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106 Person(en) gefunden.

Dadophoren
Die fackeltragenden Genien Cautes und Cautopates im Mithraskult.

Dalmatinac, Juraj
(auch Giorgio da Sebenico; eigentl. Juraj Orsini). * ? in Zadar, + 1475 in Ancona. Dalmatinischer Baumeister und Bildhauer zwischen Spätgotik und Frührenaissance, arbeitete zunächst in der Werkstatt der Gebrüder Buon, zweier Repräsentanten der Gotik in Venedig. Prägend für seine Architektur waren Kontakte mit Künstlern der Renaissance, wie z.B. Luciano Laurana. Nach Dalmatien wurde er 1441 für den Weiterbau der Kathedrale Sv. Jakov in Sibenik gerufen, wobei er dass Querschiff, den Chor, die Sakristei errichtete und den Innenausbau der Kuppel durchführte. Als Bildhauer entwarf Juraj Dalmatinac Plastiken der Taufkapelle, die Apostelstatuen am Seitenportal und den berühmten Kranz mit 74 Köpfen an der Aussenwand der Apsis. In seiner starken realistischen Darstellungsart erkennt man charakteristische Gesichtsausdrücke der dalmatischen Bürger. In die Kathedrale von Split baute Juraj Dalmatinac 1448 die Kapelle Sv. Stasa mit dazugehörigem Sarkophag und Ziborium ein. In Dubrovnik arbeitete er an der Restaurierung des Fürstenpalais Dubrovnik und der Vollendung des Turms Mincete (Dubrovnik). Aufträge in Ancona führten ihn endgültig nach Italien zurück. Dort schuf er 1452 die Loggia dei Mercanti, 1458 das Relief für die Kirche S. Augustine und das monumentale Portal der Kirche S. Francesco delle Scale.

Dame, Luis
Architekt. Beteiligt am Bau von Schloss Michałkowice.

Danae
Tochter des Königs Akrisios von Argos und der Eurydike. Geliebte des Zeus (Jupiter). Danae wird von Malern häufig liegend dargestellt, während Zeus (Jupiter) sich ihr in Gestalt eines feinen Goldregens oder einer Goldwolke nähert.

Dance, George
(1741-1825). Architekt des Mansion House in London (1739-52). Seine Frühwerke sind ebenso selbständig wie fortschrittlich und deuten die Möglichkeit an, dass Dance Kenntnis von den avantgardistischen Entwürfen seiner französischen Zeitgenossen Ledoux, Claude-Nicolas und Boullee hatte, da er wie sie die architektonischen Elemente eher als ein Ausdrucksmittel denn als Glieder einer abstrakt-geometrischen Komposition auffasste. Nach seiner Rückkehr baute er zuerst in einem äusserst strengen und gedämpften Klassizismus die Kirche All Hallows, London Wall (1765-67). Darauf folgte sein kühner, phantasievoller Entwurf für Newgate Prison in London (1769-78, zerstört), der selbständigste und dramatischste Bau dieser Epoche in England. Einige seiner Spätwerke nehmen bereits den Stil von Soane, Sir John vorweg, so z.B. die Council Chamber der Londoner Guildhall (1777, zerstört), deren Kuppen mit den von der verglasten Mittelöffnung strahlenförmig ausgehenden feinen Linien einem offenen Fallschirm glich; oder die Bibliothek in Lansdowne House in London (1792, von Smirke, Sir Robert vollendet) mit einer indirekten Lichtführung durch die Fenster, die in den mit Halbkuppeln (Kuppel) überwölbten Exedren (Exedra) an den Enden des langen flachgewölbten Raumes verborgen waren. Nach der Jahrhundertwende wurde sein Stil in wachsendem Masse strenger, und Stratton Park und das College of Surgeons in London (1806-13) weisen bereits auf das Greek Revival von Smirke, Sir Robert und Wilkins hin. Sein eigentlicher Nachfolger war jedoch sein Schüler Soane, Sir John.

Daniel, Georg
Steinmetz aus Glatz. Mitarbeit an Schloss Neudeck Krs. Glatz.

Daniele da Volterra
(eigentl. Daniele Ricciarelli). * 1509 in Volterra, + 4.4.1566 in Rom. Italienischer Maler und Bildhauer, Manierist. Er erhielt seine künstlerische Ausbildung in Siena, wo er zunächst in der Werkstatt Sodomas lernte. Anklänge an die Bildgestaltung und Farbgebung Sodomas sind besonders im Fresko der "Justitia" für den Podesta-Palazzo Volterra (um 1532, heute Volterra, Pinacoteca Comunale) erkennbar. Ab 1535 war Daniele in Rom ansässig, wo er anfänglich mit Pierino del Vaga zusammenarbeitete und auch bald i

Danti, Vincenzo
* 1530 in Perugia, + 26.5.1576 in Perugia. Italienischer Bildhauer, Goldschmied, Maler, Architekt und Kunsttheoretiker des Manierismus, auch Dichter. Er erlernte bei seinem Vater und später in Rom die Goldschmiedekunst und wurde 1548 in die Zunft der Peruginer Goldschmiede aufgenommen. 1553-55 war er massgeblich am Guss der bedeutenden Bronzestatue "Papst Julius III." beteiligt, die unter der Domloggia in Perugia aufgestellt wurde. Spätestens seit 1557 hielt er sich am Hof Herzog Cosimos I. in Florenz auf

Daphne
Tochter des Flussgottes Peneios. Die von Apoll geliebte Nymphe wird häufig in dem Augenblick gezeigt, in dem sich ihre Verwandlung in einen Lorbeerbaum vollzieht.

Davis, Alexander Jackson
(1803-90). Amerikanischer Architekt, geb. in New York, arbeitete als Zeichner bei Ithiel Town (1784-1844), dessen Partner er 1829 wurde. Schon 1827 baute er das Connecticut State Capitol mit einem dorischen Portikus. Die beiden entwarfen gemeinsam Parlamentsgebäude desselben Typus für weitere Bundesstaaten (Indiana, 1831; North Carolina, 1831; Illinois, 1837; Ohio, 1839). Sie gehören zu den eindruckvollsten amerikanischen Bauwerken des Greek Revival. Davis konnte auch im gotischen Stil der englischen Universitäten (die Universität von New York, Washington Sqaure, 1832) und anderen gotischen Versionen bauen und war gewandt im Villenbau.

Davud, AgaDavut, Aga

Davut, Aga
(gest. 1598/99). Auch Davud, Aga. Osmanischer Architekt der 2. Hälfte des 16. Jhs. Davut war über viele Jahre neben Mehmet, Tahir Aga Schüler, Mitarbeiter und für kurze Zeit auch Nachfolger des berühmten türkischen Architekten Sinan. Bis 1585 kann seine Tägigkeit parallel zu der von Sinan angenommen werden, u.a. die Mitwirkung an der grossen Selimiye-Moschee in Edirne. Mit der Errichtung der Moschee und des Mausoleums von Kizlar Agasi Mehmed in Istanbul-Charshamba, 1585, beginnt seine selbständige Bautätigkeit. Besonders hervorzuheben sind der Audienzsaal (Arz Odasi) im Topkai-Serail, 1585, und die Kioske (Perlenkiosk) in Istanbul 1592/93 (zerstört) und Moscheeanlagen mit Mausoleen, u.a. für Sinan Pascha und Nishanji Mehemed Pascha, 1593, die Yeni Valide, beg. 1594, oder die Türbe für Sultan Murad III., 1598.

De La Fosse, Jean-CharlesDelafosse, Jean-Charles

De Mandon de Saint-Remy, Francois
Französischer Ingenier des 16. Jh. der die Befestigungen in Saint-Paul-de-Vence II schuf.

De Ruet, ClaudeDeruet, Claude

De Wit, PieterCandid, Peter

De Witte, PieterCandid, Peter

Dea Candida
"Reine Göttin". Keltische Göttin unter römischem Namen.

Decker, Paul
(1677-1713). Deutscher Architekt des Barock, der durch sein Stichwerk: "Fürstlicher Baumeister oder Architectus civilis" (1711, 2. Auflage mit ergänzenden Stichen 1716) berühmt wurde. Seit 1699 arbeitete er in Berlin unter Schlüter, Andreas, liess sich später in Nürnberg nieder und 1712 schliesslich in Bayreuth. Es sind nur wenige Bauten von ihm bekannt, aber seine grossartigen und phantasievollen Entwürfe, die die überschwengliche Spielart der Barockkunst und Barockdekoration (letztere über

Degener, Friedrich Wilhelm
(auch Degner, *5.6.1775 in Schlawa). Architekt, errichtete Schloss Tworog.

Degenhardt, Gartenarchitekt
Gartenarchitekt. Beteiligt an Sagan I.

Degler, Hans
* 1564 in München, + 1634 oder 1635 in Weilheim. Deutscher Bildschnitzer unter dem Einfluss der höfischen Münchner Künstler Sustris, Friedrich; Gerhard, Hubert und Krumpper, Hans. Er zog 1590 nach Weilheim und wurde dort das Haupt des bedeutenden Bildschnitzerzentrums. Seine drei Ältäre für St. Ulrich und Afra in Augsburg (1604-07) haben den frühbarocken Retabelbau in Altbayern und Schwaben nachhaltig geprägt. Neben Arbeiten für die Residenz in München I war Degler auch für Kirchen in Niederbayern (Stiftskirche Aldersbach, 1620) und Österreich tätig (z.B. Kremsmünster, drei Altäre, 1616-18, jetzt Hochaltar in Grünau, Almtal). Seine manieristischen Werke waren mit nachgotischen Stilelementen durchsetzt. Degler war Lehrer der frühbarocken Dilschnitzer Christoph Angermayr, Hans Jakob Zürn, Hans Spindler u.a.

Degner, Friedrich WilhelmDegener, Friedrich Wilhelm

Dehn-Rothfelser, Hans von
(auch Dehne der Rothfelser). * 1500, + 13.6.1561 in Dresden. Deutscher Architekt. Er hatte als Intendant der Herzogs Georg des Bärtigen und der Kurfürsten Moritz und August in Dresden die organisatorische Oberaufsicht über alle grösseren Bauvorhaben des Hofs, so über die Umbauten am Residenzschloss (Dresden II, 1530-35), den Bau der Moritzburg Krs. Meissen sowie die Schlösser in Senftenberg Oberspreewald-Lausitz II, Radeberg II und {Grillenburg Hartha>. Bauten, die nach seinen eigenen Entwürfen entstanden, sind bisher nicht bekannt.

Dehn-Rothfelser, Heinrich von
* 6.8.1825 in Hanau, + 29.6.1885 in Berlin. Deutscher Architekt und Kunstschriftsteller. Trat nach seiner Ausbildung an der Akademie in Kassel in den Dienst des kurhessischen Hofs in Kassel. 1865 wurde er Oberhofbaumeister, und 1867 erhielt er den Lehrstuhl für Architektur an der Akademie. Das Kasseler Galeriegebäude (1872-77) ist das einzige bemerkenswerte Zeugnis seiner praktischen Tätigkeit als Architekt. Bedeutender sind seine Leistungen ab 1878 als Konsevator der Kunstdenkmäler Preussens in Berlin.

Dehne der Rothfelster, Hans vonDehn-Rothfelser

Deianeira
Tochter des Königs Oineus von Kalydon und der Althaia; Schwester des Meleagros. Die Gemahlin des Herakles (Herkules), erscheint meist im Beisein des Helden, aber auch in der Szene des versuchten Raubes durch den Kentauren Nessos.

Deinokrates
Tätig 2. Hälfte 4. Jh. v. Chr. Griechischer Architekt und Baumeister aus Rhodos (?). Seine Herkunft und die Zuschreibung seiner Werke sind umstritten. Da er Alexander d.Gr. auf seinen Feldzügen begleitete, wird er manchmal auch als Makedone bezeichnet. Gesichert scheint die Mitteilung Vitruvs, nach der er bei der Gründung der ägyptischen Stadt Alexandria 332/331 v.Chr. den von Alexander konzipierten Plan weiterentwickelte und realisierte. Die Stadtanlage geht auf das Hippodamische System zurück. Um seine Persönlichkeit und sein Schaffen bildeten sich viele Anekdoten, wohl aus dem Umfeld der Alexanderlegende.

Delacroix, Eugene
(1798-1863). Französischer Maler. Schuf die Gemälde in der Bibliothek des Bourbon-Palais in Paris und gestaltete auch den Luxembourg-Palais mit.

Delafosse, Jean-Charles
(1734-89 o. 91). Französischer Architekt und Altertumsforscher, hauptsächlich durch seine Dekorationsentwürfe in einem etwas groben Louis-seize-Stil bekannt, verwendete häufig schwerfällige Girlanden und griechische Mäander. Von seinen Pariser Stadthäusern haben sich zwei erhalten: Hotel Titon und Hotel Goix (58 und 60 rue du Faubourg-Poissonnier, 1776-80); beide Bauten sind zurückhaltend in dem von ihm bevorzugtne Ornamentstil dekoriert.

