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29 Person(en) gefunden.

Rabirius
Ein nur von Martial erwähnter Architekt des Palastes für Domitian (81-96 n. Chr.) auf dem Palatin. Der riesige, mit den verschiedensten Marmorsorten verschwenderisch ausgestattete Baukomplex, zu dem unter anderem ein Saal, den eine 32 m weite Tonne überspannte, und kunstreiche Wasserspeicher (Nymphäen) gehörten, wurde von Martial als eine Wohnung der Götter gepriesen. Mit dieser Anlage wurden die vorausgegangenen Paläste, die Tiberius, Caligula und Nero hatten bauen lassen, übertroffen.

Raffael
(1483-1520). Unter den Künstlern der Hochrenaissance, die in der Nachfolge der klassischen Tradition standen, war Raffael als Architekt und Maler der bedeutendste. Die Zahl seiner Bauten ist nicht gross, aber sie wurden neben denen des antiken Rom und Bramantes Spätwerk rasch zu Vorbildern. Sein Stil ist von Bramante beeinflusst, jedoch anmutiger und schlichter. Raffael stammte aus Urbino und wurde bei Pietro Perugino in Perugia als Maler ausgebildet. In seinem Gemälde "Verlobung Mariae", einem 1504 entstan

Rassam, Hormuzd
1826 als Sohn christlicher Eltern in Mosul geboren. 1845-47 nahm er als Assistent an den Ausgrabungen des grossen britischen Assyriologen Layard, Sir Austen Henry in Khorsabad (Kalach) teil. Nach einem Studium in Oxford arbeitete er 1849-51 mit Layard, Sir Austen Henry in Ninive. Als sich Layard 1851 von seiner Forschertätigkeit zurückzog und in den diplomatischen Dienst ging, trat Rassam die Nachfolge seines Lehrmeisters an, gerade zu der Zeit, als hier der Archäologenkrieg zwischen Franzosen und Briten um die besten Fundplätze ausbrach. Für den Pariser Louvre stritt V. Place, Architekt und Konsul in Mosul. Place und Rassam beargwöhnten sich ständig. Wo der eine zu graben begann, erschien bald darauf der andere. Beide liessen ihre Beziehungen zu den türkischen Behörden spielen. Sie wiegelten gegenseitig die Arbeiter auf; es kam zu Überfällen, Prügeleien und sogar Feuergefechten. Rassam war zweifelslos der Skrupellosere, der Erfolgreichere. In Kujundschik, einem Teil des alten Ninive, grub er heimlich auf französischem Grabungsterrain und stiess dabei auf den Palast des Assyrerkönigs Assurbanipal, in dem er das berühmte Löwenjagd-Relief fand. In der königlichen Bibliothek endeckte er Keilschrifttafeln mit Abschnitten des Gilgamesch-Epos und mit geschichtlichen Aufzeichnungen aus der Herrschaftszeit des Königs. Da Rassam wie alle Ausgräber jener Zeit nur auf Kunstwerke und Keilschrifttafeln aus war, beschädigte er bei seiner fieberhaften Suche grosse Teile der Palastanlagen. An systematischen Ausgrabungen waren die Museen damals noch nicht interessiert; sie brauchten eindrucksvolle Ausstellungsstücke und Unterlagen für die Keilschriftforschung. 1853 übernahm Rassam für das Empire wichtige politische Aufgaben in Aden und in Äthiopien, die ihn fast ein Vierteljahrhundert von seiner Ausgräbertätigkeit abhielten. 1876 setzte Rassam im Auftrag des Britischen Museums die Ausgrabungen im Zweistromland fort. Als 1877 Bronzeplatten aus dem 7. Jh. v. Chr. im Handel auftauchten, reiste er sofort nach Mosul, um den Fundort dieser Platten ausfindig zu machen. Der Louvre hatte den neuen französischen Konsul in Basra, Sarzec, Gustave Charles Ernest Chocquin de, ebenfalls mit der Suche nach dem Fundort beauftragt. Aber Rassam war wegen seiner langjährigen Erfahrungen und seiner guten Beziehungen schneller. Etwa 24 km östlich von Mosul stiess er am Tell Balawat auf den Palast des assyrischen Königs Salmanassar II. und fand ein Paar bronzene Palasttüren, die heute als „bronze gates“ zu den Kostbarkeiten des Britischen Museums gehören. 1879 begann Rassam mit mässigem Erfolg im Gebiet der Stadt Babylon zu graben, und wandte sich bald nach Tello, wo der Sarzec, Gustave Charles Ernest Chocquin de Reste einer bis dahin unbekannten Kultur, der sumerischen Kultur, entdeckt hatte. Doch als der Franzose die türkische Grabungslizenz erhielt, musste sich Rassam zurückziehen. 1880 entdeckte Rassam etwa 50 km südöstlich von Bagdad das altorientalische Sippar mit einem Tempel, den vermutlich Naramsin (2320-2284) für den Sonnengott Schamasch erbauen hatte lassen. In den folgenden 18 Monaten legte er etwa 170 Räume, die den Tempel umgaben, frei und fand rund 50.000 beschriftete Tontafeln und Tonzylindern. Ein Zylinder berichtet von dem Wiederaufbau des Tempels unter Nabonid (555-539 v. Chr.), dem letzten König von Babylon. Rassum starb 1910.

