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43 Person(en) gefunden.

Ebe, Gustav
* 1.11.1834 in Halberstadt, + 1916 in Berlin. Deutscher Architekt des Historismus, gründete 1869 ein eigenes Büro in Berlin und errichtete in der Folgezeit zahlreiche Privathäuser in Berlin im Stil der italienischen und deutschen Spätrenaissance sowie des Barock (Pringsheim-Palais, 1872-74); Tiele-Winckler-Palais, 1873 - 1876). Beteiligte sich an zahlreichen Wettbewerben und veröffentlichte eine Reihe von Schriften zur Baugeschichte und Kunstgeschichte.

Eberhard, Konrad
* 25.11.1768 in Hindelang, Allgäu, * 12.3.1859 in München. Deutscher Bildhauer, Maler und Lithograf des Klassizismus, ab 1796 Schüler von Roman Anton Boos in München. Seit 1806 in Rom, schuf er mythologische Figuren für den bayerischen Hof (Nymphenburger Park, München). 1826 nach München zurückgekehrt, widmete er sich ausschliesslich religiösen Arbeiten. Eberhard gilt als einer der bedeutendsten Meister kirchlicher Kunst in der ersten Hälfte des 19. Jh.

Ebhardt, Bodo
* 5.1.1865 in Bremen, * 13.2.1945 auf der Marksburg bei Braubach. Deutscher Architekt, dem Historismus der wilhelminischen Zeit verpflichtet, wurde vor allem als Restaurator von Burgen bekannt, z.B. der Hohkönigsburg im Elsass (1899 bis 1908), der Marksburg (1899-1905) und der Veste Coburg I (1900-1926). Ebhardt entwarf aber auch neue Schlossbauten wie Schloss Wommen bei Eisenach (1912-14) und Schloss Gollwitz Brandenburg (1929-30) sowie zahlreiche Villen, Wohnhäuser, Geschäftshäuser u.a.

Echogewölbe
(auch Flüstergewölbe, Flüstergalerie). Räume mit besonders konstruierten Gewölbeformen oder Deckenformen, die den Schall zu einem genau berechneten Punkt leiten und ihn dort gewissermassen zentrieren, so dass auch leise Töne über weite Entfernungen hin vernehmbar sind; häufig in Schlossbauten des 18. Jh.

Echtler, Johann Joseph
Schlesischer Stukkateur. War am Bau von Schloss Bad Warmbrunn beteiligt.

Echtler, Johann Peter
(*1739 o. 1741 in Steingaden, +1815 in Berlin). Bildhauer und Stukkateur in Breslau. Arbeitete u.a. an den Schlössern Romberg Krs. Breslau und Stephansdorf mit.

Eckhart, der Getreue
Eckart ist eine Gestalt aus dem Kreise der deutschen Heldensage, der Sohn der Hachc, der Pfleger der Söhne Harlungs, die Ermenrich töten liess, ein Held Dietrichs von Bern, mit dem er im Mythus die Teilnahme an der wilden Jagd teilt. Eckhart zieht vor dem wütenden Heere her mit Holda und ist verwünscht, bis zum jüngsten Tage im Venusberg zu weilen. Wenn Holda nach der Sage mit dem wütenden Heere aus ihrem Berge zieht, schreitet der treue Eckhart als ein alter Mann mit langem Barte und weissem Stabe voraus. Dieser warnt jedermann, aus dem Wege zu gehen. Einmal begegnen ihm zwei Kinder, die soeben einen Krug Bier für ihre Eltern aus dem Wirtshaus geholt hatten. Das wütende Herr hielt sie an, riesige Männer nahmen ihnen den Krug ab und leerten ihn. Die Kleinen weinten bitterlich. Aber der treue Eckhart beruhigte sie und sagte, sie sollen nicht bange sein, der Krug werde sich wieder füllen und niemals leer werden, solange sie verschwiegen hielten, woher die Wundergabe kommt. Als die Kleinen auf die Anfragen der Eltern und Nachbarn schliesslich doch ausschwatzten, versiegte das Bier.

Eckstein, Franz Gregor Ignaz
* 1666 in Seydlowitz, Böhmen, + nach 1736 in Lemberg. Deutscher Freskant, ältester und bedeutendster der mährischen Barockmaler, die aus der Brünner und Olmützer Künstlergemeisnchaft hervorgingen. 1711 liess er sich in Brünn nieder. Seine Hauptwerke sind dort und im übrigen Mähren zu finden: die Fresken des Langhausgewölbes der Stiftskirche in Welherad (1730), in der Jesuitenkirche und der Dominikanerkirche in Troppau, ferner die Ausgestaltung der Säle im Landtagshaus Brünn (1732) und in Schloss Milotitz (1725). In seinen letzten Lebensjahren malte er die Gewölbe des Schiffs und der Kapellen in der Jesuitenkirche in Lemberg aus (1734-36).

Effner, Josef
(1687-1745). Deutscher Barockarchitekt. Geboren in Dachau als Sohn des Hofgärtners des Kurfürsten Max Emanuel von Bayern, der ihn 1706 zur Ausbildung zu Boffrand, Gabriel Germain nach Paris schickte. 1715 kehrte Effner aus Paris zurück und wurde als Hofbaumeister angestellt. Erste Arbeiten waren der Umbau den Schlosses in Dachau (1715) - aus dieser Zeit das Treppenhaus und die Gartenfassade - und das leider stark veränderte Jagdschlösschen Fürstenried in München (1715-17). Bereits 1715 übernahm Effner gemeinsam mit Dominique Girard die Leitung für die Erweiterung des Gartens von Schloss Nymphenburg in München zu einem der bedeutendsten Parks; seit 1716 leitete er auch den Ausbau des von Barelli, Agostino begon. Schlosses in Nymphenburg; er verwandelte dabei die italienische Villa von Barelli, Agostino in ein deutsches Barockschloss. 1718 reiste er nach Italien; zwischen 1719 und 1727 führte er den von Zuccalli begonnenen Bau von Schloss Schleissheim weiter und entwarf u.a. das imposante, grosszügige Treppenhaus , das allerdings erst unter Ludwig I. nach seinen Plänen und unter Verwendung der noch vorhandenen Marmorwerkstücke vollendet wurde. Der Bau des neuen Schlosses ruhte seit 1727; Effner hatte für ihn die bedeutendsten Künstler seiner Zeit, Charles Debut, Johann Baptist Zimmermann, Johann Georg Bader üfr die Stuckarbeiten und Kistlerarbeiten, sowie Cosmas Domian Asam, Franz Joachim Beich, Jacobo Amigoni für die malerische Ausstattung herangezogen, um mit ihnen gemeinsam, im Sinne des barocken Gesamtkunstwerks, die Interieurs zu gestalten; viele der Pläne wurden nie verwirklicht. Beim Ausbau von Nymphenburg konnte Effner seine Ideen in grösserem Masse durchführen; in Barellis (Barelli, Agostino) Mittelbau fügte er den zentral gelegenen, durch drei Etagen reichenden Festsaal ein; die Fassaden wurden kraftvoll durch Pilaster und Fensterrahmungen gegliedert. Im Vorzimmer des nördlichen Apartments konnte sich die für Effner so typische Dekorationskunst, das Bandelwerk der Regence-Zeit erhalten (Wandvertäfelung von Johann Adam Pichler). Die Nebengebäude, wie Orangerie, Komödiensaal, Kavalierswohnungen und Wirtschaftsgebäude, wurden in rechteckigen Flügelbauten, die mit dem Haupttrakt durch offene Galerien verbunden waren, untergebracht. Hervorzuheben sind die von Effner im Park von Nymphenburg errichteten Pavillons: die Pagodenburg im "ostasiatischen Geschmack" (1717-19, im Innern Chinoiserien), die von der franz. Architektur ( französische Architektur) angeregte, idyllische Badenburg (1718) mit dem ersten heizbaren Hallenbad seit der Römerzeit in Europa, und die für jene Zeit ungewöhnlich malerische Magdalenenkapelle und Klause (1723-28, 1944 stark zerstört, wiederhergestellt). In München war Effing seit 1715 mit der Neugestaltung des Grottenhofs der Münchener Residenz beauftragt; hier richtete er auch die "Reichen Zimmer" ein (Neugestaltung nach dem Brand 1729 durch Cuvillies, Francois d.Ä.), vermutlich stammen auch die Pläne für die Ahnengalerie von ihm. Er wurde nach dem Tode Max Emanuels 1726 durch Cuvillies, Francois d.Ä. als Hofbaumeister abgelöst. Von seinen späteren Bauten ist das Palais des Grafen Preysing in der Residenzstrasse in München (1723-28, 1944 stark zerstört, wiederhergestellt) erwähnenswert.

