P E R S O N E N

Zur Homepage

A B C D E F G H I J K L M
N O P Q R S T U V W X Y Z

65 Person(en) gefunden.

Sacchetti, Giovanni Battista
(1700-64). Schüler von Juvarra, dem er nach Spanien folgte; er führte dessen Entwürfe für die Gartenfassade des Palastes Granja De San Ildefonso (1736-42) aus. Das Hauptwerk von Sacchetti, Giovanni Battista ist der Königliche Palast in Madrid (Real-Palacio, beg. 1738), für den er Juvarras Schema, beeinflusst von Berninis Louvre-Projekt, vergrösserte. Das Ergebnis ist nahezu überwältigend. Sacchetti ist auch für die Anlage des Stadtviertels um den Palast verantwortlich.

Sacharow, Adrian Dmitrijewitsch
(auch Sacharow, Andrejan Dmitrijewitsch, 1761-1811). Der führende russische Architekt des Klassizismus, vielleicht der grösste Architekt Russlands überhaupt. Sacharow wurde an der St. Petersburger Kunstakademie ausgebildet, studierte in Paris unter Chalgrin Architektur (1782-86) und reiste in Italien. Sein Meisterwerk ist das Gebäude der Admiralität St. Petersburg (1806 beg.). Dieser kühne, riesige Bau, dessen Fassade etwa 400 m lang ist, hat über dem Mittelportal als Akzent einen mit Säulen geschmückten quadratischen Turm, der eine nadelartige Turmspitze trägt. Die Enden der Fassade werden jeweils durch einen zwölfsäuligen Portikus betont. Sacharows besondere Leistung war es, eine so ungeheuer lange Schauseite zur Wirkung zu bringen, ohne ihre Einheit zu zerstören. Vorzüglich sind die Seitenflügel, sie kommen Boullees Architektur, die grosse geometrische Formen zur Geltung bringt, am nächsten: jeder der Seitenflügel bildet einen würfelförmigen Pavillon, der von einem zylindrischen Tambour überfangen, von einer halbkreisförmigen Portalöffnung durchbrochen und von Kolonnaden flankiert wird. Ein anderer erwähnenswerter Bau ist die (später umgebaute) St. Andreas-Kathedrale in Kronstadt.

Sacharow, Andrejan DmitrijewitschSacharow, Adrian Dmitrijewitsch

Sagrera, Guillaume
(Anfang 15. Jh.). Aus Mallorca stammender Architekt, der 1415 die Befestigungen an der ehemaligen Kathedrale in Elne I erbaute.

Salvi, Nicola
(1697-1751). Römischer Architekt. Er entwarf die Fontana di Trevi in Rom (1732-62), ein spätbarockes Meisterwerk. Die mit einer Kolossalordnung und in der Mitte durch das beherrschende Thriumphbogenmotiv gegliederte Palastfassade erhebt sich über einer künstlichen Felsenlandschaft mit hervorsprudelnden Quellen, die sich in ein grosses Becken ergiessen. Im Mittelpunkt herrscht Neptun über seine marmonen Meerwesen und die ganze phantastische Komposition.

Salvin, Anthony
(1799-1881). Englischer Architekt, Sohn eines Generals, stammte aus einer alten nordenglischen Familie. Als Schüler von Nash, John war er vor allem eine anerkannte Autorität für Instandsetzungen von Burgen und Schlössern. Er arbeitete am Tower Of London, ausserdem am Windsor Castle, Caernarvon Castle, Durham Castle, Warwick Castle, Alnwick Castle und Rockingham Castle. Gelegentlich mit kirchlichen Bauaufgaben beschäftigt, galt Salvins Hauptinteresse jedoch Profanbauten. Zu den verschiedenen von ihm benutzten Stilarten gehören der nüchtere Tudorstil von Mamhead House in Devon (1828, ein sehr früher Datum für die Wiederbelebung des Tudorstils), ein üppiger Renaissancestil für die Innenräume von Alnwick Castle (1854ff., nicht von ihm entworfen, jedoch von ihm gebilligt) und der komplizierte Jacobean Style von Thoresby Hall, Nottinghamshire (1864-75). Sein eindrucksvollster Bau, Harlaxton Manor in Lincolnshire (1834ff.), entstand überraschend früh dafür, dass er im reichsten Elisabethanischen Stil errichtet ist; vollendet von W. Burn - 1789-1870).

Sambin, Hugues
(1515/20 - 1601/02). Architekt, Bildhauer und Tischler des französischen Manierismus. Er arbeitete in Burgund und war das Haupt einer Schule von begabten Architekten in der Provinz. Sambin und seine Schule schätzten reiche Oberflächengestaltung mit kunstvoll gearbeitetem Bossenwerk (z. B. Tanlay-Chateau Tanley, um 1568) oder mit Hochrelief (z. B. Milsand Maison in Dijon, um 1561). Sambin entwarf die Fassade für das Rathaus, heute Justizpalast, in Besancon. Sein Stil übte sogar in Paris grossen Einfluss aus (Sully-Hotel). Sambin veröffentlichte eine Abhandlung über die Anwendung von Karyatiden in der Architektur "Termes dont on use en architecture" (1572).

Sanfelice, Ferdinando
(1675-1750). Ein führender Architekt Neapels zu seiner Zeit. Sein Stil ist geistvoll und unorthodox. Besonders hervorzuheben sind seine kunstvollen Treppenanlagen, z.B. in Sanfelice-Palazzo und Serra Di Cassano-Palazzo in Neapel.

Sangallo, Antonio da
(auch Giamberti, Antonio d.J., 1485-1546). Geboren in Florenz. Das bedeutendste Glied der Familie Sangallo, Neffe von Antonio da Sangallo d.Ä. und Sangallo, Giuliano da. Sangallo war nach Raffaels Tod zwei Jahrzehnte lang der führende Architekt der Renaissance in Rom. Er begann unter Bramante und Peruzzi, Baldassare als Architekturzeichner. 1520 wurde er Raffaels erster Mitarbeiter beim Bau der Peterskirche. Man betraute ihn mit der Aufgabe, die von Bramante errichteten Mauern zu verstärkten. Sangallos Meisterwerk ist der Farnese-Palazzo Roma (beg. 1534, nach 1546 von Michelangelo vollendet), der monumentalste aller Renaissancepaläste. Die säulenlose, glatte Fassade wird einzig durch Gesimse, die die einzelnen Geschlosse voneinander trennen, und durch Eckquader gegliedert. Sie betonen die Horizontale und unterstreichen so die ernste Würde der Komposition. Sie ist gleichzeitig nüchtern, elegant und ruhevoll. 1539 wurde er leitender Architekt der Peterskirche und schuf Entwürfe für die Abänderung von Bramantes Plan (nicht ausgeführt). Sangallo entwarf auch die Innenräume der Cappella Paolina im Vatikan (1540). Verschiedene Paläste, darunter der Sacchetti-Palazzo (beg. 1542) werden ihm zugeschrieben. Viele Jahre war er als Festungsbaumeister für die Wehrbauten in der Umgebung Roms verantwortlich. Nach Sangallos Tod übernahm Michelangelo, dessen dynamischer Stil im krassen Gegensatz zu Sangallos ausgeglichener Renaissancebauweise steht, die Bauleitung der Peterskirche.

Sangallo, Giuliano da
(auch Giamberti, Giuliano, 1445-1516). Festungsbaumeister, Bildhauer und Architekt. Geboren in Florenz, Bruder von Sagallo d.Ä., Antonio da. Er war einer der begabtesten Nachfolger Brunelleschis (Brunelleschi, Filippo<) und arbeitete auch noch zu Bramantes und s Zeit im Stil der Frührenaissance. Die meisten seiner Bauten entstanden in Florzenz und Umgebung wie die Medici-Villa Poggio A Caiano (1480-85, später verändert). S. Maria delle Carceri in Prato (1485) ist die erste Renaissancekirche, die über dem Grundriss eines griechischen Kreuzes errichtet wurde. Es ist ein Meisterwerk der Renaissance. Die Innenausstattung ist im Stil von Brunelleschi, Filippo gehalten. Sangallo erbaute auch den Gondi-Palazzo in Florenz (1490-94}, dessen rustizierte Fassade auf jene des Medici-Riccardi-Palazzo zurückgeht. Die monumentale Treppenanlage steigt vom Innenhof aus auf. In Rom schuf er S. Maria dell` Anima (1514) und einen Entwurf für die Peterskirche (um 1514).

Sangallo, Lucca da
Architekt. War am Bau des Sangallo-Bollwerks beteiligt.

