavinter von Bretagne, Hauptgegenstand die Liebesgeschichte zwischen Amadis und Oriana, einer Tochter des Königs Lisuart von Frankreich. Schon von dem genannten spanischen Bearbeiter fortgesetzt, erweiterten französische Übersetzer das Buch auf die Romanreihe von 24 Büchern. Auch in der deutschen Überarbeitung, welche von 1569 bis 1594 in 24 Bänden erschien, wurde der galante Ritterroman mit seiner unglaublichen Weitschweifigkeit das Lieblingsbuch des deutschen Adels.

Amerling, Friedrich von
*14.4.1803 in Wien, +15.1.1887. Österreichischer Maler, profilierter Vertreter des Wiener Biedermeier, bedeutend vor allem aufgrund seiner Portraits, in denen sich künstlerischer Ausdruck und Realitätsnähe verbinden. Amerling besuchte von 1816-24 die Kunstakademie seiner Heimatstadt. 1827 lernte er in London Thomas Lawrence kennen, bei dem er sich in der Porträtkunst vervollkommnete. Knapp ein Jahr darauf ging er nach Paris zu Horace Vernet, der mit Lawrence zu den angesehensten Porträitisten der Zeit gehörte. Nach Wien zurückgekehrt, begann er eine glänzende Karriere als Bildnismaler. Sie wurde vor allem durch sein ausserordentlich sprechendes Porträt von 1832, "Kaiser Franz I. im Krönungsornat" (Schloss Laxenburg bei Wien), begründet, das ihm der Kaiser aus Begeisterung über ein geglücktes Porträt des Erzherzogs Rudolf in Auftrag gegeben hatte. Amerlings Modelle waren von nun an vor allem Mitglieder der Wiener Aristokratie. Seine Porträts sind im klassizistisch-biedermeierlichen Stil gehalten, die Betonung des Hangs zur Repräsentation geht zum Teil, besonders in seinen späteren Bildnissen, auf Kosten der Charakterisierungskunst. So kann man etwa bei seinen vielen Kaiserporträts eine gewisse Stereotyie des Gesichtsausdrucks nicht übersehen. Seine wohl schönsten Bilder malte Amerling während und nach seinem Aufenthalt in Florenz (1841). Hier entstanden neben Bildnisseneinfacher Leute aus dem Volk, auch in Gruppen, schöne Genrebilder.

Amigoni, Jacopo
*1682 in Neapel (?), +1752 in Madrid. Italienischer Freskomaler, Altarmaler und Porträtmaler, erhielt seine Ausbildung in Venedig und entwickelte sich während seiner Tätigkeit an verschiedenen europäischen Höfen zu einem der wichtigsten Verbreiter des venezianischen Rokoko, wobei er durchaus auch für andere Einflüsse, etwa die der römischen Barockmalerei, offen war. Auch seine Herkunft aus Neapel blieb nicht ohne Wirkung auf sein Werk. So dürfen die Vorbilder für Amigoni Vertreter des neapolitanischen Barock wie Luca Girodano und Francesco Solimena ebenso gelten wie der römische Barockmaler Cortona, Pietro da und der Wegbereiter des venezianischen Rokokostils, Sebastiano Ricci. Amigoni wurde 1717 an den Münchener Hof berufen , wo er um 1718 ein Deckenbild in der Badenburg des Schlossparks von Nymphenburg schuf. 1720 bis 1725 entstanden in Schloss Schleissheim Fresken mit Darstellungen aus der Ilias und Aeneis, 1725-28 Fresken für schwäbische Benediktinerabtei Ottobeuren. Hier gelangte sein Stil zu grosser Vollendung. Die hellen, atmospärisch wirkenden Deckenbilder haben eine im Sinne des venezianischen Rokoko raffiniert abgestimmte Farbigkeit, die sich mit einer plastischen, barock empfundenen figürlichen Darstellung verbindet. Amigoni war sehr produktiv. Er arbeitete als Freskant, vor allem in London während seines Englandaufenthalts 1730-37; es sind jedoch nur die Jupiter-und-Io-Szenen des Hauses im Moor Park erhalten geblieben. Er malte Leinwandbilder, u.a. Portäts, z.B. das "Bildnis des Sängers Farinelli", geschaffen während eines Parisaufenthalts 1736, biblisch-historische Szenen, z.B. "Heimkehr des verlorenen Sohnes" (1734, Cambridge, Emmanuel College), und vorzugsweise mythologisch-galante Themen, z.B. "Herkules und Omphale (Pordenone, Privatbesitz) und "Venus und Adonis" (Venedig, Galerie dell`Accademia, sowie München, Alte Pinakothek). 1739-47 war er in Venedig tätig, wo Tiepolo, Giambattista künstlerisch tonangebend war. 1747 wurde er von König Ferdinand VI. nach Madrid berufen. Seine in Spanien geschaffenen Werke zeigen einen qualitativen Niedergang.

Ammanati, Bartolomeo
(eigtl. Battiferri da Settignano, auch Ammannati). *18.6.1511 in Settignano bei Florenz, +22.4.1592 in Florenz. Italienischer Bildhauer des Manierismus, Architekt und Ingenieur. Nach einer Lehre im Atelier Baccio Bandinellis war Ammanati als Bildhauer ab 1544 in Padua, Urbino, Neapel, Florenz und Venedig tätig, dort zuletzt als Mitarbeiter von Sansovino, Jacopo an der Libreria. Seit 1550 in Rom, arbeitete Ammanati, nun auch als Architekt, vor allem für Papst Julius III. Für dessen Papa-Giulia-Villa baute er die Loggia und das Nymphäum (1551-55). Nach seiner Rückkehr 1555 nach Florenz entstanden seine eigentlichen Hauptwerke, hier fand der vielseitige und schnelle Arbeiter als manieristischer Hofkünstler der Medici (zunächst für Grossherzog Cosimo I.) die ihm gemässen Aufgabenbereiche. 1558-70 entstanden die Gartenflügel des Pitti-Palazzo, bei denen die aus der Tradition der Frührenaissance übernommene Rustika die Platzfassade in manieristischer Weise umgestaltet und die dreifache Säulenordnung des Hofs durchdrungen und zerstört wurde. Die Gartenfront wurde dabei in fast grotesker Weise mit Bossenwerk überzogen. Der Ponte S. Trinitá über den Arno entstand 1567-70 und ist mit den drei ellipsoiden Bögen einer der elegantesten Brückenentwürfe. Als Bildhauer wurde Ammanati stark von Sansovino, Jacopo beeinflusst. Zu seinen Hauptwerken zählten Brunnenanlagen wie 1554-55 in der Papa-Giulia-Villa, der Herkulesbrunnen für die Villa Reale in Castello 1559-60, der Brunnen vor der Porta del Popolo in Rom und der Neptunsbrunnen auf der Piazza della Signoria, der ab 1565 aus Anlass der Hochzeit Francesco de Medicis mit Johanna von Österreich entstand. Grabmäler, wie das für Kardinal del Monte in Rom oder für Kardinal Benavides in Padua schuf er. Zusammen mit Vignola, Giacomo Barozzi da und Vasari, Giorgio hatte er einigen Anteil am Entwurf der Villa Giulia (Papa-Giulia-Villa) (für die das Nymphäum im Hof charkteristisch ist). In Lucca entwarf er einen Teil des Provinciale-Palazzo Lucca (1578) mit einer hübschen Loggia. Seine Bedeutung für die frühbarocke Architektur wird besonders an der Fassade des Collegio Romano in Rom (1581-85) evident. Ammanati verfasste auch einen um 1550 in Florenz erschienenen "Trattato di Architettura". In seinen letzten Lebensjahren entwarf Ammanati mehrer Kirchenbauten als Variationen des Typs von Il Gesú in Rom.

AmmannatiAmmanati, Bartolomeo

AmorEros

Andersen, Peder
(gen. Nordmand, Peder = Norweger). *1694 in Kopenhagen. Dänischer Maler norwegischer Herkunft. Er hielt sich mit Lambert van Haven in Italien auf. 1683 wurde er zum Hofmaler im dänischen Königshaus ernannt. Er war hauptsächlich im Schloss Frederiksborg Kopenhagen beschäftigt. In der Schlosskirche in Frederiksborg befindet sich das Gemälde "Der Zinsgroschen". Ausserdem lieferte er Kartons für die gewebten Tapeten der Gebrüder Eiche im Rittersaal des Schlosses Rosenborg in Kopenhagen. Andersens bede

Andieres, Abel-Francois Poison deMarigny, Marquis de

Andrae, Walter
Am 18.2.1875 wurde Andrae in Anger bei Leipzig geboren. Nach dem Architekturstudium ging er als Mitarbeiter von Koldewey, Robert Johann nach Babylon und grub von 1903 bis 1914 zusammen mit J. Jordan und anderen Assur, die erste Hauptstadt des assyrischen Reiches, aus. 1921 wurde Andrae Kustos der Vorderasiatischen Abteilung der Staatlichen Museen in Berlin. Seit 1923 lehrte er Baugeschichte an der Technischen Hochschule Berlin. 1928 wurde er zum Direktor der Vorderasiatischen Abteilung berufen. Andrae starb am 28.7.1956 in Berlin.

Andrea Dall`Aquila
Tätig Mitte 15. Jh.. Italienischer Bildhauer und Maler aus Aquila in den Abruzzen. Andrea lernte in der Werkstatt Donatellos und soll mehrere Jahre im Hause Cosimos de` Medici gelebt haben. 1455 bis 1456 arbeitete er unter Pietro da Milano mit Isaja de Pisa am Skulpturenschmuck des Triumphbogens des Alfonso von Aragón am Nuovo Castel Neapel. Ihm werden die in einem realistischen Stil ausgeführten ersten beiden Leibungsreliefs an den Eingangspilastern des Triumphportals zugeschrieben. Nicht gesichert ist die Zuschreibung des Grabmals der Maria Pereira in s. Bernardino und das Puttenfries und Nymphenfries unter der Giebelbekrönung der Haupttür des Festsaals im Nuovo Castel Neapel.

Andrea Del Castagno
(auch Andreino oder Andrea Di Bartolommeo). *um 1421/23 in Castagno bei Florenz, +19.8.1457 in Florenz. Italienischer Maler, der sich in der Nachfolge Masaccios und unter dem Einfluss von Donatello vor allem als Freskant um eine Darstellung der Figur bemühte, in der plastische Körperlichkeit mit klarer Linearität und Kontur eine überzeugende Verbindung eingehen sollte. Es gelang ihm im Verlaufe seines Werkes, zur Lösung dieses Problems beizutragen, und seine grosse Leistung besteht darin, dass er seinen Figuren eine fast "skulpturale" Körperlichkeit gab, sie dennoch in die Linearität und Perspektivität der Kompostitionen einband und sie in einem ungewöhnlich hohem Masse mit individuellen Zügen ausstattete. Die Dynamik und Plastizität seiner Bilder lassen sein Werk innerhalb der florentinischen Frührenaissance als richtungsweisend erscheinen, und er übte auch über Florenz hinaus deutlichen Einfluss aus. Bereits 1440 erhielt Andrea von Cosimo de` Medici den Auftrag, im Bargello-Palazzo Firenze ein Fresco zu malen, auf dem die nach der Schlacht von Anghiari verurteilten, an einem Fuss aufgehängten Rebellen dargestellt waren. Das heute verlorene Werk trug ihm den Spottnamen Andreino degli Impiccati (kleiner Andrea der Gehängten) ein. 1442 war er in Venedig, wo er gemeinsam mit Francesco de Faenza in der Apsis von S. Zaccaria das Fresco "Gottvater mit Heiligen" malte. Danach liess er sich endgültig in Florenz nieder. Dort schuf er 1444 den gewaltigen Entwurd einer Kreuzabnahme für ein Fenster in der Domkuppel und 1444-50 sein Hauptwerk, die monumentalen Fresken an der Stirnwand des Refektoriums im Kloster S. Apollonia mit dem "Abendmahl". Mit den bäuerlich-derben, in plastischer Eindringlichkeit gemalten Gestalten fügt sich die Darstellung perspektivisch raumerweiternd in die Architektur ein; darüber eine "Kreuzigung", eine "Kreuzabnahme" und eine "Auferstehung Christi". Die Passionsszenen gehören in ihrer verhaltenen Dramatik, in der Geschlossenheit der Komposition und in der Feinheit der Farbgebung zu den bedeutendsten Leistungen der Florentiner Malerei des 15. Jh. Um 1450 erhielt er den Auftrag in der Carducci-Villa in Legnaia berühmte historische Persönlichkeiten, darunter den Krieger Pipo Spano, die Cumäische Sibylle und die Dichter Dante, Petrarca sowie Boccacio, in überlebensgrossen Idealbildnissen darzustellen; diese im vorigen Jh. abgenommenen Fresken befinden sich ebenfalls in S. Apollonia (heute Museo Castagno) in Florenz. 1454-55 schmückte er drei Kapellen der Florentiner Kirche SS. Annunziata mit Fresken, die durch den Realismus der Darstellung, besonders aber durch die Kühnheit in der Perspektive alle zeitgenössischen Florentiner Maler in Erstaunen versetzten; doch sind nur die Arbeiten aus zwei Kapellen zu den Themen "Christus und der hl. Julian" und "Dreifaltigkeit mit den Heiligen Hieronymus, Maria Cleophas und Maria Magdalena" erhalten. Zu seinen letzten Arbeiten um 1456 gehören in S. Maria degli Angeli eine ausdrucksstarke "Kreuzigung" sowie im Florentiner Dom das mächtige, perspektivisch fortschrittlich gemalte Reiterporträt des 1435 verstorbenen Feldherrn "Niccoló da Tolentino", das Gegenstück zu dem 1436 von Paolo Uccello gemalten Reiterstandbild des "Condottiere Giovanni Acuto".

Andrea Di BartolommeoAndrea Del Castagno

Andreas aus Pissarzowitz
Baumeister, u.a. in Schlesien tätig.

AndreinoAndrea Del Castagno

Angelini, JakobEngel, Jakob

Angermair, Christof
*in Weilheim (?), +1632/33 in München. Deutscher Elfenbeinschnitzer. Nach der Ausbildung in Weilheim wurde er 1613 am bayerischen Hof beschäftigt. Zu seinen wichtigsten Arbeiten gehören vier kostbare Elfenbeinschreine, die in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern für Elisabeth von Lothringen geschaffen wurden. Der Münzschrein im Nationalmuseum in München ist Angermairs bekannstestes Werk. Die in Flachrelief und gelegentlich vollrundem Hochrelief ausgeführten Schnitzereien zeichnen sich durch äusserst detaillierte Darstellungen aus. Trotz Betonung jeder Einzelheit wirken die Reliefflächen nicht überladen. In dem Schatz der Reichen Kapelle in der Residenz München I befindet sich ein grosses Relief mit der Kreuzigung Christi (1631), das in seiner sorgfältigen Ausführung charakteristisch für den frühbarocken Stil Angermairs ist. Wahrscheinlich war er der Lehrer von Georg Petel.

Anguier, Francois
*1604 in Eu, +9.8.1669 in Paris. Französischer Bildhauer. Ausbildung bei Martin Cavon in Abbeville und Simon Guillain in Paris, der ihm mit der plastischen Ausschmückung des Altars im Kloster der Unbeschuhten Karmeliten in Luxemburg beschäftigte. Nach zweijährigem Aufenthalt in Rom arbeitete er ab 1643 im Louvre-Palais. 1651-58 führte er gemeinsam mit seinem Bruder Anguier, Michel das Grabmal Heinrichs II. von Montmorency in der Chapelle du Lysée in Moulins aus. Sein interessantestes Werk ist das Grabmal von Jacques-Auguste de Thou in St-André-des-Arcs, dessen Marmorfiguren und ein Bronzerelief im Louvre in Paris erhalten sind. Anguieur arbeitete an zahlreichen Grabmälern und Gartenfiguren, die ursprünglich an der Porte St-Antoine aufgestellt waren und sich heute im Musée Carnavalet in Paris befinden.

Anguier, Michel
*28.9.1612 in Eu, 11.7.1686 in Paris. Französischer Bildhauer. Nach Ausbildung bei Simon Guillain in Paris 10jähriger Aufenthalt in Rom. Gemeinsam mit seinem Bruder Anguier, Francois arbeitete er am Grabmal des Herzogs von Montmorency. 1654-55 war er an der plastischen Ausschmückung der Zimmer der Anna von Österreich im Louvre-Palais beteiligt. 1659 schuf er für den Garten der Tuilerien (Tuilieres) zwei Götterstatuen. Er entwickelte eine rege Tätigkeit als Bronzebildner; die meisten seiner Arbeiten, wie eine Bronzestatue von Ludwig XIII. für die Stadt Narbonne, sind nicht erhalten. Ab 1675 begann er mit der Gestaltung des plastischen Dekors an der Porte St-Denis in Paris nach Vorzeichnungen von Le Brun, Charles, dessen Vollendung sein wichtigstes Werk bedeutete. Neben zahlreichen Portraitbüsten (Jean-Baptiste Colbert, Paris, Musée National Du Louvre) zeichnete sich Anguier durch seine dekorative Plastik aus. Sein Schaffen ist als bedeutender als das seines Bruders einzuschätzen.

Ansaldo, Giovanni Andrea
*1584 in Voltri, +1638 in Genua. Italienischer Barockmaler. Ansaldo kam in jungen Jahren nach Genua in die Lehre zu Orazio Cambiaso, der die Werkstatt seines 1585 in Spanien verstorbenen berühmten Vaters Luca Cambiaso weiterführte. Um1603 lernte er auch Peter Paul Rubens kennen, als der Maler im Auftrag des Herzogs von Mantua Genua besuchte. Nicht weniger bedeutungsvoll für sein Schaffen war 1621 eine Begegnung mit Anthonius van Dyck. Doch verarbeitete Ansaldo die von beiden erhaltenen Eindrücke zu einem durchaus persönlichen Stil. Mit Gemälden von kostbarer Farbgebung und dramatisch wirkungsvoller Kompositionen, wie "Grablegung Christi" (Genua, Accademia Ligustica), kam er zu Ansehen und Ruhm. Zahlreiche Kirchen erwarben seine Bilder. Zu seinen Hauptwerken gehören die durch ihr dekoratives Pathos und ihre perspektivische Sicherheit eindrucksvollen Kuppelfresken in SS. Annunziata in Genua, die er im Auftrag der Familie Lomelli ausführte. Weitere bedeutende Fresken schuf er im Brignola-Palazzo in Genua und im Spinola-Palazzo im nahegelegenen Sampierdarena. Er war ein ungewöhnlich produktiver Meister, wenn auch nicht alle Werke gleichermassen bedeutend waren.

Ansi, Melchior Franziskus
Maler in Falkenberg in Oberschlesien.

Ansorge, Paul
Baumeister aus Bad Warmbrunn in Schlesien.

Anthonisz, Cornelius
*um 1499 in Amsterdam, +1556 in Amsterdam. Holländischer Maler, Holzschneider, Radierer und Kartograf. Bekannt wurde er durch das Schützenstück "Bankett der Schützengilde" von 1533 (Amsterdam, Rijksmuseum), das zu den ersten holländischen Gruppenporträts aus bürgerlichen Gesellschaftsschichten gehört. Bedeutend sind ausserdem seine Städteansichten aus der Vogelverspektive, z.B. Amsterdam, 1536, oder ein Plan von Amsterdam in 12 Blättern, 1544. Als Kartograf stand er im Dienst Karls V. und ging mit dessen He

Antiochos
Tätig 2. Hälfte 3 Jh. v. Chr. Griechischer Bildhauer aus Athen (?). Eine Kopie der "Athena Parthenos" von Phidias, die am Gewandsaum durch die Inschrift -iochos gekennzeichnet ist, wie Antiochos zugeschrieben. Die Marmorskulptur war ursprünglich im Garten der Ludovisi in Rom (Ludovisi-Villa) aufgestellt und befindet sich heute im Thermenmuseum in Rom. Die Figur ist an den Armen, am Helmbusch und an der Nase stark restauriert.

Antiope
Nach Homer Tochter des Flussgottes Asopos; nach anderen Quellen die Tochter des Königs Nykteus von Theben. Als Tochter des Asopos wäre Antiope eine Nymphe, sonst eine Sterbliche. Antiope wird üblicherweise schlafend im Wald dargestellt.

Antoine, Jacques-Denis
*6.8.1733 in Paris, +24.8.1801 in Paris. Französischer Architekt. Er begann als Bauunternehmer, erlangte jedoch bald als Architekt Bedeutung. 1768-75 entstand sein erstes grosses Werk, die Münze in Paris Monnaies-Hotel. Ebenfalls in Paris baute er die monumentale Treppe des Justice-Palais Paris, das Maillebois-Hotel (Rue du Bac) und lieferte Pläne für das Jaucourt-Hotel (Rue de Varennes), das Hospiz (Barriére de`Enfer) und das Haus der Feuillants (Rue St-Honoré). Zu seinen grösseren Werken ausserhalb von Paris zählen die Kirche Filles Ste-Marie in Nancy, das Palais des Herzogs von Berwick in Madrid (Berwick-Palais), die Münze von Bern und das Schloss des Fürsten von Salm-Kyburg in Deutschland. Antoine zählte zu den bedeutenden französischen Architekten des Rokoko, der sich jedoch der gegen Ende des 18. Jh.s eintretenden Hinwendung zur Antike anschloss.

Antolinez, José
*in Sevilla (?), getauft 7.11.1635 in Madrid, +30.5.1675 in Madrid. Spanischer Maler und Mitarbeiter von Rizi, Francisco, dem Hofmaler Philipps IV. von Spanien. Später gehörte er zu den grossen Malern, die nach dem Tod von Diego Velázquez am Könighof wirkten. Antolinez war besonders von Peter Paul Rubens und Anthonius van Dyck beeinflusst, deren Werke er aus Privatsammlungen in Madrid kannte. Seine Hauptwerke sind Porträts und religiöse Bilder im Stil des Spätbarock mit minuziös ausgeführten Landschaften. Seine Farbgebung beeinflusste Mateo Cerezo. Antolinez fand bei einem Duell den Tod.

Antropov, Aleksej Petrovic
*14.3.1716 in Petersburg, +12.6.1795 in Petersburg. Russischer Maler. Er ist vor allem durch seinen wesentlichen Anteil an der Ausgestaltung der Zarenschlösser Zarskoje Selo, Peterhof (Petrodworez) und des Winterpalaist St. Petersburg bekannt geworden. Neben diesen Aufträgen des Zaren leitete er ausserdem von 1732-55 die Ausgestaltung der St.-Andreas-Kirche in Kiew mit Fresken. Antropov wurden zudem durch seine Porträts bekannt, die er vor allem in der zweiten Hälfte sienes Lebens schuf. Er entwickelte einen realistischen Stil und verdeutlichte die Charakterzüge seiner Modelle durch eine minuziöse Wiedergabe der Details. von seinen zahlreichen Werken sind die Bildnisse der "Fürstin T. Trubeckoj" (1761, Moskau, Tretjakov-Galerie) und der "Komtesse Rumjanceva" (Leningrad, Russisches Museum) besonders hervorzuheben.

Apaturios
Tätig vermutlich 1. Jh. v. Chr. Griechischer Maler aus Alabanda in Karien, schuf eine Wanddekoration im Ekklesiasterion von Tralles. Virtuv berichtet, dass er dabei Figuren statt Säulen malte, Kentauren, die das Gebälk trugen, ausserdem Kuppeln, Dächer, Löwenköpfe als Wasserspeier; über diesem fantastischen Unterbau malte er noch eine ganzes weiteres Geschoss mit allerlei Bauten. Diese illusionistischen Architekturphantasien machten Schule. Vitruv tadelte sie als absurd und verglich sie mit ähnlichem in seiner Umgebung; gemeint sind die architektonischen Rahmenwerke des zweiten Stils in der römischen Wandmalerei.

Apelles
Tätig 2. Hälfte 4. Jh. v. Chr. Griechischer Maler, Sohn des Pytheas aus Kolophon in Lydien oder aus Kos. Er war der gefeiertste Maler Griechenlands und wurde im Altertum noch über Polygnot und Zeuxis gestellt. In Ephesos, das ihm später das Bürgerrecht verlieh, begann er seine Ausbildung, die er in Griechenland an der sikyonischen Malerschule unter Pamphilos abschloss. Noch zu Philipps Zeiten ging er an den makedonischen Königshof, wo der die Gunst Alexander d. Gr. gewann. Er war dort während dessen gesamter Regierungszeit, aber auch noch unter Ptolemaios I. tätig. Sein künstlerischer Höhepunkt lag nach Plinius um 332. v. Chr. Apelles war bereits zu Lebzeiten so berühmt, dass wir über ihn mehr Anekdoten besitzen als anschauliche Beschreibungen seiner Gemälde oder brauchbare Aussagen über seinen Stil. Im Mittelpunkt seines Schaffens standen die Porträts seines Gönners Alexander. Das berühmteste davon befand sich im Tempel der Artemis in Ephesos; es zeigt den vergöttlichten König dem Blitz in der Faust: bewundert daran wurde vor allem, "dass die Finger hervorzutreten schienen und dass der Blitz sich ausserhalb der Tafel zu befinden schien" (Plinius). Weitere allgemein gepriesene Werke waren die "Aphrodite Anadyomene" in Kos, ein Herakles mit abgewendetem Gesicht, "so dass, was äusserst schwierig ist, dennoch das Bild sein Gesicht mehr wirklich zeigen als erraten zu lassen schien" (Plinius). Ein rein allegorisches Bild war die "Verleumdung", gemalt am Hof des Ptolemaios. Apelles schuf vermutlich ausschliesslich Tafelgemälde, Wandmalerein werden nicht erwähnt. Er soll mit lasierenden Farben gemalt haben, und zwar vornehmlich mit den Farben Rot, Gelb, Schwarz und Weiss. Die atmosphärischen Blautöne und Grüntöne entfielen bei deiser Vierfarbenmalerei. Zum Schluss überzog er seine Gemälde mit dem geheimnisvollen "atramentum", einer Endlasur, in welche verbranntes, fein pulverisiertes Elfenbein gemischt war; dadurch wurde die Farbigkeit des Bildes gedämpft und vereinheitlicht. Immer wieder wird die Charis, die Anmut der werke des Apelles geschildert und die Fähigkeit des Meisters gelobt, die Hand rechtzeitig von der Arbeit zurückziehen zu können ("manum de tabula tollere"). Witz, Fleiss, Bescheidenheit und Hilfsbereitschaft dürften sein Leben bestimmt haben.

Aphrodite
(röm. = Venus). Nach Homer Tochter von Zeus (Jupiter) und Dione; häufiger die "Schaumgeborene" in Anlehnung an Hesiod. Sie ist die Göttin der Schönheit und der Liebe. In Griechenland fanden die berühmtesten Fest zu Ehren der Göttin auf Zypern und Kythera statt; in Rom wurde der Venus-Kult von Julius Caesar gefördert, der seine Abstammung auf Aeneas zurückführte. Die geläufigsten Attribute der meist halb nackten Aphrodite sind Rose, Myrte und Apfel. Die Göttin kann im Gefolge ihrer Tiere dargestellt sein

Aphrodite AriadneAriadne

ApolloApollon

Apollodorus von Damaskus
*65 (?) in Damaskus, +118 in Rom. Römischer Architekt. Er war als Staatsarchitekt unter Trajan (98-117) tätig und gilt als bedeutendster und einflussreichster Baumeister der römischen Kaiserzeit. Ein marmornes Portraitbildnis von Apollodorus mit antiker Namensinschrift befindet sich in der Glyptothek in München. Der Architekt war von Trajan mit kriegstechnischen Aufgaben beauftragt und begleitete ihn auf sämtlichen Feldzügen. 104-105 erbaute der die Donaubrücke am Eisernen Tor bei Dobretae in Dakien. Die Brücke stand auf 20 mächtigen verankerten Steinpfeilern und mass über 1 km Länge. Der Bau ist einzig als Relief auf der Trajanssäule in Rom erhalten. Nach Pausanias sind weiterhin schriftliche belegt ein Odeion und ein Stadion in Rom. Ausserdem wird Apollodorus der Bauplan des Circus Hadriani zugeschrieben. Dio Cassius überliefert ihn als Architekten eines Gymnasions in Rom, das wahrscheinlich mit den Trajansthermen am Esquilin identisch ist und als erster römischer Bau grosse Apsidialabschlüsse aufweist. Apollodorus` wichtigstes Werk war die Errichtung des Trajansforums, das zu den grössten antiken Platzanlagen zählt. Die Verbindung von orientalischen und römischen Bauformen war für spätere Stadtanlagen vorbildlich. ein 6säuliger Triumphbogen bildete den Eingang eines rechteckigen Säulenhofs, in dessen Mitte sich ein bronzenes Reiterstandbild Trajans befand. Eine quergestellte 5schiffige Basilika und die 113 errichtete Trajanssäule schlossen sich an das Forum an. Der Trajanstempel bildete den Abschluss der Anlage. Wahrscheinlich erbaute Apollodorus auch die Hafenanalgen von Ostia und den Trajansbogen in Ancona. Wegen seiner Kritik an den Bauplänen Hadrians, Trajans Nachfolger, wurde er verbannt und später hingerichtet.

Apollon
(röm. = Apollo, Musagetes, Phoibos, verschmilzt mit dem Sonnengott Helios). Sohn des Zeus (Jupiter) und der Leto (Latona); Zwillingsbruder der Artemis (Diana). Griechischer Gott des Lichtes (der Sonne), der Schönheit, der prophetischen Weissagung, der Künste, besonders der Musik und der Dichtung, Herr der Musen, aber auch Beschützer von Ackerbau und Viehzucht, Gott der Heilkunst (er ist der Vater des Askepios). Auch ist Apollon der Hüter von Recht und Ordnung. In der hellenistischen Welt war der Apollonkult weit verbreitet. Die wichtigsten Tempel standen auf Kreta, in Korinth und Delphi. In der römischen Welt befand sich der berühmteste Tempel auf dem Palatin. Die Ludi Apollinares fanden vom 6. bis 13. Juli statt. Dargestellt wird Apoll gern als schöner Jüngling mit lichtumfluteten Haupt, der den Sonnenwagen lenkt, der täglich von vier Pferden über den Himmel gezogen wird. Bogen, Pfeil, Köcher, Lyra und Lorbeerkranz sind die Hauptattribute des Gottes.

Apollonius von Tyrus
So heisst ein in Mittelalter weit verbreiteter Sagenstoff, der die Erlebnisse einer nach allen Richtungen auseinandergerissenen Fürstenfamilie behandelt, welcher doch schliesslich Wiedervereinigung und dauerhaftes Glück beschert wird. Ursprünglich ein griechischer Roman, wurde der Stoff in verschiedenen Sprachen in Prosa und Versen bearbeitet, deutsch um 1300 von dem Wiener Arzt Heinrich von Neuenstadt, unter dem Titel: Apollonius von Tyrland. Aus der lateinischen Bearbeitung des Gottfried von Viterbo ging das Volksbuch „Die Historie des Königs Apollonii“, Augsburg 1471, hervor.

Appelt, Julius
Architekt in Schlesien.

Appiani, Andrea
*23.5.1754 in Mailand, +8.11.1817 in Mailand. Italienischer Freskenmaler und Portätist, der vor allem mythologische und allegorische Themen gestaltete. Er war ein Schüler von Carlo Maria Giudici, zeigte sich jedoch mehr von Raffael und Correggio, dessen Werke er in Parma studieren konnte, beeindruckt. Appiani wurde vor allem durch sein Dekorationen für Erzherzog Ferdinand von Österreich in dessen Schloss in Monza (Reale-Villa Monza), "Geschichten von Amor und Psyche", 1789, bekannt. Napoleon I. erna

Appiani, Joseph Ignaz
*16.10.1706 in München, +zwischen 1785 und 1789 in Mainz. Deutscher Maler und Freskant. Joseph Ignaz Appani war der Sohn des Stukkateurs Peter Franz Appiani. Der spätere kurmainzische Hofmaler lernte möglicherweise bei Cosmas Damian Asam. Er wurde auch von Carlone, Carlo Innocente beeinflusst. Appiani hatte einen individuellen, manchmal ans Bizarre grenzenden Stil: expressive Gestik, muskulöse Figuren in perspektivisch verkürzten Untersichten und Aufwärtsbewegungen. Seine Hauptwerke finden sich im Refektorium von Obermarchtal 1751, in der Domkirche von Arlesheim (1759-61, im Neuen Schloss in Meersburg II, bekannt ist das Gemälde "Der leidende Hiob" (Nürnberg, Germanisches Museum). Sein ehrenvollster Auftrag war die Ausmalung der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen, 1764-69, die von Neumann, Johann Balthasar erbaut worden war.

AquiloBoreas

Arachne
Lydisches Mädchen; Tochter des Idmon von Kolophon, eine berühmten Purpurfärbers. Die berühmte Weberin wird oft an ihrem Webstuhl gezeigt, während Athene (Minerva) in voller Rüstung ihr zuschaut. Mitunter präsentiert sie auch stolz ihr Werk oder sie erscheint mit einem Spinnennetz zwischen den Händen.

Archer, Thomas
(1668-1743). Archer ist der einzige englische Architekt des Barock, der diesen Stil auf dem Kontinent selbst studiert hat. Seine Bauwerke bilden für England einen Ausnahmefall, da sie eine intime Kenntnis der Werke Berninis (Bernini, Gianlorenzo) und Borrominis (Borromini, Franceso) spiegeln. Archer stammte aus angesehener Familie und unternahm nach Abschluss seiner Studien in Oxford eine vier Jahre währende Kavalierstour. 1693 kehrte er nach England zurück. Als Anhänger der herrschenden Whig-Partei war er bei Hof erfolgreich und erlangte 1703 ein lukratives Amt. Seine Bauwerke entstanden zwischen 1703 und 1715; dann gab er die Architektur für ein noch enträglicheres Amt als Zollkontrolleur in Newcastle auf. Unter seinen erhaltenen Profanbauten ragen die Nordfront des Landsitzes Chatsworth House (1704-05) in Derbyshire und der Gartenpavillion in Wrest Park in Bedfordshire (1711-12) hervor.

Archilochos
Tätig Anfang 5. Jh. v. Chr.. Griechischer Architekt. Er stammte aus Agryle in Attika. 408 bis 407 v. Chr. wird er als Nachfolger des Chefarchitekten Philokles am Bau des Erechtheions auf der Athener Akropolis tätig.

Archonati, Hieronymus
(auch Akhernaten, Arckanatt, Akanos, auch Jeronimo, *August 1575 in Radkersburg/Steiermark). Maurer, Steinmetz und Festungsbaumeister aus Mailand. U.a. tätig in Schlesien.

Arcimboldo, Giuseppe
(auch Arcimboldi). *um 1527 in Mailand, +7.11.1593 in Mailand. Italienischer Maler, der vor allem durch phantastisch-allegorische Bildkompositionen aus der zeitgenössischen Malerei heraussticht und der in einer gewissen Verwandtschaft zum modernen Surrealismus gesehen wird. Der manieristische Künstler, der nach eigenen Angaben von sächsischen Vorfahren abstammte, aber in Mailand heranwuchs, gründete seine Kunst vor allem auf sein Geschick, menschliche Köpfe und Gestalten oder auch Landschaften und allegorische Themen aus verschiedenen, in virtuoser Technik realistisch dargestellten Blumen, Früchten, Tieren, Waffen und Gegenständen des täglichen Gebrauchs zusammenzusetzen. Die Grundlagen der Malerei erlernte er in der Werkstatt seines Vaters Biagio, mit der er 1549-59 an Glasmalereien im Mailänder Dom arbeitete. Schon damals muss er sich einen guten Namen gemacht haben, denn bereits 1562 erhielt er einen Ruf als Hofmaler an den Hof Kaiser Ferdinands I. (Hradschin Prag), wo er, mit gelegentlichen Zwischenaufenthalten in Wien, 27 Jahre in hohem Ansehen lebte. Er war ein sehr vielseitiges Talent und neben seiner Malerei auch als Ingenieur, Musiker und Arrangeur höfischer Feste Tätig. Auch Kaiser Maximilian II. und Rudolf II. schätzten seine Kunst. Bis 1587 war er Hofmaler, später wurde er in den erblichen Adelsstand erhoben und noch 1591, fünf Jahre nach seiner endgültigen Rückkehr nach Mailand, von Rudolf II. zum Pfalzgrafen ernannt. Seine in der Geschichte der Malerei einzigartige Stellung verdankte er also vor allem seinem skurillen Einfall, mit technischer Bravour gemalte Gegenstände durch raffinierte Gruppierung zu einer bestimmten Aussage, gewöhnlich zu einem Porträt, zu verfremden. So stellte er in seinen Bildern aus Büchern, Schreibgerät und Papieren ein Porträt "Der Bibliothekar", aus Waffen aller Art das Bildniss eine Kriegsmanns und aus verschiedenen Küchenutensilien einen Koch zusammen. Dabei gelang es ihm, wie seine Zeitgenossen rühmten, über eine verblüffende Porträtähnlichkeit hinaus sogar zu einer psychologischen Aussage über sein Modell vorzustossen. In ähnlicher Weise schuf er in grossformatigen Bildern auch Allegorien, etwa die "Vier Jahreszeiten", von denen sich ein Folge in der Pinacoteca Civica Tosio Martinengo in Brescia, eine weitere Folge im Kunsthistorischen Museum in Wien befindet. Eine besondere Abwandlung waren seine sog. Umkehrbilder, wie etwa "Scherz mit Gemüse" (Cremona, Museo Ala Ponzone): ein Gemälde mit einer Schale voll verschiedenartiger Gemüse, das, umgekehrt ausgehängt, den Kopf eines Gärtners sichtbar werden lässt. Sein "Phantastisches Porträt des Königs Herodes" (Venedig, Sammlung C. Cardazzo) besteht aus einer Anhäufung von Kinderleichen. Arcimboldo, der in seiner erstaunlich modern aufgefassten Bildwelt schon sehr wesentliche Elemente des Surrealismus vorausgenommen hat, wurde über Jahrhunderte bis in unsere Gegenwart immer wieder nachgeahmt.

Arckanatt, HieronymusArchonati, Hieronymus

Ardemans, Theodoro
Spanischer Künstler deutscher Abstammung. Erbaute Schloss Granja De San Ildefonso">Schloss Granja De San Ildefonso.

Arenius, Olof
*16.12.1700 in Bro, Uppland, +5.5.1766 in Stockholm. Schwedischer Maler, zunächst Theologiestudium, dann Maler und Dekorateur. Er nahm an der Ausstattung des Königspalastes (Stockholm I) und der Schwedischen Akademie teil und betätigte sich als Porträtist. 1730-36 war er Mitglied der Haager Malergilde.

Ares
(röm. Mars). Sohn des Zeus (Jupiter) und der Hera (Juno); eine der zwölf Hauptgottheiten des Olymp. Er ist der Gott des Krieges. In Rom galt Mars als Vater von Romulus und Remus, dem zu Ehren im März und Oktober Feste veranstaltet wurden. Der Kriegsgott wird meist als viriler Jüngling oder Mann abgebildet. Seine Attribute sind Helm und Schild, gelegentlich auch ein Brustpanzer. Die Ikonographie kennzeichnet ihn durch Lanze, Schwert oder Hellebarde.

ArgosArgus

Argos PanoptesArgus

Argunow, Fjodor Semjonowitsch
*1733, +1775. Russischer Architekt, Vetter von Iwan Petrowitsch Agrunow, Leibeigener des Grafen Scheremetjew. Er studierte bei Sawwa I. Tschewakinski, mit dem er 1750-55 die Petersburger Residenz "Haus an der Fotanka" (Fotankahaus) als Landsitz errichtete. Sein Hauptwerk ist der Landsitz des Grafen Scheremetjew in Kuskowo bei Moskau. Die Anlage besitzt als Besonderheit eine von Argunow angelegte Grotte unter dem Pavillon, die ab 1756 errichtet wurde.

Argunow, Iwan Petrowitsch
*1727, +1802. Russischer Maler. Er war Mitglied der Künstlerfamilie Argunow, die 1743 als Leibeigene des Fürsten Tscherkasski in den Besitz von Graf Schweremetjew überging. Neben Antropow gilt er als wichtigster russischer Porträtmaler der 2. Hälfte des 18. Jh. Er malte überwiegend die Mitglieder der Familie Scheremetjew. 1753 schuf er das Porträt "Graf Scheremetjew mit Hund". Seine Bildnisse sind in warmen Farbtönen gehalten und stehen in der Tradition des barocken Galaporträts. Ab 1789 schuf er zahlreic

Argus
(griech. Argos). Über den Vater des Argus ist sich die Überlieferung nicht einig: mal ist es Agenor, mal Asterion oder Inachos. er wird auch Argos Panoptes (Allesesser) genannt. Argos erscheint meist schlafend in Hirtenkleidung, auf der sich zahlreiche Augen befinden und lehnt dabei an einem Fels oder liegt unter einem Baum.

Ariadne
Tochter des Königs Minos von Kreta und seiner Gemahlin Pasiphae. Ariadne half Theseus, den Minotaurus zu besiegen. Sie wurde vor allem auf Kreta und in Argos, aber auch auf Delos, Zypern und in Lokris verehrt, wo sie "Aphrodite Ariadne" genannt wurde. Ariadne wird gezeigt, wie sie Theseus den Faden übergibt oder allein auf der Insel Naxos zurückbleibt, manchmal auch mit Dionysos (Bacchus) in einem Wagen, umgeben von dessen Gefolge.

Arion
Arion stammt aus Methymna auf der Insel Lesbos. Er war ein berühmter griechischer Lyriker und hervorragender Kitharöde. Im Allgemeinen wird Arion die Kithara fest umklammernd auf dem Rücken eines Delphins dargestellt, machmal mit einem Lorbeerkranz geschmückt.

Ariss, John
(18. Jh.). Der erste Berufsarchitekt in Nordamerika, wanderte 1751 oder kurz vorher aus England ein; er inserierte in der Maryland Gazette, dass er "kürzlich aus Grossbritannien" gekommen und bereit sei, "Bauwerke aller Art und Grösse...sowohl in der antiken wie in der modernen Ordnung von Gibbs, James auszuführen". Unglücklicherweise wird von seinem Werk nichts berichtet, doch wurden einige geglückte Landsitze in Virginia, z. B. Mount Airey in Richmond County (1755-58), wahrscheinlich von ihm entwo

Aristeas
Tätig 2. Jh. n. Chr. Griechischer Bildhauer aus Aphrodisias in Karien. Aristeas signierte mit Papias die Statuen des alten und jungen Kentauren (Rom, Kapitolisches Museum), die 1736 in der Hadriansvilla (Adriana-Villa) bei Tivoli gefunden wurden. Dargestellt ist das Verhalten des Alters und der Jugend in der Liebe, symbolisiert mit den nicht mehr erhaltenen Erosknaben. Die mehrfach wiederholten Statuen sind Kopien von älteren Bronzeoriginalen der 2. Hälfte des 1. Jh.s, die auf Rhodos gefertigt waren und eine grosse Ähnlichkeit mit der Laokoongruppe aufwiesen. Aristeas und Papias versuchten, die Eigentümlichkeiten der Bronze in den harten, schwarzen Marmor zu übertragen. Dem Charakter der Inschriften nach gehören die Statuen in die Zeit Hadrians und sind wohl auf dessen Bestellung gearbeitet worden.

Arlet, Jacob
(*vor 16.10.1661, +27.12.1702 in Grüssau). Zisterziensermönch, Maler und Kupferstecher in Grüssau (Schlesien).

Arnold
Kreisbaumeister in Neumarkt (Schlesien).

Arnold von Westfalen
Geboren um 1425/30-1481 Meissen. Deutscher Steinmetz und Architekt (wichtiger Vertreter der späten Gotik); 1459 Werkmeister des erzbischöflichen Schlosses Calbe I, 1460/66 bei den Elbbrückenbauten in Dresden und Meissen tätig. Mit der Ausbildung des staatlichen Bauwesens in Sachsen - nach den beiden Torgauer Steinmetztagen von 1462 und 1463 und ihrem zwiespältigen Ergebnis hatte Kurfürst Friedrich II. 1464 mit einem Schutzbrief das gesamte Bauwesen seines Landes unter die Aufsicht seiner Amtleute und Vögte gestellt - wurde Arnold 1471 durch Kurfürst Friedrich III. zum Landesbaumeister (Oberlandbaumeister) berufen und stand dem Ausbau der Residenzen in Torgau (Hartenfels Torgau, 1470), Dresden II (1472) und Meissen vor. Seine bedeutendste Leistung ist die Albrechtsburg Meissen (1471/85). Es gelang ihm ein bahnbrechendes Werk, das in seiner Planung um 1470 einzigartig ist und den Beginn des Übergangs vom Burgbau zum Schlossbau in der deutschen Baukunst darstellt. Der Bau zeigt durchgehende Geschossteilung, eine in grossen Vorhangbogenfenstern geöffnete Hoffront, eine deutliche Tendenz zur Appartementbildung. Von einzigartiger Bedeutung ist der Wendelstein, ein im Burghof aussen angebrachter Treppenturm. Als Innenraum ist der sogenannte Kirchensaal im 1. Obergeschoss (zweischiffig mit vier Jochen) mit seinem großen Zellengewölbe bedeutend. Vorhangbögen und Zellengewölbe wurden durch Arnold erstmals am repräsentativen Profanbau eingeführt. Die Zellenwölbung verbreitete sich um 1500 in Obersachsen. Ausserdem war Arnold auch bei Schloss Hinterglauchau (1460-70), Burg Kriebstein (von 1471 an), Schloss Tharandt I (1476) und Schloss Leipzig I (1478-80) tätig.

Arnold, Jonas Friedrich
Architekt, preussischer Baudirektor und königlicher Bauinspektor.

Arnolf Di Cambio
*um 1245 in Colle di Val d`Elsa, +8.3.1302 oder 1310 in Florenz. Italienischer Bildhauer und Baumeister. 1265-68 ist eine Mitarbeit Arnolfos an der Sieneser Domkanzel Niccoló Pisanos dokumentiert, doch konnte sein Anteil bisher nicht befriedigend geklärt werden. Seit Anfang der 70er Jahre dürfte er in Rom gearbeitet haben, jedenfalls ist er dort 1277 im Dienst Karls I. von Anjou bezeugt. Die Sitzfigur, die "Karl als Senator der Stadt Rom" zeigt (Rom, Konservatorenpalast, ist wohl erst 1281-84 entstanden

Arras, Matthias von
(Mathias). * in Arras, + 1352 in Prag. Französischer Architekt der Gotik, wurde 1344 von dem späteren Kaiser Karl IV. offenbar aus päpstlichen Diensten in Avignon zum Bau der Kathedrale des neuen Prager Erzbistums berufen. Der Grundriss des Veitsdoms auf dem Hradschin Prag folgt dem konservativen Kathedraltypus des 13. Jh. mit Umgangschor und Polygonalkapellen. Für den Ostbau hielt er sich an die westlichen Vorbilder der Kathedralchöre von Narbonne, Rodez und Toulouse. Der fünfseitige Binnenchorschluss, seine sehr schlanken und kantig in die hohe Stirnwand einschneidenden Arkaden und die flachen Rahmenprofile der Kapellenfenster sind südfranzösischen Ursprungs. Als er 1332 starb und Peter Parler sein Nachfolger wurden, standen grosse Teile des Chorhaupts mit Umgang und dem fünfseitigen (5/8) Kapellenkranz sowie den Arkadenpfeilern des Binnenchors, ferner der Ostteil des Langchors mit den ersten Kapellen. Möglicherweise war er an weiteren Bauten und Stadtplanungen (Neustadt in Prag) beteiligt, doch fehlen sichere Belege für folgende Zuschreibungen: Burg Karlstein i. Böhmen (1348-57) und Kreuzgang des Emausklosters (1348 vollendet) in Prag, Stephanskirche in der Prager Neustadt und St. Ägid in Nimburg (1345).

Arroyo, Diego De
*1498 in Toledo, +1551 in Madrid. Spanischer Miniaturmaler und Illustrator. Seit 1520 arbeitete Arroyo mit Francisco de Villadiego an den Miniaturen verschiedener Chorbücher für die Kathedrale in Toledo. Karl V. ernannte ihn zum "Pintor de Camera" und sass ihm öfter Modell. Später wurde Arroyo Silberkämmerer von Philipp II., den er 1547 auf einer Europareise begleitete. Er fertigte Wappenmalereien und Entwürfe für Prunksättel und Prunkrüstungen für Philipp II. (Madrid, Armeria Real) und lebensgrosse Pferd

Arruda, Diego De
Tätig frühes 16. Jh., + Mai 1531 in Evora. Portugiesischer Architekt, Bruder von Arruda, Francisco De. Er wird erstmals 1510 brieflich von König Emanuel I. erwähnt, der ihm die Arbeiten im Chor und in der Sakristei eines ungenannten Klosters überträgt. 1525 führt er nach dem Tod von Martin Laurenco den Bau des königlichen Palastes in Evora I weiter. 1531 wird er als Architekt im Kloster Tomar tätig. Er schuf dort den reich dekorierten Kapitelsaal, der ein bedeutendes Frühwerk des Emanuelstils ist. Der plastische Schmuck überträgt die Themen Meer und Seefahrt in bizarre Kompositionen (mit Korallen und Tang besetzte Pfeiler, die Rundfenster rahmendes Takelwerk usw.).

Arruda, Francisco De
(tätig ab 1510, +30.11.1547 in Evora). Der Bruder von Arruda, Diego De, vertreter des Emanuelstils. Er wurde urkundlich erstmals als Festungsbaumeister erwähnt. 1531 wurde er nach dem Tod seines Bruders Nachfolger als Leiter der königlichen Palastbauten in Evora I. Er restaurierte den Aquädukt von Evora und errichtete exotisch anmutenden Turm in Belem (Belem-Torre, 1515-20) in einem fast indisch zu nennenden Stil. Damit wollte er wohl auch auf Vasco Da Gama anspielen, zu deren Ehren der Turm errichtet wurde.

Artemis
(röm. Diana). Eine der zwölf Hauptgottheiten des Olymp; Tochter des Zeus (Jupiter) und der Leto (Latona); Zwillingsschwester Apolls. Sie ist die Göttin der Jagd und wurde später mit der Mondgöttin Selene (Luna) identifiziert. Kultische Verehrung vor allem auf den Inseln Delox und Ortygia, die beide als ihre Geburtsstätten gelten. Artemis erscheint meist als junge Jägerin, bekleidet mit einer Tunika und mit hochgesteckter Frisur. Zu ihren Attributen zählen die Mondsichel über ihrem Haupt, Pfeil und Bogen, auch ein Speer. Ein oder mehrere Hunde, auch ein Hirsch sind ihre Begleiter.

Asam, Cosmas Damian
*(getauft) 28.9.1686 in Benediktbeuren, +10.5.1739 in München. Deutscher Maler und Architekt, Begründer der Rokokophase in der süddeutschen Deckenmalerei. Nach einer Ausbildung bei ihrem Vater, dem Maler Hans Georg Asam, gingen Cosmas Damian und sein jüngerer Bruder Asam, Egid Quirin 1712/14 studienhalber nach Rom. Cosmas Damian machte eine Lehre bei Pierleone Ghezzi und errang 1713 einen Preis der Accademia di S. Luca. Er schulte sich den monumentalen Dekorationsmalereien Roms, an den Werken von Cortona, Pietro da, Giovanni Battista Gaulli, Andrea Pozzo u.a. Nach der Rückkehr aus Rom, 1713, entwickelte Cosmas Damian eine fruchtbare Tätigkeit als Freskomaler und Altarbildmaler sowie als Architekt in Bayern, der Schweiz, Schwaben, Baden, Tirol, Böhmen und Schlesien. Seine frühen Werke sind durch den italienischen Einfluss geprägt. Cosmas Damian setzte sich mit der "Quadratura" auseinander, mit der illusionistischen Perspektive der Deckenmalerei, die durch Pozzos Lehrbuch "Prospettiva di pittori et architetti" von 1702 systematisiert worden war. In einem Fresko von 1719 in Weingarten überwand er diesen Illusionismus, indem er die unmittelbare Verknüpfung der realen - gebauten - Architektur mit der als Fortsetzung vorgetäuschten - gemalten - Architektur löste. In Aldersbach gab er 1720 die auf den Betrachter bezogene zentrale Perspektivkonstruktion zugunsten einer ikonologischen, auf eine Bildfigur bezogenen Perspektive auf. Geschildert ist hier der Vorgang der "Vision des hl. Bernhard". Dabei schwebt der Konvergenzpunkt, von dem aus das Fresko als stehend erscheint, zwischen dem Gewölbe und dem Boden. In der "geschauten" Szene tauchen Aussenarchitektur und erzählerische Momente auf. Cosmas Damian erhielt bedeutende Aufträge, z.B. in Einsiedeln, 1727 in Brevnov bei Prag, 1729 in Schloss Mannheim I (zerstört) und 1730 in Schloss Alteglofsheim. In dem Hauptfresko von Osterhofen aus dem Jahre 1731 schuf er das diagonale Kompositionsschema, bei dem jede Seite einen eigenen Blickpunkt erfordert. Es erlangte grundlegenden Bedeutung für die auf ihm folgenden Freskanten. Die Brüder Asam schufen gemeinsam Architektur und Dekoration (Malerei und Stuck) der Benediktinerkirche von Weltenburg an der Donau 1716-21, und die Johann-Nepomuk-Kirche (Asamkirche) neben ihrem Wohnhaus in München, 1733-46, beides typische Gesamtkunstwerke des Barock. Seine volkstümliche Art der Darstellung komplizierter Themen wurde für die folgende Generation vorbildhaft.

Asam, Egid Quirin
(1692 in Tegernsee - 1739 München). Sohn des bayrischen Ölmalers und Freskomalers Hans Georg Asam. Der Bildhauer und Stukkateur ging zusammen mit seinem Bruder Cosmas Damian Asam (Ölmaler und Freskomaler) über sein eigentliches Fach hinaus, indem er nicht nur in beispielhafter Weise bei der häufigen Zusammenarbeit mit seinem Bruder kirchliche Innenräume im Sinne des barocken Gesamtkunstwerks mit seiner inhaltlichen und formalen Einheit von Raum und Ausstattung durch Malerei, Stuck und Plastik schuf, sondern selbst mehrfach (wieder mit dem Bruder zusammen) als Architekt tätig war. Nach ihrem Studium in Rom 1711-14 entwickelten die Brüder unter dem Eindruck des römischen Hochbarock und vor allem der pathetischen Kunst Berninis einen eigenen wuchtigen Dekorationsstil und Ausstattungsstil, dem sie auch gegenüber den in den dreissiger Jahren in Süddeutschland aufkommenden Tendenzen des Rokoko treu blieben. Unter den grossen Architektenpersönlichkeiten des 18. Jh. in Süddeutschland, speziell in Bayern, verkörpern sie - neben den aus dem Bauhandwerk hervorgegangenen Archtekten Johann Michael Fischer und Dominikus Zimmermann - den im 18. Jh. häufiger anzutreffenden Typus des Maler-Architekten, der - manchmal auf Kosten der architektonischen Klarheit und Ordnung - die malerische Gesamtwirkung zum obersten Prinzip macht. Damit stehen sie, entwicklungsgeschichtlich gesehen, freilich wieder in vorderster Linie, denn so erfüllen sie - obwohl sie das formale Kriterium des Rokoko, die Rocaille, nicht übernehmen - die Forderungen dieser Stilrichtungen nach Bildhaftigkeit des Innenraums. Mit ihrer illusionistischen Kunst, die die reale und transzentrale Welt, Sein und Schein zu einem geschlossenen "Raumbild" verschmelzen lässt, schufen sie im Sinne eines "Theatrum Sacrum" prunkvolle und sinnenberauschende Kirchenräume, die die religiöse Ekstase und himmlische Vision des Gläubigen evozieren wollen und als dramatische Schauplätze für die kultischen Handlungen dienen. Die Mittel dazu sind vor allem Bühenaltäre mit plastischen Figurengruppen und monumentale Pfeilergliederungen und Säulengliederungen mit Oratorien, Logen und Brüstungen, die den Gemeinderaum in ein barockes Theaterproszenium verwandeln, virtuos abgestimmter, farbiger Stuckmarmor in Kombination mit Gold und Silber und den farbsatten Fresken, deren Darstellungen die Grenzen leugnen und irreale Räume vorspiegeln, dazu eine raffinierte, oft indirekte Lichtführung, die die Trennung Innen und Aussen vergessen lässt. Sie alle zusammen erzeugen eine höchst effektvolle, ins Mystische spielende Raumstimmung, die trotz der rein theatralischen Elemente den hoheitsvollen und ernsten Charakter dieser Sakralräume erstehen lässt. Mit den Brüdern Asam, die die bis dahin unbestrittene Herrschaft der italienischen Wanderkünstler in Süddeutschland brechen halfen, begann die barocke Kunst Bayerns ihren eigentlichen Aufstieg zu einem epochalen Rang, den sie dann in der Spätphase, dem Rokoko, unbestritten behaupten konnte. Egid Quirin Asam schuf über die kirchlichen Arbeiten hinaus auch noch Dekorationen in den Schlössern Schleissheim II, Bruchsal II, Mannheim I, Ettlingen (Baden), Lichtenberg Epfenhausen? und Hohenwart (Schwaben).

Asam, Hans Georg
*12.10.1649 in Rott am Inn, +7.3.1711 in Sulzbach. Deutscher Maler, Vater von Asam, Cosmas Damian und Asam, Egid Quirin. Er gilt als der Begründer der barocken Deckenmalerei in Bayern. Seit 1681 war er als Freskomaler und Stukkateur tätig. 1681-88 malte er die Fresken mit der Darstellung des Jüngsten Gerichts in der Klosterkirche Benediktbeuern, die sich neben den Fresken der Klosterkirche Tegernsee von 1689-94 als einzige Werke erhalten haben. Die Fresken in Schloss Helfenberg Lengenfeld II in der Oberpfalz (1700-07) mit biblischen und mythologischen Themen sind ebenso wie zahlreiche Tafelbilder für Kirchen in Egern und Gmund nur schriftlich überliefert. Die vielfigurige Komposition, die in Untersicht stark verkürzten Gestalten und das lebhafte Kolorit in Asams Arbeit waren von der römischen Barockmalerei von Pozzo, Adrea Del beeinflusst.

Asper, Hans
*1499 in Zürich, +12.3.1571 in Zürich. Schweizer Maler und Zeichner der nachholbeinischen Zeit, bekannt durch die Bildnisse von Schweizer Reformatoren, tonangebend in den 40er/50er Jahren des 16. Jh.s für die Züricher Malschule. 1545 wurde Asper von der Meisenzunft in den Grossen Rat gewählt. Ab 1569 erhielten er und seine Familie aufgrund seiner ärmlichen Verhältnisse Unterhalt vom Staat. Neben Bildnissen und Zeichnungen für Holzschnitte fertigte er Stadtansichten, Schlachtenbilder, Illustrationen zu zahlreichen Druckwerken und Miniaturen.1549 entstand sein berühmtes Portrait, ein Brustbild von Ulrich Zwingli (Winterthur, Kunstmuseum), nach Vorlage einer Medaille von Jakob Stapfer.Von 1556 stammen die einzig erhaltenen Fassadenmalereien am Schlosstor von Kyburg Kant. Zürich; die Löwen mit dem Schild und Panier von Zürich darstellen. 1567 entstanden als letzte grössere Werke zwei Blumen- und Fruchtstücke mit Vögeln und ein von Löwen gehaltenes Stadtwappen (Züricher Rathaus). Aspers Werke sind an den Arbeiten von Hans Leu, Schüler von Hans Baldung, orientiert.

Asper, Hans Konrad
*um 1588 in Zürich, +1666 (?) in Konstanz. Schweizerischer Architekt und Bildhauer. Er verliess früh Zürich und erhielt seine künstlerische Ausbildung in Konstanz und Wien. 1605-10 war er als Bildhauer für Karl von Liechtenstein in Waldtspurg tätig. 1615 schuf er das Grabmal des Dompropstes A. Lodron auf dem St.-Peters-Friedhof in Salzburg, das im frühbarocken Stil gestaltet war. Ca. 1625 war er wieder hauptsächlich in Konstanz tätig, wo er das Amt eines Stadt- und Fortifikationsunterbaumeisters einnahm (Konstanz III). 1628 wurde er nach Maria Einsiedeln berufen, wo er an der Auschmückung der Gnadenkapelle beteiligt war. 1630 wurde er Zeugmeister von Maria Einsiedeln. 1644 leitete er die Instandsetzung der durch schwedische Truppen beschädigten Fortifikation der Stadt Überlingen (Überlingen III). Seit 1645 wirkte er unter Kurfürst Maximilian in München als Festungsbaumeister München III. Er begutachtete verschiedene Wehranlagen (Braunau II, Schleissheim I, Wasserburg a. Inn II, Landsberg a. Lech I) und leitete teilweise auch deren Ausbesserungsarbeiten. Ausserdem errichtete er die Kirche und Kloster der Karmeliten 1654-60. 1653 arbeitete er den Ölberg bei St. Peter. Seine Bildwerke sind von Jörg Zürn beeinflusst. Seine Kenntnisse in der Architektur und Festungsbaukunst können wohl auf die enge Zusammenarbeit mit dem Salzburger Dombaumeister Santino Solari (1576-1646) zurückgeführt werden.

Aspetti, Tiziano
*1565 in Padua (?), +1607 in Pisa. Italienischer Bildhauer. Vermutlich erhielt er seine künstlerische Ausbildung bei der Sansovino-Schule in Venedig. 1582-90 schuf er in Venedig überlebensgrosse Figuren für die Zecca und zwei Gewölbeträger, Herkules und Atlas, für den Eingang der Scala d`Oro im Dogenpalast Venedig. Die Figuren sind im manieristischen Stil in übertriebener Körperlichkeit ausgeführt. Als Portätbildner war er von Alessandro Vittoria beeinflusst.

Asprucci, Antonio
(1723-1808). Römischer Architekt des Frühklassizismus. Sein Hauptwerk ist die Innenausstattung der Borghese-Villa in Rom (1777-84); ausserdem errichtete er im Garten der Villa die eleganten Tempel, Scheinruinen und andere Spielereien.

Assmann, Paul
(+1904 in Troppau). Maler, in Schlesien tätig.

Atalante
Tochter des Schoineus (nach anderer Überlieferung des Iasos) und der Klymene. Gewöhnlich wird die unbesiegbare Läuferin und geschickte Jägerin beim Bücken nach den goldenen Äpfeln des Hippomenes wiedergegeben.

Athene
(Pallas Athene, röm. Minerva). Die Tochter von Zeus (Jupiter) und Metis wurde in voller Rüstung aus dem Haupt des Vaters geboren, der Metis zuvor verschlungen hatte; eine der zwölf Hauptgottheiten des Olymp. Sie ist die Göttin der Weisheit und des Intellekts. Die Schutzgöttin der Stadt Athen wird in ganz Griechenland verehrt; in Rom wurde Minerva zusammen mit Jupiter und Juno auf dem Kapitol verehrt. Die Göttin der Weisheit erscheint in Gestalt einer Kriegerin mit Helm, Schild und Brustpanzer. Die Eule, Symbol der Klugheit, ist ihr heiliges Tier.

Atlas
Sohn des Titanen Iapetos und der Okeanide Klymene; Bruder des Epimetheus und des Prometheus. Atlas wird als bärtiger Mann gezeigt, auf dessen Schultern der Himmel ruht. Zuweilen erscheint auch Herakles (Herkules), der sich die schwere Last aufbürdet und den Titanen vertritt. Auch Bezeichnung für glattes, rauschendes Seidenzeug. Durch die beim Weben bevorzugte Atlasbindung (die Bindungspunkte berühren sich weder in der Kettrichtung noch in der Schussrichtung, noch in der Diagonalen) entsteht eine einheitliche Lichtbrechung. So wird auf der Stoffoberfläche ein besonders hoher Glanz erreicht. Seit dem 15. Jh. ist Atlas als orientalischer Exportartikel in Europa eingeführt. Der aus dem Arabischen stammende Name bedeutet "glänzend".

Aubert, Jean
(+ 1741). Französischer Architekt. Errichtete die Grandes Ecuries von Schloss Chantilly (Pferdeställe) ab 1719.

Audran, Charles
*1594 in Paris, +1674 in Paris. Französischer Kupferstecher, Bruder von Audran, Claude I, dem Stammvater der bis weit ins 18. Jh. hinein tätigen französischen Malerfamilie und Kupferstecherfamilie Audran. Charles audran hielt sich lange Zeit in Rom auf und arbeitete vor allem nach italienischen Vorlagen.

Audran, Claude II
Getauft 27.03.1639 in Lyon, +5.1.1684 in Paris. Französischer Maler, Sohn von Audran, Claude I. Le Brun, Charles schätzte ihn sehr und beteiligte ihn an vielen seiner Arbeiten im Louvre-Palais, in St. Germain sowie der Kapelle von Sceaux und in Versailles, wo sich viele seiner allegorischen Darstellungen und Historienbilder befinden, z.B. "Mars auf dem von Wölfen gezogenen Wagen".

Audran, Claude III
*25.6.1658 in Lyon, +27.5.1734 in Paris. Französischer Maler, ein Grossneffe von Audran, Claude III, spielte eine grosse Rolle in der Dekorationsmalerei am Beginn des 18. Jh.s. Nach Jean Bérain verwendete er als einer der erster systematisch Groteskenmotive und Arabeskenmotive in der Innenraumdekoration von zahlreichen Schlössern, wie Meudon, La Muette, Marly-le-Roi und Versailles. Seine bedeutensten Werke sind Entwürfe für Gobelins. Im Bereich der Gobelinherstellung arbeiteten auch noch andere Mitglieder der Familie Audran bis zur Französischen Revolution. Claude III war der Lehrer von Antoine Watteau. 1704 wurde er Konservator des Luxembourg-Palais in Paris.

Audran, Gérard I
*2.8.1640 in Lyon, +26.7.1703 in Paris. Französicher Kupferstecher, Bruder von Audran, Claude II, war das berühmteste Miglied seiner Familie. Er arbeitete in Rom, wo er Schüler Carlo Marattas war, und in Paris, wohin er von Jean-Baptiste Colbert auf Wunsch von Le Brun, Charles gerufen worden war. Le Bruns bedeutendste Werke stach er in Kupfer, darunter vier berühmte Bilder mit dem "Schlachten Alexanders d.Gr.". Er arbeitete aber auch nach Werken von Jacques Le Sueur, Nicolas Poussin und Pierre I Mignard

Augustini, A.
Baumeister aus Lauban (Schlesien).

Auliczek, Dominikus
*1.8.1734 in Policka, +15.4.1804 in München. Deutsch-böhmischer Bildhauer und Porzellanmodelleur. Nach einem theologischen Studium wandte er sich der Bildhauerei zu. 1753-62 reiste er zu Studienzwecken nach Paris, London und Rom, wo er sechs Jahre an der päpstlichen Akademie der bildenden Künste und bei dem Architekten Gaetano Chiaveri verbrachte. Danach wurde er Nachfolger von Franz Anton Bustelli Modellmeister der Nymphenburger Porzellanmanufaktur (1763) in München. Er war zuerst mit der Fertigung von Gartenplastiken für den Nymphenburger Hofgarten beschäftigt und schuf zwei allegorische Kindergruppen. 1772 wurde er von Max Joseph III. zum Hofbildhauer ernannt. 1773 wurde er Leiter der Porzellanmanufaktur. Er fertigte zierliche Einzelfiguren und Gruppen, die wesentlich durch den römischen Spätbarock beeinflusst sind. 1773-83 entstand der grösste Teil seiner Arbeiten, die besonders Tierdarstellungen und mythologische Themen umfassen. Er schuf 25 Jagddarstellungen im pyramidalen Aufbau, einen Tafelaufsatz mit den Erdteilen, Kruzifixe und 16 zeitgenössische Porträts. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Bustelli war Auliczek trotz grosser Virtuosität akademisch orientiert.

AuroraEos

Axer, Johann Theodor
Bildhauer, geb. vor 20.12.1700 in Paderborn, gest. 29.12.1764 in Büren. Über die Ausbildung von Johann Theodor Axer ist nichts bekannt. Möglicherweise absolvierte er eine Lehre in Süddeutschland. In den Jahren 1725-37 ist er in Paderborn, danach geht Axer wahrscheinlich mit seiner Familie auf Wanderschaft. Erst 1750 wird er bei Warburg wieder erwähnt. Wichtige Werke: bischöfliches Residenzschloss Neuhaus Paderborn.

Axter, Ignaz
(auch Igantius, nachweisbar 1735-46). Maler, u.a. in Schlesien.

Bacchus
Gott des Weins, Mysteriengottheit (Dionysos).

BacciaccaBacciacca

Bacciarelli, Marcello
*16.2.1731 in Rom, + 5.1.1818 in Warschau. Polnischer Maler italienischer Herkunft, dessen Stil vielfach europäische Einflüsse erkennen lässt. Der vor allem als Porträtist berühmte Bacciarelli studierte in Rom bei Marco Benefiali, wurde aber bereits 1750-53 von Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen (als August III. gleichzeitig König von Polen) an den Hof in Dresden verpflichtet. 1756 begleitete er August III. nach Warschau und liess sich dort endgültig nieder. Nur vorübergehend arbeitete er 1761-62 und 1764-66 mit grossem Erfolg für Kaiserin Maria Theresia am Wiener Hof. 1764 schlug er einen Ruf als Professor n die Dresdener Akademie aus und blieb in Warschau, wo er unter König Stanislaus August Poniatowski eine glänzende Karriere machte. Bereits 1768 wurde er geadelt und zum ersten Hofmaler ernannt. 1786 wurde er Generaldirektor der Königlichen Manufakturen und damit für die Ausstattung der Schlösser und den Aufbau einer Gemäldegalerie verantwortlich. In so gegensätzlichen Bildnissen wie "König Stanislaus Augustus im Krönungsorant" um 1768 (Warschau, Muzeum Narodowe), und "König Stanislaus Augustus mit Sanduhr", 1793 (ebenfalls Warschau, Muzeum Narodowe), bewies er seine Meisterschaft, auch repräsentative Staatsbilder entsprechend dem privaten intimen Portät darzustellen. Neben seinen Bildnissen malte er Allegorien und Bilder aus der polnischen Geschichte. Von den Wandgemälden, auf denen er 1768-85 im Königlichen Schloss Warschau I und 1788-93 im Lazienki-Palast in mythologischen Szenen die Mitglieder der Hofgesellschaft porträtierte, wurden die Gewölbefresken im letzten Krieg zerstört; die erhaltenen Arbeiten befinden sich, auf Leinwand übertragen, in Warschau im Muzeum Narodowe.

Bach, Carl Daniel
(*1756 in Potsdam, +8.4.1829 in Breslau). Maler und Graphiker, u.a. in Schlesien tätig.

Bacher, Gideon
Baumeister und Mathematiker aus Ulm. Er wirkte an Schloss Hochberg (1590), Schloss Ansbach I (Kanzlei, Neue-Bau Gästehaus, markgräfliches Lusthaus, 1591), schuf den Plan für die Adlerbastei in Ulm II (Einsturz 1603) und war beteiligt an der Veste Coburg I.

Bachiacca
(auch Bacciacca, eigtl. Francesco Ubertini). *1.3.1494 in Florenz, + 5.10.1557 in Florenz. Italienischer Maler, der anfangs Motive bedeutender Renaissancemaler umgestaltete und auf Kleinformate übertrug, der aber in seinem Spätwerk unter dem Einfluss des Manierismus noch zu eigenständigen Gestaltungen gelangte. Er war der Sohn des Florentiner Goldschmieds Ubertino di Bartolomeo. Seine Lehre verbrachte er bei Pietro Vannucci Perugino. Den vorwiegenden Einfluss auf ihn übten jedoch Piero di Cosimo und Andrea del Sarto aus. Bachiacca lebte einige Zeit in Rom, 1540 trat er, wieder in Florenz, in den Dienst von Cosimo de` Medici, für dessen Naturalienkabinett er botanische und zoologische Zeichnungen anfertigte. Ausserdem führte er Kartons für Wandteppiche mit Monatsdarstellungen und Groteskdarstellungen aus, die 1553 von Jan Rost gewebt wurden, und dekorierte eine Loggie im Veccio-Palazzo Florenz. Bachiacca ist vorwiegend als Eklektiker zu charakterisieren, der seine Anregungen nahezu ausschliesslich aus der vorangegangenen Kunst empfing, Motive aus Werken deutscher, flämischer und norditalienischer Grafik übernahm, aber auch viele Werke, z.B. von Fra Bartolommeo, Andrea del Sarto, Albrecht Dürer, Lucas van Leyden, Leonardo, Raffael und Michelangelo, in Kleinform auf Mobiliar und Einrichtungsgegenstände von Bürgerhäusern übertrug. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die 1515-18 gemalten "Szenen aus dem leben des ägyptischen Josef" (Rom, Galleria Borghese, und London, National Gallery), die zusammen mti Werken von Andrea del Sarto, Francesco Granacci und Jacopo Pontormo für die Hochzeitskammer des Pier Francesco Borgherini in Auftrag gegeben worden waren.

Bachmann, Curt
Architekt, Baurat in Hirschberg/Schlesien.

Bäcker, Adalbert
Maler und Restaurator, u.a. in Schlesien.

Bäcker, Adolph
Restaurator, u.a. in Schlesien.

Backer, Johann Franz de
(auch Frans, *um 1680 in Antwerpen, +um 1750 in Breslau). Maler, u.a. in Schlesien tätig.

Bąckowski, Wojciech
Maler aus Kęty/Schlesien.

Baco, Ferrer DeBassa, Ferrer

Baen, Jan de
*20.2.1633 in Haarlem, + 8.3.1702 in Den Haag (?). Holländischer Maler, wurde 1654 Schüler von Jacob Adriaensz Backer in Amsterdam. Um 1660 zog er nach Den Haag. Er war ein zu seiner Zeit gesuchter Porträtmaler, der im Stil Anthonis van Dycks malte und viele Bilder von Mitgliedern des Hauses Oranien schuf. Kurze Zeit arbeitete er am Hof Karls II. von England; dort entstanden Bildnisse des Königs und der Königin. Friedrich Wilhelm I. von Preussen, der Grosse Kurfürst, ernannte ihn 1676 zum Hofmaler.

Baggallay, Frank Thomas
(*1855 in Wandworth/London, +1929). Englischer Architekt und Zeichner.

Baglione, Giovanni
*1571 in Rom, +1644 in Rom; italienischer Maler und Kunstschriftsteller, Schüler von Florentinus F. Morelli, weitergebildet unter Cavaliere d`Arpino, schuf unter dem Einfluss Michelangelos barocke Fresken und Altarbilder in römischen Kirchen und Palästen. Zu seinen Hauptwerken zählten die Altarbilder !Auferstehung Christi (1603, Il Gesú) und die "Auferweckung der Tabitha" (Kopie aus dem 18. Jh., S. Maria degli Angeli) für das ihm Clemens VIII. das Kreuz des Christusordens verlieh. Bedeutender ist Baglione

Bagnato, Johann Caspar
(+1757 Mainau i. Bodensee). Architekt aus Como. Deutschordensbaumeister zu Altshausen II, Architekt von Schloss Mainau II 1739ff., Umbau von Schloss Dillingen Krs. Dillingen 1737-40.

Bahr, Franz
Steinmetz aus Haynau/Schlesien.

Bähr, George
(auch Beer, Behr sowie auch Johann Georg, *15.3.1666 in Fürstenwalde b. Lauenstein, +16.3.1738 in Dresden). Baumeister, u.a. in Schlesien tätig.

Baildon, John
(*11.12.1772 in Carron/Schottland, +1846 in Oberschlesien). Bauingenieur, u.a. in Gleiwitz.

Baily, Edward Hodges
*10.3.1788 in Bristol, +22.5.1867 in Holloway; englischer Bildhauer, arbeitete ab 1807 über Jahre im Atelier von John Flaxman in London. Gleichzeitig besuchte er ab 1809 in Royal Academy in London, an der er 1811 die goldene Medaille für die Gruppe "Hercules rescuing Alcestis" erhielt. Bekannt wurde Baily durch seine Statur "Eve at the Fountain", die er 1818 in Bristol ausführte (London, Victoria und Albert Museum). 1821 wurde er Mitglied an der Royal Academy. Er fertigte Skulpturen für den {Buckingham Pa

BakchosDionysos

Baldassare da ReggioEstense, Baldassare

BaldassarinoCroce, Baldassare

Baldovinetti, Alessio
Auch Alesso. *vermutlich 14.10.1425 in Florenz, +28.8.1499 in Florenz. Italienischer Maler. Er war Schuler von Domenico Veneziano und einer der wichtigen Vertreter der florentinischen Frührenaissence. Eine gute Informationsquelle zu Leben und Werk Baldovinettis stellen - neben der Lebensbeschreibung von Vasari, Giorgio - die "Ricordi" dar, eigene Aufzeichnungen des Malers, die er 1449 begann und die in einer Abschrift erhalten sind. Sie erlauben einen verhältnismässig sicheren Überblick über seine Arbeite

Baldwein, Eberhard
Beteiligt an Schloss Marburg (südlicher Anbau 1572).

Ballenstedt, Adam
(*1880 in Posen, +1942 in Krakau).

Bandt
Maurermeister in Schmiedeberg (Schlesien).

Barelli, Agostino
(1627-70). Barockarchitekt. Wurde vom bayrischen Kurfürsten Ferdinand Maria nach München berufen. Er errichtete in seiner Vaterstadt Bologna (ab 1676 Ratsbaumeister) die Theatinerkirche S. Bartolomeo (1653) sowie die Vorhalle von S. Madonna del Baracano. Sein grösstes Verdienst besteht darin, den italienischen Barock nach Bayern gebracht zu haben: Von der kunstsinnigen Kurfürstin Henriette Adelaide von Savoyen, Gemahlin Kurfürst Ferdinand Marias von Bayern, die die einheimischen Kräfte als "piu id

Barocci, Federico
(auch Baroccio Fiori da Urbino). *1528 und 1535 in Urbino, + 30.9.1612 in Urbino. Italienischer Maler, Zeichner und Radierer, der mit seinen religiösen Tafelbildern zwischen Manierismus und Barock steht. Der Künstler lernte zunächst in der Werkstatt seines Vaters, des aus Mailand stammenden Bildhauers Ambrogio di Ferdico Barocci, sowie bei Battista Franco. Anschliessend arbeitete er in Pesaro bei seinem Onkel, dem Architekten Bartolomeo Genga, der ihn in die Probleme der Perspektive einwies und ihm auch die Werke Tizians nahebrachte. Als etwa Zwanzigjähriger kam Barocci nach Rom, wo er, gefördert von dem Kardinal Giulio della Rovere, die Werke Raffaels studierte, besonders aber von Correggrio beeinflusst wurde. 1557 schuf er für den Dom von Urbino eine "Hl. Cäcilia" und das "Marythum des hl. Sebastian", das noch ganz von Correggio abhängig ist. 1560 malte er gemeinsam mit Ferderico Zuccari für Papst Pius IV. im Vatikan Fresken im Casino und im Belvedere Vatikan. Nach einer vierjährigen, durch eine rätselhafte Erkrankung erzwungenen Schaffenspause ließ er sich endgültig in Urbino nieder und erfreute sich, nicht zuletzt dank der Gunst des Herzogs Guidobaldo, eines hohen Ansehens. So malte er 1584-88 für König Philipp II. von Spanien eine "Berufung des hl. Andreas", die sich heute im Real Monasterio des Escorial befindet. 1569 schuf er für den Dom in Perugia dei "Kreuzabnahme Christi", die ihn bereits auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft zeigt und ihm Sfumato einer lichten, kultivierten Farbigkeit vom toskanischen Manierismus bereits zum Barock hinüberleitet. Neben sehr ausdrucksvollen und treffenden Bildnissen, wie "Giuliano della Rovere" (um 1595, Wien, Kunsthistorisches Museum), schuf Barocci fast nur religiöse Bilder, wobei ihn, gegen den Geschmack der Epoche, das Dramatische weniger anzog als die Idylle, wie in "Ruhe auf der Flucht" (um 1573, Vatikan, Musei Vaticani, Pinacoteca) oder in der um 1597 gemalten "Geburt Christi" (Madrid, Museo del Prado). Eines seiner wenigen Bilder mit nichtbiblischen Themen malte er 1598 mit "Flucht des Äneas und Anchises" (Rom, Galleria Borghese), einem Motiv, das er bereits Jahre vorher im Auftrag Kaiser Rudolfs II. gemalt hatte, doch ist diese erste Fassung verlorengegangen. Zahlreiche seiner Motive wurden oft nachgeahmt, da er, stets auf seinen Ruhm bedacht, sie auch als Radierungen in Umlauf brachte oder von anderen Stechern verbreiten ließ. Trotz ehrenvoller Angebote, mit denen ihn der Herzog von Toskana, König Philipp II. von Spanien und Kaiser Rudolf II. an ihre Höfe riefen, blieb er seiner Heimat Urbino treu. Zu seinen Spätwerken gehören zwei Darstellungen des Abendmahls, die er 1592-99 im Dom von Urbino und 1604-07 in S. Maria sopra Minerva in Rom malte.

Baroffio, Giuseppe
(* 1692 Varese † 1778 Varese), Quadraturmaler. Bis auf kurze Aufenthalte in Ludwigsburg, Pavia und Bellinzona (Schweiz), arbeitete Baroffio fast nur in seiner Heimatstadt Varese, wo er auch starb. Ab 1731 hielt er sich für wenige Jahre in Ludwigsburg Krs. Ludwigsburg auf. Hier richtete er im Schloss eine Theaterbühne im Saal des Festinbaus ein und führte zusammen mit Scotti, Giovanni Pietro das Deckenfresko im Ordenssaal aus.

Barry, Sir Charles
*23.5.1795 in London, + 12.5.1860 in London. Frühviktorianischer Architekt. Er absolvierte erste Architekturstudien bei Middleton & Bailey in London. Von 1817-20 bereiste Barry zur weiteren künstlerischen Ausbildungs Frankreich, Italien (Rom, Florenz), Griechenland, die Türkei, Ägypten, Palästina und Syrien. Nach seiner Rückkehr nach England beteiligte er sich erfolgreich an mehreren Wettbewerben. Seine ersten Bauten waren Kirchen im neugotischen Stil, von denen St. Peter in Brighton (1823-28) die bedeutendste ist. 1824 entwarf er die Royal Institution of Fine Arts in Manchester in einem der griechischen Klassik angenäherten Stil. Mit seinem berühmten Entwurd für den Travellers` Club, Pall Mall, London (1829-32), leitete Barry die Neorenaissance in England ein. Die Fassadengliederung des Gebäudes erinnert an Raffaels Pandolfini-Palazzo in Florenz (Baubeginn 1520). 1837 baute Barry in unmittelbarer Nachbarschaft zum Travellers` Club den Reform Club, ein Gebäude mit Anklängen an den Farnese-Palazzo Roma (Baubeginn 1517). Barrys Hauptwerk bilden die Parlamentsgebäude in London (1840-70), die ihn bis zu seinem Lebensende beschäftigen sollten. Barry gewann den ersten Preis in einem 1835 dafür ausgeschriebenen Wettbewerb. Das Bauwerk im Perpendicular Style war bei seinem Tod noch unvollendet und wurde von seinem Sohn - Edward Middleton Barry - fertiggestellt. In den 30er Jahren widmete sich Barry vor allem der Renovierung bestehender Gebäude. "Richness of detail" und "grandeur of outline" waren - seinem Sohn zufolge - Leitbegriffe für den Umbau zahlreicher Landsitze englischer Aristokraten. Barry bezog auch die dazugehörigen Gartenanlagen in seine Planung ein und schuf einen viktorianischen Lebensstil, der in seiner geometrischen Anlage an französische Barockgärten erinnert. Weniger Erfolg hatte Barry mit seinem einzigen urbanistischen Projekt, der Umgestaltung des Trafalgar Square in London (1840 bis 1843). Die letzten 20 Jahre seines Lebens baute Barry relativ wenig. Nennenswert ist das Bridgewater House in London (1845-50) im Stil der italienischen Hochrenaissance. Sein letztes Bauwerk war das Rathaus von Hailfax, Yorkshire, das von seinem Sohn fertiggestellt wurde (1859-62). Während die Details im Renaissance-Stil gehalten sind, erinnern Proportionen und Betonung des Vertikalen an spätgotischen Rathäusern in Flandern. Barry gilt als der vielseitigste der frühviktorianischen Architekten. Er beherrschte die verschiedensten Stilarten, angefangen von der griechischen Klassik über den Perpendicular Style bis hin zur italienischen Neurenaissance. Sein persönlicher Beitrag zum Repertoire viktorianischer Architektur liegt in der Einführung eines italienisierenden "Palazzo-Stils" in die englische Profanarchitektur; mit seinem Entwurf für die Parlamentsgebäude erhielt die Neugotik einen wichtigen Stellenwert in der Öffentlichkeit.

Bartsch, Frantz
Maler aus Wölfelsberg (Schlesien). Tätig 2. Hälfte 18. Jh.

Bartsch, Joseph
(identisch m. Bartsch, Frantz?). Maler aus Wölfelsberg.

Bartsch, Philipp Anton
(*12.12.1742 in Breslau, *1788 in Breslau). Maler, u.a. in Schlesien tätig.

Barvitius, Antonin
*14.7.1823 in Prag, + 20.7.1901 in Prag. Tschechischer Architekt. Studierte nach anfänglichen juristischen und poetischen Studien Architektur bei Eduard v.d. Nüll in Wien und bildete sich während eines Italienaufenthaltes weiter. 1854 wurde ihm in Rom die Leitung der Restaurierung des Venezia-Palazzo übertragen, die er 1866 aufgrund politischer Ereignisse unterbrach, um nach Prag zurückzukehren. Dort entwarf er den Hauptbahnhof (1867), mehrere Villen und sein Hauptwerk, die Pfarrkirche Smichov. In seinen Bauten verarbeitete er die Kenntnisse der römischen und der Renaissancearchitektur.

Baschenow, Wassilij Iwanowitsch
*1.3.1737 in Dolskoje, Kaluga, + 2.8.1799 in St. Petersburg. Russischer Architekt. Mitbegründer des russischen Klassizismus, architektonischer Mitgestalter Moskaus, besuchte 1751-55 die Bauschule des Fürsten Dimitri Uchtomski, 1755-58 die Moskauer Universität, 1758-60 die Petersburger Kunstakademie. 1760 arbeitete Baschenow als Gehilfe des Hofarchitekten Rastrelli, Graf Bartolomeo Francesco und bildete sich 1761 bei Wailly, Charles de in Paris weiter. Nach einer Italienreise kehrte Baschenow 1765 nach Petersburg zurück, um im Dienst des Zaren an verschiedenen Projekten zu arbeiten. Im Auftrag der Kaiserin Katharina II. widmete er sich seinem Hauptwerk, einer Neugestaltung des Kremls

Baschenow, Wassily Iwanowitsch
(1738-99). Wahrscheinlich der visionärste russische Architekt, klassiszistisch. Sein Werk umfasst ein halbes Dutzend Gebäude und mehrere Entwürfe. Baschenow war zunächst Schüler von Uchtomsky in Moskau und Schewakinsky in St. Petersburg, studierte später in Paris und in Italien (Anfang 1760). 1767 beauftragte ihn Katharina II. mit dem Bau eines grossen Palastes, der die schon vorhandenen Baudenkmäler des Moskauer Kreml (Kreml Moskau) einschliessen sollte. Der Bau wurde nur bis zur Errichtung der Grundmauer ausgeführt, aber die Pläne und das massstabsgerechte Modell zeigen seine monumentalen Absichten: Über einem strengen Bossenwerk verbinden grossartige ionische Kolonnaden die oberen Stockwerke. Auch sein nächster Auftrag, der Umbau von Katharinas Palast und Park in Zarizyn bei Moskau (Zarizyn-Palast) im pseudo-gotischen Stil unter Verwendung klassischer und altrussischer Elemente, wurde nicht ausgeführt. Der Palast wurde kurz vor seiner Vollendung abgerissen und der Auftrag Kasakow übergeben. Unter seinen anderen Versuchen im gotischen Stil ist die Kirche von Tscherkizowo-Starki wegen ihrer Originalität und frühen Datums (1759 gegründet) besonders erwähnenswert. Nicht mehr in der Gunst des Hofes, wandte sich Baschenow privaten Moskauer Auftraggebern zu und baute das Pashkow-Haus (1784), den runden Glockenturm der Skorbyaschenskaja-Kirche und das Juschkow-Haus, das er mit abgerundeten und mit Kolonnaden versehenen Ecken ausstattete. Unter dem Zar Paul führte Baschenow seine wohl spektakulärsten Auftrag aus: die St. Michaels-Festung in St. Petersburg, eine neoklassische Festung mit Burggraben, ein wenig einnehmendes, jedoch faszinierendes Gebäude, dessen strenge Form durch zusätzliches Dekor von Vincenzo Brenna (1745-1820) aufgelockert wurde. Ihre grossen freistehenden Pavillions sind Baschenows letztes Meisterwerk.

Basevi, George
(1794-1845). Englischer Architekt. Basevi lernte bei Soane, Sir John. 1816-19 Aufenthalte in Italien und Griechenland. Seine ersten Bauten errichtete er im Stil der griechischen Antike (Greek Revival). Sein bekanntestes Werk, das Fitzwilliam Museum in Cambridge (beg. 1836) zeigt eine Neigung zur Auflösung der klassischen Harmonie: Die Bündel kolossaler Säulen und das schwere Attikageschoss wirken dramatisch, ja geradezu barock. Dies ist die gleiche Tendenz, die den Stil der Ecole des Beaux-Arts in Frankreich vom Empirestil unterscheidet. Zu Beginn seiner Laufbahn, um 1825, entwarf Basevi den Belgrave Square in London (ohne die Eckhäuser) und eine Reihe von Landsitzen in verschiedenen Stilimitationen.

Bassa, Ferrer
(auch Baco, Ferrer De). *um 1285 in Tortosa, +1348 in Barcelona (?). Spanischer Maler, der von der florentinischen und sienesischen Malweise vor allem Giottos und Simone Martinis beeinflusst war. Unter den katalanischen Meistern, die bis dahin ganz vom romanischen Stil bestimmte spanische Malerei mit toskanischen und sienesischen Elementen anreicherten und damit zu Wegbereitern der grossen katalanischen Malerschule wurden, gehörte Ferrer Bassa zu den originalsten Schöpferpersönlichkeiten. Vermutlich wurde er in Italien ausgebildet, vielleicht von Simone Martini, dessen Einfluss in seinem Schaffen deutlich erkennbar ist. Es ist auch anzunehmen, dass er Giotto und sogar noch Duccio di Buoninsegna persönlich gekannt hat. 1316 trat er in den Dienst des aragonischen Königshauses und erhielt den Auftrag, für die Kapelle im Palast von Lérida (Gardeny) zwei Altäre zu malen. 1333-39 schuf er die Miniaturen für den Codex "Usatges de Barcelona y Costums de Catalunya" (Gebräuche in Barcelona und Trachten in Katalonien, verschollen), nach deren Vollendung er von König Pedro IV. mit einem Marienaltar und einem Martinsaltar für den arabischen Palast der La Ajlaferia, der aragonischen Residenz in Zaragoza, verpflichtet wurde. 1343 schloss er mit der Äbtissin Francisca Portela einen Vertrag, im Kloster S. Maria de Pedralbes die Martinskapelle mit Wandgemälden zu schmücken. Diese heute noch vortrefflich erhaltenen Fresken hat er 1345-46 ausgeführt. Dagegen wurde seine Arbeit an einem Franziskusaltar für das Minoritenkloster in Valencia 1348 durch seinen Tod beendet.

Bassdorf
Bildhauer aus Frankenstein (Schlesien).

Battagio, Giovanni di Domenico da Lodi
Tätig 15. Jh. Italienischer Bildhauer und Architekt, gilt als beeinflusst von Amadeo, Giovanni Antonio. 1465-66 baute Battagio das Hospital in Lodi, ab 1484 schuf er zusammen mit Agostino dei Fonduti das Renaissanceportal des Landi-Palazzo (jetzt Tribunali-Palazzo) in Piacenza. Ab 1487 beschäftigte er sich mit dem Bau der Kirche S. Maria Incoronata in Lodi, die von Donato Bramantes Bauten beeinflusst und 1513 von Amadeo fertiggestellt wurde. Als Stellvertreter Bramantes soll Battagio den Bau von S. Satiro in Mailand fortgesetzt haben. 1490 entwarf er nach dem Vorbild des Baptisteriums von S. Satiro die Kirche S. Maria della Croce bei Crema, die 1493 von Giovanni A. Montanaro ausgeführt wurde.

Battista, Giovanni
Baumeister, u.a. in Schlesien tätig.

Bauer, Leopold
(*1.9.1872 in Jägerndorf/Krnov, +7.1.1938 in Wien). Architekt, Kunstgewerbler, Innendekorateur, u.a. in Schlesien tätig.

Bayeou y Bubias, Francisco
*9.3.1734 in Zaragoza, + 4.8.1795 in Madrid. Spanischer Maler. Nachdem Bayeu bei José Luxán studiert hatte, trat er in die Werkstatt von Antonio Gonzáles Velázquez ein. 1763 wurde er als Mitarbeiter von Anton Raphael Mengs zur Ausschmückung des königlichen Palastes nach Madrid berufen (Real Palacio). 1788 wurde zum Hofmaler und Leiter der Real Academia de S. Fernando ernannt. Sein Werk ist dem damals vorherrschenden Klassizismus verpflichtet, nicht ohne zuweilen bombastische Züge anzunehmen, wie es die Deckenmalereien in der Kathedrale Del Pilar und zwei weiteren Kirchen in Zaragoza sowie eine Reihe von Fresken im Kloster S. Ildefonso und in der Kathedrale von Toledo erweisen. Ausserdem malte er Porträts, die sich zum grossen Teil im Museo del Prado befinden, und lieferte Entwürfe für die königliche Teppichmanufatkur. Zu seinen Schülern gehörte auch Francisco de Goya, der später sein Schwager wurde.

Beaugrant, Guyot de
*? in Mecheln, * 1551 in Bilbao; spanischer Bildhauer, schuf 1525-30 sein Hauptwerk, den Skulpturenschmuck des berühmten Prachkamins im Ratssaal des jetzigen Justizpalast Brügge, der, von Lancelot Blondel in einem Mischstil aus spanisch-flämischer spätgotik und Frührenaissance entworfen, von Beaugrant hauptsächlich ausgeführt wurde. 1526 schuf Beaugrant das nicht mehr erhaltene Grabmal für den Erzherzog Franz von Österreich. Seit 1533 in Spanien, fertigte er ein figurenreiches Retabel für den Hochaltar der Kirche in Santiago in Bilbao. von 1548 bis zu seinem Tod arbeitete er an dem Altar von s. Maria in Elvillar de Alava.

Beauvais, Ossip Iwanowitsch
*24.10.(4.11.)1794 in St. Petersburg, + 21.7.(2.8.)1834 in Moskau. Russischer Architekt des Klassizismus, stammte aus einer italienischen Künstlerfamilie, arbeitete unter M.F. Kasakow und K.T. Rossi in Moskau und Twer. Nach dem Brand Moskaus 1812 war er Leiter der Abteilung "Fassadengestaltung" in der Aufbaukommission und bestimmte massgeblich die Wiederherstellung des Kreml Moskau und der umliegenden Stadtteile: Umgestaltung des Roten Platzes mit dem Gebäude der Handelsreihen (später abgetragen), des Ale

Beccafumi, Domenico
*1486 in der Nähe von Montaperti, +18.5.1551 in Siena. Italienischer Maler, Modelleur, Formschneider und Stecher. Er gilt als letzter Vertreter der sienesischen Malerei und als Hauptmeister des Sieneser Manierismus (Schule von Siena). Der Sohn eines Bauern nahm den Namen seines Dienstherrn Lorenzo Beccafumi an, der früh seine Begabung erkannt und ihn zu dem Maler Battista Tozzo in die Lehre gegeben hatte. Um 1510 hielt er sich in Rom auf, wahrscheinlich, um die Werke Raffaels und Michelangelos zu studieren. Seine frühesten Arbeiten waren Wandgemälde und Fassadengemälde, 1513 der Freskenzyklus "Begegnung Joachims mit Anna" (Siena, Spedale di S. Maria della Scala) und 1518 ein Freskenzyklus im Oratorio di S. Bernardino in Siena, den er zusammen mit Sodoma ausführte. Von 1523 stammt sein grosses Altarblatt "Geburt Christi" (Siena, S. Martino), eines seiner ersten Tafelbilder, das zeigt, wie der Maler von der Sieneser Maltradition zu einem persönlichen Stil mit weichen und hellen Lichteffekten und Farbeffekten gefunden hatte. Nicht nur seine Wandgemälde, auch die Tafelbilder zeichnen sich aus durch fliessende Übergänge zwischen den raffiniert einander zugeordneten Farben und berühren sich darin mit dem Malstil von Rosso, Fiorentino. 1529-35 malte Beccafumi an Fresken im Pubblico-Palazzo Siena, 1538 bis 1539 arbeitete er für den Dom in Pisa, und 1541 folgte er einem Ruf Andrea Dorias nach Genua um unter der Leitung von Perino del Vagas an der Dekoration des Doria-Palazzo Genova mitzuarbeiten. Diese Fresken sind verloren. Zu seinen späten und bekanntesten Bildern gehören: "Christus in der Vorhölle" (Siena, Pinacoteca Nazionale) und das Fresko "Himmelfahrt Christi" (Siena, Dom) aus der Mitte der vierziger Jahre. Die grosse Tafel "Der hl. Michael vertreibt die gestürzten Engel" (Siena, Pinacoteca Nazionale) ist um die Mitte der dreissiger Jahre entstanden. Seine letzten Lebensjahre widmete Beccafumi vorwiegend plastischen Arbeiten: Er modelliert u.a. 1548-50 acht Leuchterengel für den Sieneser Dom. Berühmt ist auch der reich figurierte Marmorfussboden dieses Doms nach seinen Entwürfen. Seine Holzschnitte weisen grosse technische Fertigkeit und gute Erfindungsgabe auf. Er entwarf u.a. auch eine Festdekoration (Reiterstandbild aus vergänglichem Material) für den Einzug Karls V. in Siena (1536).

Becerra, Gaspar
*um 1520 in Baeza (Andalusien), +1570 in Madrid. Spanischer Maler, Bildhauer und Architekt, war als Mitarbeiter von Vasari, Giorgio in Rom an den Fresken des Cancelleria-Palazzo beteiligt; ausserdem schuf er ein Fresko "Geburt Mariä" in der Kirche S. Trinità dei Monti. Nach Spanien zurückgekehrt, malte er u.a. Deckenbilder im Schloss Prado, El bei Madrid, für das er ebenso wie beim Bau des Alcazar Madrid auch als Architekt tätig war. Aus seinem bildhauerischen Werk ragen vor allem das Kruzifix für

Beck, Leonhard
*um 1480 in Augsburg, + 1542 in Augsburg. Deutscher Maler und Zeichner für den Holzschnitt. Er erhielt den ersten Unterricht von seinem Vater, dem Holzschnittmeister Johann Georg Beck, und lernte anschliessend in der Werkstatt Hans Holbein d.Ä., als dessen Gehilfe er 1501 am Hochaltar der Dominikanerkirche in Frankfurt a. Main mitarbeitete. Kurz darauf gründete er in Augsburg eine eigene Werkstatt und erwarb sich als Illustrator bald einen guten Namen. Wiederholt zog in Kaiser Maximilian I. zur Ausgestaltung seiner prunkvollen Chroniken heran ("Theuerdank", "Weißkunig"). Weniger umfangreich, aber in der künstlerischen Aussage bedeutender als das zeichnerische, ist Becks malerisches Schaffen, obwohl er sich als Maler nie ganz aus der Abhängigkeit von Hans Burkmair d.Ä. zu eigenen Stilformen durchdringen konnte. Zu seinen Hauptwerken gehört das durch die minuziöse Kleinmalerei bestechende Gemälde "Der hl. Georg kämpft mit dem Drachen" (Wien, Kunsthistorisches Museum). Kühner in der Technik sind die vier "Szenen aus dem Leben der hl. Margareta" (St. Florian bei Linz, Augustiner-Chorherrenstift). Auch eine um 1525 gemalte "Anbetung der Könige" (Augsburg, Städitsche Kunstsammlungen) wird Beck zugeschrieben.

Bedogni, Lorenzo
(geb. in Reggio, + 1670 in Celle). Architekt, wurde 1652 von Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg nach Hannover berufen. Erbaute Schloss Herrenhausen, Schloss Calenberg Schulenburg II, Jagdschloss Linsburg und Schloss Celle Krs. Celle (1665-70).

Beer, Georg
(auch Behr, Georg). * in Bönnigheim, gest. 15.(17.?)7.1600 in Stuttgart). Deutscher Architekt und Baumeister des Herzogs Ludwig von Württemberg seit 1575. Sein Hauptwerk, ein bedeutender Renaissance-Palastbau, ist das Neue Lustschloss (Neues Lusthaus) in Stuttgart (1581-93), ein reich ausgeschmückter Saalbau mit Laubenumgang, der nach zahlreichen baulichen Veränderungen ab 1750 schliesslich 1845-46 bis auf die Umfassungsmauern abgerissen wurde. Die veränderten Teile brannten 1902 ab, doch existiert eine sorgfältige Dokumentation (erhaltene Teile im Stuttgarter Schlosspark). Weitere bekannte Werke von Beer sind ein Wohnhaus in Stuttgart (Calwer Str. 10, 1586 Grundsteinlegung), ein Entwurf für den Kirchturm in Thieringen (1592), das Lustschloss und Jagdschloss in Hirsau (1592-95, heute Ruine) und das sog. „Collegium illustre“ in Tübingen (1588-92, heute katholisches Konvikt Wilhelmstift). Mit seinem Gehilfen Schickardt, Heinrich wurde Beer 1590 zum Wiederauf bau des abgebrannten Städtchens Schiltach in den Schwarzwald gesandt.

Beer, GeorgeBähr, George

Beer, Michael
*um 1605 in Au-Argenau, +30.5.1666. Österreichischer Barockarchitekt, Begründer der Vorarlberger Bauschule. Aus seinem Werk lassen sich Kentnisse bestimmter Vorbilder eschliessen, vor allem des Salzburger Doms, der Innsbrucker Jesuitenkirche und der Bauten Christoph gumpps, ebenso von Weilheimer und Münchener Architektur des frühen 17. Jh., hauptsächlich auch von schwäbischen Schlössern der Renaissance und der Dillinger Jesuitenkirche. Ungeklärt ist, wie Beer zu der wichtigsten damaligen Architekturaufgabe Süddeutschlands gelangte, dem Neubau der Stiftsanlage und Kirche von St. Lorenz in Kempten (errichtete 1653 dabei auch den Nordwestflügel der Residenz in Kempten II). In der Viellschichtigkeit der verarbeiteten Anregungen - auch aus Mailand und Venedig und dem niederländischen evangelischen Kirchenbau - sowie in der Dynamik der Formgebung sind Beers Bauten vorbildhaft für den deutschen Barock. Zugleich waren sie für ihn offensichtlich der Grund, im Rahmen solch weitgespannter Aufgaben 1657 die später so bekannte Auer Zunft zu gründen. Als erfolgreicher Architekt und Bauunternehmer erschloss Beer auch seinen Vorarlberger Landsleuten das reiche Oberschwaben als architektonisches Betätigungsfeld, ebenso weite Bereiche des Kurfürstentums Bayern. Die Familientradition führte sein Sohn Franz Beer von Bleichten fort. Neben dem Kemptener Benediktiner-Fürststift zählen zu Beers Hauptwerken die Augustinerchorherren-Stifskirche in Kreuzlingen, 1650-53: der "Lange Bau" des Zisterzienserinnenstifts Heiligkreuztal, ab 1652 (zugeschrieben); der Konventbau in Schussenried, ab 1656; der Konventbau in Inzigkofen, 1659-62; die Kirche in Rottenmünster, 1662-64; der Umbau des hohenzollernschen Schlosses in Haigerloch III, 1662; das Jesuitenkolleg in Rottenburg am Neckar, 1662-65; die Frauenkapelle in Fischen, ab 1664; die Stiftsanlage in Kreuzlingen, 1665-68; die Stiftsgebäude in Rottenmünster, 1665-69; das Jesuitenkolleg in Landshut, 1665-70; das Jesuitenkolleg in Ebersberg, 1666-68. 1666 war Beer wahrscheinlich an der Planung der Jesuitenkirche in Luzern beteiligt.

Begas, Karl
(auch Carl, *30.9.1794 in Heinsberg, +23.11.1854 in Berlin). Maler, u.a. tätig in Schlesien.

Behaim, Hans d.Ä.
(auch Beheim). *um 1465, + vor dem 26.8.1538 in Nürnberg. Deutscher (Schwäbischer?) Steinmetz und Baumeister. Bereits vor 1500 war er der erste Stadtbaumeister Nürnbergs (48 Jahre) und prägend für die Stadtgestaltung. Seine Nutzbauten zeichneten sich durch Zweckhaftigkeit und Sachlichkeit aus. Trotz ihrer gewaltigen Aussmasse fügten sie sich harmonisch in das vorhandene Stadtbild ein. Seine Bauten gelten als Höhepunkt und Endpunkt der gotischen Baukunst in Nürnberg. Die meisten wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Wiederaufgebaut ist u.a. ein Kornspeicher, die sog. „Kaiserstallung“ auf der Burg Nürnberg I (1494/95). Seit 1504 an Schloss Ansbach I tätig (Erweiterungen 1510 und 1532). Als Baumeister arbeitete er auch an Schloss Lichtenau Krs. Ansbach I und Schloss Neuburg a.d. Donau I (als Berater). 1532, 1538, 1539 und 1556 war er auch am Ausbau der Plassenburg Kulmbach beteiligt.

Beheim, Paulus
Baumeister des 16. Jh. Eines seiner Hauptwerke war das Tucher´sches Gartenanwesen in Nürnberg.