Egell, Paul
* 9.4.1691 in Mannheim, + 10.1.1752 in Mannheim. Deutscher Bildhauer, Stukkateur, Elfenbeinschnitzer und Grafiker. War 1712-17 in Dresden und wurde Schüler von Permoser, Balthasar. Ab 1720 lebte Egell als kurfürstlicher Hofbildhauer in Mannheim I und entfaltete eine reiche Tätigkeit während des Baus des kurfürstlichen Schlosses und des Parks in Schwetzingen. Sein Einfluss reichte, vermittelt durch seinen 1751-52 in seiner Werkstatt arbeitenden Schüler Ignaz Günther, bis in die bayerische Rokokoplastik hinein. An der Wende von Spätbarock zum Rokoko stehend, setzte Egell das barocke Pathos der Generation von Permoser in vergeistigte, mehr von Expressivität und Gestik als vom Körper bestimmte feinsinnige Figurenerfindungen um. Das Rentabel des Hochaltars der Unteren Pfarrkirche in Mannheim (Holz, 1739-41, Berlin, Staatliche Museen, Skulpturen-Sammlung) passte er auf einfühlsame Weise als von Ornament und Skulptur gleichermassen bestimmtes Werk in die ursprüngliche Umgebung ein (der Altar ist grösstenteils zerstört). Auch das Elfenbeintäfelchen "Die Anbetung des toten Christus durch Adam und Eva" (um 1730, Köln, Kunstgewerbemuseum) zeigt die typischen überlängten Figuren und die oft in gegenläufigen Diagonalen geführte Kompositionsweise Egells, der in seinem Spätwerk allerdings zu ruhigerem Aufbau und geschlosseneren Konturen fand. Statuen wie "Der hl. Aloysius Gonzaga" (Holz, um 1750, Mannheim, Städtisches Reiss-Museum) lassen Egell neben Georg Raphael Donner und später Ignaz Günther als einen der bedeutendsten Bildhauer des 18. Jh. erscheinen.

Egotov, Ivan VailevicJegotov, Ivan Vasilevic

Ehrenhofpforte
Das in den Cour d`honneur (Ehrenhof) barocker Schlossanlagen führende Portal; es wird architektonisch besonders hervorgehoben, häufig durch Schmiedeeisengitter abgeschlossen und durch Bauplastik symbolisch interpretiert.

Eickstedt, Adalbert von
Architekt aus Breslau. War beteiligt am Bau von Schloss Slawikau.

Eigtved, Nils
(1701-54). Dänischer Architekt des Rokoko. Schloss Amalienborg in Kopenhagen (1750-54), die schönste städtebauliche Anlage des 18. Jhs. ausserhalb Frankreichs, begründete seinen Ruhm. Er studierte in Dresden bei Pöppelmann, Matthäus (Matthes) Daniel und machte Reisen nach Paris und Rom, ehe er sich 1735 in Kopenhagen niederliess. Als Hofbaumeister legte er ein ganz neues Stadtviertel an, dessen Zentrum das Oktogon der Amalienburg München mit vier diagonal gesetzten Palastbauten bildet. Er entwarf auch die Frederikskirche, doch wurden seine Pläne bei der Ausführung grossenteils verändert. Seine Rokoko-Innendekorationen im kgl. Schloss Christiasnborg (ab 1734) wurden 1794 zerstört.

Eitoku Kano
(eigent. Kano Kuninobu). * 1543 in Kioto, + 1590 in Kioto. Japanischer Maler, Sohn und Schüler von Kano Shoei, Enkel von Motonobu. Einer der führenden Meister der Kano-Schule. Bereits mit 24 Jahren leitete er eine bekannte Werkstatt. Er schuf den für die Prachtbauten der Momoyama-Zeit charakteristischen Typ der Wandgemälde und Schiebtürgemälde auf Goldgrund. Unter anderem wurde ihm die Ausschmückung des Juko-in und des Konoe-Palastes in Kioto übertragen. Sein Hauptwerk war die von seiner Werkstatt ausgeführte Ausmalung der Schlösser von Azuchi-Jo (1576) und Osaka-Jo (1583) sowie des Jurakudai-Palastes (1587) in Kioto. Seine Helfer waren unter anderem seine beiden Brüder Naganobu und Soshu, seine Söhne Mitsunobu und Takanobu und sein Lieblingsschüler und Adoptivsohn Sanraku. Von diesen Arbeiten ist nichts erhalten geblieben. Als sichere Werke von seiner Hand gelten nur die Bilder auf den Schiebetüren des Juko-i in Kioto, der Löwenstellschirm (Kara-shishi) in der kaiserlichen Sammlung und die zwei Stellschirme "Rakuchu-Rakugai" (Drinnen in der Stadt, Draussen vor der Stadt). Eitokus Malstil repräsentiert die dekorative Kunst der Momoyana-Zeit: kraftvolle Tuschkonturen und leuchtende Farben auf Goldgrund, dazu Goldwolken als gliederndes Element. Die Motive auf seinen Bildern sind fast lebensgross und rufen einen äusserst naturalistischen Eindruck hervor.