Sanmicheli, Michele
(ca. 1484-1559). Der führende Architekt des Manierismus in Verona, erlangte vor allem als Festungsbaumeister Berühmtheit. Viele seiner Werke ähneln Wehrbauten; die Fassade von S. Maria in Organo in Verona z.B. (1547) könnte ebensogut für ein befestigtes Stadttor gehalten werden. Sanmicheli wurde oft mit Palladio, Andrea verglichen, den er stark beeinflusste und der im Veneto sein Nachfolger als führender Architekt wurde. Aber in Wahrheit besteht ein grosser Gegensatz zwischen der massiven Kraft der Werke Sanmichelis und den weitaus eleganteren und stärker verstandesbetonten Bauten von Palladio, Andrea. Sanmicheli wurde in Verona als Sohn eines Architekten geboren, ging um 1500 nach Rom. 1510-24 leitete er die Arbeiten an der gotischen Fassade des Doms in Orvieto und schuf dort auch den Dreikönigsaltar (1515). 1526 betraute ihn der Papst mit Befestigungsarbeiten in Parma I und Piacenza II, 1527 liess sich Sanmicheli in Verona nieder. Als begehrter Festungsbaumeister führte er Arbeiten in Legnagno (1529), Verona (1530ff.), Venedig (1535ff.), auf Korfu und Kreta aus; diese Wehrbauten gehören zu seinen besten Werken. Die Tore tragen kraftvolles Bossenwerk, die Festungen sind mit kräftigen dorischen Säulen geschmückt. Sanmicheli verwendete nur wenige, aber äusserst wirkungsvolle Ornamente: Wappenschilde und Schlusssteine mit finsteren Köpfen. Die bedeutendsten seiner Befestigungen sind die Porta Nuova in Verona II (1539-50), die Fortifikationen am Lido (Fort San Andrea, 1535-49), Port San Zeno in Verona II und die mächtigste von allen, die Porta Palio in Verona II (1557). Sanmichelis erster Palastbau war der Pompei-Palazzo in Verona (um 1529). Er arbeitete zuerst in der Tradition von Bramante und Raffael, entwickelte aber bald einen eigenständigen Stil, durch das Spiel von Licht und Schatten Kontraste erzielend. Der Canossa-Palazzo in Verona (um 1530) wird durch das hohe rustizierte (Rustika) Sockelgeschoss und durch das vereinfachte Palladio-Motiv der Fenster im ersten Stock bestimmt. Überreich ist sein Bevilacqua-Palazzo in Verona (um 1530) gestaltet: die Fenster sind kunstvoll umrahmt, die Säulen gewunden, der Skulpturenschmuck wirkt fast erdrückend. Sanmicheli wandte hier einen Kunstgriff an, der später sehr beliebt wurde: Er liess die Triglyphen des Gesimses vorkragen, um Konsolen für einen Balkon zu erhalten. Später strebte er bei seinen Palästen danach, die Wandmassen optisch aufzulösen. Beim Grimani-Palazzo in Venedig (beg. 1556, später verändert), werden die Flächen zwischen den Pilastern und Säulen fast ganz von Fenstern ausgefüllt.

Sansovino, Jacopo
(eigentl. J. Tatti; 1486-1570). Ursprünglich Bildhauer, brachte die Hochrenaissance nach Venedig. Sansovino wurde in Florenz als Sohn von Antonio Tatti geboren; er lernte bei Andrea Sansovino, dessen Namen er annahm. von 1505 an arbeitete er hauptsächlich in Rom als Bildhauer und Restaurator antiker Statuen. Nach einer Auseinandersetzung mit Michelangelo 1517 hielt er sich noch stärker an die klassischen Vorbilder. Vor der Plünderung Roms (1527) floh er, in der Absicht, nach Frankreich zu gehen, nach Venedig, erhielt jedoch hier den Auftrag, die Hauptkuppel von San Marco zu restaurieren; 1529 wurde er zum obersten Baumeister von S. Marco ernannt. Er blieb nun bis zum Ende seines Lebens in Venedig; die Freundschaft mit Tizian und Aretino ermöglichte ihm den Zugang zum gesellschaftlichen Leben der Stadt, deren führender Architekt er bald wurde. Diese Stellung behielt er bis zur Ankunft von Palladio, Andrea, der stark von ihm beeinflusst wurde. Sansovinos Hauptwerke entstanden alle in Venedig: die Bibliothek ) Libreria Vecchia, beg. 1536, vollendet um 1582 von Scamozzi, Vincenzo) und die Münze gegenüber dem Dogenpalast (1537-54), ferner die Logetta am Fusse des Campanile von San Marco (1537-40). Diese Werke bedeuteten in der glücklichen Verbindung von Architektur und Plastik eine Neuerung für Venedig. Palladio, Andrea nannte die Bibliothek das vollkommenste Bauwerk der nachantiken Zeit. Sansovino erbaute auch einige Kirchen; erwähnenswert sind San Francesco della Vigna (1534, von Palladio, Andrea vollendet) und die Fassade von S. Giuliano (1553-55). Für den Corner-Detto-Ca´Grande-Palazzo (vor 1561) passte er den römischen Palasttyp den venezianischen Verhältnissen an. Auf dem Festland schuf er die Garzoni-Villa Pontecasale (um 1530), einen strengen Bau, der einen weiten Hof umgibt. Hier kam Sansovino dem Wesen einer antiken Villa näher als irgendein anderer Architekt des 16. Jh.

Santi, RaffaelloRaffael

Santin-Aichel, Giovanni
(eigentl. Giovanni Santini, 1667-1723). Der bedeutendste Architekt in Böhmen neben Chrisoph Dientzenhofer und Dientzenhofer, Kilian Ignatz. Anders jedoch als diese hat Santin-Aichel sich zwar mit Borromini u. Fischer von Erlach, Johann Bernhard auseinandergesetzt, aber weder mit der Guarineske noch dem Wandpfeilerprinzip und Baldachinprinzip. Seine Sakralbauten sind wie die Fischers von Erlach hypäthrale Räume (Hypäthralraum). Santin-Aichel, Enkel eines im 17. Jh. in Prag eingewanderten italienischen Steinmetzen, war der Klosterarchitekt der böhmisch-mährischen Provinz. In Prag hat er nur einige Profanbauten - so den Czernin-Morzin-Palast (Czernin-Palast) und den Thun-Hohenstein-Palais - aber keinen einzigen Sakralbau hinterlassen. Sein Hauptthema waren Kloster- und Wallfahtskirchen (Maria Teinitz, Kiritein, Raigern) und Gnadenkapellen (Mlatz, Saar/Zdar). Zusammen mit dem ebenfalls eingedeutschten Octavian Broggio war er der eigentliche Schöpfer des böhmischen Volksbarocks, der sich vom ländlichen Barock Österreichs vor allem durch die vorromantisch-gotisierende Komponente unterscheidet. Santin-Aichel erneuerte eine Anzahl der von den Hussiten zerstörten mittelalterlichen Klosterkirchen samt der Ausstattung in gotisierenden Formen (Sedletz, Seelau, Kladrau). Seine originellsten Schöpfungen sind das im Windmühlentypus angelegte Jagdschloss Karlskrone Chlumec in Clumec a.d. Cidlina und die sternförmige Gnadenkapelle auf dem Grünen Berg bei Saar/Zdar, die auf eine geistvoll-paradoxe Weise Zentralbauten Fischers von Erlach variiren. Der Hauptraum steht in einer Raumfolie von abwechselnd dunklen und einverleibten und hellen und ausgeschiedenen Kapellen, während der Aussenbau mit seinen atektonisch geknickten und kulissenartig windschief verlaufenden Wänden und den asym. ansteigenden oder hängenden Dächern Architekturvisionen des Expressionismus vorwegnimmt.

Santini, GiovanniSantin-Aichel, Giovanni

Sarapis
Ägyptischer Hauptgott, dem römischer Jupiter vergleichbar.

SaturnKronos

SaturniusKronos

Saturnus
Lat. Bezeichnung des griechischen Kronos, Vater des Zeus. Gott der Saat und der Ernte.

Satyr
Söhne des Hermes (Merkur) und der Najaden, der Nymphen der Quellen, Flüsse und Seen. Dämonen der freien Natur, die allgemein als Personifizierung der Fruchtbarkeit gelten. Der Satyrn-Kult steht in enger Verbindung mit der Verehrung des Dionysos (Bacchus). Die Begleiter des Dionysos sind Wesen, halb Mensch, halb Tier, die mit Bocksfüssen, Hörnern, spitzen Ohren und Schwänzchen. Vereinzelt werden sie mit einem Krug oder einem Thyrsos sowie beim Flötenspiel dargestellt.