Behr, GeorgeBähr, George

Belanger, Francois-Joseph
*1744 in Paris, +1.5.1818 in Paris; einer der bedeutendsten und elegantesten französischen Architekten, die in den letzten Jahren des Ancien régime im Stil Louis-seize bauten, führender Landschaftsgärtner, schuf vor allem elegante Privathäuser, englische Gärten, aber auch Nutzbauten und billige Wohnhäuser, leitete öffentliche Feste. Bélanger studierte an der Académie Royale d`Architecture bei David Leroy und Constant d`Ivry. Reiste 1766 nach England. Sein erster Erfolg war die Errichtung des Pavillon de Lauraguais im Hotel de Brancas (1769), das erste streng neoklassizistische Werk in Architektur und Dekoration. Unter dem Einfluss Charles-Louis Clérisseaus verwendete Bélanger eine neue, auf den antiken Tempelordnungen basierende Wandartikulation, indem er erstmals Elemente der Aussenarchitektur in die Gestaltung des Innenraums einbezog: Statt durch pittoreske Ornamente wurde die Innenwand durch Figurennischen, Reliefs und Säulen gegliedert. Bei den Arbeiten an den Ställen Comte d`Artois (jetzt Hospital Cochin), des Bruders König Ludwigs XVI, verwendete Belanger 1780 die toskanische Säule, die durch den Einfluss von Piranesi, Giovanni Battista in Frankreich in Mode gekommen war. 1783 entwarf der für die Opernsängerin Sophie Arnould ein Wohnhaus im palladianischen Stil. Neben seinen Arbeiten für den Comte d`Artois beschäftigten Bélanger die Veränderungen am Chateau Maisons (1777-84), bei denen er die architektonischen Tendenzen der Wandgliederung des Pavillon de Lauraguais verfolgte, Pläne für die Wiedererrichtung des Chateau Saint-Germain, das Chateau Méréville und sein Hauptwerk, das bekannte Bagatelle Paris (1777), ein Lustschloss des Comte d`Artois im Bois de Bologne, mit seinem berühmten Jardin anglais, das er in 64 Tagen erbaute (womit er eine Wette mit Königin Marie-Antoinette gewann. Der Garten, angelegt 1778-80, war der berühmteste "jardin anglais" (Gartenbaukunst) der Epoche.Der einfache, wohlproportionierte Pavillon beruht auf einem fast quadratischen Grundriss mit einer Ausbuchtung des runden Gartensaals. Von einem Eingangsvestibül ausgebend, sind alle Haupträume zu erreichen. In der Gestaltung des Innenraums führte Bélanger, beeinflusst von Clérisseau, die späteste Form der klassizistischen Dekoration ein; sie bestand aus von Nicolas F.D. Lhuillier ausgeführten, farbigen Grotesken, die klassische Figuren und mythologische Szenen aus Stuck umrahmten, inspiriert vom vierten pompejanischen Stil. Das schönste Beispiel ist die Ausschmückung des Gartensaals. Im Gegensatz zum Pavillon de Lauraguais wird die Wand statt durch architektonische Elemente mittels farblicher Akzente gegliedert. 1784 entwarf Bélanger einen Jardin anglo-chinois für seine Pavillon Folie Saint-James in Neuilly, 1786 seinen letzten Landschaftspark, Méréville, südwestlich Etampes. entwarf auch den schönen Pavillon im Garten des Hotel de Brancas, Paris (1771) und Inneneinrichtungen von hoher Eleganz, wie im Hotel de Mlle. Desvieux, Paris (1778). Während der Revolution war Bélanger anscheinend wenig beschäftigt, danach widmete er sich öffentlichen Bauten und nahm erfolglos an zahlreichen Wettbewerben teil. 1803 gestaltete er die bedeutende Glas-Eisen-Kuppel für die Halle aux Bles in Paris, die die Glas-Holz-Kuppel von Legrand und Molinos (1782) ersetzte.

Belin de Fontenay, Jean-Baptiste
*(getauft) 9.11.1653 in Caen, + 12.2.1715 in Paris. Französicher Stillebenmaler, Schüler und 1687 auch Schwiegersohn des Blumenmalers Jean-Baptiste Monoyer. Unter Ludwig XIV. wirkte er an der malerischen Ausstattung der Schlösser von Fontainebleau, Versailles und Marly-Le-Roi mit. Ausserdem schuf er, im Anschluss an Monnoyer, Stilleben mit Blumen, Früchten und Insekten mit grösster Subtilität in der Ausführung; seine Erfindungsgabe hingegen war nicht allzu gross. Seine Aufnahmearbeit für die Académie Royale war das Gemälde "Vase mit Blumen und Bronzebüste Ludwigs XIV. (Paris, Musée National du Louvre). Belin de Fontenay zeichnete mehrere Kartons für die königliche Gobelinmanufaktur und beschäftigte sich auch mit Radierungen.

Bellange, Jacques de
*vermutlich um 1575 in Nancy, + um 1617 in Nancy. Französischer Maler, Zeichner, Radierer, der, beeinflusst von der Schule von Fontainebleau sowie von fjämischen Vorbildern, in spätmanieristischen Stil arbeitete und die lothringische Malerei und Grafik des 17. Jh. beeinflusste. Bellange ist in Nancy als Hofmalers Herzog Karls III. von Lothringen zwischen 1602 und 1616 nachweisbar. 1602 erhielt Bellange vom Herzog den Auftrag, die Malereien in der "Galerie des Cerfs" seines Palais zu erneuern, die heu

Bellano, Bartolomeo
*um 1434 in Padua, + 1497 in Padua. Italienischer Bildhauer, Schüler Donatellos, unter dessen Leitung er an den Kanzeln von S. Lorenzo in Florenz mitarbeitete. Das früheste bekannte Werk Bellanos ist ein marmornes Flachrelief, ein "Madonna mit Kind und Engeln" (1461, Paris, Sammlung André). 1466 wurde er vom Papst als Architekt für die Bauarbeiten am Vatikanpalast berufen. 1469 führte er die Marmorreliefs zu den Reliquienschränken in der Sakristei von S. Antonio in Padua aus. 1488 fertigte er 10 Reliefs

Bellechose, Henri
*um 1380 in Brabant, + zwischen 1440 und 1444; französisch-flämischer maler, lebte am Hof der Herzöge von Burgund und wurde 1415 in Dijon Nachfolger Jean Malouels als Hofmaler und Kammerdiener von Johann Ohnefurcht. Er arbeitete für die herzoglichen Residenzen und die Kartause von Champmol bei Dijon. Ein Bild aus diesem Kloster wird ihm zugeschrieben: "Kreuzigung Christi mit dem Martyrium des h. Dionysius" (1416, Paris, Musée National du Louvre). Das Werk wurde wahrscheinlich von Malouel begonnen und gilt

Bellerophon
Bellerophontes bei Homer. Nach Homer Sohn des Königs Glaukos Korinth (Glaukos und Skylla) und der Eurymede; Enkel des Sisyphos. Bellerophon wird als junger, mit einer Lanze oder Pfeil und Bogen bewaffneter Heros dargestellt, meist in der Szene, in der er auf Pagasus reitend die Chimäre tötet.

Bellini, Gentile
*um 1429 in Venedig, + 20.2.1507 in Venedig. Italienischer Maler, ältester Sohn Jacopo Bellinis, mit dem er häufig zusammenarbeitete, Bruder von Giovanni Bellini. Er war zum Teil noch von gotischen Gestaltungsprinzipen (z.B. in der Anwendung der Perspektive) beeinflusst, bewies jedoch ein hohes psychologisches Einfühlungsvermögen in der Personengestaltung und überzeugte durch die authentischen Ansichten seiner Heimatstadt. Nachdem er das väterliche Atelier übernommen hatte, entwickelte er sich so zu einem wichtigen Vertreter der venezianischen Malerei der Frührenaissance. 1469 war er bereits so berühmt, dass er von Kaiser Friedrich III. zum Ritter geschlagen und in den Rang eines Pfalzgrafen erhoben wurde. Fünf Jahre später erhielt er den bedeutendsten Auftrag, den die Republik Venedig zu vergeben hatte, nämlich den grossen Ratssaal des Dogenpalast Venedig zu restaurieren und neu auszumalen. Nach fünf Jahren intensiver Arbeit musste er sein Werk unterbrechen. Der Sultan von Konstantinopel wollte sich vom besten Porträtisten Venedigs malen lassen, und Gentile Bellini schuf das berühmte Bildnis "Mohammed II." (1480, London, National Gallery). Während seines nahezu zweijährigen Aufenthalts am Hof von Konstantinopel (1479-80) malte er zahlreiche Bildnisse bevorzugter Personen aus der Umgebung des Sultans. Nachdem er nach Venedig zurückgekehrt war, veränderte sich, wohl unter dem Eindruck der Transparenz und Lichteinwirkung in den Gemälden seines Bruders Giovanni, sein Stil grundlegend. Im Gegensatz zu Giovanni, der vornehmlich religiöse Themen für seine Bilder wählte, widmete sich Gentile in der Hauptsache dem erzählenden Genre. Seine Gemälde sind kostbare Zeugnisse des venezianischen Lebens dieser Epoche. Sein Bemühen um Präzision tritt deutlich zutage in der "Prozession auf der Piazza S. Marco" (1496) und der "Errettung des wahren Kreuzes aus dem Wasser" (beide Venedig, Gallerie dell`Accademia). Das Testament Gentiles zeigt seine ausserordentliche Gewissenhaftigkeit: Er hinterliess seinem Bruder Giovanni die beiden Skizzenbücher seines Vaters mit der Auflage, das Gemälde "Predigt des hl. Markus in Alexandrien" (Mailand, Piancoteca di Brera) zu vollenden, das er mit vielen Details aus der Erinnerung an seinen Aufenthalt im Orient bereichert hatte. Giovanni nahm das Legat an und vollendete das Bild. Die meisten Werke Gentile Bellinis sind verschollen oder zerstört. Neben den genannten gelten folgende als geischert: S. Lorenzo Giustiniani (Venedig, Gallerie dell`Accademia); die vier Flügel einer Orgel: "Hl. Hieronymus, Hl. Markus, Hl. Theodor, H. Franziskus" (Venedig, Museo di S. Marco); "Thronende Maria mit Kind" (London, National Gallery); "Heilung durch das wahre Kreuz" (Venedig, Gallerie dell`Accademia); "Porträt des Giovanni Marino" (Mailand, Gallerie di Principe Borromeo); "Der Doge Agostino Barbarino" (Nuneham Park, Sammlung Viscount Harcourt).

Bellini, Giovanni
(auch Giambellino). *1427 oder 1430 in Venedig, +29.11.1516 in Venedig. Italienischer Maler, Bruder von Bellini, Gentile. Mit seinem malerische weichen Stil steht Giambellino am Übergang der venezianischen Frührenaissance zur Hochrenaissance, als deren eigentlicher Begrüner er nicht zuletzt aufgrund seiner bedeutenden Schüler gelten kann. Obwohl er an künstlerischer Kraft sowohl den Vater als auch den Bruder übertraf, gibt es nur wenige Dokumente über seine Tätigkeit. Auch die Chrolologie seines Werks ist nicht völlig gesichert. 1459 wurde er erstmals genannt, 1460 signierte er die "Pala Gattamelata", und 1470 erhielt er den Auftrag, für die Scuola Grande di S. Marco in seiner Heimatstadt eine "Sintflut" zu malen. 1479 verpflichtete er sich, anstelle seines Bruders Gentile, der nach Konstantinopel reiste, die Malereien im Saal des grossen Rates im Dogenpalast Venedig zu erneuern. Am 26.2.1483 wurde er zum offiziellen Maler der Signoria bestellt, und im gleichen Jahr erhielt er ein Honorar für die "Auferstehung Christi" im Dom von Vicenza. 1484 wurde er in Venedig Mitglied der Scuola Grande di S. Marco, ausserdem arbeitete er gemeinsam mit dem inzwischen zurückgekehrten Gentile im Saal des Grossen Rates. Zwischen 1486 und 1505 verhandelte er mit Isabella Gonzaga wegen eines Gemäldes für deren Studiolo in Mantua. Isabella wünschte ein Gemälde mit mythologischem Motive, doch lieferte Bellini eine "Madonna mit Kind und den hl. Hieronymus und Johannes". In einem Brief vom 7.2.1506 an Willibald Pirckheimer bezeichnete Albrecht Dürer auf seiner zweiten Italienreise Bellini als "zwar sehr alt, aber immer noch den Besten im Malen". 1507 arbeitete Bellini gemeinsam mit Vittore Belliniano und Vittore Carpaccio im Grossen Rat und verpflichtete sich, die "Predigt des hl. Markus in Alexandrien" (Mailand, Pinacoteca di Brera) zu vollenden, die sein Bruder nicht mehr fertiggestellt hatte. Giambellino war neben Giorgione der bedeutendste venezianische Maler seiner Epoche. Er gehörte zu den grossen Meistern der Renaissance, die in Werken mit religiöser Thematik nach Lösungen für die Probleme der Tafelmalerei, wie Licht, Modellierung der Körper und Beziehung von Raumillusion und Flächenkomposition, suchten und zu Ergebnissen kamen, die für die Zeitgenossen vorbildlich wurden. Nur widerwillig befasste er sich, wie aus seinem Briefwechsel mit Isabella Gonzaga hervorgeht, mit Themen aus der Mythologie. Innerhalb der christlichen Ikonographie gestaltete er die Sacra Conversazione in einer für Generationen vorbildlichen Komposition. Seine verhaltenen, oft etwas melancholischen Madonnen fanden zahlreiche Nachahmer, und seine imaginären Hintergrundlandschaften gehören zum Besten in der damaligen Landschaftsdarstellung. Giambellino übernahm Elemente unterschiedlichster Stilrichtungen, wusste sie aber sehr eigenständig zu Bildern von absoluter Originalität zu verarbeiten. Er blieb bis an sein Lebensende für fremde Einflüsse aufgeschlossen und scheute sich keineswegs, auch Anregungen von seinen Schülern aufzunehmen. Daher blieb er bis in sein hohes Alter produktiv, doch lässt sich in seinen verschiedenen Schaffensperioden nicht immer klar unterscheiden, wieweit er im Austausch mit den zeitgenössischen Malern der gegende oder der nehmende Teil war. Die frühesten Eindrücke dürfte er vom Werk seines Vaters Jacopo und von Antonio Vivaini empfangen haben. Daneben wurde er von einer Reihe berühmter toskanischer Maler, wie Paolo Uccello und Andrea del Castagno, beeinflusst, die damals in Venedig arbeiteten. Besonders ihre Bemühungen um die Darstellung des Raums und um die Modellierung der Körper, die für die noch ganz in gotischer Tradition verhaftete venezianische Malerei etwas Neuartiges waren, wurden für seine Entwicklung wichtig. Zu seinen frühesten Werken gehören die etwa um 1450 entstandene "Madonna" (Pavia, Pinacoteca Malaspina), weiter ein "Hl. Hieronymus" (Birmingham, University, Barber Institute of Fine Arts) und "Die hl. Ursula und ihre Gefährtinnen (Venedig, Gallerie dell`Accademia). Noch entscheidender beeinflusst wurde er jedoch von Andrea Mantegna und von der Malerschule in Padua,an der Francesco Squarcione, Niccolo Pizzolo, Filippo Lippi und auch der Bildhauer Donatello arbeiteten. Beispielhaft für den Einfluss dieses Kreises sind u.a. die "Madonna Davis" (1450-55, New York, Metropolitan Museum of Art) und eine "Pieta" (1460, Venedig, Museo Correr). In den beiden Tafeln "Verklärung Christi" (1455, Venedig, Museo Correr) und "Christus in Gethsemane (1459, London, National Gallery) ist die Anlehnung an Mantegna, mit dem er seit 1453 verschwägert war, so stark spürbar, dass man dieses Werk lange Mantegna zugeschrieben hat. Doch tritt im Hintergrund, vor allem in der Lichtbehandlung und in der Konzeption der Landschaft, schon die spezifische Handschrift Bellinis zutage, die sich dann in den folgenden Perioden immer stärker herausbildete. Gegen 1460 malte er wiederum eine "Pieta" (Mailand, Pinacoteca di Brera), die als Höhepunkt und Abschluss seiner ersten Schaffensperiode angesehen werden muss. Der tote Christus ist hier in magisch-mystischer Weise verlebendigt und mit Maria und Johannes in einen Zusammenhang gebracht, der an die Sacra Conversazione erinnert. Das Antlitz der Maria und auch die Farbgebung gehen unverkennbar auf altniederländische Vorbilder zurück, die Disposition jedoch lässt auf den Einfluss von Piero della Francescas schliessen. Das Thema des toten Christus kehrte in diesen Jahren in den verschiedenen Fassungen des "Pieta" (1455, Bergamo, Galleria dell`Accademia Carrara, und 1460 in einer dortigen Privatsammlung sowie 1460, Mailand, Museo Poldi Pezzoli) wieder und erreichte in dem Gemälde "Das Blut des Erlösers" (1460, London, National Gallery) eine besondere Ausprägung durch die wohl typologisch zu deutenden Basreliefs mit mythologischen Szenen, die an der Schranke vor der Landschaft angebracht sind. In den Jahren ab 1460 trat bei Bellini die Darstellung der Madonna mit Kind in den Vordergrund. Es entstanden die "Madonna mit der Girlande" (1460, New York, Sammlung R. Lehmann) und die "Madonna Frizzoni" (1460-64, Venedig, Museo Correr). Einen Anhaltspunkt für die Datierung der "Darstellung Christi im Tempel" (Venedig, Pinacoteca Querini-Stampalia) gibt das 1464 datierte Vorbild von Mantegna (Berlin, Staatliche Museen, Gemäldegalerie). Zwischen 1460 und 1464 entstand das "Sebastians-Triptychon" (Venedig, Gallerie dell`Accademia) sowie 1464-68 das "Vincnezo-Ferrer-Polyptychon" (Venedig, SS. Giovanni e Paolo). Der Altar mit der "Drusiana-Legende" (Leutstetten, Privatbesitz) aus der Zeit zwischen 1468-71 zeigt, dass der Maler inzwischen die Malweise Piero della Francescas studiert und auch bestimmte ferraresische Einflüsse aufgenommen hatte. Wohl um 1470 unternahm Bellini eine Reise nach Pesaro, der Geburtsstadt seiner Frau Anna. Dort entstand 1475 eines seiner Hauptwerke, die "Krönung Mariä" (Pesaro, Musei Civici), in dem nun der Typus der Sacra Conversazione bereits rein ausgeprägt ist, da die Figuren nicht mehr nebeneinanderstehen wie in den früheren Madonnenbildern mit Heiligen, sondern szenisch gruppiert sind, was für die Hoheit und Monumentalität dieser Gemälde von grundsätzlicher Bedeutung ist. Es ist fraglich, ob die "Pesaro-Madonna" früher oder später gemalt wurde als das Altarbild für S. Zanipolo, das 1869 einem Feuer zum Opfer fiel. Jedenfalls ist hier die grossartige "Sacra Conversazione" aus S. Giobbe (Venedig, Gallerie dell´Accademia) vorweggenommen, die um 1487-88 entstand. Als ein hervorragender Porträtist erwies sich Bellini in dem 1474 gemalten Bildnis "Jürg Fugger" (Florenz, Sammlung Contini-Bonacossi) und in dem "Poträt eines Jünglings" (1475-80, Birgmingham, University, Barber Institut of Fine Arts). Zwischen 1475 und 1480 werden die "Auferstehung Christi" (Berlin, Staatliche Mussen, Gemäldegalerie), die "Pieta" (London, National-Gallery) und "Der tote Christus wird von Engeln gestützt" (Rimini, Pinacoteca Communale) datiert. Damals hielt sich Antonello da Messina in Venedig auf, der als Vermittler sowohl der neuen Techniken der Ölmalerei wie auch eines von den alten Niederländern abhängigen, aber selbständig weiterentwickelten Stils für Bellini von Bedeutung wurde. Sein Einfluss ist unverkennbar in der nach 1476 gemalten "Hl. Justina" (Mailand, Sammlung Bagatti-Valsecchi) und auch in den Madonnendarstellungen, die sich in Rovigo (1475, Accademia dei Condordi), in Verona (1475, Museo di Castelvecchio) und in Bergamo (1480-90, Galleria dell`Accademia Carrara) befinden. Um 1487 malte Bellini die "Verklärung Christi" (Neapel, Museo e Gallerie Nazionali di Capodimonte) und erreichte in der Wiedergabe der Gestalten sowie in der bildnerischen Druchdringung des Raums einen absoluten Höhepunkt und zugleich jene "Venezianità", die sein Schaffen von allen anderen Malereien Italiens abhebt. Schon die zwischen 1480 und 1485 gemalte "Verzückung des hl. Franziskus" (New York, Sammlung Frick) nahm in der meisterlich erfassten und lyrisch charakterisierten Landschaft vieles voraus, was erst nach 1490 in der sog. "Heiligen Allegorie" (Florenz, Galleria degli Uffizi) zur vollen Entfaltung kam. Hier handelte es sich nicht allein um die "Entdeckung" der Landschaft, sondern auch um ihre Übertragung in eine Sphäre des Arkadischen und Mythologischen. vor allem Giorgione wurde von dieser Art, die Landschaft zu erfassen, nachhaltig beeinflusst. Die späten achtziger Jahre bedeuteten für Bellini eine Periode reifster Meisterschaft, 1487 malte er u.a. die "Madonna degli Alberelli" (Venedig, Gallerie dell`Accademia), 1488 das "Marientriptychon! (Venedig, S. Maria Gloriosa dei Frari), den Altar mit der "Madonna des Dogen Barbarigo" (Murano, S. Pietro Martire) sowie die bereits erwähnte grandiose "Sacra Conversazione" aus S. Giobbe. Schon über 70 Jahre alt, gestaltete er um 1500 wieder eine "Pietá (Venedig, Gallerie dell`Accademia), zwischen 1501-1505 das meisterliche Bildnis "Der Dorge Leonardo Loredan" (London, National Gallery) und im gleichen Zeitraum auch das Bildnis "Pietro Bembo" (Hampton Court Palace) sowie 1507 nochmals eine "Sacra Conversazine" (Venedig, S. Francesco della Vigna). Noch in den letzten Jahren seines Lebens war Bellini, unterstützt von Gehilfen und Schülern, rastlos tätig. 1513 malte er das Rentabel "Drei Heilige" (Venedig S. Giovanni Crisostomo), 1515 den Hl. Dominikus (London, National Gallery), und 1516, im Jahr seines Todes, begann er das "Martyrium des hl. Markus (Venedig, Ospedale Civile), das von Belliniano vollendet und signiert wurde. In den letzten Jahren wandte er sich einem ihm eigentlich fremden Themenkreis zu. So schuf er u.a. 1514 für Alfons I. von Ferrara "Das Festmal der Götter (Washington, National Gallery of Art).

Bellori, Giovanni Pietro
*1613 in Rom, + 1696 in Rom. Archäologe, bedeutender Kunstforscher und Kunsttheoretiker. Sein Hauptwerk sind die "Vite de` Pitorri, Scultori ed Architetti moderni" (Rom, 1672), eine Schrift, in die auch die 1664 in der Accademia di S. Luca zu Rom gehaltene Rede "L`Idea del Pittore, dello scultore e dell`architetto" aufgenommen wurde. In den Viten beschrieb er vor allem Flamen und Franzosen - z.B. Nicolas Poussin -, deren Kunst im idealistischem Sinn die Verbindung von Wahrheit und Schönheit zuerkannte. Grös

Bellotto, Bernardo
(gen. Canaletto d.J.). *30.1.1720 in Venedig, + 17.10.1780 in Warschau; italienischer Maler und Radierer, Neffe Giovanni Antonio Canals (gen. Canaletto), nach dem er sich ebenso nannte. Er vereinte in seinen Veduten genaue Beobachtung und meisterhaften Gebrauch der Perspektive mit einer sehr malerischen Grundauffassung, die seine Stadtansichten zu den bedeutendsten Zeugnissen dieser Gattung im 18. Jh. werden liess. Belotto kam um das Jahr 1735 in die Werkstatt seines Onkels und erhielt dort seine Ausbildung. 1742 begab er sich nach Rom und wahrscheinlich auch nach Florenz und Lucca. Ab 1743 war er allem Anschein nach nur noch vorübergehend in Venedig; 1744 im Dienst des Grafen Antonio Simonetta in der Lombardei, 1745 in Turin am Hof Carlo Emmanueles tätig (Reale-Palazzo Turin), kam er 1746 nach London. 1747 übersiedelte Bellotto nach Dresden, wo er beim Kurfürsten Friedrich August II. Hofmaler und von dessen erstem Minister Brühl gefördert wurde. Die kriegerischen Ereignisse waren der Anlass für Bellottos Aufenthalt in Wien, wo er für Kaiserin Maria Theresia und die Fürsten Kaunitz und Liechtenstein arbeitete (1758-61). Nach kurzer Tätigkeit in München kehrte er 1762 nach Dresden zurück. Er verlor seine Stellung als Hofmaler und wurde Lehrer für Perspektivmalerei an der 1764 neugegründeten Dresdener Akademie. 1767 übersiedelte er an den Warschauer Hof Stanislaus II. Poniatowskis, wo er 1768 Hofmaler wurde und die letzten Jahre seines Lebens verbrachte. Bellottos Frühwerke sind durch engen Anschluss an den Spätstil seines Onkels Giovanni Antonio Canal gekennzeichnet. Da er an der Vorbereitung und Ausführung von dessen Bildern mitarbeitete, ist bei einer Reihe von Gemälden venezianischer oder römische Sujets die Zuschreibung zwischen beiden strittig. Charakteristika seiner um 1740 einsetzenden unabhängigen malerischen Produktion sind der grössere Realismus, der Hang zu besonderer topografischer Genauigkeit, bis in das Detail gehende Exaktheit der Architekturperspektive und ein von Canal durch die Bevorzugungn kühlerer Töne und grösserer Helligkeit unterschiedenes Kolorit. Werke wie "Die Vedute von SS. Giovanni e Paolo" und der "Scuola di S. Marco" (Springfield, Massachusetts, Museum of Fine Arts) oder das "Capriccio mit römischem Bogen" (Asolo, Museo Civico) lassen das Vorbild Canalettos erkennen, von dem er sich aber, wie die Vedute "Der Tiber mit Castel S. Angelo" (Detroit, Institue of Fine Arts) zeigt, zur Zeit der Romreise von 1742 zu lösen begann. Seinen unverwechselbaren realistischen Stil gewann Bellotto in den Veduten von Florenz (Cambridge, Fitzwilliam Museum), von Vaprio d`Adda (New York, Metropolitan Museum) und Turin (Turin, Galleria Sabauda), die zwischen 1742 und 1745 entstanden. Hauptwerk der Dresdener Periode war die 1747-54 für Friedrich August II. geschaffene grosse Serie der vierzehn Veduten von Dresden (u.a. Leningrad, Eremitage), die aus vier Panorama Ansichten und zehn Platzveduten besteht, in denen eine gewisse Rückkehr zu Kompositionsschemata Canals sichtbar wird. Elf zwischen 1752 und 1755 geschaffene Veduten von Pirna (Dresden, Gallerie), wie die Dresdener Serie in zahlreichen Repliken und Radierungen verbreitet, dokumentiert Bellottos Näherung an die Landschaftsmalerei. An den in Wien und München enstandenen Veduten, wie etwa der "Ansicht der Dominikanerkirche in Wien" (Wien, Kunsthistorisches Museum), zeigt sich seine Entwicklung in Richtung auf eine detailliertere Schilderung des städtischen Lebens. Unter dem Einfluss des Dresdener Klassizismus kehrte Bellotto in den sechziger Jahren zum Thema der Idealvedute zurück. Hauptwerk seiner Spätzeit ist die "Ansicht von Warschau" (Warschau, Museum Narodowe). In Warschau wuchs Bellettos Interesse für historische und Genreszenen, an deren Gestaltung, wohl auch an der Staffage, sich sein Sohn Lorenzo beteiligte. Das bedeutendste Beispiel dieser Gattung ist wohl "Der Einzug Georg Ossolinskis in Rom im Jahre 1633" (Breslau, heute Wroclaw, Muzeum). Neben Antonio Canal und Francesco Guardi ist Bellotto der bedeutendste venezianische Vedutenmaler und ein Vorläufer der Landschaftsmalerei des 19. Jh.

Bembo, Bonifazio
(auch Fazio da Valdarno). Tätig 2. Hälfte 15. Jh. Italienischer Maler. Er stammte aus Brescia, arbeitete in Cremona und muss schon 1447 dort ansässig gewesen sein. 1478 wird er als noch lebend erwähnt. Er war einer der Hauptrepräsentanten der Cremoneser Schule und stand im Dienst des Mailänder Herzogshauses. Von seinen Fresken im Dom von Cremona, im Kastell von Mailand (Reale-Palazzo Mailand) usw. ist kaum mehr etwas erhalten, und besonders die Zuschreibungen scheinen noch nicht gesichert.

Bencovich, Federico
(auch Benkovic, Federico, gen. Il Ferigheto dalmatino). *um 1677 in Dalmatien, * 8.7.1753 in Görz. Dalmatischer Maler, dessen Herkunft weitgehend im Dunkeln liegt. Bencovich ging bei Carlo Cigagni in Bologna in die Lehre und stand stark unter dem Einfluss Giuseppe Maria Crespis. Um 1710 war er in Venedig im Dienst des Kurfürsten Lothar Franz von Schönborn tätig. 1716 kam er im Gefolge des kaiserlichen Vizekanzlers Friedrich K. Schönborn nach Wien und erhielt 1733 die Stelle eines Hofmalers in Würzburg. Gegen Ende seines Lebens stand er im Dienst der Familie Atterns. Bencovich liebte starke Farbkontraste und Lichtkontraste, seine überlängten, in effektvollen Posen wiedergegebenen Gestalten knüpfen an spätmanieristische Traditionen an und schaffenb bereits deren Verbindung mit der Barockmalerei, wobei sich schon die Kunst eines Giambattista Tiepolo ankündigt. Ein typisches Werk ist sein Altarbild in S. Sebastiano in Venedig, der "Hl. Petrus von Pisa" (zwischen 1724 und 1728), in dem die religiöse Ekstase des Heiligen eindrücklich dargestellt ist. Manche Bilder Bencovichs erinnern an Giovanni Battista Piazetta, während die in Österreich entstandenen Werke auf Franz Anton Maulpertsch und Paul Troger vorausweisen.

Benedetto da Maiano
(eigentl. Benedetto di Leonardo).*1442 in Maiano bei Florenz, + 27.5.1497 in Florenz. Italienischer Bildhauer und Architekt. Bruder von Giuliano da Maiano, Hauptvertreter der florentinischen Frührenaissance, der, ausgehend von der eleganten Linienführung und den ausgeprägten Volumina Antonio Rossellinos, Kirchen mit Kanzeln, Altären und Ciborien ausstattete sowie Grabmäler und Büsten schuf, wobei er in der Zusammenführung architektonischer, bildhauerischer und ornamentaler Elemente zu einer auf Michelangelo vorausweisende Harmonie und Ausdrucksdichte gelangte. Als Architekt lieferte er die Pläne für den bedeutenden Bau des Strozzi-Palazzo in Florenz. Benedetto da Maiano arbeitete zunächst als Schüler und Gehilfe in der florentinischen Werkstatt seines Bruders Giuliano, beeindruckt von Lorenzo Ghiberti und Desidero da Settignano. Zu seinen ersten grossen Werken gehörte das Grabmal des hl. Savinus im Dom zu Faenza (1471-72). 1475 fertigte er den Marmoraltar und das Ciborium für die Kapelle der hl. Fina in der Stiftskirchen von San Gimignano (heute in der Sakristei). Zur gleichen Zeit entstand ebenfalls ein Ciborium für den Hochaltar in S. Domenico in Siena. Berühmt wurde Benedettos reliefierte Marmorkanzel in S. Croce in Florenz mit "Szenen aus dem Leben des hl. Franzikus" (1470-75). 1476-81 arbeitete Benedetto zusammen mit seinem Bruder Giuliano am Vecchio-Palazzo Florenz; hier schuf er die marmornen Türrahmungen mit der Statue "Johannes` d. Täufers" und spielenden Kindergruppen (jetzt Florenz, Museo Nazionale). In den 80er Jahren errichtete er für die Sakristei des Doms in Loreto einen marmornen Wandbrunnen mit zwei Engeln und zwei Lünetten mit den Halbfiguren der Evangelisten. Im Auftrag König Ferdinands von Neapel fertigte er um 1489 einen marmornen Verkündigungsaltar in der Cappella Mastrogiudici in S. Anna dei Lombardi (Montoliveto) in Neapel und vollendete dort ds von Rosselino begonnene Grabmal der Herzogin Maria von Aragón. Sein letztes Werk für den König war ein unvollendetes Marmorrelief mit der "Krönung Ferdinands" (Florenz, Museo Nazionale). Wieder in San Gimignano, errichtete Benedetto in S. Agostino die Kapelle des hl. Bartolo (1484/85). 1490 schuf er für den Dom in Florenz ein von Lorenzo di Credi bemaltes Holzkreuz und die Bildnisreliefs von Giotto und dem Musiker Squarcialupo. Vermutlich Ende der achtziger Jahre fertigte er die zu den besten Werken seiner Zeit gehörende Tonbüste des "Filippo Strozzi" (Paris, Musée National du Louvre) sowie dessen Grabmal in S. Maria Novella von Florenz. 1489 begann Benedetto mit dem Bau des Strozzi-Palazzo in Florenz, der nach seinem Tod von Cronaca, Simone vollendet wurde. Ausserdem fertigte Benedetto realistische Porträtbüsten, wie die Marmorbüste von P. Mellini (1471, Florenz, Museo Nazionale). Er vollendete in seinen Werken den Frührenaissancestil von Settignano und Rossellino, Bernardo. Mit seinem Spätwerk war er ein Wegbereiter Michelangelos, der vermutlich kurze Zeit in Benedettos Werkstatt arbeitete.

Bening, Alexander
Nachweisbar ab 1469, + 1519. Flämischer Maler, Vater von Bening, Simon, wurde im Jahr 1469 in die Genter und 1486 in die Brügger Lukasgilde aufgenommen, so dass er in beiden Städten abwechselnd arbeiten konnte. Er gilt als einer der Begründer der Gent-Brügger Miniaturistenschule, deren Einfluss sich von Flandern aus auf England und Spanien erstreckte. Mit Sicherheit sind Alexander Bening die Miniaturen im "Stundenbuch der Marie de Bourgogne" (um 1480, Berlin, Kupferstichkabinett) zuzuschreiben, die eine s

Bening, Lievine
+ nach 1570. Flämische Malerin, Tochter von Bening, Simon, führte die Kunst ihres Vaters zu solcher Vollendung, dass sie von Heinrich VIII. nach London berufen wurde, wo sie sich 1545 endgültig niederliess. Auch nach seiner Regierungszeit blieb sie in grosser Gunst bei Hof und malte 1558 ein Bildnis von Elisabeth I. Sie gilt als die Begründerin der englischen Miniaturmalerei in Medaillonform.

Bening, Simon
*1484 in Gent, + 1561 in Brügge. Flämischer Maler, Sohn von Bening, Alexander. Seit 1501 lebte er in Brügge. Zu seinen frühen Werken gehören die Kalenderbilder im "Breviarium Grimani" (Venedig, Biblioteca Marciana), die vermutlich im 1. Jahrzehnt des 16. Jh. entstanden. Er stand noch in der mittelalterlichen Tradition der Buchmalerei, die mittlerweile zu einem Zweig luxuriösen Mäzenatentums und Sammlertums geworden war. Einflussreiche Persönlichenkeiten zählten zu seinen Auftraggebern. Kaiser Karl V. lies

Benkert, Johann Peter
*11.9.1709 in Neustadt a.d. Saale, + 1769 in Potsdam. Deutscher Bildhauer, Schüler Kaspar Eygens in Eichstätt, bildete sich in München selbständig weiter. Von Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn nach Bamberg berufen, schuf er dort u.a. die hölzernen Kolossalfiguren "Kaiser Heinrich II." und "Kaiserin Kunigunde", den Choraltar und die vor dem Portal stehenden steinernen Schutzengel der Kirche des jetzigen Bürgerspitals. Nach Potsdam berufen, arbeitete er unter Johann August Nahl als Stukkateur an d

Benkovic, FedericoBencovich, Federico

Benois, Leonitius Nikolaewitsch
* 11.(23.)8.1865 in St. Petersburg, + 8.2.1928 in Leningrad. Russischer Architekt, studierte in St. Petersburg an der Kunstakademie, war dort Professor und Rektor, Redakteur der Zeitschrift "zodcy" (Baumeister). 1910-13 arbeitete er mit anderen am Projekt zur Umgestaltung St. Petersburgs. Zu seinen Hauptwerken zählen dort die Kapelle "M.I. Glinka (1885-89), das Russische Museum (1914-16), das Gynäkologische Institut und das Mausoleum in Peter-Pauls-Festung. Bekannt wurden ferner seine orthodoxen Kirch

Benua, Leonitius NikolaewitschBenois, Leonitius Nikolaewitsch

Benvenuti, Pietro
*18.1.1769 in Arezzo, + 3.2.1844 in Florenz. Italienischer Maler, Vertreter des Klassizismus in Italien, nach dem Vorbild Jaques Louis Davids. Ein Freund Antonio Canovas, war er ab 1803 Professor an der Akademie in Florenz, wozu ihm die Protektion der damaligen Regentin der Toskana, Elisa Baciocchi-Bonaparte, verhalf. Die Noblesse seiner Malerei wirkt häufig künstlich und erstarrt, wenn sie zuweilen auch durch eine warme Farbgebung belebt wird. Er schuf zahlreiche Porträts und Fresken, wie jene der sog. Sala dell`Ercole (Herkulessaal) des Pitti-Palazzo in Florenz, oder die Ausmalung der Kuppel der Cappella de` Principi in S. Lorenzo, Florenz (1827-36), sowie Bilder mit religiöser und mythologischer Thematik, wie "Hektor ermahnt Paris" (Florenz, Galleria dell`Accademia).

Beowulf
Ein angelsächsisches Heldengedicht aus dem Ende des 7. oder dem Anfang des. 8. Jh.s. Der Inhalt des Gedichtes ist folgender: Über die Dänen herrscht Skylo aus dem Geschlecht der Skefinge. Von den Meereswogen ist er als Kind hergeworfen worden an Dänemarks Küsten, als König sollte er sterben und mit Kleinodien überhäuft wird er nach seinem Tode in reichgeschmücktem Schiffe wieder dem Element überlassen, das ihn hergebracht. Dessen vierter Nachfolger ist Hrodgar. Er lässt eine geräumige Halle errichten, Heorot genannt, deren Wände täglich von dem Jubel der zechenden Ritter und von den süssen Tönen der Harfe widerhallen. Doch nur zu bald soll das fröhliche Leben der Vasallen des Königs verstummen. Von Neid gepeinigt, dass des Herrschers Mannen in solcher Freude leben können, während er selbst einesam in düsterem Moorgrund seine Tage hinbringen muss, macht sich ein Unhold, Gendel mit Namen, auf, dringt des nachts, wenn nach dem Metgelage in tiefem Schlaf die Kämpen ruhen, in die Halle ein und schleppt 30 Schläfer mit sich in seine Behausung. Entsetzen fasst am anderen Morgen die Dänen und als in der folgenden Nacht wieder eine Anzahl ihrer Freunde der Wut des Raubtiers zum Opfer fallen, fliehen sie schreckensbleich die unheimliche Stätte. Wohl berät sich der greise Herrscher gramschwer oft mit seinen Vertrauten, doch nichts wird zur Abwehr des Übels gefunden, bis endlich von Norden her ein Retter dem bedrängten Volk erscheint. Beowulf ist sein Name, das Geatenland, welches Hygelak beherrscht, seine Heimat. Ihm ist die Not der Nachbarn zu Ohren gekommen. Mit 14 Genossen besteigt er das Meerschiff, um den Dänen zu helfen und bald landen sie an der dänischen Küste, wo sie mit edlem Anstand empfangen und vor den König geführt werden. Beowulf enthüllt dem König, das er vertrauend auf seine Stärke gekommen sei, Heorot von der Anwesenheit des blutdürstigen Scheusals zu befreien. Mit Freuden nimmt der König die Dienste des Geatenritters an und die Halle Heorot wird den Fremdlingen eingerichtet. Die Schatten der Nacht senken sich über die Erde, Hrodgar mit seinen Mannen zieht sich in seine Gemächer zurück und allein warten in der Halle die Geaten mit ihrem Führer der Dinge, die da kommen sollen. Kaum hat der süsse Schlaf der Müden Augen geschlossen, als vom Sumpfe der grausame Grendel hergeschlichen kommt, lechzend nach Menschenfleisch. Er packt sofort den nächstliegenden Recken, reisst ihn in Stücke und verschlingt ihn. Jetzt gerät der Mordgesinnte an Beowulf, aber mit Riesenkraft greift der Geate des Unholds Arm und nach langem Ringen renkt er ihm den Arm samt der Achsel aus, sodass Grendel todwund fliehen muss und in seiner Sumpfwohnung durch den Tod von den Qualen der Wunde befreit wird. Jubel erfüllt am anderen Morgen die Gegend. Auf Beowulfs Tat anspielend trägt der Sänger den glücklichen Kampf des Wälsungen Sigmund mit dem Drachen vor und den innigsten Dank bringen dem jungen Sieger der grambefreite König und seine holde Gemahlin dar. Mit reichen Geschenken belohnt die Königin den tapferen Beowulf und vertraut ihm ihre beiden Knaben an. Wieder sinken die Helden in friedlichen Schlaf. Wie schrecklich sollte das Erwachen sein! Den Tod ihres Sohnes zu rächen, macht sich Grendels Mutter unter dem Schutze der Nacht auf, dringt in den Schlafsaal der Dänen ein und um das Leben eines der Helden ist es geschehen. Die einzige Zuflucht des von neuem in Entsetzen geratenen Königs ist Beowulf. Der Greis bitten diesen, die Untat zu rächen. Der Geatenheld ist dazu bereit. Der greise König selbst besteigt sein Schlachtross und reitet an der Spitze seiner Mannen in Begleitung Beowulfs, die Wohnung der Unholdin zu suchen. Bald ist sie gefunden auf dem Meeresgrund, bewacht von Nixen, Drachen und anderem blutgierigen Gewürm. Beowulf nimmt von Hrodgar Abschied, empfiehlt ihm, falls er nicht mehr zurückkommen sollte, die Obhut über seine Leute und springt dann wohlgepanzert und gut bewaffnet mit seinem wuchtigen Schwert Hrunting in die brausende Flut. Bald steht er im prächtigen Meersaal vor Grendels Mutter. Sogleich beginnt der furchtbare Kampf. Hrunting prallt ab von dem Körper der Meerwölfin. Ein Riesenschwert, das Beowulf im Saale findet, sollte ihm erst Rettung verschaffen, indem es dem grausamen Weib die Todeswunde schlägt, dann aber auch vor dem heissen Blute bis zum Heft wie Eis zerschmilzt. Der Erschlagenen Blut rötet die Brandung. Bald enttaucht der brausenden Brandung des Siegers Leib. Jubelnd wird er von seinen Getreuen empfangen und dem König Hrodgar zugeführt. Als Siegespfand legt der Tapfere Grendels Haupt den staunenden Höflingen und entsetzten Frauen vor die Füsse. Dann zieht Beowulf wieder nach der Heimat. Später besteigt Beowulf selbst den Herrscherstuhl der Geaten und regiert 50 Jahre lang zum Wohle und Segen seines Volkes. Im Kampf gegen einen Drachen, gegen einen Schädiger seiner Untertanen sollte er fallen. Schon drei Jahrhunderte lang hatte das Untier in finsterer Bergeshöhle reiche Schätze bewacht, welche einst ein einsamer, freundloser Mann in dem Schoss der Erde versteckte, der niemanden mehr hatte, dem er den Gebrauch der Kostbarkeiten gönnte. Zufällig kommt ein Flüchtling in die Behausung des Drachen und entwendet dem Horthüter eines der Kleinode. Wütend fliegt des Nachts der Drache aus, den frechen Dieb zu suchen. Burgen und Hütten äschert der feurige Atem seines Rachens ein. Da dringt das Gerücht vom Unglück seines Landes an Beowulfs Ohr, der sofert wohlgerüstet mit 14 anderen Helden den Bau des Drachen aufsucht. Wohl mag der Greis den nahen Tod ahnen, denn er nimmt Abschied von seinen Getreuen. Allein, wie es dem König geziemt, will er den Kampf gegen seinen Widersacher aufnehmen. Mutig schreitet er an den Eingang der Höhle und fordert den Drachen zum Zweikampf auf. Nicht lange lässt der Wurm auf sich warten. Eine Flut sengenden Feuers entströmt seinem Rachen dem Tapferen entgegen, welchen kaum der eherne Schild gegen den Gluthauch schützt. Machtlos prallt das wuchtige Schwert von dem Hornpanzer des Wurmes ab. Was ist zu tun? Waffenlos steht der edle König da, ferne in des Waldes Dickicht sind die feigen Gefolgsleute vor der grausen Gestalt des Drachen geflohen. Wiglaf unterstütz mit seiner jungen Kraft den alten Fürsten und nach langem Ringen sinkt der grimmige Feind tot zu Boden. Doch teuer ist der Sieg erkauft. Auch Beowulf ist verwundet von des Wurmes giftigem Zahn. Schnell schickt der Röchelnde den Wiglaf noch in die Höhle, damit sein letzter Blick auf die reichen Schätze falle, die er mit seinem Leben seinen Leuten zurückerobert. Wiglaf gehorcht, kehrt schwerbeladen zurück und breitet die Kostbarkeiten vor dem brechenden Auge des Königs aus. Dieser bestimmt sie dazu, die Not der Armen zu heben und stirbt. Tiefes Trauern ergreift das Herz des Volkes über den Untergang ihres geliebten Königs. Sie ziehen hinaus zu der Walstatt, erblicken mit tränendem Auge Beowulf und mit Entsetzen seinen grimmigen Feind. Dann schreiten sie zur Bestattung der irdischen Überreste des Edlen. Auf hohem Scheiterhaufen wird die Leiche niedergelegt und gierig verzehren die Flammen den Körper des Beowulf. Das Gedicht von Beowulf liegt uns in einem Pergamentcodex vor, der sich in der Cottonischen Bibliothek des British Museums zu London befindet. Die Handschrift fällt wahrscheinlich in das 10. Jh., doch ist die Entstehung des Gedichtes in eine viel frühere Zeit zu setzen. Seine Anfänge sind in der Mitte des 6. Jh.s zu suchen und als Ganzes tritt es uns auf der Grenze des 7. und 8. Jh.s entgegen. In seiner beinahe zweihundertjährigen Entwicklung hat es wesentliche Umänderungen erfahren. Der Kern des Epos ist jedenfalls der Kampf Beowulfs mit Grendel und dem Drachen. Als blosse Variation des ersteren ist derjenige zwischen Beowulf und Grendels Mutter anzusehen. Daran schlossen sich dann Episoden aus dem Leben der auftretenden Helden und ihrer Vorfahren und Interpolationen eines christlichen Schreibers, die einen theologisierenden Ton anschlagen und mit dem germanisch heidnischen Charakter des Gedichtes schlecht zusammenpassen. Es ist halbfertig, gleichsam mitten in der Entwicklung erstarrt. Das Gedicht ist nicht von einem einheitlichen Autor verfasst, sondern aus verschiedenen Liedern nach und nach zusammengefügt. Die Heimat des Gedichtes ist England, eine historische Begebenheit gab Anlass zu seiner Entstehung. In ten Brinks Geschichte der englischen Literatur heisst es cs pag. 30: „In den Jahren 512-20 unternahm der Geatenkönig Hygelak (aus dem jetzigen schwedischen Gotland) einen Raubzug nach dem Niederrhein. Da rückte des fränkische Königs Theuderich Sohn Theudebert ihm mit einem Heere von Franken und Friesen entgegen. Ein heisser Kampf fand statt, der auf beiden Seiten zahlreiche Opfer verschlang; den Franken aber blieb der Sieg. Hygelak fiel, sein Heer wurde zu Lande wie zu Wasser aufgerieben, die schon auf den Schiffen befindliche Beute von dem Feinde zurückgewonnen. In diesem Kampf zeichnete sich ein Gefolgsmann und Verwandter Hygelaks vor allen aus, besonders durch seine Kühnheit, mit der er schliesslich seinen Rückzug bewerkstelligte. Er scheint ein Mann von riesiger Körperkraft und ein vorzüglicher Schwimmer gewesen zu sein. Die Kunde von diesem Kampfe, der Ruhm dieses Degens erscholl weit und breit zu beiden Ufern des Meeres, das die kimbrische Halbinsel von dem schwedischen Festlande trennt bei Geaten, Inseldänen und Angeln. Die Taten des Neffen Hygelaks, des Sohnes Ekgthcows, wurden in Liedern gefeiert; er trat in das Erbe göttlicher Heroen ein. Beowulf, der Sohn des Ekgthcow, trat an die Stelle Beowas, des Siegers über Grendel.“ Dieser Beowa oder also später Beowulf, ist nach Müllenhof identisch mit Freyr, dem milden Gott des Friedens und der Fruchtbarkeit, der Regen und Sonnenschein und Gedeihen der Früchte gibt, den Schiffern aber und den Fischern das Meer im Frühling öffnet und es von Stürmen befreit; der es stillt und ihnen einen guten Fang und reichlichen Gewinn verschafft, aber auch liegende Gründe und fahrende Habe denen verleiht, die zu ihm beten. Dieselbe Wirksamkeit steckt nun auch in den Taten des Helden unseres Gedichtes. Seine erste Tat ist, dass er wegschwimmt mit Breka und zwar wahrscheinlich dem von Norden herabkommenden eisigen Polarstrom entgegen, um mit den Waffen die Rauheit und Wildheit des winterlichen Meeres bis an seine äussersten Grenzen zu brechen und es fahrbar zu machen. Auch der Kampf Beowulfs mit Grendel lässt sich als ein Ringen mit den verwüstenden Wogen des Ozeans auffassen. Grendels Wohnung ist eine von düsterem Walde umgebene Meeresbuch voll trüben , sumpfigen Gewässers. Aus dieser heraus bricht er mit wilder Wut und verschlingt die sorglos schlafenden Menschen, bis auch jetzt wieder ein Gott und zwar Beowulf an Stelle des alten Freyr, als Beschützer des Ackerbaues den grausen Zerstörer menschlichen Wohlstandes und Glückes zurücktreibt und ihn in feste Grenzen bannt. Eine blosse Wiederholung des Kampfes mit Grendel ist der mit dessen Mutter, die auch eine Personifikation des Meeres ist. Bis in Einzelheiten stimmt der Kampf Beowulfs gegen diese beiden Unholde überein mit Freyrs Ringen mit dem Riesen Beli, den er auch, ohne sein gutes Schwert zu gebrauchen, erlegt. Dass Beowulf endlich, schon im Herbst seines Lebens, noch mit dem schätzebergenden Drachen einen Zweikampf eingeht, ist ebenfalls begründet durch die Identität mit Freyr. Der Drache ist einesteils wieder wie Grendel und dessen Mutter das Symbol des sein Bett übersteigenden, alles mit sich fortreissenden Wasserschwalles, dann aber auch eine konkrete Darstellung des Winters, der im Herbst eben alles Leben in der Natur erstickt und wie der Drache auf seinen Kleinodien mit seinem Schneemantel, seiner Eisdecke auf den Schätzen , welche die Natur zur Sommerszeit dem Menschen baut, sitzt und ihre Wohltaten niemanden zu gute kommen lässt. Gegen diesen zieht nochmals der greise Gott. Er besiegt zwar den Feind, muss aber doch im Herbste seines Lebens tot dahinsinken vor dem giftschwangeren Blute des Drachen, wie auch die Herrlichkeit des Sommers schwindet, wenn mit seinem Sturmgebraus der kalte Winter die Schneeflocken und Eiskörner über die Lande peitscht.

Berain, Jean d.Ä.
*1637 in St-Mihiel (Lothringen), + 1711 in Paris. Französischer Architekt, Zeichner und Ornamentstecher, Generalausstatter am Hof Ludwigs XIV., seit 1674 Kammerzeichner und Kabinettzeichner. Berain fertigte Entwürfe für alle im Dienst der staatlichen Repräsentation stehenden Gelegenheiten; seit 1690, nach Charles Le Bruns Tod, war er erster Entwerfer und Zeichner für alle königlichen Manufakturen und verantwortlich für Entwurf und Ausführung von Festlichkeiten, Theaterausstattungen, Kostümen, Dekorationen und für die Ausstattung der königlichen Flotte. Wände und Teppiche, Gitter und architektonische Ordnungen, Möbel und Geräte wurden in seinen Ornamententwürfen von einem Grundgerüst aus abstrakten Rändern gebildet, in das dann Gegenständliches in Form von architektonischen Versatzstücken, Tieren und Theaterstaffagen u.ä. eingefügt wurde. Stilgeschichtlich betrachtet, repräsentiert Berain zunächst das Louis-quatorze, leitet ann aber zur leichteren Regence über. Anstelle des satten und schweren Akanthus werden Motive im Sinne des formal wie inhaltlich "Gelockerten" gewählt, wobei die Grundlage die Groteske der italienischen Spätrenaissance ist. Berains nach vielen Hunderten zählende Ornamentstiche prägten die Architektur der Zeit um 1800 und hatten in der Form des "Bandelwerks" europäische Bedeutung. So ist es verständlich, wenn man früher auch vom "Berain-Stil" sprach.

Berain, Jean d.J.
* um 1674 in Paris, + 3.7.1726 in Paris. Französischer Stecher, Zeichner, Ausstatter, Sohn von Berain, Jean d.Ä.. Wahrscheinlich nahm ihn sein Vater um 1690 zu sich in die Werkstatt. Er entwarf Festdekorationen und Innendekorationen, Masken, Ballettkostüme, die er in seinen Stichen festhielt. Dabei benutzte er die gleiche Technik wie sein Vater, auch sein Formcharakter schliesst sich dicht dem des Vaters an, weshalb seine Arbeiten oft mit dessen Werken verwechselt wurden.

Berecci, Bartolomeo
* in Val de Sieve (Lombroso), ermordet 1537 in Krakau (Krakow). Italienischer Architekt und Bildhauer aus Pontassieve bei Florenz. Berecci kam um 1516 über Ungarn nach Krakau, wo er eine vielbeschäftigte Werkstatt betrieb; künstlerisch fassbar ist er erst in Polen. Seit 1516 Schlossbaumeister des polnischen Königs Sigismund I., errichtete er 1519-30 eines der bedeutendsten Renaissancebauwerke nördlich der Alpen, die Sigismundkapelle (Krakau, Dom). Dieses, sein Hauptwerk, ein prächtiger Zentralbau im Stil des späten italienischen Quattrocento, ist die Grabkapelle für König Sigismund I. am Dom zu Krakau (1519/33). 1524/33 entstand die Kapelle und das Grabmal für Bischof Tomicki am Chorumgang des Doms. 1530/37 leitete Berecci den Bau des Residenzschlosses auf dem Wawel. Plastiken waren meist Werkstattarbeiten, eigenhändig u.a. wohl die Gestalt Sigismunds I. (1526/31, ebd.), mit der der Typus des Grabdenkmals mit dem auf einem Prunkbett liegend dargestellten Verstorbenen in die polnische Plastik eingeführt wurde. Aus der Werkstatt Bereccis stammen auch das Oratorium (1520) der Marienkirche zu Krakau und der Baldachin des Grabmals für König Wladyslaw Jagiello (1519/24; Krakau, Wawel). Vermutlich schuf er auch das Denkmal der B. Tarnowska in Tarnow (1521). Als Schlossbaumeister führte er die von Francesco della Lore begonnenen Arbeiten am königlichen Palast auf dem Wawel weiter, seit 1522 zusammen mit Nikolaus Castiglione. Berecci war der bedeutendste Vertreter der florentinisch-römischen Richtung in der polnischen Renaissancekunst.

Berenike
Tochter des Königs Magas von Kyrene (um 273-221 v. Chr.); Gemahlin von Ptolemaios III. Euergetes. Ägyptische Königin als Berenike II. Nach der Ermordung durch ihren Sohn Ptolemaios IV. wurde Berenike auf seine Veranlassung hin als Gottheit verehrt und er ernannte ihr zu Ehren eine Priesterin. Üblicherweise ist die ägyptische Königin in den Augenblick wiedergegeben, in dem sie eine Locke ihres prächtigen Haars - gelegentlich vor einem Spiegel - abschneidet.

Berg, Johann Jakob
* 1727 in Nürnberg, + 1787 in Nürnberg. 1760-1785 als "Hofbildhauer und Hofstukkator" in Eichstätt. Stuckarbeiten im Treppenhaus und im Spiegelsaal von Eichstätt II (1767/68), Schöpfer der Figuren der vier Elemente im Treppenhaus (signiert; datiert 1769). Die Putten am Brunnenbecken der Mariensäule stammen ebenfalls von J.J. Berg, der später geadelt wurde.

Berger, Ewald
Architekt der Familie v. Magnis aus Eckersdorf, u.a. in Schlesien tätig..

Bergl, Johann Baptist Wenzel
*23.9.1718 in Königshof an der Elbe, + 15.1.1789 in Wien. Österreichischer Freskant und einer der bedeutendsten Rokokomaler in der Nachfolge Paul Trogers. Dreissigjährig kam er in die Klasse Trogers an der Wiener Akademie. Er setzte die Freskomalerei im Sinne des Trogerschen inhaltlich bestimmten Lich-Farb-Illusionismus fort. In kirchlichem Auftrag malte Bergl verschiedentlich religiöse Themen. Seine bedeutendsten Werke liegen jedoch im profanen Bereich. die illusionistisch gemalte Landschaftsszenerie als Raumschmuck ist sein beseonderer künstlerischer Beitrag: um 1762 Sommerschlösschen der Kaiserin Maria Theresia zu Ober-St. Veit, 1763 Gartenpavillon des Benediktinerstifts Melk, 1775 Goeß-Appartement im Schloss Schönbrunn Wien. Die Melker Deckenfresken und Wandfresken sind sein Hauptwerk; das typisch barocke, allegorische Thema "Triumph des Lichtes der Welt auf seinem Gang durch die Jahreszeiten und über den ganzen Erdball hin" malte er in hellen, heiteren, wirkungsvoll disponierten Farben. Die vier Erdteile gestaltete er zu einem prächtig ausstaffierten Welttheater, in dem das Exotische und das Orientalische die besonderen Akzente setzen.

Bergmiller, Johann GeorgBergmüller, Johann Georg

Bergmüller, Johann Georg
* 15.4.1688 in Türkheim, + 30.3.1762 in Augsburg. Deutscher Maler, Freskant und Grafiker, kam 1702 in die Lehre zu dem Münchener Hofmaler Andreas Wolff. 1713 ging Bergmüller nach Augsburg an die Reichsstädtische Kunstakademie, 1730 wurde er deren Direktor und lehrte dort bis zu seinem Tode 1762. Unter Bergmüller wurde Augsburg neben dem Münchener Hof zu einem Zentrum der Barockmalerei und der Rokokomalerei und zu einer massgeblichen Ausbildungsstätte neben Wien. Die Stadt wurde zum Anziehungspunkt für bedeutende Maler wie Matthias Günther aus Bayern, Johann Evangelist Holzer aus Tirol oder Gottfried Bernhard Göz aus Mähren. Bergmüller entfaltete eine umfangreiche Tätigkeit als Freskant. Das bedeutendste erhaltene Werk der frühen Periode sind die 1727-29 gemalten Gewölbefresken in der ehemaligen Benediktinerabteikirche in Ochsenhausen. Sie zeigen zwar einen ausgereiften Figuralstil, in der kompositionellen und raumillusionistischen Bildanlage und in der Farbgebung wirken die Bilder jedoch noch rückständig. Unter dem Einfluss von Günther und Holzer entwickelte Bergmüller seinen Stil zur vollen Reife im Einklang mit dem zeitgenössischen Kunstschaffen. Sein erstes Hauptwerk stellen die 1736 vollendeten, grossformatigen Fresken in der ehemaligen Augustinerchorherrenstiftskirche von Diessen am Ammersee dar. Es folgen 1741-42 die bedeutenden Fresken der ehemaligen Prämonstratenserabteikirche Steingaden und 1749-50 die in Kapelle und Saal des Schlosses Haimhausen bei München. Die rational disponierte Bildanlage und Komposition, die massvolle Anwendung illusionistischer Untersichten bei den Figuren, die perspektivische Differenzierung kunstvoll -verschränkter Bildsphären sowie die zeichnerische Präzision, verbunden mit einer exquisiten, in den Tonwerten zurückhaltenden, kühl wirkenden, hellen Farbigkeit verleihen seinem Stil einen akademisch-klassischen Charakter. Architekturen mit scharfkantig gezeichneten Profilen und hart vorspringenden Ecken bilden seine szenischen Schauplätze. Bergmüllers "Anthropometria" mit zwölf Kupferstichen von 1723 und sein 30 Jahre später erschienenes Werk über "Die geometrischen Verhältnisse der Säulen-Ordnung aus dem Quadrat der Dorischen Ordnung..." mit 22 Kupferstichen zeugen von seinem theoretisch-lehrhaften Schaffen.

Bernini, Gianlorenzo
(1598-1680). Die dominierende Gestalt des römischen Barock. Wie Michelangelo in erster Linie Bildhauer, bewies er eine ähnlich geniale Vielseitigkeit als Maler, Dichter und Architekt. Geboren in Neapel als Sohn eines Florentiner Bildhauers, Pietro Bernini, eines der weniger bedeutenden Manieristen, und einer Neapolitanerin. Um 1605 zog die Familie nach Rom. Dort blieb Bernini während seiner ganzen Schaffenszeit, und kaum eine andere Stadt trägt so stark den Stempel der künstlerischen Persönlichkeit eines Mannes, wie Bernini ihn Rom aufprägte. Seine Bauten und Skulpturen bringen die ganze Grossartigkeit, Bewegtheit und Gefühlsbetontheit der Gegenreformation zum Ausdruck. Bernini war bereits mit 20 Jahren als Bildhauer berühmt, seine lange, stets erfolgreiche Laufbahn als Architekt begann erst 1624 mit der Wahl Urban VIII. Barberini zum Papst. Fünf Jahre später wurde ihm die Bauleitung von St. Peter übertragen. Die meisten seiner grossen Bauten schuf er aber in seiner reiferen Zeit, während des Pontifikats Alexander VII. Chigi (1655-67). Inzwischen war sein Ruhm so gross, das Ludwig XIV. ihn bat, zur Erweiterung des Louvre-Palais nach Paris zu kommen. Anders als sein überempfindlicher Rivale Borromini, Francesco war Bernini von ausgeglichener, extrovertierter Wesensart und sicher und gewandt im Auftreten. Dabei war er tief religiös, ein glühender Anhänger der Jesuiten und unterzog sich regelmässig den Exerzitien des Hl. Ignatius. Bernini verband auf vielleicht einmalige Weise revolutionäres künstlerisches Genie mit der Führungskunst eines Mannes von Welt. Seine ersten Aufträge waren die Renovierung von S. Bibiena (1624) und der Baldachin in der Peterskirche. S. Bibiena ist eigentlich nur ein interessanter Versuch; hier fehlt die für Bernini charakteristische Sicherheit des Entwurfs. Dagegen zeigt der Baldachin (1624-33) in der Vierung der Peterskirche unter Michelangelos Kuppel kühne Phantasie. Mit seinen kolossalen gewundenen Bronzesäulen, den heiter-lebendigen Voluten, den dynamischen Skulpturen ist dieses prunkvolle Meisterwerk ein echtes Symbol der Epoche: ihrer Grossartigkeit, Prachtentfaltung und Überschwänglichkeit. Mit dem Motiv der gewundenen Säule, wie sie schon in der Konstantinsbasilika und nach der Überlieferung auch im Tempel von Jerusalem verwendet worden waren, feierte Bernini die stete Dauer der Kirche und ihren Triumpf über die Reformation. Zahlreiche andere Aufträge folgten: Fassade und Treppe des Barberini-Palazzo, Neugestaltung der Porta del Popolo, die Cornaco-Kapelle in S. Maria della Vittoria. Hier sind polychromer Marmor, übertriebene Perspektive und alle Kunstmittel der Bühnenillusion und der Beleuchtung eingesetzt, um die dramatiche Wirkung der Marmorgruppe "Die Ekstase der hl. Theresia", die wie hinter einem Proszenium auf dem Altar agiert, zu steigern. Aber erst im Alter von 60 Jahren bot sich ihm die Gelegenheit, seine Fähigkeiten im Kirchenbau zu beweisen: zunächst in Castelgandolfo (1658-61), dann in Aricca (1662-64) und schliesslich am grossartigsten in S. Andrea al Quirinale in Rom (1658-70). Hier verwirklichte er vollkommen seine Vorstellung von der Kirche als architektonischer Ort für das Geheimnis der Messe, das durch den skulpturalen Schmuck angedeutet wird. Von seinen beiden grossen Profanbauten in Rom ist der Chigi-Odeschalchi-Palazzo (1664ff.) sicher bedeutender als der Montecitorio-Palazzo (1650ff.); er bezeichnet einen entschiedenen Bruch Berninis mit der römischen Tradition. Der dreigeschossige Mitteltrakt des Bauwerks wurde in den beiden oberen Geschossen von durchgehenden, von Kompositkapitellen (Kapitell) gekrönten Pilastern gegliedert und in sieben hohe, schmale Felder geteilt, während die beiden zurückweichenden Seitenflügel je drei solcher Felder aufweisen. Die rhythmische Gliederung der beiden Obergeschosse mit Hilfe durchgehender Pilaster erzeugte einen Eindruck von Geschlossenheit und Würde, während das Zurückweichen der Seitenflügel den Hauptteil hervorhob. Dieser Palast übte grossen Einfluss aus; er wurde in ganz Europa zum Vorbild für Adelspaläste. Unglücklicherweise wurde er durch spätere Änderungen und Erweiterungen verdorben. - Berninis Begabung für das Monumentale und Kolossale findet ihren höchsten Ausdruck im Petersplatz (1656 beg.). Seine Konzeption ist höchst einfach und höchst originell: ein riesiges Oval wird von Kolonnaden freistehender Säulen, die ein gerades Gebälk tragen, umgeben. Er hebt nicht nur die Felder der Fassade von Maderno, Carlo auf, indem er diese höher erscheinen lässt, sondern bringt mit überwältigender Autorität die Würde, Grösse und erhabene Ruhe der Mutter Kirche zum Ausdruck. Bernini verglich seine Kolonnaden mit dem mütterlichen Armen der Kirche, "welche die Katholiken umfangen, um sie im Glauben zu stärken". Der Petersplatz sollte von einem dritten Arm, der nie gebaut wurde, umschlossen werden. Die Anlage der breiten Via della Conciliazione hat 1937 unsinnigerweise die von Bernini vorgesehene Wirkung der Überraschung und freudigen Erregung beim Durchschreiten der Kolonnaden zerstört. Die freistehenden Kolonnaden wurden oft nachgeahmt, von Greenwich bis Leningrad. Bernini`s letztes grosses Werk, die Scala Regia im Vatikan (1663-66) fasst alle Merkmale seiner Kunst noch einmal zusammem: seinen Sinn für Mass und Bewegung, sein Geschick, eine ungünstige Lage in einen Vorzug zu verkehren, seine meisterliche Handhabung szenischer Effekte (optische Täuschungen, übertriebene Perspektive, verborgenen Lichteinfall) und seine Fähigkeit, Skulpturen zur Dramatisierung der Höhepunkte seiner Komposition sicher einzusetzen. Mit dem Bau der Scala Regia gelang Bernini die vollkommene Verschmelzung der einzelnen Künste im Sinne des Barock.

Bernini, Pietro
* 5.5.1562 in Sesto Fiorentino, + 29.8.1629 in Rom. Italienischer Maler und Bildhauer, Vater von Bernini, Gianlorenzo. Nach seiner Ausbildung in Florenz bei Ridolfo Sirigatti ging Bernini als junger Mann nach Rom und lernte dort bei dem Maler Giuseppe d`Arpino. Um 1580 arbeitete er mit Antonio Tempesta an Fresken für die Farnese-Villa Caprarola, vielleicht war er auch im Vatikan für Gregor XIII. tätig, daneben restaurierte er antike Marmorstatuen und übte sich in der Bildhauerei. 1584 ging er nach Neapel. Dort werden ihm die Statuen in den Kirchen von Terranova, Sappo Minulio und S. Giovanni a Carbonar zugeschrieben. Erste gesicherte Auftragsarbeiten schuf er 1591 für den Altar von S. Maria di Colloreto in Morano Calabro. 1594 kehrte er nach Florenz zurück, 1596 arbeitete er wieder in Neapel. 1602 entstanden ein "Hl. Laurentius" und ein "Hl. Stephanus" für die Krypta des Domes von Amalfi. 1605/06 übersiedelte Bernini mit seiner Familie nach Rom. Dort schuf er in S. Maria Maggiore eine "Verkündigung (1607-10) und war am Grab Clemens` VIII. beteiligt. Im Auftrag von Kardinal Maffeo Barberini (später Papst Urban VIII.) schuf er für die Familienkapelle in S. Andrea della Valle einen "Johannes d. Täufer" (1612-16). In der folgenden Zeit war Bernini mit dekorativen Plastiken für die Borghese Villa Rom und für den Park der Caprarola-Villa beschäftigt. Eine "Verkündigung" in St-Bruno in Bordeaux datiert auf etwa 1622. In der Jesuitenkirche Il Gesú in Rom stammten zwei - zerstörte - Figuren am Grabmal des Kardinals Bellarmino von Bernini (1622/23). Zur selben Zeit fertigte er für das Grabmal Dolfin in S. Michele in Isola, dem venezianischen Friedhof, zwei Statuen. Unter seiner Beteiligung an zahlreichen Brunnen Roms ist die Barke auf der Piazza di Spagna hervorzuheben (1627-29), wahrscheinlich unter massgeblicher Beteiligung seines Sohnes Giovanni Lorenzo entstanden. Stilistisch ist Bernini weder dem ausgehenden Manierismus noch eindeutig dem Barock zuzurechnen. Seine späteren Arbeiten entstanden fast alle in Zusammenarbeit mit seinem Sohn, un die Arbeitsanteile lassen sich nicht mehr eindeutig unterscheiden und zuordnen.

Berruguete, Alonso
*um 1488 in Paredes de Nava (Valladolid), + September 1561 in Toledo. Spanischer Bildhauer, Maler und Architekt des Manierismus, Sohn des Malers Berruguete, Pedro, von dem wohl auch ausgebildet wurde. Zwischen 1504 und 1517 bereiste er Italien, doch bleibt sein Aufenthalt dort in den einzelnen Stationen ziemlich unklar. Aus Biografie Michelangelos von Vasari, Giorgio lässt sich entnehmen, dass er sich diesem angeschlossen hat, von ihm auch beeinflusst wurde und dass er den Auftrag erhielt, ein von Filippino Lippi unvollendet hinterlassenes Gemälde der Kirche S. Giorgio in Florenz zu vollenden. Um1520 kehrte er nach Spanien zurück und liess sich zunächst in Saragossa nieder, wurde jedoch kurz darauf von Karl V. zum Hofmaler und Hofbildhauer ernannt. Zwischen 1526 und 1532 schuf er den Hochaltar für die Klosterkirche S. Benito in Valladolid (Reste heute im Museo Nacional de Escultura in Valldolid). 1535 erhielt er zusammen mit Philippe de Vigarny den Auftrag für das Chorgestühl der Kathedrale von Toledo. In den Reliefs dieses Werkes aus Marmor, Alabaster und Holz, das als sein Hauptwerk gilt, ist der Einfluss Michelangelos deutlich spürbar. Sie stellen Szenen aus dem Alten und Neuen Testament dar. Weitere wichtige Werrke Berruguetes sind der Dreikönigsaltar der Santiago-Kirche in Valladolid (1537) und das Grabmal des Kardinals Tavara im Hospital S. Juan de Afuera in Toledo (1554-61), sein letztes, vom Typus her ebenfalls von der italienischen Hochrenaissance beeinflusstes Werk. Es besteht aus einem reich verzierten Marmorsarkophag, auf dessen Deckel die Figur des Kardinals liegt, umgeben von den vier Kardinaltugenden. Von den erhaltenen Gemälden Berruguetes ist das zwischen 1527 und 1532 entstandene Retabel des Colegio Mayor de Santiago in Salamanca erwähnenswert. Es befindet sich heute noch an Ort und Stelle und besteht aus acht grossen Gemälden mit "Szenen aus dem Leben Christi". Die Altarrahmung aus farbig gefassten Architekturen und Skulpturen ist ebenfalls von Berruguete. Berruguete galt bei seinen Zeitgenossen als der grösste Künstler Spaniens. Heute erscheint sein malerisches Schaffen nicht so bedeutend wie sein bildhauerisches Werk und sein Beitrag zur Weiterentwicklung des ornamentalen Dekors von Retabeln und Portalen. Von seinem von Palomino bezeugten architektonischen Werk ist nichts mehr erhalten. Während Berruguete als Bildhauer von Michelangelo und Donatello beeinflusst war, lehnte er sich in seinem malerischen Werk vor allem an Raffael und Andrea del Sarto an, verlieh jedoch seinen Figuren ein spanisches Pathos, das zu übertriebenen Haltungen und Gesten neigt. Palomino rühmt an Berruguete, dass er Ideen und Prinzipien der italienischen Renaissance, wie die Linearperspektive und die Proportionslehren, mit nach Spanien gebracht habe und damit endgültig die "maneria barbara" überwunden habe. Indem er seine Kust zugleich auch durch volkstümlichen Ausdruck steigerte, hat er der Entwicklung zum spanischen Barock Wege gewiesen.

Berruguete, Pedro
* um 1450 in Paredes de Nava (Valladolid), + vor dem 6.1.1504 in Avila(?). Spanischer Maler, Vater von Berruguete, Alonso, stand am Anfang der Renaissancemalerei Spaniens. Er war Hofmaler Königs Ferdinands und Königin Isabellas, unter denen das Kunstgeschehen weitgehend vom niederländischen Einfluss bestimmt war. Bei einem Hauptvertreter dieser niederländisch orientierten Malschule, bei Fernando Gallego, hat Berruguete vermutlich seine Ausbildung erhalten. Im allgemeinen idenitfiziert man den ab 1476 am Hof des Herzogs Federigo di Montefeltro im Urbino tätigen "Pietro Spagnolo" mit Berruguete, der hier wohl unter der anfänglichen Leitung des Justus van Gent und zusammen mit Melozzo da Forli an den Dekorantionen des neuen Palastes (Ducale-Palazzo Urbino) mitbeteiligt war. Das "Studiolo" des Palastes enthielt 28 halbfigurige Bildnisse berühmter Männer (davon Teile in Paris, Musée National du Louvre, in Rom, Galleria Nazionale, Palazzo Barberini, und in Urbino, Palazzo Ducale), das Doppelporträt "Federigo di Montefeltro und sein Sohn Guidobaldo" (Urbino, Palazzo Ducale) sowie die Darstellungen der freien Künste (London, National Gallery; Urbino, Palazzo Ducale). Besteht über den jeweiligen Anteil der Meister auch keine Gewissheit, so darf man doch die "Artes libenales" weitgehend für Berruguete in Anspruch nehmen. Aus dieser Zeit (um 1482) stammt auch die "Engels-Pieta" (Mailand, Pinacoteca di Brera), die nicht nur Berruguetes Kenntnis der italienischen Malerei bei gänzlich flämischer Technik, sondern auch noch venezianische Einflüsse aufzeigt. Andererseits aber hat auch Berruguete in der umbrischen und ferraresischen Malerei seine Spuren hinterlassen, wie das besonders bei Giovanni Santi zu sehen ist. Vermutlich steht die Rückkehr Berruguetes nach Spanien mit dem Tod des Herzogs von Urbino im Zusammenhang, wo er mit seinen Wandmalereien in der alten Sakristei der Kathedrale von Toledo (1485-88, zusammen mit Antonio de Rincon und 1495, Bemalung der äusseren Sakristei) bewies, dass er mit einem härteren Stil und emaileartig verfestigten Farben die spanische Tradition fortzuführen gedachte. Für dieselbe Kathedrale begann Berruguete 1499 die Gemälde des Hochaltarrentabels, die unvollendet blieben. Aus dieser späten Zeit bewahrte das Museo del Prado in Madrid noch eine Tafel aus dem Altar des Klosters S. Tomás zu Àvila von ihm, das "Inquisitionsgericht unter Vorsitz des hl. Dominikus". Berruguete hat der spanischen Malerei niederländische Detailfreudigkeit und italienisches Formengut der Frührenaissance vermittelt.

Bertoldo di Giovanni
* um 1440 in Florenz, + 28.12.1491 in Poggio a Caiano. Italienischer Bildhauer und Medailleur, bedeutendster Schüler Donatellos. 1455 in dessen Werkstatt eingetreten, war er mit ihm an den Kanzeln von S. Lorenzo beschäftigt (um 1460-70) und vollendete sie nach dessen Tod. Wahrscheinlich von den siebziger Jahren an hette er engeren Kontakt zu Lorenzo de` Medici, dessen künstlerischer Berater er wurde. Ausgehend von einem frühen bronzenen Relief einer "Reiterschlacht" (beide Florenz, Bargello) nach antikem

Bertotti-Scamozzi, Ottavio
* 9.4.1719 in Vicenza, + 25.10.1790 in Vicenza. Italienischer Architekt in der Nachfolge von Palladio, Andrea (Neo-Palladianismus). Er erlernte den Beruf eines Barbiers, konnte sich aber dank der Protektion des Herzogs Mario Capra später dem Studium der Architektur widmen. Den Beinamen Scamozzi erhielt er aufgrund der testamentarischen Verfügung von Scamozzi, Vincenzo, der zufolge der jeweils beste von einem Gremium ausgewählte Vicentiner Architekt das nachgelassene Vermögen von Scamozzi, Vincenzo und seinen Namen erbte. Bertotti-Scamozzi baute in Vicenza und Umgebung Paläste und Villen im palladianischen Stil, erwähnenswert vor allem der Pagello-Beltrame-Palazzo (1780) und der Franceschini-Palazzo (1770, heute die Questura), deutlich klassizistische Varianten von Palladios Stil. Berühmt und für die Palladio-Forschung bis heute unverzichtbar ist sein 1776-83 in Vicenza herausgegebenes, 209 Kupfertafeln umfassendes Werk über Bauten und Zeichnungen von Palladio, Andrea "Le fabbriche e i disegni di Andrea Palladio raccolti e illustrati" (1776-83) sowie "La terme dei Romani, disegnate da A. Palladio" (1797). . Ferner veröffentlichte er 1761 einen Kunstführer für Vicenza an Dialogform.

Berwart, Blasius d.Ä.
(+ 1590). Baumeister, Schüler des Alberlin Tretsch. Er war tätig am Alten Schloss Stuttgart I. Er hatte auch die Bauleitung am Erweiterungsbau von Schloss Ansbach I. Beteiligt war er (zusammen mit Tresch, Alberlin) an der Plassenburg Kulmbach 1565-69 sowie am Schloss Bad Mergentheim. 1580-90 errichtet Berwart den westlichen Flügel von Schloss Königsberg Ostpreussen. Ausserdem baute der die Amtshäuser in Soldau, Labiau, Fischhausen Ostpreussen, Insterburg, Ortelsburg II und Friedrichsburg Ostpreussen . In Ansbach I war er am Neubau des Schlosses nach 1586 beteiligt. Seit 1588 war er auch als Baumeister an der Wülzburg.

Berwart, Blasius d.J.
(+ 1610). Hofbaumeister im Dienste von Markgraf Friedrich von Brandenburg von 1595-1610. Arbeitete am Schlossgebäude der Wülzburg 1597. Für den General Fuchs von Bimbach erbauten er das Schloss Unterschwaningen II.

Beyer, Christian Friedrich Wilhelm
*27.12.1725 in Gotha, + 23.3.1806 in Schönbrunn. Deutscher Gartenarchitekt, Bildhauer und Maler. Nach der Übersiedlung nach Stuttgart in herzoglichen Diensten stehend, wurde Beyer 1747 vom dortigen Hof nach Paris gesandt, um die Gartenbaukunst zu erlernen. Ab 1751 widmete er sich in Rom der Malerei. Dort verband ihn ab 1755 eine Freundschaft mit Winckelmann, Johann Joachim. Ab 1756 studierte er bei Philippo della Valle Bildhauerei. Wieder in Stuttgart, wirkte er ab 1759 an der Ausgestaltung des Neuen Schlosses in Stuttgart II mit. Davon ist nichts mehr erhalten. Zur gleichen Zeit übernahm Beyer die Aufsicht über die Porzellanmanufaktur in Ludwigsburg. Einige seiner Entwürfe sind in den beiden Kupferstichen "Österreichs Merkwürdigkeiten" (Wien 1779) und "Die neue Muse" (Wien 1784) enthalten. 1767 oder 1768 siedelte Beyer nach Wien über, wo er 1770 Hofmaler und Statuarius wurde. Seine Hauptwerke hier waren die mehr als 40 Gartenfiguren im Schlosspark von Schönbrunn Wien (1773 - 1780), darunter auch die eigenhändig geschaffene Hauptgruppe mit "Neptun und Thetis", oft verglichen mit der Fontana di Trevi in Rom und dem Neptunbrunnen in Versailles. Beyer war der bedeutendste Vertreter des sog. Louis-Seize-Stil in Österreich.

Beyer, Christoph
(*15.7.1653 in Dresen, +6.1.1741 in Steinigtwolmsdorf/Sachsen). Architekt u.a. in Schlesien tätig (Schloss Joachimstein).

Bianchi, BartolommeoBianco, Bartolomeo

Bianchi, Pietro
*26.3.1787 in Lugano, + 27.12.1849 in Neapel. Schweizer Archäologe und Architekt des neoklassischen italienischen Stils, studierte an der Mailänder Kunstakademie und bis 1806 an der Universität in Pavia, bildete sich in Rom weiter. 1815 bis 1824 errichtete er sein bekanntestes Bauwerk, die Kirche S. Francesco di Paolo in Neapel, inspiriert vom römischen Pantheon. Er arbeitete als Architekt für das Königshaus der Bourbonen und leitete die Ausgrabungen von Pompeji und Herculaneum. Er war Mitglied der Akademien von Rom, Wien und Brüssel.

Bianco, Baccio
*4.10.1604 in Florenz, + 1656 in Madrid. Italienischer Architekt und Maler, nahm bereits 1612 Unterricht bei Giovanni Biliverti, später bei dem Hofarchitekten Giulio Parigi. Ab 1620 arbeitete er als Gehilfe Giovanni Pieronis im Dienst Kaiser Ferdinands II. u.a. in Altenburg, Pressburg (Bratislava IV) und Prag III (1621) beim Bau der Befestigungsanlagen mit. Im Dienste Wallensteins war Bianco kurze Zeit mit der Ausmalung des Wallenstein-Palastes in Prag beschäftigt und eröffnete nach einigen Irrfahrten eine Werkstatt in Florenz. Dort entwarf er u.a. Gefässe, Teppichmuster für den Hof, fertigte ein Modell für die Domfassade und schmückte die Corsinia a Mezzomonte-Villa.

Bianco, Bartolomeo
(auch Bianchi, Bartolommeo).* um 1590 in Como, + 1657 in Genua. Einer der führenden italienischen Architekten des Barocks und Festungsbaumeister, der das Stadtbild Genuas deutlich prägte. Dort baute er u.a. im manieristischen Zeitgeschmack den Balbi-Senarega-Palazzo (um 1622, vollendet im 18. Jh.), Durazzo-Pallvicini-Palazzo (1619 begonnen), den Cattaneo-Palazzo (1623), die Kirche S. Carlo (1629) und das beste seiner Bauwerke, das berühmte Jesuitenkollegium (1630-38, seit 1782 Universität), das er auf steil abfallendem Gelände auf vier mit bühnenmässigen Treppenanlagen verbundenen Terrassen anlegte. Er legte auch die von Säulengängen umgebenen Höfe an. Ihm wird ausserdem die Paradiso-Villa bei Genua und die Vollendung des von Scamozzi, Vincenzo begonnenen Ravaschieri-Negroni-Palazzo in Bergamo zugeschrieben. 620-25 errichtete er die neuen Mauern und Hafenanlagen in Genua III.

Biard, Pierre d.Ä.
*1559 in Paris, + 17.9.1609 in Paris. Französischer Bildhauer, Architekt, Maler und Kupferstecher. Nach einer Romreise wurde er 1590 in Paris zum Oberintendanten der königlichen Bauten ernannt. Neben mehreren Grabmälern schuf er um 1600 den Lettneraufbau der Kirche St-Etienne-du-Mont in Paris sowie ein 1792 zerstörtes Relief am Portaltympanano des Hotel-de-Ville in Paris mit einem Reiterbildnis Heinrich IV.

Biard, Pierre d.J.
* Ende 1592 in Paris, + 28.5.1661 in Paris. Französischer Bildhauer, Stecher, Sohn Biard, Pierre d.Ä.. Er lernte in Paris bei Pierre Franqueville und erhielt seine weitere Ausbildung in Italien. Zugeschrieben werden Biard die Statuen des Mars und der Minerva am Toulouse-Hotel sowie die ruhenden Giebelfiguren an der Kirche St-Paul in Paris. Für die Kirche Notre-Dame-de-la-Merci in Paris fertigte Biard die zwei Figuren der Ordensheiligen und die mittlere Statue der "Maria mit Kind" an der Fassade. Die

Binder, Ludwig
Baumeister war um 1530 am Schloss in Dessau I tätig (Johannbau).

Bissen, Hermann Vilhelm
*13.10.1798 in Schleswig, + 10.3.1868 in Kopenhagen. Dänischer Bildhauer, schuf Büsten, Statuen und Denkmäler im klassizistischen Stil. Bissen studierte an der Kunstakademie in Kopenhagen, später bis 1834 bei Bertel Thorvaldsen in Rom. 1835 wurde er Mitglied, 1840 Professor an der Kunstakademie in Kopenhagen. Bis 1850 zeigten seine Arbeiten den Einfluss Thorvaldsens, so u.a. "Blumenmädchen" (1829, Kopenhagen, Ny Carlsberg Glyptotek). 1833 bis 1834 fertigte er nach einer Skizze Thorvaldsens das Denkmal

Bissolo, Pier Francesco
* um 1470 vermutlich in Treviso, + 20.4.1554 in Venedig. Italienischer Maler, Vertreter der venezianischen Renaissance unter dem Einfluss Giovanni Bellinis. Eine erste Ausbildung erhielt er wahrscheinlich bei Gerolamo da Treviso, seit 1492 wurde er jedoch als Gehilfe Bellinis an den Arbeiten im Saal des Grossen Rates im Dogenpalast Venedigs genannt. Er schloss sich auch in seinen selbständig gemalten Bildern sehr eng an Bellini an, übernahm auch einzelne Figuren und Kompositionen und konnte doch bei aller Treue zu Bellinis Gestaltungsprinzipien oft nur zu glatten und unsicheren Werken gelangen. Sein frühestes eindeutig datierbares Bild ist die "Transfiguration" von S. Maria mater Domini in vendeig von 1512. Alle seine Gemälde zeigen religiöse Motive, darunter oft Darstellungen der Sacra Conversazione (z.B. in Venedig, Gallerie dell`Accademia; in London, National Gallery; in Leipzig, Museum der bildenden Künste). Zu den bekannteren Bildern gehören die "Thronende Maria mit vier Heiligen" von 1528 (Treviso, S. Floriano in Campagna) und die "Darbringung Christi" (Venedig, Gallerie dell`Accademia). Bissolo hat sich deutlich auf ein Stilvorbild beschränkt, zu dessen vollkommener Gestaltung er kaum gelangen konnte; er blieb damit, trotz gekonnter Landschaftsgestaltung, ein Maler nachgeordneten Ranges.

Bissuolo, Pier FrancescoBissolo, Pier Francesco

Bittel, Kurt
Am 5.7.1907 in Heidenheim a.d. Brenz als Sohn eines Bankiers geboren. Er studierte in Heidelberg, Berlin, Wien und Marburg und promovierte 1929/30 mit dem Thema "La Tene in Württemberg". Bittel wurde wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Deutschen Archäologischen Institut (DAI) in Frankfurt und in Kairo. Als Stipendiat des DAI bereiste er 1931 zum ersten Mal die Türkei, in der fortan sein Schaffens- und Lebensschwerpunkt liegen sollte. Bittel übernahm von 1931bis 1977 die Grabungsleitung von Bogaszköy ({H

Blacha, Johann Martin
(+1810). Steinmetz in Breslau.

Blegen, Carl Wilhelm
Am 27.1.1887 in Minneapolis, Minnesota, geboren. 1913-27 grub er mit der American School of Classical Studies, Athen, im Nordosten der Peloponnes mehrere prähistorische Stätten aus. 1916-18 entwickelte er mit A.J.B. Wace anhand von Tongefässen eine neuartige Methode zur Datierung der vormykenischen Kultur. 1927 wurde B. Professor der klassischen Archäologie an der Universität von Cincinnati, Ohio. 1932-38 leitete er die Ausgrabungen dieser Universität in Troja (Troja I). Er unterteilte die neune Hauptschichten Trojas, die Dörpfeld, Wilhelm festgestellt hatte, in 46 Besiedlungsphfasen und datierte die Stadt des Königs Priamos, Schauplatz von Homers "Ilias", (Hauptschicht VIIa) ungefähr auf das Jahr 1250 v. Chr. 1939 ging Blegen nach Griechenland und fand bei Pylos die erste Tontafel mit der Linearschrift B, die man bislang nur von Kreta her kannte. 1952 setzte er die Grabungen fort und entdeckte ein ganzes Archiv mit mehr als tausend solcher Schrifttafeln. Das Archiv gehörte zum Palast des mykenischen Königs Nestor. Blegen forschte noch bis 1964 in Pylos und konnte zahlreiche Gräber mit reichen Beigaben aufdecken. Er starb am 24.8.1971 in Athen.

Block, Wilhelm von dem
* in Mecheln, + 21.1.1628 in Danzig. Flämischer Bildhauer und Architekt. Seit 1576 am herzoglichen Hof in Königsberg beschäftigt, schuf er 1581-82 das Grabmal der Markgräfin Elisabeth im dortigen Dom. 1583/84 stellte er ein Epitaph für den Fürsten von Siebenbürgen, Stephan Bathory, her. 1586-88 entwarf und errichtete er für den Rat von Danzig die Fassade der Hohen Tors. Die mit den Wappen der Stadt Danzig, der Länder Westpreussen und Polen geschmückte Front schuf Block in Anlehnung an die nicht mehr erhaltene Porte St. George in Antwerpen von Sanmicheli, Michele. Nach 1600 entstand das Grabmal für Ture Bielke (1600) im Dom von Linköping.

Block, Willem van denBlick, Wilhelm von dem

Bloeschuh, Bartusch
Baumeister in Liegnitz. U.a. an Burg Gröditzberg I beteiligt.

Blondel, Jacques-Francois
(1705-74). Nicht verwandt mit Blondel, Nicolas-Francois, als ausführender Architekt von geringer Bedeutung, aber sehr einflussreich als Autor und Theoretiker. 1743 gründete er eine eigene Architekturschule in Paris, ehe er 1762 Prof. an der Academie Royale de l`Architecture wurde. Blondel`s Geschmack war konservativ; er pries die Tradition, wie sie von Mansart, Francois und Perrault, Claude vertreten wurde, und bereitete den Weg zum Klassizismus vor. Er veröffentlichte u.a. "De la Distribution des M

Blondel, Nicolas-Francois
(1517-86). Franz. Naturwissenschaftler und Mathematiker, war vor allem Architekturtheoretiker. Er legte in seiner Schrift "Cours d`architecture" (1675, erweiterte Ausgabe 1698) die streng klassizistischen und rationalen Lehren der Akademie aus. Es galt als massgebliches Lehrbuch für Architekten und folgte den Auffassungen Perrault, Charles. Seit 1669 Leiter der öffentlichen Bauten in Paris, 1672 Direktor der Academie d`architecture. Von noch erhaltenen Bauwerken ist die Porte St-Denis (1671-73) in Par

Blum, Hans
Baumeister und Holzschneider aus Lohr am Main, um 1550 in Zürich tätig. Hauptsächlich bekannt als Herausgeber einer Abhandlung über die Säulenordnungen: "Quinque Columnarum exacta descirptio atque delineatio, cum symmetrica eorum distributione" (Zürich 1550), die erste Grammatik der klassischen architektonischen Formsprache für deutsche Baumeister. Sie bassierte auf Serlio, Sebastiano und erlebte viele Neuauflagen. Spätere Schriften "Ein kunstrych Buch von allerley Antiquiteten..." (Zürich ca. 1560)

Boccacci, Vincenzo
(auch Bocaccio). Italienischer Architekt. Von ihm stammt der Entwurf für Schloss Sagan I.

Böcklen, Joesph MaximilianPöckhel, Joseph Maximilian

Böckler, Georg Andreas
* um 1644 in Strassburg (?), + um 1698 in Nürnberg (?). Deutscher Architekt und Schriftsteller, arbeitete als einzig überliefertes Bauwerk 1684/85 den 1750/51 abgerissenen Herrieder Torturm (Ansbach II) und vermutlich um 1679 das Ansbacher Theater. Bekannter sind seine fachwissenschaftlichen Werke über Architektur: "Compendium Architecturae civilis" und "Compendium Architecturae militaris" (erschienen 1648 in Frankfurt a. Main und Strassburg), "Theatrum machinarum novum" (1661, Nürnberg), "Architectura cu

Böckmann, Wilhelm
Bildete zusammen mit Ende, Hermann das Architekturbüro Ende & Böckmann. Gemeinsam bauten sie die Villa Eichenschloss.

Bodt, Jean de
(1670 in Paris, + 3.1.1745 in Dresden). Offizier und Hugenotte, verliess 1685 nach der Aufhebung des Ediktes von Nantes Frankreich. In Holland zum Architekten ausgebildet, arbeitete er eine Zeitlang in England und liess sich schliesslich 1698 in Berlin nieder. Dort wurde er bald zum bedeutendsten Architekten Preussens nach Schlüter, Andreas. Er hatte bei König Friedrich I. die Aufsicht über alle Schlossgebäude und Militärgebäude. 1701 baute er das Fortuna-Portal des Potsdamer Stadtschlosses (Potsdam III) (das Knobelsdorff, Georg Wenzeslaus von 1744 in den Neubau einbezog). In Berlin vollendete er das Zeughaus Berlin von Nering, Johann Arnold (etwa 1706) und die Patriochalkirche, wobei er die Pläne leicht abänderte. Um 1710 liess der Graf von Strafford (1706 -1711, engl. Gesandter am preussischen Hof) die Ostfront seines Schlosses Wentworth Castle in Yorkshire nach Plänen Bodts bauen. 1728 trat Bodt als Generalintendant in sächsische Dienste und zog nach Dresden, wo er die Aufsicht über die Bauarbeiten am Japanischem Palais (Japanisches Palais) von Pöppelmann, Matthäus (Matthes) Daniel erhielt. Keines seiner eigenen anspruchsvollen Bauprojekte, die er für Dresden und andere Orte in Sachsen plante, wurde je ausgeführt. 1718 arbeitete an Schloss (Finckenstein Kamieniec) in Ostpreussen. Von 1718-21 schuf der das Berliner Tor in der Festung Wesel.

Boehringer, Erich
Am 10.8.1897 in Hamburg als Sohn eines Chemikers geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Basel, bis er sich mit 17 Jahren freiwillig zum Kriegsdienst meldete. 1919 holte er das Abitur mach und studierte Archäologie, Griechisch und Alte Gechichte. 1925 promovierte er bei H. Bulle in Würzburg mit einer Arbeit über die Münzprägung in Syrakus auf Sizilien. Es folgten ein Reisestipendium des Deutschen Archäologischen Instituts, auf dem er an Ausgrabungen auf Samos und in Pergamon teil und vertrat ihn dort in dessen Abwesenheit. Mit der Publikation der hellenistischen Arsenale auf dem Burgberg habilitierte sich Boehringer 1932 an der Universität in Greifswald. Als Vertreter des Ordinarius und Privatdozent war er dort bis 1939 tätig. 1940 ging er für drei Jahre als Kulturreferent der Deutschen Botschaft nach Athen. Es folgten die Stelle eines Ordinarius an der Universität Greifswald, wo seine organisatorischen Fähigkeiten bei der Evakuierung von Universitätsbeständen von grossem Nutzen waren. Von 1946 bis 1954 lehrte er nebenbei an der Universität antike Ikonographie und Numismatik. 1954 wurde Boehringer erster Nachkriegs-Präsident der Deutschen Archäologischen Gesellschaft (DAI). Sein organisatorischen Talent bewirkte Enormes bei der Wiederbelebung und Neugründung von zahlreichen Auslandsinstituten, -stationen und Grabungen der DAI. 1960 legte er sein Präsidentenamt nieder und widmete sich nur noch der Forschung sowie der Intensivierung seiner Grabungstätigkeiten in Pergamon, die er bis 1968 forführte. an den Folgen einer schweren Krankheit starb Boehringer nur wenige Jahre später, am 3.4. 1871 in Hamburg.

Boffrand, Gabriel Germain
(1667-1754). Der grösste franzöische Architekt des Rokoko begann als Bildhauer, studierte unter Girardon in Paris (1681), wandte sich jedoch bald der Architektur zu, wurde Schüler, später Mitarbeiter von Hardouin-Mansart, Jules. 1711 avancierte er zum premier architecte des Herzogs von Lothringen, für den er das Schloss von Luneville (1702-06) erbaute. Boffrand war sehr aktiv und erwarb sein grosses Vermögen vor allem durch den spekulativen Bau von Pariser Hotels (z.B. der Hotels Montmorceny-Hotel 1712, Petit Luxembourg 1709-11, Seignelay-Hotel 1713, Torcy-Hotel 1714, Soubise-Hotel 1736-39), verlor aber den grössten Teil davon wieder in John Laws geplatztem Mississippi-Unternehmen von 1720. Boffrand übte ähnlich wie sein Zeitgenosse Cotte, Robert de ausserhalb Frankreichs grossen Einfluss aus, besonders in Deutschland (z. B. auf die Würzburger Residenz Würzburg I und den Architekten Neumann, Johann Balthasar). Seine Virtuosität zeigt sich besonders im Amelot-de-Gournay-Hotel in Paris (1712), wo er um den ovalen Hof Räume verschiedener Grösse und Gestalt gruppierte, darunter auch ein Fünfeck. Die Aufrisse sind, wie immer bei Boffrand, von besonderer Einfachheit und Zurückhaltung, die Innenräume dagegen äusserst luxuriös. Seine vielleicht schönsten Interieurs finden sich in dem Pavillon, den er dem Soubise-Hotel (heute Archives Nationales) in Paris angliederte (1736-39). Seine Vorstellung vom Rokoko, geprägt von zwangloser Eleganz und raffinierter Einfachheit, verwirklichte er im Saint-Queen-Chateau, einer glänzenden, sehr originellen Schöpfung: in einem geräumigen Hof, der von Gästeappartements, Wirtschaftsgebäuden und Stallungen umgeben ist, setzte er einen winzigen, dem Trianon nachempfundenen Pavillon mit drei Räumen. Boffrand veröffentlichte 1745 sein "Livre d`architecture contenant les principes generaus de cet art".

Böhm, Gottfried
*23.1.1920 in Offenbach. Deutscher Architekt, Sohn von Dominikus Böhm, 1942-47 Studium der Architektur und Bildhauerei in München, ab 1952 im Büro des Vaters, das er nach dessen Tod übernahm. Böhm war 1963-85 Professor an der Technischen Hochschule Aachen. Neben anderen Auszeichnungen erhielt er 1985 die Ehrendoktorwürde der Technischen Universität München und 1986 den amerikanischen Pritzgerpreis. Der Einfluss des Vaters ist in den Innenräumen von Böhms frühen Stahlbetonkirchen noch deutlich spürbar (Pfarrkirche Saarlouis, 1965-66; Pfarrzentrum Krefelder Str. in Köln, 1960-61). Sein berühmtester Sakralbau ist ohne Zweifel die Wallfahrtskirche in Neviges (1962-64), wo unter einer vielfach gebrochenen Sichtbetonhülle ein Kirchenraum von expressiver Eindringlichkeit entstanden ist. Böhm hat mehrfach auf spektakuläre Weise an vorhandene historische Bebauung mit modernen Mitteln angeknüpft (Ausbau der Burgruine Bad Godesberg (Godesburg II, 1956-58; Rathaus in Bensberg I, 1962-64; Diözesanmuseum in Paderborn, 1969-71). Neben Versammlungsbauten (Bürgerhaus in Bergisch-Gladbach, 1977-80; Stadthaus in Rheinberg, 1977-80) und Wohnbauten (sozialer Wohnungsbau in Köln-Chorweiler, 1965-67; Sanierung von Porz-Zürndorf, 1973-80) zählen zu seinem Werk auch grosse Verwaltungsgebäude wie das Hochhaus des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik in Düsseldorf (1969-76) und das Züblin-Haus in Stuttgart (1981-84), wo zwei Bürotrakte aus farbigen Betonfertigteilen mit einer Glashalle von bisher in Deutschland unbekannten Ausmassen verbunden sind. Aus dem Bestreben, jede Bauaufgabe in dem ihr angemessenen Stil und Material zu erfüllen, erklärt sich die Vielfalt im Werk Gottfried Böhms. Gemeinsam ist seinen Bauten neben der sorgfältigen Ausarbeitung der Details eine starke Plastizität und Kleinteiligkeit der Oberfläche.

Böhme, Martin Heinrich
(+ 1725). Schüler und Gehilfe von Schlüter, Andreas. Er erbaute den Creutz-Palais in Berlin (1715), vollendete das Berliner Schloss (Berlin I 1716, errichtete die Schlösser Friedrichsfelde Berlin und Schwedt (1791) sowie den Grützkow-Palais in Berlin (1724).

Boitac, DiegoBoytac, Diego

Bologna, Giovanni da
(auch Giambologna; Bologne, Jean de). *1529 in Douai, + 13.08.1608 in Florenz). Flämisch-italienischer Bildhauer. Hauptvertreter der Plastik des Manierismus. Bereits als Kind wurde er nach Antwerpen von Jacques Dubroeucq in die Lehre gegeben , wo er mit einem italianisierden Stil vertraut wurde. Um 1550 er nach Rom, um sich dem Studium der Antike (vor allem dem der technisch-virtuosen hellenistischen Skulptur, u.a. am Beispiel des sog. Farnesischen Stiers) zu widmen. Auf der Rückreise machte er halt in Florenz, wo er sich mit der Plastik der Frührenaissance und der Skulptur Michelangelos auseinandersetzte. Der Kunstmäzen Bernardo Vecchietti überredete ihn zum Bleiben. 1561 trat er in die Dienste der Medici. Mit seiner Grossplastik in Marmor und Bronze, vor allem aber auch mit seinen ungezählten Kleinbronzen - vielfach posthum nach seinen Zeichnungen von Schülern gefertigt - wurde er zum bedeutendsten Bildhauer der Zeit in Italien und beeindruckte nachhaltig die europäische Skulptur des späten 16. und frühen 17. Jh. Für ihn kennzeichnend ist das bis ins Extrem gesteigerte Prinzip der Fibura serpentinata: schlanke, muskulöse, proportional überlängte akte voll sinnlichem Reiz, in komplizierten spiraligen Körperdrehungen sich hochschraubend, bei Gruppenplastiken kunstvolle Verschränkungen, dabei mit elegant geführten Konturen und einer technisch ingeniösen Bewältigung der oft labilen Statik. Seinen Namen machte er sich mit dem Wettbewerbsmodell eines Neptun (verloren) für einen Monumentalbrunnen der Piazza della Signoria in Florenz. Später, 1563-67, verwirklichte er seine Vorstellungen mit dem Neptunbrunnen in Bologna. Etwa 1560-62 schuf er im Auftrag Francesco de Medici`s die erste seiner grossen Marmorgruppen, "Samson und der Philister" (London, Victoria und Albert Museum). Wahrscheinlich noch in Bologna hatte er auch die früheste Version des bronzenen "Merkur" gefertigt, seine berühmteste Komposition überhaupt (das bekannteste Exemplar in Florenz, Museo Nazionale del Bargello, 1580). Als zweite monumentale Marmorgruppe entstand die politische Allegorie "Florenz triumphiert über Pisa" (Florenz, Museo Nazionale del Bargello), gedacht als Gegenstück zu Michelangelos "Sieger", als dritte der "Raub der Sabinerinnen" für die Loggia dei Lanzi in Florenz (ab 1580). Diese Gruppe ist einer der Höhepunkte seines Schaffens: Drei Figuren verbinden sich zu einer komplizierten Drehkomposition, die von allen Ansichtsseiten neue formale und bedeutungsmässige Aspekte eröffnet - ein Probelm, das auch Michelangelo ständig beschäftigt hatte. Zu den Meisterwerken zählt auch das monumentale bronzene Reiterdenkmal "Cosimo I." auf der Piazza della Signoia in Florenz (mit dem Sockel vollendet 1599), das zum Vorbild vieler fürstlicher Reiterdenkmäler Europas werden sollte. Zum Repertoire seiner Kleinbronzen gehören neben mythologisch-allegorischen Figuren, "Apennin", Kampfszenen mit Löwen u.ä. auch Tierplastiken, vor allem Pferde und Stiere, Vögel als Grottendekoration u.a. Für seine religiösen Sujets, herausragend dabei die Kruzifixe, entwickelte Bologna einen Stil, der bei aller Raffinesse und Eleganz doch die manieriersten Übersteigerungen vermied. Seine Werkstatt lieferte Mitte der neunziger Jahre ein bronzenes Kruzifix für den bayerischen Herzog und ein Ciborium für die Certosa di Galluzzo bei Florenz, einen marmornen "Hl. Matthäus" für den Dom von Orvieto (zwischen 1597 und 1600), etwa gleichzeitig die Bronzefigur des "Hl. Lukas" für Or S. Michele in Florenz, 1601 zwei Bronzeengel und ein Kruzifix für den Dom von Pisa usw. Dieser Werkstatt gehörten Bildhauer wie Pietro Francavilla, Antonio Susini und vor allem Pietro Tacca an. Sie und Schuler wie Adriaen de Vries, Hubert Gerhard, Hans Reichle u.a. verbreiteten Bolognas Stil noch zu seinen Lebzeiten und nach seinem Tod über ganz Europa, zudem schätzte sich fast jeder fürstliche Sammler glücklich, Werke aus Bolognas Hand, speziell Kleinbronzen, oder nach seinen Vorbildern gearbeitete kopien für die Residenzen und Kunstkabinette erwerben zu können.

