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99 Person(en) gefunden.

Mabuse, JanGossaert, Jan

Machuca, Pedro
(gest. 1559). Ursprünglich spanischer Maler, arbeitete einige Zeit in Italien und kehrte 1520 nach Spanien zurück. Sein Meisterwerk, der Palast Karls V. in der Alhambra in Granada (1527-68) ist stark von der italienischen Baukunst, und zwar vor allem von Raffael und Romano, Giulio, beeinflusst. Man kann sagen, dass dieser Palast an Grösse und Vollkommenheit alle Palazzi von Bramante, Donato in Italien übertrifft. In Machucas Entwürfe schlichen sich verschiedene spanische Eigenheiten ein. Merkmale des Plateresken-Stils, wie etwa die mit Girlanden versehenen Fensterrahmen.

Maderno, Carlo
(1556-1629). Geboren in Capolago am Luganer See, liess sich 1588 in Rom nieder. Er begann seine Laufbahn als Mitarbeiter seines Onkels Fontana, Domenico. 1603 wurde er zum leitenden Architekten von St. Peter in Rom bestellt. Im selben Jahr vollendete er die Fassade von S. Susanna in Rom. Mit diesem revolutionären Entwurf wandte er sich entschieden von dem damals üblichen, gefälligen akademischen Manierismus ab und entwickelte seinen eigenen, klaren, stark bewegten Stil. S. Susanna und die majestätische Kuppel von S. Andrea della Valle in Rom gehören zu seinen wichtigsten Werken; berühmt wurde Maderno jedoch vor allem wegen seiner Arbeiten an St. Peter, wo ihm die wenig beneidenswerte Aufgabe zufiel, Michelangelos Zentralbau ein Längsschiff und auch eine Fassade hinzuzufügen. Die Arbeiten wurden 1607 aufgenommen, die Fassade 1626 vollendet. Ihre übermässige Breite wird durch den späteren Anbau der Türme, die nur im unteren Abschnitt vollendet sind und dadurch als Teil der Fassade erscheinen, verursacht. Die von Maderno erbaute Konfessio vor dem Hochaltar und der von ihm geschaffene elegante Springbrunnen auf der Piazza S. Pietro (rechts vom Obelisk) sind besser geglückt. Zu Madernos Profanbauten gehören u.a. Mattei-Palazzo I in Rom (1598-1618) und der Barberini-Palazzo in Rom (beg. 1628), der jedoch erst nach seinem Tode von Bernini nach verschiedenen Entwurfsänderungen, besonders bei der Hauptfassade, ausgeführt wurde.

Maderno, Stefano
(Maderna). * um 1576 in Bissone bei Lugano, + 17.9.1636 in Rom. Italienischer Bildhauer des Barock, schuf bewegte Statuen und Kleinplastiken und arbeitete ausserdem als Antikenrestaurato. Neben seinem Hauptwerk, der Liegefigur des "Hl. Cäcilia" unter dem Hochaltar von S. Cecilia in Trastevere in Rom heraus (Statuen des "Hl. Matthäus" und des "Hl. Epräm" und zwei Bronzereliefs, 1608). Ausserdem arbeitete Maderno 1615 bis 1622 im Vatikan und im Quirinale-Palazzo.

Maella, Mariano Salvador de
* 21.8.1739 in Valencia, + 10.5.1819 in Madrid. Spanischer Maler des Spätbarock, wurde nach einer Italienreise (1760 bis 1765) zum Mitglied der Akademie S. Fernando ernannt und von Anton Raphael Mengs zur Ausschmückung des Königspalastes in Madrid (Real-Palacio) herangezogen. Die ausgeführten Deckenfresken lösen sich in ihrer Malweise von der illusionistischen barocken Malerei und zeigen zunehmend eine akademisch-klassizistische Ausrichtung. 1779 zum ersten Kammermaler des Königs ernannt, führte Maella neben Porträts und religiösen Historien zahlreiche Entwürfe für die königliche Gobelinmanufaktur aus.

Maire, Pierre Alexis de La
(auch Delamair). * 1676, + 1745 in Chatenay bei Paris. Französischer Barockarchitekt, arbeitete als königlicher Bauunternehmer unter Robert de Cotte und stand bis 1710 in Diensten der Familie de Soubise in Paris. Seit 1703 lieferte er zudem Entwürfe für die Schlossprojekte Kurfürst Maximilian Emanuels von Bayern in München I und Schleissheim II. Seine beiden Hauptwerke befinden sich in Paris auf einem gemeinsamen Grundstück: das Soubise-Hotel (ab 1704) und das Rohan-Hotel (1704 bis 1709, heute Archives Nationales). Beim Soubise-Hotel musste Maire vorhandene ältere Bauteile berücksichtigen; beim Rohan-Hotel konzipierte er eine dreigeschossige Gartenfront, deren giebelbekrönter Mittelteil durch toskanische Säulen und ionische Säulen sowie attische Pilaster in Superposition akzentuiert ist und die sich damit an die Gartenfassade des Schlosses Versailles anlehnt.

Maison, Rudolf
* 29.7.1854 in Regensburg, + 12.2.1904 in München. Deutscher Bildhauer des Neubarock, dessen Statuetten und Grossplastiken aber auch realistische Tendenzen und zeitgenössische Themen aufgriffen. Zu seinen monumentalen, malerisch wirkenden und zunehmend polchrom gefassten Werken gehören u.a. die "Pegasusfontäne" im Park von Schloss Herrenchiemsee III und der Teichmannbrunnen in Bremen (1902); daneben entstanden auch Porträts, Gedenktafeln und Entwürfe für fabrikmässig hergestellte plastische Arbeiten.

Maitani, Lorenzo
* um 1275 in Siena, + Juni 1330 in Ovieto. Italienischer Architekt und Bildhauer, lernte möglicherweise bei Giovanni Pisano und war von 1310 bis zu seinem Tod als Dombaumeister in Orvieto tätig. Er entwarf die teils romanisch, teils gotisch wirkende Fassade, deren Gestaltung einmalig blieb. Maitani und seiner Werkstatt oblag auch die Konzeption und Ausführung der Skulpturen und Marmorreliefs im Sockelgeschoss der Fassade ("Genesis", "Messianische Prophetien", "Szenen aus den Evangelien", "Jüngstes Gericht")

Mandl, Michael Bernhard
* 1660 in Prag (?), + 23.4.1711 in Salzburg. Österreichischer Bildhauer des Barock, war überwiegend in Salzburg tätig und erlangte grosse Bedeutung im Bereich der Architekturplastik, vor allem durch die Mitarbeit an den Bauten von Erlach, Johann Bernhard Fischer von. Er schuf die Statuen am Aussenbau der Kollegienkirche, die "Maria Immculata" und die "Engel" der Fassade sowie "Die vier Evangelisten" auf dem linken und "Die vier lateinischen Kirchenväter" auf dem rechten Turm. Weitere Hauptwerke sind die inn

Mändl, Michael BernhardMandl, Michael Bernhard

Mannozzi, GiovanniGiovanni da San Giovanni

Mansart, Francois
(1598-1666). Der erste grosse Protagonist des französischen barocken Klassizismus (Barock), vergleichbar der Stellung Poussins in der Malerei oder Corneilles auf dem Gebiet des Dramas. Mansart war wohl nie in Italien; sein Stil ist in seiner Eleganz, Klarheit und kühlen Zurückhaltung ganz und gar französisch. Im Gegensatz zu seiner übertriebenen Gewissenhaftigkeit auf künstlerischem Gebiet war er im geschäftlichen Umgang leider arrogant und unzuverlässig. Seine Unfähigkeit, einen endgültigen Plan zu entwerfen und sich dann auch an ihn zu halten, verärgerte seine Bauherren, so dass er viele Aufträge verlor. Während seines letzten Lebensjahrzehnts war er so gut wie unbeschäftigt. Selten nur wurde er von der Krone, nie vom Hochadel gefördert. Seine Auftraggeber gehörten vor allem dem neureichen Bürgertum an, das Verständnis und Geld für seine verfeinerten und luxeriösen Bauten hatte. Mansart wurde in Paris als Sohn eines Tischlermeisters geborgen, begann wahrscheinlich unter Brosse, Salomon de in Coulommiers zu arbeiten und liess sich schon 1624 als bereits berühmter Architekt in der Hauptstadt nieder. Seine Frühwerke sind von Brosse, Salomon de abhängig und zeigen manieristische Anklänge im Stil von De Cerceau. Sein individueller Stil begann im Chateau de Balleroy (1626) klare Formen anzunehmen. Die ausgewogene Anordnung grosser Baublöcke bewirkt den Eindruck nüchterner Monumentalität. Sein erster Meisterwerk, der Orleans-Flügel des Schlosses in Blois (1635-38), wäre im Falle seiner Vollendung ein grossartiges und monumentaleres Luxembourg-Palais geworden, doch wurden nur der Mitteltrakt und die Kolonnaden fertig; aber sie zeigen sehr deutlich den begabten Entwurf, die klare Gliederung der Anlage, die Reinheit und Subtilität des Details. Für diesen Bau erfand er durchlaufend gebrochenes Dach, dessen unterer Teil steiler abfällt als der verhältnismässig flache und kurze obere Abschnitt; diese Dachform trägt Mansarts Namen. Den Höhepunkt seines Schaffens bildet Schloss Maisons bei Paris (1642-50), das er für den steinreichen Präsidenten Rene de Longueil, der ihm offensichtlich vollkommen freie Hand liess, baute (Mansart riss während der Bauarbeiten einen Teil der schon erricheten Mauern wiedern ein, um seinen Entwurf zu verbessern!). Es ist das am vollständigsten erhaltene seiner Werke und gibt einen guten Eindruck von seiner genialen Begabung. Die ovalen Räume in den Seitenflügeln und ds Vestibül, ausgeführt in Stein und kultivierte Zurückhaltung in der Dekoration. Sein Entwurf für das Val-de-Grace in Paris (beg. 1645) fällt in die gleiche Zeit wie der Bau von Maisons-Laffitte, doch wurde er 1646, als der Bau bis zum Gebälk des Langhauses und zum unteren Stockwerk der Fassade gediehen war, als Architekt entlassen und durch Lemercier, Jacques ersetzt. Mansarts Planung scheint auf das Redentore von Palladio, Andrea zurückgegangen zu sein. Andere bedeutende Bauten von ihm sind: Ste-Marie-de-la-Visitation in Paris (beg. 1635, stark geschädigt, wiederhergestellt); Vrilliere-Hotel in Paris (1635-45), ein ganz symmetrischer, das Vorbild für den klassischen Typ des Pariser Hotel; das Jars-Hotel (beg. 1648, zerstört), in dem er eine friere, lebendigere Anordnung der Räume entwickelte. Diese Gestaltungsweise sollte in der Folge grossen Einfloss ausüben. Seine letzte erhaltene Arbeit ist die Neugestaltung des Carnavalet-Hotel in Paris (1655). In den 60er Jahren wurde er im Zusammenhang mit dem Bau des Louvre-Palais und einer königlichen Kapelle in St-Denis von Colbert um Rat gebeten, doch wurden seine Entwürfe nichta ausgeführt.

Manskirch, Johann Christoph
Bildhauer, nachweisbar ab 1715, gest. 1762 in Bonn. Johann Christoph Manskirch aus der berühmten rheinischen Künstlerfamilie der Manskirch stammte aus Roermond in der Provinz Limburg. Sein Bruder Jacob war Hofmaler des Kurfürsten Clemens August, Gottfried Manskirch (geb. 1740) Hofmaler des Kurfürsten von Trier. Johann Christoph Manskirch wurde urkundlich nachweisbar im Jahre 1715 für den Baden-Durlacher Hof verpflichtet. Der Architekt Schlaun, Johann Conrad holte ihn an den Bonner Hof, später ist Manskirch in Münster ansässig, wo er 1739 heiratet. Durch die fruchtbare Zusammenarbeit mit Schlaun, Johann Conrad sind bedeutende bildhauerische Arbeiten in Westfalen mit dem Namen Johann Christoph Manskirch als Hofbildhauer von Clemens August verbunden. Wichtige Werke: Hirschberger Tor in Arnsberg, Erbdrostenhof in Münster, Haus Rüschhaus in Münster-Nienberge.