SatyrnSatyr

Scamozzi, Vincenzo
(1552-1616). Italienischer Architetkt, der bedeutendste unter den unmittelbaren Nachfolgern von Palladio, Andrea, ein konservativer, etwas trockener Formalist, der die Stilprinzipien des Manierismus des 16. Jh.s auch noch zur Zeit des Barock beibehielt. Dennoch hat er einige Bauwerke von grosser Bedeutung entworden. Geboren in Vincenza als Sohn eines Zimmermanns, der sich auch als Baumeister betätigte, wurde er von seinem Vater ausgebildet. Vor 1576 schuf er sein Hauptwerk, die Rocca Pisana in Lonigo. Von den Räumen dieser Villa, die auf einer Anhöhe steht, hat man einen grossartigen Blick auf die Landschaft; die Fenster sind als Rahmen für diese Landschaft entworfen. Die Villa ist eine vereinfachte Variante der "Rotonda" von Palladio, Andrea mit einem Portikus vor der Hauptfassade und Fenster mit Palladio-Motiv an den anderen. Scamozzi strebte in seinen späteren Bauten, z. B. bei der Molin Alla Mandria-Villa bei Padua (1597), danach, palladianische Themen weiterzuentwickeln. Von 1578-1580 reiste er durch Süditalien und besuchte dabei Neapel und Rom, wo er Material für seine "Discorsi sopra le antichita di Roma" (1582) zusammentrug. Nach Palladios Tod vollendete Scamozzi verschiedene Bauten dieses Künstlers, u.a. San Giorgio Maggiore in Venedig. Für das Teatro Olimpico in Vicenza schuf Scamozzi 1585 den Zuschauerraum und die Bühne; 1588 entwarf er ein ähnliches Theater in Sabbioneta. 1582 begann er in Padua die etwa überladene Kirche San Gaetano zu errichten und gewann im gleichen Jahr den Wettbewerb für die Neuen Prokurazien am Markustplatz in Venedig. Sein Plan geht auf Sansovinos Bibliothek zurück, ist aber ausgedehnter und durch die Hinzufügung eines dritten Stockwerks auch höer als diese, 1595 begann Scamozzi mit dem Bau von San Niccolo da Tolentino in Venedig nach dem Vorbild von Palladios Redentore. 1599 ging Scamozzi nach Prag, reiste anschliessend durch Deutschland und nach Paris und kehrte 1600 nach Venedig zurück. Vier Jahre später besuchte er Salzburg, in seinen unausgeführten Entwürfen für den Dom verband er die Eigenheiten der Chiesa del Redentore mit jenen von San Giorgio Maggiore. Die Eindrücke dieser Reise prägen seine "L`idea dell`architettura universale" (1615), die letzte und akademischste aller theoretischen Abhandlungen der Renaissance und die erste, die neben Bauten der Antike und der Renaissance auch solche des MA.s erwähnt. Sie ist die eindgültige Sammlung der Säulenordnungen und gewann grossen und anhaltenden Einfluss, besonders im nördlichen Europa.

Schädel, Gottfried
(gest. 1752). Deutscher Architekt, der in St. Petersburg (Leningrad) arbeitete. Sein Hauptwerk war das weiträumige, überreich geschmückte Barockschloss für den Fürsten Menschikow in Oranienbaum (Lomonossow, 1713-25), das erste grosse Schloss in Russland, das in einem westeuropäischen Stil errichtet wurde. Die Ausnahme des Bauwerkes waren gigantisch. An den mittleren Gebäudeteil schlossen sich lange, nach vorn ausschwingende Flügel an, die in überkuppelten Pavillons endigten. Der ganze Bau erhob sich auf terrassenartig erhöhtem Gelände, das durch Nischen gefasst war, die unterhalb des Erdgeschosses zwei weitere Stockwerke vortäuschen.

Schaedtler, Hermann
(1857-1931). Einer der grossen Architekten des Manierismus. Baute von 1906-10 den Neubau von Schloss Kalbeck II nach Muster von Schloss Oberwerries bei Hamm.

Schaeffer, Claude Frederic Armand
Am 6.3.1898 in Strassburg und in Paris Archäologie und begann seine wissenschaftliche Laufbahn 1921 als Kurator der vorgeschichtlichen Abteilung des Museums Rohan-Chateau Strasbourg. 1923 heiratete er O. Forrer, die Tochter eines bekannten Archäologen. 1929 wurde Schaeffer mit der Leitung der Ausgrabungen in Ras Schamra betraut, das er erst 1933 als das alte Ugarit erkannte. Hier entdeckte er in Archiven der Königspalastes Ras Shamra IV die älteste alphabetische Keilschrift: das berühmte "Alphabet v

Schickardt, Heinrich
(1558-1634). Einer der ersten deutschen Architekten der Renaissance. Schickhardt ist nicht so bekannt wie Holl, Elias da sich von ihm keine Bauten von grosser historischer Bedeutung erhalten haben. Er wurde bei Georg Beer ausgebildet und arbeitete mit am Entwurf des Neuen Lusthauses (Neues Lusthaus) in Stuttgart (1684-93, zerstört). 1590 wurde Schickhardt Hofarchitekt des Herzogs von Württemberg, den er auf einer Italienreise (1598-1600) begleiten durfte. Seine neuerworbene Kenntnis der Baukunst der italienischen Renaissance zeigte er in dem Neuen Bau des Stuttgarter Schlosses (Stuttgart I, 1600-09, zerst. 1777), einem rechteckigen Bau mit 66 toskanischen Säulen im Marstall des Erdgeschosses; im Mittelgeschoss darüber der durch zwei Stockwerke gehende Festsaal. Schickhardts systematische Anlage des Städtchens Freudenstadt im Schwarzwald um einen von Arkaden eingefassten quadratischen Platz, an dessen Ecken die Kirche, das Rathaus, die Markthalle und ein Hospital (im Zweiten Weltkrieg zerstört, aber wieder aufgebaut) standen, ist ein gutes Beispiel für Fortschritte in der Stadtplanung in Europa nördlich der Alpen; die Kirche ist L-förmig; Altar und Kanzel befinden sich in der Ecke.

Schickhardt, Heinrich
(1464-1540). Baumeister des Hauses Württemberg. In deren Auftrag erschuf er das L`Horloge-Pavillon, das Prinzenhaus Montbeliard sowie weitere Gebäude in Montbeliard.

Schinkel, Karl Friedrich
(1781-1841). Der grösste deutsche Architekt des 19. Jh.s; arbeitete fast ausschliesslich in Preussen. Schinkel ging in Berlin zur Schule und studierte dort unter F. Gilly, in dessen Elternhaus er verkehrte, und an der neugegründeten Akademie Architektur. Gillys ganz individueller Stil, in dem sich Anklänge an den franzöischen Klassizismus finden, übte grosse Einfluss auf Schinkels Schaffen aus. 1803-05 bereiste er Italien, Frankreich und Deutschland. In Ermangelung grösserer Bauaufgaben malte er in der Folgezeit (zwischen 1807 und 1815) Panoramen und Dioramen (z.B. die 7 Weltwunder, 1812). Daneben, wie auch später immer wieder, entstanden Landschaftsgemälde, die romantische Stimmungen, vielfach mit gotischen Kirchen, schildern. Daran schloss sich eine intensive Beschäftigung mit Bühnenentwürfen an; bis in die 30er Jahre hinein entwarf er Ausstattungen für 42 Aufführungen, so für die "Zauberflöte", "Undine" und "Käthchen von Heilbronn". Unter den architektonischen Entwürfen dieser Zeit fällt das Projekt für ein Grabmal der preussischen Königin Luise (1810) durch seie romantische Gestaltung in neugotischem Stil (Neugotik) mit farbigen Glasfenstern und lebensgrossen weissen Engelsfiguren am Kopfende des Sarkophags auf. 1810 erhielt Schinkel durch Verwendung Wilhelm von Humboldts eine Stelle bei der Verwaltung der Preussischen Baubehörde, wurde 1815 zum Geheimen Oberbaurat im neugeschaffenen Staatsbauamt ernannt - ein sehr hoher Titel für einen so jungen Menschen - und wurde 1830 Leiter dieser Dienststelle. Schinkels Hauptwerke entstanden zwischen 1816 und 1830. Die frühen Bauten sind im streng klassizistischen Stil des Greek Revival gehalten, aber ihrer Funktion entsprechend gegliedert. Er modifizierte die durch Gilly angeregten Fassaden, um auszuschliessen, dass Dekoration und Stilmittel mit der Funktion des Bauwerks in Konflikt gerieten. Die Neue Wache in Berlin, mit dorischem Portikus, entstand 1816, das Schauspielhaus in Berlin mit seinem etwas erhöhten ionischen Portikus und ausgezeichneter Innenraumgestaltung 1818-21 (1945 stark beschädigt, wiederaufgebaut) und das Alte Museum in Berlin 1822-28 (Innenausstattung 1945 zerstört); im Alten Museum bestechen die vollkommen ungebrochene Säulenreihe entlang der Fassade mit ganz schlanken ionischen Säulen, die dem Pantheon ähnliche Rotunde im Zentrum, sichtlich von Durand, Jean-Nicolas-Louis beeinflusst, und das zum Portikus hin offene Treppenhaus, dessen malerische Raumwirkung sich von aussen nicht vermuten lässt. Gleichzeitig entwarf Schinkel ein neugotisches Kriegerdenkmal aus Gusseisen auf dem Kreuzberg in Tegel (1822-24) in einem für Wohnbauten charakteristischen Klassizismus griechischer Prägung und die Werdensche Kirche (1821-31). Für diese Kirche unterbreitete Schinkel eine klassizistische und eine gotische Version; beide Entwürfe sehen ein Gewölke vor. Gebilligt wurde die gotische Fassung, die wohl vom britischen Typ der spätgotischen Königskapellen mit ihren vier Ecktürmchen angeregt wurde, denn Schinkel war an der englischen Baukunst stark interessiert. 1826 unternahm er nach einem kurzen Aufenthalt in Paris eine Reise nach England. - Schon 1816 hatte er die Rheingegend besucht, wobei der sich besonders für die Erhaltung der Kunstdenkmäler interessiert hatte, und 1824 und 1830 wiederum Italien bereist. - Bei seinem Englandbesuch musste er allerdings den grössten Teil seiner Aufmerksamkeit der industriellen Entwicklung widmen, da die Förderung von Handwerk und Industrie ja in Preussen in seinen Amtsbereich ist. Seine grossen Spätwerke zeigen einen entschiedenen Stilwandel. Bei den beiden nicht ausgeführten Entwürfen für eine Börse oder Kaufhalle mit Lagerhaus (ca. 1827) und für eine Bibliothek (um 1830) herrscht das utiliaristische Prinzip vor, ohne Bindung an historische Bauformen. Unter den zur Ausführung gelangten Werken ist die Nikolai-Kirche in Potsdam (1830-37; 1945 stark beschädigt, wiederaufgebaut) im klassizistischen Stil zu nennen. Die Bauakademie folgt andeutungsweise dem Quattrocento, bleibt aber im wesentlichen ein nüchternes, an die Funktion gebundenes Bauwerk. Eine andere Variante in Schinkels Schaffen führte zu Entwürfen für sakrale Zentralbauten und Längsbauten, die durch Anklänge an die frühchristliche Baukunst oder an die italienische Romanik durch eine Bogenarchitektur bestimmtwerden (lombardischer Rundbogenstil). Schinkels malerische Begabung wird in zwei kleinen Bauten in Potsdam, dem Charlottenhof Potsdam und dem römischen Bad (1826- u. 1833), ferner den grandiosen Projekten für ein Königsschloss auf der Akropolis in Athen (1834) und für Schloss Orianda auf der Krim (1838) deutlich.