Delamair, Pierre Alexis deMaire, Pierre Alexis de La

Della Porta, GiacomoPorta, Giacomo

Delorme, Philibert
(eigentlich de l`Orme, geb. um 1510 in Lyon, gest. 8.1. 1570 in Ivry). Französischer Architekt und Theoretikers, Sohn eines Maurermeisters, stud. in Lyon Theologie als Sohn eines Maurermeisters, ging für drei Jahre, wahrscheinlich 1533-36, nach Rom, wo er sich in Kreisen humanistisch gebildeter Diplomaten bewegte und die Baukunst der Antike und Renaissance studierte. Delorme erfasste aber die entscheidende Eigenart der italienischen Architektur nicht. Er war in hohem Masse erfindungsreich und wie sein Freund und Bewunderer Rabelais durch und durch Franzose. Seine Bauwerke waren vor allem wegen ihres Einfallsreichtums und ihrer manchmal geradezu herausfordernden Experimentierlust bemerkenswert. 1536 errichtete er das Hôtel des Finanzschatzmeisters der Bretagne Antoine Bullioud. 1539/40 erfolgte seine Berufung nach Paris durch Kardinal Jean Du Bellay, für den er 1541/44 das Schloss St.-Maur-Les-Fossés errichtete. 1547/59 war er Generalbauinspektor des Königs und Leiter aller königlichen Bauten (den Louvre ausgenommen). 1559 erhielt er den Auftrag zum Grabmal Franz' I. in Saint-Denis. 1548 wurde er zum Königlichen Geheimrat und Hofkaplan ernannt. 1543/44 errichtete Delorme Schloss Anet für Diane de Poitiers. Die Giebelfront des Schlosses Anet (beg. vor 1550, jetzt in der Ecole des Beaux Arts, Paris) ist ein gutes Beispiel für Delormes persönlichen Stil: korrekt im Detail und monumentaler als der Stil von Lescot, Pierre. Die Kapelle (1549-52) und der Torbau von Anet (um 1552) sind noch am alten Ort erhalten. Zwischen 1548 und 1559 baute er das Neue Schloss zu St. Germain. In Fontainebleau gestaltete er den Ballsaal um (Decke). Nach dem Tod Heinrichs II. wurde er aus seinen Ämtern entlassen, sein Nachfolger wurde F. Primaticcio, Francesco. 1561 veröffentlichte er "Nouvelles inventions pour bien bastir et à petits fraiz" (Neue Inventionen, um gut und mit geringen Kosten zu bauen) und 1567 "Le premier tome de l'architecture de Ph. D." (Der erste Teil der Architektur des Ph. D.). Katharina von Medici übertrug ihm Planung und Errichtung der Tuilerien. Sein Werk bildet den Ausgangspunkt einer Architektur, die zwar Erbe der Antike ist, sich aber sowohl dem französischen Klima als auch den neuen Ansprüchen der Gesellschaft anpasste. Als Humanist und Ingenieur war Delorme ein Neuerer, er war bestrebt, Ästhetik und Technik miteinander zu verbinden. Erübte grossen Einfluss auf die weitere Entwicklung der französischen Architektur (französische Architektur) aus, teilweise auch durch seine Bücher "Nouvelles Inventions" (1561) und "Architecture" (1567) der brauchbarsten Architekturabhandlung der Renaissance mit einer Anleitung für den Hausbau. Auch der dekorative Teil des Lettners von St-Etienne du Mont in Paris mit den spitz zulaufenden Balustraden und der Wendeltreppe (um 1545) ist möglicherweise sein Werk.

Demeter
(röm. Ceres). Tochter des Kronos (Saturn) und der Rhea, Schwester des Zeus (Jupiter). Erdgöttin; Schutzherrin des Ackerbaus und der Vegation. Jedes Jahr wurden in ganz Griechenland zur Zeit der Aussaat die Thesmophorien und im Herbst in Eleusis die berühmten Eleusinischen Mysterien gefeiert. Auf der Suche nach ihrer Tochter wird Demeter, die sich den Weg mit einer Fackel erleuchtet, auf einem von Drachen gezogenen Wagen dargestellt; bei antiken Skulpturen erscheinen diese als schlangenähnliche Wesen in ihren Händen.

Demmler, Georg Adolph
* 22.12.1804 in Berlin, + 2.1.1886 in Schwerin. Deutscher Architekt, studierte 1819-34 an der Bauakademie in Berlin und arbeitete 1823-51 für die Herzöge von Mecklenburg in Schwerin. Stark von Schinkel, Karl Friedrich beeinflusst, errichtete er die dortige Rathausfassade (1835) und das Arsenal Schwerin (1840-44), bei denen er klassische und mittelalterliche Formen vereinte, sowie viele Staatsbauten und Privatbauten Schwerins. Sein Hauptwerk ist das Grossherzogliche Schloss Schwerin I am Alten Garten, für das er 1840 die Planungsarbeit begann. Ältere Renaissancebauteile und ein Konkurrenzentwurf von Semper, Gottfried von 1842 inspirierten Demmler schliesslich zu seinem malerischen baukünstlerischen Herzstück der Residenzstadt, das mit seiner reichen Formensprache die nordische Renaissance wiederbelebte (1857 von Friedrich August Stühler mit Veränderungen vollendet).

Demut-Malinowski, Wassili
* 2. bzw. 13.3.1779 in St. Petersburg, + 16. bzw. 28.7.1846 in St. Petersburg. Russischer Bildhauer, studierte 1797-1800 an der Akademie in St. Petersburg und 1803-07 in Italien, u.a. bei Antonio Canova, und war ab 1813 Professor an der St. Petersburger Akademie. Er vertrat in seinen Werken den russischen Empirestil, dem er infolge des Napoleonischen Krieges einen patriotisch-feierlichen Charakter verlieh. Demut-Malinowski arbeitete er eng mit den Architekten Karl Iwanowitsch Rossi, Woronichin, Andrej Nikiforowits und Andrejan Dimitri Sacharow bei der plastischen Gestaltung öffentlicher Bauwerke zusammen. Werke von ihm sind (alle in St. Petersburg): die Gruppe "Raub der Prosperina" und ein Relief für das Bergbau-Institut, 1809; Waffen und Krieger für den Triumphbogen des Generalstabs; Triumphwagen; die Kolossalstatuen "Prophet Elias" und "Apostel Andreas" für die Kasanische Kathedrale (1807-08); Statuen für das Alexander-Theater (1830); die öffentliche Bibliothek (1831); die Akademiekirche (1832-36); das Winterpalais (1839).

Deruet, Claude
(auch De Ruet, Claude). * 1588 vermutlich in Nancy, + 20.10.1660. Französischer Maler. 1613 ging Deruet nach Italien, wo er von Antonio Tempesta auch in der Technik des Kupferstichs unterwiesen wurde. 1620 nach Nancy zurückgekehrt, trat er die Nachfolge de Bellanges am Hof der lothringischen Herzöge an. Zu seinen Aufgaben als Hofmaler gehörte die Organisation und Ausstattung von Festen und Zeremonien sowie die Porträtierung der höfischen Gesellschaft, z.B. "Reiterporträt Karls IV. von Lothringen" (1630, N

Desiderio da Settignano
(eigentlich Desiderio di Bartolomeo di Francesco detto Ferro). * zwischen 1428 und 1431 in Settignano bei Florenz, + 16.1.1464 in Florenz. Italienischer Bildhauer der Frührenaissance. Er lernte wahrscheinlich bei Bernardo Rosselino und immatrikulierte sich am 20.6.1453 als Meister in der Zunft "Arte dei maestri di pietre e legnami". Die einzigen darüber hinausgehenden urkundlichen Überlieferungen besagen, dass er 1457 eine Werkstatt beim Ponte S. Trinità in Florenz betrieb, in der sein Bruder Geri mitarbe

Desjardins, Martin
(eigentlich van den Bogaert). * 1639 oder 1640 in Breda (Holland), + 2.5.1694 in Paris. Niederländisch-französischer Bildhauer, Vertreter der französischen Barockskulptur und neben Francois Girardon und Antoine Coysevox führender Bildhauer am Hof Ludwigs XIV. Er orientierte sich nicht an der pathetisch bewegten Skulptur des römischen Hochbarock, sondern vertrat die akademisch geprägte Richtung der Versailler Hofkunst. Seit 1651/52 ausgebildet bei Pieter Verbruggen d.Ä., kam Desjardins um 1660 nach Paris, wo er seit 1670 als Hofbildhauer für Schloss und Garten in Versailles tätig war ("Juno" auf der Balustrade des Schlosses; "Diana" im Park). 1671 wurde er Mitglied der Akademie, 1681 zum Professor und 1686 zu ihrem Direktor ernannt. Sein bedeutendstes Werk ist das monumentale Denkmal Ludwigs XIV. mit einer vergoldeten Bronzestatue des Sonnenkönigs (1686 auf der Place des Victoires in Paris eingeweiht, in der Französischen Revolution zerstört), von dem nur die Basisreliefs (Paris, Louvre-Palais) und vier Krieger (Schloss Sceaux bei Paris) erhalten sind.

Desmarées, George
(auch des Marées). * 29.10.1697 in Österby (Schweden), + 3.10.1776 in München. Deutsch-schwedischer Maler, Sohn eines französischen Emigranten und einer niederländischen Mutter, bedeutender Porträtmaler des Rokoko. Er erhielt um 1710 seine Ausbildung bei seinem Onkel Martin van Meytens d.Ä. in Stockholm. Schon ab 1720 machte er sich als Porträtist der schwedischen Aristokratie einen Namen. Doch emigrierte er 1724 und kam nach einem kurzen Aufenthalt in Amsterdam nach Nürnberg, wo er an der Akademie Johann Daniel Preissler zum Lehrer hatte. 1725 ging er nach Venedig, wo er die Helldunkelmalerei von Giovanni Piazetta studierte; 1728 kehrte er nach Nürnberg zurück und wurde 1730 von Kurfürst Karl Albrecht nach München als Hofmaler berufen; 1745-49 und 1752-54 hielt er sich in Bonn bei Fürstbischof Clemens August von Köln auf und 1752 auch beim Landgrafen Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel. Unter dem Einfluss des französischen Rokoko lichtete sich seine Malweise zu helleren, schimmernden Farben auf, wie z.B. das Bildnis von "Clemens August, Kurfürst und Erzbischof von Köln" (1746, Schloss Augustusburg Brühl) zeigt; er porträtierte "Maria Anna, Gemahlin des Kurfürsten Max III. Joseph von Bayern" (München, Alte Pinakothek). Es folgten die Bildnisse "Der Künstler und seine Tochter" (München, Alte Pinakothek) und "Kurfürst Max III. Joseph und sein Intendant Graf Seeau" (1744, München, Residenzmuseum). Desmarées war um die Mitte des 18. Jh. der angesehenste Porträtist Münchens. Zunächst von Piazzettas dunkelroter Malweise stark beeinflusst, verband er seit seinem Münchener Aufenthalt das höfische Repräsentationsbild Frankreichs mit in Süddeutschland und Italien entwickelten helleren Tonwerten, wodurch er ganz entscheidend zur Verbreitung des französischen Rokoko beitrug.

Desportes, Francois
(Alexandre Francois). * 24.2.1661 in Champigneulles (Haute-Marne), + 20.4.1743 in Paris. Französischer Tiermaler, Jagdmaler, Landschaftsmaler, kam 1673 nach Paris und zu Nicasius Beraerts, einem Schüler des flämischen Jagdmalers und Tiermalers Frans Snijders, in die Lehre: 1695-96 war er am Hof des polnischen Königs Jan Sobieski III. tätig. Die Porträts der königlichen Familie und der Angehörigen des polnischen Adels machten ihn auch in Paris bekannt, wo er nach seiner Rückkehr mit seinem "Selbstbildnis als

Desprez, Louis Jean
* (getauft) 28.5.1743 in Auxerre, + 19.3.1804 in Stockholm. Französisch-schwedischer Maler, Architekt und Grafiker. Der Schüler von Francois Blondel gewann 1776 den Grossen Rompreis und ging nach Italien. 1784 holte ihn König Gustav III. von Schweden nach Stockholm und machte ihn zu seinem Ersten Architekten. Mit Bauten wie dem Schloss Gustav III. Paviljong Pa Haga (1788 begonnen), dem Linné-Museum in Uppsala und dem Theater von Schloss Gripsholm wurde Desprez zu einem Wegbereiter des Klassizismus in Schweden. Als Maler und Grafiker beschäftigte ihn neben der Verherrlichung des schwedisch-russischen Krieges vor allem die Landschaft, in der er seinen romantischen Stil mit Anregungen G.B. Piranesis verband.

Destailleur, Hippolyte Alexandre
(*27.9.1822 in Paris, 17.11.1893 in Paris). Architekt, arbeitete an Pless II mit.

Deukalion und Pyrrha
Aus dem Mythos von Deukalion und Pyrrha erwachsen die Legenden über die Entstehung der Völker. Deukalion ist der Sohn des Prometheus und Klymenes, Pyrrha die Tochter Epimetheus` und Pandoras. Deukalion und Pyrrha werden meist dabei gezeigt, wie sie Steine hinter sich werfen, aus denen Menschen entstehen. Im Hintergrund erscheint manchmal der Tempel des Orakels.