Rastrelli, Graf Bartolomeo Francesco
(1700-71). Der führende Architekt des Rokoko in Russland. Sein Vater, der italienische Bildhauer Carlo Barolomeo Rastelli, war 1716 zusammen mit Le Blond, Jean-Baptiste Alexandre nach St. Petersburg (Leningrad) gegangen, um dort das Reiterstandbild Peters d. Grossen auszuführen. Rastrelli studierte in Paris bei de Cotte. Sein Stil ist, von gelegentlichen russischen Einheiten abgesehen, rein französisch. 1741 wurde Rastelli von der Zarin Elisabeth zum Hofarchitekten ernannt; für sie schuf er seine bedeutendsten Werke: den Sommerpalast Elisabeth I. (1741-44, zerstört) und der Anitschkow-Palast am Newskij Prospekt (1744) in St. Petersburg, wie den Grosser Palast Peterhof (1747-52) bei St. Petersburg. Der Palast ist ein riesiger Erweiterungsbau zu dem von Le Blond, Jean-Baptiste Alexandre errichteten Schloss; die Innenräume sind verschwenderisch in einem etwas überreifen Rokoko stärker hervor als in seinen anderen Bauten. Sein Hauptwerk sind der Grosse Palast in Zarskoje Selo (heute Puschkin, 1749-56) = Katharinenpalast und der Winterpalast St. Petersburg (1754-62). Beide haben ungeheuer langgestreckte Fassaden und werden durch das Wechselspiel zwischen den türkisblauen Mauern und der weissen Fassung belebt. Rastrellis persönlicher Stil kommt aber in den kleinen, eleganten Pavillons, die er für Zarskoje Selo entwarf, am schönsten zur Entfaltung. Im Grunde war Rastrelli ein hochbegabter Kleinmeister, der gezwungen war, im Monumentalstil zu arbeiten.

Ravensteyn, Philipp Honorius
Trierer Hofbaumeister. Schuf zwischen 1708 und 1711 das neue Herrenhaus von Buschfeld Bliesheim.