Schlaun, Johann Conrad
Architekt, geb. 5.6.1695 in Nörde bei Warburg, gest. 21.10.1773 in Münster. Johann Conrad Schlaun ist der wichtigste Architekt Westfalens und einer der bedeutendsten deutschen Baumeister des Spätbarock. Fast gleichzeitig mit Nagel, Franz Christoph besuchte Schlaun das Theodorianum in Paderborn. In den Jahren 1712 bis 1720 stand er als Fähnrich und Leutnant der Infanterie in paderbornischen Diensten. Seine Karriere begann er mit dem Bau kleiner und einfacher Kapuziner-Kirchen, z.B. Brakel (1715-18). In Münster tritt er als Architekt erstmals 1720 in Erscheinung. In den folgenden Jahren bis 1723 nimmt Schlaun auf Kosten des jungen Clemens August von Bayern eine Studienreise durch Europa: Würzburg (hier studierte er 1721 bei Neumann, Johann Balthasar), Rom, Paris, München und event. Wien. Die Verbindung aus militärischer und architektonischer Ausbildung war im Barock keine Seltenheit, berühmtestes Beispiel dafür ist Neumann, Johann Balthasar. Schlauns Laufbahn war vorrangig die des Militärs - Major, Obristleutnant, Oberst, Generalmajor -, seine Tätigkeit aber die des Architekten. Johann Conrad Schlaun war Baumeister in Krieg und Frieden: Er hat als Architekt und Ingenieur, als Oberbaudirektor und General des Kölner Kurfürsten und Münsteraner Bischofs Karriere gemacht und als Baumeister des reichen Stadtadels und Landadels in Kurköln (1725 trat er als Architekt in die Dienste des Kurfürsten und Erzbischofs von Köln, Clemens August, für den er den Bau des Schlosses Brühl 1725-28 begann, das später von Cuvilles veränderte wurde) und im Fürstentum Münster (er siedelte 1728 von Köln nach Münster über) eine ungeheure Bandbreite architektonischen Schaffens hinterlassen. Er hat nahezu "alles" gebaut: vom Gartenhäuschen bis zum Residenzschloss, vom Bauernhof bis zum Lusthaus, von der Kapelle bis zum Kloster, vom Geschütz bis zur Festung. Wie kein anderer hat er die Architektur des Landes bis in die Gegenwart geprägt. Sein in roten Ziegeln und gelben Sandstein verwandelter "grand gout" ist in Münster noch heute spürbar. Er hat Stadt und Land wie kein anderer geprägt. Seine bedeutendsten Bauten fehlen in keiner Architekturgeschichte: das Residenzschloss des Fürstbischofs in Münster (Münster III, 1767 bis 1773); der Erbdrostenhof, Stadtpalais eines der höchsten Würdenträger in Münster; die Clemenskirche, ein Zentralbau, der Rom in Münster anwesend machte; sein Wohnhaus und Atelierhaus in Münster (1753-55) und Haus Rüschhaus (1745-48 - eine ausserordentlich reizvolle Verbindung aus Lusthaus und Gutshof. Seine Planungen für das Jagdschloss Clemenswerth im Emsland (1740-47) - Bauherr war der Wittelsbacher Erzbischof Clemens August - und für dessen Residenz Augustusburg Brühl haben einzigartige Architekturen hervorgebracht. Auch am Schloss in Nordkirchen II hat er seine Spuren hinterlassen. Inwieweit sich Johann Conrad Schlaun mit der modernen, aus Frankreich kommenden Formensprache des Rokoko auseinandergesetzt hat, deren Neuerungen ihm wohl mannigfach auf seiner Reise nach Frankreich 1722/23 begegneten, beweisen nicht zuletzt die Herrenhäuser von Alvinghof (um 1750), Loburg (um 1760), Diek (um 1771), Rösberg und Beck, die entwicklungsgeschichtlich den Typ der Maison de plaisance vertreten. Für den kurfürstlichen Oberjägermeister Ferdinand Joseph Freiherr von Weichs errichtet Schlaun ab 1731 Schloss Rösberg, eines der frühen Beispiele für eine Maison de plaisance im Residenzraum Brühl-Bonn. Dem zweigeschossigen Herrenhaus mit Mansarddach zu sieben Achsen – die Mitte akzentuiert Schlaun durch einen einachsigen Mittelrisalit mit flachem Segmentgiebel – sind symmetrisch zwei ehemals eingeschossige Ökonomiebauten seitlich vorgeordnet, während die Cour d`honneur mit einem heute nicht mehr vorhandenen schmiedereisernen Gitter abschloss. Die Wirkung der Gesamtanlage wurde durch die einzigartige Lage des Landsitzes auf einer aussichtsreichen Terrasse über der Rheinebene gesteigert. In Haus Beck bei Kirchhellen begegnet uns die wohl reifste Anlage vom Typ der Maison de plaisance in Westfalen. Schlaun schuf hier 1766-1777 für Friedrich Florenz Rhaban Freiherr von der Wenige, Generalleutnant und Festungskommandant von Münster, einen Adelssitz, der den Idealvorstellungen von einer Maison de plaisance westfälischen Zuschnitts wohl am nächsten kommt. Das zweigeschossige Herrenhaus mit Mansarddach, ein vornehmer, wohlproportionierter verputzter Backsteinbau mit Hausteingliederung, bildet das Zentrum einer vollkommen symmetrischen spätbarocken Gesamtanlage mit Nebengebäuden und Park, umgeben von Gräften und Teichen. Zur äusserst eleganten Wirkung des Herrenhauses tragen neben den von Schlaun hier verwendeten Gliederungselementen – schlanken, z.T. gedoppelten Lisenen – vor allem die dreiseitig auf Hofseite und Gartenseite vorspringenden Mittelrisalite bei. Während wir hier erneut das für die Fassadengestaltung Schlauns geradezu charakteristische, an italienischen Vorbildern orientierte Motiv der eingetieften Wandfelder antreffen, verrät die Gestaltung der Mittelrisalite mit der Einfassung der mittleren Fensterachse durch breite Eckquader eindeutig französische Einflüsse. Zur kunstgeschichtlichen Bedeutung von Haus Beck trägt nicht zuletzt die noch ganz im originalen Zustand erhaltene symmetrische Raumordnung bei, die den Hauptraum in der Mittelachse verlangte. Dieser Saal liegt grundsätzlich, so auch in Haus Beck, auf der Gartenseite. Ihm vorgelagert ist das runde Vestibül, welches auf dem Gartensaal hinführt, von dem aus sich die übrigen Räumlichkeiten rechts und links erschliessen.

