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124 Person(en) gefunden.

Gabbiani, Antonio Domenico
* 13.2.1652 in Florenz, + 22.11.1726 in Florenz. Italienischer Maler, Kupferstecher und Radierer des späten Florentiner Barock, Schüler des "Cortonesen" Vincenzo Dandini in Florenz. Seine kühle, monotone Farbskala steht der klassischen Tradition Roms und vor allem Carlo Maratto näher als der seines Lehrers. Die nach seiner Rückkehr aus Rom in Florenz für die Villen und Paläste der Nobilität (u.a. Pitti-Palazzo, Medici-Riccardi-Palazzo) entstandenen Fresken zeigen einen bemerkenswerten Reichtum in der "i

Gabriel, Jacques IV
(auch Gabriel, Jacques Jules, von 1667-1742). Französischer Architekt. Ersetzte das alte Schloss in Compiegne auf Geheiss von Ludwig XV. Sein Sohn Gabriel, Jacques Ange führte den Bau weiter. 1735 errichtete er die Treppe im Herzogspalast von Dijon.

Gabriel, Jacques JulesGabriel, Jacques Jules

Gabriel, Jacques-Ange
(1698-1782). Der grösste franz. Architekt des 18. Jh. Sohn von Gabriel, Jacques. Eher konservativ als revolutionär, setzte er die Tradition des frz. Barocken Klassizismus von Mansart, Francois fort und führte sie zu höchster Vollendung, indem er das Rokoko sozusagen umging. Er glich in seinem sicheren, unaufdringlich geschmackvollen Stil, der sich am einnehmendsten in kleinen, intimen Bauten wie der Eremitage (oder Pavillon de Pompadour) in Fontainebleau (beg. 1749) und dem Petit Trianon im Park von Versailles (1762-68) darstellt, dem Maler Chardin. Gabriel wurde in Paris bei seinem Vater, Jacques Gabriel (1667-1742), ausgebildet, der ein erfolgreicher Architekt war, einige schöne Hotels in Paris baute – besonders erwähnenswert Hotel Peyrene de Moras und die Place Royale in Bordeaux (begon. 1728), ein Meisterwerk des Städtebaus des Rokoko – und 1735 Cotte, Robert de als Hofbaumeister und Direktor der Akademie folgte. Gabriel kam nie nach Italien; er arbeitete unter seinem Vater und mit ihm gemeinsam und wurde später sein Nachfolger als Hofbaumeister. In dieser Position war er ausschliesslich für Ludwig XV. und Madame de Pompadour tätig. Der grösste Teil seiner Zeit wurde durch Um- und Anbauten zu den kgl. Schlössern – Fontainebleau, Compiegne, Versailles – in Anspruch genommen; es fehlt ihnen der Ausdruck, obwohl die Oper und die projektierte Neueinrichtung des Marmorhofes in Versailles äusserst elegant sind. Seine grössten Aufträge ausserhalb von Versailles waren die Ecole Militaire (1751-88) und die Place de la Concorde in Paris (1755ff.). Die Fassaden der beiden grossen Paläste – Hotel Crillon und Marineministerium (1757-75) -, die seine Rue Royale flakieren, haben im 1. Stockwerk Loggien, wie sie Perrault, Claude für die grosse Ostfassade des Louvre verwendet hatte. Der Pavillon Francais in Versailles (1750), die kleinen Jagdhütten oder Pavillons de Butard und de la Muette (1753-54), ferner das Petit Chateau in Choisy (1754-56) lassen etwas von der kultivierten Intimität seines Hauptwerkes ahnen: das Petit Trianon. Es mag dem englischen Palladianismus verpflichtet sein, doch die Eleganz und Vornehmheit dieser vollkommen harmonischen, würfelförmigen Komposition ist absolut französisch in seiner unerrreichten Leichtigkeit, Heiterkeit und Vornehmheit.

Gabrieli, Gabriel de
* 1671 in Rovereto, + (begraben) 21.3.1747 in Eichstätt. Italienischer Architekt des Barock, trat 1694 nach Arbeiten am Bau des Liechtensteinsches Majoratshaus von Martinelli, Domenico in die Dienste der Markgrafen von Ansbach-Bayreuth. Ab 1709 markgräflicher Oberbaudirektor, baute er 1713 bis 1714 das 1710 durch Brand zerstörte Ansbacher Schloss unter Verwendung älterer Teil wieder auf (Ansbach I). Der Schlosshof mit seiner beeindruckenden, italienisch beeinflussten dreigeschossigen Pilasterordnung ist ebenso sein Werk wie die bewegte, mit Hermenpilastern gegliederte Südostfassade. Bedeutend wurde Gabrieli durch seine mehr als dreissig Jahre dauernde Tätigkeit als Oberbaudirektor des Bischofs Konrad von Eichstätt und seiner Nachfolger (ab. 1714 bis zu seinem Tod). Gemeinsam mit einigen italienischen Architekten und seinem Nachfolger Maurizio Pedetti ist er, der selbst vom Stil römischer und wiederum von diesen abhängiger österreichischer Baumeister beeinflusst war, der dominierende Gestalter des barocken Stadtbilds von Eichstätt. Er schuf 1714-18 die Westfassade des Willibaldchors am dortigen Dom, sechs Jahre später die Dom-Sakristei und 1735 die fürstbischöfliche Sommerresidenz Eichstätt II. Daneben werden ihm u.a. der Neubau des Langhauses von St. Peter (1714), die Nepomuk-Kapelle des Doms (1724) und die Frauenberg-Kapelle (1738) zugeschrieben. Ausserhalb der bischöflichen Residenzstadt entstand ab 1729 der barocke Umbau und Neubau des Schlosses Hirschberg Beilgries in der Oberpfalz. 1718-37 leitete Gabrieli den Neubau des Schlosses Baldern Bopfingen II (von ihm stammen die Entwürfe zur stuckverzierten Kapelle, zum grossen Saal und zur Galerie).

Gaertner, Johann Philipp Eduard
* 2.6.1801 in Berlin, + 22.2.1877 in Zechlin. Deutscher Lithograf, Architekturmaler und Landschaftsmaler. Kam nach einem ersten Malunterricht bei Friedrich Wilhelm Müller in Kassel als Malerlehrling 1814-21 an die Berliner Porzellanmanufaktur. 1825-27 arbeitete er in Paris, 1837-39 in St. Petersburg und vor allem in Moskau, wo er im Auftrag des Zaren verschiedene Stadtansichten malte. Seine Hauptwerke sind Ansichten von Berlin mit differenzierter Wiedergabe von Farbwerten und Lichtwerten, z.B. "Panorama v

Gaggini, Domenico
* um 1420, + 29.9.1492 in Palermo. Italienischer Bildhauer, bedeutendstes Mitglied einer aus Bissone am Luganer See stammenden Bildhauerfamilie, die vom 15. bis 19. Jh. hinein tätig war, Vater von Antonello Gaggini; von seiner Biografie ist relativ wenig bekannt. Er erscheint sofort mit einem Hauptwerk , der mit Reliefs und Figuren geschmückten Fassade der Cappella S. Giovanni Battista im Dom von Genua. Die Abhängigkeit von Filippo Brunelleschis Pazzi-Kapelle und von Donatellos Skulpturen belegt, das Gaggini seine Ausbildung in Florenz erhalten haben muss. In Neapel war er 1458 am grossartigen Triumphbogen des Castel Nuovo beschäftigt. Überzeugend lassen sich ihm hier allerdings nur wenige Figuren des Triumphfrieses zuweisen; die Portalrahmung mit den Sopraportenreliefs (1919 weitgehend zerstört) in der dortigen Sala dei Baroni stammt ziemlich sicher von ihm. 1460-71 war er mit Restaurierungsarbeiten an den Mosaiken der Cappella Palatina in Palermo beschäftigt. 1463-70 wurde Gaggini mit der skulpturalen Ausstattung der Familienkapelle der Speciale in S. Francesco d`Assisi in Palermo beauftragt, wobei 1469 die schöne Büste des Pietro Speciale (Palermo, Palazzo Speciale-Raffadali) entstand. 1470-84 war er für die Cappella S. Cristina im Dom von Palermo tätig. Gaggini, von dem noch eine Reihe ganz anderer (gesicherter oder zugeschriebener) Arbeiten bekannt ist, baute zusammen mit seinen Söhnen einen grossen Werkstattbetrieb auf, der vor allem Sizilien mit Madonnenstatuen, Taufbrunnen u.a. belieferte.

Gagini, DomenicoGaggini, Domenico

Galatea
(griech. Galateia). Tochter des Nereus und der Doria. Die Meergöttin liebt den Hirten Akis (Acis), eine Sohn des Pan (Faunus) und verschmäht die Liebe des Polyphem. Sie erscheint vielfach auf ihrem von Delphinen gezogenen Wagen auf dem Meer und in Begleitung ihres Gefolges aus Tritonen und Nereiden.

GalateiaGalatea

Galilei, Alessandro
* 25.7.1691 in Florenz, + 21.12.1736 in Rom. Italienischer Architekt. Hielt sich 1714-19 in England auf, wo aber keines seiner Projekte ausgeführt wurde. Von seiner Tätigkeit als grossherzoglicher Festungsbaumeister und Architekt in Florenz II 1719-31 ist weiter nichts bekannt. Bedeutung erlangte er erst nach der Übersiedlung nach Rom (1731), wo er 1732 die Cappella Corsini in S. Giovanni in Laterano und 1734 die Fassade von S. Giovanni de` Fiorentini errichtete. Sein Hauptwerk, die Fassade von S. Giovanni in Laterano (1733-36), ist eine klassizistische Interpretation der Fassade von St. Peter und eher von Wren, Sir Christopher als vom englischen Palladianismus inspiriert. Die stark aufgebrochene, fast aufgelöste Wand erhält ihren Reiz durch ein reichgewegtes Spiel aus Licht und Schatten.

Galli Bibiena, Alessandro
(geb. 1681, + vor 1769). Erbaute den rechten Flügel des Schlosses Mannheim I. Ausserdem arbeitete er am Schloss Schwetzingen 1748-49.

Galli Bibiena, Antonio
* 16.1.1700 in Parma, + 1774 in Mailand (?). Italienischer Dekorationsmaler und Architekt des Spätbarock, Bruder von Alessandro und Giuseppe, Sohn von Fernandino Galli Bibiena. Arbeitete nach seiner Ausbildung in Parma für seinen Vater in Bologna und Fano. Spätestens 1721 war er in Wien, wo er 1727 zweiter Theateringenieur wurde und, von Arbeiten z.B. in Ungarn abgesehen, bis 1740 blieb. Er wirkte an der Ausstattung verschiedener Stadtpalais, an der Erweiterung der St.-Peter-Kirche, an Festdekorationen und an den Trauerfeierlichkeiten für Karl VI. mit; ausserdem freskierte er die Scheinkuppel der Trinitarierkirche in Pressburg. 1740 kehrte er nach Italien zurück, wo er in Siena das abgebrannte Theater am Signoria-Palazzo Siena neu erbaute (1751-53) und selbst ausstattete. Seine Pläne waren Grundlage zur Erbauung des Teatro Scientifico im Accademia-Virginale-Palazzo in Mantua, des Teatro Comunale in Bologna und einiger anderer, nicht erhaltener Theater in Italien.

Galli Bibiena, Fernandino
* 18.8.1657 in Bologna, + 3.1.1743 in Bologna. Italienischer Maler, Architekt, Theaterdekorateur und Theoretiker des Spätbarock, Bruder von Francesco, Vater von Alessandro, Antonio und Giuseppe, sowie Sohn von Giovanni Maria Galli Bibiena. Seine erste selbständige Tätigkeit war in Parma und Piacenza; wo er Ausstattungen für eine Villa in Cororno und das Collegio Ducale in Parma schuf. Ab 1708 wirkte er als Dekorationsmaler in Barcelona und ab 1712 vorwiegend in Wien, bevor er wegen eines Augenleidens 1717 nach Bologna zurückkehrte. Fernandinos Hauptleistung liegt in seinen Bühnendekorationen (Bühnenmalerei), wobei er als erster von dem streng symmetrisch und zentralperspektivisch aufgebauten Bühnenbild abging und die "scena per angelo" erfand, die eine viel reichhaltigere und damit interessantere und vor allem sehr bildhafte Bühnenwirkung erzeugte. Als Theoretiker verfasste er um 1706 die für die Geschichte des Bühnenbilds sehr bedeutenden Schriften "Varie opere di prospettiva" und "L`architettura civile preparata sulla geometria, e ridotta alle prospettiva" (1711).

Galli Bibiena, Giuseppi
* 5.1.1696 in Parma, + 1756 in Berlin. Italienischer Bühnenbildner, Theaterarchitekt und Festdekorateur des Spätbarock, Bruder von Alessandro und Antonio, Vater von Carlo Ignazio und Sohn von Ferdinando Galli Bibiena, war das bedeutendste Mitglied seiner Familie und führte als Bühnenbildner die "Scean per angolo" weiter (z.B. in der Prager Krönungsoper "Costanza e fortezza" von Pietro Pariati und Johann Fux) und schuf bewegliche, polygonale Bühnenraumsysteme mit Einblicken in verschiedene Stockwerke, Kolonn

Gameren, Tylman van
(vor 1630-1706). Niederländischer Architekt, der hauptsächlich für die Einführung des Barock in Polen, wo er sich 1665 niedergelassen hatte, verantwortlich war. Seine drei als Zentralbauten gestalteten Kirchen in Warschau, die Sakramentskirche (1688-89). St. Kasimir (1688-89) und St. Bonifaz (1690-92), zeigen ihn als einen etwas einfallslosen Baumeister des barocken Klassizismus, bei denen sich holländische Architkturauffassungen bzw. italienische Architekturauffassungen hart begegnen bzw überschneiden. St. Anna in Krakau (1689-1705) ist lebendiger gestaltet, was vielleicht auf die Mitarbeit von Baldassare Fontana zurückzuführen ist. Van Gameren baute auch den Palast des Prinzen Sanguszko in Warschau (im 18. Jh. erweitert) wieder auf, entwarf die Burg Nieborow (1680-83) und vollendete das Krasinski-Palais in Warschau (1682-94).

Gandolfi, Gaetano
* 30.8.1734 in Matteo della Decima bei Bologna, + 30.6.1802 in Bologna. Italienischer Maler und Kupferstecher des Rokoko. Bedeutendstes Mitglied der Bologneser Stecherfamilie Gandolfi. Sein Stil wurde bei einem Aufenthalt in Venedig von Giovanni Battista Tiepolo beeinflusst. Das 1780-83 entstandene Deckenfresko mit dem "Raub der Proserpina" im Salon des Fioresi-Cazoni-Palazzo spiegelt den venezianischen Rokokostil wider.

Gansel, Engelhardt
Architekt aus Bunzlau (Schlesien). Errichtete die Palais Ulica Zgorzelecka 19, Ulica Komuny Paryskiej 6 und Ulica Komuny Paryskiej 14 in Bunzlau.

Ganymed
(griech. Ganymedes). Nach homerischer Überlieferung Sohn des trojanischen Königs Tros und der Kallirhoe. Mundschenk der Götter. Ganymed, ein Jüngling von grosser Schönheit, wird im Allgemeinen in der Szene wiedergegeben, in der Zeus (Jupiter) ihn in Gestalt eines Adlers entführt.

GanymedesGanymed

Garanjeau, Simem
(1647-1741). Französischer Architekt. Nach seinen Plänen wurde des Malounieres La Chipaudiere in der Nähe von Parame errichtet.