Mantegna, Andrea
* 1430 oder 1431 in Isola di Carturo, Provinz Padua, + 13.9.1506 in Mantua. Italienischer Maler, bedeutendster oberitalienischer Vertreter des Quattrocento auf dem Gebiet der Tafelmalerei, vornehmlich der Sacra Conversazione, und der illusionistischen Wandmalerei sowie der Grafik, fasste in einem statuarisch-plastischen Figurenstil unter zitathaftem Rückgriff auf antike Motive die in der Toskana entwickelten Vorstellungen der Perspektive, der Proportion und Anatomie in vorbildliche Lösungen zusammen. Mantegna wurde zwischen 1441 und 1445 in der Paduaner Malerzunft als Adoptivsohn des Malers Francesco Squarcione dokumentiert, bei dem er sechs Jahre blieb. 1448 erhielt er zusammen mit Giovanni d´Alamagna, Antonio Vivarini und Niccolò Pizzolo (um 1421-53) den Auftrag, die von Giovanni Ovetari gestiftete Kapelle in der Chiesa degli Eremitani in Padua mit Fresken auszustatten, wobei sein Anteil vermutlich 1457 vollendet war. Das Studium der Werke toskanischer Meister im Veneto, Donatellos in Padua, Adrea del Castagnos, Filippo Lippis und Paolo Uccellos bestimmte die frühen Teile der Fresken der Kapelle, so die Heiligenfiguren der Apsis und die „Berufung des hll. Jakobus und Johannes“ sowie „Predigt des hl. Jakobus“ (nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg rekonstruiert). Sie enthalten auch Mantegnas erste Versuche einer architektonisch strukturierten Kompositionsweise. Die nach 1451 ausgeführten Bilder des Jakobuszyklus der Cappella Ovetari sind in ihrer linearen grafischen Strenge und dem kompositorischen Kalkül, dem das Verhältnis von Figur und Bildraum unterworfen ist, ein Ergebnis von Erfahrungen, die Mantegna vermutlich auf einer Reise nach Ferrara gewann, auf der er mit dem Werk von Pierro della Francesca in Berührung kam. Antike Vorbilder prägten Ornamente, Gewänder, Architekturteile. Die „Taufe des Hermogenes“ und die Szene „Der hl. Jakobus wird zu Herodes Agrippa geführt“ verkörperten in Mantegnas Entwicklung eine experimentelle Phase, die durch die Strenge und Immobilität der Figurenbildung Squarciones Kritik herausforderte. Sie blieb dennoch grundlegendes und konstantes Charakteristikum des Gesamtwerkes, das – durch das humanistische Milieu Paduas gefördert – stilistisch in einem eher strengen Klassizismus kühlen Farbigkeit und harter Zeichnung einsetzte. Dieser tritt in klarer Form in der Szenen „Gang des h. Jakobus zur Hinrichtung“ hervor, die sich durch strenge Ausgewogenheit von handelnden Figuren und architektonisch definiertem Raum auszeichnet. In dieser Phase (um 1453) fiel wahrscheinlich auch die Ausführung der Apostel in dem Fresko der „Himmelfahrt“ der Kapellenapsis. Die streng perspektivische Untersicht aller dieser Kompositionen hat bereits in dem Lünettenfresko über dem Haupteingang des Santo in Padua von 1452 ihren Vorgänger, in dem die „hll. Antonius und Bernardinus“ mit dem Christusmonogramm dargestellt sind (heute Padua, Museo Antoniano). Die „Hl. Eufemia“ (Neapel, Museo e Gallerie Nazionali die Capodimonte) ist 1454 datiert. Sie steht stilistisch den aposteln der “Himmelfahrt” nahe. Ihre intensiven Farbqualitäten weisen auf das für S. Giustina in Padua gemalte Polyptychon der sog. Pala di S. Luca (Mailand, Pinacoteca di Brera) voraus. Dieses aus zwölf Bildern bestehende Werk schliesst zwar in seinem Kompositionsschema an die gotische Tradition Oberitaliens an, die jedoch weiterentwickelt wird, indem, ähnlich wie bei Piero della Francesca, der Goldgrund atmosphärische Qualtitäten erhält. Die plastisch konzipierten Figuren erheben sich über einer stark verkürzten marmornen Standfläche, so dass Bildraum und Elemente des Rahmens zusammen den Eindruck eines Portikus erwecken – ein Motiv, das auf die berühmte Pala di S. Zeno in Verona vorausweist. Siw wurde zwischen 1457 und 1459 ausgeführt und ist das letzte gesicherte Werk der paduanischen Zeit von Mantegna. In ihm überwindet er das in der Pala di S. Luca noch verwendete traditionelle Kompositionsschema. Der architektonische Rahmen ist aufs engste mit der Darstellung verknüpft und bildet mit ihr eine räumlich-illusionistische Einheit. In den monumental konzipierten Figuren und in einer alle drei Haupttafeln umgreifenden Portikusarchitektur wird Mantegnas besondere Beziehung zur Antike sichtbar. Ähnliches gilt für die drei Predellenbilder, die die „Kreuzigung“ (Paris, Musée National du Louvre), den „Ölberg“ und die „Auferstehung“ (Tours, Musée des Beaux-Arts) darstellen. Im Januar 1457 trat Mantegna in die Dienste des Markgrafen Ludovico Gonzaga in Mantua, wohin er jedoch erst 1460 übersiedelte und nach Aufenthalten in Florenz und Pisa (1466-68) sowie Rom (1488-90) bis zu seinem Tod arbeitete. Das bedeutendste Werk, das er in den ersten Jahren seiner mantuanischen Zeit schuf, war die heute verlorene Ausstattung der Kapelle des Castello di S. Giorgio, eines Teilkomplexes des Palazzo Ducale, mit kleinformatigen Tafelbildern. In dem sog. Triptychon mit „Anbetung der Könige“, „Himmelfahrt“ und „Darbringung im Tempel“ (Florenz, Galleria degli Uffizi) und dem „Tod Mariä“ (Madrid, Museo del Prado) scheinen Reste dieser grösseren Raumdekoration überliefert zu sein. In diese Jahre gehört auch eine Reihe kleinformatiger Tafeln Mantegnas, die durch die farbige Intensität und Strenge der plastischen Form charakterisiert sind, wie der „Ölberg“ (London, National Gallery), die „Anbetung der Hirten“ (New York, Metropolitan Museum of Art), die „Maria mit dem Kind“ (Mailand, Museo Poldi-Pezzoli), die zwei Versionen der „Maria mit schlafendem Kind“ (Bergamo, Galleria dell´Accademia Carrara; Berlin, Staatliche Museen, Gemäldegalerie) sowie die Bildnisse „Kardinal Mezzarota“ (Berlin, Staatliche Museen, Gemäldegalerie), schliesslich „Kardinal Francesco Gonzaga“ (Neapel, Museo e Gallerie Nazionali di Capodimonte). In das Jahrzehnt von 1460 bis 1470 werden einige Werke datiert, in denen sich die Erfahrung der zeitgenössischen toskanischen Kunst spiegelt. Die „Darbringung im Tempel“ (Berlin, Staatliche Museen, Gemäldegalerie) mit ihrer harmonischen Grundstimmung scheint eine der frühesten Arbeiten dieser Gruppe zu sein. Noch stärker in seiner lyrischen Gestimmtheit ist der „Hl. Georg“ (Venedig, Galleria dell´Accademia). In der engen kompositorischen Verbindung beider Gemälde mit den sie umgebenden Marmorrahmen spiegelt sich Mantegnas Studium der Fresken Andrea del Castagnos in S. Apollonia (Florenz) und der Villa Carducci in Soffiano. In dieselbe Periode gehört die „Höhlenmadonna“ (Florenz, Galleria degli Uffizi). Die umfangreiche Dekoration der Camera degli Sposi im Nordturm des Castello di S. Giorgio wurde von Mategna 1465 begonnen und nach mehreren Unterbrechungen 1474 vollendet. In einer kühnen „sotto in su“-Komposition, die bedeutende Folgen für die italienische Barockmalerei erlangte, ist die Decke des Raums illusionistisch durchbrochen. Die in ein variables Dekorationssystem gegliederten Wände zeigen mit einer Fülle scharf individualisierter Porträts Familienszenen des Ludovico Gonzaga, darunter die Begegnung mit seinem Sohn, dem Kardinal Francesco. Die Nachrichten über Mantegnas Tätigkeit zwischen der Vollendung der Camera degli Sposi und dem Beginn an dem „Triumphzug Julius Caesars“ – die jahre zwischen 1474 und 1485 – sind spärlich. Die Episoden des grossen neunteiligen „Triumphzuges Julius Caesars“ (Hampton Court, Palace), den Mantegna um 1486 in Francesco II. Gonzagas Auftrag begann und dessen hauptsächliche Quelle das 1472 in Verona gedruckte Werk „De re militari“ von Valturius war, sind mit ihren Tubabläsern, Feldzeichen, Triumphwagen, Gefangenen, Elefanten, Stieren und anderen Antikenzitaten in Untersicht vor einem Pilasterhintergrund in einer fortlaufenden Komposition dargestellt. Insofern nahm Mantegna eines der Grundmotive der Camera degli Sposi wieder auf, erfüllte es jedoch mit dramatischer Bewegung, die die Wirkung dieses Hauptwerks auf Zeitgenossen und Nachwelt begründet hat. 1488-90 war Mantegna von Innozenz VIII. nach Rom berufen worden, um die Kapelle des Papstes in Belvedere mit Fresken auszustatten. Dieses vielbewunderte Werk, das nur in einer minuziösen Beschreibung überliefert ist, schein eine Reihe von Trompe-l´oeil-Effekten aufgewiesen zu haben. In seiner Kuppel war vor dem hellen Himmel eine Pergola fingiert. Dieses Motiv der Pergola bestimmt auch die „Madonna della Vittoria“ (Paris, Musée National du Louvre), die der Markgraf Francesco II. 1496 zum Gedächtnis an die Schlacht von Fornovo malen liess. Der herosische Stil der Figurenbildung verbindet dieses Werk – Mantegnas bedeutendstes Altarbild aus dieser Periode – mit dem „Triumphzug Julius Cäsars“, doch weist das warme Kolorit auf die Malerei des Cinquecento voraus. Dem letzten Jahrzehnt des 15 Jh. gehört auch „Der tote Christus, von Engeln gestützt“ (Kopenhagen, Statens Museum for Kunst) an, in dem Plastizität und Schärfe der Formgebung aus der Frühzeit ebenso wieder aufzuleben scheinen wie in dem pathetischen, von Pfeilen durchbohrten „Hl. Sebastian“ (Venedig, Ca´ d´Oro). Kontrovers ist die Datierung des Bildes „Der tote Christus, beweint von Maria und dem hl. Johannes“ (um 1490, Mailand, Pinacoteca di Brera), dessen kühne ausdrucksstarke Verkürzungen in Auseinandersetzung mit Andrea del Castagno entstanden. Eine weitere grosse Grisaille mit dem „Triumph Scipios“ (um 1504, London, National Gallery) verkörpert in ihrer an antiken Reliefs inspirierten Gestalt die letzte Entwicklungsphase Mentegnas. Als fingierte Marmorreliefs dieser Art sind – bei unterschiedlicher, durch Werkstattbeteiligung erklärlicher Qualität – die Darstellungen „Samson und Dalila“ (London, National Gallery), das „Opfer Abrahams“ sowie „David und Goliath“ (beide Wien, Kunsthistorisches Museum) und das „Urteil Salomons“ (Paris, Musée National du Louvre) ausgeführt. 1497-1505 beteiligte sich Mantegna an der im humanistischen Sinn ausgemalten Dekoration für das Studiolo der Isabella d´Este in Mantua mit Gemälden mythologischen Inhalts; 1497 entstand der sog. „Parnass“ und 1502 „Minerva vertreibt die Laster aus dem Garten der Tugend“ (beide Paris, Musée National du Louvre) – Kompositionen, die von grossem Einfluss auf die profane Malerei des Cinquecento waren. Gleichrangig neben dem malerischen Werk stehen Mantegnas Kupferstiche (u.a. „Grablegung Christi“, „Kampf der Meergötter“), mit denen er diese Technik in Italien als erster zur eigenständigen Kunst erhob.

Manzulin da FerraraMazzolino, Ludovico

Maratta, Carlo
(auch Maratti). *15.5.1625 in Camerano, Provinz Ancona, + 15.12.1713 in Rom. Italienischer Maler einer klassizistisch geprägten Variante des Spätbarock. Kam 1636 nach Rom in die Werkstätte von Andrea Sacchi, eines Hauptrepräsentanten des Barockklassizismus, und wurde dessen Meisterschüler und künstlerischer Erbe. Die Werke der frühen Periode, wie das Altarbild "Hl. Michael" (Monterotondo, Kathedrale) oder sein erstes grosses Erfolgsbild, die 1650 datierte "Geburt Christi" (Rom, S. Giuseppe d. Falegnami), ze

Maratti, CarloMaratta, Carlo

Marchesi, Pompeo
* 11.8.1789 in Como, + 7.2.1858 in Mailand. Italienischer Bildhauer des Klassizismus, Schüler von Antonio Canova. Zu seinen Hauptwerken gehören die Reliefs des Friedenstores in Mailand. Ausserdem schuf er Statuen, Büsten und Grabmäler in Novara, Como, Turin und Mailand. Zeitweise arbeitete er auch ausserhalb Italiens. Marchesi schuf Denkmäler von "Kaiser Franz I." von Österreich in Graz und im Innenhof der Hofburg Wien II, das den Kaiser in antiker Kleidung zeigt. Für Frankfurt a. Main fertigte er eine St

Marchionni, Carlo
(1702-1786). Bedeutender Architekt des italienischen Settecento. Schüler von Filippo Barigioni (1660-1753). Aufmerksam auf die Begabung Marchionnis wurde man durch den von der Akademie San Luca in Rom ausgeschriebenen Concorso Clementino, 1728. Unter den Bewunderern war auch der Archäologe und Kardinal Alessandro Albani, mit dem sich eine dauerhafte Freundschaft entwickelte. 1738 war bereits die Porto Anzio-Villa, 1740 die Villa in Castel Gandolfo beendet; beide sind ohne Einfluss Borrominis (Borromini, Francesco) kam vorstellbar. In den folgenden Jahren arbeitete Marchionni an den ersten kleineren Baufaufgaben für die Albani-Villa, denen dann, in den architektonischen Prinzipien nunmehr gefestigt, 1755-62 die bedeutendsten Bauabschnitte wie Casino, Kaffeehaus, Tempel und Fontäne folgten. Mit Piranesi, Giovanni Battista führte Marchionni die Restaurierung des Chores von S. Giovanni in Laterano durch (um 1750). Die dabei gezeigte Leistung schien Papst Benedikt XIV. derart zufriedenzustellen, das Marchionni ab 1753 auch für die Bauhütte St. Peter verpflichtet wurde - auch sein Lehrer war dort tätig - und kurz darauf als päpstlicher Architekt. 1766 erhielt er den Auftrag, die Portalwand des Museo Profano im Bramante-Flügel des Vatikan neu zu gestalten; 1776 beauftragte ihn Pius VI. mit dem Neubau einer Sakristei in St. Peter. Auch als Ingenieur für Wasseranlagen und Hafenanlagen war Marchionni erfolgreich. 1756, im Dienste des Königs von Spanien, konnte er das Hafenprojekt von Ancona mit Vanvitelli, Luigi, als dessen Nachfolger im Amt des Architekten und Ingenieurs er von der päpstlichen Kongregation benannt wurde, weite ausbauen. Erwähnenswert sind zwei weiter für den Papst gebaute Kirchen: S. Maddalena de Cassinesi in Messina (ab 1765) und S. Domenico in Ancona (ab 1763).