Schliemann, Heinrich
Am 6.1.1822 als Sohn eines Pfarrers in Neubuckow in Mecklenburg geboren. In "Jerrers Weltgeschichte für Kinder" sah der 8jährige das bunte Bild "Troja in Flammen", das ihn so beeindruckte, dass er seinem Vater zugerufen haben soll: "Wenn solche Mauern einmal gewesen sind, so können sie nicht ganz vernichtet sein; sie sind sicherlich nur unter dem Staub und Schutt der Jahrhunderte verborgen." Damals beschloss er, das zerstörte Troja zu suchen und auszugraben. Die Suche nach dem Troja Homers wurde seine Leben

Schlüter, Andreas
(etwa 1660-1714). Gleichbedeutend als Bildhauer und Architekt, als der er nur mit den Grossen seiner Zeit, Hildebrandt, Johann Lukas von und Fischer von Erlach, Johann Bernhard zu vergleichen ist. Ausgebildet wurde Schlüter in Danzig; wohl auch seine Geburtsstadt. Erste Zeugnisse seiner Tätigkeit finden sich in Warschau, wo er 1689-93 u.a. die Giebelreliefs des Krasinski-Palais schuf. Anscheinend arbeitete er in Polen noch nicht als Architekt. 1694 Berufung durch den brandenburgischen Kurfürsten Friedrich III. (den späteren König Friedrich I. von Preussen) als Bildhauer nach Berlin, kurz darauf Studienreisen nach Frankreich und Italien. Nach seiner Rückkehr 1696 wurde er mit der plastischen Gestaltung der Schlusssteine an Fenster und Türen des von Nehring entworfenen Zeughauses (Zeughaus Berlin) beauftragt. 1698 wurde er Nachfolger von Nering, Johann Arnold als Architekt beim Bau des Zeughauses; er schuf auch die Masken der sterbenden Krieger im Lichthof sowie die Trophäen auf der Dachbalustrade. Im gleichen Jahr wurde ihm der Bau des königlichen Schlosses in Berlin (Berlin I) übertragen; Ernennung zum Schlossbaudirektor. Das königliche Schloss (1945 zerstört, 1950 abgerissen) ist SchlütersHauptwerk. Glücklicherweise konnte ein Teil des Skulpturenschmucks von der Lustgartenfassade, aud dem grossen Treppenhaus und aus dem Rittersaal gerettet werden, bevor das Schloss abgerissen wurde. Schlüters Entwurf war offensichtlich von Bernini und La Pautre beeinflusst, auch durch Fischer von Erlach, Johann Bernhard und Tessin, Nicodemus d.J. die beide während der Bauzeit in Berlin waren. 1701-04 entstand die Alte Post in Berlin (1889 zerstört), aber bald darauf fiel Schlüter infolge des Zusammenbruchs des von ihm gebauten Münzturms an der NW-Ecke des Schlosses in Ungnade. 1707 wurde er aus dem Hofdienst entlassen. 1711-12 baute er das Landhaus Kamecke in Berlin-Dorotheenstadt (1945 zerstört, gerettete Fragmente im Bode-Museum in Berlin). Nach dem Tod Friedrichs I. 1713 verliess Schlüter Berlin und wandte sich 1714 nach St. Petersburg, wo er im gleichen Jahr starb.

Schoch, Johannes
(oder Hans, um 1550-1631). Führender Architekt der Renaissance, arbeitete in Heidelberg und Strassburg. Sein Hauptwerk ist der Friedrichsbau im Heidelberger Schloss Heidelberg Heidelberg I (1601-17), in dem die einzelnen Architekturelemente eng miteinander verbunden und kräftig profiliert sind, doch kann im Vergleich mit späteren und vollendeteren Bauten der deutschen Renaissance (z.B. Jakob Wolffs Pellerhaus (Pellerschloss) in Nürnberg) eine gewisse Schwerfälligkeit nicht übersehen werden. Schoch hat wohl zusammen mit Speckle, Daniel am Neuen Bau von Strassburg (Neuer Bau Strassburg, 1582-85 und vielleicht auch am Grossen Metzig (grosser Metzig) in Strassburg (1587-88) gearbeitet. Die Fleischhalle in Heilbronn (um 1600) und der Südflügel des Zeughauses in Amberg (Zeughaus Amberg, 1604) gehen wahrscheinlich auf Entwürfe von Schoch zurück.

Schwanthaler
Das Bildhauergeschlecht der Schwanthaler zählt zu den bemerkenswertesten Künstler-Dynastien der europäischen Kunstgeschichte. Über einen Zeitraum von mehr als zweihundert Jahren, von 1633 bis 1848, lässt sich das Schaffen von 21 Künstlern der Familie durch sieben Generationen nachweisen. Allein fünf Generationen lebten in Ried, ihr Wirkungskreis war überwiegend das Innviertel. Der erste der Dynastie, Hans Schwabenthaler, der aus Altötting eingewandert war, heiratete 1633 ein Bürgerin aus Ried und gründete hier seine Werkstatt. Er starb 1654 in seiner Wahlheimat. Sein erster Sohn Thomas (1634-1707) übernahm schon mit 22 Jahren die Werkstatt des Vaters und führte die Bildhauerkunst des Barock in Oberösterreich zu einem Höhepunkt. Thomas fand rasch zu seinem eigenen Stil, der sich aus der gotischen Tradition Oberösterreichs einerseits und der italienischen Kunst andererseits, die er von Stichen kannte, entwickelte. Diese beiden Quellen erkennt man auch im Aufbau seiner Altäre: Die meist gedrehten Säulen, denen ein stark vor- und zurückspringendes Gebälk aufliegt, stellen eine Neuerung gegenüber den gotischen Schreinaltären dar. Die Engelsköpfchen zwischen dem Knorpelwerk und dem Akanthus gehen auf die Putten römischer Reliefs zurück. Seine Engel blieben (im Gegensatz zu den „Kinderln“ Meinrad Guggenbichlers) jedoch immer unberührbare Wesen. Wichtige Station seines Wirkens waren Zell am Pettenfirst, (1667/68), Schalchen (1672) und als Höhepunkt , St. Wolfgang (1675/76), wo er den berühmten Doppelaltar schuf. Der Stil Schwanthalers wurde von zahlreichen Zeitgenossen kopiert. Thomas` letztgeborener Sohn Johann Franz (1683-1762) setzte die Bildhauertradition fort. Von ihm erlernten seine Söhne Johann Peter d.Ä. (1720-1795), der in Ried blieb, und Johann Dionysius, der in Passau sein Glück versuchte, das Handwerk. Der Nachfahre des letztgenannten, Johann Georg (1762-1838), begründete die Gmundner Linie der Familie. Johann Peter d.J., ein Sohn von Johann Peter d.Ä., vertritt die fünfte und letzte Generation in Ried. Sie alle waren gute Handwerker und schufen zum Teil beachtliche Skulpturen, doch keiner von ihnen reichte an das Genie des Thomas Schwanthaler heran. Erst mit Ludwig Michael (1802-1848) erreichte das Geschlecht einen zweiten künstlerischen Höhepunkt. Er wurde an den Hof Ludwigs I. nach München berufen und schuf für ihn das Monumentalstandbild der Bavaria an der Theresienwiese (1837-50). Bronzene Kolossalstatuen deutscher Herrscher wurden im Anschluss an die grosse Ausstellung „Wittelsbach und Bayern“ (München 1980) im Foyer des Herkulestraktes der Münchener Residenz aufgestellt. Rudolf (1842-79) ist in siebter Generation der letzte Vertreter des Bildhauergeschlechts.

Sckell, Friedrich Ludwig von
(1750-1823). Gartenbauarchitekt. Nach einer Lehrzeit in Bruchsal und Zweibrücken unternahm er Studienreisen nach Paris und England (1773). 1778 wurde er Hofgärtner in Schwetzingen, später in München Hofgartenintendant (München I). Sein Hauptwerk ist der englische Garten in München, der ursprünglich von Graf Rumford entworfen worden war (1789). Sckell führte den Entwurf aus und erweiterte später den Park (1804ff.).

Scotti, Giovanni Pietro
(* 1695 Laino, † nach 1747), Maler. Er war der Schwager von Retti, Paolo. Zwischen 1729 und 1732 in Ludwigsburg, war er Mitarbeiter in Carlo Innocente Carlones Werkstatt. Er fertigte die Deckenfresken in der Bildergalerie an und schuf zusammen mit Giuseppe Baroffio das Deckengemälde im Ordenssaal (Ludwigsburg Krs. Ludwigsburg). Weiterhin lieferte er mehrere Supraporten für das Neue Corps de Logis. Über Ludwigsburg hinaus sind Tätigkeiten in Stuttgart im Alten Schloss (Stuttgart I) und in Mailand belegt.