Diamantini, Giuseppe
* 1621 in Fossombrone (Marche), + 11.11.1705 in Fossombrone. Italienischer Maler, stand in der Nachfolge der Carracci-Schule. Mit in deren Stil gemalten mythologischen und allegorischen Bildern hatte er in Venedig grossen Erfolg; von kaiser Leopold I. wurde er geadelt. Für den Palazzo Bevilacqua in Verona schuf er eine Serie von Philosophenköpfen. Ausserdem malte er zahlreiche religiöse Darstellungen, die sich heute in den Museen von Bassno, Rovigo und Dresden befinden, und fertigte auch reizvolle Kupferstiche, die sich durch Parallelschraffuren, grosszügigen Umriss, Verzicht auf Architektur und weiches Licht auszuzeichnen und die den Einfluss jüngerer Künstler wie Luca Giordano und Antonio Bellucci erkennen lassen. Zu Diamantinis Schülern gehörte u.a. Rosalba Carriera.

Diana
Jagdgöttin und Naturgöttin.

Dientzenhofer, Christoph
* 7.7.1665 in Flintsbach bei Aibling (Oberbayern), + 20.6.1722 in Prag. Bedeutender deutscher Baumeister, gilt zusammen mit Johann Bernhard Fischer von Erlach d.Ä. als einer der Väter deutscher spätbarocker Architektur, Bruder von Dientzenhofer, Georg, Dientzenhofer, Johann und Dientzenhofer, Johann Leonhard. Die meisten Werke konnten ihm nur nach stilkritischer Analyse zugewiesen werden. Seine Hauptleistung liegt im Bereich des Sakralbaus, wo er den Baldachinraum immer entschiedener kultivierte und die "ma

Dientzenhofer, Georg
* 1643 in Aibling (Oberbayern, + 1689 in Waldsassen. Deutscher Baumeister des Barock, Bruder von Dientzenhofer, Christoph, Dientzenhofer, Johann und Dientzenhofer, Johann Leonhard. Seine Hauptwerke sind die Zisterzienserabteikirche in Waldsassen (1685-1704, zusammen mit Abraham Leuthner) und die Wallfahrtskirche von Kappel (1685-89). Mit ihrem ungewöhnlichen Grundriss eines Dreipasses und mit ihrer Dreiturmgruppe symbolisiert sie die heilige Dreifaltigkeit. In ihrer Konzeption hängt sie eng mit den spätbarocken Bergwallfahtskirchen Böhmens zusammen. Von Dientzenhofer stammt auch die Fassade der St.-Martinus-Kirche in Bamberg (1681-91).

Dientzenhofer, Johann
(1663-1726). Sohn von Georg Dientzenhofer und Bruder des Christoph Dientzenhofer, studierte zuerst in Prag, dann in Italien (1699-1700). Sein italienisch beeinflusster Dom in Fulda (1704.12) spiegelt Borrominis (Borromini, Francesco) Umgestaltung von S. Giovanni in Laterano wider. Sein eindrucksvolslter Sakralbau ist die Benediktiner-Abteikirche in Banz (1710-19), wo sein Bruder Leonhard (1660-1707) die Konventsgebäude errichtet hatte. Der Grundriss der Kirche setzt sich aus mehreren sich überschneidenden Ovalen zusammen und geht wahrscheinlich auf Guarini, Guarino zurück. Sein Hauptwerk ist Schloss Pommersfelden, eines der schönsten und grössten deutschen Barockschlösser. Dientzenhofer errichtete es in der erstaunlich kurzen Bauzeit von sieben Jahren (1711-18). Es hat ein weites, impornierendes Treppenhaus (für dessen Entwurf der Bauherr Lothar Franz von Schönborn Rat bei Hildebrandt, Johann Lukas von einholte und auch selber Ideen entwickelte), ferner einen Marmorsaal, eine Galerie, einen Spiegelsaal und viele reich stukkierte Räume.

Dientzenhofer, Johann Leonhard
* um 1660, + 26.11.1707 in Bamberg. Deutscher Baumeister des Barock. Bruder Dientzenhofer, Christoph, Dientzenhofer, Georg und Dientzenhofer, Johann. Von ihm stammen die Pläne für das Kloster Ebrach, mit dessen Bau er 1688 begann (später von Balthasar Neumann weitergeführt). Um 1700 errichtete er das Konventshaus und das Abtshaus von Kloster Banz, sein Bruder Dientzenhofer, Johann die dortige Kirche. Zu seinen Hauptwerken zählen die Bamberger Residenz (Neue Hofhaltung, 1695-1704) und die Barockfassade vor der spätgotischen Doppelturmfront der Benediktinerklosterkirche St. Michael in Bamberg (ab 1697). Des weiteren stammen von ihm die Wallfahrtskirche in Walldürn (1698) sowie Kloster und Kirche in Schöntal, der von Charles Phlippe Dieussart begonnene Umbau des Alten Schlosses in Bayreuth I wurde von ihm in geringen Teilen vollendet.

Dientzenhofer, Kilian Ignaz
(1689-1751). Einer der führenden Architekten des deutschen Spätbarock. Die Grundlage seiner Kunst verdankte der in Prag geborene Kilian Ignaz Dientzenhofer seinem Vater Christoph Dientzenhofer und Hildebrandt, Johann Lukas von bei dem er in Wien lernte, doch hat er sich auch mit der französischen Sakralliteratur auseinandergesetzt (Val-de-Grace, St-Louis des Invalides, beide Paris). Zwar gibt es von Kilian Ignaz Dietzenhofer eine ganze Anzahl Profanbauten (in Prag die Villa Amerika, 1730; die Villa Portheim-Buquoy, 1735; und das Palais Sylva-Tarouca, 1749), doch liegt das künstlerische Schwergewicht seines Schaffens zweifellos auf der Sakralarchitektur. Anders als bei seinem Vater ist sein Hauptthemanicht der Lang-, sondern der Zentralbau, den er mit den Mitteln der Guarineske (Guarini, Guarino) und des Baldachinprinzips und Wandpfeilerprinzips doppelschalig zu organisieren versucht. Nichtsdestoweniger hat er, ganz abgesehen von seinen früheren Bauten, auch einige der Kuppelkirchen (prag, St. Niklas i.d. Altstadt, 1723-37; St. Niklas auf der Kleinseite, 1727-59) weiterhin im konventionellen Schema errichtet. Virulent wird die Guarineske vor allem in dem geistvoll doppeltürmigen Zentralbau von St. Johann am Felsen in Prag, den eine ganze Anzahl verwandter Entwürfe und Bauten umspielen (Vodolka, Wahlstatt, Wiesen, Pocaply, Vorentwurf für Karlsbad). Am konsequentesten setzt er das Werk seines Vaters in den Entwürgen für die Kuttenberger Ursulinenkirche fort, ferner in den ausgeführten Kirchen in Opalany (1732-35), Wahlstatt in Schesien (1727-31) und Karlsbad (1732-35). In der Karlsbader Magdalenenkirche legt er an der Kuppelschale in den Hauptachsen bikonkave Gewölbesegel und ermöglicht so die Kombination intakter Kuppelschalen ohne komplizierte Verschneidungen. Die Konsequenzen daraus zog Neumann, Johann Balthasar, der Kuppelbaldachine auf solchen Jochen wie auf Böcken reiten liess (Neresheim, Vierzehnheiligen).

Dietmair, Hans
Renaissancezeitlicher Baumeister. Zu seinen Werken gehören das Herrenschiesshaus und das Zeughaus Nürnberg.

Dietrich von Bern
Dietrich von Bern ist der beliebteste Held der deutschen Volkssage im Mittelalter. Sein Schicksal liegt in folgenden Zügen: Auf Anstiften des ungetreuen Rates Sibich vertreibt der König Ermenreich von Rom seinen Neffen Dietrich aus Bern. Dieser flüchtet an Etzels, des Hunnenkönigs, Hof, wo ihn u.a. das Nibelungenlied vorfindet. Etzel gibt ihm darauf ein Heer mit, sein Land wieder zu erobern. Mit dessen Hilfe gewinnt Dietrich das Heer Ermenreichs in der Rabenschlacht (Schlacht bei Ravenna) und gewinnt sein Reich wieder. Die erhaltenen Dichtungen, die sich an die Schicksale dieses Helden anschliessen, sind das altdeutsche allitterierende Hildebrandslied; in mittelhochdeutscher Sprache die unstrophischen Gedichte Biterolf und Dietleib vom Verfasser der Nibelungen Klage. Sie erzählen von einem grossen Turnierkampf Attilas und der Seinen mit Dietrich an der Spitze (um 1225 geschrieben); desweiteren „Dietrich und Wenezlan“, ein Bruchstück, das von Dietrichs Zweikampf mit dem Polenkönig Wenezlan; „Dietrichs Ahnen und Flucht“ oder „daz buoch von Berne“ von Heinrich dem Vogler und „Luarin oder der kleine Rosengarten. Strophische Dichtungen sind: „Alpharts Tod“, „Der grosse Rosengarten“, „Die Rabenschlacht“, „Sigenot“, „Ecke“, „Goldemar“, „Dietrichs Drachenkämpfe“ und „Etzels Hofhaltung“. Die Entstehung und Bedeutung der Dietrichssage unterliegt den mannigfaltigsten, zum Teil widersprechendsten Ansichten. Der Name Dietrich, der Ort, wo die Sage spielt, Verona, Ravenna, Rom, liessen es früher als selbstverständlich erscheinen, dass der Held der Sage nichts anderes als das epische Bild des Ostgotenkönigs Theoderich des Grossen sein. Vergleicht man jedoch den Lebensinhalt beider Dietriche, so stimmt nichts miteinander überein und man kam deshalb zu der Ansicht, die Sage sei älter als der historische Gotenkönig, wobei sich dann eine zweite Frage aufdrängte: Ist in diesem Falle die Sage dennoch historisch oder ist sie mythisch? Das letztere fände darin einen Halt, dass mit der Dietrichsage die mythische Wielandssage durch dessen Sohn Wittig, Tiroler Zwergsagen, Der Mythos vom getreuen Eckhardt und Züge des alten Donnergottes verbunden sind. Stimmen übrigens die Lebensschicksale der beiden Dieteriche nicht miteinander überein, so schein die allgemeine Bedeutung, das Ansehen, das der historische Dietrich genoss, um so eher in der Sage sich wiederzuspiegeln, wenn man annimmt, dieselbe sei bei den Alemannen ausgebildet worden. Die Alemannen verdankten Theoderich die Schonung, mit welcher die Franken sie behandeln mussten: Breisach, wo die Sage von den Harlungen spielt, liegt in Alemannien und an vielen Orten Schwabens wird Dietrich als Bekämpfer schädlicher Ungeheuer genannt, wie denn auch eine Menge Ortsnamen seinen Namen tragen.

Dietrich, Joachim
* in der Gegend von Eichstätt, + 4.6.1753 in München. Deutscher Ornamentschnitzer und Holzbildhauer, Vertreter des bayerischen Rokoko. Er war vor allem in München tätig, wo er in den Reichen Zimmern der Residenz München I die Schnitzarbeiten nach Entwürfen der Hofbaumeister Joseph Effner und Francois de Cuvillies d.Ä. ausführte. Dietrich war Culillies auch an der Ausgestaltung der Amalienburg München und des Residenztheaters (Cuvilliestheater) beteiligt und fertigte zusammen mit J.G. Greiff das Chorgestühl für St. Peter (1750) in München. Seine Autorschaft für die vier Kirchenväter des Hochaltars in Diessen am Ammersee, den er nach Entwurf von Cuvillies d. Ä., Francois de ausgeführt haben soll, ist nicht völlig gesichert.

Dietterlin, Wendel
Eigentlich Wendlin Grapp, geb. 1550/51 in Pfullendorf (Baden) - 1599 in Strassburg. Lebte als Architekt, Maler und Radierer bis 1593 in Strassburg. Seine Fassadenmalereien und Deckenmalereien sind nicht erhalten, sie standen am Übergang von der Spätrenaissance zum Frühbarock. Seine "Architektura. Von Aussteilung, Symmetrie und Proportion der Seulen" (Gesamtausgabe 1598) gibt mit 209 Kupferstichen und erläuternden Texten Vorlagen für tektonische und dekorative Dinge, Brunnen, Grabmäler und Öfen; sie üb

Dietz, Adam Ferdinand
* (getauft) 5.6.1708 in Holtschitz (Böhmen), + 17.6.1777 in Memmelsdorf bei Bamberg. Deutscher Bildhauer. Nach Lehrzeiten bei seinem Vater Adam Dietz (1671-1742) in Eisenberg, bei dem Bildhauer Matthias Bernard Braun ind Prag und einem Zwischenaufenthalt in Wien trat er 1736 in die Dienste des Fürstbischofs Friedrich Carl von Schönborn in Würzburg. Seine frühesten bekannten Werke sind Figuren des "Hl. Petrus" und des "Hl. Paulus" in Gaukönigshofen (1743), die seine böhmische Schulung zeigen. Ab 1748 war Die

Dieussart, Charles Philippe
Tätig in der 2. Hälfte 17. Jh., + Anfang 1696 in Bayreuth. Französisch-deutscher Architekt und Bildhauer. 1657-83 stand der dem niederländischen Klassizismus zuzuordnende Künstler in den Diensten der Herzöge von Mecklenburg-Güstrow. In dieser Zeit entstanden u.a. das Denkmal des "Günther von Passow" im Dom zu Güstrow und das Schloss Nossewitz bei Laage. 1683-91 war Dieussart kurfürstlicher Baumeister und Bildhauer in Berlin und Potsdam, 1691 wechselte er in die Dienste von Christian Ernst von Brandenbur

Diglyphe
Sonderform der Triglyphe, der gegenüber die seitlichen Halbschlitze fehlen. Das Motiv wurde in der italienischen Renaissance entwickelt und war vor allem ein Charakteristikum für die Bauten von Vignola, Giacomo Barozzi da.