Mariano Filipepi, Alessandro diBotticelli, Sandro

Marigny, Marquis de
(eigentl. Abel-Francois Poison de Vandieres, 1727-1781). Jüngerer Bruder der Madame de Pompadour, Generalbaudirektor Luwigs XV. in den Jahren 1751-53, ohne selbständige Bautätigkeiten. Bedeutend waren seine Bemühungen, nicht nur die Kunstströmungen sondern auch die Tradition franz. Architekturauffassung neu zu definieren. An die Theorien des 17. Jh.s anknüpfend gilt er u.a. als Begründer des sogen. Doric Revival um 1750 in Europa neben dem Architekten Soufflot, Jacques-Germain, Charles Nicolais Cochin (Stecher und Kunstkritiker) und Gabriel, Jaques-Ange. Während siener Amtszeit wurden für den Klassizismus so exemplarische Bauwerke erstellt wie der Louvreabschnitt von Gabriel, Jacques-Ange (Louvre-Palais) von Gabriel, Jacques-Ange, Ste-Genevieve (heute Pantheon) von Soufflot, Jacques-Germain, die Ecole Militaire von Gabriel und das Theatre Francais (heute Theatre de l`Odeon) von Wailly, Charles de und Peyre.

Marot, Daniel d.Ä.
* um 1663 in Paris, + 4.6.1752 in Den Haag. Französischer Architekt und Kupferstecher, Sohn und Schüler von Marot, Jean, emigrierte 1685 in die Niederlande, wo er vor allem durch seine Ornamentstiche eine eigenartige Variante des Louisquartorze in Verbindung mit älteren französischen Stilelementen verbreitete. Als Architekt Wilhelms III. von Oranien, der seit 1688 auch König von England war, kam er in den neunziger Jahren mehrmals nach England, wo er u.a. als Gartenarchitekt (Hampton Court Palace in London). 1696-97 wurde Marot mit der Neuausstattung des Trêvessaals beauftragt, des Audienzzimmers im Binnenhof der alten Burg in Den Haag. In dem ganz in Holz ausgeführten Saal verarbeitete er neben französischen auch englischen Anregungen. Weitere Hauptwerke in Den Haag sind das Schuylenburg-Haus (1715, heute Botschaft der Bundesrepublik Deutschland) und die Fassade der Königlichen Bibliothek (1734), deren Höhe durch rustizierte Lisenen betont wird. Bemerkenswert ist die dekorative Gestaltung über dem Portal. Charakteristisch für Marot sind bossierte Pilaster und akzentuierte Fensterumrahmungen, die in Frankreich damals aber bereits veraltet waren. Sein Stil wurde insbesondere für Innenraumgestaltungen übernommen. Teilweise in Zusammenarbeit mit seinen Vater erschienen seine Ornamentstiche in mehreren Sammlungswerken ("Gran Marot", 1703).

Marot, Jean
* 1619 in Paris (?), + 15.12.1679 in Paris. Französischer Architekt und Kupferstecher, Vater von Marot, Daniel d.Ä. Durch seine Architekturstiche sind zerstörte Gebäude aus der Zeit König Ludwigs XIV. überliefert (z.B. Schloss Richelieu I von Lemercier, Jacques). Er nahm an dem Wettbewerb um die Nordfassade des Louvre-Palais teil (1664-65) und lieferte einen städtebaulich interessanten Plan zum Bau des Schlosses Mannheim I (1675). Von seinen ausgeführten Bauwerken ist keines erhalten.

MarsAres

Marsyas
Sohn des Hyagnis oder Oiagros, oft auch des Olympos. Phrygischer Satyr, Erfinder der Flöte (Doppelflöte). Marsyas ist entweder im Wettstreit mit Apoll oder bei seiner Häutung durch den Gott der Musik dargestellt. In der Szene der Bestrafung für seine Anmassung hängt Marsyas kopfüber an einem Baum.

Martinelli, Domenico
(1650-1718). Quadraturmaler und weitgereister Wanderarchitekt; spielte bei der Verbreitung des italienischen Barock nördlich der Alpen eine bedeutende Rolle. Martinelli wurde in Lucca geboren, dort auch zum Priester geweiht. Sein Beruf hinderte ihn aber nicht daran, als Wanderkünstler tätig zu sein. Sein Hauptwerk ist der Stadtpalais Liechtenstein ( Liechtensteinsches Majoratshaus) in Wien (1692-1705), in dem er erstmals eines der herrlich gestalteten, triumphalen Treppenhäuser, die später so charakteristisch für die Wiener Palastarchitektur wurden, schuf. Er entwarf ausserdem das grosse, aber schlichtere Liechtenstein-Gartenpalais in Wien (1698-1711) und möglicherweise auch das Harrach-Palais (ca. 1690). Ein Haus für den Grafen Kaunitz entstand in Austerlitz. Martinelli soll auch in Warschau, Prag und Holland gearbeitet haben.

Martini, Simone
* 1284 in Siena, + 1344 in Avignon. Italienischer Maler, verband die byzantinisch-sienesische Maltradition, wie sie im Werk von Buoninsegna, Duccio di zum Ausdruck kommt, mit den konstruktiven Neuerungen des Florentiners Giotto zu eigenständigen Schöpfungen, die einen Höhepunkt der toskanischen Trecentomalerei darstellen. Aus seinem Werk ist ersichtlich, dass er sich im Umkreis Duccios gebildet hat. Eine Lehrzeit in Siena gilt als wahrscheinlich. Die Signatur der „Maestà“ von 1315 ist der erste Beleg seiner künstlerischen Tätigkeit; eine urkundliche Erwähnung lässt einen Aufenthalt am Hof von Neapel vermuten. Nach seiner Rückkehr nach Mittelitalien begann eine sehr produktive Arbeitsperiode. Es sind viele teils signierte, teils zugeschriebene, teils eigenhändige, teils in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern entstandene Werke erhalten. Zu seinen Mitarbeitern zählten sein Schwager Lippi Memmi und sein Bruder Donato. 1339 wurden er und sein Bruder zu Prokuratoren des Rektors der Kirche S. Maria degli Angeli in Siena ernannt. Dieses Amt führte ihn an den päpstlichen Hof von Avignon, wo er zu den Begründern der sog. Schule von Avignon gehörte. Bereits das erste von ihm bekannte Werk, die „Maestà“ (1315, Siena, Palazzo Pubblico, Sala del Mappamondo), ist eine Schöpfung von grosser Originialität, obwohl sich gerade hier auch seine künstlerischen Quellen aufzeigen lassen. Duccio und Giotto hatten das traditionelle Thema der Maestà wenige Jahre zuvor auf Altartafeln dargestellt. Diesen Tafeln uns Simones Fresko ist das zentrale Motiv der auf einem Stufenthron sitzenden Madonna mit dem segnenden Jesuskind, umgeben von Engeln, Heiligen und Aposteln, gemeinsam. Neu am Fresko von Martini, Simone sind die Monumentalität – es bedeckt fast eine ganze Wand – und die Autonomie seiner Wirkung als gerahmtes Bild: die grosse Szene umgibt ein stukkierter Rahmen, der wiederum eingefasst ist von einem freskierten Rahmenband, das in zwanzig Medaillons ein ikonografisches Programm enthält: die vier Evangelisten, Heilige, Propheten. Der Grund ist nicht mehr golden, sondern blau. Simone setzte der symmetrischen Reihung Duccios und der statuarisch feierlichen Körperlichkeit Giottos ein lockeres Gefüge von Figuren entgegen. Die zentralperspektivische Raumsicht wurde vor allem durch das Gestänge und die Verkürzung des über der ganzen Gruppe schwebenden Seidenbaldachins betont. Das grosse Tafelbild des „Hl. Ludwig von Toulouse“ (1317, Neapel, Museo e Gallerie Nazionali di Capodimonte) ist als zweifaches Krönungsbild zugleich eine politische Demonstration und eine Darstellung der Heiligkeit. Der irdische Handlungsraum beschränkt sich auf eine schmale Vordergrundbühne mit der seitlich knienden Porträtfigur König Roberts. Beherrschend wirkt der thronende Heilige vor dem Goldgrund. Einen starken Kontrast bildet der heraldische Lilienrahmen zu den realistischen Szenen der Predella. Simone Martini schuf auch eine grosse Zahl von von Altarbildern mit Halbfiguren, so das Polyptychon für den Hochaltar von S. Caterina in Pisa (1313, signiert, Pisa, Museo Nazionale) und die ehemals übermalte, nur rudimentär erhaltene „Madonna mit Kind“ (1321, Siena, Pinacoteca Nazionale). Diese Madonnendarstellung ist ikonografisch eine Besonderheit. Maria neigt sich im Unterschied zu den Madonnen der Polyptychen nach rechts, das Kind liegt als Säugling rechts in ihrem Arm, während es sonst auf dem linken Arm sitzt. Hier kommt deutlich die Tendenz Simone Martinis zum Ausdruck, die weg vom Bild der Himmelsherrscherin und hin zur Madonna dell´Umiltà, zur demutsvollen Figur der Muttergottes, führt. Die Fresken der Marienkapelle in der Unterkirche in S. Farncesco in Assisi (1322-26) gelten als Simones Hauptwerk. Sie sind ein einmaliges Beispiel einer Gesamtkonzeption, sowohl in der Übereinstimmung von Bau und Malerei wie in der Beziehung der einzelnen Bildfelder untereinander. Mit dem Fresko des „Guidoriccio da Fogliano“ (1328), das die Wand gegenüber der „Maestà“ in der Sala del Mappamondo im Pubblico-Palazzo Siena einnimmt, hat Simone Martini ein für seine Zeit sehr ungewöhnliches Bild geschaffen. Vor dem menschenleeren Prospekt mit ummauerter Stadt, Kastell, Zeltlager und Palisaden reitet der Feldherr mit erhobenem Kommandostab entlang. Die formale Spannung zwischen dokumentarischem Realismus und bis ins Archetypische gehender Reduktion lässt das Fresko zu einer eindrucksvoll symbolhaften Demonstration der Macht werden. Das Altarbild der „Verkündigung an Maria mit dem hll. Ansanus und Julitta“ (1333, Florenz, Galleria degli Uffici) ist ein Beispiel der Bebärdenkunst Somones. Trotz genauer Behandlung der körperlichen Zusammenhänge geht er nicht vom Volumen aus. Bestimmend ist die szenische Einheit der Darstellung, der sensible Rhythmus der Linien. Wieder wurde der Kontrast – in diesem Falle von Goldgrund und Vordergrundbühne, Lasurfarben und wechselnden ornamentalenTechniken – als Stilmittel eingesetzt. Die gleiche Formbehandlung charakterisiert das sog. Orsini-Polyptychon von ca. 1333, dessen Tafeln in Antwerpen (Koninklijk Museum voor Schone Kunsten), Berlin (Staatliche Museen) und Paris (Musée National du Louvre) aufbewahrt werden. In Avignon schuf Simone Martini Miniaturen („Allegoria Virgiliana“, 1340, Mailand, Biblioteca Ambrosiana), Tafelbilder und die schlechterhaltenen – zum Teil zerstörten Fresken in der Vorhalle der Kathedrale Notre-Dame-des-Doms (um 1341), deren Sinopien 1960-63 freigelegt wurden. Eine Lünette zeigt die Frontalfigur „Erlösender Christus“, das Tympanon dagegen die „Madonna mit Kind, umgeben von Engeln“. Kennzeichnend für Martinis Spätstil ist das Bild „Der zwölfjährige Jesus im Tempel“ (1342, Liverpool, Walker Art Gallery). Auf kleinem Format ist hier mit scharf konkurierten, gedrungenen Formen, starken Farben, differenzierter Mimik und Gestik und gesteigerter Kostbarkeit der Ausführung eine Ausdrucksstärke erreicht, die vorbildhaft auf die französische Malerei des 2. Hälfte des 15. Jh. wirkte. In unmittelbarer Nachfolge Simone Martinis stehen toskanische Maler wie Lippo Memmi, die von seinem Frühwerk ausgehen. Sein Spätwerk hatte eine folgenreiche Wirkung auf die realistische Malerei des Nordens, vor allem auf die französischen Stundenbücher bis ins 15. Jh. hinein.

