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209 Person(en) gefunden.

Bacchus
Gott des Weins, Mysteriengottheit (Dionysos).

BacciaccaBacciacca

Bacciarelli, Marcello
*16.2.1731 in Rom, + 5.1.1818 in Warschau. Polnischer Maler italienischer Herkunft, dessen Stil vielfach europäische Einflüsse erkennen lässt. Der vor allem als Porträtist berühmte Bacciarelli studierte in Rom bei Marco Benefiali, wurde aber bereits 1750-53 von Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen (als August III. gleichzeitig König von Polen) an den Hof in Dresden verpflichtet. 1756 begleitete er August III. nach Warschau und liess sich dort endgültig nieder. Nur vorübergehend arbeitete er 1761-62 und 1764-66 mit grossem Erfolg für Kaiserin Maria Theresia am Wiener Hof. 1764 schlug er einen Ruf als Professor n die Dresdener Akademie aus und blieb in Warschau, wo er unter König Stanislaus August Poniatowski eine glänzende Karriere machte. Bereits 1768 wurde er geadelt und zum ersten Hofmaler ernannt. 1786 wurde er Generaldirektor der Königlichen Manufakturen und damit für die Ausstattung der Schlösser und den Aufbau einer Gemäldegalerie verantwortlich. In so gegensätzlichen Bildnissen wie "König Stanislaus Augustus im Krönungsorant" um 1768 (Warschau, Muzeum Narodowe), und "König Stanislaus Augustus mit Sanduhr", 1793 (ebenfalls Warschau, Muzeum Narodowe), bewies er seine Meisterschaft, auch repräsentative Staatsbilder entsprechend dem privaten intimen Portät darzustellen. Neben seinen Bildnissen malte er Allegorien und Bilder aus der polnischen Geschichte. Von den Wandgemälden, auf denen er 1768-85 im Königlichen Schloss Warschau I und 1788-93 im Lazienki-Palast in mythologischen Szenen die Mitglieder der Hofgesellschaft porträtierte, wurden die Gewölbefresken im letzten Krieg zerstört; die erhaltenen Arbeiten befinden sich, auf Leinwand übertragen, in Warschau im Muzeum Narodowe.

Bach, Carl Daniel
(*1756 in Potsdam, +8.4.1829 in Breslau). Maler und Graphiker, u.a. in Schlesien tätig.

Bacher, Gideon
Baumeister und Mathematiker aus Ulm. Er wirkte an Schloss Hochberg (1590), Schloss Ansbach I (Kanzlei, Neue-Bau Gästehaus, markgräfliches Lusthaus, 1591), schuf den Plan für die Adlerbastei in Ulm II (Einsturz 1603) und war beteiligt an der Veste Coburg I.

Bachiacca
(auch Bacciacca, eigtl. Francesco Ubertini). *1.3.1494 in Florenz, + 5.10.1557 in Florenz. Italienischer Maler, der anfangs Motive bedeutender Renaissancemaler umgestaltete und auf Kleinformate übertrug, der aber in seinem Spätwerk unter dem Einfluss des Manierismus noch zu eigenständigen Gestaltungen gelangte. Er war der Sohn des Florentiner Goldschmieds Ubertino di Bartolomeo. Seine Lehre verbrachte er bei Pietro Vannucci Perugino. Den vorwiegenden Einfluss auf ihn übten jedoch Piero di Cosimo und Andrea del Sarto aus. Bachiacca lebte einige Zeit in Rom, 1540 trat er, wieder in Florenz, in den Dienst von Cosimo de` Medici, für dessen Naturalienkabinett er botanische und zoologische Zeichnungen anfertigte. Ausserdem führte er Kartons für Wandteppiche mit Monatsdarstellungen und Groteskdarstellungen aus, die 1553 von Jan Rost gewebt wurden, und dekorierte eine Loggie im Veccio-Palazzo Florenz. Bachiacca ist vorwiegend als Eklektiker zu charakterisieren, der seine Anregungen nahezu ausschliesslich aus der vorangegangenen Kunst empfing, Motive aus Werken deutscher, flämischer und norditalienischer Grafik übernahm, aber auch viele Werke, z.B. von Fra Bartolommeo, Andrea del Sarto, Albrecht Dürer, Lucas van Leyden, Leonardo, Raffael und Michelangelo, in Kleinform auf Mobiliar und Einrichtungsgegenstände von Bürgerhäusern übertrug. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die 1515-18 gemalten "Szenen aus dem leben des ägyptischen Josef" (Rom, Galleria Borghese, und London, National Gallery), die zusammen mti Werken von Andrea del Sarto, Francesco Granacci und Jacopo Pontormo für die Hochzeitskammer des Pier Francesco Borgherini in Auftrag gegeben worden waren.

Bachmann, Curt
Architekt, Baurat in Hirschberg/Schlesien.

Bäcker, Adalbert
Maler und Restaurator, u.a. in Schlesien.

Bäcker, Adolph
Restaurator, u.a. in Schlesien.

Backer, Johann Franz de
(auch Frans, *um 1680 in Antwerpen, +um 1750 in Breslau). Maler, u.a. in Schlesien tätig.

Bąckowski, Wojciech
Maler aus Kęty/Schlesien.

Baco, Ferrer DeBassa, Ferrer

Baen, Jan de
*20.2.1633 in Haarlem, + 8.3.1702 in Den Haag (?). Holländischer Maler, wurde 1654 Schüler von Jacob Adriaensz Backer in Amsterdam. Um 1660 zog er nach Den Haag. Er war ein zu seiner Zeit gesuchter Porträtmaler, der im Stil Anthonis van Dycks malte und viele Bilder von Mitgliedern des Hauses Oranien schuf. Kurze Zeit arbeitete er am Hof Karls II. von England; dort entstanden Bildnisse des Königs und der Königin. Friedrich Wilhelm I. von Preussen, der Grosse Kurfürst, ernannte ihn 1676 zum Hofmaler.

Baggallay, Frank Thomas
(*1855 in Wandworth/London, +1929). Englischer Architekt und Zeichner.

Baglione, Giovanni
*1571 in Rom, +1644 in Rom; italienischer Maler und Kunstschriftsteller, Schüler von Florentinus F. Morelli, weitergebildet unter Cavaliere d`Arpino, schuf unter dem Einfluss Michelangelos barocke Fresken und Altarbilder in römischen Kirchen und Palästen. Zu seinen Hauptwerken zählten die Altarbilder !Auferstehung Christi (1603, Il Gesú) und die "Auferweckung der Tabitha" (Kopie aus dem 18. Jh., S. Maria degli Angeli) für das ihm Clemens VIII. das Kreuz des Christusordens verlieh. Bedeutender ist Baglione

Bagnato, Johann Caspar
(+1757 Mainau i. Bodensee). Architekt aus Como. Deutschordensbaumeister zu Altshausen II, Architekt von Schloss Mainau II 1739ff., Umbau von Schloss Dillingen Krs. Dillingen 1737-40.

Bahr, Franz
Steinmetz aus Haynau/Schlesien.

Bähr, George
(auch Beer, Behr sowie auch Johann Georg, *15.3.1666 in Fürstenwalde b. Lauenstein, +16.3.1738 in Dresden). Baumeister, u.a. in Schlesien tätig.

Baildon, John
(*11.12.1772 in Carron/Schottland, +1846 in Oberschlesien). Bauingenieur, u.a. in Gleiwitz.

Baily, Edward Hodges
*10.3.1788 in Bristol, +22.5.1867 in Holloway; englischer Bildhauer, arbeitete ab 1807 über Jahre im Atelier von John Flaxman in London. Gleichzeitig besuchte er ab 1809 in Royal Academy in London, an der er 1811 die goldene Medaille für die Gruppe "Hercules rescuing Alcestis" erhielt. Bekannt wurde Baily durch seine Statur "Eve at the Fountain", die er 1818 in Bristol ausführte (London, Victoria und Albert Museum). 1821 wurde er Mitglied an der Royal Academy. Er fertigte Skulpturen für den {Buckingham Pa

BakchosDionysos

Baldassare da ReggioEstense, Baldassare

BaldassarinoCroce, Baldassare

Baldovinetti, Alessio
Auch Alesso. *vermutlich 14.10.1425 in Florenz, +28.8.1499 in Florenz. Italienischer Maler. Er war Schuler von Domenico Veneziano und einer der wichtigen Vertreter der florentinischen Frührenaissence. Eine gute Informationsquelle zu Leben und Werk Baldovinettis stellen - neben der Lebensbeschreibung von Vasari, Giorgio - die "Ricordi" dar, eigene Aufzeichnungen des Malers, die er 1449 begann und die in einer Abschrift erhalten sind. Sie erlauben einen verhältnismässig sicheren Überblick über seine Arbeite

Baldwein, Eberhard
Beteiligt an Schloss Marburg (südlicher Anbau 1572).

Ballenstedt, Adam
(*1880 in Posen, +1942 in Krakau).

Bandt
Maurermeister in Schmiedeberg (Schlesien).

Barelli, Agostino
(1627-70). Barockarchitekt. Wurde vom bayrischen Kurfürsten Ferdinand Maria nach München berufen. Er errichtete in seiner Vaterstadt Bologna (ab 1676 Ratsbaumeister) die Theatinerkirche S. Bartolomeo (1653) sowie die Vorhalle von S. Madonna del Baracano. Sein grösstes Verdienst besteht darin, den italienischen Barock nach Bayern gebracht zu haben: Von der kunstsinnigen Kurfürstin Henriette Adelaide von Savoyen, Gemahlin Kurfürst Ferdinand Marias von Bayern, die die einheimischen Kräfte als "piu id

Barocci, Federico
(auch Baroccio Fiori da Urbino). *1528 und 1535 in Urbino, + 30.9.1612 in Urbino. Italienischer Maler, Zeichner und Radierer, der mit seinen religiösen Tafelbildern zwischen Manierismus und Barock steht. Der Künstler lernte zunächst in der Werkstatt seines Vaters, des aus Mailand stammenden Bildhauers Ambrogio di Ferdico Barocci, sowie bei Battista Franco. Anschliessend arbeitete er in Pesaro bei seinem Onkel, dem Architekten Bartolomeo Genga, der ihn in die Probleme der Perspektive einwies und ihm auch die Werke Tizians nahebrachte. Als etwa Zwanzigjähriger kam Barocci nach Rom, wo er, gefördert von dem Kardinal Giulio della Rovere, die Werke Raffaels studierte, besonders aber von Correggrio beeinflusst wurde. 1557 schuf er für den Dom von Urbino eine "Hl. Cäcilia" und das "Marythum des hl. Sebastian", das noch ganz von Correggio abhängig ist. 1560 malte er gemeinsam mit Ferderico Zuccari für Papst Pius IV. im Vatikan Fresken im Casino und im Belvedere Vatikan. Nach einer vierjährigen, durch eine rätselhafte Erkrankung erzwungenen Schaffenspause ließ er sich endgültig in Urbino nieder und erfreute sich, nicht zuletzt dank der Gunst des Herzogs Guidobaldo, eines hohen Ansehens. So malte er 1584-88 für König Philipp II. von Spanien eine "Berufung des hl. Andreas", die sich heute im Real Monasterio des Escorial befindet. 1569 schuf er für den Dom in Perugia dei "Kreuzabnahme Christi", die ihn bereits auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft zeigt und ihm Sfumato einer lichten, kultivierten Farbigkeit vom toskanischen Manierismus bereits zum Barock hinüberleitet. Neben sehr ausdrucksvollen und treffenden Bildnissen, wie "Giuliano della Rovere" (um 1595, Wien, Kunsthistorisches Museum), schuf Barocci fast nur religiöse Bilder, wobei ihn, gegen den Geschmack der Epoche, das Dramatische weniger anzog als die Idylle, wie in "Ruhe auf der Flucht" (um 1573, Vatikan, Musei Vaticani, Pinacoteca) oder in der um 1597 gemalten "Geburt Christi" (Madrid, Museo del Prado). Eines seiner wenigen Bilder mit nichtbiblischen Themen malte er 1598 mit "Flucht des Äneas und Anchises" (Rom, Galleria Borghese), einem Motiv, das er bereits Jahre vorher im Auftrag Kaiser Rudolfs II. gemalt hatte, doch ist diese erste Fassung verlorengegangen. Zahlreiche seiner Motive wurden oft nachgeahmt, da er, stets auf seinen Ruhm bedacht, sie auch als Radierungen in Umlauf brachte oder von anderen Stechern verbreiten ließ. Trotz ehrenvoller Angebote, mit denen ihn der Herzog von Toskana, König Philipp II. von Spanien und Kaiser Rudolf II. an ihre Höfe riefen, blieb er seiner Heimat Urbino treu. Zu seinen Spätwerken gehören zwei Darstellungen des Abendmahls, die er 1592-99 im Dom von Urbino und 1604-07 in S. Maria sopra Minerva in Rom malte.

Baroffio, Giuseppe
(* 1692 Varese † 1778 Varese), Quadraturmaler. Bis auf kurze Aufenthalte in Ludwigsburg, Pavia und Bellinzona (Schweiz), arbeitete Baroffio fast nur in seiner Heimatstadt Varese, wo er auch starb. Ab 1731 hielt er sich für wenige Jahre in Ludwigsburg Krs. Ludwigsburg auf. Hier richtete er im Schloss eine Theaterbühne im Saal des Festinbaus ein und führte zusammen mit Scotti, Giovanni Pietro das Deckenfresko im Ordenssaal aus.

Barry, Sir Charles
*23.5.1795 in London, + 12.5.1860 in London. Frühviktorianischer Architekt. Er absolvierte erste Architekturstudien bei Middleton & Bailey in London. Von 1817-20 bereiste Barry zur weiteren künstlerischen Ausbildungs Frankreich, Italien (Rom, Florenz), Griechenland, die Türkei, Ägypten, Palästina und Syrien. Nach seiner Rückkehr nach England beteiligte er sich erfolgreich an mehreren Wettbewerben. Seine ersten Bauten waren Kirchen im neugotischen Stil, von denen St. Peter in Brighton (1823-28) die bedeutendste ist. 1824 entwarf er die Royal Institution of Fine Arts in Manchester in einem der griechischen Klassik angenäherten Stil. Mit seinem berühmten Entwurd für den Travellers` Club, Pall Mall, London (1829-32), leitete Barry die Neorenaissance in England ein. Die Fassadengliederung des Gebäudes erinnert an Raffaels Pandolfini-Palazzo in Florenz (Baubeginn 1520). 1837 baute Barry in unmittelbarer Nachbarschaft zum Travellers` Club den Reform Club, ein Gebäude mit Anklängen an den Farnese-Palazzo Roma (Baubeginn 1517). Barrys Hauptwerk bilden die Parlamentsgebäude in London (1840-70), die ihn bis zu seinem Lebensende beschäftigen sollten. Barry gewann den ersten Preis in einem 1835 dafür ausgeschriebenen Wettbewerb. Das Bauwerk im Perpendicular Style war bei seinem Tod noch unvollendet und wurde von seinem Sohn - Edward Middleton Barry - fertiggestellt. In den 30er Jahren widmete sich Barry vor allem der Renovierung bestehender Gebäude. "Richness of detail" und "grandeur of outline" waren - seinem Sohn zufolge - Leitbegriffe für den Umbau zahlreicher Landsitze englischer Aristokraten. Barry bezog auch die dazugehörigen Gartenanlagen in seine Planung ein und schuf einen viktorianischen Lebensstil, der in seiner geometrischen Anlage an französische Barockgärten erinnert. Weniger Erfolg hatte Barry mit seinem einzigen urbanistischen Projekt, der Umgestaltung des Trafalgar Square in London (1840 bis 1843). Die letzten 20 Jahre seines Lebens baute Barry relativ wenig. Nennenswert ist das Bridgewater House in London (1845-50) im Stil der italienischen Hochrenaissance. Sein letztes Bauwerk war das Rathaus von Hailfax, Yorkshire, das von seinem Sohn fertiggestellt wurde (1859-62). Während die Details im Renaissance-Stil gehalten sind, erinnern Proportionen und Betonung des Vertikalen an spätgotischen Rathäusern in Flandern. Barry gilt als der vielseitigste der frühviktorianischen Architekten. Er beherrschte die verschiedensten Stilarten, angefangen von der griechischen Klassik über den Perpendicular Style bis hin zur italienischen Neurenaissance. Sein persönlicher Beitrag zum Repertoire viktorianischer Architektur liegt in der Einführung eines italienisierenden "Palazzo-Stils" in die englische Profanarchitektur; mit seinem Entwurf für die Parlamentsgebäude erhielt die Neugotik einen wichtigen Stellenwert in der Öffentlichkeit.

Bartsch, Frantz
Maler aus Wölfelsberg (Schlesien). Tätig 2. Hälfte 18. Jh.

Bartsch, Joseph
(identisch m. Bartsch, Frantz?). Maler aus Wölfelsberg.

Bartsch, Philipp Anton
(*12.12.1742 in Breslau, *1788 in Breslau). Maler, u.a. in Schlesien tätig.

Barvitius, Antonin
*14.7.1823 in Prag, + 20.7.1901 in Prag. Tschechischer Architekt. Studierte nach anfänglichen juristischen und poetischen Studien Architektur bei Eduard v.d. Nüll in Wien und bildete sich während eines Italienaufenthaltes weiter. 1854 wurde ihm in Rom die Leitung der Restaurierung des Venezia-Palazzo übertragen, die er 1866 aufgrund politischer Ereignisse unterbrach, um nach Prag zurückzukehren. Dort entwarf er den Hauptbahnhof (1867), mehrere Villen und sein Hauptwerk, die Pfarrkirche Smichov. In seinen Bauten verarbeitete er die Kenntnisse der römischen und der Renaissancearchitektur.

Baschenow, Wassilij Iwanowitsch
*1.3.1737 in Dolskoje, Kaluga, + 2.8.1799 in St. Petersburg. Russischer Architekt. Mitbegründer des russischen Klassizismus, architektonischer Mitgestalter Moskaus, besuchte 1751-55 die Bauschule des Fürsten Dimitri Uchtomski, 1755-58 die Moskauer Universität, 1758-60 die Petersburger Kunstakademie. 1760 arbeitete Baschenow als Gehilfe des Hofarchitekten Rastrelli, Graf Bartolomeo Francesco und bildete sich 1761 bei Wailly, Charles de in Paris weiter. Nach einer Italienreise kehrte Baschenow 1765 nach Petersburg zurück, um im Dienst des Zaren an verschiedenen Projekten zu arbeiten. Im Auftrag der Kaiserin Katharina II. widmete er sich seinem Hauptwerk, einer Neugestaltung des Kremls

Baschenow, Wassily Iwanowitsch
(1738-99). Wahrscheinlich der visionärste russische Architekt, klassiszistisch. Sein Werk umfasst ein halbes Dutzend Gebäude und mehrere Entwürfe. Baschenow war zunächst Schüler von Uchtomsky in Moskau und Schewakinsky in St. Petersburg, studierte später in Paris und in Italien (Anfang 1760). 1767 beauftragte ihn Katharina II. mit dem Bau eines grossen Palastes, der die schon vorhandenen Baudenkmäler des Moskauer Kreml (Kreml Moskau) einschliessen sollte. Der Bau wurde nur bis zur Errichtung der Grundmauer ausgeführt, aber die Pläne und das massstabsgerechte Modell zeigen seine monumentalen Absichten: Über einem strengen Bossenwerk verbinden grossartige ionische Kolonnaden die oberen Stockwerke. Auch sein nächster Auftrag, der Umbau von Katharinas Palast und Park in Zarizyn bei Moskau (Zarizyn-Palast) im pseudo-gotischen Stil unter Verwendung klassischer und altrussischer Elemente, wurde nicht ausgeführt. Der Palast wurde kurz vor seiner Vollendung abgerissen und der Auftrag Kasakow übergeben. Unter seinen anderen Versuchen im gotischen Stil ist die Kirche von Tscherkizowo-Starki wegen ihrer Originalität und frühen Datums (1759 gegründet) besonders erwähnenswert. Nicht mehr in der Gunst des Hofes, wandte sich Baschenow privaten Moskauer Auftraggebern zu und baute das Pashkow-Haus (1784), den runden Glockenturm der Skorbyaschenskaja-Kirche und das Juschkow-Haus, das er mit abgerundeten und mit Kolonnaden versehenen Ecken ausstattete. Unter dem Zar Paul führte Baschenow seine wohl spektakulärsten Auftrag aus: die St. Michaels-Festung in St. Petersburg, eine neoklassische Festung mit Burggraben, ein wenig einnehmendes, jedoch faszinierendes Gebäude, dessen strenge Form durch zusätzliches Dekor von Vincenzo Brenna (1745-1820) aufgelockert wurde. Ihre grossen freistehenden Pavillions sind Baschenows letztes Meisterwerk.

Basevi, George
(1794-1845). Englischer Architekt. Basevi lernte bei Soane, Sir John. 1816-19 Aufenthalte in Italien und Griechenland. Seine ersten Bauten errichtete er im Stil der griechischen Antike (Greek Revival). Sein bekanntestes Werk, das Fitzwilliam Museum in Cambridge (beg. 1836) zeigt eine Neigung zur Auflösung der klassischen Harmonie: Die Bündel kolossaler Säulen und das schwere Attikageschoss wirken dramatisch, ja geradezu barock. Dies ist die gleiche Tendenz, die den Stil der Ecole des Beaux-Arts in Frankreich vom Empirestil unterscheidet. Zu Beginn seiner Laufbahn, um 1825, entwarf Basevi den Belgrave Square in London (ohne die Eckhäuser) und eine Reihe von Landsitzen in verschiedenen Stilimitationen.

Bassa, Ferrer
(auch Baco, Ferrer De). *um 1285 in Tortosa, +1348 in Barcelona (?). Spanischer Maler, der von der florentinischen und sienesischen Malweise vor allem Giottos und Simone Martinis beeinflusst war. Unter den katalanischen Meistern, die bis dahin ganz vom romanischen Stil bestimmte spanische Malerei mit toskanischen und sienesischen Elementen anreicherten und damit zu Wegbereitern der grossen katalanischen Malerschule wurden, gehörte Ferrer Bassa zu den originalsten Schöpferpersönlichkeiten. Vermutlich wurde er in Italien ausgebildet, vielleicht von Simone Martini, dessen Einfluss in seinem Schaffen deutlich erkennbar ist. Es ist auch anzunehmen, dass er Giotto und sogar noch Duccio di Buoninsegna persönlich gekannt hat. 1316 trat er in den Dienst des aragonischen Königshauses und erhielt den Auftrag, für die Kapelle im Palast von Lérida (Gardeny) zwei Altäre zu malen. 1333-39 schuf er die Miniaturen für den Codex "Usatges de Barcelona y Costums de Catalunya" (Gebräuche in Barcelona und Trachten in Katalonien, verschollen), nach deren Vollendung er von König Pedro IV. mit einem Marienaltar und einem Martinsaltar für den arabischen Palast der La Ajlaferia, der aragonischen Residenz in Zaragoza, verpflichtet wurde. 1343 schloss er mit der Äbtissin Francisca Portela einen Vertrag, im Kloster S. Maria de Pedralbes die Martinskapelle mit Wandgemälden zu schmücken. Diese heute noch vortrefflich erhaltenen Fresken hat er 1345-46 ausgeführt. Dagegen wurde seine Arbeit an einem Franziskusaltar für das Minoritenkloster in Valencia 1348 durch seinen Tod beendet.

Bassdorf
Bildhauer aus Frankenstein (Schlesien).

Battagio, Giovanni di Domenico da Lodi
Tätig 15. Jh. Italienischer Bildhauer und Architekt, gilt als beeinflusst von Amadeo, Giovanni Antonio. 1465-66 baute Battagio das Hospital in Lodi, ab 1484 schuf er zusammen mit Agostino dei Fonduti das Renaissanceportal des Landi-Palazzo (jetzt Tribunali-Palazzo) in Piacenza. Ab 1487 beschäftigte er sich mit dem Bau der Kirche S. Maria Incoronata in Lodi, die von Donato Bramantes Bauten beeinflusst und 1513 von Amadeo fertiggestellt wurde. Als Stellvertreter Bramantes soll Battagio den Bau von S. Satiro in Mailand fortgesetzt haben. 1490 entwarf er nach dem Vorbild des Baptisteriums von S. Satiro die Kirche S. Maria della Croce bei Crema, die 1493 von Giovanni A. Montanaro ausgeführt wurde.

Battista, Giovanni
Baumeister, u.a. in Schlesien tätig.

Bauer, Leopold
(*1.9.1872 in Jägerndorf/Krnov, +7.1.1938 in Wien). Architekt, Kunstgewerbler, Innendekorateur, u.a. in Schlesien tätig.

Bayeou y Bubias, Francisco
*9.3.1734 in Zaragoza, + 4.8.1795 in Madrid. Spanischer Maler. Nachdem Bayeu bei José Luxán studiert hatte, trat er in die Werkstatt von Antonio Gonzáles Velázquez ein. 1763 wurde er als Mitarbeiter von Anton Raphael Mengs zur Ausschmückung des königlichen Palastes nach Madrid berufen (Real Palacio). 1788 wurde zum Hofmaler und Leiter der Real Academia de S. Fernando ernannt. Sein Werk ist dem damals vorherrschenden Klassizismus verpflichtet, nicht ohne zuweilen bombastische Züge anzunehmen, wie es die Deckenmalereien in der Kathedrale Del Pilar und zwei weiteren Kirchen in Zaragoza sowie eine Reihe von Fresken im Kloster S. Ildefonso und in der Kathedrale von Toledo erweisen. Ausserdem malte er Porträts, die sich zum grossen Teil im Museo del Prado befinden, und lieferte Entwürfe für die königliche Teppichmanufatkur. Zu seinen Schülern gehörte auch Francisco de Goya, der später sein Schwager wurde.

Beaugrant, Guyot de
*? in Mecheln, * 1551 in Bilbao; spanischer Bildhauer, schuf 1525-30 sein Hauptwerk, den Skulpturenschmuck des berühmten Prachkamins im Ratssaal des jetzigen Justizpalast Brügge, der, von Lancelot Blondel in einem Mischstil aus spanisch-flämischer spätgotik und Frührenaissance entworfen, von Beaugrant hauptsächlich ausgeführt wurde. 1526 schuf Beaugrant das nicht mehr erhaltene Grabmal für den Erzherzog Franz von Österreich. Seit 1533 in Spanien, fertigte er ein figurenreiches Retabel für den Hochaltar der Kirche in Santiago in Bilbao. von 1548 bis zu seinem Tod arbeitete er an dem Altar von s. Maria in Elvillar de Alava.

Beauvais, Ossip Iwanowitsch
*24.10.(4.11.)1794 in St. Petersburg, + 21.7.(2.8.)1834 in Moskau. Russischer Architekt des Klassizismus, stammte aus einer italienischen Künstlerfamilie, arbeitete unter M.F. Kasakow und K.T. Rossi in Moskau und Twer. Nach dem Brand Moskaus 1812 war er Leiter der Abteilung "Fassadengestaltung" in der Aufbaukommission und bestimmte massgeblich die Wiederherstellung des Kreml Moskau und der umliegenden Stadtteile: Umgestaltung des Roten Platzes mit dem Gebäude der Handelsreihen (später abgetragen), des Ale

Beccafumi, Domenico
*1486 in der Nähe von Montaperti, +18.5.1551 in Siena. Italienischer Maler, Modelleur, Formschneider und Stecher. Er gilt als letzter Vertreter der sienesischen Malerei und als Hauptmeister des Sieneser Manierismus (Schule von Siena). Der Sohn eines Bauern nahm den Namen seines Dienstherrn Lorenzo Beccafumi an, der früh seine Begabung erkannt und ihn zu dem Maler Battista Tozzo in die Lehre gegeben hatte. Um 1510 hielt er sich in Rom auf, wahrscheinlich, um die Werke Raffaels und Michelangelos zu studieren. Seine frühesten Arbeiten waren Wandgemälde und Fassadengemälde, 1513 der Freskenzyklus "Begegnung Joachims mit Anna" (Siena, Spedale di S. Maria della Scala) und 1518 ein Freskenzyklus im Oratorio di S. Bernardino in Siena, den er zusammen mit Sodoma ausführte. Von 1523 stammt sein grosses Altarblatt "Geburt Christi" (Siena, S. Martino), eines seiner ersten Tafelbilder, das zeigt, wie der Maler von der Sieneser Maltradition zu einem persönlichen Stil mit weichen und hellen Lichteffekten und Farbeffekten gefunden hatte. Nicht nur seine Wandgemälde, auch die Tafelbilder zeichnen sich aus durch fliessende Übergänge zwischen den raffiniert einander zugeordneten Farben und berühren sich darin mit dem Malstil von Rosso, Fiorentino. 1529-35 malte Beccafumi an Fresken im Pubblico-Palazzo Siena, 1538 bis 1539 arbeitete er für den Dom in Pisa, und 1541 folgte er einem Ruf Andrea Dorias nach Genua um unter der Leitung von Perino del Vagas an der Dekoration des Doria-Palazzo Genova mitzuarbeiten. Diese Fresken sind verloren. Zu seinen späten und bekanntesten Bildern gehören: "Christus in der Vorhölle" (Siena, Pinacoteca Nazionale) und das Fresko "Himmelfahrt Christi" (Siena, Dom) aus der Mitte der vierziger Jahre. Die grosse Tafel "Der hl. Michael vertreibt die gestürzten Engel" (Siena, Pinacoteca Nazionale) ist um die Mitte der dreissiger Jahre entstanden. Seine letzten Lebensjahre widmete Beccafumi vorwiegend plastischen Arbeiten: Er modelliert u.a. 1548-50 acht Leuchterengel für den Sieneser Dom. Berühmt ist auch der reich figurierte Marmorfussboden dieses Doms nach seinen Entwürfen. Seine Holzschnitte weisen grosse technische Fertigkeit und gute Erfindungsgabe auf. Er entwarf u.a. auch eine Festdekoration (Reiterstandbild aus vergänglichem Material) für den Einzug Karls V. in Siena (1536).