Dilich, Wilhelm
* 1571/72 in Waber (Hessen), + April 1650 in Dresden. Deutscher Architekt, Kartograf, Kupferstecher und Chronist. Dilichs wohl bekannteste Arbeiten sind seine Chroniken mit in Kupfer gestochenen oder in Holz geschnittenen Städteansichten, wie die "Urbis Bremae typus et chronicon", die "Ungarische Chronica" (1600) und die "Hessische Chronica" (1605). Darüber hinaus war er als Kartograf für Landgraf Moritz von Hessen und als Architekt des Kurfürsten Johann Georg I. von Sachsen tätig (Dekoration, Festungsbaute

Dimke, Baumeister
Beteiligt an Schloss Kleinitz.

Dionysos
(auch Bakchos, Bacchus). Sohn des Zeus (Jupiter)und der Selene. Griechischer Gott des Weines, ursprünglich der Fruchtbarkeit. In seinem Gefolge Satyrn und Mänaden. In Griechenland und Rom war den Dionysos-Kult weit verbreitet; von den zahlreichen Festen, ihm zu Ehren, seien die Grossen Dionysia genannt, die in Athen im Frühjahr stattfanden. Er erscheint als nackter, zuweilen trunkener Jüngling, auf dem Haupt einen Kranz aus Weinblättern oder Efeu; in der Hand hält er den Thyros, einen Weinkelch oder eine Traube; sein Wagen wird von Tigern, Leoparden oder Böcken gezogen.

Dioskuren
(griech.). Zeussöhne Kastor und Polydeukes (lat. Castor und Pollux).

Dipoinos
Tätig spätes 7. Jh. v. Chr. oder 6. Jh. v. Chr. Griechischer Bildhauer aus Kreta, Bruder des Skyllis, antiken Quellen zufolge Sohn des legendären Daidalos (Dädalischer Stil). Ihm zuschreibbare Werke sind nicht erhalten; überliefert sind mehrere Kultstatuen, die er für Heiligtümer in der nördlichen Peloponnes geschaffen haben soll. Er wird als der "erfinder" der Marmorskulptur angesehen. Lediglich seine historische Existenz gilt als gesichert.

Dirr, Johann Georg
* 2.4.1723 in Weilheim, + 9.10.1779. Deutscher Stukkateur und Bildhauer, Sohn des Bildhauers Martin Dirr (1674-1733) aus Weilheim, ab 1749 als Mitarbeiter von Joseph Anton Feuchtmayr bei der Ausstattung der Wallfahrtskirche Birnau tätig (Kirchenbänke, Galeriebüsten). 1753 wurde er Meister. Dirrs erste selbständige Arbeiten, noch in Arbeitsgemeinschaft mit Feuchtmayr, sind die Stuckdekorationen im Schloss Tettnang IV (z.B. Tafelzimmer 1758-60) und im Augustinchorherrenstift Beuron (1760-62). Seine Hauptwerke, ab 1763 ohne Beteiligung Feuchtmayrs, sind die Klosterkirche Baindt (Stuck im Chor und am Hochaltar) und vor allem die Ausstattung der Klosterkirche Salem (1766-78), deren Figuren er in Alabaster schuf (u.a. das eindrucksvolle Äbtemonument, ab 1774). Dirrs Werk umspannt vom späten Rokoko bis zum frühen Klassizismus dem formalenund ikonologischen Stilwandel in der Kunst der 2. Hälfte des 18. Jh.

Dis PaterHades

Dobson, John
(1787-1863). Ein für die frühe viktorianische Zeit nicht unbedeutender Architekt. Nach Reisen in England und Frankreich beschränkt sich sein Wirkungskreis vorwiegend auf Nordengland. Er liess sich in New Castle nieder, wo er zahlreiche öffentliche Bauwerke errichten konnte, so u.a. die Royal Arcade (1832), die Markthallen (New Markets , 1835--39) oder den Hauptbahnhof (1847-53). Auch in anderen nordenglischen Städten, wie Durham, Northumberland, sind wichtige Zeugnisse seiner Baukunst anzutreffen. Besondere Erfolge erzielte Dobson auch durch Kirchenrestaurierungen. Ebenso ist die Wiederbelebung des gotischen Baustils (Neugotik) in England teilweise auf seine Initiativen zurückzuführen. Sein bedeutendes Beispiel ist die Ottoburn-Kirche (1855-57) in Northumberland. Drei bedeutende Landsitze wurden von Dobson entworfen: Unthank Hall, Lambton Castle und Seaton Devland. Letzterer Entwurf war, nebenbei erwähnt, 1818 die erste in der Royal Academy in London ausgestellte farbige Zeichnung eines rein architektonischen Sujets.

Dolabella, Tomaso
* zwischen 1560 und 1570 in Belluno, + 27.1.1650 in Krakau. Italienischer Maler und Radierer, in Venedig Schüler von Aliense, später polnischer Hofmaler. Aus der venezianischen Zeit Dolabellas hat sich nur ein Deckenbild im Dogenpalast Venedig erhalten: "Der Doge Cicogna verehrt die Eucharistie" (um 1590, Venedig, Palazzo Ducale, Sala dei Pregadi). Um 1600 wurde Dolabella von König Sigismund III. nach Polen berufen, wo er 50 Jahre für die königlichen Residenzen in Krakau und Warschau sowie für zahlreiche

Dolci, Giovannino di Pietro de
* in Florenz, + vor dem 26.2.1486 in Rom. Italienischer Bildhauer und Architekt, seit etwa 1450 als Schöpfer der Intarsien mehrerer Türen und Truhen im Vatikanpalast in Rom nachweisbar. Als Architekt leitete er die Restaurierungsarbeiten am alten Glockenturm von St. Peter und wurde unter den Päpsten Paul II. (1464-71) und Sixtus IV. (1471-84) Aufseher der Staatsbauten. Er arbeitete ab 1473 mit Baccio Pontelli zusammen am Bau der Sixtinischen Kapelle und schuf wohl auch die Loggienfassade und die Tribuna an SS. Apostoli. Ausserdem betätigte er sich als Festungsingenieur, z.B. an der Zitadelle von Ronciglione (1476) und dem Wiederaufbau der Zitadelle von Civitavecchia (1481); war enventuell auch am Orsini-Castello in Bracciano beteiligt.

Dollmann, Georg von
(1830-95). Schüler von Klenze, Leo von. Baumeister Ludwigs II. von Bayern. Entwarf das Schlösschen Linderhof (1870-86), begonnen im Stil des französischen Rokoko, und das von Versailles inspirierte Schloss Herrenchiemsee (beg. 1878); sein Mitarbeiter war hier Julius Hofmann (1840-96). 1872 übernahm er die Bauleitung der Burg Neuschwanstein (beg. 1869).

Donar
Donar ist der zweitgrösste der germanischen Götter, in der Urzeit wahrscheinlich mehr geehrt als Wodan, daher der fünfte Wochentag, dies Jovis, zu Donnerstag wurde, der noch heute manche volksmässige Anschauungen bewahrt hat. Während Wodan im sausenden Sturm auf weissem Wolkenrosse reitet, fährt Donar auf einem Wagen durch die Wolken, den vermutlich zwei Böcke zogen. Der Gottes Kinn umwallen die feuerroten Haare seines Bartes, in der Rechten trägt er einen steinernen Keil oder einen gewichtigen Hammer, der, so oft er ihn von sich schleudert, von selbst in seine Hand zurückkehrt. Ihm war die Eiche geheiligt, deren rote Farbe an seinen Feuerstrahl erinnerte und die der Wetterstrahl gern zertrümmerte. Auf ihr haust der Hirschkäfer, Donnerpuppe genannt, der glühende Kohlen auf die Dächer tragen soll. Andere Bäume und Tiere, die wegen ihrer blitzähnlichen roten oder blauen Farbe zu Donar in Beziehung gesetzt werden, sind der Hagebuttenstrauch und der Vogelbeer- oder Quetschbaum, die Haselnaussstaude, der Erdepheu oder Gundermann, auch Donnerrebe genannt; das Eichhörnchen, das Rotkehlchen oder Rotschwänzchen, der Hahn, die Heerschnepfe, auch Donnerbock, Donnerziege oder Gewitterziege genannt, besonders aber der Storch mit den roten Beinen. – Donar melkt mit schimmerndem Blitz die vollen Euter der Wolkenkühe, so dass sie ihre Milch, den Regen, befruchtend zur Erde niederfallen lassen. Vom göttlichen Feuer des Blitzes stammt die Herdflamme, der Mittelpunkt des Hauses, der Familie, des Stammes. Daher ist Donar auch Schützer der Ehe, Spender von Kindersegen, Vorsteher der Sippe, Verteidiger der Gemarkung. Heilige Gebräuche, die sich anfänglich an den Herd anlehnten, gingen später auf den Ofen über. Donar ist der kräftigste von allen Göttern. Er teilt den Menschenkindern Kraft und Stärke mit, er heilt Erkrankte - Menschen sowohl als Vieh -, weshalb gewisse Kuren am Donnerstag vorgenommen werden müssen; durch das Notfeuer, welches durch bohrende Drehung einer Walze in dem Loche eines Pfahles hervorgebracht wird, treibt man das verseuchte Vieh. Da der Blitzstrahl das Erdreich lockert und der nachrauschende Regen den Boden befruchtet, wird Donar zum Frühlingsgott, ihm danken vorzugsweise die Pflanzen ihr Wachstum. Osterfeuer und Judasfeuer (am Karsamstag) werden ihm zu Ehren im Frühling angezündet, besonders aber um die Zeit der Sommersonnenwende die Sonnwend- oder Johannisfeuer. Auch an den Weihnachtsumzügen ist er beteiligt. Auf seinem Wagen durch die Lüfte fahrend, vollführt der Donnerer in den Wolken selbst den gewaltigsten aller Kämpfe, welche die Welt erschauen kann. Er verfolgt die Dämonen, welche das Licht des Himmels, den Glanz der Sonne mit dem Schatten der schwarzen Gewitterwolke, dem Dunkel der Nacht, der Finsternis und Kälte des Winters verdecken und den Lauf des erquickenden Regens zur Erde aufhalten. Aus diesen Dämonen sind im Laufe der Entwicklung die Riesen und Drachen geworden. Von beiden Seiten wird der Streit mit Blitz und Donner geführt, bis der milde Gott den Sieg erringt, der Riese tot zu Boden sinkt, sein Goldhort oder die Frau, die er geraubt hat, befreit sind. Donars Hammer selbst wird Jahr für Jahr im Herbst von den Riesen gestohlen und die sieben Wintermonate hindurch in ihrem Berge versteckt gehlaten, bis im Frühling der Gott ihn wieder holt. – Die Skandinavier nannten den Gott Thor.