Masegne, Jacobello dalle
+ nach 1409. Italienischer Bildhauer und Architekt der Gotik, Bruder von Masegne, Pierpaolo dalle, mit dem er den grössten Teil seines Lebens zusammenarbeitete, so dass ihre Werke stilistisch kaum voneinander zu trennen sind. Beide sind erstmals 1383 in Bologna mit dem Legnano-Grabmal in S. Domenico nachweisbar. Ihr Bologneser Hauptwerk, das monumentale Marmorretabel für S. Francesco mit der zentralen Marienkrönung (1388-92), weist auf ihre Ausbildung in Venedig und ihre Kenntnis von Arbeiten Andrea und Nino Pisanos (Grabmal Marco Cornaros) hin. Ihr wichtigstes Werk sind die 1394 ausgeführten Apostelstatuen des Lettners in S. Marco in Venedig. 1399 waren beide Brüder an der Dombauhütte von Mailand beschäftigt; anschliessend arbeitete Jacobello am Visconteo-Castello Pavia.

Masegne, Pierpaolo dalle
+ wahrscheinlich 1403 in Venedig. Italienischer Bildhauer und Architekt der Gotik, Bruder von Masegne, Jacobello dalle, mit dem er in Bologna (ab 1383 nachweisbar), Venedig und Mailand zusammenarbeitete und realistische, körperlich-taumhafte Figuren schuf. Nach dem Mailänder Aufenthalt (1399) war Pierpaolo erst in Mantua und dann um 1400 an der Südseite des Dogenpalast Venedig tätig.

Masolino
(eigentl. Tommaso di Cristoforo Fini). 1383 in Panicale, Toskana, + vor 1447 in Florenz. Italienischer Maler an der Wende von der Gotik zur Renaissance, nahm, obwohl noch im Weichen Stil um 1400 geschult, bereits einige Errungenschaften der italienischen Frührenaissance auf, wie Perspektive und realistischere Darstellung. Ausgebildet in Florenz, wahrscheinlich bei Gherardo Starnina, kam er vor 1407 in die Werkstatt von Ghiberti, Lorenzo. Sein frühestes bekanntes Werk ist die 1423 datierte "Maria mit Kind" (

Massari, Giorgio
(1687 in Venedig –1766 in Venedig). Neben Andrea Tirali (1657-1737) und Domenico Rossi (1657-1737) einer der bedeutendsten italienischen Architekten im Venedig 2. Hälfte des 18. Jh., von der Architektur von Longhena, Baldassare beeinflusst, über den er zum Klassizismus von Palladio, Andrea kam. Sein Hauptwerk, die Chiesa Dei Gesuati (1726-43), besitzt eine kraftvolle, kräftig proportionierte Tempelfassade in Anlehnung an die Fassade von S. Giorgio Maggiore von Palladio, Andrea. Nicht minder herausragend zeigt sich der Grassi-Palazzo (1718-49) am Canal Grande, der neben einer feinen und zurückhaltenden Fassadengliederung eine vorzügliche spätbarocke Raumfolge besitzt (heute "Centro delle Arti e Costume"). Massari war an zahlreichen Bauten und Umbauten in Venedig beteiligt, so an der Saalkirche S. Marcuola (1728-36) und der Ovalkirche della Pietà (1745-60).

Mathey, Jean Baptiste
(auch Mathaeus Burgundus oder Mathieu). * um 1630 wahrscheinlich in Dijon, + 1696 in Paris. Französischer Architekt und Maler. Um 1655 hielt er sich in Rom auf, wo ihn der spätere Prager Erzbischof Johann Friedrich Graf von Waldstein 1668 in seinen Dienst nahm und 1675 nach Prag berief. Er begann, trotz lokalen Widerstandes, in einem Stil zu arbeiten, der vom französischen barocken Klassizismus (Barock) geprägt ist und trug im letzten Drittel des 17. Jh. entscheidend zur Ablösung des Spätmanierismus und Frühbarocks oberitalienischer Prägung bei. Mathey strebte danach, die an Giovanni Lorenzo Bernini geschulten, aber dem römischen Akademismus entsprechenden strengen Prinzipien der italienischen Barockarchitektur mit der französischen Vorklassik, vor allem von Hardouin-Mansart, Jules zu verbinden. Diese Bauweise unterscheidet sich stark von dem italienischen Barock, das Caratti, Francesco u.a. in Prag gepflegt hatten. In seinen Prager Profanbauten und Sakralbauten ist die Struktur von Innenbau und Aussenbau klar aufeinander bezogen; im Palastbau löste er die Vertikaltendenz durch die leichter wirkende Durchdringung von Vertikale und Horizontale ab. Mathey betonte die eingeschlagenen Ordnungen, wie seine Hauptwerke, den Erzbischöflichen Palast Prahaauf dem Hradschin (1675-79) und das Toskana-Palais (1689-91, beide Prag), zeigen. Das Lustschloss Troja (1679-91, Prag) bildete die für Böhmen neuartige dreiflügelige Anlage mit überhöhtem Mittelbau, in dem ein zwei Stockwerke umfassender Festsaal untergebracht ist. Im Sakralbau tendierte Mathey wie bei seinen Palästen zum unplastischen, zierlich proportionierten Wandgliederungssystem. Seine Materialauffassung und Raumauffassung bereitete in Böhmen den Hochbarock vor. In der Kreuzherrenkirche St. Franziskus in Prag (1679-89) ging die Abfolge von zentralisierendem Hauptraum und Chorraum auf Jacques Lemerciers Kirche der Sorbonne in Paris zurück. Als weitere Kirche erbaute er die Klosterkirche St. Joseph. Beide Kirchen beeinflussten später Fischer von Erlach, Johann Bernhard.

Matteo di Giovanetto da Viterbo
(auch Giovanetti, Gianetti). * um 1300 in Viterbo (?), + 1368/69 in Rom (?). Italienischer Maler, gehörte dem Künstlerkreis an, der an der Ausgestaltung des Papstpalast Avignon I von 1342 bis 1367 beteiligt war (Schule von Avignon). Mit urban V. kehrte Matteo 1367 nach Rom zurück, wo er 1368 zum letztenmal erwähnt wird. Sein frühestes bekanntes Werk ist eine noch in Italien entstandene "Kreuzigung mit Heiligen" (Viterbo, S. Maria Nuova). Zu seinen Hauptarbeiten in Avignon gehören die Dekorationen der Ka

Mattielli, Lorenzo
* um 1685 in Vicenza, + 28.4.1748 in Dresden. Italienischer Bildhauer, lebte ab 1712 in Wien, wo er als Hofbildhauer tätig war und u.a. den gesamten Bauschmuck der damaligen Böhmische Hofkanzlei sowie die Herkulesgruppe an der Reichskanzlei der Hofburg Wien schuf. Der wachsende Aufstieg seines Konkurrenten Georg Raphael Donner veranlasste Mattielli, nach Dresden zu übersiedeln. Seit 1738 im Dienst des Dresdener Hofs, war seine Haupt- und Lebensaufgabe die Schaffung des Firgurenschmucks für Gaetano Chiaveris Katholische Hofkirche in Dresden.. Er entwarf dafür u.a. 78 Kolossalfiguren, die er zusammen mit Gehilfen ausführte und deren dekorative Form auf die zeitgenössische Barockplastik nachhaltigen Einfluss ausübte.

Maulbertsch, Franz AntonMaulpertsch, Franz Anton

May, Hugh
(getauft) 2.10.1621 in Middle Lavant bei Chichester, Sussex, + 21.2.1684 in Windsor bei London als Sohn eines Landedelmanns aus Sussex. Englischer Architekt der Restaurationszeit, brachte aus dem Exil holländische Einflüsse nach England. Er erfreute sich zur Zeit der Restauration unter den Stuarts in England grösster Beliebtheit und führte den verhaltenen holländischen Palladianismus in die englische Architektur ein. Sein einziges erhaltenes Werk, Eltham Lodge (Woolwich, Kent, 1663-64), wirkte mit seiner Ziegelbauweise und der durch grosse Natursteinpilaster und einen Giebel gegliederten Mittelrisalit stilbildend auf den englischen Haustypus und entscheidend auf Christopher Wren. Gemeinsam mit Pratt, Sir Roger machte er jenen Häusertypus populär, der später irrtümlich nach Wren, Sir Christopher benannt wurde. Mays wahrscheinlich wichtigste Arbeit, die barocken Umbauten an Windsor Castle (1675-84), ist nahezu vollständig verändert oder zerstört. May hat wahrscheinlich auch das Holme Lay House in Hereford (beg. 1673-74) entworfen.

Mayer, Fritz
Architekt zahlreicher Gebäude Mitte des 20. Jh. Zeichnete für den Neubau des Pellerhauses in Nürnberg zusammen mit seinem Sohn Mayer, Walter verantwortlich.

Mayer, Walter
Nürnberger Architekt. War zusammen mit seinem Vater Mayer, Fritz für den Neubau des Pellerhauses verantwortlicht.

Mazzolino, Ludovico
(Mazzolino, auch Manzulin da Ferrara). * um 1480 in Ferrara, + um 1530 in Ferrara. Italienischer Maler, führte die Maltradition von Cosmè Tura und Ercole de´ Roberti weiter. Ab 1504 war er für das Haus Este in Ferrara tätig. Von seinen Arbeiten für das Estense-Castello und die Kirche S. Maria degli Angeli ist nichts erhalten. Daneben entstanden viele Bilder kleinen Formats mit sich wiederholenden religiösen Inhalten (Anbetung der Könige, 1512, Rom, Sammlung Fürst Chigi). 1523/24 malte er für S. Francesco in Bologna das schönste der erhaltenen Altarbilder (Der zwölfjährige Jesus im Tempel, Berlin, Staatliche Museen, Gemäldegalerie). Charakteristisch für Mazzolinos Malerei sind die derben Figurentypen, die sich meist in Überfülle auf seinen Bildern drängen. Im Hintergrund malte er Landschaften oder - als Kontrast zu den starkfarbigen Gewändern - fahle, reliefgeschmückte Architekturen.

Mazzoni, Sebastino
* 1611 (?) in Florenz, + 1678 (?) in Venedig. Italienischer Maler, Architekt (Entwurf für den Moro-Lin-Palazzo in Venedig) und Dichter des Barock. Wegen satirischer Verse musste er seine Vaterstadt Florenz verlassen und lebte von da an in Venedig. Hier wurde massgeblich von Domenico Fetti und Bernardo Strozzi beeinflusst, wie das früheste datierte Bild, "Venus und Mars im Netz des Vulkan" (1638, Florenz, Sammlung Marchese Amerigo Gondi), zeigt. Zu seinen Meisterwerken zählt das "Bankett der Kleopatra" (16

Mazzuoli, LudovicoMazzolino, Ludovico

McIntire, Samuel
(1757-1811). Ein sehr begabter Architekt. Autodidakt, der wie die meisten amerikanischen Architekten dieser Zeit vom Handwerk herkam. McIntire war ursprünglich von Beruf Holzschnitzer und lebte in Salem, Massachusetts. Seine meisten Bauten entstanden nach 1783, dem Ende des Unabhängigkeitskrieges. Mit Hilfe der von Langley, Batty herausgegebenen Bücher eignete er sich den neopalladianischen Stil (Palladianismus) an, in dem er seine ersten Häuser, z.B. Pierce-Nichols House (1782) in Salem errichete. Sein anspruchvollstes Bauwerk war das Salem Court House (1785, zerstört) mit Geschossgliederung nach dem Schema der Säulenordnungen und einer Kuppel. In den 90er Jahren des 18. Jh. wurde McIntire von Bulfinch, Charles beeinflusst und über diesen durch Robert Adams, unter dessen Eindruck er seine späteren, schönsten Häuser erbaute (weitgehend zerstört, einige Zimmer befinden sich jedoch in den Museen von Boston und Philadelphia).

Medea
Tochter des Königs Aietes von Kolchis; Enkelin des Apoll. Zauberin; Gemahlin des Jason, der sie wegen Glauke (oder Kreusa) verlässt. Die Zauberin wird bei der Verjüngung Aisons oder während des Mordes an Pelias dargestellt. Manchmal ist sie auch bei Beschwörungsritualen oder der Tötung ihrer Söhne abgebildet.

Medusa
(auch Gorgo). Tochter der Meergötter Phorkys und Keto. Von Menschen und Göttern gefürchtetes Untier, dessen grauenvoller Anblick jeden versteinerte. Das für Menschen wie Götter Furcht erregende Geschöpf wird in der Regel mit Bronzehänden, Goldflügeln und einem menschlichen Haupt mit Schlangenhaaren dargestellt.