BonBuon, Giovanni di Bertuccio

Bonfigli, Benedetto
* um 1420 in Perugia, + 18.7.1496 in Perugia. Italienischer Freskant und Tafelmaler, der sich an der florentinischen Frührenaissance orietierte. Er war vielleicht Schüler Givanni Boccatis, wurde erstmals 1445 bezüglich eines Votivbildes für S. Pietro in Perugia genannt und arbeitete um 1450 für Papst Nikolaus V. in Rom, wovon sich ebenso wie von den Werken, die Vasari, Giorgio in den "Viten" erwähnt, nichts erhalten hat. 1453 wieder in Perugia, erhielt bonfigli den grossen Auftrag, die Cappella dei Priori

Bonito, Giuseppe
(auch Castellammare, Peppariello). *1.11.1707 in Castellammare, + 19.5.1789 in Neapel. Italienischer Barockmaler. Zunächst als Genremaler und Porträtmaler von seinem Lehrer Francesco Solimena beeinflusste, fand er in seinen religiösen Werken zu eigenem Stil und Erfolg: 1751 wurde er zum Hofmaler König Karls IV. ernannt, 1752 zum Mitglied der Accademia di Belle Arti in Neapel. Zu den früheren Werken des zu seiner Zeit vor allem als Porträtmaler und Genremaler hochgeschätzten Künstlers gehören die Bilder "S

BonoBuon, Giovanni di Bertuccio

Bono, Bartolomeo di Giovanni
*um 1400 in Venedig, + 1464 (?) in Venedig. Italienischer Bildhauer und Architekt der Übergangszeit von der Spätgotik zur Frührenaissance, Sohn Giovanni Bonos, mit dem er am Umbau der Kirche Madonna dell`Orto, 1422-31 an der Ca` d`Oro, am Barbaro-Palazzo an S. Stefano, 1424 an der Erneuerung der Fassade der Scuola Vecchia della Misericordia, am Altar der Cappella dei Mascoli in S. Marco und im Hospitz der Familie Basegio bei S. Marziale arbeitete. Seit 1426 war Bono mit seinem Vater am Umbau des Dogenpalast Venedig beschäftigt, an dem er die Porta della Carta (ab 1438), eine Statue "Erzengel Michael" und mehrere Säulenkapitelle schuf. ^430 fertigte er das Relief über dem Dürchgang am Campo S. Zaccaria, 1437 das Tympanonrelief für das Portal der Scuola Grande di S. Marco. 1443-49 arbeitete er an der Scuola Grande della Carita, 1445-46 schuf er das Grab des Bartolomeo Morosini in S. Gregorio.

Bonomino, Palolo VincenzoBorromino, Paolo Vincenzo

Bonsignori, Francesco
* um 1455/60 in Verona, + 2.7.1519 in Caldiero bei Verona. Italienischer Renaissancemaler in Oberitalien. Nach erster Ausbildung bei seinem in der Malerei dilettierenden Vater kam er in die Werkstatt F. Benaglios; um 148 hielt er sich für kurze Zeit in Venedig auf, seit 1490 war er in Mantua ansässig, wo er für die Gonzagas tätig wurde. Die "Trionfi" für das Jagdschloss Marmirolo sind heute verloren. Bonsignori war zunächst von Alvise Vivarini und von Giovanni Bellini, später von Antonello da Messina und

Bontemps, Pierre
* um 1506, + um 1570. Französischen Bildhauer der Renaissance, arbeitete 1536-40 als Assistent von Primaticcio, Francesco an den Stukkaturen des Schlosses Fontainebleau, 1548-49 unter Philibert Delorme am Grabmal für Franz I. in St-Denis, an dem ihm die marmornen Reliefdarstellungen der Schlacht von Cerisoles und die aller Sockel zugeschrieben wurden, ebenso die Plastiken "Franz I." und "Claude de France", die Statuen "Dauphin Francois" und "Charles d`Orleans". Beeinflusst vom zeitgenössis

Boos, Roman Anton
*28.2.1733 (?) in Bischofswang bei Füssen, + 19.12.1810 in München. Deutscher Bildhauer, dessen Werk vom Spätbarock über den sog. Zopfstil (Rokoko) zum frühen Klassizismus führte, Mitgründer und Professer der Kunstakademie München. Boos lernte zuerst bei Anton Sturm in Füssen, später bei Johann Baptist Straub in München und studierte schliesslich 1763-64 an der Kunstakademie in Wien. 1766 fertigte er die überlebensgrossen Holzstatuen "Ludwig der Strenge" und "Ludwig der Bayer" am Chorbogen der ehemalige

Bor, Paulus
(auch Orlando). *um 1600 in Amersfoort, + 10.8.1669 in Amersfoort. Niederländerischer Maler, schuf Stilleben, Bildnisse, mythologische und religiöse Szenen, ging nach Rom und wurde dort Mitglied der Malervereinigung. Wieder zu Hause in Amersfoort, malte er 1628 die Familie van Vanevelt für das Spital St. Pietersgasthuis und Blocklandgasthuis. 1638 arbeitete er an der jetzt zerstörten Dekorationim Schloss Honselaersijk des Prinzen Frederik hendrik. Zu seinen Werken zählen ausserdem "Het Spaens Heydinne

Boreas
(röm. Aquilo). Sohn des Astraios (Vater der Winde) und der Eos (Morgenröte, Aurora). In Thrakien beheimateter Gott des Nordwindes. In Athen wurden zu seinen Ehren Feste veranstaltet (die Athener schrieben ihm den Sieg über die persische Flotte im Jahr 480 v. Chr. zu). Vielfach erscheint Boreas als alter weisshaariger Mann mit Flügeln, der die junge Oreithyia fest in den Armen hält und sich mit ihr in die Lüfte erhebt.

Borromini, Francesco
(eigentlich Castelli, Francesco, 1599-1667). Genialer, eigenwilliger römischer Architekt des Hochbarock und eifersüchtiger Rivale des um ein Jahr älteren Bernini, Gianlorenzo. Borromini war ein spätreifer Künstler, einsam, gehemmt und überempfindlich; er endete möglicherweise durch Selbstmord. Der Sohn eines Maurers aus Bissone am Luganer See begann seine Laufbahn bescheiden als Steinmetz und ging als Zwanzigjähriger nach Rom, wo er sein weiteres Leben verbrachte. Maderno, Carlo, ein entfernter Verwandter, verschaffte ihm eine Anstellung als Steinmetz beim Bau der Peterskirche, wo er hauptsächlich dekorative Putten, Festons u.ä. arbeitete. Nach dem Tode von Maderno, Carlo behielt er seine Stellung auch unter Bernini, Gianlorenzo bei, dessen wichtigster Mitarbeiter er später wurde und dem er gelegentlich bei den Entwürfen für St. Peter und den Barberini-Palazzo half. Das Verhältnis zwischen den beiden Künstlern war allerdings meist gespannt; den ausgezeichneten Handwerker Borromini ärgerte Berninis (Bernini, Gianlorenzo) praktisches Ungeschick und dessen Erfolge schmerzten ihn. Sie trennten sich für immer, als Borromini 1634 mit dem Auftrag für S. Carlo alle Quattro Fontane seine grosse Chance erhielt. S. Carlo (1638-41) ist trotz seines geringen Ausmasses eine der genialsten Raumkompositionen, die je geschaffen wurden, und offenbart Borrominis künstlerische Meisterschaft und revolutionäre Verachtung der Tradition. Der durch die wabenförmige Kuppel noch betonte ovale Grundriss beruht auf geometrischen Einheiten (gleichseitigen Dreiecken), aber Rhythmus und plastische Wirkung der aus- und einschwingenden Wände und der ruhelosen verschlungenen Schmuckelemente erzeugen einen fast erregenden Sinnenreiz. Die konkav-konvex-konkav gestaltete Fassade wurde 1665 hinzugefügt. Auf S. Carlo folgte rasch S. Ivo della Sapienza (1642-60). Borrominis System, den Grundrissen Dreiecke zugrunde zu legen, ergab hier ein sternförmiges Sechseck, dem er im Aufriss dynamische Wirkung verlieh. Die Kuppel gipfelt in einer ausgefallenen, an die Zikkurat erinnernden Spiralform. Borrominis Stil fand in S. Ivo seinen Höhepunkt. Spätere Bauwerke sind entweder unvollendet oder durch die Tatsache, das Borromini öfter ältere Pläne übernehmen musste, beeinträchtigt. Unvollendet blieb z.B. S. Maria dei Sette Dolori (1642-47), die Neugestaltung des Innenraumes von S. Giovanni in Laterano (1646-49), dessen geplante Einwölbung noch Immer aussteht, und S. Andrea delle Fratte (1653-65), deren Kuppel immer noch die Laterne fehlt, obwohl der Tambour und der dreistöckige Glockenturm auch S. Ivo noch an Phantasie übertreffen. Den von C. Rainaldi begonnene Bau der Kirche S. Agnese auf der Piazza Navona führte Borromini ab 1653 weiter. Er verwandelte dabei den Innenraum durch scheinbar geringfügige Änderungen und entwarf eine neue, konkav geschwungene Fassade. Die dramatische Gruppierung von Kuppel über hohem Tambour und eleganten Türmen daneben ist geglückt und sehr charakteristisch für ihn, jedoch wurde ihme der Auftrag vor Vollendung der Kirche wieder entzogen. Das Oratorio dei Filippini (1637-50) erhielt eine Fassade, die einen Doppelzweck erfüllt: sie fasst Kapellen und Klostergebäude zu einer räumlichen Einheit zusammen. Hier wurde die Entfaltung seiner Kunst durch die ungünstige Lage des Klosters behindert. Im Profanbau boten sich ihm nur Teilaufgaben, die er aber grossartig zu lösen wusste: die Trompe-l´oeil-Kolonnade im Spada-Palazzo, die dem Tiber zugewandte Front und Liggia des Falconieri-Palazzo, der grossartige "salone" im Pamphili-Palazzo, die Bibliothek der Sapienza, die Vorbild vieler grosser Bibliotheken des 18. Jh.s. wurde. Borromini lösste sich immer mehr von den Konventionen: sein letzter Bau, das Collegio di Propaganda Fide (1646-66), zeigt einen erstaunlichen Stilwandel, eine Tendenz zu Monumentalität und schmuckloser Strenge: z.B. sind die Kapitelle auf wenige Linien reduziert. Die schwere, alptraumartige Fassade in der Via di Propaganda ähnelt keinem seiner früheren Werke. - Borromini wurde zu seinen Lebzeiten der Vorwurf gemacht, die Grundlagen der Baukunst angegriffen zu haben, und er übte, abgesehen von einer rein oberflächlichen Nachahmung seiner Ornamentik, in Italien wenig unmittelbaren Einfluss aus (Seine revolutionären Raumvorstellungen wurden erst später in Mitteleuropa voll erkannt.) Sein Stil war zu persönlich und zu exzentrisch, vor allem in der Verbindung gotischer und manieristischer bzw. barocker Elemente. Seine Neigung für die Gotik stellten bereits Kritiker seiner Zeit, wie Baldinucci, fest. Sie ging in der Tat über die blosse Vorliebe für Details mittelalterlichen Ursprungs hinaus; sein geometrisches Grundrisssystem und seine Betonung des dynamischen Konstruktionsgerüsts brachten ihn in der Nähe gotischer Bauprinzipien. Dennoch entspringt seine Fähigkeit, Architektur und Skulptur miteinander zu verbinden und Raum und Massen gleichsam zu modellieren, durchaus der italienischen Tradition, deren Mass stets der Mensch war.

Borromini, Paolo VincenzoBorromino, Paolo Vincenzo

Borromino, Paolo Vincenzo
(auch Borromini, eigentl. Bonomino). * 1756 in Bergamo, + 17.4.1839 in Bergamo. Oberitalienischer Maler, der besonders durch seine "Capricci mabcabri" bekannt wurde. Er wurde von seinem Vater Paolo Bonomino ausgebildet, der wiederum Schüler von Giuseppe Ghhislandis war. Im Werk Borrominos treffen sich in merkwürderiger Weise Einflüsse von Tiepolo, Giovanni Domenico, Appiani, Andrea und Goya, Francisco de. Zwar bevorzugte der Maler traditionelle Genrethemen, bildete die Figuren jedoch als Skelette, die er

Bossert, Helmuth Theodor
Am 11.9.1889 in Landau/Pfalz geboren. Er studierte Kunstgeschichte, Archäologie, Germanistik und mittelalterliche Geschichte und wurde Privatdozent. Er nahm am Ersten Weltkrieg teil, zuletzt als Offizier, und begann nach Kriegsende eine Lehre im renommierten Kunstverlag Ernst Wasmuth in Tübingen. Hier verfasste er Werke zur Geschichte der Fotografie, zur Kunst des Mittelalters und zur Volkskunst. Nebenbei beschäftigte er sich mit Keilschriften und Hieroglyphen und vervollkommnete sein Wissen im Berliner Gelehrtenkreis um die Assyriologen E.F. Weidner und B. Meissner. 1934 erhielt Bossert den Lehrstuhl für Sprachen und Kultur des Nahen Ostens an der Universität Istanbul und wurde gleichzeitig Direktor des Instituts für die Erforschung dieses Bereiches. Er nahm die türkische Staatsangehörigkeit an, leitete zahlreiche Ausgrabungen in Anatolien und konzentrierte seine Forschungen auf die bis dahin noch unentzifferten hethitischen Hieroglyphen. 1946 wies ihn ein türkischer Lehrer auf Inschriftensteine auf dem Karatepe I, einem Bergrücken in der südöstlichen Türkei, hin. 1947 begann er, gemeinsam mit den türkischen Archäologen B. Alkim und H. Cambel, dort die Ruinen einer späthethitischen Stadt auszugraben und fand dabei eine phönikisch-hethitische Bilingue, die ihm die weitgehende Entzifferung der hethitischen Hieroglyphen und die Erforschung der hethitischen Sprache ermöglichte. Bossert starb am 5.2.1961 in Istanbul

Bossi, Ludovico
(* 1.9.1731 Porto Ceresio † nach 1772), Stuckateur. Bossi wurde 1762 zum „Principal Stukkateur“ und 1768 zum Mitglied der Residenzbaudeputation in Stuttgart ernannt. Er arbeitete unter Brilli am Ludwigsburger (Ludwigsburg Krs. Ludwigsburg) und am Neuen Stuttgarter Schloss (Stuttgart II), übernahm 1763 Arbeiten am späteren Schloss Monrepos Ludwigsburg und stuckierte 1764 Vestibül und Treppenhaus im Würzburger Schloss (Würzburg I). 1766 kehrte Bossi in württembergische Dienste zurück, die er 1771 wieder verliess. Zwischen 1770 und 1772 war er in St. Blasien und am Sickingen-Palais in Freiburg im Breisgau tätig.

Botta, Paul-Emile
Am 6.12.1802 als Sohn des italienischen Politikers und Historikers C. Botta in Turin geboren. Nach dem Medizinstudium unternahm er 1826-29 eine Weltreise und stand danach einige Zeit als Arzt in den Diensten des ägyptischen Königs Mehmed Ali. 1842 ging Botta als Konsul nach Mosul (Irak), um die untergegangenen assyrischen Städte zu suchen, die man bis dahin nur aus Keilschrifttexten und aus Hinweisen der Bibel kannte. Noch im selben Jahr begann er mit ersten Ausgrabungen auf dem Kujundschik am Ostufer des Tigris gegenüber Mosul. Botta suchte altorientalische Kunstwerke, fand aber "nur" Tonziegel mit Keilinschriften und einige Reliefbruchstücke, mit denen er nichts anzufangen wusste. Er ahnte nicht, dass er im Gebiet des alten Ninive gegraben hatte. Ein Hinweis Einheimischer führte ihn bald darauf in das Dorf Khorsabad, wo er im März 1843 zu graben begann. Trotz grösster Widerstände von Seiten der türkischen Verwaltung konnte Botta in kurzer Zeit den Palast des assyrischen Königs Sargon II. (Sargon-II.-Palast Maganouba) freilegen und grossartige Wandreliefs, mächtige Flügelskulpturen und eine grosse Anzahl Keilschrifttafeln nach Paris schaffen. Der Louvre war das erste Museum, das assyrische Altertümer der Öffentlichkeit vorstellte. Botta irrte aber, als er annahm, in den Ruinen von Khorsabad das alte Ninive enteckt zu haben. Khorsaba war in Wirklichkeit die von Sargon II. Ende des 8. Jh. v. Chr. gegründete Hauptstadt Dur Scharrukin des neuassyrischen Reiches. Doch gerade sein Irrtum veranlasste die französische Regieung, ihm weitere Ausgrabungen zu finanzieren. Der Kunstmaler E.N. Flandin zeichnete die ausgegrabenen Relikte an Ort und Stelle. So wurden zahlreiche Kunstwerke überliefert, die inzwischen zerstört bzw. auf dem Abtransport verlorengegangen sind. 1845 erhielt Botta das Kreuz der Ehrenlegion. 1847 wurde er Generalkonsul in Jerusalem und widmete seine Arbeit fortan den assyrischen Keilschrifttexten. 1857-1870 wirkte Botta als Generalkonsul in Tripolis. Er starb am 29.3.1870 in Acheres bei Poissy (Frankreich).

Botticelli, Sandro
* 1.3.1445 in Florenz, + 17.5.1510 in Florenz. Italienischer Maler, der mit seinen allegorisch-mythologischen Bildern zu den herausragenden Künstlern der italienischen Renaissance zu rechnen ist. Der als kränklich bezeichnete Sohn eines Gerbers lebte zunächst im Haus seines älteren Bruders, eines Maklers, der wegen seiner Leibesfülle "botticelli", das Tönnchen, genannt wurde (daher der Beiname des Malers). Er war sodann möglicherweise bei einem anderen Bruder, der Goldschmied war, in der Lehre, ehe er geg

Bouchardon, Edmé
* 29.5.1698 in Chaumont-en-Bassigny (Haute-Marne), + 27.7.1762 in Paris. Französischer Bildhauer, war ab 1722 Schüler von Guillaume Coustous d.J. in Paris und ging, nachdem er den ersten Preis für Skulptur an der Akademie gewonnen hatte, 1723-32 nach Rom. In dieser Zeit entstanden neben einer Kopie des sog. Barberinischen Fauns (1726-30, Paris, Musée National du Louvre) vor allem marmorne Porträtbüsten, u.a. von "Papst Clemens XII. in Anlehnung an Vorbilder Giovanni Lorenzo Berninis (1731, {Corsini-Palazz

Boucher, Francois
* 29.9.1703 in Paris, + 30.5.1770 in Paris. Französischer Maler und Stecher, einer der erfolgreichsten Künstler des französischen Rokoko, der durch die besondere Protektion der Marquise de Pompadour am Hof Ludwigs XV. reüssierte. Boucher wurde von seinem Vater Nicolaus Boucher, einem Entwurfszeichner für Stickmuster und Ornamente, etwa 1720 geschickt. Nach eigener Aussage blieb er jedoch nur drei Monate bei Lemoyne. Es folgte eine Tätigkeit in der Werkstatt des Kupferstechers Jean Francois Cars, dessen Sohn Laurent viele Gemälde Bouchers nachgestochen hat. Bereits 1723 erhielt er den Grand Prix de Rome von der Akademie für ein Gemälde biblischen Inhalts. Er ging jedoch erst 1727 nach Italien und kam 1728 nach Rom. 1731, nach seiner Rückkehr nach Paris, begann seine Karriere an der Akademie: Er wurde als Historienmaler aufgenommen. Im Jahr 1734 wurde er aufgrund seines Gemäldes "Rinaldo und Armida" (Paris, Musée National du Louvre) Mitglied, 1737 Professor, 1761 Rektor und 1765 Direktor der Akademie. Von der königlichen Manufaktur in Beauvais erhielt er unter der Direktion Jean-Baptiste Oudrys zahlreiche Aufträge für Bildteppichentwürfe. Nach dem Tod Oudrys wurde er 1755 Direktor der Königlichen Gobelin-Manufaktur Paris. 1765 wurde er als Nachfolger von Carle van Loo zum Premier Peintre du Roi ernannt. Von Anfang an erhielt Boucher Aufträge vom Königlichen Hof. Bereits 1734 malte er vier Sopraporten für das Zimmer der Königin in Versailles; 1753 freskierte er den Salle du Conseil im Schloss Fontainebleau - eines der wenigen erhaltenen Beispiele für Bouchers Freskomalerei. Er malte für die Repräsentanten der Aristokratie und Plutokratie, z.B. mythologische und pastorale Szenen (Sopraporten) für das Soubise-Hotel. Unter seinen Bewunderern ragt Madame de Pompadour hervor. Sie und ihr Bruder, der Marquis de Marigny, protegierten Boucher. Er porträtierte sie mehrfach, schuf Dekorationen für sie (Schloss Bellevue Meudon, Arsenal-Hotel in Paris und gab der künstlerisch talentierten Mätresse des Königs Zeichenunterricht. Bouchers Schaffen ist ausserordenlich umfangreich und vielseitig. Er malte Ölbilder, Tafelbilder, Kaminstücke sowie Fresken in den königlichen Schlössern und Adelspalais. Er zeichnete Kartons für Bildteppiche, schuf Entwürfe für Theaterdekorationen, für Porzellanfiguren (Sèvres) und andere kunstgewerbliche Produkte. Dazu übte er die verschiedenen Stichtechniken aus, und zwar sowohl als Reproduktionsstecher - besonders in der Frühzeit - wie auch als Malerstecher (Peintre-graveur). Er war an der technischen Entwicklung der Aquitania und der Crayonmanier zur getreuen Nachbildung von Zeichnungen beteiligt. Ausserdem hat Boucher Tausende von erstrangigen Handzeichnungen hinterlassen, in Rötel, Pastellkreide und Tusche. Seine Zeichnungen stehen - häufig weiß gehöht - auf farbigen Papieren. Für die Entwicklung seines Stils war das Studium der römischen Malerei grundlegend, besonders beeinflusst wurde er von den Carracci, von Francesco Albani, Guercino, Giovanni Lanfranco, Pietro da Cortona und Carlo Maratta. Grossen Einfluss übte das Werk Correggios, des Hauptmeisters der Schule von Parma, und vor allem das des Venezianers Giovanni Battista Tiepolo auf ihn aus. Sein Lehrer Lemoyne wirkte vor allem bestimmend auf die Gestaltung der mythologischen Historienbilder ein, der damals höchstgeschätzten Bildgattung. Mit der subtilen Kunst Antoine Watteaus setzte sich Boucher 1725 auseinander. Anlass war ein Auftrag M. de Juliennes, Zeichungen Watteaus für die "Figures de differents caracteres" nachzustechen. Aus Watteaus Dekorationsentwürfen, den "Arabesken", und aus den "Fetes gallantes"-Bildern schöpfte Boucher Thematik und Motive zu seinen zahlreichen Gemälden pastoralen Inhalts. Auch die Stiche nach Abraham Bloemaert im "Livre d`etude" beeinflussten ihn; von dem Niederländer stammen viele seiner Landschaftsmotive. Voraussetzung für die Darstellung des nackten weiblichen Körpers war seine Beschäftigung mit dem Werk Peter Paul Rubens´. Das in den zwanziger und dreissiger jahren des 18. Jh. entstandene Werk Bouchers ist vor allem durch Hermann Voss analysiert worden; er charakterisiert den frühen , sich an Vorbildern schulenden Stil im Vergleich zum reifen Stil der vierziger bis sechziger Jahre als kraftvoll und bemerkt bei den idealisierten Landschaften und figürlichen Staffagen noch echte Wirklichkeitsbezüge und eine gewisse Naturtreue. Beispiele hierfür sind eine "Landschaft mit Ruinen", signiert und datiert 1734 (Privatsammlung) und eine "Pastorale Landschaft" (London, Sammlung F. Koetser). 1734 schuf Boucher auch 33 Zeichnungen zu Molieres Komödien; die von Cars gestochenen Illustrationen zeigten den Einfluss Watteuas. 1735 gab er seine erste Folge "Types de la rue et des cris de Paris" aktuelle Genredarstellungen, heraus. Die 1737 von Ludwig XV. für Fontainebleau bestellten Bilder "Freuden des Landlebens" und "Das Nest" (beide Paris, Musée National du Louvre) stehen am Beginn der mittleren, reifen Schaffensperiode. Grundthema der beiden Bilder und einer weiteren, grossen Anzahl pastoraler Darstellungen ist das galant-erotische Schäferspiel. Jugendliche Schäfer machen mädchenhaften Schäferinnen anmutig tändelnd den Hof. Sie reichen Blumen - oft auch Früchte - bzw. ein Nest - vielfach mit Brieftauben - spielerisch dar. Schafe gesellen sich als "moutons chéris" am Seidenband hinzu. Ein abgeschiedener, kulissenartig aus überwachsenen antiken Architekturfragmenten gebildeter Winkel in einer verwilderten, parkähnlichen Landschaft ist der Bildschauplatz. Schäferkostüm und Schäferrequisiten sind dem zeitgenössischen Theater und den höfischen Maskeraden entlehnt. Bezeichnende Motive, wie der bewachte Schlaf, der Musikunterricht (lecon agréable) oder der heimliche Beobachter, variieren das pastorale Thema, das öfters mit der allegorischen Darstellung der vier Jahreszeiten verbunden ist. Die jugendliche Anmut der Figuren, die preziöse Grazie der Posen, die Delikatesse der kunstvoll arrangierten Dinge und das Raffinement der Farbenwahl bestimmen den Bildcharakter. Die mythologische Thematik stellt sich bei Boucher ganz im Sinne des Rokoko dar: Venus und Diana mit ihren Nymphen, Amor und die Armoretten; nicht die heroischen Taten, sondern die galanten Liebesabenteuer der Götter sind Bildgegenstand. Die "Götterliebschaften" nach Ovids Metamorphosen und die "Geschichte der Psyche" nach Apuleius sind Themen zweier Teppichserien, die nach Kartons von Boucher in Beauvais hergestellt wurden. Bouchers dekorative Gestaltungsweise kommt in diesem Medium angemessen zur Geltung. Der "Triumph der Venus" von 1740 (Stockholm, Nationalmuseum) ist ein Hauptwerk des französischen Rokoko. Hans Sedlmayer schreibt: "Die Zentralgestalt des "style rocaille" aber ist Venus, Venus angenähert dem Nymphenideal der Najaden. Boucher malt ihren Triumph - ihre Attribute: Fels und Muschel, Koralle und Schilf, Wasser, Schaum und Welle, bilden das Arsenal der Rocaille-Ornamentik - ihr Element, das Wasser, bestimmt das Flüssige der Bildungen - seine Bewegungsform, die Welle, das Gesetz der umschlagenden Bewegung - seine Farbe, das tiefe, kühle Meerblau und Schaumweiss, stiften zusammen mit dem Rosigen des Muschelinneren und dem Changieren des Perlmutter einen typischen Farbakkord des Rokoko...". Weitere Meisterwerke sind der "Raub der Europa" (Paris, Musée National du Louvre) und "Leda und der Schwan" (1741, Stockholm, Nationalmuseum). Unter den vielen Diana-Bildern ragen "Diana im Bad" (1742, Paris, Musée National du Louvre) und "Diana nach der Jagd" (1745, Paris, Musée Cognacq-Jay) hervor. In dem Gemälde "Toilette der Venus" (1751, New York, Metropolitan Museum of Art) ist die Göttin in einem boudoirähnlichen Ambiente dargestellt. Die Darstellung ist dem Bild "Ruhendes Mädchen" (1752, München, Alte Pinakothek) vergleichbar. Es finden sich die gleichen erlesenen, die Sinne anregenden Dinge: Schleier, Rose, Räuchergefäss. Der erotische Charakter des Münchener Bildes und seiner verschiedenen Varianten bildet einen deutlichen Unterschied zu der Darstellung der Göttin. Für die weiblichen Figuren standen Bouchers Frau, Marie-jeanne Buseau, selbst eine talentierte Malerin, und Louise O`Murphy, die junge Favoritin des Königs, Modell. Er gestaltete Boudoirszenen mit genreähnlichem Charakter, wie die "Modehändlerin" von 1746 (Stockholm, Nationalmuseum). Das Bild zeigt eine vornehme Dame am Friseurtisch, die eine Modehändlerin empfängt; allegorisch ist dies die Darstellung einer Tageszeit, des Morgens. Bezeichnend ist, welch geringe Rolle die szenische Handlung bei Boucher spielt. Wichtig sind die einzelnen Dinge, die Spitzen und Bänder, Draperien und Toilettenartikel, und die Figuren in anmutiger Pose. Ein früheres Bild ähnlicher Art, "Das Frühstück" (1739, Paris, Musée National du Louvre), der Handlungen oder Gebärden in verschiedene - widersprüchliche - Richtungen. Das hochgeschätzte Genre des höfischen Porträts hat Boucher wenig gepflegt, nur die Porträts der Marquise de Pompadur sind bedeutungsvoll, wie das Londoner Bildnis der Wallace Collection von 1759. Ausserdem hat er Landschaftsbilder gemalt. Die Reisen zwischen Paris und Beauvais mögen dazu Anregungen gegeben haben, doch zeigen die Bilder keine realistischen Züge, sie haben vielmehr Verwandtschaft mit Bouchers Bühnenbildern. Die kulissenhaft-kunstvolle Komposition, die effektvolle, aber kaum natürliche Beleuchtung und die malerische, die verschiedene Stofflichkeit nicht charakterisierende Wiedergabe von Pflanzen, von Erde oder Stein stimmen mit ihnen überein, dies zeigt ein Vergleich der "Landschaft mit der Mühle" (1753, Orleans, Musée des Beaux-Arts) mit der Bühnenskizze für die Oper "Issé", 1742 im Salon ausgestellt (Amiens, Musée de Picardie). Die im Rokoko so beliebten Chinoserien waren ebenfalls ein Sujet Bouchers. Die letzten Schaffensjahre Bouchers waren nicht mehr erfolgreich. Seine Gemälde liessen qualitativ nach. Denis Diderot führte eine erbitterte Kampagne gegen Boucher; der herrschende Geschmack wandelte sich in diesen Jahren vollkommen. In den moralisierenden Kritiken Diderots und Friedirch Melchior Grimms kommt deutlich die Abkehr vom Rokoko, das als gekünstelt und verdorben empfunden wurde, zum Ausdruck.

Boullée, Etienne-Louis
* 12.2.1728 in Paris, + 6.2.1799 in Paris. Französischer Architekt, Lehrer und Theoretiker der Revolutionsarchitektur, einer der bedeutendsten Architekten des 18. Jh.. Nach einer Ausbildung als Maler studierte er Architektur u.a. bei Francois Blondel. Nach einer Periode konventioneller Entwürfe im Zeitgeschmack des Manierismus brachte sein Brunoy-Hotel an den Champs-Elysees 1779 stilistisch eine Wende. 1762 wurde Boullée Mitglied der Académie Royale d`Architecture und widmete sich verstärkt der Theorie und Lehre. Eine nachhaltige Wirkung und bleibende Bedeutung erlangte er jedoch in seinen letzten Lebensjahren mit monumentalen architektonischen Kompositionen aus reinen stereometrischen Körpern und abweisend ungegliederten Wandflächen, kontrastiert nur von endlosen Kolonnaden oder Zypressenreihen. Boullée beeinflusste mit diesen Entwürfen und deren malerisch perfekt eingefangenen atmosphärischen Stimmungen (im Geiste der Frühromantik) nicht nur seine Schüler, sondern weithin auch die Entwicklung des Klassizismus über Frankreichs Grenzen hinaus. Dabei fällt ihm das Primat zu, in der Architektur als erster mit dem Newton-Konotaph 1784 die Kugelidee formuliert zu haben. Boullée hat in diesen Entwürfen, die als Illustration zu seinem Essay über Architektur gedacht waren, das aufgeklärte und revolutionäre Gedankengut seiner Zeit architektonisch zum Ausdruck gebracht. Dabei muss sein Grössenanspruch (oft als Megalomanie missdeutet) als architektonischer Versuch gewertet werden, mit der neuen Erkenntnis der Unermesslichkeitdes Weltalls fertigzuwerden - die Massstablosikkeit ist somit nicht politisch, sonder kosmologisch begründet.

Boullongne, Bon d.Ä.
* 22.2.1649 in Paris, + 17.5.1717 in Paris. Französischer Maler. Sohn von Boullongne, Louis d.Ä. Schon in jungen Jahren hielt er sich in Rom und der Lombardei auf, wo er Einflüsse der Carraci, Correggios und der Bologneser Maler aufnahm. Nach Paris zurückgekehrt, wurde er 1677 mit dem Bild "Herkules im Kampf gegen die Kentauren" (Pairs, Musée National du Louvre) in die Akademie aufgenommen und war ab 1692 Professor. Sein Hauptwerk sind die unter der Leitung von Charles Le Brun 1702 entstandenen Ausgestaltun

Boullongne, Louis d.Ä.
* 1609 in Paris, + 13.6.1674 in Paris. Französischer Maler. Vater von Boullongne, Bon d.Ä.. Schüler von Jacques Blanchard und Freund von Sebastien Bourdons. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der 1648 eingerichteten Académie und war ab 1656 Professor. Malerisch gehörte er zu den Klassizisten, die versuchten, die Errungenschaften von Simon Vouet und von Nicolas Poussin der Tradition zu integrieren; dies veranschaulicht auch das 1646 für Notre-Dame gemalte Bild "Die Kinder des Oberpriesters Sceva" (Pari

Boullongne, Louis d.J.
* 19.11.1654 in Paris, + 21.11.1733 in Paris. Französischer Maler zwischen Barock und Klassizismus, ein Sohn von Boullongne, Louis d.Ä.. Schon 1671 erhielt er mit dem Bild "Der König gibt Europa den Frieden" den zweiten Preis des Salons und stieg zum Direktor der Akademie (1722) und zum Ersten Hofmaler (1725) auf. Im Auftrag der Königlichen Gobelinmanufaktur kopierte er Gemälde von Raffael in Rom, Venedig und in der Lombardei. Die ihm so ermöglichten Studien und unmittelbaren Eindrücke führten ihn zu

Boumann, Johann
* 1706 in Amsterdam, + 6.9.1776 in Berlin. Deutsch-niederländischer Architekt des friderizianischen Spätbarock. Er wurde 1732 nach Potsdam gerufen, nachdem König Friedrich Wilhelm I. eine Garnison hierher verlegte und, dadurch bedingt, eine Stadterweiterung erforderlich war. Für die Planung diese Holländischen Viertels wurde der Niederländer 1732-40 herangezogen. In seiner Stellung als königlich-preussischer Baubeamter oblag ihm die Aufsicht über die bedeutendsten königlichen Bauten. So war er vor allem an der Ausführung des Schlosses von Sanssouci von 1745-47 beteiligt. Dann baute er das Stadtschloss von Potsdam III nach 1751 sowie den Prinz-Heinrich-Palais in Berlin von 1748-66. Der Palast König Friedrichs II. in Breslau II, erbaut zwischen 1750 und 1751, ist charakteristisch für seinen Stil. Im Aussenbau äusserst karg an Architekturelementen, setzt sich im Inneren eine wenn auch sehr sparsame Rokokodekoration durch. In ihrer grossen Schlichtheit und sparsamen Verwendung von Dekor verweisen Boumanns Bauten auf den kommenden Klassizismus. Kurz vor seinem Tod wurde er zum Oberbaudirektor ernannt.

Bourdichon, Jean
* um 1457 in Tours oder im Bourbonnais, + 29.7.1521 in Tours. Französischer Maler zwischen Spätgotik und Renaissance. Architekt, vor allem als Buchmaler fassbar. Bourdichon wurde wahrscheinlich in Tours, möglicherweise in der Werkstatt Jean Fouquets, ausgebildet. Hofmaler Ludwigs XI., Karls XIII. und Ludwigs XII., arbeitete er auch als entwerfender Architekt und fertigte Entwürfe für Münzen und Dekorationen. Noch unter Franz I. war er als Porträtist tätig und besorgte die Ausstattung eines Feldlagers. Unter den illuminierten Prachthandschriften ist "Das grosse Stundenbuch der Anne de Bretagne" (Paris, Bibiotheque Nationale) am bekanntesten. Die Handschrift, die um 1505-07 entstand, kennzeichnet den Maler als eine Persönlichkeit, die im Zeichen der Renaissance noch weitgehend dem Denken und der Form des Mittelalters verpflichtet ist, und stellt zugleich einen wichtigen Hinweis auf die Macht des Gattungsstils dar: In der Buchmalerei, die in dieser Zeit keine Zukunft mehr hatte, scheint die Tradition der älteren Form bereits Bestandteil des Auftrags zu sein. von bewunderswerter Präzison sind Randleisten mit Blumen und Insekten, in denen sich die neue Anschauung der äusseren Natur Ausdruck verschafft und die einen Platz in der Geschichte der naturwissenschaftlichen Illustration beanspruchen. Dem Illuminator Bourdichon ist eine ganze Reihe von Stundenbüchern zugeschrieben worden: Innsbruck, Universitätsbibliothek; London, Sammlung J. Rothschild; New York, Pierpont Morgan Library; Modena, Biblioteca Estense. In der Bibliotheque Nationale in Paris werden aufbewahrt: Stundenbuch Friedrichs von Aragon; Stundenbuch Karls VIII.; Stundenbuch mit Porträt; das Missale von Tours. Als Maler von Tafeln ist Bourdichon nur stilkritisch greifbar; man neigt dazu, ihm manches aus dem Werk des Meisters von Moulins zuzuweisen. Als gesichert gilt die Zuschreibung eines Triptychos in der Galleria Nazionale in Neapel (Galleria Nazionale Di Capodimonte); auf der zentralen Innentafel ist "Maria mit dem Kinde", auf den Flügeln links "Johannes d.T.", rechts "Johannes d.E.", im rundbogigen Aufsatz eine Kreuzigung darstellt. Möglicherweise von seiner Hand sind die Porträts des "Dauphin Charles-Orland" (Paris, Musée National du Louvre) und das Mittelbild des Triptychons der Kathedrale in Moulins.

Bourdon, Sebastien
* 2.2.1616 in Montpellier, + 8.5.1671 in Paris. Französischer Maler, der sich während seines Aufenthalts in Rom zwischen 1635 und 1637 (den er möglicherweise abbrach, weil er sich als Hugenotte verfolgt fühlte) als routinierter Nachahmer aller gängigen Stilarten erwies. Er malte ebenso Landschaften in der Art Claude Lorrains wie auch Bambocciaden, Historienbilder und religiöse Gemälde. Nach Frankreich zurückgekehrt, schuf er im Auftrag der Zunft der Goldschmiede 1643 eine "Kreuzigung des Hl. Petrus" für

Boutaca, DiegoBoytac, Diego

Bover, Ossip IwanowitschBeauvais, Ossip Iwanowitsch

Boy, Adolf
* 1612 in Danzig (heute Gdansk), + 1680 in Danzig. Polnischer Maler und Dekorateur, war ab 1626 bei Bartholomäus Miltwitz in der Lehre und wurde 1636 Meister. Er war Historiograf und Sekretär des Königs Wladislaw IV. von Polen, wobei es seine Aufgabe war, die Bildnisse des Königshauses zu malen, und Stadtmaler und Stadtdekorateur von Danzig, wo er neben Porträts der Ratsherren und der Ausschmückung der Stadtchronik auf einen "Prospekt der Stadt Danzig" ausführte (1680, Gdansk, Glownego Miasta w Gadnsk

Boytac, Diogo
(auch Boitac, Boutaca). * vor 1490, + 1525 (?) in Batalha. Französisch-portugiesischer Architekt aus dem Languedoc. Einer der bedeutendsten Baumeister des Emanuelstils. Boytacs Architektursprache greift auf gotische Formen zurück und verbindet sie zukunftsweisend mit denen der Renaissance. 1492 errichtete er die Grundmauern der Jesús-Kirche in Setúbal, der ersten Kirche im Emanuelstil. Boytac war an den hervorragendsten Bauaufgaben des Hofes beteiligt. 1507 arbeitete er am Kloster S. Cruz in Coimbra, zwischen 1509 und 1519 war er mehrmals am spätgotischen Kloster Batalha beschäftigt. Seine dortigen Arbeiten am sog. Königlichen Kreuzgang sind als gesichert anzusehen. Das Hieronymitenkloster Belém bei Lissabon, wo er ab 1514 arbeitete, gilt als Meisterwerk des emanuelischen Stils und verbindet bautechnisches Können mit einem geradezu wuchernden Bauschmuck im Renaissancestil. Zwischenzeitlich hatte er wohl die Bauaufsicht über königliche Kirchen und Festungen in Afrika. 1516 kehrte er nach Batalha zurück und liess sich dort endgültig nieder.

Bramante, Donato
(eigentlich Donato di Pascuccio d`Antonio, 1444-1514). Der erste grosse Architekt der Hochrenaissance; stand anfangs im Schatten von Alberti (Alberti, Leon Battista) und Michelozzo und wurde von Leonardo da Vinci, dessen Vorliebe für den Zentralbau er übernahm, stark beeinflusst. In Rom entwickelte Bramante einen klassischen Stil von grossartiger Monumentalität, der eine tiefe und nachhaltige Wirkung auf die weitere Entwicklung der italienischen Architektur ausüben sollte. Palladio, Andrea erklärte: "Er war der erste, der gute Architektur ans Licht brachte". Bramante wurde in der Nähe von Urbino geboren, wo er möglicherweise mit den Künstlern am Hofe von Federgio da Montefeltro, mit Piero della Francesca und Franceso di Giorgio Martini, dem er wahrscheinlich sein Interesse an Problemen der Perspektive verdankte, zusammentraf. Erste Erwähnung 1477 mit perspektivischer Fassadenmalerei am Podesta-Palazzo Bergamo; aus dem Jahre 1481 stammt eine Zeichnung, die als perspektivische Malvorlage in Kupfer gestochen wurde. Um 1479 trat er in die Dienste des Herzogs Ludovico Sforza, für den er in Vigevano sowohl als Dekorationsmaler als auch als Architekt arbeitete. Sein erstes bedeutendes Werk ist S. Maria presso S. Satiro in Mailand (beg. 1479). Für die kleine Capella della Pieta (aus dem 9. Jh.) schuf Bramante die von Nischen und schlanken Pilastern gegliederte, mit einem etwas klotzigen Oktogon gekrönte Ummantelung. Für die Kirche selbst plante er einen Grundriss in Form eines lat. Kreuzes und eine Vierungskuppel. Albertis (Alberti, Leon Battista) Einfluss zeigt sich in dem Entwurf für die unvollendet gebliebene Fassade, in der Verwendung flacher Pilaster an den Seitenwänden und in dem Tonnengewölbe des Schiffes. Da für einen Chor kein Raum war, täuschte Bramante ihn mit Hilfe von Scheinmalerei und Reliefs vor (vom richtigen Standpunkt aus betrachtet, ist die Illusion vollkommen). Über dem Altar errichtete er die erste nachrömische Kuppel (Kassettierung). Auch die okotgonale Sakristei ist ein Werk Bramantes, sie enthält äusserst reichen plastischen Schmuck. 1488 wurde Bramante als Berater für den Bau des Domes in Pavia berufen, doch wurde nur die Krypta nach seinen Vorschlägen ausgeführt. Für die gotische Kirche S. Maria della Grazie in Mailand (begon. 1492) entwarf er einen zentral angelegten Ostabschluss, der innen weitläufig und licht ist, während die Aussenwände der Apsiden (Apsis) und des sechzehneckigen Tambours, der die Kuppel trägt, verschwenderisch mit eleganter, aber ziemlich kleinteiliger Bauplastik geschmückt sind (doch scheint es, dass viele der Ornamente in Bramantes Entwürfen nicht vorgesehen waren). Für die Basilika von S. Ambrogio in Mailand entwarf er den Kreuzgang des Chorherrenstifts (1492, nur ein Flügel erhalten) und später eine weitere Anlage von vier Kreuzgängen (1497, zwei wurden 1576 nach seinen Plänen fertiggestellt). Im Kreuzgang des Chorherrenstifts verwendet er schlanke korinthische Säulen (Säulenordnungen) mit kühn vorkragenden Kämpferblöcken, und vier Säulen sind als Baumstämme, an denen Stümpfe abgesägter Zweige plastisch hervortreten, gestaltet. Der französische Einfall in die Lombardei und der Sturz der Sforza zwangen Bramante 1499 nach Rom, dem damaligen künstlerischen Zentrum Italiens, zu fliehen. Sein erstes Werk dort war, von einigen Fresken abgesehen, der Kreuzgang von S. Maria della Pace (1504), der sich vor all seinen früheren Entwürfen stark unterscheidet. Das Erdgeschoss des Kreuzganges weist von starken Pfeilern - denen ionische Pilaster vorgeblendet sind - getragene - Arkaden auf und im Obergeschoss eine offene Galerie mit abwechselnd Säulen und Pfeilern, die keine Bogen, sondern einen Architrav tragen. Es ist ein typisch römischer Bau, der eine ruhige Würde austrahlt. Noch strenger und römischer ist sein nächstes Werk, der Templetto von S. Pietro in Monotorio (1502) in Rom, das erste bedeutende Bauwerk der Hochrenaissance, dessen majestätische Feierlichkeit seine kleinen Aussmasse vergessen lässt. Im Erdgeschoss wird er von einem Säulengang toskanisch-dorischer Ordnung mit streng klassischem Gebälk umgeben. Ausser den Metopen und den Muschelkronen der Nischen zeigt der ganze Aussenbau keinerlei Schmuck. Ursprünglich war der Tempietto als Mittelpunkt eines kreisförmigen Peristyls gedacht, der diesem körperhaften Bau die angemessene räumliche Fassung gegeben hätte, denn wie ein griechischer Tempel ist er eher als Plastik denn als Hülle eines Innenraumes empfunden. Hier kam die Renaissance dem Geist der Antike näher als irgendeinem anderen Bauwerk. Die Wahl des Papstes Julius II. im Jahre 1503 gab Bramante einen neuen, ihm ganz kongenialen Bauherrn, der ihn mit der Entwicklung eines Gesamtplanes für den Vatikan und St. Peter betraute. Ein später in den Cortile di s. Damaso aufgegangener Gebäudekomplex mit drei Reihen übereinandergesetzter Arkaden wurde sofort in Angriff genommen. Diese Anlage war relativ bescheiden im Vergleich zu dem Plan für den Cortile del Belvedere, einen riesigen, etwa 310 m langen und 70 m breiten Hof mit drei Terrassen verschiedenen Niveaus, von Arkadenbauten flankiert, mit einem Theater am tiefer liegenden Hofende und einem Antiquarium, das mit einer grossen Exedra den oberen Hofraum abschliesst. Die Arbeiten wurden zuerst am oberen Hofende, wo das Antiquarium steht, aufgenommen, er wurde jedoch nur das erste Geschoss nach Bramantes Entwürfen fertiggestellt (in späterer Zeit stark verändert). Die schöne Wendeltreppe in einem Turm des Belvedere (ca. 1505) ist das einzige unversehrt gebliebene Werk Bramantes im Vatikan. Sein Entwurf für St. Peter sah eine Kirche vor, die eine idealer Zentralbau gewesen wäre. Der Grundriss hatte die Gestalt eines griechischen Kreuzes mit halbrund geschlossenen Kreuzarmen, zwischen denen vier kleinere überkuppelte griechische Kreuze das Ganze zu einem Quadrat ergänzen sollten. Die riesige Zentralkuppel sollte in ihrer Spannweite der Pantheon-Kuppel entsprechen. an den Endpunkten der Diagonalachsen waren Ecktürme vorgesehen. Das ganze Bauwerk sollte isoliert auf einem ungeheuer weiten Platz stehen. Im Jahre 1506 wurde der Grundstein gelegt, die Bauarbeiten schritten aber nur zögernd voran, bis mit dem Tode Julius II. 1513 alles zum Stillstand kam. Ein anderes Werk Bramantes, die Kirche S. Maria del Popolo in Rom (1505-09), ist klein in Ausmassen, aber grossartig in der Auffassung. Das Gewölbe ist stark kassettiert, die Apsis hat einen Muchselabschluss. Bramante fertigte auch den Entwurf für den Caprini-Palazzo und begann mit den Bauarbeiten (1514, im 17. Jh. abgerissen). Das Erdgeschoss hatte ein schweres Bossenwerk, das Obergeschoss fünf Giebelfenster zwischen paarweise angeordneten Halbsäulen, eine oft nachgeahmte Anordnung. Das Haus wurde 1517 von Raffael erworben, der Berninis (Bernini, Gianlorenzo) Erbe als führender Architekt in Rom antrat.

Bramer, Leonard
* 24.12.1596 in Delft, + 10.2.1674 in Delft. Holländischer Maler und Zeichner. Nach einer Italienreise ab 1614, auf der er Adam Elsheimer traf, liess sich Bramer 1629 endgültig in Delft nieder. Seine Bilder haben meist biblische oder historische Themen. An öffentlichen Aufträgen führte er u.a. die Decke im grossen Saal des Prinsenhof Delft aus (um 1668, Himmelfahrt Christi). Bedeutender war er als Zeichner. Eine Reihe von Illustrationen ist von seiner Hand erhalten, z.B. eine zu den "Wunderlichen Träume

Brandin, Philipp
(+ 1594). Niederländischer Bildhauer und Architekt im Dienst des Herzogs Johann Albrecht I. von Mecklenburg in Schwerin und Wismar. Erbaute den nördlichen Schlossflügel von Schloss Güstrow I (1583).

Brandl, Peter Johannes
* (getauft) 24.10.1668 in Prag, + 24.9.1735 in Kuttenburg (Kutná Hora). Böhmischer Maler, der bedeutendste Vertreter des böhmischen Hochbarock. Er lernte bei dem Inspektor der Burggalerie, Christian Schröder, und fand sein Vorbilder in Michael Wenzel Halbax, Johann Rudolf Byss und Karel Skreta. Von entscheidender Bedeutung für die Stilbildung Brandls, der seine Heimat nie verlassen hat, war die Kenntnis der Werke venezianischer und bolognesischer Malerei, die ihm in der Prager Burggalerie zugänglich waren. von ihm stammen eine Reihe im Hinblick auf Kolorit und Konzeption bedeutender religiöser Kompositionen, darunter die "Taufe Christi" (Prag, St.-Veits-Dom) und die "Heilung des Tobias" (Prag, Národni-Galerie), sowie zahlreiche psycholigisch eindringliche Porträts (Simeon mit dem Jesuskind, um 1725, Prag, Národni-Galerie). Zeitweise arbeitete Brandl zusammen mit seinem Sohn Maximilian.

Brandstein, PhilippBrandin, Philipp

Braun von Braun, Matthias BernardBraun, Matthias Bernard

Braun, Christoph
(* 4.2.1767 Stuttgart † 12.11.1835 Stuttgart), Vergolder. Braun wurde 1802 zum Hofvergolder ernannt und betätigte sich außerdem als Spiegelhändler. Er führte Vergolderarbeiten im Neuen Schloss in Stuttgart (Stuttgart II) und in Schloss Ludwigsburg Krs. Ludwigsburg aus.

Braun, Hans
(tätig 1586-1590, + 1611). Seit 1601 fürstlicher Werkmeister in Württemberg. War zusammen mit Schickardt, Heinrich am Prinzenbau in Stuttgart beteiligt.

Braun, Matthias Bernard
(auch Braun von Braun). *25.2.1684 in Sautenz (Tirol), + 15.2.1738 in Prag. Böhmischer Bildhauer. Neben Ferdinand Maximilian Brokoff Hauptmeister der böhmischen Richtung der Barockskulptur, die auf heftig bewegte, ekstatische Figuren von leidenschaftlichem Pathos und einer unruhigen, bis zur Formauflösung durchwühlten Oberflächenbehandlung abzielt. Nach Lehrjahren in Italien kam Braun auf Einladung des Grafen Sporck um 1704 zu dessen böhmischen Gütern und liess sich seit ca. 1709 in Prag nieder, wo er es zu hohem Wohlstand brachte. Hauptwerke: "Die hl. Luitgard vor dem Gekreuzigten" (1710) nach einem Entwurf des Maler Brandl, Peter Johannes sowie Hl. Ivo, beide auf der Prager Karlsbrücke; Figuren für Portale, Treppenhäuser und Gärten der Prager Palais Clam-Gallas-Palais Prag, Czernin-Palast, Thun-Hohenstein-Palais; Wrtba-Palais, des Grosspriorats Prag u.a., Statuen und Beichstühle von St. Clemens in Prag (1716-21), Hauptaltar und überlebensgrosse Heiligenfiguren in der Piaristenkirche Litomysl (Leitomischl, auf 1717), Holzschnitzereien in der Marienkirche von Stará Boleslav (Altbunzlau, seit 1717) und in Horká (um 1728), Dreifaltigkeitssäule in Teplice (Teplitz-Schönau, 1718), Pyramidengrab für den 1723 gestorbenen böhmischen Kanzler Graf Schlick im Prager Veitsdom, Jagddenkmal für "Kaiser Karl VI." in Hlawenitz (nach 1724), Marmorbildnis Karls VI. (Brauns letztes Werk, verschollen). Die berühmtesten Werke sind die beiden im Auftrag des Grafen Storck entstandenen Zyklen für Schloss und Park Kuks (Kukus) in Nordböhmen: "Die Tugenden und Laster" auf der Terasse des Schlosses und vor allem die Landschaftsskulpturen in Bethlehem (1726-30), einem Wald bei Kuks, wo Braun "Geburt und Erscheinung Christi", den "Hl. Hubertus" und asketische, wild behaarte "Anachoreten" aus dem Fels schlug, in der Weise, als seien sie natürlich gewachsene Gestalten in Waldes- und Höhleneinsamkeit, die überraschend wie lebendige Menschen plötzlich auftauchen. In jüngster Zeit wird ein kleines Braun-Museum in den Konventsgebäuden des Kloster Kladruby (Kladrau) in Südböhmen eingerichtet.

Bregno, Antonio
Tätig zwischen 1425 und 1457 in Venedig. Der italienische Bildhauer der Frührenaissance stammte aus der Provinz Como. In Venedig war er Mitglied der Werkstatt von Giovanni Bono und Bartolomeo Bono. Als deren Mitarbeiter war er 1438-42 an der Porta della Carta und an anderen Stellen des Dogenpalast Venedig beschäftigt. Sein Hauptwerk ist das Grabmal des Dogen Francesco Foscari (+ 1457) in S. Maria Gloriosa dei Frari, das er zusammen mit seinem Bruder Paolo und mit Antonio Rizzo fertigte.

Breitenauer, Ignaz Alexander
* (getauft) 3.5.1757 in Eichstätt, +4.5.1838 in Eichstätt. Deutscher Bildhauer. Zuerst Schüler seines Vaters, des Bildhauers Joseph Anton Breitenauer, ging er 1774 nach Freising, dann nach Augsburg in die Lehre und begann schliesslich 1777 ein Studium an der Akademie der bildenden Künste in München bei Roman Anton Boos, nach dessen Entwürfen er im Nymphenburger Park die Figuren des "Apoll" und "Bacchus" sowie der "Diana" und "Ceres" ausführte. 1785 liess er sich in Eichstätt nieder und wurde dort Zeichenl

Bril, Paul
* 1554 in Antwerpen, + 7.10.1626 in Rom. Flämischer Maler und Kupferstecher, Bruder von Bril, Mattheus d.J., erhielt seine Ausbildung bei seinem Vater Bril, Mattheus d.Ä., verliess aber im Alter von 20 Jahren die Heimat und wanderte über Lyon nach Italien, wo er sich in Rom niederliess. Für die verschiedenen Päpste, die während seines Lebens regierten, schuf Bril Fresken in der Scala Santa, der Galleria Clementina und der Biblioteca Vaticana sowie im Rospigliosi-Palazzo und in der Caprarola. Nach dem Vorbild der Brüder Carracci in Bologna gründete er in Rom eine Werkstatt, aus der als sein Schüler Agostino Tassi hervorging, der später Lehrer Claude Lorrains wurde. Brils malerisches Werk, an dem wahrscheinlich auch Gehilfen und Schüler mitarbeiteten, ist umfangreich. Er pflegte die klassische "ideale Landschaft", wie in dem 1591 geschaffenen Bild "Waldlandschaft" (Florenz, Galleria degli Uffizi) oder der "Hirschjagd" (Paris, Musée National du Louvre). Es war Brils künstlerisches Verdienst, die traditionell robusten Formen der flämischen Malerei durch die weiche Fülle des italienischen Kolorits bereichert zu haben. Nach der Begegnung mit Adam Elsheimer, die wohl das Schaffen beider Maler befruchtete, wurden Brils durch intensive Verwendung des Helldunkels gekennzeichnete Bilder poesievoller. Für seine grossen Tafelbilder bevorzugte er, wi in "Venus und Adonis" (Toulouse, Musée des Augustins) und "Diana und Nymphen" (Paris, Musée National du Louvre), mythologische Themen oder auch, wie in "Versuchung des hl. Hieronymus" (Rotterdam, Museum Boymans-van Beuningen) und "Bekehrung des Paulus" (Mailand, Biblioteca Ambrosiana), religiöse Motive. Daneben schuf er hervorragende Miniaturen und Radierungen, u.a. von italienischen Landschaften. Einige seiner Stiche sind mit einer Brille - niederländisch bril - signiert.

Brill, PaulBril, Paul

Briseux, Charles Etienne
(1660-1754). Französischer Architekt und Theoretiker. Briseux baute in Paris (Quartier Montmarte) das Palais des Generalsteuerbevollmächtigten d`Augny (Augny-Palais). Seine Bedeutung verdankt Briseux seinen Architekturtraktaten: "L`Archtekture moderne...", 2 Bände, Paris 1728 (1754 2. Auflage); "L`Art de batir des maisons de campagne...", 2 Bände, Paris 1743; "Traite du beau essentiel dans les arts...", Paris 1752.

Brokoff, Ferdinand Maximilian
* 12.9.1688 in Rothenhaus (heute Červený Hrádek) bei Komotau (Chomutov), + 8.3.1731 in Prag. Bedeutender Barockbildhauer, Sohn von Brokoff, Johann, arbeitete zunächst in der Werkstatt seines Vaters, der auch sein Bruder Johann Josef Michael angehörte. Die entscheidenden Eindrücke erhielt er aber weder hier noch bei dem gelegentlich als Lehrer genannten Andreas Quittainer, sondern im Umkreis des Peter von Strudel in Wien. Die ersten ihm sicher zuzuweisenden Werke sind die Steinfiguren der Prager Karlsbrücke: "Franz von Borgia" (1710) und "Kajetan" (1709), "Ignatius von Loyola" und "Franz Xaver" (1710-11), "Vinzenz Ferrer" und "Prokop" (1712) folgten "Johann von Matha", "Felix von Valois" und "Iwan". 1714 schuf Brokoff auch die Plastiken des Morzin-Palais, die Statuen des Grabmals Vratislavs von Mitrovic in St. Jakob und die Statuengruppe "Johannes d. T." auf dem Malteserplatz, alle in Prag. Durch Johann Bernhard Fischer von Erlach und dessen Sohn, die ihn schon für das Vratislav-Grabmal herangezogen hatten, erhielt er Aufträge bis nach Wien und Breslau. In Breslau schuf er für die Kurfürstenkapelle die Marmorstatuen "Moses und Aaron" und Supraportenengel (1722), für die Elisabethkirche das Grabmal des Johann Georg von Wolff, für Wien den Entwurf der "Glorie des hl. Karl" (1728) in der Karlskirche. Die wichtigsten Spätwerke entstanden jedoch in Prag, und zwar ein Kalvarienberg und "Die vier Evangelisten" in der Galluskirche (um 1720) sowie die Mariensäule auf dem Burgplatz (um 1725). Titanische Figuren und ein zeitweilig derber Realismus kennzeichnen seinen Spätstil.

Brokoff, Johann
*1652 in St. Georgenberg, + 28.12.1718 in Prag. Slowakischer Bildhauer des Barock, Vater von Brokoff, Ferdinand Maximilian. Seine Lehrzeit absolvierte er vielleicht bei Matthias Rauchmüller oder bei Elias Räntz in Wien. Sein künstlerischer Aufstieg begann ab 1682 hauptsächlich mit Bauplastik und Gartenskulpturen für westböhmische Adelssitze. Wichtig wurde seine Arbeit am Gussmodel des "Hl. Johann von Nepomuk" für die Prager Karlsbrücke (ab 1682, heute in St. Johann am Felsen, Prag). Rauchmüller hatte 1681

Brongniart, Alexandre-Theodore
(1739-1813). Berühmter französischer Architekt des Klassizismus. Geboren in Paris. Schüler von Blondel, Jacques-Francois. Er machte sich 1765 selbständig, war bald erfolgreich, baute das Theater in Caen (zerstört) und das Hotel des Montesson Montesson-Hotel in Paris. Für seine Wohnbauten wählte er einen anmutigen, unpedantischen klassizistischen Stil, der in der Architektur das Gegenstück zu den Plastiken Clodions, der von Brongniart oft für Dekorationen herangezogen wurde, dargestellt (z.B. das ehemalige Conde-Hotel, Paris, 1781). Das Kapuzinerkloster an der Chaussee d`Antin (1789, heute Lycee Condordet, Umbau der Fassade 1864), zeigt eine strengere Auffassung; der Kreuzgang ist eine Kolonnade mit dorischen Säulen nach dem Vorbild Paestums. Sein letztes bedeutendes Werk war die Pariser Börse, ein angemessen grossartiger Bau im korinthischen Stil des kaiserlichen Rom (beg. 1807, 1895 verändert u. erweitert). 1804 wurde Brongniart mit der Anlage des Pariser Friedhofs Pere-Lachaise betraut; die Ausführung im Stil eines Englischen Gartens (Gartenbaukunst) gewann grossen Einfluss.

Bronzino, Angelo
(auch Angelo Tori). * 1502 in Monticelli bei Florenz, + 1563 in Monticelli). Italienischer Maler, bedeutender Vertreter des Florentiner Manierismus. Er arbeitete bereits sehr früh im Atelier Raffaellino del Garbos, seine eigentliche Lehre aber absolvierte er bei Jacopo Pontormo, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. 1522-25 malte er zusammen mit Pontormo in der Kartause in Galluzzo eine "Pieta mit zwei Engeln" und 1524-26 in der Cappella Capponi in S. Felicita in Florenz das "Tondo mit einem Ev

Brosse, Salomon de
(1571-1626). Geboren in Verneuil, wo Jacques Androuet Du Cerceau, sein Grossvater mütterlicherseits, das Schloss erbaut hatte. Auch sein Vater war Architekt. Um 1598 liess sich Brosse in Paris nieder; er wurde 1608 zum Baumeister der Krone ernannt. Anders als seine Verwandten Du Cerceau und sein Vorläufer Bullant fasste er die Baukunst als Gestaltung von plastischen Körpern auf, nicht nur als Oberflächendekoration. Dieser Sinn für Körperlichkeit kommt klar in dem von ihm erbauten Luxembourg-Palais (1613/14, im 19. Jh. erweitert u. verändert) und in den Schlössern von Coulommiers (1613) und Blerancourt, seinem wohl schönsten Bauwerk (1619) zum Ausdruck. Blerancourt erregte zu seiner Zeit grosses Aufsehen als freistehender, ringsum sichtbarer symbolischer Block. 1618 begann Brosse mit dem Bau des Palais du Parlament in Rennes (heute Justizpalast Rennes), dem er durch sein Gefühl für klar bestimmte Massen und für die Feinheiten klassischer Details grosse Vornehmheit verlieh. Die Fassade von St-Gervais-St-Protais in Paris (1616-21) stellt den Inbegriff des franz. barocken Klassizismus (Barock) dar; in ihm verbindet sich das Schema von Vignola, Giacomo Barozzi da von Il Gesu mit dem Stil des Mittelrisalits (Risalit) von Schloss Anet von Delorme, Philibert. Brosse war der bedeutendste Vorläufer von Mansart, Francois, dessen Stil er teilweise vorgweggenommen hat.

Brost, Heinrich
(*1894). Architekt. War am Bau von Breslau VII (Websky-Schlösschen) beteiligt.

Brown, CapabilityBrown, Lancelot

Brown, Lancelot
(auch Capability Brown). * 1715 in Kirkhall, + 6.2.1783 in London. Bedeutendster englischer Landschaftsarchitekt der Frühromantik. Beeinflusst durch die Landschaftsauffassung William Kents und die Kriterien der Schönheitslehre Edmund Burkes, vertrat Brown eine vorromanische, sensualistisch geprägte Ästhetik. In Ihrem Wesen sollte die Landschaft nicht auf Inhalte und Ideen verweisen, eine Orientierung an der klassischen, idealistischen Landschaftsmalerei vermied Brown. Im Gegensatz zu William Chambers entwarf er ein System natürlicher Elemente und unmittelbar sinnlich wirksame Gartenbilder. Die Beschaffenheit der Grundstücke bliebt weitgehend unverändert. Von diesen Möglichkeiten auszugehen, brachte ihm den Beinamen "Capability" (Möglichkeit) ein. Charakteristisch für seine Parkanlagen sind weite Wiesengründe mit leicht gewelltem Terrain, Baumgruppen und rahmende Waldgürtel mit Umgangsweg und wenigen Fernblicken. Er verzichtete auf Blumenbeete und Gartenarchitekturen, setzte aber Wasser als Hauptgestaltungsmittel ein. Bei fast allen grösseren Projekten legte er serpentinenförmige Seen mit kahlen Uferlinien in wellenförmigen Linien an. Nach seiner Überzeugung waren Gegebenheiten der Natur von ihren Fehlern zu befreien, die Natur in ihrer Naturhaftigkeit zu verbessern. Bei den Schlössern Blenheim Palace, Burghley House Stamford und Lougleat Palace zerstörte Brown wertvolle historische gärten des formalen Stils sowie viele Terrassenanlagen. In Mittelengland und Südengland gestaltete er für Hochadel und Kaufleute über 200 Landschaftsgärten. In London war er an der Gestaltung der Kensington Gardens (Kensington Palace) und des Hampton Court-Parks (Hampton Court Palace) massgeblich beteiligt. Sein Werk fand grosse Nachfolge, aber seine Rigorosität und gefühlsbetonte Ästhetik riefen im 19. Jh. scharfe Kritik und Ablehnung hervor.

Bruant, Liberal
(ca. 1635-97). Erbaute das Invalides-Hotel in Paris (1670-77), das wegen der römischen Würde seiner Arkadenhöfe hervorragt, ferner die höchst originelle Chapelle de la Salpetriere in Paris (um 1670-79) sowie die Kirche St-Louis des Invalides (1670-79). Kuppel und Nordportal wurden von J.H. Mansart vollendet. 1662 lieferte Bruant einen Entwurf für Schloss Richmond Castle in England. Auch der von Mansart völlig veränderte Entwurf zur Place Vendome stammte von Bruant. Er war ein hochbegabter Architekt, der niemals den verdienten Erfolg erlangte.

Bruce, Sir William
(1630-1710). Brachte den barocken Klassizismus (Barock) nach Schottland. Er erlangte nach der Restauration der Stuarts in England, für die er sich kräftig betätigt hatte, Ansehen, erhielt als Entschädigung für politsche Dienste 1660 ein einträgliches Hofamt und wurde 1671 zum königlichen Bauinspektor und Hofbaumeister für Schottland ernannt. Seine in Holyroodhouse (Holyrood Palace) in Edinburgh ausgeführten Erweiterungen (1671ff.) zeigen franz. Einflüsse, aber noch fehlte die geschulte Hand. Kinross House (1685) und Hopetoun House (1698-1702) in der Art von Pratt, Sir Roger sind besser gelungen.

Brüder von Limburg
(auch Malouel, Maelwarl, Maelweel), Paul (Pol), Herman (Hermant), Jan (Jehannequin, Johan of Hennequin). * um 1375/85 in Nimwegen, + 1416 in Bourges. Niederländisch-französische Miniaturmaler, schufen herausragende Werke der Buchmalerei zru Zeit des Weichen Stils, die als Vorstufen der Kunst der Brüder van Eyck gelten. Sie waren Söhne des Bildschnitzers Arnold von Limburg (* in Aachen) und dessen Frau Mechteld, einer Tochter des Malers Jean Malouel. Hermann und Jan kamen zu einem Goldschmied in die Lehre, wo sie bis 1399 blieben. In Gefangenschaft geraten und durch Philipp den Kühnen, Herzog von Burgund, 1400 freigekauft, traten sie anschliessend in seine Dienste. 1402 erhielten Paul und Jan den Auftrag, eine "très belle et notable Bible" zu illuminieren. Vermutlich arbeiteten die drei Maler nach dem Tod Phlipps (1404) für den Herzog Jean de Berry in Bourges und Paris. Paul von Limburg gilt als das Haupt der Künstlergemeinschaft, die in der Nachfolge des Hofmalers Jacquemart de Hesdin tätig war. Alle drei starben 1416 an einer Epidemie (Pest?) in Bourges. Als frühestes Werk gelten die Miniaturen einer Bible moralisée (Paris, Bibliothèque Nationale, Ms. fr. 166), vermutlich der Auftrag von 1402, worin Paul und Jan 384 Szenen zu Genesis und Exodus ausführten. Hauptwerke, an denen alle drei Brüder beteiligt waren, sind zwei kostbar ausgestattete Stundenbücher für Jean de Berry: "Les belles heures du Duc de Berry" (1405-08; früher Heures d´Ailly genannt; New York, Metropolitan Museum of Art, The Cloisters, Nr. 54.1.1) und "Les très riches heures du Duc de 65). Die zahlreichen Darstellungen sind nicht - wie üblich - durch Textspalten unterteilt, sondern fast ganzseitig. Höfischer Figurenstil, Komposition und das Verhältnis von Figur und Landschaft sind burgundischen Vorbildern - Melchior Broederlam oder Jaquemart de Hesdin -, aber auch der italienischen Trecentomalerei verwandt. Neu sind die gesteigerte Hinwendung zu naturalistischen Details und grössere Intimität (z.B. die Porträts des Herzogs auf folio 91 und 223v.). In schattenlosem lichtfarbigem Kolorit geht die Helligkeitsmodellierung von einem mittleren Buntwert aus und reicht selten bis ins Dunkle. In den "Très riches heures", wahrscheinlich 1413-16 entstanden, sind diese Ausdrucksmittel weiterentwickelt. Die Naturbeobachtung ist gesteigert, die leuchtenden, emailartigen Farben sind besonders kostbar. Das berühmte Kalendarium enthält u.a. auch als Vorstufe des Genrebildes Schilderungen des ländlichen Lebens. Das Stundenbuch wurde um 1485 durch Jean Colombe ergänzt. Der Einfluss der Brüder von Limburg auf die Entwicklung der niederländischen Tafelmalerei sowie auf die folgende Buchmalerei ist bedeutend (Turin-Mailänder Gebetbuch Jan van Eycks).

Brüllow, Alexander Pawlowitsch
* 21.11.(10.12.) 1798 in St. Petersburg, + 9.1.1877 in St. Petersburg. Russischer Architekt und Maler, studierte in den Werkstätten des Vaters, dann an der Kunstakademie. Er lebte 1822-26 in Italien, fertigte in Pompeji Kupferstiche von Rekonstruktionen der Thermen an. 1827 bis 1830 Aufenthalt in Paris und Rückkehr nach St. Petersburg. In seinen Bauten vereinigte Brüllow traditionell klassisch-russische mit pompeganischen und griechischen Elementen. 1834-39 erbaute er das Observatorium in Pulkowo bei St. Petersburg, 1837-43 das Stabsgebäude des Garderegiments auf dem St. Petersburger Schlossplatz und vollendete damit das von Rossi, Karl Iwanowitsch geschaffene Ensemble, 1833-38 schuf er die Lutheranische Kirche in St. Petersburg. Er leitete den Ausbau des Winterpalais St. Petersburg und des Neues Exerziershaus, den Umbau des Marmorpalais St. Petersburg und des Alexanderhospitals sowie die Beendigung des von Rossi, Karl Iwanowitsch begonnenen ehemaligen Michailow-Theaters. Bekannt wurden auch Brüllows Aquarelle, Ansichten der St. Petersburger Umgebung, seine Porträts von Zar Nikolaus I., Walter Scott, der neapolitanischen Königsfamilie u.a.

Brunelleschi, Filippo
Geboren 1377 Florenz - 15.4.1446 Florenz. Italienischer Architekt und Bildhauer; Sohn einer angesehenen florentinischen Notarfamilie. Einer der Begründer der italienischen Renaissancearchitektur. Im Gegensatz zu seinen Nachfolgern Alberti (Alberti, Leon Battista) und Michelozzo, ging es ihm weniger um eine Erneuerung der Antike als um Fragen der Baupraxis und der Raumbewältigung. Er hat mehr als irgendein anderer für die Formulierung der Gesetze der Linearperspektive (Perspektive) geleistet, und die Bemühung um die lineare Bewältigung des Raums hat auch sein Bauen geprägt. In Florenz geboren, begann Brunelleschi dort seine Laufbahn als Goldschmied und Bildhauer, wurde 1398 Mitglied der Arte della Seta, arbeitete dann für einen Goldschmied in Pistoia (Silberaltar im Dom von Pistoia, c. 1399) und beteiligte sich 1401-02 am Wettbewerb für die zweite Bronzepforte des Baptisteriums in Florenz, aus dem aber Ghiberti, wenn auch nur mit knappem Vorsprung, siegreich hervorging. Kurz nach 1402 besuchte Brunelleschi mit Donatello erstmals Rom, um antike Skulpturen zu studieren, arbeitete auch noch eine Zeitlang als Bildhauer weiter, richtete aber allmählich seine Aufmerksamkeit ausschliesslich auf die Baukunst. 1404 wurde er in die Goldschmiedezunft als Meister aufgenommen; im selben Jahr wurde er um ein Urteil über einen Strebepfeiler im Dom von Florenz gebeten. 1415 setzte er den Ponte al Mare in Pisa wieder instand; 1417 gab er ein Gutachten über die geplante Kuppel des Doms von Florenz ab. 1418 beginnt die Kette seiner grössten Werke in Florenz: eine Kapelle mit Kuppen in S. Jacopo supr`Arno (zerstört), die Barbadori-Kapelle in S. Felicita (teilweise zerstört), der Palazzo die Parte Guelfa (stark verändert, das Urbild des Frührenaissance-Palastes) und S. Lorenzo. Während diese Bauten voranschritten, nahm er 1420 den Bau seines Meisterwerkes, der Domkuppel, in Angriff und 1421 den Bau des Findelhauses. In S. Lorenzo begann Brunelleschi zuerst mit der Alten Sakristei (1428 vollendet), einem Raumkubus, der von einer eleganten Kuppel mit schmalen, von der Laterna ausstrahlenden Rippen überwölbt wird. Er nannte dieses Schirmgewölbe "a creste e vele", eine treffende Charakterisierung, da die Decke den Eindruck aufgespannter Segel erweckt (Gewölbe). Der Innenraum ist weiss gehalten, die wichtigsten Bauteile sind durch klare Bänder grauer "pietra serena" nachgezeichnet, ein sehr eindrucksvolles, hier erstmals angewendetes Dekorationsprinzip. Die Kirche selbst entwarf Brunelleschi als Basilika mit kurzen Querschiffen und sich zu den Seitenschiffen hin öffnenden Kapellen. Seine Vorbilder suchte er weniger im Rom der Kaiserzeit als in der toskanischen Romanik des 11.-12. Jhs., der sogen. Protorenaissance. Den Bau der Domkuppel sollte er ursprünglich wohl gemeinsam mit Ghiberti durchführen, der sich jedoch nach und nach zurückzog. Die Kuppel mit den elegant geschwungenen hellen Rippen, die steil dem Mittelpunkt in der Höhe zustreben, zeigt noch gotische Züge, aber bautechnisch gehört sie mit dem römischen Fischgrätenverband der Renaissance an. Der Rohbau wurde 1436 festiggestellt und ein weiterer Wettbewerb für die Laterne ausgeschrieben, den diesmal Brunelleschi allein gewann. Sein Vorschlag war das herrliche Marmorokotogon (Oktogon), wohl im doppelten Sinne die Krönung der ganzen Komposition. 1438 fertigte er dann noch die Entwürfe für die halbkreisförmigen Anbauten innerhalb des Tambours mit korinthischen Doppelsäulen und Nichen mit muschenförmigem Abschluss. Das Findelhaus in Florenz (1419 entworfen, 1421-44 erbaut) wird häufig als das erste im Renaissancestil errichtete Bauwerk bezeichnet. Die Fassade zeigt im Erdgeschoss einen offenen Arkadengang mit sehr schlanken korinthischen Säulen und blau-weiss glasierte Terrakotta-Medaillons in den Bogenzwickeln (Zwickel); im Obergeschoss Giebelfenster jeweils über dem Scheitelpunkt einer Arkade. Die weiten Säulenabstände weisen auf toskanische Bauwerke des 11.-12. Jhs. hin, die Einzelheiten jedoch sind eher römisch. Der Eindruck eines von der Antike inspirierten Gebäudes wäre wohl noch stärker, wenn nach Brunelleschis Wünschen ähnliche Gebäude auch an den anderen beiden Seiten des Platzes errichtet worden wären, so dass sich vor SS. Annunziata ein Froum gebildet hätte. 1429 begann Brunelleschi mit dem Bau der Pazzi-Kapelle im Klosterhof von S. Croce in Florenz. Der Grundriss ist komplexer als der der Alten Sakristei von S. Lorenzo; eine Vorhalle im Verhältnis 1:3, der Hauptraum im Verhältnis 2:3, ein quadratischer Chor. Die Innendekoration ist hier entschiedener als in San Lorenzo, mit kräftigen Halbkreisbögen in "pietra serena", korinthischen Pilastern und glasierten Terrakottareliefs in den Gewölbezwickeln. Die merkwürdige Fassade erinnert mehr an die Tribuna einer römischen Basilika als an den Portikus eines römischen Tempels: schlanke korinthische Säulen tragen ein niederes Obergeschoss, das durch kreuzartig gegliederte Felder zwischen Doppelpilastern belegt wird. Anscheinend sollte diese von der Seite her betrachtet zu leicht wirkende Konstuktion ursprg. ringsum geführt werden. 1433 ging Brunelleschi erneut zum Studium der Antike nach Rom. Die unmittelbare Auswirkung zeigt S. Maria degli Angeli in Florenz, die von all seinen Bauten der Antike am stärksten verpflichtet ist, wenn auch unglücklicherweise die Arbeiten nach dreijähriger Bauzeit eingestellt wurden und nur die Mauern des Erdgeschosses erhalten sind. S. Maria degli Angeli ist die erste Kirche der Renaissance mit völlig zentraler Komposition, mit einem von acht Kapellen umschlossenen oktogonalen Zentralraum und einer sechzehnseitigen Aussenwand, an der Flächen mit Nischen alternierend. Für S. Spirito (beg. 1436) in Florenz kehrte Brunelleschi zum basilikalen Grundriss in Form eines lateinischen Kreuzes zurück, betonte aber durch die umgangartige Führung der Seitenschiffe um drei Seiten (der westliche Teil wurde nicht fertiggestellt) die Raummitte. Auch hier herrschen klare Proportionen, eine Anordnung von Würfeln und Doppelwürfeln, die das Gefühl ruhiger Ausgewogenheit erzeugt, das den Renaissancearchitekten so sehr am Herzen lag. Die klassische Ornamentierung ist korrekt und kraftvoll, wenn auch manchmal in unorthodoxer Weise durchgeführt. Von den Brunelleschi zugeschriebenen Bauten sei besonders der Mittelteil des Palazzo Pitti in Florenz erwähnt, den er kurz vor seinem Tod entworfen haben könnte. Obwohl säulenlos, ist er deutlich ein Frührenaissancebau mit seiner schweren Rustizierung (Rustika) nach römischem Vorbild und den auf einfachen Zahlenverhältnissen beruhenden Proportionen. Brunelleschi wurde fast zufällig der erste Renaissancearchitekt. Sein Interesse an der römischen Baukunst entsprang mehr technischen als ästhetischen Erwägungen. Er war ein Praktiker, der instinktiv Ideen aufgriff, die dann von seinen Nachfolgern weiterentwickelt wurden. Vielleicht ist es sein grösstes Verdienst, das er die Baukunst der Frührenaissance davor bewahrt hat, sich in gelehrter Pedanterie und Nachahmung zu erschöpfen.

Brunsberg, Hinrich
* um 1350 vermutlich im Deutschordensland, + nach 1428 vieileicht in Stettin. Deutscher Architekt der Spätgotik. 1372 erwarb er in Danzig das Bürgerrecht. Zwischen 1400 und 1428 ist er in Stettin nachzuweisen. Nach einer Bauinschrift von 1401 an der Marienkapelle der Brandenburger Katharinenkirche ist er deren Architekt. Stilistisch zugeschrieben werden ihm die Pfarrkirche von Strasburg (um 1370), der Chor der Marienkirche in Stargard (um 1400) und der Hallenchor von St. Marien in Königsberg (Neumark) (1389-1407). Ein typisches Merkmal seines Stils sind von spitzen Wimpergen bekrönte Paare von Figurennischen - oft dreifach übereinander angeordnet - an den eingezogenen Strebepfeilern, deren Vorbilder die Wandpfeiler im Kreuzgang der Marienburg i. Westpreussen (2. Viertel 15. Jh.) darstellen. Der kleinteilige Strebepfeilerdekor ist aufschlussreich für die Zierfreude seines Stils und einzigartig innerhalb der Backsteingotik seines Umfelds. In Diensten des märkischen und mecklenburgischen Stadtbürgertums erreichst seine Architektur im Bereich des Dekorativen, der Chorgestaltung und Wölbkunst einen Hans Stethaimer d.Ä. in Süddeutschland vergleichbaren Rang. Das belegt sein Hauptwerk, die Brandenburger Katharinenkirche (1387-1411), wo im Chorpolygon eine Art zweiter Umgang gebildet wird, die wohl eindrucksvollste Lösung unter den nordischen Umgangschören der Zeit.

Bryaxis
Griechischer Bildhauer, tätig seit dem 2. Viertel des 4. Jh. bis zu dessen Ende. Sein plastischer Stil trägt Züge des Übergangs von der Spätklassik zum Frühhellenismus, der sich durch ein neues, ausgreifendes Verhältnis der Figur zu ihrem Umraum ausdrückt. Sein Name und der Standort vieler seiner nur in antiken Schriftquellen überlieferten Werke lassen auf karische Herkunft (südwestliches Kleinasien) schliessen. Er war einer der vier Künstler, die die plastische Ausgestaltung des zu den sieben Weltwundern zählenden Mausoleums von Halikarnassos übernommen hatten. Möglicherweise ist die Statue des Herrschers Maussollos, heute im British Museum in London, sein Werk. Mehrere Platten des Nordfrieses an diesem Bauwerk, die den Kampf Zwischen Griechen und Amazonen darstellen, wurden ihm zugeschrieben. Eine Dreifussbasis aus Athen trägt seine Signatur. Von einigen seiner berühmten, nur schriftlich erwähnten Götterstatuen ist ihm zumindest das Bildnis des Sarapis auf Grund mehrerer römischer Kopien zuzuschreiben. Des weiteren gehört ein Porträt des Seleukos Nikator zu seinem Werk.

Bulfinch, Charles
(1763-1844). Amerikanischer Architekt aus wohlabender, kultivierter Bostener Familie, promovierte in Havard und machte auf Empfehlung Jeffersons (Jefferson, Thomas) 1785 eine Studienreise nach Europa. Seine Hauptwerke sind das Beacon Monument in Boston (1789) in Form einer 18 m hohen dorischen Säule; das State House in Hereford, Connecticut (1792), das State House (1793-1800) und Court House (1810) in Boston. Es waren wohl die würdigsten öffentlichen Gebäude jener Zeit in Amerika. In Boston wurden ausserdem unter Bulfinchs Leitung eine ausgedehntes Strassennetz geplant und nach Londoner Muster Häuserreihen mit einheilticher Fassade gebaut. Seine Bostoner Sakralbauten (Holy Cross, 1805; New South Church, 1814) wurden durch Wren, Sir Christopher, seine Profanbauten durch Chambers und Adam (Adam, Robert) beeinflusst. 1817-30 war er mit Arbeiten für das Kapitol in Washington betraut.

Bullant, Jean
(Geb. um 1510/15 Amiens (?) - 13.10.1578 Ecouen. Vermutlich war sein Vater Jean Bullant d. Ä. Werkmeister der Stadt Amiens). Französicher Architekt und Theoretiker, arbeitete anfangs in einem klassischen Stil in Anlehnung an Delorme, Philibert und die Antike (er hatte Rom ca. 1535-37 besucht), eignete sich dann aber schnell die komplexere Formensprache des Manierismus an und zeigte in seinem Spätwerk für Katharina von Medici eine Phantasie, die sich mit der seines Rivalen Du Cerceau vergleichen lässt. Nach dem Italienaufenthalt trat er in den Dienst des Connétable Anne de Montmorency ein, in dessen Auftrag er die Schlösser Fère-en-Tardenois, Ecouen und Chantilly vollendete. Eine seiner frühen Arbeiten, neben dem Schloss Fere-en-Tardenois (ca. 1537-40) der Ausbau des Schlosses in Ecouen, zeigt die ihm eigene Sorgfalt in den klassischen Details und sein ebenso typisches Missverstehen ihres Sinnes, wie z.B. die im höchsten Masse unklassische Anwendung kolossaler Säulenordnungen (Kolossalordnung) Manier. Züge von überzeugender Wirkung finden sich in seiner Galerie, die auf einem Viadukt errichtet ist (in Fere-en-Tardenois, 1552-62) und im Petit Chateau von Chantilly (um 1560). Nach dem Tode des Connétable (1567) arbeitete Bullant für Katharina von Medici: 1571 schuf er den südliche Pavillon der Tuilerien, 1573 das Hôtel de Soissons. Von seinen für Katharina de`Medici ausgeführten Arbeiten haben nur die Anbauten von Chenonceaux überlebt (1560) - der Westflügel des Vorhofs und die Grande Galerie auf der Brücke (um 1576). Heinrich II. betraute Bullant 1571-74 mit den Bauten von Fontainebleau und Chambord, 1574-78 mit der Kapelle Vincennes, 1572-78 mit der Weiterführung des Baus der Grabkapelle der Valois in St. Denis, gen. Notre-Dame-la-Ponele (heute abgerissen). Er verwendete als erster die Kolossalordnung in Frankreich und passte die antiken Säulenordnungen der zeitgenössischen Baukunst an. Von seinen theoretischen Schriften haben besondere Bedeutung die "Règle générale d'Architecture" (1564/68; Allgemeine Richtlinien für die Baukunst) und "Peti Traicte de Geometrie" (1564)..

Bullet, Pierre
(1639-1716). Schüler von Blondel, Nicolas-Francois, arbeitete anfangs in der klassisch-akademischen Tradition und entfaltete erst gegen Ende seiner Laufbahn in den Hotels des Crozat und d`Evreux (heute Hotel Riz) an der Place Vendome in Paris (1699-1707) einen persönlichen Stil. Die auf unregelmässigen Eckplätzen errichteten Bauten lassen in Form und Anordnung der Räume bereits die Zwanglosigkeit und Phantasie des beginnenden Rokoko ahnen. Von seinen zahlreichen Adelspalästen seien noch das Hotel Jabach (1669), Hotel Pelletier de Saint Fargeau (1686), beide in Paris, sowie das Schloss Issy (1698, 1870 zerstört) genannt. Als Theoretiker verfasste Bullet die Schriften: "Traite sur l`usage du pantometre" (1675) und "L`architecture practique (1691), beide in Paris erschienen.

Bunel, Jacques
* 1558 in Blois, + 1614. Französischer Maler. Er war ein typischer Vertreter der "zweiten" Schule von Fontainebleau, in der der flämische Einfluss gegenüber dem italienischen Manierismus Bedeutung gewann.Er wurde von Heinrich IV. sehr geschätzt, doch ist sein Werk im wesentlichen unbekannt. Er malte für die Kapuzinerkirche zu Blois und für St-Severin in Paris und arbeitete gemeinsam mit Toussaint Dubreuil an der Ausmalung der dann 1661 ausgebrannten Petite Galerie, der heutigen Apollon-Galerie des {Louvre-P

Buon, Bartolomeo di GiovanniBuon, Giovanni di Bertuccio

Buon, Giovanni di Bertuccio
(Bon, Bono, Buono). Giovannie di Bertuccio (ca. 1382-1442) und Bartholomeo di Giovanni (gest. 1464). Vater und Sohn, die führenden Bildhauer und Baumeister des frühen 15. Jh. in Venedig. Von ihnen ist bekannt, dass sie u.a. an der Kirche Madonna dell`Orto (1392), an der Ca`d`Oro 1427-34), am Palazzo Barbero a S. Stefano und an der Kirche und Scuola Grande von S. Maria di Misericordai gearbeitet haben. Ab ca. 1426 wurden sie zu grossen Umbaumassnahmen am Dogenpalast herangezogen, so an der Porta della Carta (1438 bis 42). Bartolomeo war vermutlich allein mit Pantaleone am Bau des Arco Foscari beteiligt; wahrscheinlich haben sie sowohl die Pläne als auch die Bildhauerarbeiten ausgeführt.

Buon, Giovanni di Bertuccio
(auch Bon oder Bono). + 1442 in Venedig. Italienischer Bildhauer und Architekt, Vater des Buon, Bartolomeo d.Ä. di Giovanni, 1382 zum ersten Mal als "Joannis bon lapicide" bezeugt. 1422 übernahm er zusammen mit seinem Sohn Steinarbeiten an der Ca` D`Oro. Ab 1426 wurden Giovanni und Bartolomeo zu den Umbauarbeiten am Dogenpalast Venedig herangezogen. 1437 schloss er mit der Scuola Grande di S. Marco einen Vertrag zum Bau eines Portals ab. 1438 begann er, wiederum mit seinem Sohn, den Neubau der Porta del

Buonarrotti, MichelangeloMichelangelo

Buonfigli, BenedettoBonfigli, Benedetto

BuonoBuon, Giovanni di Bertuccio

Buontalenti, Bernardo
(ca. 1536-1608). Florentinischer Architekt, Maler und Bildhauer des Manierismus, hatte auch die künstlerische Leitung über Maskenspiele, Feuerwerke (daher sein Spitznahme "della Girandole") und andere Lustbarkeiten am grossherzoglich-toskanischen Hof. Sein Stil ist verfeinerter und eleganter als der seines Zeitgenossen Ammanati, Bartholomeo, es sei z.B. auf die phantastischen "trompe-l`oeil"-Stufen zum Chor in S. Stefano (1574-76), die höchst originell gestaltete "Porta delle Suppliche" in den Uff

Burckhardt, Jacob
* 25.5.1818 in Basel, + 8.8.1897 in Basel. Schweizer Kunsthistoriker und Kulturhistoriker. Entscheidende Anregungen empfing er während seines Studiums in Berlin und Bonn (1839-42) durch die Historiker Leopold von Ranke und Johann Gustav Droysen sowie den Kunsthistoriker Franz Kugler. 1844 erhielt er in Basel eine Privatdozentur, 1845 wurde er ausserordentlicher Professor. 1846 ging er nach Berlin, um Kuglers Handbücher der Kunstgeschichte zu überarbeiten, und lehrte seit 1848 wieder in Basel. Sein erstes grösseres Werk, "Die Zeit Konstantins des Grossen" (1852) setzte sich mit der Übergangsepoche von der Antike zum Frühchristentum auseinander. Als Burckhardt 1853 seine Stellung in Basel verlor, schrieb er einen Reiseführer neuer Art über Italien, den "Cicerone" (in 3 Bänden 1855 erschienen). Sein bedeutendstes Werk war "Die Kultur der Renaissance in Italien" (1860), 1867 folgte "Die Geschichte der Renaissance in Italien", die sich in grossen Zügen der Architektur widmet, 1898 "Erinnerungen an Rubens", in denen Burckhardt seine starke Ablehnung des Barock als Verfallskunst zum Teil revidierte. Charakteristisch für seine Denkweise war es, Kunstwerke als geschichtliche Dokumente zu sehen, die er mit politischen, kulturellen und religiösen Faktoren verbunden glaubte, zugleich aber auf einer normativen Klassik als Wertmassstab zu bestehen. Kunst und Kultur der Hochrenaissance galten ihm ebenso wie die griechische Klassik als Goldenes Zeitalter (so auch in den posthum erschienenen "Weltgeschichtlichen Betrachtungen"). Burckhardt hatte grossen Einfluss auf die folgende Kunstgeschichtsschreibung.

Burges, William
(1827-81). Englischer Architekt, arbeitete nach Abschluss seiner Ingenieurausbildung in den Büros von Blore und M.D. Wyatt, reiste in Frankreich, Deutschland und Italien. Er studierte und verwandte in gleicher Weise franz. wie engl. Formen der Gotik. 1856 gewann er mit Henry Cluton (1819-93) den Wettbewerb für die Kathedrale von Lille, doch wurde der Auftrag nicht an sie vergeben. 1859 baute er den Ostabschluss von Waltham Abbey, wo sich zum erstenmal die ungewöhnliche Massivität und Schwerfälligkeit seiner Details zeigte. Er liebte überreiche Bauplastik und zeigte weniger Interesse an Sakralbauten als die anderen führenden Architekten des Gothic Revival. Seine Hauptwerke sind die Kathedrale von Cork (1862-76), in reiner Nachahmung frz. Hochgotik; der grosse Erweiterungsbau für Cardiff Castle (1865); die Neugestaltung von Castle Coch bei Cardiff (ca. 1875); die Aula 5 von Harrow School (1872) und sein eigenen Haus in der Melbury Road in Kensington, London (1875-80). Auch das Hertford College, Connecticut, wurde nach seinen Plänen erbaut (1873-80).

Burgkmair, Hans
1473 Augsburg - 1531 Augsburg. Deutscher Maler, Zeichner für den Holzschnitt. Sohn des Malers Thoman Burgkmair, lernte 1488/90 bei M. Schongauer und war seit 1491 in Augsburg tätig. Nach einer Italienreise verband er erstmals Italienisches (Renaissancearchitekturen und -ornamente, venezianische Farbigkeit) mit traditioneller deutscher Malweise. Er vervollkommnete den Farbholzschnitt (Bildnis "Hans Paumgartner", 1512) und war an den künstlerischen Unternehmungen Maximilians I. beteiligt: "Genealogie" (15

Burlington, Richard Boyle
Dritter Earl of (1694-1753). Förderer und Hauptverfechter des englischen Palladianismus, dabei selbst begabter Architekt. 1714-15 war er zum erstenmal in Italien, doch wandte er sich erst nach seiner Rückkehr in London Palladio, Andrea zu und zwar gleichzeitig mit der Veröffentlichung von Campbells (Campbell, Colen) "Vitruvius Britannicus" und die Edition von Leoni, Giacomo "Four Books of Architekture" von Palladio, Andrea. Lord Burlington ersetzte den bisherigen Architekten für Burlington House

Burnacini, Locovico
(auch Ludovico). * 1636 in Mantua, + 12.12.1707 in Wien. Italienischer Bühnenbildner und Architekt in der bedeutendsten Epoche des Barocktheaters. Seit 1651 als Gehilfe seines Vaters, des Theateringenieurs Giovanni Burnacini, am Wiener Hof, entwickelte er nach dessen Tod den in florentinisch-venezianischer Tradition von Giulio Parigi und Giacomo Torelli stehenden Stil in 115 Inszenierungen weiter. Eine der bedeutendsten ist die Huldigungsoper "Il Pomo d`Oro" aus Anlass der Hochzeit Leopolds I. mit Margher

Burton, Decimus
(1800-81). Englischer Architekt, Sohn von James Burton (1761-1846), einem erfolgreichen Londoner Bauunternehmer. Schon 1823 entwarf Burton, Decimus das Kolosseum im Regent`s Park, mit einem dorischen Portikus und einer Kuppel welche die der St. Paul`s Kathedrale in London an Grösse übertraf. Es beherbergte ein Panorama von London. 1825 begann er mit den Verschönerungsbauten für den Hyde Park, unter ihnen Hyde Park Corner Screen. Er baute auch verschiedene Wohnsiedlungen, die Stadt Fleetwood, die grossen Palmenhäuser in den Parks von Chatsworth (zusammen mit Paxton, Sir Joseph) und Temperate House in Kew (1845-48, zusammen mit R. Turner), viele Villen (mehrere in Regent`s Park), den Athenaeum Club in London (1829-30) und eine Anzahl von Landhäusern.

Busch, Johann Joachim
* 18.9.1720 in Schwerin, + 27.12.1802 in Plau (Mecklenburg). Deutscher Architekt. Bedeutende Bauten in der 1764 unter Herzog Friedrich von Mecklenburg-Schwerin neu gegründeten Residenzstadt Ludwigslust. Ab 1758 war Busch mit der Stadtanlage beschäftigt. 1765-70 entstand nach seinen Plänen die Hofkirche, 1772-76 der Neubau des herzoglichen Schlosses Ludwigslust II. Die hervorragende Massengliederung des Schlosses in Mittelrisalite und Eckrisalite an der stadtseitigen Front sowie die raumgreifende Auflösung des Baukörpers auf der Gartenseite in zwei Seitenflügel und einen weit vorgeschobenen Mittelteil machen zusammen mit den eher nüchtern-trockenen Einzelformen diesen Bau zu einem repräsentativen Beispiel für den Übergang spätbarocker Stilprinzipien zum Klassizismus.

Butinone, Bernardino
* vermutlich vor 1436 in Treviglio an der Adda, + nach 1507. Oberitalienischer Renaissancemaler, Schüler Vincenzo Foppas. Seine Hauptwerke entstanden in enger Zusammenarbeit mit dem 1436 ebenfalls in Treviglio geborenen Bernardo Zenale: 1485-88 das "Marien-Polyptychon" von S. Martino in Treviglio und 1492-93 die Fresken der Kapelle Grifi in S. Pietro in Gessate bei Mailand. Aus seinem Schreiben vom 9.12.1490 geht hervor, dass er mit vielen anderen Künstlern zur Ausschmückung des Sforzesco-Castello nach Ma

Bys, Johann RudolfByss, Johann Rudolf

Byss, Johann Rudolf
(auch Bys). *(getauft) 11.5.1662 in Chur, + 11.12.1738 in Würzburg. Schweizer Tafelmaler und Freskant, Sohn des Solothurner Malers Franz Josef Byss, der ihm wahrscheinlich den ersten Unterricht erteilte. Johann Rudolf Byss war ein vielseitiger Künstler, der Tafelbilder - vor allem Stilleben -, Wandbilder und Deckenbilder sowie verschiedenartige kunstgewerbliche Entwürfe schuf. Ornamentale Gestaltungsweise und genaue Detaildarstellung kennzeichnen seine Werke. Ein in Würzburg erhaltenes Skizzenbuch diente ihm als Vorlagensammlung. Zwischen 1680 und 1688 war er in Deutschland, England und Holland, vielleicht auch in Italien auf Wanderschaft. 1689 in Prag, wurde Byss Hofmaler des Grafen Czernin, heiratete und erwarb 1692 das Bürgerrecht. Er lebte dort bis 1713. Seine in Prag geschaffenen Blumenstilleben und Jagdstilleben zeigen deutlich holländischen Einfluss. Im Stracka-Palais malte er um 1700 mythologisch-allegorische Wandbilder und Deckenbilder in Temperatechnik. 1704 ging er nach Wien und erhielt bedeutende Aufträge, so die Ausmalung des Audienzsaales der Hofburg Wien (zerstört). 1707 ist er auf einer Italienreise in Rom bezeugt. 1713 berief Kurfürst Franz Lothar von Schönborn Byss an seinen Hof. Für ihn malte Byss sein bedeutendstes Werk, das allegorische Deckenbild von 1717 im Treppenhaus von Schloss Weissenstein Pommersfelden. Von 1729 an beteiligte Friedrich Karl von Schönborn Byss an der dekorativen Ausstattung seiner Residenz Würzburg I (Spiegelsaal 1737) und übertrug ihm u.a. die Ausmalung der Schönbornkapelle am Dom und der Hofkirche (zwischen 1732 und 1735), die er in römisch-bolognesischer Quadraturmalerei.

Ca` Zenobio, Luca daCarlevaris, Luca

Cabral, Pedro Alvares
Geb. 1467 in Belmonte - um 1520). Portugiesischer Seefahrer. Nach der Rückkehr V. da Gamas von seiner ersten Indienfahrt verließ Cabral 1500 als Admiral Lissabon. Er trieb weit nach Westen bis zur brasilianischen Küste ab und gelangte dadurch in die südlichen Ostwinde, die ihn schnell um das Kap der Guten Hoffnung führten; er verlor aber im Sturm mehrere Schiffe, auch das von B. Diaz kommandierte. Aus Furcht vor der Flotte liessen die einheimischen Fürsten die Gründung von Handelsniederlassungen zu, nur der Herrscher von Kalikut weigerte sich. Darauf schoss Cabral die Hauptstadt in Flammen.

Cade, John
Genannt Jack, auch John Mortimer. Gefallen 12.7.1450 bei Heathfield (Sussex). Englischer kleinadliger Bauernführer. Cade führte 1450 den Bauernaufstand in Kent. Der sich herausbildende neue Adel unterstützte die Forderungen der Bauern, um gegen die von der Krone und den grossen Adelsfamilien zu verantwortende feudale Misswirtschaft zu protestieren. Das Haus York mit seinen Prätentionen auf den englischen Thron versuchte, Cade für seine eigenen Ziele zu benutzen. Die Lenkung entglitt ihm jedoch und die Bauern und Plebejer erhoben konsequente soziale und politische Forderungen. Das Bauernheer konnte London einnehmen und kurze Zeit besetzen. Es löste sich jedoch selbst auf, weil die Bauern leichtgläubig auf Versprechungen hereinfielen und auseinanderliefen. Der Aufstand wurde mit grausamem Terror ("Kopfernte") niedergeschlagen. Cade fiel im Kampf gegen ein Kommando, das ihn hinrichten sollte.

Caffieri, Jacques
* 25.8.1678 in Paris, + 23.11.1755 in Paris. Französischer Bildhauer und Bronzegiesser. Vater von Caffieri, Philippe und Caffiere, Jean-Jacques. Im Auftrag von Ludwig XIV. schuf er für die Schlösser Versailles, Fontainebleau, Choisy u.a. zahlreiche Ausstattungsstücke, wie Leuchter, Spiegelrahmen, Kaminverzierungen, Möbelbeschläge und Uhrgehäuse.

Cagnola, Marchese Luigi
(1762-1833). Führender italienischer Architekt des Klassizismus, spielte zur Zeit Napoleons eine bedeutende Rolle bei der Umgestaltung Mailands. Er entwarf die streng ionische Porta Ticinese (1801-14) und den reicher gestalteten Arco della Pace (1806-38), ferner eine dem Pantheon nachempfundene Pfarrkirche in Gihsalba (um 1830), einen etwas bizarren Campanile, der von einer durch Kanephoren gestützten Kuppel gekrönt ist (Urgnano, 1820), und seine eigene, stilistisch der griechischen Antike nachempfundene, säulenreiche Villa Ivergio (begon. 1813).

Calvi, Lazzaro
* 1592 in Genua, + 1607 (?) in Genua. Italienischer Maler, Schüler seines Vaters Agostino Calvi und Perino del Vagas. Er malte Altartafeln, Wanddekorationen und Freskenzyklen gemeinsam mit seinem Bruder Pantaleone Calvi (* vor 1502, + 1595), der ihm lediglich Gehilfendienste leistete. Calvi dekorierte in Genua folgende Paläste: Prefettura-Palazzo (Doria-Spinola-Palazzo), Doria-Palazzo Genova, Grimaldi-De Maria-Palazzo, Lercari-Palazzo, Agostino-Pallavicino-Palazzo, Parodi-Palazzo, Meridiana-Palazzo.

CalypsoKalypso

Cambiaso, Luca
* 18.10.1527 in Moneglia bei Genua, + 6.9.1585 im Escorial bei Madrid. Italienischer Maler, Zeichner und Bildhauer, der sich vor allem einen Namen mit Fresken und Tafelbildern machte. Sein erster Lehrer war sein Vater Giovanni Bartolomeo Cambiaso. Bereits mit 15 Jahren arbeitete er mit ihm zusammen an Wandmalereien und Fassadengestaltungen. Gemeinsam mit Lazzaro Calvi stattet er 1544 den Doria-Palazzo Genova, die heutige Präfektur, mit mythologischen Fresken aus. Hier lernte er auch die Fresken von Perino del Vaga kennen. Um 1546 dürfte er eine Reise nach Rom und Florenz unternommen haben, denn Michelangelos Einfluss auf sein Werk ist von da an unverkennbar. Nach 1550 ist er wieder in Genua nachweisbar, wo er mit dem Architekten Galeazzo Alessi und dem Maler und Architekten Giovanni Battista Castello Freundschaft schloss. Die Zusammenarbeit mit Castelli brachte Cambiaso eine grössere perspektivische Genauigkeit. Er erhielt zahllose Aufträge für Genueser Kirchen und Paläste. 1567 ging Castelli an den spanischen Königshof. Cambiaso blieb in Genua und arbeitete dort mit Andrea Semino zusammen, vor allem bei den Fresken der Durazzo-Pallavicini-Villa. 1575 hielt er sich in Rom auf, 1583 ging er zusammen mit seinem Schüler Lazzaro Tavarone nach Spanien, wo er Hofmaler von Philipp II. wurde und Fresken für die Kirche im Escorial ("Das Paradies") malte. Die Malweise Cambiasos ist plastischer und bewegter als die seines Vaters, und er verwendete mehr Lichtkontraste und Schattenkontraste. Beeinflusst wurde er ausser von Michelangelo vor allem von Corregio und Paolo Veronese. In der Farbgebung und Bewegtheit der Figuren zeigen sich schon barocke Tendenzen. Seine Nachtstücke, wie "Christus von Kaiphas" (Genua, Galleria die Palazzo Bianco), wurden zukunftsweisend. Neben Fresken und Tafelbildern sind viele Zeichnungen Cambiasos überliefert, darunter jene mit Figuren, die Parallelen zur Figuration des Kubismus aufweisen. Für den Bildhauer Cambiaso sind nur wenige Werke gesichert; so schuf er für die Lercari-Kapelle von S. Lorenzo in Genua die Statue der "Prudentia". Ausserdem soll er die Modelle für die Reliefs des Corpus-Domini-Schreins im Domschatz von Genua sowie eine liegende weibliche Grabfigur für die Satuario del Monte, ebenfalls in Genua, geschaffen haben.