Donatello
Eigtl. Donato di Niccolò di Betto Bardi, geb. 1386 in Florenz - 13.12.1466 in Florenz. Italienischer Bildhauer; lernte bei L. Ghiberti und Nanni di Banco, war hauptsächlich in Florenz, Padua und Pisa tätig. Donatello ist einer der Begründer der Renaissanceplastik; er hat die Skulptur aus ihrer architektonischen Gebundenheit gelöst, ihren natürlichen Aufbau lebensnah wiedergegeben und eine Ausdrucksstärke erreicht wie nach ihm erst wieder Michelangelo. Donatellos frühe Werke zeugen von intensiver Auseinandersetzung mit der Statue, die mit Beginn der Renaissance in Italien wieder Gegenstand künstlerischen Schaffens wurde. Erste bedeutende Werke sind die Skulpturen für die Fassade und den Campanile des Domes in Florenz; die Sitzfigur des "Evangelisten Johannes" (1413/15) lässt bereits an den Moses des Michelangelo denken. "Der heilige Georg" für Or S. Michele (Marmor, 1416; Original in Florenz, Bargello) ist zwar noch als Nischenfigur konzipiert, kam aber schon ohne rahmende Architektur aus; das Sockelrelief mit dem Drachenkampf zeigt erstmals eine perspektivisch konstruierte Architektur. "Der heilige Markus" (Marmor, 1411/12; Florenz, Or S. Michele) zeigt klare Ponderation und lässt in der Gewandfigur bereits jene Ausdrucksgewalt erkennen, die für Donatellos Werke bezeichnend wurde. Später wandte sich Donatello dem Bronzeguss zu, so in der Liegefigur bei dem Grabmal Papst Johannes XXIII. im Florentiner Baptisterium (um 1427), und schuf den ersten freiplastischen Akt der Neuzeit, den "David" (Bronze, 1430; Florenz, Bargello). Einflüsse der römischen Antike (Romaufenthalt 1432/33) verarbeitete er in der Sängertribüne für den Florentiner Dom (1433/40) und das Sandsteintabernakel mit der Verkündigung in Sa Croce (um 1334). In dieser Zeit entstanden auch die Bronzetüren für die alte Sakristei von S. Lorenzo in Florenz (1435/43). Während der folgenden zehn Jahre (1443/53) arbeitete Donatello in Padua, wo das erste Reiterdenkmal der Renaissance entstand, das des venezianischen Condottiere Erasmo de Narni, genannt Gattamelata (Bronze, 1447; Padua). Ross und Reiter bilden eine Einheit, im Antlitz des Gattamelata spiegeln sich Triumph und Macht. Für den Hochaltar der Franziskanerkirche S. Antonio in Padua, genannt Il Santo, arbeitete Donatello in Bronze einen Kruzifixus, sieben grosse Statuen, zwölf Engelsputti, neun Bronzereliefs und ein Relief, eine Grablegung, in Sandstein. Die ursprüngl. Anordnung der Figuren und Reliefs sind nicht mehr bekannt. Auch das Spätwerk zeigt Donatello vielseitig und schöpferisch - mit "Judith und Holofernes" schuf er die erste freistehende Gruppenplastik der Neuzeit (Bronze, um 1455; Florenz, Palazzo Vecchio). Donatellos Werk, das in seiner Spätzeit immer stärker naturalistische und expressive Züge annahm, wirkte bis ins 16. Jh. richtungweisend.

Donner, Georg Raphael
(Johann). * 24.5.1693 in Essling (heute zu Wien), + 15.2.1741 in Wien. Österreichischer Bildhauer des Barock. Nach einer Ausbildung beim Wiener Hofjuwelier Johann Kaspar Prenner war für ihn die Lehrzeit bei dem italienischen Bildhauer Giovanni Giuliani in Stift Heiligenkreuz bestimmend; Reisen nach Dresden (1720) und Italien (1729) sind verbürgt. Seine ersten Werke in Terrakotta (Pietà, Prag, Národni Galerie) und Bronze (Graf von Althann, Relief, Wien, Österreichisches Barockmseum) entstanden 1712/22. 1725-28 hielt ers ich in Salzburg auf, wohl von Johann Lukas von Hildebrandt gerufen. Für Schloss Mirabell II schuf Donner in Marmor einen "Paris" und Puttenfiguren (1726), daneben Prägestöcke für Münzen und Medaillen im Auftrag des Erzbischofs Franz Anton Graf Harrach. Die ersten Hauptwerke entstanden im Dienst des Fürstprimas Emmerich Graf Esterházy in Pressburg: im Dom St. Martin zwei "Engel" und zahlreiche Bronzereliefs in der Johannes-Elemosynarius-Kapelle (ab 1731) sowie "Hl. Martin und der Bettler" (1734) am Hochaltar, die erste bedeutende Gruppe aus Blei, das Donners bevorzugtes Material wurde. Strenge Achsbezüge in der bildhaft aufgebauten, eng zur Raute gefügten Gruppe une eine sehr differenzierte Oberflächenbehandlung des Bleis zeigen sich als Charakteristika seiner Kunst an. Nach seiner Rückkehr nach Wien entstand im Auftrag der Stadt mit dem Brunnen (1737-39) am Mehlmarkt (heute Neuer Markt) das Werk, das seinen europäischen Rang begründet hat. Vier Figuren, Nebenflüsse der Donau personifizierend, sind auf dem niederen Brunnenrand angeordnet, in der Mitte ist die Figur der "Providentia" aufgerichtet (die originalen Bleifiguren befinden sich heute im Österreichischen Barockmuseum in Wien). Der weitgehende Verzicht auf barocke Gewandsprache, die gelöste Innerlichkeit seiner Gestalten und das subtile Spiel mit dem Licht der Oberflächen lassen in Donners Kunst Klassizität erkennen und entziehen sie einer schematischen Einordnung in die allgemeine Stilentwicklung. Sein Spätwerk, die "Pietà" im Dom zu Gurk, zeigt verhalten barocke Pathosformeln und reiche Differenzierungen seelischen Ausdrucks in einer komplizierten, streng geordneten Komposition (Bleiguss aus fünf Teilen, 1740).

Dorbay, Francois
* 1634, + 4.9.1697 in Paris. Französischer Architekt und Kupferstecher. Als Schüler und langjähriger Mitarbeiter Louis Levaus war Dorbay vorwiegend an den Bauvorhaben Ludwig XIV. beschäftigt, so am Louvre-Palais und an den Tuileries. In Versailles übernahm er nach dem Tod von Levau 1670 die Bauleitung und schuf u.a.den Escalier des Ambassadeurs. Von Jules Hardouin-Mansart verdrängt, ging er 1679 nach Fontainebleau - es entstand hier der Chenil Neuf - und nach Lyon. Dorbay war auch als Kupferstecher tätig. Es entstand 1682 nach eigener Zeichnung ein ausführlicher Plan von Fontainebleau.

Dorigny, Louis
* (getauft) 14.6.1654 in Paris, + 29.11.1742 in Verona. Französischer Freskant, Enkel von Simon Vouet und Schüler von Charles Le Brun, erhielt 1671 und 1672 den Rompreis der Académie Royale. 1673 reiste er mit dem Goldschmied Nicolas de Launay nach Rom. Dorigny war vor allem als Freskant in Kirchen und Palästen tätig. So malte er u.a. die Decke von S. Silvestro in Venedig aus, schmückte Chor und Kuppel des Doms in Udine und malte in Verona in S. Eufemia einen "Hl. Christophorus". In Padua entstanden Fresken

Dorigny, Nicolas
* (getauft) 2.6.1658 in Paris, + 1.12.1746 in Paris. Französischer Kupferstecher und Maler. Nach der Ausbildung bei seinem Vater, Michel Dorigny, ging er für lange Jahre nach Rom. Mit einer Vielzahl von Stichen nach Kompositionen Raffaels z.B. die "Transfiguration" (1709) und "Amor und Psyche", wurde Dorigny einer der wichtigsten Stecher seiner Zeit. Seine Werke erregten die Ausmerksamkeit des englischen Königshauses, und er wurde 1711 nach Hampton Court Palace geholt, um Raffaels Teppichkartons in Kupfer

Dorner, Johann Jakob d.Ä.
* 18.7.1741 in Ehrenstetten im Breisgau, + 22.5.1813 in München. Deutscher Genremaler und Freskant, Vater von Dorner, Johann Jakob d.J., wurde 1753 Schüler von Franz-Josef Rösch in Freiburg und lernte 1759 bei Joseph Bauer in Augsburg Freskomalerei. Nach einer Venedigreise betätigte er sich in Augsburg als Fassadenmaler. 1761 ging er nach München, wo er durch geschickte Kopien nach niederländischen Malern in der Schleissheimer Schlossgalerie reüssierte. 1766-69 reiste er durch die Niederlande und legte 1768 an der Akademie in Antwerpen eine Prüfung in Historienmalerei und Genremalerei ab. 1770 wurde er in München Galerieinspektor. In dieser Funktion wirkte er 1783 bei der Einrichtung der Galerie im Hofgarten mit und veranstaltete 1788 die erste öffentliche Gemäldeausstellung in München. Dorner bevorzugte vor allem die Genremalerei nach dem Vorbild der holländischen Kleinmeister, wie z.B. das Bildnis seiner Frau als "Dame im Kaufhaus" (1775, München, Bayerische Staatsgemäldesammlungen) zeigt. Von seinen Porträts ist vor allem das "Bildnis des Kurfürsten Max III. Joseph an der Drechselbank mit Graf von Salem" (1765, München, Schloss Nymphenburg) hervorzuheben.

Dörpfeld, Wilhelm
Am 26.12.1853 in Wuppertal-Barmen geboren. 1877-1881 war der junge Architekt bauwissenschaftlicher Mitarbeiter von E. Curtius in Olympia. Seiner zuverlässigen Beurteilung antiker Bauteile hatte es Dörpfeld zu verdanken, das Schliemann, Heinrich ihn 1882 für seine Ausgrabungen nach Troja holte. 1884-85 arbeitete er mit Schliemann, Heinrich in Tiryns und kehrte anschliessend nach Troja zurück. 1887 wurde Dörpfeld Erster Sekretär des Deutschen Archäologischen Instituts in Athen, eine Position, die er bis 1911 innehatte. Nach dem Tod von Schliemann, Heinrich 1890 übernahm Dörpfeld die Leitung der Ausgrabungen in Troja. Ihm ist die erste klare Deutung der Siedlungsschicht dieser Stadt zu verdanken. 1894 schloss er seine Forschungen in Troja ab. 1900-1913 legte Dörpfeld mit Conze, Alexander die Mittel- und Unterstadt von Pergamon frei, wirkte inzwischen 1906 und 1932 in Olympia und beteiligte sich 1931 an den Untersuchungen auf der Agora von Athen. Am 25.4.1940 starb Dörpfeld auf Leukas, einer der Ionischen Inseln. Dörpfeld gult als Wegbereiter noderner Grabungsmethoden und Begründer der bauwissenschaftlichen Forschung. Sein Eintreten für die Homer-Archäologie und seine Beurteilung des Ursprungs der mykenischen Kultur waren glücklos.

Dosio, Giovanantonio
* 1533 in Florenz, + um 1609 in Rom. Italienischer Architekt und Bildhauer. Bis etwa 1575 schuf er vor allem recht konventionelle Porträtbüsten und Epitaphien, z.B. die "Bildnisbüste Annibale Caro" für dessen Grabmal in S. Lorenzo in Damaso (nach 1566). In den späteren Jahren war Dosio fast ausschliesslich als Architekt tätig. In Anlehnung an grosse Baumeister, z.B. Baccio d´Agnolo, Bartolommeo Ammannati oder Michelangelo, schuf er u.a. die Cappella Gaddi in S. Maria Novella (1576-78), die Cappella Niccolin

Dossi, Dosso
(eigentl. Giovanni de Lutero, Luteri oder de Costantino). * um 1489 in Ferrara, + kurz vor dem 27.8.1542 in Ferrara. Italienischer Maler des Manierismus, Hauptmeister der ferraresischen Schule des 16. Jh., verband die Traditionen der Malerschulen von Ferrara und Venedig. Aus Ferrara stammt seine lebhafte, manieristische Expressivität, von Giorgione übernahm er die harmonische, lyrische Bildauffassung, die in seinen phantasievollen Mythologien deutlich wird. Im Kontakt mit anderen Nachahmern der venezianischen Manier und besonders durch Amico Aspertini bildete er sein charakteristisches Kolorit aus, in satten Farben, beherrscht von einem intensiven Smaragdgrün. Die erste Notiz über Dossis Tätigkeit bezieht sich auf seine Mitarbeit 1512 bei der Ausstattung des Gonzaga-Palazzo Mantua. Seine Werke zeigen deutliche Anregungen durch die neuen Ausdrucksformen, die Giorgione und Tizian gefunden hatten, so dass für ca. 1510 eine Studienreise nach Venedig angenommen werden kann. 1514 liess er sich zusammen mit seinem Bruder Battista endgültig in Ferrara nieder, trat in den Dienst des Herzogs Alfonso I. d`Este und entwarf Bühnenausstattungen, Kartons für Gobelins und Triumphbögen, schuf Stadtansichten und Porträts der Mitglieder des Fürstenhauses. Interessant sind vor allem seine zahlreichen Bilder mythologischen Inhalts ("Bacchanal", um 1518, London, National Gallery; "Melissa", um 1520, Rom, Galleria Borghese; "Circe und ihre Liebhaber", um 1520, Washington, National Gallery of Art; "Apollo", um 1515, Galleria Borghese; "Jupiter, Merkur und die Jungfrau", um 1530, Wien, Kunsthistorisches Museum). Von den "Zehn Szenen aus dem Leben des Aeneas", die er für das Appartamento Nuovo im Estense-Castello von Ferrara malte, sind zwei erhalten (Ottawa, National Gallery of Canada, und Birmingham, Barber Institute of Fine Arts); von den neun Deckenbildern dieses Raums bewahrt die Galleria Estense in Modena fünf, zwei entsprechende Werke in der Sammlung Cini in Venedig und im Magyar Szépmüvészeti Múzeum in Budapest gehören vielleciht auch zu dieser Serie. Im Auftrag der D`Este malte Dossi zahlreiche Rentabeln für Kirchen im Gebiet der Herzöge. Die "Maria mit Heiligen", die er 1520-22 für den Dom von Modena schuf, ist sein erstes dokumentiertes und datiertes Werk. Vermutlich 1519-20 reiste er mit seinem Bruder Battista nach Rom und arbeitete dort bei Raffael. Anklänge an Motive der römischen Hochrenaissance weisen seine letzten grösseren Arbeiten auf: die Fresken in der Imperiale-Villa Pesaro und die Dekorationen mehrerer Räume im Castello di Buonconsiglio, mit denen ihn der Bischof von Trient beauftragt hatte (1531).