Gärtner, Friedrich von
(1792-1847). Deutscher Architekt, geb. als Sohn eines Architekten in Koblenz, studierte an der Münchener Akademie, anschliessend für kurze Zeit bei Weinbrenner, Friedrich in Karlsruhe und danach bei Percier, Charles und Fontaine, Pierre Francois Leonard in Paris. 1815-17 reiste er in Italien, 1819-20 Holland und England. Nach diesen Reisen erhielt er einen Lehrstuhl an der Akademie in München. Auf einer zweiten Reise nach Italien 1828 wurde er König Ludwig I. von Bayern vorgestellt; Gärtner wurde neben Klenze, Leo von, mit dem er wetteiferte, der Lieblingsarchitekt des Königs. Gärtner bevorzugte besonders den Rundbogenstil, der auf die italienische Romanik und auf das Quattrocento (Italien) zurückgeht; es heisst, das eigentlich Ludwig I. mehr als Gärtner selbst diesen nachklassizistischen Stil bevorzugte. In München baute Gärtner die Ludwigskirche (1829-40), die Staatsbibliothek (1831-40), die Universität (1835-40), alle drei in der Ludwigstrasse, und als südliche Begrenzung der Ludwigstrasse die Feldherrnhalle, eine Nachbildung der Loggia dei Lanzi in Florenz, ein Versuch im Stil toskanischer Gotik (1840-44). Der nördliche Abschluss der Ludwigstrasse ist das Siegestor (1843-50), eine Nachahmung des Konstantinbogens in Rom. 1835/36 hielt sich Gärtner in Athen auf, wo er das Schloss für den neuen König von Griechenland, Otto I., einen Sohn Ludwigs I. von Bayern, entwarf.

Gärtner, Johann Andreas
* 10.8.1744 in Dresden, + 15.11.1826 in München. Deutscher Architekt des französisch beeinflussten Frühklassizismus, Vater von Gärtner, Friedrich von, erhielt ab 1764 seine Ausbildung in wien, dann ab 1773 in Paris, Versailles und Lyon. von 1780 an hielt er sich Koblenz auf, wo er Pläne für das dortige Schloss Koblenz II erstellte, am Bau des Stadttheaters, am Festungsbauhof (siehe Koblenz III, 1787-88) sowie an verschiedenen Palais mitarbeitete. 1792-1804 war er fürstbischöflicher Baudirektor in Würzburg; hier entstanden der Chor der ehemaligen Jesuitenkirche St. Michael (1796-98) und die Ausstattung von Schloss Gaibach II. 1804 erfolgte seine Berufung als Hofbauintendant nach München, wo er mit Umbauten in der Residenz München I, dem Bau der "Münze" (1809) und eines Flügels der Akademie (1801-11) betraut wurde.

Gartner, Jörg
Nachweisbar zwischen 1505 und 1530 in Passau und Umgebung. Deutscher Steinbildhauer am Übergang von Spätgotik zu Frührenaissance, schuf eine ganze Reihe qualitätvoller Epitaphien und Rittergrabsteine, bei denen er häufig Marmorinkurstationen verwendete (offensichtlich eine Passauer Spezialität der Zeit), z.B. die Grabplatte Joerg Schenck von Neidecks in der Regensburger Dominikanerkirche (ca. 1515/18), die Grabplatte der Mautner zu Katzenberg an der Spitalkirche von Burghausen (ca. 1511/12), den Rittergrabstein von Joerg Pernpeck (heute Schloss Engelzell bei Engelhartszell) u.a.

Gasser, Hans
* 2.10.1817 in Eisentratten bei Gmünd, Kärnten, + 24.4.1868 in Budapest. Österreichischer Bildhauer und Maler. Studierte an den Akademien in Wien und München und war seit 1846 in Wien vorwiegend als Architekturplastiker tätig, so u.a. für das Carlstheater (1847), die Hofbibliothek und das Arsenal Wien (1855). Im Sinn des Historismus verarbeitete er je nach Bauaufgabe klassizistische, romanische und neogotische Stilelemente. Gasser schuf auch zahlreiche Denkmäler und Grabmäler, Bildnisse und Brunnen (Donauweibchenbrunnen, Wiener Stadtpark).

Gedeler, Elias
(auch Goedeler, (Johann) Elias). * 27.9.1620 auf Schloss Helfenburg bei Linz, + 30.7.1693 in Hildburghausen (Sachsen-Meiningen). Deutscher Historienmaler und Porträtmaler sowie Architekt; leitete ab 1662 die Nürnberger Akademie und wurde 1671 fürstlicher Hofbaumeister in Bayreuth. Dort vollendete Gedeler die von S.A. Schwendtner (+ 1671) begonnene Schlosskapelle von Bayreuth I (nur das gotisierende Äussere im Modell erhalten), die für den protestantischen Kirchenbau richtungsweisend war. 1684 wurde er nach Hildburghausen zur Errichtung eines Schlossbaues (Hildburghausen II) einschliesslich Kapelle berufen.

Gedeler, Gottfried von
* vor 1666, + nach 22.7.1718 in Magdeburg. Deutscher Architekt des Barock. 1703 wurde er fürstlicher Oberbaumeister und Oberingenieur in Bayreuth, wo er in erster Linie Bauten seines Vorgängers Antonio Porta zu Ende führte, wie zum Beispiel der Schlossbau in Erlangen II, dessen Fassade er im Stile des strengen barocken Klassizismus in Frankreich korrigierte. Originärer Entwurf ist dagegen die Orangerie Erlangen (1705-10) mit der Konkordienkirche. Gleichzeitig führte er den Bau der St. Georgener Ordenskirche aus (Turm spätere Anfügung), deren kreuzförmiger Grundriss in allen Kreuzarmen Emporen ausweist.

Geissler, Karl Gottfried
(*1754, +1823). Architekt. Errichtete die Schlösser Buchwald Krs. Hirschberg, Machnitz, den Maltzahn-Palais in Militsch sowie das Erzbischöfliche Palais Breslau III.

Genga, Girolamo
* um 1476 in Urbino, + 11.7.1551 in Urbino. Italienischer Maler, Bildhauer und Architekt der Renaissance, war von 1494 an Schüler von Signorelli, Luca, mit dem zusammen er 1497-98 in Monte Oliveto Maggiore bei Siena an den Fresken des Klosterkreuzgange (Szenen aus dem Leben des hl. Benedikt) beteiligt war. 1500 trat er in die Werkstatt von Perugino, Pietro ein, dem er 1502 wahrscheinlich nach Florenz folgte; "Das Martyrium des hl. Sebastian" (Florenz, Galleria degli Uffizi) stammt wohl aus dieser Zeit. 1504

GenrebildGenremalerei

Genremalerei
Bezeichung für die Darstellungen, die nach Inhalt und Form den Begriff des Genre erfüllen. Während für Jahrhunderte das Historienbild seine Vorrangstellung als höchste Bildgattung und eigentliche Aufgabe des Malers behauptete, bürgerte sich etwa um die Mitte des 18. Jh. für die "minderen" Gattungen die Bezeichnung Genremalerei ein, allerdings in einem viel weiteren als dem heutigen Sinn. Noch zu Denis Diderots Zeiten verstand man in Frankreich darunter das Bildnis, die Landschaft, das Seestück, das Stillebe

Gentileschi, Orazio
(eigentl. Orazio Gentileschi Lomi). * 1563 in Pisa, + 7.2.1639 in London. Italienischer Maler. Einer der bedeutendsten Caravaggio-Nachfolger, verband jedoch den Caravagismus in einer hervrorragenden Eigenleistung mit der toskanischen Tradition; erhielt seine Ausbildung bei seinem älteren Bruder (oder Halbbruder) Aurelio Lomi und seinem Onkel Bacci Lomi im Sinn des florentinischen Manierismus Angelo Bronzinos und Jacopo da Pontormos. Mit siebzehn Jahren kam er nach Rom, wo er bei der Freskierung der neuerbauten vatikanischen Bibliothek von Sixtus V. beschäftigt war. Unter Clemens VIII. tart er mit selbständigen Fresken hervor, wie dem "Apostel Thaddäus" im Querschiff der Basilika S. Giovanni in Laterano. Um 1600 entstanden die Fresken der Tribuna von S. Niccolò in Carcere. Als Altarbildmaler und Tafelbildmaler gehörte Gentileschi ab etwa 1600 zum engeren Umkreis von Caravaggio, dessen Frühwerke ihn besonders beeinflussten, was sich vor allem in seiner "Taufe Christi" (Rom S. Maria della Pace) und in der "Stigamtisation des hl. Franziskus" (Rom, S. Silvestro in Capite) zeigt. Toskanische Elemente in Komposition und Farbigkeit zeigen auch seine "Hl. Cäcilia" (um 1610, Rom, Galleria Nazionale d`Arte Antica) oder die "Verlobung der hl. Katharina" (Urbino, Galleria Nazionale delle Marche). 1621-23 war Gentileschi in Genua. Von hier ging er 1623 oder 1624 nach Paris und arbeitete dort für Maria de´ Medici. 1626 liess ihn der Herzog von Buckingham nach England kommen, wo er Hofmaler Karls I. wurde und bis zu seinem Tod blieb. Die monumentalen Aufträge für den König und den Herzog von Buckingham, u.a. dekorative Arbeiten im Schloss Greenwich, führte er auf Leinwand aus. Gentileschis Spätzeit war durch eine Reihe bedeutender Werke gekennzeichnet, wie die um 1626 entstandene "Lautenspielerin" (Washington, Nationla Galery of Art) oder "Joseph und das Weib des Potiphar" (Hampton Court, Palace), ehe seine Produktivität absank.

Gentz, Heinrich
* 5.2.1766 in Breslau, + 3.10.1811 in Berlin. Deutscher Architekt. Eine fünfjährige Reise durch Italien (1790-95) wurde der Ausgangspunkt für sein eng an der Antike orientiertes Werk, das ihn zum wichtigsten Vorläufer von Karl Friedrich Schinkel machte. Mit dem Bau der ehemaligen Neuen Münze auf dem Werderschen Markt in Berlin (1798 bis 1800) erregte er erstmals grössere Aufmerksamkeit. Es folgten mehrere Aufträge in Weimar, u.a. der Schlossbau Weimar I (1801-03), bei dem er eng mit Johann Wolfgang von Goethe zusammenarbeitete, und das Lauchstädter Theater (1802). Die wichtigsten Berliner Werke waren seine Entwürfe für das Denkmal Friedrichs des Grossen (1791, 1796 und 1806) sowie die Verschönerungspläne der Gegend zwischen Oper und Lustgarten (1805); zu diesem Projekt gehörte auch der nicht ausgeführte Neubau der Hundebrücke, der als ebenso phantasievolle wie pragmatische Zugbrückenarchitektur geplant war.

Geometrical Style
Stilphase der hochgotischen Baukunst in England, die nach der Vorliebe für geometrische Masswerkformen (Masswerk) benannt wurde. Der Geometrical Style tauchte erstmals um 1240 in Binham auf und erreichte in der Abteikirche von Westminster einen ersten Höhepunkt (Mitte 13. Jh.). Charakteristisch ist hier der über zwei Lanzettfenster gesetzte, einem Kreis einbeschriebene Fünfpass. Eine Weiterentwicklung dieses Masswerksystems ist in der Kathedrale von Lincoln im Angel Choir (1256-1280) zu finden. In der Kathedrale von Exeter (ab. 1275) zeigt sich diese Stilphase bereits in der Auflösung.

Gerhardt, Hubert
* um 1540/50 in ´s-Hertogenbosch, + 1620 in München. Bedeutender niederländischer Bildhauer am Übergang vom Manierismus zum Frühbarock, erhielt seine Ausbildung wohl in Florenz im Umkreis von Giovanni da Bologna; für 1580 oder 1581 ist er im Florentiner Archiv auch nachweisbar. 1581-83 stand Gerhard im Dienst der Fugger in Augsburg und Kichheim, wo er zusammen mit Carlo Pallago das Fuggerschloss Kirchheim mit Stuck und Figuren ausschmückte. 1584 ist Gerhard erstmals am Münchener Hof nachweisbar; seine frühesten Arbeiten entstanden hier für die Residenz München I, so eine ihm erst neuerdings zugeschriebene Variante des "Fliegenden Merkur" von G. da Bologna für den Grottenbrunnen und eine freie Nachschöpfung des "Perseus" von Benvenuto Cellini im Grottengarten. Der Brunnen für Herzog Ferdinand (spätestens seit 1586 in Arbeit; die Figuren wurden Anfang des 16. Jh. im Wittelsbacherbrunnen der Residenz wiederverwendet) war der erste öffentlich aufgestellte Brunnen Münchens; an seinem Rand lagerten nach italienischem Vorbild Flussgötter. Dieses Werk verhalt ihm vermutlich, den Auftrag der Stadt Augsburg zum monumentalen "Augustusbrunnen" zu erlangen (1589-94). Wie viele seiner Werke erinnert auch die "Tellus Bavaria" im Münchener Hofgarten an das Vorbild von G. da Bologna. An weiteren grossen lieferten Gerhard und sein Mitarbeiter Pallago ab ca. 1585 über 50 Terrakottastatuen von Engeln, Propheten und Aposteln und vor allem die berühmte Bronzefigur des "Erzengels Michael" (1588) für die Münchener Jesuitenkirche St. Michael, dazu in den neunziger Jahren eine Reihe von Bronzestatuen und Bronzereliefs für das Stiftergrabmal von Wilhelm V. (nicht konkretisiert; die fertigen Figuren, darunter wahrscheinlich die heutige Marienstatue vor dem Rathaus, wurden später in anderem Zusammenhang wiederverwendet). Nach 1597 trat Gerhard in die Dienste des Erzherzogs Maximilian in Innsbruck; seit 1613 wohnte er erneut in München.

Gerini, Niccolò di Pietro
* vor 1368 in Florenz, + 1415 (?) in Florenz. Italienischer Tafelmaler und Freskant, Vater von Lorenzo di Niccolò, vermutlich Schüler von Taddeo Gaddi, leitete in Florenz die zu seiner Zeit angesehenste Werkstatt; zu ihren Mitarbeitern zähltne Matteo di Pacino, Pietro di Miniato, Ambrogio Baldese, Jacopo Orcagna und sein Sohn, was eine sichere stilkritische Zuordnung erschwert. Eine der reifen Leistungen von Gerini ist das Triptychon mit der "Taufe Christi" von 1387 (London, Natinal Gallery); im giotteske

Gerlach, Philipp
* 24.7.1679 in Spandau, + 17.9.1748 in Berlin. Deutscher Baumeister des Barock. Als Hofbaumeister Friedrich Wihelms I. von Preussen und ab 1720 Hauptleiter der königlichen Bauten plante er die Stadterweiterung von Berlin-Friedrichstadt sowie die urbane Neustrukturierung des Pariser Platzes und der Wilhelmstrasse (1732-36). Sein Hauptwerk ist die Garnisonskirche in Potsdam (1730 bis 1735), deren einfacher, funktionsbetonter Grundriss und zurückhaltende Innenausstattung (1898 dem Barock nachempfunden erneuert) dem Geist der protestantischen Predigerkirchen entsprachen. Einzig der hohe Glockentrum mit stark durchbrochenem, kuppelförmigem Abschluss (eine Weiterentwicklung des eingestürzten Berliner Münzturmes von Andreas Schlüter) zeigte fürstliche Prachtentfaltung. Das Kammergericht (1733-35; 1965 wieder aufgebaut), das Marschall-Palais (1735-37) sowie die königliche Goldmanufaktur und Silbermanufaktur (1735-37) zählen zu seinen wichtigsten Bauten.

Geron, MatthiasGerung, Matthies

Gerthener, Madern
* um 1360, + 1430/31. Deutscher Architekt und Bildhauer der späteren Gotik, Mitglied einer Frankfurter Steinmetzfamilie, übernahm 1391 vermutlich die Werkstatt seines Vaters. 1395 wurde er festbesoldeter Steinmetz der Stadt Frankfurt a.M., 1409 Werkmeister des dortigen Bartholomäusstifts und 1430/31 Generalaufseher über die gesamte Stiftsbautätigkeit und Stadtbautätigkeit. Urkundlich bezeugt ist seine Beteiligung am Eschenheimer Turm (1400, 1427) (Frankfurt III), an der St.-Bartholomäus-Kirche in Frankfurt sowie am Westchor der St.-Katharinen-Kirche in Oppenheim (ca. 1410 bis 1434). Zugeschrieben werden ihmdie Memorienpforte am Mainzer Dom (um 1425) und eine Reihe dortiger Skulpturen, der Ruprechtsbau des Heidelberger Schlosses (Heidelberg Heidelberg III), die Sakristei am Speyrer Dom, der Chor von St. Leonhard in Frankfurt sowie die Südwand der dortigen Liebfrauenkirche. Der Westturm von St. Bartholomäus (1514 nach Gertheners Plänen vollendet) zeigt die Weiterverarbeitung des von den Parlern geprägten Formenguts und die Auseinandersetzung mit Freiburger, Strassburger ud Kölner Traditionen (die sich bei ihm stärker bemerkbar machten als die vielfach erwähnten höfischen burgundischen Quellen); kühn ar dabei der Gedanke, den Turm mit einer Kuppel zu bekrönen. Ebenso wie die Mainzer Memorieinpforte mit ihrem Baldachinmotiv aus Masswerkbögen und ihren eleganten Skulpturen - der "Hl. Martin" gilt als eine der schönsten mittelrheinischen Plastiken der Spätgotik - kann auch das Südportal der Frankfurter Liebfrauenkirche Gerthener nur zugeschrieben werden. Das Tympanonrelief mit der "Anbetung der Könige", umrahmt von Masswerkkreisen, ist ein Meisterwerk europäischen Ranges.