Camden, William
(1551-1623). Englischer Historiker, dessen ursprünglich lateinisch abgefasstes, später auch auf englisch veröffentliches Hauptwerk Britannia (1586, englisch 1610) sich durch persönliche Kenntnis der geschilderten Denkmäler seitens des weitgereisten Autors sowie durch dessen weitgespannten Gesichtskreis und seine Orientierung an belegbaren Fakten (damit auch an archäologischen Zeugnisse) auszeichnet. Es hatte seinerzeit bedeutenden Erolg und erlebte mehrere, vom Autor aufgrund neuer Reisen, neuer Studien und neuer Erkenntnisse überarbeitete und erweiterte Auflagen.

Cameron, Charles
(ca. 1746-1812). Geboren in Schottland, besuchte um 1768 Rom und veröffentlichte 1772 "The Baths of the Romans". Über die folgenden Jahre ist nichts bekannt, bis er 1779 von Katharina der Grossen nach Russland gerufen wurde, wo er dann bis zum Ende seines Lebens blieb. Für die Zarin richtete er einige Räume in dem von Rastrelli, Graf Bartolomeo Francesco entworfenen Palast in Zarskoje Selo (jetzt Puschkin) bei Leningrad ein (1780-85). Dort errichtete er auch den Achat-Pavillion und die Cameron-Galerie. Fü

Campbell, Colin
(1676-1729). Englischer Architekt. Von Campbells (Campbell, Colin) Anfängen ist nur wenig bekannt. 1715 veröffentlichte er den ersten Band seines "Vitruvius Britannicus" und errichtete das Wanstead House (heute zerstört), das vorbildlich für die Landhäuser des Palladianismus wurde. Wahrscheinlich war er es, der Lord Burlington, Richard Boyle für den Palladianismus begeisterste. Jedenfalls erhielt er an der Stelle von Gibbs, James den Auftrag, das Burlington House in London (1718/19) umzugestalten.

Campen, Jacob van
(1595-1657). Ein wohlhabender und gebildeter Maler-Architekt, führender Vertreter des holländischen Palladianismus, einer schlichten, gemässigten und sparsamen Variante des barocken Klassizismus (Barock), die durch die Verwendung von Backsteinen in Verbindung mit Natursteinen und einfache, fast graphisch wirkende Pilaster charakterisiert wird. Campen studierte in Italien, wo er wahrscheinlich Scamozzi, Vincenzo kennenlernte, dessen Stil auf ihn sicherlich grossen Einfluss ausübte, auf jeden Fall einen grösseren als der von Palladio, Andrea. Campens Bauweise kommt in seinem Hauptwerk, dem Mauritshuis in Den Haag (1633-35), voll zur Entfaltung. Es ist in der Anlage ganz palladianisch mit ionischen Pilastern in Kolossalordnung über niedrigem Erdgeschoss und mit Giebel, aber das Dach ist ein typisch holländisches Walmdach, das von der Dachtraufe in leicht konkav geschwungener Linie aufsteigt. Das von ihm ganz aus Sandstein erbaute Rathaus in Amsterdam (heute Königlicher Palast, 1648-55) ist schwerfälliger, jedoch einer der grossartigsten Rathausbauten. Die Nieuwe Kerk in Haarlem (1645) hat als Grundriss ein in ein Quadrat eingeschriebenes griechisches Kreuz. Campen entwarf auch das Coymans Huis an der Keizersgracht in Amsterdam (1625), das Noordeinde Palais, Den Haag (1640), das Accijnhuis und das Theater in Amsterdam (1637). Zusammen mit Christian Huygens entwickelte er das Dekorationsprogramm für Huis ten Bosch Den Haar von Post, Pieter, das Jordaens und andere ausführten. Der Stil von Campens Profanbauten übte durch seine Nachfolger Post, Pieter, s`Gravesande und Vingboons grossen Einfluss aus.

Campi, Antonio
* 1535 in Cremona, + 1587 in Cremona. Italienischer Maler, Bildhauer und Architekt des Manierismus, zweiter Sohn von Galeazzo Campi und der weniger begabte Mitarbeiter seines Bruders Giulio an den freskierten "Szenen aus dem Leben des hl. Paulus" von 1560 für S. Paolo in Mailand. Neben Deckenfresken, wie "Elias fährt zum Himmel" in S. Pietro in Cremona, und Altartafeln, wie "Taufe Christi" von 1577 für S. Sigismondo, schuf er für diese Kirchen auch Bildhauerarbeiten und Stuckarbeiten, die er motivisch in di

Campi, Felice
* 13.11.1746 in Mantua, + 4.5.1817 in Mantua. Italienischer Maler. Schüler Giuseppe Bazzanis und Giuseppe Bottanis, war vor allem in Mantua tätig. Er schuf dort z.B. Fresken für S. Andrea, die "Vier Kirchenväter" und eine "Allegorie des Glaubens" für den Dom und 1780 die Dekoration der "Sala degli Arazzi" im Ducale-Palazzo Mantova nach Raffael-Zeichnungen. Ebenso betätigte er sich bei der Festdekoration für den Einzug Napoleons in Mantua im Jahr 1805 und als Kopist und Restaurator alter Gemälde und Freske

Campionesen
Bezeichnung für eine Reihe von Architekten, Steinmetzen und Bildhauern, die aus Campione am Luganer See stammen. Im 13. und 14. Jh. waren sie in Oberitalien tätig und dehnten ihr Wirkungsfeld bis nach Mittelitalien aus. Sie bewahrten und verbesserten die aus der Antike tradierten Kenntnisse der Fundamentkonstruktion, Wandkonstruktion und Dachkonstruktion und trugen erheblich zur Entwicklung der romanischen und gotischen Architektur sowie der Plastik in Norditalien bei. Sie verbanden französische Anregungen und Motive mit heimischer, lombardischer Tradition, wie der Dom in Trient zeigt. Die "maestri Campionesi" wurden vorwiegend mit der Umgestaltung älterer Kirchen beauftragt: Steingewölbe, Rundfenster an den Fassaden, Marmorinkrustationen, Vierungstürme und Kuppeln. Die wenigsten Künstler sind namentlich bekannt. Anselmo da Campione fügte am Dom von Modena die Porta Regia und eine Fensterrose hinzu. In S. Zeno in Verona war Bioloto da Campione tätig, Gabmione da Campione im Dom von Ferrara und dem von Parma. In Mailand, Parma und Piacenza setzten sie mit Campanile-Bauten neue Akzente auf den Stadtplätzen. Seit Mitte des 12. Jh. wurden von den Campionesen Portalvorbauten verbreitet und Stufenportale nach französischem Vorbild gestaltet. Neue dekorative Elemente wie säulentragende Löwen fanden durch die Campionesen schnelle Verbreitung. Kennzeichen ihrer gemeinschaftlichen Arbeitsorganisation war die enge Verbindung von Architektur und Skulptur. Bonino da Campione, der in der 2. Hälfte des 14. Jh. Grabmäler für die Scaliger in Verona und die Visconti in Mailand gestaltete, gilt als der bedeutendste und meistbeschäftigte Bildhauer unter den Campionesen.

Canal, Giovanni AntonioCanaletto d.Ä.

Canaletto d.Ä.
(eigentl. Giovanni Antonio Canal). * 18.10.1697 in Venedig, + 20.4.1768 in Venedig. Bedeutender italienischer Architekturmaler und Landschaftsmaler. Canaletto entwickelte die venezianische Vedutenmalerei zu höchster Blüte. In seinen Stadtansichten versuchte er topografische Treue mit lebendiger Wiedergabe von Licht und Athmosphäre zu verbinden. Er entstammte einer adeligen venezianischen Familie. Sein Vater Bernardo war Theaterdekorationsmaler und sein erster Lehrer. 1719 ging Canaletto nach Rom. Hier lernte er auch Giovanni Paolo Pannini, Gaspare Vanvitelli, den englischen Kupferstecher Henry Flechter und Giovanni Battista Piranesi kennen. 1720 kehrte er nach Venedig zurück. Dort wurde er in die Zunft der Maler aufgenommen und Schüler von Luca Carlevaris, Marco Riccis und des Schweden Hans Richter. Um 1725 war er bereits als Spezialist für Veduten bekannt. Seine Förderer waren der Ire Owen Mac Swiny und der englische Handelsvertreter John Smith, der 1744 zum englischen Konsul in Venedig ernannt wurde. Mac Swiny und Smith trieben regen Handel mit Canalettos Bildern, der durch die Vorliebe der Engländer für venezianische Kunst begünstigt wurde. Zu Canalettos Auftraggebern zählten Stefano Conti, ein Kaufmann aus Lucca, für den er um 1726 die drei Bilder "Canal Grande", "Chiesa della Carita" und "Rialto" (alle Montreal, Sammlung Elwood B. Hosmer) malte, der Herzog von Richmund, der 1727 vier Bilder erhielt, und der Herzog von Bedford. 36 Veduten, von Antonio Visentini später in Kupfer gestochen, 31 Radierungen mit Motiven aus dem Terraferma genannten Hinterhalt Venedigs (1744) und 13 Supraporten mit Ideallandschaften (heure Windsor Castle) entstanden für Konsul Smith. 1742 ging Canaletto, begleitet von seinem Neffen und Schüler Bellotto, Bernardo, zum zweitenmal nach Rom. Durch den Österreichischen Erbfolgekrieg von 1740 lagen England und Venedig auf gegnerischen Seiten. Der Absatz der Bilder Canalettos ging daher merklich zurück. So begann er in dieser Zeit zur Überbrückung von Zeichnungen, die zum Besten seines Werkes gehören. 1746 reiste Canaletto zum erstenmal nach England, wo er bis 1750 blieb. 1751 bis 1753 fuhr er zum zweitenmal und 1754 ein drittes Mal nach England, wo er London und die Landhäuser seiner Verehrer malte. Ab 1755 hielt er sich wieder in Venedig auf. Canalettos bedeutendste Schüler waren Francesco Guardi, Bernardo Belotto und Jacopo Marieschi. Zu den zahlreichen Nachahmern seiner Werke gehörten Francesco Tironi, Giuseppe Moretti, Giovanni Migliara, Michele Marieschi, Giovanni Battista Cimaroli da Salo und in England Samuel Scott. 20 Jahre nach Canalettos Tod beauftragte die Akademie Francesco Guardi, das Werk Canalettos so weit wie möglich abzugrenzen, da unzählige Nachahmungen in seinem Stil entstanden waren. Das Jugendwerk Canalettos ist noch durch sich jäh verkürzende Perspektiven und starke Hellkontraste und Dunkelkontraste gekennzeichnet, später weitet sich der Raum, und die Farben werden heller. Seine Veduten sind bei aller peniblen Genauigkeit der architektonischen Details und trotz Benutzung der Camera obscura mehr als topografische Aufzeichnungen. Verglichen mit Francesco Guardi, suchte Canaletto nicht das Bizarre, die Fragwürdigkeit seiner Heimatstadt, sondern das Eigentliche, Unveränderliche Venedigs darzustellen. Durch die ganz andere Wahl der Bildgegenstände und die grössere Wärme und Leuchtkraft der Farben unterscheidet er sich von Belotto. Canalettos Ruhm ist heute, trotz unzähliger Reproduktionen und allgemeiner Bekanntheit seiner Bilder Venedigs, vor allem zugunsten Francesco Guardis etwas verblasst. Der grösste Teil seiner Werke befindet sich seit dem 18. Jh. in englischen Sammlungen.

Canaletto d.J.Bellotto, Bernardo

Candid, Peter
(auch Pieter de Wit oder de Witte, 1548-1628). In Brügge geboren, Maler und Architekt des Manierismus, Sohn des flämischen Bildhauers Elias de Witte, mit dem er um 1573 nach Florenz ging. Ers studierte in Italien Malerei, möglicherweise unter Vasari, Giorgio, und war als Maler in Florenz und Rom tätig. 1586 liess er sich in München nieder und arbeitete hier für Herzog Wilhelm V. und Herzog Maximilian I., die schon Sustris, Friedrich und den manieriestischen Bildhauer Hubert Gerhard berufen hatten. Vielleicht war Candid als Architekt am Bau der Münchener Residenz beteiligt; Sicheres ist darüber nicht bekannt.

Canina, Luigi
* 23.10.1795 in Casale Monferrato, + 17.10.1856 in Florenz. Italienischer Architekt und Erforscher der antiken Denkmäler Roms, lernte seit 1810 bei dem Architekten Ferdinando Bonsignore in Turin. Canina leitete seit 1825 die Neuanlage der Borghese-Villa Rom. Dort errichtete er u.a. 1825 ein Portal bei der Porta del Popolo und 1827/28 einen ionischen Propyläenbau an der Villa Borghese. In ägyptischem Stil baute er 1849 das Casino Vagnuzzi vor der Porta del Popolo. Bedeutender als die Bautätigkeit Caninas sind seine zahlreichen Schriften über antike Architektur, u.a. L`Architettura antica descritta e dimostrata coi monumenti" (1834-44) und "Gli Edifici di Roma antica e sua campagna" (1846-56).

Canonica, Luigi
* 1762 in Tesserete (Lugano), + 7.2.1844 in Mailand. Italienischer Architekt und Theaterbaumeister, schuf vor allem klassizistische Bauten in Mailand, lernte zuerst bei Guiseppe Piermarini in Mailand und besuchte die dortige königliche Bauakademie. Canonica lehrte als Professor der Baukunst am Collegio Imperiale dei Nobili. Als Architekt Napoleons entwarf er die Grundrisse zum Foro Bonaparte in Mailand und zu den Gärten des Schlosses Reale-Villa Monza. Ausserdem erbaute er u.a. das Amphitheater (1806), das Königliche Schloss (Reale-Palazzo Mailand), die Bonaparte-Villa und die Traversi-Villa (alle in Mailand), weiterhin die Taverna-Villa am Comer See. Als Theaterbaumeister schuf er u.a. in Mailand das Teatro Re (1813), weiterhin die Theater in Brescia (1811), Cremona (1808), Mantua (1818-22), Sondrio (1820-24) und Genua.

Canuti, Domenico Maria
* 1620 in Bologna, + 6.4.1684 in Rom. Italienischer Maler und Kupferstecher des Bologneser Barock, Schüler von Guido Renis. In Bologna freskierte er die Gewölbe zahlreicher Kirchen und schuf Wandbilder u.a. im Curti-Palazzo, Pepoli-Palazzo Bologna und Fibbia-Palazzo (alle in Bologna). Canutis Werk zeigt noch nicht die illusionistischen Effekte in der Deckenmalerei, die in Rom bereits üblich waren. 1677-80 arbeitete er an der Ausmalung der Bibliothek des Klosters S. Michele in Bosco, und 1682 bis 1684 freskierte er die Kuppel des Chores. Weitere Fresken in Padua (S. Benedetto Novello) und Rom (S. Francesca Romana, SS. Domenico e Sisto di Monte Magnanapoli).

Caporali, Giovan Battista
(1476-1560). Maler und Architekt, von Vasari, Giorgio fälschlicherweise Benedetto genannt. Nach Vasari, Giorgio etwa ab 1509 Schüler von Perugino in Rom. Weitere Architekturstudien möglicherweise bei Bramante, Donato, Peruzzi, Baldassare oder auch Sangallo, Giuliano da. Die Villa Passerini bei Cortona ist vermutlich das einzig gesicherte Bauwerk Caporalis. Bedeutender für die Architekturgeschichte ist Caporali durch seine 1536 herausgegebene und übersetzte Ausgabe der Architekturbücher Vitruvs, die auf der 1521 entstandenen Version von Cesare Cesarino basierte. Als Maler stand Caporali vornehmlich unter dem Einfluss von Michelangelo und Romano, Giulio. Sein bekanntester Architekturschüler war Alessi, Galeazzo.

Caratti, Francesco
(gest. 1677/79). Geboren in Bissone bei Como, ging 1652 nach Prag und wurde dort einer der führenden Architekten. Sein Hauptwerk ist das Czernin-Palais in Prag (1669-92), dessen gewaltige Fassade durch eine Reihe von 29 der Wand vorgeblendeten Kolossalsäulen bestimmt wird. Sie ruhen auf den Vorsprüngen des diamentierten Rustika-Sockels (Rustika). Das durch die stark plastische Gliederung verursachte Spiel von Licht und Schatten macht die Fassade zu einer der spannungsreichsten ihrer Zeit. Caratti erbaute auch die Maria-Magdalenen-Kirche in Prag (beg. 1656) und den Ostflügel des Schlosses in Raudnitz (Roudnice n. L., 1652-65.).

Caratti, Francesco
* in Bissone (Tessin), + 1677 in Prag. Italienischer Barockarchitekt. Er war nach seiner Ausbildung in Norditalien seit dem 3. Viertel des 17. Jh. in Böhmen tätig. In den fünfziger Jahren schuf er die Pläne für die Gartenfassade des Michna-Palais (Amerika-Villa Prag); auch die Kuppel (1648) und der Portikus (um 1655) der St.-Salvator-Kirche in Prag gehen auf ihn zurück. Er entwarf im Dienst des Reichsfürsten Wenzel Eusebius von Lobkowitz 1653 das Schloss Raudnitz (Roudnice) und war am Bau der St.-Maria-Magdalena-Kirche in Prag beteiligt. 1668-77 entstand sein Hauptwerk, der Entwurf des Czernin-Palastes in Prag (1669-92 ausgeführt von den Maurermeistern De Capaoli und Abraham Leuthner); der Bauherr selbst, Graf Czernin, der in Rom im Umkreis Giovanni Lorenzo Berninis Architektur studiert hatte, hat hier wahrscheinlich eigene Ideen in die Planung mit eingebracht. Eine neunundzwanzigachsige Riesenfront von dreieinhalb Stockwerken Höhe erhebt sich über einem diamantierten Sockegeschoss. Dominierend wirkt die Vertikalgliederung der Kolossalordnung aus Halbsäulen, die sich mit hohen Postamenten ins Sockelgeschoss fortsetzt. Für diese zur Stadt gerichtete Fassade von grossartig monothonem Pathos waren die Vicentiner Paläste von Palladio, Andrea aus dem 16. Jh. vorbildlich, für die Gartenfront die Medici-Villa. In seiner Gigantomanie ist das Bauwerk imposant, im einzelnen jedoch eklektizistisch und wenig ansprechend.

Carducci, BartolomeoCarduche, Bartolomé

Carducho, Bartolomé
(eigentl. Carducci, Bartolomeo). * 1560 in Florenz, + 1608 oder 1610 in Madrid. Italienischer Maler, Freskant und Stukkateur des Manierismus, Bruder Vicente Carduchos, Schüler des Bildhauers und Architekten Bartolomeo Ammanati und später des Malers Federico Zuccari. In der Verwendung seiner Farben jedoch lässt sich sein Werk auf Andrea del Sarto zurückführen. Unter der Leitung von Zuccari stukkierte er 1581 in der Cappella Paolina des Vatikans und half bei der Fertigstellung der von Vasari, Giorgio begonnenen Fresken in der Florentiner Domkuppel. Durch Vermittling des Herzogs von Olivares folgte er Zuccari 1585 nach Spanien, wohin König Philipp II. den Meister zur Ausmalung des Escorial berufen hatte. Carducho heiratete in Spanien und blieb dort, als Zuccari drei Jahre später nach Italien zurückkehrte. Mit Tibaldi (eigentl. Pellegrino de` Pellegrini) und dessen Schülern freskierte Carducho den Kreuzgang und die Bibliothek des Escorial; von seiner Hand stammen "Die sieben freien Künste" und "Der hl. Ambroisus bekehrt Augustinus", eine klare Frieskomposition (Entwurf in London, British Museum). Die Ölgemälde der "St.-Laurentius-Legende" befinden sich in Madrid, ebenso ein "Abendmahl" und eine "Kreuzabnahme" (Madrid, Museo del Prado), einige Gemälde der Legendendarstellung besitzt das Museo Nacional de Arte Antiga in Lissabon.

Carlevarijs, LucaCarlevaris, Luca

Carlevaris, Luca
(auch Carlevarijs, Luca oder Ca` Zenobio, Luca da). * 20.1.1663 in Udine, + 12.2.1730 in Venedig. Italienischer Maler und Radierer. Sein Hauptinteresse galt der Vedutenmalerei und Marinemalerei. Er war der Lehrer von Canaletto d.Ä., Giovanni Antonio, den er angeblich im Gebrauch der Camera obscura unterwiesen hat. Er betätigte sich in Venedig auch als Maler dekorativer Prospekte, vor allem im Zenobia-Palazzo (daher sein Beiname). Die Zahl der Gemälde, die ihm mit Sicherheit zugeschrieben werden können, ist sehr klein; dazu gehören zwei Landschaften mit Figurenstaffagen (Venedig S. Pantalon), die "Regatta auf dem Canal Grande zu Ehren Friedrichs IV. von Dänemark" (1709, Kopenhagen, Schloss Frederiksborg), "Landschaft mit Ruinen" (1713, Vicenza, Museo Civico), "Empfang des Gesandten Coloredo an der Riva degli Schiavoni in Venedig" (1726, Dresden, Gemäldegalerie). 1703 erschien seine Sammlung von 103 radierten Blättern mit venezianischen Bauwerken und Veduten: "Le fabbriche e vedute di Venezia disegnate, poste in prospettiva ed intagliate".

Carlone, Carlo Antonio
(auch Carlantonio). * um 1630/40 in Scaria (heute Lanzo d`Intelvi-Scaria, Como), + 1708 in Passau. Italienischer Architekt des Spätbarock, Sohn von Carlone, Pietro Francesco. Den frühesten Nachweis seines Wirkens stellt die Fassade der ehemaligen Jesuitenkirche zu den neun Chören der Engel in Wien (1662 errichtet) dar. Erst 1679 trat Carlone wieder, in der Nachfolge seine Vaters, in Kloster Garsten auf, wo er die 1677 begonnene Planung und Ausführung der Kirche übernahm und in Arbeitsgemeinschaft mit anderen italienischen Bauhandwerkern und Künstlern vollendete (Comasken). Es folgten Arbeiten in Schlierbach (Beteiligung an der Klosterkirche, 1680-83), Kremsmünster (Fassade der Kirche, der sog. Fischbehälter, ab 1680) und schliesslich St. Florian, wo er ab 1680 Stiftsbaumeister war. Carlone hat als Klosterbaumeister in Österreich die Grundlagen der Klosterbaukunst mit geschaffen, welche die späteren Prachtanlagen der Reichsstifte Melk, Göttweig aber auch Ottobeuren ermöglichten. den Höhepunkt seines Schaffens bildet die Stiftskirche St. Florian: eine mächtige Pfeilerbasilika vom Typus Il Gesu in Rom mit eingezogenen Emporen und unter der Verwendung des Palladiomotivs. Die hochplastische Dekoration überlässt hier bereits sämtliche Wölbflächen der Malerei. Carlone hat neben Architekten wie Enrico Zuccalli, Viscardi, Giovanni Antonio, Antonio Perini u.a. die Formensprache der italienischen Architektur des Hochbarock oberitalienischer Ausprägung nach Österreich und Süddeutschland vermittelt und dort nachhaltig auf die einheimischen Künstler der ersten Generation des 18. Jh. nachgewirkt, so auf Jakob Prandtauer, der nach Carlones Tod die Bauleitung an den Stiften Garsten, Kremsmünster und St. Florian sowie an der Wallfahrtskirche in Christkindl bei Steyr - einem Zentralbau - übernommen hat.

Carlone, Carlo Innocente
(* 11.1686 Scaria † 17.5.1775 Scaria), Maler. Nach seiner Lehrzeit bei Giulio Quaglio in Venedig und ersten selbständigen Arbeiten in Laibach (Ljubljana) lebte Carlone nach 1706 in Rom und kam dann über Innsbruck und Passau 1715 nach Wien, wo er in die Dienste des Prinzen Eugen von Savoyen trat. Von hier gelangte er 1720 nach Ludwigsburg, wo er jahrelang mit seinem älteren Bruder dem Bildhauer Diego Francesco Carlone zusammenarbeitete. Zwischenzeitlich kehrte Carlone mehrfach nach Wien zurück und erfüllte ab 1723 auch Aufträge in Prag und Breslau. Während ihres Ludwigsburger Engagements arbeiteten die Brüder Carlone zwischenzeitlich auch in Weingarten und anschließend in Ansbach I. Von Stuttgart aus zog Carlo Carlone 1737 zurück in seine Heimat, die er um 1750 noch einmal verliess, um im Schloss Augustusburg Brühl die Fresken im Treppenhaus und den Festsälen zu malen.

Carlone, Diego Francesco
(* um 1674 Scaria † 25.6.1750 Scaria), Bildhauer und Stuckateur. Seine Lehrzeit verbrachte Carlone möglicherweise in Passau. Von etwa 1700 an war er hier, in Salzburg, der Oberpfalz und in Oberösterreich tätig und kam 1715 oder 1716 nach Ludwigsburg Krs. Ludwigsburg). Hier arbeitete er jahrelang mit seinem jüngeren Bruder Carlone, Carlo Innocente zusammen, wie auch 1723 bis 1725 in der Abtei Weingarten und 1734 und 1735 in der Residenz Ansbach. Gegen Ende seines Lebens beteiligte sich Carlone von 1730 bis 1745 noch an der Neuausstattung der Wallfahrtskirche Einsiedeln sowie der Kirche S. Maria in Carignano in Genua.

Carlone, Giovanni Battista
* 1592 in Genua, + 1577 in Turin. Italienischer Maler, Sohn und Schüler des Malers und Bildhauers Carlone, Taddeo. Mitglied der Familie Carlone aus Rovio, die seit der 2. Hälfte des 15 Jh. zahlreiche Maler, Bildhauer, Stukkateure und Baumeister stellte. Giovanni Battista Carlone lernte zudem in Florenz und Rom. Die Mehrzahl seiner Fresken schuf er in genuesischen Palästen (Ducale-Palazzo Genua, 1655) und Kirchen, so im Langhaus und in der Clemenskapelle von SS. Annunziata al Gustato. Ab 1644 gestaltete er (mit Puget, Pierre?) die Gewölbe von S. Siro, sein Hauptwerk. Altargemälde besitzen der Santuario del Monte, das Oratorio delle Cinque Piaghe und die Galleria des Bianco-Palazzo in Genua. Seine stark symmetrischen Bilderfindungen wirken erzählerisch breit und sind in leuchtenden Farben gehalten.

Carmontelle, Louis
(eigentl. Carrogis, Louis). * 15.8.1717 in Paris, + 26.12.1806 in Paris; französischer Zeichner, Maler und Dekorateur. Seine vielseitige Begabung ermöglichte ihm eine rasche Karriere am Hof des Herzogs von Orleans, dem er als Techniker (für Festungspläne), als Architekt (Planung der Gartenanlagen des Parc Monceau in Paris), als Schriftsteller (u.a. begründeten seine Komödien die Gattung der "Proverbes dramatiques"), als Theatermann, Dekorateur und nicht zuletzt als Zeichner diente. Er malte in Aquarell und

Caron, Antoine
* um 1521 in Beauvais, + 1599 in Paris. Französischer Maler, bedeutender Vertreter der Schule von Fontainebleau. Er war der Hofmaler Katharina de` Medicis und Heinrichs II. in Paris. Zwischen 1540 und 1550 arbeitete er in Fontainebleau unter der Leitung von Abbate, Niccolo dell` und Francesco Primaticcio, wo er sich wahrscheinlich die charakteristischen Formeln manieristischer Bildgestaltung angeeignet hat. 1561 ernannte ihn Katharina de` Medici zum Hofmaler. In dieser Stellung organisierte er 1569 die Vorbereitungen für den prunkvollen Einzug Karls IX. in Paris und 1572 die Festlichkeiten zur Hochzeit Heinrichs IV. mit Margarete von Valois. Hierfür entwarf er 28 Kartons für Bildteppiche mit Szenen zur "Geschichte der Artemis" (Paris, Musée Mobilier National). Die Gemälde, die ihm zugeschrieben werden können, spielen trotz ihrer allegorischen Inhalte auch auf zeitgenössische Ereignisse an: die beiden Versionen des "Massakers unter den Triumvirn" (1562, Dijon, Musée des Beaux-Arts, und 1566, Paris, Musée National du Louvre) spielen auf die Religionskriege in Frankreich an. Caron selbst soll der "Heiligen Liga" gegen die Hugenotten angehört haben. Das Bild "Astronomen beobachten eine Sonnenfinsternis" (1575, London, Sammlung A. Blunt) versetzt dagegen das 1574 beobachtete Naturereignis in eine antikisierende Umwelt. "Augustus und die Sibylle von Tibur" (um 1580, Paris, Musée National du Louvre) spielt zweifellos auf den Triumph des wahren Glaubens und auf die Verkündigung Christi an. "Abraham und Melchisedek" (um 1590, Paris, Privatsammlung) schliesslich verweist auf die Lösung Heinrichs IV. vom Bann durch Papst Gregor VII. nach dem Gang nach Canossa sowie auf die Spannungen zwischen dem französischen König und dem Papst. Ein direkt zeitgenössisches Ereignis stellt das "Martyrium von Sir Thomas More" dar (um 1591, Blois, Musée d`Art Ancien). Zahlreiche andere Bilder Illustrieren in verschlüsselter, typisch manieristischer Art astrologishe, alchimistische und literarische Themen, wie "Triumph des Sommers" (um 1570, New York, Sammlung Wildensteub), "Triumph des Winters" (um 1570, Paris, Sammlung Jean Ehrmann) oder "Reiterspiel mit Elefanten" (um 1590, Paris, Musée National du Louvre). Charakteristisch für Carons dekorativ ausgearbeitete Kompositionen ist die weiträumig angelegte Szenerie figurenreicher Gruppen, die auffallende Überlängung der Körper, die in gezierten Bewegungen und Attitüden agieren, sowie die helle und durch starke Lichtreflexe akzentuierte Farbigkeit.

Carove, Jacopo
(auch Carowe, Jakob). Baumeister. War an der Errichtung von Schloss Mittelwalde I (Altes Schloss) und Schloss Wölfersdorf beteiligt.

Carowe, JakobCarove, Jacobo

Carpaccio, Vittore
* zwischen dem 28.10.1525 und dem 26.6.1526 in Venedig. Italienischer Maler, bedeutender Vertreter der venezianischen Renaissance. Über Carpaccios Leben ist sehr wenig bekannt. Er entstammte vermutlich einer in Mazzoarbo bei Torcello ausässigen Familie, die sich ursprünglich wohl "Scarpatia" oder "Scarpazza" schrieb. Am 21.9.1472 wird er als Erbe seines Onkels Fra Hilario Zuane erstmals urkundlich erwähnt. Seine erste Signatur ist auf dem Bild "Ankunft der Hl. Ursula vor Köln" aus dem Jahre 1490 überliefe

Carpeaux, Jean Baptiste
(*11.5.1827 in Valenciennes, *11.10.1875 in Schloss Bécon in Courbevoire/Seine). Bildhauer, Maler und Zeichner. Arbeitete am Schloss Neudeck Krs. Tarnowitz mit.

Carpi, Girolamo da
(eigentl. Girolamo da` Sellari, auch de` Livizzani). * 1501 in Ferrara, + 1556 in Ferrara. Oberitalienischer Maler und Architekt, wurde vor allem durch den damaligen Hauptvertreter der Schule von Ferrara, Dosso Dossi, geprägt. Noch vor 1530 zog er nach Bologna und kam hier mit den aktuellen künstlerischen Bestrebungen in Kontakt. Er orientierte sich an Raffaels "H. Cäcilia", Romano, Giulio, Parmigianino und den Werken Correggios. Die Verbindung dieser Einflüsse mit ferraresischen Elementen bestimmte Car

Carr, John
(1723-1807). Ein später, provinzieller Vertreter des Palladianismus in England, arbeitete hauptsächlich in Yorkshire. Er begann als Steinmetz im Steinbruch seines Vaters bei Wakefield. Noch nicht dreissig Jahre alt, baute er nach dem Entwurf von Burlington, Richard Boyle und Morris, Roger Kirby Hall, später zusammen mit Robert Adam Harewood House (begon. 1758). Seitdem entwarf und baute er viele grosse Landsitze. Sein Stil hat nichts Originelles, aber viele seiner Werke, wie Denton Park (um 1778) und Farnley Hall (um 1786), sind auf eine stille Art anmutig und würdevoll. Sein grösstes und vielleicht sein bestes Bauwerk ist das Crescent in Buxton (1779-84). Er verband hier überaus erfolgreich die von Wood, John d.J. entwickelte Idee des monumentalen halbkreisförmigen Wohnblocks mit einem durch Arkaden gegliederten Erdgeschoss und einem Obergeschoss mit Pilastern in Kolossalordnung nach dem Vorbild von Jones, Inigo` Convent Garden in London.

Carracci, Agostino
* 15.8.1557 in Bologna, + 23.2.1962 in Parma. Italienischer Maler und Kupferstecher, Bruder von Carracci, Annibale und Vetter von Carracci, Ludovico. Er war vor allem als Theorethiker der Accademia degli Incamminati bedeutend, die er zusammen mit Annibale und Ludovico 1580 gegründet hatte. Herausragend sind auch seine Kupferstiche nach venezianischen Vorlagen, mit denen er der bewunderten venezianischen Malerei zu einer weiteren Verbreitung verhalf. Nach der Lehrzeit bei Prospero Fontana, Barolomeo Passarotti, Domenico Tibaldi und seinem Vetter Ludovico betätigte er sich vor allem in der gemeinsamen Werkstatt der Carracci unter der Leitung Ludovicos, wo er sich zum eine exakte Zeichnung nach Vorlage bemühte. 1582 und 1588/89 reiste er nach Venedig, 1584/85 mit Annibale nach Parma. Diese Reisen brachten in der Malweise der Carracci eine nachhaltige Veränderung. Das Werk Correggios und die prachtvolle Palette der Venezianer beeindruckten sie tief: schon die 1584 entstandenen Fresken für den Fava-Palazzo in Bologna mit Szenen aus der Argonautensage zeichneten sich durch eine starke Betonung der Farbe aus, obwohl der akademische Stil der Carracci noch sehr deutlich zum Vorschein kommt, ähnlich wie in der Dekoration des Magnani-Salem-Palazzo in Bologna, den sie von 1588-91 mit Fresken zur Romolus-und-Remus-Sage ausstatteten. Während es bei den Fresken des Fava-Palazzo und des Magnani-Salem-Palazzo schwer ist, die Wekre der Carracci zu unterscheiden, dominiert der an den Venezianern orientierte Stil Agostinos schon deutlicher bei der Ausgestaltung des Sampieri-Talon-Palazzo mit Motiven aus der Heraklessage (1593/94. Um 1597 folgte er seinem Bruder Annibale nach Rom, wo er in der Galleria Farnese vor allem die Fresken "Galatea" und "Aurora und Kephalos" schuf. 1600 wurde Agostino von Herzog Ranuccio Farnese nach Parma berufen, um dort anlässlich der Hochzeit des Herzogs mit Margherita Aldobrandini im Giardino-Palazzo ein Camerino mit mythologischen Szenen zum Thema "Omnia vincit amro" auszumalen. Diese Fresken sind von viel intimeren Charakter als jene in der Galeria Farnese zum gleichen Thema. Neben seinen Wanddekorationen und Deckenmalereien schuf Agostino zahlreiche Gemälde; die bedeutendsten sind "Maria mit Kind und Heiligen" (1586, Parma, Galleria Nazionale), eine "Himmelfahrt Mariä" (um 1592, Bologna, Pinacoteca Nazionale), das Porträt "Giovanna Guiccianrdini" (1598, Berlin-West, Staatliche Museen, Gemäldegalerie), die allegorische Darstellung "Arriog der Haarige, Pietro der Narr und Amon der Zwerg" (um 1596, Neapel, Museo e Gallerie Nazionali die Capodimonte) und die erotischen Szenen "Gli Amori dei Carracci" (Wien, Kunsthistorisches Museum). Auch in diesen Gemälden zeigt sich, dass Agostino von den drei Carracci die venezianische Tradition am vollkommensen assimiliert hat, so dass man nicht ganz zu Unrecht den Vorwurf des Eklektizismus gegen ihn erhob. Grosse Bedeutung erlangten seine Kupferstiche, die er vor allem nach Werken Tintorettos und Paolo Veroneses anfertigte. Durch hohe Auflagen sorgte er für die Verbreitung der venezianischen Malerei in Oberitalien. Nebenbei schuf Agostino mythologische und allegorische Stiche nach eigenen Entwürfen, und er illustrierte um 1590 "Das befreite Jerusalem" von Torquato Tasso.

Carracci, Annibale
* (getauft) 3.11.1560 in Bologna, + 15.7.1609 in Rom. Italienischer Maler, Mitbegründer der römischen Barockmalerei, Bruder von Carracci, Agostino und Vetter von Carracci, Ludovico, mit denen zusammen er die Accademia degli Incamminati in Bologna gründete, u.a. mit Guido Reni, Francesco Albano und Domenico Zampieri als Schülern. Zur Zeit seiner Ausbildung bei Ludovico, als er vor allem unter dem Einfluss der späten Bologneser Manieristen wie Bartolomeo Passarotti, aber auch der gegenreformatorischen Schriften Gabriele Paleottis stand, schuf er eine "Kreuzigung" für S. Niccolo (1583, heute Bologna, S. Maria della Carita). 1583 unternahm Annibale vermutlich eine Reise in die Toskana, hielt sich 1584-85 zu Studienzwecken einige Zeit in Parma auf und reiste 1587 nach Venedig. In Parma und Venedig wurde er entscheidend von Correggio und, in der Farbgebung, von den Venezianern beeinflusst, so dass seine Technik allmählich weicher und malerischer wurde (Taufe Christi, 1585, Bologna, S. Gregorio). Um 1584 arbeitete er zusammen mit seinem Bruder und seinem Vetter an der Ausgestaltung des Fava-Palazzo in Bologna. Seine Fresken (Camerino d`Europa, Darstellungen aus der Argonautensage) waren allerdings bei den Bologneser Manieristen umstritten, die ihm blosse Nachahmung vorwarfen. Die Kritik war zum Teil berechtigt, da alle drei Carracci vor allem sehr intensive Studien am lebenden Modell betrieben und selbst die flüchtigste Haltung bzw. Bewegung festzuhalten versuchten. Die Zeichnungen, die aus solchen zielgerichteten Forschungen resultierten, nehmen andererseits in ihrem äusserst realistischen Stil spätere Entwicklungen vorweg, so der "Metzgerladen" (Oxford, Christ Church Library Collections). Auch bei der von allen drei Carracci besorgten Ausgestaltung des Magnani-Salem-Palazzo in Bologna kam die ihnen gemeinsame starke Betonung der Zeichnung zum Tragen, so dass die Urheberschaft der einzelnen Fresken zur Romulus-und-Remus-Sage nicht immer entschieden werden kann. 1595 gestaltete er in Rom für Kardinal Odoardo Farnese das Camerino in dessen Farnese-Palazzo Roma mit Fresken aus, die den Kampf zwischen Tugend und Laster zum Thema hatten. Das zentrale Gemälde, "Herkules am Scheideweg", befindet sich heute in Neapel (Museo e Gallerie Nazionali di Capodimonte). Annibales Hauptwerk war jedoch die Dekoration der Decke der Galleria Farnese in Rom, die vielen anderen barockdecken zum Vorbild diente. Die einzelnen Fresken stellen mythologische Szenen zum Thema "Macht der Liebe" dar. Alle Bilder wurden durch vorgetäuschte Rahmen voneinander getrennt. Michelangelos Deckenfresken in der Sixtinischen Kapelle in Rom und Raffaels Fresken in der Farnesina-Villa in Rom dienten Annibale dabei vermutlich als Vorlage. Die Decke war 1500 fertiggestelle, die Ausgestaltung der Wände aber, zu denen Annibale Entwürfe für die Stuckdekoration lieferte, zog sich noch bis 1608 hin. Neben seiner Arbeit am Farnese-Palazzo Roma malte Annibale zahlreiche Gemälde, vor allem Altarbilder und mythologische Darstellungen, darunter "Christus und die Samariterin am Brunnen" (Wien, Kunsthistorisches Museum), "Schlafende Venus" (um 1602, Chantilly, Musée Condé), "Venus und Adonis" (Wien, Kunsthistorisches Museum) und, in Konkurrenz mit dem von ihm hochgeschätzten Caravaggio, "Mariä Himmelfahrt" für die Cappella Cerasi in S. Maria del Popolo in Rom. In diesen Gemälden ist nichts mehr von Annibales früherem zeichnerischen Stil spürbar: Zwar zeigt sich auch in ihnen sein Realismus, aber durch die Farbenwahl und die Einbeziehung der Landschaft, die nicht blosser Hintergrund bleibt, sowie durch die Darstellung der Handlung erreichte er eine Ausdruckskraft, die oft bis zum Pathetischen geht. Nicolais Poussin und Claude Lorrain übernahmen von ihm diese Verschmelzung des Stoffs mit der Landschaft. Zu Annibales letzten Werken gehören die Aldobrandini-Lünetten, die er für die Privatkapelle im Aldobrandini-al-Corso-Palazzo schuf (heute Rom, Galleria Doria Pamphili). In ihnen sind biblische Szenen in weiträumigen, dominierenden Landschaften dargestellt. Gleichzeitig setzte Annibale die ausgestaltung des Farnese-Palazzo Roma fort. Annibales Carraccis Ruhm erreichte in der Mitte des 17. Jh. durch den Schriftsteller Giovanni Pietro Bellori seinen Höhepunkt. Bellori, der auch eine Biografie Annibales und Agostinos verfasste, sah AnnibalesWerk durch dessen Vereinigung von römischem "disgno" und venezianischer Farbigkeit als Inbegriff vollendeter Malerei. Erst später wurde Annibale Eklektizismus vorgeworfen und der Wert seines Werks etwas geringer eingeschätzt.

Carracci, Ludovico
* (getauft) 21.4.1555 in Bologna, + 13.11.1619 in Bologna. Italienischer Maler, älterer Vetter und Lehrmeister von Carracci, Annibale und Carracci, Ludovico. Ludovico war Schüler des Bolgoneser Manieristen Prospero Fontana und Domenico Passignanos in Florenz. Mit 23 Jahren wurde er Mitglied der Malergilde seiner Vaterstadt. Aus seiner Werkstatt ging die Accademia degli Incamminati hervor, die sich entschieden gegen den Manierismus wandte und zu einem wichtigen Zentrum der Barockmalerei wurde. Die Akademie beherrschte über 20 Jahre land das Bologneser Kunstleben. Ludovicos Schaffen ist durch Einflüsse von Parmigianion, Correggio, Romano, Giulio, Francesco Primaticcio, Camillo Procaccini, Tizian und Tintoretto geprägt. Im Anschluss an Reisen nach Parma, Mantua und Venedig beteiligte sich Ludovico mit seinen Vettern an der Dekoration des Fava-Palazzo in Bologna ("Der Zug der Argonauten", 1580-85). Etwa gleichzeitig entstanden die "Taufe Christi" (München, Alte Pinakothek, das Nachtstück "Vision des hl. Antonius" (Amsterdam, Rijksmuseum) und eine "Verkündigung Mariä" (Bologna, Pinacoteca Nationale). 1591 malte Ludovico eine "Madonna mit Heiligen" (Cento, Museo Civico), deren Aufbau die erste entschieden barocke Komposition ist. Wenige, voluminöse Figuren und ein leuchtendes Blau und Rot in einer braunen Grundstimmung setzen sich von den komplizierten Figurenverschachtelungen und gebrochenen Farben manieristischer Bilder ab. Es folgte die Ausgestaltung des Sampieri-Talon-Palazzo mit "Heraklestaten" zusammen mit seinen Vettern, 1592 das Magnani-Salem-Palazzo mit "Szenen aus der Romulus-und-Remus-Sage". 1602 hielt sich Ludovico in Rom auf. 1604-05 führte er für S. Michele in Bosco bei Bologna Fresken mit "Szenen aus dem Leben des hl. Benedikt und der hl. Cäcilie" und zahlreiche gemalte Karyatiden aus. 1606 bis 1609 schmückte er den Chor der Kathedrale zu Piacenza mit einem Freskenzyklus, der sich heute teilweise im bischöflichen Palast befindet; in den gleichen Jahren entstanden die Gemälde "Grablegung Mariä" und "Himmelfahrt Mariä" (beide Parma, Galleria Nazionale). Nach dem Tod von Carracci, Annibale blieb Ludovico in Bologna. Die etwas eklezistischen Hauptwerke seiner letzten Jahre sind das "Martyrium der hl. Margareta" (1616, Mantua, S. Maurizio) und die "Anbetung der Könige" (Mailand, Pinacoteca di Brera). Ludovico war neben dem etwa 20 Jhre älteren Federico Barocci einer der Hauptwegbereiter der Seicentomalerei. Von seinem höher eingeschätzten Vetter Annibale unterscheidet ihn vor allem eine nahezu ausschliessliche Vorliebe für inbrünstig empfundene Malerei religiösen Inhalts.

Carreno de Miranda, Juan
* 25.3.1614 in Avilés (Asturien), + 3.9. oder 3.10. 1685 in Madrid. Spanischer Maler. Er kam 1623 nach Madrid, und lernte bei Pedro de las Cuevas und Bartolomé Román, bildete seinen Stil jedoch vor allem unter dem Einfluss von Peter Paul Rubens, dem er in seinen frühen religiösen bildern verpflichtet war, wie im Bild "Petrus predigt den Fischen" von 1646 (Villanueva y Geltrú bei Barcelona, Museo Balaguer), und dem von Anthonis van Dyck aus, dem er mehr in seinen Porträts der zweiten Lebenshälfte nahestand

Cassels, RichardCastle, Richard

Castellammare, PepparielloBonito, Giuseppe

Castellamonte, Amadeo
(1610-83). Sohn von Carlo Castellamonte.

Castellamonte, Carlo
(ca. 1560-1641). Ausgebildet in Rom, wurde er 1615 Architekt des Herzogs von Savoyen und spielte in der Stadtplanung von Turin eine grosse Rolle. Er entwarf hier die Piazza S. Carlo (1637) und verschiedene Kirchen. 1633 begann er mit dem Bau des Castello del Valentino in Turin, das von seinem ihm als Hofarchitekt nachfolgenden Sohn Castellamonte, Amadeo (1610-83) in französischem Stil mit einem hohen Walmdach vollendet wurde.

Castelli gen. Bergamasco, Giovanni BattistaCastelli, Giovanni Battista

Castelli, Bernardo
(auch Castello). 1557 in Albaro bei Genua, + 4.10.1629 in Genua. Italienischer Maler.Schuf auch Illustrationen zu Torquato Tassos "Das befreite Jerusalem". Er lernte bei Andrea Semini und Luca Cambiaso, dessen an Michelangelo, Correggio und Veronese geschulte Malweise er nachzuahmen verstand. 1604 kam er nach Rom und malte u.a. im Altems-Palazzo (Palast des Herzogs von Altems). Ausserdem schuf er Werke in Kirchen von Turin, Piacenza und Genua.

Castelli, FrancescoBorromini, Francesco

Castelli, Giovanni Battista
(auch Castelli, gen. Bergamasco). * um 1509 in Gandino bei Bergamo, + 1569 in Madrid. Italienischer Maler und Architekt. Zunächst Schüler Aurelio Bussis in Genua, anschliessend Studien in Rom nach Raffael. Als Monumentalmaler und Groteskendekorateur arbeitete er vorwiegend in Genua und Bergamo, zum Teil zusammen mit Luca Cambiaso, dem gegenüber sich sein Werk aber durch eine grössere Lebhaftigkeit auszeichnete. Arbeiten von Castelli befinden sich im Bianco-Palazzo in Genua ("Madonna mit Kind", "Auferste

Castello, BernardoCastelli, Bernardo

Castiglione, Giuseppe
* 16.7.1688 in Mailand, + 17.7.1760 in Peking. Italienischer Maler und Jesuit, der den grössten Teil seines Lebens in China verbrachte. Als Hofmaler am chinesischen Kaiserhof schuf er einen einzigartigen Stil, indem er europäische und chinesische Bildelemente verband bzw. exakte naturalistische Wiedergabe mit chinesischen Formen und Techniken kombinierte. Bei Andrea Pozzo geschult, malte er für S. Ignazio de Loyola in Genua eine Altartafel und für das Noviziat in Coimbra (Portugal) eine Kapellenausstattung. Seit 1715 am chinesischen Hof, schuf er unter dem Namen Lang Shih-ning europäische Interieurs mit chinesischer Hofgesellschaft, so dei "Hofdamen beim Brettspiel" (Hamburg, Museum für Völkerkunde und Vorgeschichte), in weicher Zeichnung in Aquarell und Tusche auf Papier und Seide Portäts wie den "Kaiser Ch`ien Lung (1736, Cleveland, Museum of Art) oder nach europäischem Vorbild die "Prinzessin" (Taipeh, National Palace Museum). Ein Beispiel für seine adaptierte chinesische Darstellungsweise von Tieren, Blumen und vielfigurigen Szenen ist der Nachstich seines Gemäldes "Kazak Kirghiz bietet dem Kaiser Ch`ien Lung Pferde zum Tribut" von 1756 (Paris, Musée Guimet). Castiglione soll auch europäisch inspirierte kleinere Palastbauten für den Kaiser errichtet haben.

Castilho, Joao de
* 1490 in Santander, + vor Januar 1553 (?). Portugiesischer Architekt spanischer Herkunft, dessen Bauten den Höhepunkt des Emanuelstils bezeichnen. Er soll nach einer möglichen Reise durch das Königreich Neapel erste Motive der Frührenaissance nach Portugal gebracht haben. Hier war er an den grössten königlichen Bauaufgaben der 1. Hälfte des 16. Jh. massgebend beteiligt. Setzte seine künstlerische Tätigkeit vor 1517 an der Chorempore der Kathedrale von Vizeú ein, so zeugt die Tätigkeit als Bauleiter am Hieronymitenkloster Belém bei Lissabon ab 1517 von seinem schnellen und erfolgreichen Aufstieg. In königlichem Auftrag vollendete er ab 1519 das Kloster des Christusritterordens in Tomar sowie Sakristei und Bibliothek des Klosters Alcobaca. Als Krönung seiner Baukunst gilt die Loggia im ersten Geschoss der Capelas Imperfeitas im Kloster Btalha von 1533. Castilho griff mit dem reich ornamentierten Gebälk und den zahlreichen Kandelabern auf reine Renaissanceformen zurück, während er bei den übrigen Bauten spätgotische Formen und Strukturen verhaftet blieb. Castihlos grossartige Kirche S. Maria in Belem ist ein dreischiffiger Hallenbau, dessen weitgespanntes Netzgewölbe auf acht oktogonalen Pfeilern ruht. Im Hauptportal kommt die Eigenart des Emanuelstils voll zur Wirkung: Ist auch die Struktur mit Gewändefiguren, Fialen und Eselsrücken noch gotisch geprägt, so nimmt die wuchernde Dekoration schon viele Renaissanceelemente auf. Castilhos Meisterschaft liegt letztlich in der Behandlung der Schmuckformen. Am Sakristeiportal in der Zisterzienserkirche Alcobaca überrascht die derbe Rankendekoration. Das Portal umrahmen baumartige Rundstäbe in Form eines Eselsrückens, deren Astwerke in dichtes Krautwerk auswuchern. Castilho verwandte zahlreiche naturalistische Elemente, wie Baumäste, Muscheln, Schnüre, Pflanzen, und setzte sie mit Phantasie und in einer solchen Fülle ein, dass die gotische Struktur wie von einer Maske überzogen wird. Die aufstrebende Kolonialmacht Portugal setzte mit diesen Bauten Zeichen, die ihren Reichtum bezeugen sollten. Oft lassen sich phantasievolle Abbildungen der exotischen Pflanzenwelt aus überseeischen Kolonien erkennen. Über Castilhos Paläste in Lissabon, die das Erdbeben von 1755, und seine Festungsbauten in Afrika lässt sich nicht mehr urteilen.

Castle, Richard
(auch Cassels, ca. 1690-1751). Ein Deutscher, der sich um 1720 in Irland niederliess und der führende Architekt Dublins wurde. Der Stil seiner heute noch erhaltenen Bauten stimmt mit dem englischen Palladianismus vollkommen überein: Tyrone House (1740-45) und Leinster House (1745) in Dublin und seine beiden Landhäuser, Carton (1739) und russborough (1741).

Caus, Isaac de
(auch Caux, Isaac de) Tätig um 1650 (siehe Jones, Inigo).

Caux, Isaac deCaus, Isaac de

Cazes, Pierre Jacques
* 1676 in Paris, * 25.6.1754 in Paris. Französischer Maler, Schüler von René Antoine Houasses und Bon Boullongne. Er wurde der erste Lehrer von Jean-Baptiste Siméon Chardin. 1698 gewann er den zweiten, ein Jahr darauf den ersten Rompreis. Seine erste Aussellung im Salon fand 1704 statt, 1708 wurde er Akademiemitglied. Seine Auftäge erhielt er zum grössten Teil vom französischen Hof. Cazes malte für Schloss Sanssouci in Potsdam u.a. in ekletizistisch-akademischem Stil die "Geburt der Venus", "Entführ

Cellini, Benvenuto
* 5.11.1500 in Florenz, + 13.2.1571 in Florenz. Italienischer Goldschmied, Medailleur und Bildhauer, einer der wichtigsten Vertreter des Manierismus. Berühmt ist seine 1558-66 verfasste Autobiografie, gleichzeitig die ersten bekannten Lebenerinnerungen eines Künstlers (im 18. Jh. und 1803 in der Übersetzung Goethes erschienen), in denen sich das Leben eines Bohemiens spiegelt, von dem Papst Paul III. gesagt hat: "Menschen von so einzigartigen Fähigkeiten in ihrem Fach können nicht an das Gesetz gebunden wer

CephalusKephalos

CeresDemeter

Ceres
Römische Göttin der Fruchtbarkeit der Felder, vor allem des Getreides; Mysteriengottheit.

Chalgrin, Jean Francois Therese
* 1739 in Paris, + 20.1.1811 in Paris. Französischer Hofarchitekt. Er war Schüler von Etienne-Louis Boullées und Giovanni Niccolo Servandonis und gewann 1758 den grossen Rompreis. 1762 von dort zurückgekehrt, wurde er Inspektor für die Bauarbeiten in Paris und 1770 Mitglied der Académie d`Architecture. Chalgrins stilistische Entwicklung geht vom späten Rokoko bis zu einem kalten Klassizismus zur Zeit Napoleons. Von seinen frühen Bauten sind das Fitz-James-Hotel, das Vrilliere-Hotel (1765-67) sowie Kapelle und Seminar St-Esprit (1768) in Paris hervorzuhben. 1769 begann er den Bau von St-Philippe du Roule, einer 1784 vollendeten, vom Grundriss frühchristlicher Basiliken inspirierten Kirche. Der Kirche St-Sulpice fügte Chalgrin 1777 eine Taufkapelle hinzu und baute den Nordturm wieder auf. Drei Jahre später erneuerte er die Gebäude des College de France, das nun reichdekorierte räume - darunter den Urkundensaal und einen amphiteaterförmigen Experimentiersaal -erhielt (im 19. Jh. wiederum erweitert). Wichtig sind auch Chalgrins Arbeiten am 1615-20 von Brosse, Solomon de erbauten Luxembourg-Palais, in dem nach seinen Plänen eine neue Ehrentreppe im rechten Flügel, ein Sitzungssaal und ein Museum entstanden (ab 1795). Sein 1806 begonnener Arc de Triomphe de l`Etoile für Napoleon I., bei dem er eigenständig antike Vorbilder verarbeitet und auf die sonst üblichen Säulenstellungen verzichtet hat, konnte erst 1837 von Guillaume Abel Blouet vollendet werden, der sich entgegen den Plänen seines Vorgängers Jean Nicolas Huyot eng an Chalgrins Entwürfe hielt (die Wandskulpturen ebenfalls erst aus den dreissiger Jahren). Der Chor der Kirche des Militärhospitals und das Odeon-Theater (1799) sind weitere Werke Chalgrins.

Chambers, Sir William
* 23.2.1723 in Gothenburg (Schweden), + 8.3. 1796 in London. Englischer Architekt und Gartenkünstler, einer der Hauptvertreter des englischen Klassizismus. Der Sohn eines schottischen Kaufmanns ging in Yorkshire zur Schule und trat 1740 der schwedischen Ostindien-Gesellschaft bei, auf deren Schiffen er nach Bengalen und china gelangte, wo er Landschaftsstudien und Architekturstudien zeichnete. Seit 1749 wandte er sich hauptberuflich der Architektur zu, studierte zuerst in Paris, wahrscheinlich bei Nicolas Francois Blondel, und dann 1750-55 in Italien, wo ihn vor allem die Werke von Palladio, Andrea zutiefst beeindruckten. 1757 veröffentlichte er "Designs of Chinese Buildings", in den folgenden Jahren entstanden Zierbauten in Kew. 1759 publizierte Chambers "A Treatiuse von Civil Architecture", eine Abhandlung, in der seine umfassende Kenntnis italienischer und antiker Architektur zum Ausdruck kommt, verbunden mit einem französisch anmutenden Gefühl für Klarheit und Ordnung. 1774 reiste er erneut nach Paris, um dort Regierungsgebäude zu studieren, nachdem er zuvor u.a. schon das Roehampton Villa in Surrey (1758), Castle Hill Grafsch. Dorset und Melbourne House in London gebaut hatte. Aufschlussreich kennzeichnet die Roehampton Villa Chambers` umgehen mit den palladianischen Vorbildern, hier mit der Rotunda-Villa und der Foscari-Vill in Malcontenta. Während beide Palladio-Villen im Verhältnis von Portikus und Wandfläche einen Thythmus von 1:2:1 zeichnen, erstarrt das Verhältnis bei Chambers zu 1:1:1. Der klassische Dekor verliert seine gliedernd-geschmeidige Kraft zugunsten kalter Präzision. 1775 entwarf er Somerset House in London als Amtsgebäude für die britische Regierung, dem auch ein Trakt für die Royal Academy eingegliedert (1780 vollendet) wurde, deren Schatzmeister Chambers war. Er hatte grossen Einfluss auf die klassizistische Architekturentwicklung in und ausserhalb Englands, vor allem auch in Schweden und Deutschland. Von weitreichenden Auswirkungen war auch seine Tätigkeit als Gartenarchitekt, mit der er sich in Gegensatz zu Lancelot Brown setzte. Er wollte - nach dem Vorbild der kaiserlichen Gärten Chinas, deren Anspruch er sich als Hofarchitekt verpflichtet fühlte - ein totales, sinnlich-emotional ansprechendes Gesamtkunstwerk, zu dessen Inszenierung auch das dezidiert Künstliche beitragen sollte. Seine absolut phantastischen Pläne umfassten u.a. künstliche Vulkane, unterirdische Höhlen mit den Leichnamen berühmter Heroen, Wasserorgeln, wilde Tiere und stellten somit ein Szenarium vor, das bereits an die Schauerromane der Romantik erinnert. Wenn er dies in den seit ca. 1763 projektierten Kew Gardens auch nicht verwirklichen konnte, so doch künstliche Ruinen, Pagoden, exotische Flora u.a. Die königlichen Gärten von Kiew wurden Vorbild für den Englischen Garten in München; mit der Dissertation on Oriental Gardening" von 1772 wurde Chambers rasch zum damals wohl bekanntesten Gartentheoretiker in Europa.

Champagne, Philippe deChampaigne, Philippe de

Champaigne, Philippe de
(auch Champagne). * (getauft) 26.5.1602 in Brüssel, + 12.8.1674 in Paris. Flämisch-französischer Maler. Er brachte die Komponente des niederländischen Realismus in den französischen Barock-Klassizismus ein. In Brüssel zuletzt bei dem Landschaftsmaler Jacques Fouquières, einem zeitweiligen Mitarbeiter von Peter Paul Rubens, ausgebildet, kam er mit diesem 1621 nach Paris, arbeitete zunächst bei dem Lothringer Georges Lallemant und dann zusammen mit Nicolas Poussin unter der Leitung von Nicolas Duchesne an der Ausstattung des Luxembourg-Palais für Maria von Medici. Nach dem Tode von Duchesne (1628) trat er an dessen Stelle, heiratete noch im selben Jahr dessen Tochter und wurde von Maria von medici zum Hofmaler ernannt. Mit seinem frühen religiösen Gemälden zweigte er sich weder vom vorakademischen Klassizismus des Simon Vouets und seiner Schule noch von Rubens geprägt. Vielmehr verschmolz er ab 1630 flämische Elemente mit klassischen der Bologneser Schule, wie es die Tafeln von 1629 bis 1630 für die Karmliten in St-Jacques vor Paris in ihrem kühlen und skulpturalen Stil zeigen, so die "Himmelfahrt Mariä", die "Auferweckung des Lazarus (beide Grenoble, Musée de Peinture et de Sculpture) oder die "Darbringung im Tempel" (Dijon, Musée des Beaux-Arts). Sein flämischer Realismus und sein Sinn für Material und Stofflichkeit entsprachen nicht unbedingt den pathetischen Ansprüchen allegorischer Verherrlichungen. Dies kommt deutlich zum Ausdruck in dem für die Kathedrale Notre-Dame in Paris in zurückhaltenden Tönen gemalten "Gelübte Ludwigs XIII. (1638, Caen, Musée des Beaux-Arts) oder in dem Porträt "König Ludwig XIII. als Sieger von La Rochelle" (1636, Paris, Musée Nationale du Louvre), das die Konfrontation des gewichtigen Herrschers mit der etwas hölzernen Viktoria zeigt. Die vollkommene bildliche Darstellung menschlicher Grösse gelang Champaigne in seinem religiös inspirierten späteren Werk und vor allem in seinen zahlreichen Porträts, mit denen er Aufträgen des Königs, Kardinal Richelieus, Mazarins und anderer Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens nachkam. Das "Dreifachporträt Richelieus" (London, National Gallery), das auf einer Tafel den Kopf Richelieus frontal und in beiden Profilansichten zeigt, diente Giovanni Lorenzo Bernini als Modell für eine Richelieubüste. Das zweite berühmte Bildnis Richelieus von 1635 (Paris, Musée Nationale du Louvre), nach dem Vorbild von Anthonis van Dyck in Ganzfigur gemalt, begründete eine französische Tradition. Wie hier verband Champaigne in seinen vielen Bildnissen bei allem minuziösen Detailrealismus Standesbewusstsein und Individualität zur Einheit einer bildlichen Repräsentation. Der Darstellung dienten dabei alle malerischen Momente, erläuternd oder, wie im "Brustbildnis eines unbekannten Mannes" (1650, Paris, Musée National du Louvre), durch strenge Konzentration auf die psychische Vertiefung bei weitestgehendem Verzicht auf farbliche oder kompositorische Raffinesse. Auch in seinen Gruppenporträts prägte er individuelle Phyiognomien, so in dem Gemälde "Die Aufnahme des Herzogs von Longueville in den Orden vom Hl. Geist" (1634, Toulouse, Musée des Augustins) oder "Die Pariser Ratsherren" (1648, Paris, Musée National du Louvre). Von der grossen Anzahl monumentaler Aufträge, die Champaigne ausführte, u.a. Ausmalungen für das Hospital de Pontoise, für die Kirche St-Séverin, Ausstattungen für die Königsgemächer im Schloss von Vincennes (1659-60) und die Räume des Dauphin in den Tuilerien (1666) blieben nur in den Kuppelmalereien der Eglise de la Sorbonne und das für das Appartement der Königin im Val-de-Grace geschaffene Gemälde "Der Traum des Elias" (1655, Le Mans, Musée de Tessé) erhalten. Champaigne wandte sich, veranlasst vielleicht durch sein persönliches Schicksal, den frühen Tod seiner Frau und seines Sohnes, mehr und mehr dem Religiösen zu fand um die Mitte der vierziger Jahre unter den Jansenisten von Port-Royal einen neuen Wirkungskreis. Die hierfür entstandenen Werke liessen alle barockreligiöse Ekstatik hinter sich und setzten Glauben als eine intim menschliche Haltung ins Bild. Mit Porträts wie dem der "Angélique Arnauld, Äbtissin von Port-Royal" (1654, Paris, Musée National du Louvre) wurde er durch grösstmögliche malerische Zurückhaltung auch den sublimsten menschlichen Regungen in der bildlichen Darstellung gerecht. Champaignes Entwicklung hatte ihn so weit von Poussin entfernt, dass es 1668 an der Akademie zur Auseinandersetzung zwischen beiden kam.

Champollion, Jean Francois
Am 23.12. 1790 in Figeac, Departement Lot, geboren. Schon früh fiel seine erstaunliche Sprachbegabung auf, die ihn befähigte, als 16jähriger vor der Akademie von Grenoble einen sprachwissenschaftlichen Vortrag zu halten. Neben seiner Lehrtätigkeit - er hatte seit 1809 eine Assistenzprofessur in Grenoble inne - studierte Champollion zahlreiche Schriftsysteme der Welt mit dem Ziel, die ägyptischen Hieroglyphen zu entziffern. Eines Tages erhielt Champillion die Kopie einer Inschrift von "Stein von Rosett

Chardin, Jean-Baptiste Siméon
* 2.11.1699 in Paris, + 6.12.1779 in Paris. Bedeutender französischer Porträtist, Stillebenmaler und Genremaler des 18. Jh. Chardin, Sohn eines Kunstschreiners, lernte 1718-20 bei Pierre Jacques Cazes und 1720-28 im Atelier Nicolas Coypels. Trotz dieser Ausbildung und anfänglicher Erfolge liess ihn der Vater 1724 in der handwerklich-zünftig orientierten Académie St-Luc einschreiben, wo Chardin sich in der Stillebenkomposition vervollkommnen sollte. 1728 stellte er mehrere Bilder in der Exposition de la jeunesse aus, wie "Der Rochen" von 1727-28 und "Das Büfett" von 1728 (beide Paris, Musée National du Louvre), die ihm das uneingeschränkte Lob der Mitglieder der Académi Royale brachten, in die er anschliessend als "Tier- und Früchtemaler" aufgenommen wurde. Trotz dieser frühen Anerkennung war seine finanzielle Lage keineswegs gesichert, so dass er 1730 der Einladung Jean-Baptiste van Loos folgte, an der Restaurierung der Galerie Franz` I. in Fontainebleau mitzuhelfen. 1731 heiratete er Marguerite Saintard, die jedoch bereits 1735 starb und den Sohn Pierre zurückliess, der später ebenfalls Maler wurde. Obwohl als Stillebenmaler hervorgetreten, wandte sich Chardin nun mehr der Figurenmalerei zu. Er bevorzugte als Sujets Szenen aus dem Alltagsleben der Pariser Bürger. Sein Stil stand auch in dieser Gattung unter dem besonderen Einfluss der holländischen Genremaler wie David Teniers d.J. und Gerard Dou. Bei aller Anlehnung erntete er jedoch Lob und Erfolg für die Bilder wie "Dame, einen Brief versiegelnd" (1733, Berlin, Schloss Charlottenburg) oder "Das Kartenhaus" (um 1737, Paris, Musée National du Louvre). Im wiedereröffneten Salon von 1737 stellte er mindestens acht Bilder aus, darunter wahrscheinlich auch die "Wäscherin" (Stockholm, Nationalmuseum) und andere Genrebilder, die sein Freund Charles Nicolas Cochin durch Stiche weiteren Kreisen zugänglich machte. 1738 reichte er den "Schenkkeller" und die "Scheuerfrau" (beide 1738, Glasgow, Hunterian Museum) für den Salon ein, ausserdem die Porträts "Das Kind mit dem Kreisel" (Auguste-Gabriel Godefroy) und "Charles Godefroy als Violinist" um 1738 (beide Paris, Musée National du Louvre) und ein Jahr später "Rückkehr vom Markt" (1739, Paris, Musée National du Louvre). In diesen bildern arbeitete er mit einem pastosen, körnigen Farbauftrag, wodurch die Farben sich in reichen Abstufungen voll entfalten konnten. Durch die Gunst Ludwigs XV., dem er bei der ersten Begegnung 1740 die "Fleissige Mutter" und das "Tischgebet" (beide Paris, Musée National du Louvre) angeboten hatte, wurde er 1743 zum beratenden Mitglied der Académie royale des Peintres et Sculpteurs bestimmt. 1744 heiratete er die Witwe Francoise-Marguerite Pouget. Bis Anfang der fünfziger Jahre reichte er nur wenige Bilder für den Salon ein, worauf ihm die Kritik Trägheit vorwarf und seine langsame Arbeitsweise verspottete. Nach 1750 widmete er sich wieder in verstärktem Masse der Stillebenmalerei. Das Bild "Vogelorgel" (um 1751, New York, Frick Collection) bezahlte der König mit 1500 Livres, dem höchsten Preis, den Chardin jemals für ein Bild erhielt. Damals stand er auf dem Höhepunkt seines künstlerischen Ansehens und wurde als wahres "Malergenie" gefeiert. Die Stilleben "Angeschnittene Melone", um 1760, und "Pfeifen und Trinkgefäss", um 1760-63 (beide Paris, Musée National du Louvre), wurden als ein Gipfel malerischer Perfektion gewürdigt. 1757 bewilligte ihm der König eine Wohnung im Gebäude des Louvre und nach 1761 das Privileg, die Plätze für die eingereichten Bilder im Salon zu bestimmen. Durch Vermittlung Charles Nicolas Cochins d.J. erhielt Chardin 1764 vom König den Auftrag, drei Sopraporten für das Schloss Choisy-Chateau mit allegorischen Darstellungen zu dekorieren: "Attribute der Künste", "Attribute der Musik" (beide 1765, Paris, Musée National du Louvre) und "Attribute der Wissenschaften" (verloren). In ihnen zeigt sich ebenso wie in dem Stilleben "Pfirsichkorb" (1768, Paris, Musée National du Louvre) beispielhaft Chardins Fähigkeit, in knapper konzentrierter Weise den farblichen und stofflichen Charakter vom Licht umhüllter Gegenstände wiederzugeben. Um 1770 gab er, als ihn ein Augenleiden immer mehr behinderte, die Ölmalerei auf und wandte sich dem Pastell zu, einer ungewohnten Technik, in der er sich, vorwiegend mit Bildnissen in Lebensgrösse, ebenfalls behaupten konnte. Beispiele seiner Virtuosität sind das "Selbstbildnis mit Brille" und das "Porträt Madame Chardin" (beide 1775, Paris, Musée National du Louvre). Sein Augenleiden hinderte ihn im weiteren an der Ausübung seiner offiziellen Ämter: 1774 trat er vom Amt des Schatzmeisters der Académie zurück. 1777 verlor auch sein engster Freund Cochin alle Ämter. Als Chardin schliesslich 1779 starb, wurde sein Tod kaum mehr beachtet; die neue, klassizistisch geprägte Generation der Akademielehrer legte grösseres Gewicht auf historische Inhalte und auf eine glatte, trockene Malweise, Elemente, die in Chardins bildern vollständig fehlen. Chardin war ein überaus langsamer Maler, arbeitete in direktem Kontakt mit dem Modell und bedeckte die Höhen und Schatten seiner Objekte so lange mit Lokalfarben, bis sie in weichen und gebrochenen Tönen eine vollkommen einheitliche Farbhaut ergaben, die der Realität am nächsten zu kommen schien. Seine auf diese Weise pastos durchgearbeiteten Kompositionen mit ihrem abgehackten reichen Pinselstrich sind einzigartige Beispiele für die französische Malerei des 18. Jh., die den flüssigen und raschen Pinselstrich bevorzugte. Als Maler der intimen Genreszene und des einfachen täglichen Lebens erreichte Chardin dennoch grossen Ansehen. Seine Beherrschung der malerischen Mittel, sei es in Öl oder in Pastelle, seine Ausgewogenheit der Kompositionen und die Variationsbreite in der Anordnung der Stilleben begeisterten sowohl das bürgerliche Publikum als auch den Hof, während die unteren Bevölkerungsschichten in Chardins Genrebildern ohne Zweifel eine authentische Schilderung ihrer sozialen Lage sahen.

Chassériau, Théodore
* 20.9.1819 in Samaná (Santo Domingo, heute Dominikanische Republik), + 8.10.1856 in Paris. Französischer Maler und Freskant an der Schwelle zwischen Klassizismus und Romantik. Er suchte eine Verbindung aus der klassizistischen Linienführung von Jean Auguste Dominique Ingres, dessen Schüler er schon mit 11 Jahren wurde, und der romantischen Farbigkeit seines späteren Vorbildes Eugène Delacroix. Mit 19 Jahren stellte er im

Chastellain, Georges
Geb. 1405 in Aalst - 13.2.1475 Valenciennes. Französischer Dichter und Geschichtsschreiber; wirkte am Hof der burgundischen Herzöge Philipps des Guten (1419/67) und Karls des Kühnen als Poet im Stil der Rhétoriqueurs. "La Chronique des choses de ce temps" (1464; Die Chronik der Ereignisse dieser Zeit), stellt unter Verwendung historischen Quellen die burgundische Geschichte zwischen 1419 und 1475 dar. Ob auch "Le livre des faits du bon chevalier Messire Jacques de Lalaing" (um 1470; Buch der Heldentaten d

CheironChiron

Chiaveri, Gaetano
(1689-1770). Architekt des Spätbarock (Barock), geb. in Rom, arbeitete hauptsächlich in Nordeuropa, so 1717-27 in St. Petersburg und in Warschau und Dresden (ca. 1737-48). Sein Hauptwerk ist die kath. Hofkirchein Dresden (beg. 1739, 1944 schwer beschädigt), die mit der Grossartigkeit der von Bähr geschaffenen portestanischen Frauenkirche wetteifern sollte. Sie hat einen äusserst eleganten Turm mit durchbrochenem Helm, der sich von der Geschlossenheit der Bährschen Kuppel ebenso gründlich abhebt, wie sich der bewegte, statuenbesetzte Aussenbau der Kirche von Bährs kompaktem Zentralbau unterscheidet. von Chiaveri stammen auch die Pläne für die Weichselfassade des königlichen Schlosses in Warschau (1740, nur z. T. ausgeführt) und leicht theatralische Entwürfe für ein königliches Schloss in Dresden (ca. 1748, nicht ausgeführt). Er veröffentlichte ein Stichwerk "Ornamenti diversi di porte e fenestre" (1743-44).

Chiron
Cheiron. Sohn des Titanen Kronos (Saturn) und der Philyra, einer der Töchter des Okeanos. Der weiseste unter den Kentauren wird ins einer Rolle als Erzieher der Götter und Heroen dabei gezeigt, wie er seine Schüler im Bogenschiessen oder in der Musik unterrichtet.

ChlorisFlora

Christ, Joseph
* 1732 in Winterstetten (Schwaben), + 6.5.1788 in Augsburg. Deutscher Freskenmaler und Fassadenmaler sowie Radierer, Schüler von Joseph Magges. Seine Hauptwerke sind Fresken in den Kirchen Steinekirch bei Zusmarshausen (1760), Ettenbeuren bei Günzburg (1766) und Thannhausen bei Krumbach (1788) sowie Supraporten im Schaezler-Palais in Augsburg. Christ arbeitete auch in Böhmen, Schlesien, Sachsen und kam zweimal nach St. Petersburg. Seine Entwicklung verlief von typischer Rokoko-Freskomalerei unter Augsburger Einfluss zum beginnenden Klassizismus hin.

Cibber, Caius Gabriel
* 1630 in Flensburg, + 1700 in London. Dänischer, ausschliesslich in England tätiger Bildhauer und Architekt. Nach der Ausbildung in Rom brachte er es in London bis zum Hofbildhauer. Er schuf die allegorischen nackten Männerfiguren "Melancholie" und "Wahnsinn" am Bethlehem-Hospital (London, South-Kensington Museum) und ein allegorisches Relief für die Gedenksäule (The Monument) in London (1674). Zwischen 1687 und 1691 war er mit den Figuren "Pallas" und "Apollo" sowie "Glaube" und "Hoffnung" an der Aussta

Cignaroli, Gianbettino
* 4.7.1706 in Verona, + 1.12.1770 in Verona. Italienischer Maler des Spätbarock in Oberitalien. Im Gegensatz zur spannungsvollen und virtuosen Arbeit seines Zeitgenossen Giovanni Battista Tiepolo kennzeichnen spielerisch leichte und harmonische Komposition seinen Stil. Er befasste sich hauptsächlich mit religiösen Themen. Cignaroli erhielt seine Ausbildung bei dem Veroneser Maler Ridolfi da Santo Prunati, ab 1728 arbeitete er bereits selbständig. Um 1735 begab er scih nach Venedig, um an der Seite von Tiepolo einige Säle des Labia-Palazzo auszumalen. Um 1739 kehrte er in seine Heimatstadt zurück, wo er in rascher Folge zahlreiche Auftrüge für Kirchen und Paläste ausführte. Trotz vieler Einladungen ausländischer Fürsten bleib Cignaroli zeitlebens in Italien als Freskomaler und Tafelmaler tätig. Aufträge führten ihn nach Venedig (1744), Bergamo (1745), Turin (1756), Parma (1759) und in zahlreiche andere Städte Oberitaliens, zuletzt wieder nach Verona. Es entstanden u.a. folgende Werke: "Rahels Tod" (Venedig, Gallerie dell`Accademia), "Flucht nach Ägypten (Bergamo, S. Maria Maggiore), "Dreifaltigkeit mit drei Heiligen" (Parma, Chiesa alla Steccata), "Der hl. Vinzenz Ferrer erweckte eine Tote (Ferrara, S Domenico).

Cigoli, Ludovico Cardi
(auch Il Cigoli). * 12.9.1559, + 8.6.1613 in Rom. Italienischer Maler, Bildhauer und Architekt im Übergang vom Manierismus zum Barock. Er begann im Alter von 13 Jahren mit der Malerei als Schüler in der Werkstatt des Florentiners Alessandro Allori. Eines seiner ersten erhaltenen Werke ist das 1581 ausgeführte Fresko der "Anastasis" in S. Maria Novella in Florenz, das noch ganz im Zeichen des Manierismus steht. Wenig später, während seiner Reise durch Oberitalien, wandelte Cigoli, vermutlich unter dem Einflu

Cinico
(eigentl. Giovanni Marco da Parma). Nachweisbar zwischen 1467 und 1492. Italienischer Miniaturmaler, Schriftsteller und Kalligraph aus Parma. Er arbeitete vor allem in Neapel für Ferdinand I. von Aragón und für den Prinzen Acquaviva. Von seinen Handschriften sind u.a. erhalten: Diomedes Caraffas "De institutione vivendi ad Beatricem Aragon" (Parma) und Barbarus`"De re uxoria" (Valencia), für Ferdinand von Aragón hergestellt. Seine Tätigkeit als Buchillustrator bleibt unklar.

Cipriani, Giovanni Battista
* 1727 in Florenz, + 14.12.1785 in Hammersmith bei London. Italienischer Maler und Kupferstecher, übte als Lehrer grossen Einfluss auf die englische Kunst des 18. Jh. aus. Von Ignazio Hugford als Maler in Florenz ausgebildet, ging er 1750 nach Rom und kam 1755 auf Einladung von Sir William Chambers nach England. Neben der malerischen Ausstattung englischer Landsitze liegt sein Hauptverdienst in der Tätigkeit als Kupferstecher (Blätter für Anton Domenico Gabbianis "Cento pensieri" [1762] und für die Memoiren

CirceKirke

Clamecy, Jean De
(15. Jh.). Franz. Architekt. Errichtete den Herzogspalast in Nevers I.

Clerisseau, Charles-Louis
(1712-1820). Französischer Zeichner und Architekt des Klassizismus, übte durch seine Schüler und Gönner , wie Chambers, Robert Adam (Adam, Robert) und James Adam (Adam, Robert) sowie Jefferson, Thomas grossen Einfluss aus. Er fertigte auch Entwürfe (nicht ausgeführt) für Katharina d. Grosse an. Seine Bauten, z.b. der Justizpalast in Metz (1776-89) wirken einfallslos.

Cleve, Herzog Philipp von
Graf von der Mark, Herr zu Winnental und zu Ravenstein. Von 1456-1527/28 Schloss Winnental. Inhaber hoher militärischer Ämter in kaiserlichen und französischen Diensten, u.a. Oberster Feldhauptmann des burgundisch-österreichischen Heeres. Er schrieb vor 1516 sein auf realen Erfahrungen beruhendes "Kriegsbuch", das sich sowohl mit dem Krieg zu Lande und zur See als auch mit organisatorischen und ökonomischen Fragen der Kriegführung und speziellen Problemen der Feldartillerie beschäftigt. Das "Kriegsbuch"

Clodion
(eigentl. Claude Michel). * 20.12.1738 in Nancy, + 28.3.1814 in Paris. Französischer Bildhauer, einer der führenden Vertreter der Kleinkunst des Rokoko. Ab 1755 war er Schüler von Lambert Sigisbert Adam und Jean-Baptiste Pigalle und ging 1762-71 nach Rom, wo er mit Kleinplastiken und Reliefs erste Erfolge hatte. Die antike Kunst lieferte ihm die Vorlagen für seine Terrakottaarbeiten und Marmorarbeiten, zu denen neben Satyrn, Nymphen und Bacchantinnen auch Vasen und Dekorationen vieler Pariser Palais zählen. In seinem Werk, dessen Blütezeit mit der Revolution zu Ende ging, vereinigte er die antiken Einflüsse mit dem Phantasiereichtum und der Lebensfreude des Rokoko; seine Nymphen und Figurenentwürfe für die Porzellanmanufaktur Sèvres sind kokette, verführerische und graziöse Erfindungen. Clodion schuf nur wenige Grossplastiken, so die Marmorstatue Montesquieus (1779, Versailles, Schlosspark) im Auftrag des Königs.

Clouet, Francois
(1515-1572). Franz. Maler oder Tapisseur. War in Schloss Chambord tätig..

Cochin, Charles-Nicolas d.Ä.
* 29.4.1688 in Paris, + 16.7.1754 in Paris. Französischer Stecher, Sohn des Malers Charles Cochin, Vater von Cochin, Charles-Nicolas d.J.; verlegte sich darauf, Stiche zu historischen oder aktuellen politischen Begebenheiten anzufertigien. Einer seiner ersten Aufträge, "Die Königsweihe Ludwigs XV. in Reims" (1722), gehörte gleich zu den Höhepunkten dieser Gattung; ausserdem schuf er Reproduktionen nach grossen Meistern. So stach er "Die Rückkehr vom Lande" nach Antoine Watteau und "Die Wäscherin" nach Jea

Cochin, Charles-Nicolas d.J.
* 22.2.1715 in Paris, + 29.4.1790 in Paris. Französischer Stecher und Radierer, Sohn von Cochin, Charles-Nicolas d.Ä., erhielt seine Ausbildung in der Werkstatt des Vaters und arbeitete seit 1735 selbständig. Er wurde am Hof Ludwigs XV. Zeremonienmeister der "Menus-Plaisirs", 1757, nach seiner Erhebung in den Adelsstand, avancierte er zum "Dessinateur et graveur des menus-plaisiers et censeur royal". Seine Aufgabe bestand in erster Linie darin, die höfischen Zeremonien bildlich festzuhalten. So schuf er

Cochin, Nicolas
* 18.10.1620 in Troyes, + 1686 in Paris. Französischer Maler, Halbbruder von Cochin, Noel, spezialisiert auf militärische Szenen, arbeitete vermutlich seit 1640 in Paris, wo er grosses Ansehen genoss. Berühmt wurde er in erster Linie durch die Mitarbeit am militärisch-patriotischen Werk des Feldmarschalls Sébastien Beaulieu, das die Taten Ludwigs XIV. illustrierte und für das er eine Reihe von Stadtansichten, Schlachtenszenen und Belagerungsszenen schuf. Cochin arbeitete im Stil von Jacques Callot, der wahrscheinlich auch sein Lehrer war. Er reproduzierte u.a. nach Paolo Veronese, Albrecht Dürer und vor allem Rembrandt, dessen Werk er als einer der ersten in Frankreich bekannt machte.

Cochin, Noel
* 22.6.1622 in Troyes, + 1695 in Venedig. Französischer Landschaftsmaler, Halbbruder von Cochin, Nicolas. 1670 ging er nach Venedig, wo er bis zu seinem Tod arbeitete. Neben Bühnenbildern und religiösen Themen, die er radierte, sind aus dem Jahr 1691 Radierungen nach Werken aus der Gemäldesammlung der Carola Catherina Patin erhalten.

Cock van Aelst, Pieter d.Ä.Coecke van Aelst, Pieter d.Ä.

Cock van Aelst, Pieter d.J.Coecke van Aelst, Pieter d.J.

Cockerell, Charles Robert
* 27.4.1788 in London, + 17.9.1863 in London. Englischer Architekt und Archäologe. Er begann mit 16 Jahren eine Ausbildung bei seinem Vater, dem Architekten Cockerell, Samuel Pepys, und arbeitete 1809 als Gehilfe von Smirke, Sir Robert am Bau des Covent-Gardens-Theaters mit. 1810-16 folgte eine Reise u.a. nach Griechenland, wo er gemeinsam mit dem Deutschen von Hallerstein, Karl Haller von 1811 die Giebelskulptur des Aphaiatempels auf Ägina (heute München, Glyptothek, Ägneten) entdeckte und an Ausgrabungen des Apollon-Epikurios-Tempels in Bassai beteiligt war. Sein Ruf als klassischer Archäologe festigte sich weiter durch seine Arbeiten an den Tempeln von Agrigent und Syrakus auf Sizilien (1812), auf dem Pelopennes (1813), Kreta und dem Archipelagos (1814). Er kehrte 1817 nach London zurück und trat mit Rekonstruktionsplänen der von ihm mitentdeckten Tempel und mit archäologischen Tafelwerken hervor. Cockerell blieb in seiner Laufbahn als Architekt stets klassischen Idealen verbunden, ohne jemals akademisch-trocken zu sein, und war - nicht zuletzt als Inspektor der St. Paul`s Cathedral - auch vom englischen Barock beeinflusst (vor allem von Wren, Sir Christopher, Vanbrugh, Sir John, Nicholas Hawksmoor). Seine Bauten zeichnen sich durch überlegten Einsatz antiker Details, wie der Säulenordnung von Bassai, subtile Materialbehandlung und besonders durch grosszügige, aber ausgewogene skulpturale Dekoration aus, so auch seine Hauptwerke: das Ashmolean Museum in Oxford (1839-40), die Universitätsbibliothek in Cambridge (1836-37, nur zum Teil ausgeführt) und die Filialen der Bank of England in Manchester, Liverpool und Bristol. Dazu treten einige unbedeutende Entwürfe im Stil der Tudorgotik (Tudorstil). Cockerell gehörte vielen berühmten Institutionen an, darunter der Londoner Royal Academy.

Cockerell, Samuel Pepys
(1754-1827). Begann zusammen mit Nash, John im Architektenbüro von Taylor, Sir Robert. Cockerell wurde leitender Achitekt vieler grosser Bauvorhaben, so bei Bauten der East India Company, der Admiralität, an der St. Pauls Kathedrale und dem Findelhaus in London; berühmt machte ihn jedoch sein phantasievoller Landsitz Sezincote (1803), das erste Bauwerk im indischen Stil in England. In anderen Bauten zeigen sich französische Einflüsse, die aber in selbständiger Weise weiterentwickelt wurden, wie bei dem Westturm von St. Anne, Soho, in London. 1792 stellte er die Kirche in Tickincote im normannischen Stil wieder her und nahm damit den Restaurierungsgedanken des 19. Jhs. vorweg.

Coducci, Mauro di MartinoCodussi, Mauro di Martino

Codussi, Mauro di Martino
(ca. 1440-1504). Führender venezianischer Architekt des späten 15. Jhs. Geboren in Lenna bei Bergamo, liess sich gegen 1469 in Venedig nieder und vereinigte in seinen Werken (wie sein Rivale Lombardo, Pietro, aber weniger erfolgreich den venezianisch-byzantinischen Stil, der durch reiche Flächendekoration und geheimnisvolle Raumwirkungen gekennzeichnet ist, mit der Renaissance. Sein erstes bekanntes Werk ist S. Michele in Isola (ca. 1468-80), die erste Renaissance-Kirche Venedigs. Ihre Fassade geht Albertis (Alberti, Leon Battista) Tempio Malatestiano zurück, schliesst aber mit einem halbkreisförmigen Giebel venezianisch-byzantinischer Herkunft ab. Zwischen 1480 und 1500 vollendete Codussi die Kirche S. Zaccaria, gegliedert von zahlreichen Geschossen mit Säulen und Nischen und antikisierender Ornamentik in höchst unklassischer Überfülle. S. Giovanni Crisostome (1497-1504), die erste Kirche mit zentriertem Grundriss in Venedig, ist verhaltener. Codussis bedeutendster Profanbau ist der Palazzo Vendramin-Calgeri (ca. 1500) mit Rundbogenfenstern und reicher Marmorverkleidung.

Coecke van Aelst, Pieter d.Ä.
* 14.8.1502 in Aelst, + 6.12.1550 in Brüssel. Flämischer Maler, Bildhauer, Architekt, Grafiker und Kunstschriftsteller, Vater von Coecke van Aelst d.J., Pieter. Im Anschluss an seine Lehrzeit bei Barend van Orley in Brüssel hielt er sich in Italien auf, 1527 trat er der Lukasgilde in Antwerpen bei, und noch vor 1533 ernannte ihn Karl V. zum Hofmaler, in dessen Auftrag er nach Konstantinopel reiste, wo die Skizzen zu seinen 1553 erschienenen sog. Türken-Holzschnitten entstanden. Aus seiner Arbeit als Bildhauer und Baumeister sind die Figur des Riesen "Antigonus" (Antwerpen) sowie Fragmente dekorativer Renaissancearchitektur erhalten. Als Maler zählt Coecke van Aelst, dem vornehmlich religiöse Sujets zugeschreiben werden, zu den niederländischen Vertretern des Romanismus ("Das Abendmahl", 1531, Brüssel, Musées Royaux des Beaux-Arts). In seinen Bildern gehen die realistische Figurengestaltung der flämischen Malerei und eine an Leonardo da Vinci geschulte Ausgewogenheit des Bildaufbaus eine Verbindung ein. Er schuf auch Entwürfe für Tapisserien (z.B. zu "Die sieben Todsünden", 1537-50, Wien, Kunsthistorisches Museum). Bedeutung gewann Coecke van Aelst auch durch seine Übersetzungen der architekturtheoretischen Abhandlungen von Vitruv (1539 erschienen) und Serlio, Sebastiano (1546 und 1553), die ein den Niederlanden einen wesentlichen Anstoss zur künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Gedankengut der Renaissance gaben.

Coecke van Aelst, Pieter d.J.
* vor 1527 in Antwerpen (?), + 9.11.1559. Flämischer Maler und Zeichner, Sohn von Coecke van Aelst, Pieter d.Ä.. Er war Mitglied der Antwerpener Lukasgilde. Vermutlich nach 1552 entstanden auf einer Frankreichreise eine Reihe von Architekturskizzen, so von Schloss Anet. Wahrscheinlich war er Lehrer von Gillis van Coninxloo.

CogneauCoqueau, Jacques

Colin, Alexander
* 1527 oder 1529 in Mecheln, + 17.8.1612 in Innsbruck. Niederländischer Bildhauer des Manierismus. Ein Vertrag von 1558 dokumentiert seine Verpflichtung für Bildhauerarbeiten am Ottheinrichsbau des Heidelberger Schlosses (Heidelberg Heidelberg I), für das er das wahrscheinlich astrologisch zu deutende Figurenprogramm an der Fassade schuf. Die Formgebung der Figuren zeigt die typisch niederländische Version des Manierismus. Über Mecheln gelangte er nach Innsbruck, wo er zahlreiche Aufträge für das Kaiserhaus erhielt, so vor allem die Vollendung der Grabmalsanlage Maximilians I. in der Hofkirche, darunter die prächtigen Reliefs am Kenotaph des Kaisers. Für Kaiser Ferdinand I., dessen Gemahlin Anna und Kaiser Maximilian II. schuf er im Prager Dom ein Grabmal (1564 bis 1589). Die Gisants von Ferdinand und Anna, für die es zunächst geplant war, ruhten auf der Marmortumba - an den Seiten wappenhaltende Engel, vorne der auferstandene Christus über Schlange und Totenkopf. Das 1573 vollendete Monument wurde unter Kaiser Rudolf II. erweitert, um auch die Liegefigur seines Vaters Maximilian aufnehmen zu können, und 1589 in der Mitte des Veitsdoms aufgestellt. Colins Ruhm begründeten auch weiterhin seine Grabmäler, beachtenswert vor allem das für Hans Fugger (1584 bis 1587; heute in St. Ulrich, Innsbruck).

Colle, Raffaello dal
* um 1500 in Colle bei Borgo Sansepolcro, * 17.11.1566 in Borgo Sansepolcro. Italienischer Maler der Spätrenaissance, gehörte neben Giovanni da Udine zur Malerwerkstatt Raffaels in Rom. 1521 bestellte in Romano, Giulio zu seinem Hauptgehilfen bei der Ausmalung der Sala die Costatino im Vatikan. Seine Hauptwerke, die sich bereits dem Manierismus nähern, schuf er im Auftrag des Herzogs von Urbino in Pesaro (Dekoration der Imperiale-Villa Pesaro, 1524) und in Gubbio (Kirche des Olivetanerordens, 1546).

Collino, Ignazio Secondo Maria
* 1724 in Turin, * 26.12.1793 in Turin. Italienischer Bildhauer. Nach einer ersten künstlerischen Ausbildung in Turin erhielt er ein Stipendium und ging 1748 nach Rom, wo er bei Giovanni Battista Maini entscheidende Einflüsse empfing. 1760 wurde er Mitglied der Accademia di S. Luca und arbeitete fortan vorwiegend für den Turiner Hof. 1763 erfolgte seine Ernennung zum königlichen Bildhauer, 1768 kehrte er nach Turin zurück. Hier entstanden in Zusammenarbeit mit seinem Bruder Filippo im Auftrag des Hofs seine wichtigsten Arbeiten, so sein wohl repräsentativstes Werk, das Grabmal für Carlo Emanuele I. von Savoyen in Vicoforte. Werke wie die Marmorskulptur "Aktäon" (um 1770, Stupinigi, Palazzino di caccia) verdeutlichen besonders gut die stilistische Stellung Collinos zwischen Barock und Klassizismus. Er ging mit ihnen eine Synthese ein zwischen idelalen antiken Motiven bzw. Typen und noch vereinzelt durchbrechender barocker Formgestaltung.

Colomba, Luca Antonio
(* 19.11.1674 Arogno † 22.12.1737 Arogno), Maler. Colombas Tätigkeit vor seiner Ludwigsburger Zeit ist nur lückenhaft überliefert. Nach seiner Lehrzeit in Passau arbeitete er im Burgenland, in Niederösterreich und in Mähren, wo er 1708 zusammen mit Corbellini an der Ausstattung der Kirche in Polna bei Iglau mitwirkte. Er scheint in Wien und in Prag ansässig gewesen zu sein, wo allerdings keine Werke Colombas überliefert sind. Wohl von Prag aus wurde er 1710 oder 1711 nach Ludwigsburg Krs. Ludwigsburg engagiert. Darüber hinaus war Colomba an vielen Orten des deutschen Südwestens tätig, so in Biebrich II, in Idstein II, in Schloss Favorite Mainz, in Ettlingen und schließlich 1735 im Palais Thurn und Taxis Frankfurt in Frankfurt am Main.

Colonna, Angelo Michele
* 1600 in Rovenna (Provinz Como), + 11.3.1687 in Bologna. Italienischer Barockmaler. Schüler von Gerolamo Capreras und Gabriele Ferantinis, erhielt bereits mi 16 Jahren eigene Aufträge. Ab 1626 war er selbständig und arbeitete u.a. an den Fresken für die Fassade und den grossen Saal des Grimaldi-Palazzo mit. Anschliessend war er an der Ausschmückung des Pitti-Palazzo in Florenz beteiligt und führte ab 1628 unter der Leitung von Diego Velásquez Arbeiten im Alcázar von Madrid (Real-Palacio) aus.

Commens, Architekt
Stammt aus Düsseldorf. War am Bau von Schloss Falkenburg Krs. Oppeln I beteiligt.

Contino, Antonio di Bernardino
* 1566 in Lugano, + Juli 1600 in Venedig. Italienischer Steinmetz und Architekt. 1588-91 arbeitete er unter der Leitung seines Onkels Tomaso Contino den Bau des Staatsgefängnisses. Nach eigener Planung schuf er um 1600 die zum Gefängnis führende sog. Seufzerbrücke.

Convidi, Ascanio
* um 1525 in Ripatransone (Marche), + 10.12.1574 in Ripatransone. Italienischer Maler, Bildhauer und möglicherweise auch Architekt. Schon als jugendlicher kam er nach Rom, wo er Schüler Michelangelos wurde. Seit 1556 ist er wieder in Ripatransone nachweisbar, wo ihm in der Carmine-Kirche hypothetisch einige Fresken und in der Kirche S. Caterina eine Reihe sehr mittelmässiger Tafelbilder zugeschrieben werden. Condivi, von dem auch einige Medaillen stammen, verdankt seine Berühmtheit jedoch der in erster Ausgabe 1553 bei Antonio Blado in Rom erschienenen Michelangelo-Biographie - zum Teil wohl von Michelangelo selbst diktiert.

Conze, Alexander
Am 10.12.1831 in Hannover geboren. Seit 1863 lehrte er an der Universität Halle. 1869 ging er nach Wien, wo er die Keramik als Leitform archäologischer Chronologie entdeckte. 1873-75 leitete Conze die österreichischen Grabungen auf Samothrake. Die Publikation dieser Forschungen gilt als der erste Ausgrabungsbericht im modernen Sinne; er wurde erstmals durch fotographische Aufnahmen ergänzt. 1877 wurden Conze zum Direktor der Berliner Antikensammlung ernannt. 1878 beauftragte er Humann, Carl mit der Leitung der Ausgrabungsarbeiten in Pergamon. Es gelang ihm, den berühmten Pergamonaltar für Berlin zu erwerben. Conze starb am 19. Juli 1914 in Berlin.

Coqueau, Jacques
(Auch Coquereau, Quoqueau, Cogneau). Gest. 1569. Französischer Werkmeister, vielleicht aus Amboise. 1524 wurde er zum ersten Mal erwähnt, seit 1527 war er in Chambord tätig, wo er 1533 als Leiter des Schlossbaus die Laterne des Donjons schuf, auch die Kapelle und die zahlreichen dekorativen Schornsteine werden ihm zugeschrieben. Etwas später war er Maurermeister des Königs. Seit 1549 leitete er den Schlossbau in Blois, 1556/57 arbeitete er mit P. Delorme, Philibert in Chenonceaux.

Coques, Gonzales
(auch Gonsalo, Gonsael Cocks, Cox). * 8.12.1614 in Antwerpen, + 18.4.1684. Niederländischer Porträtmaler, Schüler von Pieter Bruegel d.J. (Höllenbruegel) und David Ryckaerts, dessen Schwiegersohn er wurde. Coques wurde Bildnismaler sowohl der patrizischen Bürgerschaft als auch ausländischer Souveräne, wie z.B. des Kurfürsten von Brandenburg. Ausserdem war er Anreger der Mode, kleinformatige Bilder zu maler, auf denen alle Mitglieder einer Familie versammelt sind, z.B. "Versammlung einer Familie" (Paris, Mus

Corbellini, Giacomo Antonio
(* um 1674 Laino † 30.12.1742 Laino), Stuckateur und Marmorierer. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts war Corbellini als Stuckateur in Mähren tätig, u.a. in Neu-Pernstein, Znaim und Polna, hier zusammen mit Colomba. Von Ossegg in Böhmen aus kam er 1715 oder 1716 nach Ludwigsburg Krs. Ludwigsburg, wo er sich in der Folge ausschließlich mit Mamorierarbeiten beschäftigte. Wie die Brüder Carlone war Corbellini in den zwanziger und dreißiger Jahren an der Ausstattung der Abtei Weingarten und der Residenz Ansbach I beteiligt.

Cordemoy, J. L. de
(17./18. Jh.). Französischer Theoretiker des frühen Klassizismus. Man weis von ihm nur, dass er Priester (Prios von St-Nicolas in La-Ferte-sous-Jouarre) war. Er ist nicht, wie manchmal behauptet wird mit L.G. de Cordemoy (1651-1722) identisch. In seinem "Nouveau traite de toute l`architecture" (1706) vertrat er als erster die Ansicht, dass in der Architektur Gediegenheit und Einfachheit zu herrschen haben, und betonte besonders, dass die Bestimmung eines Gebäudes in der Form zum Ausdruck kommen müsse

Corfey, Lambert Friedrich
Architekt und Ingenieur, geb. 11.10.1668, gest. 18.2.1733 in Münster. Ebenso wie viele seiner Künstlerkollegen war Lambert Friedrich Corley Architekt und Militär. Deshalb vereinte er in seiner Person die Titel des Fürstlich Münsterschen Generalmajors, des Chefs der Artillerie und des Baudirektors der Stadt. Das von Johann Conrad Schlaun entworfene Grabmal Corfeys befindet sich in der von Corfey errichteten ehemaligen Dominikanerkirche in Münster. Wichtige Werke: Schloss und Loreto-Kapelle Drensteinfurt, Haus Venne in Drensteinfurt-Mersch, Domprobstei Münster.

Corradini, Antonio
* Ende 17. Jh. in Este, + 12.8.1752 in Neapel. Italienischer Bildhauer. Nach seiner Ausbildung bei Antonio Tarsia in Venedig arbeitete er zunächst unter dessen Leitung an der Fassade von S. Eustachio. 1720 schuf er im Auftrag der Signoria von Venedig die Dekorationen für den Bucentoro, das neue Staatsschiff, 1725 die Figur einer "Prudentia" für den Arco Foscari. Arbeiten in mehreren oberitalienischen Städten machten seinen Namen bald bekannt und brachten ihm Aufträge u.a. um 1730 in Wien, wo er nach Entwü

Cortes, Hernan
Geb. 1485 in Medellín - 2.12.1547 bei Sevilla. Spanischer Conquistador. Entstammte dem niederen Adel. Er ging 1504 nach Haïti und schloss sich 1511 dem Eroberer Kubas Diego de Velásquez an, der ihn 1519 zur Eroberung von Mexiko aussandte, aber auf die raschen Erfolge Cortes' neidisch war. Der Aztekenherrscher Moctezuma II. unterwarf sich am 8.11.1519. Um seinen Feinden zuvorzukommen, zog Cortes 1520 zur Küste und schlug sie vernichtend. Die durch ein sinnloses Gemetzel empörten Azteken erhoben sich in Tenochtitlán und zwangen ihn zum Rückzug. Er verlor die noch nicht abtransportierte Beute, alle Pferde und Geschütze sowie die Hälfte seiner Leute in der Nacht zum 1.7.1520. Dennoch siegte er bald darauf erneut, eroberte 1521 Mexiko nach harter Belagerung zurück, wobei Zehntausende Azteken ihr Leben verloren, die Hauptstadt in Flammen aufging und unschätzbare Kulturgüter vernichtet wurden. Karl V., dem Cortes Proben indianischer Kunstwerke für die berühmte Ausstellung in Brüssel sandte, ernannte Cortes 1522 zum Statthalter und Generalkapitän von "Neu-Spanien'" Cortes unternahm weitere Eroberungszüge, wurde aber wegen seiner Übergriffe gegen Spanier angeklagt und musste sich in Spanien 1528 verteidigen. Zwar erhielt er den Titel eines Marqués del Valle de Oaxaca, verlor aber die Statthalterwürde und musste sich seit 1530 mit dem Generalkapitanat begnügen. Er entdeckte 1535 die Halbinsel Kalifornien, wurde 1540 erneut nach Spanien gerufen und nahm am Feldzug gegen Algier 1541 teil. Sein Versuch, den Ostasienhandel über Mexiko zu leiten, scheiterte an nautischen Schwierigkeiten. Mit der Beseitigung der indianischen Herrscher in Mittelamerika sowie der Unterjochung ihrer Gebiete und Untertanen festigte er das spanische Kolonialreich. Cortes hinterliess zahlreiche Briefberichte an den Kaiser Karl V.