Dotti, Carlo Francesco
* 1670 in Bologna, + 3.6.1759 in Bologna. Italienischer Architekt. Der für die spätbarocke Baukunst Bolognas bedeutende Künstler war weitgehend Autodidakt. Mit Bauten wie dem Arco del Meloncello (1721-22) und dem Neubau der Kirchen Madonna di S. Luca (1723 begonnen) und S. Domenico (1728-32) stellte er die Qualität seines eher mathematisch-nüchternen Baustils unter Beweis, der durch die Anfügung von Kolonnadenkonstruktionen usw. nicht ohne gestalterische Wirkung war. Weitere Werke von ihm (in Bologna) sind der Chor von S. Procolo, die Cappella S. Ivo in S. Petronio sowie der Agucchi-Bosdari. ferner schuf er die Kirche in Minerbio und die Pfarrkirche von Renazzo.

Downing, Andrew Jackson
(1815-52). Amerikanischer Architekt. Sohn eines Baumschulenbesitzers, früh begeistert für Natur und Pflanzenwelt, wurde Amerikas führender Theoretiker der Landschaftsgärtnerei, des Villen- und Landhausbaus. Er war Amerikas Repton, Humphry oder Loudon, John Claudius. Seine wichtigsten Publikationen sind " A Tresure On The Theory and Practice Of Landscape Gardening", 1841; "Cottage Residencees", 1842; "Notes about Buildings in the Country" 1849; "The Architecture of Country Houses", 1850. Bei Bauaufträg

Doyen, Gabriel Francois
* 20.5.1726 in Paris, + 13.3.1806 in St. Petersburg. Französischer Maler. Stilistisch noch dem Spätbarock verhaftet, Schüler von Carle von Loos in Paris, erhielt 1748 den Rompreis. Nach seiner Rückkehr aus Italien malte er unter dem Einfluss von Luca Giordano und Peter Paul Rubens grossformatige religiöse Tafeln. Sein Hauptwerk, die "Hl. Genoveva oder das Wunder der Brennenden (1767, Paris, St-Roch), veranschaulicht den kraftvollen und dynamischen Stil Doyens. Auf der Flucht vor der Revolution kam er 1791 n

Du Cerceau
Franz. Architekten- und Dekorateursfamilie. Jaques I. Andreouet (ca. 1520-ca. 1584) war der Begründer dieser Künstlerdynastie. Er war von jeher mehr durch seine Stiche als durch seine Bauwerke, von denen keines erhalten ist, berühmt. Die Schlösser in Verneuil und Charleval (beide unvollendet) waren wahrscheinlich seine besten Bauten. Mehr ein Meister des Ornaments als Architekt, schwelgte er in ausschweifenden und masslos übersteigerten Entwürfen, meist im spätmanieristischen Stil (Manierismus). Sein erstes "Livre d`architecture" (Paris 1559) zeigt den ihm eigenen Phantasiereichtum, aber auch den Mangel an Verfeinerung. Das Buch hatte grossen Einfluss, und einige der brauchbaren Entwürfe mögen auch ausgeführt worden sein. Am bekanntesten war sein Buch "Les plus excellents bastiments de France" (2 Bände, 1576-79). Sein Sohn Jean-Baptiste Androuet (ca. 1545-ca. 1590) löste Lescot, Pierre als Baumeister der Louvre ab. 1584 wurde er in den Stab der Hofarchitekten aufgenommen, musste aber, da er Hugenotte war, schon im folgenden Jahr Paris als Flüchtling verlassen. Er entwarf in Paris (1578) Pläne für den Pont-Neuf und vielleicht auch für das Hotel d`Angouleme oder de Lamaignon, ebenfalls in Paris (1584). Sein jüngerer Bruder Jaques II. Androuet (ca. 1150-1614) war neben Metezeau, Louis bevorzugter Architekt Heinrichs IV. 1594 wurde er kgl. Architekt und entwarf vermutlich den Pavillon der Place des Vosges in Paris. Baptistes Sohn jean I. Androuet (ca. 1590 bis nach 1649) wurde 1617 zu einem der Hofarchitekten ernannt. Er baute die Hufeisentreppe, "Escalier en fer de cheval" in Fontainebleau (1634) und entwarf zwei der typischen Pariser Hotels im Louis-treize-Stil (Frankreich): das Hotel de Sully (1625-27) und das Hotel de Bretonvilliers (1637-43, zerstört). Beide sind bemerkenswert wegen der Pracht ihres bildhauerischen Schmuckes: Skulpturenfriese (Fries), Giebelfenster mit Voluten und Masken, in den Nischen allegorische Figuren.

Du Pérac, EtienneDupérac, Etienne

Du Ry
Franz. Architektenfamilie. Ihr bedeutendstes Mitglied ist Paul Du Ry (1640-1714), Enkel von Charles Du Ry (Hauptschaffenszeit 1611-36), Sohn von Mathurin Du Ry (Haupttätigkeit 1639) und Neffe von Brosse, Salomon de. Nach der Aufhebung des Ediktes von Nantes 1685 verliess er als Hugenotte Frankreich und ging nach Kassel, wo er die Oberneustadt baute, die weitere Hugenottenflüchtlinge aufnehmen sollte. Diese klar geplante Stadtanlage schloss die einfache, auf zentralem Grundriss entworfene Karlskirche mit ein (1698-1710; schwer zerstört, doch wiederhergestellt). Sein Nachfolger als Oberbaumeister in Kassel wurde sein Sohn Charles-Louis du Ry (1692-1757), der die Münze und das Militärkasino baute (beide zerstört). Von grösserer Bedeutung war dessen Sohn Simon-Louis du Ry (1726-99); er begann die Ausbildung bei seinem Vater und lernte dann 1746-48 bei dem schwedischen Hofarchitekten Harleman in Stockholm und bei Blondel, Jacques-Francois in Paris. Es folgte eine Studienreise nach Italien, von der er 1756 zurückkehrte. Er war den der Vollendung von Schloss Wilhelmsthal bei Kassel, das nach Entwürfen von Cuvilles begonnen worden war, beteiligt; die beiden strengen kleinen Torhäuser (1756-58) stammen von ihm. In Kassel plante er den weiten rechteckigen Friedrichsplatz und entwarf das ernste, von Palladio, Andrea inspirierte Fridericianum, das als das erste Gebäude, welches bereits in der Planung als eine Verbindung von Museum und Bibliothek angelegt war, von grosser Bedeutung ist. In Wilhelmshöhe, ausserhalb von Kassel, baute er Nord- und Südflügel des weitläufigen klassizistischen Schlosses (1786-90), das später von Jussow, Heinrich Christoph vollendet wurde; von ihm stammen wohl auch einige der Spielerein im Park (etwa der "Mulang", ein chinesisches Dorf, und das "Felseneck"). Weiter entwarf er mehrere Gebäude in Kassel, von denen die meisten 1943 zerstört worden sind.

Duban, Felix Louis Jacques
(1797-1870). Französischer Architekt. Restaurierte im 19. Jh. Schloss Blois.

Dubois, Ambroise
(vermutlich auch Bosschaert). * vermutlich 1543 in Antwerpen, + 29.2.1614 in Fontainebleau. Französischer Maler flämischer Herkunft. Seine Dekorationen für die Dianagalerie von Fontainebleau, in denen er den König uns seine Gemahlin Maria von Medici verherrlichte, sind nur durch die von Charles Percier im 19. Jh. ausgeführten Aquarell-Kopien überliefert. Ein anderer, eleganter Zyklus enthält 16 Episoden der "Geschichte von Theagenes und Charikleia" (um 1608, Schloss Fontainebleau, die bedeutende Zeugnis

Dubreuil, Toussaint
Geb. 1561 in Paris - 22.11.1602 in Paris. Französischer Maler; arbeitete in Fontainebleau, in St. Germain, den Tuilerien und der kleinen Galerie des Louvre. Sein Werk (die meisten Gemälde sind verloren) zeigt neben dem Einfluss der ersten Schule von Fontainebleau eigene Tendenzen zum Klassizismus: "Antikes Opfer", "Toilette einer Dame", "Abschied eines Kriegers" (alle Paris, Louvre), "Kybele weckt Morpheus" (Fontainebleau).

Dubroeucq, Jacques
* um 1505 in Mons (Hennegau), + 1584 in Mons. Bedeutender niederländischer Bildhauer der Renaissance. Nach einem fünfjährigen Studium in Rom schuf er 1535-48 den Lettner für die Stiftskirche Ste-Waudru in Mons (1797 zerstört; ein grösserer Teil des figürlichen Schmucks wurde in der neuen Kirche verwendet). Seit 1538 arbeitete er gleichzeitig am Mausoleum für Eustache de Vroy in der Kathedrale von Saint-omer. 1545 wurde er Hofkünstler der Regentin Maria von Ungarn, für die er 1545-49 das Renaissanceschloss in Binche I errichtete. Seit 1548 entstanden das kleine Jagdschloss Mariemont und das Rathaus in Beaumont. Ab 1560 war er für die Stadt Ath tätig. 1570 entwarf er das Gestühl von St-Germain in Mons und 1571 Hauptportal und Treppe in Ste-Waudru. Er löste Vasari, Giorgio als Lehrer von Giovanni da Bologna ab. Dubroeucq war einer der ersten Niederländer, der sich eigenständig mit der italienischen Renaissance auseinandersetzte.

Ducci, Agostino
(auch Agostino d`Antonio di Duccio, di Guccio). *1418 in Florenz, + nach 1481 in Florenz. Italienischer Bildhauer und Architekt. Seine frühesten Arbeiten sind vier kleine Flachreliefs, datiert 1442, an der Fassade der Kathedrale zu Modena, die das Leben des hl. Geminianus behandeln. 1447-54 arbeitete er für Leon Battista Alberti an der Innenausstattung des Tempio Malatestiano in Rimini. Ihm darf der Hauptteil der plastischen Innendekoration zugeschrieben werden. Ab 1457 übernahm er die Gestaltung der Fassade von S. Bernardino in Perugia und vollendete 1459 ein Altarwerk für die Kapelle der Kirche S. Domenico. Ab 1463 war er in Florenz, wo er u.a. Gigantenstatue für die Domopera schuf; danach arbeitete er in Rom und ab 1473 wieder in Perugia. Dort baute er eine Kapelle und ein Stadttor, das unvollendet blieb. Nach anfänglicher Abhängigkeit von Donatello fand er einen eigenen, schwungvoll-linearen Stil; seine architektonischen Schöpfungen können dagegen das Vorbild Albertis nicht verleugnen.

DucerceauDu Cerceau

Ducerceau, Jacques
Du Cerceau, Jacques, eigtl. J. Androuet, geb. um 1510 Paris - um 1584. Französischer Architekt, Architekturstecher und Theoretiker; tätig in Paris und Orléans, begann 1533/34 mit Kupferstichen. 1541 oder 1542 reiste er nach Italien und studierte Werke von Bramante, Donato, Sangallo, Giovanni da, Sangallo, Antonio da und Raffael. 1549/51 gab er sein 1. Vorlagenbuch heraus: "Arcs, Temples ..." (Bögen, Tempel). 1559 erschien der 1. Band des "Livre d'Architecture" (Buch über die Baukunst). Vor 1559

Duckhardt, Melchior
Maurermeister aus Liegnitz. War am Bau von Schloss Carolath beteiligt.

Dufresnoy, Charles-Alphonse
* 1611 in Paris, + 16.1.1668 in Villiers-le-Bel bei Paris. Französischer Maler und Kunsttheoretiker, Schüler von Francois Perrier und Simon Vouet, ging 1633 nach Rom, wo er Architekturbilder malte und Raffael, Tizian und Carracci studierte. In Rom entstanden Bilder wie "Ankunft der Venus auf der Insel Kythera" und "Färbung der Rosen" (beide 1647, Potsdam, Neues Palais). 1653 reiste er nach Venedig, kehrte 1656 nach Paris zurück, wo er noch im selben Jahr an der Ausstattung des Schlosses Raincy (im 19. Jh.