Rawlinson, Sir Henry Creswicke
Am 11.4.1810 in Chadlington, Grafschaft Oxfordshire, geboren. Nach dem Schulbesuch in Warrington und Ealing trat er 1827 als Kadett in den Military Service der East India Company ein. Auf der Fahrt nach Indien lernte er Sir J. Malcolm, den Gouverneur von Bombay, kennen, der im Verlauf langer Gespräche sein Interesse für die altpersische Kultur weckte. Bis 1833 war Rawlinson in Bombay stationiert. Dann entsandte die Company den jungen Major als Militärberater nach Persien, um die Armee des Schahs zu reorganisieren. 1835 besuchte Rawlinson den berühmten Felsen von Bisutun (Behistun), in den der persische Grosskönig Dareios I. (522-486 v. Chr.) ein gewaltiges Relief mit seinen Ruhmestaten hatte einmeisseln lassen. Rawlinson seilte sich an der Felswand ab und kopierte – 150 m über dem Abgrund – die 18 m lange dreisprachige Inschrift (altpersisch, elamisch und babylonisch), die das Relief einfasst. Dann begann er, die altpersische Keilschrift zu entziffern. 1837 veröffentlichte er die Übersetzung der ersten beiden Abschnitte der Inschrift. 1838 musste Rawlinson seine Arbeiten unterbrechen, da ihn die Company als britischen Residenten in das afghanische Kandahar versetzte. Dort stürzten die Briten kurz danach die Regierung des Dost Mohammed und setzten Schudscha Schah als neuen Herrscher ein. 1841/42 kam es zu einem Aufstand gegen die neuen Machthaber. Rawlinson zeichnete sich in den Kämpfen aus. Die Briten konnten den Aufstand aber nicht unterdrücken und mussten Afghanistan verlassen. 1843 wurde Rawlinson British Political Agent im türkischen Arabien. 1844 endlich kam die East India Company seinem Wunsch um Versetzung nach Mesopotamien nach. Rawlinson wurde Konsul in Bagdad. Jetzt konnte er seine Schriftforschungen fortsetzen. 1846 veröffentlichte er die Übersetzung der vollständigen Bisutun-Inschrift. Die Publikation erschien 44 Jahre nach der ersten erfolgreichen Entzifferung eines altpersischen Keilschrifttextes durch Grotefend, Georg Friedrich. Es lässt sich heute weder ausschliessen noch beweisen, dass Rawlinson die Grotefendschen Arbeiten gekannt hatte. 1851 wurde Rawlinson zum Generalkonsul ernannt und vom Britischen Museum mit der Aufsicht über alle Ausgrabungen in Assyrien, Babylonien und der Susiana betraut, die hauptsächlich unter der Leitung des Syrers Rassam, Hormuzd standen. 1855 kehrte Rawlinson nach London zurück, erhielt den Adelstitel und wurde zum Ehrenpräsidenten der East India Company ernannt. 1857 gelang ihm unabhängig von anderen Sprachforschern (E. Hicks, J. Oppert und F. Talbot) die grundlegende Entzifferung der babylonischen Keilschrift. 1858 war er Mitglied des britischen Parlaments, 1859 Minister am iranischen Hof in Teheran, 1865-68 hatte er wieder einen Parlamentssitz inne. 1871-74 war Rawlinson Präsident der Royal Geographical Society und 1878-81 Präsident der Royal Asiatic Society. 1891 wurde er zum Baronet erhoben. Er starb am 5.3.1895 in London.

Raymond du Temple
(tätig ca. 1360-1405). Leiter der königlichen Bauten und Baumeister von Notre-Dame in Paris. Der König selbst war Pate seines Sohnes.

Retti, Livio
(*30.11.1692 Laino, † 2.1.1751 Ludwigsburg), Maler. Er war der Bruder von Retti, Paolo und Retti, Riccardo und arbeitete seit 1716 in Ludwigsburg. Nach kleineren Aufträgen für Schloss Ludwigsburg Krs. Ludwigsburg unternahm er ab 1725 eine Italienreise. 1732 wurde er zum württembergischen, 1743 zum kurpfälzischen Hofmaler ernannt. Sein Hauptwerk sind die Deckenfresken in der späteren Ordenskapelle des Ludwigsburger Schlosses. Daneben übernahm er Aufträge in Würzburg, Bad Mergentheim, Augsburg und Schwäbisch Hall.

Retti, Paolo
(* 1690 Laino, † nach 1755), Baumeister und Bauunternehmer. Retti stammte aus Laino im Val d’Intelvi, Italien. Frisoni holte seinen Neffen Retti 1717 von Wien nach Ludwigsburg. Hier war Retti der Baumeister und Bauunternehmer, der Frisonis Planungen mit Übernahme der Baukosten gegen Pauschalsummen und Materiallieferungen auf eigene Rechnung bis zur Schlüsselübergabe ausführte. Zusammen mit Frisoni wurde Retti nach dem Tod Herzog Eberhard Ludwigs inhaftiert, angeklagt und freigesprochen. 1735 zum Oberbaudirektor bestellt, kehrte Retti 1737 nach Italien zurück. Neben den Schlössern Freudental Krs. Ludwigsburg und Heimsheim II wurden auch Bürgerhäuser und Amtshäuser in Ludwigsburg nach Rettis Entwürfen erbaut.