Cortona, Pietro da
(Eigentlich Pietro Berrettini, geb. 1.11.1596 in Cortona - 16.5.1669 Rom). Italienischer Maler, Architekt und Baumeister, wurde in der Baukunst des römischen Barock nur von Bernini, Gianlorenzo übertroffen. Geboren in Cortona als Sohn eines Steinmetzen, lernte bei dem wenig bekannten Maler Commodi, ging mit ihm um 1612 nach Rom und liess sich dort nieder. Er kann in der Architektur allenfalls eine oberflächliche Ausbildung erhalten haben. Zuerst wurde er von der Familie Sacchetti gefördert, für die er die Villa del Pigneto (1626 bis 36, heute zerstört) - eine Markstein im Villenbau - entwarf, dann von Kardinal Francesco Barberini und dessen kultiviertem Kreis. Von nun an erhielt er Aufträge für Bauten mitsamt Ausmalung. Sein erstes bedeutendes Bauwerk, SS. Martina e Luca in Rom (1635-50) ist auch die erste grosse, sehr persönliche und vollkommen homogene Barockkirche. Sie ist ein einheitlicher, plastisch durchgestalteter Organismus mit einem einzigen dynamischen, alles durchdringenen Grundthema. Besonders bemerkenswert ist die lebendige Wirkung der grossen Wandflächen, die von kolossalen Säulen aufgelockert werden. Diese Säulen sollen nicht, wie in der Renaissance, Seitenaltäre umrahmen oder den Raum klar gliedern, sondern die Plastizität des Raumes erhöhen. Die Dekoration ist überreich, manchmal exzentrisch (z.b. die wildgeschwungenen Formen der Kassettierung der Kuppel), hie und da vom florentinischen Manierismus beeinflusst. Im Gegensatz zu Bernini verzichtet Cortona ganz auf Figurenschmuck und Farben, seine Innenräume sind mit Ausnahme der Deckenmalereien weiss. Die konkaven und konvexen Formen der Fassade von S. Maria della Pace in Rom (1656-57) sind typisch barock. Individueller ist seine szenische Gestaltung der Piazza vor der Kirche, die er wie den Zuschauerraum eines Theaters behandelt hat: die Seitenportale der Kirche sind wie Bühnentüren, die den Platz flankierenden Häuser die Logen. Die allmähliche Ausschaltung manieriestischer Stilelemente und das Streben nach römischer Einfachheit, Würde, Monumentalität werden in der Fassade von S. Maria in via Lata in Rom (1658-62) sichtbar. Ein Vergleich zwischen seinen Früh- und Spätwerken veranschaulicht seine Entwicklung vom Exzentrischen und Komplizierten, von überschäumender Dekorationslust zu ruhiger klassischer Grossartigkeit, wie sie besonders in der Kuppel von S. Carlo al Corso in Rom (beg. 1668) zum Ausdruck kommt. Die meisten seiner grösseren, ehrgeizigeren Entwürfe wurden nicht verwirklicht (Chiesa Nuova di S. Filippo in Florenz; Palazzo Chigi in Rom; Louvre in Paris). Obwohl er als Architekt ebenso bedeutend war wie als Maler, betrachtete er selbst die Architektur nur als Zeitvertreib. Cortona ist Schöpfer beispielhafter illusionistischer Deckenmalereien, die alle Grenzen zwischen realen und fiktiven Räumen scheinbar aufheben. Er schuf die Fresken in den Palazzi Pamfili und Barberini (Rom) und im Palazzo Pitti (Florenz).

Cossa, Francesco del
* 1435 oder 1436 in Ferrara, + 1477 oder 1478 in Bologna. Italienischer Renaissancemaler. Einer der drei Hauptmeister der Schule von Ferrara. Cossa stammte aus einer Künstlerfamilie, wurde 1456 erstmals im Zusammenhang mit der Bezahlung für die Arbeit an drei Halbfiguren am Hochaltar des Doms zu Ferrara erwähnt. Die um 1475 geschaffene "Allegorie des Herbstes" (Berlin, Staatliche Museen, Gemäldegalerie) zeigt in der plastischen Monumentalität der Figurenauffassung den Einfluss von Andrea Mantega, in der kri

Cottar, PierreCottart, Pierre

Cottard, PierreCottart, Pierre

Cottart, Pierre
(auch Cottar, Cottard). Tätig 2. Hälfte 17. Jh. Französischer Architekt, Kupferstecher und Radierer des Barock. Von seinen Lebensdaten ist weiter nichts bekannt. Er errichtete um 1650 das Amelot-de-Bisseuil-Hotel in Paris, die Kapelle und das Spital de la Merci (von Germain Boffrand vollendet), 1655-74 das Rathaus in Troyes und etwa zur gleichen Zeit das Schloss Villacerf bei Troyes. Seine Schriften (vor allem "Recueil de plusieurs pièces d`architecture, qui sont à Paris", Paris 1648; "Recueil de pl

Cotte, Robert de
(1656-1735). Französischer Architekt des frühen Rokoko, massgeblich beteiligt an der Ausbreitung des französischen Architekturstils und Dekorationsstils (Regence), besonders in Deutschland. Er begann unter seinem Schwager Hardouin-Mansart, Jules der ihm seine Stellung begründen half und dessen Nachfolge als "premier architecte du Roy" er 1709 antrat. Von 1700 an baute er viele Pariser Hotels, deren wichtigste erhalten sind: das Hotel de Bouvallisa (ca. 1717) und das von ihm umgebaute Hotel de la

Coudray, Clemens Wenzel
* 23.11.1775 in Ehrenbreitstein, + 4.10.1845 in Weimar. Deutscher Architekt, studierte Archictektur in Leipzig, Dresden und Berlin und ging 1800-04 nach Paris, 1804-05 nach Rom. 1816 wurde er Oberbaudirektor in Weimar, wo er, zum Teil in Zusammenarbeit mit Johann Wolfgang von Goethe, eine Reihe klassizistischer Bauwerke schuf, z.B. das Theater (1825). Ferner war er für die Dekorationen der Dichterzimmer im Residenzschloss Weimar I und die Entwürfe für das Pentazonium Vimariense verantwortlich.

Courtonne, Jean
Französischer Architekt. Errichtete ab 1721 das Matignon-Hotel in Paris.

Coustou, Guillaume d.Ä.
* 25.4.1677 in Lyon, + 20.2.1746 in Paris. Französischer Bildhauer am Übergang von Barock zum Rokoko, Bruder von Coustou, Nicolas und Schüler sowie Mitarbeiter seines Onkels Coysevox, Antoine. 1697-1703 lebte er als Stipendiat in Rom. 1704 wurde er Mitglied der Académie des Beaux-Arts, zu deren Direktor man ihn schliesslich 1735 ernannte. Er arbeitete wie sein Bruder hauptsächlich für die königlichen Schlösser und Gärten. Besonders bekannt sind seine beiden elegant konturierten, temperamentvoll bewegten Rossebändige-Gruppen für Schloss Marly-Le-Roi (jetzt im Eingang zu den Champs-Eleysées in Paris). Neben einer Vielfalt von Porträtbüsten schuf er auch Bronzeplastiken, z.B. den "Flussgott Rhone" (heute im Rathaus von Lyon); die Liegefigur ist das Pendant zur "Saone" von Nicolas Coustou. Die Gruppe war für den von Robert de Cotte entworfenen Sockel der bereits 1691 gegossenen Reiterstatue Ludwigs XIV. auf der Place Bellecour in Lyon bestimmt, wurde 1714 in Auftrag gegeben und 1721 aufgestellt. Im monumentalen Anspruch verrät sie ihren Zusammenhang mit den Plastiken des 17. Jh., die sie jedoch zum Eleganten hin modifiziert.

Coustou, Guillaume d.J.
* 19.3.1716 in Paris, + 13.7.1777 in Paris. Französischer Bildhauer des Rokoko, Sohn und Schüler von Coustous, Guillaume d.Ä., dessen hochbarocke Tendenzen er völlig aufgab, um sich rein der Formensprache des Rokoko zuzuwenden. 1735-40 hielt er sich zu künstlerischen Studien in Rom auf, ohne jedoch stärker von der antiken Plastik beeinflusst zu werden. Unter einer ganzen Reihe von Werken (von der antiken Plastik beeinflusst zu werden. Unter einer ganzen Reihe von Werken (vorwiegend für französische königliche Bauten) ragen vor allem die zierlich bewegten Mars-Skulpturen und Venus-Skulpturen hervor, die er im Auftrag Friedrichs II. für dessen Schloss Sanssouci geschaffen hat.

Coustou, Nicolas
* 8.1.1658 in Lyon, + 1.5.1733 in Paris. Französischer Barockbildhauer. Wie sein Bruder Coustou, Guillaume d.Ä. Schüler seines Onkels Coysevox, Antoine, in dessen Werkstatt er 1677 eintrat. Ausserdem verbrachte er eine dreijährige Ausbildungszeit (1683-86) als Stipendiat in Rom. 1693 wurde er Mitglied der Académie, zu deren Kanzler er es 1733 brachte. Bekannt wurde er durch monumentale Marmorgruppen, häufig mit mythologisierender Thematik, so vor allem die Parkplastiken für Versailles und Schloss Marly-Le-Roi (1701-10, jetzt im Tuileriengarten in Paris), die Statue "Ludwig XV. als Jupiter" und die "Pieta" von 1725 in Notre-Dame in Paris. In den eleganten Formen und wirkungsvollen Konturen seiner Figuren vereinte er das theatralische Pathos barocker Hofkunst mit der Anmut des Rokoko zu einem dekorativen Gesamteindruck.

Couven, Johann Joseph
* 10.11.1701 in Aachen, + 12.9.1763 in Aachen. Deutscher Architekt. Hauptvertreter einer in der Mitte des 18. Jh. die Baukunst in Lüttich und Aachen beherrschenden Richtung, die Einflüsse der französischen Architektur, vor alles des Régence, zu einem eigenen, äusserst dekorativen Rokokostil modifizierte. Am bedeutendsten sind seine Paläste und Bürgerhäuser, so das des Aachener Bürgermeisters Wespien (1734-37), sowie die Jagdschlösser für Karl Theodor von der Pfalz in Düsseldorf (1748) und den Fürstbischof von Lüttich in Maaseyk. Auch seine Sakralbauten, z.B. die Abteikirche St. Johann in Burtscheid (1735-36), sind von hoher baukünstlerischer Qualität.

Covarrubias, Alonso de
(geb. um 1488 in Torrijos - nach 2.3.1564 oder 1570). Spanischer Bildhauer und Baumeister (Architekt), arbeitete als Bildhauer in einerm klaren Frührrenaissancestil (Renaissance), bei konstruktiv bedingten Bauteilen hielt er jedoch an der gotischen Tradition fest. Gilt als bedeutendster Meister des reifen plateresken Stils, von dessen kleinteiligen Formen er sich in seinen letzten Arbeiten löste und zum Desornamentadostil Herreras (Herrera, Juan de) überging. Tritt erstmals 1512 als einer der neun Gutachter für die Kathedrale von Salamanca in Erscheinung, was beweist, dass er schön früh anerkannt war. Seit 1515 arbeitete er an der Ausstattung der Kathedrale von Sigüenza. 1520 leitete er den Wiederaufbau der Capilla de la Trinidad in der Kathedrale von Toledo; 1524 errichtete der das Grabmal von F. de Rojas in der Kirche S. Andres in Toledo. Von der Piedad-Kirche in Guadalajara (1526) stehen nur noch Ruinen, doch die Capilla de Reyes Nuevos in der Kathedrale von Toledo (1531-34), ein reizvolles Werk, ist vollkommen erhalten. Etwa um 1530 errichtete er die schöne Treppenanlage des Erzbischöflichen Palastes in Alcala und die Sakristei in Sigüenza (1532-34) mit einem reichgestalteten Tonnengewölbe. Er war Baumeister (1534 wurde er nach einem Wettbewerb zum Bau der Capilla de los Reyes Nuevos zum Dombaumeister ernannt) der Kathedrale von Toledo. 1537 errichtete er das Johannesportal der Schatzkapelle in der Kathedrale von Toledo und wurde von Karl V. zum Hofarchitekten ernannt. Zu Covarrubias "Hauptbauten" zählt der Alcazar von Toledo (Erweiterungsbauten) mit idealer Vereinigung Burg und Palast; Hallen und Fassaden des Johanneshospitals in Toledo (Entwurf 1542) und der Palast der Erzbischöfe von Toledo (heute Archiv) in Alcalá de Henares.

Cox, GonsaelCoques, Gonzales

Coypel, Antoine
* 11.4.1661 in Paris, + 7.1.1722 in Paris. Französischer Maler, Zeichner und Stecher, Vorläufer der Rokokomalerei, ältester Sohn von Coypel, Noel, Vater von Coypel, Charles-Antoine und berühmtes Mitglied dieser Malerfamilie. Sein Werk baut auf dem klassischen Stil etwa von Charles Le Brun auf und weist aufdie Malweise von Antoine Watteau voraus. Mit elf Jahren war Antoine Coypel Schüler seines Vaters in Rom, der dort die Académie de France leitete. Er blieb bis 1676 in Rom und arbeitete u.a. bei Giovanni Lorenzo Bernini. Seine Aufnahmearbeit 1681 für die Pariser Académie war "Der glorreiche Ludwig XIV. nach dem Sieg von Nimwegen" (Montpellier, Musée Fabre). 1710 ernannte ihn der König als Anerkennung für sein Hauptwerk, das Deckenfresco in der Schlosskapelle von Versailles, zum Direktor der königlichen Gemäldesammlung. 1714 wurde er Direktor der Académie, 1717 Hofmaler. Freskomalerei und Tafelmalerei stehen in Antoine Coypels Werk gleichrangig nebeneinander und weisen ihn als vorzüglichen Koloristen aus, der sich im Streit zwischen den Anhängern von Nicolas Poussins und Peter Paul Rubens auf die Seite der "Rubenisten" gestellt hatte. Freskomalereien von Antoine Coypel befinden sich u.a. im Schloss Choisy-Chateau und im Schloss Meudon; Tafelgemälde besitzt u.a. das Musée National du Louvre in Paris: "Athalia", "Susanne im Bade", "Esther vor Ahasver". Die Stiche und Teppichentwürfe des Künstlers stellen meist mythologische Themen dar.

Coypel, Charles-Antoine
* 11.7.1694 in Paris, + 14.6.1752 in Paris. Französischer Maler an der Schwelle zum Rokoko, Theaterschriftsteller, Sohn von Coypel, Antoine. Er erreichte 1715 mit dem Bild "Jason und Medea" die Aufnahme in der Académie und erhielt 1722 anstelle seines verstorbenen Vaters Titel und Funktion eines ersten Malers des Regenten. 1726 wurde er Hofmaler der Königin Maria Leszczynska, 1746 Rektor der Académie, 1747 ihr Direktor. Sein wichtigstes Gemälde, "Perseus befreit Andromeda" (Paris, Musée National du Louv

Coypel, Noel
(*25.12.1628 in Paris, + 24.12.1707). Französischer Barockmaler aus dem Kreis um Le Brun, Charles, Vater von Coypel, Antoine und Gründer der Malerdynastie Coypel. Er leitete von 1672-74 die Académie de France in Rom, er war Mitglied der Académie in Paris, später wurde er auch ihr Direktor. Seine Werk besteht aus Entwürfen für die Manufacture des Gobelins in Paris; ausserdem arbeitete er in den Schlössern der königlichen Familie als Freskant. Auch arbeitete er u.a. an der Innenausstattung des Justizpalast Rennes mit. Das Gemälde "Der hl. Jakobus heilt auf dem Richtplatz einen Gelähmten!" (Paris, Notre Dame) ist beispielhaft für seine Werke mit religiösen Themen.

Coypel, Noel-Nicolas
* 17.11.1690 in Paris, + 14.12.1734 in Paris. Französischer Maler, Stecher und Illustrator, Sohn von Coypel, Noel aus zweiter Ehe. Seine Gemälde zeichnen sich durch lebhafte Kompositionen sowie ein modern wirkendes Kolorit aus, für das er die Farben nicht mehr auf der Palette vermischte, sondern direkt auftrug. Er malte Pastelporträts, und 1730 erschienen die damals berühmten Illustrationen zu dem Roman "Die Abenteuer Telemachs" von Francois de Fénelon.

Coysevox, Antoine
(1640-1720). Französischer Bildhauer. Schuf zwei Tiergruppen im Schlosspark von Sceaux. Ausserdem führte er das von Le Brun, Charles konzpierte Grabmal des Marquis de Vaubrun in der Schlosskapelle von Serrant.

Cranach, Lucas d.J.
* 4.10.1515 in Weimar, * 25.1.1586 in Weimar. Deutscher Maler, Sohn von Cranach, Lucas d.Ä. und Bruder von Cranch, Hans, mit dem er in der Werkstatt seines Vaters arbeitete. 1552 übernahm er nach der Niederlassung des Vaters in Weimar Haus und Werkstatt in Wittenberg. Seine besten Leistungen liegen in der Porträtmalerei sowie in der Darstellung, biblischer und mythologischer Themen. Zu seinen wichtigsten Werken gehören: "Die Hofjagd auf Hirsche und Bären" (1540, Cleveland, Museum of Art), der "Jungbrunnen

Crespi, Giuseppe Maria
(gen. lo Spagnuolo). * 16.3.1665 in Bologna, + 16.7.1747 in Bologna. Italienischer Maler und Radierer, Schüler von Carlo Cignani in Bologna, studierte auch die Kunst von Correggio und der Brüder Carracci, von denen er sich bei der Ausstattung verschiedener Palazzi in Bologna anregen liess (z.B. "Götterversammlung" und "Jahreszeiten", 1691, Popoli- Campogrande-Palazzo). Interessanter sind seine eigenständigen Kompositionen; in den religiösen Darstellungen, die den wesentlichen Teil seiner Tätigkeit ausmach

Croce, Baldassare
(auch Croci, dalla Croce, gen. Baldassarino). * 1558 in Bologna, + 8.11.1628 in Rom. Italienischer Maler und Freskant am Übergang vom Manierismus zum Barock. Im Umkreis der Bologneser Manieristen geschult, kam Croce 1575 nach Rom, wo sich sein Stil unter dem Einfluss der Carracci und Guido Renis wandelte. Papst Gregor XIII. betraute ihn mit Dekorationsaufgaben im Vatikan. Ferner arbeitete er in S. Spirito, S. Giovanni in Laterano, in S. Maria Maggiore und in etlichen anderen Kirchen und Palästen Roms und in Viterbo (Comunale-Palazzo Vterbo). Sein Hauptwerk ist die Freskierung von S. Susanna in Rom, wo er mit dem Theatinerpater Matteo Zoccolino, der die Scheinarchitekturen schuf, die Legenden der Titelheiligen ausführte.

Croce, Baldassare dallaCroce, Baldassare

Croci, BaldassareCroce, Baldassare

Cronaca, Simone
Eigentlich Simone del Pollaiuolo. Geb. 30.10.1457 in Florenz - 27.9.1508 Florenz. Italienischer Baumeister der Frührenaissance. Cronaca hielt sich von etwa 1475 bis 1485 in Rom auf und studierte hier vor allem antike Bauwerke, seit etwa 1495 war er als Dombaumeister in Florenz tätig. Am Palazzo Strozzi, einem Hauptwerk von Maiano, Benedetto da, war Cronaca von Anfang an beteiligt (begon. 1489, fortgeführt von Cronaca ab 1497). Das mächtige, die Fassade bestimmende Hauptgesims, sowie die majestätische Hofgestaltung sind Arbeiten von Cronaca nach dem Tode Benedettos (um 1500). Als sein Hauptwerk gelten jedoch S. Salvatore, bzw. S. Francesco al Monte, das schon von Michelangelo wegen seiner edlen Proportionen gerühmt wurde (1504 vollendet). Cronaca war ein Vertreter der von Brunelleschi, Filippo eingeschlagenen Richtung der Renaissance, wie z.B. auch Sangallo, Giuliano.

Crosato, Giovanni Battista
* 1686 in Venedig, + 1758 in Venedig. Italienischer Maler des Rokoko, vorwiegend Freskant. Vom Frühwerk Crosatos, der unter dem Einfluss von Jacopo Amigoni, Sebastiano Ricci, Giovanni Antonio Pellegrini des Bologneser Hochbarock un später auch des jungen Giovanni Battista Tiepolo stand, sind nur noch drei Passionsszenen in S. Marcuola in Venedig erhalten. 1733-36 wirkte Crosato, wohl auf Empfehlung von Filippo Juvara, in Turin und Stupinigi, wobei er den herkömmlichen Motiven der Fresken von Carle van Loos wirkunsgvoll Bauernszenen, Jägerszenen und andere profane Darstellungen entgegensetzte, z.B. im "Opfer der Iphigenie" (Stupinigi, Palazzo di Caccia, Anticamera dell´Appartamento della Regina). Ab 1736 folgte eine Serie der Tugenden im Ca´ Pesaro, 1743-52 Fresken im Ballsaal der Ca´ Rezzonico. Während seines zweiten Turiner Aufenthalts 1740-43 schuf er Fresken für den Reale-Palazzo Turin und die Chiesa della Visitazione und "Mariä Heimsuchung" (Pinerolo, Chiesa della Visitazione). Crosatos Malweise, die stark auf die französischen Maler des 17. Jh. einwirkte, ist der Art von Tiepolo ähnlich, zeigt aber schwerere Formen und sehr helle Farben.

CunaeusCuneo, Gaspare

Cuneo, Gaspare
(auch Khune, Kune, Cunaeus, Cunes - auch Kaspar, Casparo, nachweisbar 1559-1572). Steinmetz, beteiligt an Oels I.

Cunes, CasparoCuneo, Gaspare

CupidoEros

Cuvillies, Francois d.Ä.
(1695-1768). Einer der hervorragensten süddeutschen Rokokoarchitekten. Empfing zwar vom französischen Rokoko Anregungen, doch sind seine Dekorationen viel lebendiger und reicher. Die Amalienburg im Nymphenburger Park in München (1734-39), kann man in ihrer leichten Eleganz, ihrer verfeinerten Anmut als das Meisterwerk der Profanbaukunst des Rokoko bezeichnen. Cuvillies wurde in Soignies-en-Hainaut (Hennegau, Belgien) geboren, trat 1708 in die Dienste des im Exil lebenden Kurfürsten Max Emanuel von Bayern, reiste mit ihm als Hofzwerg durch Frankreich und begleitete ihn 1714 bei seiner Rückkehr nch München. Er begann seine Laufbahn als Militärarchitekt und zeigte so viel Talent, dass er 1720-24 nach Paris geschickt wurde, um dort Architektur zu studieren. 1725 wurde er zusammen mit Effner, Josef als Hofarchitekt in München angestellt. An Stelle von Schlaun, Johann Conrad wurde er 1728 vom Kurfürsten Clemens-August in Köln, dem Sohn Max Emanuels, als Architekt für das Schloss Brühl bei Köln berufen, wo er u.a. den schönen Pavillon Falkenlust entwarf. Sein erstes Werk in Bayern waren die unter Max Emanuel von Effner 1726 begonnenen, 1729 durch einen Brand teilweise zerstörten Dekorationen der "Reichen Zimmer" in der Münchener Residenz (1729-37, 1944/45 teilweise zerstört). 1733 lieferte er Entwürfe für die Abteikirche von Schäftlarn (nicht ausgeführt) und für das Palais Holnstein (heute Erzbischöfliches Palais in München). Die Amalienburg entstand 1734-39, ein eingeschlossiges Bauwerk mit einem grossen, kreisförmigen Saal, dessen konvexes Herausschwingen die elegante Linie der Gartenfassade bewirkt. Diei versilberten Dekorationen aus geschnitztem Holz und Stuck (Joh. Baptist Zimmermann, Joachim Dietrich) in den Haupträumen sind von anmutiger Zartheit; die subtilen Farbklänge - milchblau im Mittelsaal, zitronengelb in einem Seitenraum, strohgelb in dem anderen - sind sorgsam aufeinander abgestimmt (Pasqualin Moretti). 1747 lieferte Cuvillies Pläne für Schloss und Garten Wilhelmstal bei Kassel (von S.L. Du Ry erbaut). Das Residenztheater in München (1751-53; 1944 demontiert, 1958 an anderer Stelle der Residenz mit der Bezeichnung Cuvillies-Theater wiederaufgebaut), eine der letzten sorglosen Schöpfungen verfeinerten Rokokokunst, war auch sein letztes grösseres Werk. Vorzüglich gestaltete Putten, Karyatiden, Girlanden, Trophäen mit Musikinstrumenten und überschäumende Kartuschen charakterisieren den ungezwungenen Stil dieses Bauwerks. In den Jahren 1755/56 zweiter Parisaufenthalt und Besuch der Architektenschule von Blondel, Jacques-Francois. 1767 vollendete Cuvillies die Fassade der Theatinerkirche St. Kajetan in München unter der Mithilfe seines Sohnes Francois Cuvillies d.J. (Barelli). Er veröffentlichte 1738 ein "Livre de cartouches" und gab mit seinem Sohn die "Ecole d`Architecture Bavaroise" herus (1731-77).

Cuvillies, Francois d.J.
(1731-77). Architekt und Theoretiker im Dienste des bayerischen Hofes. Nach dem Tod seines Vaters entstand 1768-77 Cuvillies`s wichtiges Traktat: "Von den architektonischen Ordnungen", worin er eine klare, vom Klassizismus beeinflusste Stellung vertritt. Dem Architekten Cuvillies werden u.a. Pläne zur Benediktinerkirche in Asbach (Niederbayern), sowie Fassadengestaltungen in München zugeschrieben (z B. am Rindermarkt).

Cuypers, Petrus Josephus Hubertus
(1827-1921). Der bedeutendste holländische Architekt des 19. Jhs., studierte an der Antwerpener Akademie, wurde 1850 Stadtarchitekt in Roermond und gründete hier 1852 eine Werkstatt für christliche Kunst. 1865 ging er nach Amsterdam, wo er seine berühmtesten Bauwerke errichtete: Das Rijksmuseum (1877-85) und den Hauptbahnhof (1881-89). Beide Backsteinbauten gehen auf die in den Niederlanden heimische nordische Renaissance zurück, sind aber im Gegensatz zu anderen in diesem Stil gebauten Werken massvoll und frei von Übertreibungen. Cuypers baute viele Kirchen im neugotischen Stil. Er restaurierte und erweiterte auch die Burg von Haarzuylen (1894-96) und erbaute den Ostturm des Mainzer Doms an der Stelle des baufälligen gotischen.

Czerr, Johann
(Hans?). Maurermeister, war am Bau von Falkenburg Krs. Oppeln I beteiligt.

Dadophoren
Die fackeltragenden Genien Cautes und Cautopates im Mithraskult.

Dalmatinac, Juraj
(auch Giorgio da Sebenico; eigentl. Juraj Orsini). * ? in Zadar, + 1475 in Ancona. Dalmatinischer Baumeister und Bildhauer zwischen Spätgotik und Frührenaissance, arbeitete zunächst in der Werkstatt der Gebrüder Buon, zweier Repräsentanten der Gotik in Venedig. Prägend für seine Architektur waren Kontakte mit Künstlern der Renaissance, wie z.B. Luciano Laurana. Nach Dalmatien wurde er 1441 für den Weiterbau der Kathedrale Sv. Jakov in Sibenik gerufen, wobei er dass Querschiff, den Chor, die Sakristei errichtete und den Innenausbau der Kuppel durchführte. Als Bildhauer entwarf Juraj Dalmatinac Plastiken der Taufkapelle, die Apostelstatuen am Seitenportal und den berühmten Kranz mit 74 Köpfen an der Aussenwand der Apsis. In seiner starken realistischen Darstellungsart erkennt man charakteristische Gesichtsausdrücke der dalmatischen Bürger. In die Kathedrale von Split baute Juraj Dalmatinac 1448 die Kapelle Sv. Stasa mit dazugehörigem Sarkophag und Ziborium ein. In Dubrovnik arbeitete er an der Restaurierung des Fürstenpalais Dubrovnik und der Vollendung des Turms Mincete (Dubrovnik). Aufträge in Ancona führten ihn endgültig nach Italien zurück. Dort schuf er 1452 die Loggia dei Mercanti, 1458 das Relief für die Kirche S. Augustine und das monumentale Portal der Kirche S. Francesco delle Scale.

Dame, Luis
Architekt. Beteiligt am Bau von Schloss Michałkowice.

Danae
Tochter des Königs Akrisios von Argos und der Eurydike. Geliebte des Zeus (Jupiter). Danae wird von Malern häufig liegend dargestellt, während Zeus (Jupiter) sich ihr in Gestalt eines feinen Goldregens oder einer Goldwolke nähert.

Dance, George
(1741-1825). Architekt des Mansion House in London (1739-52). Seine Frühwerke sind ebenso selbständig wie fortschrittlich und deuten die Möglichkeit an, dass Dance Kenntnis von den avantgardistischen Entwürfen seiner französischen Zeitgenossen Ledoux, Claude-Nicolas und Boullee hatte, da er wie sie die architektonischen Elemente eher als ein Ausdrucksmittel denn als Glieder einer abstrakt-geometrischen Komposition auffasste. Nach seiner Rückkehr baute er zuerst in einem äusserst strengen und gedämpften Klassizismus die Kirche All Hallows, London Wall (1765-67). Darauf folgte sein kühner, phantasievoller Entwurf für Newgate Prison in London (1769-78, zerstört), der selbständigste und dramatischste Bau dieser Epoche in England. Einige seiner Spätwerke nehmen bereits den Stil von Soane, Sir John vorweg, so z.B. die Council Chamber der Londoner Guildhall (1777, zerstört), deren Kuppen mit den von der verglasten Mittelöffnung strahlenförmig ausgehenden feinen Linien einem offenen Fallschirm glich; oder die Bibliothek in Lansdowne House in London (1792, von Smirke, Sir Robert vollendet) mit einer indirekten Lichtführung durch die Fenster, die in den mit Halbkuppeln (Kuppel) überwölbten Exedren (Exedra) an den Enden des langen flachgewölbten Raumes verborgen waren. Nach der Jahrhundertwende wurde sein Stil in wachsendem Masse strenger, und Stratton Park und das College of Surgeons in London (1806-13) weisen bereits auf das Greek Revival von Smirke, Sir Robert und Wilkins hin. Sein eigentlicher Nachfolger war jedoch sein Schüler Soane, Sir John.

Daniel, Georg
Steinmetz aus Glatz. Mitarbeit an Schloss Neudeck Krs. Glatz.

Daniele da Volterra
(eigentl. Daniele Ricciarelli). * 1509 in Volterra, + 4.4.1566 in Rom. Italienischer Maler und Bildhauer, Manierist. Er erhielt seine künstlerische Ausbildung in Siena, wo er zunächst in der Werkstatt Sodomas lernte. Anklänge an die Bildgestaltung und Farbgebung Sodomas sind besonders im Fresko der "Justitia" für den Podesta-Palazzo Volterra (um 1532, heute Volterra, Pinacoteca Comunale) erkennbar. Ab 1535 war Daniele in Rom ansässig, wo er anfänglich mit Pierino del Vaga zusammenarbeitete und auch bald i

Danti, Vincenzo
* 1530 in Perugia, + 26.5.1576 in Perugia. Italienischer Bildhauer, Goldschmied, Maler, Architekt und Kunsttheoretiker des Manierismus, auch Dichter. Er erlernte bei seinem Vater und später in Rom die Goldschmiedekunst und wurde 1548 in die Zunft der Peruginer Goldschmiede aufgenommen. 1553-55 war er massgeblich am Guss der bedeutenden Bronzestatue "Papst Julius III." beteiligt, die unter der Domloggia in Perugia aufgestellt wurde. Spätestens seit 1557 hielt er sich am Hof Herzog Cosimos I. in Florenz auf

Daphne
Tochter des Flussgottes Peneios. Die von Apoll geliebte Nymphe wird häufig in dem Augenblick gezeigt, in dem sich ihre Verwandlung in einen Lorbeerbaum vollzieht.

Davis, Alexander Jackson
(1803-90). Amerikanischer Architekt, geb. in New York, arbeitete als Zeichner bei Ithiel Town (1784-1844), dessen Partner er 1829 wurde. Schon 1827 baute er das Connecticut State Capitol mit einem dorischen Portikus. Die beiden entwarfen gemeinsam Parlamentsgebäude desselben Typus für weitere Bundesstaaten (Indiana, 1831; North Carolina, 1831; Illinois, 1837; Ohio, 1839). Sie gehören zu den eindruckvollsten amerikanischen Bauwerken des Greek Revival. Davis konnte auch im gotischen Stil der englischen Universitäten (die Universität von New York, Washington Sqaure, 1832) und anderen gotischen Versionen bauen und war gewandt im Villenbau.

Davud, AgaDavut, Aga

Davut, Aga
(gest. 1598/99). Auch Davud, Aga. Osmanischer Architekt der 2. Hälfte des 16. Jhs. Davut war über viele Jahre neben Mehmet, Tahir Aga Schüler, Mitarbeiter und für kurze Zeit auch Nachfolger des berühmten türkischen Architekten Sinan. Bis 1585 kann seine Tägigkeit parallel zu der von Sinan angenommen werden, u.a. die Mitwirkung an der grossen Selimiye-Moschee in Edirne. Mit der Errichtung der Moschee und des Mausoleums von Kizlar Agasi Mehmed in Istanbul-Charshamba, 1585, beginnt seine selbständige Bautätigkeit. Besonders hervorzuheben sind der Audienzsaal (Arz Odasi) im Topkai-Serail, 1585, und die Kioske (Perlenkiosk) in Istanbul 1592/93 (zerstört) und Moscheeanlagen mit Mausoleen, u.a. für Sinan Pascha und Nishanji Mehemed Pascha, 1593, die Yeni Valide, beg. 1594, oder die Türbe für Sultan Murad III., 1598.

De La Fosse, Jean-CharlesDelafosse, Jean-Charles

De Mandon de Saint-Remy, Francois
Französischer Ingenier des 16. Jh. der die Befestigungen in Saint-Paul-de-Vence II schuf.

De Ruet, ClaudeDeruet, Claude

De Wit, PieterCandid, Peter

De Witte, PieterCandid, Peter

Dea Candida
"Reine Göttin". Keltische Göttin unter römischem Namen.

Decker, Paul
(1677-1713). Deutscher Architekt des Barock, der durch sein Stichwerk: "Fürstlicher Baumeister oder Architectus civilis" (1711, 2. Auflage mit ergänzenden Stichen 1716) berühmt wurde. Seit 1699 arbeitete er in Berlin unter Schlüter, Andreas, liess sich später in Nürnberg nieder und 1712 schliesslich in Bayreuth. Es sind nur wenige Bauten von ihm bekannt, aber seine grossartigen und phantasievollen Entwürfe, die die überschwengliche Spielart der Barockkunst und Barockdekoration (letztere über

Degener, Friedrich Wilhelm
(auch Degner, *5.6.1775 in Schlawa). Architekt, errichtete Schloss Tworog.

Degenhardt, Gartenarchitekt
Gartenarchitekt. Beteiligt an Sagan I.

Degler, Hans
* 1564 in München, + 1634 oder 1635 in Weilheim. Deutscher Bildschnitzer unter dem Einfluss der höfischen Münchner Künstler Sustris, Friedrich; Gerhard, Hubert und Krumpper, Hans. Er zog 1590 nach Weilheim und wurde dort das Haupt des bedeutenden Bildschnitzerzentrums. Seine drei Ältäre für St. Ulrich und Afra in Augsburg (1604-07) haben den frühbarocken Retabelbau in Altbayern und Schwaben nachhaltig geprägt. Neben Arbeiten für die Residenz in München I war Degler auch für Kirchen in Niederbayern (Stiftskirche Aldersbach, 1620) und Österreich tätig (z.B. Kremsmünster, drei Altäre, 1616-18, jetzt Hochaltar in Grünau, Almtal). Seine manieristischen Werke waren mit nachgotischen Stilelementen durchsetzt. Degler war Lehrer der frühbarocken Dilschnitzer Christoph Angermayr, Hans Jakob Zürn, Hans Spindler u.a.

Degner, Friedrich WilhelmDegener, Friedrich Wilhelm

Dehn-Rothfelser, Hans von
(auch Dehne der Rothfelser). * 1500, + 13.6.1561 in Dresden. Deutscher Architekt. Er hatte als Intendant der Herzogs Georg des Bärtigen und der Kurfürsten Moritz und August in Dresden die organisatorische Oberaufsicht über alle grösseren Bauvorhaben des Hofs, so über die Umbauten am Residenzschloss (Dresden II, 1530-35), den Bau der Moritzburg Krs. Meissen sowie die Schlösser in Senftenberg Oberspreewald-Lausitz II, Radeberg II und {Grillenburg Hartha>. Bauten, die nach seinen eigenen Entwürfen entstanden, sind bisher nicht bekannt.

Dehn-Rothfelser, Heinrich von
* 6.8.1825 in Hanau, + 29.6.1885 in Berlin. Deutscher Architekt und Kunstschriftsteller. Trat nach seiner Ausbildung an der Akademie in Kassel in den Dienst des kurhessischen Hofs in Kassel. 1865 wurde er Oberhofbaumeister, und 1867 erhielt er den Lehrstuhl für Architektur an der Akademie. Das Kasseler Galeriegebäude (1872-77) ist das einzige bemerkenswerte Zeugnis seiner praktischen Tätigkeit als Architekt. Bedeutender sind seine Leistungen ab 1878 als Konsevator der Kunstdenkmäler Preussens in Berlin.

Dehne der Rothfelster, Hans vonDehn-Rothfelser

Deianeira
Tochter des Königs Oineus von Kalydon und der Althaia; Schwester des Meleagros. Die Gemahlin des Herakles (Herkules), erscheint meist im Beisein des Helden, aber auch in der Szene des versuchten Raubes durch den Kentauren Nessos.

Deinokrates
Tätig 2. Hälfte 4. Jh. v. Chr. Griechischer Architekt und Baumeister aus Rhodos (?). Seine Herkunft und die Zuschreibung seiner Werke sind umstritten. Da er Alexander d.Gr. auf seinen Feldzügen begleitete, wird er manchmal auch als Makedone bezeichnet. Gesichert scheint die Mitteilung Vitruvs, nach der er bei der Gründung der ägyptischen Stadt Alexandria 332/331 v.Chr. den von Alexander konzipierten Plan weiterentwickelte und realisierte. Die Stadtanlage geht auf das Hippodamische System zurück. Um seine Persönlichkeit und sein Schaffen bildeten sich viele Anekdoten, wohl aus dem Umfeld der Alexanderlegende.

Delacroix, Eugene
(1798-1863). Französischer Maler. Schuf die Gemälde in der Bibliothek des Bourbon-Palais in Paris und gestaltete auch den Luxembourg-Palais mit.

Delafosse, Jean-Charles
(1734-89 o. 91). Französischer Architekt und Altertumsforscher, hauptsächlich durch seine Dekorationsentwürfe in einem etwas groben Louis-seize-Stil bekannt, verwendete häufig schwerfällige Girlanden und griechische Mäander. Von seinen Pariser Stadthäusern haben sich zwei erhalten: Hotel Titon und Hotel Goix (58 und 60 rue du Faubourg-Poissonnier, 1776-80); beide Bauten sind zurückhaltend in dem von ihm bevorzugtne Ornamentstil dekoriert.

Delamair, Pierre Alexis deMaire, Pierre Alexis de La

Della Porta, GiacomoPorta, Giacomo

Delorme, Philibert
(eigentlich de l`Orme, geb. um 1510 in Lyon, gest. 8.1. 1570 in Ivry). Französischer Architekt und Theoretikers, Sohn eines Maurermeisters, stud. in Lyon Theologie als Sohn eines Maurermeisters, ging für drei Jahre, wahrscheinlich 1533-36, nach Rom, wo er sich in Kreisen humanistisch gebildeter Diplomaten bewegte und die Baukunst der Antike und Renaissance studierte. Delorme erfasste aber die entscheidende Eigenart der italienischen Architektur nicht. Er war in hohem Masse erfindungsreich und wie sein Freund und Bewunderer Rabelais durch und durch Franzose. Seine Bauwerke waren vor allem wegen ihres Einfallsreichtums und ihrer manchmal geradezu herausfordernden Experimentierlust bemerkenswert. 1536 errichtete er das Hôtel des Finanzschatzmeisters der Bretagne Antoine Bullioud. 1539/40 erfolgte seine Berufung nach Paris durch Kardinal Jean Du Bellay, für den er 1541/44 das Schloss St.-Maur-Les-Fossés errichtete. 1547/59 war er Generalbauinspektor des Königs und Leiter aller königlichen Bauten (den Louvre ausgenommen). 1559 erhielt er den Auftrag zum Grabmal Franz' I. in Saint-Denis. 1548 wurde er zum Königlichen Geheimrat und Hofkaplan ernannt. 1543/44 errichtete Delorme Schloss Anet für Diane de Poitiers. Die Giebelfront des Schlosses Anet (beg. vor 1550, jetzt in der Ecole des Beaux Arts, Paris) ist ein gutes Beispiel für Delormes persönlichen Stil: korrekt im Detail und monumentaler als der Stil von Lescot, Pierre. Die Kapelle (1549-52) und der Torbau von Anet (um 1552) sind noch am alten Ort erhalten. Zwischen 1548 und 1559 baute er das Neue Schloss zu St. Germain. In Fontainebleau gestaltete er den Ballsaal um (Decke). Nach dem Tod Heinrichs II. wurde er aus seinen Ämtern entlassen, sein Nachfolger wurde F. Primaticcio, Francesco. 1561 veröffentlichte er "Nouvelles inventions pour bien bastir et à petits fraiz" (Neue Inventionen, um gut und mit geringen Kosten zu bauen) und 1567 "Le premier tome de l'architecture de Ph. D." (Der erste Teil der Architektur des Ph. D.). Katharina von Medici übertrug ihm Planung und Errichtung der Tuilerien. Sein Werk bildet den Ausgangspunkt einer Architektur, die zwar Erbe der Antike ist, sich aber sowohl dem französischen Klima als auch den neuen Ansprüchen der Gesellschaft anpasste. Als Humanist und Ingenieur war Delorme ein Neuerer, er war bestrebt, Ästhetik und Technik miteinander zu verbinden. Erübte grossen Einfluss auf die weitere Entwicklung der französischen Architektur (französische Architektur) aus, teilweise auch durch seine Bücher "Nouvelles Inventions" (1561) und "Architecture" (1567) der brauchbarsten Architekturabhandlung der Renaissance mit einer Anleitung für den Hausbau. Auch der dekorative Teil des Lettners von St-Etienne du Mont in Paris mit den spitz zulaufenden Balustraden und der Wendeltreppe (um 1545) ist möglicherweise sein Werk.

Demeter
(röm. Ceres). Tochter des Kronos (Saturn) und der Rhea, Schwester des Zeus (Jupiter). Erdgöttin; Schutzherrin des Ackerbaus und der Vegation. Jedes Jahr wurden in ganz Griechenland zur Zeit der Aussaat die Thesmophorien und im Herbst in Eleusis die berühmten Eleusinischen Mysterien gefeiert. Auf der Suche nach ihrer Tochter wird Demeter, die sich den Weg mit einer Fackel erleuchtet, auf einem von Drachen gezogenen Wagen dargestellt; bei antiken Skulpturen erscheinen diese als schlangenähnliche Wesen in ihren Händen.

Demmler, Georg Adolph
* 22.12.1804 in Berlin, + 2.1.1886 in Schwerin. Deutscher Architekt, studierte 1819-34 an der Bauakademie in Berlin und arbeitete 1823-51 für die Herzöge von Mecklenburg in Schwerin. Stark von Schinkel, Karl Friedrich beeinflusst, errichtete er die dortige Rathausfassade (1835) und das Arsenal Schwerin (1840-44), bei denen er klassische und mittelalterliche Formen vereinte, sowie viele Staatsbauten und Privatbauten Schwerins. Sein Hauptwerk ist das Grossherzogliche Schloss Schwerin I am Alten Garten, für das er 1840 die Planungsarbeit begann. Ältere Renaissancebauteile und ein Konkurrenzentwurf von Semper, Gottfried von 1842 inspirierten Demmler schliesslich zu seinem malerischen baukünstlerischen Herzstück der Residenzstadt, das mit seiner reichen Formensprache die nordische Renaissance wiederbelebte (1857 von Friedrich August Stühler mit Veränderungen vollendet).

Demut-Malinowski, Wassili
* 2. bzw. 13.3.1779 in St. Petersburg, + 16. bzw. 28.7.1846 in St. Petersburg. Russischer Bildhauer, studierte 1797-1800 an der Akademie in St. Petersburg und 1803-07 in Italien, u.a. bei Antonio Canova, und war ab 1813 Professor an der St. Petersburger Akademie. Er vertrat in seinen Werken den russischen Empirestil, dem er infolge des Napoleonischen Krieges einen patriotisch-feierlichen Charakter verlieh. Demut-Malinowski arbeitete er eng mit den Architekten Karl Iwanowitsch Rossi, Woronichin, Andrej Nikiforowits und Andrejan Dimitri Sacharow bei der plastischen Gestaltung öffentlicher Bauwerke zusammen. Werke von ihm sind (alle in St. Petersburg): die Gruppe "Raub der Prosperina" und ein Relief für das Bergbau-Institut, 1809; Waffen und Krieger für den Triumphbogen des Generalstabs; Triumphwagen; die Kolossalstatuen "Prophet Elias" und "Apostel Andreas" für die Kasanische Kathedrale (1807-08); Statuen für das Alexander-Theater (1830); die öffentliche Bibliothek (1831); die Akademiekirche (1832-36); das Winterpalais (1839).

Deruet, Claude
(auch De Ruet, Claude). * 1588 vermutlich in Nancy, + 20.10.1660. Französischer Maler. 1613 ging Deruet nach Italien, wo er von Antonio Tempesta auch in der Technik des Kupferstichs unterwiesen wurde. 1620 nach Nancy zurückgekehrt, trat er die Nachfolge de Bellanges am Hof der lothringischen Herzöge an. Zu seinen Aufgaben als Hofmaler gehörte die Organisation und Ausstattung von Festen und Zeremonien sowie die Porträtierung der höfischen Gesellschaft, z.B. "Reiterporträt Karls IV. von Lothringen" (1630, N

Desiderio da Settignano
(eigentlich Desiderio di Bartolomeo di Francesco detto Ferro). * zwischen 1428 und 1431 in Settignano bei Florenz, + 16.1.1464 in Florenz. Italienischer Bildhauer der Frührenaissance. Er lernte wahrscheinlich bei Bernardo Rosselino und immatrikulierte sich am 20.6.1453 als Meister in der Zunft "Arte dei maestri di pietre e legnami". Die einzigen darüber hinausgehenden urkundlichen Überlieferungen besagen, dass er 1457 eine Werkstatt beim Ponte S. Trinità in Florenz betrieb, in der sein Bruder Geri mitarbe

Desjardins, Martin
(eigentlich van den Bogaert). * 1639 oder 1640 in Breda (Holland), + 2.5.1694 in Paris. Niederländisch-französischer Bildhauer, Vertreter der französischen Barockskulptur und neben Francois Girardon und Antoine Coysevox führender Bildhauer am Hof Ludwigs XIV. Er orientierte sich nicht an der pathetisch bewegten Skulptur des römischen Hochbarock, sondern vertrat die akademisch geprägte Richtung der Versailler Hofkunst. Seit 1651/52 ausgebildet bei Pieter Verbruggen d.Ä., kam Desjardins um 1660 nach Paris, wo er seit 1670 als Hofbildhauer für Schloss und Garten in Versailles tätig war ("Juno" auf der Balustrade des Schlosses; "Diana" im Park). 1671 wurde er Mitglied der Akademie, 1681 zum Professor und 1686 zu ihrem Direktor ernannt. Sein bedeutendstes Werk ist das monumentale Denkmal Ludwigs XIV. mit einer vergoldeten Bronzestatue des Sonnenkönigs (1686 auf der Place des Victoires in Paris eingeweiht, in der Französischen Revolution zerstört), von dem nur die Basisreliefs (Paris, Louvre-Palais) und vier Krieger (Schloss Sceaux bei Paris) erhalten sind.

Desmarées, George
(auch des Marées). * 29.10.1697 in Österby (Schweden), + 3.10.1776 in München. Deutsch-schwedischer Maler, Sohn eines französischen Emigranten und einer niederländischen Mutter, bedeutender Porträtmaler des Rokoko. Er erhielt um 1710 seine Ausbildung bei seinem Onkel Martin van Meytens d.Ä. in Stockholm. Schon ab 1720 machte er sich als Porträtist der schwedischen Aristokratie einen Namen. Doch emigrierte er 1724 und kam nach einem kurzen Aufenthalt in Amsterdam nach Nürnberg, wo er an der Akademie Johann Daniel Preissler zum Lehrer hatte. 1725 ging er nach Venedig, wo er die Helldunkelmalerei von Giovanni Piazetta studierte; 1728 kehrte er nach Nürnberg zurück und wurde 1730 von Kurfürst Karl Albrecht nach München als Hofmaler berufen; 1745-49 und 1752-54 hielt er sich in Bonn bei Fürstbischof Clemens August von Köln auf und 1752 auch beim Landgrafen Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel. Unter dem Einfluss des französischen Rokoko lichtete sich seine Malweise zu helleren, schimmernden Farben auf, wie z.B. das Bildnis von "Clemens August, Kurfürst und Erzbischof von Köln" (1746, Schloss Augustusburg Brühl) zeigt; er porträtierte "Maria Anna, Gemahlin des Kurfürsten Max III. Joseph von Bayern" (München, Alte Pinakothek). Es folgten die Bildnisse "Der Künstler und seine Tochter" (München, Alte Pinakothek) und "Kurfürst Max III. Joseph und sein Intendant Graf Seeau" (1744, München, Residenzmuseum). Desmarées war um die Mitte des 18. Jh. der angesehenste Porträtist Münchens. Zunächst von Piazzettas dunkelroter Malweise stark beeinflusst, verband er seit seinem Münchener Aufenthalt das höfische Repräsentationsbild Frankreichs mit in Süddeutschland und Italien entwickelten helleren Tonwerten, wodurch er ganz entscheidend zur Verbreitung des französischen Rokoko beitrug.

Desportes, Francois
(Alexandre Francois). * 24.2.1661 in Champigneulles (Haute-Marne), + 20.4.1743 in Paris. Französischer Tiermaler, Jagdmaler, Landschaftsmaler, kam 1673 nach Paris und zu Nicasius Beraerts, einem Schüler des flämischen Jagdmalers und Tiermalers Frans Snijders, in die Lehre: 1695-96 war er am Hof des polnischen Königs Jan Sobieski III. tätig. Die Porträts der königlichen Familie und der Angehörigen des polnischen Adels machten ihn auch in Paris bekannt, wo er nach seiner Rückkehr mit seinem "Selbstbildnis als

Desprez, Louis Jean
* (getauft) 28.5.1743 in Auxerre, + 19.3.1804 in Stockholm. Französisch-schwedischer Maler, Architekt und Grafiker. Der Schüler von Francois Blondel gewann 1776 den Grossen Rompreis und ging nach Italien. 1784 holte ihn König Gustav III. von Schweden nach Stockholm und machte ihn zu seinem Ersten Architekten. Mit Bauten wie dem Schloss Gustav III. Paviljong Pa Haga (1788 begonnen), dem Linné-Museum in Uppsala und dem Theater von Schloss Gripsholm wurde Desprez zu einem Wegbereiter des Klassizismus in Schweden. Als Maler und Grafiker beschäftigte ihn neben der Verherrlichung des schwedisch-russischen Krieges vor allem die Landschaft, in der er seinen romantischen Stil mit Anregungen G.B. Piranesis verband.

Destailleur, Hippolyte Alexandre
(*27.9.1822 in Paris, 17.11.1893 in Paris). Architekt, arbeitete an Pless II mit.

Deukalion und Pyrrha
Aus dem Mythos von Deukalion und Pyrrha erwachsen die Legenden über die Entstehung der Völker. Deukalion ist der Sohn des Prometheus und Klymenes, Pyrrha die Tochter Epimetheus` und Pandoras. Deukalion und Pyrrha werden meist dabei gezeigt, wie sie Steine hinter sich werfen, aus denen Menschen entstehen. Im Hintergrund erscheint manchmal der Tempel des Orakels.

Diamantini, Giuseppe
* 1621 in Fossombrone (Marche), + 11.11.1705 in Fossombrone. Italienischer Maler, stand in der Nachfolge der Carracci-Schule. Mit in deren Stil gemalten mythologischen und allegorischen Bildern hatte er in Venedig grossen Erfolg; von kaiser Leopold I. wurde er geadelt. Für den Palazzo Bevilacqua in Verona schuf er eine Serie von Philosophenköpfen. Ausserdem malte er zahlreiche religiöse Darstellungen, die sich heute in den Museen von Bassno, Rovigo und Dresden befinden, und fertigte auch reizvolle Kupferstiche, die sich durch Parallelschraffuren, grosszügigen Umriss, Verzicht auf Architektur und weiches Licht auszuzeichnen und die den Einfluss jüngerer Künstler wie Luca Giordano und Antonio Bellucci erkennen lassen. Zu Diamantinis Schülern gehörte u.a. Rosalba Carriera.

Diana
Jagdgöttin und Naturgöttin.

Dientzenhofer, Christoph
* 7.7.1665 in Flintsbach bei Aibling (Oberbayern), + 20.6.1722 in Prag. Bedeutender deutscher Baumeister, gilt zusammen mit Johann Bernhard Fischer von Erlach d.Ä. als einer der Väter deutscher spätbarocker Architektur, Bruder von Dientzenhofer, Georg, Dientzenhofer, Johann und Dientzenhofer, Johann Leonhard. Die meisten Werke konnten ihm nur nach stilkritischer Analyse zugewiesen werden. Seine Hauptleistung liegt im Bereich des Sakralbaus, wo er den Baldachinraum immer entschiedener kultivierte und die "ma

Dientzenhofer, Georg
* 1643 in Aibling (Oberbayern, + 1689 in Waldsassen. Deutscher Baumeister des Barock, Bruder von Dientzenhofer, Christoph, Dientzenhofer, Johann und Dientzenhofer, Johann Leonhard. Seine Hauptwerke sind die Zisterzienserabteikirche in Waldsassen (1685-1704, zusammen mit Abraham Leuthner) und die Wallfahrtskirche von Kappel (1685-89). Mit ihrem ungewöhnlichen Grundriss eines Dreipasses und mit ihrer Dreiturmgruppe symbolisiert sie die heilige Dreifaltigkeit. In ihrer Konzeption hängt sie eng mit den spätbarocken Bergwallfahtskirchen Böhmens zusammen. Von Dientzenhofer stammt auch die Fassade der St.-Martinus-Kirche in Bamberg (1681-91).

Dientzenhofer, Johann
(1663-1726). Sohn von Georg Dientzenhofer und Bruder des Christoph Dientzenhofer, studierte zuerst in Prag, dann in Italien (1699-1700). Sein italienisch beeinflusster Dom in Fulda (1704.12) spiegelt Borrominis (Borromini, Francesco) Umgestaltung von S. Giovanni in Laterano wider. Sein eindrucksvolslter Sakralbau ist die Benediktiner-Abteikirche in Banz (1710-19), wo sein Bruder Leonhard (1660-1707) die Konventsgebäude errichtet hatte. Der Grundriss der Kirche setzt sich aus mehreren sich überschneidenden Ovalen zusammen und geht wahrscheinlich auf Guarini, Guarino zurück. Sein Hauptwerk ist Schloss Pommersfelden, eines der schönsten und grössten deutschen Barockschlösser. Dientzenhofer errichtete es in der erstaunlich kurzen Bauzeit von sieben Jahren (1711-18). Es hat ein weites, impornierendes Treppenhaus (für dessen Entwurf der Bauherr Lothar Franz von Schönborn Rat bei Hildebrandt, Johann Lukas von einholte und auch selber Ideen entwickelte), ferner einen Marmorsaal, eine Galerie, einen Spiegelsaal und viele reich stukkierte Räume.

Dientzenhofer, Johann Leonhard
* um 1660, + 26.11.1707 in Bamberg. Deutscher Baumeister des Barock. Bruder Dientzenhofer, Christoph, Dientzenhofer, Georg und Dientzenhofer, Johann. Von ihm stammen die Pläne für das Kloster Ebrach, mit dessen Bau er 1688 begann (später von Balthasar Neumann weitergeführt). Um 1700 errichtete er das Konventshaus und das Abtshaus von Kloster Banz, sein Bruder Dientzenhofer, Johann die dortige Kirche. Zu seinen Hauptwerken zählen die Bamberger Residenz (Neue Hofhaltung, 1695-1704) und die Barockfassade vor der spätgotischen Doppelturmfront der Benediktinerklosterkirche St. Michael in Bamberg (ab 1697). Des weiteren stammen von ihm die Wallfahrtskirche in Walldürn (1698) sowie Kloster und Kirche in Schöntal, der von Charles Phlippe Dieussart begonnene Umbau des Alten Schlosses in Bayreuth I wurde von ihm in geringen Teilen vollendet.

Dientzenhofer, Kilian Ignaz
(1689-1751). Einer der führenden Architekten des deutschen Spätbarock. Die Grundlage seiner Kunst verdankte der in Prag geborene Kilian Ignaz Dientzenhofer seinem Vater Christoph Dientzenhofer und Hildebrandt, Johann Lukas von bei dem er in Wien lernte, doch hat er sich auch mit der französischen Sakralliteratur auseinandergesetzt (Val-de-Grace, St-Louis des Invalides, beide Paris). Zwar gibt es von Kilian Ignaz Dietzenhofer eine ganze Anzahl Profanbauten (in Prag die Villa Amerika, 1730; die Villa Portheim-Buquoy, 1735; und das Palais Sylva-Tarouca, 1749), doch liegt das künstlerische Schwergewicht seines Schaffens zweifellos auf der Sakralarchitektur. Anders als bei seinem Vater ist sein Hauptthemanicht der Lang-, sondern der Zentralbau, den er mit den Mitteln der Guarineske (Guarini, Guarino) und des Baldachinprinzips und Wandpfeilerprinzips doppelschalig zu organisieren versucht. Nichtsdestoweniger hat er, ganz abgesehen von seinen früheren Bauten, auch einige der Kuppelkirchen (prag, St. Niklas i.d. Altstadt, 1723-37; St. Niklas auf der Kleinseite, 1727-59) weiterhin im konventionellen Schema errichtet. Virulent wird die Guarineske vor allem in dem geistvoll doppeltürmigen Zentralbau von St. Johann am Felsen in Prag, den eine ganze Anzahl verwandter Entwürfe und Bauten umspielen (Vodolka, Wahlstatt, Wiesen, Pocaply, Vorentwurf für Karlsbad). Am konsequentesten setzt er das Werk seines Vaters in den Entwürgen für die Kuttenberger Ursulinenkirche fort, ferner in den ausgeführten Kirchen in Opalany (1732-35), Wahlstatt in Schesien (1727-31) und Karlsbad (1732-35). In der Karlsbader Magdalenenkirche legt er an der Kuppelschale in den Hauptachsen bikonkave Gewölbesegel und ermöglicht so die Kombination intakter Kuppelschalen ohne komplizierte Verschneidungen. Die Konsequenzen daraus zog Neumann, Johann Balthasar, der Kuppelbaldachine auf solchen Jochen wie auf Böcken reiten liess (Neresheim, Vierzehnheiligen).

Dietmair, Hans
Renaissancezeitlicher Baumeister. Zu seinen Werken gehören das Herrenschiesshaus und das Zeughaus Nürnberg.

Dietrich von Bern
Dietrich von Bern ist der beliebteste Held der deutschen Volkssage im Mittelalter. Sein Schicksal liegt in folgenden Zügen: Auf Anstiften des ungetreuen Rates Sibich vertreibt der König Ermenreich von Rom seinen Neffen Dietrich aus Bern. Dieser flüchtet an Etzels, des Hunnenkönigs, Hof, wo ihn u.a. das Nibelungenlied vorfindet. Etzel gibt ihm darauf ein Heer mit, sein Land wieder zu erobern. Mit dessen Hilfe gewinnt Dietrich das Heer Ermenreichs in der Rabenschlacht (Schlacht bei Ravenna) und gewinnt sein Reich wieder. Die erhaltenen Dichtungen, die sich an die Schicksale dieses Helden anschliessen, sind das altdeutsche allitterierende Hildebrandslied; in mittelhochdeutscher Sprache die unstrophischen Gedichte Biterolf und Dietleib vom Verfasser der Nibelungen Klage. Sie erzählen von einem grossen Turnierkampf Attilas und der Seinen mit Dietrich an der Spitze (um 1225 geschrieben); desweiteren „Dietrich und Wenezlan“, ein Bruchstück, das von Dietrichs Zweikampf mit dem Polenkönig Wenezlan; „Dietrichs Ahnen und Flucht“ oder „daz buoch von Berne“ von Heinrich dem Vogler und „Luarin oder der kleine Rosengarten. Strophische Dichtungen sind: „Alpharts Tod“, „Der grosse Rosengarten“, „Die Rabenschlacht“, „Sigenot“, „Ecke“, „Goldemar“, „Dietrichs Drachenkämpfe“ und „Etzels Hofhaltung“. Die Entstehung und Bedeutung der Dietrichssage unterliegt den mannigfaltigsten, zum Teil widersprechendsten Ansichten. Der Name Dietrich, der Ort, wo die Sage spielt, Verona, Ravenna, Rom, liessen es früher als selbstverständlich erscheinen, dass der Held der Sage nichts anderes als das epische Bild des Ostgotenkönigs Theoderich des Grossen sein. Vergleicht man jedoch den Lebensinhalt beider Dietriche, so stimmt nichts miteinander überein und man kam deshalb zu der Ansicht, die Sage sei älter als der historische Gotenkönig, wobei sich dann eine zweite Frage aufdrängte: Ist in diesem Falle die Sage dennoch historisch oder ist sie mythisch? Das letztere fände darin einen Halt, dass mit der Dietrichsage die mythische Wielandssage durch dessen Sohn Wittig, Tiroler Zwergsagen, Der Mythos vom getreuen Eckhardt und Züge des alten Donnergottes verbunden sind. Stimmen übrigens die Lebensschicksale der beiden Dieteriche nicht miteinander überein, so schein die allgemeine Bedeutung, das Ansehen, das der historische Dietrich genoss, um so eher in der Sage sich wiederzuspiegeln, wenn man annimmt, dieselbe sei bei den Alemannen ausgebildet worden. Die Alemannen verdankten Theoderich die Schonung, mit welcher die Franken sie behandeln mussten: Breisach, wo die Sage von den Harlungen spielt, liegt in Alemannien und an vielen Orten Schwabens wird Dietrich als Bekämpfer schädlicher Ungeheuer genannt, wie denn auch eine Menge Ortsnamen seinen Namen tragen.

Dietrich, Joachim
* in der Gegend von Eichstätt, + 4.6.1753 in München. Deutscher Ornamentschnitzer und Holzbildhauer, Vertreter des bayerischen Rokoko. Er war vor allem in München tätig, wo er in den Reichen Zimmern der Residenz München I die Schnitzarbeiten nach Entwürfen der Hofbaumeister Joseph Effner und Francois de Cuvillies d.Ä. ausführte. Dietrich war Culillies auch an der Ausgestaltung der Amalienburg München und des Residenztheaters (Cuvilliestheater) beteiligt und fertigte zusammen mit J.G. Greiff das Chorgestühl für St. Peter (1750) in München. Seine Autorschaft für die vier Kirchenväter des Hochaltars in Diessen am Ammersee, den er nach Entwurf von Cuvillies d. Ä., Francois de ausgeführt haben soll, ist nicht völlig gesichert.

Dietterlin, Wendel
Eigentlich Wendlin Grapp, geb. 1550/51 in Pfullendorf (Baden) - 1599 in Strassburg. Lebte als Architekt, Maler und Radierer bis 1593 in Strassburg. Seine Fassadenmalereien und Deckenmalereien sind nicht erhalten, sie standen am Übergang von der Spätrenaissance zum Frühbarock. Seine "Architektura. Von Aussteilung, Symmetrie und Proportion der Seulen" (Gesamtausgabe 1598) gibt mit 209 Kupferstichen und erläuternden Texten Vorlagen für tektonische und dekorative Dinge, Brunnen, Grabmäler und Öfen; sie üb

Dietz, Adam Ferdinand
* (getauft) 5.6.1708 in Holtschitz (Böhmen), + 17.6.1777 in Memmelsdorf bei Bamberg. Deutscher Bildhauer. Nach Lehrzeiten bei seinem Vater Adam Dietz (1671-1742) in Eisenberg, bei dem Bildhauer Matthias Bernard Braun ind Prag und einem Zwischenaufenthalt in Wien trat er 1736 in die Dienste des Fürstbischofs Friedrich Carl von Schönborn in Würzburg. Seine frühesten bekannten Werke sind Figuren des "Hl. Petrus" und des "Hl. Paulus" in Gaukönigshofen (1743), die seine böhmische Schulung zeigen. Ab 1748 war Die

Dieussart, Charles Philippe
Tätig in der 2. Hälfte 17. Jh., + Anfang 1696 in Bayreuth. Französisch-deutscher Architekt und Bildhauer. 1657-83 stand der dem niederländischen Klassizismus zuzuordnende Künstler in den Diensten der Herzöge von Mecklenburg-Güstrow. In dieser Zeit entstanden u.a. das Denkmal des "Günther von Passow" im Dom zu Güstrow und das Schloss Nossewitz bei Laage. 1683-91 war Dieussart kurfürstlicher Baumeister und Bildhauer in Berlin und Potsdam, 1691 wechselte er in die Dienste von Christian Ernst von Brandenbur

Diglyphe
Sonderform der Triglyphe, der gegenüber die seitlichen Halbschlitze fehlen. Das Motiv wurde in der italienischen Renaissance entwickelt und war vor allem ein Charakteristikum für die Bauten von Vignola, Giacomo Barozzi da.

Dilich, Wilhelm
* 1571/72 in Waber (Hessen), + April 1650 in Dresden. Deutscher Architekt, Kartograf, Kupferstecher und Chronist. Dilichs wohl bekannteste Arbeiten sind seine Chroniken mit in Kupfer gestochenen oder in Holz geschnittenen Städteansichten, wie die "Urbis Bremae typus et chronicon", die "Ungarische Chronica" (1600) und die "Hessische Chronica" (1605). Darüber hinaus war er als Kartograf für Landgraf Moritz von Hessen und als Architekt des Kurfürsten Johann Georg I. von Sachsen tätig (Dekoration, Festungsbaute

Dimke, Baumeister
Beteiligt an Schloss Kleinitz.

Dionysos
(auch Bakchos, Bacchus). Sohn des Zeus (Jupiter)und der Selene. Griechischer Gott des Weines, ursprünglich der Fruchtbarkeit. In seinem Gefolge Satyrn und Mänaden. In Griechenland und Rom war den Dionysos-Kult weit verbreitet; von den zahlreichen Festen, ihm zu Ehren, seien die Grossen Dionysia genannt, die in Athen im Frühjahr stattfanden. Er erscheint als nackter, zuweilen trunkener Jüngling, auf dem Haupt einen Kranz aus Weinblättern oder Efeu; in der Hand hält er den Thyros, einen Weinkelch oder eine Traube; sein Wagen wird von Tigern, Leoparden oder Böcken gezogen.

Dioskuren
(griech.). Zeussöhne Kastor und Polydeukes (lat. Castor und Pollux).

Dipoinos
Tätig spätes 7. Jh. v. Chr. oder 6. Jh. v. Chr. Griechischer Bildhauer aus Kreta, Bruder des Skyllis, antiken Quellen zufolge Sohn des legendären Daidalos (Dädalischer Stil). Ihm zuschreibbare Werke sind nicht erhalten; überliefert sind mehrere Kultstatuen, die er für Heiligtümer in der nördlichen Peloponnes geschaffen haben soll. Er wird als der "erfinder" der Marmorskulptur angesehen. Lediglich seine historische Existenz gilt als gesichert.

Dirr, Johann Georg
* 2.4.1723 in Weilheim, + 9.10.1779. Deutscher Stukkateur und Bildhauer, Sohn des Bildhauers Martin Dirr (1674-1733) aus Weilheim, ab 1749 als Mitarbeiter von Joseph Anton Feuchtmayr bei der Ausstattung der Wallfahrtskirche Birnau tätig (Kirchenbänke, Galeriebüsten). 1753 wurde er Meister. Dirrs erste selbständige Arbeiten, noch in Arbeitsgemeinschaft mit Feuchtmayr, sind die Stuckdekorationen im Schloss Tettnang IV (z.B. Tafelzimmer 1758-60) und im Augustinchorherrenstift Beuron (1760-62). Seine Hauptwerke, ab 1763 ohne Beteiligung Feuchtmayrs, sind die Klosterkirche Baindt (Stuck im Chor und am Hochaltar) und vor allem die Ausstattung der Klosterkirche Salem (1766-78), deren Figuren er in Alabaster schuf (u.a. das eindrucksvolle Äbtemonument, ab 1774). Dirrs Werk umspannt vom späten Rokoko bis zum frühen Klassizismus dem formalenund ikonologischen Stilwandel in der Kunst der 2. Hälfte des 18. Jh.

Dis PaterHades

Dobson, John
(1787-1863). Ein für die frühe viktorianische Zeit nicht unbedeutender Architekt. Nach Reisen in England und Frankreich beschränkt sich sein Wirkungskreis vorwiegend auf Nordengland. Er liess sich in New Castle nieder, wo er zahlreiche öffentliche Bauwerke errichten konnte, so u.a. die Royal Arcade (1832), die Markthallen (New Markets , 1835--39) oder den Hauptbahnhof (1847-53). Auch in anderen nordenglischen Städten, wie Durham, Northumberland, sind wichtige Zeugnisse seiner Baukunst anzutreffen. Besondere Erfolge erzielte Dobson auch durch Kirchenrestaurierungen. Ebenso ist die Wiederbelebung des gotischen Baustils (Neugotik) in England teilweise auf seine Initiativen zurückzuführen. Sein bedeutendes Beispiel ist die Ottoburn-Kirche (1855-57) in Northumberland. Drei bedeutende Landsitze wurden von Dobson entworfen: Unthank Hall, Lambton Castle und Seaton Devland. Letzterer Entwurf war, nebenbei erwähnt, 1818 die erste in der Royal Academy in London ausgestellte farbige Zeichnung eines rein architektonischen Sujets.

Dolabella, Tomaso
* zwischen 1560 und 1570 in Belluno, + 27.1.1650 in Krakau. Italienischer Maler und Radierer, in Venedig Schüler von Aliense, später polnischer Hofmaler. Aus der venezianischen Zeit Dolabellas hat sich nur ein Deckenbild im Dogenpalast Venedig erhalten: "Der Doge Cicogna verehrt die Eucharistie" (um 1590, Venedig, Palazzo Ducale, Sala dei Pregadi). Um 1600 wurde Dolabella von König Sigismund III. nach Polen berufen, wo er 50 Jahre für die königlichen Residenzen in Krakau und Warschau sowie für zahlreiche

Dolci, Giovannino di Pietro de
* in Florenz, + vor dem 26.2.1486 in Rom. Italienischer Bildhauer und Architekt, seit etwa 1450 als Schöpfer der Intarsien mehrerer Türen und Truhen im Vatikanpalast in Rom nachweisbar. Als Architekt leitete er die Restaurierungsarbeiten am alten Glockenturm von St. Peter und wurde unter den Päpsten Paul II. (1464-71) und Sixtus IV. (1471-84) Aufseher der Staatsbauten. Er arbeitete ab 1473 mit Baccio Pontelli zusammen am Bau der Sixtinischen Kapelle und schuf wohl auch die Loggienfassade und die Tribuna an SS. Apostoli. Ausserdem betätigte er sich als Festungsingenieur, z.B. an der Zitadelle von Ronciglione (1476) und dem Wiederaufbau der Zitadelle von Civitavecchia (1481); war enventuell auch am Orsini-Castello in Bracciano beteiligt.

Dollmann, Georg von
(1830-95). Schüler von Klenze, Leo von. Baumeister Ludwigs II. von Bayern. Entwarf das Schlösschen Linderhof (1870-86), begonnen im Stil des französischen Rokoko, und das von Versailles inspirierte Schloss Herrenchiemsee (beg. 1878); sein Mitarbeiter war hier Julius Hofmann (1840-96). 1872 übernahm er die Bauleitung der Burg Neuschwanstein (beg. 1869).

Donar
Donar ist der zweitgrösste der germanischen Götter, in der Urzeit wahrscheinlich mehr geehrt als Wodan, daher der fünfte Wochentag, dies Jovis, zu Donnerstag wurde, der noch heute manche volksmässige Anschauungen bewahrt hat. Während Wodan im sausenden Sturm auf weissem Wolkenrosse reitet, fährt Donar auf einem Wagen durch die Wolken, den vermutlich zwei Böcke zogen. Der Gottes Kinn umwallen die feuerroten Haare seines Bartes, in der Rechten trägt er einen steinernen Keil oder einen gewichtigen Hammer, der, so oft er ihn von sich schleudert, von selbst in seine Hand zurückkehrt. Ihm war die Eiche geheiligt, deren rote Farbe an seinen Feuerstrahl erinnerte und die der Wetterstrahl gern zertrümmerte. Auf ihr haust der Hirschkäfer, Donnerpuppe genannt, der glühende Kohlen auf die Dächer tragen soll. Andere Bäume und Tiere, die wegen ihrer blitzähnlichen roten oder blauen Farbe zu Donar in Beziehung gesetzt werden, sind der Hagebuttenstrauch und der Vogelbeer- oder Quetschbaum, die Haselnaussstaude, der Erdepheu oder Gundermann, auch Donnerrebe genannt; das Eichhörnchen, das Rotkehlchen oder Rotschwänzchen, der Hahn, die Heerschnepfe, auch Donnerbock, Donnerziege oder Gewitterziege genannt, besonders aber der Storch mit den roten Beinen. – Donar melkt mit schimmerndem Blitz die vollen Euter der Wolkenkühe, so dass sie ihre Milch, den Regen, befruchtend zur Erde niederfallen lassen. Vom göttlichen Feuer des Blitzes stammt die Herdflamme, der Mittelpunkt des Hauses, der Familie, des Stammes. Daher ist Donar auch Schützer der Ehe, Spender von Kindersegen, Vorsteher der Sippe, Verteidiger der Gemarkung. Heilige Gebräuche, die sich anfänglich an den Herd anlehnten, gingen später auf den Ofen über. Donar ist der kräftigste von allen Göttern. Er teilt den Menschenkindern Kraft und Stärke mit, er heilt Erkrankte - Menschen sowohl als Vieh -, weshalb gewisse Kuren am Donnerstag vorgenommen werden müssen; durch das Notfeuer, welches durch bohrende Drehung einer Walze in dem Loche eines Pfahles hervorgebracht wird, treibt man das verseuchte Vieh. Da der Blitzstrahl das Erdreich lockert und der nachrauschende Regen den Boden befruchtet, wird Donar zum Frühlingsgott, ihm danken vorzugsweise die Pflanzen ihr Wachstum. Osterfeuer und Judasfeuer (am Karsamstag) werden ihm zu Ehren im Frühling angezündet, besonders aber um die Zeit der Sommersonnenwende die Sonnwend- oder Johannisfeuer. Auch an den Weihnachtsumzügen ist er beteiligt. Auf seinem Wagen durch die Lüfte fahrend, vollführt der Donnerer in den Wolken selbst den gewaltigsten aller Kämpfe, welche die Welt erschauen kann. Er verfolgt die Dämonen, welche das Licht des Himmels, den Glanz der Sonne mit dem Schatten der schwarzen Gewitterwolke, dem Dunkel der Nacht, der Finsternis und Kälte des Winters verdecken und den Lauf des erquickenden Regens zur Erde aufhalten. Aus diesen Dämonen sind im Laufe der Entwicklung die Riesen und Drachen geworden. Von beiden Seiten wird der Streit mit Blitz und Donner geführt, bis der milde Gott den Sieg erringt, der Riese tot zu Boden sinkt, sein Goldhort oder die Frau, die er geraubt hat, befreit sind. Donars Hammer selbst wird Jahr für Jahr im Herbst von den Riesen gestohlen und die sieben Wintermonate hindurch in ihrem Berge versteckt gehlaten, bis im Frühling der Gott ihn wieder holt. – Die Skandinavier nannten den Gott Thor.

Donatello
Eigtl. Donato di Niccolò di Betto Bardi, geb. 1386 in Florenz - 13.12.1466 in Florenz. Italienischer Bildhauer; lernte bei L. Ghiberti und Nanni di Banco, war hauptsächlich in Florenz, Padua und Pisa tätig. Donatello ist einer der Begründer der Renaissanceplastik; er hat die Skulptur aus ihrer architektonischen Gebundenheit gelöst, ihren natürlichen Aufbau lebensnah wiedergegeben und eine Ausdrucksstärke erreicht wie nach ihm erst wieder Michelangelo. Donatellos frühe Werke zeugen von intensiver Auseinandersetzung mit der Statue, die mit Beginn der Renaissance in Italien wieder Gegenstand künstlerischen Schaffens wurde. Erste bedeutende Werke sind die Skulpturen für die Fassade und den Campanile des Domes in Florenz; die Sitzfigur des "Evangelisten Johannes" (1413/15) lässt bereits an den Moses des Michelangelo denken. "Der heilige Georg" für Or S. Michele (Marmor, 1416; Original in Florenz, Bargello) ist zwar noch als Nischenfigur konzipiert, kam aber schon ohne rahmende Architektur aus; das Sockelrelief mit dem Drachenkampf zeigt erstmals eine perspektivisch konstruierte Architektur. "Der heilige Markus" (Marmor, 1411/12; Florenz, Or S. Michele) zeigt klare Ponderation und lässt in der Gewandfigur bereits jene Ausdrucksgewalt erkennen, die für Donatellos Werke bezeichnend wurde. Später wandte sich Donatello dem Bronzeguss zu, so in der Liegefigur bei dem Grabmal Papst Johannes XXIII. im Florentiner Baptisterium (um 1427), und schuf den ersten freiplastischen Akt der Neuzeit, den "David" (Bronze, 1430; Florenz, Bargello). Einflüsse der römischen Antike (Romaufenthalt 1432/33) verarbeitete er in der Sängertribüne für den Florentiner Dom (1433/40) und das Sandsteintabernakel mit der Verkündigung in Sa Croce (um 1334). In dieser Zeit entstanden auch die Bronzetüren für die alte Sakristei von S. Lorenzo in Florenz (1435/43). Während der folgenden zehn Jahre (1443/53) arbeitete Donatello in Padua, wo das erste Reiterdenkmal der Renaissance entstand, das des venezianischen Condottiere Erasmo de Narni, genannt Gattamelata (Bronze, 1447; Padua). Ross und Reiter bilden eine Einheit, im Antlitz des Gattamelata spiegeln sich Triumph und Macht. Für den Hochaltar der Franziskanerkirche S. Antonio in Padua, genannt Il Santo, arbeitete Donatello in Bronze einen Kruzifixus, sieben grosse Statuen, zwölf Engelsputti, neun Bronzereliefs und ein Relief, eine Grablegung, in Sandstein. Die ursprüngl. Anordnung der Figuren und Reliefs sind nicht mehr bekannt. Auch das Spätwerk zeigt Donatello vielseitig und schöpferisch - mit "Judith und Holofernes" schuf er die erste freistehende Gruppenplastik der Neuzeit (Bronze, um 1455; Florenz, Palazzo Vecchio). Donatellos Werk, das in seiner Spätzeit immer stärker naturalistische und expressive Züge annahm, wirkte bis ins 16. Jh. richtungweisend.

Donner, Georg Raphael
(Johann). * 24.5.1693 in Essling (heute zu Wien), + 15.2.1741 in Wien. Österreichischer Bildhauer des Barock. Nach einer Ausbildung beim Wiener Hofjuwelier Johann Kaspar Prenner war für ihn die Lehrzeit bei dem italienischen Bildhauer Giovanni Giuliani in Stift Heiligenkreuz bestimmend; Reisen nach Dresden (1720) und Italien (1729) sind verbürgt. Seine ersten Werke in Terrakotta (Pietà, Prag, Národni Galerie) und Bronze (Graf von Althann, Relief, Wien, Österreichisches Barockmseum) entstanden 1712/22. 1725-28 hielt ers ich in Salzburg auf, wohl von Johann Lukas von Hildebrandt gerufen. Für Schloss Mirabell II schuf Donner in Marmor einen "Paris" und Puttenfiguren (1726), daneben Prägestöcke für Münzen und Medaillen im Auftrag des Erzbischofs Franz Anton Graf Harrach. Die ersten Hauptwerke entstanden im Dienst des Fürstprimas Emmerich Graf Esterházy in Pressburg: im Dom St. Martin zwei "Engel" und zahlreiche Bronzereliefs in der Johannes-Elemosynarius-Kapelle (ab 1731) sowie "Hl. Martin und der Bettler" (1734) am Hochaltar, die erste bedeutende Gruppe aus Blei, das Donners bevorzugtes Material wurde. Strenge Achsbezüge in der bildhaft aufgebauten, eng zur Raute gefügten Gruppe une eine sehr differenzierte Oberflächenbehandlung des Bleis zeigen sich als Charakteristika seiner Kunst an. Nach seiner Rückkehr nach Wien entstand im Auftrag der Stadt mit dem Brunnen (1737-39) am Mehlmarkt (heute Neuer Markt) das Werk, das seinen europäischen Rang begründet hat. Vier Figuren, Nebenflüsse der Donau personifizierend, sind auf dem niederen Brunnenrand angeordnet, in der Mitte ist die Figur der "Providentia" aufgerichtet (die originalen Bleifiguren befinden sich heute im Österreichischen Barockmuseum in Wien). Der weitgehende Verzicht auf barocke Gewandsprache, die gelöste Innerlichkeit seiner Gestalten und das subtile Spiel mit dem Licht der Oberflächen lassen in Donners Kunst Klassizität erkennen und entziehen sie einer schematischen Einordnung in die allgemeine Stilentwicklung. Sein Spätwerk, die "Pietà" im Dom zu Gurk, zeigt verhalten barocke Pathosformeln und reiche Differenzierungen seelischen Ausdrucks in einer komplizierten, streng geordneten Komposition (Bleiguss aus fünf Teilen, 1740).

Dorbay, Francois
* 1634, + 4.9.1697 in Paris. Französischer Architekt und Kupferstecher. Als Schüler und langjähriger Mitarbeiter Louis Levaus war Dorbay vorwiegend an den Bauvorhaben Ludwig XIV. beschäftigt, so am Louvre-Palais und an den Tuileries. In Versailles übernahm er nach dem Tod von Levau 1670 die Bauleitung und schuf u.a.den Escalier des Ambassadeurs. Von Jules Hardouin-Mansart verdrängt, ging er 1679 nach Fontainebleau - es entstand hier der Chenil Neuf - und nach Lyon. Dorbay war auch als Kupferstecher tätig. Es entstand 1682 nach eigener Zeichnung ein ausführlicher Plan von Fontainebleau.

Dorigny, Louis
* (getauft) 14.6.1654 in Paris, + 29.11.1742 in Verona. Französischer Freskant, Enkel von Simon Vouet und Schüler von Charles Le Brun, erhielt 1671 und 1672 den Rompreis der Académie Royale. 1673 reiste er mit dem Goldschmied Nicolas de Launay nach Rom. Dorigny war vor allem als Freskant in Kirchen und Palästen tätig. So malte er u.a. die Decke von S. Silvestro in Venedig aus, schmückte Chor und Kuppel des Doms in Udine und malte in Verona in S. Eufemia einen "Hl. Christophorus". In Padua entstanden Fresken

Dorigny, Nicolas
* (getauft) 2.6.1658 in Paris, + 1.12.1746 in Paris. Französischer Kupferstecher und Maler. Nach der Ausbildung bei seinem Vater, Michel Dorigny, ging er für lange Jahre nach Rom. Mit einer Vielzahl von Stichen nach Kompositionen Raffaels z.B. die "Transfiguration" (1709) und "Amor und Psyche", wurde Dorigny einer der wichtigsten Stecher seiner Zeit. Seine Werke erregten die Ausmerksamkeit des englischen Königshauses, und er wurde 1711 nach Hampton Court Palace geholt, um Raffaels Teppichkartons in Kupfer

Dorner, Johann Jakob d.Ä.
* 18.7.1741 in Ehrenstetten im Breisgau, + 22.5.1813 in München. Deutscher Genremaler und Freskant, Vater von Dorner, Johann Jakob d.J., wurde 1753 Schüler von Franz-Josef Rösch in Freiburg und lernte 1759 bei Joseph Bauer in Augsburg Freskomalerei. Nach einer Venedigreise betätigte er sich in Augsburg als Fassadenmaler. 1761 ging er nach München, wo er durch geschickte Kopien nach niederländischen Malern in der Schleissheimer Schlossgalerie reüssierte. 1766-69 reiste er durch die Niederlande und legte 1768 an der Akademie in Antwerpen eine Prüfung in Historienmalerei und Genremalerei ab. 1770 wurde er in München Galerieinspektor. In dieser Funktion wirkte er 1783 bei der Einrichtung der Galerie im Hofgarten mit und veranstaltete 1788 die erste öffentliche Gemäldeausstellung in München. Dorner bevorzugte vor allem die Genremalerei nach dem Vorbild der holländischen Kleinmeister, wie z.B. das Bildnis seiner Frau als "Dame im Kaufhaus" (1775, München, Bayerische Staatsgemäldesammlungen) zeigt. Von seinen Porträts ist vor allem das "Bildnis des Kurfürsten Max III. Joseph an der Drechselbank mit Graf von Salem" (1765, München, Schloss Nymphenburg) hervorzuheben.

Dörpfeld, Wilhelm
Am 26.12.1853 in Wuppertal-Barmen geboren. 1877-1881 war der junge Architekt bauwissenschaftlicher Mitarbeiter von E. Curtius in Olympia. Seiner zuverlässigen Beurteilung antiker Bauteile hatte es Dörpfeld zu verdanken, das Schliemann, Heinrich ihn 1882 für seine Ausgrabungen nach Troja holte. 1884-85 arbeitete er mit Schliemann, Heinrich in Tiryns und kehrte anschliessend nach Troja zurück. 1887 wurde Dörpfeld Erster Sekretär des Deutschen Archäologischen Instituts in Athen, eine Position, die er bis 1911 innehatte. Nach dem Tod von Schliemann, Heinrich 1890 übernahm Dörpfeld die Leitung der Ausgrabungen in Troja. Ihm ist die erste klare Deutung der Siedlungsschicht dieser Stadt zu verdanken. 1894 schloss er seine Forschungen in Troja ab. 1900-1913 legte Dörpfeld mit Conze, Alexander die Mittel- und Unterstadt von Pergamon frei, wirkte inzwischen 1906 und 1932 in Olympia und beteiligte sich 1931 an den Untersuchungen auf der Agora von Athen. Am 25.4.1940 starb Dörpfeld auf Leukas, einer der Ionischen Inseln. Dörpfeld gult als Wegbereiter noderner Grabungsmethoden und Begründer der bauwissenschaftlichen Forschung. Sein Eintreten für die Homer-Archäologie und seine Beurteilung des Ursprungs der mykenischen Kultur waren glücklos.

Dosio, Giovanantonio
* 1533 in Florenz, + um 1609 in Rom. Italienischer Architekt und Bildhauer. Bis etwa 1575 schuf er vor allem recht konventionelle Porträtbüsten und Epitaphien, z.B. die "Bildnisbüste Annibale Caro" für dessen Grabmal in S. Lorenzo in Damaso (nach 1566). In den späteren Jahren war Dosio fast ausschliesslich als Architekt tätig. In Anlehnung an grosse Baumeister, z.B. Baccio d´Agnolo, Bartolommeo Ammannati oder Michelangelo, schuf er u.a. die Cappella Gaddi in S. Maria Novella (1576-78), die Cappella Niccolin

Dossi, Dosso
(eigentl. Giovanni de Lutero, Luteri oder de Costantino). * um 1489 in Ferrara, + kurz vor dem 27.8.1542 in Ferrara. Italienischer Maler des Manierismus, Hauptmeister der ferraresischen Schule des 16. Jh., verband die Traditionen der Malerschulen von Ferrara und Venedig. Aus Ferrara stammt seine lebhafte, manieristische Expressivität, von Giorgione übernahm er die harmonische, lyrische Bildauffassung, die in seinen phantasievollen Mythologien deutlich wird. Im Kontakt mit anderen Nachahmern der venezianischen Manier und besonders durch Amico Aspertini bildete er sein charakteristisches Kolorit aus, in satten Farben, beherrscht von einem intensiven Smaragdgrün. Die erste Notiz über Dossis Tätigkeit bezieht sich auf seine Mitarbeit 1512 bei der Ausstattung des Gonzaga-Palazzo Mantua. Seine Werke zeigen deutliche Anregungen durch die neuen Ausdrucksformen, die Giorgione und Tizian gefunden hatten, so dass für ca. 1510 eine Studienreise nach Venedig angenommen werden kann. 1514 liess er sich zusammen mit seinem Bruder Battista endgültig in Ferrara nieder, trat in den Dienst des Herzogs Alfonso I. d`Este und entwarf Bühnenausstattungen, Kartons für Gobelins und Triumphbögen, schuf Stadtansichten und Porträts der Mitglieder des Fürstenhauses. Interessant sind vor allem seine zahlreichen Bilder mythologischen Inhalts ("Bacchanal", um 1518, London, National Gallery; "Melissa", um 1520, Rom, Galleria Borghese; "Circe und ihre Liebhaber", um 1520, Washington, National Gallery of Art; "Apollo", um 1515, Galleria Borghese; "Jupiter, Merkur und die Jungfrau", um 1530, Wien, Kunsthistorisches Museum). Von den "Zehn Szenen aus dem Leben des Aeneas", die er für das Appartamento Nuovo im Estense-Castello von Ferrara malte, sind zwei erhalten (Ottawa, National Gallery of Canada, und Birmingham, Barber Institute of Fine Arts); von den neun Deckenbildern dieses Raums bewahrt die Galleria Estense in Modena fünf, zwei entsprechende Werke in der Sammlung Cini in Venedig und im Magyar Szépmüvészeti Múzeum in Budapest gehören vielleciht auch zu dieser Serie. Im Auftrag der D`Este malte Dossi zahlreiche Rentabeln für Kirchen im Gebiet der Herzöge. Die "Maria mit Heiligen", die er 1520-22 für den Dom von Modena schuf, ist sein erstes dokumentiertes und datiertes Werk. Vermutlich 1519-20 reiste er mit seinem Bruder Battista nach Rom und arbeitete dort bei Raffael. Anklänge an Motive der römischen Hochrenaissance weisen seine letzten grösseren Arbeiten auf: die Fresken in der Imperiale-Villa Pesaro und die Dekorationen mehrerer Räume im Castello di Buonconsiglio, mit denen ihn der Bischof von Trient beauftragt hatte (1531).

Dotti, Carlo Francesco
* 1670 in Bologna, + 3.6.1759 in Bologna. Italienischer Architekt. Der für die spätbarocke Baukunst Bolognas bedeutende Künstler war weitgehend Autodidakt. Mit Bauten wie dem Arco del Meloncello (1721-22) und dem Neubau der Kirchen Madonna di S. Luca (1723 begonnen) und S. Domenico (1728-32) stellte er die Qualität seines eher mathematisch-nüchternen Baustils unter Beweis, der durch die Anfügung von Kolonnadenkonstruktionen usw. nicht ohne gestalterische Wirkung war. Weitere Werke von ihm (in Bologna) sind der Chor von S. Procolo, die Cappella S. Ivo in S. Petronio sowie der Agucchi-Bosdari. ferner schuf er die Kirche in Minerbio und die Pfarrkirche von Renazzo.

Downing, Andrew Jackson
(1815-52). Amerikanischer Architekt. Sohn eines Baumschulenbesitzers, früh begeistert für Natur und Pflanzenwelt, wurde Amerikas führender Theoretiker der Landschaftsgärtnerei, des Villen- und Landhausbaus. Er war Amerikas Repton, Humphry oder Loudon, John Claudius. Seine wichtigsten Publikationen sind " A Tresure On The Theory and Practice Of Landscape Gardening", 1841; "Cottage Residencees", 1842; "Notes about Buildings in the Country" 1849; "The Architecture of Country Houses", 1850. Bei Bauaufträg

Doyen, Gabriel Francois
* 20.5.1726 in Paris, + 13.3.1806 in St. Petersburg. Französischer Maler. Stilistisch noch dem Spätbarock verhaftet, Schüler von Carle von Loos in Paris, erhielt 1748 den Rompreis. Nach seiner Rückkehr aus Italien malte er unter dem Einfluss von Luca Giordano und Peter Paul Rubens grossformatige religiöse Tafeln. Sein Hauptwerk, die "Hl. Genoveva oder das Wunder der Brennenden (1767, Paris, St-Roch), veranschaulicht den kraftvollen und dynamischen Stil Doyens. Auf der Flucht vor der Revolution kam er 1791 n

Du Cerceau
Franz. Architekten- und Dekorateursfamilie. Jaques I. Andreouet (ca. 1520-ca. 1584) war der Begründer dieser Künstlerdynastie. Er war von jeher mehr durch seine Stiche als durch seine Bauwerke, von denen keines erhalten ist, berühmt. Die Schlösser in Verneuil und Charleval (beide unvollendet) waren wahrscheinlich seine besten Bauten. Mehr ein Meister des Ornaments als Architekt, schwelgte er in ausschweifenden und masslos übersteigerten Entwürfen, meist im spätmanieristischen Stil (Manierismus). Sein erstes "Livre d`architecture" (Paris 1559) zeigt den ihm eigenen Phantasiereichtum, aber auch den Mangel an Verfeinerung. Das Buch hatte grossen Einfluss, und einige der brauchbaren Entwürfe mögen auch ausgeführt worden sein. Am bekanntesten war sein Buch "Les plus excellents bastiments de France" (2 Bände, 1576-79). Sein Sohn Jean-Baptiste Androuet (ca. 1545-ca. 1590) löste Lescot, Pierre als Baumeister der Louvre ab. 1584 wurde er in den Stab der Hofarchitekten aufgenommen, musste aber, da er Hugenotte war, schon im folgenden Jahr Paris als Flüchtling verlassen. Er entwarf in Paris (1578) Pläne für den Pont-Neuf und vielleicht auch für das Hotel d`Angouleme oder de Lamaignon, ebenfalls in Paris (1584). Sein jüngerer Bruder Jaques II. Androuet (ca. 1150-1614) war neben Metezeau, Louis bevorzugter Architekt Heinrichs IV. 1594 wurde er kgl. Architekt und entwarf vermutlich den Pavillon der Place des Vosges in Paris. Baptistes Sohn jean I. Androuet (ca. 1590 bis nach 1649) wurde 1617 zu einem der Hofarchitekten ernannt. Er baute die Hufeisentreppe, "Escalier en fer de cheval" in Fontainebleau (1634) und entwarf zwei der typischen Pariser Hotels im Louis-treize-Stil (Frankreich): das Hotel de Sully (1625-27) und das Hotel de Bretonvilliers (1637-43, zerstört). Beide sind bemerkenswert wegen der Pracht ihres bildhauerischen Schmuckes: Skulpturenfriese (Fries), Giebelfenster mit Voluten und Masken, in den Nischen allegorische Figuren.

Du Pérac, EtienneDupérac, Etienne

Du Ry
Franz. Architektenfamilie. Ihr bedeutendstes Mitglied ist Paul Du Ry (1640-1714), Enkel von Charles Du Ry (Hauptschaffenszeit 1611-36), Sohn von Mathurin Du Ry (Haupttätigkeit 1639) und Neffe von Brosse, Salomon de. Nach der Aufhebung des Ediktes von Nantes 1685 verliess er als Hugenotte Frankreich und ging nach Kassel, wo er die Oberneustadt baute, die weitere Hugenottenflüchtlinge aufnehmen sollte. Diese klar geplante Stadtanlage schloss die einfache, auf zentralem Grundriss entworfene Karlskirche mit ein (1698-1710; schwer zerstört, doch wiederhergestellt). Sein Nachfolger als Oberbaumeister in Kassel wurde sein Sohn Charles-Louis du Ry (1692-1757), der die Münze und das Militärkasino baute (beide zerstört). Von grösserer Bedeutung war dessen Sohn Simon-Louis du Ry (1726-99); er begann die Ausbildung bei seinem Vater und lernte dann 1746-48 bei dem schwedischen Hofarchitekten Harleman in Stockholm und bei Blondel, Jacques-Francois in Paris. Es folgte eine Studienreise nach Italien, von der er 1756 zurückkehrte. Er war den der Vollendung von Schloss Wilhelmsthal bei Kassel, das nach Entwürfen von Cuvilles begonnen worden war, beteiligt; die beiden strengen kleinen Torhäuser (1756-58) stammen von ihm. In Kassel plante er den weiten rechteckigen Friedrichsplatz und entwarf das ernste, von Palladio, Andrea inspirierte Fridericianum, das als das erste Gebäude, welches bereits in der Planung als eine Verbindung von Museum und Bibliothek angelegt war, von grosser Bedeutung ist. In Wilhelmshöhe, ausserhalb von Kassel, baute er Nord- und Südflügel des weitläufigen klassizistischen Schlosses (1786-90), das später von Jussow, Heinrich Christoph vollendet wurde; von ihm stammen wohl auch einige der Spielerein im Park (etwa der "Mulang", ein chinesisches Dorf, und das "Felseneck"). Weiter entwarf er mehrere Gebäude in Kassel, von denen die meisten 1943 zerstört worden sind.

Duban, Felix Louis Jacques
(1797-1870). Französischer Architekt. Restaurierte im 19. Jh. Schloss Blois.

Dubois, Ambroise
(vermutlich auch Bosschaert). * vermutlich 1543 in Antwerpen, + 29.2.1614 in Fontainebleau. Französischer Maler flämischer Herkunft. Seine Dekorationen für die Dianagalerie von Fontainebleau, in denen er den König uns seine Gemahlin Maria von Medici verherrlichte, sind nur durch die von Charles Percier im 19. Jh. ausgeführten Aquarell-Kopien überliefert. Ein anderer, eleganter Zyklus enthält 16 Episoden der "Geschichte von Theagenes und Charikleia" (um 1608, Schloss Fontainebleau, die bedeutende Zeugnis

Dubreuil, Toussaint
Geb. 1561 in Paris - 22.11.1602 in Paris. Französischer Maler; arbeitete in Fontainebleau, in St. Germain, den Tuilerien und der kleinen Galerie des Louvre. Sein Werk (die meisten Gemälde sind verloren) zeigt neben dem Einfluss der ersten Schule von Fontainebleau eigene Tendenzen zum Klassizismus: "Antikes Opfer", "Toilette einer Dame", "Abschied eines Kriegers" (alle Paris, Louvre), "Kybele weckt Morpheus" (Fontainebleau).

Dubroeucq, Jacques
* um 1505 in Mons (Hennegau), + 1584 in Mons. Bedeutender niederländischer Bildhauer der Renaissance. Nach einem fünfjährigen Studium in Rom schuf er 1535-48 den Lettner für die Stiftskirche Ste-Waudru in Mons (1797 zerstört; ein grösserer Teil des figürlichen Schmucks wurde in der neuen Kirche verwendet). Seit 1538 arbeitete er gleichzeitig am Mausoleum für Eustache de Vroy in der Kathedrale von Saint-omer. 1545 wurde er Hofkünstler der Regentin Maria von Ungarn, für die er 1545-49 das Renaissanceschloss in Binche I errichtete. Seit 1548 entstanden das kleine Jagdschloss Mariemont und das Rathaus in Beaumont. Ab 1560 war er für die Stadt Ath tätig. 1570 entwarf er das Gestühl von St-Germain in Mons und 1571 Hauptportal und Treppe in Ste-Waudru. Er löste Vasari, Giorgio als Lehrer von Giovanni da Bologna ab. Dubroeucq war einer der ersten Niederländer, der sich eigenständig mit der italienischen Renaissance auseinandersetzte.

Ducci, Agostino
(auch Agostino d`Antonio di Duccio, di Guccio). *1418 in Florenz, + nach 1481 in Florenz. Italienischer Bildhauer und Architekt. Seine frühesten Arbeiten sind vier kleine Flachreliefs, datiert 1442, an der Fassade der Kathedrale zu Modena, die das Leben des hl. Geminianus behandeln. 1447-54 arbeitete er für Leon Battista Alberti an der Innenausstattung des Tempio Malatestiano in Rimini. Ihm darf der Hauptteil der plastischen Innendekoration zugeschrieben werden. Ab 1457 übernahm er die Gestaltung der Fassade von S. Bernardino in Perugia und vollendete 1459 ein Altarwerk für die Kapelle der Kirche S. Domenico. Ab 1463 war er in Florenz, wo er u.a. Gigantenstatue für die Domopera schuf; danach arbeitete er in Rom und ab 1473 wieder in Perugia. Dort baute er eine Kapelle und ein Stadttor, das unvollendet blieb. Nach anfänglicher Abhängigkeit von Donatello fand er einen eigenen, schwungvoll-linearen Stil; seine architektonischen Schöpfungen können dagegen das Vorbild Albertis nicht verleugnen.

DucerceauDu Cerceau

Ducerceau, Jacques
Du Cerceau, Jacques, eigtl. J. Androuet, geb. um 1510 Paris - um 1584. Französischer Architekt, Architekturstecher und Theoretiker; tätig in Paris und Orléans, begann 1533/34 mit Kupferstichen. 1541 oder 1542 reiste er nach Italien und studierte Werke von Bramante, Donato, Sangallo, Giovanni da, Sangallo, Antonio da und Raffael. 1549/51 gab er sein 1. Vorlagenbuch heraus: "Arcs, Temples ..." (Bögen, Tempel). 1559 erschien der 1. Band des "Livre d'Architecture" (Buch über die Baukunst). Vor 1559

Duckhardt, Melchior
Maurermeister aus Liegnitz. War am Bau von Schloss Carolath beteiligt.

Dufresnoy, Charles-Alphonse
* 1611 in Paris, + 16.1.1668 in Villiers-le-Bel bei Paris. Französischer Maler und Kunsttheoretiker, Schüler von Francois Perrier und Simon Vouet, ging 1633 nach Rom, wo er Architekturbilder malte und Raffael, Tizian und Carracci studierte. In Rom entstanden Bilder wie "Ankunft der Venus auf der Insel Kythera" und "Färbung der Rosen" (beide 1647, Potsdam, Neues Palais). 1653 reiste er nach Venedig, kehrte 1656 nach Paris zurück, wo er noch im selben Jahr an der Ausstattung des Schlosses Raincy (im 19. Jh.

Dughet, Gaspard
* 7.6.1613 in Rom, + 25.5.1675 in Rom. Französisch-italienischer Maler. Schuf vorwiegend ideal-heroische Landschaften. Nach der Hochzeit seiner Schwester mit Poussin, Nicolas, wurde er dessen Schüler und nahm auch dessen Namen an; mit 20 Jahren war er schon allgemein als Landschaftsmaler anerkannt. Er reiste nach Neapel, Mailand, Florenz, wo er durch die Vermittlung von Cortona, Pietro de im Pitti-Palazzo eine Landschaft freskierte. Er ging auch nach Perugia (1646-47), verliess jedoch Italien nie. Seine wichtigsten Werke befinden sich vor allem in Rom: in S. Martino ai Monti die Wandmalereien mit "Szenen aus dem Leben des Propheten Elias" und Veduten der römischen Campagna (1647-51), die Beziehungen zur Malerei der Carracci aufweisen; ein Friesschmuck im Pamphili-Palazzo an der Piazza Navona (1653-54), eine Serie von Bildern in der Doria-Pamphili-Villa am Corso aus der gleichen Zeit, Fresken in den römischen Palästen Colonna-Palazzo (um 1650-53), Muti-Bussi-Palazzo, Costaguti-Palazzo (vor 1663), Borghese-Villa Rom (1671-72) sowie in der Sala degli Ambasciatori des Quirinale-Palazzo (1657), an denen Lauri, Filippo und Baldi, Lazzaro mitarbeiteten. Zu den bekanntesten Werken Dughets gehören die schwer datierbaren Gemälde "Das Gewitter" (London, Sammlung D. Mahon), "Ansicht von Tivoli" (London, National Gallery und Wallace Collection), "Weg nach Albano" (London, National Gallery, "Flucht nach Ägypten" (Rom, Galleria Doria-Pamphili). Dughet schuf viele Ölskizzen nahc der Natur, Gouachen, Zeichnungen und acht Radierungen. Er stand vor allem unter dem Eindruck von Poussin, aber auch dem von Adam Elsheimer, Paul Bril, Salvator Rosa, Domenichino und Claude Lorrain. Sein Hauptthema war die ideale Landschaft mit wenig Figurenstaffage, die vom Sturm gekennzeichnete Natur, die, aus erhöhtem Standpunkt gesehen, in ihrer wilden Grösse dramatische Gefühlswerte vermittelt.

Dumont, Augustin Alexandre
* 4.8.1801 in Paris, + 28.1.1884 in Paris. Französischer Bildhauer, Sohn von Dumont, Jacques-Edme. Nach der Ausbildung beim Vater errang er 1823 den Ersten Rompreis und ging nach Italien, wo er ein intensives Antikenstudium betrieb. In Rom entstanden u.a. zwei seiner wichtigsten Werke, die Porträtbüsten von "Guérin", dem Direktor der Ecole Francaise (1628, Paris, Musée National du Louvre), und "Leucothée et Bacchus" (1830, Genua, Rosso-Palazzo). Nach Paris zurückgekehrt, schuf der vielfach ausgezeichnet

Dumont, Jacques
(auch Jean oder Le Romain). * 15.5.1701 in Paris, + 17.12.1781 in Paris. Französischer Maler. Repräsentant der akademischen klassischen Tradition des 17. Jh. In mythologischen Szenen, so in dem Bild "Herkules und Omphale", mit dem er 1728 in die Académie Royale aufgenommen wurde, lehnte er sich im Malstil eng an an Charles Le Brun an. Ausserdem schuf er Bambocciaden, wie "Dudelsackspieler" (1737, St. Petersburg, Eremitae) oder "Savoyardin" (1748, Paris, Musée National du Louvre). Enger dem Rokokostil verbun

Dumont, Jacques-Edme
* 10.4.1761 in Paris, + 21.2.1844 in Paris. Französischer Bildhauer, Vater von Dumont, Augustin Alexandre. Der 1788 errungene Erste Rompreis für Skulptur ermöglichte ihm einen Aufenthalt in Rom bis 1793. Hier entstanden u.a. Skulpturen und Reliefs nach Motiven aus der Antike und einige Porträtmedaillons. Nach der Rückkehr nach Paris schuf er 1795 für die Place de lan Révolution die grosse allegorische Statue "La Liberté". Unter Napoleon I. erhielt er eine Reihe grösserer Aufträge, so für sechs Relie

Dupérac, Etienne
(auch Du Pérac, Dupeyrac). * um 1525 in Paris, + Ende März 1604 in Paris. Französischer Architekt, Gartenkünstler, Maler, Topograph und Kupferstecher des Manierismus. Er hielt sich ab ca. 1559 in Rom auf und wurde 1572 zum Architekten des päpstlichen Konklave ernannt. 1578 oder 1582 kehrte er nach Frankreich zurück, wo er als Architekt in die Dienste des Herzogs von Aumale trat und an der Gestaltung des Schlossparks von Anet beteiligt war. Seit 1595 Hofarchitekt König Heinrichs IV., war er für das Schloss Saint-Germain-En-Laye I tätig und schuf die (verlorenen) Malereien für das Badehaus des Schlosses Fontainebleau. Der Entwurf von 1603 zur plastischen und ornamentalen Ausstattung eines Saals im "Pavillon de Flore" der Tuileries stammt von ihm. Heute ist Dupérac vor allem durch seine Grafiken bekannt, z.B. durch einen grossen Plan des antiken Rom (1574) und des zeitgenössischen Rom (1577), letzterer in vier Blättern aus der Vogelschau gestaltet. Wichtig sind die 40 Blätter "Vestigi dell`Antichità di Roma...² von 1575 und das Album mit Federzeichnungen "Illustration des Fragments antiques" (Paris, Musée National du Louvre).