Gerthner, MadernGerthener, Madern

Gerung, Matthies
(auch Geron, Matthias oder Mathis). * um 1500 in Nördlingen, + zwischen 1568/70 in Lauingen. Deutscher Maler, Miniator und Zeichner für Holzschnitte und Wandteppiche der Renaissance, vielleicht Schüler von Hans Leonhard Schäuffelein. 1530-31 wurde er von Herzog Ottheinrich von Neuburg mit der Illumination einer Bibelhandschrift (Heidelberg, Kurpfälzisches Museum) beauftragt, seinem wohl wichtigsten Werk, das unter dem Einfluss der Kunst von Albrecht Dürer und Hans Burgkmair stand. Für den Herzog schuf er 1540 auch die Holzschnitte zur neuen evangelischen Kirchenordnung. Ausser an den verschollenen Kartons für die grossen Wandteppiche des Schlosses Neuburg a.d. Donau I arbeitete Gerung möglicherweise auch an dem Bilder-Zyklus des dortigen alten Rittersaals. Seine fragmentisch überlieferten Holzschnittserien lassen sich von 1536-58, seine signierten Bilder von 1540-43 datieren. Sein Monogramm führte häufig zu Verwechselungen mit M. Grünewald.

Gherardo della NotteHonthorst, Gerard van

Ghezzi, Pierleone
(Pier Leone). * 28.6.1674 in Rom, + 5.3.1755 in Rom. Italienischer Karikaturist, auch Maler, Kupferstecher und Zeichner des Rokoko. Die für verschiedene römische Kirchen entstandenen religiösen Bilder treten in ihrere Bedeutung gegenüber dem zeichnerischen und karikaturistischen Werk zurück. Die umfangreichste Sammlung seiner Zeichnungen, das Album "Il Mondo Nuovo", besitzt die Pinacoteca Vaticana in Rom. Berühmt sind sein 1727 vollendeten Fresken in der Falconieri-Villa in Frascati mit den legensgrossen

Ghirlandaio, Domenico
(eigentl. Domenico di Tommaso Bigordi). * 1449 in Florenz, + 11.1.1494 in Florenz. Bedeutendster Florentiner Maler der Frührenaissance, führte vor allem Freskenzyklen, aber auch religiöse Tafelbilder und Porträts für die patrizische Bürgerschicht und im päpstlichen Auftrag aus, malte in einem von starker Plastizität und betonten Konturen geprägten Stil und überdeckte durch seine oft genrehafte Betonung des figurenreichen bürgerlichen Lebens in Florenz den religiösen Gehalt seiner Werke; er war Schüler von Alessio Baldovinetti. Das wahrscheinlich früheste bekannte Werk Ghirlandaios, das Fresko "Die hll. Hieronymus, Barbara und Antonius" in S. Andrea in Cercina bei Florenz, zeigt ihn unter dem Einfluss von Domenico Veneziano und Andrea del Castagno. Am Fresko der "Geschichte der hl. Fina" (um 1475, S. Gimignana, Collegiata, Capella di S. Fina), einem frühen Meisterwerk, wird bereits seine besondere Neigung zum Erzählerischen und in dem ausgewogenen Verhältnis von Figuren und Architekturprospekten die Verwendung von Prototypen von Lorenzo Ghiberti fassbar. Kurz danach erwachte wahrscheinlich Ghirlandaios Interesse an der Kunst von Andrea del Verrocchios. Werke wie das Fresko der "Maria mit Kind und den hll. Sebastian und Julian" (Brozzi, S. Andrea) und mehr noch die "Thronende Maria mit den hll. Michael, Raphael, Justus und Zenobius" (Florenz, Galleria degli Uffizi) zeigen einen besonderen Zeichenstil und eine malerische Behandlung des Stofflichen. 1480 folgten das an Andrea del Castagno orientierte "Abendmahl" (Florenz, Ognissanti, Refektorium) und der in Konkurrenz mit dem "Hl. Augustinus" von Sandro Botticelli für ein Mitglied der Familie Vespucci gemalte "Hl. Hieronymus im Gehäus" (Florenz, Ognissanti) mit reicher stillebenhafter Schilderung des Interieurs. Ghirlandaio wurde 1481 nach Rom berufen, um an der Freskenausstattung der Cappella Sistina im Vatikan mitzuwirken. Hier entstand 1481-82 die monumentale, vor einem weiträumigen Landschaftsprojekt sich entfaltende "berufung der Apostel Petrus und Andreas", besonders hervorragend durch den gravitätischen Stil der Figurenbildung und die strenge Kompostition der Gruppen. Die in den Begleitfiguren erfolgte Porträtierung von Zeitgenossen wurde von da an ein konstanter Zug in Ghirlandaios Werken. Nach der Rückkehr aus Rom erhielt Ghirlandaio neben Sandro Botticelli den Auftrag, eine hohe Schmalwand der Sala dei Gigli im Vecchio-Palazzo Florenz mit Fresken auszustatten, den er mit Hilfe seiner damals schon sehr grossen Werkstatt ausführte. Gleichzeitig entstand ein Hauptwerk der malerischen Erzählkunst Ghirlandaios, der Freskenzyklus mit dem "Leben des h. Franziskus" (1485, Florenz, S. Trinità, Capella Sassetti). Auch an dieser Ausführung ist eine eigenhändige Tätigkeit Ghirlandaios nur in den unteren, dem Betrachter nahen Teil des Zyklus nachweisbar. Der episch-erzählerische Reichtum der Massenszenen mit vielen Porträts aus dem Kreis der herrschenden Familien und einer Reihe von Florentiner Stadtveduten liess Ghirlandaio geradezu zu einem malerischen Chronisten seiner Zeit werden und brachte ihm grossen Erfolg. Die für dieselbe Kapelle gemalte und 1485 datierte Altartafel mit der "Anbetung der Hirten", die von dem Stifterpaar flankiert wird, offenbarte sein neues Interesse am revolutionären Realismus der Niederländer. In der Schilderung der Hirten folgte er eng dem Portinari-Altar von Hugo van der Goes, der ihm wohl als bedeutendstes niederländisches Importstück aus eigener Anschauung bekannt war. Als umfangreichstes aller aus seiner Werkstatt hervorgegangnen Tafelbilder entstand 1486 das die "Krönung Mariä" darstellende Hochaltarbild des Doms von Narni (Narni, Municipio). Einen Höhepunkt der erzählerischen Tendenzen Ghirlandaios bezeichnen wohl die 1486 von Giovanni Tornabuoni in Auftrag gegebenen, umfangreichen Chorfresken von S. Maria Novella in Florenz, die er in der üblichen Arbeitsteilung mit seiner Werkstatt, in der damals auch der junge Michelangelo mitarbeitete, in der erstaunlich kurzen Zeit von vier Jahren schuf. Die beiden grossen ungegliederten Wandflächen der Chorkapelle, auf denen das "Leben Mariä" und das "Leben Johannes` d.T." geschildert werden, sind durch ein Gerüst antikischer Pilaster und verzierter Gesimse aufgeteilt, so dass je sieben grosse Bildfelder entstanden. Gleichfalls im Auftrag Giovanni Tornabuonis wurde der Altar für S. Maria Novella mit der Mitteltafel "Maria mit Kind und den hll. Dominikus, Michael, Johannes d.T. und Johannes d.E. (München, Alte Pinakothek) begonnen, der erst nach Ghirlandaios Tod vollendet wurde. Auchs seine Spätzeit war durch eine Reihe bedeutender Aufträge gekennzeichnet. Der wahrscheinlich für Giovanni Tornabuoni nach Ghirlandaios Entwurf von der Werkstatt angefertigte Tondo mit der "Anbetung der Könige" (Florenz, Galleria degli Uffizi) ist auf 1487, das figurenreiche, streng komponierte, eigenhändige Bild gleichen Gegestands (Florenz, Ospedale degli Innocenti) auf 1488 datiert. Unter den Porträts ragt das auf 1488 datierte, streng stilisierte Profilbildnis der jungen "Giovanna Tornabuoni" (Lugano, Sammlung Thyssen-Bornemisza) hervor, dem neben zwei frühen "Mädchenbildnissen" (London, National Gallery, und Paris, Sammlung Gulbenkian) der realistische "Greis mit seinem Enkel" (Paris, Musée National du Louvre) und das frontal komponierte "Bildnis des Francesco Sassetti mit seinem jüngsten Sohn" (New York, Sammlung Jules Bache) vorangegangen waren. Ghirlandaios letztes Werk war die 1491 für die Kapelle des Lorenzo Tornabuoni in S. Maria di Castello in Florenz gemalte "Heimsuchung Mariä" (Paris, Musée National du Louvre), an der nur die zentrale Figurengruppe der monumentalen Komposition von ihm selbst ausgeführt wurde. Zu den zahlreichen Mitarbeitern und Schüler Ghirlandaios gehörten neben seinen Brüdern u.a. Sebastiano Mainardi, Niccolò Cieco, Jacobo del Tedesco und Giuliano Bugiardini.

Ghirlandaio, Ridolfo
(eigentl. Ridolfo di Domenico Bigordi). * 4.1.1483 in Florenz. Italienischer Renaissancemaler, Sohn von Ghirlandaio, Domenico, näherte sich nach einer Schulung in der Tradition der Ghirlandaio-Werkstatt den jüngeren Vorbildern Raffael, Piero di Cosimo und Fra Bartolomeo, deren Stilmerkmale er in Werken wie "Maria mit den hll. Franziskus und Magdalena" (Florenz, Galleria dell`accademia) in eklektischer Weise verband. Sein Studium der Werke Michelangelos, vor allem des Kartons der "Schlacht von Cascina", wi

Giamberti, Antonio d.J.Sangallo, Antonio da

Giamberti, GiulianoSangallo, Giuliano da

GianettiMatteo di Giovannetto da Viterbo

Giannuzzi, GiulioRomano, Giulio

Gibbs, James
(1682-1754). Einflussreichster Kirchenbauer Londons im frühen 18. Jh. Im Gegensatz zu seinen überwiegend der liberalen Whig-Partei und dem Neopalladianismus (Palladianismus) anhängenden Zeitgenossen war er Schotte, Katholik, ein konservativer Tory mit Sympathien für den vertriebenen Stuartkönig, und er hatte den einzigartigen Vorteil, von einem führenden ital. Architekten, Fontana, Carlo, ausgebildet worden sein. Gibbs, James wurde in Aberdeen geboren, ging um 1703 nach Rom, um sich für das Priesteramt vorzubereiten, verliess aber nach einem Jahr das Scots College. Er blieb bis 1709 in Rom und hat anscheinend Malerei studiert, ehe er sich der Architektur zuwandte. Sein erstes Bauwerk, St. Mary-le-Strand in London (1714-17), zeigt eine Mischung von Wren, Sir Christopher und italienischem Manierismus mit Barockelementen (Barock). Überraschenderweise nahm sich danach Lord Burlington, Richard Boyle seiner an, jedoch nur, um ihn zugunsten von Campbell, Colen fallen zu lassen, der ihn als Architekt des Burlington House verdrängte. Gibbs, James hatte später keine Kontakte mehr zu den Londoner Vertretern des neopallaidianischen Stils und blieb Wren, Sir Christopher und seinen italienischen Meistern treu, obwohl er einige palladianische Details in seinen eklektischen Stil aufnahm. St. Martin-in-the-Fields in London (1722-26) ist sein Hauptwerk und wurde häufig nachgeahmt, besonders die Kombination von Tempelfassade und sich oberhalb des Firstes erhebendem spitzen Kirchturm. Die monumental gegliederten Längsseiten mit vorblendeten Kolossalsäulen und Pilastern haben Fenster mit einer für Gibbs charakteristischen Umrahmung. Seine besten noch erhaltenen Profanbauten stehen ausserhalb Londons: das Oktogon (1720); Sudbroke Prak, Petersham (ca. 1720); Ditchley House (1722-30) und King`s College Fellows´ Bildung in Cambridge (1724-49). Einige von ihnen zeigen seinen überschwänglichen ital. Barockstil in der Innendekoration in prunkhafter Vollendung. Sein letzter und originellster Bau, die Radcliffe Library in Oxford (1737-49), ist in England einzigartig, da er den Einfluss des italienischen Manierismus zeigt. Gibbs übte in England und Amerika mit seinem „Book of Architecture“ (1728) grossen Einfluss aus, eine der darin enthaltenen Tafeln regte vermutlich den Entwurf für das Weisse Haus in Washington an.

Gil de Hontañón, Rodrigo
* um 1500 in Rasines, Altkastilien, + 1577 in Segovia. Spanischer Architekt des Platereskenstils, war am Bau aller bedeutenden Kathedralen in Altkastilien und Neukastilien, Asturien und Galicien beteiligt; er beherrschte die traditionellen, gotischen Techniken in der Tradition von Juan de Colonia und setzte bei der Dekoration auch Renaissance-Elemente ein. Als Bauleiter der Neuen Kathedrale in Salamance errichtete er ab 1538 das Mittelschiff, das er mit einem Sterngewölbe bekrönte. In das Geflecht geradliniger Sternrippen ist jeweils ein kreuzförmiger Stern mit geschweiften Armen eingearbeitet. Mit derselben Aufgabe betraut, arbeitete er ab 1577 an der Kathedrale von Segovia; dem spätgotischen Bau nahm er die Steilheit, indem er in der zweigeschossigen Hochschiffwand zwischen Arkaden und Obergaden einen Laufgang mit Masswerkbrüstung einzog. Mit dem Monterrey-Palacio in Salamanca (1538) übertrug er den Platereskenstil auch auf den Profanbau; in den unteren Geschossen karg un abweisend, gliedern erst im obersten Geschoss und in den beiden Turmaufsätzen Säulen, Gebälk, Rundbogenfenster und Arkaden die Wand. Mit diesem Bau prägte Gil den Typus des plateresken Palastes. Bei der Fassade der Universität von Alcalá de Henares bei Madrid zeichnet sich der dreistöckige Mittelbau durch ein prächtiges Portal aus, das in einem Dreiecksgiebel abschliesst. Die reich dekorierten Prachtfenster zu beiden Seiten bilden einen typisch spanischen Kontrast zur gleichen Wandfläche.

Gilardi, Domenico di Giovanni
* 1788 bei Lugano, + 28.2.1845 bei Lugano. Russischer Architekt italienisch-schweizerischer Herkunft, Sohn des Architekten Giovanni Battista Gilardi, der auch schon in Moskau tätig war. Nach Studien an der Kunstakademie in Mailand arbeitete er 1810-32 in Russland, wo er in Moskau wesentlichen Anteil beim Wiederaufbau nach dem Brand von 1812 hatte und die Tradition des russischen Klassizismus - insbesondere Matwei Kasakows - weiterentwickelte. Zu seinen Hauptwerken in Moskau zählen der Wiederaufbau des Universitätsgebäudes (1817-19), in Zusammenarbeit mit A. Grigorjew das heutige Gebäude der Akademie der Medizinischen Wissenschaft (1823 bis 1826), das heutige Maxim-Gorki-Institut (1820), das heutige Haus der sowjetischen Armee (nach 1812), das ehemalige Ussatschow-Haus (1825-31, mit Grigoriew, heute ein Krankenhaus) und verschiedene komfortable Wohnhäuser wie das Haus Luninych (1818-23). Vor seiner Rückkehr nach Montagnola in der Schweiz begann Gilardi mit Grigoriew den Umbau des Landsitzes Kusminki. Seit 1830 war er Ehrenmitglied der Petersburger Akademie der Künste.