SeilenosSilen

Sellari, Girolamo de`Carpi, Girolamo da

Semele
Tochter des Kadmos, des Gründers der Stadt Theben, und der Harmonia. Geliebte des Zeus (Jupiter); Mutter des Dionysos (Bacchus). Semele wird gewöhnlich als lebloses Mädchen dargestellt; am Himmel erscheint der mit Blitzen bewaffnete Zeus (Jupiter) mit dem Adler. Vereinzelt taucht auch Hera (Juno) zwischen den Wolken auf.

Semper, Gottfried
(1803-79). Der bedeutendste deutsche Architekt um die Mitte des 19. Jh.s. Wurde in Hamburg geboren, studierte in Göttingen und München unter Gärtner, Friedrich von. Nach einem Duell flüchtete er 1826 nach Paris, wo er unter Gau und Hittorf arbeitete. 1830 bis 1833 lebte er in Italien und Griechenland, veröffentlichte anschliessend eine stark von Hittorf beeinflusste Abhandlung über die Polychromie in der griechischen Baukunst der Antike und erhielt 1834 einen Ruf als Professor an die Akademie in Dresden. Hier schuf er seine schönsten Bauten. Zuerst errichtete er das Dresdener Opernhaus (1838-41, 1869 abgebrannt. Veränderter Neubau 1871-78), ursprünglich im Chinquecentostil mit massvoller Ornamentik; der Aussenbau brachte die Raumverhältnisse des Inneren klar zum Ausdruck. Die halbkreisförmigen Fassade geht über Mollers Schauspielhaus in Mainz auf das Theatre Feydeau zurück. In der Synagoge in Dresden (1839.40) sind lombardische, byzantinische, maurische und romanische Stilelemente zu einer Einheit verschmolzen; es folgen in Dresden die Villa Rosa (1839) im Stil des Quattrocento, das Oppenheim-Palais (1845) im Stil des Cinquecento und die Gemäldegalerie (1847-54), die mit ihrer langen bogengeschmückten Fassade den Zwinger Dresden, der im Norden offen geblieben war, schloss. Nach der Märzrevolution von 1848 musste Semper Deutschland verlassen; er ging zuerst nach Paris (1649-51), hatte dort aber keinen Erfolg. Er spielte mit dem Gedanken, nach Amerika auszuwandern, liess sich dann aber in London nieder (1851-55), wo er einige Sektionen für die Weltausstellung von 1851 schuf. Er beriet Prinzgemahl Albert bei der Planung eines Museums, aus dem das heutige Victoria- und Albert-Museums wurde. Semper war in hohem Masse am Kunstgewerbe interessiert. Seine Schrift "Der Stil in den technischen und tektonischen Künsten" (1861-63, nur 2 Bände erschienen) ist die interessanteste Anwendung materialistischer Prinzipien auf Handwerk und Kunst; Semper versuchte zu beweisen, dass der Ursprung des Ornaments in den wechselnden Bearbeitungstechniken der einzelnen Materialien liegt. Sein architektonisches Glaubensbekenntnis ist, dass die Funktion eines Bauwerks in Grundriss, Aussenbau und Schmuck ihren Ausdruck finden müsse. 1855 ging Semper nach Zürich, lehrte dort bis 1871 an der Technischen Hochschule. Zu dieser Zeit schuf er Entwürfe für das von Ludwig II. geplante Wagner-Nationaltheater (1864-66), die später den Bau des Bayreuther Festspielhauses in hohem Masse beeinflussten (von O. Brückwald, 1872-76) erbaut. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Semper in Wien. Sein Stil hatte sich, wie man es am zweiten Dresdner Opernhaus (abgebrochen, 1871 entworfen) deutlich sehen kann, gewandelt, er war jetzt freier und zeigte eine Tendenz zum Barock. Auch in den beiden grossen gleichgestalteten Wiener Museumsbauten, die mit der Neuen Hofburg ein Forum bilden (1872ff. und 1881ff.) und im Burgtheater (1873) tritt dieser neue Stil in Erscheinung. Sie wurden nach Sempers Entwürfen von karl von Hausenauer (1833-94) ausgeführt.

Serlio, Sebastiano
(1475-1554). Maler und Bildhauer, vor allem bekannt als Autor des Buches "L`Architettura", das in sechs Teilen zwischen 1537 und 1551 erschien (1575 nach seinen Zeichnungen erweitert). Es war die erste Architekturtheorie, die mehr auf die Praxis als auf die Theorie einging und die erste systematische Darlegung der fünf Säulenordnungen. Serlios Schrift machte Bramantes und Raffaels Stil in ganz Europa bekannt und stellte für Architekten und Baumeister eine grosse Vorbildersammlung dar. Geboren und ausgeb

Sesselleiste
Eine um die Wände eines Raumes herumgeführte Leiste aus Holz, die die Beschädigung der Wandfläche durch Stuhllehnen verhindern soll. Sie kann verziert sein.

Severus
Römischer Architekt, erbaute nach Tacitus zusammen mit Celer die Domus Aurea, Neros zweiten Palast, den dieser nach der Zerstörung seines ersten, der Domus Tranistoria, durch den Brand Roms (64 n. Chr.) errichten liess. Der Baukomplex erstreckte sich mit 50 ha Grundfläche vom Palatin bis zum Esquilin und umschloss Gärten, Tiergehege und selbst einen See (wo später das Colosseum entstand). Die Räume wurden überaus luxeriös gestaltet. Tacitus rühmt den Geist des Architekten, der "selbst das zu schaffen

Shaw, Richard Norman
(1831-1912). Schüler von William Burn (1789-1870); ein sehr erfolgreicher, fachkundiger und ideenreicher Architekt. Shaw gewann nach einer Reise durch italien, Frankreich und Deutschland 1854 die Goldmedaille der Akademie in London und verööfentlichte an die hundert Reiseskizzen. Im selben Jahr ging Shaw als Chefzeichner zu Street, wo er die Stelle von Webb, John einnahm. Mit einem Freund, Eden Nesfield (1835-88), eröffnete er ein eigenes Büro; die beiden Partner arbeiteten aber meist getrennt. Shaw begann im Stil der Neugotik und schuf eine Anzahl bedeutender Kirchen (Bingley in Yorkshire, 1864-68, Batchcott in Shropshire 1891-92), darunter zeigt eine, Bedford Park in Middlesex (1880), seinen bezaubernden, reifen Mischstil, doch wurde dieser Stil nicht plötzlich erreicht, sondern langsam entwickelt. In den dazwischenliegenden Jahren schuf Shaw höchst malerische Landsitze, einige in Fachwerkmanier, andere als Steinbauten: Leys Wood in Sussex (1868), Cragside House in Northumberland (1870 ff.). Allmählich wurde der Stil intimer, einfacher in den Details; auch verwendete er hauptsächlich die am jeweiligen Orte üblichen Baustoffe (Glen Andred in Sussex 1868). Diese Entwicklung hat Shaw mit Nesfield gemeinsam. Der reife Stil von Shaw und Nesfield geht auf die in der Mitte des 17. Jh.s unter holländischem Einfluss entstandenen Backsteinhäuser und den zur Zeit Wilhelms III. von England (1688-1702) herrschenden Stil zurück, seltener auf die Gotik oder den Tudorstil. Die Dekoration ist feiner ausgearbeitet als üblich, die Innenraumgestaltung wurde manchmal der Firma von William Morris überlassen. Welcher der beiden Architekten zuerst in diesem Stil zu arbeiten begann, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Die Tatsachsen sprechen mehr für Nesfield, so sein im holländischen Stil des 17. Jh.s geschaffenes Eingangshäuschen in Kew Gardens (1866) und Kinmel Park (um 1866-68), in dem er diese Stilelemente mit denen des Louis-treize zu einer Einheit verschmolz.

Shih-ning, LangCastiglione, Giuseppe

Shute, John
(gest. 1563). Autor des ersten engl. Architekturbuchs "The First and Chief Groundes of Architecture" (1563); er nannte sich selbst Maler und Architekt und gehörte zum Hof des Herzogs von Northumberland. Der Herzog sandte ihn um 1550 nach Italien. Shute`s Buch enthält die meist auf Serlio, Sebastiano zurückgehenden Illustrationen zu den fünf Säulenordnungen. Bis 1587 war diese Schrift in vier Auflagen erschienen; sie muss in grossem Masse benutzt worden sein.

Siciliano, Fabricio
Sizilianischer Festungsbaumeister, der im 16. Jh. lebte. Er erbaute die Festungsmauer von Navarrenx, die später von Vauban, Sebastian le Prestre de vervollkommnet wurde.

Silen
(griech. Seilenos). Sohn des Pan (Faunus) oder des Hermes (Merkus) und einer Nymphe. Erzieher des Dionysos (Bacchus). Silen wird als feister Alter mit einem Efeublattkranz- und Weinblattkranz auf dem Haupt dargestellt. Auf anderen Abbildungen hält er sich mühsam auf einem Esel, da er immerzu betrunken ist.