Becerra, Gaspar
*um 1520 in Baeza (Andalusien), +1570 in Madrid. Spanischer Maler, Bildhauer und Architekt, war als Mitarbeiter von Vasari, Giorgio in Rom an den Fresken des Cancelleria-Palazzo beteiligt; ausserdem schuf er ein Fresko "Geburt Mariä" in der Kirche S. Trinità dei Monti. Nach Spanien zurückgekehrt, malte er u.a. Deckenbilder im Schloss Prado, El bei Madrid, für das er ebenso wie beim Bau des Alcazar Madrid auch als Architekt tätig war. Aus seinem bildhauerischen Werk ragen vor allem das Kruzifix für

Beck, Leonhard
*um 1480 in Augsburg, + 1542 in Augsburg. Deutscher Maler und Zeichner für den Holzschnitt. Er erhielt den ersten Unterricht von seinem Vater, dem Holzschnittmeister Johann Georg Beck, und lernte anschliessend in der Werkstatt Hans Holbein d.Ä., als dessen Gehilfe er 1501 am Hochaltar der Dominikanerkirche in Frankfurt a. Main mitarbeitete. Kurz darauf gründete er in Augsburg eine eigene Werkstatt und erwarb sich als Illustrator bald einen guten Namen. Wiederholt zog in Kaiser Maximilian I. zur Ausgestaltung seiner prunkvollen Chroniken heran ("Theuerdank", "Weißkunig"). Weniger umfangreich, aber in der künstlerischen Aussage bedeutender als das zeichnerische, ist Becks malerisches Schaffen, obwohl er sich als Maler nie ganz aus der Abhängigkeit von Hans Burkmair d.Ä. zu eigenen Stilformen durchdringen konnte. Zu seinen Hauptwerken gehört das durch die minuziöse Kleinmalerei bestechende Gemälde "Der hl. Georg kämpft mit dem Drachen" (Wien, Kunsthistorisches Museum). Kühner in der Technik sind die vier "Szenen aus dem Leben der hl. Margareta" (St. Florian bei Linz, Augustiner-Chorherrenstift). Auch eine um 1525 gemalte "Anbetung der Könige" (Augsburg, Städitsche Kunstsammlungen) wird Beck zugeschrieben.

Bedogni, Lorenzo
(geb. in Reggio, + 1670 in Celle). Architekt, wurde 1652 von Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg nach Hannover berufen. Erbaute Schloss Herrenhausen, Schloss Calenberg Schulenburg II, Jagdschloss Linsburg und Schloss Celle Krs. Celle (1665-70).

Beer, Georg
(auch Behr, Georg). * in Bönnigheim, gest. 15.(17.?)7.1600 in Stuttgart). Deutscher Architekt und Baumeister des Herzogs Ludwig von Württemberg seit 1575. Sein Hauptwerk, ein bedeutender Renaissance-Palastbau, ist das Neue Lustschloss (Neues Lusthaus) in Stuttgart (1581-93), ein reich ausgeschmückter Saalbau mit Laubenumgang, der nach zahlreichen baulichen Veränderungen ab 1750 schliesslich 1845-46 bis auf die Umfassungsmauern abgerissen wurde. Die veränderten Teile brannten 1902 ab, doch existiert eine sorgfältige Dokumentation (erhaltene Teile im Stuttgarter Schlosspark). Weitere bekannte Werke von Beer sind ein Wohnhaus in Stuttgart (Calwer Str. 10, 1586 Grundsteinlegung), ein Entwurf für den Kirchturm in Thieringen (1592), das Lustschloss und Jagdschloss in Hirsau (1592-95, heute Ruine) und das sog. „Collegium illustre“ in Tübingen (1588-92, heute katholisches Konvikt Wilhelmstift). Mit seinem Gehilfen Schickardt, Heinrich wurde Beer 1590 zum Wiederauf bau des abgebrannten Städtchens Schiltach in den Schwarzwald gesandt.

Beer, GeorgeBähr, George

Beer, Michael
*um 1605 in Au-Argenau, +30.5.1666. Österreichischer Barockarchitekt, Begründer der Vorarlberger Bauschule. Aus seinem Werk lassen sich Kentnisse bestimmter Vorbilder eschliessen, vor allem des Salzburger Doms, der Innsbrucker Jesuitenkirche und der Bauten Christoph gumpps, ebenso von Weilheimer und Münchener Architektur des frühen 17. Jh., hauptsächlich auch von schwäbischen Schlössern der Renaissance und der Dillinger Jesuitenkirche. Ungeklärt ist, wie Beer zu der wichtigsten damaligen Architekturaufgabe Süddeutschlands gelangte, dem Neubau der Stiftsanlage und Kirche von St. Lorenz in Kempten (errichtete 1653 dabei auch den Nordwestflügel der Residenz in Kempten II). In der Viellschichtigkeit der verarbeiteten Anregungen - auch aus Mailand und Venedig und dem niederländischen evangelischen Kirchenbau - sowie in der Dynamik der Formgebung sind Beers Bauten vorbildhaft für den deutschen Barock. Zugleich waren sie für ihn offensichtlich der Grund, im Rahmen solch weitgespannter Aufgaben 1657 die später so bekannte Auer Zunft zu gründen. Als erfolgreicher Architekt und Bauunternehmer erschloss Beer auch seinen Vorarlberger Landsleuten das reiche Oberschwaben als architektonisches Betätigungsfeld, ebenso weite Bereiche des Kurfürstentums Bayern. Die Familientradition führte sein Sohn Franz Beer von Bleichten fort. Neben dem Kemptener Benediktiner-Fürststift zählen zu Beers Hauptwerken die Augustinerchorherren-Stifskirche in Kreuzlingen, 1650-53: der "Lange Bau" des Zisterzienserinnenstifts Heiligkreuztal, ab 1652 (zugeschrieben); der Konventbau in Schussenried, ab 1656; der Konventbau in Inzigkofen, 1659-62; die Kirche in Rottenmünster, 1662-64; der Umbau des hohenzollernschen Schlosses in Haigerloch III, 1662; das Jesuitenkolleg in Rottenburg am Neckar, 1662-65; die Frauenkapelle in Fischen, ab 1664; die Stiftsanlage in Kreuzlingen, 1665-68; die Stiftsgebäude in Rottenmünster, 1665-69; das Jesuitenkolleg in Landshut, 1665-70; das Jesuitenkolleg in Ebersberg, 1666-68. 1666 war Beer wahrscheinlich an der Planung der Jesuitenkirche in Luzern beteiligt.

Begas, Karl
(auch Carl, *30.9.1794 in Heinsberg, +23.11.1854 in Berlin). Maler, u.a. tätig in Schlesien.

Behaim, Hans d.Ä.
(auch Beheim). *um 1465, + vor dem 26.8.1538 in Nürnberg. Deutscher (Schwäbischer?) Steinmetz und Baumeister. Bereits vor 1500 war er der erste Stadtbaumeister Nürnbergs (48 Jahre) und prägend für die Stadtgestaltung. Seine Nutzbauten zeichneten sich durch Zweckhaftigkeit und Sachlichkeit aus. Trotz ihrer gewaltigen Aussmasse fügten sie sich harmonisch in das vorhandene Stadtbild ein. Seine Bauten gelten als Höhepunkt und Endpunkt der gotischen Baukunst in Nürnberg. Die meisten wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Wiederaufgebaut ist u.a. ein Kornspeicher, die sog. „Kaiserstallung“ auf der Burg Nürnberg I (1494/95). Seit 1504 an Schloss Ansbach I tätig (Erweiterungen 1510 und 1532). Als Baumeister arbeitete er auch an Schloss Lichtenau Krs. Ansbach I und Schloss Neuburg a.d. Donau I (als Berater). 1532, 1538, 1539 und 1556 war er auch am Ausbau der Plassenburg Kulmbach beteiligt.

Beheim, Paulus
Baumeister des 16. Jh. Eines seiner Hauptwerke war das Tucher´sches Gartenanwesen in Nürnberg.

Behr, GeorgeBähr, George

Belanger, Francois-Joseph
*1744 in Paris, +1.5.1818 in Paris; einer der bedeutendsten und elegantesten französischen Architekten, die in den letzten Jahren des Ancien régime im Stil Louis-seize bauten, führender Landschaftsgärtner, schuf vor allem elegante Privathäuser, englische Gärten, aber auch Nutzbauten und billige Wohnhäuser, leitete öffentliche Feste. Bélanger studierte an der Académie Royale d`Architecture bei David Leroy und Constant d`Ivry. Reiste 1766 nach England. Sein erster Erfolg war die Errichtung des Pavillon de Lauraguais im Hotel de Brancas (1769), das erste streng neoklassizistische Werk in Architektur und Dekoration. Unter dem Einfluss Charles-Louis Clérisseaus verwendete Bélanger eine neue, auf den antiken Tempelordnungen basierende Wandartikulation, indem er erstmals Elemente der Aussenarchitektur in die Gestaltung des Innenraums einbezog: Statt durch pittoreske Ornamente wurde die Innenwand durch Figurennischen, Reliefs und Säulen gegliedert. Bei den Arbeiten an den Ställen Comte d`Artois (jetzt Hospital Cochin), des Bruders König Ludwigs XVI, verwendete Belanger 1780 die toskanische Säule, die durch den Einfluss von Piranesi, Giovanni Battista in Frankreich in Mode gekommen war. 1783 entwarf der für die Opernsängerin Sophie Arnould ein Wohnhaus im palladianischen Stil. Neben seinen Arbeiten für den Comte d`Artois beschäftigten Bélanger die Veränderungen am Chateau Maisons (1777-84), bei denen er die architektonischen Tendenzen der Wandgliederung des Pavillon de Lauraguais verfolgte, Pläne für die Wiedererrichtung des Chateau Saint-Germain, das Chateau Méréville und sein Hauptwerk, das bekannte Bagatelle Paris (1777), ein Lustschloss des Comte d`Artois im Bois de Bologne, mit seinem berühmten Jardin anglais, das er in 64 Tagen erbaute (womit er eine Wette mit Königin Marie-Antoinette gewann. Der Garten, angelegt 1778-80, war der berühmteste "jardin anglais" (Gartenbaukunst) der Epoche.Der einfache, wohlproportionierte Pavillon beruht auf einem fast quadratischen Grundriss mit einer Ausbuchtung des runden Gartensaals. Von einem Eingangsvestibül ausgebend, sind alle Haupträume zu erreichen. In der Gestaltung des Innenraums führte Bélanger, beeinflusst von Clérisseau, die späteste Form der klassizistischen Dekoration ein; sie bestand aus von Nicolas F.D. Lhuillier ausgeführten, farbigen Grotesken, die klassische Figuren und mythologische Szenen aus Stuck umrahmten, inspiriert vom vierten pompejanischen Stil. Das schönste Beispiel ist die Ausschmückung des Gartensaals. Im Gegensatz zum Pavillon de Lauraguais wird die Wand statt durch architektonische Elemente mittels farblicher Akzente gegliedert. 1784 entwarf Bélanger einen Jardin anglo-chinois für seine Pavillon Folie Saint-James in Neuilly, 1786 seinen letzten Landschaftspark, Méréville, südwestlich Etampes. entwarf auch den schönen Pavillon im Garten des Hotel de Brancas, Paris (1771) und Inneneinrichtungen von hoher Eleganz, wie im Hotel de Mlle. Desvieux, Paris (1778). Während der Revolution war Bélanger anscheinend wenig beschäftigt, danach widmete er sich öffentlichen Bauten und nahm erfolglos an zahlreichen Wettbewerben teil. 1803 gestaltete er die bedeutende Glas-Eisen-Kuppel für die Halle aux Bles in Paris, die die Glas-Holz-Kuppel von Legrand und Molinos (1782) ersetzte.

Belin de Fontenay, Jean-Baptiste
*(getauft) 9.11.1653 in Caen, + 12.2.1715 in Paris. Französicher Stillebenmaler, Schüler und 1687 auch Schwiegersohn des Blumenmalers Jean-Baptiste Monoyer. Unter Ludwig XIV. wirkte er an der malerischen Ausstattung der Schlösser von Fontainebleau, Versailles und Marly-Le-Roi mit. Ausserdem schuf er, im Anschluss an Monnoyer, Stilleben mit Blumen, Früchten und Insekten mit grösster Subtilität in der Ausführung; seine Erfindungsgabe hingegen war nicht allzu gross. Seine Aufnahmearbeit für die Académie Royale war das Gemälde "Vase mit Blumen und Bronzebüste Ludwigs XIV. (Paris, Musée National du Louvre). Belin de Fontenay zeichnete mehrere Kartons für die königliche Gobelinmanufaktur und beschäftigte sich auch mit Radierungen.

Bellange, Jacques de
*vermutlich um 1575 in Nancy, + um 1617 in Nancy. Französischer Maler, Zeichner, Radierer, der, beeinflusst von der Schule von Fontainebleau sowie von fjämischen Vorbildern, in spätmanieristischen Stil arbeitete und die lothringische Malerei und Grafik des 17. Jh. beeinflusste. Bellange ist in Nancy als Hofmalers Herzog Karls III. von Lothringen zwischen 1602 und 1616 nachweisbar. 1602 erhielt Bellange vom Herzog den Auftrag, die Malereien in der "Galerie des Cerfs" seines Palais zu erneuern, die heu

Bellano, Bartolomeo
*um 1434 in Padua, + 1497 in Padua. Italienischer Bildhauer, Schüler Donatellos, unter dessen Leitung er an den Kanzeln von S. Lorenzo in Florenz mitarbeitete. Das früheste bekannte Werk Bellanos ist ein marmornes Flachrelief, ein "Madonna mit Kind und Engeln" (1461, Paris, Sammlung André). 1466 wurde er vom Papst als Architekt für die Bauarbeiten am Vatikanpalast berufen. 1469 führte er die Marmorreliefs zu den Reliquienschränken in der Sakristei von S. Antonio in Padua aus. 1488 fertigte er 10 Reliefs

Bellechose, Henri
*um 1380 in Brabant, + zwischen 1440 und 1444; französisch-flämischer maler, lebte am Hof der Herzöge von Burgund und wurde 1415 in Dijon Nachfolger Jean Malouels als Hofmaler und Kammerdiener von Johann Ohnefurcht. Er arbeitete für die herzoglichen Residenzen und die Kartause von Champmol bei Dijon. Ein Bild aus diesem Kloster wird ihm zugeschrieben: "Kreuzigung Christi mit dem Martyrium des h. Dionysius" (1416, Paris, Musée National du Louvre). Das Werk wurde wahrscheinlich von Malouel begonnen und gilt

Bellerophon
Bellerophontes bei Homer. Nach Homer Sohn des Königs Glaukos Korinth (Glaukos und Skylla) und der Eurymede; Enkel des Sisyphos. Bellerophon wird als junger, mit einer Lanze oder Pfeil und Bogen bewaffneter Heros dargestellt, meist in der Szene, in der er auf Pagasus reitend die Chimäre tötet.

Bellini, Gentile
*um 1429 in Venedig, + 20.2.1507 in Venedig. Italienischer Maler, ältester Sohn Jacopo Bellinis, mit dem er häufig zusammenarbeitete, Bruder von Giovanni Bellini. Er war zum Teil noch von gotischen Gestaltungsprinzipen (z.B. in der Anwendung der Perspektive) beeinflusst, bewies jedoch ein hohes psychologisches Einfühlungsvermögen in der Personengestaltung und überzeugte durch die authentischen Ansichten seiner Heimatstadt. Nachdem er das väterliche Atelier übernommen hatte, entwickelte er sich so zu einem wichtigen Vertreter der venezianischen Malerei der Frührenaissance. 1469 war er bereits so berühmt, dass er von Kaiser Friedrich III. zum Ritter geschlagen und in den Rang eines Pfalzgrafen erhoben wurde. Fünf Jahre später erhielt er den bedeutendsten Auftrag, den die Republik Venedig zu vergeben hatte, nämlich den grossen Ratssaal des Dogenpalast Venedig zu restaurieren und neu auszumalen. Nach fünf Jahren intensiver Arbeit musste er sein Werk unterbrechen. Der Sultan von Konstantinopel wollte sich vom besten Porträtisten Venedigs malen lassen, und Gentile Bellini schuf das berühmte Bildnis "Mohammed II." (1480, London, National Gallery). Während seines nahezu zweijährigen Aufenthalts am Hof von Konstantinopel (1479-80) malte er zahlreiche Bildnisse bevorzugter Personen aus der Umgebung des Sultans. Nachdem er nach Venedig zurückgekehrt war, veränderte sich, wohl unter dem Eindruck der Transparenz und Lichteinwirkung in den Gemälden seines Bruders Giovanni, sein Stil grundlegend. Im Gegensatz zu Giovanni, der vornehmlich religiöse Themen für seine Bilder wählte, widmete sich Gentile in der Hauptsache dem erzählenden Genre. Seine Gemälde sind kostbare Zeugnisse des venezianischen Lebens dieser Epoche. Sein Bemühen um Präzision tritt deutlich zutage in der "Prozession auf der Piazza S. Marco" (1496) und der "Errettung des wahren Kreuzes aus dem Wasser" (beide Venedig, Gallerie dell`Accademia). Das Testament Gentiles zeigt seine ausserordentliche Gewissenhaftigkeit: Er hinterliess seinem Bruder Giovanni die beiden Skizzenbücher seines Vaters mit der Auflage, das Gemälde "Predigt des hl. Markus in Alexandrien" (Mailand, Piancoteca di Brera) zu vollenden, das er mit vielen Details aus der Erinnerung an seinen Aufenthalt im Orient bereichert hatte. Giovanni nahm das Legat an und vollendete das Bild. Die meisten Werke Gentile Bellinis sind verschollen oder zerstört. Neben den genannten gelten folgende als geischert: S. Lorenzo Giustiniani (Venedig, Gallerie dell`Accademia); die vier Flügel einer Orgel: "Hl. Hieronymus, Hl. Markus, Hl. Theodor, H. Franziskus" (Venedig, Museo di S. Marco); "Thronende Maria mit Kind" (London, National Gallery); "Heilung durch das wahre Kreuz" (Venedig, Gallerie dell`Accademia); "Porträt des Giovanni Marino" (Mailand, Gallerie di Principe Borromeo); "Der Doge Agostino Barbarino" (Nuneham Park, Sammlung Viscount Harcourt).

Bellini, Giovanni
(auch Giambellino). *1427 oder 1430 in Venedig, +29.11.1516 in Venedig. Italienischer Maler, Bruder von Bellini, Gentile. Mit seinem malerische weichen Stil steht Giambellino am Übergang der venezianischen Frührenaissance zur Hochrenaissance, als deren eigentlicher Begrüner er nicht zuletzt aufgrund seiner bedeutenden Schüler gelten kann. Obwohl er an künstlerischer Kraft sowohl den Vater als auch den Bruder übertraf, gibt es nur wenige Dokumente über seine Tätigkeit. Auch die Chrolologie seines Werks ist nicht völlig gesichert. 1459 wurde er erstmals genannt, 1460 signierte er die "Pala Gattamelata", und 1470 erhielt er den Auftrag, für die Scuola Grande di S. Marco in seiner Heimatstadt eine "Sintflut" zu malen. 1479 verpflichtete er sich, anstelle seines Bruders Gentile, der nach Konstantinopel reiste, die Malereien im Saal des grossen Rates im Dogenpalast Venedig zu erneuern. Am 26.2.1483 wurde er zum offiziellen Maler der Signoria bestellt, und im gleichen Jahr erhielt er ein Honorar für die "Auferstehung Christi" im Dom von Vicenza. 1484 wurde er in Venedig Mitglied der Scuola Grande di S. Marco, ausserdem arbeitete er gemeinsam mit dem inzwischen zurückgekehrten Gentile im Saal des Grossen Rates. Zwischen 1486 und 1505 verhandelte er mit Isabella Gonzaga wegen eines Gemäldes für deren Studiolo in Mantua. Isabella wünschte ein Gemälde mit mythologischem Motive, doch lieferte Bellini eine "Madonna mit Kind und den hl. Hieronymus und Johannes". In einem Brief vom 7.2.1506 an Willibald Pirckheimer bezeichnete Albrecht Dürer auf seiner zweiten Italienreise Bellini als "zwar sehr alt, aber immer noch den Besten im Malen". 1507 arbeitete Bellini gemeinsam mit Vittore Belliniano und Vittore Carpaccio im Grossen Rat und verpflichtete sich, die "Predigt des hl. Markus in Alexandrien" (Mailand, Pinacoteca di Brera) zu vollenden, die sein Bruder nicht mehr fertiggestellt hatte. Giambellino war neben Giorgione der bedeutendste venezianische Maler seiner Epoche. Er gehörte zu den grossen Meistern der Renaissance, die in Werken mit religiöser Thematik nach Lösungen für die Probleme der Tafelmalerei, wie Licht, Modellierung der Körper und Beziehung von Raumillusion und Flächenkomposition, suchten und zu Ergebnissen kamen, die für die Zeitgenossen vorbildlich wurden. Nur widerwillig befasste er sich, wie aus seinem Briefwechsel mit Isabella Gonzaga hervorgeht, mit Themen aus der Mythologie. Innerhalb der christlichen Ikonographie gestaltete er die Sacra Conversazione in einer für Generationen vorbildlichen Komposition. Seine verhaltenen, oft etwas melancholischen Madonnen fanden zahlreiche Nachahmer, und seine imaginären Hintergrundlandschaften gehören zum Besten in der damaligen Landschaftsdarstellung. Giambellino übernahm Elemente unterschiedlichster Stilrichtungen, wusste sie aber sehr eigenständig zu Bildern von absoluter Originalität zu verarbeiten. Er blieb bis an sein Lebensende für fremde Einflüsse aufgeschlossen und scheute sich keineswegs, auch Anregungen von seinen Schülern aufzunehmen. Daher blieb er bis in sein hohes Alter produktiv, doch lässt sich in seinen verschiedenen Schaffensperioden nicht immer klar unterscheiden, wieweit er im Austausch mit den zeitgenössischen Malern der gegende oder der nehmende Teil war. Die frühesten Eindrücke dürfte er vom Werk seines Vaters Jacopo und von Antonio Vivaini empfangen haben. Daneben wurde er von einer Reihe berühmter toskanischer Maler, wie Paolo Uccello und Andrea del Castagno, beeinflusst, die damals in Venedig arbeiteten. Besonders ihre Bemühungen um die Darstellung des Raums und um die Modellierung der Körper, die für die noch ganz in gotischer Tradition verhaftete venezianische Malerei etwas Neuartiges waren, wurden für seine Entwicklung wichtig. Zu seinen frühesten Werken gehören die etwa um 1450 entstandene "Madonna" (Pavia, Pinacoteca Malaspina), weiter ein "Hl. Hieronymus" (Birmingham, University, Barber Institute of Fine Arts) und "Die hl. Ursula und ihre Gefährtinnen (Venedig, Gallerie dell`Accademia). Noch entscheidender beeinflusst wurde er jedoch von Andrea Mantegna und von der Malerschule in Padua,an der Francesco Squarcione, Niccolo Pizzolo, Filippo Lippi und auch der Bildhauer Donatello arbeiteten. Beispielhaft für den Einfluss dieses Kreises sind u.a. die "Madonna Davis" (1450-55, New York, Metropolitan Museum of Art) und eine "Pieta" (1460, Venedig, Museo Correr). In den beiden Tafeln "Verklärung Christi" (1455, Venedig, Museo Correr) und "Christus in Gethsemane (1459, London, National Gallery) ist die Anlehnung an Mantegna, mit dem er seit 1453 verschwägert war, so stark spürbar, dass man dieses Werk lange Mantegna zugeschrieben hat. Doch tritt im Hintergrund, vor allem in der Lichtbehandlung und in der Konzeption der Landschaft, schon die spezifische Handschrift Bellinis zutage, die sich dann in den folgenden Perioden immer stärker herausbildete. Gegen 1460 malte er wiederum eine "Pieta" (Mailand, Pinacoteca di Brera), die als Höhepunkt und Abschluss seiner ersten Schaffensperiode angesehen werden muss. Der tote Christus ist hier in magisch-mystischer Weise verlebendigt und mit Maria und Johannes in einen Zusammenhang gebracht, der an die Sacra Conversazione erinnert. Das Antlitz der Maria und auch die Farbgebung gehen unverkennbar auf altniederländische Vorbilder zurück, die Disposition jedoch lässt auf den Einfluss von Piero della Francescas schliessen. Das Thema des toten Christus kehrte in diesen Jahren in den verschiedenen Fassungen des "Pieta" (1455, Bergamo, Galleria dell`Accademia Carrara, und 1460 in einer dortigen Privatsammlung sowie 1460, Mailand, Museo Poldi Pezzoli) wieder und erreichte in dem Gemälde "Das Blut des Erlösers" (1460, London, National Gallery) eine besondere Ausprägung durch die wohl typologisch zu deutenden Basreliefs mit mythologischen Szenen, die an der Schranke vor der Landschaft angebracht sind. In den Jahren ab 1460 trat bei Bellini die Darstellung der Madonna mit Kind in den Vordergrund. Es entstanden die "Madonna mit der Girlande" (1460, New York, Sammlung R. Lehmann) und die "Madonna Frizzoni" (1460-64, Venedig, Museo Correr). Einen Anhaltspunkt für die Datierung der "Darstellung Christi im Tempel" (Venedig, Pinacoteca Querini-Stampalia) gibt das 1464 datierte Vorbild von Mantegna (Berlin, Staatliche Museen, Gemäldegalerie). Zwischen 1460 und 1464 entstand das "Sebastians-Triptychon" (Venedig, Gallerie dell`Accademia) sowie 1464-68 das "Vincnezo-Ferrer-Polyptychon" (Venedig, SS. Giovanni e Paolo). Der Altar mit der "Drusiana-Legende" (Leutstetten, Privatbesitz) aus der Zeit zwischen 1468-71 zeigt, dass der Maler inzwischen die Malweise Piero della Francescas studiert und auch bestimmte ferraresische Einflüsse aufgenommen hatte. Wohl um 1470 unternahm Bellini eine Reise nach Pesaro, der Geburtsstadt seiner Frau Anna. Dort entstand 1475 eines seiner Hauptwerke, die "Krönung Mariä" (Pesaro, Musei Civici), in dem nun der Typus der Sacra Conversazione bereits rein ausgeprägt ist, da die Figuren nicht mehr nebeneinanderstehen wie in den früheren Madonnenbildern mit Heiligen, sondern szenisch gruppiert sind, was für die Hoheit und Monumentalität dieser Gemälde von grundsätzlicher Bedeutung ist. Es ist fraglich, ob die "Pesaro-Madonna" früher oder später gemalt wurde als das Altarbild für S. Zanipolo, das 1869 einem Feuer zum Opfer fiel. Jedenfalls ist hier die grossartige "Sacra Conversazione" aus S. Giobbe (Venedig, Gallerie dell´Accademia) vorweggenommen, die um 1487-88 entstand. Als ein hervorragender Porträtist erwies sich Bellini in dem 1474 gemalten Bildnis "Jürg Fugger" (Florenz, Sammlung Contini-Bonacossi) und in dem "Poträt eines Jünglings" (1475-80, Birgmingham, University, Barber Institut of Fine Arts). Zwischen 1475 und 1480 werden die "Auferstehung Christi" (Berlin, Staatliche Mussen, Gemäldegalerie), die "Pieta" (London, National-Gallery) und "Der tote Christus wird von Engeln gestützt" (Rimini, Pinacoteca Communale) datiert. Damals hielt sich Antonello da Messina in Venedig auf, der als Vermittler sowohl der neuen Techniken der Ölmalerei wie auch eines von den alten Niederländern abhängigen, aber selbständig weiterentwickelten Stils für Bellini von Bedeutung wurde. Sein Einfluss ist unverkennbar in der nach 1476 gemalten "Hl. Justina" (Mailand, Sammlung Bagatti-Valsecchi) und auch in den Madonnendarstellungen, die sich in Rovigo (1475, Accademia dei Condordi), in Verona (1475, Museo di Castelvecchio) und in Bergamo (1480-90, Galleria dell`Accademia Carrara) befinden. Um 1487 malte Bellini die "Verklärung Christi" (Neapel, Museo e Gallerie Nazionali di Capodimonte) und erreichte in der Wiedergabe der Gestalten sowie in der bildnerischen Druchdringung des Raums einen absoluten Höhepunkt und zugleich jene "Venezianità", die sein Schaffen von allen anderen Malereien Italiens abhebt. Schon die zwischen 1480 und 1485 gemalte "Verzückung des hl. Franziskus" (New York, Sammlung Frick) nahm in der meisterlich erfassten und lyrisch charakterisierten Landschaft vieles voraus, was erst nach 1490 in der sog. "Heiligen Allegorie" (Florenz, Galleria degli Uffizi) zur vollen Entfaltung kam. Hier handelte es sich nicht allein um die "Entdeckung" der Landschaft, sondern auch um ihre Übertragung in eine Sphäre des Arkadischen und Mythologischen. vor allem Giorgione wurde von dieser Art, die Landschaft zu erfassen, nachhaltig beeinflusst. Die späten achtziger Jahre bedeuteten für Bellini eine Periode reifster Meisterschaft, 1487 malte er u.a. die "Madonna degli Alberelli" (Venedig, Gallerie dell`Accademia), 1488 das "Marientriptychon! (Venedig, S. Maria Gloriosa dei Frari), den Altar mit der "Madonna des Dogen Barbarigo" (Murano, S. Pietro Martire) sowie die bereits erwähnte grandiose "Sacra Conversazione" aus S. Giobbe. Schon über 70 Jahre alt, gestaltete er um 1500 wieder eine "Pietá (Venedig, Gallerie dell`Accademia), zwischen 1501-1505 das meisterliche Bildnis "Der Dorge Leonardo Loredan" (London, National Gallery) und im gleichen Zeitraum auch das Bildnis "Pietro Bembo" (Hampton Court Palace) sowie 1507 nochmals eine "Sacra Conversazine" (Venedig, S. Francesco della Vigna). Noch in den letzten Jahren seines Lebens war Bellini, unterstützt von Gehilfen und Schülern, rastlos tätig. 1513 malte er das Rentabel "Drei Heilige" (Venedig S. Giovanni Crisostomo), 1515 den Hl. Dominikus (London, National Gallery), und 1516, im Jahr seines Todes, begann er das "Martyrium des hl. Markus (Venedig, Ospedale Civile), das von Belliniano vollendet und signiert wurde. In den letzten Jahren wandte er sich einem ihm eigentlich fremden Themenkreis zu. So schuf er u.a. 1514 für Alfons I. von Ferrara "Das Festmal der Götter (Washington, National Gallery of Art).