Gilbert, Sir Alfred
* 12.8.1854 in London, + 4.11.1934 in London. Englischer Bildhauer, lebte nach seiner Ausbildung in London und Paris 1878 bis 1884 in Rom, dann wieder in London, trat mit mythologischen Bronzefiguren hervor, die stilistisch an die Renaissancebildwerke Benvenuto Cellinis und Donatellos anschlossen. Typische Werke dieser Art sind "Bewaffneter Perseus" (1883, London, Victoria and Albert Museum) und die Figur des "eros" seines Shaftesbury-Brunnens in London (1893, Piccadilly Circus). Sein umfangreichstes Werk i

Gillet, Nicolas Francois
* 2.3.1709 in Metz, + 7.2.1791 in Paris. Französischer Bildhauer, gewann 1746 ein Stipendium der Pariser Akademie und ging bis 1752 nach Rom. Nachdem er sich mit einer Reihe von Bildnisbüsten und allegorischen Figuren einen Namen gemacht hatte, folgte Gillet 1758 dem Ruf an die St. Petersburger Akademie, der er 1774-77 auch als Direktor vorstand. Neben rein dekorativen Arbeiten für den Winterpalast St. Petersburg und andere Schlösser der Umgebung schuf er u.a. für die Akademie die Bronzebildnisse Katharinas II. und des Grossfürsten Paul Petrowitsch (1765).

Gilly, David
* 7.1.1748 in Schwedt a.d. Oder, + 5.5.1808 in Berlin. Deutscher Architekt des Frühklassizismus, Nachfahre einer 1689 eingewanderten Hugenottenfamilie, Vater von Friedrich Gilly. Er war seit 1771 Landbaumeister, seit 1779 Baudirektor von Pommern und dabei zunächst hauptsächlich mit Nutzbauten beschäftigt, so mit den Hafenanlagen von Swinemünde und Kolberb (1785), mit Speicherbauten in Danzig und Pillau und mit Wohnhäusern für Kolonistenniederlassungen. 1788 siedelte er nach Berlin über, wo er fünf Jahre später eine Bauschule, die Vorläuferin der späteren Bauakademie, gründete. Für Friedrich Wilhelm III. errichtete er 1787-1800 Schloss und Dorf Paretz. Ab 1798 folgten Schloss Freienwalde Bad Freienwalde I für Königin Luise und eine Reihe anderer Schlösser und Landsitze. Als Exempel des deutschen Frühklassizismus ragt das Viewegsches Verlagshaus in Braunschweig (1801-04) heraus. Bei den einfachen, kubischen Formen, die Gilly bevorzugte, kommen nur wenige aus der griechischen Antike entlehnte Gliederungselemente vor. Von seinen zahlreichen Schriften über Landbau und Wasserbau gilt das 1797 erschienene "Handbuch der Landbaukunst" als die wichtigste.

Gilly, Friedrich
* 16.2.1772 in Altdamm bei Stettin, + 7.8.1800 in Karlsbad. Deutscher Architekt des Klassizismus. Sohn von Gilly, David, studierte bei Carl Gotthard Langhans und Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff sowie an der Berliner Bauakademie bei Gottfried Schadow und Daniel Chodowiecki. In ihrer klassizistischen und romantischen Ausrichtung nur schwer unterscheidbar sind die Zeichnungen, die der junge "Klassizist" Gilly von den erhaltenen Beständen des Deutschordensschlosses Marienburg i. Ostpreussen anlegte und

Giocondo, Fra Giovanni da VeronaFra Giocondo

Giordano, Luca
* 18.10.1634 in Neapel, + 3.1.1705 in Neapel. Italienischer Barockmaler und Dekorateur. Er erhielt aufgrund seiner grossen Produktivität den Beinamen "Fa presto" ("Mach schnell"). In seiner frühesten Stilphase 1650-54 entstanden in Neapel Werke wie "Hl. Onofrius" (Neapel, S. Francesco di Paola), "Apollo und Marsyas" (Neapel, Museo Nazionale di S. Martino) oder die in mehreren Museen verwahrte Serie der "Philosophen", die durch dramatisches Helldunkel, dynamische Malweise und starke Farbgebung unter dem Einf

Giorgione
(eigentl. Giorgio oder Zorzi da Castellfranco, auch Giorgio Barbarelli). * 1477 oder 1478 in Castelfranco Veneto, + vor dem 25.10.1510 in Venedig. Italienischer Maler, bedeutender Vertreter der venezianischen Hochrenaissance, war vermutlich Schüler von Giovanni Bellini in Venedig und der Lehrer von Tizian. Aus den Jahren 1507 und 1508 sind die drei einzigen erhaltenen Dokumente seines Lebens überliefert, als er vom Rat der Zehn in Venedig Zahlungen für ein grosses verlorengegangenes Gemälde im Dogenpalast erhielt und mit den Fresken für den Fondaco Dei Tedeschi beauftragt wurde. Am 25.10.1510 wurde Giorgione in einem Brief von Isabelle d`Este als verstorben erwähnt, da sie ein Bild aus seinem Nachlass erwerben wollte. Der Künstler war, wenig über 30 Jahre alt, an der Pest gestorben. Für Giorgiones Oeuvre gibt es wenige sichere Anhaltspunkte. Durch fehlende Signaturen, zahlreiche Beteiligungen fremder Hände, Vollendungen vieler Werke durch seine Schüler und eine grosse Zahl zeitgenössischer Kopien ist die Identifikation noch erschwert: so bewegt sich die als sicher angesehene Werkzahl immer noch zwischen fünf und etwa fünfundvierzig. Die wohl frühesten erhaltenen Arbeiten sind ein "Urteil Salomos" und "Der Mosesknabe vor dem Pharao" (beide Florenz, Galleria degli Uffizi). Ebenfalls zum Frühwerk wahrscheinlich eine "Geburt Christi" (Washington, National Gallery of Art, Allendale Collection), "Judith" (St. Petersburg, Eremitage), "Lesende Madonna mit Kind" (Oxford, Ashmolean Museum) und eine "Sacra Conversazione" (Venedig, Gallerie dell`Accademia), die aber auch Sebastiano del Piombo zugeschrieben wird. Giorgiones erster Schaffensabschnitt stand so unter den verschiedenen Einflüssen von Giovanni Bellini, auf den er jedoch bald selbst zurückzuwirken begann, von Vittore Carpaccio, Leonardo da Vinci, der sich 1500 in Venedig aufhielt, der umbrisch-emilianischen Schule, von Andrea Mantegna, Antonello da Messina, der Malerei der Niederländer und auch von Albrecht Dürer. Doch Giorgione fand aus diesen Eindrücken bald zur Synthese seines eigenen Stils, z.B. in "Anbetung der Könige" (London, National Gallery). 1504 wurde Giorgione von Condottiere Tuzio Costanzi anlässlich des Todes seines Sohns Matteo der Auftrag für ein Altarbild mit der Darstellung einer "Thronenden Madonna mit den hll. Franzisckus und Liberale" für S. Liberale in Castelfranco Veneto erteilt. Giorgione schuf hier aus der Tradition der Figurgengruppe in der Vierung eines Kuppelgewölbes oder in einem Badachingehäuse mit Ausblick in die Landschaft einen neuen Typus der Sacra Conversazione. Er konzipierte diesen Bildtyp erstmals ganz von der Landschaft aus, wenn er auch die Baldachinform im Thron andeutungsweise mit übernahm. Ausserdem reduzierte er die Figurenzahl auf eine Dreiergruppe und kleidete die Madonna statt in das traditionelle blaue Kleid in ein grünes Gewand. 1506 entstand die sog. "Laura" (Wien, Kunsthistorisches Museum). Zu den sicher identifizierten Hauptwerken Girogiones gehören die "Ruhende Venus" (Dresden, Gemäldegalerie), "Das Gewitter" (Venedig, Gallerie dell`Accademia), "Die drei Philiosphen" (Wien, Kunsthistorisches Museum) und "Ländliches Konzert" (Paris, Musée National du Louvre). In dem Bild "Ruhende Venus", einem der Hauptwerke der Renaissance überhaupt, verband Giorgione den herkömmlichen Venustypus mit dem Motiv der schlafenden Quellnymphe. Da Tizian bei dem Bild das Tuch im Vordergrund und den Landschaftshintergrund zu Ende führte, wurde es ihm zeitweilig auch ganz zugeschrieben, doch weist die Bildaussage eindeutig auf Giorgione als eigentlichen Schöpfer. Eines der entscheidenden Momente ist dabei, dass die Natur nicht mehr nur szenisches Beiwerk, sondern allumfassender Bildgrund ist; ebenso bedeutend ist der teilweise psychologisierende Individualisierungsverscuh in der Venusgestalt. "Die drei Philosophen", die Marcantonio Michiel 1525 im Hause von Taddeo Cantarini in Venedig sah, hatte nach seinen Beschreibungen Sebastiano del Piombo vollendet. Ihre ikonographische Bedeutung ist besonders umstritten: In dem Werk wurde u.a. ein Motiv aus der "Erziehung" des Marc Aurel, auch aus der "Aeneis" von Vergil, eine neue Ikonografie der Hll. Drei Könige, die den Stern von Bethlehem wahrnehmen, oder eine Darstellung der Lebensalter gesehen. Die vielleicht wahrscheinlichste Deutung geht davon aus, dass es sich um die Darstellung verschiedener menschlicher Verhaltensweisen und Philosophien aus unterschiedlichsten Kulturkreisen, wohl der Antike, dem Mittelalter und der Renaissance, handle. Auch "Das Gewitter" (auch La Tempesta" oder "Giorgiones Familie", Venedig, Gallerie dell`Accademia) wurde vielen verschiedenen Deutungsversuchen unterzogen. Die beiden Bilder "Ländliches Konzert" und "Konzert", die das musikalische Element mit der Stimmung der Natur vereinen, waren in ihrer Zuschreibung oft umstritten; das zuerst genannte gehört mit grosser Sicherheit dem OEuvre Giorgiones an, das zweite dem von Tizian. Giorgiones gehören u.a. ein "Männliches Bildnis" (Braunschweig, Herzog-Anton-Ulrich-Museum), das als Selbstdarstellung des Künstlers als David gilt und ihn so als Dichter, Musiker und Helden zugleich begreift, "Jüngling mit Pfeil" (Wien, Kunsthistorisches Museum), "Schäfer mit Flöte" (Hampton Court, Palace), "Leda mit dem Schwan" (Padua, Museo Civico), "Die alte Vettel", "Die Zeit" (Venedig, Gallerie dell`Accademia), "Der Alte mit der Wasseruhr" (Washington, Phillips Collection) und "Christus und der Schächer" (Venedig, S. Rocco), das wohl zu den spätesten Werken Giorgiones gehört. Von den Fresken Giorgiones im Fondaco dei Tedeschi ist nur noch ein sehr stark zerstörtes Fragment eines weiblichen Akts (Venedig, Gallerie dell`Accademia) erhalten. Als Frühwerk wird Giorgione auch ein figuraler Freskenzyklus in der Albertoni-Pellizzari-Casa in Castelfranco zugeschrieben, der starke Einflüsse von Mantegna vor allem in der Stilisierung der Einzelfigur aufweist. Dokumentarisch sind zudem noch andere Fresken erwähnt. Unter den Zeichnungen Girogiones gab es bisher kaum ein wirklich gesichertes Werk, zumal er während des Werkprozesses wahrscheinlich auf Vorzeichnungen zurückgriff. Giorgiones Kunst ist schwer fassbar. Die persönlich bestimmte Aussage überwiegt in seinem Werk weitgehend herkömmliche Ikonografien; zu seinen geistigen Leitbildern zählten dabei möglicherweise Florentiner Humanisten und Neuplatoniker am Hof der Medici, wie Pico della Mirandola und Marsilio Ficino, deren Werke auch in Venedig gut bekannt waren. Giorgione verwendete meist sehr warme Farben in tonigen Bindungen und mit fein abgestuften Übergängen. Die zeichnerische Linie trat ganz in den Hintergrund, so dass die Dinge materiell sehr wenig voneinander und von ihrer Umwelt isoliert sind. Ein wesentliches Gestaltungselement ist auch die Darstellung des Lichts, das eine poetrisch-lyrische, verbindende Funktion übernimmt. Giorgione erreichte vor allem auch damit die Wiedergabe einer neuen Weltanschauung, die von der der Frührenaissance sehr wesentlich unterschieden ist; der Mensch scheint in einen Einklang mit der Natur gerade zurückgekehrt. Seine Kunst bestimmte in der Erneuerung der Ausdrucksmittel entscheidend die führende Stellung der venezianischen Malerei der Zeit, die bis 1520 im wesentlichen von ihm ausging. Grössten Einfluss übte er dabei auf so bedeutende Maler wie Tizian, Sebastiano del Piombo und Palma il Vecchio aus.

Giotto di Bondone
* 1266 (?) wahrscheinlich in Colle di Vespignano bei Florenz, + 8.1.1337 in Florenz. Italienischer Maler und Architekt, mit dessen Werk der Beginn der lateinisch-italienischen gegenüber der griechisch-byzantinischen Malerei datiert wird. Sein künstlerischer Abstand zu Cimabue, dem bedeutendsten Maler der Generation vor Giotto und seinm Lehrer, lässt ein Vergleich ihrer Kruzifixe und Maestà-Darstellungen erkennen: Gegenüber Cimabues Christus ("Kruzifixus", Florenz, S. Croce) von überwirklicher Schlankheit in

Giovanni da San Giovanni
(eigentl. Giovanni Mannozzi). * 20.3.1592 in S. Giovanni Valderno, + 6.12.1636 in Florenz. Italienischer Barockmaler, stattete als Hofmaler der Grossherzöge von Toskana, Cosimo II. und Ferdinand II., vor allem das Erdgeschoss des Florentiner Pitti-Palazzo, den Salon degli Argenti, mit Fresken aus. Seine durch die Carracci beeinflussten Kompositionen wirkten ihrerseits auf Pietro da Cortona, der sein Nachfolger bei der Ausstattung des Pitti-Palazzo wurde. 1630 führt Giovanni in Rom die Fresken in der Apsis von SS. Quattro Coronati mit "Szenen aus dem Leben der Märtyrer Severus, Severinus, Carpophorus und Victorianus", die unter Diokletian hingerichtet worden waren, aus und freskierte auch zahlreiche römische und toskanische Villen, wie etwa die Pozzino-Villa bei Florenz. Unter seinen Staffeleibildern ragt die "Bestrafung Amors durch Venus" (Florenz, Galleria Palatina, Palazzo Pitti) hervor.

Giovanni da Udine
(eigentl. Giovanni di Francesco Ricamador). * 27.10.1487 in Udine, + 1564 in Rom. Italienischer Maler, Stuckateur und Baumeister. Nahm als Schüler von Giorgione ab 1501 an den Ausstattungsarbeiten im Dom von Udine teil. Wenig später wurde er von Raffael nach Rom berufen, wo er zu dessen Hauptmitarbeiter avancierte. Von ihm stammen die meisten Grotesken, die die Stanzen und Loggien des Vatikan (Vatikanpalast) schmücken und deren phantastische Themen auf Zeichnungen Raffaels nach antiken Vorlagen zurückgehen. nach Raffaels Tod arbeitete Giovanni zusammen mit Pierino del Vaga weiter für Papst Clemens VII. Vor allem aber trug er durch die Fortführung der Ausstattung der Madama-Villa (zusammen mit Romano, Giulio) und der Sala di Psiche in der Farnesina-Villa zur Verbreitung des Stils der Raffael-Werkstatt und zur Durchsetzung des Manierismus bei.