Elgin, Lord Thomas Bruce
Am 20.7.1766 geboren. Im Alter von fünf Jahren erbte er die Titel des 7. Earl of Elgin und des 11. Earl of Kincardine. Er besuchte die berühmte Harrow School und studierte an der Universität von Saint Andrews (Schottland) und in Paris. 1785 trat er in die Armee ein, wo er bis zum Generalmajor aufstieg. 1790 wechselte er in den diplomatischen Dienst über, wurde 1792 Gesandter in Brüssel und 1795 ausserordentlicher Gesandter in Berlin. 1799 ging Elgin als Botschafter nach Konstantinopel; er hatte diese Mission angenommen, um in einem milderen Klima ein schweres Rheumaleiden zu kurieren. Vor allem aber wollte er die Kunstwerke der Athener Akropolis - Griechenland gehörte damals zum Osmanischen Reich - kopieren und möglichst auch erwerben. Sechs Künstler (Maler und Konstruktionszeichner) begleiteten Elgin, um die antiken Kunstwerke und Bauten zu zeichnen. In Konstantinopel erwirkte Elgin nach langen Bemühungen die Erlaubnis, von den Skulpturen und Metopen des Parthenon Gipsabdrücke zu fertigen und sogar eineige Steine mit alten Inschriften oder Figuren abzunehmen und ins Ausland zu schaffen. Was zuvor nicht einmal den Franzosen erlaubt gewesen war, das hatte jetzt nach Napoleons "ägyptischer Expedition" ein Engländer durchsetzen können. Die Künstler gingen in Athen sofort ans Werk; sie zeichneten, vermassen die Bauwerke der Akropolis und smmelten Antiquitäten mit grossem Eifer. Der Beauftragte von Elgin in Athen, der Botschaftskaplan P. Hunt, packte alle erreichbaren Kunstschätze in Kisten. Er kaufte sämtliche Wohnhäuser, die auf der Akropolis unter Verwendung antiken Materials errichtet worden waren, und liess sie abbrechen, um darunter nach Kunstwerken zu graben. Er demontierte rücksichtslos die besterhaltenen Metopen des Parthenon und beschädigte dabei die angrenzenden Bauteile. Elgin, der die Handlungsweise seiner Beauftragten nicht nur duldete, sondern sie sogar förderte, geriet indessen in Konstantinopel in persönliche und diplomatische Schwierigkeiten und wurde krank. Obendrein wurde er in der englischen Presse wegen seines Vandalismus auf der Akropolis heftig attackiert. Nach dem Friedensschluss mit Frankreich 1802 beeilte sich Elgin seine umfangreiche Sammlung nach London zu verschiffen, bevor die Franzosen zurückkehrten und wieder Einfluss gewinnen konnten. Im Manuar 1803 trat Elgin als Botschafter Zurück. Auf der Heimreise durch Frankreich brach der Krieg zwischen England und Frankreich erneut aus, und Napoleon liess den Lord gefangennehmen. Seine Frau und einen mitreisenden Schotten liess Bonaparte bald wieder frei. Elgin selbst hätte seine Freilassung erkaufen können, wenn er bereit gewesen wäre, seine Sammlung dem Louvre zu überlassen. Aber er blieb unnachgiebig, 1806 wurde er endlich entlassen und ging nach London. Der Versand der Antiquitäten durch Hunt und Lusieri, einem der sechs Künstler, stiess wegen der Kriegsereignisse, der ständigen Bemühungen Frankreichs, die Kunstwerke an sich zu bringen, und dem wachsenden Misstrauen der türkischen Regierung auf Schwierigkeiten. Trotzdem kamen nach und nach mehr als 200 Kisten in den englischen Häfen an. Zwölf Kisten gingen bei einem Schiffbruch am Kap Malea unter und konnten erst nach dreijähriger Arbeit von Tauchern geborgen werden. Die noch nicht abgesanten Skulpturen fielen 1807 den Franzosen in die Hände; sie mussten sie aber zwei Jahre später nach Ende des Türkisch-Russischen Krieges zusammen mit zahlreichen ägyptischen Beutestücken an England ausliefern. Als 1811 die letzten Kisten in England eintrafen, war Elgin, der die gesamte Aktion selbst finanziert hatte, bankrott. Er musste seine gewaltige Sammlung dem Britischen Museum zum Kauf anbieten. Die Fachwelt bestritt jedoch den künstlerischen Wert der "Elgin narbles", woraufhin ein heftiger Meinungsstreit entbrannte, den erst 1816 eine Parlamentskommission durch ihre Entscheidung für einen Ankaufbeendete. Sie bewilligte dem Lord nur 36.000 Pfund und damit nur wenig mehr als die Hälfte seiner Ausgaben. Die "Elgin marbles" aber, zu denen u.a. auch eine Kore vom Erechtheion gehört, zahlen seitdem zu den Kostbarkeiten der Londoner Antikensammlung Lord Elgin starb am 14.11.1841 in Paris. .

Elias von Dereham
(gest. 1245). Domherr von Salisbury und Wells (England). Er war bei der Unterzeichnung der Magna Charta und 1220 bei der Überführung der Gebeine Thomas Beckets zugegen. Er war ausserdem Bauleiter der königlichen Bauten für das Schloss von Winchester und den Clarendon-Palast und "a prima fundatione rector" der Kathedrale von Salisbury. "Rector" lässt eher an administrative als an künstlerische Aufgaben denken, aber Elias wurde auch für eine Schale, die er für Salisbury gemacht hat, bezahlt, und in Verb

Elias von DurhamElias von Dereham

Ende, Hermann
* 4.3.1829 in Landsberg/Warthe, + 10.8.1907 in Wannsee bei Berlin. Deutscher Architekt. Erhielt seine Ausbildung 1851-55 an der Bauakademie in Berlin sowie auf einer Studienreise nach Italien und Griechenland. Er lieferte mit seiner gemeinsam mit Wilhelm Böckmann gegründeten Baufirma wichtige Beiträge zur Entwicklung der von der Neorenaissance bestimmten Berliner Architektur seiner Zeit. Unter seinen Bauten ragen das sog. Rote Schloss (ein Geschäftshaus von 1864) und das Völkerkundemuseum (1886) in Berlin sowie das {Erbprinzlisches Palais Dessau> (1883) hervor; daneben entstanden zahlreiche Villen in Berlin und seiner Umgebung und die 1886-91 in vielfältigen Renaissancereformen errichteten Bauten des Parlaments, des Justizministeriums und des Justizpalastes in Tokio.

Ende, Hermann
Bildete zusammen mit Wilhelm Böckmann das Architekturbüro Ende & Böckmann. Gemeinsam bauten sie die Villa Eichenschloss.

Endymion
Sohn des Aethlios und der Kalyke; wird im Allgemeinen für den König von Elis gehalten. Endymion, ein wunderschöner junger Mann, in den sich die Göttin Selene (Luna) verliebte, ist in der Regel im Schlaf dargestellt; häufig sind ihm auch Tiere beigestellt.

Engel, Jakob
(Angelini) * 1632 in Monticello bei San Vittore (Graubünden), + 1714 in Eichstätt. Erster namhafter Architekt beim Wiederaufbau der Stadt (nachweisbar ab 1663). Zum Hofbaudirektor ernannt, vollendete er 1702 den Westflügel der Residenz (Eichstätt II) und auch den Ostflügel.