Retti, Riccardo
(um * 1687 Laino, † 14.5.1741 Ellwangen an der Jagst), Stuckateur. Er war der Bruder von Retti, Paolo und Retti, Livio. Neben Stuckdekorationen im Stuttgarter Prinzenbau führte Riccardo Retti vornehmlich Stuckarbeiten im Ludwigsburger Schloss (Ludwigsburg Krs. Ludwigsburg), der Favorite Ludwigsburg und der Ludwigsburger Stadtkirche aus. Darüber hinaus übernahm er nach 1737 Arbeiten in Ettlingen, Kloster Frauenalb und Ellwangen Ostalbkreis I, wo er 1741 auch verstarb.

Ricamador, Giovanni di FrancescoGiovanni di Udine

RicchiniRichino, Francesco Maria

Ricciarlli, DanieleDaniele da Volterra

Rich, Claudius James
Am 28.3.1787 in Dijon geboren. Seine Jugendjahre verlebte Rich in Bristol. Er war aussergewöhnlich sprachbegabt - schon als Neunjähriger lernte er Arabisch - und trat 1803 als Kadett in den Dienst der East India Company. Die Company entsandte ihn nach Ägypten, aber sein Schiff ging vor Malta unter. Rich kam nach Italien und wurde von dort nach Konstantinopel beordert. Anschliessend arbeitete er in Smyrna, von wo aus er zahlreiche Reisen durch Kleinasien unternahm. Im Auftrag der Company reiste Rich als Mameluck verkleidet durch Ägypten, Syrien und Palästina und wurde 1808 - erst 21 Jahre alt - Resident der East India Company in Bagdad. Seine aussergewöhnlichen diplomatischen Fähigkeiten leiteten ein ganzes Jahrhundert britischen Einflusses in Mesopotamien ein. Auf seinen dienstlichen und privaten Reisen besuchte Rich zahlreiche Ruinenstätten Mesopotamiens und sammelte Antiquitäten, die er an das Britische Museum verkaufte und die die assyrisch-babylonische Altertumswissenschaft in England begründeten. Er führte erste gründliche Untersuchungen der Ruinen von Ninive und Nimrud (Kalach) durch und legte damit die Grundlagen für die späteren Ausgrabungen seines Landsmannes Layard, Sir Austen Henry. Zweimal besuchte er Babylon, wo er eine erste topographische Aufnahme dieser riesigen Ruinenstätte erstellte. 1820 begab er sich auf eine Forschungsreise nach Schiraz und Persepolis in Persien, erkrankte an der Cholera und starb, erst 33 Jahre alt, am 5.10.1820 in Schiraz.

Richino, Francesco Maria
(auch Ricchini, 1583-1658). Der bedeutendste lombardische Architekt des Frühbarock. Dir von ihm erbaute Kirche S. Giuseppe in Mailand (1607-30) brach entschieden mit der Vorherrschaft des akademischen Manierismus, darin S. Susanne in Rom (1603) von Maderno, Carlo vergleichbar. S. Giuseppe zeigt sowohl in der Anlage (Verschmelzung zweier Zentralräume) als auch in der Ädikula-Form der Fassade die Originalität von Richino, Francesco Maria. Fast alle seine späteren Kirchen sind zerstört. Zu seinen besterhaltenen Werken gehören die konkav geschwungene Fassade des Collegio Elvetico (1627) und der Brera-Palazzo (1651-86) mit seinem vornehmen Innenhof, beide in Mailand.