Dupeyrac, EtienneDupérac, Etienne

Durand, Jean-Nicolas-Louis
(1760-1834). Französischer Architekt, Theoretiker und Lehrer. Schüler von Boullee. Student der Ecole des Beaux Arts, Rompreisträger. Sein wohl einzig bedeutendes Bauwerk war das Hotel la Thuille in Paris (1788, im 19. Jh. zerstört). Von 1795-1830 lehrte Durand auf dem Polytechnikum in Paris und veröffentlichte während dieser Zeit zahlreiche architekturtheoretische Schriften; u.a. "Recueil et parallele des Edifices anciens et modernes" (1800); "Precis des Lecons d`architecture" (1802-05).

Dürer, Albrecht
Geb. 21.5.1471 in Nürnberg - 6.4.1528 in Nürnberg. Deutscher Maler, Graphiker und Kunstteoretiker; Sohn des Goldschmieds Albrecht Dürer d. Ä. (gest. 1502). Nach der Lehre in der Werkstatt des Vaters 1484/86 lernte er 1486/90 bei dem Maler und Holzschneider M. Wolgemut, ging danach 1490/94 auf Wanderschaft mit Aufenthalt in Basel, Colmar und Strassburg. Am 7.7.1494 heiratete er Agnes Frey. Nach seinem ersten Aufenthalt in Venedig 494/95 richtete er in Nürnberg eine eigene Werkstatt ein. Nach 1500 arbeitete hier die erste Schülergeneration mit H. Baldung Grien, H. von Kulmbach und H.L. Schäufelein. 1505/07 unternahm Dürer eine zweite Italienreise mit Aufenthalt in Venedig und Bologna, seit 1512 arbeitete er im Auftrage Kaiser Maximilians I., 1519 reiste er in die Schweiz und begegnete H. Zwingli, 1520/21 in die Niederlande. In das Jahr 1526 fallen Dürers letzte künstlerische Arbeiten, danach betrieb er allein kunsttheoretischer Studien. Das erhaltene Gesamtwerk umfasst rund 70 Gemälde, 100 Kupferstiche, 350 Holzschnitte, 900 Handzeichnungen und einen umfangreichen schriftlichen Nachlass. - In der Goldschmiedelehre wurde Dürer mit den Anfangsgründen des Zeichnens und Gravierens vertraut gemacht, bei Wolgemut erlernte er neben der Holzschnittechnik die handwerklichen Grundlagen der Malerei; seine frühen Zeichnungen zeigen den Einfluss Wolgemuts in der sachlichen Aufnahme der Dinge und der körperlichen Modellierung. Grossen Einfluss übten auf Dürer die graphischen Blätter M. Schongauers und des Hausbuchmeisters aus, bald auch italienische Kupferstiche (A. Mantegna). Das erste Werk ist ein Selbstbildnis, die Silberstiftzeichnung von 1484 (Wien, Albenina). Selbstbildnis und Porträt beschäftigten Dürer sein ganzes Leben lang intensiv. Im Zusammenhang mit Wanderschaft und Italienreise entstanden die Landschaftsaquarelle, die die Landschaftsmalerei als selbständige Bildgattung entscheidend vorbereiteten. Die erste Italienreise führte zu einem neuen Formverständnis ("Dresdener Altar", 1496, Dresden, Staatl. Kunstsammlungen; "Bildnis des Vaters", 1497; London, Nationalgalerie). Zunächst beschäftigte sich Dürer intensiv mit Kupferstich (mehrere Mariendarstellungen) und Holzschnitt (die grossen Zyklen: "Apokalypse", 1498, die "Grosse Holzschnittpassion" begonnen), danach entstanden neben Porträts ("Selbstbildnis", 1498, Madrid, Prado; Tucherbildnisse, 1498, Weimar, Staatl. Kunstsammlungen; "Oswolt Krell", 1498, Budapest, Museum der bildenden Künste; "Selbstbildnis", 1500, München, Alte Pinakothek) grössere Tafelbilder ("Paumgärtner-Altar", München, Alte Pinakothek; "Florentiner Anbetung", Florenz, Uffizien); er betrieb intensive Naturstudien (u.a. "Grosses Rasenstück", 1503, Wien, Albertina) und begann, nach der Bekanntschaft mit J. de'Barbari (1500), Proportionsstudien (Kupferstich "Adam und Eva", 1504). Während des zweiten Italienaufenthaltes ("Rosenkranzfest", 1506; Prag, Nationalgalerie) wurde er mit kunsttheoretischen Arbeiten Leonardo da Vincis, während des Aufenthaltes in Bologna 1506 vielleicht auch mit Raffael bekannt. 1507/11 entstanden die Tafeln mit "Adam" und "Eva" (1507; Madrid, Prado), der "Marter der Zehntausend" (1507; Wien, Kunsthistor. Museum), "Mariae Himmelfahrt" (Heller-Altar, 1508; zerstört) und das "Allerheiligenbild" (1511; Wien, ebd.); er schloss die "Grosse Holzschnittpassion" ab, die Holzschnittfolge des "Marienlebens", die Kupferstichpassion und die "Kleine Holzschnittpassion" entstanden. 1513/14 schuf Dürer die drei Meisterstiche "Ritter, Tod und Teufel" (1513), "Hieronymus im Gehäus" und "Melancolia I" (beide 1514) sowie die Kohlezeichnung der "Mutter" (1514; Berlin, Dürer, Staatl. Museen). Für Kaiser Maximilian I. arbeitete Dürer an der "Ehrenpforte", dem "Triumphwagen" und zeichnete Federzeichnungen zum "Gebetbuch". Während der Niederlandreise, auf der er ein Tagebuch führte und Reiseeindrücke in Skizzenbüchern festhielt, begann eine erneute intensive Beschäftigung mit dem Porträt (z.B. "Bildnis eines jungen Mannes", 1521; Dresden, Staatliche Kunstsammlungen), die, in allen Dürer zugänglichen Techniken, seine letzte Schaffensphase bestimmte. Sein künstlerisches Vermächtnis sind die beiden Tafeln der "Vier Apostel" (1526; München, Alte Pinakothek). - Dürers Werk zeigt ihn fähig zu expressiver Formensprache (Apokalypse) wie zum Streben nach Beruhigung und nach grosser, klarer Form. Anregungen von Italien und den Niederlanden verarbeitete er völlig eigenständig und führte die deutsche Malerei seiner Zeit zur Reife der Hochrenaissance. In den graphischen Techniken - neben Kupferstich und Holzschnitt hat er auch Eisenradierungen geschaffen - erreichte er eine bis dahin nicht gekannte Vollkommenheit. Auch neue Themenbereiche hat er erschlossen (autonomes Selbstbildnis, reine Landschaftszeichnung, erster, vom Thema her nicht bedingter freier Akt, 1493) und damit seinen Zeitgenossen entscheidende Anregungen vermittelt. Er ist der erste Künstler nördlich der Alpen, der sich intensiv mit Kunsttheorie beschäftigte, darin Leonardo da Vinci vergleichbar. Angeregt durch Vitruv, betrieb er mathematische Studien, um die Gesetzmässigkeiten der Abbildung von dreidimensionalen Objekten auf die zweidimensionale Fläche zu ergründen. Seine drei wissenschaftlichen Werke: "Unterweisung der Messung mit Zirkel und Richtscheit" (1525), "Befestigungslehre" (1527), "Vier Bücher von menschlichen Proportion" (1528) sichern ihm einen Platz in der Mathematik der Renaissance. Sein Buch "Etliche vnderricht zu befestigung der Stett, Schloß vnd flecken" ist die erste systematische Arbeit über Wehrbauten unter dem Aspekt der sich immer stärker durchsetzenden Artillerie. Anregungen zu dieser Thematik hat Dürer bei seinen Reisen in die Zentren der damaligen Befestigungskunst (oberitalienische Städte, Niederlande/Antwerpen) erhalten. Er widmete sein Buch König Ferdinand I. (1503-1564), dem er damit ein praktisches Beispiel von Widerstandsmöglichkeiten gegen die nach Mitteleuropa vordringenden Türken in die Hand geben wollte. Wesentliches Element seiner Befestigungen sind gewaltige, halbrund vorspringende mehrgeschossige Basteien, deren gemauerte Kasematten sowohl für Geschützaufstellung als auch als Mannschafts- und Vorratsräume gedacht waren. (Wehrbauten, die auf Dürers Ideen fussen, wurden errichtet in Nürnberg, Ulm, Nördlingen, Rothenburg o.d.T. und Schaffhausen.) - Dürer behandelte als erster nördlich der Alpen die Kegelschnitte synthetisch mit den Mitteln der darstellenden Geometrie, er führte eine affine Transformation von Kreis in Ellipse durch, konstruierte regelmässige Polygone, reguläre und einige halbreguläre Polyeder. Er entwickelte ein Diagonalverfahren zur Transformation des Normalrisses einer ebenen Figur in einen Zentralriss, verwendete Distanzpunkte bei Konstruktionen, setzte eine kartes. Skala konstruktiv in eine projektive Skala um und gab den Zentralriss eines abgestumpften Rhomboeders an. Seine vielfältigen Ansätze zur theoretischen Fundierung mathematischer Anwendungsbereiche wurden jedoch in der Folgezeit nicht unmittelbar aufgegriffen und weiterentwickelt.

Durm, Josef
* 14.2.1837 in Karlsruhe, + 3.4.1919 in Karlsruhe. Deutscher Architekt des Historismus und Architekturschriftsteller. Studierte an der Technischen Hochschule in Karlsruhe, an der er seit 1868 selbst unterrichtete. Seine Bauten, in denen er eklektizistisch das Formenrepertoire der Architekturgeschichte kombinierte, konzentrieren sich im badischen Raum. Er erhielt Aufträge für Privatbauten (Schmieder-Palais, 1881-84, Karlsruhe) und für alle öffentlichen Bauaufgaben, u.a. für das Grossherzogliches Palais Karlsruhe (1892-97). Bedeutend war er als Verfasser zahlreicher Schriften zur Architekturgeschichte und als Mitbegründer des Inventars "Kunstdenkmäler im Grossherzogtum Baden" (seit 1887).

Dürr, Johann GeorgDirr, Johann Georg

Duval, Marc
(auch le Sourd). * um 1530 in St-Vincent, einem Vorort von Le Mans, + 13.9.1581 in Paris. Französischer Maler, Sohn des Malers und Bildhauers Bertin Duval. Um 1550 ging er nach Italien, wo man ihn 1553 mit der Dekoration des Sacchetti-Palazzo Florenz betraute. Nach seiner Rückkehr 1560 wurde er Porträtist bei Katharina von Medici und Karl IX. Ihm werden zwar zahlreiche Stiche und Zeichnungen zugeschrieben, doch nur die Zeichnung der "Drei Brüder Coligny" (1579, Paris, Bibliothèque Nationale, Cabinet des E

Dyck, Anthonius van
(auch Anthonie). * 22.3.1599 in Antwerpen, + 9.12.1641 in Blackfriars, London. Flämischer Maler. Neben Peter Paul Rubens der wichtigste Repräsentant der flämischen Barockmalerei, begann mit zehn oder elf Jahren bereits eine mindestens vierjährige Lehre bei Hendrik van Balen. Zwischen 1616 und 1618 kam er als Schüler zu Rubens, den er sehr bewunderte und dessen Mitarbeiter er bis 1620 blieb. Nach einem kurzen Londonaufenthalt am Hof Jakob I. reiste er im Herbst 1621 nach Italien. 1627 kehrte er in die Heimat zurück. 1630 wurde er von der Statthalterin Erzherzogin Isabella zum Brüsseler Hofmaler ernannt, doch behielt er seinen Wohnsitz in Antwerpen und arbeitete auch für den holländischen Hof. 1632 ging van Dyke zum zweiten Mal nach England, wo er der offizielle Hofmaler von Karl I. wurde und wo man ihn zum Ritter schlug. Er malte damals fast ausschliesslich Bildnisse der königlichen Familie und ihrer Umgebung. Nach kaum zweijährigem Aufenthalt verliess van Dyck London wieder und begab sich nach Antwerpen und Brüssel, wo er den Kardinal-Infanten Ferdinand nach dessen festlichem Einzug malte. 1635 kehrte er wieder nach London zurück, wo er in den folgenden fünf Jahren eine grosse Werkstatt mit zahlreichen Gehilfen unterhielt. Während der politischen Unruhen in England 1640 ging er wieder nach Antwerpen. Im Januar 1641 hielt er sich in Paris auf, wo er hoffte, für die grosse Galerie des Louvre einen Zyklus von Bildern schaffen zu können, doch erhielt Nicolas Poussin den Auftrag. Im Mai desselben Jahres war van Dyke vermutlich in London bei der Hochzeit der zehnjährigen Tochter Karls I., Prinzessin Maria Stuart, mit Wilhelm II. von Oranien anwesend, um das Paar zu malen. Doch van Dyke starb noch im gleichen Jahr und wurde in der alten St. Pauls-Kathedrale beigesetzt. Aus van Dyks erster Zeit als Maler haben sich mehrere Bilder mit "Szenen aus dem Leben Christi" und Aposteldarstellungen erhalten; entscheidend für seine weitere Entwicklung wurde jedoch erst seine Zeit bei Rubens. Dabei konnte van Dyck trotz des grossen Einflusses des Lehrers schon früh einen eigenständigeren Stil entwickeln. Für die Paulskirche in Antwerpen schuf er 1617 eine "Kreuztragung Christi", zusammen mit Rubens dekorierte er die Jesuitenkirche St. Carolus Borromeus. 1618 entstand ein Zyklus mit der Geschichte des römischen Konsuls Decius Mus (Vaduz, Sammlung Fürst Liechtenstein), wobei van Dyck nach Entwürfen von Rubens malte; zudem verfertigte er auch Grisaille-Stichvorlagen nach Gemälden seines Lehrers. In seinen selbständigen Werken gestaltete van Dyck mythologische ("Der trunkene Silen", Dresden, Gemäldegalerie), biblische und religiöse Themen, wie "Susanna im Bade" (München, Alte Pinakothek) und "Hl. Hieronymus" (Dresden, Gemäldegalerie), wobei letzteres Bild die Unterschiede zwischen Meister und Gehilfen im Vergleich mit der Darstellung desselben Themas von Rubens, Peter Paul (ebenfalls in der Dresdener Gemäldegalerie) deutlich sichtbar macht. Frühwerke sind auch "Martyrium des hl. Sebastian" (München, Alte Pinakothek), "Gefangennahme Christi", "Dornenkrönung Christi" und "Verspottung Christi" (alle Madrid, Museo del Prado) und auch so bedeutende Porträts wie "Bildnis einer schwarzgekleideten Dame", "Bildnis eines Geharnischten mit roter Armbinde" (beide Dresden, Gemäldegalerie), "Der Maler Franz Snijders und seine Frau" (Kassel, Staatliche Gemäldegalerie) und sein erstes Porträt von "Jan Vermeulen" (1616, Vaduz, Sammlung Fürst Liechtenstein). Charakteristisch für diese ersten Bildnisse ist die Gestaltung des Hintergrunds mit Würdeformen wie immer wiederkehrende Vorhänge und Säulenarchitekturen. Die Szene ist meist in warmem Helldunkel gehalten und im Gegensatz zum groben, breiten Pinselstrich vieler anderer Frühwerke sehr fein und nervös gemalt. Während vna Dycks erstem Aufenthalt in England entstanden wahrscheinlich die Bilder "Enthaltsamkeit des Scipio" (Oxford, Christ Church Library Collections) und "Thomas Howard, Earl of Arundel and Surrey" (New York, Privatbesitz). In der italienischen Zeit des Künstlers nahm der Rubens-Einfluss durch die Auseinandersetzung mit dem Werk von Tizian, den Bildern von Correggio und der Bologneser Malschule sowie durch das Studium der venezianischen Farbgebung etwas ab. Es entstanden Gemälde wie "Der Zinsgroschen" (Genua, Palazzo Bianco), "Christus am Kreuz" (Genua, Palazzo Reale), "Allegorie der vier Lebensalter" (Vicenza, Pinacoteca Civica) und die sog. "Madonna del Rosario" (Palermo, Oratorio del Rosario). Vor allem waren jedoch van Dycks Porträts aus dieser Zeit von entscheidender Bedeutung, wie z.B. das in Rom geschaffene Bildnis seines Gönners "Kardinal Giulio Bentivoglio" (Florenz, Palazzo Pitti, Galleria Palatina) und die vielen Porträts von Mitgliedern der vornehmen Genueser Gesellschaft, wie "Marchesa Balbi" (Washington, National Gallery of Art), "Paola Adorno, Marchesa Brignole Sale mit ihrem Sohn" und "Marchesa Elena Grimaldi-Cattaneo" (beide Washington, National Gallery of Art, Sammlung Widener). Van Dycks Kompositionen wurden nun strenger und geschlossener und die tonwerte feiner und trockener. Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt Antwerpen malte er viele religiöse Gemälde, wie "Der hl. Augustinus in Verzückung" (1628, Antwerpen, Augustinerkirche), "Kreuzigung Christi" (1630, Gent, St. Michael), "Beweinung Christi" in mehreren Fassungen (1634, z.B. München, Alte Pinakothek, und Antwerpen, Koninklijk Museum voor Schone Kunsten), "Vision des seligen Hermann Joseph" (1630, Wien, Kunsthistorisches Museum) und "Ruhe auf der Flucht nach Ägypten" (München, Alte Pinakothek). Daneben setzte van Dyck die Porträtmalerei fort: Es entstanden u.a. das bereits 1690 zerstörte Gruppenbildnis "Die Brüsseler Stadtregierung" (1634), das Doppelporträt "Der Maler Jan de Wael mit seiner Frau Gertrud de Jode" (um 1628, München, Alte Pinakothek), "Lukas von Uffel" (Braunschweig, Herzog-Anton-Ulrich-Museum), "Graf von Bergh" (um 1630, Madrid, Museo del Prado) und die "Statthalterin Erzherzogin Isabella" (Paris, Musée National du Louvre). Van Dyck bevorzugte bei den Bildnissen nun Halbfiguren, die Würdeformen wurden reduziert, und die Dargestellten erhielten ihre Wirkung vor allem durch eine leichte, vornehme Haltung voll Eleganz und Distanz. In der Zeit kurz nach seiner Rückkehr von Italien begann van Dyck, Material für seine "Iconographie" zu sammeln, eine radierte Bildnisserie von Fürsten, Staatsmännern und Künstlern, die er ohne eigentlichen Auftrag plante; er radierte elf Porträts selbst und lieferte für die übrigen die Vorlagen für die Stecher. Die erste Ausgabe mit ungefähr 80 Blättern erschien 1636-41. Van Dycks Aufenthalt in England brachte die berühmtesten seiner Bildnisse, wie die der "Königin Henrietta Maria" (um 1632, Windsor Castle, Royal Collection), "König Karl I. mit Reitknecht und Pagen) (um 1635, Paris, Musée National du Louvre), das "Brustbild Karls I. in dreifacher Ansicht" (1636, Windsor Castle, Royal Collection), "Die Kinder Karls I. (Turin, Galleria Sabauda), ein "Reiterbildnis Karls I." (um 1638, London, National Gallery) und "Prinz Willem II. und seine junge Gemahlin Prinzessin Maria Stuart" (1641, Amsterdam, Rijksmuseum). Ausserdem hinterliess van Dyck mehrere Selbstbildnisse (z.B. St. Petersburg, Eremitage, und München, Alte Pinakothek), viele Zeichungen und Landschaftsaquarelle, die modern anmutende Züge aufweisen, sowie das sog. Italienische Skizzenbuch, eine Fülle von Studien nach italienischen Gemälden (London, British Museum). Van Dycks Stil, der sich an Rubens, dem nur wenig älteren Jakob Jordaens und an den Venezianern orientierte, ist vor allem durch eine sehr flüssige Art der Malweise, einen nervösen Strich, malerisches Helldunkel, ein klassisches, bei allem Malerischen körpgerhaftes Figurenideal und eine Neigung zu monumentaler Komposition gekennzeichnet, doch ebenso auch durch Weichheit, Einfühlungsgabe und - verglichen mit Rubens - einen Mangel an Vitalität. Venezianisches und flämisches Formgefühl und Farbgefühl gingen in seinem Werk eine Verbindung ein. Van Dycks Hauptleistung waren die Bildnisse, die als Standesporträts mehr durch die Haltung des Dargestellten als durch Würde bezeichnende Requisiten wirken. Das leicht Verhaltene der Bewegung, eine allgemeine Zurückhaltung bei gleichzeitiger Lässigkeit, eine verfeinerte, warme Farbgebung mit viel dämpfendem Schwarz und die Betonung des Gesellschaftlichen und Aristokratischen bedeuten hierbei zentrale Charakteristika. Realistische Psychologisierungen und Individualisierungen liegen im Wettstreit mit einer überpersönlichen, eleganten Haltung. Van Dycks Menschenbild und Weltverständnis waren weniger ausgeprägt als bei Rubens, Diego Velázquez oder Franz Hals, doch sein Typus des repräsentativen Adelsporträts wurde zum Vorbild für die nachfolgende Bildnismalerei in Italien, den Niederlanden, in Frankreich und vor allem im England des 18. Jh. bei Malern wie Thomas Gainsborough, Joshua Reynolds und Thomas Lawrence.

Ebe, Gustav
* 1.11.1834 in Halberstadt, + 1916 in Berlin. Deutscher Architekt des Historismus, gründete 1869 ein eigenes Büro in Berlin und errichtete in der Folgezeit zahlreiche Privathäuser in Berlin im Stil der italienischen und deutschen Spätrenaissance sowie des Barock (Pringsheim-Palais, 1872-74); Tiele-Winckler-Palais, 1873 - 1876). Beteiligte sich an zahlreichen Wettbewerben und veröffentlichte eine Reihe von Schriften zur Baugeschichte und Kunstgeschichte.

Eberhard, Konrad
* 25.11.1768 in Hindelang, Allgäu, * 12.3.1859 in München. Deutscher Bildhauer, Maler und Lithograf des Klassizismus, ab 1796 Schüler von Roman Anton Boos in München. Seit 1806 in Rom, schuf er mythologische Figuren für den bayerischen Hof (Nymphenburger Park, München). 1826 nach München zurückgekehrt, widmete er sich ausschliesslich religiösen Arbeiten. Eberhard gilt als einer der bedeutendsten Meister kirchlicher Kunst in der ersten Hälfte des 19. Jh.

Ebhardt, Bodo
* 5.1.1865 in Bremen, * 13.2.1945 auf der Marksburg bei Braubach. Deutscher Architekt, dem Historismus der wilhelminischen Zeit verpflichtet, wurde vor allem als Restaurator von Burgen bekannt, z.B. der Hohkönigsburg im Elsass (1899 bis 1908), der Marksburg (1899-1905) und der Veste Coburg I (1900-1926). Ebhardt entwarf aber auch neue Schlossbauten wie Schloss Wommen bei Eisenach (1912-14) und Schloss Gollwitz Brandenburg (1929-30) sowie zahlreiche Villen, Wohnhäuser, Geschäftshäuser u.a.

Echogewölbe
(auch Flüstergewölbe, Flüstergalerie). Räume mit besonders konstruierten Gewölbeformen oder Deckenformen, die den Schall zu einem genau berechneten Punkt leiten und ihn dort gewissermassen zentrieren, so dass auch leise Töne über weite Entfernungen hin vernehmbar sind; häufig in Schlossbauten des 18. Jh.

Echtler, Johann Joseph
Schlesischer Stukkateur. War am Bau von Schloss Bad Warmbrunn beteiligt.

Echtler, Johann Peter
(*1739 o. 1741 in Steingaden, +1815 in Berlin). Bildhauer und Stukkateur in Breslau. Arbeitete u.a. an den Schlössern Romberg Krs. Breslau und Stephansdorf mit.

Eckhart, der Getreue
Eckart ist eine Gestalt aus dem Kreise der deutschen Heldensage, der Sohn der Hachc, der Pfleger der Söhne Harlungs, die Ermenrich töten liess, ein Held Dietrichs von Bern, mit dem er im Mythus die Teilnahme an der wilden Jagd teilt. Eckhart zieht vor dem wütenden Heere her mit Holda und ist verwünscht, bis zum jüngsten Tage im Venusberg zu weilen. Wenn Holda nach der Sage mit dem wütenden Heere aus ihrem Berge zieht, schreitet der treue Eckhart als ein alter Mann mit langem Barte und weissem Stabe voraus. Dieser warnt jedermann, aus dem Wege zu gehen. Einmal begegnen ihm zwei Kinder, die soeben einen Krug Bier für ihre Eltern aus dem Wirtshaus geholt hatten. Das wütende Herr hielt sie an, riesige Männer nahmen ihnen den Krug ab und leerten ihn. Die Kleinen weinten bitterlich. Aber der treue Eckhart beruhigte sie und sagte, sie sollen nicht bange sein, der Krug werde sich wieder füllen und niemals leer werden, solange sie verschwiegen hielten, woher die Wundergabe kommt. Als die Kleinen auf die Anfragen der Eltern und Nachbarn schliesslich doch ausschwatzten, versiegte das Bier.

Eckstein, Franz Gregor Ignaz
* 1666 in Seydlowitz, Böhmen, + nach 1736 in Lemberg. Deutscher Freskant, ältester und bedeutendster der mährischen Barockmaler, die aus der Brünner und Olmützer Künstlergemeisnchaft hervorgingen. 1711 liess er sich in Brünn nieder. Seine Hauptwerke sind dort und im übrigen Mähren zu finden: die Fresken des Langhausgewölbes der Stiftskirche in Welherad (1730), in der Jesuitenkirche und der Dominikanerkirche in Troppau, ferner die Ausgestaltung der Säle im Landtagshaus Brünn (1732) und in Schloss Milotitz (1725). In seinen letzten Lebensjahren malte er die Gewölbe des Schiffs und der Kapellen in der Jesuitenkirche in Lemberg aus (1734-36).

Effner, Josef
(1687-1745). Deutscher Barockarchitekt. Geboren in Dachau als Sohn des Hofgärtners des Kurfürsten Max Emanuel von Bayern, der ihn 1706 zur Ausbildung zu Boffrand, Gabriel Germain nach Paris schickte. 1715 kehrte Effner aus Paris zurück und wurde als Hofbaumeister angestellt. Erste Arbeiten waren der Umbau den Schlosses in Dachau (1715) - aus dieser Zeit das Treppenhaus und die Gartenfassade - und das leider stark veränderte Jagdschlösschen Fürstenried in München (1715-17). Bereits 1715 übernahm Effner gemeinsam mit Dominique Girard die Leitung für die Erweiterung des Gartens von Schloss Nymphenburg in München zu einem der bedeutendsten Parks; seit 1716 leitete er auch den Ausbau des von Barelli, Agostino begon. Schlosses in Nymphenburg; er verwandelte dabei die italienische Villa von Barelli, Agostino in ein deutsches Barockschloss. 1718 reiste er nach Italien; zwischen 1719 und 1727 führte er den von Zuccalli begonnenen Bau von Schloss Schleissheim weiter und entwarf u.a. das imposante, grosszügige Treppenhaus , das allerdings erst unter Ludwig I. nach seinen Plänen und unter Verwendung der noch vorhandenen Marmorwerkstücke vollendet wurde. Der Bau des neuen Schlosses ruhte seit 1727; Effner hatte für ihn die bedeutendsten Künstler seiner Zeit, Charles Debut, Johann Baptist Zimmermann, Johann Georg Bader üfr die Stuckarbeiten und Kistlerarbeiten, sowie Cosmas Domian Asam, Franz Joachim Beich, Jacobo Amigoni für die malerische Ausstattung herangezogen, um mit ihnen gemeinsam, im Sinne des barocken Gesamtkunstwerks, die Interieurs zu gestalten; viele der Pläne wurden nie verwirklicht. Beim Ausbau von Nymphenburg konnte Effner seine Ideen in grösserem Masse durchführen; in Barellis (Barelli, Agostino) Mittelbau fügte er den zentral gelegenen, durch drei Etagen reichenden Festsaal ein; die Fassaden wurden kraftvoll durch Pilaster und Fensterrahmungen gegliedert. Im Vorzimmer des nördlichen Apartments konnte sich die für Effner so typische Dekorationskunst, das Bandelwerk der Regence-Zeit erhalten (Wandvertäfelung von Johann Adam Pichler). Die Nebengebäude, wie Orangerie, Komödiensaal, Kavalierswohnungen und Wirtschaftsgebäude, wurden in rechteckigen Flügelbauten, die mit dem Haupttrakt durch offene Galerien verbunden waren, untergebracht. Hervorzuheben sind die von Effner im Park von Nymphenburg errichteten Pavillons: die Pagodenburg im "ostasiatischen Geschmack" (1717-19, im Innern Chinoiserien), die von der franz. Architektur ( französische Architektur) angeregte, idyllische Badenburg (1718) mit dem ersten heizbaren Hallenbad seit der Römerzeit in Europa, und die für jene Zeit ungewöhnlich malerische Magdalenenkapelle und Klause (1723-28, 1944 stark zerstört, wiederhergestellt). In München war Effing seit 1715 mit der Neugestaltung des Grottenhofs der Münchener Residenz beauftragt; hier richtete er auch die "Reichen Zimmer" ein (Neugestaltung nach dem Brand 1729 durch Cuvillies, Francois d.Ä.), vermutlich stammen auch die Pläne für die Ahnengalerie von ihm. Er wurde nach dem Tode Max Emanuels 1726 durch Cuvillies, Francois d.Ä. als Hofbaumeister abgelöst. Von seinen späteren Bauten ist das Palais des Grafen Preysing in der Residenzstrasse in München (1723-28, 1944 stark zerstört, wiederhergestellt) erwähnenswert.

Egell, Paul
* 9.4.1691 in Mannheim, + 10.1.1752 in Mannheim. Deutscher Bildhauer, Stukkateur, Elfenbeinschnitzer und Grafiker. War 1712-17 in Dresden und wurde Schüler von Permoser, Balthasar. Ab 1720 lebte Egell als kurfürstlicher Hofbildhauer in Mannheim I und entfaltete eine reiche Tätigkeit während des Baus des kurfürstlichen Schlosses und des Parks in Schwetzingen. Sein Einfluss reichte, vermittelt durch seinen 1751-52 in seiner Werkstatt arbeitenden Schüler Ignaz Günther, bis in die bayerische Rokokoplastik hinein. An der Wende von Spätbarock zum Rokoko stehend, setzte Egell das barocke Pathos der Generation von Permoser in vergeistigte, mehr von Expressivität und Gestik als vom Körper bestimmte feinsinnige Figurenerfindungen um. Das Rentabel des Hochaltars der Unteren Pfarrkirche in Mannheim (Holz, 1739-41, Berlin, Staatliche Museen, Skulpturen-Sammlung) passte er auf einfühlsame Weise als von Ornament und Skulptur gleichermassen bestimmtes Werk in die ursprüngliche Umgebung ein (der Altar ist grösstenteils zerstört). Auch das Elfenbeintäfelchen "Die Anbetung des toten Christus durch Adam und Eva" (um 1730, Köln, Kunstgewerbemuseum) zeigt die typischen überlängten Figuren und die oft in gegenläufigen Diagonalen geführte Kompositionsweise Egells, der in seinem Spätwerk allerdings zu ruhigerem Aufbau und geschlosseneren Konturen fand. Statuen wie "Der hl. Aloysius Gonzaga" (Holz, um 1750, Mannheim, Städtisches Reiss-Museum) lassen Egell neben Georg Raphael Donner und später Ignaz Günther als einen der bedeutendsten Bildhauer des 18. Jh. erscheinen.

Egotov, Ivan VailevicJegotov, Ivan Vasilevic

Ehrenhofpforte
Das in den Cour d`honneur (Ehrenhof) barocker Schlossanlagen führende Portal; es wird architektonisch besonders hervorgehoben, häufig durch Schmiedeeisengitter abgeschlossen und durch Bauplastik symbolisch interpretiert.

Eickstedt, Adalbert von
Architekt aus Breslau. War beteiligt am Bau von Schloss Slawikau.

Eigtved, Nils
(1701-54). Dänischer Architekt des Rokoko. Schloss Amalienborg in Kopenhagen (1750-54), die schönste städtebauliche Anlage des 18. Jhs. ausserhalb Frankreichs, begründete seinen Ruhm. Er studierte in Dresden bei Pöppelmann, Matthäus (Matthes) Daniel und machte Reisen nach Paris und Rom, ehe er sich 1735 in Kopenhagen niederliess. Als Hofbaumeister legte er ein ganz neues Stadtviertel an, dessen Zentrum das Oktogon der Amalienburg München mit vier diagonal gesetzten Palastbauten bildet. Er entwarf auch die Frederikskirche, doch wurden seine Pläne bei der Ausführung grossenteils verändert. Seine Rokoko-Innendekorationen im kgl. Schloss Christiasnborg (ab 1734) wurden 1794 zerstört.

Eitoku Kano
(eigent. Kano Kuninobu). * 1543 in Kioto, + 1590 in Kioto. Japanischer Maler, Sohn und Schüler von Kano Shoei, Enkel von Motonobu. Einer der führenden Meister der Kano-Schule. Bereits mit 24 Jahren leitete er eine bekannte Werkstatt. Er schuf den für die Prachtbauten der Momoyama-Zeit charakteristischen Typ der Wandgemälde und Schiebtürgemälde auf Goldgrund. Unter anderem wurde ihm die Ausschmückung des Juko-in und des Konoe-Palastes in Kioto übertragen. Sein Hauptwerk war die von seiner Werkstatt ausgeführte Ausmalung der Schlösser von Azuchi-Jo (1576) und Osaka-Jo (1583) sowie des Jurakudai-Palastes (1587) in Kioto. Seine Helfer waren unter anderem seine beiden Brüder Naganobu und Soshu, seine Söhne Mitsunobu und Takanobu und sein Lieblingsschüler und Adoptivsohn Sanraku. Von diesen Arbeiten ist nichts erhalten geblieben. Als sichere Werke von seiner Hand gelten nur die Bilder auf den Schiebetüren des Juko-i in Kioto, der Löwenstellschirm (Kara-shishi) in der kaiserlichen Sammlung und die zwei Stellschirme "Rakuchu-Rakugai" (Drinnen in der Stadt, Draussen vor der Stadt). Eitokus Malstil repräsentiert die dekorative Kunst der Momoyana-Zeit: kraftvolle Tuschkonturen und leuchtende Farben auf Goldgrund, dazu Goldwolken als gliederndes Element. Die Motive auf seinen Bildern sind fast lebensgross und rufen einen äusserst naturalistischen Eindruck hervor.

Elgin, Lord Thomas Bruce
Am 20.7.1766 geboren. Im Alter von fünf Jahren erbte er die Titel des 7. Earl of Elgin und des 11. Earl of Kincardine. Er besuchte die berühmte Harrow School und studierte an der Universität von Saint Andrews (Schottland) und in Paris. 1785 trat er in die Armee ein, wo er bis zum Generalmajor aufstieg. 1790 wechselte er in den diplomatischen Dienst über, wurde 1792 Gesandter in Brüssel und 1795 ausserordentlicher Gesandter in Berlin. 1799 ging Elgin als Botschafter nach Konstantinopel; er hatte diese Mission angenommen, um in einem milderen Klima ein schweres Rheumaleiden zu kurieren. Vor allem aber wollte er die Kunstwerke der Athener Akropolis - Griechenland gehörte damals zum Osmanischen Reich - kopieren und möglichst auch erwerben. Sechs Künstler (Maler und Konstruktionszeichner) begleiteten Elgin, um die antiken Kunstwerke und Bauten zu zeichnen. In Konstantinopel erwirkte Elgin nach langen Bemühungen die Erlaubnis, von den Skulpturen und Metopen des Parthenon Gipsabdrücke zu fertigen und sogar eineige Steine mit alten Inschriften oder Figuren abzunehmen und ins Ausland zu schaffen. Was zuvor nicht einmal den Franzosen erlaubt gewesen war, das hatte jetzt nach Napoleons "ägyptischer Expedition" ein Engländer durchsetzen können. Die Künstler gingen in Athen sofort ans Werk; sie zeichneten, vermassen die Bauwerke der Akropolis und smmelten Antiquitäten mit grossem Eifer. Der Beauftragte von Elgin in Athen, der Botschaftskaplan P. Hunt, packte alle erreichbaren Kunstschätze in Kisten. Er kaufte sämtliche Wohnhäuser, die auf der Akropolis unter Verwendung antiken Materials errichtet worden waren, und liess sie abbrechen, um darunter nach Kunstwerken zu graben. Er demontierte rücksichtslos die besterhaltenen Metopen des Parthenon und beschädigte dabei die angrenzenden Bauteile. Elgin, der die Handlungsweise seiner Beauftragten nicht nur duldete, sondern sie sogar förderte, geriet indessen in Konstantinopel in persönliche und diplomatische Schwierigkeiten und wurde krank. Obendrein wurde er in der englischen Presse wegen seines Vandalismus auf der Akropolis heftig attackiert. Nach dem Friedensschluss mit Frankreich 1802 beeilte sich Elgin seine umfangreiche Sammlung nach London zu verschiffen, bevor die Franzosen zurückkehrten und wieder Einfluss gewinnen konnten. Im Manuar 1803 trat Elgin als Botschafter Zurück. Auf der Heimreise durch Frankreich brach der Krieg zwischen England und Frankreich erneut aus, und Napoleon liess den Lord gefangennehmen. Seine Frau und einen mitreisenden Schotten liess Bonaparte bald wieder frei. Elgin selbst hätte seine Freilassung erkaufen können, wenn er bereit gewesen wäre, seine Sammlung dem Louvre zu überlassen. Aber er blieb unnachgiebig, 1806 wurde er endlich entlassen und ging nach London. Der Versand der Antiquitäten durch Hunt und Lusieri, einem der sechs Künstler, stiess wegen der Kriegsereignisse, der ständigen Bemühungen Frankreichs, die Kunstwerke an sich zu bringen, und dem wachsenden Misstrauen der türkischen Regierung auf Schwierigkeiten. Trotzdem kamen nach und nach mehr als 200 Kisten in den englischen Häfen an. Zwölf Kisten gingen bei einem Schiffbruch am Kap Malea unter und konnten erst nach dreijähriger Arbeit von Tauchern geborgen werden. Die noch nicht abgesanten Skulpturen fielen 1807 den Franzosen in die Hände; sie mussten sie aber zwei Jahre später nach Ende des Türkisch-Russischen Krieges zusammen mit zahlreichen ägyptischen Beutestücken an England ausliefern. Als 1811 die letzten Kisten in England eintrafen, war Elgin, der die gesamte Aktion selbst finanziert hatte, bankrott. Er musste seine gewaltige Sammlung dem Britischen Museum zum Kauf anbieten. Die Fachwelt bestritt jedoch den künstlerischen Wert der "Elgin narbles", woraufhin ein heftiger Meinungsstreit entbrannte, den erst 1816 eine Parlamentskommission durch ihre Entscheidung für einen Ankaufbeendete. Sie bewilligte dem Lord nur 36.000 Pfund und damit nur wenig mehr als die Hälfte seiner Ausgaben. Die "Elgin marbles" aber, zu denen u.a. auch eine Kore vom Erechtheion gehört, zahlen seitdem zu den Kostbarkeiten der Londoner Antikensammlung Lord Elgin starb am 14.11.1841 in Paris. .

Elias von Dereham
(gest. 1245). Domherr von Salisbury und Wells (England). Er war bei der Unterzeichnung der Magna Charta und 1220 bei der Überführung der Gebeine Thomas Beckets zugegen. Er war ausserdem Bauleiter der königlichen Bauten für das Schloss von Winchester und den Clarendon-Palast und "a prima fundatione rector" der Kathedrale von Salisbury. "Rector" lässt eher an administrative als an künstlerische Aufgaben denken, aber Elias wurde auch für eine Schale, die er für Salisbury gemacht hat, bezahlt, und in Verb

Elias von DurhamElias von Dereham

Ende, Hermann
* 4.3.1829 in Landsberg/Warthe, + 10.8.1907 in Wannsee bei Berlin. Deutscher Architekt. Erhielt seine Ausbildung 1851-55 an der Bauakademie in Berlin sowie auf einer Studienreise nach Italien und Griechenland. Er lieferte mit seiner gemeinsam mit Wilhelm Böckmann gegründeten Baufirma wichtige Beiträge zur Entwicklung der von der Neorenaissance bestimmten Berliner Architektur seiner Zeit. Unter seinen Bauten ragen das sog. Rote Schloss (ein Geschäftshaus von 1864) und das Völkerkundemuseum (1886) in Berlin sowie das {Erbprinzlisches Palais Dessau> (1883) hervor; daneben entstanden zahlreiche Villen in Berlin und seiner Umgebung und die 1886-91 in vielfältigen Renaissancereformen errichteten Bauten des Parlaments, des Justizministeriums und des Justizpalastes in Tokio.

Ende, Hermann
Bildete zusammen mit Wilhelm Böckmann das Architekturbüro Ende & Böckmann. Gemeinsam bauten sie die Villa Eichenschloss.

Endymion
Sohn des Aethlios und der Kalyke; wird im Allgemeinen für den König von Elis gehalten. Endymion, ein wunderschöner junger Mann, in den sich die Göttin Selene (Luna) verliebte, ist in der Regel im Schlaf dargestellt; häufig sind ihm auch Tiere beigestellt.

Engel, Jakob
(Angelini) * 1632 in Monticello bei San Vittore (Graubünden), + 1714 in Eichstätt. Erster namhafter Architekt beim Wiederaufbau der Stadt (nachweisbar ab 1663). Zum Hofbaudirektor ernannt, vollendete er 1702 den Westflügel der Residenz (Eichstätt II) und auch den Ostflügel.

Engelhard, Friedrich Wilhelm
* 9.9.1813 in Grünhagen b. Lüneburg, + 23.6.1902 in Hannover. Deutscher Bildhauer und Maler, lernte zunächst Elfenbeinschnitzerei in Paris und London und kam anschliessend während seiner Ausbildung zum Bildhauer 1839 zu Bertel Thorvaldsen nach Kopenhagen und 1840 zu Ludwig von Schwanthaler nach München, der grossen Einfluss auf ihn ausübte. In den späten vierziger Jahren wandte er sich auch der Porträtmalerei zu. Nach einem Romaufenthalt 1855-58 berief ihn König Georg V. nach Hannover und liess ihn in der neuerbauten Marienburg Schulenburg II sein schon 1851 entworfenes Hauptwerk ausführen, den Relieffries mit 18 Darstellungen aus der Eddasage. Wichtig sind daneben das Denkmal "Friedrich von Schiller" (1863, Hannover) und die Statuen "Raffael", "Michelangelo" und "Albrecht Dürer" für die Fassade der Hamburger Kunsthalle.

Entres, Josef
Bildhauer. Mit 16 Jahren kam Entres nach München an die Kunstakademie und wurde dort Schüler von Konrad Eberhard. Gerade in seinem mittelalterlichen Stil wurde Entres sehr durch Eberhard beeinflusst. Mit der Rückbesinnung auf das Mittelalter wandte sich Entres als einer der Ersten von der antikisierenden Richtung ab. Für den Münchner Dom schuf Entner u. a. eine Madonnenstatue und ein Abendmahl. Er war auch am Torhaus von Schloss Anif beteiligt. Am 14. Mai 1870 starb Joseph Otto Entner in München.

Eos
(röm. Aurora). Tochter der Titanen Hyperion und Theia; Schwester des Sonnengottes Apoll (ursprünglich Helios) und der Mondgöttin Selene (Luna). Die Göttin der Morgenröte steht jeden Morgen auf, um die Finsternis zu vertreiben und das Tageslicht anzukündigen. Sie zeigt sich vielfach als geflügelte Göttin, die von einem Lichtstrahl erleuchtet wird; zuweilen fährt sie einen von zwei Pferden gezogenen Wagen.

Eosander, Johann Friedrich Freiherr von
(gen. Eosander von Göthe; 1670 in Riga - 1729). Barockarchitekt, der vor allem durch seine Bauten in Berlin bekannt wurde. Er lernte bei Tessin, Nicodemus d.J. und trat offenbar im Jahre 1692 in die Dienste des Kurfürsten von Brandenburg, des späteren Königs Friedrich I. in Preussen. Nach Reisen in Italien und Frankreich war er ab 1699 Hauptmann und Hofarchitekt in Berlin. Anfangs mit Festdekorationen beauftragt, begann er mit dem Mittelbau des Schlosses der Gräfin Wartenberg, später Monbijou genannt (im späten 18. Jh. stark verändert; im Zweiten Weltkrieg zerstört, wieder aufgebaut). Danach übertrug ihm die Königin Innen- und Aussenarbeiten an dem von Nering, Johann Arnold begonnenen Charlottenburger Schloss; dessen markantesten Teil, den mittleren, kuppelgekrönten Turm, baute er jedoch erst nach ihrem Tode. Auch die Fertigstellung des prunkvollsten Raums im Mittelbau, des Porzellankabinetts (1706-08), hat die Auftraggeberin nicht mehr erlebt. Nachdem Schlüter, Andreas infolge des Einsturzes des Münzturms in Ungnade gefallen war, erhielt Eosander die Aufsicht über den Bau des kgl. Schlosses in Berlin (1708). Er erweiterte den grossen Hof (indem er die Fassade von Schlüter, Andreas wiederholte) und schuf ein eindrucksvolles Portal in Form eines Triumphbogens, der einen hohen Turm tragen sollte (1945 zerstört). Nach dem Tode Friedrichs I. wurde Eosander entlassen. 1722 zog er nach Dresden, wo er für Graf Felming das Schlösschen Übigau an der Elbe baute (1724-26).

Epigonos
Tätig in der 2. Hälfte des 3. Jh. v. Chr. Griechischer Bildhauer am Hof des Königs Attalos I. von Pergamon, Schöpfer der in einer römischen Marmorkopie erhaltenen Statue eines sterbenden Barbarenfürsten, die neben anderen auf einem von ihm konzipierten Siegesdenkmal anlässlich der Galaterkriege stand (Rom, Museo Capitolino). Das Bronzeoriginal der Gruppe Ludovisi von einem ähnlichen Monument geht vermutlich auch auf ihn zurück (Rom, Museo Nazionale). Ausserdem ist die Signatur einer Porträtstatue Attalos` I. erhalten.

Epona
Keltisch-römische Schutzgöttin der Pferde, Maultiere, Esel und Fuhrleute.

Erard, CharlesErrard, Charles d.Ä.

Ercole Nigra
(16. Jh.). Piemontesischer Architekt und Ingenieur. Von ihm stammt wahrscheinlich die antik verzierte Tür in Schloss La Tour-d`Aigues.

Erdmannsdorf, Friedrich Wilhelm Freiherr von
(1736-1800). Deutscher Architekt des Frühklassizismus (Klassizismus), wurde aber mehr durch den englischen Palladianismus, der gerade zu jener Zeit im Potsdam Friedrichs des Grossen geschätzt wurde, als durch Palladio, Andrea selbst beeinflusst. Während einer Englandreise 1763 beschloss er, Architekt zu werden. Sein Sil ist elegant und gefällig und unterscheidet sich vollkommen vom radikalen und strengen Klassizismus des zur gleichen Zeit tätigen Ledoux, Claude-Nicolas. 1765/66 reiste Erdmannsdorf mit dem Fürsten Franz von Anhalt-Dessau nach Italien; sie trafen dort mit Winckelmann, Johann Joachim und Clerisseau zusammen. Nach seiner Rückkehr nach Dessau erbaute Erdmannsdorf das neopalladianische Schloss Wörlitz (1769-73). Seine Spätwerke in Dessau, das Schlosstheater (1777), Schloss Georgium (ca. 1780) sowie Marstall und Reitbahn (1790-91) wurden alle zerstört.

Erek
Erek ist der Name eines Ritters aus Artus` Tafelrunde und der Held eines französischen Epos des Crestien des Troyes und eines danach bearbeiteten deutschen von Hartmann von Aue. Erec hatte die schöne Enite zur Frau genommen und verliegt sich, d.h. er versäumt ritterliche Abenteuer. Darüber trauert Enide; Erec, wie er den Grund erfährt, zieht mit ihr auf Thaten aus, verbietet ihr jedoch, ihn vor Gefahren zu warnen. Da sie das dennoch jedes Mal tut, behandelt er sie hart dafür. Nach vielen Abenteuern tritt er seines Vaters Reich an und verliegt sich nicht wieder. Die Grundmotive sind Ritterehre und Frauentreue.

Ermenrich
Ermenrich ist der Hauptfeind Dietrichs von Bern in der Heldensage. Was er mit dem gotischen Könige Airmanareiks gemeinsam hat, ist nicht nachzuweisen; in der Sage erscheint er als römischer Kaiser, Oheim Dietrichs: er entehrt die Frau seines Marschalls Sibich, worauf er, durch dessen treulose Räte veranlasst, sein eigenes Geschlecht zu Grunde richtet. Die Söhne seines Bruders Harlung lässt er hängen, und seinen Neffen Dietrich von Bern zwingt er zur Flucht ins Hunnenland; Etzel gibt jedoch dem Berner ein Heer mit, durch dessen Hilfe dieser in der Rabenschlacht den Ermenrich besiegt und sein Land wiedergewinnt. Die einzelnen Momente des Lebens Ermenrichs laufen in den Dichtungen, die davon erzählen, sehr auseinander.

Eros
(röm. Armor = Liebe, auch Cupido = Begehren). Griechischer Gott der Liebe. Den ältesten Legenden zufolge aus dem Chaos hervorgegangen; nach gängiger Überlieferung Sohn der Aphrodite Venus) und des Ares (Mars). Eros erscheint als geflügelter, mit Pfeil und Bogen versehener Knabe, oft auch im Besein seiner Mutter. Er schiesst seine Pfeile auf Götter und Menschen ab und entzündet so ihre Liebe.

Errard, Charles d.Ä.
* um 1570 in Bressuire, Deux-Sèvres, + vor dem 28.1.1630 in Paris. Französischer Maler, Stecher und Architekt. Vater von Errard, Charles d.J., liess sich 1598 in Nantes nieder. Ab 1618 war er in Paris ansässig. 1627 unternahm er eine Studienreise nach Italien. Errard war im Dienst Maria de´ Medicis und König Ludwigs XIII. tätig. Von seinem architektonischen und malerischen Werk ist ausser einer "Schlüsselübergabe an Petrus" (1618, Nantes, Kathedrale, Kapelle der Bienheureuse Francoise d`Amboise) nicht meh

Errard, Charles d.J.
(1606-89). Französischer Künstler, der u.a. an der Innenausstattung des Justizpalast Rennes mitarbeitete.

Erzpriester Johannes
Herrscher eines legendären christlichen Reiches, mit dem die Portugiesen ein Bündnis gegen den Islam abschliessen wollten. Die Sage vom Reich des mächtigen Priesterkönigs Johannes, wahrscheinlich ursprünglich von Äthiopien abgeleitet, dem einzigen ununterbrochen christlichen Reich ausserhalb Europas, beschäftigte die Europäer mehrere Jahrhunderte lang. Im 12. und 13. Jh. suchte man das Land zunächst in Asien, vermutete es dann irgendwo in Ostafrika. Einige Karten zeigten es sogar in der Nähe des Golfs von Guinea. Im 14. Jh. glaubte man schliesslich, es mit Äthiopien identifizieren zu können.

Estense, Baldassare
*1442 in Reggio Emilia, + um 1504 in Ferrara (?). Italienischer Maler. Er war der natürliche Sohn des Niccoló III. d`Este, des Fürsten von Ferrara und Reggio d`Emilia, weshalb er auch Baldassare da Reggio genannt wurde. Im Dienste der Herzöge Francesco und Galeazzo Maria Sforza in Mailand hatte er die Möglichkeit, Malerei zu studieren. 1469 malte er in Pavia das Porträt Gian-Galeazzos mit seiner Gemahlin. Noch im gleichen Jahr wechselte er in den Dienst des Herzogs Borso in Ferrara über und wurde zum Hofmaler der Este ernannt.Zwischen 1469-74 führte er zahlreiche Porträtaufträge bei Hofe aus, von denen nur zwei Beispiele erhalten sind, die indes in der Zuschreibung nicht voll gesichert scheinen: das Porträt der "Familie Umberto de` Sacrati" (München, Alte Pinakothek) und das des "Borso d`Este" (Mailand, Castello Sforzesco). Von seiner Arbeit als Medailleur zeugt eine gegossene Porträtmedaille mit dem Brustbild des Ercole I. auf der Vorderseite und seinem Reiterbildnis auf der Rückseite. 1476 beauftragte ihn Simone Ruffini mit der Ausmalung der Kapelle S. Domenica in Ferrara. Dargestellt sind Szenen aus dem Leben des hl. Antonius. Später wurde er in Reggio Emilia "Capitano di Porta Castell", kehrte aber 1497 wieder nach Ferrara zurück, wo er in schwierigen Verhältnissen lebte.

Etzel
Eine bekannte Person der deutschen Heldensage. Die Grundzüge seiner Sage sind folgende: Etzel, Botelungs Sohn, erobert sich Hünenland und überlässt seinem älteren Bruder das väterliche Reich. Dann wirbt er um Herche, Oserichs Tochter. Sie wird ihm versagt, aber Markgraf Rüdiger kommt in einer Verkleidung an ihres Vaters Hof und entführt sie zu Etzel, der nun in fortwährender Feindschaft mit Oserich lebt. Es kommt zum Zug Etzels gegen Waldemar, Oserichs Bruder. Dietrich, Waldemars Sohn, wird vom Berner gefangen, Herche heilt seine Wunden. Er entflieht, aber der Berner holt ihn ein und haut ihn nieder. Grosse Schlacht zwischen den Hünen und Russen, völliger Untergang Waldemars und Eroberung von Russland. Etzel hat nach dem Tode der Herche um Kriemhild geworben, und diese hat ihn in der Hoffnung, dadurch an den Feinden Siegfrieds Rache nehmen zu können, eingewilligt. Es lag von jeher auf der Hand, den Held der Sage mit dem historischen Hunnenkönig Attila zu identifizieren und es ist kein Zweifel, dass der historische Attila zur Ausbildung der Sagengestalt Etzels beigetragen hat; ob aber der sagenhafte Etzel aus der historischen Person Attilas hervorgegangen, ist sehr zweifelhaft. Der dem deutschen Etzel entsprechende Held Atli stimmt in vielen Beziehungen gar nicht zum historischen Hunnenkönig.

Europa
Tochter des phönizischen Königs Agenor und der Telephassa; Schwester des Kadmos. Ursprünglich Name einer phönikischen Mondgöttin, deren Kult durch die kretisch-mykenische Epoche in die ägäische Welt verpflanzt wurde. Die Sage vom Raub der Göttin durch den in Liebe entbrannten und in Gestalt eines Stieres auftretenden Zeus ist ursprünglich kretisch (sie wurde auf Kreta als Hellotis verehrt), wird aber dann von den Achäern übernommen. Die aus dem Osten geraubte Göttin gibt dem neuen Erdteil den Namen. Das Mädchen wird gewöhnlich auf dem Rücken eines Stieres sitzend dargestellt, während das Tier aufs Meer hinausschwimmt.

Eurydike
Thrakische Dryade (Baumnymphe). Eurydike erscheint vielfach in der Szene, in der sie von einer Schlange gebissen wird oder zusammen mit ihrem Gemahl Orpheus beim Verlassen der Unterwelt.

Evans, Sir Arthur John
Am 8.7.1851 in Nash Mills, Grafschaft Hertfordshire, geboren. Sein Vater, Sir John Evans, war ein bekannter Altertumsforscher, der sich mit Veröffentlichungen über das vorrömische Münzwesen sowie über vor- und frühgeschichtliche Funde Britanniens einen Namen erworben hatte. Evans studierte im Brasenose College in Harrow, in Oxford und Göttingen Neuere Geschichte. 1871 und 1872 reiste Evans in den Balkan und 1873 nach Finnland, 1875 ging er Korrespondent für den „Manchester Guardian“ nach Dalmatien, wo er wegen Beteiligung an einem Aufstand von der Polizei verhaftet wurde. Nach seiner Freilassung im Jahre 1882 kehrte er nach England zurück und wurde 1884 Kustos aus Ashmolen Museum in Oxford. Bei der Beschäftigung mit kretischen Siegeln erwachte sein Interesse an der noch unerforschten Insel. 1894 besuchte er Kreta, um Siegel zu erwerben, die dort an bestimmten Plätzen vermehrt gefunden und von Kreterinnen als Amulett getragen wurden. Als Evans in der Nähe von Candia alte Mauerreste entdeckte, vermutete er, hier in Knossos könne der Palast des sagenhaften Königs Minos gestanden haben. Er kaufte kurz entschlossen das Land, aber die türkischen Behörden versagten ihm die Ausgrabungsgenehmigung. Als Kreta 1898 die Selbstverwaltung erhielt, war der Weg für die archäologische Erschliessung der Insel frei. Im März 1900 begann Evans mit den Ausgrabungen und hatte bereits nach wenigen Tagen zahlreiche T ontafeln mit einer unbekannten Schrift (Linear B), vormykenische Tongefässe und Mauern mit einzigartigen Fresken freigelegt. Am Ende der ersten Grabungskampagne hatte er etwa ein Viertel des Palastes von Knossos, des grössten bisher bekannten Königspalastes, wiedererstehen lassen. In 35jähriger Tätigkeit erforschte er eine hochstehende Kultur, die er minoisch nannte. Der Vergleich mit ägyptischen Grabungsfunden ermöglichte ihm die Datierung der minoischen Epoche, die später anhand der Radiokarbondatierung bestätigt wurde. Er restaurierte den Palast von Knossos. 1911 wurde Evans in Anerkennung seiner Verdienste in den Adelsstand erhoben. Am 11.7.1941 starb er in Boar`s Hill bei Oxford.

Eyck, Jan van
* um 1390 in Maaseyck bei Maastricht, + (begraben) 9.7.1441 in Brügge. Bedeutender niederländischer Maler, gilt als Begründer der realistischen niederländischen Tafelmalerei, wahrscheinlich Bruder von Hubert van Eyck. Zu Jan gibt es neben vielen signierten Bildern ausführlichere Überlieferungen als zu Hubert. 1422-24 stand er im Sold von Johannes III., des Herzogs von Niederbayern und Straubing und Grafen von Holland, dessen Residenz in Den Haag er ausmalte. Ein Jahr später trat er in den Dienst von Herzog Philipp dem Guten von Burgund in Lille, wo er bis 1429 tätig war. Van Eyck war nicht nur Hofmaler, sondern auch Diplomat, hatte ein Jahreseinkommen von 100 Pfund und war von der städtischen Gildeordnung befreit. 1427-29 unternahm er mehrere Reisen im Auftrag des Herzogs nach Spanien und Portugal. 1431 kaufte er ein Haus in Brügge und wurde als Hofmaler und Stadtmaler Bürger dieser Stadt. Wann er die Fortführung des wohl von seinem Bruder begonnenen Genter Altars übernahm, ist nicht bekannt. Vermutlich musste er die Arbeit daran aufgrund seiner zahlreichen Reisen mehrfach unterbrechen. Stilistisch gesehen, waren Hubert und Jan van Eyck den Miniaturen der Brüder von Limburg und dem Tafelmaler Melchior Broederlam verpflichtet, die in den ersten zwanzig Jahren des 15 Jh. für den burgundischen Hof arbeiteten und deren Werke Merkmale der Sienser Malerei des Trecento aufwiesen. Hubert behielt diese Malweise bei, Jan entwickelte sie weiter zu einer neuen, individuelleren und realistischeren Art und leitete damit eine Wende in der nordeuropäischen Tafelmalerei ein. Sein Hauptwerk ist, wohl in Zusammenarbeit mit Hubert, der Genter Altar (Gent, St. Bavo). Er besteht aus zwölf Eichentafeln , darunter acht beidseitig bemalten Flügeln. Im geschlossenen Zustand stellt er im oberen Teil auf den Seitentafeln die "Verkündigung an Maria" dar, auf zwei schmaleren Mitteltafeln eine Ausblick durch eine Fensteröffnung und das Detail eines Zimmers, darüber die "Propheten Sacharja und Micha" sowie die "Erythraeische Sibylle" und die "Cumaeische Sibylle". Die untere Partie zeigt Statuen von "Johannes d.T." und "Johannes d.E.", den Namensgleichen der ursprünglich St. Jan genannten Kirche. Sie sind in Grisaillemalerei bewusst als in Stei gehauene Figuren dargestellt. Ihnen zur Seite knien in gleichgestalteten Nischen die Stifter, der Genter Bürgen Jodocus Vyd und seine Ehefrau Isabella. Geöffnet zeigt der Altar im oberen Teil von links nach rechts zunächst Adam, darüber in Grisaille "Das Opfer von Kain und Abel", "dann "Singende Heilige", die "Jungfrau Maria, Gottvater, Johannes d.T., Musizierende Heilige, Eva", darüber in Grisaille "Kains Brudermord". Die breite Mitteltafel des unteren Teils "Anbetung des mystischen Lammes" in einer üppigen Landschaft vor dem "Himmlischen Jerusalem" im Hintergrund. Von links nähern sich auf zwei schmaleren Tafeln die "gerechten Richter" (eine Kopie der Originaltafel, die 1934 entwendet wurde) und die "Streiter Christi", von rechts die "Hll. Eremiten" und die "Hll. Pilger". Über die Anteile der beiden Brüder an diesem Werk geht die Meinung der Forscher bis heute weit auseinander. Allerdings spricht vieles für die Annahme, dass beim Tod Huberts zwar einiges in der Konzeption des Altars angelegt war, aber noch eine Abrundung benötigte und dass der erste Bildgedanke von Hubert stammte, Jan jedoch alles erst zur Einheit und Geschlossenheit verband. Keine der Tafeln blieb wahrscheinlich ohne Überraschung durch den jüngeren Bruder. In verschiedenen Details lassen sich deutlich zweierlei Hände nachweisen. Von den Aussentafeln sind mit ziemlicher Sicherheit die beiden Johannes, das Stifterpaar sowie die Propheten und Sibyllen allein Jan zuzuschreiben, desgleichen das erste Menschpaar auf der Innenseite. Der Künstler dokumentierte klar die Bewältigung der Probleme von Lichtführung und Raumtiefe; ohne weiteres lassen sich Parallelen zu gesicherten Einzeltafeln Jans ziehen, während Hubert die Raumstrecke nie anders als in starker Fussbodenaufsicht wiedergegeben hat. Die typisierende Auffassung Huberts kontrastiert beim Vergleich der Figurenauffassung augenfällig mit dem individualisierenden Realismus Jans. Der Genter Altar gilt als eines der bedeutendsten Werke der niederländischen Malerei. 1566 war er von den Genter Bürgern vor den calvinistischen Bilderstürmern verborgen gehalten worden, doch 1794 mussten die vier mittlerein Tafeln der französischen Republik überlassen werden; sie kamen erst nach dem Sturz Napoleons nach Gent zurück. Bevor Jan van Eyck sich mit der Problematik der Tafelmalerei auseinanderzusetzen begann, beschäftigte er sich wohl zunächst mit der Buchmalerei, beteiligte sich vermutlich an der Vollendung des Stundenbuches des Duc de Berry. Zwei Blätter daraus (wahrscheinlich 1415/17, heute im Museo Civico in Turin) zeigen eine "Totenmesse" und die "Gefangennahme Christi" und zeichnen sich vor allem durch eine genaue Beobachtung der Details aus; Partien der Landschaft weisen schon auf den Genter Altar hin, ebenso einzelne Architekturformen. Als Fortsetzung der Turiner Miniaturen und als frühe Werke van Eycks werden zwie Tafeln im New Yorker Metropolitan Museum of Art, eine "Kreuzigung" und ein "Jüngstes Gericht", angesehen; auch hier fällt wieder die ungewöhnlich genaue Naturbeobachtung auf. Die kleinere Tafel mit der "Madonna in der Kirche" (um 1426, Berlin, Staatliche Museen, Gemäldegalerie) greift die Architekturformen der "Totenmesse" wieder auf. Ein etwa gleichzeitig entstandenes Werk ist eine "Verkündigung" (Washington, National Gallery of Art), die van Eyck ebenfalls in eine Kirche verlegte, deren Architekturformen er äusserst differenziert abbildete und in der Licht und Schatten eine starke Räumlichkeit und Plastizität schaffen. Die erste datierte Tafel Jans mit einem religiösen Thema ist die sog. "Ince-Hall-Madonna" (1433, Melborne, National Gallery of Victoria): In einem nur knapp angedeuteten profanen Raum sitzt die Jungfrau, auf dem Schoss das Kind", dass in einem Buch blättert; die Darstellung wirkt sehr intim. Diesen Madonnentypus wiederholte van Eyck mehrfach, z.B. bei der wenig später entstandenen "Lucca-Madonna" (Frankfurt a. Main, Städelsches Kunstinstitut); der Bildaufbau blieb der gleiche, nur sitzt die Madonna jetzt deutlich erhöht auf einem Thron mit löwenbesetzten Pfosten; die verschiedenen Arten der Stoffe, die Perlen am Saum des Gewandes, das Zinn der Schale sind in sehr differenzierter Weise wiedergegeben. Eine Erweitertung des Typus zu einer Sacra Conversazione findet sich in der "Madonna des Kanonikus Georg van der Paele" (1436, Brügge, Stedelijk Museum voor Schone Kunsten): Um die in einem Kirchenraum thronende Jungfrau mit dem Kind gruppieren sich der vom hl. Georg herangeführte Stifter und der Schutzpatron der Kirche, der hl. Donatus, mit einem brennenden Kerzenrad. Die Plastizität der Formen und der prachtvolle Glanz der Farben sind hier ebenso wie die naturgetreue Bildniswiedergabe zur Vervollkommenheit gesteigert Bildniswiedergabe zur Vollkommenheit gesteigert. Ebenfalls in einem Kirchenraum mit majestätischer Säulenanlage thront die "Maria mit Kind" auf der Mitteltafel eines Reisealtars (1427, Dresden, Gemäldegalerie); die Seitentafeln zeigen links den "Stifter mit dem Erzengel Michael" und rechts die "Hl. Katharina", die Aussenseiten der Flügel tragen Nischenstatuen der "Verkündigung" in Grisaillemalerei. Um 1435 malte Jan eine etwas abgewandelte Darstellung der Jungfrau mit dem Kind, die "Madonna des Kanzlers Nicolas Rolin" (Paris, Musée National du Louvre), der Beamter am Hofe Philipps des Guten war. Maria sitzt nun auf der rechten Seite auf einer schräggestellten Bank, ihre Haltung ähnelt derjenigen früherer Darstellungen, das Kind hat jedoch die Rechte zum Segen erhoben und öffnet die Gruppe zur linken Bildhälfte hin, wo der Stifter anbetend an einem Pult kniet; im Hintergrund des palastartigen Rumes ist durch drei hohe Arkadenöffnungen eine fein gestaffelte Landschaft erkennbar. Mit diesen Kompositionsmitteln erzielte van Eyck den Eindruck einer harmonischen Wechselbeziehung zwischen Figur und Raum, so auch auf dem Entwurf einer "Hl. Barbara" (1437, Antwerpen, Koninklijk Museum voor Schone Kunsten). Das letzte bekannte datierte Werk des Künstlers ist die Tafel "Maria am Lebensbrunnen" (1439, Antwerpen, Koninklijk Museum voor Schone Kunsten), dessen Komposition gegenüber seinen anderen Werken fast altertümlich wirkt; Hinweise auf Raumerstreckung fehlen beinahe ganz; nur an wenigen Stellen hebt sich die Figur vom Hintergrund ab, die Modellierung des Gewandes ist nicht einheitlich.Vorbildlich wirkten auch die Bildnisse Jan van Eycks. Er entwickelte das Porträt vom reinen Brustbild zum Halbfigurenbild, von der einachsigen Darstellung zur zweiachsigen. Das früheste datierte Bildnis ist der sog. "Tymotheos" (1432, London, National Gallery) mit Signatur, Datum und der Widmung "LEAL SOUVENIR". Aus dem folgenden Jahr stammt "Mann mit dem roten Turban" (London, National Gallery), das ebenfalls Signatur und Datum sowie Jan van Eycks persönliches Motto "als ich kann" trägt und bei dem der Blick des Dargestellten erstmals direkt auf den Betrachter gerichtet ist. Vermutlich handelt es sich hier um ein Selbstbildnis des Malers, da das Malen vor dem Spiegel diese Blickrichtung vorausgesetzt, doch findet sich die gleiche Blickrichtung auch bei dem datierten und signierten "Goldschmied Jan de Leeuw" von 1436 (Wien, Kunsthistorisches Museum), in dem der Dargestellte als Zeichen seines Berufsstandes einen goldenen Ring in der rechten Hand hält. Die Gemäldesammlung in Berlin-West bewahrt das unsignierte und undatierte Bildnis "Giovanni Arnolfini" (um 1437/39), eines Kaufmannes aus Lucca, für den er auch ein Hochzeitsbild malte. Seine Ehefrau Margareta van Eyck stellte er 1439 erstaunlich objektiv dar: ihre Züge sind scharf und ein wenig verhärmt, die Augen müde und teilnahmslos auf den Betrachter gerichtet, der Kopf mit einer prächtigen Haube geschmückt (Brügge, Stedelijk Museum voor Schone Kunsten). Unklarheit herrscht darüber, wen die undatierte Silberstiftzeichnung eines "Alten Mannes" im Dresdener Kupferstichkabinett darstellt (das ausgeführte, ebenfalls undatierte Gemälde mit diesem Motiv befindet sich in Wien, Kunsthistorisches Museum); der Porträtierte ist in Dreiviertelansicht abgebildet, ohne Darstellung der Hände; der Blick der etwas müden Augen geht in die Ferne. Besonders auffallend ist, mit welcher Genauigkeit van Eyck jedes Fältchen der Haut und jede Kräuselung der unbedeckten Haare wiedergab. Vermutlich noch vor dem "Tymotheos", vielleicht aber auch erst kurz vor van Eycks Tod, entstand das Bildnis des "Baudouin de Lannoy", des Ritters vom Goldenen Vlies (Berlin, Staatliche Museen, Gemäldegalerie), der Leiter der Gesellschaft nach Portugal war, an der Jan teilnahm; als einer der ersten wurde er 1431 Mitglied des Ordens. Van Eyck gab Baudouin sehr repräsentativ wieder, in einem prächtigen Gewand, auf dem Kopf einen riesigen Filzhut. In der rechten Hand hält er einen weissen Stab, zum Zeichen seiner Würde als höfischer Kammerherr. Dennoch hat sein hageres, faltiges Gesicht mit dem vom Betrachter abgewandten, verhangenen Blick etwas Zurückweisendes. Ebenso wie die religiösen Gemälde sind auch die Bildnisse van Eycks auffallend kleinformatig. Er bezog keinerlei Stellung zu seinem Modell, das er vor gleichmässig dunklem Hintergrund darstellte, und malte Hände nur dann, wenn sie ein Attribut halten. Sein erstaunlichstes Bildnis schuf van Eyck jedoch 1434 mit dem Doppelporträt "Giovanni Arnolfini und seine Frau Giovanna Cenami" (Arnolfini-Hochzeit, London, National Gallery) in einer für das 15. Jh. einzigartigen Form: Zwei Menschen werden gleichzeitig in ganzer Figur in einem Innenraum dargestellt, wobei Haltung und Gestik eindeutig die Zeremonie der Eheschliessung symbolisieren. Das Ehepaar Arnolini steht im ehelichen Schlafgemach in voller, prächtiger Kleidung und reicht sich die Hände. Es ist von den verschiedenen Symbolen der ehrlichen Treue umgeben: der einzelnen brennenden Kerze auf dem mehrarmigen Leuchter, der Statuette der hl. Margarethe auf der Rückenlehne des grossen Sessels, dem Hund zu Füssen des Paares, den abgelegten Pantoffeln, den Äpfeln. Die Aufmerksamkeit des Betrachters wird auf den Spiegel gelenkt, über dem Jan Signatur und Datierung anbrachte und in dem sich eine Tür wiederspiegelt, durch die zwei Trauzeugen treten, von denen die Person im blauen Gewand van Eyck selbst ist - belegt durch die Bildinschrift "Johannes de Eyck fuit hic". Mildes Licht fällt durch das Fenster in die Kammer und verleiht den Farben gedämpfte und doch kräftige Töne. Aus einer Äusserung von Vasari, Giorgio zu schliessen, entwickelte van Eyck in Abänderung der im 14. Jh. aufgekommenen Ölmalerei eine neue Mischung der Farben mit Leinölen, Nussölen oder Ölen. Möglicherweise handelte es sich dabei um eine Art von Öltempera, eine Mischung vo Eigelb mit Trockenöl und Wasser. Duch Kochen mischte man Harze bei, wodurch Ölfirnisfarben oder Ölharzfarben entstanden. Die Farben erhielten so eine vorher nie dagewesene Leuchtkraft und Wasserbeständigkeit, und die Gemälde glänzten, ohne dass sie zusätzlich mit Firnis überzogen wurden. Übergänge zwischen einzelnen Farbwerten liessen sich leichter modellieren und feiner abtönen , Farbnuancierungen konnten die Oberfläche einzelner Materialien deutlicher charakterisieren. Jan van Eyck verband, von Huberts einzelnen Bildideen ausgehend, diese neue Maltechnik mit einem konsequenter durchdachten Bildaufbau, d.h., er schuf durch eine äusserst intensive Naturbeobachtung nahezu einheitliche Raumbilder. Seine Darstellung von Figuren stand in engem Zusammenhang mit der Wiedergabe von Raumkörpern. Eine meisterhafte Lichtführung und die Gabe, perspektivisch richtig zu sehen, verbunden mit einer grösseren Individualisierung und Differenzierung der Gesichter, riefen, für die niederländischen Maler, völlig neue plastische Bildwirkungen hervor. Jan van Eycks hoher künstlerischer Rang machte es seinen Zeitgenossen schwer, sich ihm unmittelbar anzuschliessen, da er die Lösung künstlerischer Probleme mit einer jeweils neuen Aufgabe immer neu anging. Nach seinem Tod fanden sich in seiner Werkstatt einige angefangene Tafeln, die wahrscheinlich zum Teil von Petrus Christus stammen, dessen Werk zahlreiche Stilelemente van Eycks aufweist und der Vermutungen zufolge sein Schüler war. Über den Werkstattbetrieb van Eycks ist im übrigen nichts Genaues bekannt. Doch mit Jan van Eyck setzte, auch wenn er ohne unmittelbare Nachfolge blieb, eine neue Sehweise in der Malerei ein, die noch viel später tiefgreifende Auswirkungen zeite. Er ging nicht nur in der Verwendung der Materialien, sondern in einer bis dahin nicht bekannten Präzesion der Objekterfassung weit über die damalige Tradition hinaus und schuf mit einer fast "mikroskopisch" genauen Wiedergabe der Realität einen gänzlich unkonventionellen Bildtypus. Seine verbindung von genauer Beobachtungsgabe, grosser Wirklichkeitstreue und psychologisch nuancierten Stimmungswerten erwies sich in formaler Hinsicht als sehr modern und schloss gleichzeitig immer tranzendente Werte ein. Modern war vor allem auch die geniale Weitereintwicklung der Mögichkeiten von Perspektive und Raum, die das Werk van Eycks ebenso wie der Vorgriff auf naturalistische Darstellungsweisen zu einem der Marksteine in der Geschichte der Malerei werden liess.

Falconetti, Gian MariaFalconetto, Gian Maria

Falconetto, Gian Maria
(um 1458 bis zum 1540). Maler und Architekt, stammt aus einer Veroneser Künstlerfamilie. Bis 1524 war Falconetto als Maler tätig, baute aber dann für A. Cornaro eine bemerkenswerte Loggia, heute ein Teil des Giustinianischen Palastes in Padua. Es folgten 1528 dort die Porta S. Giovanni, 1530 die Porta Savonarola. Charakteristisch für seine Architektur ist die römisch-klassische Schulung, die Näherung an die römische Antike gegenüber der venezianischen Frührenaissance.

Fanago, CosimoFanzago, Cosimo

Fancelli, Luca
* 1430 in Florenz, + 1495 in Florenz. Italienischer Architekt, Bildhauer und Ingenieur, brachte viele Entwürfe von Brunelleschi, Filippo und Alberti, Leon Battista zur Ausführung u.a. wird ihm die Leitung beim Bau des Pitti-Palazzo in Florenz (um 1458) zugeschrieben. Er beteiligte sich zeitweise am Bau der beiden Kirchen S. Sebastiano (1460), dem ersten Zentralbau der Renaissance, und S. Andrea (1472) in Mantua nach Planen von Alberti, Leon Battista. Als Hofarchitekt des Fürsten Gonzaga leitete Fancelli in Mantua zahlreiche Kirchenbauten, Palastbauten und Befestigungsbauten. Seit 1491 war er Dombaumeister in Florenz

Fanzago, Cosimo
(auch Fansago). * 1591 in Clusone bei Bergamo, + (begraben) 13.2.1678 in Neapel. Italienischer Architekt und Bildhauer des Barock, erhielt seine Ausbildung um 1610-14 in Rom bei Pietro Bernini, möglicherweise als Werkstattgenosse des jungen Giovanni Lorenzo Bernini, und liess sich danach in Neapel nieder, wo er eine grosse Werkstatt eröffnete und Neapels führender Barockarchitekt wurde. Während seine frühen Arbeiten, wie die leichten Marmorarkaden im Klosterhof der Certosa von S. Martino (1623-31), formal gesehen, noch zurückhaltend waren, wurden die späteren Bauten, wie die Fassaden von S. Maria della Sapienza (1638-41) und s. Giuseppe degli Scalzi (1660), ausladend und reich dekoriert. Sein bedeutendster Profanbau ist der Donna-Anna-Caraffa-Palazzo (1642-44), der in seiner schwingenden Fassade auf Bauten von Francesco Borromini zurückgeht. Bedeutend waren seine Innendekorationen für Kirchen mit farbigen Marmorinkrustationen an Altären und Wänden. In diesem Zusammenhang entstanden auch seine skulpturalen Arbeiten, vorwiegend Heiligenfiguren, die im bewegten Gewand und theatralischen Ausdruck dem römischen Barock verpflichtet waren.

Fasolo, Giovanni Antonio
* 1530 in Orzinuovi, + 26.8.1572 in Vicenza. Italienischer Tafelmaler und Freskant, lehnte sich in seinen Werken, die durch schlanke Figuren, durch harten Kontur und kräftige Pinselführung gekennzeichnet sind, stark an Paolo Veronese an; er war Schüler von Giovanni Battista Zelotti und Veronese und vorwiegend in und um Vicenza tätig. Sein erstes datiertes Werk ist das "Bildnis eines Prokurators von S. Marco mit Familie" (1560, Venedig, S. Maria della Salute). Hauptwerke sind "Der Teich Bethesda" (Venedig, G

FaunusPan

Fazoni, Antonio
Baumeister des 16. Jh., gen. "der Malteser". Spezialist für Festungsbau, entwarf die Burgbastionen von Nürnberg I.

Federighi de` Tolomei, Antonio
* um 1420 in Siena, + 1490 in Siena. Italienischer Bildhauer und Architekt der Renaissance. Er war von 1435-38 Schüler und Gehilfe von Jacopo della Quercia und seit etwa 1440 als wahrscheinlich führender sienesischer Bildhauer seiner Zeit zunächst an der Domopera in Siena beschäftigt, wo er nach der Leitung der Dombauhütte in Orvieto (1451-56) bis zu seinem Tod als leitender Verantwortlicher tätig war. 1468 vollendete Federighi die 1352 begonnene Capella del Campo am Pubblico-Palazzo Siena. Schon 1462 hatte er die Loggia del Papa geschaffen, eine zierliche Säulenhalle mit weitgespannten Rundbogen, die den Angehörigen der Familie Piccolomini als Versammlungsort diente. Ein Gutteil der Ausstattung der 1417-28 errichteten Loggia della Mercanzia stammt gleichfalls von ihm: so die Marmorstatue eines "Hl. Petrus" (jetzt im Dommuseum) und die Tabernakelstatuen des "Hl. Viktor", des "Hl. Ansano" und des "Hl. Savino" (1456-63); im Inneren ist die Marmorbank an der rechten Schmalseite von Federighi mit fünf Sitzfiguren antiker Heroen geschmückt (1464). Neben dem Weihwasserbecken im Sieneser Baptisterium schuf er auch zwei Becken für den Dom (1467) - bei einem der beiden sind vier gefesselte Aktfiguren an den Schaft gebunden, ein Motiv, das sich von antik-römischen Schlachtsarkophagen herleiten lässt, in denen man gelegentlich, zu Unrecht, Vorbilder für die "Sklaven" von Michelangelo Buonarotti, vom Papstgrabmal Julius`II. gesehen hat.

Feill, Joseph Ignatius
Bildhauer, geb. 12.3.1733 in Mannheim, verschollen 1794 in Münster. Über die Biographie des Joseph Ignatius Feill ist der Forschung bisher wenig bekannt. Seine Tätigkeiten als Bildhauer sind wie folgt anzusetzen: Kurtrier um 1759 bis 1765 an der Residenz in Trier (Trier II) sowie in Engers, Ehrenbreitstein und Prüm; Münster um 1766 - 1794; dazwischen in Essen in den Jahren 1769-70; event. Osnabrück 1774-76, sicher 1785-87. Feills Werkstatt wird im Jahre 1794 in Münster versteigert. Für die Jahre danach gilt er als verschollen. Wichtigste Werke: ehem. fürstliches Residenzschloss (Münster).

Ferabosco, Pietro
* 1512 oder 1513 in Laino bei Como, nachweisbar bis 1588. Italienischer Architekt der Spätrenaissance, trat 1544 in kaiserliche Dienste, war fünf Jahre lang Soldat sowie Kriegsmaler in Ungarn und gleichzeitig am Schlossbau in Pressburg II und am Kaiserebersdorfer Schloss beteiligt. 1551 malte er als Hofmaler Ferdinands I. mehrere Räume der Hofburg Wien II aus. In Wien errichtete er 1581 den Ernestinischen Bau der Hofburg, überdies war er seit 1569 am Schloss Neugebäude bei Wien beschäftigt. Seit 1552 arbeitete Ferabosco in Prag, für das mährische Schloss Butschowitz (sicher vor 1575 im Bau), wird seine bislang als sicher geltende Urheberschaft heute fraglich.

Fergusson, James
* 22.1.1808 in Ayr, Schottland, + 9.1.1886 in London. Englischer Architekt und Archäologe. Erforschte auf vielen Reisen die Indische Baukunst, die des Vorderen Orients und Griechenlands. Seine Untersuchungen von Einzelbauten (Athen, Parthenon und Erechtheion, 1883 und 1880) und Orte ("An Essay on the Ancient Topography of Jerusalem", London 1847) und Beiträge zur vergleichenden Architekturgeschichte brachten ihm den Ruf eines modernen Vitruv ein und wirkten auch auf die Architektur seines Jahrhunderts z

Ferigheto dalmatinoBencovich, Federico

Fernandes, Mateus d.Ä.
+ 10.4.1514 in Batalha, Provinz Estremadura. Portugiesischer Architekt. Bedeutender Vertreter des Emanuelstils. Vater von Fernandes, Mateus d.J.. Wurde 1480 zum erstenmal urkundlich erwähnt. Er war 1490-1513 an der Capelas Imperfeitas im Kloster von Batalha beschäftigt, ursprünglich ein Zentralbau des 14. Jh., an dem er durchgreifende Veränderungen vornahm. Das prachtvolle Eingangsportal mit seinen wuchernden Ornamenten (Krabben, Kreuzblumen und verflochtenen Kleeblattbogen) gilt als eines der phantasievollsten Portale des Emanulstils. Zeitweise arbebeitete Fernandes an Kastellbauten und Festungsbauten in Alcobaca und auf Madeira.

Fernandes, Mateus d.J.
+ 1518. Portugiesischer Architekt, Vertreter des Emanuelstils in der Traditions seines Vaters Fernandes, Mateus d.Ä., übernahm nach dessen Tod die Bauleitung im Kloster Batalha und setzte die Architektur und den skulpturalen Schmuck im sinn seines Vaters fort. Wahrscheinlich ergänzte er sowohl die Arkaden des Kreuzgangs als auch das Brunnenhaus in ihrem Masswerk mit dicht verschlungenem Rankenwerk.

Ferrabosco, PietroFerabosco, Pietro

Ferri, Ciro
* 1634 in Rom, + 13.9.1689 in Rom. Italienischer Maler und Bildhauer des Barock. Bedeutendster Schüler von Pietro da Cortona. Nach seiner Ausbildung in Rom wurde Ferri von Ferdinand II. de` Medici Ende 1659 nach Florenz berufen, um die Deckenmalereien im Obergeschoss der Pitti-Palazzo weiterzuführen, wobei er zunächst nach den Kartons seines Lehrers arbeitete, später aber auch nach eigenen Entwürfen, z.B. in der Sala di Saturno. 1665-67 folgten neben Bildhauerarbeiten die Gewölbefresken mit Darstellungen aus dem Alten Testament in S. Maria Maggiore in Bergamo. Ab 1669 war Ferri wieder in Rom und vollendete dort von Pietro da Cortona begonnene Arbeiten. Seiner letzten Schaffensperiode entstammen die Kuppelfresken für S. Agnese in Piazza Navona (1670) und die Darstellungen der "Vier Jahreszeiten" für die Falconieri-Villa in Frascati. Ferri schuf auch eine Reihe von kleinformatigen Ölbildern, wie z.B. "Selbstbildnis" und "Alexander der Grosse auf seinem Ruhelager" (beide Florenz, Galleria degli Uffizi), wobei er einen eigenständigeren Stil als in den Fresken entwickelte. Auch Entwürfe für Buchillustrationen gehören zu seinem Werk; als Bildhauer schuf er unter anderem mehrere Altäre, z.B. für S. Stefano in Pisa.

Ferstel, Heinrich Freiherr von
* 7.7.1828 in Wien, + 14.7.1883 in Wien. Österreichischer Architekt, einer der vier wichtigsten Baumeister der Ringstrasse in Wien. Nach dem Studium am Polytechnikum und bei Eduard von der Nüll und August von Siccardsburg an der Akademie der Schönen Künste in Wien (1843-51) sowie mehreren Studienreisen in Europa gewann er 1855 den Wettbewerb für die neugotische Votivkirche in Wien (1856-79), die seinen Ruf begründete. Es folgten in der Tradtion von Semper, Gottfried und seiner Vorliebe für Renaissanceelemente stehende Projekte, wie das Bank- und Börsengebäude in toskanischen Trecentoformen (1856-60), der Neurenaissancebau des Österreichischen Museums für angewandte Kunst (1868-71) und die Universität (1873-84) in Wien. Ferstels wichtigste Palastbauten an der Ringstrasse sind das Erzherzog-Ludwig-Viktor-Palais (1863-69) und das Wertheim-Palais (1864-68). Die Kunstgewerbeschule (1874-76) und das Chemische Institut der Universität (1869-72) zeigen Ferstels Hang zu reichen Sgraffitoschmuck und ornamentalefigürlichem Terrakottaschmuck am deutlichsten. Sein vor allem von italienischen Stilelementen bestimmter Historismus wirkte auch durch seine Lehrtätigkeit am Polytechnischen Institut auf die Wiener Architektur zurück.

Fetti, Domenico
(auch Feti, Domenico). * 1589 in Rom, + 16.4.1623 in Venedig. Italienischer Maler, einer der Begründer der oberitalienischer Barockmalerei, nahm mit seiner Vorliebe für Bizarres und Theatralisches Entwicklungen der venezianischen Malerei des 18. Jh. vorweg; er war Schüler von Ludovico Cigolis und arbeitete 1604-13 in dessen Atelier in Rom. 1614 wurde er von Herzog Ferdinand II. von Gonzaga als Hofmaler nach Mantua berufen, wo er Monumentalfresken für den Dom und den Ducale-Palazzo Mantova schuf und als Galeriedirektor tätig war. 1618 folgte eine Reise in die Toskana, 1621 begab er sich nach Venedig, wo er eine Reihe von Auftragsarbeiten durchführte. Fetti ging vom Landschaftsstil von Adam Elsheimer, von den Werken von Carlo Saraceini und der römische Caravaggisten aus, z.B. bei dem "Bildnis eines Mannes" (1612, London, Sammlung Anton Graf Seilern) und "Flucht nach Ägypten" (Wien, Kunsthistorisches Museum). In Oberitalien traten die Einflüsse Venedigs und der Werke von Peter Paul Rubens, die in der herzoglichen Sammlung in Mantua kennenlernte, stärker hervo und verhalfen ihm zu einer malerischen, tonigen Gebundenheit bei expressiver Farbgebung, z.B. in "Hl. Dreifaltigkeit" (Mantua, Dom) und "Speisung der Fünftausend" (Mantua, Galleria di Palazzo Ducale). Ebenso wandte Fetti sich nun, als eigentlicher Schöpfer der Gattung der Parabelbilder, biblischen Glecihnissen in sittenbildender Erzählweise und in kleinem Format zu, wie "Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg" (um 1618, Dresden, Gemäldegalerie).

Feuchtmayr, Franz Xaver I
(auch Feichtmair, Feichtmayer), Franz Xaver I. * 10.12.1705 in Haid bei Wessobrunn, + 1764 in Augsburg. Deutscher Stukkateur, Ornamentstecher und Bildhauer des Rokoko, Mitglied der weitverzweigten Wessobrunner Stukkatorenfamilie und Bildhauerfamilie, Bruder von Feuchtmayr, Johann Michael und Vater von Feuchtmayr, Franz Xaver II. Bei seinen meist in Oberbayern und Tirol ausgeführten Werken arbeitete er häufig mit dem Maler Matthäus Günther zusammen. 1738/39 war er an der Dekoration der Kirche in Diessen am Ammersee beteiligt, 1731 bis 1734 an der Stiftskirche in Stams, zugeschrieben wird ihm die Ausstatung der Pfarrkirchen in Wilten in Tirol (1754/55). Die ihm oft zuerkannte Stuckierung des Festsaales von Schloss Sünching bei Regensburg (um 1761/62) stammt jedoch von Jakob Rauch (mit Ergänzungen in Holz von Ignaz Günther). Von seiner Tätigkeit als Ornamentstecher sind sechs Blätter mit Rocaillemotiven bekannt.

Feuchtmayr, Franz Xaver II
(auch Feichtmair, Feichtmayer), Franz Xaver II. + 1803 in München. Deutscher Hofstukkateur des Rokoko, gelegentlich auch Bildhauer, Sohn von Feuchtmayr, Franz Xaver I, arbeitete seit 1752 in München als Gehilfe von Johann Baptist Zimmermann, dessen Nachfolger in Hofdiensten er 1758 wurde. Zusammen mit Roman Anton Boos und Christian Wink gründete er 1770 eine öffentliche Zeichenschule, die erste Kunstakademie in München. 1789 leitete er die Ausbesserung der Stuckierung in der Münchener Theatinerkirche St. Cajetan. In seinem Spätwerk neigte er bereits dem Klassizismus zu.

Feuchtmayr, Johann Michael
(auch Feichtmair, Feichtmayer), Johann Michael. * (getauft) 5.8.1709 oder 25.9.1710 in Haid bei Wessobrunn, + 4.6.1772 in Augsburg. Deutscher Bildhauer, Stukkateur und Ornamentstecher, einer der Hauptmeister der süddeutschen Rokokodekoration, Mitglied der weitverzweigten Wessobrunner Künstlerfamilie, Bruder von Feuchtmayr, Franz Xaver I; er war nach einer Lehre in Augsburg 1724 an der Stuckdekoration der dortigen Dominikanerkirche beteiligt. Sein erstes Hauptwerk bilden die Stuckierung und die Altäre in der Abteikirche von Amorbach (1744-47), wo er, wie in Wilhering, mit Johann Georg Üblhör zusammenarbeitet. Es folgte 1747 bis 1758 die Dekoration der Klosterkirche in Zwiefalten und, nach weiteren Werken wie die Stuckierung der Schlosskirche in Haigerloch III (1748), ab 1754 seine umfangsreichste Leistung, die Dekoration der Kirche in Ottobeuren; hier ragen besonders zwölf grossen Figuren auf dem Hauptgesims sowie Einzelfiguren und Reliefs an Altären und in Kapellen heraus. Für die 1772 vollendete Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen (Oberfranken) von Balthasar Neumann lieferte er die Nebenaltäre. Seine vielleicht hervorragengste Schöpfung ist die Dekoration des Treppenhauses und der Festräume des Corps de logis in Schloss Bruchsal II (1751-56). Feuchtmayrs Hauptwerke umfassen neben der eigentlichen Wanddekoration meist auch einen Grossteil der Plastik für Altäre, Gesimse usw., wobei die figürlichen Füllungen der Rocaille-Ornamentik immer gelöstere bis naturalistische Formen annahmen. von ihm sind auch Ornamentstiche bekannt.

Feuchtmayr, Joseph Anton
(auch Feichtmair, Feichtmayer), Joseph Anton. * 1696 in Linz, + 2.1.1770 in Mimmenhausen, in der Nähe des Bodensees. Deutscher Bildhauer, Stukkateur und Kupferstecher, einer der Hauptmeister des deutschen Rokoko, bedeutendes Mitglied der Wessobrunner Stukkatoren- und Bildfhauerfamilie, Sohn von Feuchtmayr, Franz Joseph. Er erhielt seine Ausbildung in Schongau und Salem, wahrscheinlich von seinem Vater. 1706 übersiedelte er nach Mimmenhausen im Gebiet der Zisterzienserabtei Salem, wo er zeitlebens ansässig blieb und mit grossen Aufträgen für Salem sowie andere Klöster und Kirchen im Bodenseegebiet betraut wurde. Seine erste eigenständige Arbeit war die Holzplastik für das Chorgestühl der Benediktinerkirche in Weingartern (1720-24). 1742-43 schuf er Altar und Ausstattung der Kapelle der Fürstbischöfe von Konstanz in Meersburg. Im Kloster Einsiedeln war er mit der Stuckierung des Speisesaals und der Bibliothek beschäftigt, und in der Wallfahrtskirche Birnau am Bodensee schuf er die in den Aufbau von Altären eingfügten Putten (1746-50), darunter den berühmten "Honigschlecker". 1763/64 lieferte er den Hochaltar für die Kirche des Kollegiatstiftes bei Schloss Zeil (Württemberg). Seine bedeutendsten Werke sind die Chorgestühlreliefs für die St. Gallener Stiftskirche mit Szenen aus der Benediktsvita (1762-68) und die dortigen reichdekorierten Beichtstühle. Feuchtmayr, von dem auch eine Reihe Stiche bekannt ist (Rokokokartuschen und Rokokoaltäre), war in seinen beiden letzten Lebensjahren auch teilweise an der figürlichen Alabasterausstattung der Salemer Kirche beteiligt. In seinem qualitätsvollen expressiven Figurentypus scheinen wieder manieristische Elemente aufzutauchen.

Fiasella, Domenico
(gen. il Sarzana). * 12.8.1589, + 14.10.1669 in Genua. Oberitalienischer Maler. Einer der führenden Vertreter der Genueser Schule des 17. Jh. Er arbeitete in Rom mit Domencio Passignano und Giuseppe Cesari (gen. il Cavaliere d`Arpino) zusammen, geriet dann jedoch unter den Einfluss der Werke von Caravaggio. Dessen Realismus integrierte er dem herrschenden Spätmanierismus, als er 1617 nach Genua zurückkehrte, und erneuerte so die Genueser Schule, zu deren Haupt er 1627 wurde. Neben einigen Porträts, z.B. "Bi

Fieravanti
Im 15. Jh. tätige Architektenfamilie aus Bologna. Ihre wichtigsten Mitglieder waren die zwei Brüder Bartholomeo (* um 1390 in Bologna, + September 1462 in Bologna) und Fioravante di Ridolfo (* um 1390 in Bologna, + zwischen dem 12.5.1430 und dem 30.3.1447 in Bolgona) sowie der Sohn des letzteren, Aristotele Fieravanti di Ridolfo (* 1415 in Bologna, + wohl 1485/86 in Moskau). Die beiden waren Schüler Giovanni da Sienas und 1410 Mitglieder der Steinmetzgilde in Bologna. Barotolomeo erbaute 1423-45 Teile des Notai-Palazzo und 1450 den Portico dei Mezari am Podesta-Palazzo Bologna; Fioravente errichtete für den Condottiere Braccio Fortebracci Kastelle in Perugia und Umgebung und baute, ab 1425 zurück in Bologna, den abgebrannten Teil des Anziani-Palazzo (heute Pubblico-Palazzo Bologna wieder auf. Aristotele Fieravanti war auch Ingenieur, Bronzegiesser, Medailleur und, berühmt geworden durch die meisterhafte maschinelle Versetzung eines Glockenturms um 15 m. (1455), ab 1462 Stadtbaumeister in seiner Vaterstadt Bologna. Daneben arbeitete er auch in Venedig, Mailand und Ungarn und trat 1475 in die Dienste des Grossfürsten Iwan III., für den er in Moskau die Uspenskij-Kathedrale im Kreml (1475-79) in einer Mischung byzantinischer und italienischer Quattrocento-Stilelemente erbauten.

Figueroa, Leonardo de
* 1650 (?), + 1730 in Sevilla (?). Spanischer Architekt des Spätbarock, Stadtbaumeister von Sevilla. Sein Erstlingswerk, die Ausführung von Fassade unf Hof des Hospitlas de los Venerables (1687-97) in Sevilla zeigt sein besonderes Interesse für Dekorationen, die den architektonischen Aufbau gänzlich überziehen. An der Fassade des San Telmo-Palacio Sevilla (1722-30) führte er diesen Dekorationsstil zum Höhepunkt: Die Säulenschäfte sind auf unklassische Art geriefelt und mit geometrischen Formen verziert; prächtiger Stuck lässt die Mauerfolie nicht in Erscheinung treten, und in einer Art horrof vacui wirde jede freie Fläche vermieden. eine Neuerung stellte hierbei sein offener Portalgiebel dar, wodurch die eingestellte Heiligenfigur nur noch den blauen Himmel zum Hintergrund hat. Die Kirchen von S. Luis (1699-1731) gilt als eine seiner originellsten Lösungen; mit einer Vierlzahl von Säulen verlieh er ihrer Rotunde festlichen Charakter.

Filarete
(eigentlich Antonio Averlino, ca. 1400-69). Baute wenig, spielte aber bei der Verbreitung der Frührenaissance (Renaissance) eine bedeutende Rolle. Geb. in Florenz, nahm erst ziemlich spät den griech. Namen "Filarte" (Freund der Tugend) an. Er begann als Bildhauer und schuf 1443 eine Bronzetür für die Peterskirche in Rom. 1451 erhielt er von Francesco Sforza den Auftrag, das Ospedale Maggiore in Mailand zu bauen, für das er einen sehr kunstvollen symbolischen Entwurf entwickelte. Filarete baute aber nur

Filippi, Camillo
* um 1500 in Ferrara, + 1574 in Ferrara. Italienischer Freskenmaler, Vater von Filippi, Cesare und Filippi, Sebastiano. Er war Schüler von Dossis, Dosso und stattete mi Dossi, Battista das Estense-Castello der Herzöge von Ferrara aus. Zusammen mit seinen Söhnen malte er 1565 eine "Himmelfahrt Christi" und "Das jüngste Gericht" für die Certosa von Ferrara. Für die Kirche S. Maria in Vado schuf er zusammen mit Carpi, Girolamo da eine "Verkündigung Mariä" sowie das Fresko "Die Schlacht bei Marignano" i

Filippi, Cesare
* (getauft) 7.2.1536 in Ferrara, + 1602 in Ferrara. Italienischer Maler des Manierismus, Sohn Filippi, Camillo und Bruder von Filippi, Sebastiano, entfaltete seine grösste Attraktivität als Dekorateur und war besonders auf die Malerei von Grotesken spezialisiert. Seine Fresken waren im gesamten Norditalienischen Raum verbreitet; daneben sind einige Tafelbilder erhalten, z.B. "Vision des hl. Bernhard" (Ferrara, Pinacoteca Nazionale).

Filippi, Sebastiano
(auch Bastianino). * um 1532 in Ferrara, + 23.8.1602 in Ferrara. Italienischer Maler, Sohn und Gehilfe von Filippi, Camillo und Bruder von Filippi, Cesare, vollzog in seinem Werk den Übergang vom Manierismus zu den Anfängen des Barock; er kam frühzeitig nach Rom und war einige Zeit Schüler von Michelangelo. Nach seiner Rückkehr in die Heimat malte er im Stil seines Vorbildes "Das Jüngste Gericht" (1577-80) in der Apsis der Kathedrale von Ferrara. Filippi führte auch zahlreiche Tafelbilder mit Madonnenda

Fink, Lorenz
* 5.11.1744 in Memmelsdorf bei Bamberg, + 19.5.1817 in Bamberg. Deutscher Architekt, ausgebildet ab 1764 in Würzburg und auf Studienreisen in Deutschland und Frankreich. Nach der Rückkehr 1769 zum Hofwerkmeister der Bamberger Fürstbischöfe ernannt, leitete er bis 1806 die Bauten der weltlichen und geistlichen Herrscher Bambergs. Zu seinen Werken gehören die Pfarrkirche Etzelskirchen (1769), das Allgemeine Krankenhaus (1785-88) und der Bilbiothekssaal des Jesuitenkollegs (1789) in Bamberg, das Konvents- und Ökonomiegebäude der Abtei Langheim in Oberfranken und zahlreiche öffentliche Gebäude im Bamberger Stadtgebiet.

FioravanteFieravanti

Fischer von Erlach, Johann Bernhard
(1656-1723). Neben Hildebrandt, Johann Lukas von der führende Barock-Architekt in Österreich; war zurückhaltender und viel mehr Verstandesmensch als sein Rivale Hildebrandt, Johann Lukas von auch höfischer und mehr an Konventionen gebunden. Fischer von Erlach wurde in der Nähe von Graz geboren, begann als Bildhauer und Stukkateur, ging vermutlich 1674 nach Italien und wurde etwa seit 1682-85 bei Fontana, Carlo in Rom als Architekt ausgebildet. 1685 liess er sich in Wien nieder, wo er schliesslich 1704 Hofarchitekt wurde. Sein ersten bedeutendes Werk ist Schloss Frain in Mähren (ca. 1690) mit dem eindrucksvollen ovalen Ahnensaal. Italienischer Einfluss, besonders der Borrominis (Borromini, Franceso), prägt seine drei Salzburger Kirchen: Dreifaltigkeitskirche (1694-1702), Kollegienkirche (1696-1707) und Ursulinenkirche (1699-1705). Sein Meisterwerk, die Karlskirche in Wien (beg. 1716) ist als Entwurf einzigartig, aber auch hier gibt es Anklänge an Rom, so in dem "Eröffnungsthema" der Vorhalle, die an den Portikus des Pantheon erinnert und von zwei "Trajanssäulen", Ausdruck bewussten Strebens nach kaiserlicher Grösse, flankiert wird. Von Fischer von Erlachs Profanbauten sind u.a. zu nennen: die Fassade und das von Atlanten geschmückte monumentale Treppenhaus des Stadtpalais des Prinzen Eugen in Wien (1695-98), das Palais Batthyany-Schönborn in Wien (1699-1706), das Palais Clam-Gallas in Prag (1707-12), das Trautson-Palais in Wien (1710-16) und schliesslich die Nationalbibliothek in der Wiener Hofburg, die Fischer von Erlach in seinem Todesjahr (1723) begann und die von seinem Sohn Joseph Emanuel (1693-1742) vollendet wurde. Der Bibliotheksraum ist einer der eindrucksvollsten Innenräume in Europa und zeigt am besten und grossartigsten das Pathos seines Stils, der von dem Wunsch getragen wurde, die Idee des Kaisertums sichtbar zu machen. Als Fischer von Erlach vom Kaiser geadelt wurde, nahm er den Titel "von Erlach" an. Fischer von Erlachs umfassende Bildung zeigt sich in dem "Entwurf einer historischen Architektur" (1721 in Wien veröffentlicht). Es war die erste Abhandlung zur Achitektur, die auch ägyptische und chinesische Bauwerke einbezog und abbildete und dadurch grossen Einfluss auf verschiedene an exotische Formen angelehnte Bauten ausübte.