Engelhard, Friedrich Wilhelm
* 9.9.1813 in Grünhagen b. Lüneburg, + 23.6.1902 in Hannover. Deutscher Bildhauer und Maler, lernte zunächst Elfenbeinschnitzerei in Paris und London und kam anschliessend während seiner Ausbildung zum Bildhauer 1839 zu Bertel Thorvaldsen nach Kopenhagen und 1840 zu Ludwig von Schwanthaler nach München, der grossen Einfluss auf ihn ausübte. In den späten vierziger Jahren wandte er sich auch der Porträtmalerei zu. Nach einem Romaufenthalt 1855-58 berief ihn König Georg V. nach Hannover und liess ihn in der neuerbauten Marienburg Schulenburg II sein schon 1851 entworfenes Hauptwerk ausführen, den Relieffries mit 18 Darstellungen aus der Eddasage. Wichtig sind daneben das Denkmal "Friedrich von Schiller" (1863, Hannover) und die Statuen "Raffael", "Michelangelo" und "Albrecht Dürer" für die Fassade der Hamburger Kunsthalle.

Entres, Josef
Bildhauer. Mit 16 Jahren kam Entres nach München an die Kunstakademie und wurde dort Schüler von Konrad Eberhard. Gerade in seinem mittelalterlichen Stil wurde Entres sehr durch Eberhard beeinflusst. Mit der Rückbesinnung auf das Mittelalter wandte sich Entres als einer der Ersten von der antikisierenden Richtung ab. Für den Münchner Dom schuf Entner u. a. eine Madonnenstatue und ein Abendmahl. Er war auch am Torhaus von Schloss Anif beteiligt. Am 14. Mai 1870 starb Joseph Otto Entner in München.

Eos
(röm. Aurora). Tochter der Titanen Hyperion und Theia; Schwester des Sonnengottes Apoll (ursprünglich Helios) und der Mondgöttin Selene (Luna). Die Göttin der Morgenröte steht jeden Morgen auf, um die Finsternis zu vertreiben und das Tageslicht anzukündigen. Sie zeigt sich vielfach als geflügelte Göttin, die von einem Lichtstrahl erleuchtet wird; zuweilen fährt sie einen von zwei Pferden gezogenen Wagen.

Eosander, Johann Friedrich Freiherr von
(gen. Eosander von Göthe; 1670 in Riga - 1729). Barockarchitekt, der vor allem durch seine Bauten in Berlin bekannt wurde. Er lernte bei Tessin, Nicodemus d.J. und trat offenbar im Jahre 1692 in die Dienste des Kurfürsten von Brandenburg, des späteren Königs Friedrich I. in Preussen. Nach Reisen in Italien und Frankreich war er ab 1699 Hauptmann und Hofarchitekt in Berlin. Anfangs mit Festdekorationen beauftragt, begann er mit dem Mittelbau des Schlosses der Gräfin Wartenberg, später Monbijou genannt (im späten 18. Jh. stark verändert; im Zweiten Weltkrieg zerstört, wieder aufgebaut). Danach übertrug ihm die Königin Innen- und Aussenarbeiten an dem von Nering, Johann Arnold begonnenen Charlottenburger Schloss; dessen markantesten Teil, den mittleren, kuppelgekrönten Turm, baute er jedoch erst nach ihrem Tode. Auch die Fertigstellung des prunkvollsten Raums im Mittelbau, des Porzellankabinetts (1706-08), hat die Auftraggeberin nicht mehr erlebt. Nachdem Schlüter, Andreas infolge des Einsturzes des Münzturms in Ungnade gefallen war, erhielt Eosander die Aufsicht über den Bau des kgl. Schlosses in Berlin (1708). Er erweiterte den grossen Hof (indem er die Fassade von Schlüter, Andreas wiederholte) und schuf ein eindrucksvolles Portal in Form eines Triumphbogens, der einen hohen Turm tragen sollte (1945 zerstört). Nach dem Tode Friedrichs I. wurde Eosander entlassen. 1722 zog er nach Dresden, wo er für Graf Felming das Schlösschen Übigau an der Elbe baute (1724-26).

Epigonos
Tätig in der 2. Hälfte des 3. Jh. v. Chr. Griechischer Bildhauer am Hof des Königs Attalos I. von Pergamon, Schöpfer der in einer römischen Marmorkopie erhaltenen Statue eines sterbenden Barbarenfürsten, die neben anderen auf einem von ihm konzipierten Siegesdenkmal anlässlich der Galaterkriege stand (Rom, Museo Capitolino). Das Bronzeoriginal der Gruppe Ludovisi von einem ähnlichen Monument geht vermutlich auch auf ihn zurück (Rom, Museo Nazionale). Ausserdem ist die Signatur einer Porträtstatue Attalos` I. erhalten.

Epona
Keltisch-römische Schutzgöttin der Pferde, Maultiere, Esel und Fuhrleute.

Erard, CharlesErrard, Charles d.Ä.

Ercole Nigra
(16. Jh.). Piemontesischer Architekt und Ingenieur. Von ihm stammt wahrscheinlich die antik verzierte Tür in Schloss La Tour-d`Aigues.

Erdmannsdorf, Friedrich Wilhelm Freiherr von
(1736-1800). Deutscher Architekt des Frühklassizismus (Klassizismus), wurde aber mehr durch den englischen Palladianismus, der gerade zu jener Zeit im Potsdam Friedrichs des Grossen geschätzt wurde, als durch Palladio, Andrea selbst beeinflusst. Während einer Englandreise 1763 beschloss er, Architekt zu werden. Sein Sil ist elegant und gefällig und unterscheidet sich vollkommen vom radikalen und strengen Klassizismus des zur gleichen Zeit tätigen Ledoux, Claude-Nicolas. 1765/66 reiste Erdmannsdorf mit dem Fürsten Franz von Anhalt-Dessau nach Italien; sie trafen dort mit Winckelmann, Johann Joachim und Clerisseau zusammen. Nach seiner Rückkehr nach Dessau erbaute Erdmannsdorf das neopalladianische Schloss Wörlitz (1769-73). Seine Spätwerke in Dessau, das Schlosstheater (1777), Schloss Georgium (ca. 1780) sowie Marstall und Reitbahn (1790-91) wurden alle zerstört.

Erek
Erek ist der Name eines Ritters aus Artus` Tafelrunde und der Held eines französischen Epos des Crestien des Troyes und eines danach bearbeiteten deutschen von Hartmann von Aue. Erec hatte die schöne Enite zur Frau genommen und verliegt sich, d.h. er versäumt ritterliche Abenteuer. Darüber trauert Enide; Erec, wie er den Grund erfährt, zieht mit ihr auf Thaten aus, verbietet ihr jedoch, ihn vor Gefahren zu warnen. Da sie das dennoch jedes Mal tut, behandelt er sie hart dafür. Nach vielen Abenteuern tritt er seines Vaters Reich an und verliegt sich nicht wieder. Die Grundmotive sind Ritterehre und Frauentreue.