Meleagros
Sohn des Königs Oineus von Kalydon und der Althaia. Meleagros erlegte den kalydonischen Eber. Der Held ist als jugendlicher Jäger porträtiert und meist an dem ihm beigestellten Eber zu erkennen. Mitunter ist auch Atalante abgebildet, der Meleagros das Fell des Ebers schenkt.

Meléndez, Luis Eugenio
* 1716 in Neapel, + 1780 in Madrid. Spanischer Miniaturmaler, Porträtmaler und Stillebenmaler des Rokoko, wurde zunächst von seinem Vater, Francisco Antonio Meléndez (1682- vor 1752), einem Miniaturmaler am spanischen Hof, ausgebildet. Eines seiner wenigen gesicherten frühen Gemälde, ein "Selbstbildnis" (1746, Paris, Musée National du Louvre), zeigt eine fast klassizistisch-strenge Tendenz, ohne dass die Wirkung der Farbe davon beeinträchtigt wird. Nach einem Aufenthalt in Rom und Neapel trat Meléndez in di

Mellaart, James
1925 in London geboren. Er studierte Vorgeschichte und Archäologie an den Universitäten Leiden und London. Bald nach dem Studium wurde er Mitglied des British Institute Of Archaelogy in Ankara. Gemeinsam mit S. Lloyd entdeckte er 1952 in Anatolien das frühbronzezeitliche Beycesultan-Höyük (2700-2300), 1956 das frühneolithische bis chalkolithische Hacilar I (7000-5000) und 1958 schliesslich Catal Hüyük (Catalhöyük), eine der ältesten Städte der Menschheit (etw 6500-5600). 1961-63 leitete Mellaart die Ausgrabungen im Bereich dieser neolithischen Grossiedlung am Rande der Konya-Ebene. Wie jeder erfolgreiche Ausgräber wurde auch Mellaart vom Neid missgünstiger Kollegen verfolgt. So behauptete man, er habe zahlreiche Funde an sich gebracht und im Ausland verkauft. Mellaart hat durch seine sorglose Art viel dazu beigetragen, das solche Verdächtigungen überhaupt aufkommen konnten.

Melozzo da Forli
* 1438 in Forli, + 8.11.1494 in Forli. Italienischer Maler, neben Piero della Francesca und Luca Signorelli einer der bedeutendsten mittelitalienischen repräsentanten des Quattrocento, wurde für seine präzise Anwendung der Perspektive bereits zu Lebzeiten gerühmt. Seine Lehrzeit verbrachte er in Forli, wahrscheinlich bei dem Maler Ansuino da Forli, der ihm die perspektivischen Kenntnisse der Paduaner Schule und das Werk Piero della Francescas und Andrea Mantegnas vermitteln konnte. 1460-64 hielt er sich vorwiegend in Forli auf, danach sehr wahrscheinlich vor allem in Rom; 1481 oder 1484 ging er dann mit seinem Schüler und Gehilfen Marco Palmezzano nach Forli zurück. Sein letztes Werk war, unter Mitwirkung Palmezzanos, die Ausmalung der Kuppel in S. Biagio e Girolamo in Forli. Ein nicht genau datierbares Bild, "Der Pfefferstosser" (Forli, Pinacoteca Comunale), vereint in sich die typischen Merkmale der Malerei von Melozzo: die sichere Beherrschung der perspektivischen Untersicht, die Freude an der Wiedergabe von Charakterzügen und der Darstellung von Bewegungen. Das früheste gesicherte Werk besteht in Teilen der Ausmalung der alten Biblioteca Latina des Vatikans, deren Wandekorationen nur bruchstückhaft erhalten sind, während das grosse Fresko "Papst Sixtus IV. ernennt Bartolomeo Platina zum Präfekten der Vatikanbibliothek (1477), auf Leinwand übertragen, sich heute in der Pinacoteca Vaticana befindet. Nach dem Vorbild der von Mantegna, Andrea für die Gonzagas im Ducale-Palazzo Mantova geschaffenen Fresken malte er hier ein repräsentatives, monumentales und dabei scharf charakterisierendes Gruppenporträt des Papstes und der Mitglieder der Familie della Rovere. Weitere Fresken, die ihm mit Sicherheit zugeschrieben werden und die ebenfalls nur noch bruchstückhaft erhalten sind, sind die 1477-80 entstandenen Deckenmalereien in der Tribuna von SS. Apostoli in Rom, deren Zentrum dei "Himmelfahrt Christi" (Rom, Palazzo del Quirinale) darstellt. Die Figur Christi ist in geschickter Verkürzung wiedergegeben, die Schar der ihn umgebenden Engel beweist eine so grosse Beherrschung der verschiedensten perspektivischen Ansichten, dass dieses Fresko mit zu den Vorläufern der späteren illusionistischen Deckenmalerei gezählt werden kann. In der Schatzkammer der Sakristei von S. Marco in Loreto (1486) sind die Wände mit Scheinarchitekturen bemalt, die flache Scheinkuppel illusionistisch überhöht, wobei auf dem sie begrenzenden Gesims Propheten sitzend dargestellt sind und durch die Öffnungen der Kuppelkappen grosse Engel, mit den Leidenswerkzeugen Christi in der Hand, in den Raums schweben. Diese Anordnung beeinflusste Michelangelos Deckenmalerei in der Cappella Sistina in Rom. Unsicher in der Zuschreibung, doch offenbar von Melozzo geprägt sind Malereien im Ducale-Palazzo Urbino (zur Hälfte in Urbino, zur Hälfte in Paris, Musée National de Louvre). Zu den Tafelbildern, die Melozzo zugeschrieben werden, zählen u.a. eine "Verkündigung" in S. Maria Rotonda in Rom, ein "Verkündigungsengel" und eine "Verkündigung Mariä" (Florenz, Galleria degli Uffizi).

Memhardt, Johann Gregor
(Memmert, Memmhard). * 1607 in Linz, Oberösterreich, + 1678; deutscher Architekt des Frühbarock. Ab 1650 stand er im Dienst des kurfürstlichen Hofs in Berlin. Die Struktur des Berliner Zentrums ging auf die Anordnung seiner Festungsanlagen (Wallstrasse, Spittelmarkt, Unter den Linden) zurück. Sein Hauptwerk, das Lusthaus mit Grotte und Belvedere Berlin im Lustgarten (1650; wie die meisten seiner Bauten zerstört), zeigte holländische Einflüsse, die am Berliner Hof dominierten. Erhalten ist die von Memhardt entworfene Parkanlage des Schlosses Oranienburg (1651-57) wie auch das Schloss selbst (1651-55), das später vergrössert wurde.

Memmert, Johann GregorMemhardt, Johann Gregor

Memmhard, Johann GregorMemhardt, Johann Gregor

Menéndez, Luis EugenioMeléndez, Luis Eugenio

Mengs, Anton Raphael
* 22.3.1728 in Aussig, Böhmen, + 29.6.1779 in Rom. Deutscher Maler, früher Vertreter des Klassizismus, erhielt von seinem Vater, einem Miniaturmaler und Akademiedirektor in Dresden, seine Vornamen nach Corregio und Raffael. Nachdem er mit zwölf Jahren in Rom nach Raffael kopiert hatte, erregte er 1744 in Dresden mit einer Reihe von Pastellbildnissen Bewunderung und wurde 1746 dort Hofmaler. Zwei Jahre später ging er wieder nach Rom, wo er zum Katholizismus übertrat und die Italienerin Margarita Guazzi heiratete. 1754 erhielt er hier ein Lehramt an der Accademia Capitolina. In Rom schloss Mengs Freundschaft mit dem deutschen Archäologen Johann Joachim Winckelmann und arbeitete mit ihm eine ästhetische Therorie aus, die sich auf die antike Kunst berief und von der der Neoklassizismus seinen Anfang nahm. Er selbst veröffentlichte 1762 die "Gedanken über die Schönheit und den Geschmack in der Malerei". 1761 hatte der das Deckenfresko "Der Parnass" in der Albani-Villa in Rom beendet, in dem er völlig mit den Stilprinzipien der barocken Freskomalerei brach: Statt untersicht und Verkürzung der Figuren wählte er die Perspektive des Staffeleibildes; kühle Farben und eine strenge Komposition ersetzten das warme, üppige Kolorit. 1761 folgte Mengs seinem Protektor Karl III., König von Spanien, nach Madrid, wo er Hofmaler wurde und, teilweise in extremem Wettstreit mit Tiepolo, Giovanni Battista, die Schlösser von Madrid (Real-Palacio Madrid) und Aranjuez I mit Deckengemälden und Altären schmückte. Daneben malte er im Vatikan ein Deckenfresko in der Camera dei Papiri (1769-72), kehrte dann nach Madrid zurück, wo er vor allem durch die Neuorganisation der königlichen Akademie weitestgehenden Einfluss auf alle künstlerischen Belange gewann. Zu seinen Lebzeiten als einer der bedeutendsten Maler Europas und als Kunstreformator geschätzt, fehlt seinen Fresken und mythologischen Bildern eine überzeugende Originalität. Am qualitätvollsten sind die Bildnisse Mengs´ in ihrer genauen Plastizität und repräsentativen Wirkung, so mehrere Selbstporträts und das berühmte Bildnis "Johann Joachim Winckelmann" (um 1761, New York, Metroplitan Museum of Art).

Mercurius
Römischer Gott des Handels und der Kaufleute.

Merian, Matthäus d.Ä.
Matthäus Merian d.Ä. wurde als Sohn eines Sägemühlenbesitzers und Tatsherrn am 22.9. 1593 zu Basel geboren. Im Jahre 1610 begann er seine Lehrzeit in der Werkstatt des Züricher Glasmalers und Kupferstechers Dietrich Meyer. Nach dieser führte ihn sein Weg während seiner Gesellenjahre nach Strassburg, Nancy, Chalon und Paris. 1616 finden wir ihn in Augsburg tätig, 1617 machte er sich in Oppenheim a. Rhein sesshaft. Hier heiratete er die Tochter des Johann Theodor de Bry, der zuvor eine Verlagsgesellschaft und Kupferstechereiwerkstatt geerbt hatte. Nach Ausbruch des Dreissigjährigen Krieges siedelte de Bry nach Frankfurt über, und damit trennen sich die Wege von Schwiegervater und Schwiegersohn. Nach der Eroberung Oppenheims kehrte Merian mit Frau und Kindern in sein Vaterstadt Basel zurück, wo er sofort sein Zunftrecht erneuerte. Im Jahre 1623, am 10. August, starb Merians Schwiegervater und danach liess sich Merian in Frankfurt nieder. Hier begann er mit der Herausgabe seiner berühmten Topographien der wichtigsten Städte Europas, vornehmlich Deutschlands. Am 19. Juni 1650 starb Matthäus Merian nach einem schaffensreichen Leben in Bad Langenschwalbach und wurde am 22. Juni 1650 auf dem St.-Peter-Friedhof in Frankfurt beigesetzt. Bei seinem Tode lagen bereits 10 Bände seiner Topographien vor. Seine Söhne Matthäus d.J. (1621-1687) und Caspar (1627-1686), die ihren Vater auch schon vor seinem Tode unterstützt hatten, setzten sein Werk fort.

Merian, Matthäus d.J.
* 25.3.1621 in Basel, + 15.2.1687 in Frankfurt a. Main. Deutscher Porträtstecher des Barock, Sohn von Matthäus Merian d.Ä., lernte zunächst von Joachim von Sandrart, 1639 dann bei Anthonis van Dyck in London sowie 1641 in Paris bei Simon Vouet und Philippe de Champaigne. Ab 1650 setzte er das "Theatrum Europaeum" seines Vaters fort mit Radierungen nach selbstgemalten Bildnissen. Neben den vielen Porträts (u.a. Bildnis eines Nürnberger Patrizier-Ehepaares, 1645, München, Bayerisches Nationalmuseum) entstande

MerkurHermes

Merlini, Domenico
* 22.2.1730 in Castello di Vasold bei Lugano, + 20.2.1787 in Warschau. Italienischer Architekt des frühen Klassizismus in Polen, arbeitete nach seiner Lehre bei Jacopo Fontana in Warschau als Hofarchitekt ab 1764 hauptsächlich für König Stanislaw August Poniatowski. Für den Umbau des Königsschlosses in Warschau I entwarf er zusammen mit Kamsetzer, Johann Christian die Kapelle und den Audienzsaal, Ballsaal, Rittersaal und Thronsaal (1744-84; nach Zerstörung im 2. Weltkrieg wiederaufgebaut) sowie die Bibliothek (1780-84). Als schönstes Beispiel des polnischen Klassizismus gilt Merlinis Lazienki-Palast in Warschau, das 1784-88 als Umbau eines Vorgängerbaus entstand. In der stark gegliederten Fassade mit reichem Schmuck (korinthischen Pilastern, detailreichen Fensterumrahmungen) zeigen sich noch Formen des Spätbarock. Im Lazienki-Park schuf Merlini ausserdem das Weisses Haus Lazienki-Park, die Orangerie Lazienki-Park mit dem Theater und das zum Teil ebenfalls noch vom Barock beeinflusste Myslewice-Palais.