Ridinger, Georg
(auch Riedinger, Georg, 1568-nach 1616). Führender deutscher Architekt der Renaissance, lebte gleichzeitig mit Holl, Elias, Schickardt, Heinrich und Jakob Wolff. Sein Meisterwerk ist das Aschaffenburger Schloss (Johannisburg Aschaffenburg, 1605-14, zerstört, heute wieder aufgebaut), dass er für den Erzbischof von Mainz, Ulrich von Gemmingen (den Gönner von Matthias Grünewald) und dessen Nachfolger Johann Schweickhard von Kronberg errichtete. Die vier Flügel des Bauwerks bilden ein Quadrat, das einen Innenhof einschliesst; die Ecken sind durch Türme betont. Diese Anlage geht wahrscheinlich über Du Cerceaus Stiche auf französische Vorbilder zurück. Das Aschaffenburger Schloss hat zwar noch ein ziemlich ma. und burgartiges Aussehen, ist aber durch horizontal verlaufende Gesimse und gelegentlich holländisch beeinflusste Ornamentik gegliedert. Ridinger fand es "heroisch". Es übte in Deutschland grossen und nachhaltigen Einfluss aus, so z.B. noch auf die Marquardsburg Seehof von Petrini, Antonio, die fast 100 Jahre später entstand.

Ried von Piesting, BenediktRieth, Benedikt

Riedinger, GeorgRidinger, Georg

Rieth, Benedikt
(auch Ried von Piesting, Benedikt, ca 1454-1534). Bedeutendster deutscher Baumeister und Wölbungstechniker der Dürerzeit (Einführung der dreidimensional geschwungenen Rippe). 1518 Vorsitzender des Steinmetzentags zu Annaberg. Hervorgegangen aus bayrisch-österreichischer Hüttentradition, empfing entscheidende Impulse in Nürnberg, wo es die unmittelbaren wölbungstechnischen Vorstufen gibt (ehem. Augustinerkirche 1479-84, Ebracher Hof Nürnberg 1489), die ihrerseits auf Ergebnissen des englischen Wölbungsbaues basierten . 1489 von König Wladislaw II. nach Prag berufen, wo er zunächst als Festungsbaumeister tätig war (Bering der Prager Burg = Hradschin), ohne wesentlich über das Herkömmliche hinauszugegen. 1490-93 entstand das baumlaubenartige Orgeloratorium im Prager Veitsdom, das über eine stalaktitenartig frei herabhängenden Kappe gewölbt ist, mit Rippen und Masswerk; die wie in der letzten romantisiernden Phase der spätesten Gotik in naturalistische Astwerkformen und Laubenformen umgedeutet sind. 1493-1402 wölbte Rieth den riesigen Wladislawsaal auf dem Hradschin, den (nicht nur in den Dimensionen) bedeutendsten Profanraum diesseits der Alpen, mit einem grossartigen "barockgotischen" Netzgewölbe. Die Aussenarchitektur (Fenster und Portale) jedoch, ebenso wie bei dem 1500-1509 im rechten Winkel dazu errichteten Ludwigstrakt, bereits in Renaissanceformen, die Rieth an den ungarischen Schlössern seines königlichen Bauherrn kennengelernt hatte. Urkundlich gesichert ist ferner die Mitwirkung aum Ausbau der Burgen Schwihau (1504-05} und Platten Blatna (1530) in Böhmen. Den Schritt von der ma. unregelmässigen Wehrburg zum symmetrischen regelmässigen, repräsentativen Schlossbau der Neuzeit vollzog er mit der quadratischen Vierflügelanlage des Schlosses Frankenstein in Schlesien (1514 - 1530). Sein wichtigster Sakralbau ist das Hallenlanghaus der von den Parlern 1388 als Kathedrale begonnenen Barbarakirche in Kuttenberg, für das er das wohl schönste Netzgewölbe seiner Zeit erfand (ausgeführt erst nach seinem Tode 1540-48) von Parlier Nikolaus). Das letzte Werk, zugleich seine Begräbniskirche, war die Stadtkirche in Laun, eine dreischiffige Halle mit Achteckpfeilern und einem Dreiapsidenchor parlerischer Tradition. Die Rippen des Netzgewölbes diesmal jedoch zerstückt und ohne Spannkraft, das Muster fragmentiert, die Bewegung eingefroren. Charakteristisch für den Aussenbau seiner Langhäuser sind nicht die riesigen Schleppdächer der deutschen Hallengotik, sondern gereihte, steile Zeltdächer. Mit Rieth und seinen Schülern gipfelt die mehr als hundertjährige, von Peter Parler begründete Entwicklung des Netzgewölbebaues in Mitteleuropa; die erstaunlich frühe Übernahme der Renaissanceformen ist daneben von sekundärer Bedeutung.