Giovanni da VeronaFra Giocondo

GiovanttiMatteo di Giovannetto da Viterbo

Girardon, Francois
* 17.3.1628 in Troyes, + 1.9.1715 in Paris. Französischer Bildhauer, Vertreter der Hofkunst von Ludwig XIV., unternahm nach anfänglichen Studien in Troyes 1648 bis 1650 eine Reise nach Rom, wo er Giovanni Lorenzo Bernini kennenlernte, bildete sich dann in Paris weiter und war seit 1657 Mitglied der Académie Royale de Peinture et de Sculpture. In der Folgezeit wurde er einer der wichtigsten an der Ausstattung der königlichen Schlösser und Gärten beteiligten Künstler - neben Louis Levau, Claude Perrault und Charles Le Brun, nach deren Entwürfen er mehrfach arbeitete. Zu seinem Werk zählen Arbeiten für die Galerie d`Apollon im Louvre-Palais (1663), Stukkaturen in den Tuilerien (1666/67), Restaurierungsarbeiten und Brunnen. Bedeutendes Beispiel der an der Antike orientierten Klassik der Pariser Akademie ist das Apollobad (1666-76, Marmor, Versailles, Schlosspark); der vom antiken Apoll von Belvedere inspirierte Gott als Allegorie des Sonnenkönigs zu verstehen. 1694 schuf Girardon das Grabmal Kardinal Richelieus (Marmor, Paris, Eglise de la Sorbonne), dessen Komposition von Nicolas Poussin beeinflusst ist, während der "Raub der Proserpina" (vollendet 1699, Marmor, Versailles, Schlosspark) trotz der Reduzierung auf eine fast in einer Ebene liegende Hauptansicht von der von Giovanni da Bologna insprierten "Raub der Sabinerinnen" scheint. Das Hauptwerk Girardons ist das 1692 in einem Stück gegossene, 1699 enthüllte und 1792 zerstörte Reiterstandbild von Ludwig XIV. (Bronze, Replik in Paris, Musée National du Louvre), das am antiken Standbild Marc Aurels auf dem Kapitolsplatz in Rom orientiert war.

Gireoud, Friedrich
Gartenarchitekt in Schlesien. War beteiligt am Park von Schloss Sagan I.

Girodet de Roucy Trioson, Anne-Louis
(1767-1824). Möglicherweise für die Tafeln in Compiegne-Chateau II zuständig.

Girodet-Trioson, Anne-LouisGirodet de Roucy Trioson, Anne-Louis

Girolamo da Capri
(eigentl. Sellari oder de Livizzani; 1501-56). Architekt und Maler aus Ferrara. Zunächst Schüler seines Vaters Tommaso, später von Benvenuto Tisi, beeinflusst auch von Dosso Dossi. Studierte vermutlich in Rom antike Bauwerke und traf dort mit Bramante, Donato und Peruzzi, Baldassare zusammen. Seine Baufaufträge erhielt Girolami da Carpi wieder in Ferrara: 1537 entstand der streng klassizistische Palazzo Crispi, 1540 im Auftrag des Herzogs d`Este sein Hauptwerk der Palazzo Belvedere, der jeoch bereits 1599 wieder abgetragen wurde. Ab 1554 ist Girolamo da Capri mit der Restaurierung des Kastells in Ferrara betraut. Laut Vasari, Giorgio soll Girolamo da Capri noch eine Anzahl Pläne und Entwürfe für Privathäuser in Ferrara und Umgebung geschaffen haben.

Girolamo da Treviso d.J.
(eigentl. Girolamo Pennacchi d.J.), * 1497 in Treviso, + 1544 bei der Belagerung von Boulogne, Frankreich. Italienischer Maler, Bildhauer und Architekt der Renaissance, ging 1542 nach England, wo er vor allem als Militäringenieur am Hof von Heinrich VIII. tätig war. In seinem malerischen OEuvre stand er unter dem Einfluss von Dossi, Dosso und Pordenone und erinnert stilistisch auch an die Schule der Emilia, z.B. in "Madonna mit Kind und Heiligen" (London, National Gallery) und dem monochromen Enkaustik-Bild

Giuliani, Giovanni
* Ende 1663 in Venedig, + 5.9.1744 in Heiligenkreuz bie Wien. Italienischer Bildhauer des Barock, ausgebildet wahrscheinlich zunächst bei Giuseppe Mazza in Venedig und Bologna, zwischen 1680 und 1690 bei Andreas Faistenberger in München beschäftigt. Anschliessend liess er sich als Bildhauer in Wien nieder und begann 1694 seine vielfältige Arbeit für das Zisterzienserstift Heiligenkreuz, das ab 1711 auch sein ständiger Wohnsitz war. 1694-96 entstanden die Skulpturen des Hochaltars und der beiden seitlichen Choraltäre der Stiftskirche, 1707-09 das Chorgestühl mit Reliefszenen aus dem Leben Christi und Brustbildern von Ordensheiligen, 1739 der Josephsbrunnen und um 1737-39 die Dreifaltigkeitssäule (beide im Stiftshof). Die bemerkenswerte Sammlung seiner Tonbozzetti (Bozzetto) im Heiligenkreuzer Stiftsmuseum dokumentiert die Entstehungsgeschichte seiner Skulpturen. Seine zweite wichtige Werkgruppe sind die arbeiten in Wien, z.B. Figuren für Fassade und Treppenhaus des Liechtenstein-Gartenpalais (1697-1705) und das Treppenhaus des Daun-Kinsky-Palais (1712-13). Charakteristisch für Giulianis äusserst dekorative Kunst ist das Verschmelzen alpenländischer und (in der weichen Modellierung und der Betonung des psychischen Elements) oberitalienischer Einflüsse. Unter seinen Schülern war auch Georg Raphael Donner.

Giuliano da Maiano
* 1432 in Maiano bei Florenz, + 1490 in Neapel. Italienischer Architekt der Frührenaissance, Bruder von Benedetto da Maiano, verbreitete die stilistischen Errungenschaften der Florentiner Bauter von Filippo Brunelleschi und Michelozzo di Bartolommeo in der Toskana, in ganz Mittelitalien und in Neapel. Giuliano begann zunächst als Holzschnitzer und führte seit der Jahrhundertmitte eine Werkstatt für Schnitzerei, Intarsien und Mobiliar in Florenz. Er fertigte das Chorgestühl für den Dom von Pisa und die Schränke der Neuen Sakristei des Doms von Florenz (1463-65). Seit 1466 arbeitete er vorwiegend als Baumeister, 1477-90 war der Dombaumeister von Florenz. Sein frühestes architektonisches Werk ist die Cappella di S. Fina in der Collegiata in S. Gimigniano (1468), die er mit seinem Bruder Benedetto ausführte. Der Piccolomini-Palazzo Siena und der Spanocchi-Palazzo (Siena, seit 1473) zeigen bereits Elemente der Frührenaissance nach dem Vorbild der Medici-Villa Florenz, die Kranzgesimse erinnern jedoch an den Zinnenkranz mittelalterlicher Paläste. Giulianos Hauptwerk ist der Dom von Faenza (1774-86), der in seiner dreischiffigen Anlage mit quadratischen Seitenkapellen und der gleichmässigen Beleuchtung auf den Kirchen S. Lorenzo und S. Spirito in Florenz von Brunelleschi zurückgeht, in der Einwölbung anstelle einer Kassettendecke aber darüber hinausweist. Giulianos Arbeiten für Neapel sind die Villa Poggio Reale (1487/88) und die Porta Capuana (Neapel II, um 1485), einer der bedeutendsten Torbauten der Renaissance. Mit Benedetto arbeitete Giuliano in der Wallfahrtskirche von Loreto (1482 bis 1486).

Gjörwell, Carl Cristoffer d.J.
* 19.1.1755 in Stockholm, * 19.11.1837 in Stockholm. Schwedischer Architekt, Schüler von Louis Jean Desprèz an der Akademie in Stockholm und Mitarbeiter seines Lehrers am Schloss Haga bei Stockholm (1786-88). Seit 1803 Stadtarchitekt von Stockholm, zählte er neben Johan Tobias Sergel zu den wichtigen frühklassizistischen Künstlern Schwedens. Zu seinen Hauptwerken zählen der Plan für die alte Universität im finnischen Turku (1802-16) und das Garnisonshospital in Stockholm (1817-34).

Glaukos und Skylla
Nach Ovid stammt Glaukos aus Böotien; Skylla wird allgemein als Tochter der Meernymphe Krataiis angesehen. Glaukos ist ein Fischer, Skylla eine Nymphe. Glaukos und Skylla werden häufig zusammen dargestellt: Skylla als schönes Mädchen, Glaukos als göttliches Wesen mit langem Bart, halb Mensch, halb Fisch.

Goedeler, (Johann) EliasGedeler, Elias

Goetz, Gottfried BernhardGoetz, Gottfried Bernhard

Goncalves, Nuno
(port. Nunho). * um 1425, + vor 1492. Bedeutendster portugiesischer Maler in der Tradition der altniederländischen Schule (Meister E.S.). Dokumente belegen, dass Goncalves am 20.7.1450 von König Alfons V. zum Hofmaler ernannt wurde. Durch Francisco de Hollandas Traktat "De Pintura antiga" (1548) ist weiterhin bekannt, das Goncalves für die Kathedrale von Lissabon den sog. Vinzenz-Altar (1465-67, Lissabon, Museu Nacional de Arte Antiga) und für das Dreifaltigkeitskloster sehr wahrscheinlich den "Ecce Homo" (

Gondoin, JacquesGondouin, Jacques

Gondouin, Jacques
(auch Gondoin, Jacques - 1737-1818). Architekt des franz.Klassizismus, studierte bei Blondel, Jacques-Francois und an der franz. Akademie in Rom (1761-64), unternahm anschliessend Reisen nach den Niederlanden und England. Sein Meisterwerk ist die Ecole de Chirurgie in Paris (1771-76), die er als Tempel des Äskulap entwarf, mit einer Fassade in Form einer ionischen Kolonnade (mit korrekten griechischen Detail. Im Mitteltrakt, durch ein Triumphbogen-Motiv beson. hervorgehoben, findet sich der Zugang zu einem quadratischen Hof, an der gegenüberliegenden Seite eine korinthische Tempelfront. Sie dient als Portikus für die halbkreisförmig vorspringende Anatomie , die von einer flachen Halbkuppel überfangen wird. Das Gebäude schliesst ein kleines Krankenhaus, eine Bibliothek, Laboratiorien usw. ein. Monumental in der Auffassung und funktionell in der Anlage gehört es zu den schönsten und fortschrittlichsten Bauten seiner Zeit. Das Autonomie wurde zum Vorbild für die Abgeordnetenkammer im Palais Bourbon (1795-97, 1828-33 umgebaut) und für viele andere Parlamentsgebäude, u.a. für Latrobes (Latrobe, Benjamin) Repräsentantenhaus im Kapitol in Washington. Gondouin gründete ein eigenes, erfolgreiches Architekturbüro, wurde jedoch durch die Revolution ruiniert und tauchte bis zum Beginn des Kaiserreiches unter. Während der Regierungszeit Napoleons I. entwarf er die Säuel auf der Place Vendome in Paris (1810 vollendet), die erste der riesigen Säulen, die im frühen 19. Jh. von Baltimore bis St. Petersburg (Russland) errichtet wurden.

Gontard, Karl von
* 13.1.1731 in Mannheim, + 23.9.1791 in Breslau. Deutscher Architekt des Frühklassizismus. Anfangs Tanzmeister, trat er 1749 dem Hofbauamt in Bayreuth bei und reiste 1750-52 im Auftrag des Markgrafen Friedrich nach Paris, um sich bei Jacques-Franois Blondel zum Architekten ausbilden zu lassen. 1761 wurde er Lehrer für Perspektivkunst und Baukunst an der Akademie der Künste in Bayreuth. Hier war er am Neuen Schloss beschäftigt (Bayreuth II) und errichtete u.a. das Layritzhaus (1753-54) und das Reitzenstein-Palais (1761). 1764 wurde Gontard Hauptbaumeister des preussischen Hofs unter Friedrich dem Grossen. Nach Arbeiten am Neuen Palais in Potsdam (Neues Palais Sanssouci) errichtete er 1765-70 die Communs, den Antikentempel und den Freundschaftstempel im Park von Sanssouci. Ab 1779 in Berlin, schuf er die Spittelkolonnaden und Königskolonnaden, die noch von barockem Pathos gekennzeichneten Kuppeltürme des Deutschen und des Französischen Doms (1780-85) und die Königskammern im Schloss Berlin I (ab 1785). Im Marmorpalais Potsdam von Friedrich Wilhelm II. (1786-89) zeigen sich endgültig die Einflüsse der klassizistischen Baukunst, z.B. von Robert Adam, der sich vorher in zahlreichen Privatvillen in Berlin und Potsdam angekündigt hatten.

Gonzáles y Serrano, Bartolomé
* 1564 in Valladolid, + 1627 in Madrid. Spanischer Maler, beeinflusste massgeblich die Entwicklung der spanischen Porträtmalerei vor Diego Velázquez. Seine Porträts der königlichen Familie, die er ab 1608 als Hofmaler Philipps III. von Spanien für die Paläste in Burgos II, El Escorial u.a. schuf, bestechen durch ihre brillante Farbkomposition und die getreue Wiedergabe der Hoftracht, wie das Bildnis der "Königin Margarete" (1609, Madrid, Museo del Prado). Zu Lebzeiten beruhte sein Ruhm auch auf seinen r

GorgoMedusa

Gossaert, Jan
(gen. Mabuse). * zwischen 1478 und 1488 in Maubeuge, + 1532 in Breda. Niederländischer Maler, war der erste unter den niederländischen Romanisten des 16. Jh. (Romanismus), deren Kunst zu einer wichtigen Voraussetzung für die flämische Malerei des 17. Jh. wurde. Er trug sich 1503 als Meister bei der Lukasgilde in Antwerpen ein. 1508 reiste Gossaert als Begleiter Philipps von Burgund nach Italien, um für diesen antike Denkmäler zu zeichnen. Nach der Rückkehr trat Gossaert in die Dienste Philipps und lebte bis zu dessen Tod 1524 in Wijk bei Duurstede. Zu seinen Auftraggebern zählten u.a. auch die Statthalterin Margarete von Österreich, König Christian II. von Dänemark und Adolph von Burgung, der Nachfolger Philipps. Für Adolph war Gossaert ab 1525 in Schloss Middelburg I tätig. In seinem letzten Lebensjahr arbeitete er im Auftrag der Marquise Mencia de Mendoza in Breda. Obwohl Gossaert bereits 1508 in Rom war, stehen seine frühen Werke noch in der Tradition der niederländischen Malerei des 15. Jh. Als bedeutendstes Werk dieser Zeit gilt das malvagna-Triptychon (um 1511, Palermo, Galleria Nazionale) mit dem Thema "Maria mit Kind", dargestellt in einer spätgotischen Architektur vor einer Landschaft. Eine Grenze in den Ausdrucksmöglichkeiten der Malerei des 15. Jh. ist nicht nur in der minuziösen Detailzeichnung und in der Kostbarkeit der Farbgebung erreicht, sondern auch in der wechselseitigen Durchdringung traditioneller Bildformen. Hierzu gehören Umgestaltungen und Kopien nach Bildern der Brüder van Eyck, wie die "Madonna in der Kirche", ein Diptychon mit dem Porträt "Antonio Siciliano" (Rom, Galleria Doria-Pamphili) und "Christus zwischen Maria und Johannes d.T." (Madrid, Museo del Prado). Die "Anbetung der Könige" (London, National Gallery) lässt den Einfluss von Hugo van der Goes und Gerard David erkennen. In seinem Bild "Der hl. Lukas malt die Madonna" (um 1515, Prag, Národni Galerie) dient als Handlungsort eine weitläufige Renaissancearchitektur oberitalienischer Provenienz: Diese Elemente gewannen, ebenso wie mythologische Themen, in seinem Werk ab 1515/16 an Bedeutung. Gossaert galt für seine Zeitgenossen und spätere Generationen als jener Künstler, der als erster die "wahre Art", ungekleidete Figuren darzustellen, in die Niederlande gebracht hat. Gossaerts Vorliebe galt Themen, die es gestatteten, einen weiblichen und männlichen Akt im Bild gleichzeitig darzustellen, wie "Neptun und Amphitrite" (1516, Berlin, Staatliche Museen, Gemäldegalerie), aber immer wieder auch "Adam und Eva". Grosse Bedeutung in seinem Werk kommt dem Porträt zu ("Heinrich III. von Nassau", Madrid, Sammlung Conde de Renilla Gigedo). Gossaerts Anregungen haben die Kunst des 16. Jh. in den Niederlanden nachhaltig beeinflusst; Barend van Orley und Jan van Scorel standen in seiner Nachfolge und gehörten zu den Hauptvertretern des Romanismus.