Metezeau, Clement
(auch Jacques Clement M., * 6.2.1581 in Dreux, + (begraben) 29.10.1652 in Paris). Französischer Architekt des frühen Barock, Bruder von Metezeau, Louis. Er war vielleicht der bedeutendere Architekt. Stilistisch steht er zwischen Brosse, Salomon de und Le Vau, Louis; er entwarf die Place Ducale in Charleville (1610), das Portal von Saint-Gervais, Paris(1616), die Orangerie des Louvre-Palais, das Brienne-Hotel und das Meilleraye-Chateau (ca. 1630). Um 1615 arbeitete er mit Brosse, Salomon de an dem von diesem entworfenden Luxembourg-Palais in Paris; schon 1611 war er von Maria de`Medici nach Florenz geschickt worden, wo er, wahrscheinlich für die Vorbereitung dieses Baus, Zeichnungen vom Pitti-Palazzo machte; allerdings hat es nicht den Anschein, als habe Brosse, Salomon de diese Zeichnungen verwendet. Mit de Brosse arbeitete er auch an der Fassade von St-Gervais in Paris (1616-21), dem ersten Beispiel einer dem entwickelten Classicisme zuzurechnenden Kirchenfront; zuweilen wird Metezeau sogar der Entwurf zugeschrieben. Darüber hinaus errichtete er u.a. das Longueville-Hotel in Paris.

Metezeau, Louis
Um 1560 in Dreux, + 18.8.1615 in Dreux. Französischer Architekt des Frühbarock Arbeitete als Architekt eng mit den Du Cerceaus, Baptiste Androuet zusammen, die unter Heinrich IV. in Paris bauten. Dabei sind vor allem die Place de Vosges (ab 1603) zu erwähnen und die Arbeiten am Louvre-Palais wahrscheinlich hat Metezeau die Süd-Fassade der Grossen Galerie entworfen und auch an der Innenausstattung der Kleinen Galerie, des Antikensaales und der Grossen Galerie (1601-08) mitgewirkt. In Zusammenarbeit mit Duperac gestaltete er die Innenausstattung des Jean-de-Fourcy-Hotel}in Paris (1601).

Metz, BernhardMetz Johann Nepomuk

Metz, Johann Nepomuk
Stukkateur, nachweisbar um 1750 bis 1780. Die Gebrüder Bernhard und Johann Nepomuk Metz stammen aus Attendorn im Sauerland. Bernhard hatte dort im Jahre 1784 das Amt des Bürgermeisters inne. Johann Nepomuk starb siebzigjährig in Attendorn im Jahre 1804. Neben der Mitarbeit an der Innendekoration des Residenzschlosses in Münster (Münster III) gehört zu den wichtigen Werken auch das Schloss Schwarzenraben. Die Gebrüder Metz waren stilistisch der französischen Schule Jacques Francois Blondels verpflichtet.

Meulen, Adam Frans van der
* 11.1.1632 in Brüssel, + 15.10.1690 in Paris. Flämischer Schlachtenmaler und Landschaftsmaler mit Vorliebe für die Darstellung von Pferden. 1664 ging er nach Frankreich und wurde Hofmaler Ludwig XIV., den er auf seinen Reisen und Feldzügen begleitete. Zahlreiche topografische Aufnahmen wurden in Gemälden und für Gobelins verwendet ("Die Armee Ludwig XIV. vor Tournai", Brüssel, Musées Royaux des Beaux-Arts).

Michael of Canterbury
Baumeister, um 1300 tätig; zuerst an der Kathedrale von Canterbury und dann als erster Baumeister an der St. Stephen`s Chapel (begon. 1292) im Westminster Palace in London, deren Entwurf vermutlich von ihm stammt. Ein Walter of Canterbury leitete 1322 Arbeiten am Palast. Ein Thomas of Canterbury arbeitete 1324 unter ihm und wurde, vermutlich nach Michales Tod, 1331 mit der Leitung der Arbeiten an der St. Stephen`s Chapel betraut. Thomas ist wahrscheinlich 1336 gestorben.

Michel, ClaudeClodion

Michelangelo
(1475-1564). Bildhauer, Maler, Dichter und einer der grössten Architekten aller Zeiten, inbegriff des genialen Künstlers - ungesellig, misstrauisch, unordentlich, von seiner Arbeit besessen und krankhaft stolz. Er war das genaue Gegenteil des Frührenaissance-Ideals vom vollkommenen Menschen, das so grossartig von Alberti und Leonardo da Vinci verkörpert wurde. Michelangelo war von einem tiefen, mystischen Glauben erfüllt, rang aber mit den Konflikten und Zweifeln, die die Gegenreformation hervorrief. Wie in seinem Leben, so lehnte er auch in seiner Kunst als Postulate der Renaissance ab und gestaltete alles von Grund aus um, womit er in Berührung kam. Auf keinem Gebiet übte er einen so tiefen und langandauernden Einfluss aus wie in der Baukunst. Er fand eine neue Formensprache der Ornamentik, neue Prinzipien einer dynamischen Bauordnung und ein völlig neues Verhältnis zum Raum. Seine wenigen theoretischen Aufzeichnungen und seine Zeichnungen zeigen, dass er ein Bauwerk als etwas organisch Gewachsenes auffasste, das in Beziehung zu der Bewegung des Betrachters stehen muss. Er arbeitete lieber nach Tonmodellen als nach perspektivischen Zeichnungen und scheint überhaupt vor dem ausgefeilten Entwurf zurückgescheut zu sein, der so hätte ausgelegt werden können, als habe der Baumeister seine Planungen beendet. Während das Bauwerk hochgeführt wurde, nahm er gewöhnlich beträchtliche Abänderungen seines ursprünglichen Planes vor. Aus diesem Grunde lässt sich heute überhaupt nichts Genaues mehr darüber sagen, wie seine vielen unvollendeten Werke ausgesehen hätten, wenn sie von ihm zu Ende geführt worden wären, oder welche endgültige Gestalt er jenen Entwürfen gegeben hätte, die im Stadium der Zeichnung steckengeblieben sind, wie die Fassade von S. Lorenzo in Florenz (1516) oder die als Zentralbau geplante Kirche S. Giovanni die Fiorentini in Rom (1556-60). Michelangelos erstes Werk als Architekt ist die Fassade der Kapelle Leo`s X. in der Engelsburg Roma (1514). Seinen ersten grösseren Auftrag erhielt er 1515 mit der Fassade von Brunelleschis (Brunelleschi, Filippo) S. Lorenzo in Florenz; er fasste sie als einen kunstvollen Rahmen für überlebensgrosse Skulpturen auf. 1520, noch bevor sein Entwurf für S. Lorenzo endgültig aufgegeben wurde, erhielt er den Auftrag, die Grabkapelle der Familie Medici in der Neuen Sakristei derselben Kirche, von der schon grosse Teile standen, zu vollenden. Er lieferte einen kühnen Entwurf, in dem zum ersten Mal mit der absoluten Herrschaft der antiken Ordnungen vollkommen gebrochen wurde. Aber das Neue seines Entwurfes wird weniger in den groben Verstössen gegen die von der antiken Baukunst abgeleiteten Regeln als vielmehr in der revolutionären architektonischen Auffassung, die zu diesem Verstoss führte, offenbar. Er betrachtete die Wand nicht als träge, inaktive Fläche, deren Oberfläche mit Ornamenten geschmückt werden muss, sondern als lebendigen, vielschichtigen Organismus. Dies ist der Grund für die aussergewöhnliche Form der Nischengliederung mit ihrem merkwürdigen Aussparungen und Rücksprüngen. Die Tatsache, das Michelangelo diese Details erst während der Bauarbeiten an der Sakristei entwickelte, erklärt die vielen Widersprüche. Die Arbeiten wurden 1534 fortgesetzt, der Bau wurde aber nie vollendet und zeigt noch heute im Grossen und Ganzen den damaligen Zustand. 1534 erhielt Michelangelo den Auftrag, eine Bibliothek für S. Lorenzo – die berühmte Bibliotheka Laurenziana (Entwurf des Lesesaals1525, des Vorraums 1526) – zu errichten. Die Lage des Baus und statische Gründe bestimmten die ungewöhnliche Form der Bibliothek und setzten der Wandstärke Grenzen. Michelangelo wandelte diese Beschränkungen in einen Vorteil, indem er Funktion und Dekoration zu vorher nie erreichter oder auch nur vorstellbarer Einheit verschmolz. Er benutzte Pilaster, die bis dahin als rein dekorative Elemente der konstruktiv tragenden Wand vorgeblendet worden waren, als Stützen für die Decke. Die von den Pilastern getragenen Querbalken der Decke werden in Mosaik auf dem Boden wiederholt, so dass das Auge auch perspektivisch sich verkürzende, querrechteckige Felder in die Tiefe des langen Raumes gezogen wird. Michelangelo schuf im Vorraum, wo er die Senkrechte betonte, bewusst einen Gegenpol zu diesem langgestreckten Büchersaal. Die Säulen sind im Vorraum wie Statuen in Nischen gesetzt, so dass sie rein dekorativ wirken, obwohl sie in Wirklichkeit das Dach tragen. Andere Motive sind nicht weniger regelwidrig: blinden Fenstern ist eine Ädikula-Rahmung, deren Pilaster sich zur Basis hin verjüngen, vorgeblendet; die Konsolen tragen nichts, die Treppe fällt geben jede Regel in einer gleitenden Bewegung von der Bibliothek zum Niveau des Eingang ab, Figurenschmuck fehlt, doch ist der ganze Raum plastisch behandelt, als wäre er eine Skulptur. Von 1528-29 wurde Michelangelo mit Arbeiten an den Befestigungsanlagen von Florenz I betraut, die mehr wie Angriffswerke als wie Verteidigungsbauten wirken, eine für ihn höchst bezeichnende Umkehrung. 1534 verliess er Florenz und ging für immer nach Rom. Seine erster Auftrag dort war die Neugestaltung des Kapitols. Die Aufgabe bestand darin, einen angemessenen Rahmen für das antike Reiterstandbild des Kaisers Marc Aurel und einen imposanten Platz für Zeremonien im Freien zu schaffen (beg. 1539). Er schrieb dem Platz ein Oval ein, eine in der Renaissance hier erstmals angewandte Grundform, und entwarf neue Fassaden für den Konservatorenpalast und den Senatorenpalast (beide erst nach seinem Tod vollendet). Diese Entwürfe waren überraschend neuartig. So verwendete er z.B. eine zwei Stockwerke umfassende Kolossalordnung, eine Gestaltungsforem, die bald Allgemeingut werden sollte. 1546 wurde Michelangelo beauftragt, den von Sangallo, Antonio da begonnenen Palazzo Farnese (Farnese-Palazzo Rom) zu vollenden. Er machte aus der unfertigen Fassade eine der eindrucksvollsten Roms, entwarf die oberen Geschosses des Hofes ganz neu und plante einen grossen Garten, der die Verbindung zwischen dem Palast und der Farnesina-Villa am gegenüberliegenden Tiberufer herstellen sollte (nicht ausgeführt). Mit dem Plan dieser grossartigen Sichtachse und mit seinem Entwurf für die Porta Pia (1561-65) am Ende einer vom Quirinal kommenden neuen Strasse nahm er die prinzipien barocker Stadtplanung vorweg. Sein bedeutendster Auftrag in Rom war natürlich die Vollendung der Peterskirche (1546-64). Hier stand er vor der Aufgabe, ein von Bramante, Donato begonnenes und von Sangallo, Antonio da weitergeführtes Bauwerk fertigzustellen. Er griff auf Bramantes Zentralbau-Plan zurück, gestaltete ihn aber kühner und kragtvoller und liess einen Teil der Anbauten von Sangallo abreissen. Am Aussenbau ist Michelangelos Werk nur am Nord- und Südquerschiff und am Tambour der Kuppel zu erkennen. (Die Kuppel selbst stammt von della Porta und unterscheidet sich grundlegend von Michelangelos Modell.) Das Innere wurde im 17. Jh. vollkommen verkleidet. Obwohl Michelangelos Entwürfe vielfach angeändert wurden, ist die Kirche in ihrer heutigen Form von Michelangelo stärker als von irgendeinem der anderen Architekten geprägt. In seinen letzten Lebensjahren entwarf Michelangelo die Capelle Sforza in S. Maria Maggiore, Rom (ca. 1560), die über einem kunstvollen, durchdachten Grundriss nach seinem Tod im grossen und ganzen entsprechend seinem Entwurf ausgeführt wurde; er lieferte auch Entwürfe für die Umgestaltung der Mittelhalle der Diokletiansthermen zur Kirche S. Maria degli Angeli (1561); aber hier wurde sein Werk im 18. Jh. völlig überarbeitet. Michelangelos Laufbahn als Architekt ist voller Enttäuschungen gewesen. Bei seinem Tode war keines seiner Werke vollendet, dennoch war sein Einfluss ungeheuer. Die Architekten des Manierismus übernahmen von ihm dekorative Details, die allmählich europäisches Allgemeingut wurden. Doch erst im 17. Jh. waren die Architekten fähig, seine dynamische, dreidimensionale Behandlung grosser Wandflächen zu verstehen und ihm nachzueifern. Es ist bezeichnend, dass sein wahrer Erbe wieder ein Bildhauer-Architekt war, nämlich Bernini.