Rinaldi, Antonio
(ca. 1709-94). Einer der führenden Architekten des späten Rokoko in Russland. Seine Hauptwerke sind der Chinesische Palast in Oranienbaum (Chinesischer Palast Lomonossow, 1762-68), dessen Innenräume mit hübschen Chinoiserien geschmückt sind, ferner der Marmorpalast in St. Petersburg (Leningrad, 1768-72), der auf Juvarras D`Ormea-Palazzo zurückgeht, aber in einem strengeren, sich dem Klassizismus nähernden Stil gehalten ist. Seine Fassade wird durch das Zusammenspiel von rotem Granit und grauem sibirischen Marmor belebt. Der Marmorpalast ist auch deshalb von Interesse, weil er das erste Beispiel für die Anwendung von Eisenträgern in der Architektur ist.

Ritter zu Grünstein, Anselm Franz Freiherr von
* 1694/95 wahrscheinlich in Mainz, + 30.5.1795 in Kiedrich im Rheingau. Deutscher Architekt des Spätbarock, war neben Welsch, Maximilian von und Balthasar Neumann vorwiegend im kurfürstlichen Bauwesen des rheinisch-mainfränkischen Kunstkreises tätig. Seine künstlerische Ausbildung erhielt er vermutlich bei Germain Boffrand in Frankreich, wo er sich 1725/26 zu Studienzwecken aufhielt. Massgebliche Bedeutung für das Bauwesen im Kurfürstentum Mainz erlangte Grünstein seit seiner Ernennung zum kurmainzischen Oberbaudirektor 1730. Er vermittelte nachhaltig Anregungen des französischen Klassizismus, wie er von Francois blondel, Germain Boffrand und Robert de Cotte vertreten wurde. So zeigt u.a. die Fassade des Deutschordenshauses in Mainz (Mainz III, 1730-32) in ihrer Flachheit und den Einzelelementen ebenso wie die Fassaden der Flügelbauten zur Stadtseite an der Würzburger Residenz (Würzburg I) diesen Einfluss. Ein frühes Werk Grünsteins ist das Jagdschloss Jägersberg Gräfenberg (1720-28); darüberhinaus war er an den Schlossbauten in Mainz I, Bruchsal II und Weissenstein Pommerfelden beteiligt.

Rodriguez, Ventura
(1717-85). Der führende Architekt des spanischen Spätbarock: begann unter Sacchetti, Giovanni Battista am Königlichen Palast (Real-Palacio) in Madrid zu arbeiten und erhielt bis 1759 Aufträge vom Hof. Sein erster bedeutender Bau ist die Kirche S. Marcos in Madrid (1749-53), die er über einem ovalen Grundriss, der auf Berninis S. Andrea al Quirinale in Rom zurückgeht, errichtete. 1753 schuf Rodriguez das Trasparente in der Kathedrale von Cuenca. 1760 wurde er zum Professor an der Akademie in madrid ernannt. Von diesem Zeitpunkt an wurden seine Werke dogmatischer. Die Königlich-Chirurgische Klinik in Barcelona (1761) wirkt durch den strikten Verzicht auf Ornamentik fast kahl. Rodriguez`s vornehmstes Werk ist die Fassade der Kathedrale von Pamplona (1783), deren grossartiger korinthischer Portikus von Türmen mit quadratischem Grundriss flankiert wird. Obwohl die Gliederung dieser Fassade den antiken Säulenordnungen entspricht, finden sich in den Details noch Anklänge an den römischen Barock des 18. Jh.s.

Roger, Louis
(* 1718 Hannover, † 20.4.1771 Stuttgart), Bildhauer und Holzschnitzer. Roger arbeitete u.a. in der evangelischen Hofkapelle und im Appartement Herzog Carl Eugens in Schloss Ludwigsburg Krs. Ludwigsburg, an der Fassade des Stuttgarter Neuen Schlosses (Stuttgart II) und des späteren Schlosses Monrepos Ludwigsburg sowie auf der Solitude Stuttgart.