Ermenrich
Ermenrich ist der Hauptfeind Dietrichs von Bern in der Heldensage. Was er mit dem gotischen Könige Airmanareiks gemeinsam hat, ist nicht nachzuweisen; in der Sage erscheint er als römischer Kaiser, Oheim Dietrichs: er entehrt die Frau seines Marschalls Sibich, worauf er, durch dessen treulose Räte veranlasst, sein eigenes Geschlecht zu Grunde richtet. Die Söhne seines Bruders Harlung lässt er hängen, und seinen Neffen Dietrich von Bern zwingt er zur Flucht ins Hunnenland; Etzel gibt jedoch dem Berner ein Heer mit, durch dessen Hilfe dieser in der Rabenschlacht den Ermenrich besiegt und sein Land wiedergewinnt. Die einzelnen Momente des Lebens Ermenrichs laufen in den Dichtungen, die davon erzählen, sehr auseinander.

Eros
(röm. Armor = Liebe, auch Cupido = Begehren). Griechischer Gott der Liebe. Den ältesten Legenden zufolge aus dem Chaos hervorgegangen; nach gängiger Überlieferung Sohn der Aphrodite Venus) und des Ares (Mars). Eros erscheint als geflügelter, mit Pfeil und Bogen versehener Knabe, oft auch im Besein seiner Mutter. Er schiesst seine Pfeile auf Götter und Menschen ab und entzündet so ihre Liebe.

Errard, Charles d.Ä.
* um 1570 in Bressuire, Deux-Sèvres, + vor dem 28.1.1630 in Paris. Französischer Maler, Stecher und Architekt. Vater von Errard, Charles d.J., liess sich 1598 in Nantes nieder. Ab 1618 war er in Paris ansässig. 1627 unternahm er eine Studienreise nach Italien. Errard war im Dienst Maria de´ Medicis und König Ludwigs XIII. tätig. Von seinem architektonischen und malerischen Werk ist ausser einer "Schlüsselübergabe an Petrus" (1618, Nantes, Kathedrale, Kapelle der Bienheureuse Francoise d`Amboise) nicht meh

Errard, Charles d.J.
(1606-89). Französischer Künstler, der u.a. an der Innenausstattung des Justizpalast Rennes mitarbeitete.

Erzpriester Johannes
Herrscher eines legendären christlichen Reiches, mit dem die Portugiesen ein Bündnis gegen den Islam abschliessen wollten. Die Sage vom Reich des mächtigen Priesterkönigs Johannes, wahrscheinlich ursprünglich von Äthiopien abgeleitet, dem einzigen ununterbrochen christlichen Reich ausserhalb Europas, beschäftigte die Europäer mehrere Jahrhunderte lang. Im 12. und 13. Jh. suchte man das Land zunächst in Asien, vermutete es dann irgendwo in Ostafrika. Einige Karten zeigten es sogar in der Nähe des Golfs von Guinea. Im 14. Jh. glaubte man schliesslich, es mit Äthiopien identifizieren zu können.

Estense, Baldassare
*1442 in Reggio Emilia, + um 1504 in Ferrara (?). Italienischer Maler. Er war der natürliche Sohn des Niccoló III. d`Este, des Fürsten von Ferrara und Reggio d`Emilia, weshalb er auch Baldassare da Reggio genannt wurde. Im Dienste der Herzöge Francesco und Galeazzo Maria Sforza in Mailand hatte er die Möglichkeit, Malerei zu studieren. 1469 malte er in Pavia das Porträt Gian-Galeazzos mit seiner Gemahlin. Noch im gleichen Jahr wechselte er in den Dienst des Herzogs Borso in Ferrara über und wurde zum Hofmaler der Este ernannt.Zwischen 1469-74 führte er zahlreiche Porträtaufträge bei Hofe aus, von denen nur zwei Beispiele erhalten sind, die indes in der Zuschreibung nicht voll gesichert scheinen: das Porträt der "Familie Umberto de` Sacrati" (München, Alte Pinakothek) und das des "Borso d`Este" (Mailand, Castello Sforzesco). Von seiner Arbeit als Medailleur zeugt eine gegossene Porträtmedaille mit dem Brustbild des Ercole I. auf der Vorderseite und seinem Reiterbildnis auf der Rückseite. 1476 beauftragte ihn Simone Ruffini mit der Ausmalung der Kapelle S. Domenica in Ferrara. Dargestellt sind Szenen aus dem Leben des hl. Antonius. Später wurde er in Reggio Emilia "Capitano di Porta Castell", kehrte aber 1497 wieder nach Ferrara zurück, wo er in schwierigen Verhältnissen lebte.

Etzel
Eine bekannte Person der deutschen Heldensage. Die Grundzüge seiner Sage sind folgende: Etzel, Botelungs Sohn, erobert sich Hünenland und überlässt seinem älteren Bruder das väterliche Reich. Dann wirbt er um Herche, Oserichs Tochter. Sie wird ihm versagt, aber Markgraf Rüdiger kommt in einer Verkleidung an ihres Vaters Hof und entführt sie zu Etzel, der nun in fortwährender Feindschaft mit Oserich lebt. Es kommt zum Zug Etzels gegen Waldemar, Oserichs Bruder. Dietrich, Waldemars Sohn, wird vom Berner gefangen, Herche heilt seine Wunden. Er entflieht, aber der Berner holt ihn ein und haut ihn nieder. Grosse Schlacht zwischen den Hünen und Russen, völliger Untergang Waldemars und Eroberung von Russland. Etzel hat nach dem Tode der Herche um Kriemhild geworben, und diese hat ihn in der Hoffnung, dadurch an den Feinden Siegfrieds Rache nehmen zu können, eingewilligt. Es lag von jeher auf der Hand, den Held der Sage mit dem historischen Hunnenkönig Attila zu identifizieren und es ist kein Zweifel, dass der historische Attila zur Ausbildung der Sagengestalt Etzels beigetragen hat; ob aber der sagenhafte Etzel aus der historischen Person Attilas hervorgegangen, ist sehr zweifelhaft. Der dem deutschen Etzel entsprechende Held Atli stimmt in vielen Beziehungen gar nicht zum historischen Hunnenkönig.

Europa
Tochter des phönizischen Königs Agenor und der Telephassa; Schwester des Kadmos. Ursprünglich Name einer phönikischen Mondgöttin, deren Kult durch die kretisch-mykenische Epoche in die ägäische Welt verpflanzt wurde. Die Sage vom Raub der Göttin durch den in Liebe entbrannten und in Gestalt eines Stieres auftretenden Zeus ist ursprünglich kretisch (sie wurde auf Kreta als Hellotis verehrt), wird aber dann von den Achäern übernommen. Die aus dem Osten geraubte Göttin gibt dem neuen Erdteil den Namen. Das Mädchen wird gewöhnlich auf dem Rücken eines Stieres sitzend dargestellt, während das Tier aufs Meer hinausschwimmt.