Michelozzo di Bartolommeo
(1396 in Florenz, + 7.10.1472 in Florenz. Ital. Bildhauer und Architekt, zählt zu den bedeutendsten Vertretern der Florentiner Frührenaissance (Renaissance). In einer Urkunde von 1410 wird Michelozzo als Stempelschneider an der Florentiner Münze erwähnt. Sein Stil zeichnet sich durch äussere Eleganz und Anmut aus, wenn auch seine Begabung nicht an die seiner grossen Zeitgenossen Donatello und Brunelleschi, Filippo heranreicht. Er wurde in Florenz als Sohn des aus Burgund stammenden Bartolommeo di Gheradrdo geboren, war 1417-1424 Mitarbeiter von Ghiberti, Lorenzo und teilte sich 1425-33 mit Donatello eine Werkstatt, in der bedeutende Werke der Grabmalkunst entstanden, wie das Grabmal des Baldassare Coscia im Florentiner Baptisterium, das Brancacci-Grab in S. Angelo a Nilo in Neapel und Aragazzi-Grab im Dom von Montepulciano, das von Michelozzo wahrscheinlich allein ausgeführt wurde. Das letzte Gemeinschaftswerk von Michelozzo und Donatello war die Aussenkanzel am Dom in Prato. 1434 begann er, sich mit der Baukunst zu beschäftigen und wurde 1446 Nachfolger Brunelleschis (Brunelleschi, Filippo) als Dombaumeister von Florenz; wie ja auch sein Baustil von dessen Formensprache geprägt war. Seine ersten bedeutenden Werke schuf er für die Familie Medici. Um 1433 baute er den schönen Innenhof und die Loggia ihrer burgartigen Villa in Careggi (Medici-Villa Careggi). Elf Jahre (1444) später begann er den Medici-Riccardi-Palazzo in Florenz, den ersten Palastbau der Renaissance für Cosimo de` Medici, eines seiner Hauptwerke (ab 1715 erweitert). Über einem derb rustizierten Sockelgeschoss erheben sich 2 Stockwerke, deren Rustikaquader mehr geglättet sind. Gekrönt wird das Bauwerk von einem weit ausladenden Kranzgesims. Hinter dieser abweisenden, beinahe festungsartigen Front verbirgt sich ein Arkadenhof mit schlanken Säulen, dessen Anlage auf Brunelleschis (Brunelleschi, Filippo) Ospedale degli Innocenti in Florenz zurückgeht. Dieser mächtige Renaissancepalast entsprach Brunelleschis Prinzipien der Symmetrie und der mathematischen Anordnung. In Florenz war Michelozzo ferner an Umbauten der Vecchio Palazzo Florenz und der Zecca beteiligt und arbeitete auch für das Kloster S. Marco, für das er die Sakristei (1437-43), den Kreuzgang und die wohlausgewogene Bibliothek (1441) schuf. Michelozzo di Bartolommeos Villa Medici in Cafaggiolo (1451) zeigt wiederum festungsartige Züge; ganz anders die Medici-Villa Fiesole (1458-61), ein Bau von hoher Anmut und Eleganz. und 1455 entwarf er den Rundchor und die Sakristei von SS. Annunziata in Florenz. Der Rundbau, von Alberti vollendet, ist zweifellos von Brunelleschis (Brunelleschi, Filippo) S. Maria degli Angeli beeinflusst, aber noch stärker hat ein altrömischer Bau, der Tempel der Minerva Medica, auf sie gewirkt. Michelozzos Rundbau ist der erste ausgeführte Zentralbau der Renaissance und entspricht dem Verlangen nach der Wiederholung einer Bauform der Antike wie auch der Vorliebe für den Kreis als das Symbol des Universums und der Ewigkeit. In Pistoia errichtete Michelozzo die kleine Kirche S. Maria delle Grazie (1452); hier griff er auf die frühchristlichen und byzantinischen Form des über einem quadratischen Grundriss errichteten Baues mit zentraler Kuppel zurück, um die sich an den vier Ecken die Kuppeln der Nebenkapellen gruppieren. Um 1462 hielt sich Michelozzo in Mailand auf, wo er wahrscheinlich mit Arbeiten für die Medici-Bank (Medici-Palazzo Mailand) betraut war. Er errichtete auch die Portinari-Kapelle (Familie aus Florenz) in S. Eustorgio in Mailand (ca. 1462), die Brunelleschis (Brunelleschi, Filippo) Sakristei von S. Lorenzo in Florenz stark verpflichtet ist. Mit dieser Kapelle, die zwar Teil der Basilika S. Eustorgio ist, aber einen eigenständigen Bau darstellt, machte Michelozzo den Stil der Renaissance in der Lombardei bekannt. Es steht nicht genau fest, ob der Entwurf ausschliesslich von Michelozzo stammt, da Farbe und Dekor des Baus sich deutlich von der für Michelozzo typischen Art abheben. Die Kapelle ist als Zentralbau angelegt, auf quadratischem Grundriss mit einer von Pendentifs getragenen Kuppel und an den Ecken mit minarettähnlichen Türmchen. Von 1462-63 hielt er sich in Dubrovnik auf, wo er den Rektorenpalast und Fort Bokar entwarf. Michelozzo fand in seiner Architektur eine Verbindung von traditionellen mit neuen Formen. Er fügte Elemente der Gotik und Renaissance zu einem eigenständigen Ganzen zusammen. .

Midas
Sohn des Königs Gordios von Phrygien und der Kybele. In der Sagenwelt gilt er vor allem als der König, dessen Berührung alles zu Gold verwandelt; Schiedsrichter in einem Wettstreit zwischen Apoll und Pan (Faunus). Die Darstellungen zeigen ihn gewöhnlich von Dionysos (Bacchus) kniend oder im Fluss Paktolos badend. Gelegentlich ist er auch mit Eselsohren versehen, die ihm der Gott Apoll zur Strafe gab.

Mignard, Nicolas
(auch Mignard d`Avigon). * 7.2.1606 in Troyes, + 20.3.1668 in Paris. Franz. Maler, Tapisseur und Radierer von Altarbildern und berühmten zeitgenössischen Porträts ("Ludiwg XIV. als junger Mann, 1659, Toulouse, Sammlung Gilbert Cauves; "Der Grand Dauphin mit seiner Familie", um 1668, Paris, Musée National du Louvre). Nach einem Rom-Aufenthalt brachte Mignard in den Ausmalung der unteren königlichen Zimmer der Tuileries den Freskenstil der Carracci nach Frankreich.

Mignard, Pierre II
* 1640 in Avignon, + 1725 in Paris. Französischer Maler, Bildhauer und Architekt, Neffe von Mignard, Pierre I, studierte in Italien. Aufträge führte er u.a. in Avignon aus (Pläne für Chor und Kuppel der Kathedrale, ein "Selbstbildnis" sowie Terrakottareliefs, Avignon, Musée Calvet). Ab 1669 nahm er die Kunstdenkmäler der Provence und des Languedoc auf.

Mills, Robert
* 1781 in Charleston, South Carolina, +1855 in Washington D.C.; amerikanischer Architekt und Ingenieur des Klassizismus, repräsentiert als einer der ersten in Amerika geborenen und ausgebildeten Architekten mit seinen historisierenden Bauten (z.B. ehemaliges State House Washington mit Kuppel und halbkreisförmigem Portikus) den Stil der jungen aufstrebenden amerikanischen Nation. In seiner Architektur bezog er hauptsächlich griechisch-antike (Greek-Revival), palladianische (Palladianismus) und gotische Elemente mit ein. Für seine Kirchenbauten verwendete er oft zentralisierte Grundrisse (Monumental Church, Richmon, Virginia, 1812; weitere Zentralbauten in Philadelphia). Hauptwerke seines griechisch-antikisierenden Stils sind das Washington-Denkmal in Baltimore in Maryland (1814-1829), das Treasury-Building in Washington D.C. (1836-42) und das Washington-Denkmal in Washington (1836 als dorische Rotunde mit einem 155 m hohen Oberlisken entworfen). Neben herrschaftlichen Villen im Stil von Palladio, Andrea (Country Record Building, Charleston, South Carolina) entwarf er auch Reihenhäuser, Gefängnisgebäude und Heilanstalten (Columbia Lunatic Asylum, 1822; Mills "feuerfestes" Haus).

Milner, Edward
Englischer Gartenbauarchitekt. Schuf zusammen mit Weyhe, Maximilian Friedrich die Gartenanlagen von Schloss Anholt I.

MinervaAthene

Minerva
Römische Göttin der Handwerker und der Künste.

Minotaurus
Sohn der Pasiphae, Gemahlin des Königs Minos, und eines Stieres, den Poseidon (Neptun) schickte. Grauenvolles Ungeheuer, dem jedes Jahr sieben Knaben und sieben Mädchen aus Athen geopfert werden mussten. Der Minotaurus ist als stierköpfiges Ungeheuer mit einem Menschenkopf oft zusammen mit dem Helden Theseus abgebildet, der ihn mit Hilfe der kretischen Königstochter Ariadne bezwingt.

Mique, Richard
(getauft) 18.9.1728 in Nancy, + 8.7.1794 in Paris. Französischer Architekt des Louis-seize (Rokoko), stammte aus einer lothringischen Architektenfamilie, und war der letzte Hofarchitekt der in Versailles gearbeitet hat. Er erhielt seine Ausbildung bei Jacques-Francois Blondel in Paris. Seine ersten grossen Aufträge erhielt er am Hof des ehemaligen polnischen Königs Stanislaw Leszczynski in Lothringen, der ihn in den Adelsstand erhob. Hier baute er u.a. die Porte St.-Stanislaus und Ste-Catherine. Nach dem Tode von Stanislaus 1766 Rückkehr nach Paris. Er kam in den Dienst König Ludwigs XV. und erhielt durch die Protektion Marie-Antoinettes die bedeutende Stellung eines architecte du roi. 1767-72 Bau des Ursulinenklosters in Versailles, heute Lycee Hoche. Die Klostergebäude zeigen einen zurückhaltend-eleganten Stil, die Kirche ist sichtlich von der Rotunda-Villa von Palladio, Andrea angeregt. 1775 schuf Mique die Karmeliterkirche in Saint-Denis (heute Justice de Paix) mit einem ionischen Portikus und einer kleinen Kuppel. Im selben Jahr wurde er Gabriels (Gabriel, Jacques-Ange) Nachfolger als Erster Architekt Ludwigs XVI. Mique starb als Anhänger des Königtums unter der Guillotine. Für Marie-Antoinette errichtete er ausser der Kapelle in Versailles (1767 bis 1772) verschiedene Gebäude im Park von Versailles, wie den Hameau (das Dörfchen der Königin, das als Schauplatz des sentimentalen späten Rokoko sein bekanntestes Werk wurde), das Belvedere, das Theater beim Petit Trianon und den Liebestempel (Temple de L`Amour). Eingebettet in pittoreske Gartenarchitektur und dem höfischen Geschmack entsprechend, dienten sie dem Königshaus als ländliches Idyll. Mique gestaltete ausserdem die Petits Appartements von Marie-Antoinette im Schloss neu (Cabinet doré und Bibliothek, 1785-90).

Mitsunobu, Kano
* um 1561/65 in Kioto, + um 1602/08 in Kuwana. Japanischer Maler, ältester Sohn von Eitokus Kano, dem er bei der Dekoration des Schlosses Azuchi assistierte und dessen Nachfolger als Leiter der Kano-Schule er wurde. Seine Hauptaufgabe war 1600 die Ausschmückung des Kangatu-in am Kloster Miidera von Otsu. Sein Stil zeigt Verfeinerung und Naturalismus, aber auch einen gewissen Verlust an kompositorischer Grösse und Kraft. Umstritten ist, ob er die Schiebetüren im Dai Shoin des Myho-in in Kioto schuf.

Mnesikles
Tätig 1. Hälfte des 5. Jh. v.Chr. Altgriechischer Architekt der Hochklassik unter Perikles, plante und bauten zwischen 437 und 432 v.Chr. die Propyläen, sein einziges bekanntes Werk. Mnesikles` Fortschrittlichkeit beim Bau dieser mächtigen Toranlage an der Westseite der Athener Akropolis lag in der Kombination von Halle, Propylon und Tempelfront unter Verwendung ionischer und dorischer Ordnungen.

Moiren
(röm. Parzen). Nach Hesiod die Tochter von Zeus (Jupiter) und Themis; nach Hesiod auch Töchter der Nacht. Göttinnen der Vorsehung oder des Schicksals. Die drei Moiren oder Parzen treten stets als Gruppe auf und sind in der Regel als betagte Frauen dargestellt, die in der Unterwelt den Lebensfaden der Menschen spinnen und bemessen.