Fischer von Erlach, Joseph Emanuel
* (getauft 13.9.1693 in Wien, + 29.6.1742 in Wien. Österreichischer Baumeister des Barock, Sohn und Schüler von Fischer von Erlach, Johann Bernhard. Nach archäologischen Studien in Rom (1714) (1714) und einem vermutlichen Aufenthalt in Leiden liess er sich 1717 bis 1719 in Paris nieder. Hier gelangte er im Umkreis von Hofburg Wien II) sowie die Karlskirche fertig, deren Kuppel er gegenüber den früheren Plänen jedoch stark veränderte. Unter seinen wenigen gesicherten, vollständig eigenen Bauwerken ragen das 1729 entworfene Gartenpalais Althan-Palais (1847 abgerissen) - ein gelungenes Ensemble von Hof, Palais und Garten - und die schön frühklassizistisch empfundene Winterreitschule der Hofburg Wien II (1729-35) hervor. Wesentlich beteiligt war der jüngere Fischer von Erlach auch an der kaiserlichen Hofburg ab 1723 und ab 1730 wohl auch an den Neubauprojekten von Klosterneuburg II.

Fischer, Gerhard August
Der Architekt aus Barmen setzte sich seit 1882 mit einer Fülle von Zeichnungen, Plänen, Entwürfen und eigenen Grabungen für den Wiederaufbau von Schloss Burg Solingen II ein. Dabei verwendete er auch alte Unterlagen und orientierte sich in erster Linie an dem Aussehen der rheinländischen Burgen im 16. Jahrhundert.

Fischer, Johann Michael
* 18.2.1692 in Burglengenfeld bei Regensburg, + 6.5.1766 in München. Deutscher Baumeister des Spätbarock. Erhielt seine Ausbildung wahrscheinlich in der Oberpfalz, hielt sich um 1715 in Mähren auf und ist seit 1718/19 als Bürger und Maurermeister in München nachweisbar. Eine Inschrift auf seinem Grabmal an der Münchener Frauenkirche rühmt ihn als Baumeister von 32 Kirchen und 23 Klöstern. Die von Fischer bevorzugte Bauform ist die Zentralanlage mit ständig neu variiertem Grundriss, in die ein richtungsbetonter Zug eingearbeitet ist. 1721 errichtete er die Nebenbauten beim Kurfürtslichen Schloss Lichtenberg Epfenhausen (nicht erhalten), 1723-27 vollendete er den Turm der Heilig-Grab-Kirche in Deggendorf, und 1724 war er mit dem Chorbau der Benediktiner-Abteikirche Niederaltaich beschäftigt. Nach weiteren, unbedeutenderen Arbeiten entstand 1726 die Prämonstratenser-Abteikirche in Osterhofen, deren Ausstattung die Gebrüder Asam übernahmen; das Langhaus ist durch eingezogene Wandpfeiler gegliedert und die Jochfolge rhythmisch differenziert, die Raumrundungen sind bewegt modelliert. Danach führte Fischer wieder eine Reihe kleinerer Arbeiten aus, darunter 1727 bis 1729 die Propsteikirche in Rinchnach, bevor 1727 in München mit der Kirche St. Anna am Lehel erneut ein grösseres Werk entstand. In den folgenden Jahren war Fischer hauptsächlich mit Umbauarbeiten an verschiedenen Orten beschäftigt: 1731 erhielt er den Auftrag zum Bau der Stiftskirche Diessen am Ammersee, für die er schon 1729 ein erstes Gutachten geliefert hatte; die Kirche war bereits seit 1720 im Bau, genügte jedoch den gesteigerten Anforderungen des neuen Propstes nicht mehr. Bestimmende Elemente des Aufrisses sind die kannelierten Pilaster an den Wandpfeilern des Gemeindehauses und die glatten Wandsäulen im Chor. Die ganze Architektur ist von rhythmischer Bewegung durchzogen, die Fassade zeigt vornehme Monumentalität. Die Bruderschafts- und Hofkirche St. Michael in Berg am Laim bei München von 1735, an deren Fassadengestaltung vielleicht Cuvillies, Francois d.Ä. beratend mitwirkte, steht der Münchener Hofkunst sehr nahe: Kern des Gemeinderaums ist ein zum Achteck transformiertes Quadrat mit kurzen Querarmen. Im Grundriss besteht insgesamt ein Rahmenwerk von Kreis, Quadrat, Achteck und Kreuz, doch sind die Grundkonfigurationen, aber auch die Aufrisskonfigurationen ineinander verschmolzen. Nach vielen weiteren Werken (u.a. 1740-44 die Kirche von Fürstenzell bei Passau) folgte 1742 die mächtige Benediktiner-Abteikirche Zwiefalten, bei der die pathetische Fassade aus grauem Kalktuff einen monumentalen Akzent setzt; im Innenbau, der zum Teil Elemente des mittelalterlichen Zwiefaltener Münsters aufnimmt, sind alle Ecken abgeschrägt - die Ausstattung von höchstem Aufwand vervollständigt den prächtigen barocken Gesamteindruck. Aus der grossen Zahl weiterer Werke Fischers, vor allem Sakralbauten, aber auch das Schlossgebäude in Neuhaus a. Inn, ragen ausserdem die veränderte Weiterführung der Benediktiner-Abteikirche Ottobeuren (seit 1748, Weihe 1766) und die Benediktiner-Abteikirche in Rott a. Inn (1759, Weihe 1763) heraus. In Ottobeuren wird die Front der Kirche zur Fassade einer "Herrschaftsarchitektur" (N. Lieb), im Inneren schiebt sich das Querschiff wie eine zweite Kirche ein. In Rott a. Inn stellt sich eine gewisse Kühle ein, die den kommenden Frühklassizismus ankündigt.

Fischer, Karl von
(1782-1820). Geb. in Mannheim, zählt zu den bedeutendsten Künstlern des Münchener Klassizismus unter König Maximilian I. 1796-99 Lehre bei dem Münchener Hofarchitekten Verschaffelt, anschliessend bis 1806 an der Wiener Akademie tätig; 1806 bis 1809 Reisen nach Florenz und Rom zum Studium der Renaissancearchitektur; 1809 Professor an der Münchener Akademie und bis zu seinem Tod Baurat. Seine wichtigsten Bauten sind: das Prinz-Karl-Palais (1803 beg.), das Nationaltheater (1811-19. zerstört, 1823-25 von Klenze, Leo von wieder aufgebaut, im Zweiten Weltkrieg wieder zerstört und wieder aufgebaut), beide in München. Ab 1810 weitere umfangreiche Bauten in München: Paläste für Törring, Hompesch, Degenfeld-Pappenheim, Freiherr von Zentner; Pläne für Residenz, Marstall, Glyptothek.

Fitscheto, KoljoFitschew, Nikola

Fitschew, Nikola
(gen. Koljo Fitscheto). * 1800 in Drjanowo, + 15.11.1881 in Tirnowo. Bulgarischer Architekt. Bedeutendster Vertreter der sog. bulgarischen Renaissance. Seine Bauten spiegeln den nationalen Aufschwung Bulgariens vor der Befreiung von der türkischen Herrschaft wider. In Raumempfindung und Gestaltung kommen volkstümlich repräsentative Wohnbauarchitektur und die weiträumigen Formen barocker Einflüsse zum Tragen. Zu seinen Hauptwerken zählen die Kirchen in Swischtow (1865-1867), Tirnowo (1872-74) und Drjanowo, die Brücken bei Bjala (1865-67) und Lowetsch (1872-73, mit überdachter Ladenstrasse), der repräsentative Khan (Rasthof) des Kaufmanns Hadschi Mintschew in Tirnowo (1858-62) sowie der Amtssitz des türkischen Residenten in Tirnowo (1872-76).

Flattner, PeterFlötner, Peter

Fledner, PeterFlötner, Peter

Flitcroft, Henry
(1697-1769). In England Schützling Lord Burlingtons (Burlington, Richard Boyle), mit dessen Hilfe er veschiedenen öffentliche Ämter im Bauwesen erlangte; er wurde schliesslich Nachfolger Kents (Kent, William) im königlichen Bauamt. Flitcroft wurde "Burlington Harry" genannt, er war ein fähiger, aber ideenarmer Architekt und stand kaum über den "imitierenden Narren", wie Pope die kritiklosen Nacheiferer des klaren, edlen Regeln Burlingtons (Burlington, Richard Boyle )genannt hatte. Die riesige Westfass

Flora
(Chloris nach Ovid). Altitalische Frühlingsgöttin. Die Überlieferung der Sagengestalt geht auf die italische Urbevölkerung zurück. Die Floralia, die Festlichkeiten zu Ehren der Göttin Flora, wurden jährlich von Ende April bis in die ersten Maitage hinein begannen. Flora erscheint im Allgemeinen als schöne Frau mit einem Blumenkranz auf dem Haupt und mit Blumen im Schoss, die bisweilen zu einem kleinen Strauss gebunden sind.

Floris, Cornelis
(eigentlich de Vriendt, 1514/20-75). In erster Linie Bildhauer und Dekorateur, aber auch führender Architekt des Manierismus in den südlichen Niederlanden. Er besuchte Rom um 1538. Seine Hauptwerke sind das breit hingelagerte, feierliche Rathaus in Antwerpen (1561-66) mit seinen antikisierenden Details und der "Doksaal" in der Kathedrale von Tournai (1571-74). Sein Stil wurde durch die Stiche von Vries, Hans Vredemann de weit verbreitet (und verfälscht). Floris`s Bedeutung lag vor allem auf dem

Flötner, Peter
(auch Flattner, Fledner). * um 1493 im Thurgau, Schweiz, + 23.10.1546 in Nürnberg. Deutscher Ornamententwerfer, Holzschneider, Kleinplastiker, Kunsttischler und Architekt. Einer der führenden Renaissancemeister des Kunsthandwerks in Deutschland. Nach seiner Mitarbeit in der Werkstatt von Adolf Daucher in Augsburg ging er auf Wanderschaft, vermutlich in Italien, und kam 1522 nach Nürnberg. Um 1529 war er wahrscheinlich ein zweites Mal in Italien. Als Grafiker entwarf er neben bildlichen Darstellungen von Landsknechtsserien und Einzelblättern (Tod und Liebespaar) auch Illustrationen für Hans-Sachs-Texte und für Bücher (Hans Haug zum Freystein "Hunger Chronica", Wien 1534); des weiteren fertigte er Holzschnitte sowie kleine Steinreliefs für Bronzeplaketten und Bleiplaketten, ausserdem dekorative Vorlagen für Spielkarten und Architekturstiche (Vitruvius Teutsch, Nürnberg 1548). Flötners Begabung kam jedoch vor allem im phantasievollen Ornament zur Geltung, des er in Vorlagenstichen für Möbelschmuck, Intarsienschmuck, Vasenschmuck und Prunkgefässschmuck konzipierte und auch in Ornamentbüchern und Maureskenbüchern veröffentlichte, darunter dei "Grosse Maureske" (1546) und das 1549 von Rudolf Wyssenbach in Zürich gedruckte "Maureskenbüchlein". Damit war Flötner für die Durchsetzung der Renaissanceformen in Deutschland von nachhaltiger Bedeutung.

Fodige, Anton
Schlesischer Maurermeister. War an der Errichtung von Schloss Mondschütz beteiligt.

Fogolino, Marcello
* wahrscheinlich in S. Vito al Tagliamento, 1519-48 im Veneto und in den Marken nachweisbar. Italienischer Maler und Kupferstecher zwischen Renaissance und Manierismus. Seine Frühwerke, unter denen die "Anbetung der Könige" (Vicenza, Museo Civico d`Arte e Storia) als das bedeutendste hervoragt und die in Venedig und Vicenza entstanden, weisen den Einfluss des jungen Tizian und, wie die Fresken von S. Salvatore in Collalto zeigen, engen Anschluss an den Frühstil Pordenones auf. Ab 1527 stand Fogolino in den

Foltz, Ludwig
* 23.3.1809 in Bingen, + 10.11.1867 in München. Deutscher Bildhauer, erhielt seine Ausbildung ab 1825 in der Bauhütte des Strassburger Münsters und studierte ab 1830 Bildhauerei an der Münchener Akademie, ab 1832 im Atelier von Ludwig Schwanthaler. Seine Vorliebe für Formen der Gotik und Renaissance zeigt sich in seinen zahlreichen Schlossbauten, die er vor allem im Auftrag des bayerischen Adels errichtete. Für die Münchener Frauenkirche, an deren Wiederherstellung Foltz ab 1863 arbeitete, schuf er über 80 Steinfiguren und Holzfiguren sowie Altäre, Leuchter und andere Ausstattungsstücke. Daneben war er auch kunsthandwerklich tätig und entwarf u.a. Möbel, Hausrat, Schachfiguren.

Fomin, Iwan Alexandrowitsch
* 22.1. (3.2.) 1872 in Orel, + 12.6.1936 in St. Petersburg. Russisch-sowjetischer Architekt und Historiker, Vertreter des Klassizismus und Verfechter der proletarischen Klassik bzw. der sog. Roten Doktrin. 1919-28 war er Leiter des ersten staatlichen Architekturbüros und Planungsbüros in St. Petersburg und 1933-36 Leiter des Architekturateliers3 des Moskauer Sowjets. Zu seinen Hauptwerken zählen der Herrensitz Polowzew in St. Petersburg (1911-13), der Landsitz Gagarin bei Pskow (1912-13), der Gebäudekomplex der Gesellschaft Dynamo mit Wohnungen, Läden und Klub in Moskau (1926-30), die Zentrale des Moskauer Sowjets (1929-30), die Bibliothek des Polytechnischen Institus in Iwanowo-Wosnesensk (1928-31), das Haus des Ukrainischen Sowjets in Kiew (1934-38) sowie die Metrostationen Krasny Worota (1934-35) und Ploschad Swerdlowa (1936-38) in Moskau.

Fontaine, Pierre Francois Leonard
(1762-1853). Schüler der Pariser Ecole des Beaux-Arts, wurde Lieblingsarchitekt Napoleons I. und war gemeinsam mit Percier, Charles am Entstehen des Empire beteiligt. Studierte unter Peyre in Paris, dann 1786 bis 90 in Rom. 1791 verband er sich in Paris mit Percier, Charles und blieb mit ihm bis 1814 zusammen. Ihr dekorativer Stil zeigt sich gut in Schloss Malmaison, wo sie seit 1802 für Napoleon tätig waren; Josephines zeltförmiges Schlafgemach wurde 1812 vollendet. Sie erweiterten den Nordflügel des Louvre nach den Tuiliern hin und errichteten den klar gegliederten Arc du Carrousel (1806-07) zwischen Tuilerien und Grande Galerie. Zu ihrem gemeinsamen Werk gehörte die Rue de Rivoli (1801) und der Brunnen auf der Place Dauphine in Paris (1802), ferner viele Umbauten und Dekorationen an den königlichen Schlössern (Fontainebleau, Saint-Cloud, Compiegne, Versailles) und im Louvre, wo sie den Karyatiden-Saal umgestalteten. Ihr Einfluss war bald in ganz Europa spürbar, auch durch ihre Publikationen "Palais, maisons, etc. á Rome" (1798) und vor allem "Recueil de décorations intérierures" (1801). Zu den besten Arbeiten Fontaines gehören die Restaurierung des Palais Royal in Paris (einschliesslich der Galerie d`Orleans, 1814-31) und das Hotel-Dieu in Pontoise (1837-47).

Fontana, Carlo
(1638-1714). Wurde in der Nähe von Como geboren, liess sich um 1655 in Rom nieder, arbeitete zuerst unter Cortona, Pietra da und Rainaldi, dann unter Bernini, Gianlorenzo bei dem er 10 Jahre blieb. Sein voll ausgebildeter, aber abhängiger Stil zeigt sich am klarsten an der Fassade von S. Marcello al Corso in Rom (1682-83) und seinen vielen römischen Kirchenkapellen, wie der Capella Cibo in S. Maria del Popolo (1683-87) und der Taufkapelle in der Peterskirche (1692-98). Weniger geglückt sind die Jesuitenkirche und das Jesuitenkolleg in Loyola, Spanien. Fontana restaurierte unter grossen Umbauten SS. Apostoli in Rom (1702) und vollendete Berninis (Bernini, Gianlorenzo) Palazzo di Montecitorio in Rom (1694-97). Seine Profanbauten wie der Palazzo Spreti in Ravenna (1700) und das Ospizio di S. Michele in Rom (1700-03) finden nicht soviel Anklang. Durch Fleiss und Ausdauer wurde Fontana der unbestrittene Führer der römischen Architekten und war weitgehend für den antikisierenden und akademischen Stil, in den der Barock abglitt, verantwortlich. Fontana übte durch seine vielen Schüler in ganz Europa bedeutenden Einfluss aus: durch Fischer von Erlach, Johann Bernhard und Hildebrandt, Johann Lukas von in Österreich, durch Gibbs, James in England und durch Pöppelmann, Matthäus (Matthes) Daniel in Deutschland.

Fontana, Domenicio
(1543-1607). In der Nähe von Lugano geboren. Er ging um 1563 nach Rom und wurde Architekt von Xixtus V. (1585-90). Sein Hauptwerk ist der Lateranspalast in Rom (1586), in dem sich die Trockenheit und Monotonie seines Stils zeigen. Fontana half Giacomo della Porta beim Bau der von Michelangelo begonnenen Kuppel des Petersdomes. Grossen Ruhm erwarb er sich durch die Aufrichtung des Obelisken auf dem Petersplatz. 1592 liess er sich in Neapel nieder, wurde dort zum königlichen Hofingenieur ernannt, erhielt zahlreiche Aufträge und wurde mit dem Bau des Königlichen Palastes betraut (1600-02).

Fontana, Giovanni Battista
Geboren in Ala (zu Trient) um 1524, † Innsbruck 25. September 1587. Nach THIEME BECKER und anderen Quellen ist Giovanni Battista Fontana in Verona geboren. Es handelt sich aber offensichtlich um eine grobe Annährung, da seine Geburt in Ala (der Provinz Trient zugehörig, obwohl Verona die nächste Stadt ist) nachgewiesen ist. Von seiner Jugend und seinen Studien wissen wir nichts, und wenn er auch mit dem von Vasari, Giorgio erwähnten Battista da Verona nicht zu identifizieren ist, so ist es sicher, dass seiner Kunstrichtung die nahe Bekanntschaft Tizians und Paolo Veroneses zugrunde liegt. Der Einfluss Parmigianinos ist nach anderen Quellen auch zu bemerken (D'AMICO, 1980, S. 53). Von seinen urkundlich nachweisbaren Malerwerken sind die für Kaiser Ferdinand I. schon vor 1562 im Verein mit seinem Bruder Giulio in der Schlosskapelle zu Ebersdorf ausgeführten Arbeiten zu erwähnen. Gegen 1573 tritt Fontana in den Dienst des Tiroler Hofes, wo er Ende 1575 den Titel eines Hofmalers erlangt. Von 1573 datiert sind die 27 dem Erzherzog Ferdinand gewidmeten Blätter, welche die Romuluslegende (Serie delle Storie Romane) darstellen. Wie bei der Mehrheit seiner Stiche ist auch hier Giovanni Battista Fontana vermutlich nur Inventor, da oft der Name eines Giulio Fontana (höchstwahrscheinlich sein Bruder) als Stecher oft genannt wird. Im Auftrag des Tiroler Fürsten schmückt er 1573 das Oratorium und das Ballspielhaus in der Burg zu Innsbruck mit Fresken. Das Ballspielhaus muss beim Brand von 1636 beschädigt worden sein (ÖKT XLVII, S. 639). 1576 fertigt er ein Altargemälde für das Gotteshaus zu Seefeld und 1580 drei andere für die neue Schlosskapelle zu Günzburg. Um diese Zeit malt er noch das Porträt des Kardinals Andreas von Österreich, 14 kleine Deckenbilder mit Passionsszenen, für die an die Hofkirche in Innsbruck angebaute Silberne Kapelle und darf noch an den Arbeiten am Hofgarten in Innsbruck teilnehmen). 1583 - 84 führt er die einst den Plafond des Speisesaales des {Ambras>er Schlosses schmückende Tafel aus, die 1881 in dem ersten der neurestaurierten Waffensäle des Unterschlosses in Ambras als Decke angebracht wird. Zwischen 1579 und 1582 wird auch das 1636 abgebrannte Schloss Ruhelust renoviert und ausgestattet. Bei den Arbeiten erscheint Fontana als Hauptmeister der Malerei. Zu Fontanas letzten Arbeiten, welche ihm von der Tiroler Kammer bezahlt werden, gehört noch eine Altartafel von 1586 für die Kirche in Matrei. Von den 68 ihm zugeschriebenen Stichen gehen die meisten nur auf seine Erfindung zurück. 1601 erschien noch bei Johann Agricola in Innsbruck der Armamentarium Heroicum, der Bildkatalog der Waffensammlung Erzherzog Ferdinands, von dem zumindest ein Teil durch Fontana ausgeführt wird. Aber zu diesem Teil der 120 Rüstungen berühmter Männer im Ambraser Heldenbuche von Jacob Schrenckh von Notzing (Sekretär des Kaisers) liefert Fontana nur die Zeichnungen.

Fontana, Prospero
* 1512 in Bologna, + 1597 Bologna. Italienischer Maler. Vertreter des florentinisch-römischen Manierismus. Er arbeitete zunächst an den Fresken des Doria-Palazzo Genova und des Signoria-Palazzo Genova mit, bevor er als Mitarbeiter von Vasari, Giorgio nach Florenz und Rom ging. Besonders in seinen späteren Arbeiten (Fresken, Altarbildern und Porträts) zeigte sich Fontana als ausgesprochener Massenproduzent, dem es weniger auf die Qualität als vielmehr auf die Schnelligkeit der Ausführung ankam.

Fontebasso, Francesco
* 1709 in Venedig, + zwischen 3.7.1768 und 3.9.1769 in Venedig. Italienischer Maler und Grafiker. Schüler von Sebastiano Ricci, wurde in der Ausbildung seines Stils entscheidend durch eine Reise nach Rom und Bologna, vor allem jedoch durch Giovanni Battista Tiepolo beeinflusst, was in den Fresken der Chiesa dei Gesuiti in Venedig bereits klar erkennbar ist. 1736 führte Fontebasso die Kuppelfresken der Chiesa dell`Annunziata in Trient ("Himmelfahrt Mariä") sowie etwa gleichzeitig die sechs "Szenen aus dem Al

Fortuna
Glücksgöttin. Göttin des wandelbaren Schicksals.

Fosse, Louis Rémy de La
(eigentl. De oder Le Rouge). * um 1659, + 17.9.1726 in Darmstadt. Französischer Architekt des Barock. Über seine Herkunft und Ausbildung ist nichts bekannt. Nach einer Bestallung am preussischen Hof in Berlin war er 1706-14 Hofarchitekt des Kurfürsten Georg Ludwig in Hannover und 1715-26 Oberbaumeister des Landgrafen Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt. Während das Landständehaus in Hannover (1710-12, abgerissen) sich an der französischen Klassik orientierte, ist sein Hauptwerk das Schloss Darmstadt I (1716-30; nur zum Teil ausgeführt), eine Synthese aus italienischen Einflüssen (grosse Höhe der Flügel mit zwei Hauptgeschossen; wahrscheinlich vermittelt durch den Schweden Nikodemus Tessin d.J. und seinen am Stadtschloss Berlin I tätigen Eosander, Johann Friedrich Freiherr von) und französischen Elementen (Rhythmisierung der Baumassen durch Pavillons). La Fosse entwarf u.a. auch die Orangerie Darmstadt (ab 1719); seine Pläne für die Sommerresidenz Weissenstein bei Kassel (Wilhelmshöhe Kassel, 1709-19) und das Jagdschloss für den Landgrafen Karl (1721) blieben unausgeführt. Daneben war er am Bau der Schlösser Kleinheubach (Löwensteinisches Schloss, mit Dientzenhofer, Johann) und Schillingsfürst (ab 1724) beteiligt.

Fra Giocondo
(Giovanni da Verona; 1433-1515). In Verona geb. Architekt, Dominikaner. Sein architektonisches Werk ist nich nachweisbar; als sein Hauptwerk gilt die Loggia del Consiglio in Verona (1476-93) mit ihren eleganten Renaissance-Arkaden und den nach gotischer Art über die Säulen gesetzten Zwillingsfenstern im ersten Stock. 1495-1505 war er in Paris, 1511 veröffentlichte er die erste illustrierte Vitruv-Ausgabe. Zusammen mit Raffael wurde er 1514 zum Baumeister von St. Peter in Rom ernannt; von seinem Entwurf für den Petersdorm (1505-12) gelangte jedoch nichts zur Ausführung.

Fragonard, Jean-Honoré
* 5.4.1732 in Grasse, Provence, + 22.8.1806 in Paris. Französischer Maler des Rokoko, Schüler von Francois Boucher, entwarf in seinen Galanterien, erotischen Skizzen, Porträts, Familienszenen und Interieurs ein Sittenbild des gesellschaftlichen Lebens seiner Zeit. Er kam 1747 in das Atelier von Jean-Baptiste Siméon Chardin, wechselte aber 1748 zu Francois Boucher über, der ihn anfänglich wegen zu geringer Vorkenntnisse zurückgewiesen hatte. Er erlernte den Stil von Boucher so gut, dass man bei einigen Bildern nicht unterscheiden konnte, ob es sich um eine Arbeit des Lehrers oder des Schülers handelte. Fragonard blieb bis 1752 bei Boucher, der ihn in diesem Jahr zum Rom-Wettbewerb meldete, den er mit "Jerobam opferte den Göttern" (Paris, Ecole des Beaux-Arts) gewann. Fragonard trat darauf 1753 in die Ecole royale des élèves protégés ein, wo Carle van Loo, der Direktor der Schule, sein Lehrer war. Zu Fragonards Werken aus dieser Zeit gehören "Die Anbetung der Hirten" (New York, Wildenstein Gallery), "Psyche zeigt ihren Schwestern die Geschenke Amors" (um 1753, heute verloren) und "Die Badenden" (1756, Paris, Musée National du Louvre), von dem es auch noch eine spätere Version gibt. Fragonard beschäftigte sich in dieser Zeit sehr eingehend mit der flämischen Malerei, kopierte Peter Paul Rubens, Rembrandt, Frans Hals und Jacob van Ruisdael. 1756 wurde er in die Académie de France in Rom aufgenommen. Er interessierte sich hier vor allem für die Werke der Carracci, Pietro da Cortonas, Federico Baroccis, Caravaggios, Domenichinos und Guido Renis. Seine Gefährten während während seines Aufenhalts in der Medici-Villa Roma waren Jean-Baptiste Greuze, Hubert Robert und der Abbé Richard de Saint-Non, der Fragonards Mäzen wurde. Er reiste mit Unterstützung des Abbé de Saint-Non nach Neapel, um dort Werke von Jusepe de Ribera, Luca Giordano und Francesco Solimena zu studieren, und lernte 1761 auf der Heimreise in Venedig die Werke von Giovanni Battista Tiepolo, in Parma die von Correggio kennen. Aus seiner römischen Zeit stammt u.a. das Bild "Die Wäscherinnen" (zwischen 1756 und 1761, Amiens, Musée de Picardie). Nach seiner Rückkehr nach Paris malte er das Bild "Der Grosspriester Koresos opfert sich, um Kallirrhoe zu retten" (1765, Paris, Musée National du Louvre), das ihm die Tore der Akademie öffnete und das nach der Ausstellung im Salon vom König erworben wurde. Fragonard wurde eine Wohnung im Louvre zugewiesen; er erhielt den Auftrag, die Decke der Apollo-Galerie zu dekorieren, eine Arbeit, die er erst 1776 in Angriff nahm. Fragonard verfolgte den Weg der Historienmalerei nicht weiter und verzichtete, da er mit Aufträgen überhäuft war, auf eine Mitgliedschaft in der Akademie. Er nahm statt dessen am aktuellen Künstlerleben der Stadt teil und fand die Käufer seiner Bilder weniger am Hof als vielmehr unter Kunstliebhabern und Künstlern. Die häufigsten Themen dieser Zeit waren erotische Szenen, soe "Die Musikstunde" (zwischen 1760 und 1765, Paris, Musée National du Louvre), "Der ersehnte Augenblick" (zwischen 1765 und 1771, Paris, Sammlung Arthur Veil-Picard), "Wenn Vater und Mutter abwesend sind..." (1765, Leningrad, Eremitage), "La chemise enlevée" (zwischen 1767 und 1771, Paris, Musée National du Louvre), "Le feu aux poudres" (zwischen 1767 und 1771, Paris, Musée National du Louvre) und "Die Schaukel" (1767, London, Wallace Collection). Daneben malte Fragonard zum Teil illusionistische Landschaften und Porträts, so "Rinaldo in den Gärten Armidas" (1763) und "Rinaldo im Zauberwald" (um 1763, beide Paris, Sammlung Arthur Veil-Picard), "Garten der Villa d`Este" (um 1765, London, Wallace Collection), "Das Gewitter" (um 1763, Paris, Musée National du Louvre) und das "Bildnis eines Greises" (1764, Amiens, Musée de Picardie), das im Salon von 1767, wo man neue Historienbilder Fragonards erwartete, abgelehnt wurde. "Monsieur de la Bretèche" ("Die Musik", 1759, Paris, Musée National du Louvre) gehört ebenfalls in diese Zeit sowie mehrere Porträts der Tänzerin Guimard von der Pariser Oper. 1770 erhielt Fragonard seinen ersten grossen Auftrag von Madame Dubarry, der neuen Mäträsse des Königs, für das Schloss Louveciennes, 1771 einen weiteren Auftrag für den Salon von Louveciennes, wobei Fragonard die Stationen der Liebe in Schäferszenen darstellen sollte. Die bis 1773 entstandenen vier Tafeln "Die Verfolgung", "Die Liebesbriefe", "L`Escalade" und "Der gekrönte Liebhaber" (heute New York, Frick Collection) wies Madame Dubarry zurück und lies sie durch vier Bilder zum selben Thema von Joseph Marie Vien ersetzen. Fragonard behielt seine Serie in seinem Atelier und nahm sie 1790 nach Grasse mit, wo er ein fünftes Bild, "Verlassen" (New York, Frick Collection), anfügte. Der Grund für diese und weitere Zurückweisungen lag wahrscheinlich auch hier in der Profanisierung der Liebe und des Himmels, die in Fragonards Bildern zum Ausdruck kam: Das Erotische war der mythologischen Hülle entkleidet. Statt dessen wurde die Eigengesetzlichkeit des Kunstwerks bestimmend. Fragonards Werk entwickelte sich zu echter Natürlichkeit. Seit 1775 spielten in Fragonards Werk Szenen aus dem Familienleben eine wichtige Rolle, so "Die glücklichen Familien" (um 1785, New York, Wildenstein Gallery) und "Der kleine Pierrot" (um 1790, London, Wallace Collection). Ab etwa 1785 trat ein neuer Themenkreis hinzu, und es entstanden nun auch Bilder, die ihren Inhalt aus der Ideenwelt von Jean-Jacques Rousseau bezogen: Empfindsamkeit wurde in ihnen zum tragenden Element. Formal fallen sie vor allem durch ihren fast starren Klassizismus auf, obwohl sie das Auflösen in Farbe im Gegensatz zur klassizistischen Linienbetonung beibehielten, z.B. "Fontaine d`amour" (1785, London, Wallace Collection), "Der Liebesschwur" (um 1785, Orléans, Musée des Beaux-Arts) und "Das Rosenopfer" (um 1785, Buenos Aires, Museo Nacional de Arte Decorativo). Die erstaunliche Leichtigkeit seiner früheren Bilder ging in diesen späten Werken durch die Betonung des Monumentalen fast völlig verloren. Nach dem Ausbruch der Französischen Revolution ging Fragonard 1790 mit seiner Familie für ein jahr nach Grasse, kehrte aber 1791 wieder nach Paris zurück. 1793 wurde Fragonard Mitglied der Commission provisoire des Arts, in deren Verwaltung er tätig war. Seine künstlerische Produktion verminderte sich zusehends. 1806 musste er aufgrund eines kaiserlichen Erlasses seine Wohnung im Louvre aufgeben. Er siedelte in das Palais Royal über, wo er noch im Sommer desselben Jahres an einem Schlaganfall starb. Jean-Honoré Fragonard war ein virtuoser Kolorist und Dekorateur. Die Darstellung von Blättern, Wolken usw. erreichte er durch einen bewegten, zuweilen wilden Strich, der sein charakteristisches Stilmittel wurde. Die Farben erzeugen oft eine natürliche Atmospäre, oft haben sie aber auch einen gewissen künstlerischen Charakter, der vor allem durch Beimischung von Weiss zustande kommt. Neben der Vielszahl seiner Gemälde hinterliess Fragonard auch Zeichnungen, Radierungen und einige Kupferstiche. Zudem illustrierte er die "Contes" von Jean de La Fontaine; das erste Mal (in Kohle) für Bergeret, das zweite Mal (57 Sepia-Zeichnungen) für ein von Henri Bézaldis geschaffenes Manuskript und das dritte Mal (wieder in Kohle) für eine Neuausgabe während der Zeit des Direktoriums. Ausserdem zeichnete er Illustrationen für den "Orlando furioso" von Ludovico Ariosto, für "Das befreite Jerusalem" von Torquato Tasso, für "Don Quijote de la Mancha" von Miguel de Cervantes und für die gesammelten Werke von Jean-Baptiste-Joseph Willart de Grécourt, doch erschienen diese Illustrationen 1796 unter dem Namen seines Sohnes Alexandre-Evariste. Der bekannteste Kupferstich ist das Blatt "Armoire" (1778). Fragonard signierte dund datierte nur sehr wenige seiner Werke.

Franceschini, Marco Antonio
* 5.4.1648 in Bologna, + 24.12.1729 in Bologna. Italienischer Maler, entsprach in seinen Werken dem akademischen Geschmack des späten 17. Jh. Er war in seiner Frühzeit Mitarbeiter von C. Cignanis, z.B. bei dessen mythologischen Szenen im Giardino-Palazzo in Parma. Wichtigste Etappen in seiner selbständigen und überaus erfolgreichen Laufbahn waren die Gemälde für den Dom von Piacenza (1688/89), die Tätigkeit für den Fürsten Adam von Liechtenstein (1690-1700), dessen Gartenpalast in der Rossau in Wien er ausmalte (Liechtenstein-Gartenpalais), die malerische Ausstattung des Salone im Ducale-Palazzo Modena und des Carignano-Palazzo in Turin sowie die Kartons für die Mosaiken der Chorkapelle von St. Peter in Rom (1711/12). Von besonderer Bedeutung war Franceschinis Tätigkeit für Genua, wo er ab 1685 neben dem Ducale-Palazzo Genua, dem Spinola-Palazzo und dem Durazzo-Pallavicini-Palazzo eine grosse Zahl von Palästen und Kirchen ausstattete und wo sein Stil für die lokale Malerei des 18. Jh. grundlegend wurde.

Francesco di Giorgio Martini
(1439-1501/02). Führender Theoretiker der Frührenaissance (Renaissance). Francesco wurde in Siena als Sohn eines Geflügelhändlers geboren und als Bildhauer und Maler ausgebildet. Vor 1477 ging Francesco nach Urbino und trat als Medailleur und Kriegsingenieur in die Dienste des Herzogs Federigo da Montefletro. Sein von 1477 bis 82 geschriebener "Trattato dell`architettura civile e militare" (erst im 19. Jh. gedruckt) übte grossen Einfluss vor allem auf Leonarde da Vinci aus, der eine Abschrift benutzte u

Franciabigio, Francesco
(eigtl. Francesco di Cristofano). * 1482 oder 1483 in Florenz, + 24.1.1525 in Florenz. Italienischer Maler, vor allem Porträtist und profilierter Vertreter der Schule von Florenz. Er bereitete mit seinem von umbrischen Einflüssen und Leonardo da Vinci geprägten Werk den Florentiner Manierismus um die Mitte des 16. Jh. vor; er erhielt seine Ausbildung bei Mariotto Albertinelli, bei dem er bis etwa 1506 blieb, und bei Piero di Cosimo, bei dem der etwas jüngere Andrea del Sarto sein Mitschüler war. Mit diesem hatte er später eine gemeinsame Werkstatt und stand stark unter dessen Einfluss. Als frühestes urkundlich gesichertes Werk gilt die "Vermählung Mariä" von 1513 im Vorhof der Kirche SS. Annunziata in Florenz. Allerdings entstanden mehrere Franciabigio zugeschriebene Werke schon einige Jahre eher, so die "Madonna del Pozzo" (1505, Florenz, Galleria dell`Accademia), das Fresko der "Geburt Christi" (1510, Florenz, Villa Dami) und die "Verkündigung an Maria", die er 1511 für S. Pier Maggiore in Florenz malte (heute Turin, Galleria Sabauda). Ab 1514 arbeitete Franciabigio unter der Leitung von Andrea del Sartos an der Ausschmückung des Chiostro dello Scalzo in Florenz mit monochromen Fresken. Die "Taufe Christi" von 1514 ist sein eigenhändiges Werk, ebenso wie die 1518-19 entstandenen Fresken "Abschied des Johannes von Zacharias" und die "Begegnung des Johannes mit Christus". Da sich in dieser Zeit Andrea del Sarto am Hof von Franz I. in Frankreich aufhielt, war Franciabigio statt seiner Werkstattleiter in Florenz. Von 1514 stammt ausserdem eine Abendmahlsdarstellung im Convento della Calza in Florenz. Von 1514 stammt ausserdem eine Abendmahlsdarstellung im Convento della Calza in Florenz und wohl von 1515 die "Verleumdung des Apelles" (Florenz, Galleria Palatina, Palazzo Pitti). 1521 arbeitete Franciabigio gemeinsam mit Andrea del Sarto und Jacopo da Pontormo im Auftrag Papst Leos X. an der Dekoration der Medici-Villa Poggio A Caiano bei Florenz (Fresko "Der Triumph des Caesar"). 1522 bis 1524 schuf er den "Herkulestempel" im Davanzati-Palazzo in Florenz, 1523 den "Uriasbrief" (Dresden, Gemäldegalerie). Die bedeutendsten Werke Franciabigios sind seine Bildnisse, wie "Junger Mann mit Handschuhen" (1514, Florenz, Galleria degli Uffizi), "Malteserritter" (1514, London, National Gallery), "Bildnis eines Mannes" (um 1515, Rom, Galleria Nazionale d`Arte Antica, Palazzo Barberini) und "Junger Mann am Schreibpult" (1522, Berlin, Stiftung Staatliche Museen, Gemäldegalerie): Sie gehören zu den besten Bildnissen des 16. Jh. und besitzen vor allem durch das Helldunkel Lebendigkeit und Geist. Franciabigio versuchte zeichnerische Elemente mit Farbe und helldunkel zu einer atmosphärischen Einheit zu verschmelzen. Er verwendete Architekturen und perspektivische Ausblicke fast nur auf der Vordergrundbühne, während er den Hintergrund mit illusionistischen Szenerien gestaltete.

Francke, Paul
(1538-1615). Renaissance-Architekt Niedersachsens. Über seine Herkunft und Ausbildung weiss man nichts. Er reiste 1575 mit dem Festungsbaumeister Wilhelm de Raedt nach Antwerpen, um dort Befestigungsarbeiten durchzuführen. Seine Hauptwerke sind der Hörsaal und andere Bauten der ehemaligen Universität in Helmstedt (1592-1613) und die Marienkirche in Wolfenbüttel (1608-23).

Frantz, Karl Martin
(*1712 in Liegnitz, +6.11.1755 in Rydzyna). Architekt. War wahrscheinlich an der Errichtung der Schlösser Goschütz und Brauchitschdorf beteiligt. Sicher ist seine Arbeit an den Schlössern Kotzenau, Ober-Deichslau, Peterswaldau und Zedlitz.

Frantz, Martin
(*um 1679 in Reval/Tallinn, +6.11.1742 in Liegnitz). Architekt. War an der Errichtung von Schloss Schönwaldau und der Herrenhauses von Gut {Lomnitz Krs. Hirschberg I] beteiligt

Frantzky, Karl von
Festungsarchitekt. Baute die Festung Cosel Krs. Kandrzin-Cosel aus.

Franz, Johann Michael
* 1715 in Dirlewang bei Mindelheim, + 1793 in Eichstätt. Ab 1751 Hofmaler in Eichstätt. Hauptwerke: Deckengemälde des Treppenhauses und des Spiegelsaales der Residenz in Eichstätt II, beide signiert und datiert (1768); Entwürfe für die Ausmalung mehrerer Residenzräume.

Fréminet, Martin
* 24.9.1567 in Paris, + 18.6.1619 in Paris. Französischer Maler, Stecher und Zeichner, schuf in Auseinandersetzung mit den Manieristen und den Niederländern ein Werk, das durch kalte Farben und übertrieben gelängte Figuren gekennzeichnet ist; er reiste 1587 oder 1588 nach Italien, wo er fünfzehn Jahre lang blieb und sich vor allem mit dem Werk von Michelangelo vertraut machte, aber auch mit dem einiger Schüler und Nachfolger, wie z.B. Pellegrion Tibaldi, von dem er extreme Verkürzungseffekte und ein kompliziertes Spiel räumlicher Illusionen übernahm. Gleich zu Beginn erhielt er in rom wichtige Aufträge, wie z.B. eine Madonna für S. Luigi die Francesi. Nach einem Aufenthalt in Venedig liess sich Fréminet um 1599 in Turin nieder, wo er bis etwa 1602 blieb. Nach dem Tod von Toussaint Dubreuil wurde er von Heinrich IV. an den französischen Hof berufen und 1603 zum Peintre et valet de chambre ordinaire ernannt. 1608 erhielt er den Auftrag für die Ausmalung der Chapelle de la Trinité im Schloss von Fontainebleau, in dem er auch noch andere Dekorationen ausführte, die jedoch alle verloren sind. Von seinem Werk sind ausserhalb von Fontainebleau nur noch acht grosse Tafelbilder, "Vier Evangelisten" und "Vier Kirchenväter" (Orléans, Musée des Beaux-Arts), erhalten geblieben, aber auch noch eine Anzahl bemerkenswerter Zeichnungen, die kompositionell klassischer wirken als seine Gemälde, so eine "Verkündigung an Maria" (Paris, Musée National du Louvre, Cabinet des Dessins).

Fressancourt, Michel
(* um 1700 Paris † 5.5.1764 Stuttgart), Bildhauer. Fressancourt arbeitete ab 1734 an Boiserien für das Palais Thurn und Taxis Frankfurt. Carl Eugen, dessen Mutter eine geborene von Thurn und Taxis war, holte ihn 1749 nach Württemberg, wo er u. a. an der Oper im Stuttgarter Neues Lusthaus und an den Boiserien des dortigen Neuen Schlosses (Stuttgart II) und im neuen Appartement im zweiten Obergeschoss des Schlosses Ludwigsburg Krs. Ludwigsburg arbeitete. Nachdem seine rechte Hand von einem Krebsleiden befallen worden war, musste sein Gehilfe Ignaz Neu immer mehr Arbeiten für ihn übernehmen. Fressancourt starb schließlich völlig verarmt.

Freund, Hermann Ernst
* 15.10.1786 in Uthlede bei Bremen, + 30.6.1840 in Kopenhagen. Dänischer Bildhauer deutscher Herkunft, gestaltete vor allem Motive aus der nordischen Sage in klassizistischer Manier; er arbeitete nach einem Akademiestudium in Kopenhagen 1818-27 im Atelier von Bertel Thorvaldsen in Rom, wo er auch Entwürfe und Modelle zu Statuen nordischer Götter fertigte. Ab 1825 modellierte er für Schloss Christiansborg in Kopenhagen den Ragnarok-Fries mit Reliefdarstellungen aus der Edda (erst nach seinem Tod vollendet, 1884 durch den Schlossbrand zerstört; Rekonstruktionen durch seinen Neffen Georg Christian Freund). Daneben schuf er Grabmäler, Medaillen, Bildnisbüsten (z.B. des Architekten Christian Frederik Hansen, 1832, Kopenhagen, Kunstakademie) und auch klassizistische Möbelentwürfe.

Frisch, Johann Christoph
* 9.2.1738 in Berlin, + 28.2.1815 in Berlin. Deutscher Maler und Radierer, stand, stilistisch gesehen, vor allem in den Spätwerken unter dem Einfluss der englischen Malerei und des Klassizismus, kam nach einer Studienreise 1765-68 über die Provence nach Rom, wo er besonders die Werke Raffaels und der Antike studierte, und war dann vor allem in Diensten Friedrichs d.Gr. tätig. 1770 wurde er Mitglied der Berliner Akademie, 1805 ihr Direktor. Zu seinen bevorzugten Themen gehörten mythologische und allegorische Szenen, historische Gemälde, Motive aus den Dichtungen Gotthold Epharim Lessings und Christoph Martin Wielands; für das Neue Palais Potsdam IV (1768) schuf er eine Reihe von mythologischen Deckengemälden und Wandgemälden.

Frisoni, Donato Giuseppe
(* um 1681 in Laino, Val d`Intelvi, zwischen Como und Laino, † 29.11.1735 Ludwigsburg). Italienischer Architekt, der einer italienischen Künstlerfamile entstammt. Begann als Stuckateur und war in dieser Eigenschaft 1709 beim Bau des grossen Schlosses in Ludwigsburg Krs. Ludwigsburg tätig. Nach Aufenthalten in Passau und Wien sowie Arbeiten in Prag kam Frisoni 1709 als Stuckateur nach Ludwigsburg und führte hier zusammen mit Tommaso Soldati umfangreiche Stuckdekorationen aus. 1715 übernahm er als Nachfolger vonNette, Johann Friedrich die Bauleitung des Ludwigsburger Schlossbauwesens. In dieser Funktion zeichnete er für die Erweiterung und Vollendung der gesamten Schlosslange samt Gärten verantwortlich. Frisoni entwarf auch das elegante Lustschlösschen Favorite Ludwigsburg auf dem Hügelzug gegenüber dem Schloss (begon. 1718). Vielleicht ist seine grösste Leistung die Gestaltung des Stadtplans von Ludwigsburg, der durch die Eingliederung von Schloss und Schlossgarten in ein regelmässiges Strassensystem besticht. Innerhalb der Bauverwaltung stieg er vom Stuckateur zum Architekten und schließlich zum Hof- und Oberlandbaudirektor auf. Nach dem Tod Herzog Eberhard Ludwigs wurde Frisoni inhaftiert und wegen angeblicher Unterschlagungen angeklagt. Wenige Monate nach seinem Freispruch und seiner Freilassung starb Frisoni 1735 in Ludwigsburg.

Fromiller, Josef Ferdinand
Er wurde als Sohn des Malers Benedikt Fromiller 1693 in Klagenfurt geboren. Nach einer ersten Lehre bei seinem Vater schickten ihn die Grafen von Stampfer nach München, damit er an den von den Wittelsbachern zusammengetragenen berühmten italienischen und niederländischen Gemälden lerne. 1734 kam er nach Klagenfurt zurück und wurde ein in Kärnten vielbeschäftigter Meister eigenen Stils. In seiner Malweise vereinigten sich das in Bayern Gesehene mit persönlichen Ideen.

Fuchs, Joseph Balthasar
* 23.3.1828 in St. Goar als Sohn des Steuermanns Christian Fuchs. Er betrieb sein Architekturbüro im aufblühenden Boppard spätestens seit den 1870er Jahren. Über Fuchs´ Ausbildung ist nichts bekannt, ebenso wenig über seine Arbeit bis 1870. Seit dieser Zeit war er an verschiedenen Projekten in Boppard beteiligt. 1870 nahm er vertretungsweise die Stelle des Communal Kreisbaumeister Frank ein. 1875 wurde er in Zusammenhang mit dem Wiederaufbau von St. Martin in Boppard genannt, 1877 in Verbindung mit der Protestantischen Kirche in Bacharach. In diesem Jahr war er auch in das Restaurierungsvorhaben der Karmeliterkirche in Boppard involtiert, das nicht ausgeführt wurde, wie auch die von ihm vorgeschlagene Neuausstattung der Kirche von Dellhofen, deren Zeichnungen von 1875 oder 1876 in Kopie erhalten sind und eine elegante neogotische Formensprache zeigen. Es ist anzunehmen, dass er ein akzeptiertes Mitglied der Bopparder Gesellschaft war, da er beispielsweise als Mitglied des Kriegervereins die Dekoration des Festsaales zum Empfang des Kaisers zu dessen Geburtstag entwarf. Am 1.1.1877 starb er im Alter von 49 Jahren.

Fuetrer, Ulrich
* in Landshut, + zwischen 1496 und 1500 in München. Deutscher Dichter und Maler der Spätgotik, 1462-96 in München im Umfeld des herzoglichen Hofs nachweisbar. Er entwarf historische Bildprogramme für den Ahnensaal des Alter Hof München, die er zum Teil selbst ausführte, und war ferner für Kloster Tegernsee tätig. Er verfasste ausserdem das "Buch der Abenteuer", eine Sammlung von Rittergeschichten aus dem Artuskreis, und eine "Baierische Chronik".

Fuga, Fernando
(1699-1782). Italienischer Architekt. Seine Hauptwerke entstanden alle in Rom, darunter der Palalzzo della Consulta (1734), die Fassade von S. Maria maggiore (1741-43) und der Palazzo Corsini (1732), in dem sich Fugas verfeinerter spätbarocker Stil (Barock) von der elegantesten Seite zeigt. 1751 liess er sich in Neapel nieder und erhielt dort mehrere wichtige Aufträge (Albergo dei Poveri, Chiesa dei Gerolamini), doch war seine frühere Virtuosität zu einem langweiligen Klassizismus verblasst.

Furini, Francesco
* um 1600 in Florenz, + 1646 in Florenz. Italienischer Maler des Manierismus, Vertreter der Schule von Florenz; er ahmte die Werke seines Vorbilds Francesco Albani voll sinnlicher Eleganz nach und steigerte sie noch durch extreme Helldunkeleffekte, so z.B. in den Gemälden "Hylas und die Nymphen" (um 1630, Florenz, Galleria Palatina, Palazzo Pitti), "Der Tod des Adonis" (um 1625, Budapest, Magyar Szépmüvészeti Múzeum) und vor allem im Gemälde "Loth und seine Töchter" (um 1645, Madrid, Museo del Prado), in de

Furttenbach, Josef
((1591-1667). Deutscher Architekt und Architekturtheoretiker. Er lebte zehn Jahre als Kaufmann in Italien, wo er sich seine architektur-theoretischen Kenntnisse erwarb. 1621 liess er sich in Ulm nieder, wo er gegen 1631 das Amt des Stadtbaumeisters bekleidete. Von seinen Bauten in Ulm und Süddeutschland ist nichts erhalten. Sie waren auch weniger bedeutend als seine Schriften, durch welche er die theoretischen und praktischen Erkenntnisse der italienischen Architektur in Deutschland bekannt machte. Sein erstes Buch „Newes Itienarium Italiae“ entstand 1621; seine anderen Schriften, in denen nach und nach alle Zweige der Bautechnik behandelt wurden, folgten in kurzen Abständen: „Architectura civilis“ (1628), „Architectura navalis“ (1629), „Architectura materialis“ (1630), „Architectura universalis“ (1635).

Gabbiani, Antonio Domenico
* 13.2.1652 in Florenz, + 22.11.1726 in Florenz. Italienischer Maler, Kupferstecher und Radierer des späten Florentiner Barock, Schüler des "Cortonesen" Vincenzo Dandini in Florenz. Seine kühle, monotone Farbskala steht der klassischen Tradition Roms und vor allem Carlo Maratto näher als der seines Lehrers. Die nach seiner Rückkehr aus Rom in Florenz für die Villen und Paläste der Nobilität (u.a. Pitti-Palazzo, Medici-Riccardi-Palazzo) entstandenen Fresken zeigen einen bemerkenswerten Reichtum in der "i

Gabriel, Jacques IV
(auch Gabriel, Jacques Jules, von 1667-1742). Französischer Architekt. Ersetzte das alte Schloss in Compiegne auf Geheiss von Ludwig XV. Sein Sohn Gabriel, Jacques Ange führte den Bau weiter. 1735 errichtete er die Treppe im Herzogspalast von Dijon.

Gabriel, Jacques JulesGabriel, Jacques Jules

Gabriel, Jacques-Ange
(1698-1782). Der grösste franz. Architekt des 18. Jh. Sohn von Gabriel, Jacques. Eher konservativ als revolutionär, setzte er die Tradition des frz. Barocken Klassizismus von Mansart, Francois fort und führte sie zu höchster Vollendung, indem er das Rokoko sozusagen umging. Er glich in seinem sicheren, unaufdringlich geschmackvollen Stil, der sich am einnehmendsten in kleinen, intimen Bauten wie der Eremitage (oder Pavillon de Pompadour) in Fontainebleau (beg. 1749) und dem Petit Trianon im Park von Versailles (1762-68) darstellt, dem Maler Chardin. Gabriel wurde in Paris bei seinem Vater, Jacques Gabriel (1667-1742), ausgebildet, der ein erfolgreicher Architekt war, einige schöne Hotels in Paris baute – besonders erwähnenswert Hotel Peyrene de Moras und die Place Royale in Bordeaux (begon. 1728), ein Meisterwerk des Städtebaus des Rokoko – und 1735 Cotte, Robert de als Hofbaumeister und Direktor der Akademie folgte. Gabriel kam nie nach Italien; er arbeitete unter seinem Vater und mit ihm gemeinsam und wurde später sein Nachfolger als Hofbaumeister. In dieser Position war er ausschliesslich für Ludwig XV. und Madame de Pompadour tätig. Der grösste Teil seiner Zeit wurde durch Um- und Anbauten zu den kgl. Schlössern – Fontainebleau, Compiegne, Versailles – in Anspruch genommen; es fehlt ihnen der Ausdruck, obwohl die Oper und die projektierte Neueinrichtung des Marmorhofes in Versailles äusserst elegant sind. Seine grössten Aufträge ausserhalb von Versailles waren die Ecole Militaire (1751-88) und die Place de la Concorde in Paris (1755ff.). Die Fassaden der beiden grossen Paläste – Hotel Crillon und Marineministerium (1757-75) -, die seine Rue Royale flakieren, haben im 1. Stockwerk Loggien, wie sie Perrault, Claude für die grosse Ostfassade des Louvre verwendet hatte. Der Pavillon Francais in Versailles (1750), die kleinen Jagdhütten oder Pavillons de Butard und de la Muette (1753-54), ferner das Petit Chateau in Choisy (1754-56) lassen etwas von der kultivierten Intimität seines Hauptwerkes ahnen: das Petit Trianon. Es mag dem englischen Palladianismus verpflichtet sein, doch die Eleganz und Vornehmheit dieser vollkommen harmonischen, würfelförmigen Komposition ist absolut französisch in seiner unerrreichten Leichtigkeit, Heiterkeit und Vornehmheit.

Gabrieli, Gabriel de
* 1671 in Rovereto, + (begraben) 21.3.1747 in Eichstätt. Italienischer Architekt des Barock, trat 1694 nach Arbeiten am Bau des Liechtensteinsches Majoratshaus von Martinelli, Domenico in die Dienste der Markgrafen von Ansbach-Bayreuth. Ab 1709 markgräflicher Oberbaudirektor, baute er 1713 bis 1714 das 1710 durch Brand zerstörte Ansbacher Schloss unter Verwendung älterer Teil wieder auf (Ansbach I). Der Schlosshof mit seiner beeindruckenden, italienisch beeinflussten dreigeschossigen Pilasterordnung ist ebenso sein Werk wie die bewegte, mit Hermenpilastern gegliederte Südostfassade. Bedeutend wurde Gabrieli durch seine mehr als dreissig Jahre dauernde Tätigkeit als Oberbaudirektor des Bischofs Konrad von Eichstätt und seiner Nachfolger (ab. 1714 bis zu seinem Tod). Gemeinsam mit einigen italienischen Architekten und seinem Nachfolger Maurizio Pedetti ist er, der selbst vom Stil römischer und wiederum von diesen abhängiger österreichischer Baumeister beeinflusst war, der dominierende Gestalter des barocken Stadtbilds von Eichstätt. Er schuf 1714-18 die Westfassade des Willibaldchors am dortigen Dom, sechs Jahre später die Dom-Sakristei und 1735 die fürstbischöfliche Sommerresidenz Eichstätt II. Daneben werden ihm u.a. der Neubau des Langhauses von St. Peter (1714), die Nepomuk-Kapelle des Doms (1724) und die Frauenberg-Kapelle (1738) zugeschrieben. Ausserhalb der bischöflichen Residenzstadt entstand ab 1729 der barocke Umbau und Neubau des Schlosses Hirschberg Beilgries in der Oberpfalz. 1718-37 leitete Gabrieli den Neubau des Schlosses Baldern Bopfingen II (von ihm stammen die Entwürfe zur stuckverzierten Kapelle, zum grossen Saal und zur Galerie).

Gaertner, Johann Philipp Eduard
* 2.6.1801 in Berlin, + 22.2.1877 in Zechlin. Deutscher Lithograf, Architekturmaler und Landschaftsmaler. Kam nach einem ersten Malunterricht bei Friedrich Wilhelm Müller in Kassel als Malerlehrling 1814-21 an die Berliner Porzellanmanufaktur. 1825-27 arbeitete er in Paris, 1837-39 in St. Petersburg und vor allem in Moskau, wo er im Auftrag des Zaren verschiedene Stadtansichten malte. Seine Hauptwerke sind Ansichten von Berlin mit differenzierter Wiedergabe von Farbwerten und Lichtwerten, z.B. "Panorama v

Gaggini, Domenico
* um 1420, + 29.9.1492 in Palermo. Italienischer Bildhauer, bedeutendstes Mitglied einer aus Bissone am Luganer See stammenden Bildhauerfamilie, die vom 15. bis 19. Jh. hinein tätig war, Vater von Antonello Gaggini; von seiner Biografie ist relativ wenig bekannt. Er erscheint sofort mit einem Hauptwerk , der mit Reliefs und Figuren geschmückten Fassade der Cappella S. Giovanni Battista im Dom von Genua. Die Abhängigkeit von Filippo Brunelleschis Pazzi-Kapelle und von Donatellos Skulpturen belegt, das Gaggini seine Ausbildung in Florenz erhalten haben muss. In Neapel war er 1458 am grossartigen Triumphbogen des Castel Nuovo beschäftigt. Überzeugend lassen sich ihm hier allerdings nur wenige Figuren des Triumphfrieses zuweisen; die Portalrahmung mit den Sopraportenreliefs (1919 weitgehend zerstört) in der dortigen Sala dei Baroni stammt ziemlich sicher von ihm. 1460-71 war er mit Restaurierungsarbeiten an den Mosaiken der Cappella Palatina in Palermo beschäftigt. 1463-70 wurde Gaggini mit der skulpturalen Ausstattung der Familienkapelle der Speciale in S. Francesco d`Assisi in Palermo beauftragt, wobei 1469 die schöne Büste des Pietro Speciale (Palermo, Palazzo Speciale-Raffadali) entstand. 1470-84 war er für die Cappella S. Cristina im Dom von Palermo tätig. Gaggini, von dem noch eine Reihe ganz anderer (gesicherter oder zugeschriebener) Arbeiten bekannt ist, baute zusammen mit seinen Söhnen einen grossen Werkstattbetrieb auf, der vor allem Sizilien mit Madonnenstatuen, Taufbrunnen u.a. belieferte.

Gagini, DomenicoGaggini, Domenico

Galatea
(griech. Galateia). Tochter des Nereus und der Doria. Die Meergöttin liebt den Hirten Akis (Acis), eine Sohn des Pan (Faunus) und verschmäht die Liebe des Polyphem. Sie erscheint vielfach auf ihrem von Delphinen gezogenen Wagen auf dem Meer und in Begleitung ihres Gefolges aus Tritonen und Nereiden.

GalateiaGalatea

Galilei, Alessandro
* 25.7.1691 in Florenz, + 21.12.1736 in Rom. Italienischer Architekt. Hielt sich 1714-19 in England auf, wo aber keines seiner Projekte ausgeführt wurde. Von seiner Tätigkeit als grossherzoglicher Festungsbaumeister und Architekt in Florenz II 1719-31 ist weiter nichts bekannt. Bedeutung erlangte er erst nach der Übersiedlung nach Rom (1731), wo er 1732 die Cappella Corsini in S. Giovanni in Laterano und 1734 die Fassade von S. Giovanni de` Fiorentini errichtete. Sein Hauptwerk, die Fassade von S. Giovanni in Laterano (1733-36), ist eine klassizistische Interpretation der Fassade von St. Peter und eher von Wren, Sir Christopher als vom englischen Palladianismus inspiriert. Die stark aufgebrochene, fast aufgelöste Wand erhält ihren Reiz durch ein reichgewegtes Spiel aus Licht und Schatten.

Galli Bibiena, Alessandro
(geb. 1681, + vor 1769). Erbaute den rechten Flügel des Schlosses Mannheim I. Ausserdem arbeitete er am Schloss Schwetzingen 1748-49.

Galli Bibiena, Antonio
* 16.1.1700 in Parma, + 1774 in Mailand (?). Italienischer Dekorationsmaler und Architekt des Spätbarock, Bruder von Alessandro und Giuseppe, Sohn von Fernandino Galli Bibiena. Arbeitete nach seiner Ausbildung in Parma für seinen Vater in Bologna und Fano. Spätestens 1721 war er in Wien, wo er 1727 zweiter Theateringenieur wurde und, von Arbeiten z.B. in Ungarn abgesehen, bis 1740 blieb. Er wirkte an der Ausstattung verschiedener Stadtpalais, an der Erweiterung der St.-Peter-Kirche, an Festdekorationen und an den Trauerfeierlichkeiten für Karl VI. mit; ausserdem freskierte er die Scheinkuppel der Trinitarierkirche in Pressburg. 1740 kehrte er nach Italien zurück, wo er in Siena das abgebrannte Theater am Signoria-Palazzo Siena neu erbaute (1751-53) und selbst ausstattete. Seine Pläne waren Grundlage zur Erbauung des Teatro Scientifico im Accademia-Virginale-Palazzo in Mantua, des Teatro Comunale in Bologna und einiger anderer, nicht erhaltener Theater in Italien.

Galli Bibiena, Fernandino
* 18.8.1657 in Bologna, + 3.1.1743 in Bologna. Italienischer Maler, Architekt, Theaterdekorateur und Theoretiker des Spätbarock, Bruder von Francesco, Vater von Alessandro, Antonio und Giuseppe, sowie Sohn von Giovanni Maria Galli Bibiena. Seine erste selbständige Tätigkeit war in Parma und Piacenza; wo er Ausstattungen für eine Villa in Cororno und das Collegio Ducale in Parma schuf. Ab 1708 wirkte er als Dekorationsmaler in Barcelona und ab 1712 vorwiegend in Wien, bevor er wegen eines Augenleidens 1717 nach Bologna zurückkehrte. Fernandinos Hauptleistung liegt in seinen Bühnendekorationen (Bühnenmalerei), wobei er als erster von dem streng symmetrisch und zentralperspektivisch aufgebauten Bühnenbild abging und die "scena per angelo" erfand, die eine viel reichhaltigere und damit interessantere und vor allem sehr bildhafte Bühnenwirkung erzeugte. Als Theoretiker verfasste er um 1706 die für die Geschichte des Bühnenbilds sehr bedeutenden Schriften "Varie opere di prospettiva" und "L`architettura civile preparata sulla geometria, e ridotta alle prospettiva" (1711).

Galli Bibiena, Giuseppi
* 5.1.1696 in Parma, + 1756 in Berlin. Italienischer Bühnenbildner, Theaterarchitekt und Festdekorateur des Spätbarock, Bruder von Alessandro und Antonio, Vater von Carlo Ignazio und Sohn von Ferdinando Galli Bibiena, war das bedeutendste Mitglied seiner Familie und führte als Bühnenbildner die "Scean per angolo" weiter (z.B. in der Prager Krönungsoper "Costanza e fortezza" von Pietro Pariati und Johann Fux) und schuf bewegliche, polygonale Bühnenraumsysteme mit Einblicken in verschiedene Stockwerke, Kolonn

Gameren, Tylman van
(vor 1630-1706). Niederländischer Architekt, der hauptsächlich für die Einführung des Barock in Polen, wo er sich 1665 niedergelassen hatte, verantwortlich war. Seine drei als Zentralbauten gestalteten Kirchen in Warschau, die Sakramentskirche (1688-89). St. Kasimir (1688-89) und St. Bonifaz (1690-92), zeigen ihn als einen etwas einfallslosen Baumeister des barocken Klassizismus, bei denen sich holländische Architkturauffassungen bzw. italienische Architekturauffassungen hart begegnen bzw überschneiden. St. Anna in Krakau (1689-1705) ist lebendiger gestaltet, was vielleicht auf die Mitarbeit von Baldassare Fontana zurückzuführen ist. Van Gameren baute auch den Palast des Prinzen Sanguszko in Warschau (im 18. Jh. erweitert) wieder auf, entwarf die Burg Nieborow (1680-83) und vollendete das Krasinski-Palais in Warschau (1682-94).

Gandolfi, Gaetano
* 30.8.1734 in Matteo della Decima bei Bologna, + 30.6.1802 in Bologna. Italienischer Maler und Kupferstecher des Rokoko. Bedeutendstes Mitglied der Bologneser Stecherfamilie Gandolfi. Sein Stil wurde bei einem Aufenthalt in Venedig von Giovanni Battista Tiepolo beeinflusst. Das 1780-83 entstandene Deckenfresko mit dem "Raub der Proserpina" im Salon des Fioresi-Cazoni-Palazzo spiegelt den venezianischen Rokokostil wider.

Gansel, Engelhardt
Architekt aus Bunzlau (Schlesien). Errichtete die Palais Ulica Zgorzelecka 19, Ulica Komuny Paryskiej 6 und Ulica Komuny Paryskiej 14 in Bunzlau.

Ganymed
(griech. Ganymedes). Nach homerischer Überlieferung Sohn des trojanischen Königs Tros und der Kallirhoe. Mundschenk der Götter. Ganymed, ein Jüngling von grosser Schönheit, wird im Allgemeinen in der Szene wiedergegeben, in der Zeus (Jupiter) ihn in Gestalt eines Adlers entführt.

GanymedesGanymed

Garanjeau, Simem
(1647-1741). Französischer Architekt. Nach seinen Plänen wurde des Malounieres La Chipaudiere in der Nähe von Parame errichtet.

Gärtner, Friedrich von
(1792-1847). Deutscher Architekt, geb. als Sohn eines Architekten in Koblenz, studierte an der Münchener Akademie, anschliessend für kurze Zeit bei Weinbrenner, Friedrich in Karlsruhe und danach bei Percier, Charles und Fontaine, Pierre Francois Leonard in Paris. 1815-17 reiste er in Italien, 1819-20 Holland und England. Nach diesen Reisen erhielt er einen Lehrstuhl an der Akademie in München. Auf einer zweiten Reise nach Italien 1828 wurde er König Ludwig I. von Bayern vorgestellt; Gärtner wurde neben Klenze, Leo von, mit dem er wetteiferte, der Lieblingsarchitekt des Königs. Gärtner bevorzugte besonders den Rundbogenstil, der auf die italienische Romanik und auf das Quattrocento (Italien) zurückgeht; es heisst, das eigentlich Ludwig I. mehr als Gärtner selbst diesen nachklassizistischen Stil bevorzugte. In München baute Gärtner die Ludwigskirche (1829-40), die Staatsbibliothek (1831-40), die Universität (1835-40), alle drei in der Ludwigstrasse, und als südliche Begrenzung der Ludwigstrasse die Feldherrnhalle, eine Nachbildung der Loggia dei Lanzi in Florenz, ein Versuch im Stil toskanischer Gotik (1840-44). Der nördliche Abschluss der Ludwigstrasse ist das Siegestor (1843-50), eine Nachahmung des Konstantinbogens in Rom. 1835/36 hielt sich Gärtner in Athen auf, wo er das Schloss für den neuen König von Griechenland, Otto I., einen Sohn Ludwigs I. von Bayern, entwarf.

Gärtner, Johann Andreas
* 10.8.1744 in Dresden, + 15.11.1826 in München. Deutscher Architekt des französisch beeinflussten Frühklassizismus, Vater von Gärtner, Friedrich von, erhielt ab 1764 seine Ausbildung in wien, dann ab 1773 in Paris, Versailles und Lyon. von 1780 an hielt er sich Koblenz auf, wo er Pläne für das dortige Schloss Koblenz II erstellte, am Bau des Stadttheaters, am Festungsbauhof (siehe Koblenz III, 1787-88) sowie an verschiedenen Palais mitarbeitete. 1792-1804 war er fürstbischöflicher Baudirektor in Würzburg; hier entstanden der Chor der ehemaligen Jesuitenkirche St. Michael (1796-98) und die Ausstattung von Schloss Gaibach II. 1804 erfolgte seine Berufung als Hofbauintendant nach München, wo er mit Umbauten in der Residenz München I, dem Bau der "Münze" (1809) und eines Flügels der Akademie (1801-11) betraut wurde.

Gartner, Jörg
Nachweisbar zwischen 1505 und 1530 in Passau und Umgebung. Deutscher Steinbildhauer am Übergang von Spätgotik zu Frührenaissance, schuf eine ganze Reihe qualitätvoller Epitaphien und Rittergrabsteine, bei denen er häufig Marmorinkurstationen verwendete (offensichtlich eine Passauer Spezialität der Zeit), z.B. die Grabplatte Joerg Schenck von Neidecks in der Regensburger Dominikanerkirche (ca. 1515/18), die Grabplatte der Mautner zu Katzenberg an der Spitalkirche von Burghausen (ca. 1511/12), den Rittergrabstein von Joerg Pernpeck (heute Schloss Engelzell bei Engelhartszell) u.a.

Gasser, Hans
* 2.10.1817 in Eisentratten bei Gmünd, Kärnten, + 24.4.1868 in Budapest. Österreichischer Bildhauer und Maler. Studierte an den Akademien in Wien und München und war seit 1846 in Wien vorwiegend als Architekturplastiker tätig, so u.a. für das Carlstheater (1847), die Hofbibliothek und das Arsenal Wien (1855). Im Sinn des Historismus verarbeitete er je nach Bauaufgabe klassizistische, romanische und neogotische Stilelemente. Gasser schuf auch zahlreiche Denkmäler und Grabmäler, Bildnisse und Brunnen (Donauweibchenbrunnen, Wiener Stadtpark).

Gedeler, Elias
(auch Goedeler, (Johann) Elias). * 27.9.1620 auf Schloss Helfenburg bei Linz, + 30.7.1693 in Hildburghausen (Sachsen-Meiningen). Deutscher Historienmaler und Porträtmaler sowie Architekt; leitete ab 1662 die Nürnberger Akademie und wurde 1671 fürstlicher Hofbaumeister in Bayreuth. Dort vollendete Gedeler die von S.A. Schwendtner (+ 1671) begonnene Schlosskapelle von Bayreuth I (nur das gotisierende Äussere im Modell erhalten), die für den protestantischen Kirchenbau richtungsweisend war. 1684 wurde er nach Hildburghausen zur Errichtung eines Schlossbaues (Hildburghausen II) einschliesslich Kapelle berufen.

Gedeler, Gottfried von
* vor 1666, + nach 22.7.1718 in Magdeburg. Deutscher Architekt des Barock. 1703 wurde er fürstlicher Oberbaumeister und Oberingenieur in Bayreuth, wo er in erster Linie Bauten seines Vorgängers Antonio Porta zu Ende führte, wie zum Beispiel der Schlossbau in Erlangen II, dessen Fassade er im Stile des strengen barocken Klassizismus in Frankreich korrigierte. Originärer Entwurf ist dagegen die Orangerie Erlangen (1705-10) mit der Konkordienkirche. Gleichzeitig führte er den Bau der St. Georgener Ordenskirche aus (Turm spätere Anfügung), deren kreuzförmiger Grundriss in allen Kreuzarmen Emporen ausweist.

Geissler, Karl Gottfried
(*1754, +1823). Architekt. Errichtete die Schlösser Buchwald Krs. Hirschberg, Machnitz, den Maltzahn-Palais in Militsch sowie das Erzbischöfliche Palais Breslau III.

Genga, Girolamo
* um 1476 in Urbino, + 11.7.1551 in Urbino. Italienischer Maler, Bildhauer und Architekt der Renaissance, war von 1494 an Schüler von Signorelli, Luca, mit dem zusammen er 1497-98 in Monte Oliveto Maggiore bei Siena an den Fresken des Klosterkreuzgange (Szenen aus dem Leben des hl. Benedikt) beteiligt war. 1500 trat er in die Werkstatt von Perugino, Pietro ein, dem er 1502 wahrscheinlich nach Florenz folgte; "Das Martyrium des hl. Sebastian" (Florenz, Galleria degli Uffizi) stammt wohl aus dieser Zeit. 1504

GenrebildGenremalerei

Genremalerei
Bezeichung für die Darstellungen, die nach Inhalt und Form den Begriff des Genre erfüllen. Während für Jahrhunderte das Historienbild seine Vorrangstellung als höchste Bildgattung und eigentliche Aufgabe des Malers behauptete, bürgerte sich etwa um die Mitte des 18. Jh. für die "minderen" Gattungen die Bezeichnung Genremalerei ein, allerdings in einem viel weiteren als dem heutigen Sinn. Noch zu Denis Diderots Zeiten verstand man in Frankreich darunter das Bildnis, die Landschaft, das Seestück, das Stillebe

Gentileschi, Orazio
(eigentl. Orazio Gentileschi Lomi). * 1563 in Pisa, + 7.2.1639 in London. Italienischer Maler. Einer der bedeutendsten Caravaggio-Nachfolger, verband jedoch den Caravagismus in einer hervrorragenden Eigenleistung mit der toskanischen Tradition; erhielt seine Ausbildung bei seinem älteren Bruder (oder Halbbruder) Aurelio Lomi und seinem Onkel Bacci Lomi im Sinn des florentinischen Manierismus Angelo Bronzinos und Jacopo da Pontormos. Mit siebzehn Jahren kam er nach Rom, wo er bei der Freskierung der neuerbauten vatikanischen Bibliothek von Sixtus V. beschäftigt war. Unter Clemens VIII. tart er mit selbständigen Fresken hervor, wie dem "Apostel Thaddäus" im Querschiff der Basilika S. Giovanni in Laterano. Um 1600 entstanden die Fresken der Tribuna von S. Niccolò in Carcere. Als Altarbildmaler und Tafelbildmaler gehörte Gentileschi ab etwa 1600 zum engeren Umkreis von Caravaggio, dessen Frühwerke ihn besonders beeinflussten, was sich vor allem in seiner "Taufe Christi" (Rom S. Maria della Pace) und in der "Stigamtisation des hl. Franziskus" (Rom, S. Silvestro in Capite) zeigt. Toskanische Elemente in Komposition und Farbigkeit zeigen auch seine "Hl. Cäcilia" (um 1610, Rom, Galleria Nazionale d`Arte Antica) oder die "Verlobung der hl. Katharina" (Urbino, Galleria Nazionale delle Marche). 1621-23 war Gentileschi in Genua. Von hier ging er 1623 oder 1624 nach Paris und arbeitete dort für Maria de´ Medici. 1626 liess ihn der Herzog von Buckingham nach England kommen, wo er Hofmaler Karls I. wurde und bis zu seinem Tod blieb. Die monumentalen Aufträge für den König und den Herzog von Buckingham, u.a. dekorative Arbeiten im Schloss Greenwich, führte er auf Leinwand aus. Gentileschis Spätzeit war durch eine Reihe bedeutender Werke gekennzeichnet, wie die um 1626 entstandene "Lautenspielerin" (Washington, Nationla Galery of Art) oder "Joseph und das Weib des Potiphar" (Hampton Court, Palace), ehe seine Produktivität absank.

Gentz, Heinrich
* 5.2.1766 in Breslau, + 3.10.1811 in Berlin. Deutscher Architekt. Eine fünfjährige Reise durch Italien (1790-95) wurde der Ausgangspunkt für sein eng an der Antike orientiertes Werk, das ihn zum wichtigsten Vorläufer von Karl Friedrich Schinkel machte. Mit dem Bau der ehemaligen Neuen Münze auf dem Werderschen Markt in Berlin (1798 bis 1800) erregte er erstmals grössere Aufmerksamkeit. Es folgten mehrere Aufträge in Weimar, u.a. der Schlossbau Weimar I (1801-03), bei dem er eng mit Johann Wolfgang von Goethe zusammenarbeitete, und das Lauchstädter Theater (1802). Die wichtigsten Berliner Werke waren seine Entwürfe für das Denkmal Friedrichs des Grossen (1791, 1796 und 1806) sowie die Verschönerungspläne der Gegend zwischen Oper und Lustgarten (1805); zu diesem Projekt gehörte auch der nicht ausgeführte Neubau der Hundebrücke, der als ebenso phantasievolle wie pragmatische Zugbrückenarchitektur geplant war.

Geometrical Style
Stilphase der hochgotischen Baukunst in England, die nach der Vorliebe für geometrische Masswerkformen (Masswerk) benannt wurde. Der Geometrical Style tauchte erstmals um 1240 in Binham auf und erreichte in der Abteikirche von Westminster einen ersten Höhepunkt (Mitte 13. Jh.). Charakteristisch ist hier der über zwei Lanzettfenster gesetzte, einem Kreis einbeschriebene Fünfpass. Eine Weiterentwicklung dieses Masswerksystems ist in der Kathedrale von Lincoln im Angel Choir (1256-1280) zu finden. In der Kathedrale von Exeter (ab. 1275) zeigt sich diese Stilphase bereits in der Auflösung.

Gerhardt, Hubert
* um 1540/50 in ´s-Hertogenbosch, + 1620 in München. Bedeutender niederländischer Bildhauer am Übergang vom Manierismus zum Frühbarock, erhielt seine Ausbildung wohl in Florenz im Umkreis von Giovanni da Bologna; für 1580 oder 1581 ist er im Florentiner Archiv auch nachweisbar. 1581-83 stand Gerhard im Dienst der Fugger in Augsburg und Kichheim, wo er zusammen mit Carlo Pallago das Fuggerschloss Kirchheim mit Stuck und Figuren ausschmückte. 1584 ist Gerhard erstmals am Münchener Hof nachweisbar; seine frühesten Arbeiten entstanden hier für die Residenz München I, so eine ihm erst neuerdings zugeschriebene Variante des "Fliegenden Merkur" von G. da Bologna für den Grottenbrunnen und eine freie Nachschöpfung des "Perseus" von Benvenuto Cellini im Grottengarten. Der Brunnen für Herzog Ferdinand (spätestens seit 1586 in Arbeit; die Figuren wurden Anfang des 16. Jh. im Wittelsbacherbrunnen der Residenz wiederverwendet) war der erste öffentlich aufgestellte Brunnen Münchens; an seinem Rand lagerten nach italienischem Vorbild Flussgötter. Dieses Werk verhalt ihm vermutlich, den Auftrag der Stadt Augsburg zum monumentalen "Augustusbrunnen" zu erlangen (1589-94). Wie viele seiner Werke erinnert auch die "Tellus Bavaria" im Münchener Hofgarten an das Vorbild von G. da Bologna. An weiteren grossen lieferten Gerhard und sein Mitarbeiter Pallago ab ca. 1585 über 50 Terrakottastatuen von Engeln, Propheten und Aposteln und vor allem die berühmte Bronzefigur des "Erzengels Michael" (1588) für die Münchener Jesuitenkirche St. Michael, dazu in den neunziger Jahren eine Reihe von Bronzestatuen und Bronzereliefs für das Stiftergrabmal von Wilhelm V. (nicht konkretisiert; die fertigen Figuren, darunter wahrscheinlich die heutige Marienstatue vor dem Rathaus, wurden später in anderem Zusammenhang wiederverwendet). Nach 1597 trat Gerhard in die Dienste des Erzherzogs Maximilian in Innsbruck; seit 1613 wohnte er erneut in München.

Gerini, Niccolò di Pietro
* vor 1368 in Florenz, + 1415 (?) in Florenz. Italienischer Tafelmaler und Freskant, Vater von Lorenzo di Niccolò, vermutlich Schüler von Taddeo Gaddi, leitete in Florenz die zu seiner Zeit angesehenste Werkstatt; zu ihren Mitarbeitern zähltne Matteo di Pacino, Pietro di Miniato, Ambrogio Baldese, Jacopo Orcagna und sein Sohn, was eine sichere stilkritische Zuordnung erschwert. Eine der reifen Leistungen von Gerini ist das Triptychon mit der "Taufe Christi" von 1387 (London, Natinal Gallery); im giotteske

Gerlach, Philipp
* 24.7.1679 in Spandau, + 17.9.1748 in Berlin. Deutscher Baumeister des Barock. Als Hofbaumeister Friedrich Wihelms I. von Preussen und ab 1720 Hauptleiter der königlichen Bauten plante er die Stadterweiterung von Berlin-Friedrichstadt sowie die urbane Neustrukturierung des Pariser Platzes und der Wilhelmstrasse (1732-36). Sein Hauptwerk ist die Garnisonskirche in Potsdam (1730 bis 1735), deren einfacher, funktionsbetonter Grundriss und zurückhaltende Innenausstattung (1898 dem Barock nachempfunden erneuert) dem Geist der protestantischen Predigerkirchen entsprachen. Einzig der hohe Glockentrum mit stark durchbrochenem, kuppelförmigem Abschluss (eine Weiterentwicklung des eingestürzten Berliner Münzturmes von Andreas Schlüter) zeigte fürstliche Prachtentfaltung. Das Kammergericht (1733-35; 1965 wieder aufgebaut), das Marschall-Palais (1735-37) sowie die königliche Goldmanufaktur und Silbermanufaktur (1735-37) zählen zu seinen wichtigsten Bauten.

Geron, MatthiasGerung, Matthies

Gerthener, Madern
* um 1360, + 1430/31. Deutscher Architekt und Bildhauer der späteren Gotik, Mitglied einer Frankfurter Steinmetzfamilie, übernahm 1391 vermutlich die Werkstatt seines Vaters. 1395 wurde er festbesoldeter Steinmetz der Stadt Frankfurt a.M., 1409 Werkmeister des dortigen Bartholomäusstifts und 1430/31 Generalaufseher über die gesamte Stiftsbautätigkeit und Stadtbautätigkeit. Urkundlich bezeugt ist seine Beteiligung am Eschenheimer Turm (1400, 1427) (Frankfurt III), an der St.-Bartholomäus-Kirche in Frankfurt sowie am Westchor der St.-Katharinen-Kirche in Oppenheim (ca. 1410 bis 1434). Zugeschrieben werden ihmdie Memorienpforte am Mainzer Dom (um 1425) und eine Reihe dortiger Skulpturen, der Ruprechtsbau des Heidelberger Schlosses (Heidelberg Heidelberg III), die Sakristei am Speyrer Dom, der Chor von St. Leonhard in Frankfurt sowie die Südwand der dortigen Liebfrauenkirche. Der Westturm von St. Bartholomäus (1514 nach Gertheners Plänen vollendet) zeigt die Weiterverarbeitung des von den Parlern geprägten Formenguts und die Auseinandersetzung mit Freiburger, Strassburger ud Kölner Traditionen (die sich bei ihm stärker bemerkbar machten als die vielfach erwähnten höfischen burgundischen Quellen); kühn ar dabei der Gedanke, den Turm mit einer Kuppel zu bekrönen. Ebenso wie die Mainzer Memorieinpforte mit ihrem Baldachinmotiv aus Masswerkbögen und ihren eleganten Skulpturen - der "Hl. Martin" gilt als eine der schönsten mittelrheinischen Plastiken der Spätgotik - kann auch das Südportal der Frankfurter Liebfrauenkirche Gerthener nur zugeschrieben werden. Das Tympanonrelief mit der "Anbetung der Könige", umrahmt von Masswerkkreisen, ist ein Meisterwerk europäischen Ranges.

Gerthner, MadernGerthener, Madern

Gerung, Matthies
(auch Geron, Matthias oder Mathis). * um 1500 in Nördlingen, + zwischen 1568/70 in Lauingen. Deutscher Maler, Miniator und Zeichner für Holzschnitte und Wandteppiche der Renaissance, vielleicht Schüler von Hans Leonhard Schäuffelein. 1530-31 wurde er von Herzog Ottheinrich von Neuburg mit der Illumination einer Bibelhandschrift (Heidelberg, Kurpfälzisches Museum) beauftragt, seinem wohl wichtigsten Werk, das unter dem Einfluss der Kunst von Albrecht Dürer und Hans Burgkmair stand. Für den Herzog schuf er 1540 auch die Holzschnitte zur neuen evangelischen Kirchenordnung. Ausser an den verschollenen Kartons für die grossen Wandteppiche des Schlosses Neuburg a.d. Donau I arbeitete Gerung möglicherweise auch an dem Bilder-Zyklus des dortigen alten Rittersaals. Seine fragmentisch überlieferten Holzschnittserien lassen sich von 1536-58, seine signierten Bilder von 1540-43 datieren. Sein Monogramm führte häufig zu Verwechselungen mit M. Grünewald.

Gherardo della NotteHonthorst, Gerard van

Ghezzi, Pierleone
(Pier Leone). * 28.6.1674 in Rom, + 5.3.1755 in Rom. Italienischer Karikaturist, auch Maler, Kupferstecher und Zeichner des Rokoko. Die für verschiedene römische Kirchen entstandenen religiösen Bilder treten in ihrere Bedeutung gegenüber dem zeichnerischen und karikaturistischen Werk zurück. Die umfangreichste Sammlung seiner Zeichnungen, das Album "Il Mondo Nuovo", besitzt die Pinacoteca Vaticana in Rom. Berühmt sind sein 1727 vollendeten Fresken in der Falconieri-Villa in Frascati mit den legensgrossen

Ghirlandaio, Domenico
(eigentl. Domenico di Tommaso Bigordi). * 1449 in Florenz, + 11.1.1494 in Florenz. Bedeutendster Florentiner Maler der Frührenaissance, führte vor allem Freskenzyklen, aber auch religiöse Tafelbilder und Porträts für die patrizische Bürgerschicht und im päpstlichen Auftrag aus, malte in einem von starker Plastizität und betonten Konturen geprägten Stil und überdeckte durch seine oft genrehafte Betonung des figurenreichen bürgerlichen Lebens in Florenz den religiösen Gehalt seiner Werke; er war Schüler von Alessio Baldovinetti. Das wahrscheinlich früheste bekannte Werk Ghirlandaios, das Fresko "Die hll. Hieronymus, Barbara und Antonius" in S. Andrea in Cercina bei Florenz, zeigt ihn unter dem Einfluss von Domenico Veneziano und Andrea del Castagno. Am Fresko der "Geschichte der hl. Fina" (um 1475, S. Gimignana, Collegiata, Capella di S. Fina), einem frühen Meisterwerk, wird bereits seine besondere Neigung zum Erzählerischen und in dem ausgewogenen Verhältnis von Figuren und Architekturprospekten die Verwendung von Prototypen von Lorenzo Ghiberti fassbar. Kurz danach erwachte wahrscheinlich Ghirlandaios Interesse an der Kunst von Andrea del Verrocchios. Werke wie das Fresko der "Maria mit Kind und den hll. Sebastian und Julian" (Brozzi, S. Andrea) und mehr noch die "Thronende Maria mit den hll. Michael, Raphael, Justus und Zenobius" (Florenz, Galleria degli Uffizi) zeigen einen besonderen Zeichenstil und eine malerische Behandlung des Stofflichen. 1480 folgten das an Andrea del Castagno orientierte "Abendmahl" (Florenz, Ognissanti, Refektorium) und der in Konkurrenz mit dem "Hl. Augustinus" von Sandro Botticelli für ein Mitglied der Familie Vespucci gemalte "Hl. Hieronymus im Gehäus" (Florenz, Ognissanti) mit reicher stillebenhafter Schilderung des Interieurs. Ghirlandaio wurde 1481 nach Rom berufen, um an der Freskenausstattung der Cappella Sistina im Vatikan mitzuwirken. Hier entstand 1481-82 die monumentale, vor einem weiträumigen Landschaftsprojekt sich entfaltende "berufung der Apostel Petrus und Andreas", besonders hervorragend durch den gravitätischen Stil der Figurenbildung und die strenge Kompostition der Gruppen. Die in den Begleitfiguren erfolgte Porträtierung von Zeitgenossen wurde von da an ein konstanter Zug in Ghirlandaios Werken. Nach der Rückkehr aus Rom erhielt Ghirlandaio neben Sandro Botticelli den Auftrag, eine hohe Schmalwand der Sala dei Gigli im Vecchio-Palazzo Florenz mit Fresken auszustatten, den er mit Hilfe seiner damals schon sehr grossen Werkstatt ausführte. Gleichzeitig entstand ein Hauptwerk der malerischen Erzählkunst Ghirlandaios, der Freskenzyklus mit dem "Leben des h. Franziskus" (1485, Florenz, S. Trinità, Capella Sassetti). Auch an dieser Ausführung ist eine eigenhändige Tätigkeit Ghirlandaios nur in den unteren, dem Betrachter nahen Teil des Zyklus nachweisbar. Der episch-erzählerische Reichtum der Massenszenen mit vielen Porträts aus dem Kreis der herrschenden Familien und einer Reihe von Florentiner Stadtveduten liess Ghirlandaio geradezu zu einem malerischen Chronisten seiner Zeit werden und brachte ihm grossen Erfolg. Die für dieselbe Kapelle gemalte und 1485 datierte Altartafel mit der "Anbetung der Hirten", die von dem Stifterpaar flankiert wird, offenbarte sein neues Interesse am revolutionären Realismus der Niederländer. In der Schilderung der Hirten folgte er eng dem Portinari-Altar von Hugo van der Goes, der ihm wohl als bedeutendstes niederländisches Importstück aus eigener Anschauung bekannt war. Als umfangreichstes aller aus seiner Werkstatt hervorgegangnen Tafelbilder entstand 1486 das die "Krönung Mariä" darstellende Hochaltarbild des Doms von Narni (Narni, Municipio). Einen Höhepunkt der erzählerischen Tendenzen Ghirlandaios bezeichnen wohl die 1486 von Giovanni Tornabuoni in Auftrag gegebenen, umfangreichen Chorfresken von S. Maria Novella in Florenz, die er in der üblichen Arbeitsteilung mit seiner Werkstatt, in der damals auch der junge Michelangelo mitarbeitete, in der erstaunlich kurzen Zeit von vier Jahren schuf. Die beiden grossen ungegliederten Wandflächen der Chorkapelle, auf denen das "Leben Mariä" und das "Leben Johannes` d.T." geschildert werden, sind durch ein Gerüst antikischer Pilaster und verzierter Gesimse aufgeteilt, so dass je sieben grosse Bildfelder entstanden. Gleichfalls im Auftrag Giovanni Tornabuonis wurde der Altar für S. Maria Novella mit der Mitteltafel "Maria mit Kind und den hll. Dominikus, Michael, Johannes d.T. und Johannes d.E. (München, Alte Pinakothek) begonnen, der erst nach Ghirlandaios Tod vollendet wurde. Auchs seine Spätzeit war durch eine Reihe bedeutender Aufträge gekennzeichnet. Der wahrscheinlich für Giovanni Tornabuoni nach Ghirlandaios Entwurf von der Werkstatt angefertigte Tondo mit der "Anbetung der Könige" (Florenz, Galleria degli Uffizi) ist auf 1487, das figurenreiche, streng komponierte, eigenhändige Bild gleichen Gegestands (Florenz, Ospedale degli Innocenti) auf 1488 datiert. Unter den Porträts ragt das auf 1488 datierte, streng stilisierte Profilbildnis der jungen "Giovanna Tornabuoni" (Lugano, Sammlung Thyssen-Bornemisza) hervor, dem neben zwei frühen "Mädchenbildnissen" (London, National Gallery, und Paris, Sammlung Gulbenkian) der realistische "Greis mit seinem Enkel" (Paris, Musée National du Louvre) und das frontal komponierte "Bildnis des Francesco Sassetti mit seinem jüngsten Sohn" (New York, Sammlung Jules Bache) vorangegangen waren. Ghirlandaios letztes Werk war die 1491 für die Kapelle des Lorenzo Tornabuoni in S. Maria di Castello in Florenz gemalte "Heimsuchung Mariä" (Paris, Musée National du Louvre), an der nur die zentrale Figurengruppe der monumentalen Komposition von ihm selbst ausgeführt wurde. Zu den zahlreichen Mitarbeitern und Schüler Ghirlandaios gehörten neben seinen Brüdern u.a. Sebastiano Mainardi, Niccolò Cieco, Jacobo del Tedesco und Giuliano Bugiardini.

Ghirlandaio, Ridolfo
(eigentl. Ridolfo di Domenico Bigordi). * 4.1.1483 in Florenz. Italienischer Renaissancemaler, Sohn von Ghirlandaio, Domenico, näherte sich nach einer Schulung in der Tradition der Ghirlandaio-Werkstatt den jüngeren Vorbildern Raffael, Piero di Cosimo und Fra Bartolomeo, deren Stilmerkmale er in Werken wie "Maria mit den hll. Franziskus und Magdalena" (Florenz, Galleria dell`accademia) in eklektischer Weise verband. Sein Studium der Werke Michelangelos, vor allem des Kartons der "Schlacht von Cascina", wi

Giamberti, Antonio d.J.Sangallo, Antonio da

Giamberti, GiulianoSangallo, Giuliano da

GianettiMatteo di Giovannetto da Viterbo

Giannuzzi, GiulioRomano, Giulio

Gibbs, James
(1682-1754). Einflussreichster Kirchenbauer Londons im frühen 18. Jh. Im Gegensatz zu seinen überwiegend der liberalen Whig-Partei und dem Neopalladianismus (Palladianismus) anhängenden Zeitgenossen war er Schotte, Katholik, ein konservativer Tory mit Sympathien für den vertriebenen Stuartkönig, und er hatte den einzigartigen Vorteil, von einem führenden ital. Architekten, Fontana, Carlo, ausgebildet worden sein. Gibbs, James wurde in Aberdeen geboren, ging um 1703 nach Rom, um sich für das Priesteramt vorzubereiten, verliess aber nach einem Jahr das Scots College. Er blieb bis 1709 in Rom und hat anscheinend Malerei studiert, ehe er sich der Architektur zuwandte. Sein erstes Bauwerk, St. Mary-le-Strand in London (1714-17), zeigt eine Mischung von Wren, Sir Christopher und italienischem Manierismus mit Barockelementen (Barock). Überraschenderweise nahm sich danach Lord Burlington, Richard Boyle seiner an, jedoch nur, um ihn zugunsten von Campbell, Colen fallen zu lassen, der ihn als Architekt des Burlington House verdrängte. Gibbs, James hatte später keine Kontakte mehr zu den Londoner Vertretern des neopallaidianischen Stils und blieb Wren, Sir Christopher und seinen italienischen Meistern treu, obwohl er einige palladianische Details in seinen eklektischen Stil aufnahm. St. Martin-in-the-Fields in London (1722-26) ist sein Hauptwerk und wurde häufig nachgeahmt, besonders die Kombination von Tempelfassade und sich oberhalb des Firstes erhebendem spitzen Kirchturm. Die monumental gegliederten Längsseiten mit vorblendeten Kolossalsäulen und Pilastern haben Fenster mit einer für Gibbs charakteristischen Umrahmung. Seine besten noch erhaltenen Profanbauten stehen ausserhalb Londons: das Oktogon (1720); Sudbroke Prak, Petersham (ca. 1720); Ditchley House (1722-30) und King`s College Fellows´ Bildung in Cambridge (1724-49). Einige von ihnen zeigen seinen überschwänglichen ital. Barockstil in der Innendekoration in prunkhafter Vollendung. Sein letzter und originellster Bau, die Radcliffe Library in Oxford (1737-49), ist in England einzigartig, da er den Einfluss des italienischen Manierismus zeigt. Gibbs übte in England und Amerika mit seinem „Book of Architecture“ (1728) grossen Einfluss aus, eine der darin enthaltenen Tafeln regte vermutlich den Entwurf für das Weisse Haus in Washington an.

Gil de Hontañón, Rodrigo
* um 1500 in Rasines, Altkastilien, + 1577 in Segovia. Spanischer Architekt des Platereskenstils, war am Bau aller bedeutenden Kathedralen in Altkastilien und Neukastilien, Asturien und Galicien beteiligt; er beherrschte die traditionellen, gotischen Techniken in der Tradition von Juan de Colonia und setzte bei der Dekoration auch Renaissance-Elemente ein. Als Bauleiter der Neuen Kathedrale in Salamance errichtete er ab 1538 das Mittelschiff, das er mit einem Sterngewölbe bekrönte. In das Geflecht geradliniger Sternrippen ist jeweils ein kreuzförmiger Stern mit geschweiften Armen eingearbeitet. Mit derselben Aufgabe betraut, arbeitete er ab 1577 an der Kathedrale von Segovia; dem spätgotischen Bau nahm er die Steilheit, indem er in der zweigeschossigen Hochschiffwand zwischen Arkaden und Obergaden einen Laufgang mit Masswerkbrüstung einzog. Mit dem Monterrey-Palacio in Salamanca (1538) übertrug er den Platereskenstil auch auf den Profanbau; in den unteren Geschossen karg un abweisend, gliedern erst im obersten Geschoss und in den beiden Turmaufsätzen Säulen, Gebälk, Rundbogenfenster und Arkaden die Wand. Mit diesem Bau prägte Gil den Typus des plateresken Palastes. Bei der Fassade der Universität von Alcalá de Henares bei Madrid zeichnet sich der dreistöckige Mittelbau durch ein prächtiges Portal aus, das in einem Dreiecksgiebel abschliesst. Die reich dekorierten Prachtfenster zu beiden Seiten bilden einen typisch spanischen Kontrast zur gleichen Wandfläche.

Gilardi, Domenico di Giovanni
* 1788 bei Lugano, + 28.2.1845 bei Lugano. Russischer Architekt italienisch-schweizerischer Herkunft, Sohn des Architekten Giovanni Battista Gilardi, der auch schon in Moskau tätig war. Nach Studien an der Kunstakademie in Mailand arbeitete er 1810-32 in Russland, wo er in Moskau wesentlichen Anteil beim Wiederaufbau nach dem Brand von 1812 hatte und die Tradition des russischen Klassizismus - insbesondere Matwei Kasakows - weiterentwickelte. Zu seinen Hauptwerken in Moskau zählen der Wiederaufbau des Universitätsgebäudes (1817-19), in Zusammenarbeit mit A. Grigorjew das heutige Gebäude der Akademie der Medizinischen Wissenschaft (1823 bis 1826), das heutige Maxim-Gorki-Institut (1820), das heutige Haus der sowjetischen Armee (nach 1812), das ehemalige Ussatschow-Haus (1825-31, mit Grigoriew, heute ein Krankenhaus) und verschiedene komfortable Wohnhäuser wie das Haus Luninych (1818-23). Vor seiner Rückkehr nach Montagnola in der Schweiz begann Gilardi mit Grigoriew den Umbau des Landsitzes Kusminki. Seit 1830 war er Ehrenmitglied der Petersburger Akademie der Künste.

Gilbert, Sir Alfred
* 12.8.1854 in London, + 4.11.1934 in London. Englischer Bildhauer, lebte nach seiner Ausbildung in London und Paris 1878 bis 1884 in Rom, dann wieder in London, trat mit mythologischen Bronzefiguren hervor, die stilistisch an die Renaissancebildwerke Benvenuto Cellinis und Donatellos anschlossen. Typische Werke dieser Art sind "Bewaffneter Perseus" (1883, London, Victoria and Albert Museum) und die Figur des "eros" seines Shaftesbury-Brunnens in London (1893, Piccadilly Circus). Sein umfangreichstes Werk i

Gillet, Nicolas Francois
* 2.3.1709 in Metz, + 7.2.1791 in Paris. Französischer Bildhauer, gewann 1746 ein Stipendium der Pariser Akademie und ging bis 1752 nach Rom. Nachdem er sich mit einer Reihe von Bildnisbüsten und allegorischen Figuren einen Namen gemacht hatte, folgte Gillet 1758 dem Ruf an die St. Petersburger Akademie, der er 1774-77 auch als Direktor vorstand. Neben rein dekorativen Arbeiten für den Winterpalast St. Petersburg und andere Schlösser der Umgebung schuf er u.a. für die Akademie die Bronzebildnisse Katharinas II. und des Grossfürsten Paul Petrowitsch (1765).

Gilly, David
* 7.1.1748 in Schwedt a.d. Oder, + 5.5.1808 in Berlin. Deutscher Architekt des Frühklassizismus, Nachfahre einer 1689 eingewanderten Hugenottenfamilie, Vater von Friedrich Gilly. Er war seit 1771 Landbaumeister, seit 1779 Baudirektor von Pommern und dabei zunächst hauptsächlich mit Nutzbauten beschäftigt, so mit den Hafenanlagen von Swinemünde und Kolberb (1785), mit Speicherbauten in Danzig und Pillau und mit Wohnhäusern für Kolonistenniederlassungen. 1788 siedelte er nach Berlin über, wo er fünf Jahre später eine Bauschule, die Vorläuferin der späteren Bauakademie, gründete. Für Friedrich Wilhelm III. errichtete er 1787-1800 Schloss und Dorf Paretz. Ab 1798 folgten Schloss Freienwalde Bad Freienwalde I für Königin Luise und eine Reihe anderer Schlösser und Landsitze. Als Exempel des deutschen Frühklassizismus ragt das Viewegsches Verlagshaus in Braunschweig (1801-04) heraus. Bei den einfachen, kubischen Formen, die Gilly bevorzugte, kommen nur wenige aus der griechischen Antike entlehnte Gliederungselemente vor. Von seinen zahlreichen Schriften über Landbau und Wasserbau gilt das 1797 erschienene "Handbuch der Landbaukunst" als die wichtigste.