Sinan
(1489-1588). Der grösste türkische Architekt, mutmasslich griechischer Abstammung. Er arbeitete für Suleiman II. den Prächtigen im ganzen Osmanischen Reiche von Budapest bis Damaskus und schuf nach eigener Aussage nicht weniger als 334 Moscheen, Schulen, Krankenhäuser, öffentliche Bäder, Brücken, Palaste usw. Die berühmteste seiner Moscheen, die auf die Hagia Sophia zurückgehen, ist die grosse Suleyman-Moschee in Istanbul (1550-56). Er selbst betrachtete die Selimiye Cami in Edirne (Adrianopel; 1569-75) als sein Meisterwerk.

Sirenen
Sie gelten gewöhnlich als Töchter des Flussgottes Acheloos. Legendäre Meerwesen, die so lieblich singen, dass alle, die sie hören, in ihren Bann gezogen werden. Sirenen werden gemeinhin als Frauen mit menschlichem Oberkörper und einem Fischschwanz als Unterleib dargestellt. Entweder tummeln sie sich am Meerufer oder nähern sich dem Schiff des Odysseus.

Smirke, Sir Robert
(1780-1867). Der führende Architekt des Greek Revival in England, besass jedoch nicht die Genialität von Schinkel, Karl Friedrich, von dem er wohl beeinflusst worden ist. Smirke war der Sohn eines Malers und Akademiemitglieds und lernte bei Soane, Sir John, mit dem er sich aber schon nach wenigen Monaten entwzeite. Er unternahm 1801-05 Reisen nach Italien, Sizilien und Griechenland, skizzierte die meisten der antiken Bauten auf dem Peloponnes und veröffentlichte unmittelbar nach seiner Rückkehr nach London den ersten (und einzigen) Band seiner geplanten "Specimes of Continental Architecture" (1806). Seine ersten eigenen Bauten sind im Stil des Mittelalters gehalten: Lowther Castle (1806-11) und Eastnor Castle (um 1810-15). Einen Namen machte er sich mit dem Covent garden Theatre (1808, zerstört), dem ersten dorisch-klassizistischen Bauwerk in London; es übte einen sehr grossen Einfluss aus. Es zeigte, mit welch einfachen Mitteln Erhabenheit und Grossartigkeit erreicht werden können. Smirkes kühle und geschäftstüchtige Art brachte ihm bald Erfolg und Vermögen. 1813 erreichte er den Gipfel seiner Laufbahn, als er mit Soane, Sir John und Nash, John zu einem der leitenden Architekten der Baubehörde ernannt wurde. Seine Hauptwerke entstanden im nächsten Jahrzehnt, und zwar zuerst das Britische museum (1823-47) in London, dann die Londoner Hauptpost (1824-29, zerstört), beides grosse Bauten, ganz im Stil des griechischen Klassizismus gehalten. Obwohl das Britische Museum in Berlin nicht so profiliert und eindrucksvoll wie das Alte Museum in Berlin (1825) von Schinkel, Karl Friedrich, strahlt es mit seiner gewaltigen Kolonnade ionischer Säulen eine edle Würde aus und veranschaulicht am besten Smirkes bewundernswerte Klarheit und sichere Detailbehandlung. 1832 wurde Smirke zum Ritter geschlagen, 1845 zog er sich aus dem Berufsleben zurück.

Smith, George
Am 26.3.1840 in London-Chelsea geboren. Er wuchs ohne geregelte Schulausbildung auf und wurde Graveur von Banknoten. In seiner Freizeit sortierte er im Britischen Museum Keilschrifttfeln, die Rassam, Hormuzd und Rawlinson, Sir Henry Creswicke in Ninive gefunden hatten. Sir Rawlingson wurde auf den jungen Smith aufmerksam und verschaffte ihm eine Anstellung in der Assyrischen Abteilung des Museums. Smith befasste sich nun mit der Übersetzung der babylonischen Keilschrifttexte aus der Bibliothek Assurbanipals und konnte schon bald einen Text veröffentlichen, der die Sonnenfinsternis des Jahres 763 v. Chr. beschrieb. Anschliessend übersetzte er einen Bericht über den Einfall der Elamiter in Babylonien. 1872 entdeckte er unter den Tausenden von Tontafeln ein Tontafelfragment mit sechs Schriftkolonnen in akkadischer Sprache: den Sintflutbericht des Gilgamesch-Epos. Das 17 Zeilen dieses Berichtes fehlten, reiste Smith im Mai 1873 mit finanzieller Unterstützung durch den "Daily Telegraph" nach Ninive, um das fehlende Bruchstück zu suchen. Schon am fünften Tage der Grabungen hatte Smith das Tafelfragment gefunden. Die Zeitung, die nun ihre Story hatte, lehnte weitere Zuwendungen ab, und Smith musste nach London zurückkehren, so sehr ihn die Suche nach anderen Keilschriftdokumenten auch gereizt hätte. Noch am letzten Tag entdeckte er auf dem Tell Kujundschik Tafeln mit babylonischen Königslisten. 1874 und 1876 führte Smith im Auftrag des Britischen Museums zwei Expeditionen in den Nahen Osten durch. 1876 untersuchte er u.a. das alte Karkemisch. Aber er war körperlich den Strapazen einer Arbeit in grosser Hitze nicht gewachsen und starb am 19.8.1876, erst 36 Jahre alt, in Aleppo an (Syrien) an einer Darminfetion.

Smithson, John
(gest. 1634). Sohn von Smythson, Robert. Er entwarf Bolsover Castle, vielleicht die romantischste alle Pseuco-Burgen.

Smythson, Robert
(ca. 1536-1614). Der einzige bedeutende Architekt des elisabethanischen Sitls. Er führte den aufwendigen Landhausstil, der von den Höflingen und dem Hochadel jener Zeit entwickelt wurde, zur höchsten Vollendung. Smythson ist zuert in Longleat nachweisbar, wo er als leitender Baumeister (1568-75) arbeitete. Sein Hauptwerk ist Wollaton Hall (ca. 1580-88), ein revolutionäres Bauwerk, das aus einem einzigen Block mit einer Mittelhalle und Ecktürmen besteht und an beiden Achsen symmetrisch gestaltet ist. Der Grundriss geht wahrscheinlich auf Serlio, Sebastiano zurück, die eigenartigen Ornamente - Beschlagwerk, Bandelwerk, Rollwerk usw. - auf Vries, Hans Vredemann de. Die phantastische und romantische Silhouette des Hauses, die in den Umrisslinien einer Burg gleicht, ist Smythsons eigene, sehr englische Schöpfung. Smythson liess sich in der Nähe von Wollaton nieder, erwarb Grundbesitz und führte das Leben eines Landedelmanns. Mit grösster Wahrscheinlichkeit war er an der Gestaltung der Entwürfe für Workshop Manor (ca. 1585, heute zerstört), Hardwick Hall (1590-97) und Burton Agnes Hall (1601-20) beteiligt.

Soane, Sir John
(1753-1837). Der eigenständigste englische Architekt nach Vanbrugh, Sir John. Sein sehr individueller Stil wird oft als klassizistisch bezeichnet, doch ist er wegen seiner komplizierten und unerwarteten Raumwirkungen eher romanitsch oder malerisch zu nennen. Intensität und Ernst seiner manchmal in anziehender Weise ausgefallenen Bauwerke spiegeln etwas von seinem komplizierten Charakter wider. Soane war seiner selbst niemals ganz sicher, und ungeachtet seiner Genialität fehlte ihm ein absolutes Vertrauen in seinen eigenen Stil. Soane war der Sohn eines Baumeisters aus Berkshire, lernte unter Dance und Holland, Henry, studierte dann drei Jahre in Italien, wo er wahrscheinlich Piranesi, Giovanni Battista kennenlernte. Am stärksten prägten ihn französische Einflüsse, besonders der Stil Peyres und Ledoux, Claude-Nicolas`. 1780 kehrte Soane nach London zurück, begann seine Karriere mit einer Anstellung als ausführender Architekt beim Bau der Bank von England (1788). Dies (heute zerstörte) Bauwerk gehörte zu den fortschrittlichsten architektonischen Schöpfungen im Europa jener Zeit. Die Effektenabteilung (beg. 1792) und die Rotunda (beg. 1796) müssen erschreckend herb gewirkt haben mit ihren Flachkuppeln und einer allgemeinen Betonung der Funktion und der Schlichtheit der Konstruktion, ganz abgesehen von der Reduzierung der klassizistischen Ornamentik zu rudimentären Kanneluren und angedeuteten Gesimsen. Das romantische, malerische Element in Soanes Werk nimmt ab 1800 zunehmenden Raum ein; besonders fühlbar wird das in der Dulwich College Art Gallery (1811-14) und in Pitzhanger Manor House, London (heute Ealing Public Library, 1800-03), "primitive" Backsteinbauten, in denen die einzelnen Elemente ganz leicht verformt wirken. Den Höhepunkt dieser Entwicklung stellt Soanes eigenes Haus, Nr. 13 Lincoln`s Inn Fields in London (1812-13), dar; heute beherbergt es das Sir John Saone Museum. Es ist exentrisch und individualistisch bis zur Wunderlichkeit, besonders innen mit seinen ineinandergeschachtelten und ineinander übergehenen Räumen, verschieden hohen Böden, Hunderten von Spiegeln, die grössere Räume vortäuschen und die Raumeinteilung verschleiern, und mit seinen gotischen Bögen, die die Gebundenheit der Wände an die Decke scheinbar aufheben. Der Aussenbau veranschaulicht Soanes lineare Stilisierung bei stärkerer Betonung der Wandflächen als der Wandmassen. Seine letzten bemerkenswerten Bauten sind die säulenlosen, ganz zweckbetonten Stallungen für das Chelsea Hospital (1814-17), St. Peter`s, Walworth (1822) und Pellwall, Staffordshire (1822-28), ein kleines villenartiges Haus mit eigenwilligen, an Vanbrugh, Sir John erinnerten Stilelementen. 1806 wurde Soane zum Professor der Architektur an der königlichen Akademie ernannt und 1831 zum Ritter geschlagen.