Rossellino, Bernardo
(1409-64). Hauptsächlich Bildhauer, begann seine Laufbahn als Architekt unter Alberti, nach dessen Entwürfen er den Rucellai-Palazzo in Florenz (1146-51) ausführte und S. Stefano Rotondo in Rom restaurierte und veränderte. Er selbst entwarf den Cortile des Rucellai-Palazzo. 1451 trat er in die Dienste von Papst Nikolaus V., für den er den Ostabschluss einer geplanten neuen Peterskirche (niemals vollendet) entwarf. Rossellinos Hauptwerke sind der Piccolomini-Palazzo Pienza und die Kathedrale in Pienza (1460-63), die Papst Pius II. Piccolomini in Auftrag gegeben hatte. Während der Palast eine schwerfällige und ungeschickte Version des Palazzo Rucellai ist, stellt die Kathedrale eine ganz anziehende Mischung zwischen Albertis Tempio Malatestaino in Rimini S. Maria Novella in Florenz dar. Der Venezia-Palazzo in Rom (1455) ist Rossellino zeitweilig zugeschrieben worden.

Rossi, Giovanni Antonio de
(1616-95). Ein sehr tätiger römischer Architekt des Hochbarock. Seine bedeutendsten Werke schuf er auf dem Gebiet des Profanbaus, so den grandiosen Altieri-Palazzo in Rom (1650-54 und 1670-76) und den kleineren, eleganteren Asti-Bonaparte-Palazzo in Rom (ca. 1665), der zum Vorbild für die römische Architektur des 18. Jh.s wurde. In seinen Sakralbauten zeigte er eine Vorliebe für ovale Grundrisse und üppige plastische Dekorationen. Seine Cappella Lancelotti in S. Giovanni in Laterano in Rom (ca. 1680) und die Kirche S. Maria in Campo Marzo in Rom (1676-86) sind kleine Meisterwerke des römischen Hochbarock.

Rossi, Karl Iwanowitsch
(1775-1849). Der führende Architekt nach 1815 in St. Petersburg (Leningrad). Er löste dort den an der griechischen Antike orientierten Klassizismus von Thomon, Thomas de, Woronichin, Andrej Nikiforowits und Stacharow zugunsten eines kraftvolleren, römisch beeinflussten Stils ab. Rossi war der Sohn einer italienischen Ballerina, erhielt seine Ausbildung in Russland und besuchte 1804-06 Italien. Bis 1816 arbeitete er hauptsächlich in Moskau, doch entstanden seine Hauptwerke in St. Petersburg: der neue Mikhail Palast (Michaelspalast, heute russisches Museum, 1819-23) mit Platz und umliegenden Gebäuden; ein prunkvolles römisches Triumphtor als Zentrum eines weiten Halbkreises von Regierungsgebäuden (1819-29); das Alexandertheater (heute Puschkin-Theater, 1827-32) sowie die Gebäude des Senats und der Synode (1829-34). Seine Bauwerke sind vielleicht nicht so bedeutend wie sein Talent, sie ganz in die Stadtplanung einzugliedern.

Rosso, Fiorentino
(1494-1540). Italienischer Maler und Stukkateur. Arbeitete an Schloss Fontainebleau mit.

Ruff, Franz
Architekt der 1. Hälfte des 20 Jh., der hauptsächlich für das NS-Regime baute. Weiterführung der Projekte seines Vaters Ludwig, insbesondere NS-Kongresshalle und Gartenstadt Werderau. Auch erbaute er die ehem. SS-Kaserne Frankenstr., heute Sitz des BAFl.

Ruskin, John
(1819-1900). Kunsttheoretiker, der auf die Architektur wie auf die allgemeine Kunstauffassung grossen Einfluss ausübte. Er wirkte auf zweierlei Weise: einmal durch die Regeln, die er aufzustellen versuchte, zum anderen durch sein Eintreten für bestimmte historische Stile. Die Regeln, die er in seinem Hauptwerk "Seven Lamps of Architecture" (1849) entwickelte, lauten: Opfer (die Architektur berücksichtigt im Gegensatz zum blossen Bauen das Ehrwürdige und Schöne, die jedoch "unnütz" sind), Wahrheit (keine ver