Moller, Georg
* 22.1.1784 in Diepholz, Niedersachsen, + 13.3.1852 in Darmstadt; deutscher Architekt, Vertreter des romantischen Klassizismus, schuf als hessischer Hofbaumeister zahlreiche Kirchen und Profanbauten (St. Ludwig in Darmstadt, 1822-38, nach Zerstörung 1944 wiederaufgebaut; Schloss in Wiesbaden II, 1833-35, heute Landtag). Trotz seiner stets klassizistisch gehaltenen Bauten war Mollers denkmalpflegerische Tätigkeit auch durch seine 1815-44 entstandene Schrift "Denkmäler der deutschen Baukunst" wichtig für di

Monferran, Avgust AvustovicMontferrand, Auguste Ricard de

Monnoyer, Jean-Baptiste
* 21.1.1636 in Lille, + 16.2.1699 in London. Französischer Maler dekorativ-pompöser Stilleben unter dem Einfluss der italienischen Stillebenmalerei. Im Vaux-Le-Vicomte wie in Versailles, im Stadtpalast Lauzun-Hotel wie im Grand Trianon befinden sich Blumendekorationen von seiner Hand.1685 ging Monnoyer nach England und dekorierte die königliche Residenz in Kensington (Kensington Court Palace). Charakteristisch für seine theatralisch aufgebauten Stilleben ist das Bild "Blumen und Teppiche" (Nancy,

Mont, Hans de
* um 1540 bis 1545 in Gent. Er war in Florenz Schüler des berühmten Bologna, Giovanni da, der ihm dem Kaiser empfahl. Mit seinem Freund Spranger, Bartholomäus hatte Mont am Wiener Neugebäude gearbeitet. Anfang 1580 verliess er Prag und hielt sich danach in Ulm, im Frühjahr 1582 in Italien auf. Es ist möglich, dass er zwischen 1583 und 1584 erneut in Wien war und von dort nach Bučovice ging. Leider liegen hierfür bisher keine Schriftquellen vor. Bekannt ist, dass de Mont später in die Türkei ging, wo er zum Islam übergetreten sein soll und vor 1607 gestorben sein muss.

Montelius, Oscar
Am 9.9.1843 in Stockholm geboren. Er begeisterte sich bereits als junger Mensch für die Vorgeschichtsforschung und trat im Alter von 20 Jahren in den Museums- und Staatsdienst als Assistent am Stockholmer Statens Historika Museum ein. Die intensive Beschäftigung mit Fundgegenständen aus weiten Teilen Europas, aber auch aus Ägypten und dem Orient sowie das Suchen nach Kriterien für deren Ordnung prägten sein Schaffen. Montelius hat als erster die Methoden, mit denen man zu einer genauen relativen oder absoluten Datierung gelangen kann, deutlich gegeneinander abgewogen und aus ihnen zusammen ein neues System geschaffen. Ihm verdankt die Forschung die Unterteilung der Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit in verschiedene Perioden, der bis heute eine hohe Bedeutung zukommt. Montelus starb am 4.11.1921 an einer Lungenentzündung in Stockholm.

Montferrand, Auguste Ricard de
(russ. Monferran, Avgust Avustovic, eigentl. Auguste Ricard). * 24.1.7186 in Chaillot bei Paris, + 11.7.1858 in St. Petersburg; französischer Architekt des Spätklassizismus, ging 1816 als Zeichner nach St. Petersburg. 1817 erhielt er aufgrund von verschiedenen historischen Entwürfen den Auftrag, die dortige Isaakskathedrale fertigzustellen (1819-58). Er übernahm die ursprüngliche Planung einer Fünfkuppelkirche über dem Grundriss eines griechischen Kreuzes. Das klassizistische Äussere zitiert das Pantheon in Rom. Die monumentale Zentralkuppel hat wenig Verbindung zu den übrigen Baugliedern; ebenso steht der Figurenschmuck aus durchmodellierten, lebhaften Statuen im Gegensatz zur statischen Architektur, so dass die Kirche vor allem durch ihre Grösse und die Kostbarkeit der verwendeten Materialien beeindruckt. Ein weiteres Grossprojekt Montferrands war die Errichtung der Alexandersäule vor dem Winterpalast St. Petersburg (1829). Daneben schuf er einige Paläste (Lobanov-Rostovskij-Palais, 1817-20; Demidov-Palais, 1850, beide in St. Petersburg) und arbeitete an der Innenausstattung des Winterpalast St. Petersburg mit.

Montoyer, Louis Joseph
* um 1749 in Mariemont, Hennegau, + 5.6.1811 in Wien. Niederländischer Architekt, errichtete französisch beeinflusste spätklassizistische Bauten. Ab 1778 arbeitete er in Brüssel, wo er u.a. das Schloss Laeken (1782-84), das Théatre du Parc (1782) und die Kirche St. Jakob entwarf (1785-87; zusammen mit Barnabé Guimard de la Brabe). Ab 1795 in Wien, erweiterte er ein Barockpalais für die Kunstsammlung seines Gönners, Herzog Alberts von Sachsen-Teschen, zur Albertina (Erzherzog-Albrecht-Palais, 1802-04, später verändert) und schuf den Rittersaal der Hofburg Wien II (1804-07). Sein Hauptwerk ist das Rasumofsky-Palais (1806-07; heute Geologische Bundesanstalt), der erste französisch beeinflusste spätklassizistische Bau Wiens.

Mora, Francisco de
* 1553 in Cuenca, + 3.8.1610 in Madrid. Spanischer Architekt des Manierismus, Onkel von Moras, Juan Gómez de, Schüler von Herrera, Juan de und ab 1583 dessen Gehilfe bei der Ausarbeitung der Projekte für den Alcázar (Segovia I) und die Münze in Segovia. 1591 wurde er zum Hofbaumeister ernannt. Seine Bautätigkeit beschränkte sich auf dei Gegend von Valladolid und Madrid. In der Kirche S. Bernabé in El Escorial de Abajo (ab 1594) folgte er ganz dem von seinem Lehrer geprägten Desornamentadostil. Seine Bauten setzten sich aus einfachen geometrischen Formen zusammen, wobei ihre Fassaden auf jedes "überflüssige" Gliederungselement oder Ornament verzichten. In der Verwendung von Granit als kostbarem Baumaterial stellte Mora seine Werke in die Tradition der königlichen Bauten. Der Einfluss der italienischen Architekturtraktate, vor allem von Serlio, Sebastiano und Vignola, Gicacomo da, spiegelt sich in seinem Werk wieder, so in den Plänen für den Palast von Lerma (1603, zerstört).

Mora, Juan Gómez de
(getauft) 26.5.1586 in Cuenca, + 28.2.1648 in Madrid. Spanischer Architekt des Frühbarock, Neffe und Schüler von Mora, Francisco de und wie dieser geprägt vom Desornamentadostil des Escorial. Er wurde königlicher Hofbaumeister Philipps III. und stattete Madrid nach der Erhebung zur Residenzstadt (1606) mit bedeutenden Bauten aus, wobei alle Repräsentationsbauten ein einheitliches Aussehen erhielten. Dem mittelalterlichen Alcázar (Real-Palacio Madrid) wurde 1612-30 eine breit lagernde, durch klaren Rationalismus geprägte dreigeschossige Fassade vorgeblendet. Mit dem Bau der Cárcel de la Corte (1617-1619) und des Rathauses wirkte Mora typenbildend für die späteren Adelspaläste Madrids (Ziegelbauten mit vorgelegtem Granit-Blendrahmen, schlichter Unterteilung durch Lisenen, Zweifarbigkeit der Fassaden). Der mächtige Saalbau der Jesuitenkirche La Clerecia in Salamance (1617) und die ovale Kirche der Bernardas in Alcalá de Henares (1617-26) sind weitere Beispiele des pluralistischen Stils von Mora. 1617-20 entstand die Plaza Mayor In Madrid, ein grosses Platzrechteck mit Portikusumgang und dreigeschossigen Gebäuden.

Morandi, Antonio di Bernardino
(Morando, auch Terribilia, Trebilia). + 1568. Italienischer Architekt, stand stark unter dem Einfluss von Michelangelo, Giacomo da Vignola sowie Andrea Palladio und neigte zu steifen, linearen Entwürfen. Zu seinen Werken zählen das Kloster S. Procolo (1536), der Kreuzgang von S. Giovanni in Monte (1545-48), der Bonasoni-Palazzo und er Marconi-Palazzo (1549-1564) und das Universitätsgebäude Archiginnasio (1562-63), alle in Bologna.

Morando, Antonio di BernardionMorandi, Antonio di Bernardino

Moreau, Charles vonMoreau, Karl von

Moreau, Karl von
(Charles). * 1758 in Paris, + 3.11.1840 in Wien. Französischer Architekt, auch Maler, entwarf, ausgehend vom Klassizismus der französischen Revolutionsarchitektur, blockhaft strenge Bauten mit betonter Horizontalgliederung (Palffy-Palais Wallnerstrasse in Wien, 1809-13; heute allgemeines Verwaltungsarchiv). Beim Gebäude der Nationalbank (1819-23, Wien, Herrengasse) kontrastierte er die glatten Mauerflächen mit stark profilierten, grossflächigen Dekorationselementen in den Fensterbekrönungen. Moreaus Palaisbauten hatten als vorbildhafte Lösungen grossen Einfluss auf dei Entwicklung der Biedermeierarchitektur in Wien, vor allem auf deren Hauptvertreter Josef Kornhäusel.

Moreelse, Paulus Jansz.
* 1571 in Utrecht, + vor dem 19.3.1638 in Utrecht. Niederländischer Maler und Architekt des Manierismus, erhielt seine Ausbildung bei Michiel Jansz. van Miereveld und anschliessend in Rom (1597-1601). Nach Historienbildern und Genrebildern, z.B. "Der Tod der Lukretia" (1612, Utrecht, Centraal Museum), widmete er sich später immer mehr dem Porträt, z.B. "Herzogin Hedwig von Braunschweig mit ihren drei Kindern" (1601, Dijon, Sammlung Stephanovitch). Zu seinen besten Werken zählten seine Kinderbildnisse wie "P

Morris, Robert
(1701-1754). Verwandter von Morris, Roger, Architekturtheoretiker. Er schrieb u.a. "An Essay in Defence of Ancient Architecture" (1728), "Lectures on Architecture" (1734) und das nachgelassene Werk "Select Architecture" (1755), das grossen Einfluss ausübte, z.B. auf Jeffersons (Jefferson, Thomas) Landhaus Monticello oder auf den deutschen Klassizisten Herigoyen, Emanuel Joseph von.

Morris, Roger
* 19.4.1695 in London, + 31.1.1749. Englischer Architekt, arbeitete mit Campbell, Colin und Pembroke, Henry Herbert Earl of (9. Earl of Pembroke, 1693-1751), einem Amateurarchitekten, dessen Anteil an den Entwürfen schwer bestimmbar ist, zusammen. Einer der begabtesten und eigenständigsten Vertreter des Palladianismus, gehörte jedoch mehr zur Schule von Campbell, Colen als zu der von Burglinton. Neben Kleinarchitekturen (Palladian Bridge, Wilton House, Wiltshire, 1736-37) und palladianischen Villen (Marble Hill House, Twickenham, Middlesex, 1724-29) entwickelte er auf der Grundlage des Palladianismus einen eigenständigen Villentypus mit Pyramidendach, Ochsenaugen und betontem Portal (Whitton Place, Middlesex, um 1732-39, zerstört). Bemerkenswert sind Clearwell Castle in Gloucestershire (um 1728) und das Inveraray Castle (1745-60), das zum Prototyp einer Reihe von gotisierenden englischen Herrschaftshäusern wurde.

Mosnier, Jean
Maler. Malte die Täfelung mit königlichen Wappen und Devisen in Schloss Beauregard Dept. Loir-Et-Cher. Ausserdem schuf er die Vertäfelungen im Erdgeschoss von Cheverny I

MusagetesApollon

Musen
Töchter des Zeus (Jupiter) und der Mnemosyne. Hüterinnen der Künste und Wissenschaften. Die Attribute der neun verschwisterten Musen, die den Künsten vorstehen, sind: Saiteninstrument, Tamburin (Erato); Flöte oder andere Instrumente (Euterpe); Trompete, Wachstafel und Schreibgriffel (Kalliope); Buch, Schriftrolle, Trompete (Klio); tragische Maske, Horn (Melpomene); Musikinstrument (Polyhymnia); Lyra und andere Saiteninstrumente (Terpsichore); Schriftrolle, Maske, Efeukranz, Stab (Thalia); Himmelskörper oder Kompas (Urania).

Mylne, Robert
(1734-1811). Rivale von Robert Adam, stammte aus einer alten schottischen Baumeisterfamilie. Er ging nach einer Lehre bei seinem Vater in Edinburgh 1754 nach Paris und 1755-58 nach Rom, wo er 1758 den 1. Preis der Accademia di S. Luca erhielt. 1759 liess er sich in London nieder. Sein erstes Werk in London, die Blackfriars´ Bridge (1760-69, zerstört), bei der er elliptische Bögen einführte, war sein schönster Bau. Später arbeitete er sowohl als Architekt als auch als Ingenieur. Das grösste der von ihm entworfenen Landhäuser, Tusmore (1766-69, von W. Burn 1858 verändert), errichtete er im neupalladianischen Stil (Palladianismus). Eleganter und eigenständiger ist The Wick in Richmond (1775), während die von ihm entworfene Fassade der Stationers´ Hall in London (1800) streng klasszizistisch ist.