Götz, Gottfried BernhardGöz, Gottfried Bernhard

Goujon, Jean
(um 1510-1566). Architekt und Innenarchitekt. War an der Innenausstattung von Schloss Ecouen beteiligt.

Goujon, Jean
(ca. 1510-1566). Französischer Architekt. Soll zusammen mit Lescot, Pierre das Francois I.-Maison errichtet haben.

Göz, Gottfried Bernhard
(auch Götz, Goetz). * 10.8.1708 in Kloster Welehrad (Mähren), + 23.11.1774 in Augsburg. Deutscher Maler, Kupferstecher und Miniaturist des Rokoko; 1730-33 arbeitete er als Geselle bei Johann Rothbletz in Augsburg, wobei aber Johann Georg Bergmüller den entscheidenden Einfluss auf ihn ausübte. 1737 gründete er mit den Brüdern Klauber einen Kupferstichverlag, den er ab 1742 allein weiterführte. In seinen Radierungen und Stichen erreichte Göz seine höchste künstlerische Qualität. Seine wichtigsten Arbeiten sind die Fresken im Sommerpavillon von Schloss Meersburg II (1741), in der Wallfahrtskirche Neubirnau (1750), in Schloss Leitheim (1751) und im Treppenhaus des Klosters Schussenried (1758). Ölgemälde lieferte er für den Bürgerbetsaal in Ingolstadt (1736), das Stift Admont (1745-47), die Pfarrkirche Donauwörth (1754) und die Jesuitenkirche in Landsberg (1754).

Gozzoli, Benozzo
(eigentl. Benozzo di Lese di Sandro). * 1420 in Florenz, + 1497 in Pistoia. Italienischer Maler der Frührenaissance, zählte zwar bei seinen Zeitgenossen zu den "archaisierenden" Malern, fasste aber die wichtigsten Errungenschaften der toskanischen und der umbrischen Schule zusammen und schuf so einen wichtigen Übergang von der Gotik zur Renaissance. Er fand seine Ausbildung bei den Florentinern Lorenzo Ghiberti und Fra Angelico, die ihn früh als Mitarbeiter für ihre Fresken und Skulpturen beschäftigten. So

Gran, Daniel
(auch Gran delle Torre). * (getauft) 22.5.1694 in Wien, + 16.4.1757 in St. Pölten. Österreichischer Freskomaler des Hochbarock, vertrat eine höfisch-elegante, betont klassische Richtung der österreichischen Barockmalerei und war stark der Idee des römisch-deutschen Kaisertums verpflichtet. Er lernte zuerst in Wien bie Pankraz Ferg und Georg Werle, der 1715 bis 1719 im Dienst des Fürsten Adam Franz von Schwarzenberg stand. Dieser gewährte Gran ein Stipendium für einen Aufenthalt in Italien, wo er sich bei Sebastiano Ricci in Venedig und Francesco Solimena in Neapel weiterbildete. Gran wurde Protegé des hohen Adels und der grossen Stifte in Österreich. Er verkörperte den Typus des enzyklopädisch gebildeten Akademikers, entwarf umfangreiche Dekorationen und beriet verschiedene Stifte bei den Programmgestaltungen. Seine eigenen Kompositionen baute er klar und überlegt auf, wobei er auf illusionistische Architekturrahmungen innerhalb des Bildfelds verzichtete, den Eigenwert des Figürlichen bei spannungsloser Verteilung der Motive betonte und das Bild mit seiner hellen, kühlen Farbigkeit sich bewusst von der realen Architektur abheben liess. Seine Kompositionen erregten auch die Bewunderung von Johann Heinrich Füssli, Winckelmann, Johann Joachim und Johann Wolfgang von Goethe. Die wichtigsten Fresken des vielbeschäftigen Malers finden sich u.a. in Hirschstetten (1721), im Schwarzenberg-Palais Wien (1724-26), im Prunksaal der Wiener Hofbibliothek (Hofburg Wien, 1730), im Saal des Schlosses Eckartsau (1732), im Landhaussaal in Brünn (Landtagshaus Brünn, 1737-39), in der Wallfahrtskirche Sonntagberg (1738-43), in der Prälatur des Klosters Hradisch (1739), in der Schlosskapelle Schönbrunn Wien (1744), in der Pfarrkirche Hetzendorf (1744), im Marmorsaal von Klosterneuburg II (1749), im Grossen Saal des Schlosses Friedenau (1755) und in der Kirche des ehemaligen Kapuzinerklosters Stein (1756).

Gras, Caspar
* um 1590 in Mergentheim, Württemberg, + 3.12.1674 in Schwaz, Tirol. Deutscher Bildhauer und Erzgiesser des Frühbarock, tätig in Innsbruck, Schüler des erzherzoglichen Hofbossierers Hubert Gerhard in Innsbruck, dessen Amtsnachfolger er 1613 wurde. Nach Modellen gerhards führte er 1614-19 das Grabmonument Erzherzog Maximilians III. in der Innsbrucker Stadtpfarrkirche aus. Seine Hauptwerke sind der monumentale Brunnen mit der Reiterstatue "Erzherzog Leopold V." und sechs Flussgötter für Innsbruck (1622-29), m

Grassi, Giovanni Battista di Raffaello
Tätig in der 2. Hälfte des 16. Jh., + 18.6.1578 in Udine. Italienischer Maler, 1545 erstmals erwähnt. Er schuf eine grössere Anzahl Altarbilder für Kirchen im Raum von Udine. Ausserdem freskierte er Palastfassaden und Palastinnenräume mit Szenen aus der antiken römischen Geschichte, die heute jedoch nicht mehr oder nur schlecht erhalten sind. u.a. die Wandmalerei in der Sala di Consiglo im Kastell von Udine I (1569), die sich jetzt im Museo Friulano befinden. Sein künstlerischer Stil steht in enger Beziehung zu dem von Pordenone und Michelangelo.

Grassi, Josef
* um 1758 in Wien, + 8.1.1838 in Dresden. Österreichischer Maler, studierte seit 1768 an der Wiener Akademie und begann seine Karriere als Porträtist der Aristokratie in Wien und seit 1790 am Hof von Stanislaus August II. in Warschau. 1800 bis 1816 war er Professor an der Dresdener Akademie, unterbrochen 1804 von einem Aufenthaltam Hof in Gotha. für den Herzog malte er Porträts, antikische Landschaften und eine romantische Schlafzimmerdekoration (Museum Gotha und Schloss Friedenstein). Stilistisch war Grassi den englischen Porträtisten und Thomas Gainsborough und Joshua Reynolds verbunden. 1816 bis 1821 lebte er in Rom und wandte sich dem Klassizismus zu.

Grau, Erich
(+1939). Architekt in Schlesien. Arbeitete u.a. in Schloss Romberg Krs. Breslau.

Grazien
(Chariten). Töchter des Zeus (Jupiter) und der Eurynome. Göttinen der Anmut, des Liebreizes und der Freude. Die drei Grazien erscheinen als entblösste Mädchen, die einander den Arm um die Schultern legen. Traditionell wendet die mittlere dem Betrachter den Rücken zu. Die beiden Anderen sind ihm zugewandt; sie halten häufig eine Rose, einen Würfel, einen Apfel oder einen Myrtenzweig.

Greenough, Horatio
* 6.9.1805 in Boston, + 18.12.1852 in Somerville, Massachusetts. Studierte am Havard College in Boston und ging 1825 als erster amerikanischer Bildhauer nach Rom, wo er unter Einfluss von Bertel Thovaldsen nachhaltig zum Klassizismus fand. Zwischenzeitlich wieder in Boston, lebte Greeough 1828-51 in Florenz und war dort zunächst Schüler von Lorenzo Bartolini. 1832 erhielt er vom Kongress den ersten grossen amerkanischen Bildhauerauftrag für eine kolossale Statue George Washingtons für die Rotunde des Capitol Washington (1841, heute Washington, Smithsonian Institute), die den Präsidenten als antike Gottheit darstellt. Für die amerikanische Regierung fertigte er auch die Gruppe "Mit einem Indianer kämpfender Pionier" (1851, Washington, Kapitol). Greenough schuf zahlreiche religiöse und mythologische Bildwerke und einige Büsten, deren grösster Bestand sich im Museum of Fine Arts in Boston befindet.

Greising, JosefGreissing, Joseph

Greissing, Joseph
(auch Greising). * 9.1.1664 in Hohenweiler, Vorarlberg, + 12.12.1721 in Würzburg. Deutscher Baumeister des Barock. Nach Schulung bei Vorarlbergern Barockbaumeistern (Vorarlberger Bauschule) liess er sichEnde des 17. Jh. in Würzburg nieder, wo er zuerst vor allem als Zimmermann tätig wurde (z.B. Dachstuhl der Universitäts- oder Neubaukirche, 1696 bis 1704, sowie des Juliusspitals, 1700, beides unter Leitung von Antonio Petrini). Der erste ihm zugeschriebene ist die Stiftskirche in Grosskomburg (Comburg) bei Schwäbisch Hall (1706-15). Greissings Hauptwerke, die Nordflügel des Klerikalseminars (1715-19), der Umbau der Neumünsterkirche (1711-1721), der Rückermainhof (1717-23) und die Peterskirche (1717-20) in Würzburg, spielen durch ihre flächig-lineare Fassadengliederung und gleichzeit reiche, tektonisch unbekümmerte Detailausarbeitung eine Mittlerrolle zwischen deutscher Renaissance und dem Barock des 18. Jh.

Grisebach, Hans
(*26.6.1848 in Göttingen, +11.5.1904 in Berlin. Architekt. War u.a. in Schloss Wiesenstein tätig.

Grof, Guillielmus de
(getauft) 13.11.1676 in Antwerpen, + 16.8.1742 in München. Flämischer Bildhauer, Giesser und Stukkateur, Vater von Karl de Grof. Ging nach der Ausbildung in Antwerpen um 1700 nach Paris, wo er um 1713 in den Dienst des bayerischen Kurfürsten Max Emanuel trat; 1716 folgte er ihm nach München. Als Hofbildhauer wurde er eine führende Künstlerpersönlichkeit des Münchener Rokoko; sein Verdienst war es, die in Paris empfangenen Einflüsse des französischen Spätbarock (Francois Girardon, Edmé Bouchardon) an den bayerischen Hof übertragen und mit seiner Werkstatt und Giesserei der bodenständigen Kunst entscheidenden Auftrieb gegeben zu haben. Von der Hofkunst Ludwig XIV. beeinflusst ist z.B. das Porträt "Kurfürst Maximilian Emanuel von Bayern" (um 1716/20, Bronze, München, Bayerisches Nationalmuseum). Zu Grofs weiteren Hauptwerken zählen die Ausstattung des Nymphenburger Schlossparks mit vergoldeten Bleistatuen (ab 1716) und die zu den schönsten europäischen Silberfiguren zu rechnende lebensgrosse Plastik "Der kniende Kurprinz Maximilian Joseph von Bayern" (1737, Altötting, Heilige Kapelle), eine minuziös gearbeitete, gekonnt konzipierte Votivgabe aus Anlass der Genesung des Kurprinzen von einer schweren Krankheit. Ausserdem schuf de Grof in kirchlichem, höfischem und privatem Auftrag Möbel, Brunnen, Porträts und Stukkaturen.

Grof, Karl de
(auch Charles). * 1712 oder 1713 in Paris, + 20.9.1774 in München; flämischstämmiger Bildhauer und Giesser, Sohn von Grof, Guiillielmus de, dessen Nachfolger als Hofbildhauer in München er 1742 wurde. Nach anfänglicher Ausbildung bei seinem Vater studierte er in den dreissiger Jahren auch in Wien. Seine Werke, z.B. acht die vier Erdteile symbolisierende Marmorbüsten für den Speisesaal der Münchener Residenz (München I, 1768), Porträtbüsten und Porträtmedaillons, folgen dem Stil seines Vaters, dessen künstlerische Qualität er jedoch nicht erreichte. Grof wa ausserdem an der Ausstattung des Nymphenburger Schlossparks beteiligt.

Gromann, Nikolaus
(Nickel, tätig 1537-74). Fähiger deutscher Renaissance-Architekt und Militäringenieur. Seit Hauptwerk ist das Rathaus in Altenburg/Thüringen (1562-64). Er wird auch als Steinmetz beim Bau des Schlosses Augustusburg bei Zwickau genannt; die Bauleitung hatte Lotter, Hieronymus, dem er möglicherweise assistierte. Mit grösserer Sicherheit sind ihm der Nordflügel und die Kapelle von Schloss Hartenfels zuzuschreiben (1543-44). Die Kapelle ist nach dem Zeugnis Luthers der erste protestantische Kirchenbau. Gromann, Nikolaus war auch auf der Wartburg tätig und erbaute 1549 das Cranachhaus in Weimar. Zwischen 1553 und 1558 hatte er die Oberleitung über den Ausbau der Veste Coburg inne. 1553 arbeitete er an den Befestigungsanlagen in Gotha mit. 1560-64 erbaute er den Neuen (oder Frannzösischen) Bau der Fest Heldburg.

Gröninger, Gerhard
Bildhauer und Architekt, geb. um 1582 in Paderborn, gest. 1652 in Münster. Nach der Lehre bei seinem Bruder Heinrich und Wandjahren in den Niederlanden wurde Gerhard Grüninger im Jahre 1609 Bürger von Münster. Hier arbeitete er in der Werkstatt des Bildhauers Hans Lacke. 1621 wurde Gröninger Gildemeister. Sein Oeuvre besteht fast ausschliesslich aus Arbeiten für die Kirchen des Bistums Münster, sein Stil war geprägt vom dem in Antwerpen gelehrten niederländischen Manierismus. Wichtige Werke: Schloss Darfeld in Rosendahl.

Gröninger, Johann Wilhelm
* 1675 oder 1677 in Münster. Deutscher Bildhauer des Spätbarock, Sohn von Johann Mauritz Gröninger, von dessen Stil er beeinflusst war und dessen Werkstatt er übernahm. Darüber hinaus zeigen seine Werke schon deutliche Anzeichen des eleganten, zierlichen französischen Rokoko. Seine wichtigste Arbeit ist das Grabmal Ferdinand von Plettenbergs (+ 1712, Münster, Dom, Johanneschor); dazu kommen der Gerdemann-Altar (1722, Münster, Dom) sowie Brückenplastiken und Gartenplastiken in Alabaster, Stein und Holz.

Gröninger, Johannes Mauritz
Bildhauer, geb. um 1651, gest. 21.9.1708 in Münster. Als angesehener Maler kommt Johann Mauritz Gröninger, der Vater des Johann Wilhelm und Enkel des Gerhard Gröninger, im Jahre 1674 als Hofbildhauer des Fürstbischofs Christoph Bernhard von Galen nach Münster. Als sein Lehrer gilt vor allem der nach 1655 in Paderborn tätige Antwerpener Künstler Ludovicus Willemsen. Gröninger hat in seinen Werken nicht nur einzelne Motive, sondern auch gesamte Kompositionen bedeutender Barockkünstler übernommen, die ihm durch druckgraphische Vorlagen bekannt waren: Peter Paul Rubens, Cortona, Pietro da und französische Bildhauer. Gerhard Gröninger war Fürstlicher Hofbildhauer in Münster und Kurkölnischer Hofbildhauer, sein Oeuvre ist vom niederländischen Spätbarock bestimmt, in technischer und handwerklicher Hinsicht gelten die Werke Gröningers als qualitativ besonders herausragend. Wichtige Werke: Schloss Ahaus (Ahaus II), Adolfsburg Oberhundem.

Gros, Antoine
(1771-1835). Französischer Maler. Schuf die Gemälde in Gros-Bois Dept. Val-De-Marne.

Gros, Pierre d.Ä. leLegros, Pierre d.Ä.

Gros, Pierre d.J. leLegros, Pierre d.J.

Grosser, Alfred
Bildhauer in Schlesien. War u.a. in Bad Warmbrunn tätig.

Grosser, Karl
(*3.11.1850 in Schmiedeberg, +10.12.1918 in Breslau). Architekt. Errichtete das bischöfliche Sommerpalais Breslau, Schloss Brauchitschhof und Schloss Brynnek in Schlesien.