Dughet, Gaspard
* 7.6.1613 in Rom, + 25.5.1675 in Rom. Französisch-italienischer Maler. Schuf vorwiegend ideal-heroische Landschaften. Nach der Hochzeit seiner Schwester mit Poussin, Nicolas, wurde er dessen Schüler und nahm auch dessen Namen an; mit 20 Jahren war er schon allgemein als Landschaftsmaler anerkannt. Er reiste nach Neapel, Mailand, Florenz, wo er durch die Vermittlung von Cortona, Pietro de im Pitti-Palazzo eine Landschaft freskierte. Er ging auch nach Perugia (1646-47), verliess jedoch Italien nie. Seine wichtigsten Werke befinden sich vor allem in Rom: in S. Martino ai Monti die Wandmalereien mit "Szenen aus dem Leben des Propheten Elias" und Veduten der römischen Campagna (1647-51), die Beziehungen zur Malerei der Carracci aufweisen; ein Friesschmuck im Pamphili-Palazzo an der Piazza Navona (1653-54), eine Serie von Bildern in der Doria-Pamphili-Villa am Corso aus der gleichen Zeit, Fresken in den römischen Palästen Colonna-Palazzo (um 1650-53), Muti-Bussi-Palazzo, Costaguti-Palazzo (vor 1663), Borghese-Villa Rom (1671-72) sowie in der Sala degli Ambasciatori des Quirinale-Palazzo (1657), an denen Lauri, Filippo und Baldi, Lazzaro mitarbeiteten. Zu den bekanntesten Werken Dughets gehören die schwer datierbaren Gemälde "Das Gewitter" (London, Sammlung D. Mahon), "Ansicht von Tivoli" (London, National Gallery und Wallace Collection), "Weg nach Albano" (London, National Gallery, "Flucht nach Ägypten" (Rom, Galleria Doria-Pamphili). Dughet schuf viele Ölskizzen nahc der Natur, Gouachen, Zeichnungen und acht Radierungen. Er stand vor allem unter dem Eindruck von Poussin, aber auch dem von Adam Elsheimer, Paul Bril, Salvator Rosa, Domenichino und Claude Lorrain. Sein Hauptthema war die ideale Landschaft mit wenig Figurenstaffage, die vom Sturm gekennzeichnete Natur, die, aus erhöhtem Standpunkt gesehen, in ihrer wilden Grösse dramatische Gefühlswerte vermittelt.

Dumont, Augustin Alexandre
* 4.8.1801 in Paris, + 28.1.1884 in Paris. Französischer Bildhauer, Sohn von Dumont, Jacques-Edme. Nach der Ausbildung beim Vater errang er 1823 den Ersten Rompreis und ging nach Italien, wo er ein intensives Antikenstudium betrieb. In Rom entstanden u.a. zwei seiner wichtigsten Werke, die Porträtbüsten von "Guérin", dem Direktor der Ecole Francaise (1628, Paris, Musée National du Louvre), und "Leucothée et Bacchus" (1830, Genua, Rosso-Palazzo). Nach Paris zurückgekehrt, schuf der vielfach ausgezeichnet

Dumont, Jacques
(auch Jean oder Le Romain). * 15.5.1701 in Paris, + 17.12.1781 in Paris. Französischer Maler. Repräsentant der akademischen klassischen Tradition des 17. Jh. In mythologischen Szenen, so in dem Bild "Herkules und Omphale", mit dem er 1728 in die Académie Royale aufgenommen wurde, lehnte er sich im Malstil eng an an Charles Le Brun an. Ausserdem schuf er Bambocciaden, wie "Dudelsackspieler" (1737, St. Petersburg, Eremitae) oder "Savoyardin" (1748, Paris, Musée National du Louvre). Enger dem Rokokostil verbun

Dumont, Jacques-Edme
* 10.4.1761 in Paris, + 21.2.1844 in Paris. Französischer Bildhauer, Vater von Dumont, Augustin Alexandre. Der 1788 errungene Erste Rompreis für Skulptur ermöglichte ihm einen Aufenthalt in Rom bis 1793. Hier entstanden u.a. Skulpturen und Reliefs nach Motiven aus der Antike und einige Porträtmedaillons. Nach der Rückkehr nach Paris schuf er 1795 für die Place de lan Révolution die grosse allegorische Statue "La Liberté". Unter Napoleon I. erhielt er eine Reihe grösserer Aufträge, so für sechs Relie

Dupérac, Etienne
(auch Du Pérac, Dupeyrac). * um 1525 in Paris, + Ende März 1604 in Paris. Französischer Architekt, Gartenkünstler, Maler, Topograph und Kupferstecher des Manierismus. Er hielt sich ab ca. 1559 in Rom auf und wurde 1572 zum Architekten des päpstlichen Konklave ernannt. 1578 oder 1582 kehrte er nach Frankreich zurück, wo er als Architekt in die Dienste des Herzogs von Aumale trat und an der Gestaltung des Schlossparks von Anet beteiligt war. Seit 1595 Hofarchitekt König Heinrichs IV., war er für das Schloss Saint-Germain-En-Laye I tätig und schuf die (verlorenen) Malereien für das Badehaus des Schlosses Fontainebleau. Der Entwurf von 1603 zur plastischen und ornamentalen Ausstattung eines Saals im "Pavillon de Flore" der Tuileries stammt von ihm. Heute ist Dupérac vor allem durch seine Grafiken bekannt, z.B. durch einen grossen Plan des antiken Rom (1574) und des zeitgenössischen Rom (1577), letzterer in vier Blättern aus der Vogelschau gestaltet. Wichtig sind die 40 Blätter "Vestigi dell`Antichità di Roma...² von 1575 und das Album mit Federzeichnungen "Illustration des Fragments antiques" (Paris, Musée National du Louvre).

Dupeyrac, EtienneDupérac, Etienne

Durand, Jean-Nicolas-Louis
(1760-1834). Französischer Architekt, Theoretiker und Lehrer. Schüler von Boullee. Student der Ecole des Beaux Arts, Rompreisträger. Sein wohl einzig bedeutendes Bauwerk war das Hotel la Thuille in Paris (1788, im 19. Jh. zerstört). Von 1795-1830 lehrte Durand auf dem Polytechnikum in Paris und veröffentlichte während dieser Zeit zahlreiche architekturtheoretische Schriften; u.a. "Recueil et parallele des Edifices anciens et modernes" (1800); "Precis des Lecons d`architecture" (1802-05).

Dürer, Albrecht
Geb. 21.5.1471 in Nürnberg - 6.4.1528 in Nürnberg. Deutscher Maler, Graphiker und Kunstteoretiker; Sohn des Goldschmieds Albrecht Dürer d. Ä. (gest. 1502). Nach der Lehre in der Werkstatt des Vaters 1484/86 lernte er 1486/90 bei dem Maler und Holzschneider M. Wolgemut, ging danach 1490/94 auf Wanderschaft mit Aufenthalt in Basel, Colmar und Strassburg. Am 7.7.1494 heiratete er Agnes Frey. Nach seinem ersten Aufenthalt in Venedig 494/95 richtete er in Nürnberg eine eigene Werkstatt ein. Nach 1500 arbeitete hier die erste Schülergeneration mit H. Baldung Grien, H. von Kulmbach und H.L. Schäufelein. 1505/07 unternahm Dürer eine zweite Italienreise mit Aufenthalt in Venedig und Bologna, seit 1512 arbeitete er im Auftrage Kaiser Maximilians I., 1519 reiste er in die Schweiz und begegnete H. Zwingli, 1520/21 in die Niederlande. In das Jahr 1526 fallen Dürers letzte künstlerische Arbeiten, danach betrieb er allein kunsttheoretischer Studien. Das erhaltene Gesamtwerk umfasst rund 70 Gemälde, 100 Kupferstiche, 350 Holzschnitte, 900 Handzeichnungen und einen umfangreichen schriftlichen Nachlass. - In der Goldschmiedelehre wurde Dürer mit den Anfangsgründen des Zeichnens und Gravierens vertraut gemacht, bei Wolgemut erlernte er neben der Holzschnittechnik die handwerklichen Grundlagen der Malerei; seine frühen Zeichnungen zeigen den Einfluss Wolgemuts in der sachlichen Aufnahme der Dinge und der körperlichen Modellierung. Grossen Einfluss übten auf Dürer die graphischen Blätter M. Schongauers und des Hausbuchmeisters aus, bald auch italienische Kupferstiche (A. Mantegna). Das erste Werk ist ein Selbstbildnis, die Silberstiftzeichnung von 1484 (Wien, Albenina). Selbstbildnis und Porträt beschäftigten Dürer sein ganzes Leben lang intensiv. Im Zusammenhang mit Wanderschaft und Italienreise entstanden die Landschaftsaquarelle, die die Landschaftsmalerei als selbständige Bildgattung entscheidend vorbereiteten. Die erste Italienreise führte zu einem neuen Formverständnis ("Dresdener Altar", 1496, Dresden, Staatl. Kunstsammlungen; "Bildnis des Vaters", 1497; London, Nationalgalerie). Zunächst beschäftigte sich Dürer intensiv mit Kupferstich (mehrere Mariendarstellungen) und Holzschnitt (die grossen Zyklen: "Apokalypse", 1498, die "Grosse Holzschnittpassion" begonnen), danach entstanden neben Porträts ("Selbstbildnis", 1498, Madrid, Prado; Tucherbildnisse, 1498, Weimar, Staatl. Kunstsammlungen; "Oswolt Krell", 1498, Budapest, Museum der bildenden Künste; "Selbstbildnis", 1500, München, Alte Pinakothek) grössere Tafelbilder ("Paumgärtner-Altar", München, Alte Pinakothek; "Florentiner Anbetung", Florenz, Uffizien); er betrieb intensive Naturstudien (u.a. "Grosses Rasenstück", 1503, Wien, Albertina) und begann, nach der Bekanntschaft mit J. de'Barbari (1500), Proportionsstudien (Kupferstich "Adam und Eva", 1504). Während des zweiten Italienaufenthaltes ("Rosenkranzfest", 1506; Prag, Nationalgalerie) wurde er mit kunsttheoretischen Arbeiten Leonardo da Vincis, während des Aufenthaltes in Bologna 1506 vielleicht auch mit Raffael bekannt. 1507/11 entstanden die Tafeln mit "Adam" und "Eva" (1507; Madrid, Prado), der "Marter der Zehntausend" (1507; Wien, Kunsthistor. Museum), "Mariae Himmelfahrt" (Heller-Altar, 1508; zerstört) und das "Allerheiligenbild" (1511; Wien, ebd.); er schloss die "Grosse Holzschnittpassion" ab, die Holzschnittfolge des "Marienlebens", die Kupferstichpassion und die "Kleine Holzschnittpassion" entstanden. 1513/14 schuf Dürer die drei Meisterstiche "Ritter, Tod und Teufel" (1513), "Hieronymus im Gehäus" und "Melancolia I" (beide 1514) sowie die Kohlezeichnung der "Mutter" (1514; Berlin, Dürer, Staatl. Museen). Für Kaiser Maximilian I. arbeitete Dürer an der "Ehrenpforte", dem "Triumphwagen" und zeichnete Federzeichnungen zum "Gebetbuch". Während der Niederlandreise, auf der er ein Tagebuch führte und Reiseeindrücke in Skizzenbüchern festhielt, begann eine erneute intensive Beschäftigung mit dem Porträt (z.B. "Bildnis eines jungen Mannes", 1521; Dresden, Staatliche Kunstsammlungen), die, in allen Dürer zugänglichen Techniken, seine letzte Schaffensphase bestimmte. Sein künstlerisches Vermächtnis sind die beiden Tafeln der "Vier Apostel" (1526; München, Alte Pinakothek). - Dürers Werk zeigt ihn fähig zu expressiver Formensprache (Apokalypse) wie zum Streben nach Beruhigung und nach grosser, klarer Form. Anregungen von Italien und den Niederlanden verarbeitete er völlig eigenständig und führte die deutsche Malerei seiner Zeit zur Reife der Hochrenaissance. In den graphischen Techniken - neben Kupferstich und Holzschnitt hat er auch Eisenradierungen geschaffen - erreichte er eine bis dahin nicht gekannte Vollkommenheit. Auch neue Themenbereiche hat er erschlossen (autonomes Selbstbildnis, reine Landschaftszeichnung, erster, vom Thema her nicht bedingter freier Akt, 1493) und damit seinen Zeitgenossen entscheidende Anregungen vermittelt. Er ist der erste Künstler nördlich der Alpen, der sich intensiv mit Kunsttheorie beschäftigte, darin Leonardo da Vinci vergleichbar. Angeregt durch Vitruv, betrieb er mathematische Studien, um die Gesetzmässigkeiten der Abbildung von dreidimensionalen Objekten auf die zweidimensionale Fläche zu ergründen. Seine drei wissenschaftlichen Werke: "Unterweisung der Messung mit Zirkel und Richtscheit" (1525), "Befestigungslehre" (1527), "Vier Bücher von menschlichen Proportion" (1528) sichern ihm einen Platz in der Mathematik der Renaissance. Sein Buch "Etliche vnderricht zu befestigung der Stett, Schloß vnd flecken" ist die erste systematische Arbeit über Wehrbauten unter dem Aspekt der sich immer stärker durchsetzenden Artillerie. Anregungen zu dieser Thematik hat Dürer bei seinen Reisen in die Zentren der damaligen Befestigungskunst (oberitalienische Städte, Niederlande/Antwerpen) erhalten. Er widmete sein Buch König Ferdinand I. (1503-1564), dem er damit ein praktisches Beispiel von Widerstandsmöglichkeiten gegen die nach Mitteleuropa vordringenden Türken in die Hand geben wollte. Wesentliches Element seiner Befestigungen sind gewaltige, halbrund vorspringende mehrgeschossige Basteien, deren gemauerte Kasematten sowohl für Geschützaufstellung als auch als Mannschafts- und Vorratsräume gedacht waren. (Wehrbauten, die auf Dürers Ideen fussen, wurden errichtet in Nürnberg, Ulm, Nördlingen, Rothenburg o.d.T. und Schaffhausen.) - Dürer behandelte als erster nördlich der Alpen die Kegelschnitte synthetisch mit den Mitteln der darstellenden Geometrie, er führte eine affine Transformation von Kreis in Ellipse durch, konstruierte regelmässige Polygone, reguläre und einige halbreguläre Polyeder. Er entwickelte ein Diagonalverfahren zur Transformation des Normalrisses einer ebenen Figur in einen Zentralriss, verwendete Distanzpunkte bei Konstruktionen, setzte eine kartes. Skala konstruktiv in eine projektive Skala um und gab den Zentralriss eines abgestumpften Rhomboeders an. Seine vielfältigen Ansätze zur theoretischen Fundierung mathematischer Anwendungsbereiche wurden jedoch in der Folgezeit nicht unmittelbar aufgegriffen und weiterentwickelt.