Eurydike
Thrakische Dryade (Baumnymphe). Eurydike erscheint vielfach in der Szene, in der sie von einer Schlange gebissen wird oder zusammen mit ihrem Gemahl Orpheus beim Verlassen der Unterwelt.

Evans, Sir Arthur John
Am 8.7.1851 in Nash Mills, Grafschaft Hertfordshire, geboren. Sein Vater, Sir John Evans, war ein bekannter Altertumsforscher, der sich mit Veröffentlichungen über das vorrömische Münzwesen sowie über vor- und frühgeschichtliche Funde Britanniens einen Namen erworben hatte. Evans studierte im Brasenose College in Harrow, in Oxford und Göttingen Neuere Geschichte. 1871 und 1872 reiste Evans in den Balkan und 1873 nach Finnland, 1875 ging er Korrespondent für den „Manchester Guardian“ nach Dalmatien, wo er wegen Beteiligung an einem Aufstand von der Polizei verhaftet wurde. Nach seiner Freilassung im Jahre 1882 kehrte er nach England zurück und wurde 1884 Kustos aus Ashmolen Museum in Oxford. Bei der Beschäftigung mit kretischen Siegeln erwachte sein Interesse an der noch unerforschten Insel. 1894 besuchte er Kreta, um Siegel zu erwerben, die dort an bestimmten Plätzen vermehrt gefunden und von Kreterinnen als Amulett getragen wurden. Als Evans in der Nähe von Candia alte Mauerreste entdeckte, vermutete er, hier in Knossos könne der Palast des sagenhaften Königs Minos gestanden haben. Er kaufte kurz entschlossen das Land, aber die türkischen Behörden versagten ihm die Ausgrabungsgenehmigung. Als Kreta 1898 die Selbstverwaltung erhielt, war der Weg für die archäologische Erschliessung der Insel frei. Im März 1900 begann Evans mit den Ausgrabungen und hatte bereits nach wenigen Tagen zahlreiche T ontafeln mit einer unbekannten Schrift (Linear B), vormykenische Tongefässe und Mauern mit einzigartigen Fresken freigelegt. Am Ende der ersten Grabungskampagne hatte er etwa ein Viertel des Palastes von Knossos, des grössten bisher bekannten Königspalastes, wiedererstehen lassen. In 35jähriger Tätigkeit erforschte er eine hochstehende Kultur, die er minoisch nannte. Der Vergleich mit ägyptischen Grabungsfunden ermöglichte ihm die Datierung der minoischen Epoche, die später anhand der Radiokarbondatierung bestätigt wurde. Er restaurierte den Palast von Knossos. 1911 wurde Evans in Anerkennung seiner Verdienste in den Adelsstand erhoben. Am 11.7.1941 starb er in Boar`s Hill bei Oxford.