Grotefend, Georg Friedrich
Am 9.6.1775 in Hannoversch-Münden geboren. Er studierte von 1795 bis 1798 in Göttingen Theologie und Philosphie und nahm danach eine Stelle als Lateinlehrer am Städtischen Gymnasium ein. Das Lösen schwieriger Rätsel und mathematischer Probleme war seine Lieblingsbeschäftigung. So ging er 1802 eine Wette ein, dass er eine Inschrift entziffern könne, von der weder Schrift noch Sprache noch Inhalt bekannt seien. Sein Freund und Wettgegner Fiorello, Sekretär der Königlichen Bibliothek zu Göttingen, legte ihm einige altpersische Keilschrifttexte aus Persepolis vor, die bis dahin jedem Entzifferungsversuch widerstanden hatten. In knapp sechs Wochen gelang es Grotefend, durch scharfsinnige Kombinationen die Texte zu entschlüsseln , zwar nicht vollständig, doch derart richtungsweisend, dass damit der Entzifferung fast aller Keilschrifttexte der Weg gewiesen war. Am 4.9.1802 legte Grotefend der Göttinger Societät (Akademie) der Wissenschaften die Schrift (Praevia de cuneatis, quas vocant, inscriptionibus Persepolitianis legendis et explicandis relatio" vor, den vollständigen Bericht über seine Entzifferung. Die Göttinger Gesellschaft konnte sich zu einer Veröffentlichung der Schrift nicht entschliessen, so dass seine Leistung nie ihrer Bedeutung entsprechend gewürdigt wurde. So war es möglich, dass der britische Offizier und Konsularbeamte Rawlinson, Sir Henry Creswicke44 Jahre nach Grotefend seine erfolgreiche Übersetzung der altpersischen Keilschrift bekanntgab und seitdem als Entzifferer der Keilschrift gefeiert wird. Grotefend wurde Ehrenbürger der Stadt Hannover, Ehrendoktor der Universität Marburg und in die wissenschaftlichen Gesellschaften zu Berlin, Göttingen, London, Dublin und Kopenhagen aufgenommen. 1837 und 1870 erschienen zwei Abhandlungen, in denen sich Grotefend mit der altpersischen und babylonischen Keilschrift beschäftigte, denen aber jede Zustimmung der Fachwelt versagt blieb. Grotefend starb am 15.12.1853 in Hannover.

Grünewald, Matthias
(eigentl. Mathis Gothart Nithart, auch Neithart). * um 1470/80 in Würzburg (?), + August 1528 in Halle an der Saale; deutscher Maler, Baumeister und Steinmetz der ausgehenden Gotik. In seinem Werk kommt die spätgotische Malerei in ihrer ureigenen Bidlform (im grossen Flügelaltar), den adäquaten Gestaltungsmitteln - expressiver Formgebung und Farbgebung - sowie in Ikonologie, Symbolik und Gehalt zur Vollendung. Zugleich fand bereits das neue Menschenbild der Renaissance Eingang in sein Schaffen. Grünwald wurde gelegentlich bereits um 1630 als Schöpfer des schon kurz nach seiner Entstehung berühmten Isenheimer Altars genannt. Doch erst seine rühmende Nennung in Joachim von Sandrarts "Teucher Academie" (Nürnberg 1675) hat diese Tradition begründet. Das Geheimnis, das seine Person stets umgab (schon Rudolf II. liess 1597 nach seinem Namen forschen), hat die Interessen der Forschung oft mehr auf seine Biografie als auf seine Werke gelenkt. Erst Karl Zülch gelang nach den Vorarbeiten Heinrich Adolf Schmids in seiner Monografie (1911) aufgrund eines Aktenfundes die Auflösung der Meistersignatur MGN (MG als Ligatur) mit Mathis Gothart Nithart. Diese Signatur erscheint auf einem der erhaltenen Wandflügel des Heller-Altars ("Hl. Laurentius", Frankfurt a. Main, Städelsches Kunstinstitut) und auf dem Rahmen des Maria-Schnee-Altars in Aschaffenburg; mit MG ist ferner die Zeichnung "Der dreigesichtige Kopf" (Berlin, Staatliche Museen, Kupferstichkabinett) signiert. Während die Entstehung des Namens Grünewald bislang ungeklärt ist, konnte auf Mathis von Aschaffenburg) eine Reihe von Urkunden bezogen werden. Über Grünewalds Geburtsort bestehen nur Vermutungen. Die Zeit seiner Geburt wird aus seinen frühen Werken (um 1500-05) erschlossen. Danach entstammt Grünewald derselben Generation wie Dürer und Lucas Cranach. 1510 ist er erstmals als Baumeister und Wassertechniker in Diensten des Mainzer Erzbischofs Uriel von Gemmingen (+ 1514) erwähnt, für den er Umbauarbeiten des Aschaffenburger Schlosses (Johannisburg Aschaffenburg) leitete und dabei als Steinmetz tätig war. Ab 1516 stand er im Dienst des neuen Erzbischofs Albrecht von Brandenburg. 1524 und 1525 sind Aufträge für den Kardinal verbürgt. 1525 war Grünewald vermutlich in den Bauernkrieg verwickelt, weshalb er 1526 nach Frankfurt a. Main übersiedelte. Am 8.5.1527 beauftragte ihn der Rat der Stadt Frankfurt, für Magdeburg Zeichnungen von den Frankfurter Wassermühlen anzufertigen. Im selben Jahr ging Grünewald als Maler und Wasserkunstmacher nach Halle an der Saale, wo er im darauffolgenden Jahr starb. Über Grünewalds Lehrzeit ist nichts bekannt. Ein Aufenthalt in Dürers Werkstatt in Nürnberg sowie Reisen nach Italien oder in die Niederlande sind denkbar, aber nicht nachweisbar. Sehr wahrscheinlich sind jedoch Grünewald und Dürer anlässlich der gemeinsamen Tätigkeit am Heller-Altar für die Dominikanerkirche in Frankfurt a. Main zusammengetroffen. als bestimmendes Vorbild für Grünewald gilt jedoch das Werk von Hans Holbein d.Ä., der bereits 1500/01 den Hochaltar für diese Frankfurter Kirche geschaffen hatte. Das früheste erhaltene werk Grünewalds steht damit stilistisch in engem Zusammenhang. Die Tafel stellt des "Abendmahl" dar, auf der Rückseite "Die hll. Dorothea und Agnes" (englischer Privatbesitz). Die Grünewald eigenen Gestaltungsmittel seiner frühen Werke werden jedoch erst ganz greifbar an der kleinen Tafel "Christus am Kreuz" (um 1502-05, Basel, Kunstmuseum) und vor allem an der "Verspottung Christi" (um 1503-05, München, Alte Pinakothek). Auf engstem Raum drängen sich die Figuren; die Schergen umkreisen die Gestalt Christi, ein dichtes, ebenenbezogenes Formgefüge und Farbgefüge verleiht ihren Bewegungen Expressivität und Dynamik. Die Verspottung diente als Epitaph und wurde von Johann von Cronberg, dem Stellvertreter des Erzbischofs Uriel von Gemmingen, in Auftrag gegeben; sie belegt damit eine frühe Verbindung Grünewalds zum Mainzer Hof. In der gleichen Zeit gehören zwei Flügel eines Altars in Lindenhardt bei Bamberg mit der Darstellung der "Vierzehn Nothelfer" (1503). Diese Zuschreibung bleibt jedoch umstritten. Um 1510/11 entstanden vier Standflügel zum Heller-Altar. Albrecht Dürer hatte dazu die Mitteltalfel, eine "Marienkrönung" gemalt (1729 verbrannt). Die beiden Tafeln in Frankfurt (Städelsches Kunstinstitut), "Hl. Laurentius" (signiert) und "Hl. Cyriakus und die Prinzessin Artemia", sind für Grünewalf gesichert, während an der Eigenhändigkeit der Darstellung der Tafel "Die hl. Elisabeth und Lucia" (Karlsruhe, Staatliche Kunsthalle, früher Donaueschingen) auch Zweifel geäussert wurden. Die Bilder sind Grisaillen und stehen als Bildtypus in der Tradition der gemalten Altarfiguren an van Eycks Genter Altar und ihrer Nachfolge. Etwa zur selben Zeit, um 1510/12, ist vermutlich eine Tafel mit der Darstellung "Christus am Kreuz", das sog. Klein-Kruzifix (Washington, National Gallery of Art), entstanden. Die Datierung schwankt in der Forschung zwischen 1502 und 1519/20, wobei die auf dem Bild dargestellten Sonnenfinsternis vom 1. Oktober 1502 sicher erheblich nach diesem Datum gemalt worden ist. Gegenüber der Baseler Kreuzigung sind jedoch die Ausdrucksmittel und Gestaltungsmittel gesteigert. Die zeichnerische Durchformung des gemarterten Leibes Christi, Gestik und Ausdruck der Figuren sowie dramatische Helldunkelkontraste trotz intensivster Farbigkeit sind Kennzeichen einer reiferen Schaffensperiode. Den Auftrag zu seinem bedeutendsten Werk, dem Hochaltar für das angesehene und wohlhabende Antoniterkloster in Isenheim, bei Colmar im Elsass gelegen, erhielt Grünewald um 1510 bis 1512 durch Guido Guersi, den Präzeptor des Klosters. Grünewalds Aufenthalt in Isenheim ist für 1513 und 1515 dokumentarisch beleft. Der Altar ist angeblich am Ort selbst entstanden. Es handelt sich um einen spätgotischen Flügelaltar, bestehend aus Altartisch, Predella, Altarschrein und Gesprenge (verloren). Das Schnitzwerk für Altarschrein und Predella ist erhalten und stammt von dem elsässischen Bildschnitzer Nikolaus Hagenauer. Grünewald hat diese Teile bereits vorgefunden, als er den Auftrag erhielt, die schwenkbaren Flügel dafür zu malen, die eine zweimalige Verwandlung der Bilderwand, also drei Ansichten, ermöglichten. Das ikonologische Programm der Altartafeln ist einerseits den einschlägigen Bidltraditionen der spätgotischen Malerei verpflichtet, andererseits enthält es Umgestaltungen dieser Bildtypen, die auf den Einfluss theologischer, mystischer Schriften (Hildegard von Bingen) und Predigtsammlungen, aber auch von Texten der Kirchenväter und des lateinischen Mittelalters schliessen lassen. Dem enzyklopädischen theologischen Bildprogramm entspricht eine überwältigende Vielfalt und Expressivität sinnlich-anschaulicher Bilder. In geschlossenem Zustand zeigt der Altar als Mittelbild die "Kreuzigung" mit Maria, Magdalena, Johannes d.E. und Johannes d.T.. Die Darstellung wird flankiert von den Standflügeln mit dem "Hl. Antonius" und dem "Hl. Sebastian". Die Kreuzigung erweitert durch die gleichzeitige Anwesenheit Johannes´ d.T. den Typus eines Golgotha-Bildes zum Hinweis auf die Erlösung durch den Opfertod Christi. Dazu gehört die "Beweinung Christi" an der Predella. Die erste Wandlung (nach dem Aufklappen der in der Mitte geteilten Kreuzigungstafel) zeigt von links nach rechts die "Verkündigung", ein "Weihnachtsbild" und die "Auferstehung Christi". Die zweite Wandlung zeigt den offenen Schrein mit den geschnitzten Figuren der "Hll. Augustinus, Antonius und Hieronymus" sowie die offene Predella mit den Büstenfiguren "Christus und die zwölf Apostel". Die Rückseiten der inneren Flügel zeigen in dieser Stellung die "Disputation der hll. Antonius und Paulus" und die "Versuchung des hl. Antonius". Das Programm dieser Schauseite bezieht sich im Schrein und auf den Tafeln auf den Antoniterorden, der sich der Krankenpflege widmet. Im Isenheimer Altarwerk verwandelte Grünewald den spätgotischen Flügelalatar in eine Abfolge von geschlossenen Schauwänden. Während etwa im Altar von St. Florian von Albrecht Altdorfer (um 1512/15) die Bilderwand in viele Einzelfelder gegliedert ist, überspannen Grünewalds Kompositionen durch formale und farbige Kontrastierungen sowie wechselseitige Ergänzung die gesamte Anlage. Seine gestalterischen Mittel kennzeichnen hier einen Höhepunkt der altdeutschen Tafelmalerei. Bei stärksten Helldunkelgegensätzen (z.B. in der "Kreuzigung") behält auch die Farbe ihre volle Intensität und wird oft zum eigentlichen Ausdrucksträger. Grünewalds Gestaltungsmittel befähigten ihn, in seiner Bildwelt die äussersten Gegensätze des Daseins zur Darstellung zu bringen: Licht und Finsternis, Tod und Verwesung ebenso wie die irrationale Erscheinung eines verklärten und lichthaften Leibes (Auferstehung Christi). Obwohl die Möglichkeiten der spätgotischen Gewandfigur voll ausgeschöpft und umgestaltet sind - grosse Gewandpartien dienen als Träger intensiver Farbflächen -, besitzen die Figuren eine Monumentalität, die an Vorbilder in der italienischen Hochrenaissancekunst erinnert (z.B. H. Sebastian). Schon im Verlauf der Arbeit am Isenheimer Altar wandelte sich Grünewalds Stil. Die Standflügel (mit ihrer Renaissancearchitektur) und die Predella gelten als die letzten Bilder von Isenheim. Daran schliesst unter den erhaltenen Werken der "Maria-Schnee-Altar" aus Aschaffenburg an. Er wurde 1513 vom Kustos und Kanonikus der Aschaffenburger Stiftskirche, Heinrich Reitzmann, für die Maria-Schnee-Kapelle der Kirche in Auftrag gegeben. Vom Altarwerk ist ein von Grünewald selbst beschrifteter, signierter und datierter Rahmen (1519) in Aschaffenburg erhalten sowie die Tafel mit der Darstellung "Schneewunder bei der Gründung von S. Maria Maggiore in Rom" (Freiburg i. Breisgau, Augustinermuseum). Es ist umstritten, ob die Tafel mit der "Muttergottes in der Landschaft" in Stuppach (Pfarrkirche) das ehemalige Mittelbild des Altars war oder eine verlorengegangene Tafel mit einer "Schutzmantelmadonna", von der noch eine Zeichnung (von Grünewald?) in Stockholm erhalten ist. In den Gemälden erscheint die Farbgebung differenzierter, die minuziös geschilderte reichhaltige Dingwelt, die viele Symbole birgt (Stuppach), bildet ein dichtes Gewebe von Formen und Linien. Der Ausdruck ist ebenfalls gebändigt, psychologische Momente gewinnen an Bedeutung. Das gilt vor allem für das wichtigste unter seinen reifen Werken nach dem Isenheimer Altar, die Tafel mit der Darstellung "Die hll. Erasmus und Mauritius" (um 1520-23, München, Alte Pinakothok). Sie entstand im Auftrag von Kardinal Albrecht von Brandenburg für das Stift St. Moritz und St. Maria Magdalena in Halle a.d. Saale. Der Kardinal selbst ist in der Gestalt des hl. Erasmus, dessen Verehrung er 1516 in Halle eingeführt hatte, dargestellt. Die Monumentalisierung der Figuren ist gesteigert; dazu dienen ein tief liegender Augenpunkt und eine rahmenfüllende Anordnung. Die Farbgebung ist gedämpft. Gold und Grau (Rüstung des hl. Mauritius) bestimmen den farbigen Gesamtcharakfter des Bildes; die von Grünewald einst zu solcher Expressivität gebrachten Buntfarben bedeckten schmale Streifen und kleine Flecken, treten in vielfältige Beziehung zueinander. Neben einer "Beweinung" in der Aschaffenburger Stiftskirche gelten als Grünewalds letzte erhaltene Werke zwei Tafeln aus Tauberbischofsheim, "Kreuztragung" und "Kreuzigung" (Karlsruhe, Staatliche Kunsthalle), um 1523/24. In der "Kreuzigung" hat Grünewald sich auf nur drei Figuren beschränkt, die untereinander fast beziehungslos sind. Die Farbigkeit ist fahl; dissonante Kontraste gebrochener Buntfarben beherrschen nun die Komposition. Überdies ist die Nachricht von drei Altären für den Mainzer Dom wichtig, die nach der Aussage Joachim von Sandrarts auf der Überfahrt nach Schweden 1631/32 mit den Schiffen untergegangen sind. Zweifel an dieser Nachricht treten auf durch den Fund einer "Hl. Katharina" (Cleveland, Museum of Art), die vermutlich Teil eines Mainzer Altars war. Die Fürstlich Fürstenbergische Gemäldegalerie in Donaueschingen besitzt die Kopie einer