Gilly, Friedrich
* 16.2.1772 in Altdamm bei Stettin, + 7.8.1800 in Karlsbad. Deutscher Architekt des Klassizismus. Sohn von Gilly, David, studierte bei Carl Gotthard Langhans und Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff sowie an der Berliner Bauakademie bei Gottfried Schadow und Daniel Chodowiecki. In ihrer klassizistischen und romantischen Ausrichtung nur schwer unterscheidbar sind die Zeichnungen, die der junge "Klassizist" Gilly von den erhaltenen Beständen des Deutschordensschlosses Marienburg i. Ostpreussen anlegte und

Giocondo, Fra Giovanni da VeronaFra Giocondo

Giordano, Luca
* 18.10.1634 in Neapel, + 3.1.1705 in Neapel. Italienischer Barockmaler und Dekorateur. Er erhielt aufgrund seiner grossen Produktivität den Beinamen "Fa presto" ("Mach schnell"). In seiner frühesten Stilphase 1650-54 entstanden in Neapel Werke wie "Hl. Onofrius" (Neapel, S. Francesco di Paola), "Apollo und Marsyas" (Neapel, Museo Nazionale di S. Martino) oder die in mehreren Museen verwahrte Serie der "Philosophen", die durch dramatisches Helldunkel, dynamische Malweise und starke Farbgebung unter dem Einf

Giorgione
(eigentl. Giorgio oder Zorzi da Castellfranco, auch Giorgio Barbarelli). * 1477 oder 1478 in Castelfranco Veneto, + vor dem 25.10.1510 in Venedig. Italienischer Maler, bedeutender Vertreter der venezianischen Hochrenaissance, war vermutlich Schüler von Giovanni Bellini in Venedig und der Lehrer von Tizian. Aus den Jahren 1507 und 1508 sind die drei einzigen erhaltenen Dokumente seines Lebens überliefert, als er vom Rat der Zehn in Venedig Zahlungen für ein grosses verlorengegangenes Gemälde im Dogenpalast erhielt und mit den Fresken für den Fondaco Dei Tedeschi beauftragt wurde. Am 25.10.1510 wurde Giorgione in einem Brief von Isabelle d`Este als verstorben erwähnt, da sie ein Bild aus seinem Nachlass erwerben wollte. Der Künstler war, wenig über 30 Jahre alt, an der Pest gestorben. Für Giorgiones Oeuvre gibt es wenige sichere Anhaltspunkte. Durch fehlende Signaturen, zahlreiche Beteiligungen fremder Hände, Vollendungen vieler Werke durch seine Schüler und eine grosse Zahl zeitgenössischer Kopien ist die Identifikation noch erschwert: so bewegt sich die als sicher angesehene Werkzahl immer noch zwischen fünf und etwa fünfundvierzig. Die wohl frühesten erhaltenen Arbeiten sind ein "Urteil Salomos" und "Der Mosesknabe vor dem Pharao" (beide Florenz, Galleria degli Uffizi). Ebenfalls zum Frühwerk wahrscheinlich eine "Geburt Christi" (Washington, National Gallery of Art, Allendale Collection), "Judith" (St. Petersburg, Eremitage), "Lesende Madonna mit Kind" (Oxford, Ashmolean Museum) und eine "Sacra Conversazione" (Venedig, Gallerie dell`Accademia), die aber auch Sebastiano del Piombo zugeschrieben wird. Giorgiones erster Schaffensabschnitt stand so unter den verschiedenen Einflüssen von Giovanni Bellini, auf den er jedoch bald selbst zurückzuwirken begann, von Vittore Carpaccio, Leonardo da Vinci, der sich 1500 in Venedig aufhielt, der umbrisch-emilianischen Schule, von Andrea Mantegna, Antonello da Messina, der Malerei der Niederländer und auch von Albrecht Dürer. Doch Giorgione fand aus diesen Eindrücken bald zur Synthese seines eigenen Stils, z.B. in "Anbetung der Könige" (London, National Gallery). 1504 wurde Giorgione von Condottiere Tuzio Costanzi anlässlich des Todes seines Sohns Matteo der Auftrag für ein Altarbild mit der Darstellung einer "Thronenden Madonna mit den hll. Franzisckus und Liberale" für S. Liberale in Castelfranco Veneto erteilt. Giorgione schuf hier aus der Tradition der Figurgengruppe in der Vierung eines Kuppelgewölbes oder in einem Badachingehäuse mit Ausblick in die Landschaft einen neuen Typus der Sacra Conversazione. Er konzipierte diesen Bildtyp erstmals ganz von der Landschaft aus, wenn er auch die Baldachinform im Thron andeutungsweise mit übernahm. Ausserdem reduzierte er die Figurenzahl auf eine Dreiergruppe und kleidete die Madonna statt in das traditionelle blaue Kleid in ein grünes Gewand. 1506 entstand die sog. "Laura" (Wien, Kunsthistorisches Museum). Zu den sicher identifizierten Hauptwerken Girogiones gehören die "Ruhende Venus" (Dresden, Gemäldegalerie), "Das Gewitter" (Venedig, Gallerie dell`Accademia), "Die drei Philiosphen" (Wien, Kunsthistorisches Museum) und "Ländliches Konzert" (Paris, Musée National du Louvre). In dem Bild "Ruhende Venus", einem der Hauptwerke der Renaissance überhaupt, verband Giorgione den herkömmlichen Venustypus mit dem Motiv der schlafenden Quellnymphe. Da Tizian bei dem Bild das Tuch im Vordergrund und den Landschaftshintergrund zu Ende führte, wurde es ihm zeitweilig auch ganz zugeschrieben, doch weist die Bildaussage eindeutig auf Giorgione als eigentlichen Schöpfer. Eines der entscheidenden Momente ist dabei, dass die Natur nicht mehr nur szenisches Beiwerk, sondern allumfassender Bildgrund ist; ebenso bedeutend ist der teilweise psychologisierende Individualisierungsverscuh in der Venusgestalt. "Die drei Philosophen", die Marcantonio Michiel 1525 im Hause von Taddeo Cantarini in Venedig sah, hatte nach seinen Beschreibungen Sebastiano del Piombo vollendet. Ihre ikonographische Bedeutung ist besonders umstritten: In dem Werk wurde u.a. ein Motiv aus der "Erziehung" des Marc Aurel, auch aus der "Aeneis" von Vergil, eine neue Ikonografie der Hll. Drei Könige, die den Stern von Bethlehem wahrnehmen, oder eine Darstellung der Lebensalter gesehen. Die vielleicht wahrscheinlichste Deutung geht davon aus, dass es sich um die Darstellung verschiedener menschlicher Verhaltensweisen und Philosophien aus unterschiedlichsten Kulturkreisen, wohl der Antike, dem Mittelalter und der Renaissance, handle. Auch "Das Gewitter" (auch La Tempesta" oder "Giorgiones Familie", Venedig, Gallerie dell`Accademia) wurde vielen verschiedenen Deutungsversuchen unterzogen. Die beiden Bilder "Ländliches Konzert" und "Konzert", die das musikalische Element mit der Stimmung der Natur vereinen, waren in ihrer Zuschreibung oft umstritten; das zuerst genannte gehört mit grosser Sicherheit dem OEuvre Giorgiones an, das zweite dem von Tizian. Giorgiones gehören u.a. ein "Männliches Bildnis" (Braunschweig, Herzog-Anton-Ulrich-Museum), das als Selbstdarstellung des Künstlers als David gilt und ihn so als Dichter, Musiker und Helden zugleich begreift, "Jüngling mit Pfeil" (Wien, Kunsthistorisches Museum), "Schäfer mit Flöte" (Hampton Court, Palace), "Leda mit dem Schwan" (Padua, Museo Civico), "Die alte Vettel", "Die Zeit" (Venedig, Gallerie dell`Accademia), "Der Alte mit der Wasseruhr" (Washington, Phillips Collection) und "Christus und der Schächer" (Venedig, S. Rocco), das wohl zu den spätesten Werken Giorgiones gehört. Von den Fresken Giorgiones im Fondaco dei Tedeschi ist nur noch ein sehr stark zerstörtes Fragment eines weiblichen Akts (Venedig, Gallerie dell`Accademia) erhalten. Als Frühwerk wird Giorgione auch ein figuraler Freskenzyklus in der Albertoni-Pellizzari-Casa in Castelfranco zugeschrieben, der starke Einflüsse von Mantegna vor allem in der Stilisierung der Einzelfigur aufweist. Dokumentarisch sind zudem noch andere Fresken erwähnt. Unter den Zeichnungen Girogiones gab es bisher kaum ein wirklich gesichertes Werk, zumal er während des Werkprozesses wahrscheinlich auf Vorzeichnungen zurückgriff. Giorgiones Kunst ist schwer fassbar. Die persönlich bestimmte Aussage überwiegt in seinem Werk weitgehend herkömmliche Ikonografien; zu seinen geistigen Leitbildern zählten dabei möglicherweise Florentiner Humanisten und Neuplatoniker am Hof der Medici, wie Pico della Mirandola und Marsilio Ficino, deren Werke auch in Venedig gut bekannt waren. Giorgione verwendete meist sehr warme Farben in tonigen Bindungen und mit fein abgestuften Übergängen. Die zeichnerische Linie trat ganz in den Hintergrund, so dass die Dinge materiell sehr wenig voneinander und von ihrer Umwelt isoliert sind. Ein wesentliches Gestaltungselement ist auch die Darstellung des Lichts, das eine poetrisch-lyrische, verbindende Funktion übernimmt. Giorgione erreichte vor allem auch damit die Wiedergabe einer neuen Weltanschauung, die von der der Frührenaissance sehr wesentlich unterschieden ist; der Mensch scheint in einen Einklang mit der Natur gerade zurückgekehrt. Seine Kunst bestimmte in der Erneuerung der Ausdrucksmittel entscheidend die führende Stellung der venezianischen Malerei der Zeit, die bis 1520 im wesentlichen von ihm ausging. Grössten Einfluss übte er dabei auf so bedeutende Maler wie Tizian, Sebastiano del Piombo und Palma il Vecchio aus.

Giotto di Bondone
* 1266 (?) wahrscheinlich in Colle di Vespignano bei Florenz, + 8.1.1337 in Florenz. Italienischer Maler und Architekt, mit dessen Werk der Beginn der lateinisch-italienischen gegenüber der griechisch-byzantinischen Malerei datiert wird. Sein künstlerischer Abstand zu Cimabue, dem bedeutendsten Maler der Generation vor Giotto und seinm Lehrer, lässt ein Vergleich ihrer Kruzifixe und Maestà-Darstellungen erkennen: Gegenüber Cimabues Christus ("Kruzifixus", Florenz, S. Croce) von überwirklicher Schlankheit in

Giovanni da San Giovanni
(eigentl. Giovanni Mannozzi). * 20.3.1592 in S. Giovanni Valderno, + 6.12.1636 in Florenz. Italienischer Barockmaler, stattete als Hofmaler der Grossherzöge von Toskana, Cosimo II. und Ferdinand II., vor allem das Erdgeschoss des Florentiner Pitti-Palazzo, den Salon degli Argenti, mit Fresken aus. Seine durch die Carracci beeinflussten Kompositionen wirkten ihrerseits auf Pietro da Cortona, der sein Nachfolger bei der Ausstattung des Pitti-Palazzo wurde. 1630 führt Giovanni in Rom die Fresken in der Apsis von SS. Quattro Coronati mit "Szenen aus dem Leben der Märtyrer Severus, Severinus, Carpophorus und Victorianus", die unter Diokletian hingerichtet worden waren, aus und freskierte auch zahlreiche römische und toskanische Villen, wie etwa die Pozzino-Villa bei Florenz. Unter seinen Staffeleibildern ragt die "Bestrafung Amors durch Venus" (Florenz, Galleria Palatina, Palazzo Pitti) hervor.

Giovanni da Udine
(eigentl. Giovanni di Francesco Ricamador). * 27.10.1487 in Udine, + 1564 in Rom. Italienischer Maler, Stuckateur und Baumeister. Nahm als Schüler von Giorgione ab 1501 an den Ausstattungsarbeiten im Dom von Udine teil. Wenig später wurde er von Raffael nach Rom berufen, wo er zu dessen Hauptmitarbeiter avancierte. Von ihm stammen die meisten Grotesken, die die Stanzen und Loggien des Vatikan (Vatikanpalast) schmücken und deren phantastische Themen auf Zeichnungen Raffaels nach antiken Vorlagen zurückgehen. nach Raffaels Tod arbeitete Giovanni zusammen mit Pierino del Vaga weiter für Papst Clemens VII. Vor allem aber trug er durch die Fortführung der Ausstattung der Madama-Villa (zusammen mit Romano, Giulio) und der Sala di Psiche in der Farnesina-Villa zur Verbreitung des Stils der Raffael-Werkstatt und zur Durchsetzung des Manierismus bei.

Giovanni da VeronaFra Giocondo

GiovanttiMatteo di Giovannetto da Viterbo

Girardon, Francois
* 17.3.1628 in Troyes, + 1.9.1715 in Paris. Französischer Bildhauer, Vertreter der Hofkunst von Ludwig XIV., unternahm nach anfänglichen Studien in Troyes 1648 bis 1650 eine Reise nach Rom, wo er Giovanni Lorenzo Bernini kennenlernte, bildete sich dann in Paris weiter und war seit 1657 Mitglied der Académie Royale de Peinture et de Sculpture. In der Folgezeit wurde er einer der wichtigsten an der Ausstattung der königlichen Schlösser und Gärten beteiligten Künstler - neben Louis Levau, Claude Perrault und Charles Le Brun, nach deren Entwürfen er mehrfach arbeitete. Zu seinem Werk zählen Arbeiten für die Galerie d`Apollon im Louvre-Palais (1663), Stukkaturen in den Tuilerien (1666/67), Restaurierungsarbeiten und Brunnen. Bedeutendes Beispiel der an der Antike orientierten Klassik der Pariser Akademie ist das Apollobad (1666-76, Marmor, Versailles, Schlosspark); der vom antiken Apoll von Belvedere inspirierte Gott als Allegorie des Sonnenkönigs zu verstehen. 1694 schuf Girardon das Grabmal Kardinal Richelieus (Marmor, Paris, Eglise de la Sorbonne), dessen Komposition von Nicolas Poussin beeinflusst ist, während der "Raub der Proserpina" (vollendet 1699, Marmor, Versailles, Schlosspark) trotz der Reduzierung auf eine fast in einer Ebene liegende Hauptansicht von der von Giovanni da Bologna insprierten "Raub der Sabinerinnen" scheint. Das Hauptwerk Girardons ist das 1692 in einem Stück gegossene, 1699 enthüllte und 1792 zerstörte Reiterstandbild von Ludwig XIV. (Bronze, Replik in Paris, Musée National du Louvre), das am antiken Standbild Marc Aurels auf dem Kapitolsplatz in Rom orientiert war.

Gireoud, Friedrich
Gartenarchitekt in Schlesien. War beteiligt am Park von Schloss Sagan I.

Girodet de Roucy Trioson, Anne-Louis
(1767-1824). Möglicherweise für die Tafeln in Compiegne-Chateau II zuständig.

Girodet-Trioson, Anne-LouisGirodet de Roucy Trioson, Anne-Louis

Girolamo da Capri
(eigentl. Sellari oder de Livizzani; 1501-56). Architekt und Maler aus Ferrara. Zunächst Schüler seines Vaters Tommaso, später von Benvenuto Tisi, beeinflusst auch von Dosso Dossi. Studierte vermutlich in Rom antike Bauwerke und traf dort mit Bramante, Donato und Peruzzi, Baldassare zusammen. Seine Baufaufträge erhielt Girolami da Carpi wieder in Ferrara: 1537 entstand der streng klassizistische Palazzo Crispi, 1540 im Auftrag des Herzogs d`Este sein Hauptwerk der Palazzo Belvedere, der jeoch bereits 1599 wieder abgetragen wurde. Ab 1554 ist Girolamo da Capri mit der Restaurierung des Kastells in Ferrara betraut. Laut Vasari, Giorgio soll Girolamo da Capri noch eine Anzahl Pläne und Entwürfe für Privathäuser in Ferrara und Umgebung geschaffen haben.

Girolamo da Treviso d.J.
(eigentl. Girolamo Pennacchi d.J.), * 1497 in Treviso, + 1544 bei der Belagerung von Boulogne, Frankreich. Italienischer Maler, Bildhauer und Architekt der Renaissance, ging 1542 nach England, wo er vor allem als Militäringenieur am Hof von Heinrich VIII. tätig war. In seinem malerischen OEuvre stand er unter dem Einfluss von Dossi, Dosso und Pordenone und erinnert stilistisch auch an die Schule der Emilia, z.B. in "Madonna mit Kind und Heiligen" (London, National Gallery) und dem monochromen Enkaustik-Bild

Giuliani, Giovanni
* Ende 1663 in Venedig, + 5.9.1744 in Heiligenkreuz bie Wien. Italienischer Bildhauer des Barock, ausgebildet wahrscheinlich zunächst bei Giuseppe Mazza in Venedig und Bologna, zwischen 1680 und 1690 bei Andreas Faistenberger in München beschäftigt. Anschliessend liess er sich als Bildhauer in Wien nieder und begann 1694 seine vielfältige Arbeit für das Zisterzienserstift Heiligenkreuz, das ab 1711 auch sein ständiger Wohnsitz war. 1694-96 entstanden die Skulpturen des Hochaltars und der beiden seitlichen Choraltäre der Stiftskirche, 1707-09 das Chorgestühl mit Reliefszenen aus dem Leben Christi und Brustbildern von Ordensheiligen, 1739 der Josephsbrunnen und um 1737-39 die Dreifaltigkeitssäule (beide im Stiftshof). Die bemerkenswerte Sammlung seiner Tonbozzetti (Bozzetto) im Heiligenkreuzer Stiftsmuseum dokumentiert die Entstehungsgeschichte seiner Skulpturen. Seine zweite wichtige Werkgruppe sind die arbeiten in Wien, z.B. Figuren für Fassade und Treppenhaus des Liechtenstein-Gartenpalais (1697-1705) und das Treppenhaus des Daun-Kinsky-Palais (1712-13). Charakteristisch für Giulianis äusserst dekorative Kunst ist das Verschmelzen alpenländischer und (in der weichen Modellierung und der Betonung des psychischen Elements) oberitalienischer Einflüsse. Unter seinen Schülern war auch Georg Raphael Donner.

Giuliano da Maiano
* 1432 in Maiano bei Florenz, + 1490 in Neapel. Italienischer Architekt der Frührenaissance, Bruder von Benedetto da Maiano, verbreitete die stilistischen Errungenschaften der Florentiner Bauter von Filippo Brunelleschi und Michelozzo di Bartolommeo in der Toskana, in ganz Mittelitalien und in Neapel. Giuliano begann zunächst als Holzschnitzer und führte seit der Jahrhundertmitte eine Werkstatt für Schnitzerei, Intarsien und Mobiliar in Florenz. Er fertigte das Chorgestühl für den Dom von Pisa und die Schränke der Neuen Sakristei des Doms von Florenz (1463-65). Seit 1466 arbeitete er vorwiegend als Baumeister, 1477-90 war der Dombaumeister von Florenz. Sein frühestes architektonisches Werk ist die Cappella di S. Fina in der Collegiata in S. Gimigniano (1468), die er mit seinem Bruder Benedetto ausführte. Der Piccolomini-Palazzo Siena und der Spanocchi-Palazzo (Siena, seit 1473) zeigen bereits Elemente der Frührenaissance nach dem Vorbild der Medici-Villa Florenz, die Kranzgesimse erinnern jedoch an den Zinnenkranz mittelalterlicher Paläste. Giulianos Hauptwerk ist der Dom von Faenza (1774-86), der in seiner dreischiffigen Anlage mit quadratischen Seitenkapellen und der gleichmässigen Beleuchtung auf den Kirchen S. Lorenzo und S. Spirito in Florenz von Brunelleschi zurückgeht, in der Einwölbung anstelle einer Kassettendecke aber darüber hinausweist. Giulianos Arbeiten für Neapel sind die Villa Poggio Reale (1487/88) und die Porta Capuana (Neapel II, um 1485), einer der bedeutendsten Torbauten der Renaissance. Mit Benedetto arbeitete Giuliano in der Wallfahrtskirche von Loreto (1482 bis 1486).

Gjörwell, Carl Cristoffer d.J.
* 19.1.1755 in Stockholm, * 19.11.1837 in Stockholm. Schwedischer Architekt, Schüler von Louis Jean Desprèz an der Akademie in Stockholm und Mitarbeiter seines Lehrers am Schloss Haga bei Stockholm (1786-88). Seit 1803 Stadtarchitekt von Stockholm, zählte er neben Johan Tobias Sergel zu den wichtigen frühklassizistischen Künstlern Schwedens. Zu seinen Hauptwerken zählen der Plan für die alte Universität im finnischen Turku (1802-16) und das Garnisonshospital in Stockholm (1817-34).

Glaukos und Skylla
Nach Ovid stammt Glaukos aus Böotien; Skylla wird allgemein als Tochter der Meernymphe Krataiis angesehen. Glaukos ist ein Fischer, Skylla eine Nymphe. Glaukos und Skylla werden häufig zusammen dargestellt: Skylla als schönes Mädchen, Glaukos als göttliches Wesen mit langem Bart, halb Mensch, halb Fisch.

Goedeler, (Johann) EliasGedeler, Elias

Goetz, Gottfried BernhardGoetz, Gottfried Bernhard

Goncalves, Nuno
(port. Nunho). * um 1425, + vor 1492. Bedeutendster portugiesischer Maler in der Tradition der altniederländischen Schule (Meister E.S.). Dokumente belegen, dass Goncalves am 20.7.1450 von König Alfons V. zum Hofmaler ernannt wurde. Durch Francisco de Hollandas Traktat "De Pintura antiga" (1548) ist weiterhin bekannt, das Goncalves für die Kathedrale von Lissabon den sog. Vinzenz-Altar (1465-67, Lissabon, Museu Nacional de Arte Antiga) und für das Dreifaltigkeitskloster sehr wahrscheinlich den "Ecce Homo" (

Gondoin, JacquesGondouin, Jacques

Gondouin, Jacques
(auch Gondoin, Jacques - 1737-1818). Architekt des franz.Klassizismus, studierte bei Blondel, Jacques-Francois und an der franz. Akademie in Rom (1761-64), unternahm anschliessend Reisen nach den Niederlanden und England. Sein Meisterwerk ist die Ecole de Chirurgie in Paris (1771-76), die er als Tempel des Äskulap entwarf, mit einer Fassade in Form einer ionischen Kolonnade (mit korrekten griechischen Detail. Im Mitteltrakt, durch ein Triumphbogen-Motiv beson. hervorgehoben, findet sich der Zugang zu einem quadratischen Hof, an der gegenüberliegenden Seite eine korinthische Tempelfront. Sie dient als Portikus für die halbkreisförmig vorspringende Anatomie , die von einer flachen Halbkuppel überfangen wird. Das Gebäude schliesst ein kleines Krankenhaus, eine Bibliothek, Laboratiorien usw. ein. Monumental in der Auffassung und funktionell in der Anlage gehört es zu den schönsten und fortschrittlichsten Bauten seiner Zeit. Das Autonomie wurde zum Vorbild für die Abgeordnetenkammer im Palais Bourbon (1795-97, 1828-33 umgebaut) und für viele andere Parlamentsgebäude, u.a. für Latrobes (Latrobe, Benjamin) Repräsentantenhaus im Kapitol in Washington. Gondouin gründete ein eigenes, erfolgreiches Architekturbüro, wurde jedoch durch die Revolution ruiniert und tauchte bis zum Beginn des Kaiserreiches unter. Während der Regierungszeit Napoleons I. entwarf er die Säuel auf der Place Vendome in Paris (1810 vollendet), die erste der riesigen Säulen, die im frühen 19. Jh. von Baltimore bis St. Petersburg (Russland) errichtet wurden.

Gontard, Karl von
* 13.1.1731 in Mannheim, + 23.9.1791 in Breslau. Deutscher Architekt des Frühklassizismus. Anfangs Tanzmeister, trat er 1749 dem Hofbauamt in Bayreuth bei und reiste 1750-52 im Auftrag des Markgrafen Friedrich nach Paris, um sich bei Jacques-Franois Blondel zum Architekten ausbilden zu lassen. 1761 wurde er Lehrer für Perspektivkunst und Baukunst an der Akademie der Künste in Bayreuth. Hier war er am Neuen Schloss beschäftigt (Bayreuth II) und errichtete u.a. das Layritzhaus (1753-54) und das Reitzenstein-Palais (1761). 1764 wurde Gontard Hauptbaumeister des preussischen Hofs unter Friedrich dem Grossen. Nach Arbeiten am Neuen Palais in Potsdam (Neues Palais Sanssouci) errichtete er 1765-70 die Communs, den Antikentempel und den Freundschaftstempel im Park von Sanssouci. Ab 1779 in Berlin, schuf er die Spittelkolonnaden und Königskolonnaden, die noch von barockem Pathos gekennzeichneten Kuppeltürme des Deutschen und des Französischen Doms (1780-85) und die Königskammern im Schloss Berlin I (ab 1785). Im Marmorpalais Potsdam von Friedrich Wilhelm II. (1786-89) zeigen sich endgültig die Einflüsse der klassizistischen Baukunst, z.B. von Robert Adam, der sich vorher in zahlreichen Privatvillen in Berlin und Potsdam angekündigt hatten.

Gonzáles y Serrano, Bartolomé
* 1564 in Valladolid, + 1627 in Madrid. Spanischer Maler, beeinflusste massgeblich die Entwicklung der spanischen Porträtmalerei vor Diego Velázquez. Seine Porträts der königlichen Familie, die er ab 1608 als Hofmaler Philipps III. von Spanien für die Paläste in Burgos II, El Escorial u.a. schuf, bestechen durch ihre brillante Farbkomposition und die getreue Wiedergabe der Hoftracht, wie das Bildnis der "Königin Margarete" (1609, Madrid, Museo del Prado). Zu Lebzeiten beruhte sein Ruhm auch auf seinen r

GorgoMedusa

Gossaert, Jan
(gen. Mabuse). * zwischen 1478 und 1488 in Maubeuge, + 1532 in Breda. Niederländischer Maler, war der erste unter den niederländischen Romanisten des 16. Jh. (Romanismus), deren Kunst zu einer wichtigen Voraussetzung für die flämische Malerei des 17. Jh. wurde. Er trug sich 1503 als Meister bei der Lukasgilde in Antwerpen ein. 1508 reiste Gossaert als Begleiter Philipps von Burgund nach Italien, um für diesen antike Denkmäler zu zeichnen. Nach der Rückkehr trat Gossaert in die Dienste Philipps und lebte bis zu dessen Tod 1524 in Wijk bei Duurstede. Zu seinen Auftraggebern zählten u.a. auch die Statthalterin Margarete von Österreich, König Christian II. von Dänemark und Adolph von Burgung, der Nachfolger Philipps. Für Adolph war Gossaert ab 1525 in Schloss Middelburg I tätig. In seinem letzten Lebensjahr arbeitete er im Auftrag der Marquise Mencia de Mendoza in Breda. Obwohl Gossaert bereits 1508 in Rom war, stehen seine frühen Werke noch in der Tradition der niederländischen Malerei des 15. Jh. Als bedeutendstes Werk dieser Zeit gilt das malvagna-Triptychon (um 1511, Palermo, Galleria Nazionale) mit dem Thema "Maria mit Kind", dargestellt in einer spätgotischen Architektur vor einer Landschaft. Eine Grenze in den Ausdrucksmöglichkeiten der Malerei des 15. Jh. ist nicht nur in der minuziösen Detailzeichnung und in der Kostbarkeit der Farbgebung erreicht, sondern auch in der wechselseitigen Durchdringung traditioneller Bildformen. Hierzu gehören Umgestaltungen und Kopien nach Bildern der Brüder van Eyck, wie die "Madonna in der Kirche", ein Diptychon mit dem Porträt "Antonio Siciliano" (Rom, Galleria Doria-Pamphili) und "Christus zwischen Maria und Johannes d.T." (Madrid, Museo del Prado). Die "Anbetung der Könige" (London, National Gallery) lässt den Einfluss von Hugo van der Goes und Gerard David erkennen. In seinem Bild "Der hl. Lukas malt die Madonna" (um 1515, Prag, Národni Galerie) dient als Handlungsort eine weitläufige Renaissancearchitektur oberitalienischer Provenienz: Diese Elemente gewannen, ebenso wie mythologische Themen, in seinem Werk ab 1515/16 an Bedeutung. Gossaert galt für seine Zeitgenossen und spätere Generationen als jener Künstler, der als erster die "wahre Art", ungekleidete Figuren darzustellen, in die Niederlande gebracht hat. Gossaerts Vorliebe galt Themen, die es gestatteten, einen weiblichen und männlichen Akt im Bild gleichzeitig darzustellen, wie "Neptun und Amphitrite" (1516, Berlin, Staatliche Museen, Gemäldegalerie), aber immer wieder auch "Adam und Eva". Grosse Bedeutung in seinem Werk kommt dem Porträt zu ("Heinrich III. von Nassau", Madrid, Sammlung Conde de Renilla Gigedo). Gossaerts Anregungen haben die Kunst des 16. Jh. in den Niederlanden nachhaltig beeinflusst; Barend van Orley und Jan van Scorel standen in seiner Nachfolge und gehörten zu den Hauptvertretern des Romanismus.

Götz, Gottfried BernhardGöz, Gottfried Bernhard

Goujon, Jean
(um 1510-1566). Architekt und Innenarchitekt. War an der Innenausstattung von Schloss Ecouen beteiligt.

Goujon, Jean
(ca. 1510-1566). Französischer Architekt. Soll zusammen mit Lescot, Pierre das Francois I.-Maison errichtet haben.

Göz, Gottfried Bernhard
(auch Götz, Goetz). * 10.8.1708 in Kloster Welehrad (Mähren), + 23.11.1774 in Augsburg. Deutscher Maler, Kupferstecher und Miniaturist des Rokoko; 1730-33 arbeitete er als Geselle bei Johann Rothbletz in Augsburg, wobei aber Johann Georg Bergmüller den entscheidenden Einfluss auf ihn ausübte. 1737 gründete er mit den Brüdern Klauber einen Kupferstichverlag, den er ab 1742 allein weiterführte. In seinen Radierungen und Stichen erreichte Göz seine höchste künstlerische Qualität. Seine wichtigsten Arbeiten sind die Fresken im Sommerpavillon von Schloss Meersburg II (1741), in der Wallfahrtskirche Neubirnau (1750), in Schloss Leitheim (1751) und im Treppenhaus des Klosters Schussenried (1758). Ölgemälde lieferte er für den Bürgerbetsaal in Ingolstadt (1736), das Stift Admont (1745-47), die Pfarrkirche Donauwörth (1754) und die Jesuitenkirche in Landsberg (1754).

Gozzoli, Benozzo
(eigentl. Benozzo di Lese di Sandro). * 1420 in Florenz, + 1497 in Pistoia. Italienischer Maler der Frührenaissance, zählte zwar bei seinen Zeitgenossen zu den "archaisierenden" Malern, fasste aber die wichtigsten Errungenschaften der toskanischen und der umbrischen Schule zusammen und schuf so einen wichtigen Übergang von der Gotik zur Renaissance. Er fand seine Ausbildung bei den Florentinern Lorenzo Ghiberti und Fra Angelico, die ihn früh als Mitarbeiter für ihre Fresken und Skulpturen beschäftigten. So

Gran, Daniel
(auch Gran delle Torre). * (getauft) 22.5.1694 in Wien, + 16.4.1757 in St. Pölten. Österreichischer Freskomaler des Hochbarock, vertrat eine höfisch-elegante, betont klassische Richtung der österreichischen Barockmalerei und war stark der Idee des römisch-deutschen Kaisertums verpflichtet. Er lernte zuerst in Wien bie Pankraz Ferg und Georg Werle, der 1715 bis 1719 im Dienst des Fürsten Adam Franz von Schwarzenberg stand. Dieser gewährte Gran ein Stipendium für einen Aufenthalt in Italien, wo er sich bei Sebastiano Ricci in Venedig und Francesco Solimena in Neapel weiterbildete. Gran wurde Protegé des hohen Adels und der grossen Stifte in Österreich. Er verkörperte den Typus des enzyklopädisch gebildeten Akademikers, entwarf umfangreiche Dekorationen und beriet verschiedene Stifte bei den Programmgestaltungen. Seine eigenen Kompositionen baute er klar und überlegt auf, wobei er auf illusionistische Architekturrahmungen innerhalb des Bildfelds verzichtete, den Eigenwert des Figürlichen bei spannungsloser Verteilung der Motive betonte und das Bild mit seiner hellen, kühlen Farbigkeit sich bewusst von der realen Architektur abheben liess. Seine Kompositionen erregten auch die Bewunderung von Johann Heinrich Füssli, Winckelmann, Johann Joachim und Johann Wolfgang von Goethe. Die wichtigsten Fresken des vielbeschäftigen Malers finden sich u.a. in Hirschstetten (1721), im Schwarzenberg-Palais Wien (1724-26), im Prunksaal der Wiener Hofbibliothek (Hofburg Wien, 1730), im Saal des Schlosses Eckartsau (1732), im Landhaussaal in Brünn (Landtagshaus Brünn, 1737-39), in der Wallfahrtskirche Sonntagberg (1738-43), in der Prälatur des Klosters Hradisch (1739), in der Schlosskapelle Schönbrunn Wien (1744), in der Pfarrkirche Hetzendorf (1744), im Marmorsaal von Klosterneuburg II (1749), im Grossen Saal des Schlosses Friedenau (1755) und in der Kirche des ehemaligen Kapuzinerklosters Stein (1756).

Gras, Caspar
* um 1590 in Mergentheim, Württemberg, + 3.12.1674 in Schwaz, Tirol. Deutscher Bildhauer und Erzgiesser des Frühbarock, tätig in Innsbruck, Schüler des erzherzoglichen Hofbossierers Hubert Gerhard in Innsbruck, dessen Amtsnachfolger er 1613 wurde. Nach Modellen gerhards führte er 1614-19 das Grabmonument Erzherzog Maximilians III. in der Innsbrucker Stadtpfarrkirche aus. Seine Hauptwerke sind der monumentale Brunnen mit der Reiterstatue "Erzherzog Leopold V." und sechs Flussgötter für Innsbruck (1622-29), m

Grassi, Giovanni Battista di Raffaello
Tätig in der 2. Hälfte des 16. Jh., + 18.6.1578 in Udine. Italienischer Maler, 1545 erstmals erwähnt. Er schuf eine grössere Anzahl Altarbilder für Kirchen im Raum von Udine. Ausserdem freskierte er Palastfassaden und Palastinnenräume mit Szenen aus der antiken römischen Geschichte, die heute jedoch nicht mehr oder nur schlecht erhalten sind. u.a. die Wandmalerei in der Sala di Consiglo im Kastell von Udine I (1569), die sich jetzt im Museo Friulano befinden. Sein künstlerischer Stil steht in enger Beziehung zu dem von Pordenone und Michelangelo.

Grassi, Josef
* um 1758 in Wien, + 8.1.1838 in Dresden. Österreichischer Maler, studierte seit 1768 an der Wiener Akademie und begann seine Karriere als Porträtist der Aristokratie in Wien und seit 1790 am Hof von Stanislaus August II. in Warschau. 1800 bis 1816 war er Professor an der Dresdener Akademie, unterbrochen 1804 von einem Aufenthaltam Hof in Gotha. für den Herzog malte er Porträts, antikische Landschaften und eine romantische Schlafzimmerdekoration (Museum Gotha und Schloss Friedenstein). Stilistisch war Grassi den englischen Porträtisten und Thomas Gainsborough und Joshua Reynolds verbunden. 1816 bis 1821 lebte er in Rom und wandte sich dem Klassizismus zu.

Grau, Erich
(+1939). Architekt in Schlesien. Arbeitete u.a. in Schloss Romberg Krs. Breslau.

Grazien
(Chariten). Töchter des Zeus (Jupiter) und der Eurynome. Göttinen der Anmut, des Liebreizes und der Freude. Die drei Grazien erscheinen als entblösste Mädchen, die einander den Arm um die Schultern legen. Traditionell wendet die mittlere dem Betrachter den Rücken zu. Die beiden Anderen sind ihm zugewandt; sie halten häufig eine Rose, einen Würfel, einen Apfel oder einen Myrtenzweig.

Greenough, Horatio
* 6.9.1805 in Boston, + 18.12.1852 in Somerville, Massachusetts. Studierte am Havard College in Boston und ging 1825 als erster amerikanischer Bildhauer nach Rom, wo er unter Einfluss von Bertel Thovaldsen nachhaltig zum Klassizismus fand. Zwischenzeitlich wieder in Boston, lebte Greeough 1828-51 in Florenz und war dort zunächst Schüler von Lorenzo Bartolini. 1832 erhielt er vom Kongress den ersten grossen amerkanischen Bildhauerauftrag für eine kolossale Statue George Washingtons für die Rotunde des Capitol Washington (1841, heute Washington, Smithsonian Institute), die den Präsidenten als antike Gottheit darstellt. Für die amerikanische Regierung fertigte er auch die Gruppe "Mit einem Indianer kämpfender Pionier" (1851, Washington, Kapitol). Greenough schuf zahlreiche religiöse und mythologische Bildwerke und einige Büsten, deren grösster Bestand sich im Museum of Fine Arts in Boston befindet.

Greising, JosefGreissing, Joseph

Greissing, Joseph
(auch Greising). * 9.1.1664 in Hohenweiler, Vorarlberg, + 12.12.1721 in Würzburg. Deutscher Baumeister des Barock. Nach Schulung bei Vorarlbergern Barockbaumeistern (Vorarlberger Bauschule) liess er sichEnde des 17. Jh. in Würzburg nieder, wo er zuerst vor allem als Zimmermann tätig wurde (z.B. Dachstuhl der Universitäts- oder Neubaukirche, 1696 bis 1704, sowie des Juliusspitals, 1700, beides unter Leitung von Antonio Petrini). Der erste ihm zugeschriebene ist die Stiftskirche in Grosskomburg (Comburg) bei Schwäbisch Hall (1706-15). Greissings Hauptwerke, die Nordflügel des Klerikalseminars (1715-19), der Umbau der Neumünsterkirche (1711-1721), der Rückermainhof (1717-23) und die Peterskirche (1717-20) in Würzburg, spielen durch ihre flächig-lineare Fassadengliederung und gleichzeit reiche, tektonisch unbekümmerte Detailausarbeitung eine Mittlerrolle zwischen deutscher Renaissance und dem Barock des 18. Jh.

Grisebach, Hans
(*26.6.1848 in Göttingen, +11.5.1904 in Berlin. Architekt. War u.a. in Schloss Wiesenstein tätig.

Grof, Guillielmus de
(getauft) 13.11.1676 in Antwerpen, + 16.8.1742 in München. Flämischer Bildhauer, Giesser und Stukkateur, Vater von Karl de Grof. Ging nach der Ausbildung in Antwerpen um 1700 nach Paris, wo er um 1713 in den Dienst des bayerischen Kurfürsten Max Emanuel trat; 1716 folgte er ihm nach München. Als Hofbildhauer wurde er eine führende Künstlerpersönlichkeit des Münchener Rokoko; sein Verdienst war es, die in Paris empfangenen Einflüsse des französischen Spätbarock (Francois Girardon, Edmé Bouchardon) an den bayerischen Hof übertragen und mit seiner Werkstatt und Giesserei der bodenständigen Kunst entscheidenden Auftrieb gegeben zu haben. Von der Hofkunst Ludwig XIV. beeinflusst ist z.B. das Porträt "Kurfürst Maximilian Emanuel von Bayern" (um 1716/20, Bronze, München, Bayerisches Nationalmuseum). Zu Grofs weiteren Hauptwerken zählen die Ausstattung des Nymphenburger Schlossparks mit vergoldeten Bleistatuen (ab 1716) und die zu den schönsten europäischen Silberfiguren zu rechnende lebensgrosse Plastik "Der kniende Kurprinz Maximilian Joseph von Bayern" (1737, Altötting, Heilige Kapelle), eine minuziös gearbeitete, gekonnt konzipierte Votivgabe aus Anlass der Genesung des Kurprinzen von einer schweren Krankheit. Ausserdem schuf de Grof in kirchlichem, höfischem und privatem Auftrag Möbel, Brunnen, Porträts und Stukkaturen.

Grof, Karl de
(auch Charles). * 1712 oder 1713 in Paris, + 20.9.1774 in München; flämischstämmiger Bildhauer und Giesser, Sohn von Grof, Guiillielmus de, dessen Nachfolger als Hofbildhauer in München er 1742 wurde. Nach anfänglicher Ausbildung bei seinem Vater studierte er in den dreissiger Jahren auch in Wien. Seine Werke, z.B. acht die vier Erdteile symbolisierende Marmorbüsten für den Speisesaal der Münchener Residenz (München I, 1768), Porträtbüsten und Porträtmedaillons, folgen dem Stil seines Vaters, dessen künstlerische Qualität er jedoch nicht erreichte. Grof wa ausserdem an der Ausstattung des Nymphenburger Schlossparks beteiligt.

Gromann, Nikolaus
(Nickel, tätig 1537-74). Fähiger deutscher Renaissance-Architekt und Militäringenieur. Seit Hauptwerk ist das Rathaus in Altenburg/Thüringen (1562-64). Er wird auch als Steinmetz beim Bau des Schlosses Augustusburg bei Zwickau genannt; die Bauleitung hatte Lotter, Hieronymus, dem er möglicherweise assistierte. Mit grösserer Sicherheit sind ihm der Nordflügel und die Kapelle von Schloss Hartenfels zuzuschreiben (1543-44). Die Kapelle ist nach dem Zeugnis Luthers der erste protestantische Kirchenbau. Gromann, Nikolaus war auch auf der Wartburg tätig und erbaute 1549 das Cranachhaus in Weimar. Zwischen 1553 und 1558 hatte er die Oberleitung über den Ausbau der Veste Coburg inne. 1553 arbeitete er an den Befestigungsanlagen in Gotha mit. 1560-64 erbaute er den Neuen (oder Frannzösischen) Bau der Fest Heldburg.

Gröninger, Gerhard
Bildhauer und Architekt, geb. um 1582 in Paderborn, gest. 1652 in Münster. Nach der Lehre bei seinem Bruder Heinrich und Wandjahren in den Niederlanden wurde Gerhard Grüninger im Jahre 1609 Bürger von Münster. Hier arbeitete er in der Werkstatt des Bildhauers Hans Lacke. 1621 wurde Gröninger Gildemeister. Sein Oeuvre besteht fast ausschliesslich aus Arbeiten für die Kirchen des Bistums Münster, sein Stil war geprägt vom dem in Antwerpen gelehrten niederländischen Manierismus. Wichtige Werke: Schloss Darfeld in Rosendahl.

Gröninger, Johann Wilhelm
* 1675 oder 1677 in Münster. Deutscher Bildhauer des Spätbarock, Sohn von Johann Mauritz Gröninger, von dessen Stil er beeinflusst war und dessen Werkstatt er übernahm. Darüber hinaus zeigen seine Werke schon deutliche Anzeichen des eleganten, zierlichen französischen Rokoko. Seine wichtigste Arbeit ist das Grabmal Ferdinand von Plettenbergs (+ 1712, Münster, Dom, Johanneschor); dazu kommen der Gerdemann-Altar (1722, Münster, Dom) sowie Brückenplastiken und Gartenplastiken in Alabaster, Stein und Holz.

Gröninger, Johannes Mauritz
Bildhauer, geb. um 1651, gest. 21.9.1708 in Münster. Als angesehener Maler kommt Johann Mauritz Gröninger, der Vater des Johann Wilhelm und Enkel des Gerhard Gröninger, im Jahre 1674 als Hofbildhauer des Fürstbischofs Christoph Bernhard von Galen nach Münster. Als sein Lehrer gilt vor allem der nach 1655 in Paderborn tätige Antwerpener Künstler Ludovicus Willemsen. Gröninger hat in seinen Werken nicht nur einzelne Motive, sondern auch gesamte Kompositionen bedeutender Barockkünstler übernommen, die ihm durch druckgraphische Vorlagen bekannt waren: Peter Paul Rubens, Cortona, Pietro da und französische Bildhauer. Gerhard Gröninger war Fürstlicher Hofbildhauer in Münster und Kurkölnischer Hofbildhauer, sein Oeuvre ist vom niederländischen Spätbarock bestimmt, in technischer und handwerklicher Hinsicht gelten die Werke Gröningers als qualitativ besonders herausragend. Wichtige Werke: Schloss Ahaus (Ahaus II), Adolfsburg Oberhundem.

Gros, Antoine
(1771-1835). Französischer Maler. Schuf die Gemälde in Gros-Bois Dept. Val-De-Marne.

Gros, Pierre d.Ä. leLegros, Pierre d.Ä.

Gros, Pierre d.J. leLegros, Pierre d.J.

Grosser, Alfred
Bildhauer in Schlesien. War u.a. in Bad Warmbrunn tätig.

Grosser, Karl
(*3.11.1850 in Schmiedeberg, +10.12.1918 in Breslau). Architekt. Errichtete das bischöfliche Sommerpalais Breslau, Schloss Brauchitschhof und Schloss Brynnek in Schlesien.

Grotefend, Georg Friedrich
Am 9.6.1775 in Hannoversch-Münden geboren. Er studierte von 1795 bis 1798 in Göttingen Theologie und Philosphie und nahm danach eine Stelle als Lateinlehrer am Städtischen Gymnasium ein. Das Lösen schwieriger Rätsel und mathematischer Probleme war seine Lieblingsbeschäftigung. So ging er 1802 eine Wette ein, dass er eine Inschrift entziffern könne, von der weder Schrift noch Sprache noch Inhalt bekannt seien. Sein Freund und Wettgegner Fiorello, Sekretär der Königlichen Bibliothek zu Göttingen, legte ihm einige altpersische Keilschrifttexte aus Persepolis vor, die bis dahin jedem Entzifferungsversuch widerstanden hatten. In knapp sechs Wochen gelang es Grotefend, durch scharfsinnige Kombinationen die Texte zu entschlüsseln , zwar nicht vollständig, doch derart richtungsweisend, dass damit der Entzifferung fast aller Keilschrifttexte der Weg gewiesen war. Am 4.9.1802 legte Grotefend der Göttinger Societät (Akademie) der Wissenschaften die Schrift (Praevia de cuneatis, quas vocant, inscriptionibus Persepolitianis legendis et explicandis relatio" vor, den vollständigen Bericht über seine Entzifferung. Die Göttinger Gesellschaft konnte sich zu einer Veröffentlichung der Schrift nicht entschliessen, so dass seine Leistung nie ihrer Bedeutung entsprechend gewürdigt wurde. So war es möglich, dass der britische Offizier und Konsularbeamte Rawlinson, Sir Henry Creswicke44 Jahre nach Grotefend seine erfolgreiche Übersetzung der altpersischen Keilschrift bekanntgab und seitdem als Entzifferer der Keilschrift gefeiert wird. Grotefend wurde Ehrenbürger der Stadt Hannover, Ehrendoktor der Universität Marburg und in die wissenschaftlichen Gesellschaften zu Berlin, Göttingen, London, Dublin und Kopenhagen aufgenommen. 1837 und 1870 erschienen zwei Abhandlungen, in denen sich Grotefend mit der altpersischen und babylonischen Keilschrift beschäftigte, denen aber jede Zustimmung der Fachwelt versagt blieb. Grotefend starb am 15.12.1853 in Hannover.

Grünewald, Matthias
(eigentl. Mathis Gothart Nithart, auch Neithart). * um 1470/80 in Würzburg (?), + August 1528 in Halle an der Saale; deutscher Maler, Baumeister und Steinmetz der ausgehenden Gotik. In seinem Werk kommt die spätgotische Malerei in ihrer ureigenen Bidlform (im grossen Flügelaltar), den adäquaten Gestaltungsmitteln - expressiver Formgebung und Farbgebung - sowie in Ikonologie, Symbolik und Gehalt zur Vollendung. Zugleich fand bereits das neue Menschenbild der Renaissance Eingang in sein Schaffen. Grünwald wurde gelegentlich bereits um 1630 als Schöpfer des schon kurz nach seiner Entstehung berühmten Isenheimer Altars genannt. Doch erst seine rühmende Nennung in Joachim von Sandrarts "Teucher Academie" (Nürnberg 1675) hat diese Tradition begründet. Das Geheimnis, das seine Person stets umgab (schon Rudolf II. liess 1597 nach seinem Namen forschen), hat die Interessen der Forschung oft mehr auf seine Biografie als auf seine Werke gelenkt. Erst Karl Zülch gelang nach den Vorarbeiten Heinrich Adolf Schmids in seiner Monografie (1911) aufgrund eines Aktenfundes die Auflösung der Meistersignatur MGN (MG als Ligatur) mit Mathis Gothart Nithart. Diese Signatur erscheint auf einem der erhaltenen Wandflügel des Heller-Altars ("Hl. Laurentius", Frankfurt a. Main, Städelsches Kunstinstitut) und auf dem Rahmen des Maria-Schnee-Altars in Aschaffenburg; mit MG ist ferner die Zeichnung "Der dreigesichtige Kopf" (Berlin, Staatliche Museen, Kupferstichkabinett) signiert. Während die Entstehung des Namens Grünewald bislang ungeklärt ist, konnte auf Mathis von Aschaffenburg) eine Reihe von Urkunden bezogen werden. Über Grünewalds Geburtsort bestehen nur Vermutungen. Die Zeit seiner Geburt wird aus seinen frühen Werken (um 1500-05) erschlossen. Danach entstammt Grünewald derselben Generation wie Dürer und Lucas Cranach. 1510 ist er erstmals als Baumeister und Wassertechniker in Diensten des Mainzer Erzbischofs Uriel von Gemmingen (+ 1514) erwähnt, für den er Umbauarbeiten des Aschaffenburger Schlosses (Johannisburg Aschaffenburg) leitete und dabei als Steinmetz tätig war. Ab 1516 stand er im Dienst des neuen Erzbischofs Albrecht von Brandenburg. 1524 und 1525 sind Aufträge für den Kardinal verbürgt. 1525 war Grünewald vermutlich in den Bauernkrieg verwickelt, weshalb er 1526 nach Frankfurt a. Main übersiedelte. Am 8.5.1527 beauftragte ihn der Rat der Stadt Frankfurt, für Magdeburg Zeichnungen von den Frankfurter Wassermühlen anzufertigen. Im selben Jahr ging Grünewald als Maler und Wasserkunstmacher nach Halle an der Saale, wo er im darauffolgenden Jahr starb. Über Grünewalds Lehrzeit ist nichts bekannt. Ein Aufenthalt in Dürers Werkstatt in Nürnberg sowie Reisen nach Italien oder in die Niederlande sind denkbar, aber nicht nachweisbar. Sehr wahrscheinlich sind jedoch Grünewald und Dürer anlässlich der gemeinsamen Tätigkeit am Heller-Altar für die Dominikanerkirche in Frankfurt a. Main zusammengetroffen. als bestimmendes Vorbild für Grünewald gilt jedoch das Werk von Hans Holbein d.Ä., der bereits 1500/01 den Hochaltar für diese Frankfurter Kirche geschaffen hatte. Das früheste erhaltene werk Grünewalds steht damit stilistisch in engem Zusammenhang. Die Tafel stellt des "Abendmahl" dar, auf der Rückseite "Die hll. Dorothea und Agnes" (englischer Privatbesitz). Die Grünewald eigenen Gestaltungsmittel seiner frühen Werke werden jedoch erst ganz greifbar an der kleinen Tafel "Christus am Kreuz" (um 1502-05, Basel, Kunstmuseum) und vor allem an der "Verspottung Christi" (um 1503-05, München, Alte Pinakothek). Auf engstem Raum drängen sich die Figuren; die Schergen umkreisen die Gestalt Christi, ein dichtes, ebenenbezogenes Formgefüge und Farbgefüge verleiht ihren Bewegungen Expressivität und Dynamik. Die Verspottung diente als Epitaph und wurde von Johann von Cronberg, dem Stellvertreter des Erzbischofs Uriel von Gemmingen, in Auftrag gegeben; sie belegt damit eine frühe Verbindung Grünewalds zum Mainzer Hof. In der gleichen Zeit gehören zwei Flügel eines Altars in Lindenhardt bei Bamberg mit der Darstellung der "Vierzehn Nothelfer" (1503). Diese Zuschreibung bleibt jedoch umstritten. Um 1510/11 entstanden vier Standflügel zum Heller-Altar. Albrecht Dürer hatte dazu die Mitteltalfel, eine "Marienkrönung" gemalt (1729 verbrannt). Die beiden Tafeln in Frankfurt (Städelsches Kunstinstitut), "Hl. Laurentius" (signiert) und "Hl. Cyriakus und die Prinzessin Artemia", sind für Grünewalf gesichert, während an der Eigenhändigkeit der Darstellung der Tafel "Die hl. Elisabeth und Lucia" (Karlsruhe, Staatliche Kunsthalle, früher Donaueschingen) auch Zweifel geäussert wurden. Die Bilder sind Grisaillen und stehen als Bildtypus in der Tradition der gemalten Altarfiguren an van Eycks Genter Altar und ihrer Nachfolge. Etwa zur selben Zeit, um 1510/12, ist vermutlich eine Tafel mit der Darstellung "Christus am Kreuz", das sog. Klein-Kruzifix (Washington, National Gallery of Art), entstanden. Die Datierung schwankt in der Forschung zwischen 1502 und 1519/20, wobei die auf dem Bild dargestellten Sonnenfinsternis vom 1. Oktober 1502 sicher erheblich nach diesem Datum gemalt worden ist. Gegenüber der Baseler Kreuzigung sind jedoch die Ausdrucksmittel und Gestaltungsmittel gesteigert. Die zeichnerische Durchformung des gemarterten Leibes Christi, Gestik und Ausdruck der Figuren sowie dramatische Helldunkelkontraste trotz intensivster Farbigkeit sind Kennzeichen einer reiferen Schaffensperiode. Den Auftrag zu seinem bedeutendsten Werk, dem Hochaltar für das angesehene und wohlhabende Antoniterkloster in Isenheim, bei Colmar im Elsass gelegen, erhielt Grünewald um 1510 bis 1512 durch Guido Guersi, den Präzeptor des Klosters. Grünewalds Aufenthalt in Isenheim ist für 1513 und 1515 dokumentarisch beleft. Der Altar ist angeblich am Ort selbst entstanden. Es handelt sich um einen spätgotischen Flügelaltar, bestehend aus Altartisch, Predella, Altarschrein und Gesprenge (verloren). Das Schnitzwerk für Altarschrein und Predella ist erhalten und stammt von dem elsässischen Bildschnitzer Nikolaus Hagenauer. Grünewald hat diese Teile bereits vorgefunden, als er den Auftrag erhielt, die schwenkbaren Flügel dafür zu malen, die eine zweimalige Verwandlung der Bilderwand, also drei Ansichten, ermöglichten. Das ikonologische Programm der Altartafeln ist einerseits den einschlägigen Bidltraditionen der spätgotischen Malerei verpflichtet, andererseits enthält es Umgestaltungen dieser Bildtypen, die auf den Einfluss theologischer, mystischer Schriften (Hildegard von Bingen) und Predigtsammlungen, aber auch von Texten der Kirchenväter und des lateinischen Mittelalters schliessen lassen. Dem enzyklopädischen theologischen Bildprogramm entspricht eine überwältigende Vielfalt und Expressivität sinnlich-anschaulicher Bilder. In geschlossenem Zustand zeigt der Altar als Mittelbild die "Kreuzigung" mit Maria, Magdalena, Johannes d.E. und Johannes d.T.. Die Darstellung wird flankiert von den Standflügeln mit dem "Hl. Antonius" und dem "Hl. Sebastian". Die Kreuzigung erweitert durch die gleichzeitige Anwesenheit Johannes´ d.T. den Typus eines Golgotha-Bildes zum Hinweis auf die Erlösung durch den Opfertod Christi. Dazu gehört die "Beweinung Christi" an der Predella. Die erste Wandlung (nach dem Aufklappen der in der Mitte geteilten Kreuzigungstafel) zeigt von links nach rechts die "Verkündigung", ein "Weihnachtsbild" und die "Auferstehung Christi". Die zweite Wandlung zeigt den offenen Schrein mit den geschnitzten Figuren der "Hll. Augustinus, Antonius und Hieronymus" sowie die offene Predella mit den Büstenfiguren "Christus und die zwölf Apostel". Die Rückseiten der inneren Flügel zeigen in dieser Stellung die "Disputation der hll. Antonius und Paulus" und die "Versuchung des hl. Antonius". Das Programm dieser Schauseite bezieht sich im Schrein und auf den Tafeln auf den Antoniterorden, der sich der Krankenpflege widmet. Im Isenheimer Altarwerk verwandelte Grünewald den spätgotischen Flügelalatar in eine Abfolge von geschlossenen Schauwänden. Während etwa im Altar von St. Florian von Albrecht Altdorfer (um 1512/15) die Bilderwand in viele Einzelfelder gegliedert ist, überspannen Grünewalds Kompositionen durch formale und farbige Kontrastierungen sowie wechselseitige Ergänzung die gesamte Anlage. Seine gestalterischen Mittel kennzeichnen hier einen Höhepunkt der altdeutschen Tafelmalerei. Bei stärksten Helldunkelgegensätzen (z.B. in der "Kreuzigung") behält auch die Farbe ihre volle Intensität und wird oft zum eigentlichen Ausdrucksträger. Grünewalds Gestaltungsmittel befähigten ihn, in seiner Bildwelt die äussersten Gegensätze des Daseins zur Darstellung zu bringen: Licht und Finsternis, Tod und Verwesung ebenso wie die irrationale Erscheinung eines verklärten und lichthaften Leibes (Auferstehung Christi). Obwohl die Möglichkeiten der spätgotischen Gewandfigur voll ausgeschöpft und umgestaltet sind - grosse Gewandpartien dienen als Träger intensiver Farbflächen -, besitzen die Figuren eine Monumentalität, die an Vorbilder in der italienischen Hochrenaissancekunst erinnert (z.B. H. Sebastian). Schon im Verlauf der Arbeit am Isenheimer Altar wandelte sich Grünewalds Stil. Die Standflügel (mit ihrer Renaissancearchitektur) und die Predella gelten als die letzten Bilder von Isenheim. Daran schliesst unter den erhaltenen Werken der "Maria-Schnee-Altar" aus Aschaffenburg an. Er wurde 1513 vom Kustos und Kanonikus der Aschaffenburger Stiftskirche, Heinrich Reitzmann, für die Maria-Schnee-Kapelle der Kirche in Auftrag gegeben. Vom Altarwerk ist ein von Grünewald selbst beschrifteter, signierter und datierter Rahmen (1519) in Aschaffenburg erhalten sowie die Tafel mit der Darstellung "Schneewunder bei der Gründung von S. Maria Maggiore in Rom" (Freiburg i. Breisgau, Augustinermuseum). Es ist umstritten, ob die Tafel mit der "Muttergottes in der Landschaft" in Stuppach (Pfarrkirche) das ehemalige Mittelbild des Altars war oder eine verlorengegangene Tafel mit einer "Schutzmantelmadonna", von der noch eine Zeichnung (von Grünewald?) in Stockholm erhalten ist. In den Gemälden erscheint die Farbgebung differenzierter, die minuziös geschilderte reichhaltige Dingwelt, die viele Symbole birgt (Stuppach), bildet ein dichtes Gewebe von Formen und Linien. Der Ausdruck ist ebenfalls gebändigt, psychologische Momente gewinnen an Bedeutung. Das gilt vor allem für das wichtigste unter seinen reifen Werken nach dem Isenheimer Altar, die Tafel mit der Darstellung "Die hll. Erasmus und Mauritius" (um 1520-23, München, Alte Pinakothok). Sie entstand im Auftrag von Kardinal Albrecht von Brandenburg für das Stift St. Moritz und St. Maria Magdalena in Halle a.d. Saale. Der Kardinal selbst ist in der Gestalt des hl. Erasmus, dessen Verehrung er 1516 in Halle eingeführt hatte, dargestellt. Die Monumentalisierung der Figuren ist gesteigert; dazu dienen ein tief liegender Augenpunkt und eine rahmenfüllende Anordnung. Die Farbgebung ist gedämpft. Gold und Grau (Rüstung des hl. Mauritius) bestimmen den farbigen Gesamtcharakfter des Bildes; die von Grünewald einst zu solcher Expressivität gebrachten Buntfarben bedeckten schmale Streifen und kleine Flecken, treten in vielfältige Beziehung zueinander. Neben einer "Beweinung" in der Aschaffenburger Stiftskirche gelten als Grünewalds letzte erhaltene Werke zwei Tafeln aus Tauberbischofsheim, "Kreuztragung" und "Kreuzigung" (Karlsruhe, Staatliche Kunsthalle), um 1523/24. In der "Kreuzigung" hat Grünewald sich auf nur drei Figuren beschränkt, die untereinander fast beziehungslos sind. Die Farbigkeit ist fahl; dissonante Kontraste gebrochener Buntfarben beherrschen nun die Komposition. Überdies ist die Nachricht von drei Altären für den Mainzer Dom wichtig, die nach der Aussage Joachim von Sandrarts auf der Überfahrt nach Schweden 1631/32 mit den Schiffen untergegangen sind. Zweifel an dieser Nachricht treten auf durch den Fund einer "Hl. Katharina" (Cleveland, Museum of Art), die vermutlich Teil eines Mainzer Altars war. Die Fürstlich Fürstenbergische Gemäldegalerie in Donaueschingen besitzt die Kopie einer

Grupello, Gabriel de
* 22.5.1644 in Geraardsbergen (franz. Grammont), Ostflandern, + 20.6.1730 auf Schloss Ehrenstein bei Kerkrade, Provinz Limburg). Flämischer Bildhauer und Giesser italienischer Herkunft, Vertreter des Spätbarock, 1658/59 Schüler von Artus Quellinus d.Ä. in Antwerpen, wurde 1673 Hofbildhauer Karls II. von Spanien in Brüssel. Während sein Frühwerk ("Diana" und "Narziss", Brüssel, Musées Royaux d`Art et d`Historie) noch dem Klassizismus französischer Prägung verbunden ist, wandte er sich unter dem Einfluss der

Guarini, Guarino
(1624-83). Geb. in Modena, Theatinerpater, weit bekannt als Philosoph und Mathematiker, noch ehe er als Architekt Ruhm erwarb. (Guerini entwickelte die euklidische Geometrie weiter und nahm in seiner gelehrten „Placita philosophica“, 1665, sogar Ideen von Gaspard Monge vorweg.). Da er in erster Linie Mathematiker und erst danach Architekt war, sind seine komplizierten Raumkompositionen oft kaum mit dem Auge allein zu verstehen, aber sie sind intellektuell und künstlerisch in gleicher Weise aufregend. Alle seine bedeutenden erhaltenen Bauwerke stehen in Turin, wo er die letzten siebzehn Jahre seines Lebens verbrachte. Seine Bewunderung für Borromini, Francesco wird sehr deutlich beim Palazzo Carignano (1679) mit seinem ovalen Saal und der geschwungenen Fassade im Stil von S. Carlo alle Qauttro Fontane in Rom. Borrominis (Borromini, Franceso) kleine Kirche zu einem protzigen Palast abzuwandeln, ist kühn genug, doch seine Originalität hatte ihn bereits bei der Cappella della SS. Sindone am Dom (1668-94) und der Kirche S. Lorenzo (1667-87) darüber hinausgeführt. Beide Kirchen werden gekrönt von phantastischen, völlig beispiellosen konischen Kuppeln. Jene von SS. Sindone wird von übereinandergesetzten Segmentbögen, deren Spannweiten sich nach oben hin verringern, gebildet; die abstrakte geometrische Poesie dieser freien Konstruktion wird betont von dem diaphanen, durch das Netzwerk der Bögen gefilterten Licht. Die Kuppel von S. Lorenzo ist ebenso ungewöhnlich: über einem runden Tambour bilden herüber- und hinüberschwingende Halbkreisbögen ein Oktogon. Die Anregung für diese eigenartige Gestaltung geht wohl auf die ähnliche Kuppel der Grossen Moschee in Cordoba (965) zurück. Guarinis Einfallsreichtum der Konstruktion beschränkte sich nicht auf Kuppeln. In seinen Langhauskirchen in Lissabon und Prag wurden sogar die Gurtbögen von der Bewegung ergriffen: in windschiefen, d.h. dreidimensionalen Bogen greifen sie aufwärts- und vorwärtsgeschwungen in den Raum aus. Diese Konstruktion sollte später in Deutschland und Österreich überaus einflussreich sein. Keines von Guerinis bedeutenden Werken ausserhalb Turins hat überlebt; wede SS. Annunziata und ds Theatiner-Palais in Messina (1660) noch Ste-Anne-la-Royale in Paris (1662ff.), Hl. Maria von Altötting in Prag (1679) oder S. Maria da Divina Providencia in Lissabon. Sein Einfluss nahm durch seine Schrift “Architectura civile” (1737 posthum veröffentlicht) stark zu; Stiche dazu waren seit 1668 bekannt.

Guas, Juan
(auch Hans Wass oder Was). * um 1433 in Lyon, + um 1496 in Toledo. Spanischer Architekt umd Bildhauer der Spätgotik, einer der deutschen bzw. burgundischen Künstler, die im 15. Jh. nach Spanien kamen und gotische Formen (u.a. den Typus der Hallenkirche) einführten, gilt als der Begründen und Hauptvertreter des Isabellinischen Stils. Als Bildhauer betätigte er sich an der Puerta de los Leones der Kathedrale von Toledo und an dem Grabmal des ersten Grafen von Tendilla, Don Inigo López de Mendoza, für den er ab 1475 das Schloss Manzanares el Real erbaut hatte. Als Guas` Hauptwerk gilt das 1476 von Isabella der Katholischen gestiftete Kloster S. Juan de los Reyes in Toledo. Die einschiffige Saalkirche wird von einem schwungvollen Sterngewölbe überfangen und zeichnet sich vor allem durch den reichen plastischen Schmuck aus. 1480-92 erbaute er wahrscheinlich den Palast des Infantado in Guadalajara (Duques Del Infantado, Altkastilien): Die prächtige Fassade wird von zahlreichen kleinen Diamantenquadern und Fenstern mit Renaissancerahmen strukturiert. Besonders bemerkenswert ist der zweigeschossige Innenhof, dessen Bögen in gebrochenen Linien verlaufen und deren Zwickel mit Löwen, Bändern und heraldischem Zierwerk dekoriert sind. Weiterhin wie ein Mitwirken von Guas am figurengeschmückten Prachtportal und am Innenhof des Colegko S. Gregorio in Valladolid vermutet sowie seine Mitarbeit an der Vollendung des Chors der Toledaner Kathedrale.

Guepiere, Pierre-Louis-Philippe de la
(*1715 oder um 1725 Sceaux bei Paris, † 30.10.1773 Paris). Französicher Architekt, der wie Piage, den Louisseize-Stil und seine Grundlagen in Deutschland bekannt machte. Guêpière, der aus einer Architektenfamilie stammend, seine Ausbildung zunächst bei seinem Onkel Jacques erhielt und dann von 1734 bis 1736 die Pariser Académie d’architecture besuchte, wurde nach dem plötzlichen Tod von Leopoldo Retti (1751) 1752 als dessen Nachfolger zum württembergischen Hofarchitekten (Baudirektor) berufen. Um 1752 veröffentlichte er auch "Recueil des differents projects d`architecture". Er verstand sich selbst als Vertreter des „Goût grec“, jener Reaktion auf das Rokoko in Frankreich, die in der Rückwendung zum klassischen Baustil unter Ludwig XIV. und einer freien Anwendung antiker Formen eine Weiterentwicklung der Baukunst in klassischer Richtung erhoffte. Am württembergischen Hof bestand La Guêpières Hauptaufgabe im Weiterbau des Neuen Schlosses Stuttgart II. Sein Anteil am Neuen Schloss sind neben Stadtflügel, Portikus und Kuppel vor allem der Innenausbau (bis 1768). Neben dem Appartement Carl Eugens im zweiten Obergeschoss des Neuen Corps de Logis in Ludwigsburg Krs. Ludwigsburg entwarf er auch die meisten Räume von Schloss Solitude Stuttgart, an denen 1767 bis 1769 gearbeitet wurde. 1764 bis 1767 wurde nach seinen Plänen das spätere Schloss Monrepos Ludwigsburg errichtet, das aber im Inneren unvollendet blieb (1804 von Thouret, Nikolaus Friedrich von teilweise klassizistisch umgebaut). 1768 quittierte er den herzoglichen Dienst und kehrte nach Paris zurück. Seine Entwürfe für das Rathaus in Montbeliard wurden nach seinem Tod mit beträchtlichen Abänderungen ausgeführt. 1760 erschien sein "Recueil d`esquisses d`architekcture".

Guglielmi, Gregorio
* 13.12. 1714 in Rom, + 2.2.1773 in St. Petersburg. Italienischer Maler, Wandfreskant des Rokoko. In Rom bei Francesco Trevisani und Sebastiano Conca ausgebildet, war er 1752 in Dresden und ab 1754 in Wien tätig, wo er mit hellen Farben "Die vier Falultäten" in der Wiener Universität und in der Galerie von Schloss Schönbrunn Wien lebendige, fast tafelbildartige Genreszenen, z.B. aus dem Soldatenleben, malte. Nach einem Turin-Aufenthalt 1765/66 schuf er im Festsaal des Augsburger Schaezler-Palais das Fre

Guibal, Nikolas
(* 29.11.1725 Lunéville, † 3.11.1784 Stuttgart), Maler. Guibal stammte aus Lunéville (Lothringen). Er erhielt seine Ausbildung als Maler in Paris. 1749 wurde er von Carl Eugen nach Stuttgart berufen und tat sich beim Arrangieren von Hoffesten und mit Theaterdekorationen hervor. Nach einem Romaufenthalt ab 1750 avancierte er 1755 zum Premier peintre am württembergischen Hof und 1760 zum Galeriedirektor. Zwischen 1761 und 1784 wirkte er als Lehrer an der Académie des Arts und der Hohen Carlsschule. Zu seinen Hauptwerken zählen die Deckenbilder im Treppenhaus des Stuttgarter Schlosses (Stuttgart II, 1758), der Kapelle (1766) und des Hauptsaals (1767) auf der Solitude Stuttgart, des Ovalsaals in Monrepos Ludwigsburg (1767), in der Stuttgarter Carlsschule (1780 bis 1782) sowie der Entwurf zum Deckenbild im Marmorsaal des Stuttgarter Neuen Schlosses (Stuttgart II, 1782). Daneben malte er zahlreiche Supraporten für die herzoglichen Schlösser.

Guidi, Domenico
* 6.6.1625 in Torano bei Carrara, + 28.3.1701 in Rom. Italienischer Bildhauer des Barock, 1647-54 Schüler und Mitarbeiter von Alessandro Algardi in Rom, in dessen stilistischer Tradition eines gemässigten Barock er zahlreiche Grabmäler, Figurengruppen und Papstbüsten schuf (Sitzfigur Clemens IX., 1669, Rom, S. Maria Maggiore). 1678 erhielt er den bedeutenden Auftrag für die Gruppe "Der Ruhm schreibt die Geschichte des Königs" für Schloss Versailles (1685 vollendet), die die umstrittene Reiterstatue Ludwig

Guillain, Simon
* 1581 in Paris, + 26.12.1658 in Paris. Französischer Bildhauer, wurde bei seinem Vater Nicolas Guillain und später in Italien ausgebildet. 1648 war er Gründungsmitglied der Academie Royale de Peinture et de Sculpture in Paris und übernahm 1657 das Rektorat. Guillains Hauptwerk ist das Denkmal "Ludwig XIII.mit Anna von Österreich und dem Dauphin", ursprünglich in eine Triumphbogenarchitektur eingebunden am Pont-au-Change in Paris (1647; Figuren heute in Paris, Musée National du Louvre). Stilistisch gesehen

Gumpp, Christoph d.J.
* 28.5.1600 in Innsbruck, + 2.3.1672 in Innsbruck. Österreichischer Bildhauer des Barock, Vater von Gumpp, Johann Martin d.Ä.; ab 1668 Hofbaumeister Leopolds I. Er unternahm 1628 eine Studienreise nach Italien, die jedoch lediglich Anregungen für sein Opernhaus in Innsbruck (1629) brachte. Seine Kirchenbauten, die mit anderen den Beginn der Barockbaukunst in Tirol bilden, sind vielmehr süddeutschen Vorbildern verpflichtet, z.B. die "Mariahilfkirche in Innsbruck" (1648-49), ein Kuppelbau mit Zentralraumten

Gumpp, Georg Anton
* 12.10.1682 in Innsbruck, + 19.12.1754 in Innsbruck. Österreichischer Architekt des Hochbarock, Sohn von Gumpp, Johann Martin d.Ä., ab 1722 Hofbaumeister. Nach früher Zusammenarbeit mit seinem Vater errichtete er 1716 Fassade und Vorhalle der von seinem Grossvater Gumpp, Christoph d.J. erbauten Stiftskirche in Wilten. Sein Hauptwerk ist das "Landhaus der tirolischen Stände in Innsbruck" (Landhaus Innsbruck, 1725-28) mit der Georgskapelle; ausserdem entwarf er wahrscheinlich die Johanneskirche (1729

Gumpp, Johann Martin d.Ä.
(1643-1729). Das bedeutendste Mitglied einer in Innsbruck tätigen Baumeisterfamilie. Gumpp war hier Hofkammerbaumeister und ein Bahnbrecher des Barock. Seine Hauptwerke sind das Palais Fugger (später Taxis, 1679-80, 1784 z.T. umgebaut), die Umgestaltung des Alten Regierungsgebäudes (1690-92) und die Spitalkirche (1700-01, geweiht 1705), alle in Innsbruck. Sein Sohn Georg Anton Gumpp (1682-1754) folgte ihm als Hofbaumeister im Amt; er entwarf die reizvolle kleine St. Johannis-Kirche am Innrain (1729-33, geweiht 1735), das kühn und unkonventionell gestaltete "Landhaus" (1725-28) in Innsbruck und die tiefgestaffelte Vorhalle der Wiltener Stiftskirche (1713-19).

Gumpp, Johann Martin d.J.
* 26.7.1686 in Innsbruck, + 21.9.1765 in Innsbruck. Österreichischer Architekt und Miltäringenieur des Hochbarock, Sohn von Gumpp, Johann Martin d.Ä.. Die Arbeit als Festungsbaumeister führte ihn u.a. nach Konstanz (Konstanz III), Kufstein und Ehrenberg Reutte. Sein Hauptwerk ist die Planung der Umgestaltung der Hofburg Wien II zu einem geschlossenen Neubau im Auftrag Kaiserin Maria Theresias (1754). Zwar wurde der Bau nach ersten Teilerrichtungen 1755/56 eingestellt, die ab 1765 wiederaufgenommenen Arbeiten lehnten sich jedoch eng an Gumpps Projekt an, das bereits durch den Übergang vom schweren Barock (kolossale Bogennischen der Südtrakt-Fassace) zum Rokoko gekennzeichnet ist.

Günther, Matthäus
(auch Gindter, Ginter, Ginther). * 7.9.1705 in Tritschengreith bei Unterpeissenberg, Oberbayern, + 30.9.1788 in Haid bei Wessobrunn, Oberbayern. Deutscher Maler, produktiver Freskant des Augsburger Rokoko, daneben auch Tafelmaler und Grafiker. In seinem Schaffen lässt sich die Entwicklung vom Spätbarock bis zum frühen Klassizismus ablesen. Günther war bis 1728 Gehilfe von Cosmas Damian Asam in München. Ab 1732 lebte er als selbständiger Meister in Augsburg, wo er 1762-84 die Kunstakademie leitete. Für die Ausführung seiner zahlreichen Fresken und Tafelbilder in Bayern, Schwaben, Franken und Tirol arbeitete er oft mit den Wessobrunner Stukkateuren, besonders mit Franz Xaver Feuchtmayer I, zusammen. Zu seinen frühen Werken gehören das Altarbild "Hl. Sebastian" (1730) in der Pfarrkirche von Pförring und das Kuppelfresko in der Deutschordenskirche Sterzing in Tirol (1733), wo noch der Einfluss des vom römischen Barock geformten Asam spürbar bleibt. Mit den "Szenen aus dem Leben des hl. Bernhard" (1745-47) in der Pfarrkirche von Amorbach gewann Günther seinen eigenen, sehr dekorativen Stil. Die Figuren der weiträumigen und meisterhaft ausgeleuchteten Deckenkompositionen wirken schwerelos und grazil, die Farben zart und hell, ohne das jedoch - wie bei den Brüdern Asam - der Kircheninnenraum mit dem gemalten Raum illusionistisch verbunden wurde. Bis zum Ende der sechziger Jahre entstanden seine besten Werke: die Fresken in der Pfarrkirche von Wilten bei Innsbruck (1754), im Schloss Sünching in der Oberpfalz (1761) und in der Abteikirche Rott a. Inn (1763).

Hackner, Christoph
(*16.3.1663 in Jauer, +2.4.1741 in Breslau). Architekt. Errichtete wahrschleinlich Schloss Friedersdorf Krs. Lauban, Schloss Peterwitz, Schloss Festenberg und war für wahrscheinlich auch für den Umbau von Schloss Deutsch-Lissa verantwortlich, auf jeden Fall Schloss Wirrwitz und das Hatzfeld-Palais Albrechtstr. in Breslau und war auch am erzbischöflichen Palais Breslau VII sowie Schloss Trachenberg II beteiligt

Hades
(altgriechisch Plutos, später Pluton; altröm. Dis Pater, später Pluto). Sohn des Kronos (Saturn) und der Rhea; Bruder des Zeus (Jupiter). Gott der Unterwelt. Der auf Pluton beschränkte Kult verbreitete sich vor allem in Verbindung mit Demeter (Ceres) und den Eleusinischen Mysterien. Hades wird dargestellt als schwarzhaariger Mann mit Vollbart, der zuweilen eine Krone trägt und eine Zweizack schwingt. Häufig wird der Gott auf seinem Wagen abgebildet, als er Persephone (Proserpina) raubt; Kerberos kann ihm beigestellt sein.

Hadfield, George
(1763-1826). Geb. in Livorno, ausgebildet an der Royal Academy in London, gewann dort 1784 die Goldmedaille und studierte 1790-91in Italien. Um 1795 ging er nach Amerika; im gleichen Jahr wurde er mit der Bauleitung des neuen Kapitols in Washington an Stelle Stephen Hallets beauftragt. Er lehnte sowohl den Entwurf von Thornton, William als auch Hallets Korrekturen ab. Seine radikalen Änderungsvorschläge wurden aber nicht gebilligt; 1798 wurde er entlassen. Er arbeitete jedoch weiterhin in Washington und baute in der neuen Stadt im klassizistischen Stil der City Hall (1820, jetzt das District of Columbia Courthosue), die United States Bank (1824), Fuller`s Hotel, Gadsby`s Hotel, ein Grabmal für Van Nees (1826) und das imposante "Paestoum portico" von Airlington House (1818), eines der schönsten Beispiele des Greek Revival in Amerika.

Häfele, MelchiorHefele, Melchior

Hagenauer, Johann Baptist
* 22.6.1732 in Strass, Oberbayern, + 9.9.1810 in Wien. Deutscher Bildhauer, lernte an der Wiener Akademie und schuf zunächst Kleinplastiken im Stil des Rokoko ("Christus a.d. Geiselsäule", 1756, Cleveland, Museum of Art). Seit 1760 entstanden grössere Arbeiten wie die Mariensäule für den Domplatz in Salzburg (1766-71) und die mythologischen Figuren für die Schlossparks von Nymphenburg (München) und Schönbrunn Wien, mit denen er sich dem Klassizismus annäherte. 1774 bis 1781 lehrte Hagenauer an der Wiene

Hagenauer, Wolfgang
* 16.10.1726 in Strass, 16.12.1801 in Salzburg. Österreichischer Architekt, der sich nach anfänglicher Arbeit als Zimmermann ab 1758 an der Akademie in Wien weiterbildete und 1760 zum Hofbauverwwalter des Erzstifts Salzburg wurde. Zu seinen bereits den Klassizismus ankündigenden Werken zählen die Pfarrkirchen Buchbach (1764) und Mattsee (1777), das Badeschloss Badgastein (1791) und einige Altäre, wie der Hochaltar von St. Georg auf der Festung Hohensalzburg (1776).

Haiger, Ernst von
(*10.6.1874 in Mülheim a.d. Ruhr). Münchener Architekt, der u.a. Schloss Lubie in Schlesien errichtete.

Halfpenny, William
(Michael Hoare, gest. 1755). Die Kirche Holy Trinity in Leeds (1722-27) ist sein einziges erhaltenes Bauwerk von Bedeutung. Er entwarf auch die Redland Chapel in Bristol (1740-43). Halfpenny veröffentlichte für Liebhaberarchitekten und Baumeister etwa 20 Handbücher zur Architektur, mit denen er ungeheuren Erfolg hatte und grossen Einfluss ausübte. Seine Entwürfe sind meistens dem Palladianismus verpflichtet. Er unternahm aber auch ziemlich dilettantische Versuche in einem gekünstelten Rokoko, in Chinoiserien, in der Neugotik usw. Zu seinen besten Büchern gehören "A New and Compleat System of Architecture" (1749) und "Rural Architecture in the Chinese Tase" (um 1750).

Haller von Hallerstein, Carl Freiherr von
Am 10.6.1774 in Hilpoltstein bei Nürnberg geboren. Er studierte Architektur, bezog wie Schinkel, Karl Friedrich Anregungen von dem klassizistischen Baumeister F. Gilly und wurde durch seine Entwürfe für die Münchener Glyptothek und die Walhalla bei Regensburg bekannt. Später ging von Hallerstein nach Griechenland, um die grossen Bauwerke der griechischen Klassik zu studieren und Anregungen für seine klassizistischen Entwürfe zu finden. Er beteiligte sich an Ausgrabungen und untersuchte 1810 mit dem britischen Architekten C.L. Cockerell den Aphaia-Tempel von Ägina. Inwieweit der bayerische Freiherr seine Hand mit im Spiel hatte, dass die berühmten Giebelskulpturen des Tempels, die sog. Ägineten, nach München kamen und nicht nach London, ist unbekannt. Jedenfalls gelang es einem gewissen Martin von Wagner, die Skulpturengruppe auf der Insel Zakynthos für den bayerischen Prinzen, den späteren König Ludwig I., zu ersteigern. Die britische Regierung erhob Einspruch und beschlagnahmte die auf Malta zwischengelandeten „Ägyineten“. Bayern bestand aber auf der Herausgabe der Skulpturen, und London gab schliesslich wegen der damals gespannten Lage nach. 1811/12 grub Cockerell mit von Hallerstein und dem baltischen Baron O. von Stackelberg am Apollon-Tempel von Bassai (Phigaleia, Peloponnes). Sie fanden unter dem Schutt die meisten Platten des Tempelfrieses. Doch diesmal erhielt das Britische Museum bei der Versteigerung auf Zakynthos den Zuschlag. Von Hallerstein starb am 5.11.1817 in Ampelakia (Nordgriechenland).

Hamilton Johann Georg de
* 1672 in Brüssel, + 3.1.1737 in Wien. Schottischer Tiermaler, stammte aus einer Künstlerfamilie, die sich auf die Stilllebenmalerei, insbesondere die Darstellung von Jagdbeute, aber auch von lebenden Tieren wie Pferden und Hunden spezialisiert hatte und in der Tradition der flämischen Malerei von Frans Snijders und Jan Fyt stand. Ab 1598 ist er in Wien nachweisbar, wo er für die Fürstenhäuser Liechtenstein und Schwarzenberg arbeitete. Das Haus Schwarzenberg nahm ihn 1710 fest in seine Dienste und übertrug ihm die Ausstattung seines Jagdschlosses Ohrada sowie einzelne Werke für sein Stadtpalais (Schwarzenberg-Palais Wien) und sein Sommerpalais in Wien (Schwarzenberg-Sommerpalais). 1718 wurde er von Kaiser Karl VI. zum Hofmaler berufen und widmete sich nun besonders der Porträtierung der Lipizzaner aus der spanischen Hofreitschule (Das Gestüt in Lipizza, 1727, Wien, Kunsthistorisches Museum).

Hamilton, Gavin
* 1723 in Murdieston House, Lanarkshire, + 4.1.1798 in Rom. Schottischer Archäologe, Porträtmaler und Historienmaler des beginnenden Klassizismus, siedelte 1742 nach Rom über, wo er Schüler von Agostino Masucci war und von wo aus er 1748 eine Studienreise nach Neapel und Capri unternahm. Er gehörte zum Kreis um Anton Raphael Mengs und Winckelmann, Johann Joachim. Hamilton malte mythologische Themen, so nach 1760 eine Bildreihe mit homerischen Sujets; zwischen 1782 und 1784 vollendete er die Arbeiten an den "Szenen aus der Geschichte von Paris und Helena" (Rom, Museo di Roma). Linienführung und plastische Formgebung blieben dabei ebenso konventionell wie das Kolorit. Hamilton war auch ein erfolgreicher Porträtmaler und führte als Archäologe zahlreiche Ausgrabungen (u.a. in Palmyra) durch.

Hammerschmidt, Felix Anton
(+16.10.1762 in Neisse). Schlesischer Baumeister. Errichtete wahrscheinlich Schloss Rohnstock, sicher den Stadthof der Grüssauer Äbte in Schweidnitz, war am Bau von Schloss Fürstenstein Waldenburg und dem Bischofspalais Neisse II beteiligt

Hancke, Johann ChristophHandke, Johann Christop

Handke, Johann Christoph
(auch Hancke). * 18.2.1694 in Johnsdorf bei Römerstadt, + Ende Dez. 1774 in Olmütz. Mährischer Freskenmaler und Ölmaler. Nur wenige Werke von ihm sind erhalten geblieben. 1722 malte er die Fresken der Kapelle auf der Burg von Olmütz I und im dortigen Rathaussaal und danach viele Fresken in Kirchen und Klöstern von Olmütz und Umgebung. Ausserdem schuf er zahlreiche Ölbilder von Kaisern, Päpsten und Bischöfen sowie Heiligenbilder und Altarbilder, zuletzt 1768 das Hochaltarbild "Mariä Himmelfahrt" für die Ki

Hans von Aachen
(1552 in Köln - 4.3.1615 Prag). Deutscher Maler des höfischen Manierismus des 16. Jh. Nach einer sechsjährigen Ausbildung bei dem niederländischen Romanisten Georg Jerrigh in Köln ging er 1574 nach Italien, wo er zunächst in Venedig nachhaltige Eindrücke von Tintoretto empfing und später in Rom im Studium der Bilder Correggios und vor allem der Kompositionen Michelangelos einen ekletisch-virtuosen Stil entwickelte. 1588 kehrte er über Florenz nach Köln zurück, folgte aber schon bald einem Ruf Herzog Wilhelms V. von Bayern an den Hof zu München. 1592 wurde er von Kaiser Rudolf II. zum Kammermaler ernannt. Er malte biblische, mythologische und allegorische Szenen, z.B. den Sieg der Wahrheit unter dem Schutz der Gerechtigkeit (1598, München, Alte Pinakothek); ausserdem schuf er hervorragende Bildnisse. 1601 liess er sich endgültig in Prag nieder und gehörte, 1604 geadelt, neben Giuseppe Arcimboldo, Bartholomäus Spranger und Joseph Heinz d.Ä. zum engsten Kreis der am Hof Rudolf II. schaffenden Maler. Noch mehrmals reiste er nach Italien, das er immer als Quelle seiner Inspirationen empfand. Nach dem Tod Rudolfs II. wurde er 1612 von Kaiser Matthias in seinem Amt als Kammermaler bestätigt.

Harckner, Jacob
Schlesischer Baumeister. Arbeitete an Schloss Kreidelwitz.

Hardouin-Mansart, Jules
(1646-1708). Grossneffe von Mansart, Francois, bei dem er wohl ausgebildet wurde, obwohl er stärker von Le Vau, Louis beeinflusst war; zusammen mit Lebrun führte er in der Spiegelgalerie von Versailles die grandiose Planung von Le Vau, Louis zur Vollendung. Hardouin-Mansart verstand es gut, sich vollkommen in die künstlerischen Bedürfnisse des Hofes Ludwig XIV. einzufühlen, und trat bald, da er sachverständig, flink und anpassungsfähig war, als Hofarchitekt hervor (1675 wurde er kgl. Architekt, 1685 erster Hofarchitekt und 1699 Oberhofbaumeister). Seine glänzende Karriere erregte Neid, und Saint-Simon beschuldigte ihn, sich in einem Hinterraum willige Architekten zu halten, die für ihn alle Arbeiten erledigten. Ohne Zweifel konnte er sich glücklich schätzen, so tüchtige Mitarbeiter wie Lassurance und Lepautre, Pierre zu haben, doch besass er auch selbst eine grosse Begabung und klares Empfinden für die Forderung des Hofes: einen glanzvollen Hintergrund für das Schauspiel des königlichen Zeremoniells zu schaffen. Ab 1678 war er mit der Erweiterung von Versailles beschäftigt. Seine Tätigkeit wirkte sich auf die äussere Gestalt des Schlosses unheilvoll aus, weil er die Mittelterrasse von Le Vaus (Le Vau, Louis) Gartenfassade einebnete und durch den Anbau der Seitenflügel die Gartenfront um das Dreifache verlängerte. Dennoch ist diese vielleicht einförmige Front überwältigend in ihrer Ausdehnung und ihrer Ausgewogenheit. Der Marstall, die Orangerie, das Grand Trianon und die Schlosskirche gelangen ihm besser. Seine stilistische Gestaltungskraft im Sinnes eines barocken Klassizismus erreichte im Invalidendom in Paris (1680-91) ihren Höhepunkt, während die Place Vendome (1698ff.) seine schöpferische Begabung bei der Lösung städteplanerischer Aufgaben grossen Stils veranschaulicht. Gegen Ende seines Lebens wandte sich Hardouin-Mansart vom barocken Pomp ab. Das zeigt sich deutlich in einer Reihe von Zimmern in Versailles, im Grand Trianon und in Marly, die unter seiner Leitung in den 90er Jahren neu ausgestattet wurden. Hardouin-Mansart tendierte in diesen Spätwerken zu einem leichteren und eleganteren Dekorationsstil, der den ersten Schritt in Richtung Rokoko bedeutete.

Hardtmuth, Joseph
* 20.2.1752 in Asparn, Niederösterreich, + 23.5.1816 in Wien. Österreichischer Architekt, Vertreter des romantischen Klassizismus, erbaute im Dienst der Fürsten von Liechtenstein in Wien und Umgebung zahlreiche Stadtpalais sowie Herrschaftssitze mit zugehörigen Parkanlagen. Nach einer Lehre bei seinem Onkel, dem Wiener Stadtbaumeister Joseph Meissl, machte sich Hardtmuth mit dem Fassadenplan für das Liechtensteinsches Majoratshaus eine Namen, dessen Ausführung und Ausstattung er selbst leitete. Zum fürstlichen Architekten ernannt, erbaute Hardtmuth zusammen mit anderen Architekten den Herrschaftssitz Eisgrub, in dessen englischem Landschaftspark er mit seinem Sonnentempel (1794) und dem Orientalischen Turm mit seinem moscheeartigen Unterbau (1797-1802) Kleinarchitekturen als versatzartige Stimmungskulissen errichtete.

Harleman, Carl Freiherr von
(1700-52). Schwedischer Architekt, Schüler von G.G. Adelcrantz und Tessin, Nicodemus d.J. Nach Reisen in Italien und Frankreich ab 1741 Oberintendant und Schlossarchitekt, als der er mit Tessin, Nicodemus d.Ä. den Bau des königlichen Schlosses in Stockholm leitete, mit Schwerpunkt auf der Innendekoration. Auch für den Ausbau des Schlosses Drottningholm (1746-54) zeichnete Harleman verantwortlich. Die Verbreitung des Rokokositls in Schweden ist auf ihn zurückzuführen. Seine profanen Bauten zeigen deutlichen Anschluss an die französische Architekturauffassung, während er sich für kirchliche Bauten eher an den Barock anlehnte.

Harms, Johann Oswald
* 30.4.1643 in Hamburg, + 1708 in Braunschweig. Deutscher Freskomaler und Theatermaler des Barock. Wurde bei Hinrich Ellerbroeck in Hamburg und Salvator Rosa in Rom ausgebildet. Mit seiner virtuosen Perspektivmalerei schuf er sowohl raumillusionierende Wandfresken und Deckenfresken als auch Tiefe vortäuschende Bühnenprospekte. Neben zwei Tafelbildern, "Ruinenlandschaft" (1673) und "Winterlandschaft" (1674, beide Hamburg, Kunsthalle), sind fast nur Entwurfszeichnungen für Bühnenbilder und die Ausstattungen f

Harper, Adolf Friedrich
(* 15.10.1725 Berlin, † 23.6.1806 Berlin), Maler. Nach Studien in Frankreich und Italien wurde er 1756 von Carl Eugen nach Stuttgart berufen. 1759 zum Hofmaler ernannt, wirkte er 1761 bis 1794 als Professor an der Académie des Arts und der Carlsschule für Landschaftsmalerei und ab 1784 als Galeriedirektor. 1798 kehrte er in seine Geburtsstadt Berlin zurück. Er schuf zahlreiche, oft von Piranesi, Giovanni Battista inspirierte, italienische Landschaften, Veduten und Supraporten.

Harsdorff, Kaspar Friedrich
* 26.5.1735 in Kopenhagen, + 24.2.1799 in Kopenhagen. Dänischer Architekt des Klassizismus, fand unter dem Eindruck seines Studiums an der Kopenhagener Akademie, mehr aber des Aufenthalts in Paris 1757-62 und anschliessend in Rom

Hauberrisser, Georg Joseph Ritter von
* 19.3.1841 in Graz, + 17.5.1922 in München. Deutscher Architekt des Historismus, war ab 1866 in München tätig und erwarb sich hohes Ansehen als Entwerfer zahlreicher öffentlicher Bauten in verschiedenen Stilen. Das Neue Rathaus (1866-74; 1899-1909 durch ihn selbst erweitert) und die Kirche St. Paul (1892-1906) in München sind neugotisch, das Rathaus von Kaufbeuren (1879-81) dagegen in Formen der deutschen Frührenaissance erbaut. Neben Bauten wie dem Wiesbadener Rathaus (1884-97) und dem Saabrückener Rathaus (1897-1900) ist auch sein Wirken als Restaurator z.B. von St. Sebald in Nürnberg (1888-1903) und der Deutschordensburg Busan (1890) von Bedeutung.

Haven, Lambert van
* 16.4.1630 in Bergen/Norwegen, + 9.5.1695 in Kopenhagen. Dänischer Architekt und Maler. Erhielt seine Ausbildung in Italien und war seit 1671 Generalbaumeister und Inspektor der Königlichen Kunstsammlungen unter Christian V. in Dänemark. Studienreisen nach Deutschland, Frankreich und Holland brachten ihm wichtige Impulse. Die holländischen Einflüsse die er in die skandinavische Architektur der 2. Hälfte des 17. Jh. einführte, sind u.a. an seinem Hauptwerk zu beobachten, der Vor Freislers Kirke (Erlöserkirche) in Kopenhagen (1682-96). Der zentralisierende Grundriss, ein sich mit einem griechischen Kreuz durchdringendes Quadrat, zeigt aber auch römische Renaissanceeinflüsse und Barockeinflüsse. Als Verwalter von Schloss Frederiksberg leitete Haven seit 1681dessen Ausstattung nach Vorbildern des französischen Hochbarock (Versailles). In Kopenhagen errichtete er ausserdem das Portal von Schloss Rosenborg(1672) und das Torhaus von Schloss Christiansborg (1674-75). Von seiner Arbeit als Maler ist dagegen fast nichts erhalten.

Hawksmoor, Nicholas
Nach Vanbrugh, Sir John der individuellste englische Architekt des Barock. Hawksmoor stammte aus einer Bauernfamilie in Nottinghamshire. Im Alter von 18 Jahren kam er zu Wren, Sir Christopher und arbeitete unter dessen Leitung beim Bau des Greenwich Hospital und auch bei anderen Aufgaben bis zum Tod von Wren, Sir Christopher. Danach holte ihn 1690 Vanbrugh, Sir John, der in ihm einen fähigen Mitarbeiter erkannt hatte. Dieser setzte ihn vor allem beim Bau von Castle Howard und Blenheim Palace ein. Er war beiden, Wren, Sir Christopher wie Vanbrugh, Sir John, mehr als ein blosser Assistent, doch kann heute nicht mehr im einzelnen festgestellt werden, wieviel sie ihm verdanken. Seine eigenen Bauten zeigen seine Originalität. Aber durch seinen störrischen, eigenwilligen Charakter und seinen Mangel an Tatkraft blieben ihm grosse Chancen und gesellschaftlicher Erfolg versagt. Kraftvoll, gelehrt-exzentrisch und ausserordentlich plastisch ist sein Stil eine ganz persönliche Variante des Barock, in der Elemente des Stils von Wren, Sir Christopher, der römische Antike und der Gotik verschmolzen sind. Seine Leidenschaft galt – und darin folgt er nicht Wren, Sir Christopher, sondern Vanbrugh, Sir John – dramatischer Gestaltung von Massen: Kritiker meinen jedoch, dass seine Bauten dadurch zu schwer wurden. Er machte sich etwa 1702 selbständig, als er Easton Neston begann. Er schuf hier einen festgefügten, rechteckigen Bau, rings von kolossalen Säulen umgeben. Easton Neston vereinigt in sich die Grandezza und Urbanität von Wren, Sir Christopher und deutet in einigen Details auf Vanbrugh, Sir John. Als das Parlament 1711 beschloss, 50 neue Kirchen zu errichten, wurde Hawksmoor leitender Architekt des Vorhabens. Die sechs von ihm selbst entworfenen Kirchen stehen im Zentrum seines Oeuvres. Jede einzelne Kirche ist ein kleines Meisterwerk für sich: St. Anne`s, Limehouse (1712-24) mit ma. Spitzturm in klassischer Verkleidung, St. Mary Woolnoth (1726/27) mit quadratischem Grundriss, St. George, Bloomsbury (1720-30). Hawksmoors grösstes und massvollstes Werk ist Christchurch, Spitalfields (1723-39), das sich an Eigenwilligkeit und Übertreibung mit den Werken von Vanbrugh, Sir John messen kann. Den Innenhof und den Speisesaal von All Souls` College in Oxford sowie die Westtürme der Westminster Abbey (1734) gestaltete Hawksmoor in seinem neugotischen Stil. Für den ernsten und strengen dorischen Rundbau des Mausoleums in Castle Howard (1729) liess er sich noch einmal von der römischen Baukunst und Bramante, Donato anregen.

Hebe
Oft gleichgesetzt mit Juventus (röm.). Tochter des Zeus und der Hera. Göttin der Jugend, die die Götter bedient. Der Kult der Hebe war in Rom weit verbreitet, wo sie als Symbol des fortwährenden Wiedererblühens der Jugend des Staates galt. Hebe erscheint meist stehend mit einem Kelch in der Hand und einem Krug auf der Schulter oder während sie Nektar in einen Kelch füllt, um ihn dem Adler des Zeus (Jupiter) zu reichen.

Hefele, Melchior
(Häfele, Höferle). * 11.1.1716 in Kaltenbrunn, Tirol, + 21.1.1799 in Steinamanger. Österreichisch-ungarischer Architekt, vermittelte der ungarischen Baukunst klassizistisches Iddengut. Nach Mitarbeit beim Würzburger Hofschlosser Georg Oegg war er in Wien ansässig, wo er neben Triumphbogen und Katafalken sakrale Innenarchitektur, so für die Wallfahrtskirche bei Sonntagberg in Niederösterreich, schuf. 1763-70 renovierte Hefele überwiegend in barocken Formen die bischöfliche Residenz in Passau (Passau II). Seine spätere Tätigkeit für den ungarischen Klerus (Erzbischöfliches Sommerpalais Bratislava, 1778-81; ; Szombathely II, 1781 vollendet) zielte konsequent auf den Klassizismus und fand ihren Höhepunkt im Dom in Steinamanger (1791-1813, erst nach Hefeles Tod vollendet).

Heideloff, Carl Alexander von
(1789-1865). Bekannt vor allem als Restaurator: Dom in Bamberg, Veste Coburg, Kreuzkirche in Rottweil, Frauenkirche in München, St. Sebald u. St. Lorenz in Nürnberg, Stiftskirche in Stuttgart, St. Georg in Dinkelsbühl und viele andere. Er veröffentlichte "Die Ornamentik des Mittelalters" (1838-52), "Die Bauhütte des Mittelalters" (1844) u.a. Als Architekt bevorzugte er den neugotischen Stil.

Heideloff, Viktor
(* 29.6.1759 Stuttgart, † 11.5.1817 Stuttgart), Maler. Heideloff erhielt seine Ausbildung zum Maler 1771 bis 1780 an der Hohen Carlsschule. 1782 konnte er Frankreich und Italien bereisen. Er wurde 1788 zum Hoftheatermaler und 1789 zum Professor an der Hohen Carlsschule ernannt. Er war ein sehr vielseitiger Maler, der neben Theaterdekorationen vor allem auch Deckenbilder und Dekorationsmalereien in den Schlössern in Hohenheim, Stuttgart II und Ludwigsburg Krs. Ludwigsburg ausführte. Daneben schuf er einen Zyklus von Ansichten des englischen Gartens in Hohenheim.

Hektor
Sohn des trojanischen Königs Priamos und der Hekabe; Bruder des Paris. Trojanischer Heerführer, der von Achill getötet wird. Hektor wird oft als Krieger dargestellt. Der Abschied von seiner Frau Andromache am skäischen Tor gilt als beliebtes Motiv in der Kunst.

Helena
Nach Homer die Tochter des Zeus (Jupiter) und der Leda. Die Schönste unter den Frauen und die Gemahlin des Menelaos; sie wird von Paris entführt. Der Kult zu Ehren der Helena war vor allem in Sparta verbreitet, wo sie als Beschützerin der Jungvermählten und Jugendlichen verehrt wurde. Vielfach ist die Szene vom Raub der Helena durch Paris dargestellt, die meist in einem Hafen angesiedelt sind. Dabei zieht Paris Helena eng an sich, während sie verzweifelt versucht, sich seinem Griff zu entwinden.

HeliosApollon

HellotisEuropa

Henry Of Reynes
Tätig um die Mitte des 13. Jh. Englischer Architekt. 1245 berief Heinrich III. einen Architekten zum Bau der Westminster Abbey nach London, von dem der Name Henry of Reynes überliefert ist. Bis heute ist unklar, of sich "Reynes" auf den französischen Ort Reims bezieht - starke französischen Ort Reims bezieht - starke französische Einflüsse in Westminster, so die östliche Grundrissdisposition, die Strebebogen, das Masswerk u.a., legen dies nahe - oder von der gleichnahmigen englischen Ortschaft in Essex abzu

Henry of Reyns
1243 Meister der kgl. Bauhütte von Schloss Windsor, später kgl. Baumeister von Westminster Abbey in London. Anscheinend hat er 1253 nicht mehr gelebt. Da er zu Baubeginn der Westminster Abbey dort Baumeister war, hatte er möglicherweise den Entwurf für die Abbey geliefert. Sein Zuname Reyns ist klangmässig mit dem Ortsnamen Reims verwandt; tatsächlich gehen manche Details von Westminister Abbey - Masswerk, Laufgänge in den Ostkapellen - im Stil auf die Kathedrale von Reims, aber auch auf Amiens und die Sainte-Chapelle in Paris zurück, die bei Baubeginn vollendet waren. Andere Elemente wiederum stehen ganz in der engl. Tradition, wie die grosse Empore und das Gewölbe mit Scheitelrippe. So kann man vielleicht schliessen, das Henry de Reyns von Geburt Engländer war und in Reims gearbeitet hatte. Dem Stil nach könnte auch King`s Chapel in Windsor von Henry de Reyns entworfen sein (um 1240).

Hephaistos
(röm. Vulkanos, später Vulkan). Sohn des Zeus (Jupiter) und der Hera (Juno). Gott des Feuers und der Schmiedekunst. Besondere Verehrung genoss der Gott auf der Insel Lemnos, auf die ihn Zeus (Jupiter) der Sage nach wutentbrannt geschleudert hatte; darüberhinau huldigte man dem Gott auf Inseln vulkanischen Ursprungs wie Sizilien; der römische Volcanus-Kult geht auf die Frühzeit zurück. Hephaistos ist häufig bei der Arbeit in seiner Schmiede zu sehen. Seine Attribute sind Hammer und Amboss. Gelegentlich ist er von seinen Gehilfen umgeben, den Kyklopen.

Hera
(Iuno, röm. Juno). Tochter des Kronos (Saturn) und der Rhea. Die wichtigste weibliche olympische Gottheit, Schwester und Gattin des Zeus (Jupiter); Schutzgöttin von Ehe und Geburt. Hera wurde in ganz Griechenland verehrt. Die eifersüchtige, gewalttätige und rachsüchtige Gattin des Zeus (Jupiter) ist häufig mit einem Diadem oder einem Zepter versehen, das auf ihre Stellung als Königin des Olymp verweist.

Herakles
(röm. Hercules, Herkules). Nach Homer Sohn des Zeus (Jupiter) und der Almene. Einer der berühmtesten Helden der griechischen Sage; Personifizierung des Mutes und der Körperkraft. Einigen Quellen zufolge begründete der Held die olympischen Spiele; in Griechenland wurden an verschiedenen Orten Feste zu Ehren des Herakles begangen. Der Heros wird als bärtiger und muskulöser Mann dargestellt, ausgestattet mit einem Löwenfell und einer Keule, manchmal mit Köcher, Pfeil und Bogen, einem Geschenk Apolls.

HerculesHerakles

Hercules
Lat. Form des griechischen Herakles. Halbgott, Sohn des Zeus. Überwinder irdischer Mühen.

Here de Corny, Emmanuel
(1705-63). Der Architekt arbeitete im Louis-quinze-Stil und wurde durch seine Place Stanislas (Place Royale) in Nancy, eines der schönsten Beispiele für die Stadtplanung zur Zeit des Rokoko, berühmt. Er erhielt seine Ausbildung bei Boffrand, Gabriel Germain in Paris, war dann ab 1740 in Nancy Architekt von Stanislas Leszczynski, dem Exkönig von Polen. Für ihn führte er seine Bauten aus: das Hotel des Missions Royales (1741-43), das Chateau de Malgrange (1743), die Place Stanislas (1752-56) und die Place d`Alliance, alle in Nancy. Die Mauerecken der Place Stanislas sind mit schönen schmiedeeisernen Gittern von Jean Lamour geschmückt. Here de Corny veröffentlichte "Recueil des plans etc." (1750) und "Plans et elevations de la Place Royale de Nancy" (1753).

Herigoyen, Emanuel Joseph von
(1746-1817). In Portugal geboren, aber vorwiegend im süddeutschen Raum beschäftigter Architekt und Geometer. 1767-69 Studium in Paris. Ab 1774-1804 vorwiegend für den Mainzer Kurfürsten Carl Freiherr von Erthal tätig. 1804 Übersiedlung nach Regensburg, dort Stadtbaumeister und Landbaumeister, 1810 Ernennung zum Bayerischen Oberbaukommissar in München. Seine wichtigsten Arbeiten: Umbaumassnahmen an der Johannisburg in Aschaffenburg (1774-84), Schloss und Parkanlage Schönbusch bei Aschaffenburg (1772-82), Frühstückspavillon im Schlossbereich Aschaffenburg (1782), Französische Gesandschaft in Regensburg (1805), Umbau des Palais Montgelas (1811-13), Tor zum Botanischen Garten (1812), beide in München. Seien Architekturauffassung ist oft abhänig von dem Architekturtheoretiker Morris, Robert.

HerkulesHerakles

Herland, Hugh
(gest. ca. 1405). War seit etwa 1350 Zimmermeister im Dienste des engl. Königs, 1375 als William Herland, wahrscheinlich Herlands Vater, starb, wurde er Leiter der kgl. Zimmermannswerkstätten. Sein "opus magnum" ist die Stichbalkendecke von Westminster Hall, die in den 1390er Jahren geschaffen wurde; sie hat eine Spannweite von etwa 22 Metern. Herland arbeitete auch (zusammen mit William of Wynford) für den engl. Kanzler und Bischof von Winchester William fo Wykeham am Bau von New College in Oxford un

Hermann, Franz Georg
* 29.12.1692 in Kempten, + 25.11.1768 in Kempten. Deutscher Maler, führender Freskant des Allgäuer Barock. Durch seinen Vater Franz Benedikt, während eines längjährigen Romaufenthalts bei Sebastiano Conca und zusammen mit Cosmas Damian Asam an der Accademia di S. Lucia geschult, wurde er 1717 Hofmaler der Fürstabtei Kempten II. Über Giovanni Antonio Pellegrini lernte er auch die venezianische Malerei des 18. Jh. kennen. Seine zahlreichen Fresken in Ottobeuren (1719/20), Füssen (1720/23); Ettal (1722/24), in den Räumen der Kemptener Fürstabtei (Kempten II, 1730/34 und 1742/45) und die Altarblätter für St. Lorenz in Kempten (um 1748) zeigen einen einfallsreichen, erzählfreudigen, aber auch bodenständigen Malstil.

Hermes
(röm. Merkur). Sohn des Zeus (Jupiter) und der Maia; eine der zwölf Hauptgottheiten des Olymp. Griechischer Gott der Herden, der Wanderer, des Handels (auch der Diebe und Betrüger), Götterbote und Geleiter der Seelen in die Unterwelt (sogen. Psychopompos). Der Kult des Hermes aus Arkadien verbreitete sich in ganz Griechenland; in Rom huldigte man Merkur im Monat Mai. Hermes wird dargestellt als mit athletischem Körper und trägt eine Flügelhaube, Flügelschuhe und den Heroldsstab.

Hermes Trismegistos
(der Allergrösste). Die Gestalt des ägyptischen Gottes des Masses und der Zahl, den die Griechen mit Hermes gleichsetzten. Vor allem die Neuplatoniker arbeiteten den Lehren des Hermes Trismegistos in ihr System ein. Der Gott war die Verkörperung verborgenen Wissens um die Ordnung der Naturkräfte. Noch Paracelsus, der grosse Arzt zu Beginn der Neuzeit stützte seine Lehre auf die "hermetische" Weisheit.