Bellori, Giovanni Pietro
*1613 in Rom, + 1696 in Rom. Archäologe, bedeutender Kunstforscher und Kunsttheoretiker. Sein Hauptwerk sind die "Vite de` Pitorri, Scultori ed Architetti moderni" (Rom, 1672), eine Schrift, in die auch die 1664 in der Accademia di S. Luca zu Rom gehaltene Rede "L`Idea del Pittore, dello scultore e dell`architetto" aufgenommen wurde. In den Viten beschrieb er vor allem Flamen und Franzosen - z.B. Nicolas Poussin -, deren Kunst im idealistischem Sinn die Verbindung von Wahrheit und Schönheit zuerkannte. Grös

Bellotto, Bernardo
(gen. Canaletto d.J.). *30.1.1720 in Venedig, + 17.10.1780 in Warschau; italienischer Maler und Radierer, Neffe Giovanni Antonio Canals (gen. Canaletto), nach dem er sich ebenso nannte. Er vereinte in seinen Veduten genaue Beobachtung und meisterhaften Gebrauch der Perspektive mit einer sehr malerischen Grundauffassung, die seine Stadtansichten zu den bedeutendsten Zeugnissen dieser Gattung im 18. Jh. werden liess. Belotto kam um das Jahr 1735 in die Werkstatt seines Onkels und erhielt dort seine Ausbildung. 1742 begab er sich nach Rom und wahrscheinlich auch nach Florenz und Lucca. Ab 1743 war er allem Anschein nach nur noch vorübergehend in Venedig; 1744 im Dienst des Grafen Antonio Simonetta in der Lombardei, 1745 in Turin am Hof Carlo Emmanueles tätig (Reale-Palazzo Turin), kam er 1746 nach London. 1747 übersiedelte Bellotto nach Dresden, wo er beim Kurfürsten Friedrich August II. Hofmaler und von dessen erstem Minister Brühl gefördert wurde. Die kriegerischen Ereignisse waren der Anlass für Bellottos Aufenthalt in Wien, wo er für Kaiserin Maria Theresia und die Fürsten Kaunitz und Liechtenstein arbeitete (1758-61). Nach kurzer Tätigkeit in München kehrte er 1762 nach Dresden zurück. Er verlor seine Stellung als Hofmaler und wurde Lehrer für Perspektivmalerei an der 1764 neugegründeten Dresdener Akademie. 1767 übersiedelte er an den Warschauer Hof Stanislaus II. Poniatowskis, wo er 1768 Hofmaler wurde und die letzten Jahre seines Lebens verbrachte. Bellottos Frühwerke sind durch engen Anschluss an den Spätstil seines Onkels Giovanni Antonio Canal gekennzeichnet. Da er an der Vorbereitung und Ausführung von dessen Bildern mitarbeitete, ist bei einer Reihe von Gemälden venezianischer oder römische Sujets die Zuschreibung zwischen beiden strittig. Charakteristika seiner um 1740 einsetzenden unabhängigen malerischen Produktion sind der grössere Realismus, der Hang zu besonderer topografischer Genauigkeit, bis in das Detail gehende Exaktheit der Architekturperspektive und ein von Canal durch die Bevorzugungn kühlerer Töne und grösserer Helligkeit unterschiedenes Kolorit. Werke wie "Die Vedute von SS. Giovanni e Paolo" und der "Scuola di S. Marco" (Springfield, Massachusetts, Museum of Fine Arts) oder das "Capriccio mit römischem Bogen" (Asolo, Museo Civico) lassen das Vorbild Canalettos erkennen, von dem er sich aber, wie die Vedute "Der Tiber mit Castel S. Angelo" (Detroit, Institue of Fine Arts) zeigt, zur Zeit der Romreise von 1742 zu lösen begann. Seinen unverwechselbaren realistischen Stil gewann Bellotto in den Veduten von Florenz (Cambridge, Fitzwilliam Museum), von Vaprio d`Adda (New York, Metropolitan Museum) und Turin (Turin, Galleria Sabauda), die zwischen 1742 und 1745 entstanden. Hauptwerk der Dresdener Periode war die 1747-54 für Friedrich August II. geschaffene grosse Serie der vierzehn Veduten von Dresden (u.a. Leningrad, Eremitage), die aus vier Panorama Ansichten und zehn Platzveduten besteht, in denen eine gewisse Rückkehr zu Kompositionsschemata Canals sichtbar wird. Elf zwischen 1752 und 1755 geschaffene Veduten von Pirna (Dresden, Gallerie), wie die Dresdener Serie in zahlreichen Repliken und Radierungen verbreitet, dokumentiert Bellottos Näherung an die Landschaftsmalerei. An den in Wien und München enstandenen Veduten, wie etwa der "Ansicht der Dominikanerkirche in Wien" (Wien, Kunsthistorisches Museum), zeigt sich seine Entwicklung in Richtung auf eine detailliertere Schilderung des städtischen Lebens. Unter dem Einfluss des Dresdener Klassizismus kehrte Bellotto in den sechziger Jahren zum Thema der Idealvedute zurück. Hauptwerk seiner Spätzeit ist die "Ansicht von Warschau" (Warschau, Museum Narodowe). In Warschau wuchs Bellettos Interesse für historische und Genreszenen, an deren Gestaltung, wohl auch an der Staffage, sich sein Sohn Lorenzo beteiligte. Das bedeutendste Beispiel dieser Gattung ist wohl "Der Einzug Georg Ossolinskis in Rom im Jahre 1633" (Breslau, heute Wroclaw, Muzeum). Neben Antonio Canal und Francesco Guardi ist Bellotto der bedeutendste venezianische Vedutenmaler und ein Vorläufer der Landschaftsmalerei des 19. Jh.

Bembo, Bonifazio
(auch Fazio da Valdarno). Tätig 2. Hälfte 15. Jh. Italienischer Maler. Er stammte aus Brescia, arbeitete in Cremona und muss schon 1447 dort ansässig gewesen sein. 1478 wird er als noch lebend erwähnt. Er war einer der Hauptrepräsentanten der Cremoneser Schule und stand im Dienst des Mailänder Herzogshauses. Von seinen Fresken im Dom von Cremona, im Kastell von Mailand (Reale-Palazzo Mailand) usw. ist kaum mehr etwas erhalten, und besonders die Zuschreibungen scheinen noch nicht gesichert.

Bencovich, Federico
(auch Benkovic, Federico, gen. Il Ferigheto dalmatino). *um 1677 in Dalmatien, * 8.7.1753 in Görz. Dalmatischer Maler, dessen Herkunft weitgehend im Dunkeln liegt. Bencovich ging bei Carlo Cigagni in Bologna in die Lehre und stand stark unter dem Einfluss Giuseppe Maria Crespis. Um 1710 war er in Venedig im Dienst des Kurfürsten Lothar Franz von Schönborn tätig. 1716 kam er im Gefolge des kaiserlichen Vizekanzlers Friedrich K. Schönborn nach Wien und erhielt 1733 die Stelle eines Hofmalers in Würzburg. Gegen Ende seines Lebens stand er im Dienst der Familie Atterns. Bencovich liebte starke Farbkontraste und Lichtkontraste, seine überlängten, in effektvollen Posen wiedergegebenen Gestalten knüpfen an spätmanieristische Traditionen an und schaffenb bereits deren Verbindung mit der Barockmalerei, wobei sich schon die Kunst eines Giambattista Tiepolo ankündigt. Ein typisches Werk ist sein Altarbild in S. Sebastiano in Venedig, der "Hl. Petrus von Pisa" (zwischen 1724 und 1728), in dem die religiöse Ekstase des Heiligen eindrücklich dargestellt ist. Manche Bilder Bencovichs erinnern an Giovanni Battista Piazetta, während die in Österreich entstandenen Werke auf Franz Anton Maulpertsch und Paul Troger vorausweisen.

Benedetto da Maiano
(eigentl. Benedetto di Leonardo).*1442 in Maiano bei Florenz, + 27.5.1497 in Florenz. Italienischer Bildhauer und Architekt. Bruder von Giuliano da Maiano, Hauptvertreter der florentinischen Frührenaissance, der, ausgehend von der eleganten Linienführung und den ausgeprägten Volumina Antonio Rossellinos, Kirchen mit Kanzeln, Altären und Ciborien ausstattete sowie Grabmäler und Büsten schuf, wobei er in der Zusammenführung architektonischer, bildhauerischer und ornamentaler Elemente zu einer auf Michelangelo vorausweisende Harmonie und Ausdrucksdichte gelangte. Als Architekt lieferte er die Pläne für den bedeutenden Bau des Strozzi-Palazzo in Florenz. Benedetto da Maiano arbeitete zunächst als Schüler und Gehilfe in der florentinischen Werkstatt seines Bruders Giuliano, beeindruckt von Lorenzo Ghiberti und Desidero da Settignano. Zu seinen ersten grossen Werken gehörte das Grabmal des hl. Savinus im Dom zu Faenza (1471-72). 1475 fertigte er den Marmoraltar und das Ciborium für die Kapelle der hl. Fina in der Stiftskirchen von San Gimignano (heute in der Sakristei). Zur gleichen Zeit entstand ebenfalls ein Ciborium für den Hochaltar in S. Domenico in Siena. Berühmt wurde Benedettos reliefierte Marmorkanzel in S. Croce in Florenz mit "Szenen aus dem Leben des hl. Franzikus" (1470-75). 1476-81 arbeitete Benedetto zusammen mit seinem Bruder Giuliano am Vecchio-Palazzo Florenz; hier schuf er die marmornen Türrahmungen mit der Statue "Johannes` d. Täufers" und spielenden Kindergruppen (jetzt Florenz, Museo Nazionale). In den 80er Jahren errichtete er für die Sakristei des Doms in Loreto einen marmornen Wandbrunnen mit zwei Engeln und zwei Lünetten mit den Halbfiguren der Evangelisten. Im Auftrag König Ferdinands von Neapel fertigte er um 1489 einen marmornen Verkündigungsaltar in der Cappella Mastrogiudici in S. Anna dei Lombardi (Montoliveto) in Neapel und vollendete dort ds von Rosselino begonnene Grabmal der Herzogin Maria von Aragón. Sein letztes Werk für den König war ein unvollendetes Marmorrelief mit der "Krönung Ferdinands" (Florenz, Museo Nazionale). Wieder in San Gimignano, errichtete Benedetto in S. Agostino die Kapelle des hl. Bartolo (1484/85). 1490 schuf er für den Dom in Florenz ein von Lorenzo di Credi bemaltes Holzkreuz und die Bildnisreliefs von Giotto und dem Musiker Squarcialupo. Vermutlich Ende der achtziger Jahre fertigte er die zu den besten Werken seiner Zeit gehörende Tonbüste des "Filippo Strozzi" (Paris, Musée National du Louvre) sowie dessen Grabmal in S. Maria Novella von Florenz. 1489 begann Benedetto mit dem Bau des Strozzi-Palazzo in Florenz, der nach seinem Tod von Cronaca, Simone vollendet wurde. Ausserdem fertigte Benedetto realistische Porträtbüsten, wie die Marmorbüste von P. Mellini (1471, Florenz, Museo Nazionale). Er vollendete in seinen Werken den Frührenaissancestil von Settignano und Rossellino, Bernardo. Mit seinem Spätwerk war er ein Wegbereiter Michelangelos, der vermutlich kurze Zeit in Benedettos Werkstatt arbeitete.

Bening, Alexander
Nachweisbar ab 1469, + 1519. Flämischer Maler, Vater von Bening, Simon, wurde im Jahr 1469 in die Genter und 1486 in die Brügger Lukasgilde aufgenommen, so dass er in beiden Städten abwechselnd arbeiten konnte. Er gilt als einer der Begründer der Gent-Brügger Miniaturistenschule, deren Einfluss sich von Flandern aus auf England und Spanien erstreckte. Mit Sicherheit sind Alexander Bening die Miniaturen im "Stundenbuch der Marie de Bourgogne" (um 1480, Berlin, Kupferstichkabinett) zuzuschreiben, die eine s

Bening, Lievine
+ nach 1570. Flämische Malerin, Tochter von Bening, Simon, führte die Kunst ihres Vaters zu solcher Vollendung, dass sie von Heinrich VIII. nach London berufen wurde, wo sie sich 1545 endgültig niederliess. Auch nach seiner Regierungszeit blieb sie in grosser Gunst bei Hof und malte 1558 ein Bildnis von Elisabeth I. Sie gilt als die Begründerin der englischen Miniaturmalerei in Medaillonform.

Bening, Simon
*1484 in Gent, + 1561 in Brügge. Flämischer Maler, Sohn von Bening, Alexander. Seit 1501 lebte er in Brügge. Zu seinen frühen Werken gehören die Kalenderbilder im "Breviarium Grimani" (Venedig, Biblioteca Marciana), die vermutlich im 1. Jahrzehnt des 16. Jh. entstanden. Er stand noch in der mittelalterlichen Tradition der Buchmalerei, die mittlerweile zu einem Zweig luxuriösen Mäzenatentums und Sammlertums geworden war. Einflussreiche Persönlichenkeiten zählten zu seinen Auftraggebern. Kaiser Karl V. lies

Benkert, Johann Peter
*11.9.1709 in Neustadt a.d. Saale, + 1769 in Potsdam. Deutscher Bildhauer, Schüler Kaspar Eygens in Eichstätt, bildete sich in München selbständig weiter. Von Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn nach Bamberg berufen, schuf er dort u.a. die hölzernen Kolossalfiguren "Kaiser Heinrich II." und "Kaiserin Kunigunde", den Choraltar und die vor dem Portal stehenden steinernen Schutzengel der Kirche des jetzigen Bürgerspitals. Nach Potsdam berufen, arbeitete er unter Johann August Nahl als Stukkateur an d

Benkovic, FedericoBencovich, Federico

Benois, Leonitius Nikolaewitsch
* 11.(23.)8.1865 in St. Petersburg, + 8.2.1928 in Leningrad. Russischer Architekt, studierte in St. Petersburg an der Kunstakademie, war dort Professor und Rektor, Redakteur der Zeitschrift "zodcy" (Baumeister). 1910-13 arbeitete er mit anderen am Projekt zur Umgestaltung St. Petersburgs. Zu seinen Hauptwerken zählen dort die Kapelle "M.I. Glinka (1885-89), das Russische Museum (1914-16), das Gynäkologische Institut und das Mausoleum in Peter-Pauls-Festung. Bekannt wurden ferner seine orthodoxen Kirch

Benua, Leonitius NikolaewitschBenois, Leonitius Nikolaewitsch

Benvenuti, Pietro
*18.1.1769 in Arezzo, + 3.2.1844 in Florenz. Italienischer Maler, Vertreter des Klassizismus in Italien, nach dem Vorbild Jaques Louis Davids. Ein Freund Antonio Canovas, war er ab 1803 Professor an der Akademie in Florenz, wozu ihm die Protektion der damaligen Regentin der Toskana, Elisa Baciocchi-Bonaparte, verhalf. Die Noblesse seiner Malerei wirkt häufig künstlich und erstarrt, wenn sie zuweilen auch durch eine warme Farbgebung belebt wird. Er schuf zahlreiche Porträts und Fresken, wie jene der sog. Sala dell`Ercole (Herkulessaal) des Pitti-Palazzo in Florenz, oder die Ausmalung der Kuppel der Cappella de` Principi in S. Lorenzo, Florenz (1827-36), sowie Bilder mit religiöser und mythologischer Thematik, wie "Hektor ermahnt Paris" (Florenz, Galleria dell`Accademia).

Beowulf
Ein angelsächsisches Heldengedicht aus dem Ende des 7. oder dem Anfang des. 8. Jh.s. Der Inhalt des Gedichtes ist folgender: Über die Dänen herrscht Skylo aus dem Geschlecht der Skefinge. Von den Meereswogen ist er als Kind hergeworfen worden an Dänemarks Küsten, als König sollte er sterben und mit Kleinodien überhäuft wird er nach seinem Tode in reichgeschmücktem Schiffe wieder dem Element überlassen, das ihn hergebracht. Dessen vierter Nachfolger ist Hrodgar. Er lässt eine geräumige Halle errichten, Heorot genannt, deren Wände täglich von dem Jubel der zechenden Ritter und von den süssen Tönen der Harfe widerhallen. Doch nur zu bald soll das fröhliche Leben der Vasallen des Königs verstummen. Von Neid gepeinigt, dass des Herrschers Mannen in solcher Freude leben können, während er selbst einesam in düsterem Moorgrund seine Tage hinbringen muss, macht sich ein Unhold, Gendel mit Namen, auf, dringt des nachts, wenn nach dem Metgelage in tiefem Schlaf die Kämpen ruhen, in die Halle ein und schleppt 30 Schläfer mit sich in seine Behausung. Entsetzen fasst am anderen Morgen die Dänen und als in der folgenden Nacht wieder eine Anzahl ihrer Freunde der Wut des Raubtiers zum Opfer fallen, fliehen sie schreckensbleich die unheimliche Stätte. Wohl berät sich der greise Herrscher gramschwer oft mit seinen Vertrauten, doch nichts wird zur Abwehr des Übels gefunden, bis endlich von Norden her ein Retter dem bedrängten Volk erscheint. Beowulf ist sein Name, das Geatenland, welches Hygelak beherrscht, seine Heimat. Ihm ist die Not der Nachbarn zu Ohren gekommen. Mit 14 Genossen besteigt er das Meerschiff, um den Dänen zu helfen und bald landen sie an der dänischen Küste, wo sie mit edlem Anstand empfangen und vor den König geführt werden. Beowulf enthüllt dem König, das er vertrauend auf seine Stärke gekommen sei, Heorot von der Anwesenheit des blutdürstigen Scheusals zu befreien. Mit Freuden nimmt der König die Dienste des Geatenritters an und die Halle Heorot wird den Fremdlingen eingerichtet. Die Schatten der Nacht senken sich über die Erde, Hrodgar mit seinen Mannen zieht sich in seine Gemächer zurück und allein warten in der Halle die Geaten mit ihrem Führer der Dinge, die da kommen sollen. Kaum hat der süsse Schlaf der Müden Augen geschlossen, als vom Sumpfe der grausame Grendel hergeschlichen kommt, lechzend nach Menschenfleisch. Er packt sofort den nächstliegenden Recken, reisst ihn in Stücke und verschlingt ihn. Jetzt gerät der Mordgesinnte an Beowulf, aber mit Riesenkraft greift der Geate des Unholds Arm und nach langem Ringen renkt er ihm den Arm samt der Achsel aus, sodass Grendel todwund fliehen muss und in seiner Sumpfwohnung durch den Tod von den Qualen der Wunde befreit wird. Jubel erfüllt am anderen Morgen die Gegend. Auf Beowulfs Tat anspielend trägt der Sänger den glücklichen Kampf des Wälsungen Sigmund mit dem Drachen vor und den innigsten Dank bringen dem jungen Sieger der grambefreite König und seine holde Gemahlin dar. Mit reichen Geschenken belohnt die Königin den tapferen Beowulf und vertraut ihm ihre beiden Knaben an. Wieder sinken die Helden in friedlichen Schlaf. Wie schrecklich sollte das Erwachen sein! Den Tod ihres Sohnes zu rächen, macht sich Grendels Mutter unter dem Schutze der Nacht auf, dringt in den Schlafsaal der Dänen ein und um das Leben eines der Helden ist es geschehen. Die einzige Zuflucht des von neuem in Entsetzen geratenen Königs ist Beowulf. Der Greis bitten diesen, die Untat zu rächen. Der Geatenheld ist dazu bereit. Der greise König selbst besteigt sein Schlachtross und reitet an der Spitze seiner Mannen in Begleitung Beowulfs, die Wohnung der Unholdin zu suchen. Bald ist sie gefunden auf dem Meeresgrund, bewacht von Nixen, Drachen und anderem blutgierigen Gewürm. Beowulf nimmt von Hrodgar Abschied, empfiehlt ihm, falls er nicht mehr zurückkommen sollte, die Obhut über seine Leute und springt dann wohlgepanzert und gut bewaffnet mit seinem wuchtigen Schwert Hrunting in die brausende Flut. Bald steht er im prächtigen Meersaal vor Grendels Mutter. Sogleich beginnt der furchtbare Kampf. Hrunting prallt ab von dem Körper der Meerwölfin. Ein Riesenschwert, das Beowulf im Saale findet, sollte ihm erst Rettung verschaffen, indem es dem grausamen Weib die Todeswunde schlägt, dann aber auch vor dem heissen Blute bis zum Heft wie Eis zerschmilzt. Der Erschlagenen Blut rötet die Brandung. Bald enttaucht der brausenden Brandung des Siegers Leib. Jubelnd wird er von seinen Getreuen empfangen und dem König Hrodgar zugeführt. Als Siegespfand legt der Tapfere Grendels Haupt den staunenden Höflingen und entsetzten Frauen vor die Füsse. Dann zieht Beowulf wieder nach der Heimat. Später besteigt Beowulf selbst den Herrscherstuhl der Geaten und regiert 50 Jahre lang zum Wohle und Segen seines Volkes. Im Kampf gegen einen Drachen, gegen einen Schädiger seiner Untertanen sollte er fallen. Schon drei Jahrhunderte lang hatte das Untier in finsterer Bergeshöhle reiche Schätze bewacht, welche einst ein einsamer, freundloser Mann in dem Schoss der Erde versteckte, der niemanden mehr hatte, dem er den Gebrauch der Kostbarkeiten gönnte. Zufällig kommt ein Flüchtling in die Behausung des Drachen und entwendet dem Horthüter eines der Kleinode. Wütend fliegt des Nachts der Drache aus, den frechen Dieb zu suchen. Burgen und Hütten äschert der feurige Atem seines Rachens ein. Da dringt das Gerücht vom Unglück seines Landes an Beowulfs Ohr, der sofert wohlgerüstet mit 14 anderen Helden den Bau des Drachen aufsucht. Wohl mag der Greis den nahen Tod ahnen, denn er nimmt Abschied von seinen Getreuen. Allein, wie es dem König geziemt, will er den Kampf gegen seinen Widersacher aufnehmen. Mutig schreitet er an den Eingang der Höhle und fordert den Drachen zum Zweikampf auf. Nicht lange lässt der Wurm auf sich warten. Eine Flut sengenden Feuers entströmt seinem Rachen dem Tapferen entgegen, welchen kaum der eherne Schild gegen den Gluthauch schützt. Machtlos prallt das wuchtige Schwert von dem Hornpanzer des Wurmes ab. Was ist zu tun? Waffenlos steht der edle König da, ferne in des Waldes Dickicht sind die feigen Gefolgsleute vor der grausen Gestalt des Drachen geflohen. Wiglaf unterstütz mit seiner jungen Kraft den alten Fürsten und nach langem Ringen sinkt der grimmige Feind tot zu Boden. Doch teuer ist der Sieg erkauft. Auch Beowulf ist verwundet von des Wurmes giftigem Zahn. Schnell schickt der Röchelnde den Wiglaf noch in die Höhle, damit sein letzter Blick auf die reichen Schätze falle, die er mit seinem Leben seinen Leuten zurückerobert. Wiglaf gehorcht, kehrt schwerbeladen zurück und breitet die Kostbarkeiten vor dem brechenden Auge des Königs aus. Dieser bestimmt sie dazu, die Not der Armen zu heben und stirbt. Tiefes Trauern ergreift das Herz des Volkes über den Untergang ihres geliebten Königs. Sie ziehen hinaus zu der Walstatt, erblicken mit tränendem Auge Beowulf und mit Entsetzen seinen grimmigen Feind. Dann schreiten sie zur Bestattung der irdischen Überreste des Edlen. Auf hohem Scheiterhaufen wird die Leiche niedergelegt und gierig verzehren die Flammen den Körper des Beowulf. Das Gedicht von Beowulf liegt uns in einem Pergamentcodex vor, der sich in der Cottonischen Bibliothek des British Museums zu London befindet. Die Handschrift fällt wahrscheinlich in das 10. Jh., doch ist die Entstehung des Gedichtes in eine viel frühere Zeit zu setzen. Seine Anfänge sind in der Mitte des 6. Jh.s zu suchen und als Ganzes tritt es uns auf der Grenze des 7. und 8. Jh.s entgegen. In seiner beinahe zweihundertjährigen Entwicklung hat es wesentliche Umänderungen erfahren. Der Kern des Epos ist jedenfalls der Kampf Beowulfs mit Grendel und dem Drachen. Als blosse Variation des ersteren ist derjenige zwischen Beowulf und Grendels Mutter anzusehen. Daran schlossen sich dann Episoden aus dem Leben der auftretenden Helden und ihrer Vorfahren und Interpolationen eines christlichen Schreibers, die einen theologisierenden Ton anschlagen und mit dem germanisch heidnischen Charakter des Gedichtes schlecht zusammenpassen. Es ist halbfertig, gleichsam mitten in der Entwicklung erstarrt. Das Gedicht ist nicht von einem einheitlichen Autor verfasst, sondern aus verschiedenen Liedern nach und nach zusammengefügt. Die Heimat des Gedichtes ist England, eine historische Begebenheit gab Anlass zu seiner Entstehung. In ten Brinks Geschichte der englischen Literatur heisst es cs pag. 30: „In den Jahren 512-20 unternahm der Geatenkönig Hygelak (aus dem jetzigen schwedischen Gotland) einen Raubzug nach dem Niederrhein. Da rückte des fränkische Königs Theuderich Sohn Theudebert ihm mit einem Heere von Franken und Friesen entgegen. Ein heisser Kampf fand statt, der auf beiden Seiten zahlreiche Opfer verschlang; den Franken aber blieb der Sieg. Hygelak fiel, sein Heer wurde zu Lande wie zu Wasser aufgerieben, die schon auf den Schiffen befindliche Beute von dem Feinde zurückgewonnen. In diesem Kampf zeichnete sich ein Gefolgsmann und Verwandter Hygelaks vor allen aus, besonders durch seine Kühnheit, mit der er schliesslich seinen Rückzug bewerkstelligte. Er scheint ein Mann von riesiger Körperkraft und ein vorzüglicher Schwimmer gewesen zu sein. Die Kunde von diesem Kampfe, der Ruhm dieses Degens erscholl weit und breit zu beiden Ufern des Meeres, das die kimbrische Halbinsel von dem schwedischen Festlande trennt bei Geaten, Inseldänen und Angeln. Die Taten des Neffen Hygelaks, des Sohnes Ekgthcows, wurden in Liedern gefeiert; er trat in das Erbe göttlicher Heroen ein. Beowulf, der Sohn des Ekgthcow, trat an die Stelle Beowas, des Siegers über Grendel.“ Dieser Beowa oder also später Beowulf, ist nach Müllenhof identisch mit Freyr, dem milden Gott des Friedens und der Fruchtbarkeit, der Regen und Sonnenschein und Gedeihen der Früchte gibt, den Schiffern aber und den Fischern das Meer im Frühling öffnet und es von Stürmen befreit; der es stillt und ihnen einen guten Fang und reichlichen Gewinn verschafft, aber auch liegende Gründe und fahrende Habe denen verleiht, die zu ihm beten. Dieselbe Wirksamkeit steckt nun auch in den Taten des Helden unseres Gedichtes. Seine erste Tat ist, dass er wegschwimmt mit Breka und zwar wahrscheinlich dem von Norden herabkommenden eisigen Polarstrom entgegen, um mit den Waffen die Rauheit und Wildheit des winterlichen Meeres bis an seine äussersten Grenzen zu brechen und es fahrbar zu machen. Auch der Kampf Beowulfs mit Grendel lässt sich als ein Ringen mit den verwüstenden Wogen des Ozeans auffassen. Grendels Wohnung ist eine von düsterem Walde umgebene Meeresbuch voll trüben , sumpfigen Gewässers. Aus dieser heraus bricht er mit wilder Wut und verschlingt die sorglos schlafenden Menschen, bis auch jetzt wieder ein Gott und zwar Beowulf an Stelle des alten Freyr, als Beschützer des Ackerbaues den grausen Zerstörer menschlichen Wohlstandes und Glückes zurücktreibt und ihn in feste Grenzen bannt. Eine blosse Wiederholung des Kampfes mit Grendel ist der mit dessen Mutter, die auch eine Personifikation des Meeres ist. Bis in Einzelheiten stimmt der Kampf Beowulfs gegen diese beiden Unholde überein mit Freyrs Ringen mit dem Riesen Beli, den er auch, ohne sein gutes Schwert zu gebrauchen, erlegt. Dass Beowulf endlich, schon im Herbst seines Lebens, noch mit dem schätzebergenden Drachen einen Zweikampf eingeht, ist ebenfalls begründet durch die Identität mit Freyr. Der Drache ist einesteils wieder wie Grendel und dessen Mutter das Symbol des sein Bett übersteigenden, alles mit sich fortreissenden Wasserschwalles, dann aber auch eine konkrete Darstellung des Winters, der im Herbst eben alles Leben in der Natur erstickt und wie der Drache auf seinen Kleinodien mit seinem Schneemantel, seiner Eisdecke auf den Schätzen , welche die Natur zur Sommerszeit dem Menschen baut, sitzt und ihre Wohltaten niemanden zu gute kommen lässt. Gegen diesen zieht nochmals der greise Gott. Er besiegt zwar den Feind, muss aber doch im Herbste seines Lebens tot dahinsinken vor dem giftschwangeren Blute des Drachen, wie auch die Herrlichkeit des Sommers schwindet, wenn mit seinem Sturmgebraus der kalte Winter die Schneeflocken und Eiskörner über die Lande peitscht.

Berain, Jean d.Ä.
*1637 in St-Mihiel (Lothringen), + 1711 in Paris. Französischer Architekt, Zeichner und Ornamentstecher, Generalausstatter am Hof Ludwigs XIV., seit 1674 Kammerzeichner und Kabinettzeichner. Berain fertigte Entwürfe für alle im Dienst der staatlichen Repräsentation stehenden Gelegenheiten; seit 1690, nach Charles Le Bruns Tod, war er erster Entwerfer und Zeichner für alle königlichen Manufakturen und verantwortlich für Entwurf und Ausführung von Festlichkeiten, Theaterausstattungen, Kostümen, Dekorationen und für die Ausstattung der königlichen Flotte. Wände und Teppiche, Gitter und architektonische Ordnungen, Möbel und Geräte wurden in seinen Ornamententwürfen von einem Grundgerüst aus abstrakten Rändern gebildet, in das dann Gegenständliches in Form von architektonischen Versatzstücken, Tieren und Theaterstaffagen u.ä. eingefügt wurde. Stilgeschichtlich betrachtet, repräsentiert Berain zunächst das Louis-quatorze, leitet ann aber zur leichteren Regence über. Anstelle des satten und schweren Akanthus werden Motive im Sinne des formal wie inhaltlich "Gelockerten" gewählt, wobei die Grundlage die Groteske der italienischen Spätrenaissance ist. Berains nach vielen Hunderten zählende Ornamentstiche prägten die Architektur der Zeit um 1800 und hatten in der Form des "Bandelwerks" europäische Bedeutung. So ist es verständlich, wenn man früher auch vom "Berain-Stil" sprach.

Berain, Jean d.J.
* um 1674 in Paris, + 3.7.1726 in Paris. Französischer Stecher, Zeichner, Ausstatter, Sohn von Berain, Jean d.Ä.. Wahrscheinlich nahm ihn sein Vater um 1690 zu sich in die Werkstatt. Er entwarf Festdekorationen und Innendekorationen, Masken, Ballettkostüme, die er in seinen Stichen festhielt. Dabei benutzte er die gleiche Technik wie sein Vater, auch sein Formcharakter schliesst sich dicht dem des Vaters an, weshalb seine Arbeiten oft mit dessen Werken verwechselt wurden.