Grupello, Gabriel de
* 22.5.1644 in Geraardsbergen (franz. Grammont), Ostflandern, + 20.6.1730 auf Schloss Ehrenstein bei Kerkrade, Provinz Limburg). Flämischer Bildhauer und Giesser italienischer Herkunft, Vertreter des Spätbarock, 1658/59 Schüler von Artus Quellinus d.Ä. in Antwerpen, wurde 1673 Hofbildhauer Karls II. von Spanien in Brüssel. Während sein Frühwerk ("Diana" und "Narziss", Brüssel, Musées Royaux d`Art et d`Historie) noch dem Klassizismus französischer Prägung verbunden ist, wandte er sich unter dem Einfluss der

Guarini, Guarino
(1624-83). Geb. in Modena, Theatinerpater, weit bekannt als Philosoph und Mathematiker, noch ehe er als Architekt Ruhm erwarb. (Guerini entwickelte die euklidische Geometrie weiter und nahm in seiner gelehrten „Placita philosophica“, 1665, sogar Ideen von Gaspard Monge vorweg.). Da er in erster Linie Mathematiker und erst danach Architekt war, sind seine komplizierten Raumkompositionen oft kaum mit dem Auge allein zu verstehen, aber sie sind intellektuell und künstlerisch in gleicher Weise aufregend. Alle seine bedeutenden erhaltenen Bauwerke stehen in Turin, wo er die letzten siebzehn Jahre seines Lebens verbrachte. Seine Bewunderung für Borromini, Francesco wird sehr deutlich beim Palazzo Carignano (1679) mit seinem ovalen Saal und der geschwungenen Fassade im Stil von S. Carlo alle Qauttro Fontane in Rom. Borrominis (Borromini, Franceso) kleine Kirche zu einem protzigen Palast abzuwandeln, ist kühn genug, doch seine Originalität hatte ihn bereits bei der Cappella della SS. Sindone am Dom (1668-94) und der Kirche S. Lorenzo (1667-87) darüber hinausgeführt. Beide Kirchen werden gekrönt von phantastischen, völlig beispiellosen konischen Kuppeln. Jene von SS. Sindone wird von übereinandergesetzten Segmentbögen, deren Spannweiten sich nach oben hin verringern, gebildet; die abstrakte geometrische Poesie dieser freien Konstruktion wird betont von dem diaphanen, durch das Netzwerk der Bögen gefilterten Licht. Die Kuppel von S. Lorenzo ist ebenso ungewöhnlich: über einem runden Tambour bilden herüber- und hinüberschwingende Halbkreisbögen ein Oktogon. Die Anregung für diese eigenartige Gestaltung geht wohl auf die ähnliche Kuppel der Grossen Moschee in Cordoba (965) zurück. Guarinis Einfallsreichtum der Konstruktion beschränkte sich nicht auf Kuppeln. In seinen Langhauskirchen in Lissabon und Prag wurden sogar die Gurtbögen von der Bewegung ergriffen: in windschiefen, d.h. dreidimensionalen Bogen greifen sie aufwärts- und vorwärtsgeschwungen in den Raum aus. Diese Konstruktion sollte später in Deutschland und Österreich überaus einflussreich sein. Keines von Guerinis bedeutenden Werken ausserhalb Turins hat überlebt; wede SS. Annunziata und ds Theatiner-Palais in Messina (1660) noch Ste-Anne-la-Royale in Paris (1662ff.), Hl. Maria von Altötting in Prag (1679) oder S. Maria da Divina Providencia in Lissabon. Sein Einfluss nahm durch seine Schrift “Architectura civile” (1737 posthum veröffentlicht) stark zu; Stiche dazu waren seit 1668 bekannt.

Guas, Juan
(auch Hans Wass oder Was). * um 1433 in Lyon, + um 1496 in Toledo. Spanischer Architekt umd Bildhauer der Spätgotik, einer der deutschen bzw. burgundischen Künstler, die im 15. Jh. nach Spanien kamen und gotische Formen (u.a. den Typus der Hallenkirche) einführten, gilt als der Begründen und Hauptvertreter des Isabellinischen Stils. Als Bildhauer betätigte er sich an der Puerta de los Leones der Kathedrale von Toledo und an dem Grabmal des ersten Grafen von Tendilla, Don Inigo López de Mendoza, für den er ab 1475 das Schloss Manzanares el Real erbaut hatte. Als Guas` Hauptwerk gilt das 1476 von Isabella der Katholischen gestiftete Kloster S. Juan de los Reyes in Toledo. Die einschiffige Saalkirche wird von einem schwungvollen Sterngewölbe überfangen und zeichnet sich vor allem durch den reichen plastischen Schmuck aus. 1480-92 erbaute er wahrscheinlich den Palast des Infantado in Guadalajara (Duques Del Infantado, Altkastilien): Die prächtige Fassade wird von zahlreichen kleinen Diamantenquadern und Fenstern mit Renaissancerahmen strukturiert. Besonders bemerkenswert ist der zweigeschossige Innenhof, dessen Bögen in gebrochenen Linien verlaufen und deren Zwickel mit Löwen, Bändern und heraldischem Zierwerk dekoriert sind. Weiterhin wie ein Mitwirken von Guas am figurengeschmückten Prachtportal und am Innenhof des Colegko S. Gregorio in Valladolid vermutet sowie seine Mitarbeit an der Vollendung des Chors der Toledaner Kathedrale.

Guepiere, Pierre-Louis-Philippe de la
(*1715 oder um 1725 Sceaux bei Paris, † 30.10.1773 Paris). Französicher Architekt, der wie Piage, den Louisseize-Stil und seine Grundlagen in Deutschland bekannt machte. Guêpière, der aus einer Architektenfamilie stammend, seine Ausbildung zunächst bei seinem Onkel Jacques erhielt und dann von 1734 bis 1736 die Pariser Académie d’architecture besuchte, wurde nach dem plötzlichen Tod von Leopoldo Retti (1751) 1752 als dessen Nachfolger zum württembergischen Hofarchitekten (Baudirektor) berufen. Um 1752 veröffentlichte er auch "Recueil des differents projects d`architecture". Er verstand sich selbst als Vertreter des „Goût grec“, jener Reaktion auf das Rokoko in Frankreich, die in der Rückwendung zum klassischen Baustil unter Ludwig XIV. und einer freien Anwendung antiker Formen eine Weiterentwicklung der Baukunst in klassischer Richtung erhoffte. Am württembergischen Hof bestand La Guêpières Hauptaufgabe im Weiterbau des Neuen Schlosses Stuttgart II. Sein Anteil am Neuen Schloss sind neben Stadtflügel, Portikus und Kuppel vor allem der Innenausbau (bis 1768). Neben dem Appartement Carl Eugens im zweiten Obergeschoss des Neuen Corps de Logis in Ludwigsburg Krs. Ludwigsburg entwarf er auch die meisten Räume von Schloss Solitude Stuttgart, an denen 1767 bis 1769 gearbeitet wurde. 1764 bis 1767 wurde nach seinen Plänen das spätere Schloss Monrepos Ludwigsburg errichtet, das aber im Inneren unvollendet blieb (1804 von Thouret, Nikolaus Friedrich von teilweise klassizistisch umgebaut). 1768 quittierte er den herzoglichen Dienst und kehrte nach Paris zurück. Seine Entwürfe für das Rathaus in Montbeliard wurden nach seinem Tod mit beträchtlichen Abänderungen ausgeführt. 1760 erschien sein "Recueil d`esquisses d`architekcture".

Guglielmi, Gregorio
* 13.12. 1714 in Rom, + 2.2.1773 in St. Petersburg. Italienischer Maler, Wandfreskant des Rokoko. In Rom bei Francesco Trevisani und Sebastiano Conca ausgebildet, war er 1752 in Dresden und ab 1754 in Wien tätig, wo er mit hellen Farben "Die vier Falultäten" in der Wiener Universität und in der Galerie von Schloss Schönbrunn Wien lebendige, fast tafelbildartige Genreszenen, z.B. aus dem Soldatenleben, malte. Nach einem Turin-Aufenthalt 1765/66 schuf er im Festsaal des Augsburger Schaezler-Palais das Fre

Guibal, Nikolas
(* 29.11.1725 Lunéville, † 3.11.1784 Stuttgart), Maler. Guibal stammte aus Lunéville (Lothringen). Er erhielt seine Ausbildung als Maler in Paris. 1749 wurde er von Carl Eugen nach Stuttgart berufen und tat sich beim Arrangieren von Hoffesten und mit Theaterdekorationen hervor. Nach einem Romaufenthalt ab 1750 avancierte er 1755 zum Premier peintre am württembergischen Hof und 1760 zum Galeriedirektor. Zwischen 1761 und 1784 wirkte er als Lehrer an der Académie des Arts und der Hohen Carlsschule. Zu seinen Hauptwerken zählen die Deckenbilder im Treppenhaus des Stuttgarter Schlosses (Stuttgart II, 1758), der Kapelle (1766) und des Hauptsaals (1767) auf der Solitude Stuttgart, des Ovalsaals in Monrepos Ludwigsburg (1767), in der Stuttgarter Carlsschule (1780 bis 1782) sowie der Entwurf zum Deckenbild im Marmorsaal des Stuttgarter Neuen Schlosses (Stuttgart II, 1782). Daneben malte er zahlreiche Supraporten für die herzoglichen Schlösser.

Guidi, Domenico
* 6.6.1625 in Torano bei Carrara, + 28.3.1701 in Rom. Italienischer Bildhauer des Barock, 1647-54 Schüler und Mitarbeiter von Alessandro Algardi in Rom, in dessen stilistischer Tradition eines gemässigten Barock er zahlreiche Grabmäler, Figurengruppen und Papstbüsten schuf (Sitzfigur Clemens IX., 1669, Rom, S. Maria Maggiore). 1678 erhielt er den bedeutenden Auftrag für die Gruppe "Der Ruhm schreibt die Geschichte des Königs" für Schloss Versailles (1685 vollendet), die die umstrittene Reiterstatue Ludwig

Guillain, Simon
* 1581 in Paris, + 26.12.1658 in Paris. Französischer Bildhauer, wurde bei seinem Vater Nicolas Guillain und später in Italien ausgebildet. 1648 war er Gründungsmitglied der Academie Royale de Peinture et de Sculpture in Paris und übernahm 1657 das Rektorat. Guillains Hauptwerk ist das Denkmal "Ludwig XIII.mit Anna von Österreich und dem Dauphin", ursprünglich in eine Triumphbogenarchitektur eingebunden am Pont-au-Change in Paris (1647; Figuren heute in Paris, Musée National du Louvre). Stilistisch gesehen

Gumpp, Christoph d.J.
* 28.5.1600 in Innsbruck, + 2.3.1672 in Innsbruck. Österreichischer Bildhauer des Barock, Vater von Gumpp, Johann Martin d.Ä.; ab 1668 Hofbaumeister Leopolds I. Er unternahm 1628 eine Studienreise nach Italien, die jedoch lediglich Anregungen für sein Opernhaus in Innsbruck (1629) brachte. Seine Kirchenbauten, die mit anderen den Beginn der Barockbaukunst in Tirol bilden, sind vielmehr süddeutschen Vorbildern verpflichtet, z.B. die "Mariahilfkirche in Innsbruck" (1648-49), ein Kuppelbau mit Zentralraumten

Gumpp, Georg Anton
* 12.10.1682 in Innsbruck, + 19.12.1754 in Innsbruck. Österreichischer Architekt des Hochbarock, Sohn von Gumpp, Johann Martin d.Ä., ab 1722 Hofbaumeister. Nach früher Zusammenarbeit mit seinem Vater errichtete er 1716 Fassade und Vorhalle der von seinem Grossvater Gumpp, Christoph d.J. erbauten Stiftskirche in Wilten. Sein Hauptwerk ist das "Landhaus der tirolischen Stände in Innsbruck" (Landhaus Innsbruck, 1725-28) mit der Georgskapelle; ausserdem entwarf er wahrscheinlich die Johanneskirche (1729

Gumpp, Johann Martin d.Ä.
(1643-1729). Das bedeutendste Mitglied einer in Innsbruck tätigen Baumeisterfamilie. Gumpp war hier Hofkammerbaumeister und ein Bahnbrecher des Barock. Seine Hauptwerke sind das Palais Fugger (später Taxis, 1679-80, 1784 z.T. umgebaut), die Umgestaltung des Alten Regierungsgebäudes (1690-92) und die Spitalkirche (1700-01, geweiht 1705), alle in Innsbruck. Sein Sohn Georg Anton Gumpp (1682-1754) folgte ihm als Hofbaumeister im Amt; er entwarf die reizvolle kleine St. Johannis-Kirche am Innrain (1729-33, geweiht 1735), das kühn und unkonventionell gestaltete "Landhaus" (1725-28) in Innsbruck und die tiefgestaffelte Vorhalle der Wiltener Stiftskirche (1713-19).

Gumpp, Johann Martin d.J.
* 26.7.1686 in Innsbruck, + 21.9.1765 in Innsbruck. Österreichischer Architekt und Miltäringenieur des Hochbarock, Sohn von Gumpp, Johann Martin d.Ä.. Die Arbeit als Festungsbaumeister führte ihn u.a. nach Konstanz (Konstanz III), Kufstein und Ehrenberg Reutte. Sein Hauptwerk ist die Planung der Umgestaltung der Hofburg Wien II zu einem geschlossenen Neubau im Auftrag Kaiserin Maria Theresias (1754). Zwar wurde der Bau nach ersten Teilerrichtungen 1755/56 eingestellt, die ab 1765 wiederaufgenommenen Arbeiten lehnten sich jedoch eng an Gumpps Projekt an, das bereits durch den Übergang vom schweren Barock (kolossale Bogennischen der Südtrakt-Fassace) zum Rokoko gekennzeichnet ist.

Günther, Matthäus
(auch Gindter, Ginter, Ginther). * 7.9.1705 in Tritschengreith bei Unterpeissenberg, Oberbayern, + 30.9.1788 in Haid bei Wessobrunn, Oberbayern. Deutscher Maler, produktiver Freskant des Augsburger Rokoko, daneben auch Tafelmaler und Grafiker. In seinem Schaffen lässt sich die Entwicklung vom Spätbarock bis zum frühen Klassizismus ablesen. Günther war bis 1728 Gehilfe von Cosmas Damian Asam in München. Ab 1732 lebte er als selbständiger Meister in Augsburg, wo er 1762-84 die Kunstakademie leitete. Für die Ausführung seiner zahlreichen Fresken und Tafelbilder in Bayern, Schwaben, Franken und Tirol arbeitete er oft mit den Wessobrunner Stukkateuren, besonders mit Franz Xaver Feuchtmayer I, zusammen. Zu seinen frühen Werken gehören das Altarbild "Hl. Sebastian" (1730) in der Pfarrkirche von Pförring und das Kuppelfresko in der Deutschordenskirche Sterzing in Tirol (1733), wo noch der Einfluss des vom römischen Barock geformten Asam spürbar bleibt. Mit den "Szenen aus dem Leben des hl. Bernhard" (1745-47) in der Pfarrkirche von Amorbach gewann Günther seinen eigenen, sehr dekorativen Stil. Die Figuren der weiträumigen und meisterhaft ausgeleuchteten Deckenkompositionen wirken schwerelos und grazil, die Farben zart und hell, ohne das jedoch - wie bei den Brüdern Asam - der Kircheninnenraum mit dem gemalten Raum illusionistisch verbunden wurde. Bis zum Ende der sechziger Jahre entstanden seine besten Werke: die Fresken in der Pfarrkirche von Wilten bei Innsbruck (1754), im Schloss Sünching in der Oberpfalz (1761) und in der Abteikirche Rott a. Inn (1763).