Eyck, Jan van
* um 1390 in Maaseyck bei Maastricht, + (begraben) 9.7.1441 in Brügge. Bedeutender niederländischer Maler, gilt als Begründer der realistischen niederländischen Tafelmalerei, wahrscheinlich Bruder von Hubert van Eyck. Zu Jan gibt es neben vielen signierten Bildern ausführlichere Überlieferungen als zu Hubert. 1422-24 stand er im Sold von Johannes III., des Herzogs von Niederbayern und Straubing und Grafen von Holland, dessen Residenz in Den Haag er ausmalte. Ein Jahr später trat er in den Dienst von Herzog Philipp dem Guten von Burgund in Lille, wo er bis 1429 tätig war. Van Eyck war nicht nur Hofmaler, sondern auch Diplomat, hatte ein Jahreseinkommen von 100 Pfund und war von der städtischen Gildeordnung befreit. 1427-29 unternahm er mehrere Reisen im Auftrag des Herzogs nach Spanien und Portugal. 1431 kaufte er ein Haus in Brügge und wurde als Hofmaler und Stadtmaler Bürger dieser Stadt. Wann er die Fortführung des wohl von seinem Bruder begonnenen Genter Altars übernahm, ist nicht bekannt. Vermutlich musste er die Arbeit daran aufgrund seiner zahlreichen Reisen mehrfach unterbrechen. Stilistisch gesehen, waren Hubert und Jan van Eyck den Miniaturen der Brüder von Limburg und dem Tafelmaler Melchior Broederlam verpflichtet, die in den ersten zwanzig Jahren des 15 Jh. für den burgundischen Hof arbeiteten und deren Werke Merkmale der Sienser Malerei des Trecento aufwiesen. Hubert behielt diese Malweise bei, Jan entwickelte sie weiter zu einer neuen, individuelleren und realistischeren Art und leitete damit eine Wende in der nordeuropäischen Tafelmalerei ein. Sein Hauptwerk ist, wohl in Zusammenarbeit mit Hubert, der Genter Altar (Gent, St. Bavo). Er besteht aus zwölf Eichentafeln , darunter acht beidseitig bemalten Flügeln. Im geschlossenen Zustand stellt er im oberen Teil auf den Seitentafeln die "Verkündigung an Maria" dar, auf zwei schmaleren Mitteltafeln eine Ausblick durch eine Fensteröffnung und das Detail eines Zimmers, darüber die "Propheten Sacharja und Micha" sowie die "Erythraeische Sibylle" und die "Cumaeische Sibylle". Die untere Partie zeigt Statuen von "Johannes d.T." und "Johannes d.E.", den Namensgleichen der ursprünglich St. Jan genannten Kirche. Sie sind in Grisaillemalerei bewusst als in Stei gehauene Figuren dargestellt. Ihnen zur Seite knien in gleichgestalteten Nischen die Stifter, der Genter Bürgen Jodocus Vyd und seine Ehefrau Isabella. Geöffnet zeigt der Altar im oberen Teil von links nach rechts zunächst Adam, darüber in Grisaille "Das Opfer von Kain und Abel", "dann "Singende Heilige", die "Jungfrau Maria, Gottvater, Johannes d.T., Musizierende Heilige, Eva", darüber in Grisaille "Kains Brudermord". Die breite Mitteltafel des unteren Teils "Anbetung des mystischen Lammes" in einer üppigen Landschaft vor dem "Himmlischen Jerusalem" im Hintergrund. Von links nähern sich auf zwei schmaleren Tafeln die "gerechten Richter" (eine Kopie der Originaltafel, die 1934 entwendet wurde) und die "Streiter Christi", von rechts die "Hll. Eremiten" und die "Hll. Pilger". Über die Anteile der beiden Brüder an diesem Werk geht die Meinung der Forscher bis heute weit auseinander. Allerdings spricht vieles für die Annahme, dass beim Tod Huberts zwar einiges in der Konzeption des Altars angelegt war, aber noch eine Abrundung benötigte und dass der erste Bildgedanke von Hubert stammte, Jan jedoch alles erst zur Einheit und Geschlossenheit verband. Keine der Tafeln blieb wahrscheinlich ohne Überraschung durch den jüngeren Bruder. In verschiedenen Details lassen sich deutlich zweierlei Hände nachweisen. Von den Aussentafeln sind mit ziemlicher Sicherheit die beiden Johannes, das Stifterpaar sowie die Propheten und Sibyllen allein Jan zuzuschreiben, desgleichen das erste Menschpaar auf der Innenseite. Der Künstler dokumentierte klar die Bewältigung der Probleme von Lichtführung und Raumtiefe; ohne weiteres lassen sich Parallelen zu gesicherten Einzeltafeln Jans ziehen, während Hubert die Raumstrecke nie anders als in starker Fussbodenaufsicht wiedergegeben hat. Die typisierende Auffassung Huberts kontrastiert beim Vergleich der Figurenauffassung augenfällig mit dem individualisierenden Realismus Jans. Der Genter Altar gilt als eines der bedeutendsten Werke der niederländischen Malerei. 1566 war er von den Genter Bürgern vor den calvinistischen Bilderstürmern verborgen gehalten worden, doch 1794 mussten die vier mittlerein Tafeln der französischen Republik überlassen werden; sie kamen erst nach dem Sturz Napoleons nach Gent zurück. Bevor Jan van Eyck sich mit der Problematik der Tafelmalerei auseinanderzusetzen begann, beschäftigte er sich wohl zunächst mit der Buchmalerei, beteiligte sich vermutlich an der Vollendung des Stundenbuches des Duc de Berry. Zwei Blätter daraus (wahrscheinlich 1415/17, heute im Museo Civico in Turin) zeigen eine "Totenmesse" und die "Gefangennahme Christi" und zeichnen sich vor allem durch eine genaue Beobachtung der Details aus; Partien der Landschaft weisen schon auf den Genter Altar hin, ebenso einzelne Architekturformen. Als Fortsetzung der Turiner Miniaturen und als frühe Werke van Eycks werden zwie Tafeln im New Yorker Metropolitan Museum of Art, eine "Kreuzigung" und ein "Jüngstes Gericht", angesehen; auch hier fällt wieder die ungewöhnlich genaue Naturbeobachtung auf. Die kleinere Tafel mit der "Madonna in der Kirche" (um 1426, Berlin, Staatliche Museen, Gemäldegalerie) greift die Architekturformen der "Totenmesse" wieder auf. Ein etwa gleichzeitig entstandenes Werk ist eine "Verkündigung" (Washington, National Gallery of Art), die van Eyck ebenfalls in eine Kirche verlegte, deren Architekturformen er äusserst differenziert abbildete und in der Licht und Schatten eine starke Räumlichkeit und Plastizität schaffen. Die erste datierte Tafel Jans mit einem religiösen Thema ist die sog. "Ince-Hall-Madonna" (1433, Melborne, National Gallery of Victoria): In einem nur knapp angedeuteten profanen Raum sitzt die Jungfrau, auf dem Schoss das Kind", dass in einem Buch blättert; die Darstellung wirkt sehr intim. Diesen Madonnentypus wiederholte van Eyck mehrfach, z.B. bei der wenig später entstandenen "Lucca-Madonna" (Frankfurt a. Main, Städelsches Kunstinstitut); der Bildaufbau blieb der gleiche, nur sitzt die Madonna jetzt deutlich erhöht auf einem Thron mit löwenbesetzten Pfosten; die verschiedenen Arten der Stoffe, die Perlen am Saum des Gewandes, das Zinn der Schale sind in sehr differenzierter Weise wiedergegeben. Eine Erweitertung des Typus zu einer Sacra Conversazione findet sich in der "Madonna des Kanonikus Georg van der Paele" (1436, Brügge, Stedelijk Museum voor Schone Kunsten): Um die in einem Kirchenraum thronende Jungfrau mit dem Kind gruppieren sich der vom hl. Georg herangeführte Stifter und der Schutzpatron der Kirche, der hl. Donatus, mit einem brennenden Kerzenrad. Die Plastizität der Formen und der prachtvolle Glanz der Farben sind hier ebenso wie die naturgetreue Bildniswiedergabe zur Vervollkommenheit gesteigert Bildniswiedergabe zur Vollkommenheit gesteigert. Ebenfalls in einem Kirchenraum mit majestätischer Säulenanlage thront die "Maria mit Kind" auf der Mitteltafel eines Reisealtars (1427, Dresden, Gemäldegalerie); die Seitentafeln zeigen links den "Stifter mit dem Erzengel Michael" und rechts die "Hl. Katharina", die Aussenseiten der Flügel tragen Nischenstatuen der "Verkündigung" in Grisaillemalerei. Um 1435 malte Jan eine etwas abgewandelte Darstellung der Jungfrau mit dem Kind, die "Madonna des Kanzlers Nicolas Rolin" (Paris, Musée National du Louvre), der Beamter am Hofe Philipps des Guten war. Maria sitzt nun auf der rechten Seite auf einer schräggestellten Bank, ihre Haltung ähnelt derjenigen