Berecci, Bartolomeo
* in Val de Sieve (Lombroso), ermordet 1537 in Krakau (Krakow). Italienischer Architekt und Bildhauer aus Pontassieve bei Florenz. Berecci kam um 1516 über Ungarn nach Krakau, wo er eine vielbeschäftigte Werkstatt betrieb; künstlerisch fassbar ist er erst in Polen. Seit 1516 Schlossbaumeister des polnischen Königs Sigismund I., errichtete er 1519-30 eines der bedeutendsten Renaissancebauwerke nördlich der Alpen, die Sigismundkapelle (Krakau, Dom). Dieses, sein Hauptwerk, ein prächtiger Zentralbau im Stil des späten italienischen Quattrocento, ist die Grabkapelle für König Sigismund I. am Dom zu Krakau (1519/33). 1524/33 entstand die Kapelle und das Grabmal für Bischof Tomicki am Chorumgang des Doms. 1530/37 leitete Berecci den Bau des Residenzschlosses auf dem Wawel. Plastiken waren meist Werkstattarbeiten, eigenhändig u.a. wohl die Gestalt Sigismunds I. (1526/31, ebd.), mit der der Typus des Grabdenkmals mit dem auf einem Prunkbett liegend dargestellten Verstorbenen in die polnische Plastik eingeführt wurde. Aus der Werkstatt Bereccis stammen auch das Oratorium (1520) der Marienkirche zu Krakau und der Baldachin des Grabmals für König Wladyslaw Jagiello (1519/24; Krakau, Wawel). Vermutlich schuf er auch das Denkmal der B. Tarnowska in Tarnow (1521). Als Schlossbaumeister führte er die von Francesco della Lore begonnenen Arbeiten am königlichen Palast auf dem Wawel weiter, seit 1522 zusammen mit Nikolaus Castiglione. Berecci war der bedeutendste Vertreter der florentinisch-römischen Richtung in der polnischen Renaissancekunst.

Berenike
Tochter des Königs Magas von Kyrene (um 273-221 v. Chr.); Gemahlin von Ptolemaios III. Euergetes. Ägyptische Königin als Berenike II. Nach der Ermordung durch ihren Sohn Ptolemaios IV. wurde Berenike auf seine Veranlassung hin als Gottheit verehrt und er ernannte ihr zu Ehren eine Priesterin. Üblicherweise ist die ägyptische Königin in den Augenblick wiedergegeben, in dem sie eine Locke ihres prächtigen Haars - gelegentlich vor einem Spiegel - abschneidet.

Berg, Johann Jakob
* 1727 in Nürnberg, + 1787 in Nürnberg. 1760-1785 als "Hofbildhauer und Hofstukkator" in Eichstätt. Stuckarbeiten im Treppenhaus und im Spiegelsaal von Eichstätt II (1767/68), Schöpfer der Figuren der vier Elemente im Treppenhaus (signiert; datiert 1769). Die Putten am Brunnenbecken der Mariensäule stammen ebenfalls von J.J. Berg, der später geadelt wurde.

Berger, Ewald
Architekt der Familie v. Magnis aus Eckersdorf, u.a. in Schlesien tätig..

Bergl, Johann Baptist Wenzel
*23.9.1718 in Königshof an der Elbe, + 15.1.1789 in Wien. Österreichischer Freskant und einer der bedeutendsten Rokokomaler in der Nachfolge Paul Trogers. Dreissigjährig kam er in die Klasse Trogers an der Wiener Akademie. Er setzte die Freskomalerei im Sinne des Trogerschen inhaltlich bestimmten Lich-Farb-Illusionismus fort. In kirchlichem Auftrag malte Bergl verschiedentlich religiöse Themen. Seine bedeutendsten Werke liegen jedoch im profanen Bereich. die illusionistisch gemalte Landschaftsszenerie als Raumschmuck ist sein beseonderer künstlerischer Beitrag: um 1762 Sommerschlösschen der Kaiserin Maria Theresia zu Ober-St. Veit, 1763 Gartenpavillon des Benediktinerstifts Melk, 1775 Goeß-Appartement im Schloss Schönbrunn Wien. Die Melker Deckenfresken und Wandfresken sind sein Hauptwerk; das typisch barocke, allegorische Thema "Triumph des Lichtes der Welt auf seinem Gang durch die Jahreszeiten und über den ganzen Erdball hin" malte er in hellen, heiteren, wirkungsvoll disponierten Farben. Die vier Erdteile gestaltete er zu einem prächtig ausstaffierten Welttheater, in dem das Exotische und das Orientalische die besonderen Akzente setzen.

Bergmiller, Johann GeorgBergmüller, Johann Georg

Bergmüller, Johann Georg
* 15.4.1688 in Türkheim, + 30.3.1762 in Augsburg. Deutscher Maler, Freskant und Grafiker, kam 1702 in die Lehre zu dem Münchener Hofmaler Andreas Wolff. 1713 ging Bergmüller nach Augsburg an die Reichsstädtische Kunstakademie, 1730 wurde er deren Direktor und lehrte dort bis zu seinem Tode 1762. Unter Bergmüller wurde Augsburg neben dem Münchener Hof zu einem Zentrum der Barockmalerei und der Rokokomalerei und zu einer massgeblichen Ausbildungsstätte neben Wien. Die Stadt wurde zum Anziehungspunkt für bedeutende Maler wie Matthias Günther aus Bayern, Johann Evangelist Holzer aus Tirol oder Gottfried Bernhard Göz aus Mähren. Bergmüller entfaltete eine umfangreiche Tätigkeit als Freskant. Das bedeutendste erhaltene Werk der frühen Periode sind die 1727-29 gemalten Gewölbefresken in der ehemaligen Benediktinerabteikirche in Ochsenhausen. Sie zeigen zwar einen ausgereiften Figuralstil, in der kompositionellen und raumillusionistischen Bildanlage und in der Farbgebung wirken die Bilder jedoch noch rückständig. Unter dem Einfluss von Günther und Holzer entwickelte Bergmüller seinen Stil zur vollen Reife im Einklang mit dem zeitgenössischen Kunstschaffen. Sein erstes Hauptwerk stellen die 1736 vollendeten, grossformatigen Fresken in der ehemaligen Augustinerchorherrenstiftskirche von Diessen am Ammersee dar. Es folgen 1741-42 die bedeutenden Fresken der ehemaligen Prämonstratenserabteikirche Steingaden und 1749-50 die in Kapelle und Saal des Schlosses Haimhausen bei München. Die rational disponierte Bildanlage und Komposition, die massvolle Anwendung illusionistischer Untersichten bei den Figuren, die perspektivische Differenzierung kunstvoll -verschränkter Bildsphären sowie die zeichnerische Präzision, verbunden mit einer exquisiten, in den Tonwerten zurückhaltenden, kühl wirkenden, hellen Farbigkeit verleihen seinem Stil einen akademisch-klassischen Charakter. Architekturen mit scharfkantig gezeichneten Profilen und hart vorspringenden Ecken bilden seine szenischen Schauplätze. Bergmüllers "Anthropometria" mit zwölf Kupferstichen von 1723 und sein 30 Jahre später erschienenes Werk über "Die geometrischen Verhältnisse der Säulen-Ordnung aus dem Quadrat der Dorischen Ordnung..." mit 22 Kupferstichen zeugen von seinem theoretisch-lehrhaften Schaffen.

Bernini, Gianlorenzo
(1598-1680). Die dominierende Gestalt des römischen Barock. Wie Michelangelo in erster Linie Bildhauer, bewies er eine ähnlich geniale Vielseitigkeit als Maler, Dichter und Architekt. Geboren in Neapel als Sohn eines Florentiner Bildhauers, Pietro Bernini, eines der weniger bedeutenden Manieristen, und einer Neapolitanerin. Um 1605 zog die Familie nach Rom. Dort blieb Bernini während seiner ganzen Schaffenszeit, und kaum eine andere Stadt trägt so stark den Stempel der künstlerischen Persönlichkeit eines Mannes, wie Bernini ihn Rom aufprägte. Seine Bauten und Skulpturen bringen die ganze Grossartigkeit, Bewegtheit und Gefühlsbetontheit der Gegenreformation zum Ausdruck. Bernini war bereits mit 20 Jahren als Bildhauer berühmt, seine lange, stets erfolgreiche Laufbahn als Architekt begann erst 1624 mit der Wahl Urban VIII. Barberini zum Papst. Fünf Jahre später wurde ihm die Bauleitung von St. Peter übertragen. Die meisten seiner grossen Bauten schuf er aber in seiner reiferen Zeit, während des Pontifikats Alexander VII. Chigi (1655-67). Inzwischen war sein Ruhm so gross, das Ludwig XIV. ihn bat, zur Erweiterung des Louvre-Palais nach Paris zu kommen. Anders als sein überempfindlicher Rivale Borromini, Francesco war Bernini von ausgeglichener, extrovertierter Wesensart und sicher und gewandt im Auftreten. Dabei war er tief religiös, ein glühender Anhänger der Jesuiten und unterzog sich regelmässig den Exerzitien des Hl. Ignatius. Bernini verband auf vielleicht einmalige Weise revolutionäres künstlerisches Genie mit der Führungskunst eines Mannes von Welt. Seine ersten Aufträge waren die Renovierung von S. Bibiena (1624) und der Baldachin in der Peterskirche. S. Bibiena ist eigentlich nur ein interessanter Versuch; hier fehlt die für Bernini charakteristische Sicherheit des Entwurfs. Dagegen zeigt der Baldachin (1624-33) in der Vierung der Peterskirche unter Michelangelos Kuppel kühne Phantasie. Mit seinen kolossalen gewundenen Bronzesäulen, den heiter-lebendigen Voluten, den dynamischen Skulpturen ist dieses prunkvolle Meisterwerk ein echtes Symbol der Epoche: ihrer Grossartigkeit, Prachtentfaltung und Überschwänglichkeit. Mit dem Motiv der gewundenen Säule, wie sie schon in der Konstantinsbasilika und nach der Überlieferung auch im Tempel von Jerusalem verwendet worden waren, feierte Bernini die stete Dauer der Kirche und ihren Triumpf über die Reformation. Zahlreiche andere Aufträge folgten: Fassade und Treppe des Barberini-Palazzo, Neugestaltung der Porta del Popolo, die Cornaco-Kapelle in S. Maria della Vittoria. Hier sind polychromer Marmor, übertriebene Perspektive und alle Kunstmittel der Bühnenillusion und der Beleuchtung eingesetzt, um die dramatiche Wirkung der Marmorgruppe "Die Ekstase der hl. Theresia", die wie hinter einem Proszenium auf dem Altar agiert, zu steigern. Aber erst im Alter von 60 Jahren bot sich ihm die Gelegenheit, seine Fähigkeiten im Kirchenbau zu beweisen: zunächst in Castelgandolfo (1658-61), dann in Aricca (1662-64) und schliesslich am grossartigsten in S. Andrea al Quirinale in Rom (1658-70). Hier verwirklichte er vollkommen seine Vorstellung von der Kirche als architektonischer Ort für das Geheimnis der Messe, das durch den skulpturalen Schmuck angedeutet wird. Von seinen beiden grossen Profanbauten in Rom ist der Chigi-Odeschalchi-Palazzo (1664ff.) sicher bedeutender als der Montecitorio-Palazzo (1650ff.); er bezeichnet einen entschiedenen Bruch Berninis mit der römischen Tradition. Der dreigeschossige Mitteltrakt des Bauwerks wurde in den beiden oberen Geschossen von durchgehenden, von Kompositkapitellen (Kapitell) gekrönten Pilastern gegliedert und in sieben hohe, schmale Felder geteilt, während die beiden zurückweichenden Seitenflügel je drei solcher Felder aufweisen. Die rhythmische Gliederung der beiden Obergeschosse mit Hilfe durchgehender Pilaster erzeugte einen Eindruck von Geschlossenheit und Würde, während das Zurückweichen der Seitenflügel den Hauptteil hervorhob. Dieser Palast übte grossen Einfluss aus; er wurde in ganz Europa zum Vorbild für Adelspaläste. Unglücklicherweise wurde er durch spätere Änderungen und Erweiterungen verdorben. - Berninis Begabung für das Monumentale und Kolossale findet ihren höchsten Ausdruck im Petersplatz (1656 beg.). Seine Konzeption ist höchst einfach und höchst originell: ein riesiges Oval wird von Kolonnaden freistehender Säulen, die ein gerades Gebälk tragen, umgeben. Er hebt nicht nur die Felder der Fassade von Maderno, Carlo auf, indem er diese höher erscheinen lässt, sondern bringt mit überwältigender Autorität die Würde, Grösse und erhabene Ruhe der Mutter Kirche zum Ausdruck. Bernini verglich seine Kolonnaden mit dem mütterlichen Armen der Kirche, "welche die Katholiken umfangen, um sie im Glauben zu stärken". Der Petersplatz sollte von einem dritten Arm, der nie gebaut wurde, umschlossen werden. Die Anlage der breiten Via della Conciliazione hat 1937 unsinnigerweise die von Bernini vorgesehene Wirkung der Überraschung und freudigen Erregung beim Durchschreiten der Kolonnaden zerstört. Die freistehenden Kolonnaden wurden oft nachgeahmt, von Greenwich bis Leningrad. Bernini`s letztes grosses Werk, die Scala Regia im Vatikan (1663-66) fasst alle Merkmale seiner Kunst noch einmal zusammem: seinen Sinn für Mass und Bewegung, sein Geschick, eine ungünstige Lage in einen Vorzug zu verkehren, seine meisterliche Handhabung szenischer Effekte (optische Täuschungen, übertriebene Perspektive, verborgenen Lichteinfall) und seine Fähigkeit, Skulpturen zur Dramatisierung der Höhepunkte seiner Komposition sicher einzusetzen. Mit dem Bau der Scala Regia gelang Bernini die vollkommene Verschmelzung der einzelnen Künste im Sinne des Barock.

Bernini, Pietro
* 5.5.1562 in Sesto Fiorentino, + 29.8.1629 in Rom. Italienischer Maler und Bildhauer, Vater von Bernini, Gianlorenzo. Nach seiner Ausbildung in Florenz bei Ridolfo Sirigatti ging Bernini als junger Mann nach Rom und lernte dort bei dem Maler Giuseppe d`Arpino. Um 1580 arbeitete er mit Antonio Tempesta an Fresken für die Farnese-Villa Caprarola, vielleicht war er auch im Vatikan für Gregor XIII. tätig, daneben restaurierte er antike Marmorstatuen und übte sich in der Bildhauerei. 1584 ging er nach Neapel. Dort werden ihm die Statuen in den Kirchen von Terranova, Sappo Minulio und S. Giovanni a Carbonar zugeschrieben. Erste gesicherte Auftragsarbeiten schuf er 1591 für den Altar von S. Maria di Colloreto in Morano Calabro. 1594 kehrte er nach Florenz zurück, 1596 arbeitete er wieder in Neapel. 1602 entstanden ein "Hl. Laurentius" und ein "Hl. Stephanus" für die Krypta des Domes von Amalfi. 1605/06 übersiedelte Bernini mit seiner Familie nach Rom. Dort schuf er in S. Maria Maggiore eine "Verkündigung (1607-10) und war am Grab Clemens` VIII. beteiligt. Im Auftrag von Kardinal Maffeo Barberini (später Papst Urban VIII.) schuf er für die Familienkapelle in S. Andrea della Valle einen "Johannes d. Täufer" (1612-16). In der folgenden Zeit war Bernini mit dekorativen Plastiken für die Borghese Villa Rom und für den Park der Caprarola-Villa beschäftigt. Eine "Verkündigung" in St-Bruno in Bordeaux datiert auf etwa 1622. In der Jesuitenkirche Il Gesú in Rom stammten zwei - zerstörte - Figuren am Grabmal des Kardinals Bellarmino von Bernini (1622/23). Zur selben Zeit fertigte er für das Grabmal Dolfin in S. Michele in Isola, dem venezianischen Friedhof, zwei Statuen. Unter seiner Beteiligung an zahlreichen Brunnen Roms ist die Barke auf der Piazza di Spagna hervorzuheben (1627-29), wahrscheinlich unter massgeblicher Beteiligung seines Sohnes Giovanni Lorenzo entstanden. Stilistisch ist Bernini weder dem ausgehenden Manierismus noch eindeutig dem Barock zuzurechnen. Seine späteren Arbeiten entstanden fast alle in Zusammenarbeit mit seinem Sohn, un die Arbeitsanteile lassen sich nicht mehr eindeutig unterscheiden und zuordnen.

Berruguete, Alonso
*um 1488 in Paredes de Nava (Valladolid), + September 1561 in Toledo. Spanischer Bildhauer, Maler und Architekt des Manierismus, Sohn des Malers Berruguete, Pedro, von dem wohl auch ausgebildet wurde. Zwischen 1504 und 1517 bereiste er Italien, doch bleibt sein Aufenthalt dort in den einzelnen Stationen ziemlich unklar. Aus Biografie Michelangelos von Vasari, Giorgio lässt sich entnehmen, dass er sich diesem angeschlossen hat, von ihm auch beeinflusst wurde und dass er den Auftrag erhielt, ein von Filippino Lippi unvollendet hinterlassenes Gemälde der Kirche S. Giorgio in Florenz zu vollenden. Um1520 kehrte er nach Spanien zurück und liess sich zunächst in Saragossa nieder, wurde jedoch kurz darauf von Karl V. zum Hofmaler und Hofbildhauer ernannt. Zwischen 1526 und 1532 schuf er den Hochaltar für die Klosterkirche S. Benito in Valladolid (Reste heute im Museo Nacional de Escultura in Valldolid). 1535 erhielt er zusammen mit Philippe de Vigarny den Auftrag für das Chorgestühl der Kathedrale von Toledo. In den Reliefs dieses Werkes aus Marmor, Alabaster und Holz, das als sein Hauptwerk gilt, ist der Einfluss Michelangelos deutlich spürbar. Sie stellen Szenen aus dem Alten und Neuen Testament dar. Weitere wichtige Werrke Berruguetes sind der Dreikönigsaltar der Santiago-Kirche in Valladolid (1537) und das Grabmal des Kardinals Tavara im Hospital S. Juan de Afuera in Toledo (1554-61), sein letztes, vom Typus her ebenfalls von der italienischen Hochrenaissance beeinflusstes Werk. Es besteht aus einem reich verzierten Marmorsarkophag, auf dessen Deckel die Figur des Kardinals liegt, umgeben von den vier Kardinaltugenden. Von den erhaltenen Gemälden Berruguetes ist das zwischen 1527 und 1532 entstandene Retabel des Colegio Mayor de Santiago in Salamanca erwähnenswert. Es befindet sich heute noch an Ort und Stelle und besteht aus acht grossen Gemälden mit "Szenen aus dem Leben Christi". Die Altarrahmung aus farbig gefassten Architekturen und Skulpturen ist ebenfalls von Berruguete. Berruguete galt bei seinen Zeitgenossen als der grösste Künstler Spaniens. Heute erscheint sein malerisches Schaffen nicht so bedeutend wie sein bildhauerisches Werk und sein Beitrag zur Weiterentwicklung des ornamentalen Dekors von Retabeln und Portalen. Von seinem von Palomino bezeugten architektonischen Werk ist nichts mehr erhalten. Während Berruguete als Bildhauer von Michelangelo und Donatello beeinflusst war, lehnte er sich in seinem malerischen Werk vor allem an Raffael und Andrea del Sarto an, verlieh jedoch seinen Figuren ein spanisches Pathos, das zu übertriebenen Haltungen und Gesten neigt. Palomino rühmt an Berruguete, dass er Ideen und Prinzipien der italienischen Renaissance, wie die Linearperspektive und die Proportionslehren, mit nach Spanien gebracht habe und damit endgültig die "maneria barbara" überwunden habe. Indem er seine Kust zugleich auch durch volkstümlichen Ausdruck steigerte, hat er der Entwicklung zum spanischen Barock Wege gewiesen.

Berruguete, Pedro
* um 1450 in Paredes de Nava (Valladolid), + vor dem 6.1.1504 in Avila(?). Spanischer Maler, Vater von Berruguete, Alonso, stand am Anfang der Renaissancemalerei Spaniens. Er war Hofmaler Königs Ferdinands und Königin Isabellas, unter denen das Kunstgeschehen weitgehend vom niederländischen Einfluss bestimmt war. Bei einem Hauptvertreter dieser niederländisch orientierten Malschule, bei Fernando Gallego, hat Berruguete vermutlich seine Ausbildung erhalten. Im allgemeinen idenitfiziert man den ab 1476 am Hof des Herzogs Federigo di Montefeltro im Urbino tätigen "Pietro Spagnolo" mit Berruguete, der hier wohl unter der anfänglichen Leitung des Justus van Gent und zusammen mit Melozzo da Forli an den Dekorantionen des neuen Palastes (Ducale-Palazzo Urbino) mitbeteiligt war. Das "Studiolo" des Palastes enthielt 28 halbfigurige Bildnisse berühmter Männer (davon Teile in Paris, Musée National du Louvre, in Rom, Galleria Nazionale, Palazzo Barberini, und in Urbino, Palazzo Ducale), das Doppelporträt "Federigo di Montefeltro und sein Sohn Guidobaldo" (Urbino, Palazzo Ducale) sowie die Darstellungen der freien Künste (London, National Gallery; Urbino, Palazzo Ducale). Besteht über den jeweiligen Anteil der Meister auch keine Gewissheit, so darf man doch die "Artes libenales" weitgehend für Berruguete in Anspruch nehmen. Aus dieser Zeit (um 1482) stammt auch die "Engels-Pieta" (Mailand, Pinacoteca di Brera), die nicht nur Berruguetes Kenntnis der italienischen Malerei bei gänzlich flämischer Technik, sondern auch noch venezianische Einflüsse aufzeigt. Andererseits aber hat auch Berruguete in der umbrischen und ferraresischen Malerei seine Spuren hinterlassen, wie das besonders bei Giovanni Santi zu sehen ist. Vermutlich steht die Rückkehr Berruguetes nach Spanien mit dem Tod des Herzogs von Urbino im Zusammenhang, wo er mit seinen Wandmalereien in der alten Sakristei der Kathedrale von Toledo (1485-88, zusammen mit Antonio de Rincon und 1495, Bemalung der äusseren Sakristei) bewies, dass er mit einem härteren Stil und emaileartig verfestigten Farben die spanische Tradition fortzuführen gedachte. Für dieselbe Kathedrale begann Berruguete 1499 die Gemälde des Hochaltarrentabels, die unvollendet blieben. Aus dieser späten Zeit bewahrte das Museo del Prado in Madrid noch eine Tafel aus dem Altar des Klosters S. Tomás zu Àvila von ihm, das "Inquisitionsgericht unter Vorsitz des hl. Dominikus". Berruguete hat der spanischen Malerei niederländische Detailfreudigkeit und italienisches Formengut der Frührenaissance vermittelt.

Bertoldo di Giovanni
* um 1440 in Florenz, + 28.12.1491 in Poggio a Caiano. Italienischer Bildhauer und Medailleur, bedeutendster Schüler Donatellos. 1455 in dessen Werkstatt eingetreten, war er mit ihm an den Kanzeln von S. Lorenzo beschäftigt (um 1460-70) und vollendete sie nach dessen Tod. Wahrscheinlich von den siebziger Jahren an hette er engeren Kontakt zu Lorenzo de` Medici, dessen künstlerischer Berater er wurde. Ausgehend von einem frühen bronzenen Relief einer "Reiterschlacht" (beide Florenz, Bargello) nach antikem

Bertotti-Scamozzi, Ottavio
* 9.4.1719 in Vicenza, + 25.10.1790 in Vicenza. Italienischer Architekt in der Nachfolge von Palladio, Andrea (Neo-Palladianismus). Er erlernte den Beruf eines Barbiers, konnte sich aber dank der Protektion des Herzogs Mario Capra später dem Studium der Architektur widmen. Den Beinamen Scamozzi erhielt er aufgrund der testamentarischen Verfügung von Scamozzi, Vincenzo, der zufolge der jeweils beste von einem Gremium ausgewählte Vicentiner Architekt das nachgelassene Vermögen von Scamozzi, Vincenzo und seinen Namen erbte. Bertotti-Scamozzi baute in Vicenza und Umgebung Paläste und Villen im palladianischen Stil, erwähnenswert vor allem der Pagello-Beltrame-Palazzo (1780) und der Franceschini-Palazzo (1770, heute die Questura), deutlich klassizistische Varianten von Palladios Stil. Berühmt und für die Palladio-Forschung bis heute unverzichtbar ist sein 1776-83 in Vicenza herausgegebenes, 209 Kupfertafeln umfassendes Werk über Bauten und Zeichnungen von Palladio, Andrea "Le fabbriche e i disegni di Andrea Palladio raccolti e illustrati" (1776-83) sowie "La terme dei Romani, disegnate da A. Palladio" (1797). . Ferner veröffentlichte er 1761 einen Kunstführer für Vicenza an Dialogform.

Berwart, Blasius d.Ä.
(+ 1590). Baumeister, Schüler des Alberlin Tretsch. Er war tätig am Alten Schloss Stuttgart I. Er hatte auch die Bauleitung am Erweiterungsbau von Schloss Ansbach I. Beteiligt war er (zusammen mit Tresch, Alberlin) an der Plassenburg Kulmbach 1565-69 sowie am Schloss Bad Mergentheim. 1580-90 errichtet Berwart den westlichen Flügel von Schloss Königsberg Ostpreussen. Ausserdem baute der die Amtshäuser in Soldau, Labiau, Fischhausen Ostpreussen, Insterburg, Ortelsburg II und Friedrichsburg Ostpreussen . In Ansbach I war er am Neubau des Schlosses nach 1586 beteiligt. Seit 1588 war er auch als Baumeister an der Wülzburg.

Berwart, Blasius d.J.
(+ 1610). Hofbaumeister im Dienste von Markgraf Friedrich von Brandenburg von 1595-1610. Arbeitete am Schlossgebäude der Wülzburg 1597. Für den General Fuchs von Bimbach erbauten er das Schloss Unterschwaningen II.

Beyer, Christian Friedrich Wilhelm
*27.12.1725 in Gotha, + 23.3.1806 in Schönbrunn. Deutscher Gartenarchitekt, Bildhauer und Maler. Nach der Übersiedlung nach Stuttgart in herzoglichen Diensten stehend, wurde Beyer 1747 vom dortigen Hof nach Paris gesandt, um die Gartenbaukunst zu erlernen. Ab 1751 widmete er sich in Rom der Malerei. Dort verband ihn ab 1755 eine Freundschaft mit Winckelmann, Johann Joachim. Ab 1756 studierte er bei Philippo della Valle Bildhauerei. Wieder in Stuttgart, wirkte er ab 1759 an der Ausgestaltung des Neuen Schlosses in Stuttgart II mit. Davon ist nichts mehr erhalten. Zur gleichen Zeit übernahm Beyer die Aufsicht über die Porzellanmanufaktur in Ludwigsburg. Einige seiner Entwürfe sind in den beiden Kupferstichen "Österreichs Merkwürdigkeiten" (Wien 1779) und "Die neue Muse" (Wien 1784) enthalten. 1767 oder 1768 siedelte Beyer nach Wien über, wo er 1770 Hofmaler und Statuarius wurde. Seine Hauptwerke hier waren die mehr als 40 Gartenfiguren im Schlosspark von Schönbrunn Wien (1773 - 1780), darunter auch die eigenhändig geschaffene Hauptgruppe mit "Neptun und Thetis", oft verglichen mit der Fontana di Trevi in Rom und dem Neptunbrunnen in Versailles. Beyer war der bedeutendste Vertreter des sog. Louis-Seize-Stil in Österreich.

Beyer, Christoph
(*15.7.1653 in Dresen, +6.1.1741 in Steinigtwolmsdorf/Sachsen). Architekt u.a. in Schlesien tätig (Schloss Joachimstein).

Bianchi, BartolommeoBianco, Bartolomeo

Bianchi, Pietro
*26.3.1787 in Lugano, + 27.12.1849 in Neapel. Schweizer Archäologe und Architekt des neoklassischen italienischen Stils, studierte an der Mailänder Kunstakademie und bis 1806 an der Universität in Pavia, bildete sich in Rom weiter. 1815 bis 1824 errichtete er sein bekanntestes Bauwerk, die Kirche S. Francesco di Paolo in Neapel, inspiriert vom römischen Pantheon. Er arbeitete als Architekt für das Königshaus der Bourbonen und leitete die Ausgrabungen von Pompeji und Herculaneum. Er war Mitglied der Akademien von Rom, Wien und Brüssel.

Bianco, Baccio
*4.10.1604 in Florenz, + 1656 in Madrid. Italienischer Architekt und Maler, nahm bereits 1612 Unterricht bei Giovanni Biliverti, später bei dem Hofarchitekten Giulio Parigi. Ab 1620 arbeitete er als Gehilfe Giovanni Pieronis im Dienst Kaiser Ferdinands II. u.a. in Altenburg, Pressburg (Bratislava IV) und Prag III (1621) beim Bau der Befestigungsanlagen mit. Im Dienste Wallensteins war Bianco kurze Zeit mit der Ausmalung des Wallenstein-Palastes in Prag beschäftigt und eröffnete nach einigen Irrfahrten eine Werkstatt in Florenz. Dort entwarf er u.a. Gefässe, Teppichmuster für den Hof, fertigte ein Modell für die Domfassade und schmückte die Corsinia a Mezzomonte-Villa.

Bianco, Bartolomeo
(auch Bianchi, Bartolommeo).* um 1590 in Como, + 1657 in Genua. Einer der führenden italienischen Architekten des Barocks und Festungsbaumeister, der das Stadtbild Genuas deutlich prägte. Dort baute er u.a. im manieristischen Zeitgeschmack den Balbi-Senarega-Palazzo (um 1622, vollendet im 18. Jh.), Durazzo-Pallvicini-Palazzo (1619 begonnen), den Cattaneo-Palazzo (1623), die Kirche S. Carlo (1629) und das beste seiner Bauwerke, das berühmte Jesuitenkollegium (1630-38, seit 1782 Universität), das er auf steil abfallendem Gelände auf vier mit bühnenmässigen Treppenanlagen verbundenen Terrassen anlegte. Er legte auch die von Säulengängen umgebenen Höfe an. Ihm wird ausserdem die Paradiso-Villa bei Genua und die Vollendung des von Scamozzi, Vincenzo begonnenen Ravaschieri-Negroni-Palazzo in Bergamo zugeschrieben. 620-25 errichtete er die neuen Mauern und Hafenanlagen in Genua III.