Durm, Josef
* 14.2.1837 in Karlsruhe, + 3.4.1919 in Karlsruhe. Deutscher Architekt des Historismus und Architekturschriftsteller. Studierte an der Technischen Hochschule in Karlsruhe, an der er seit 1868 selbst unterrichtete. Seine Bauten, in denen er eklektizistisch das Formenrepertoire der Architekturgeschichte kombinierte, konzentrieren sich im badischen Raum. Er erhielt Aufträge für Privatbauten (Schmieder-Palais, 1881-84, Karlsruhe) und für alle öffentlichen Bauaufgaben, u.a. für das Grossherzogliches Palais Karlsruhe (1892-97). Bedeutend war er als Verfasser zahlreicher Schriften zur Architekturgeschichte und als Mitbegründer des Inventars "Kunstdenkmäler im Grossherzogtum Baden" (seit 1887).

Dürr, Johann GeorgDirr, Johann Georg

Duval, Marc
(auch le Sourd). * um 1530 in St-Vincent, einem Vorort von Le Mans, + 13.9.1581 in Paris. Französischer Maler, Sohn des Malers und Bildhauers Bertin Duval. Um 1550 ging er nach Italien, wo man ihn 1553 mit der Dekoration des Sacchetti-Palazzo Florenz betraute. Nach seiner Rückkehr 1560 wurde er Porträtist bei Katharina von Medici und Karl IX. Ihm werden zwar zahlreiche Stiche und Zeichnungen zugeschrieben, doch nur die Zeichnung der "Drei Brüder Coligny" (1579, Paris, Bibliothèque Nationale, Cabinet des E

Dyck, Anthonius van
(auch Anthonie). * 22.3.1599 in Antwerpen, + 9.12.1641 in Blackfriars, London. Flämischer Maler. Neben Peter Paul Rubens der wichtigste Repräsentant der flämischen Barockmalerei, begann mit zehn oder elf Jahren bereits eine mindestens vierjährige Lehre bei Hendrik van Balen. Zwischen 1616 und 1618 kam er als Schüler zu Rubens, den er sehr bewunderte und dessen Mitarbeiter er bis 1620 blieb. Nach einem kurzen Londonaufenthalt am Hof Jakob I. reiste er im Herbst 1621 nach Italien. 1627 kehrte er in die Heimat zurück. 1630 wurde er von der Statthalterin Erzherzogin Isabella zum Brüsseler Hofmaler ernannt, doch behielt er seinen Wohnsitz in Antwerpen und arbeitete auch für den holländischen Hof. 1632 ging van Dyke zum zweiten Mal nach England, wo er der offizielle Hofmaler von Karl I. wurde und wo man ihn zum Ritter schlug. Er malte damals fast ausschliesslich Bildnisse der königlichen Familie und ihrer Umgebung. Nach kaum zweijährigem Aufenthalt verliess van Dyck London wieder und begab sich nach Antwerpen und Brüssel, wo er den Kardinal-Infanten Ferdinand nach dessen festlichem Einzug malte. 1635 kehrte er wieder nach London zurück, wo er in den folgenden fünf Jahren eine grosse Werkstatt mit zahlreichen Gehilfen unterhielt. Während der politischen Unruhen in England 1640 ging er wieder nach Antwerpen. Im Januar 1641 hielt er sich in Paris auf, wo er hoffte, für die grosse Galerie des Louvre einen Zyklus von Bildern schaffen zu können, doch erhielt Nicolas Poussin den Auftrag. Im Mai desselben Jahres war van Dyke vermutlich in London bei der Hochzeit der zehnjährigen Tochter Karls I., Prinzessin Maria Stuart, mit Wilhelm II. von Oranien anwesend, um das Paar zu malen. Doch van Dyke starb noch im gleichen Jahr und wurde in der alten St. Pauls-Kathedrale beigesetzt. Aus van Dyks erster Zeit als Maler haben sich mehrere Bilder mit "Szenen aus dem Leben Christi" und Aposteldarstellungen erhalten; entscheidend für seine weitere Entwicklung wurde jedoch erst seine Zeit bei Rubens. Dabei konnte van Dyck trotz des grossen Einflusses des Lehrers schon früh einen eigenständigeren Stil entwickeln. Für die Paulskirche in Antwerpen schuf er 1617 eine "Kreuztragung Christi", zusammen mit Rubens dekorierte er die Jesuitenkirche St. Carolus Borromeus. 1618 entstand ein Zyklus mit der Geschichte des römischen Konsuls Decius Mus (Vaduz, Sammlung Fürst Liechtenstein), wobei van Dyck nach Entwürfen von Rubens malte; zudem verfertigte er auch Grisaille-Stichvorlagen nach Gemälden seines Lehrers. In seinen selbständigen Werken gestaltete van Dyck mythologische ("Der trunkene Silen", Dresden, Gemäldegalerie), biblische und religiöse Themen, wie "Susanna im Bade" (München, Alte Pinakothek) und "Hl. Hieronymus" (Dresden, Gemäldegalerie), wobei letzteres Bild die Unterschiede zwischen Meister und Gehilfen im Vergleich mit der Darstellung desselben Themas von Rubens, Peter Paul (ebenfalls in der Dresdener Gemäldegalerie) deutlich sichtbar macht. Frühwerke sind auch "Martyrium des hl. Sebastian" (München, Alte Pinakothek), "Gefangennahme Christi", "Dornenkrönung Christi" und "Verspottung Christi" (alle Madrid, Museo del Prado) und auch so bedeutende Porträts wie "Bildnis einer schwarzgekleideten Dame", "Bildnis eines Geharnischten mit roter Armbinde" (beide Dresden, Gemäldegalerie), "Der Maler Franz Snijders und seine Frau" (Kassel, Staatliche Gemäldegalerie) und sein erstes Porträt von "Jan Vermeulen" (1616, Vaduz, Sammlung Fürst Liechtenstein). Charakteristisch für diese ersten Bildnisse ist die Gestaltung des Hintergrunds mit Würdeformen wie immer wiederkehrende Vorhänge und Säulenarchitekturen. Die Szene ist meist in warmem Helldunkel gehalten und im Gegensatz zum groben, breiten Pinselstrich vieler anderer Frühwerke sehr fein und nervös gemalt. Während vna Dycks erstem Aufenthalt in England entstanden wahrscheinlich die Bilder "Enthaltsamkeit des Scipio" (Oxford, Christ Church Library Collections) und "Thomas Howard, Earl of Arundel and Surrey" (New York, Privatbesitz). In der italienischen Zeit des Künstlers nahm der Rubens-Einfluss durch die Auseinandersetzung mit dem Werk von Tizian, den Bildern von Correggio und der Bologneser Malschule sowie durch das Studium der venezianischen Farbgebung etwas ab. Es entstanden Gemälde wie "Der Zinsgroschen" (Genua, Palazzo Bianco), "Christus am Kreuz" (Genua, Palazzo Reale), "Allegorie der vier Lebensalter" (Vicenza, Pinacoteca Civica) und die sog. "Madonna del Rosario" (Palermo, Oratorio del Rosario). Vor allem waren jedoch van Dycks Porträts aus dieser Zeit von entscheidender Bedeutung, wie z.B. das in Rom geschaffene Bildnis seines Gönners "Kardinal Giulio Bentivoglio" (Florenz, Palazzo Pitti, Galleria Palatina) und die vielen Porträts von Mitgliedern der vornehmen Genueser Gesellschaft, wie "Marchesa Balbi" (Washington, National Gallery of Art), "Paola Adorno, Marchesa Brignole Sale mit ihrem Sohn" und "Marchesa Elena Grimaldi-Cattaneo" (beide Washington, National Gallery of Art, Sammlung Widener). Van Dycks Kompositionen wurden nun strenger und geschlossener und die tonwerte feiner und trockener. Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt Antwerpen malte er viele religiöse Gemälde, wie "Der hl. Augustinus in Verzückung" (1628, Antwerpen, Augustinerkirche), "Kreuzigung Christi" (1630, Gent, St. Michael), "Beweinung Christi" in mehreren Fassungen (1634, z.B. München, Alte Pinakothek, und Antwerpen, Koninklijk Museum voor Schone Kunsten), "Vision des seligen Hermann Joseph" (1630, Wien, Kunsthistorisches Museum) und "Ruhe auf der Flucht nach Ägypten" (München, Alte Pinakothek). Daneben setzte van Dyck die Porträtmalerei fort: Es entstanden u.a. das bereits 1690 zerstörte Gruppenbildnis "Die Brüsseler Stadtregierung" (1634), das Doppelporträt "Der Maler Jan de Wael mit seiner Frau Gertrud de Jode" (um 1628, München, Alte Pinakothek), "Lukas von Uffel" (Braunschweig, Herzog-Anton-Ulrich-Museum), "Graf von Bergh" (um 1630, Madrid, Museo del Prado) und die "Statthalterin Erzherzogin Isabella" (Paris, Musée National du Louvre). Van Dyck bevorzugte bei den Bildnissen nun Halbfiguren, die Würdeformen wurden reduziert, und die Dargestellten erhielten ihre Wirkung vor allem durch eine leichte, vornehme Haltung voll Eleganz und Distanz. In der Zeit kurz nach seiner Rückkehr von Italien begann van Dyck, Material für seine "Iconographie" zu sammeln, eine radierte Bildnisserie von Fürsten, Staatsmännern und Künstlern, die er ohne eigentlichen Auftrag plante; er radierte elf Porträts selbst und lieferte für die übrigen die Vorlagen für die Stecher. Die erste Ausgabe mit ungefähr 80 Blättern erschien 1636-41. Van Dycks Aufenthalt in England brachte die berühmtesten seiner Bildnisse, wie die der "Königin Henrietta Maria" (um 1632, Windsor Castle, Royal Collection), "König Karl I. mit Reitknecht und Pagen) (um 1635, Paris, Musée National du Louvre), das "Brustbild Karls I. in dreifacher Ansicht" (1636, Windsor Castle, Royal Collection), "Die Kinder Karls I. (Turin, Galleria Sabauda), ein "Reiterbildnis Karls I." (um 1638, London, National Gallery) und "Prinz Willem II. und seine junge Gemahlin Prinzessin Maria Stuart" (1641, Amsterdam, Rijksmuseum). Ausserdem hinterliess van Dyck mehrere Selbstbildnisse (z.B. St. Petersburg, Eremitage, und München, Alte Pinakothek), viele Zeichungen und Landschaftsaquarelle, die modern anmutende Züge aufweisen, sowie das sog. Italienische Skizzenbuch, eine Fülle von Studien nach italienischen Gemälden (London, British Museum). Van Dycks Stil, der sich an Rubens, dem nur wenig älteren Jakob Jordaens und an den Venezianern orientierte, ist vor allem durch eine sehr flüssige Art der Malweise, einen nervösen Strich, malerisches Helldunkel, ein klassisches, bei allem Malerischen körpgerhaftes Figurenideal und eine Neigung zu monumentaler Komposition gekennzeichnet, doch ebenso auch durch Weichheit, Einfühlungsgabe und - verglichen mit Rubens - einen Mangel an Vitalität. Venezianisches und flämisches Formgefühl und Farbgefühl gingen in seinem Werk eine Verbindung ein. Van Dycks Hauptleistung waren die Bildnisse, die als Standesporträts mehr durch die Haltung des Dargestellten als durch Würde bezeichnende Requisiten wirken. Das leicht Verhaltene der Bewegung, eine allgemeine Zurückhaltung bei gleichzeitiger Lässigkeit, eine verfeinerte, warme Farbgebung mit viel dämpfendem Schwarz und die Betonung des Gesellschaftlichen und Aristokratischen bedeuten hierbei zentrale Charakteristika. Realistische Psychologisierungen und Individualisierungen liegen im Wettstreit mit einer überpersönlichen, eleganten Haltung. Van Dycks Menschenbild und Weltverständnis waren weniger ausgeprägt als bei Rubens, Diego Velázquez oder Franz Hals, doch sein Typus des repräsentativen Adelsporträts wurde zum Vorbild für die nachfolgende Bildnismalerei in Italien, den Niederlanden, in Frankreich und vor allem im England des 18. Jh. bei Malern wie Thomas Gainsborough, Joshua Reynolds und Thomas Lawrence.