früherer Darstellungen, das Kind hat jedoch die Rechte zum Segen erhoben und öffnet die Gruppe zur linken Bildhälfte hin, wo der Stifter anbetend an einem Pult kniet; im Hintergrund des palastartigen Rumes ist durch drei hohe Arkadenöffnungen eine fein gestaffelte Landschaft erkennbar. Mit diesen Kompositionsmitteln erzielte van Eyck den Eindruck einer harmonischen Wechselbeziehung zwischen Figur und Raum, so auch auf dem Entwurf einer "Hl. Barbara" (1437, Antwerpen, Koninklijk Museum voor Schone Kunsten). Das letzte bekannte datierte Werk des Künstlers ist die Tafel "Maria am Lebensbrunnen" (1439, Antwerpen, Koninklijk Museum voor Schone Kunsten), dessen Komposition gegenüber seinen anderen Werken fast altertümlich wirkt; Hinweise auf Raumerstreckung fehlen beinahe ganz; nur an wenigen Stellen hebt sich die Figur vom Hintergrund ab, die Modellierung des Gewandes ist nicht einheitlich.Vorbildlich wirkten auch die Bildnisse Jan van Eycks. Er entwickelte das Porträt vom reinen Brustbild zum Halbfigurenbild, von der einachsigen Darstellung zur zweiachsigen. Das früheste datierte Bildnis ist der sog. "Tymotheos" (1432, London, National Gallery) mit Signatur, Datum und der Widmung "LEAL SOUVENIR". Aus dem folgenden Jahr stammt "Mann mit dem roten Turban" (London, National Gallery), das ebenfalls Signatur und Datum sowie Jan van Eycks persönliches Motto "als ich kann" trägt und bei dem der Blick des Dargestellten erstmals direkt auf den Betrachter gerichtet ist. Vermutlich handelt es sich hier um ein Selbstbildnis des Malers, da das Malen vor dem Spiegel diese Blickrichtung vorausgesetzt, doch findet sich die gleiche Blickrichtung auch bei dem datierten und signierten "Goldschmied Jan de Leeuw" von 1436 (Wien, Kunsthistorisches Museum), in dem der Dargestellte als Zeichen seines Berufsstandes einen goldenen Ring in der rechten Hand hält. Die Gemäldesammlung in Berlin-West bewahrt das unsignierte und undatierte Bildnis "Giovanni Arnolfini" (um 1437/39), eines Kaufmannes aus Lucca, für den er auch ein Hochzeitsbild malte. Seine Ehefrau Margareta van Eyck stellte er 1439 erstaunlich objektiv dar: ihre Züge sind scharf und ein wenig verhärmt, die Augen müde und teilnahmslos auf den Betrachter gerichtet, der Kopf mit einer prächtigen Haube geschmückt (Brügge, Stedelijk Museum voor Schone Kunsten). Unklarheit herrscht darüber, wen die undatierte Silberstiftzeichnung eines "Alten Mannes" im Dresdener Kupferstichkabinett darstellt (das ausgeführte, ebenfalls undatierte Gemälde mit diesem Motiv befindet sich in Wien, Kunsthistorisches Museum); der Porträtierte ist in Dreiviertelansicht abgebildet, ohne Darstellung der Hände; der Blick der etwas müden Augen geht in die Ferne. Besonders auffallend ist, mit welcher Genauigkeit van Eyck jedes Fältchen der Haut und jede Kräuselung der unbedeckten Haare wiedergab. Vermutlich noch vor dem "Tymotheos", vielleicht aber auch erst kurz vor van Eycks Tod, entstand das Bildnis des "Baudouin de Lannoy", des Ritters vom Goldenen Vlies (Berlin, Staatliche Museen, Gemäldegalerie), der Leiter der Gesellschaft nach Portugal war, an der Jan teilnahm; als einer der ersten wurde er 1431 Mitglied des Ordens. Van Eyck gab Baudouin sehr repräsentativ wieder, in einem prächtigen Gewand, auf dem Kopf einen riesigen Filzhut. In der rechten Hand hält er einen weissen Stab, zum Zeichen seiner Würde als höfischer Kammerherr. Dennoch hat sein hageres, faltiges Gesicht mit dem vom Betrachter abgewandten, verhangenen Blick etwas Zurückweisendes. Ebenso wie die religiösen Gemälde sind auch die Bildnisse van Eycks auffallend kleinformatig. Er bezog keinerlei Stellung zu seinem Modell, das er vor gleichmässig dunklem Hintergrund darstellte, und malte Hände nur dann, wenn sie ein Attribut halten. Sein erstaunlichstes Bildnis schuf van Eyck jedoch 1434 mit dem Doppelporträt "Giovanni Arnolfini und seine Frau Giovanna Cenami" (Arnolfini-Hochzeit, London, National Gallery) in einer für das 15. Jh. einzigartigen Form: Zwei Menschen werden gleichzeitig in ganzer Figur in einem Innenraum dargestellt, wobei Haltung und Gestik eindeutig die Zeremonie der Eheschliessung symbolisieren. Das Ehepaar Arnolini steht im ehelichen Schlafgemach in voller, prächtiger Kleidung und reicht sich die Hände. Es ist von den verschiedenen Symbolen der ehrlichen Treue umgeben: der einzelnen brennenden Kerze auf dem mehrarmigen Leuchter, der Statuette der hl. Margarethe auf der Rückenlehne des grossen Sessels, dem Hund zu Füssen des Paares, den abgelegten Pantoffeln, den Äpfeln. Die Aufmerksamkeit des Betrachters wird auf den Spiegel gelenkt, über dem Jan Signatur und Datierung anbrachte und in dem sich eine Tür wiederspiegelt, durch die zwei Trauzeugen treten, von denen die Person im blauen Gewand van Eyck selbst ist - belegt durch die Bildinschrift "Johannes de Eyck fuit hic". Mildes Licht fällt durch das Fenster in die Kammer und verleiht den Farben gedämpfte und doch kräftige Töne. Aus einer Äusserung von Vasari, Giorgio zu schliessen, entwickelte van Eyck in Abänderung der im 14. Jh. aufgekommenen Ölmalerei eine neue Mischung der Farben mit Leinölen, Nussölen oder Ölen. Möglicherweise handelte es sich dabei um eine Art von Öltempera, eine Mischung vo Eigelb mit Trockenöl und Wasser. Duch Kochen mischte man Harze bei, wodurch Ölfirnisfarben oder Ölharzfarben entstanden. Die Farben erhielten so eine vorher nie dagewesene Leuchtkraft und Wasserbeständigkeit, und die Gemälde glänzten, ohne dass sie zusätzlich mit Firnis überzogen wurden. Übergänge zwischen einzelnen Farbwerten liessen sich leichter modellieren und feiner abtönen , Farbnuancierungen konnten die Oberfläche einzelner Materialien deutlicher charakterisieren. Jan van Eyck verband, von Huberts einzelnen Bildideen ausgehend, diese neue Maltechnik mit einem konsequenter durchdachten Bildaufbau, d.h., er schuf durch eine äusserst intensive Naturbeobachtung nahezu einheitliche Raumbilder. Seine Darstellung von Figuren stand in engem Zusammenhang mit der Wiedergabe von Raumkörpern. Eine meisterhafte Lichtführung und die Gabe, perspektivisch richtig zu sehen, verbunden mit einer grösseren Individualisierung und Differenzierung der Gesichter, riefen, für die niederländischen Maler, völlig neue plastische Bildwirkungen hervor. Jan van Eycks hoher künstlerischer Rang machte es seinen Zeitgenossen schwer, sich ihm unmittelbar anzuschliessen, da er die Lösung künstlerischer Probleme mit einer jeweils neuen Aufgabe immer neu anging. Nach seinem Tod fanden sich in seiner Werkstatt einige angefangene Tafeln, die wahrscheinlich zum Teil von Petrus Christus stammen, dessen Werk zahlreiche Stilelemente van Eycks aufweist und der Vermutungen zufolge sein Schüler war. Über den Werkstattbetrieb van Eycks ist im übrigen nichts Genaues bekannt. Doch mit Jan van Eyck setzte, auch wenn er ohne unmittelbare Nachfolge blieb, eine neue Sehweise in der Malerei ein, die noch viel später tiefgreifende Auswirkungen zeite. Er ging nicht nur in der Verwendung der Materialien, sondern in einer bis dahin nicht bekannten Präzesion der Objekterfassung weit über die damalige Tradition hinaus und schuf mit einer fast "mikroskopisch" genauen Wiedergabe der Realität einen gänzlich unkonventionellen Bildtypus. Seine verbindung von genauer Beobachtungsgabe, grosser Wirklichkeitstreue und psychologisch nuancierten Stimmungswerten erwies sich in formaler Hinsicht als sehr modern und schloss gleichzeitig immer tranzendente Werte ein. Modern war vor allem auch die geniale Weitereintwicklung der Mögichkeiten von Perspektive und Raum, die das Werk van Eycks ebenso wie der Vorgriff auf naturalistische Darstellungsweisen zu einem der Marksteine in der Geschichte der Malerei werden liess.