Biard, Pierre d.Ä.
*1559 in Paris, + 17.9.1609 in Paris. Französischer Bildhauer, Architekt, Maler und Kupferstecher. Nach einer Romreise wurde er 1590 in Paris zum Oberintendanten der königlichen Bauten ernannt. Neben mehreren Grabmälern schuf er um 1600 den Lettneraufbau der Kirche St-Etienne-du-Mont in Paris sowie ein 1792 zerstörtes Relief am Portaltympanano des Hotel-de-Ville in Paris mit einem Reiterbildnis Heinrich IV.

Biard, Pierre d.J.
* Ende 1592 in Paris, + 28.5.1661 in Paris. Französischer Bildhauer, Stecher, Sohn Biard, Pierre d.Ä.. Er lernte in Paris bei Pierre Franqueville und erhielt seine weitere Ausbildung in Italien. Zugeschrieben werden Biard die Statuen des Mars und der Minerva am Toulouse-Hotel sowie die ruhenden Giebelfiguren an der Kirche St-Paul in Paris. Für die Kirche Notre-Dame-de-la-Merci in Paris fertigte Biard die zwei Figuren der Ordensheiligen und die mittlere Statue der "Maria mit Kind" an der Fassade. Die

Binder, Ludwig
Baumeister war um 1530 am Schloss in Dessau I tätig (Johannbau).

Bissen, Hermann Vilhelm
*13.10.1798 in Schleswig, + 10.3.1868 in Kopenhagen. Dänischer Bildhauer, schuf Büsten, Statuen und Denkmäler im klassizistischen Stil. Bissen studierte an der Kunstakademie in Kopenhagen, später bis 1834 bei Bertel Thorvaldsen in Rom. 1835 wurde er Mitglied, 1840 Professor an der Kunstakademie in Kopenhagen. Bis 1850 zeigten seine Arbeiten den Einfluss Thorvaldsens, so u.a. "Blumenmädchen" (1829, Kopenhagen, Ny Carlsberg Glyptotek). 1833 bis 1834 fertigte er nach einer Skizze Thorvaldsens das Denkmal

Bissolo, Pier Francesco
* um 1470 vermutlich in Treviso, + 20.4.1554 in Venedig. Italienischer Maler, Vertreter der venezianischen Renaissance unter dem Einfluss Giovanni Bellinis. Eine erste Ausbildung erhielt er wahrscheinlich bei Gerolamo da Treviso, seit 1492 wurde er jedoch als Gehilfe Bellinis an den Arbeiten im Saal des Grossen Rates im Dogenpalast Venedigs genannt. Er schloss sich auch in seinen selbständig gemalten Bildern sehr eng an Bellini an, übernahm auch einzelne Figuren und Kompositionen und konnte doch bei aller Treue zu Bellinis Gestaltungsprinzipien oft nur zu glatten und unsicheren Werken gelangen. Sein frühestes eindeutig datierbares Bild ist die "Transfiguration" von S. Maria mater Domini in vendeig von 1512. Alle seine Gemälde zeigen religiöse Motive, darunter oft Darstellungen der Sacra Conversazione (z.B. in Venedig, Gallerie dell`Accademia; in London, National Gallery; in Leipzig, Museum der bildenden Künste). Zu den bekannteren Bildern gehören die "Thronende Maria mit vier Heiligen" von 1528 (Treviso, S. Floriano in Campagna) und die "Darbringung Christi" (Venedig, Gallerie dell`Accademia). Bissolo hat sich deutlich auf ein Stilvorbild beschränkt, zu dessen vollkommener Gestaltung er kaum gelangen konnte; er blieb damit, trotz gekonnter Landschaftsgestaltung, ein Maler nachgeordneten Ranges.

Bissuolo, Pier FrancescoBissolo, Pier Francesco

Bittel, Kurt
Am 5.7.1907 in Heidenheim a.d. Brenz als Sohn eines Bankiers geboren. Er studierte in Heidelberg, Berlin, Wien und Marburg und promovierte 1929/30 mit dem Thema "La Tene in Württemberg". Bittel wurde wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Deutschen Archäologischen Institut (DAI) in Frankfurt und in Kairo. Als Stipendiat des DAI bereiste er 1931 zum ersten Mal die Türkei, in der fortan sein Schaffens- und Lebensschwerpunkt liegen sollte. Bittel übernahm von 1931bis 1977 die Grabungsleitung von Bogaszköy ({H

Blacha, Johann Martin
(+1810). Steinmetz in Breslau.

Blegen, Carl Wilhelm
Am 27.1.1887 in Minneapolis, Minnesota, geboren. 1913-27 grub er mit der American School of Classical Studies, Athen, im Nordosten der Peloponnes mehrere prähistorische Stätten aus. 1916-18 entwickelte er mit A.J.B. Wace anhand von Tongefässen eine neuartige Methode zur Datierung der vormykenischen Kultur. 1927 wurde B. Professor der klassischen Archäologie an der Universität von Cincinnati, Ohio. 1932-38 leitete er die Ausgrabungen dieser Universität in Troja (Troja I). Er unterteilte die neune Hauptschichten Trojas, die Dörpfeld, Wilhelm festgestellt hatte, in 46 Besiedlungsphfasen und datierte die Stadt des Königs Priamos, Schauplatz von Homers "Ilias", (Hauptschicht VIIa) ungefähr auf das Jahr 1250 v. Chr. 1939 ging Blegen nach Griechenland und fand bei Pylos die erste Tontafel mit der Linearschrift B, die man bislang nur von Kreta her kannte. 1952 setzte er die Grabungen fort und entdeckte ein ganzes Archiv mit mehr als tausend solcher Schrifttafeln. Das Archiv gehörte zum Palast des mykenischen Königs Nestor. Blegen forschte noch bis 1964 in Pylos und konnte zahlreiche Gräber mit reichen Beigaben aufdecken. Er starb am 24.8.1971 in Athen.

Block, Wilhelm von dem
* in Mecheln, + 21.1.1628 in Danzig. Flämischer Bildhauer und Architekt. Seit 1576 am herzoglichen Hof in Königsberg beschäftigt, schuf er 1581-82 das Grabmal der Markgräfin Elisabeth im dortigen Dom. 1583/84 stellte er ein Epitaph für den Fürsten von Siebenbürgen, Stephan Bathory, her. 1586-88 entwarf und errichtete er für den Rat von Danzig die Fassade der Hohen Tors. Die mit den Wappen der Stadt Danzig, der Länder Westpreussen und Polen geschmückte Front schuf Block in Anlehnung an die nicht mehr erhaltene Porte St. George in Antwerpen von Sanmicheli, Michele. Nach 1600 entstand das Grabmal für Ture Bielke (1600) im Dom von Linköping.

Block, Willem van denBlick, Wilhelm von dem

Bloeschuh, Bartusch
Baumeister in Liegnitz. U.a. an Burg Gröditzberg I beteiligt.

Blondel, Jacques-Francois
(1705-74). Nicht verwandt mit Blondel, Nicolas-Francois, als ausführender Architekt von geringer Bedeutung, aber sehr einflussreich als Autor und Theoretiker. 1743 gründete er eine eigene Architekturschule in Paris, ehe er 1762 Prof. an der Academie Royale de l`Architecture wurde. Blondel`s Geschmack war konservativ; er pries die Tradition, wie sie von Mansart, Francois und Perrault, Claude vertreten wurde, und bereitete den Weg zum Klassizismus vor. Er veröffentlichte u.a. "De la Distribution des M

Blondel, Nicolas-Francois
(1517-86). Franz. Naturwissenschaftler und Mathematiker, war vor allem Architekturtheoretiker. Er legte in seiner Schrift "Cours d`architecture" (1675, erweiterte Ausgabe 1698) die streng klassizistischen und rationalen Lehren der Akademie aus. Es galt als massgebliches Lehrbuch für Architekten und folgte den Auffassungen Perrault, Charles. Seit 1669 Leiter der öffentlichen Bauten in Paris, 1672 Direktor der Academie d`architecture. Von noch erhaltenen Bauwerken ist die Porte St-Denis (1671-73) in Par

Blum, Hans
Baumeister und Holzschneider aus Lohr am Main, um 1550 in Zürich tätig. Hauptsächlich bekannt als Herausgeber einer Abhandlung über die Säulenordnungen: "Quinque Columnarum exacta descirptio atque delineatio, cum symmetrica eorum distributione" (Zürich 1550), die erste Grammatik der klassischen architektonischen Formsprache für deutsche Baumeister. Sie bassierte auf Serlio, Sebastiano und erlebte viele Neuauflagen. Spätere Schriften "Ein kunstrych Buch von allerley Antiquiteten..." (Zürich ca. 1560)

Boccacci, Vincenzo
(auch Bocaccio). Italienischer Architekt. Von ihm stammt der Entwurf für Schloss Sagan I.

Böcklen, Joesph MaximilianPöckhel, Joseph Maximilian

Böckler, Georg Andreas
* um 1644 in Strassburg (?), + um 1698 in Nürnberg (?). Deutscher Architekt und Schriftsteller, arbeitete als einzig überliefertes Bauwerk 1684/85 den 1750/51 abgerissenen Herrieder Torturm (Ansbach II) und vermutlich um 1679 das Ansbacher Theater. Bekannter sind seine fachwissenschaftlichen Werke über Architektur: "Compendium Architecturae civilis" und "Compendium Architecturae militaris" (erschienen 1648 in Frankfurt a. Main und Strassburg), "Theatrum machinarum novum" (1661, Nürnberg), "Architectura cu

Böckmann, Wilhelm
Bildete zusammen mit Ende, Hermann das Architekturbüro Ende & Böckmann. Gemeinsam bauten sie die Villa Eichenschloss.

Bodt, Jean de
(1670 in Paris, + 3.1.1745 in Dresden). Offizier und Hugenotte, verliess 1685 nach der Aufhebung des Ediktes von Nantes Frankreich. In Holland zum Architekten ausgebildet, arbeitete er eine Zeitlang in England und liess sich schliesslich 1698 in Berlin nieder. Dort wurde er bald zum bedeutendsten Architekten Preussens nach Schlüter, Andreas. Er hatte bei König Friedrich I. die Aufsicht über alle Schlossgebäude und Militärgebäude. 1701 baute er das Fortuna-Portal des Potsdamer Stadtschlosses (Potsdam III) (das Knobelsdorff, Georg Wenzeslaus von 1744 in den Neubau einbezog). In Berlin vollendete er das Zeughaus Berlin von Nering, Johann Arnold (etwa 1706) und die Patriochalkirche, wobei er die Pläne leicht abänderte. Um 1710 liess der Graf von Strafford (1706 -1711, engl. Gesandter am preussischen Hof) die Ostfront seines Schlosses Wentworth Castle in Yorkshire nach Plänen Bodts bauen. 1728 trat Bodt als Generalintendant in sächsische Dienste und zog nach Dresden, wo er die Aufsicht über die Bauarbeiten am Japanischem Palais (Japanisches Palais) von Pöppelmann, Matthäus (Matthes) Daniel erhielt. Keines seiner eigenen anspruchsvollen Bauprojekte, die er für Dresden und andere Orte in Sachsen plante, wurde je ausgeführt. 1718 arbeitete an Schloss (Finckenstein Kamieniec) in Ostpreussen. Von 1718-21 schuf der das Berliner Tor in der Festung Wesel.

Boehringer, Erich
Am 10.8.1897 in Hamburg als Sohn eines Chemikers geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Basel, bis er sich mit 17 Jahren freiwillig zum Kriegsdienst meldete. 1919 holte er das Abitur mach und studierte Archäologie, Griechisch und Alte Gechichte. 1925 promovierte er bei H. Bulle in Würzburg mit einer Arbeit über die Münzprägung in Syrakus auf Sizilien. Es folgten ein Reisestipendium des Deutschen Archäologischen Instituts, auf dem er an Ausgrabungen auf Samos und in Pergamon teil und vertrat ihn dort in dessen Abwesenheit. Mit der Publikation der hellenistischen Arsenale auf dem Burgberg habilitierte sich Boehringer 1932 an der Universität in Greifswald. Als Vertreter des Ordinarius und Privatdozent war er dort bis 1939 tätig. 1940 ging er für drei Jahre als Kulturreferent der Deutschen Botschaft nach Athen. Es folgten die Stelle eines Ordinarius an der Universität Greifswald, wo seine organisatorischen Fähigkeiten bei der Evakuierung von Universitätsbeständen von grossem Nutzen waren. Von 1946 bis 1954 lehrte er nebenbei an der Universität antike Ikonographie und Numismatik. 1954 wurde Boehringer erster Nachkriegs-Präsident der Deutschen Archäologischen Gesellschaft (DAI). Sein organisatorischen Talent bewirkte Enormes bei der Wiederbelebung und Neugründung von zahlreichen Auslandsinstituten, -stationen und Grabungen der DAI. 1960 legte er sein Präsidentenamt nieder und widmete sich nur noch der Forschung sowie der Intensivierung seiner Grabungstätigkeiten in Pergamon, die er bis 1968 forführte. an den Folgen einer schweren Krankheit starb Boehringer nur wenige Jahre später, am 3.4. 1871 in Hamburg.

Boffrand, Gabriel Germain
(1667-1754). Der grösste franzöische Architekt des Rokoko begann als Bildhauer, studierte unter Girardon in Paris (1681), wandte sich jedoch bald der Architektur zu, wurde Schüler, später Mitarbeiter von Hardouin-Mansart, Jules. 1711 avancierte er zum premier architecte des Herzogs von Lothringen, für den er das Schloss von Luneville (1702-06) erbaute. Boffrand war sehr aktiv und erwarb sein grosses Vermögen vor allem durch den spekulativen Bau von Pariser Hotels (z.B. der Hotels Montmorceny-Hotel 1712, Petit Luxembourg 1709-11, Seignelay-Hotel 1713, Torcy-Hotel 1714, Soubise-Hotel 1736-39), verlor aber den grössten Teil davon wieder in John Laws geplatztem Mississippi-Unternehmen von 1720. Boffrand übte ähnlich wie sein Zeitgenosse Cotte, Robert de ausserhalb Frankreichs grossen Einfluss aus, besonders in Deutschland (z. B. auf die Würzburger Residenz Würzburg I und den Architekten Neumann, Johann Balthasar). Seine Virtuosität zeigt sich besonders im Amelot-de-Gournay-Hotel in Paris (1712), wo er um den ovalen Hof Räume verschiedener Grösse und Gestalt gruppierte, darunter auch ein Fünfeck. Die Aufrisse sind, wie immer bei Boffrand, von besonderer Einfachheit und Zurückhaltung, die Innenräume dagegen äusserst luxuriös. Seine vielleicht schönsten Interieurs finden sich in dem Pavillon, den er dem Soubise-Hotel (heute Archives Nationales) in Paris angliederte (1736-39). Seine Vorstellung vom Rokoko, geprägt von zwangloser Eleganz und raffinierter Einfachheit, verwirklichte er im Saint-Queen-Chateau, einer glänzenden, sehr originellen Schöpfung: in einem geräumigen Hof, der von Gästeappartements, Wirtschaftsgebäuden und Stallungen umgeben ist, setzte er einen winzigen, dem Trianon nachempfundenen Pavillon mit drei Räumen. Boffrand veröffentlichte 1745 sein "Livre d`architecture contenant les principes generaus de cet art".

Böhm, Gottfried
*23.1.1920 in Offenbach. Deutscher Architekt, Sohn von Dominikus Böhm, 1942-47 Studium der Architektur und Bildhauerei in München, ab 1952 im Büro des Vaters, das er nach dessen Tod übernahm. Böhm war 1963-85 Professor an der Technischen Hochschule Aachen. Neben anderen Auszeichnungen erhielt er 1985 die Ehrendoktorwürde der Technischen Universität München und 1986 den amerikanischen Pritzgerpreis. Der Einfluss des Vaters ist in den Innenräumen von Böhms frühen Stahlbetonkirchen noch deutlich spürbar (Pfarrkirche Saarlouis, 1965-66; Pfarrzentrum Krefelder Str. in Köln, 1960-61). Sein berühmtester Sakralbau ist ohne Zweifel die Wallfahrtskirche in Neviges (1962-64), wo unter einer vielfach gebrochenen Sichtbetonhülle ein Kirchenraum von expressiver Eindringlichkeit entstanden ist. Böhm hat mehrfach auf spektakuläre Weise an vorhandene historische Bebauung mit modernen Mitteln angeknüpft (Ausbau der Burgruine Bad Godesberg (Godesburg II, 1956-58; Rathaus in Bensberg I, 1962-64; Diözesanmuseum in Paderborn, 1969-71). Neben Versammlungsbauten (Bürgerhaus in Bergisch-Gladbach, 1977-80; Stadthaus in Rheinberg, 1977-80) und Wohnbauten (sozialer Wohnungsbau in Köln-Chorweiler, 1965-67; Sanierung von Porz-Zürndorf, 1973-80) zählen zu seinem Werk auch grosse Verwaltungsgebäude wie das Hochhaus des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik in Düsseldorf (1969-76) und das Züblin-Haus in Stuttgart (1981-84), wo zwei Bürotrakte aus farbigen Betonfertigteilen mit einer Glashalle von bisher in Deutschland unbekannten Ausmassen verbunden sind. Aus dem Bestreben, jede Bauaufgabe in dem ihr angemessenen Stil und Material zu erfüllen, erklärt sich die Vielfalt im Werk Gottfried Böhms. Gemeinsam ist seinen Bauten neben der sorgfältigen Ausarbeitung der Details eine starke Plastizität und Kleinteiligkeit der Oberfläche.

Böhme, Martin Heinrich
(+ 1725). Schüler und Gehilfe von Schlüter, Andreas. Er erbaute den Creutz-Palais in Berlin (1715), vollendete das Berliner Schloss (Berlin I 1716, errichtete die Schlösser Friedrichsfelde Berlin und Schwedt (1791) sowie den Grützkow-Palais in Berlin (1724).

Boitac, DiegoBoytac, Diego

Bologna, Giovanni da
(auch Giambologna; Bologne, Jean de). *1529 in Douai, + 13.08.1608 in Florenz). Flämisch-italienischer Bildhauer. Hauptvertreter der Plastik des Manierismus. Bereits als Kind wurde er nach Antwerpen von Jacques Dubroeucq in die Lehre gegeben , wo er mit einem italianisierden Stil vertraut wurde. Um 1550 er nach Rom, um sich dem Studium der Antike (vor allem dem der technisch-virtuosen hellenistischen Skulptur, u.a. am Beispiel des sog. Farnesischen Stiers) zu widmen. Auf der Rückreise machte er halt in Florenz, wo er sich mit der Plastik der Frührenaissance und der Skulptur Michelangelos auseinandersetzte. Der Kunstmäzen Bernardo Vecchietti überredete ihn zum Bleiben. 1561 trat er in die Dienste der Medici. Mit seiner Grossplastik in Marmor und Bronze, vor allem aber auch mit seinen ungezählten Kleinbronzen - vielfach posthum nach seinen Zeichnungen von Schülern gefertigt - wurde er zum bedeutendsten Bildhauer der Zeit in Italien und beeindruckte nachhaltig die europäische Skulptur des späten 16. und frühen 17. Jh. Für ihn kennzeichnend ist das bis ins Extrem gesteigerte Prinzip der Fibura serpentinata: schlanke, muskulöse, proportional überlängte akte voll sinnlichem Reiz, in komplizierten spiraligen Körperdrehungen sich hochschraubend, bei Gruppenplastiken kunstvolle Verschränkungen, dabei mit elegant geführten Konturen und einer technisch ingeniösen Bewältigung der oft labilen Statik. Seinen Namen machte er sich mit dem Wettbewerbsmodell eines Neptun (verloren) für einen Monumentalbrunnen der Piazza della Signoria in Florenz. Später, 1563-67, verwirklichte er seine Vorstellungen mit dem Neptunbrunnen in Bologna. Etwa 1560-62 schuf er im Auftrag Francesco de Medici`s die erste seiner grossen Marmorgruppen, "Samson und der Philister" (London, Victoria und Albert Museum). Wahrscheinlich noch in Bologna hatte er auch die früheste Version des bronzenen "Merkur" gefertigt, seine berühmteste Komposition überhaupt (das bekannteste Exemplar in Florenz, Museo Nazionale del Bargello, 1580). Als zweite monumentale Marmorgruppe entstand die politische Allegorie "Florenz triumphiert über Pisa" (Florenz, Museo Nazionale del Bargello), gedacht als Gegenstück zu Michelangelos "Sieger", als dritte der "Raub der Sabinerinnen" für die Loggia dei Lanzi in Florenz (ab 1580). Diese Gruppe ist einer der Höhepunkte seines Schaffens: Drei Figuren verbinden sich zu einer komplizierten Drehkomposition, die von allen Ansichtsseiten neue formale und bedeutungsmässige Aspekte eröffnet - ein Probelm, das auch Michelangelo ständig beschäftigt hatte. Zu den Meisterwerken zählt auch das monumentale bronzene Reiterdenkmal "Cosimo I." auf der Piazza della Signoia in Florenz (mit dem Sockel vollendet 1599), das zum Vorbild vieler fürstlicher Reiterdenkmäler Europas werden sollte. Zum Repertoire seiner Kleinbronzen gehören neben mythologisch-allegorischen Figuren, "Apennin", Kampfszenen mit Löwen u.ä. auch Tierplastiken, vor allem Pferde und Stiere, Vögel als Grottendekoration u.a. Für seine religiösen Sujets, herausragend dabei die Kruzifixe, entwickelte Bologna einen Stil, der bei aller Raffinesse und Eleganz doch die manieriersten Übersteigerungen vermied. Seine Werkstatt lieferte Mitte der neunziger Jahre ein bronzenes Kruzifix für den bayerischen Herzog und ein Ciborium für die Certosa di Galluzzo bei Florenz, einen marmornen "Hl. Matthäus" für den Dom von Orvieto (zwischen 1597 und 1600), etwa gleichzeitig die Bronzefigur des "Hl. Lukas" für Or S. Michele in Florenz, 1601 zwei Bronzeengel und ein Kruzifix für den Dom von Pisa usw. Dieser Werkstatt gehörten Bildhauer wie Pietro Francavilla, Antonio Susini und vor allem Pietro Tacca an. Sie und Schuler wie Adriaen de Vries, Hubert Gerhard, Hans Reichle u.a. verbreiteten Bolognas Stil noch zu seinen Lebzeiten und nach seinem Tod über ganz Europa, zudem schätzte sich fast jeder fürstliche Sammler glücklich, Werke aus Bolognas Hand, speziell Kleinbronzen, oder nach seinen Vorbildern gearbeitete kopien für die Residenzen und Kunstkabinette erwerben zu können.

BonBuon, Giovanni di Bertuccio

Bonfigli, Benedetto
* um 1420 in Perugia, + 18.7.1496 in Perugia. Italienischer Freskant und Tafelmaler, der sich an der florentinischen Frührenaissance orietierte. Er war vielleicht Schüler Givanni Boccatis, wurde erstmals 1445 bezüglich eines Votivbildes für S. Pietro in Perugia genannt und arbeitete um 1450 für Papst Nikolaus V. in Rom, wovon sich ebenso wie von den Werken, die Vasari, Giorgio in den "Viten" erwähnt, nichts erhalten hat. 1453 wieder in Perugia, erhielt bonfigli den grossen Auftrag, die Cappella dei Priori

Bonito, Giuseppe
(auch Castellammare, Peppariello). *1.11.1707 in Castellammare, + 19.5.1789 in Neapel. Italienischer Barockmaler. Zunächst als Genremaler und Porträtmaler von seinem Lehrer Francesco Solimena beeinflusste, fand er in seinen religiösen Werken zu eigenem Stil und Erfolg: 1751 wurde er zum Hofmaler König Karls IV. ernannt, 1752 zum Mitglied der Accademia di Belle Arti in Neapel. Zu den früheren Werken des zu seiner Zeit vor allem als Porträtmaler und Genremaler hochgeschätzten Künstlers gehören die Bilder "S

BonoBuon, Giovanni di Bertuccio

Bono, Bartolomeo di Giovanni
*um 1400 in Venedig, + 1464 (?) in Venedig. Italienischer Bildhauer und Architekt der Übergangszeit von der Spätgotik zur Frührenaissance, Sohn Giovanni Bonos, mit dem er am Umbau der Kirche Madonna dell`Orto, 1422-31 an der Ca` d`Oro, am Barbaro-Palazzo an S. Stefano, 1424 an der Erneuerung der Fassade der Scuola Vecchia della Misericordia, am Altar der Cappella dei Mascoli in S. Marco und im Hospitz der Familie Basegio bei S. Marziale arbeitete. Seit 1426 war Bono mit seinem Vater am Umbau des Dogenpalast Venedig beschäftigt, an dem er die Porta della Carta (ab 1438), eine Statue "Erzengel Michael" und mehrere Säulenkapitelle schuf. ^430 fertigte er das Relief über dem Dürchgang am Campo S. Zaccaria, 1437 das Tympanonrelief für das Portal der Scuola Grande di S. Marco. 1443-49 arbeitete er an der Scuola Grande della Carita, 1445-46 schuf er das Grab des Bartolomeo Morosini in S. Gregorio.

Bonomino, Palolo VincenzoBorromino, Paolo Vincenzo

Bonsignori, Francesco
* um 1455/60 in Verona, + 2.7.1519 in Caldiero bei Verona. Italienischer Renaissancemaler in Oberitalien. Nach erster Ausbildung bei seinem in der Malerei dilettierenden Vater kam er in die Werkstatt F. Benaglios; um 148 hielt er sich für kurze Zeit in Venedig auf, seit 1490 war er in Mantua ansässig, wo er für die Gonzagas tätig wurde. Die "Trionfi" für das Jagdschloss Marmirolo sind heute verloren. Bonsignori war zunächst von Alvise Vivarini und von Giovanni Bellini, später von Antonello da Messina und

Bontemps, Pierre
* um 1506, + um 1570. Französischen Bildhauer der Renaissance, arbeitete 1536-40 als Assistent von Primaticcio, Francesco an den Stukkaturen des Schlosses Fontainebleau, 1548-49 unter Philibert Delorme am Grabmal für Franz I. in St-Denis, an dem ihm die marmornen Reliefdarstellungen der Schlacht von Cerisoles und die aller Sockel zugeschrieben wurden, ebenso die Plastiken "Franz I." und "Claude de France", die Statuen "Dauphin Francois" und "Charles d`Orleans". Beeinflusst vom zeitgenössis

Boos, Roman Anton
*28.2.1733 (?) in Bischofswang bei Füssen, + 19.12.1810 in München. Deutscher Bildhauer, dessen Werk vom Spätbarock über den sog. Zopfstil (Rokoko) zum frühen Klassizismus führte, Mitgründer und Professer der Kunstakademie München. Boos lernte zuerst bei Anton Sturm in Füssen, später bei Johann Baptist Straub in München und studierte schliesslich 1763-64 an der Kunstakademie in Wien. 1766 fertigte er die überlebensgrossen Holzstatuen "Ludwig der Strenge" und "Ludwig der Bayer" am Chorbogen der ehemalige

Bor, Paulus
(auch Orlando). *um 1600 in Amersfoort, + 10.8.1669 in Amersfoort. Niederländerischer Maler, schuf Stilleben, Bildnisse, mythologische und religiöse Szenen, ging nach Rom und wurde dort Mitglied der Malervereinigung. Wieder zu Hause in Amersfoort, malte er 1628 die Familie van Vanevelt für das Spital St. Pietersgasthuis und Blocklandgasthuis. 1638 arbeitete er an der jetzt zerstörten Dekorationim Schloss Honselaersijk des Prinzen Frederik hendrik. Zu seinen Werken zählen ausserdem "Het Spaens Heydinne

Boreas
(röm. Aquilo). Sohn des Astraios (Vater der Winde) und der Eos (Morgenröte, Aurora). In Thrakien beheimateter Gott des Nordwindes. In Athen wurden zu seinen Ehren Feste veranstaltet (die Athener schrieben ihm den Sieg über die persische Flotte im Jahr 480 v. Chr. zu). Vielfach erscheint Boreas als alter weisshaariger Mann mit Flügeln, der die junge Oreithyia fest in den Armen hält und sich mit ihr in die Lüfte erhebt.