Soufflot, Jacques-Germain
(1713-80). Französischer Baumeister. Der grösste Architekt des Klassizismus in Frankreich. Geboren in Irancy bei Auxerre als Sohn eines Anwalts, ging gegen den Willen seines Vaters 1731 nach Rom, um Architektur zu studieren, blieb dort sieben Jahre und liess sich unmittelbar nach seiner Rückkehr in Lyon nieder. Dort errichtete er das riesige Hotel-Dieu (1741ff.), das seinen Ruhm begründete. 1749 wurde er von Madame de Pompadour beauftragt, ihren Bruder, Marigny, Marquis de, nach Italien zu begleiten; er sollte dort zwei Jahre verbringen, um sich auf den Posten des Oberhofbaumeisters vorzubereiten. Die Reise verlief erfolgreich und kann als Beginn des romantischen, an der Grösse des antiken Rom orientierten Klassizismus in Frankreich angesehen werden. Soufflots Ste-Genevieve in Paris (beg. 1757, seit der Revolution "Pantheon" genannt, ist das Hauptwerk des französischen Klassizismus. Die Anlage dieser Kirche war für Frankreich revolutionär und wurde von Laugier, Marc-Antoine als "das erste Beispiel vollkommener Architektur" begrüsst. Dieses Werk bringt eine neue, ernsthaftere, um nicht zu sagen feierlichere Haltung gegenüber der Antike zum Ausdruck. Es verbindet römische Regelmässigkeit und Monumantalität mit einer strukturellen Leichtigkeit, die auf die Gotik zurückgeht. Soufflot selbst sagte 1762, man solle die griechischen Säulenordnungen mit der Schwerelosigkeit, wie man sie an gotischen Bauwerken bewundert, verbinden. Er arbeitete bis zu seinem Lebensende an Ste-Genevieve, erlebte jedoch nicht mehr ihre Vollendung. Von seinen Bauten sind noch die Ecole de Droit in Paris (entworfen 1763, erbaut 1771ff.) und verschiedene kleine, verspielte Bauten im Park des Chateau de Menars (1767ff., an Stelle von Gabriel, Jacques-Ange), eine Rotunde, ein Nymphäum und eine Orangerie, zu erwähnen, alle in einem eleganten, aber zielich trockenen Klassizismus.

Speckle, Daniel
(1536-89). Deutscher Architekt der Renaissance, der seine Laufbahn in Wien begann, sich aber 1564 in Strassburg niederliess, wo er es zum Stadtbaumeister brachte. Er war vermutlich für den Neuen Bau in Strassburg (1582-85) verantwortlich, bei dem er möglicherwesie mit Schoch, Johannes zusammenarbeitete, ud war auch in Münster tätig. 1583 veröffentlichte er seine "Architectura von Vestungen".

Specklin, DanielSpeckle, Daniel

Starow, Iwan Yegorowitsch
(1743-1808). Der erste Architekt russischer Abstammung, der erfolgreich nach westeuropäischen Vorbildern arbeitete. Geb. in Moskau, ausgebildet an der Kunstakademie in St. Petersburg, reiste anschliessend nach Paris, wo er 1762-68 unter Wailly, Charles de studierte. Er arbeitete im klassizistischen Stil; seine Bauten wirken ziemlich massig, z.B. die Kirche und der grosse, im oberen Abschnitt mit einer Säulenstellung aufgelockerte Rundbau des Glockenturms in Nikolskoje (1774-76, zerstört 1941). Sein Hauptwerk ist das grosse, für Potemkin errichtete Taurische Palast (Taurisches Palais) in St. Petersburg (1783-88), innen wie aussen reich mit Säulen geschmückt, später von Luigi Rusca umgestaltet.

Stefano, Giovanni diLanfranco, Giovanni

Stevens von Steinfels, Johann Jakob
(* 27.7.1651 Prag, † 4.11.1730 Prag), Maler. In jüngeren Jahren arbeitete Stevens von Steinfels als Freskant in verschiedenen kaiserlichen Gartenbauten in Prag. Im ersten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts war er dann zusammen mit Soldati in der Prager Ursulinenkirche und dem Lobkowitz-Palast Praha tätig, ehe er 1709 nach Ludwigsburg Krs. Ludwigsburg berufen wurde. Nach seiner Rückkehr nach Böhmen war Stevens von Steinfels von 1713 an gemeinsam mit Corbellini mit der Ausschmückung der Abteikirche in Ossegg beschäftigt.

Strada, Jacopo
Jacopo Strada hatte in seiner Geburtsstadt Mantua das Goldschmiedehandwerk gelernt und sich alsbald zu einer Art Universalgenie entwickelt. Er war in einer Person Maler, Architekt, Goldschmied, Münzforscher, Sprachforscher, Kunstkenner, Kunstsammler und Kunsthändler. Seit dem Jahr 1558 diente er 30 Jahre lang drei Habsburger-Kaisern, Ferdinand I., Maximilian II. und Rudolf II., als Ratgeber in allen künstlerischen und technischen Fragen. Ebenso war er für die Fugger in Augsburg tätig. Kaiser Maximilian II. zahlte ihm als dessen "Antiquarius" ein jährliches Entgelt. Im Jahr 1566 ging Strada auf Geheiss des Kaisers an den Hof nach München, wo er für die bayerischen Herzöge am Münchener Antiquarium mit dem Erwerb von Antiken beschäftigt war. Sein von Tizian gemaltes Bildnis hängt heute im Wiener Kunsthistorischen Museum. Nachdem die Zuschreibung von Bučovice an Strada lange Zeit eine Hypothese geblieben war, fand man 1987 Archivdokumente, die beweisen, dass sich Strada tatsächlich mindestens von Herbst 1583 bis Frühjahr 1584 in "Geschäftsangelegenheiten" bei Johann Schembera von Boskowitz in Bučovice aufgehalten hat. Da der Bau zu diesem Zeitpunkt weitgehend abgeschossen war, ist sein Aufenthalt mit hoher Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit dem künstlerisch und intellektuell anspruchsvollen Programm der Innenausstattung zu sehen.

Stratmann, Anton Joseph
Maler, geb. 1732 in Paderborn, gest. 1807 vermutlich in Paderborn. Anton Joseph Stratmann stammt aus einer vom 16. bis in das 19. Jh. hinen bedeutenden westfälischen Malerfamilie. Nach dem Besuch der Akademie in Antwerpen war er vor allem an der Ausmalung und malerischen Dekoration des Residenzschlosses in Münster III beteiligt und hat zahlreiche Porträts von Fürstbischöfen und Domedechanten angefertigt.

Stuart, James "Athenian"
(1713-88). Französischer Altertumsforscher mit Veröffentlichungen über die Ausgrabungen von Herculaneum und Pompeji.

Sustris, Friedrich
(1524-99 oder 91?). Niederländischer Maler und Architekt des Manierismus, arbeitete in München, wo zur gleichen Zeit Peter Candid und Hubert Gerhard lebten. Sustris studierte in Italien, bevor er sich eine verfeinerte manieristische Formensprache, die auf Vasari, Giorgio zurückgeht, aneignete. Sein architektonisches Hauptwerk ist der chor mit dem Querschiff der Michaelskirche in München (1592, erbaut nach dem Einsturz des Turms im gleichen Jahr). Wahrscheinlich entwarf Sustris auch den Grottenhof in der Münchener Residenz (München I), dessen Stil vom florentinischen Manierismus geprägt ist. 1584 baute Sustris die Pfarrkirche in Dachau wieder auf. Sein Entwurf für die Innenraumgestaltung von Burg Trausnitz Landshut (1577) hat sich erhalten, auch wird ihm die Akademie der Wissenschaften (früher Jesuitenkolleg) in München zugeschrieben.