Borromini, Francesco
(eigentlich Castelli, Francesco, 1599-1667). Genialer, eigenwilliger römischer Architekt des Hochbarock und eifersüchtiger Rivale des um ein Jahr älteren Bernini, Gianlorenzo. Borromini war ein spätreifer Künstler, einsam, gehemmt und überempfindlich; er endete möglicherweise durch Selbstmord. Der Sohn eines Maurers aus Bissone am Luganer See begann seine Laufbahn bescheiden als Steinmetz und ging als Zwanzigjähriger nach Rom, wo er sein weiteres Leben verbrachte. Maderno, Carlo, ein entfernter Verwandter, verschaffte ihm eine Anstellung als Steinmetz beim Bau der Peterskirche, wo er hauptsächlich dekorative Putten, Festons u.ä. arbeitete. Nach dem Tode von Maderno, Carlo behielt er seine Stellung auch unter Bernini, Gianlorenzo bei, dessen wichtigster Mitarbeiter er später wurde und dem er gelegentlich bei den Entwürfen für St. Peter und den Barberini-Palazzo half. Das Verhältnis zwischen den beiden Künstlern war allerdings meist gespannt; den ausgezeichneten Handwerker Borromini ärgerte Berninis (Bernini, Gianlorenzo) praktisches Ungeschick und dessen Erfolge schmerzten ihn. Sie trennten sich für immer, als Borromini 1634 mit dem Auftrag für S. Carlo alle Quattro Fontane seine grosse Chance erhielt. S. Carlo (1638-41) ist trotz seines geringen Ausmasses eine der genialsten Raumkompositionen, die je geschaffen wurden, und offenbart Borrominis künstlerische Meisterschaft und revolutionäre Verachtung der Tradition. Der durch die wabenförmige Kuppel noch betonte ovale Grundriss beruht auf geometrischen Einheiten (gleichseitigen Dreiecken), aber Rhythmus und plastische Wirkung der aus- und einschwingenden Wände und der ruhelosen verschlungenen Schmuckelemente erzeugen einen fast erregenden Sinnenreiz. Die konkav-konvex-konkav gestaltete Fassade wurde 1665 hinzugefügt. Auf S. Carlo folgte rasch S. Ivo della Sapienza (1642-60). Borrominis System, den Grundrissen Dreiecke zugrunde zu legen, ergab hier ein sternförmiges Sechseck, dem er im Aufriss dynamische Wirkung verlieh. Die Kuppel gipfelt in einer ausgefallenen, an die Zikkurat erinnernden Spiralform. Borrominis Stil fand in S. Ivo seinen Höhepunkt. Spätere Bauwerke sind entweder unvollendet oder durch die Tatsache, das Borromini öfter ältere Pläne übernehmen musste, beeinträchtigt. Unvollendet blieb z.B. S. Maria dei Sette Dolori (1642-47), die Neugestaltung des Innenraumes von S. Giovanni in Laterano (1646-49), dessen geplante Einwölbung noch Immer aussteht, und S. Andrea delle Fratte (1653-65), deren Kuppel immer noch die Laterne fehlt, obwohl der Tambour und der dreistöckige Glockenturm auch S. Ivo noch an Phantasie übertreffen. Den von C. Rainaldi begonnene Bau der Kirche S. Agnese auf der Piazza Navona führte Borromini ab 1653 weiter. Er verwandelte dabei den Innenraum durch scheinbar geringfügige Änderungen und entwarf eine neue, konkav geschwungene Fassade. Die dramatische Gruppierung von Kuppel über hohem Tambour und eleganten Türmen daneben ist geglückt und sehr charakteristisch für ihn, jedoch wurde ihme der Auftrag vor Vollendung der Kirche wieder entzogen. Das Oratorio dei Filippini (1637-50) erhielt eine Fassade, die einen Doppelzweck erfüllt: sie fasst Kapellen und Klostergebäude zu einer räumlichen Einheit zusammen. Hier wurde die Entfaltung seiner Kunst durch die ungünstige Lage des Klosters behindert. Im Profanbau boten sich ihm nur Teilaufgaben, die er aber grossartig zu lösen wusste: die Trompe-l´oeil-Kolonnade im Spada-Palazzo, die dem Tiber zugewandte Front und Liggia des Falconieri-Palazzo, der grossartige "salone" im Pamphili-Palazzo, die Bibliothek der Sapienza, die Vorbild vieler grosser Bibliotheken des 18. Jh.s. wurde. Borromini lösste sich immer mehr von den Konventionen: sein letzter Bau, das Collegio di Propaganda Fide (1646-66), zeigt einen erstaunlichen Stilwandel, eine Tendenz zu Monumentalität und schmuckloser Strenge: z.B. sind die Kapitelle auf wenige Linien reduziert. Die schwere, alptraumartige Fassade in der Via di Propaganda ähnelt keinem seiner früheren Werke. - Borromini wurde zu seinen Lebzeiten der Vorwurf gemacht, die Grundlagen der Baukunst angegriffen zu haben, und er übte, abgesehen von einer rein oberflächlichen Nachahmung seiner Ornamentik, in Italien wenig unmittelbaren Einfluss aus (Seine revolutionären Raumvorstellungen wurden erst später in Mitteleuropa voll erkannt.) Sein Stil war zu persönlich und zu exzentrisch, vor allem in der Verbindung gotischer und manieristischer bzw. barocker Elemente. Seine Neigung für die Gotik stellten bereits Kritiker seiner Zeit, wie Baldinucci, fest. Sie ging in der Tat über die blosse Vorliebe für Details mittelalterlichen Ursprungs hinaus; sein geometrisches Grundrisssystem und seine Betonung des dynamischen Konstruktionsgerüsts brachten ihn in der Nähe gotischer Bauprinzipien. Dennoch entspringt seine Fähigkeit, Architektur und Skulptur miteinander zu verbinden und Raum und Massen gleichsam zu modellieren, durchaus der italienischen Tradition, deren Mass stets der Mensch war.

Borromini, Paolo VincenzoBorromino, Paolo Vincenzo

Borromino, Paolo Vincenzo
(auch Borromini, eigentl. Bonomino). * 1756 in Bergamo, + 17.4.1839 in Bergamo. Oberitalienischer Maler, der besonders durch seine "Capricci mabcabri" bekannt wurde. Er wurde von seinem Vater Paolo Bonomino ausgebildet, der wiederum Schüler von Giuseppe Ghhislandis war. Im Werk Borrominos treffen sich in merkwürderiger Weise Einflüsse von Tiepolo, Giovanni Domenico, Appiani, Andrea und Goya, Francisco de. Zwar bevorzugte der Maler traditionelle Genrethemen, bildete die Figuren jedoch als Skelette, die er

Bossert, Helmuth Theodor
Am 11.9.1889 in Landau/Pfalz geboren. Er studierte Kunstgeschichte, Archäologie, Germanistik und mittelalterliche Geschichte und wurde Privatdozent. Er nahm am Ersten Weltkrieg teil, zuletzt als Offizier, und begann nach Kriegsende eine Lehre im renommierten Kunstverlag Ernst Wasmuth in Tübingen. Hier verfasste er Werke zur Geschichte der Fotografie, zur Kunst des Mittelalters und zur Volkskunst. Nebenbei beschäftigte er sich mit Keilschriften und Hieroglyphen und vervollkommnete sein Wissen im Berliner Gelehrtenkreis um die Assyriologen E.F. Weidner und B. Meissner. 1934 erhielt Bossert den Lehrstuhl für Sprachen und Kultur des Nahen Ostens an der Universität Istanbul und wurde gleichzeitig Direktor des Instituts für die Erforschung dieses Bereiches. Er nahm die türkische Staatsangehörigkeit an, leitete zahlreiche Ausgrabungen in Anatolien und konzentrierte seine Forschungen auf die bis dahin noch unentzifferten hethitischen Hieroglyphen. 1946 wies ihn ein türkischer Lehrer auf Inschriftensteine auf dem Karatepe I, einem Bergrücken in der südöstlichen Türkei, hin. 1947 begann er, gemeinsam mit den türkischen Archäologen B. Alkim und H. Cambel, dort die Ruinen einer späthethitischen Stadt auszugraben und fand dabei eine phönikisch-hethitische Bilingue, die ihm die weitgehende Entzifferung der hethitischen Hieroglyphen und die Erforschung der hethitischen Sprache ermöglichte. Bossert starb am 5.2.1961 in Istanbul

Bossi, Ludovico
(* 1.9.1731 Porto Ceresio † nach 1772), Stuckateur. Bossi wurde 1762 zum „Principal Stukkateur“ und 1768 zum Mitglied der Residenzbaudeputation in Stuttgart ernannt. Er arbeitete unter Brilli am Ludwigsburger (Ludwigsburg Krs. Ludwigsburg) und am Neuen Stuttgarter Schloss (Stuttgart II), übernahm 1763 Arbeiten am späteren Schloss Monrepos Ludwigsburg und stuckierte 1764 Vestibül und Treppenhaus im Würzburger Schloss (Würzburg I). 1766 kehrte Bossi in württembergische Dienste zurück, die er 1771 wieder verliess. Zwischen 1770 und 1772 war er in St. Blasien und am Sickingen-Palais in Freiburg im Breisgau tätig.

Botta, Paul-Emile
Am 6.12.1802 als Sohn des italienischen Politikers und Historikers C. Botta in Turin geboren. Nach dem Medizinstudium unternahm er 1826-29 eine Weltreise und stand danach einige Zeit als Arzt in den Diensten des ägyptischen Königs Mehmed Ali. 1842 ging Botta als Konsul nach Mosul (Irak), um die untergegangenen assyrischen Städte zu suchen, die man bis dahin nur aus Keilschrifttexten und aus Hinweisen der Bibel kannte. Noch im selben Jahr begann er mit ersten Ausgrabungen auf dem Kujundschik am Ostufer des Tigris gegenüber Mosul. Botta suchte altorientalische Kunstwerke, fand aber "nur" Tonziegel mit Keilinschriften und einige Reliefbruchstücke, mit denen er nichts anzufangen wusste. Er ahnte nicht, dass er im Gebiet des alten Ninive gegraben hatte. Ein Hinweis Einheimischer führte ihn bald darauf in das Dorf Khorsabad, wo er im März 1843 zu graben begann. Trotz grösster Widerstände von Seiten der türkischen Verwaltung konnte Botta in kurzer Zeit den Palast des assyrischen Königs Sargon II. (Sargon-II.-Palast Maganouba) freilegen und grossartige Wandreliefs, mächtige Flügelskulpturen und eine grosse Anzahl Keilschrifttafeln nach Paris schaffen. Der Louvre war das erste Museum, das assyrische Altertümer der Öffentlichkeit vorstellte. Botta irrte aber, als er annahm, in den Ruinen von Khorsabad das alte Ninive enteckt zu haben. Khorsaba war in Wirklichkeit die von Sargon II. Ende des 8. Jh. v. Chr. gegründete Hauptstadt Dur Scharrukin des neuassyrischen Reiches. Doch gerade sein Irrtum veranlasste die französische Regieung, ihm weitere Ausgrabungen zu finanzieren. Der Kunstmaler E.N. Flandin zeichnete die ausgegrabenen Relikte an Ort und Stelle. So wurden zahlreiche Kunstwerke überliefert, die inzwischen zerstört bzw. auf dem Abtransport verlorengegangen sind. 1845 erhielt Botta das Kreuz der Ehrenlegion. 1847 wurde er Generalkonsul in Jerusalem und widmete seine Arbeit fortan den assyrischen Keilschrifttexten. 1857-1870 wirkte Botta als Generalkonsul in Tripolis. Er starb am 29.3.1870 in Acheres bei Poissy (Frankreich).

Botticelli, Sandro
* 1.3.1445 in Florenz, + 17.5.1510 in Florenz. Italienischer Maler, der mit seinen allegorisch-mythologischen Bildern zu den herausragenden Künstlern der italienischen Renaissance zu rechnen ist. Der als kränklich bezeichnete Sohn eines Gerbers lebte zunächst im Haus seines älteren Bruders, eines Maklers, der wegen seiner Leibesfülle "botticelli", das Tönnchen, genannt wurde (daher der Beiname des Malers). Er war sodann möglicherweise bei einem anderen Bruder, der Goldschmied war, in der Lehre, ehe er geg

Bouchardon, Edmé
* 29.5.1698 in Chaumont-en-Bassigny (Haute-Marne), + 27.7.1762 in Paris. Französischer Bildhauer, war ab 1722 Schüler von Guillaume Coustous d.J. in Paris und ging, nachdem er den ersten Preis für Skulptur an der Akademie gewonnen hatte, 1723-32 nach Rom. In dieser Zeit entstanden neben einer Kopie des sog. Barberinischen Fauns (1726-30, Paris, Musée National du Louvre) vor allem marmorne Porträtbüsten, u.a. von "Papst Clemens XII. in Anlehnung an Vorbilder Giovanni Lorenzo Berninis (1731, {Corsini-Palazz

Boucher, Francois
* 29.9.1703 in Paris, + 30.5.1770 in Paris. Französischer Maler und Stecher, einer der erfolgreichsten Künstler des französischen Rokoko, der durch die besondere Protektion der Marquise de Pompadour am Hof Ludwigs XV. reüssierte. Boucher wurde von seinem Vater Nicolaus Boucher, einem Entwurfszeichner für Stickmuster und Ornamente, etwa 1720 geschickt. Nach eigener Aussage blieb er jedoch nur drei Monate bei Lemoyne. Es folgte eine Tätigkeit in der Werkstatt des Kupferstechers Jean Francois Cars, dessen Sohn Laurent viele Gemälde Bouchers nachgestochen hat. Bereits 1723 erhielt er den Grand Prix de Rome von der Akademie für ein Gemälde biblischen Inhalts. Er ging jedoch erst 1727 nach Italien und kam 1728 nach Rom. 1731, nach seiner Rückkehr nach Paris, begann seine Karriere an der Akademie: Er wurde als Historienmaler aufgenommen. Im Jahr 1734 wurde er aufgrund seines Gemäldes "Rinaldo und Armida" (Paris, Musée National du Louvre) Mitglied, 1737 Professor, 1761 Rektor und 1765 Direktor der Akademie. Von der königlichen Manufaktur in Beauvais erhielt er unter der Direktion Jean-Baptiste Oudrys zahlreiche Aufträge für Bildteppichentwürfe. Nach dem Tod Oudrys wurde er 1755 Direktor der Königlichen Gobelin-Manufaktur Paris. 1765 wurde er als Nachfolger von Carle van Loo zum Premier Peintre du Roi ernannt. Von Anfang an erhielt Boucher Aufträge vom Königlichen Hof. Bereits 1734 malte er vier Sopraporten für das Zimmer der Königin in Versailles; 1753 freskierte er den Salle du Conseil im Schloss Fontainebleau - eines der wenigen erhaltenen Beispiele für Bouchers Freskomalerei. Er malte für die Repräsentanten der Aristokratie und Plutokratie, z.B. mythologische und pastorale Szenen (Sopraporten) für das Soubise-Hotel. Unter seinen Bewunderern ragt Madame de Pompadour hervor. Sie und ihr Bruder, der Marquis de Marigny, protegierten Boucher. Er porträtierte sie mehrfach, schuf Dekorationen für sie (Schloss Bellevue Meudon, Arsenal-Hotel in Paris und gab der künstlerisch talentierten Mätresse des Königs Zeichenunterricht. Bouchers Schaffen ist ausserordenlich umfangreich und vielseitig. Er malte Ölbilder, Tafelbilder, Kaminstücke sowie Fresken in den königlichen Schlössern und Adelspalais. Er zeichnete Kartons für Bildteppiche, schuf Entwürfe für Theaterdekorationen, für Porzellanfiguren (Sèvres) und andere kunstgewerbliche Produkte. Dazu übte er die verschiedenen Stichtechniken aus, und zwar sowohl als Reproduktionsstecher - besonders in der Frühzeit - wie auch als Malerstecher (Peintre-graveur). Er war an der technischen Entwicklung der Aquitania und der Crayonmanier zur getreuen Nachbildung von Zeichnungen beteiligt. Ausserdem hat Boucher Tausende von erstrangigen Handzeichnungen hinterlassen, in Rötel, Pastellkreide und Tusche. Seine Zeichnungen stehen - häufig weiß gehöht - auf farbigen Papieren. Für die Entwicklung seines Stils war das Studium der römischen Malerei grundlegend, besonders beeinflusst wurde er von den Carracci, von Francesco Albani, Guercino, Giovanni Lanfranco, Pietro da Cortona und Carlo Maratta. Grossen Einfluss übte das Werk Correggios, des Hauptmeisters der Schule von Parma, und vor allem das des Venezianers Giovanni Battista Tiepolo auf ihn aus. Sein Lehrer Lemoyne wirkte vor allem bestimmend auf die Gestaltung der mythologischen Historienbilder ein, der damals höchstgeschätzten Bildgattung. Mit der subtilen Kunst Antoine Watteaus setzte sich Boucher 1725 auseinander. Anlass war ein Auftrag M. de Juliennes, Zeichungen Watteaus für die "Figures de differents caracteres" nachzustechen. Aus Watteaus Dekorationsentwürfen, den "Arabesken", und aus den "Fetes gallantes"-Bildern schöpfte Boucher Thematik und Motive zu seinen zahlreichen Gemälden pastoralen Inhalts. Auch die Stiche nach Abraham Bloemaert im "Livre d`etude" beeinflussten ihn; von dem Niederländer stammen viele seiner Landschaftsmotive. Voraussetzung für die Darstellung des nackten weiblichen Körpers war seine Beschäftigung mit dem Werk Peter Paul Rubens´. Das in den zwanziger und dreissiger jahren des 18. Jh. entstandene Werk Bouchers ist vor allem durch Hermann Voss analysiert worden; er charakterisiert den frühen , sich an Vorbildern schulenden Stil im Vergleich zum reifen Stil der vierziger bis sechziger Jahre als kraftvoll und bemerkt bei den idealisierten Landschaften und figürlichen Staffagen noch echte Wirklichkeitsbezüge und eine gewisse Naturtreue. Beispiele hierfür sind eine "Landschaft mit Ruinen", signiert und datiert 1734 (Privatsammlung) und eine "Pastorale Landschaft" (London, Sammlung F. Koetser). 1734 schuf Boucher auch 33 Zeichnungen zu Molieres Komödien; die von Cars gestochenen Illustrationen zeigten den Einfluss Watteuas. 1735 gab er seine erste Folge "Types de la rue et des cris de Paris" aktuelle Genredarstellungen, heraus. Die 1737 von Ludwig XV. für Fontainebleau bestellten Bilder "Freuden des Landlebens" und "Das Nest" (beide Paris, Musée National du Louvre) stehen am Beginn der mittleren, reifen Schaffensperiode. Grundthema der beiden Bilder und einer weiteren, grossen Anzahl pastoraler Darstellungen ist das galant-erotische Schäferspiel. Jugendliche Schäfer machen mädchenhaften Schäferinnen anmutig tändelnd den Hof. Sie reichen Blumen - oft auch Früchte - bzw. ein Nest - vielfach mit Brieftauben - spielerisch dar. Schafe gesellen sich als "moutons chéris" am Seidenband hinzu. Ein abgeschiedener, kulissenartig aus überwachsenen antiken Architekturfragmenten gebildeter Winkel in einer verwilderten, parkähnlichen Landschaft ist der Bildschauplatz. Schäferkostüm und Schäferrequisiten sind dem zeitgenössischen Theater und den höfischen Maskeraden entlehnt. Bezeichnende Motive, wie der bewachte Schlaf, der Musikunterricht (lecon agréable) oder der heimliche Beobachter, variieren das pastorale Thema, das öfters mit der allegorischen Darstellung der vier Jahreszeiten verbunden ist. Die jugendliche Anmut der Figuren, die preziöse Grazie der Posen, die Delikatesse der kunstvoll arrangierten Dinge und das Raffinement der Farbenwahl bestimmen den Bildcharakter. Die mythologische Thematik stellt sich bei Boucher ganz im Sinne des Rokoko dar: Venus und Diana mit ihren Nymphen, Amor und die Armoretten; nicht die heroischen Taten, sondern die galanten Liebesabenteuer der Götter sind Bildgegenstand. Die "Götterliebschaften" nach Ovids Metamorphosen und die "Geschichte der Psyche" nach Apuleius sind Themen zweier Teppichserien, die nach Kartons von Boucher in Beauvais hergestellt wurden. Bouchers dekorative Gestaltungsweise kommt in diesem Medium angemessen zur Geltung. Der "Triumph der Venus" von 1740 (Stockholm, Nationalmuseum) ist ein Hauptwerk des französischen Rokoko. Hans Sedlmayer schreibt: "Die Zentralgestalt des "style rocaille" aber ist Venus, Venus angenähert dem Nymphenideal der Najaden. Boucher malt ihren Triumph - ihre Attribute: Fels und Muschel, Koralle und Schilf, Wasser, Schaum und Welle, bilden das Arsenal der Rocaille-Ornamentik - ihr Element, das Wasser, bestimmt das Flüssige der Bildungen - seine Bewegungsform, die Welle, das Gesetz der umschlagenden Bewegung - seine Farbe, das tiefe, kühle Meerblau und Schaumweiss, stiften zusammen mit dem Rosigen des Muschelinneren und dem Changieren des Perlmutter einen typischen Farbakkord des Rokoko...". Weitere Meisterwerke sind der "Raub der Europa" (Paris, Musée National du Louvre) und "Leda und der Schwan" (1741, Stockholm, Nationalmuseum). Unter den vielen Diana-Bildern ragen "Diana im Bad" (1742, Paris, Musée National du Louvre) und "Diana nach der Jagd" (1745, Paris, Musée Cognacq-Jay) hervor. In dem Gemälde "Toilette der Venus" (1751, New York, Metropolitan Museum of Art) ist die Göttin in einem boudoirähnlichen Ambiente dargestellt. Die Darstellung ist dem Bild "Ruhendes Mädchen" (1752, München, Alte Pinakothek) vergleichbar. Es finden sich die gleichen erlesenen, die Sinne anregenden Dinge: Schleier, Rose, Räuchergefäss. Der erotische Charakter des Münchener Bildes und seiner verschiedenen Varianten bildet einen deutlichen Unterschied zu der Darstellung der Göttin. Für die weiblichen Figuren standen Bouchers Frau, Marie-jeanne Buseau, selbst eine talentierte Malerin, und Louise O`Murphy, die junge Favoritin des Königs, Modell. Er gestaltete Boudoirszenen mit genreähnlichem Charakter, wie die "Modehändlerin" von 1746 (Stockholm, Nationalmuseum). Das Bild zeigt eine vornehme Dame am Friseurtisch, die eine Modehändlerin empfängt; allegorisch ist dies die Darstellung einer Tageszeit, des Morgens. Bezeichnend ist, welch geringe Rolle die szenische Handlung bei Boucher spielt. Wichtig sind die einzelnen Dinge, die Spitzen und Bänder, Draperien und Toilettenartikel, und die Figuren in anmutiger Pose. Ein früheres Bild ähnlicher Art, "Das Frühstück" (1739, Paris, Musée National du Louvre), der Handlungen oder Gebärden in verschiedene - widersprüchliche - Richtungen. Das hochgeschätzte Genre des höfischen Porträts hat Boucher wenig gepflegt, nur die Porträts der Marquise de Pompadur sind bedeutungsvoll, wie das Londoner Bildnis der Wallace Collection von 1759. Ausserdem hat er Landschaftsbilder gemalt. Die Reisen zwischen Paris und Beauvais mögen dazu Anregungen gegeben haben, doch zeigen die Bilder keine realistischen Züge, sie haben vielmehr Verwandtschaft mit Bouchers Bühnenbildern. Die kulissenhaft-kunstvolle Komposition, die effektvolle, aber kaum natürliche Beleuchtung und die malerische, die verschiedene Stofflichkeit nicht charakterisierende Wiedergabe von Pflanzen, von Erde oder Stein stimmen mit ihnen überein, dies zeigt ein Vergleich der "Landschaft mit der Mühle" (1753, Orleans, Musée des Beaux-Arts) mit der Bühnenskizze für die Oper "Issé", 1742 im Salon ausgestellt (Amiens, Musée de Picardie). Die im Rokoko so beliebten Chinoserien waren ebenfalls ein Sujet Bouchers. Die letzten Schaffensjahre Bouchers waren nicht mehr erfolgreich. Seine Gemälde liessen qualitativ nach. Denis Diderot führte eine erbitterte Kampagne gegen Boucher; der herrschende Geschmack wandelte sich in diesen Jahren vollkommen. In den moralisierenden Kritiken Diderots und Friedirch Melchior Grimms kommt deutlich die Abkehr vom Rokoko, das als gekünstelt und verdorben empfunden wurde, zum Ausdruck.

Boullée, Etienne-Louis
* 12.2.1728 in Paris, + 6.2.1799 in Paris. Französischer Architekt, Lehrer und Theoretiker der Revolutionsarchitektur, einer der bedeutendsten Architekten des 18. Jh.. Nach einer Ausbildung als Maler studierte er Architektur u.a. bei Francois Blondel. Nach einer Periode konventioneller Entwürfe im Zeitgeschmack des Manierismus brachte sein Brunoy-Hotel an den Champs-Elysees 1779 stilistisch eine Wende. 1762 wurde Boullée Mitglied der Académie Royale d`Architecture und widmete sich verstärkt der Theorie und Lehre. Eine nachhaltige Wirkung und bleibende Bedeutung erlangte er jedoch in seinen letzten Lebensjahren mit monumentalen architektonischen Kompositionen aus reinen stereometrischen Körpern und abweisend ungegliederten Wandflächen, kontrastiert nur von endlosen Kolonnaden oder Zypressenreihen. Boullée beeinflusste mit diesen Entwürfen und deren malerisch perfekt eingefangenen atmosphärischen Stimmungen (im Geiste der Frühromantik) nicht nur seine Schüler, sondern weithin auch die Entwicklung des Klassizismus über Frankreichs Grenzen hinaus. Dabei fällt ihm das Primat zu, in der Architektur als erster mit dem Newton-Konotaph 1784 die Kugelidee formuliert zu haben. Boullée hat in diesen Entwürfen, die als Illustration zu seinem Essay über Architektur gedacht waren, das aufgeklärte und revolutionäre Gedankengut seiner Zeit architektonisch zum Ausdruck gebracht. Dabei muss sein Grössenanspruch (oft als Megalomanie missdeutet) als architektonischer Versuch gewertet werden, mit der neuen Erkenntnis der Unermesslichkeitdes Weltalls fertigzuwerden - die Massstablosikkeit ist somit nicht politisch, sonder kosmologisch begründet.

Boullongne, Bon d.Ä.
* 22.2.1649 in Paris, + 17.5.1717 in Paris. Französischer Maler. Sohn von Boullongne, Louis d.Ä. Schon in jungen Jahren hielt er sich in Rom und der Lombardei auf, wo er Einflüsse der Carraci, Correggios und der Bologneser Maler aufnahm. Nach Paris zurückgekehrt, wurde er 1677 mit dem Bild "Herkules im Kampf gegen die Kentauren" (Pairs, Musée National du Louvre) in die Akademie aufgenommen und war ab 1692 Professor. Sein Hauptwerk sind die unter der Leitung von Charles Le Brun 1702 entstandenen Ausgestaltun

Boullongne, Louis d.Ä.
* 1609 in Paris, + 13.6.1674 in Paris. Französischer Maler. Vater von Boullongne, Bon d.Ä.. Schüler von Jacques Blanchard und Freund von Sebastien Bourdons. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der 1648 eingerichteten Académie und war ab 1656 Professor. Malerisch gehörte er zu den Klassizisten, die versuchten, die Errungenschaften von Simon Vouet und von Nicolas Poussin der Tradition zu integrieren; dies veranschaulicht auch das 1646 für Notre-Dame gemalte Bild "Die Kinder des Oberpriesters Sceva" (Pari

Boullongne, Louis d.J.
* 19.11.1654 in Paris, + 21.11.1733 in Paris. Französischer Maler zwischen Barock und Klassizismus, ein Sohn von Boullongne, Louis d.Ä.. Schon 1671 erhielt er mit dem Bild "Der König gibt Europa den Frieden" den zweiten Preis des Salons und stieg zum Direktor der Akademie (1722) und zum Ersten Hofmaler (1725) auf. Im Auftrag der Königlichen Gobelinmanufaktur kopierte er Gemälde von Raffael in Rom, Venedig und in der Lombardei. Die ihm so ermöglichten Studien und unmittelbaren Eindrücke führten ihn zu

Boumann, Johann
* 1706 in Amsterdam, + 6.9.1776 in Berlin. Deutsch-niederländischer Architekt des friderizianischen Spätbarock. Er wurde 1732 nach Potsdam gerufen, nachdem König Friedrich Wilhelm I. eine Garnison hierher verlegte und, dadurch bedingt, eine Stadterweiterung erforderlich war. Für die Planung diese Holländischen Viertels wurde der Niederländer 1732-40 herangezogen. In seiner Stellung als königlich-preussischer Baubeamter oblag ihm die Aufsicht über die bedeutendsten königlichen Bauten. So war er vor allem an der Ausführung des Schlosses von Sanssouci von 1745-47 beteiligt. Dann baute er das Stadtschloss von Potsdam III nach 1751 sowie den Prinz-Heinrich-Palais in Berlin von 1748-66. Der Palast König Friedrichs II. in Breslau II, erbaut zwischen 1750 und 1751, ist charakteristisch für seinen Stil. Im Aussenbau äusserst karg an Architekturelementen, setzt sich im Inneren eine wenn auch sehr sparsame Rokokodekoration durch. In ihrer grossen Schlichtheit und sparsamen Verwendung von Dekor verweisen Boumanns Bauten auf den kommenden Klassizismus. Kurz vor seinem Tod wurde er zum Oberbaudirektor ernannt.

Bourdichon, Jean
* um 1457 in Tours oder im Bourbonnais, + 29.7.1521 in Tours. Französischer Maler zwischen Spätgotik und Renaissance. Architekt, vor allem als Buchmaler fassbar. Bourdichon wurde wahrscheinlich in Tours, möglicherweise in der Werkstatt Jean Fouquets, ausgebildet. Hofmaler Ludwigs XI., Karls XIII. und Ludwigs XII., arbeitete er auch als entwerfender Architekt und fertigte Entwürfe für Münzen und Dekorationen. Noch unter Franz I. war er als Porträtist tätig und besorgte die Ausstattung eines Feldlagers. Unter den illuminierten Prachthandschriften ist "Das grosse Stundenbuch der Anne de Bretagne" (Paris, Bibiotheque Nationale) am bekanntesten. Die Handschrift, die um 1505-07 entstand, kennzeichnet den Maler als eine Persönlichkeit, die im Zeichen der Renaissance noch weitgehend dem Denken und der Form des Mittelalters verpflichtet ist, und stellt zugleich einen wichtigen Hinweis auf die Macht des Gattungsstils dar: In der Buchmalerei, die in dieser Zeit keine Zukunft mehr hatte, scheint die Tradition der älteren Form bereits Bestandteil des Auftrags zu sein. von bewunderswerter Präzison sind Randleisten mit Blumen und Insekten, in denen sich die neue Anschauung der äusseren Natur Ausdruck verschafft und die einen Platz in der Geschichte der naturwissenschaftlichen Illustration beanspruchen. Dem Illuminator Bourdichon ist eine ganze Reihe von Stundenbüchern zugeschrieben worden: Innsbruck, Universitätsbibliothek; London, Sammlung J. Rothschild; New York, Pierpont Morgan Library; Modena, Biblioteca Estense. In der Bibliotheque Nationale in Paris werden aufbewahrt: Stundenbuch Friedrichs von Aragon; Stundenbuch Karls VIII.; Stundenbuch mit Porträt; das Missale von Tours. Als Maler von Tafeln ist Bourdichon nur stilkritisch greifbar; man neigt dazu, ihm manches aus dem Werk des Meisters von Moulins zuzuweisen. Als gesichert gilt die Zuschreibung eines Triptychos in der Galleria Nazionale in Neapel (Galleria Nazionale Di Capodimonte); auf der zentralen Innentafel ist "Maria mit dem Kinde", auf den Flügeln links "Johannes d.T.", rechts "Johannes d.E.", im rundbogigen Aufsatz eine Kreuzigung darstellt. Möglicherweise von seiner Hand sind die Porträts des "Dauphin Charles-Orland" (Paris, Musée National du Louvre) und das Mittelbild des Triptychons der Kathedrale in Moulins.

Bourdon, Sebastien
* 2.2.1616 in Montpellier, + 8.5.1671 in Paris. Französischer Maler, der sich während seines Aufenthalts in Rom zwischen 1635 und 1637 (den er möglicherweise abbrach, weil er sich als Hugenotte verfolgt fühlte) als routinierter Nachahmer aller gängigen Stilarten erwies. Er malte ebenso Landschaften in der Art Claude Lorrains wie auch Bambocciaden, Historienbilder und religiöse Gemälde. Nach Frankreich zurückgekehrt, schuf er im Auftrag der Zunft der Goldschmiede 1643 eine "Kreuzigung des Hl. Petrus" für

Boutaca, DiegoBoytac, Diego

Bover, Ossip IwanowitschBeauvais, Ossip Iwanowitsch

Boy, Adolf
* 1612 in Danzig (heute Gdansk), + 1680 in Danzig. Polnischer Maler und Dekorateur, war ab 1626 bei Bartholomäus Miltwitz in der Lehre und wurde 1636 Meister. Er war Historiograf und Sekretär des Königs Wladislaw IV. von Polen, wobei es seine Aufgabe war, die Bildnisse des Königshauses zu malen, und Stadtmaler und Stadtdekorateur von Danzig, wo er neben Porträts der Ratsherren und der Ausschmückung der Stadtchronik auf einen "Prospekt der Stadt Danzig" ausführte (1680, Gdansk, Glownego Miasta w Gadnsk

Boytac, Diogo
(auch Boitac, Boutaca). * vor 1490, + 1525 (?) in Batalha. Französisch-portugiesischer Architekt aus dem Languedoc. Einer der bedeutendsten Baumeister des Emanuelstils. Boytacs Architektursprache greift auf gotische Formen zurück und verbindet sie zukunftsweisend mit denen der Renaissance. 1492 errichtete er die Grundmauern der Jesús-Kirche in Setúbal, der ersten Kirche im Emanuelstil. Boytac war an den hervorragendsten Bauaufgaben des Hofes beteiligt. 1507 arbeitete er am Kloster S. Cruz in Coimbra, zwischen 1509 und 1519 war er mehrmals am spätgotischen Kloster Batalha beschäftigt. Seine dortigen Arbeiten am sog. Königlichen Kreuzgang sind als gesichert anzusehen. Das Hieronymitenkloster Belém bei Lissabon, wo er ab 1514 arbeitete, gilt als Meisterwerk des emanuelischen Stils und verbindet bautechnisches Können mit einem geradezu wuchernden Bauschmuck im Renaissancestil. Zwischenzeitlich hatte er wohl die Bauaufsicht über königliche Kirchen und Festungen in Afrika. 1516 kehrte er nach Batalha zurück und liess sich dort endgültig nieder.

Bramante, Donato
(eigentlich Donato di Pascuccio d`Antonio, 1444-1514). Der erste grosse Architekt der Hochrenaissance; stand anfangs im Schatten von Alberti (Alberti, Leon Battista) und Michelozzo und wurde von Leonardo da Vinci, dessen Vorliebe für den Zentralbau er übernahm, stark beeinflusst. In Rom entwickelte Bramante einen klassischen Stil von grossartiger Monumentalität, der eine tiefe und nachhaltige Wirkung auf die weitere Entwicklung der italienischen Architektur ausüben sollte. Palladio, Andrea erklärte: "Er war der erste, der gute Architektur ans Licht brachte". Bramante wurde in der Nähe von Urbino geboren, wo er möglicherweise mit den Künstlern am Hofe von Federgio da Montefeltro, mit Piero della Francesca und Franceso di Giorgio Martini, dem er wahrscheinlich sein Interesse an Problemen der Perspektive verdankte, zusammentraf. Erste Erwähnung 1477 mit perspektivischer Fassadenmalerei am Podesta-Palazzo Bergamo; aus dem Jahre 1481 stammt eine Zeichnung, die als perspektivische Malvorlage in Kupfer gestochen wurde. Um 1479 trat er in die Dienste des Herzogs Ludovico Sforza, für den er in Vigevano sowohl als Dekorationsmaler als auch als Architekt arbeitete. Sein erstes bedeutendes Werk ist S. Maria presso S. Satiro in Mailand (beg. 1479). Für die kleine Capella della Pieta (aus dem 9. Jh.) schuf Bramante die von Nischen und schlanken Pilastern gegliederte, mit einem etwas klotzigen Oktogon gekrönte Ummantelung. Für die Kirche selbst plante er einen Grundriss in Form eines lat. Kreuzes und eine Vierungskuppel. Albertis (Alberti, Leon Battista) Einfluss zeigt sich in dem Entwurf für die unvollendet gebliebene Fassade, in der Verwendung flacher Pilaster an den Seitenwänden und in dem Tonnengewölbe des Schiffes. Da für einen Chor kein Raum war, täuschte Bramante ihn mit Hilfe von Scheinmalerei und Reliefs vor (vom richtigen Standpunkt aus betrachtet, ist die Illusion vollkommen). Über dem Altar errichtete er die erste nachrömische Kuppel (Kassettierung). Auch die okotgonale Sakristei ist ein Werk Bramantes, sie enthält äusserst reichen plastischen Schmuck. 1488 wurde Bramante als Berater für den Bau des Domes in Pavia berufen, doch wurde nur die Krypta nach seinen Vorschlägen ausgeführt. Für die gotische Kirche S. Maria della Grazie in Mailand (begon. 1492) entwarf er einen zentral angelegten Ostabschluss, der innen weitläufig und licht ist, während die Aussenwände der Apsiden (Apsis) und des sechzehneckigen Tambours, der die Kuppel trägt, verschwenderisch mit eleganter, aber ziemlich kleinteiliger Bauplastik geschmückt sind (doch scheint es, dass viele der Ornamente in Bramantes Entwürfen nicht vorgesehen waren). Für die Basilika von S. Ambrogio in Mailand entwarf er den Kreuzgang des Chorherrenstifts (1492, nur ein Flügel erhalten) und später eine weitere Anlage von vier Kreuzgängen (1497, zwei wurden 1576 nach seinen Plänen fertiggestellt). Im Kreuzgang des Chorherrenstifts verwendet er schlanke korinthische Säulen (Säulenordnungen) mit kühn vorkragenden Kämpferblöcken, und vier Säulen sind als Baumstämme, an denen Stümpfe abgesägter Zweige plastisch hervortreten, gestaltet. Der französische Einfall in die Lombardei und der Sturz der Sforza zwangen Bramante 1499 nach Rom, dem damaligen künstlerischen Zentrum Italiens, zu fliehen. Sein erstes Werk dort war, von einigen Fresken abgesehen, der Kreuzgang von S. Maria della Pace (1504), der sich vor all seinen früheren Entwürfen stark unterscheidet. Das Erdgeschoss des Kreuzganges weist von starken Pfeilern - denen ionische Pilaster vorgeblendet sind - getragene - Arkaden auf und im Obergeschoss eine offene Galerie mit abwechselnd Säulen und Pfeilern, die keine Bogen, sondern einen Architrav tragen. Es ist ein typisch römischer Bau, der eine ruhige Würde austrahlt. Noch strenger und römischer ist sein nächstes Werk, der Templetto von S. Pietro in Monotorio (1502) in Rom, das erste bedeutende Bauwerk der Hochrenaissance, dessen majestätische Feierlichkeit seine kleinen Aussmasse vergessen lässt. Im Erdgeschoss wird er von einem Säulengang toskanisch-dorischer Ordnung mit streng klassischem Gebälk umgeben. Ausser den Metopen und den Muschelkronen der Nischen zeigt der ganze Aussenbau keinerlei Schmuck. Ursprünglich war der Tempietto als Mittelpunkt eines kreisförmigen Peristyls gedacht, der diesem körperhaften Bau die angemessene räumliche Fassung gegeben hätte, denn wie ein griechischer Tempel ist er eher als Plastik denn als Hülle eines Innenraumes empfunden. Hier kam die Renaissance dem Geist der Antike näher als irgendeinem anderen Bauwerk. Die Wahl des Papstes Julius II. im Jahre 1503 gab Bramante einen neuen, ihm ganz kongenialen Bauherrn, der ihn mit der Entwicklung eines Gesamtplanes für den Vatikan und St. Peter betraute. Ein später in den Cortile di s. Damaso aufgegangener Gebäudekomplex mit drei Reihen übereinandergesetzter Arkaden wurde sofort in Angriff genommen. Diese Anlage war relativ bescheiden im Vergleich zu dem Plan für den Cortile del Belvedere, einen riesigen, etwa 310 m langen und 70 m breiten Hof mit drei Terrassen verschiedenen Niveaus, von Arkadenbauten flankiert, mit einem Theater am tiefer liegenden Hofende und einem Antiquarium, das mit einer grossen Exedra den oberen Hofraum abschliesst. Die Arbeiten wurden zuerst am oberen Hofende, wo das Antiquarium steht, aufgenommen, er wurde jedoch nur das erste Geschoss nach Bramantes Entwürfen fertiggestellt (in späterer Zeit stark verändert). Die schöne Wendeltreppe in einem Turm des Belvedere (ca. 1505) ist das einzige unversehrt gebliebene Werk Bramantes im Vatikan. Sein Entwurf für St. Peter sah eine Kirche vor, die eine idealer Zentralbau gewesen wäre. Der Grundriss hatte die Gestalt eines griechischen Kreuzes mit halbrund geschlossenen Kreuzarmen, zwischen denen vier kleinere überkuppelte griechische Kreuze das Ganze zu einem Quadrat ergänzen sollten. Die riesige Zentralkuppel sollte in ihrer Spannweite der Pantheon-Kuppel entsprechen. an den Endpunkten der Diagonalachsen waren Ecktürme vorgesehen. Das ganze Bauwerk sollte isoliert auf einem ungeheuer weiten Platz stehen. Im Jahre 1506 wurde der Grundstein gelegt, die Bauarbeiten schritten aber nur zögernd voran, bis mit dem Tode Julius II. 1513 alles zum Stillstand kam. Ein anderes Werk Bramantes, die Kirche S. Maria del Popolo in Rom (1505-09), ist klein in Ausmassen, aber grossartig in der Auffassung. Das Gewölbe ist stark kassettiert, die Apsis hat einen Muchselabschluss. Bramante fertigte auch den Entwurf für den Caprini-Palazzo und begann mit den Bauarbeiten (1514, im 17. Jh. abgerissen). Das Erdgeschoss hatte ein schweres Bossenwerk, das Obergeschoss fünf Giebelfenster zwischen paarweise angeordneten Halbsäulen, eine oft nachgeahmte Anordnung. Das Haus wurde 1517 von Raffael erworben, der Berninis (Bernini, Gianlorenzo) Erbe als führender Architekt in Rom antrat.

Bramer, Leonard
* 24.12.1596 in Delft, + 10.2.1674 in Delft. Holländischer Maler und Zeichner. Nach einer Italienreise ab 1614, auf der er Adam Elsheimer traf, liess sich Bramer 1629 endgültig in Delft nieder. Seine Bilder haben meist biblische oder historische Themen. An öffentlichen Aufträgen führte er u.a. die Decke im grossen Saal des Prinsenhof Delft aus (um 1668, Himmelfahrt Christi). Bedeutender war er als Zeichner. Eine Reihe von Illustrationen ist von seiner Hand erhalten, z.B. eine zu den "Wunderlichen Träume

Brandin, Philipp
(+ 1594). Niederländischer Bildhauer und Architekt im Dienst des Herzogs Johann Albrecht I. von Mecklenburg in Schwerin und Wismar. Erbaute den nördlichen Schlossflügel von Schloss Güstrow I (1583).

Brandl, Peter Johannes
* (getauft) 24.10.1668 in Prag, + 24.9.1735 in Kuttenburg (Kutná Hora). Böhmischer Maler, der bedeutendste Vertreter des böhmischen Hochbarock. Er lernte bei dem Inspektor der Burggalerie, Christian Schröder, und fand sein Vorbilder in Michael Wenzel Halbax, Johann Rudolf Byss und Karel Skreta. Von entscheidender Bedeutung für die Stilbildung Brandls, der seine Heimat nie verlassen hat, war die Kenntnis der Werke venezianischer und bolognesischer Malerei, die ihm in der Prager Burggalerie zugänglich waren. von ihm stammen eine Reihe im Hinblick auf Kolorit und Konzeption bedeutender religiöser Kompositionen, darunter die "Taufe Christi" (Prag, St.-Veits-Dom) und die "Heilung des Tobias" (Prag, Národni-Galerie), sowie zahlreiche psycholigisch eindringliche Porträts (Simeon mit dem Jesuskind, um 1725, Prag, Národni-Galerie). Zeitweise arbeitete Brandl zusammen mit seinem Sohn Maximilian.

Brandstein, PhilippBrandin, Philipp

Braun von Braun, Matthias BernardBraun, Matthias Bernard

Braun, Christoph
(* 4.2.1767 Stuttgart † 12.11.1835 Stuttgart), Vergolder. Braun wurde 1802 zum Hofvergolder ernannt und betätigte sich außerdem als Spiegelhändler. Er führte Vergolderarbeiten im Neuen Schloss in Stuttgart (Stuttgart II) und in Schloss Ludwigsburg Krs. Ludwigsburg aus.

Braun, Hans
(tätig 1586-1590, + 1611). Seit 1601 fürstlicher Werkmeister in Württemberg. War zusammen mit Schickardt, Heinrich am Prinzenbau in Stuttgart beteiligt.

Braun, Matthias Bernard
(auch Braun von Braun). *25.2.1684 in Sautenz (Tirol), + 15.2.1738 in Prag. Böhmischer Bildhauer. Neben Ferdinand Maximilian Brokoff Hauptmeister der böhmischen Richtung der Barockskulptur, die auf heftig bewegte, ekstatische Figuren von leidenschaftlichem Pathos und einer unruhigen, bis zur Formauflösung durchwühlten Oberflächenbehandlung abzielt. Nach Lehrjahren in Italien kam Braun auf Einladung des Grafen Sporck um 1704 zu dessen böhmischen Gütern und liess sich seit ca. 1709 in Prag nieder, wo er es zu hohem Wohlstand brachte. Hauptwerke: "Die hl. Luitgard vor dem Gekreuzigten" (1710) nach einem Entwurf des Maler Brandl, Peter Johannes sowie Hl. Ivo, beide auf der Prager Karlsbrücke; Figuren für Portale, Treppenhäuser und Gärten der Prager Palais Clam-Gallas-Palais Prag, Czernin-Palast, Thun-Hohenstein-Palais; Wrtba-Palais, des Grosspriorats Prag u.a., Statuen und Beichstühle von St. Clemens in Prag (1716-21), Hauptaltar und überlebensgrosse Heiligenfiguren in der Piaristenkirche Litomysl (Leitomischl, auf 1717), Holzschnitzereien in der Marienkirche von Stará Boleslav (Altbunzlau, seit 1717) und in Horká (um 1728), Dreifaltigkeitssäule in Teplice (Teplitz-Schönau, 1718), Pyramidengrab für den 1723 gestorbenen böhmischen Kanzler Graf Schlick im Prager Veitsdom, Jagddenkmal für "Kaiser Karl VI." in Hlawenitz (nach 1724), Marmorbildnis Karls VI. (Brauns letztes Werk, verschollen). Die berühmtesten Werke sind die beiden im Auftrag des Grafen Storck entstandenen Zyklen für Schloss und Park Kuks (Kukus) in Nordböhmen: "Die Tugenden und Laster" auf der Terasse des Schlosses und vor allem die Landschaftsskulpturen in Bethlehem (1726-30), einem Wald bei Kuks, wo Braun "Geburt und Erscheinung Christi", den "Hl. Hubertus" und asketische, wild behaarte "Anachoreten" aus dem Fels schlug, in der Weise, als seien sie natürlich gewachsene Gestalten in Waldes- und Höhleneinsamkeit, die überraschend wie lebendige Menschen plötzlich auftauchen. In jüngster Zeit wird ein kleines Braun-Museum in den Konventsgebäuden des Kloster Kladruby (Kladrau) in Südböhmen eingerichtet.

Bregno, Antonio
Tätig zwischen 1425 und 1457 in Venedig. Der italienische Bildhauer der Frührenaissance stammte aus der Provinz Como. In Venedig war er Mitglied der Werkstatt von Giovanni Bono und Bartolomeo Bono. Als deren Mitarbeiter war er 1438-42 an der Porta della Carta und an anderen Stellen des Dogenpalast Venedig beschäftigt. Sein Hauptwerk ist das Grabmal des Dogen Francesco Foscari (+ 1457) in S. Maria Gloriosa dei Frari, das er zusammen mit seinem Bruder Paolo und mit Antonio Rizzo fertigte.

Breitenauer, Ignaz Alexander
* (getauft) 3.5.1757 in Eichstätt, +4.5.1838 in Eichstätt. Deutscher Bildhauer. Zuerst Schüler seines Vaters, des Bildhauers Joseph Anton Breitenauer, ging er 1774 nach Freising, dann nach Augsburg in die Lehre und begann schliesslich 1777 ein Studium an der Akademie der bildenden Künste in München bei Roman Anton Boos, nach dessen Entwürfen er im Nymphenburger Park die Figuren des "Apoll" und "Bacchus" sowie der "Diana" und "Ceres" ausführte. 1785 liess er sich in Eichstätt nieder und wurde dort Zeichenl

Bril, Paul
* 1554 in Antwerpen, + 7.10.1626 in Rom. Flämischer Maler und Kupferstecher, Bruder von Bril, Mattheus d.J., erhielt seine Ausbildung bei seinem Vater Bril, Mattheus d.Ä., verliess aber im Alter von 20 Jahren die Heimat und wanderte über Lyon nach Italien, wo er sich in Rom niederliess. Für die verschiedenen Päpste, die während seines Lebens regierten, schuf Bril Fresken in der Scala Santa, der Galleria Clementina und der Biblioteca Vaticana sowie im Rospigliosi-Palazzo und in der Caprarola. Nach dem Vorbild der Brüder Carracci in Bologna gründete er in Rom eine Werkstatt, aus der als sein Schüler Agostino Tassi hervorging, der später Lehrer Claude Lorrains wurde. Brils malerisches Werk, an dem wahrscheinlich auch Gehilfen und Schüler mitarbeiteten, ist umfangreich. Er pflegte die klassische "ideale Landschaft", wie in dem 1591 geschaffenen Bild "Waldlandschaft" (Florenz, Galleria degli Uffizi) oder der "Hirschjagd" (Paris, Musée National du Louvre). Es war Brils künstlerisches Verdienst, die traditionell robusten Formen der flämischen Malerei durch die weiche Fülle des italienischen Kolorits bereichert zu haben. Nach der Begegnung mit Adam Elsheimer, die wohl das Schaffen beider Maler befruchtete, wurden Brils durch intensive Verwendung des Helldunkels gekennzeichnete Bilder poesievoller. Für seine grossen Tafelbilder bevorzugte er, wi in "Venus und Adonis" (Toulouse, Musée des Augustins) und "Diana und Nymphen" (Paris, Musée National du Louvre), mythologische Themen oder auch, wie in "Versuchung des hl. Hieronymus" (Rotterdam, Museum Boymans-van Beuningen) und "Bekehrung des Paulus" (Mailand, Biblioteca Ambrosiana), religiöse Motive. Daneben schuf er hervorragende Miniaturen und Radierungen, u.a. von italienischen Landschaften. Einige seiner Stiche sind mit einer Brille - niederländisch bril - signiert.

Brill, PaulBril, Paul

Briseux, Charles Etienne
(1660-1754). Französischer Architekt und Theoretiker. Briseux baute in Paris (Quartier Montmarte) das Palais des Generalsteuerbevollmächtigten d`Augny (Augny-Palais). Seine Bedeutung verdankt Briseux seinen Architekturtraktaten: "L`Archtekture moderne...", 2 Bände, Paris 1728 (1754 2. Auflage); "L`Art de batir des maisons de campagne...", 2 Bände, Paris 1743; "Traite du beau essentiel dans les arts...", Paris 1752.

Brokoff, Ferdinand Maximilian
* 12.9.1688 in Rothenhaus (heute Červený Hrádek) bei Komotau (Chomutov), + 8.3.1731 in Prag. Bedeutender Barockbildhauer, Sohn von Brokoff, Johann, arbeitete zunächst in der Werkstatt seines Vaters, der auch sein Bruder Johann Josef Michael angehörte. Die entscheidenden Eindrücke erhielt er aber weder hier noch bei dem gelegentlich als Lehrer genannten Andreas Quittainer, sondern im Umkreis des Peter von Strudel in Wien. Die ersten ihm sicher zuzuweisenden Werke sind die Steinfiguren der Prager Karlsbrücke: "Franz von Borgia" (1710) und "Kajetan" (1709), "Ignatius von Loyola" und "Franz Xaver" (1710-11), "Vinzenz Ferrer" und "Prokop" (1712) folgten "Johann von Matha", "Felix von Valois" und "Iwan". 1714 schuf Brokoff auch die Plastiken des Morzin-Palais, die Statuen des Grabmals Vratislavs von Mitrovic in St. Jakob und die Statuengruppe "Johannes d. T." auf dem Malteserplatz, alle in Prag. Durch Johann Bernhard Fischer von Erlach und dessen Sohn, die ihn schon für das Vratislav-Grabmal herangezogen hatten, erhielt er Aufträge bis nach Wien und Breslau. In Breslau schuf er für die Kurfürstenkapelle die Marmorstatuen "Moses und Aaron" und Supraportenengel (1722), für die Elisabethkirche das Grabmal des Johann Georg von Wolff, für Wien den Entwurf der "Glorie des hl. Karl" (1728) in der Karlskirche. Die wichtigsten Spätwerke entstanden jedoch in Prag, und zwar ein Kalvarienberg und "Die vier Evangelisten" in der Galluskirche (um 1720) sowie die Mariensäule auf dem Burgplatz (um 1725). Titanische Figuren und ein zeitweilig derber Realismus kennzeichnen seinen Spätstil.

Brokoff, Johann
*1652 in St. Georgenberg, + 28.12.1718 in Prag. Slowakischer Bildhauer des Barock, Vater von Brokoff, Ferdinand Maximilian. Seine Lehrzeit absolvierte er vielleicht bei Matthias Rauchmüller oder bei Elias Räntz in Wien. Sein künstlerischer Aufstieg begann ab 1682 hauptsächlich mit Bauplastik und Gartenskulpturen für westböhmische Adelssitze. Wichtig wurde seine Arbeit am Gussmodel des "Hl. Johann von Nepomuk" für die Prager Karlsbrücke (ab 1682, heute in St. Johann am Felsen, Prag). Rauchmüller hatte 1681

Brongniart, Alexandre-Theodore
(1739-1813). Berühmter französischer Architekt des Klassizismus. Geboren in Paris. Schüler von Blondel, Jacques-Francois. Er machte sich 1765 selbständig, war bald erfolgreich, baute das Theater in Caen (zerstört) und das Hotel des Montesson Montesson-Hotel in Paris. Für seine Wohnbauten wählte er einen anmutigen, unpedantischen klassizistischen Stil, der in der Architektur das Gegenstück zu den Plastiken Clodions, der von Brongniart oft für Dekorationen herangezogen wurde, dargestellt (z.B. das ehemalige Conde-Hotel, Paris, 1781). Das Kapuzinerkloster an der Chaussee d`Antin (1789, heute Lycee Condordet, Umbau der Fassade 1864), zeigt eine strengere Auffassung; der Kreuzgang ist eine Kolonnade mit dorischen Säulen nach dem Vorbild Paestums. Sein letztes bedeutendes Werk war die Pariser Börse, ein angemessen grossartiger Bau im korinthischen Stil des kaiserlichen Rom (beg. 1807, 1895 verändert u. erweitert). 1804 wurde Brongniart mit der Anlage des Pariser Friedhofs Pere-Lachaise betraut; die Ausführung im Stil eines Englischen Gartens (Gartenbaukunst) gewann grossen Einfluss.

Bronzino, Angelo
(auch Angelo Tori). * 1502 in Monticelli bei Florenz, + 1563 in Monticelli). Italienischer Maler, bedeutender Vertreter des Florentiner Manierismus. Er arbeitete bereits sehr früh im Atelier Raffaellino del Garbos, seine eigentliche Lehre aber absolvierte er bei Jacopo Pontormo, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. 1522-25 malte er zusammen mit Pontormo in der Kartause in Galluzzo eine "Pieta mit zwei Engeln" und 1524-26 in der Cappella Capponi in S. Felicita in Florenz das "Tondo mit einem Ev

Brosse, Salomon de
(1571-1626). Geboren in Verneuil, wo Jacques Androuet Du Cerceau, sein Grossvater mütterlicherseits, das Schloss erbaut hatte. Auch sein Vater war Architekt. Um 1598 liess sich Brosse in Paris nieder; er wurde 1608 zum Baumeister der Krone ernannt. Anders als seine Verwandten Du Cerceau und sein Vorläufer Bullant fasste er die Baukunst als Gestaltung von plastischen Körpern auf, nicht nur als Oberflächendekoration. Dieser Sinn für Körperlichkeit kommt klar in dem von ihm erbauten Luxembourg-Palais (1613/14, im 19. Jh. erweitert u. verändert) und in den Schlössern von Coulommiers (1613) und Blerancourt, seinem wohl schönsten Bauwerk (1619) zum Ausdruck. Blerancourt erregte zu seiner Zeit grosses Aufsehen als freistehender, ringsum sichtbarer symbolischer Block. 1618 begann Brosse mit dem Bau des Palais du Parlament in Rennes (heute Justizpalast Rennes), dem er durch sein Gefühl für klar bestimmte Massen und für die Feinheiten klassischer Details grosse Vornehmheit verlieh. Die Fassade von St-Gervais-St-Protais in Paris (1616-21) stellt den Inbegriff des franz. barocken Klassizismus (Barock) dar; in ihm verbindet sich das Schema von Vignola, Giacomo Barozzi da von Il Gesu mit dem Stil des Mittelrisalits (Risalit) von Schloss Anet von Delorme, Philibert. Brosse war der bedeutendste Vorläufer von Mansart, Francois, dessen Stil er teilweise vorgweggenommen hat.

Brost, Heinrich
(*1894). Architekt. War am Bau von Breslau VII (Websky-Schlösschen) beteiligt.

Brown, CapabilityBrown, Lancelot

Brown, Lancelot
(auch Capability Brown). * 1715 in Kirkhall, + 6.2.1783 in London. Bedeutendster englischer Landschaftsarchitekt der Frühromantik. Beeinflusst durch die Landschaftsauffassung William Kents und die Kriterien der Schönheitslehre Edmund Burkes, vertrat Brown eine vorromanische, sensualistisch geprägte Ästhetik. In Ihrem Wesen sollte die Landschaft nicht auf Inhalte und Ideen verweisen, eine Orientierung an der klassischen, idealistischen Landschaftsmalerei vermied Brown. Im Gegensatz zu William Chambers entwarf er ein System natürlicher Elemente und unmittelbar sinnlich wirksame Gartenbilder. Die Beschaffenheit der Grundstücke bliebt weitgehend unverändert. Von diesen Möglichkeiten auszugehen, brachte ihm den Beinamen "Capability" (Möglichkeit) ein. Charakteristisch für seine Parkanlagen sind weite Wiesengründe mit leicht gewelltem Terrain, Baumgruppen und rahmende Waldgürtel mit Umgangsweg und wenigen Fernblicken. Er verzichtete auf Blumenbeete und Gartenarchitekturen, setzte aber Wasser als Hauptgestaltungsmittel ein. Bei fast allen grösseren Projekten legte er serpentinenförmige Seen mit kahlen Uferlinien in wellenförmigen Linien an. Nach seiner Überzeugung waren Gegebenheiten der Natur von ihren Fehlern zu befreien, die Natur in ihrer Naturhaftigkeit zu verbessern. Bei den Schlössern Blenheim Palace, Burghley House Stamford und Lougleat Palace zerstörte Brown wertvolle historische gärten des formalen Stils sowie viele Terrassenanlagen. In Mittelengland und Südengland gestaltete er für Hochadel und Kaufleute über 200 Landschaftsgärten. In London war er an der Gestaltung der Kensington Gardens (Kensington Palace) und des Hampton Court-Parks (Hampton Court Palace) massgeblich beteiligt. Sein Werk fand grosse Nachfolge, aber seine Rigorosität und gefühlsbetonte Ästhetik riefen im 19. Jh. scharfe Kritik und Ablehnung hervor.

Bruant, Liberal
(ca. 1635-97). Erbaute das Invalides-Hotel in Paris (1670-77), das wegen der römischen Würde seiner Arkadenhöfe hervorragt, ferner die höchst originelle Chapelle de la Salpetriere in Paris (um 1670-79) sowie die Kirche St-Louis des Invalides (1670-79). Kuppel und Nordportal wurden von J.H. Mansart vollendet. 1662 lieferte Bruant einen Entwurf für Schloss Richmond Castle in England. Auch der von Mansart völlig veränderte Entwurf zur Place Vendome stammte von Bruant. Er war ein hochbegabter Architekt, der niemals den verdienten Erfolg erlangte.

Bruce, Sir William
(1630-1710). Brachte den barocken Klassizismus (Barock) nach Schottland. Er erlangte nach der Restauration der Stuarts in England, für die er sich kräftig betätigt hatte, Ansehen, erhielt als Entschädigung für politsche Dienste 1660 ein einträgliches Hofamt und wurde 1671 zum königlichen Bauinspektor und Hofbaumeister für Schottland ernannt. Seine in Holyroodhouse (Holyrood Palace) in Edinburgh ausgeführten Erweiterungen (1671ff.) zeigen franz. Einflüsse, aber noch fehlte die geschulte Hand. Kinross House (1685) und Hopetoun House (1698-1702) in der Art von Pratt, Sir Roger sind besser gelungen.

Brüder von Limburg
(auch Malouel, Maelwarl, Maelweel), Paul (Pol), Herman (Hermant), Jan (Jehannequin, Johan of Hennequin). * um 1375/85 in Nimwegen, + 1416 in Bourges. Niederländisch-französische Miniaturmaler, schufen herausragende Werke der Buchmalerei zru Zeit des Weichen Stils, die als Vorstufen der Kunst der Brüder van Eyck gelten. Sie waren Söhne des Bildschnitzers Arnold von Limburg (* in Aachen) und dessen Frau Mechteld, einer Tochter des Malers Jean Malouel. Hermann und Jan kamen zu einem Goldschmied in die Lehre, wo sie bis 1399 blieben. In Gefangenschaft geraten und durch Philipp den Kühnen, Herzog von Burgund, 1400 freigekauft, traten sie anschliessend in seine Dienste. 1402 erhielten Paul und Jan den Auftrag, eine "très belle et notable Bible" zu illuminieren. Vermutlich arbeiteten die drei Maler nach dem Tod Phlipps (1404) für den Herzog Jean de Berry in Bourges und Paris. Paul von Limburg gilt als das Haupt der Künstlergemeinschaft, die in der Nachfolge des Hofmalers Jacquemart de Hesdin tätig war. Alle drei starben 1416 an einer Epidemie (Pest?) in Bourges. Als frühestes Werk gelten die Miniaturen einer Bible moralisée (Paris, Bibliothèque Nationale, Ms. fr. 166), vermutlich der Auftrag von 1402, worin Paul und Jan 384 Szenen zu Genesis und Exodus ausführten. Hauptwerke, an denen alle drei Brüder beteiligt waren, sind zwei kostbar ausgestattete Stundenbücher für Jean de Berry: "Les belles heures du Duc de Berry" (1405-08; früher Heures d´Ailly genannt; New York, Metropolitan Museum of Art, The Cloisters, Nr. 54.1.1) und "Les très riches heures du Duc de 65). Die zahlreichen Darstellungen sind nicht - wie üblich - durch Textspalten unterteilt, sondern fast ganzseitig. Höfischer Figurenstil, Komposition und das Verhältnis von Figur und Landschaft sind burgundischen Vorbildern - Melchior Broederlam oder Jaquemart de Hesdin -, aber auch der italienischen Trecentomalerei verwandt. Neu sind die gesteigerte Hinwendung zu naturalistischen Details und grössere Intimität (z.B. die Porträts des Herzogs auf folio 91 und 223v.). In schattenlosem lichtfarbigem Kolorit geht die Helligkeitsmodellierung von einem mittleren Buntwert aus und reicht selten bis ins Dunkle. In den "Très riches heures", wahrscheinlich 1413-16 entstanden, sind diese Ausdrucksmittel weiterentwickelt. Die Naturbeobachtung ist gesteigert, die leuchtenden, emailartigen Farben sind besonders kostbar. Das berühmte Kalendarium enthält u.a. auch als Vorstufe des Genrebildes Schilderungen des ländlichen Lebens. Das Stundenbuch wurde um 1485 durch Jean Colombe ergänzt. Der Einfluss der Brüder von Limburg auf die Entwicklung der niederländischen Tafelmalerei sowie auf die folgende Buchmalerei ist bedeutend (Turin-Mailänder Gebetbuch Jan van Eycks).

Brüllow, Alexander Pawlowitsch
* 21.11.(10.12.) 1798 in St. Petersburg, + 9.1.1877 in St. Petersburg. Russischer Architekt und Maler, studierte in den Werkstätten des Vaters, dann an der Kunstakademie. Er lebte 1822-26 in Italien, fertigte in Pompeji Kupferstiche von Rekonstruktionen der Thermen an. 1827 bis 1830 Aufenthalt in Paris und Rückkehr nach St. Petersburg. In seinen Bauten vereinigte Brüllow traditionell klassisch-russische mit pompeganischen und griechischen Elementen. 1834-39 erbaute er das Observatorium in Pulkowo bei St. Petersburg, 1837-43 das Stabsgebäude des Garderegiments auf dem St. Petersburger Schlossplatz und vollendete damit das von Rossi, Karl Iwanowitsch geschaffene Ensemble, 1833-38 schuf er die Lutheranische Kirche in St. Petersburg. Er leitete den Ausbau des Winterpalais St. Petersburg und des Neues Exerziershaus, den Umbau des Marmorpalais St. Petersburg und des Alexanderhospitals sowie die Beendigung des von Rossi, Karl Iwanowitsch begonnenen ehemaligen Michailow-Theaters. Bekannt wurden auch Brüllows Aquarelle, Ansichten der St. Petersburger Umgebung, seine Porträts von Zar Nikolaus I., Walter Scott, der neapolitanischen Königsfamilie u.a.

Brunelleschi, Filippo
Geboren 1377 Florenz - 15.4.1446 Florenz. Italienischer Architekt und Bildhauer; Sohn einer angesehenen florentinischen Notarfamilie. Einer der Begründer der italienischen Renaissancearchitektur. Im Gegensatz zu seinen Nachfolgern Alberti (Alberti, Leon Battista) und Michelozzo, ging es ihm weniger um eine Erneuerung der Antike als um Fragen der Baupraxis und der Raumbewältigung. Er hat mehr als irgendein anderer für die Formulierung der Gesetze der Linearperspektive (Perspektive) geleistet, und die Bemühung um die lineare Bewältigung des Raums hat auch sein Bauen geprägt. In Florenz geboren, begann Brunelleschi dort seine Laufbahn als Goldschmied und Bildhauer, wurde 1398 Mitglied der Arte della Seta, arbeitete dann für einen Goldschmied in Pistoia (Silberaltar im Dom von Pistoia, c. 1399) und beteiligte sich 1401-02 am Wettbewerb für die zweite Bronzepforte des Baptisteriums in Florenz, aus dem aber Ghiberti, wenn auch nur mit knappem Vorsprung, siegreich hervorging. Kurz nach 1402 besuchte Brunelleschi mit Donatello erstmals Rom, um antike Skulpturen zu studieren, arbeitete auch noch eine Zeitlang als Bildhauer weiter, richtete aber allmählich seine Aufmerksamkeit ausschliesslich auf die Baukunst. 1404 wurde er in die Goldschmiedezunft als Meister aufgenommen; im selben Jahr wurde er um ein Urteil über einen Strebepfeiler im Dom von Florenz gebeten. 1415 setzte er den Ponte al Mare in Pisa wieder instand; 1417 gab er ein Gutachten über die geplante Kuppel des Doms von Florenz ab. 1418 beginnt die Kette seiner grössten Werke in Florenz: eine Kapelle mit Kuppen in S. Jacopo supr`Arno (zerstört), die Barbadori-Kapelle in S. Felicita (teilweise zerstört), der Palazzo die Parte Guelfa (stark verändert, das Urbild des Frührenaissance-Palastes) und S. Lorenzo. Während diese Bauten voranschritten, nahm er 1420 den Bau seines Meisterwerkes, der Domkuppel, in Angriff und 1421 den Bau des Findelhauses. In S. Lorenzo begann Brunelleschi zuerst mit der Alten Sakristei (1428 vollendet), einem Raumkubus, der von einer eleganten Kuppel mit schmalen, von der Laterna ausstrahlenden Rippen überwölbt wird. Er nannte dieses Schirmgewölbe "a creste e vele", eine treffende Charakterisierung, da die Decke den Eindruck aufgespannter Segel erweckt (Gewölbe). Der Innenraum ist weiss gehalten, die wichtigsten Bauteile sind durch klare Bänder grauer "pietra serena" nachgezeichnet, ein sehr eindrucksvolles, hier erstmals angewendetes Dekorationsprinzip. Die Kirche selbst entwarf Brunelleschi als Basilika mit kurzen Querschiffen und sich zu den Seitenschiffen hin öffnenden Kapellen. Seine Vorbilder suchte er weniger im Rom der Kaiserzeit als in der toskanischen Romanik des 11.-12. Jhs., der sogen. Protorenaissance. Den Bau der Domkuppel sollte er ursprünglich wohl gemeinsam mit Ghiberti durchführen, der sich jedoch nach und nach zurückzog. Die Kuppel mit den elegant geschwungenen hellen Rippen, die steil dem Mittelpunkt in der Höhe zustreben, zeigt noch gotische Züge, aber bautechnisch gehört sie mit dem römischen Fischgrätenverband der Renaissance an. Der Rohbau wurde 1436 festiggestellt und ein weiterer Wettbewerb für die Laterne ausgeschrieben, den diesmal Brunelleschi allein gewann. Sein Vorschlag war das herrliche Marmorokotogon (Oktogon), wohl im doppelten Sinne die Krönung der ganzen Komposition. 1438 fertigte er dann noch die Entwürfe für die halbkreisförmigen Anbauten innerhalb des Tambours mit korinthischen Doppelsäulen und Nichen mit muschenförmigem Abschluss. Das Findelhaus in Florenz (1419 entworfen, 1421-44 erbaut) wird häufig als das erste im Renaissancestil errichtete Bauwerk bezeichnet. Die Fassade zeigt im Erdgeschoss einen offenen Arkadengang mit sehr schlanken korinthischen Säulen und blau-weiss glasierte Terrakotta-Medaillons in den Bogenzwickeln (Zwickel); im Obergeschoss Giebelfenster jeweils über dem Scheitelpunkt einer Arkade. Die weiten Säulenabstände weisen auf toskanische Bauwerke des 11.-12. Jhs. hin, die Einzelheiten jedoch sind eher römisch. Der Eindruck eines von der Antike inspirierten Gebäudes wäre wohl noch stärker, wenn nach Brunelleschis Wünschen ähnliche Gebäude auch an den anderen beiden Seiten des Platzes errichtet worden wären, so dass sich vor SS. Annunziata ein Froum gebildet hätte. 1429 begann Brunelleschi mit dem Bau der Pazzi-Kapelle im Klosterhof von S. Croce in Florenz. Der Grundriss ist komplexer als der der Alten Sakristei von S. Lorenzo; eine Vorhalle im Verhältnis 1:3, der Hauptraum im Verhältnis 2:3, ein quadratischer Chor. Die Innendekoration ist hier entschiedener als in San Lorenzo, mit kräftigen Halbkreisbögen in "pietra serena", korinthischen Pilastern und glasierten Terrakottareliefs in den Gewölbezwickeln. Die merkwürdige Fassade erinnert mehr an die Tribuna einer römischen Basilika als an den Portikus eines römischen Tempels: schlanke korinthische Säulen tragen ein niederes Obergeschoss, das durch kreuzartig gegliederte Felder zwischen Doppelpilastern belegt wird. Anscheinend sollte diese von der Seite her betrachtet zu leicht wirkende Konstuktion ursprg. ringsum geführt werden. 1433 ging Brunelleschi erneut zum Studium der Antike nach Rom. Die unmittelbare Auswirkung zeigt S. Maria degli Angeli in Florenz, die von all seinen Bauten der Antike am stärksten verpflichtet ist, wenn auch unglücklicherweise die Arbeiten nach dreijähriger Bauzeit eingestellt wurden und nur die Mauern des Erdgeschosses erhalten sind. S. Maria degli Angeli ist die erste Kirche der Renaissance mit völlig zentraler Komposition, mit einem von acht Kapellen umschlossenen oktogonalen Zentralraum und einer sechzehnseitigen Aussenwand, an der Flächen mit Nischen alternierend. Für S. Spirito (beg. 1436) in Florenz kehrte Brunelleschi zum basilikalen Grundriss in Form eines lateinischen Kreuzes zurück, betonte aber durch die umgangartige Führung der Seitenschiffe um drei Seiten (der westliche Teil wurde nicht fertiggestellt) die Raummitte. Auch hier herrschen klare Proportionen, eine Anordnung von Würfeln und Doppelwürfeln, die das Gefühl ruhiger Ausgewogenheit erzeugt, das den Renaissancearchitekten so sehr am Herzen lag. Die klassische Ornamentierung ist korrekt und kraftvoll, wenn auch manchmal in unorthodoxer Weise durchgeführt. Von den Brunelleschi zugeschriebenen Bauten sei besonders der Mittelteil des Palazzo Pitti in Florenz erwähnt, den er kurz vor seinem Tod entworfen haben könnte. Obwohl säulenlos, ist er deutlich ein Frührenaissancebau mit seiner schweren Rustizierung (Rustika) nach römischem Vorbild und den auf einfachen Zahlenverhältnissen beruhenden Proportionen. Brunelleschi wurde fast zufällig der erste Renaissancearchitekt. Sein Interesse an der römischen Baukunst entsprang mehr technischen als ästhetischen Erwägungen. Er war ein Praktiker, der instinktiv Ideen aufgriff, die dann von seinen Nachfolgern weiterentwickelt wurden. Vielleicht ist es sein grösstes Verdienst, das er die Baukunst der Frührenaissance davor bewahrt hat, sich in gelehrter Pedanterie und Nachahmung zu erschöpfen.

Brunsberg, Hinrich
* um 1350 vermutlich im Deutschordensland, + nach 1428 vieileicht in Stettin. Deutscher Architekt der Spätgotik. 1372 erwarb er in Danzig das Bürgerrecht. Zwischen 1400 und 1428 ist er in Stettin nachzuweisen. Nach einer Bauinschrift von 1401 an der Marienkapelle der Brandenburger Katharinenkirche ist er deren Architekt. Stilistisch zugeschrieben werden ihm die Pfarrkirche von Strasburg (um 1370), der Chor der Marienkirche in Stargard (um 1400) und der Hallenchor von St. Marien in Königsberg (Neumark) (1389-1407). Ein typisches Merkmal seines Stils sind von spitzen Wimpergen bekrönte Paare von Figurennischen - oft dreifach übereinander angeordnet - an den eingezogenen Strebepfeilern, deren Vorbilder die Wandpfeiler im Kreuzgang der Marienburg i. Westpreussen (2. Viertel 15. Jh.) darstellen. Der kleinteilige Strebepfeilerdekor ist aufschlussreich für die Zierfreude seines Stils und einzigartig innerhalb der Backsteingotik seines Umfelds. In Diensten des märkischen und mecklenburgischen Stadtbürgertums erreichst seine Architektur im Bereich des Dekorativen, der Chorgestaltung und Wölbkunst einen Hans Stethaimer d.Ä. in Süddeutschland vergleichbaren Rang. Das belegt sein Hauptwerk, die Brandenburger Katharinenkirche (1387-1411), wo im Chorpolygon eine Art zweiter Umgang gebildet wird, die wohl eindrucksvollste Lösung unter den nordischen Umgangschören der Zeit.

Bryaxis
Griechischer Bildhauer, tätig seit dem 2. Viertel des 4. Jh. bis zu dessen Ende. Sein plastischer Stil trägt Züge des Übergangs von der Spätklassik zum Frühhellenismus, der sich durch ein neues, ausgreifendes Verhältnis der Figur zu ihrem Umraum ausdrückt. Sein Name und der Standort vieler seiner nur in antiken Schriftquellen überlieferten Werke lassen auf karische Herkunft (südwestliches Kleinasien) schliessen. Er war einer der vier Künstler, die die plastische Ausgestaltung des zu den sieben Weltwundern zählenden Mausoleums von Halikarnassos übernommen hatten. Möglicherweise ist die Statue des Herrschers Maussollos, heute im British Museum in London, sein Werk. Mehrere Platten des Nordfrieses an diesem Bauwerk, die den Kampf Zwischen Griechen und Amazonen darstellen, wurden ihm zugeschrieben. Eine Dreifussbasis aus Athen trägt seine Signatur. Von einigen seiner berühmten, nur schriftlich erwähnten Götterstatuen ist ihm zumindest das Bildnis des Sarapis auf Grund mehrerer römischer Kopien zuzuschreiben. Des weiteren gehört ein Porträt des Seleukos Nikator zu seinem Werk.

Bulfinch, Charles
(1763-1844). Amerikanischer Architekt aus wohlabender, kultivierter Bostener Familie, promovierte in Havard und machte auf Empfehlung Jeffersons (Jefferson, Thomas) 1785 eine Studienreise nach Europa. Seine Hauptwerke sind das Beacon Monument in Boston (1789) in Form einer 18 m hohen dorischen Säule; das State House in Hereford, Connecticut (1792), das State House (1793-1800) und Court House (1810) in Boston. Es waren wohl die würdigsten öffentlichen Gebäude jener Zeit in Amerika. In Boston wurden ausserdem unter Bulfinchs Leitung eine ausgedehntes Strassennetz geplant und nach Londoner Muster Häuserreihen mit einheilticher Fassade gebaut. Seine Bostoner Sakralbauten (Holy Cross, 1805; New South Church, 1814) wurden durch Wren, Sir Christopher, seine Profanbauten durch Chambers und Adam (Adam, Robert) beeinflusst. 1817-30 war er mit Arbeiten für das Kapitol in Washington betraut.

Bullant, Jean
(Geb. um 1510/15 Amiens (?) - 13.10.1578 Ecouen. Vermutlich war sein Vater Jean Bullant d. Ä. Werkmeister der Stadt Amiens). Französicher Architekt und Theoretiker, arbeitete anfangs in einem klassischen Stil in Anlehnung an Delorme, Philibert und die Antike (er hatte Rom ca. 1535-37 besucht), eignete sich dann aber schnell die komplexere Formensprache des Manierismus an und zeigte in seinem Spätwerk für Katharina von Medici eine Phantasie, die sich mit der seines Rivalen Du Cerceau vergleichen lässt. Nach dem Italienaufenthalt trat er in den Dienst des Connétable Anne de Montmorency ein, in dessen Auftrag er die Schlösser Fère-en-Tardenois, Ecouen und Chantilly vollendete. Eine seiner frühen Arbeiten, neben dem Schloss Fere-en-Tardenois (ca. 1537-40) der Ausbau des Schlosses in Ecouen, zeigt die ihm eigene Sorgfalt in den klassischen Details und sein ebenso typisches Missverstehen ihres Sinnes, wie z.B. die im höchsten Masse unklassische Anwendung kolossaler Säulenordnungen (Kolossalordnung) Manier. Züge von überzeugender Wirkung finden sich in seiner Galerie, die auf einem Viadukt errichtet ist (in Fere-en-Tardenois, 1552-62) und im Petit Chateau von Chantilly (um 1560). Nach dem Tode des Connétable (1567) arbeitete Bullant für Katharina von Medici: 1571 schuf er den südliche Pavillon der Tuilerien, 1573 das Hôtel de Soissons. Von seinen für Katharina de`Medici ausgeführten Arbeiten haben nur die Anbauten von Chenonceaux überlebt (1560) - der Westflügel des Vorhofs und die Grande Galerie auf der Brücke (um 1576). Heinrich II. betraute Bullant 1571-74 mit den Bauten von Fontainebleau und Chambord, 1574-78 mit der Kapelle Vincennes, 1572-78 mit der Weiterführung des Baus der Grabkapelle der Valois in St. Denis, gen. Notre-Dame-la-Ponele (heute abgerissen). Er verwendete als erster die Kolossalordnung in Frankreich und passte die antiken Säulenordnungen der zeitgenössischen Baukunst an. Von seinen theoretischen Schriften haben besondere Bedeutung die "Règle générale d'Architecture" (1564/68; Allgemeine Richtlinien für die Baukunst) und "Peti Traicte de Geometrie" (1564)..

Bullet, Pierre
(1639-1716). Schüler von Blondel, Nicolas-Francois, arbeitete anfangs in der klassisch-akademischen Tradition und entfaltete erst gegen Ende seiner Laufbahn in den Hotels des Crozat und d`Evreux (heute Hotel Riz) an der Place Vendome in Paris (1699-1707) einen persönlichen Stil. Die auf unregelmässigen Eckplätzen errichteten Bauten lassen in Form und Anordnung der Räume bereits die Zwanglosigkeit und Phantasie des beginnenden Rokoko ahnen. Von seinen zahlreichen Adelspalästen seien noch das Hotel Jabach (1669), Hotel Pelletier de Saint Fargeau (1686), beide in Paris, sowie das Schloss Issy (1698, 1870 zerstört) genannt. Als Theoretiker verfasste Bullet die Schriften: "Traite sur l`usage du pantometre" (1675) und "L`architecture practique (1691), beide in Paris erschienen.

Bunel, Jacques
* 1558 in Blois, + 1614. Französischer Maler. Er war ein typischer Vertreter der "zweiten" Schule von Fontainebleau, in der der flämische Einfluss gegenüber dem italienischen Manierismus Bedeutung gewann.Er wurde von Heinrich IV. sehr geschätzt, doch ist sein Werk im wesentlichen unbekannt. Er malte für die Kapuzinerkirche zu Blois und für St-Severin in Paris und arbeitete gemeinsam mit Toussaint Dubreuil an der Ausmalung der dann 1661 ausgebrannten Petite Galerie, der heutigen Apollon-Galerie des {Louvre-P

Buon, Bartolomeo di GiovanniBuon, Giovanni di Bertuccio

Buon, Giovanni di Bertuccio
(Bon, Bono, Buono). Giovannie di Bertuccio (ca. 1382-1442) und Bartholomeo di Giovanni (gest. 1464). Vater und Sohn, die führenden Bildhauer und Baumeister des frühen 15. Jh. in Venedig. Von ihnen ist bekannt, dass sie u.a. an der Kirche Madonna dell`Orto (1392), an der Ca`d`Oro 1427-34), am Palazzo Barbero a S. Stefano und an der Kirche und Scuola Grande von S. Maria di Misericordai gearbeitet haben. Ab ca. 1426 wurden sie zu grossen Umbaumassnahmen am Dogenpalast herangezogen, so an der Porta della Carta (1438 bis 42). Bartolomeo war vermutlich allein mit Pantaleone am Bau des Arco Foscari beteiligt; wahrscheinlich haben sie sowohl die Pläne als auch die Bildhauerarbeiten ausgeführt.

Buon, Giovanni di Bertuccio
(auch Bon oder Bono). + 1442 in Venedig. Italienischer Bildhauer und Architekt, Vater des Buon, Bartolomeo d.Ä. di Giovanni, 1382 zum ersten Mal als "Joannis bon lapicide" bezeugt. 1422 übernahm er zusammen mit seinem Sohn Steinarbeiten an der Ca` D`Oro. Ab 1426 wurden Giovanni und Bartolomeo zu den Umbauarbeiten am Dogenpalast Venedig herangezogen. 1437 schloss er mit der Scuola Grande di S. Marco einen Vertrag zum Bau eines Portals ab. 1438 begann er, wiederum mit seinem Sohn, den Neubau der Porta del

Buonarrotti, MichelangeloMichelangelo

Buonfigli, BenedettoBonfigli, Benedetto

BuonoBuon, Giovanni di Bertuccio

Buontalenti, Bernardo
(ca. 1536-1608). Florentinischer Architekt, Maler und Bildhauer des Manierismus, hatte auch die künstlerische Leitung über Maskenspiele, Feuerwerke (daher sein Spitznahme "della Girandole") und andere Lustbarkeiten am grossherzoglich-toskanischen Hof. Sein Stil ist verfeinerter und eleganter als der seines Zeitgenossen Ammanati, Bartholomeo, es sei z.B. auf die phantastischen "trompe-l`oeil"-Stufen zum Chor in S. Stefano (1574-76), die höchst originell gestaltete "Porta delle Suppliche" in den Uff

Burckhardt, Jacob
* 25.5.1818 in Basel, + 8.8.1897 in Basel. Schweizer Kunsthistoriker und Kulturhistoriker. Entscheidende Anregungen empfing er während seines Studiums in Berlin und Bonn (1839-42) durch die Historiker Leopold von Ranke und Johann Gustav Droysen sowie den Kunsthistoriker Franz Kugler. 1844 erhielt er in Basel eine Privatdozentur, 1845 wurde er ausserordentlicher Professor. 1846 ging er nach Berlin, um Kuglers Handbücher der Kunstgeschichte zu überarbeiten, und lehrte seit 1848 wieder in Basel. Sein erstes grösseres Werk, "Die Zeit Konstantins des Grossen" (1852) setzte sich mit der Übergangsepoche von der Antike zum Frühchristentum auseinander. Als Burckhardt 1853 seine Stellung in Basel verlor, schrieb er einen Reiseführer neuer Art über Italien, den "Cicerone" (in 3 Bänden 1855 erschienen). Sein bedeutendstes Werk war "Die Kultur der Renaissance in Italien" (1860), 1867 folgte "Die Geschichte der Renaissance in Italien", die sich in grossen Zügen der Architektur widmet, 1898 "Erinnerungen an Rubens", in denen Burckhardt seine starke Ablehnung des Barock als Verfallskunst zum Teil revidierte. Charakteristisch für seine Denkweise war es, Kunstwerke als geschichtliche Dokumente zu sehen, die er mit politischen, kulturellen und religiösen Faktoren verbunden glaubte, zugleich aber auf einer normativen Klassik als Wertmassstab zu bestehen. Kunst und Kultur der Hochrenaissance galten ihm ebenso wie die griechische Klassik als Goldenes Zeitalter (so auch in den posthum erschienenen "Weltgeschichtlichen Betrachtungen"). Burckhardt hatte grossen Einfluss auf die folgende Kunstgeschichtsschreibung.

Burges, William
(1827-81). Englischer Architekt, arbeitete nach Abschluss seiner Ingenieurausbildung in den Büros von Blore und M.D. Wyatt, reiste in Frankreich, Deutschland und Italien. Er studierte und verwandte in gleicher Weise franz. wie engl. Formen der Gotik. 1856 gewann er mit Henry Cluton (1819-93) den Wettbewerb für die Kathedrale von Lille, doch wurde der Auftrag nicht an sie vergeben. 1859 baute er den Ostabschluss von Waltham Abbey, wo sich zum erstenmal die ungewöhnliche Massivität und Schwerfälligkeit seiner Details zeigte. Er liebte überreiche Bauplastik und zeigte weniger Interesse an Sakralbauten als die anderen führenden Architekten des Gothic Revival. Seine Hauptwerke sind die Kathedrale von Cork (1862-76), in reiner Nachahmung frz. Hochgotik; der grosse Erweiterungsbau für Cardiff Castle (1865); die Neugestaltung von Castle Coch bei Cardiff (ca. 1875); die Aula 5 von Harrow School (1872) und sein eigenen Haus in der Melbury Road in Kensington, London (1875-80). Auch das Hertford College, Connecticut, wurde nach seinen Plänen erbaut (1873-80).

Burgkmair, Hans
1473 Augsburg - 1531 Augsburg. Deutscher Maler, Zeichner für den Holzschnitt. Sohn des Malers Thoman Burgkmair, lernte 1488/90 bei M. Schongauer und war seit 1491 in Augsburg tätig. Nach einer Italienreise verband er erstmals Italienisches (Renaissancearchitekturen und -ornamente, venezianische Farbigkeit) mit traditioneller deutscher Malweise. Er vervollkommnete den Farbholzschnitt (Bildnis "Hans Paumgartner", 1512) und war an den künstlerischen Unternehmungen Maximilians I. beteiligt: "Genealogie" (15

Burlington, Richard Boyle
Dritter Earl of (1694-1753). Förderer und Hauptverfechter des englischen Palladianismus, dabei selbst begabter Architekt. 1714-15 war er zum erstenmal in Italien, doch wandte er sich erst nach seiner Rückkehr in London Palladio, Andrea zu und zwar gleichzeitig mit der Veröffentlichung von Campbells (Campbell, Colen) "Vitruvius Britannicus" und die Edition von Leoni, Giacomo "Four Books of Architekture" von Palladio, Andrea. Lord Burlington ersetzte den bisherigen Architekten für Burlington House

Burnacini, Locovico
(auch Ludovico). * 1636 in Mantua, + 12.12.1707 in Wien. Italienischer Bühnenbildner und Architekt in der bedeutendsten Epoche des Barocktheaters. Seit 1651 als Gehilfe seines Vaters, des Theateringenieurs Giovanni Burnacini, am Wiener Hof, entwickelte er nach dessen Tod den in florentinisch-venezianischer Tradition von Giulio Parigi und Giacomo Torelli stehenden Stil in 115 Inszenierungen weiter. Eine der bedeutendsten ist die Huldigungsoper "Il Pomo d`Oro" aus Anlass der Hochzeit Leopolds I. mit Margher

Burton, Decimus
(1800-81). Englischer Architekt, Sohn von James Burton (1761-1846), einem erfolgreichen Londoner Bauunternehmer. Schon 1823 entwarf Burton, Decimus das Kolosseum im Regent`s Park, mit einem dorischen Portikus und einer Kuppel welche die der St. Paul`s Kathedrale in London an Grösse übertraf. Es beherbergte ein Panorama von London. 1825 begann er mit den Verschönerungsbauten für den Hyde Park, unter ihnen Hyde Park Corner Screen. Er baute auch verschiedene Wohnsiedlungen, die Stadt Fleetwood, die grossen Palmenhäuser in den Parks von Chatsworth (zusammen mit Paxton, Sir Joseph) und Temperate House in Kew (1845-48, zusammen mit R. Turner), viele Villen (mehrere in Regent`s Park), den Athenaeum Club in London (1829-30) und eine Anzahl von Landhäusern.

Busch, Johann Joachim
* 18.9.1720 in Schwerin, + 27.12.1802 in Plau (Mecklenburg). Deutscher Architekt. Bedeutende Bauten in der 1764 unter Herzog Friedrich von Mecklenburg-Schwerin neu gegründeten Residenzstadt Ludwigslust. Ab 1758 war Busch mit der Stadtanlage beschäftigt. 1765-70 entstand nach seinen Plänen die Hofkirche, 1772-76 der Neubau des herzoglichen Schlosses Ludwigslust II. Die hervorragende Massengliederung des Schlosses in Mittelrisalite und Eckrisalite an der stadtseitigen Front sowie die raumgreifende Auflösung des Baukörpers auf der Gartenseite in zwei Seitenflügel und einen weit vorgeschobenen Mittelteil machen zusammen mit den eher nüchtern-trockenen Einzelformen diesen Bau zu einem repräsentativen Beispiel für den Übergang spätbarocker Stilprinzipien zum Klassizismus.

Butinone, Bernardino
* vermutlich vor 1436 in Treviglio an der Adda, + nach 1507. Oberitalienischer Renaissancemaler, Schüler Vincenzo Foppas. Seine Hauptwerke entstanden in enger Zusammenarbeit mit dem 1436 ebenfalls in Treviglio geborenen Bernardo Zenale: 1485-88 das "Marien-Polyptychon" von S. Martino in Treviglio und 1492-93 die Fresken der Kapelle Grifi in S. Pietro in Gessate bei Mailand. Aus seinem Schreiben vom 9.12.1490 geht hervor, dass er mit vielen anderen Künstlern zur Ausschmückung des Sforzesco-Castello nach Ma

Bys, Johann RudolfByss, Johann Rudolf

Byss, Johann Rudolf
(auch Bys). *(getauft) 11.5.1662 in Chur, + 11.12.1738 in Würzburg. Schweizer Tafelmaler und Freskant, Sohn des Solothurner Malers Franz Josef Byss, der ihm wahrscheinlich den ersten Unterricht erteilte. Johann Rudolf Byss war ein vielseitiger Künstler, der Tafelbilder - vor allem Stilleben -, Wandbilder und Deckenbilder sowie verschiedenartige kunstgewerbliche Entwürfe schuf. Ornamentale Gestaltungsweise und genaue Detaildarstellung kennzeichnen seine Werke. Ein in Würzburg erhaltenes Skizzenbuch diente ihm als Vorlagensammlung. Zwischen 1680 und 1688 war er in Deutschland, England und Holland, vielleicht auch in Italien auf Wanderschaft. 1689 in Prag, wurde Byss Hofmaler des Grafen Czernin, heiratete und erwarb 1692 das Bürgerrecht. Er lebte dort bis 1713. Seine in Prag geschaffenen Blumenstilleben und Jagdstilleben zeigen deutlich holländischen Einfluss. Im Stracka-Palais malte er um 1700 mythologisch-allegorische Wandbilder und Deckenbilder in Temperatechnik. 1704 ging er nach Wien und erhielt bedeutende Aufträge, so die Ausmalung des Audienzsaales der Hofburg Wien (zerstört). 1707 ist er auf einer Italienreise in Rom bezeugt. 1713 berief Kurfürst Franz Lothar von Schönborn Byss an seinen Hof. Für ihn malte Byss sein bedeutendstes Werk, das allegorische Deckenbild von 1717 im Treppenhaus von Schloss Weissenstein Pommersfelden. Von 1729 an beteiligte Friedrich Karl von Schönborn Byss an der dekorativen Ausstattung seiner Residenz Würzburg I (Spiegelsaal 1737) und übertrug ihm u.a. die Ausmalung der Schönbornkapelle am Dom und der Hofkirche (zwischen 1732 und 1735), die er in römisch-bolognesischer Quadraturmalerei.